Solidarität mit dem venezolanischen Volk heißt Solidarität mit der bolivarischen Revolution

Themen: Imperialismus und Neokolonialismus

EneasMx, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Beitrag von Yannik Mallmann

Angesichts des Angriffs des US-Imperialismus auf Venezuela und der Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores bekundeten viele Menschen weltweit ihre Unterstützung für Venezuela. Zahlreiche linke und kommunistische Organisationen veröffentlichten Stellungnahmen, die jedoch große Unterschiede aufzeigen. Während sich manche explizit mit Volk, Regierung, Präsident und der bolivarischen Revolution solidarisieren, beschränken andere ihre Solidarität nur auf das Volk und distanzieren sich zugleich von der Regierung und bolivarischen Revolution.

Der vorliegende Beitrag hinterfragt die Argumente dieser politischen Kräfte und zeigt, warum Solidarität mit dem venezolanischen Volk auch eine Solidarisierung mit der bolivarischen Revolution und der venezolanischen Regierung erfordert – kritisch und gleichzeitig uneingeschränkt gegenüber den Angriffen des Imperialismus. Denn die bolivarische Revolution ist der Versuch, die neokoloniale Unterdrückung durch den Imperialismus zu überwinden und die nationale Souveränität zu verteidigen. Dass dieser Prozess nicht geradlinig verläuft und kritisch betrachtet werden muss, ändert nichts an der notwendigen Solidarität mit diesem Weg. Eine Entsolidarisierung mit diesem Prozess bedeutet, die Notwendigkeit des Kampfes um nationale Befreiung zu verkennen. Genau hier liegen die Gründe der Spaltung innerhalb der kommunistischen Bewegung: Teile dieser bestreiten neokoloniale Unterdrückung und erkennen folglich auch den Kampf dagegen nicht an. Dies zeigt sich am Beispiel Venezuela wie im Brennglas.

Die Spaltung in der internationalen kommunistischen Bewegung am Beispiel von Venezuela

Zahlreiche kommunistische Parteien der Plattform SolidNet unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, initiiert von der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV).i Auffällig ist nicht nur, was die Erklärung aussagt, sondern auch, was darin fehlt. Demnach handele es sich beim US-Angriff um eine „direkte Durchsetzung der geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen des US-Imperialismus […] im Kontext des Kampfes der kapitalistischen Mächte um die Kontrolle über Energieressourcen“, nicht jedoch um die gewaltsame Unterwerfung Venezuelas unter neokoloniale Abhängigkeit.ii Die Erklärung erwähnt weder Nicolás Maduro als Präsidenten noch die illegalen Sanktionen gegen Venezuela oder deren Aufhebung.

Dagegen bekundet eine von der Kommunistischen Partei (Schweiz) initiierte Erklärung Solidarität sowohl mit dem venezolanischen Volk als auch mit der bolivarischen Republik. Maduro wird als legitimer Präsident anerkannt, die Sanktionen sollen aufgehoben werden, und der US-Angriff wird als Reaktion auf Venezuelas „revolutionären Weg“ und Verteidigung der nationalen Souveränität erklärt.iii Die Spaltung in der internationalen kommunistischen Bewegung zeigt sich nicht nur in Venezuela, sondern auch in der Haltung zur russischen Militäroperation in der Ukraine, zum palästinensischen Widerstand oder zum Umgang mit der Islamischen Republik Iran angesichts der US-Angriffe. Diese Spaltungslinien sind auch in der deutschen Bewegung erkennbar.

Die kommunistische Partei Venezuelas auf dem Holzweg mit Ultrarechten

Die Auseinandersetzung um die Rolle der PCV zeigt, wie tief die Differenzen innerhalb der kommunistischen Bewegung in Bezug auf Venezuela reichen. Während Teile der internationalen Linken die bolivarische Revolution weiterhin als Versuch nationaler Befreiung verteidigen, richtet die PCV ihren politischen Fokus seit 2020 zunehmend gegen die Regierung und die Revolution selbst, anstatt den Hauptkampf gegen den Imperialismus fortzuführen. Dabei wird unter anderem die Repression der Regierung gegen die PCV im Jahr 2023 als Argument genutzt, die Regierung als autoritär zu kennzeichnen (Kommunistische Partei KPiv, Sozialismus von unten SvUv, Klasse gegen Klasse KgKvi, Perspektive Onlinevii). Diese Entwicklungen verdeutlichen die Spaltungslinien, die sich nicht nur innerhalb Venezuelas, sondern auch international abzeichnen.

