Vor 81 Jahren siegte der Antifaschismus in Buchenwald – Heute hat die deutsche Staatsräson die Gedenkstätte im Griff!

Themen: Faschismus

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Im Konzentrationslager Buchenwald wurden zwischen 1937 und 1945 über 250.000 Menschen inhaftiert und über 56.000 ermordet. Da Buchenwald den Faschisten vor allem dazu dienen sollte, den Widerstand gegen ihre Herrschaft in Deutschland und Europa zu brechen, waren ein Großteil der Häftlinge Kommunisten, Rotarmisten, Gewerkschafter und Sozialdemokraten aus dem antifaschistischen Widerstand. Trotz aller Qualen und Strapazen organisierten diese Häftlinge einen internationalistischen Lagerwiderstand, der zur Verbesserung der Zustände im Lager und zur gegenseitigen Solidarität führte und in der Selbstbefreiung des Lagers gipfelte. Für uns als Antifaschisten ist der Widerstand der Beweis, dass der Antifaschismus siegen kann – Buchenwald ist also ein Ort der größten Verbrechen und gleichzeitig des Kampfes und auch des Sieges des Antifaschismus.

Buchenwald war in der DDR wegen dieser Geschichte ein Dreh- und Angelpunkt antifaschistischer Politik: Schülergruppen, Arbeitskollektive und internationale Delegationen besuchten die Gedenkstätte, um dem antifaschistischen Widerstand und den Verfolgten des Faschismus zu gedenken, aber auch um Zeichen der internationalen Solidarität gegen Krieg und Faschismus in die Gegenwart zu setzen.

Die Abwicklung der Gedenkstätte

Die Abwicklung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald im Jahr 1990 bedeutete nicht nur Denunziationen und Entlassungen von Mitarbeitern (häufig ehemaligen Häftlingen), sondern auch die schrittweise Entfernung der Ausstellung. Die Hinweise auf den Widerstand im Lager und auf die Rolle deutscher Monopole im Konzentrationslager wurden an den Rand gedrängt.

In der BRD, wo die Kriegsverbrecherkonzerne weiter Profite machen konnten und die Verfolgung von Kommunisten fortgesetzt wurde, stellte diese konsequent-antifaschistische Erinnerungskultur ein Problem für die herrschenden Narrative dar. Die Entscheidung darüber, welche Formen von Erinnerungspolitik legitim sind, traf ein Staat, dessen Organe, Behörden und Lehrstühle nie entnazifiziert wurden. 

Seit 1990 spuken die Geister der Vergangenheit über den Ettersberg: Die Schuld deutscher Rüstungsmonopole wird relativiert, der Widerstand im Lager wird zum kommunistischen Mythos erklärt und der Sozialismus mit dem Faschismus gleichgesetzt.

Seit dem erinnerungspolitischen Kahlschlag der Neunziger ist die Marschrichtung klar: »Es geht auch in Buchenwald darum, wie man mit Geschichte öffentlich umgeht und wie man auch mit dem Antifaschismus-Mythos der DDR umgeht und solche Dinge. Und da brauchen sie einen mit Erfahrung im öffentlichen Umgang mit Geschichte, die nicht nur sozusagen wissenschaftliche Brillanz allein erfordert.«  So der ehemalige Gedenkstättenleiter Hofmann in der taz vom 15.6.1992. Wenn es um die Dämonisierung des Antifaschismus der DDR geht, ist für historische Fakten wie folgende kein Platz: Im Gegensatz zur Bundesrepublik wurden alle öffentlichen Bereiche konsequent entnazifiziert, wovon 390.478 Nazis, beispielsweise 72 Prozent der Lehrer, betroffen waren. Mit 9200 Betrieben wurden die Profiteure von Krieg und Völkermord enteignet und die von Vermittlung antifaschistischer Politik war zentraler Bestandteil des Schulunterrichts und der Massenorganisationen. Durch den Aufbau des Sozialismus wurde den Monopolen die Macht entrissen und der Faschismus mit seinen Wurzeln ausgerottet.

Und Heute?

„Von einem Genozid zu sprechen, das gehört sich meines Erachtens nach nicht an einem Ort wie hier.“[1]

Als zur Gedenkfeier anlässlich des 80ten Jahrestages der Selbstbefreiung des Lagers eine spanische Jugenddelegierte ein Ende des Genozids in Palästina forderte, sah sich Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner dazu veranlasst, anschließend die Bühne zu betreten und ihre Forderung mit dieser absurden Bemerkung abzuschmettern. Angesichts der Tatsache, dass man sich zu einem Völkermord nicht „neutral“ verhalten kann, gibt Wagner als Gedenkstättenleiter Rückendeckung für den Völkermord in Gaza. Diese Aussage war weder der erste noch der letzte skandalöse Bruch mit dem antifaschistischen Erbe von Buchenwald.

