Tagesseminar zum 85. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion
Wann: 27.06.2026
Uhrzeit: 12:00 Uhr
Wo: Frankfurt am Main
Operation Barbarossa, Siedlerkolonialismus und die deutsche Kriegspolitik heute
85 Jahre nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion wird Deutschland erneut kriegstüchtig gemacht. Russland wird zum Feind erklärt, Milliarden werden für Aufrüstung bereitgestellt und die Bevölkerung auf einen neuen Konflikt im Osten vorbereitet. Gleichzeitig wird die Geschichte des deutschen Vernichtungskrieges zunehmend entpolitisiert, relativiert oder aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt.
Doch was war der Krieg gegen die Sowjetunion tatsächlich?
War „Operation Barbarossa“ lediglich ein militärischer Feldzug oder der Versuch einer kolonialen Eroberung Osteuropas? Welche Rolle spielten die Pläne zur Vertreibung, Versklavung und Vernichtung ganzer Bevölkerungen? Welche Interessen standen hinter dem Projekt eines deutschen „Lebensraums im Osten“? Und warum lässt sich der Krieg gegen die Sowjetunion als kolonialer Krieg verstehen?
Der deutsche Angriff vom 22. Juni 1941 war mehr als ein Krieg zwischen Staaten. Er war ein Vernichtungs- und Kolonisierungskrieg. Millionen Menschen wurden ermordet, ausgehungert oder zur Zwangsarbeit verschleppt. Ganze Regionen sollten entvölkert und für deutsche Siedler verfügbar gemacht werden. Die Bevölkerung Osteuropas wurde nicht als gleichwertig betrachtet, sondern als Hindernis auf dem Weg zu deutscher Vorherrschaft.
Diese Dimension des Krieges steht im Zentrum unseres Seminars.
Wir werden uns mit den politischen und ideologischen Grundlagen der „Operation Barbarossa“ beschäftigen, die kolonialen Vorstellungen der nationalsozialistischen Führung untersuchen und diskutieren, welche Bedeutung die Konzepte von Siedlerkolonialismus und kolonialer Herrschaft für das Verständnis des deutschen Vernichtungskrieges haben.
Auch wenn der deutsche Geschichtsrevisionismus uns eine andere Geschichte erzählt, ist uns klar, in welcher Kontinuität der „Generalplan-Ost“ steht. In diesem Tagesseminar werden wir uns erarbeiten, welche sielderkolonialen Pläne hinter der faschistischen Kriegsführung standen, und die ideologischen Verbindungen zu den verschiedenen Epochen der deutschen Kolonialverbrechen, von Namibia bis nach Gaza, verstehen sowie den Zusammenhang zwischen der kolonialen Kriegsführung und Völkermord klar aufzeigen.
Darüber hinaus wollen wir die Frage diskutieren, welche Konsequenzen die historische Analyse für die Gegenwart hat. Welche Rolle spielt die Erinnerung an den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion heute? Wie wirkt sich die Bewertung dieses Krieges auf die Beurteilung der aktuellen deutschen Kriegspolitik aus? Gibt es historische Kontinuitäten in Feindbildern, geopolitischen Vorstellungen und Machtansprüchen gegenüber Russland?
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist keine akademische Übung. Während die Bundesregierung Aufrüstung und Konfrontation vorantreibt, wird die Geschichte erneut zum politischen Kampffeld. Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Vergangenheit kennen.
Wir laden alle Interessierten ein, gemeinsam über Geschichte, Krieg, Kolonialismus und die politischen Herausforderungen der Gegenwart zu diskutieren.
Themen des Seminars
- Die „Operation Barbarossa“ und der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion
- Generalplan Ost, Lebensraumpolitik und deutsche Kolonialvorstellungen
- Siedlerkolonialismus als Analyse des deutschen Krieges in Osteuropa
- Antislawischer Rassismus, Antikommunismus und die nationalsozialistische Herrschaftspraxis
- Erinnerungspolitik und Geschichtsdeutung in Deutschland
- Die Bedeutung der Geschichte für die Bewertung der deutschen Russlandpolitik heute
Ablauf
13 bis 14 Uhr – Unternehmen Barbarossa, ein historischer Überblick
14 bis 16 Uhr – Workshop: Der Charakter des Krieges gegen die Sowjetunion und die Kontinuitäten
16 bis 17 Uhr – Essenspause
17 bis 19 Uhr – Vortrag und Diskussion: „Der Plan zur Zerstörung Russlands damals und heute“
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Albert-Kuntz-Verein statt.
📍Saalbau Gallus, Frankenallee 111. 60326 Frankfurt am Main.