Die PCV, die älteste Partei Venezuelas, war bis 2020 ein enger Verbündeter der bolivarischen Regierung. Vor den Präsidentschaftswahlen 2020 verließ sie das Regierungsbündnis „Großer Patriotischer Pol – Simón Bolívar“, mit der Begründung, die Regierung sei „autoritär“ und „neoliberal“.viii In den folgenden zwei Jahren veröffentlichte die PCV in ihrer Zeitung Tribuna Popular 84 Artikel zur Innenpolitik, jedoch keinen einzigen über die illegalen US-Sanktionen.ix Damit verlagerte sich der Fokus der Partei vom Kampf gegen den Imperialismus auf die Kritik an der Regierung. 2023 intervenierte das Oberste Gericht in die inneren Angelegenheiten der PCV und übertrug Ressourcen an ehemalige Mitglieder, die mittlerweile in der Regierungspartei PSUV sind.x Dies löste internationale Solidaritätsbekundungen aus, in denen unter anderem die DKP die venezolanische Justiz als „Handlanger des imperialistischen Lagers“ kritisierte.xi Natürlich muss nach der politischen Notwendigkeit dieses Schrittes gefragt werden. Ebenso bedarf es einer Erklärung, weshalb der politisch richtigen Forderung der PCV nach der Vertiefung des bolivarischen Prozesses nicht nachgegangen wurde.

Gleichzeitig unterstützte die PCV den Präsidentschaftskandidaten Enrique Márquez bei den Wahlen 2024, der frühere Putschversuche befürwortetexii und die ultrarechte Oppositionskandidatin María Corina Machado als „wichtige Führungspersönlichkeit“ der Opposition anerkannte. Kurz vor der Wahl gab Márquez in der spanischen Zeitung El País ein Interview, in dem er Machado eine politisch „wichtige Rolle“ zuspricht. Sie sei eine „wichtige Führerin der Opposition“ und er anerkenne „ihren Beitrag zur Demokratie“.xiii Die Menschen, die für Machado gestimmt haben, seien dieselben, die ihn oder den siegreichen Kandidaten der Opposition unterstützen werden, so Márquez.xiv Was „sie [Anm. KO: die Regierung] María Corina Machado angetan haben, ist unbeschreiblich“.xv

Die PCV hat in einer Stellungnahme die Unterstützung von Márquez begründet.xvi Darin heißt es, dass Bündnisse mit dem „demokratischen Lager“ gerechtfertigt seien, um aus der „historischen Tragödie“ herauszukommen.xvii Márquez habe erklärt, so die PCV, seine Kandidatur um „alle diejenigen Sektoren zu erweitern, die ein anderes Land aufbauen wollen, ein Land der Toleranz“.xviii In der Stellungnahme wird weder über den politischen Hintergrund von Márquez noch über seine Unterstützung von Machado gesprochen. Stattdessen wird der Regierung erneut eine neoliberale und autoritäre Haltung vorgeworfen und sich von der bolivarischen Revolution entsolidarisiert. Kurz vor der Wahl 2024 wurden die langjährigen Mitglieder Carolus Wimmer und Úrsula Aguilera von der Partei ausgeschlossen. Wimmer, der mehr als 50 Jahre lang Mitglied der PCV war, kritisierte die Entscheidung der Delegiertenkonferenz, zur Wahl von Márquez aufzurufen. Die Kandidatur von Márquez sei „ein Pakt mit Ultrarechten“, so Wimmer.xix In einer Stellungnahme der PCV begründete diese den Ausschluss der beiden Mitglieder, ohne jedoch auf deren Kritik einzugehen.xx Nach der Wahl erkannte die PCV die knappe, aber legitime Wahl von Präsident Maduro nicht an.

