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Die Rote Armee befreit Berlin [Auszüge aus “Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung”]

Vom 04. bis 11. Februar 1945 tagte in Jalta die Krimkonferenz der »Großen Drei« der Antihitlerkoalition. Hier wurden die Grundsätze für eine europäische Nachkriegsordnung in Frieden und Sicherheit vereinbart. Die Vorschläge der Sowjetischen Delegation prägten wesentlich die Beschlüsse dieser Konferenz; sie trugen der geschichtlichen Erfahrung der Völker Rechnung, daß nach zwei vom deutschen Imperialismus entfesselten Kriegen feste und zuverlässige Grundlagen dafür geschaffen werden mußten, daß im Zentrum Europas niemals wieder ein Aggressionsherd entsteht, daß Frieden, Sicherheit und Demokratie dauerhaft geleistet werden. (…) Die Niederlage des faschistischen Deutschlands stand unmittelbar bevor.

Anfang April 1945 bereiteten sich die Truppen der Roten Armee an Oder und Neiße auf die Schlacht um Berlin vor.

Das Oberkommando der faschistischen Wehrmacht wollte die sowjetischen Truppen in einer Abwehrschlacht zermürben und erschöpfen. Von der Oder bis Berlin ließ es ein durchgehendes Stellungssystem errichten. Unmittelbar vor der Hauptstadt wurden drei Verteidigungszonen angelegt. In den Straßen Berlins entstanden massive Barrikaden, Panzersperren, Panzerfallen; Häuserfenster wurden in Schießscharten verwandelt. (…) Zweifler und Kriegsmüde wurden von Strafkommandos, Geheimer Feldpolizei und Wehrwolf-Hitlerjungen gnadenlos ermordet. (…)

Am 16. April 1945, um 03:00 Uhr, begann die Offensive der sowjetischen Streitkräfte auf Berlin. Der stärkste Feuerschlag des Krieges eröffnete die Berliner Operation. Mit rund 2,5 Millionen Mann (…) griffen die sowjetischen Truppen das tiefgestaffelte, von etwa 1 Million Soldaten gedeckte faschistische Stellungssystem an. (…)

Nach vier Tagen härtester Kämpfe um die Seelower Höhen, die über 30.000 Sowjetsoldaten das Leben kosteten, eröffnete am 20.April weitreichende Artillerie das Feuer auf Berlin. Einen Tag später erreichten Spitzenverbände der 5. Stoßarmee unter General Oberst Nikolai Bersarin, aus Richtung Straußberg kommend, Berlin. Sie überwanden den äußeren Verteidigungsring bei Hohenschönhausen, Marzahn, Wuhlgarten und Kaulsdorf. Die nördlicher operierende 3. Stoßarmee befreite Zepernick, Buch, Buchholz, Karow, Blankenburg und Teile Weißensees.

Die intakt gebliebenen Zellen und Gruppen der Berliner Partei- und Widerstandsorganisationen mußten in diesen Tagen unter unsagbar schwierigen Bedingungen kämpfen. Berlin war zum Heerlager von SS-Formationen und sogenannten Eliteverbänden geworden. (…) Die Widerstandsaktionen der Kommunisten und ihrer Kampfgefährten waren darauf gerichtet, das Leben der Berliner Bevölkerung und die dafür erforderlichen Einrichtungen zu retten und den Vormarsch der Roten Armee zu unterstützen. (…)

In mehreren Stadtbezirken Berlins vernichteten bewaffnete antifaschistische Kampftrupps Munitionslager, Geschützstellungen und andere militärische Objekte der Faschisten; Antifaschisten beseitigten Sperren und Barrikaden, entwaffneten Volkssturm- und Wehrmachtsangehörige und verhinderten Sprengungen. (…)

In zahlreichen Straßen und Häusern, auf Plätzen, Brücken und Bahndämmen stießen die Sowjetsoldaten (..) auf fanatische faschistische Einheiten. (…) Dennoch rückten die sowjetischen Truppen in harten und opferreichen Straßenkämpfen vor.  (…)

Am 23.April war auch der größte Teil Pankows befreit, ebenso Köpenick, Adlershof und Karlshorst. (…) Die Front verlief am 23.April 1945 etwa auf der Linie Tegel, Humboldthain, Wollankstraße, S-Bahnhof Schönhauser Allee, Friedrichshain, S-Bahn-Ring ab Bahnhof Landsberger Allee bis Frankfurter Allee, Teltowkanal. Am 24.April drangen die sowjetischen Truppen über Kremmen und Velten nach Nauen vor und näherten sich Berlin vom Westen. Tegel, Wittenau und Reinickendorf sowie Rudow wurden befreit. (…) Gekämpft wurde in Zehlendorf, Tempelhof und Neukölln. In Neukölln lösten Antifaschisten Einheiten des sogenannten Volkssturms auf. Aus Schöneweide stießen die sowjetischen Truppen nach Rummelsburg vor. Erbittert wurde zwischen Ostkreuz und Schlesischem Bahnhof gekämpft. (…)

Die sowjetischen Truppen der 1. Belorussischen und der 1. Ukrainischen Front vereinigten sich am 25.April bei Ketzin. Damit war der Ring um Berlin geschlossen. In der Stadt befreiten Sowjetsoldaten Altglienicke, Mariendorf, Lankwitz und drangen nach Treptow und Britz vor. (…) In der Innenstadt kämpften sich am 26.April die sowjetischen Stoßtrupps meterweise die Frankfurter Allee vorwärts. In den Morgenstunden gelang es, die Wohngegend um den Alexanderplatz zu befreien. Am Abend hatten die Truppen den U-Bahnhof Schillingstraße nahe dem Alexanderplatz erreicht. (…) Am 27. Und 28. April nahmen die sowjetischen Truppen die zentralen Gebiete der Stadt um den Alexanderplatz, die Flughägen Tempelhof und Gatow ein und befreiten Spandau, Teile von Schöneberg, Tempelhof und Kreuzberg. Immer geringer wurde der Abstand zum Regierungsviertel, das besonders hartnäckig verteidigt wurde. (…) Während Antifaschisten alles daransetzten, das Leid der Bevölkerung zu verkürzen, begingen die Faschisten noch bis zur letzten Minute ihrer Macht furchtbare Verbrechen. (…)

Der Schüler Werner Boldt aus Prenzlauer Berg schilderte, wie er die Befreiung erlebte:

»Am 22.April 1945 zogen Vormittags um 11 Uhr die Russen über den Nordring in die Kopenhagener Straße ein. Wir saßen alle verängstigt im Keller, nur einige Hausbewohner standen in der Haustür und beobachteten das Geschehen. Drei russische Soldaten stellten Kopenhagener/ Ecke Rhinower Straße ein Pakgeschütz auf und winkten unseren Zivilisten zu. Dieselben hegten Mißtrauen und wagten sich nicht gleich auf die Straße. Nachdem einige Zivilisten aus dem Haus gingen, liefen auch einige Mieter unseres Hauses den Russen entgegen. Die ersten Leute kehrten mit Brot, das sie von den russischen Soldaten bekommen hatten, ins Haus zurück. (…) Mein Vater sagte: >Solch eine Besatzung, welche den Zivilisten zuwinkt, habe ich im ganzen Weltkrieg nicht gesehen.< (..) Am nächsten Morgen bezog die SS ihre Stellung in der Gleimstraße. Während uns die Russen am Tage zuvor laufen ließen, hat die SS auf uns geschossen.«

Die sowjetischen Soldaten kamen nicht als Eroberer, sondern als Befreier.

Am 29. April umfaßte Hitlers Machtbereich noch ganze 25 Quadratkilometer. (…) Am frühen Morgen des 30.April eröffneten Sturmgruppen der 3.Stoßarmee von drei Seiten her den Angriff auf den Reichstag. (…) Nun hielten faschistische Verbände nur noch den Tiergarten und das Regierungsviertel besetzt, wo sich Hitler und andere Naziführer durch Selbstmord der Verantwortung für ihre Verbrechen entzogen. (..) Am 02.Mai war der hartnäckige Widerstand des Gegners endgültig gebrochen. Am Nachmittag schwiegen die Waffen. Mit der Erstürmung der Reichskanzlei wurde die Befreiung Berlins abgeschlossen. (…)

Bei der Berliner Operation der Roten Armee hatten die drei sowjetischen Fronten 304.887 Tote und Verwundete zu beklagen. Kaum war Berlin befreit, traten Kommunisten, Sozialdemokraten und parteilose Antifaschisten aus der Illegalität hervor und begannen unter härtesten Bedingungen mit dem demokratischen Neuaufbau. (…) Der Aufbau der neuen demokratischen Verwaltung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht und deutschen Antifaschisten. (…)

Der Sieg der Roten Armee in der Schlacht um Berlin vollendete die Zerschlagung Hitlerdeutschlands und führte zu seiner bedingungslosen Kapitulation am 08.Mai in Berlin-Karlshorst.

»Am 8. Mai 1945 wurde in der vielhundertjährigen Geschichte Berlins ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen. Sein Inhalt verbindet sich unlöslich mit den gewaltigen Veränderungen im revolutionären Weltprozeß unserer Zeit. Die Befreiung vom Faschismus durch die Sowjetunion und ihre Verbündeten bot dem deutschen Volk die Chance, die Macht der Monopolbourgeoisie und der Großgrundbesitzer zu zerschlagen und die Herrschaft der Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern und den anderen werktätigen Schichten zu errichten.«

Aktuelles

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Die Berliner Polizei verbietet seit Kurzem das rote Dreieck. In der Begründung heißt es, es handle sich nicht nur um ein Kennzeichen der Hamas, sondern auch eines der Nazis. Beides ist falsch – und widerwärtiger Ausdruck deutscher imperialistischer Ideologie.

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