Während Deutschland Israel bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Waffen, Geld und Propaganda unterstützt, werden Kritiker an einem Ort des Gedenkens an Faschismus, Krieg und Völkermord mundtot gemacht: Antifaschisten mit Kufiya wird der Eintritt verboten, über Palästina und den Völkermord gelten Sprechverbote. Palästinasolidarität und die Kritik an dieser Gedenkstättenpolitik vergleicht der Gedenkstättenleiter auf X mit Nazi-Propaganda.  Das ist Relativierung des Faschismus.

Unter anderem gegen diese Zustände hat sich die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ gegründet. Sie fordert: „Eine offene Thematisierung des Völkermords in Gaza in der Gedenkstätte Buchenwald. Kein Verbot palästinensischer Symbole in der Gedenkstätte Buchenwald und keine Verunglimpfung dieser als antisemitisch. Keine Haus- und Sprechverbote wegen Palästina-Solidarität oder Kritik am Apartheidstaat Israel.“[2]

Nicht erst seit den deutschen Bombenangriffen auf Jugoslawien in den 90er Jahren damit begründet wurden, ein „zweites Auschwitz“ verhindern zu wollen, ist klar, dass die sogenannte „Erinnerungspolitik“ der BRD zum Werkzeug von Kriegspropaganda geworden ist. Die Gedenkstättenpolitik, der Geschichtsrevisionismus und die antipalästinensischen Repressionen sind eng miteinander verschränkt. Im Folgenden wollen wir einen Überblick darüber liefern, wie breit die Palette an Geschichtsklitterung ist, die von der Gedenkstätte Buchenwald ausgeht.

Verleugnung der Rolle des internationalen Widerstandes

Seit 1990 wird die Rolle des internationalen Widerstandes im Lager Buchenwald heruntergespielt oder komplett verleugnet. Dabei stellte schon Eugen Kogon in seinem Bericht kurz nach der Selbstbefreiung des Lagers klar: „Das Verdienst der Kommunisten um die KL-Gefangenen kann kaum hoch genug eingeschätzt werden.“[3]

Auch der Buchenwald-Häftling Emil Carlebach kritisierte scharf, wie der Aufstand der jüdischen Häftlinge gegen die Todesmärsche und die Unterstützung durch den internationalen kommunistischen Widerstand im Lager totgeschwiegen werden:  »Ich selbst wurde acht Tage lang unter dem Fußboden einer Baracke versteckt – bis zur Befreiung. Ich sollte erhängt werden, weil man mich nicht ganz zu Unrecht verdächtigte, mitbeteiligt zu sein an der Verhinderung des Abtransportes der Juden zum Todesmarsch. Ich trug ja selber den Judenstern und wir haben über 900 Kinder hier gerettet, die nach SS-Begriffen und nach Begriffen der Herren Krupp und IG-Farben unnütze Esser waren und in Gaskammern kommen sollten. Heute wird das alles von Politikern und Historikern als kommunistischer Mythos denunziert. (…) Na gut, Lügen konnte nicht nur Göbbels, er hatte auch Nachfolger.«[4]

Es geht darum, die Rolle und Leistungen des Lagerwiderstands herunterzuspielen, ihn um jeden Preis zu diskreditieren. Der von den Kommunisten angeführte Widerstand im Lager umfasste mehrere Nationen, rettete vielen Menschen das Leben und befreite letztlich durch einen militärischen Aufstand das Lager von innen heraus. Das passt nicht ins Bild des BRD-Antikommunismus. Es wird geleugnet, dass die Häftlinge es mit guter Organisierung und unter Führung der Kommunisten geschafft haben, sich selbst zu befreien und damit bewiesen haben, dass sie bis zuletzt kämpften, keine reinen Opfer waren, sondern mutige Antifaschisten.