Die Entwicklung der PCV zeigt, dass sie nicht nur bereit ist, sich von der Regierung zu lösen, sondern auch politische Bündnisse mit ultrarechten und imperialistischen Kräften einzugehen. Angesichts der massiven Angriffe der USA spielt die Unterstützung der PCV für Márquez dem Imperialismus in die Karten, die damit ihren Einfluss sogar auf ehemalige Verbündete der bolivarischen Revolution ausdehnen konnte. Die Unterstützung von Teilen der deutschen kommunistischen Bewegung für die PCV ist entweder Ausdruck der Unkenntnis über die Entwicklung der Partei oder eine bewusste Entscheidung. Dem venezolanischen Volk wird jedoch nicht geholfen, indem Kommunisten einen Kandidaten unterstützen, der sich offen für einen imperialistischen Regime-Change zeigt. Im Gegenteil wird so die Parole der Solidarität mit dem venezolanischen Volk ad absurdum geführt.

Die bolivarische Revolution in der Zange des US-Imperialismus

Bei den Solidaritätsbekundungen fällt auf, dass sich in Deutschland nur wenige mit dem venezolanischen Volk und der Regierung sowie bolivarischen Revolution solidarisierten, wie beispielsweise die Deutsche Kommunistische Partei (DKP)xxi oder die Kommunistische Organisation (KO)xxii. Viele andere Gruppen äußerten Solidarität lediglich mit dem Volk und kritisierten gleichzeitig die Regierung als „autoritär“ (KGK)xxiii, SvU)xxiv), „opportunistisch“ (KPxxv) und „bürokratisch-revisionistisch“ (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands MLPDxxvi). Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Venezuela und den verheerenden Angriffen auf das sozialistische Kuba erscheint die Forderung von Teilen der KP, die Kommunisten müssen prüfen „ob eine Schwächung der venezolanischen Bourgeoisie in der jetzigen Situation größere Spielräume für den Kampf um die proletarische Staatsmacht eröffnet“ realitätsfern.xxvii

Die Trennung von Volk und Regierung dient dem Imperialismus als Argument für seine Angriffe und ignoriert die enge historische Beziehung zwischen beiden im Prozess der bolivarischen Revolution. 1999 gewann Hugo Chávez mit seiner Movimiento Quinta República die Präsidentschaft und rief die fünfte bolivarische Republik aus, um den Weg der Unabhängigkeit von neokolonialer Unterdrückung zu beschreiten. Eine neue Verfassung wurde direkt vom Volk erarbeitet und angenommen – eine der fortschrittlichsten in der Region.xxviii Dieses enge Zusammenspiel von Regierung und Volk prägte die bolivarische Revolution bis heute. Die Revolution verlief auf parlamentarischem Weg, nicht militärisch, was bedeutete, dass die Bourgeoisie und mit dem Imperialismus verbundene Oligarchien nicht vollständig entmachtet wurde. Ein schwieriger, widersprüchlicher Kampf gegen korrupte Strukturen in Staat und Gesellschaft begann, wie E. F. Fürntratt-Kloep in Venezuela – Der Weg einer Revolution beschreibt. Die kritische Betrachtung von Regierungsentscheidungen, wie es die PCV in der Vergangenheit getan hatxxix, gehört zur Solidarität. Pauschale Vorwürfe hingegen wie, die bolivarische Regierung sei „opportunistisch“ oder „bürokratisch-revisionistisch“, spielen dem Imperialismus in die Hände.

Indem Kommunisten in der militärischen Aggression gegen Venezuela die Möglichkeit von „größeren Spielräumen für den Kampf um die proletarische Staatsmacht“ erkennen, relativieren sie die Bedeutung des imperialistischen Angriffes auf die bolivarische Republik. Realitätsverweigernd wird diese Haltung auch, weil sich die Spielräume für eine Vertiefung des bolivarischen Prozesses durch den US-Angriff extrem verkleinert haben. Die imperialistischen Ketten schnüren sich aktuell sehr eng um Venezuela und die Gesellschaft hat durch die Entführung Maduros eine wichtige Persönlichkeit im Kampf für die nationale Befreiung verloren. Und selbst wenn „größeren Spielräume“ vorhanden wären, gäbe es in Venezuela aktuell keine politische Kraft, die diese nutzen könnte. Auch die PCV könnte dies nicht, da ihre politische Bedeutung in der venezolanischen Gesellschaft in den letzten Jahren zurückgegangen ist.

Die Position beruht also auf einer falschen Analyse der objektiven und subjektiven Bedingungen in Venezuela und ist eher Wunschdenken als Realität. Um die gegenwärtigen Handlungsmöglichkeiten der venezolanischen Regierung einschätzen zu können, muss der US-Imperialismus und sein kontinuierlicher Krieg gegen Venezuela als zentraler Ausgangspunkt der Analyse betrachtet werden.

Der imperialistische Krieg gegen Venezuela als Ausgangspunkt der Analyse

Seit Beginn der bolivarischen Revolution versucht der US-Imperialismus, den Kampf für nationale Befreiung zu schwächen und Venezuela wieder in neokoloniale Abhängigkeit zu zwingen. Der Putschversuch 2002 war nur einer von vielen Regime-Change-Versuchen, die Steve Ellner in Objective Conditions in Venezuela: Maduro’s Defensive Strategy and Contradictions Among the People übersichtlich darstellt.xxx Viele Kommunisten machen jedoch die venezolanische Regierung oder Präsident Nicolás Maduro für wirtschaftliche und soziale Probleme verantwortlich, ohne die brutalen US-Sanktionen zu erwähnen. So argumentiert die KP, der „Rentensozialismus“ sei schuld an „Chaos und Knappheiten“xxxi, Perspektive Online meint, Maduro habe „die Wirtschaft seines Landes schlecht geführt, damit Leid über die gesamte Bevölkerung gebracht, die Wahlen 2024 manipuliert und ehemalige linke, progressive und revolutionäre Bündnispartner:innen hintergangen und verfolgt“.xxxii Auch die Erklärung der PCV auf SolidNet ignoriert die erpresserischen Sanktionen. Diese Positionen blenden den zentralen Kontext aus: die Sanktionen und Destabilisierungsmaßnahmen des US-Imperialismus.

Eine neue Phase des imperialistischen Angriffs begann 2015, als Obama Venezuela zur „außergewöhnlichen Bedrohung“ erklärte. Schon zuvor hatten der Einbruch des Ölpreises durch US-Fracking und Sanktionen unter Trump (2017) die Erdölproduktion um über die Hälfte reduziert und Venezuelas Deviseneinnahmen drastisch geschmälert.xxxiii Importen von Lebensmitteln und Medikamenten fehlten die Mittel, staatliche Finanztransaktionen über US-Banken waren blockiertxxxiv, und die Erdölexporte in die USA gingen von 36 % auf nahezu 0 % zurück.Dies führte zu einem Rückgang des BIP im Jahr 2019 um 37,4% und der Warenimporte um 39,4%.xxxv Die USA setzten außerdem auf eine sogenannte „Übererfüllung“ der Sanktionen. Das bedeutete nicht nur direkte Sanktionen gegen Venezuela, sondern auch indirekte Sanktionen gegen Personen und Unternehmen, die mit Venezuela Handel treiben. So wurden auf Druck des US-Imperialismus Konten der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Venezuelas PDVSA in Russland eingefroren, da dem russischen staatlichen Konzern Gazprom mit Finanzsanktionen gedroht wurde.xxxvi Maduro sprach 2019 davon, dass Venezuela im Zeitraum zwischen 2013 und 2019 99% seiner Deviseneinnahmen verloren habe. Im gleichen Zeitraum sank die Erdölproduktion um 66,5%.xxxvii Weitere Sanktionen frieren Vermögenswerte ein, wie das Gold der Zentralbank in England im Wert von 1,7 Mrd. USD.xxxviii

Unter den Sanktionen leidet vor allem das venezolanische Volk, dessen Löhne nicht gezahlt werden können und dem wichtige Medikamente und Versorgungsleistungen fehlen.xxxix Aktuellen Zahlen der UNO-Flüchtlingshilfe zufolge haben circa 7,9 Millionen Venezolaner das Land verlassen, knapp ein Viertel der Gesamtbevölkerung.xl Der venezolanische Ärzteverband beziffert die Zahl der ins Ausland emigrierten Ärzte auf 22.000 – ein Drittel aller Ärzte des Landes.xli Die Auswirkungen der illegalen Sanktionen treffen die gesamte Gesellschaft, besonders jedoch das venezolanische Volk. Wer also von Solidarität mit dem venezolanischen Volk spricht, sollte mindestens auch die brutalen Sanktionen erwähnen und ihre Aufhebung fordern. Dies sollte gerade in den imperialistischen Ländern der Hauptkampf sein.

Die Handlungsmöglichkeiten der venezolanischen Regierung sind durch die imperialistische Erpressung sehr stark eingeschränkt. Die Tatsache, dass es in Venezuela keine bewaffnete Revolution gab, sowie die geographische Nähe zu den USA müssen bei der Analyse der Handlungsmöglichkeiten der Regierung mitberücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund müssen auch innenpolitische Vorwürfe kritisch im Kontext der imperialistischen Einschränkungen bewertet werden. Die Behauptung der KP, der „Rentensozialismus“ sei für Chaos und Knappheiten sowie für die Unzufriedenheit der Bevölkerung verantwortlich, ist falsch. Ebenso verzerrt die Aussage von Perspektive Online, Maduro habe die Wirtschaft schlecht geführt, die Realität. Solche Darstellungen nehmen dem US-Imperialismus seine Verantwortung für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Venezuelas.

Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass alle Schritte der Regierung unkritisch zu akzeptieren sind, sondern dass ihre Handlungen im Kontext der stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten bewertet werden müssen. Wer Maduro bzw. die Regierung allein oder vorrangig für die Krise verantwortlich macht, verschließt die Augen vor der Erpressung und Aggression durch den Imperialismus.

Die Rolle von China, Russland und Iran

Innerhalb der kommunistischen Bewegung gibt es die Position, dass die militärischen Aggressionen in Venezuela Ausdruck eines Wettstreites der zwei „imperialistischen Pole“ seien. Demnach würden nicht nur die USA, sondern auch andere Staaten wie China, Russland und der Iran versuchen, sich ihren Machteinfluss in Venezuela zu sichern. Diese Position findet sich in der Erklärung der PCV auf SolidNetxlii sowie bei mehreren deutschen Organisationen (KPxliii, SvUxliv, MLPDxlv, KgKxlvi, Kommunistische AufbauKAxlvii). Dass diese Partnerschaften Venezuela eine Alternative zum Zangengriff des Imperialismus bieten, wird mit solchen Positionen verkannt.

China ist Venezuelas zweitgrößter Handelspartner (Ende 2025)xlviii und kaufte 2024 etwa 84 % des venezolanischen Erdölsxlix, teilweise in Yuan, wodurch US-Sanktionen umgangen werden konnten.l China lieferte zudem tonnenweise medizinische Hilfe während der Krise 2019.li Der Iran, selbst unter US-Sanktionen, exportierte dringend benötigtes Benzin nach Venezuela und pflegt enge politische Beziehungen.lii Russland wies US-Angriffe auf Venezuela zurück und lieferte Waffensysteme, Maschinen, Industriegüter und Lebensmittel. Über das russische Zahlungssystem MIR konnte Venezuela zudem internationale Finanztransaktionen ohne US-Einschränkungen durchführen.liii

Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Venezuela, China, Iran und Russland sind keine Einflussversuche imperialistischer Mächte mit dem Ziel der Unterwerfung Venezuelas. Angesichts der durch den US-Imperialismus herbeigeführten internationalen weitgehenden Isolation sind die wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Beziehungen reale Hilfsleistungen für das venezolanische Volk und den Staat. Die Bedeutung des sozialistischen Kubas darf an dieser Stelle nicht vergessen werden.

Was bedeutet Solidarität mit dem venezolanischen Volk?

Die bolivarische Revolution ist ein komplexer, widersprüchlicher und historisch einzigartiger Versuch der nationalen Befreiung im Kampf gegen neokoloniale Unterdrückung. Besonders die enge Verbindung zwischen Volk und Regierung sowie der langjährige Widerstand gegen den Imperialismus charakterisieren diesen Weg der nationalen Befreiung.

Angesichts der Angriffe des Imperialismus bedeutet Solidarität mit dem venezolanischen Volk notwendigerweise eine Solidarisierung mit der bolivarischen Revolution, der Regierung und dem Präsidenten Nicolás Maduro. Denn die Angriffe des Imperialismus, seien es Sanktionen oder militärische Angriffe, richten sich sowohl gegen die Regierung als auch gegen das Volk. Sie richten sich gegen Venezuelas Kampf für Souveränität und gegen Unterdrückung. Eine künstliche Trennung zwischen Volk und Regierung wird dem Volksprozess in Venezuela nicht gerecht. Die bolivarische Revolution ist für den weltweiten Kampf um nationale Befreiung und gegen die neokoloniale Unterdrückung durch den Imperialismus ein wichtiger Bezug.

Natürlich darf Solidarität dabei nicht mit einem dogmatischen Abnicken jeder Entscheidung in diesem Prozess verwechselt werden, sondern muss kritisch-solidarisch bleiben. Angesichts der aktuellen Entwicklungen und der Kompromisse, die der US-Imperialismus der venezolanischen Regierung erpresst hat, muss die Situation sehr genau verfolgt werden. Eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Errungenschaften und den Schwierigkeiten der bolivarischen Revolution ist notwendig, um die aktuellen Entwicklungen besser zu verstehen. Ausgangspunkt jeder Analyse dieses Weges müssen die Angriffe des Imperialismus sein.

Die Positionen, die die Solidarität mit dem venezolanischen Volk mit Angriffen auf die Regierung verbinden, müssen kritisiert werden. Stattdessen muss sich unser Kampf, gerade hier im Zentrum des Imperialismus, ausdrücklich gegen die Sanktionen, die militärischen Angriffe und die Diffamierung des venezolanischen Kampfes für nationale Souveränität richten.

i https://www.solidnet.org/article/CP-of-Venezuela-Joint-Statement-by-Communist-and-Workers-Parties-Down-with-the-Imperialist-boot-in-Venezuela-and-Latin-America/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

ii Ebd.

iii Ebd.

iv https://kommunistischepartei.de/stellungnahmen/haende-weg-von-venezuela-gegen-den-militaerischen-aufmarsch-der-usa-vor-der-kueste-venezuelas/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

v https://sozvu.org/erklaerung-der-ist-zu-venezuela/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

vi https://www.klassegegenklasse.org/dringend-venezuela-nein-zum-imperialistischen-angriff-der-usa-auf-venezuela-und-zur-entfuehrung-von-maduro/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

vii perspektive-online.net/2026/01/venezuela-als-lehrstueck-ueber-das-sogenannte-voelkerrecht/

viii https://www.sinpermiso.info/textos/por-que-el-partido-comunista-de-venezuela-se-aleja-de-maduro (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

ix Ebd.

x Ebd.

xi https://dkp.de/erklaerung-der-dkp-venezuela/(zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xii https://amerika21.de/analyse/276019/ellner-venezuela-daemonisierung-maduro (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xiii https://english.elpais.com/international/2024-03-31/enrique-marquez-maduros-opponent-at-the-polls-even-if-chavismo-doesnt-want-to-it-must-accept-defeat.html (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xiv Ebd.

xv Ebd.

xvi https://prensapcv.wordpress.com/2024/06/25/pcv-to-support-enrique-marquezs-presidential-candidacy/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xvii Ebd.

xviii Ebd.

xix Ebd.

xx https://www.solidnet.org/article/CP-of-Venezuela-On-the-expulsion-of-Carolus-Wimmer-and-Ursula-Aguilera-from-the-PCVs-ranks/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxi https://dkp.de/haende-weg-von-venezuela/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxii https://kommunistische-organisation.de/stellungnahmen/stoppt-die-us-angriffe-auf-venezuela-der-praesident-von-venezuela-heisst-nicolas-maduro/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxiii https://www.klassegegenklasse.org/dringend-venezuela-nein-zum-imperialistischen-angriff-der-usa-auf-venezuela-und-zur-entfuehrung-von-maduro/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxiv https://sozvu.org/erklaerung-der-ist-zu-venezuela/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxv https://kommunistischepartei.de/aktuelles/a-venezuela-se-respeta-venezuela-muss-respektiert-werden/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxvi https://www.klassegegenklasse.org/venezuela-fuer-eine-kontinentale-und-internationale-mobilisierung-gegen-die-imperialistische-aggression/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxvii https://kommunistischepartei.de/aktuelles/a-venezuela-se-respeta-venezuela-muss-respektiert-werden/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxviii https://www.oas.org/dil/esp/constitucion_venezuela.pdf (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxix https://prensapcv.wordpress.com/2015/12/10/profundizacion-obrero-popular-revolucionaria-del-proceso-bolivariano/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxx https://venezuelanalysis.com/analysis/objective-conditions-in-venezuela-maduros-defensive-strategy-and-contradictions-among-the-people/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxxi https://kommunistischepartei.de/aktuelles/a-venezuela-se-respeta-venezuela-muss-respektiert-werden/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxxii https://perspektive-online.net/2026/01/venezuela-als-lehrstueck-ueber-das-sogenannte-voelkerrecht/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxxiii https://cepr.net/images/stories/reports/venezuela-sanctions-2019-04.pdf (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxxiv Ebd.

xxxv Ebd.

xxxvi Ebd.

xxxvii https://peoplesdispatch.org/2020/09/30/nicolas-maduro-presents-anti-blockade-law-to-the-national-constituent-assembly/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxxviii https://amerika21.de/2021/12/256091/grossbritannien-venezuela-gold-urteil (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xxxix https://cepr.net/images/stories/reports/venezuela-sanctions-2019-04.pdf (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xl https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/venezuela (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xli https://docs.un.org/en/S/2019/345 (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xlii https://www.solidnet.org/article/CP-of-Venezuela-Joint-Statement-by-Communist-and-Workers-Parties-Down-with-the-Imperialist-boot-in-Venezuela-and-Latin-America/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xliii https://kommunistischepartei.de/stellungnahmen/nieder-mit-der-imperialistischen-invasion/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xliv https://sozvu.org/erklaerung-der-ist-zu-venezuela/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xlv https://www.mlpd.de/2026/01/faschist-trump-befiehlt-bombardierung-venezuelas-und-laesst-maduro-kidnappen-was-kommt-als-naechstes (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xlvi https://www.klassegegenklasse.org/muss-man-venezolaner-sein-um-ueber-venezuela-zu-sprechen/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xlvii https://komaufbau.org/gegen-jede-us-intervention-kampf-dem-imperialismus/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xlviii https://www.aljazeera.com/news/2025/11/28/venezuela-explained-in-10-maps-and-charts (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

xlix https://www.reuters.com/business/energy/venezuelas-oil-exports-surpass-1-million-bpd-first-time-since-2020-data-shows-2025-10-01/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

l https://www.aa.com.tr/en/energyterminal/finance/venezuela-opts-to-use-chinese-yuan-for-oil-trade/763 (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

li https://orinocotribune.com/chinese-aid-arrives-in-venezuela/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

lii https://www.washingtonpost.com/world/the_americas/as-tankers-head-toward-the-caribbean-growing-iran-venezuela-ties-draw-us-concern/2020/05/21/1b35e048-99e7-11ea-ad79-eef7cd734641_story.html (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)

liii https://www.bancaynegocios.com/venezuela-refuerza-lazos-financieros-entre-bancos-centrales-con-rusia-para-desdolarizar-la-economia/ (zuletzt aufgerufen am 08.02.2026)