Nach 1990 fand das Vorhaben, Opfer und Täter „differenzierter“ darzustellen, also den Häftlingen schändlicherweise eine Mitschuld zuzuschieben, immer stärkere Unterstützung aus Wissenschaft und Politik. Die Darstellung der SS als diabolische Gewalttäter sei undifferenziert – die Teilschuld „roter Kapos“ müsse einbezogen werden. Hier ging die Bild-Zeitung als Vorreiterin in die Startlöcher: Mit der Artikelserie „Wie Kommunisten den Nazis beim Töten halfen“ hetzten sie in übelster Weise gegen Buchenwald-Häftlinge.  Weitere BRD-Autoren schlossen sich an, und bis heute wird der bürgerliche Literaturbetrieb nicht müde, neue Verleumdungen zu erfinden. Auch in der seit 2025 geltenden Gedenkstättenkonzeption, von niemand anderem als dem rechten Publizisten und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, zieht sich der Antikommunismus als roter Faden durch. Während einer Thematisierung des Kolonialismus eine ausdrückliche Absage erteilt wird, findet die faschismusrelativierende Konstruktion einer SED-Diktatur zentralen Platz.

Im Geiste der NATO gegen Russland

Seit 2022 werden Vertreter der Russischen Föderation nicht zu der Gedenkfeier eingeladen und ihre Kränze für die Opfer des Lagers werden entsorgt. Russland, als Nachfolgestaat der Sowjetunion, zahlte mit Millionen Toten einen großen Blutzoll für die Befreiung vom Faschismus, kaum eine Familie blieb verschont. Das Georgsband, ein Symbol des Kampfes gegen den Faschismus, ist auf dem Gelände verboten. Passend zu dieser Linie wurde 2022 auf der offiziellen Gedenkfeier nicht die weißrussische Flagge angebracht, sondern die der Opposition. Und das, obwohl die Flaggen für gewöhnlich die Nationalitäten der Häftlinge repräsentieren sollen. Die Fahne der weißrussischen Opposition war zur Zeit des Konzentrationslagers Buchenwald das Symbol der judenhassenden, weißrussischen Nazi-Kollaborateure. 

Die Verbreitung von NATO-Propaganda gegen Russland durch die Gedenkstätte ist eine Beleidigung der russischen und belarussischen Häftlinge, aber auch der ukrainischen Häftlinge und heutiger Antifaschisten in der Ukraine, die unter einem Regime leiden, das den Nazi-Kollaborateur Bandera verherrlicht, Russen und Antifaschisten verfolgt und auf den Veteranen des Großen Vaterländischen Kriegs herumtrampelt. Diese antirussische, kriegshetzerische Politik in einem Ort erleben zu müssen, der nicht nur für den Mord an tausenden Sowjetbürgern, sondern auch für den Widerstand gegen Krieg und Faschismus steht, ist unerträglich und zugleich Ausdruck der Kontinuität dieses deutschen Imperialismus, der schon so oft gegen Russland Krieg geführt hat.

Unterdrückung von Solidarität mit Palästina

Die Gedenkstättenleitung und die Politik wollen verhindern, dass der Völkermord an den Palästinensern in Buchenwald thematisiert wird. Aus diesem Grund würde der jüdisch-israelische Philosoph Omri Boehm als Sprecher der Gedenkfeier 2025 wieder ausgeladen – aus Sorge, er könne auch nur die leiseste Kritik an Israel verbreiten. Gleichzeitig wird Antifaschisten, die Kufiya tragen, der Eintritt in die Gedenkstätte verboten – bis hin zum Hausverbot. Als Grundlage dient eine interne Broschüre der Gedenkstätte, in der neben Nazi-Symbolen auch Symbole wie die Wassermelone als antisemitisch diffamiert werden. Von dieser Broschüre hat sich die Gedenkstätte trotz Beteuerungen einer Überarbeitung nie inhaltlich distanziert. Sie wiederholt die geschichtsrevisionistische und koloniale Argumentation der Broschüre immer wieder – zuletzt in taumelnder Freude über das Verbot der Weimarer Versammlungsbehörde, die durch Nachfahren von Verfolgten des Faschismus organisierte Mahnwache in Buchenwald stattfinden zu lassen.

Die Gedenkstättenleitung wird nicht müde, Menschen, die gegen den Genozid in Palästina demonstrieren, als Antisemiten und Quasi-Nazis zu brandmarken. Sie stimmt immer wieder in die absurde Hetze der bürgerlichen, zionistischen Medien ein.

Zum Beispiel schrieb der Jens-Christian Wagner, die „Stalin- und Hamasunterstützer“ würden die Verbrechen von Buchenwald ebenso relativieren, wie die Rechten.[5] Dem hat sich der Linken-Spitzenpolitiker Ramelow angeschlossen. Schon anlässlich des Gedenkens an die Befreiung von Auschwitz skandierte die Gedenkstättenleitung: »Wenn junge Leute in Berlin „Free Palestine from German guilt“ skandieren, unterscheidet sich das kaum vom „Schuldkult“-Narrativ der extremen Rechten.«[6] Die Gedenkstättenleitung leistet so in aller Öffentlichkeit Rückendeckung für den Völkermord an den Palästinensern.

Die Grundlagen der deutschen Erinnerungskultur liegen darin, dass der Faschismus nie vollständig beseitigt und die imperialistische Politik beibehalten wurde. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Ersetzung von Antifaschismus mit Zionismus. Das Gedenken an Faschismus wurde und wird in der BRD stets für die Unterstützung Israels instrumentalisiert. Das siedlerkoloniale Israel wurde genutzt, um Deutschland als antifaschistisch gewendet zu deklarieren. Beides ist ein Hohn auf die Geschichte des Faschismus und hat mit Antifaschismus nichts zu tun. Gerade hierin besteht aber der Kern der „Staatsräson“, der Antifaschismus durch Pro-Zionismus auswechselt und in der unerschütterlichen Unterstützung Israels einen vermeintlichen Ersatzantifaschismus gefunden hat, der es ermöglichen soll, sich als „Antifa“ zu fühlen und für neue Verbrechen einzutreten, sie zu rechtfertigen, wirkliche Antifaschisten anzugreifen und zu diffamieren und sich de facto faschistisch zu betätigen.

Im Gegensatz dazu bedeutet Antifaschismus, die Palästinenser in ihrem Kampf für nationale Selbstbestimmung und Befreiung zu unterstützen. Sie kämpfen nicht nur gegen eine brutale Besatzungsmacht, die von den mächtigsten Staaten unterstützt wird. Sie sind auch mit einer der größten faschistischen Bewegungen unserer Zeit konfrontiert – der Siedlerbewegung, die mit Hilfe der Armee Palästinenser tötet, von ihrem Land vertreibt und ihre Vernichtung als Volk anstrebt. Deutschland ist ein Mittäter im aktuellen Genozid, liefert Waffen und dient zentral der Legitimierung Israels auf der Weltbühne.

Für ein antifaschistisches Buchenwald!

In Buchenwald sollte der antifaschistische Widerstand gebrochen werden, zudem sollten tausende Polen, Juden und Sowjetbürger in der Zwangsarbeit für die deutsche Kriegsindustrie schuften. Durch die gemeinsame Solidarität der 18 verschiedenen Nationen, die in Buchenwald inhaftiert waren, wurde ein ungebrochener antifaschistischer Widerstand organisiert: Jüdische Kinder wurden gerettet, Todesmärsche verhindert, die Kriegsindustrie wurde sabotiert und die wenige Nahrung untereinander geteilt. Schlussendlich gelang der Aufstand in dieser faschistischen Hölle und der Antifaschismus siegte.

Das Erbe Buchenwalds, das uns die ehemaligen Häftlinge und Widerstandskämpfer hinterlassen haben, ist klar: Es lehrt uns, immer und überall konsequent gegen Faschismus, Krieg und Völkermord einzustehen.

Heute, 81 Jahre nach dem Sieg des Antifaschismus in Buchenwald, gedenken wir der Opfer des Faschismus und ehren die antifaschistischen Kämpfer. Sie haben uns dieses klare Erbe hinterlassen, für das wir einstehen. Wir rufen alle Antifaschisten dazu auf, sich gegen die Vereinnahmung Buchenwalds durch die deutsche Staatsräson zu stellen, den Schwur von Buchenwald hochzuhalten und zu zeigen: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!“

Nie wieder Krieg und Faschismus!

Freiheit für Palästina!

Hoch die Internationale Solidarität!


[1] ARD Mediathek: Livestream des Gedenkens 2025, ab Minute ab 1.09.00, https://www.ardmediathek.de/video/mdr/gedenkstaette-buchenwald kranzniederlegung/mdr/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MS81MDg3MTItNDg4NzY1.

[2] Website Kufiyas in Buchenwald: Kufiyas in Buchenwald

[3] Kogon, Eugen: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, 47. Auflage, München: Random House, S. 330.

[4] Thomas Knecht (2010): Carlebach 1. (YouTube Video ab Min. 6:46)

[5] Jens-Christian Wagner auf X: Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost auf X: „Wer anständige Information zur Kampagne möchte statt Polemik gegen „Stalin- und Hamas-Anhänger“ sollte die Webseite der Kampagne besuchen: https://t.co/recoFfEUtg“ / X

[6] Website der Gedenkstätte Buchenwald (2022): 77. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora.