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Das Jahr 2018 – Rückblick und Bilanz

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Mit dem Jahr 2018 ist ein ereignisreiches Jahr zu Ende gegangen. Für das Volk und die Arbeiterklasse war auch dieses Jahr kein gutes Jahr. Überall auf der Welt führt das Kapital weiterhin den Klassenkampf von oben. So auch in Deutschland. Mit den Rentenpaketen der Regierung wird nach Jahrzehnten beschwerlicher Lohnarbeit die Armut im Alter für Millionen Menschen weiter garantiert (Scheinzugeständnisse der Rentendiebe). Bei der Debatte um Hartz IV präsentierten SPD und Grüne neue Konzepte eines „Grundeinkommens“, die eine weitere Verschärfung der Lage der Erwerbslosen und Niedriglohnarbeiter bedeuten würden – garniert mit sozialer Rhetorik.

Die Tarifabschlüsse der Metall- und Elektroindustrie sowie des öffentlichen Dienstes im Bund und den Kommunen und der Bahn zeichnen sich vor allem durch sehr lange Laufzeiten aus, die für die Unternehmen und den Staat gut sind und für die Arbeiterklasse schlecht – sie ist zum „Frieden“ also Stillhalten gezwungen. Die Abschlüsse der IG Metall und der EVG sind zudem problematisch, weil sie keine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich durchgesetzt haben, sondern nur die Wahl zwischen mehr Lohn oder mehr Freizeit. Damit werden die Pflege von Angehörigen oder wenn jemand nicht mehr alles bringen kann auf die Schultern der Beschäftigten gelegt. Die Metallarbeitgeber können zudem die wöchentliche Arbeitszeit ausweiten. Die in der Streikbewegung kämpferische Stimmung der Kollegen und der Wunsch nach weniger Arbeitszeit wurde in Bahnen kanalisiert, die dem Kapital nicht weh tun. Dem sozialpartnerschaftlichen Kurs der Gewerkschaftsführung muss mehr entgegengesetzt werden, denn er schadet der Organisierung der Arbeiterklasse – nicht zuletzt der gewerkschaftlichen Organisierung.

Das neue Einwanderungsgesetz spaltet die Immigranten weiter in solche mit Berufsabschluss, die dem deutschen Kapital einen kostenlosen Zufluss an billigen qualifizierten Arbeitskräften bescheren sollen, und diejenigen, die vor Krieg und Armut fliehen und die weiterhin zu Tausenden an den EU-Außengrenzen sterben. Die Arbeiterklasse soll gespalten und die verfügbare Masse an Arbeitskraft ausgedehnt werden. (Migration – „Schicksalsfrage“ Europas?). Der Fall des ehemaligen „Verfassungsschutz“-Präsidenten Hans-Georg Maaßen, dem umfassende Verbindungen zur AfD nachgewiesen wurden, zeigt ein weiteres Mal, wie Faschisten und Teile des Staatsapparates miteinander verflochten sind und dass der Faschismus nichts anderes ist als eine Strategie der herrschenden Klasse (Ein großes Ablenkungsmanöver).

Weltweite Zuspitzung imperialistischer Widersprüche

Zehn Jahre nach Beginn der Weltwirtschaftskrise ist sie in vielen europäischen Ländern immer noch nicht überwunden. In Griechenland leiden die Volksmassen weiterhin unter der jahrelang von EU und griechischen Regierungen vorangetriebenen Verelendungspolitik, ebenso wie in anderen Ländern Süd- und Osteuropas (Griechenland, Syriza und die deutsche Linke). Die herrschenden Klassen der führenden imperialistischen Länder Europas sind sich weiterhin uneinig darüber, wie die Krise zu bearbeiten ist. Die Regierung Italiens versuchte, sich vor der eigenen Bevölkerung „rebellisch“ zu zeigen, indem sie in ihrem Haushaltsplan ein geringfügig höheres Defizit einplante und damit

mit den Vorgaben der EU-Kommission kollidierte, die vor allem dem deutschen Interesse entsprechen, die Löhne zu drücken und den Euro als internationale Währung zu stärken. Zwischen Deutschland und Frankreich setzten sich die seit vielen Jahren geführten Auseinandersetzungen um den wirtschaftlichen Rahmen der EU und Eurozone fort, u.a. anhand der Frage eines eigenen Haushalts der Eurozone. Die US-Regierung von Donald Trump brach gleich zwei Handelskonflikte vom Zaun, einen mit China (Zum „Handelskrieg“ zwischen den USA und China) und einen mit der EU. All das zeigt, dass die Interessengegensätze zwischen den verschiedenen imperialistischen Polen sich in der Krise weiter verschärfen. Handelskriege drohen immer auch, sich zu wirklichen, also militärisch geführten Kriegen zu entwickeln. Die Gefahr eines großen Weltkriegs, z.B. zwischen den USA und der NATO auf der einen Seite sowie China und/oder Russland auf der anderen Seite ist weiter gestiegen (Alle reden von Frieden doch die Zeichen stehen auf Krieg und Kein Tropfen Blut, keinen Cent für die Kriege der Kapitalisten!). Das zeigen sowohl die zunehmende Konzentration des US-Militärs auf die Region Ostasien, als auch die NATO-Truppenübungen in der Nähe der russischen Grenze, bei denen die BRD als größter europäischer Truppensteller mitmischte. Das zeigt aber z.B. auch die verstärkte Militärpräsenz und Aufschüttung künstlicher Inseln im südchinesischen Meer von Seiten Chinas, die Ausdruck wachsender Machtansprüche sind.

Das mit der NATO verbündete Regime in Kiew hat im Asowschen Meer eine Provokation gegen Russland inszeniert und setzt nun alles daran, die Konfrontation weiter zu eskalieren (Imperialistische Kriegsvorbereitungen im Schwarzen Meer). Auch nach dem begrüßenswerten Rückzug der USA aus Syrien wird die Auseinandersetzung zwischen den imperialistischen Mächten in der Region weiter gehen. Ob die Türkei ihre militärischen Operationen in Syrien weiter ausweiten wird, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Dass es sich für die Völker nie auszahlt, sich auf ein Bündnis mit imperialistischen Aggressoren einzulassen, wie es die kurdische YPG/PYD getan haben, zeigt sich aber auch hier. Insgesamt wird Kriegsrhetorik auf allen Seiten lauter und aggressiver.

Angesichts dieser Weltlage ist es kein Wunder, dass auch innenpolitisch überall die Reaktion marschiert. In Brasilien wurde ein Präsident gewählt, der offen faschistische Positionen vertritt (Nieder mit Bolsonaro! Solidarität mit der Arbeiterklasse Brasiliens!). In Deutschland etabliert sich die AfD als neue Massenpartei im politischen System, in Frankreich ist es der Front National, in Italien sind mit der Lega Nord bereits extrem reaktionäre Kräfte an der Regierung. Ähnlich ist es in Polen, Ungarn und anderen Ländern. Hetze gegen Ausländer und Verharmlosung des Faschismus werden von den Herrschenden immer offener eingesetzt, um reaktionäre Maßnahmen gegen die Interessen des Volkes zu rechtfertigen.

Widerstand der Massen

Das Jahr 2018 hat aber auch ein weiteres Mal gezeigt, dass der Widerstand der Volksmassen nicht tot ist, sondern sich immer wieder an aktuellen Fragen entzünden kann. In Frankreich gingen in den vergangenen Wochen Hunderttausende Menschen im Rahmen der „Gelbwesten“-Bewegung auf die Straße, überwiegend um berechtigten Protest gegen die volksfeindliche Politik der Regierung von Präsident Emmanuel Macron zu äußern (Sturm über Frankreich). In Ungarn protestieren Zehntausende Menschen gegen eine Reform des Arbeitsrechts, die die verschärfte Ausbeutung der Arbeiterklasse durch bis zu 400 Überstunden pro Jahr legalisiert. Im Sudan protestieren die Massen gegen eine Regierung, die den hungernden Massen mit ihrer Brotpreiserhöhung noch das letzte Hemd wegnimmt. Durch den Terror der sudanesischen Polizei wurden bereits Dutzende Menschen ermordet.

All diese Proteste zeigen aber auch, dass sie zwar Zugeständnisse erkämpfen können, aber ohne klare Richtung und Organisierung nicht die Basis für dauerhafte Verbesserungen für die Massen aufbauen können. Eine Anbetung und Verabsolutierung des angeblich spontanen, unorganisierten Volkszorns, wie wir sie in manchen euphorischen Kommentaren über die „Gelbwesten“ gesehen haben, führt die Arbeiterklasse in eine Sackgasse. Bei Regierungen, die wie die des Sudan auf der Abschussliste der westlichen imperialistischen Zentren stehen, droht immer auch die Gefahr, dass berechtigte Proteste von westlichen Interessen vereinnahmt werden und zu einem für das Volk negativen Ergebnis führen. Hier müssen die Organisationen der Arbeiterbewegung besonders wachsam sein. Die Organisierung der Massen muss auf klassenkämpferischer Grundlage, mit antikapitalistischer und antiimperialistischer Ausrichtung vorangetrieben werden. Das geht letzten Endes nicht ohne eine starke kommunistische Partei. Wie das geht, zeigt z.B. der Generalstreik in Griechenland im vergangenen November, wo ein weiteres Mal Genossen der Kommunistischen Partei Griechenlands eine führende Rolle spielten.

Die Herrschenden wissen, dass sie nur eine gut organisierte und politisch bewusste Bewegung wirklich fürchten müssen. In ihrem Interesse bilden sich immer wieder auch politische Kräfte heraus, die die Entstehung von Klassenbewusstsein objektiv behindern. Ein Beispiel dafür war auch die neue „Sammlungsbewegung“ #aufstehen, die sich 2018 in Deutschland gründete und Massen für das illusorische Ziel einer Wende zum sozialen Fortschritt durch eine „linke“ Regierung mobilisieren soll, ohne dass die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse angetastet werden (Völker, hört die Sammelbewegung?).

Unser Klärungs- und Aufbauprozess

Vor 100 Jahren – an der Jahreswende von 1918/1919 – wurde die KPD gegründet, zweifellos eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert. Sie war zwei massiven Schlägen der deutschen Imperialisten ausgesetzt – dem Faschismus und dem Verbot in der BRD. Heute ist die kommunistische Bewegung zersplittert, ideologisch unklar und kaum in der Bevölkerung verankert. Diesen Zustand zu überwinden muss das Ziel aller Kommunisten sein. Das geht unserer Überzeugung nach nur mit Klarheit. Die muss durch gründliche Auseinandersetzung gewonnen werden. Auf dieser Grundlage kann die Einheit hergestellt werden.

Die Kommunistische Partei in Deutschland muss sich durch einen Prozess formieren und wir wollen unseren Teil dazu beitragen. Mit der Konstituierung der Kommunistischen Organisation im Juni sind wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung gegangen: Wir haben den vorher herausgebildeten Zusammenhang von Kommunistinnen und Kommunisten in eine erste feste organisatorische Form gegossen (Unser Organisationsprinzip). Wir haben die sieben thematischen Arbeitsgruppen aufgestellt, die die Grundlage zur Klärung der brennenden Fragen darstellen werden. Wir haben in den vergangenen Monaten mit großem Aufwand Grundannahmen, Debatten und offene Fragen zusammengetragen, die in den nächsten Jahren den Rahmen des Klärungsprozesses darstellen sollen. Wir freuen uns und sind auch ein bisschen stolz, die Veröffentlichung dieser Ergebnisse in der nahen Zukunft hiermit ankündigen zu können.

Wir haben uns aber nicht ins Studierzimmer eingeschlossen, sondern sind mit unseren Positionen nach draußen gegangen, haben mit vielen Menschen diskutiert, haben neue Mitstreiter und Interessenten gewonnen. Wir haben in verschiedenen Städten damit begonnen, aus unserer Kritik an der Praxis der bestehenden Organisationen und Parteien selbst praktische Schlussfolgerungen zu ziehen und unsere Massenarbeit auf eine neue Grundlage zu stellen. Das werden wir in den kommenden Jahren weiterentwickeln mit dem Ziel, eine wirkliche Massenverankerung zu erreichen.

Trotz dieser Erfolge machen wir uns keine Illusionen darüber, wie weit der Weg noch ist, der vor uns liegt. Aber wir sind entschlossen und motiviert, uns dieser Herausforderung zu stellen. Denn wir sind mehr denn je davon überzeugt, dass die Menschheit nur im Sozialismus eine Zukunft hat.

Dafür brauchen wir die Unterstützung möglichst vieler fortschrittlicher Menschen, klassenbewusster Arbeiter und natürlich sowieso die der Marxisten in diesem Land. Beteiligt euch am Klärungsprozess in den thematischen AGs, unterstützt uns in der Massenarbeit, organisiert euch in der Kommunistischen Organisation!

Auf ein kämpferisches Jahr 2019!

Sturm über Frankreich

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Die volksfeindliche Politik Macrons und die Antwort der Gilets Jaunes

Seit mehreren Wochen toben in Frankreich die Proteste der sich „Gilets Jaunes“ (deutsch: „Gelbwesten“,angelehnt an die Warnwesten, die viele der Protestierenden tragen) nennenden Bewegung. Hunderttausende waren im ganzen Land auf der Straße, demonstrierten massenhaft, blockierten Kreuzungen und Autobahnen, brachten ihre Wut zum Ausdruck. In Paris brannten Barrikaden auf den Champs Élysée (der großen Prachtstraße der Stadt), der Triumphbogen wurde gestürmt. Laut Umfragen unterstützt ein großer Teil der Bevölkerung die Bewegung. Die Reaktion des Staates: massive Polizeigewalt und Repression, Wasserwerfer und Tränengas. Nach offiziellen Angaben vom Wochenende sind es bisher schon mehr als 130 Verletzte, hunderte Verhaftete, vier Tote —darunter drei durch Unfälle, jedoch auch eine 80-jährige Frau, die in Marseille durch eine Tränengasgranate der Polizei getötet wurde!

Die Politik der Regierung Macron

Auslöser für die Proteste der „Gilets Jaunes“war die von der Regierung Macrons geplante sogenannte „Ökosteuer“, eine Steuerreform, die die für eine Erhöhung der Diesel- und Benzinpreise sorgt. Also im Grunde eine weitere Maßnahme, um unter dem Vorwand des Umweltschutzes die Volksmassen Frankreichs finanziell ausbluten zu lassen und die Politik der Herrschenden auf ihrem Rücken fortzusetzen. Doch selbst für die bürgerlichen Medien steht außer Frage, dass es um viel mehr geht. Es ist die Wut der Protestierenden über die seit Macrons Regierungsantritt ganz massiv ins Rollen gebrachten Reformen, die sich entlädt.

Denn diese Reformen (wie bspw. das bereits im letzten Jahr ebenfalls unter großen Protesten verabschiedete Arbeitsgesetz, das den Kündigungsschutz aufweicht) sind ein Generalangriff auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der französischen Volksmassen und besonders der Arbeiterklasse: die Senkung von Renten und Mindestlohn, der Ausbau des Niedriglohnsektors, die Kürzung und Einschränkung der Sozialhilfe, die Abschaffung der Vermögenssteuer ganz im Sinne der Reichen, allgemein die steigenden Lebenserhaltungskosten und nun auch noch die besagte „Ökosteuer“.

Wie es niemals anders zu erwarten war, ist die Politik Emmanuel Macrons auf ganzer Linie eine Politik im Interesse der Bourgeoisie, der französischen Kapitalistenklasse. Eine Politik,die an der Aufrechterhaltung des Kapitalismus festhält und die ihm innewohnenden, unlösbaren Widersprüche auffängt, indem sie die Reichen reicher macht und die Volksmassen — allen voran die französische Arbeiterklasse — durch eine immer teurere Lebenshaltung, steigende Mieten, Lohnsenkungen, Abschaffung sozialer Sicherungssysteme usw. in die Armut treibt.

Insbesondere die für nächsten Jahr geplante Arbeitsmarktreform der Regierung, die die Kriterien für die Zumutbarkeit auf dem Arbeitsmarkt herabsetzen und Leistungen kürzen soll, ist ein weitreichender Angriff auf die Arbeiterklasse, weil sieden Druck auf die Arbeitslosen inklusive Sanktionen deutlich erhöht und eine rasante Entwicklung des Niedriglohnsektors zur Folge haben wird. Es zeigen sich Parallelen zum hiesigen, unter Rot-Grün eingeführten Hartz-IV-System. Die Erhöhung des Mindestlohns, die Macron nun als Zugeständnis gegeben hat, wird an der Ausweitung des Niedriglohnsektors nichts ändern, größere Teile der Arbeiterklasse werden nach und nach in den Niedriglohnsektor – auf Mindestlohnniveau absinken. Das ist für die Kapitalistenklasse Frankreichs von wesentlich größerer Bedeutung, als die Treibstoffsteuer, die sogar manchen Monopolen (Automobile) entgegenläuft.

Die Gilets Jaunes

Die Bewegung hat insgesamt (noch) einen unklaren sozialen Charakter, ist teilweise stark geprägt von kleinen Selbständigen, Bauern, aber auch zunehmend Arbeitern. Eine organisierte Kraft der Arbeiterklasse, wie die Gewerkschaften, fehlt bisher aber weitgehend.

Die fehlende Klarheit spiegelt sich auch in den Forderungen wider, die die Bewegung erst vor Kurzem zu Papier gebracht hat. Sie fordert dort zwar eine Erhöhung des Mindestlohns auf 1300 € und Mindestrente von 1200 € netto, Forderungen gegen die Arbeitsmarktreform sind dagegen nicht zu finden. Die Mindestlohnforderungen müssten aber direkt in Verbindung mit Widerstand gegen die Arbeitsmarktreform gebracht werden, sonst sind sie wirkungslos.

Die Forderungen nach einem Vorgehen gegen die Obdachlosigkeit, die Rücknahme der Erhöhung der Treibstoffsteuer, die Begrenzung der Mieten, ein Verbot von Privatisierungen öffentlichen Eigentums, die Rente mit 60 und viele andere Punkte sind berechtigt. Auf der anderen Seite stehen aber auch falsche und irreführende, wie die Forderung nach Abschiebung abgelehnter Asylbewerber, nach besserer Finanzierung der Repressionsorgane sowie die Unterscheidung zwischen „legitimen“ und „illegitimen“ Staatsschulden, womit faktisch anerkannt wird, dass die Werktätigen einen Teil der Schulden des Kapitals begleichen sollen. Insgesamt liegt auch im Umfang und der Vielfältigkeit der Forderungen die Gefahr der Zersplitterung und Schwächung der eigenen Schlagkraft.

Nicht zuletzt hinterfragen wir auch die Entstehung der Bewegung. Kam sie wirklich so spontan, rein auf die Wut der Massen und die Verbreitung des Internets gestützt zustande, wie es viele Medien skizzierten? Wer steht hinter der Bewegung? Wer traf die Entscheidungen bei der Mobilisierung? Wer formulierte die Forderungen? Zur vollständigen Einordnung der „Gilets Jaunes“ ist die Klärung dieser Fragen von großer Wichtigkeit.

Von Anfang an gab es auch problematische Tendenzen in der Entwicklung der „Gilets Jaunes“, die den Herrschenden — gegen die sich ihre Wut ja eigentlich richten soll — in die Hände spielen. Zum einen ist es die Frage der Organisation: immer wieder vernimmt man Aussagen aus der Bewegung, dass sie pauschal eine negative Haltung gegenüber Parteien einnimmt, dass sie Rechts-Links-Schemata überwunden habe und sogar, dass sie generell Organisationsstrukturen ablehnt. All diese Punkte wirken aber letztendlich einem erfolgreichen Kampf für Verbesserungen im Sinne der breiten Volksmassen entgegen und sichern nur die Macht der Herrschenden. Eine fehlende eigenständige Organisierung mindert die Schlagkraft der Proteste, kann zur Spaltung und zur Zerschlagung führen oder lässt sie einfach im Sande verlaufen. Außerdem schafft sie — noch gefördert von der scheinbaren Überparteilichkeit! — eine ideologische Beliebigkeit.

Eine konsequente Positionierung für die Interessen der Arbeiterklasse wird damit unmöglich, aber der Beeinflussung durch die herrschende Klasse bspw. mittels Unterwanderung durch faschistische Kräfte (Marine Le Pens „Rassemblement Nationale“, die Identitären,…) wird Tür und Tor geöffnet. Von den acht delegierten Sprechern der Bewegung, die allerdings nicht von allen Beteiligten anerkannt werden, war Thomas Miralles aus Südostfrankreich 2014 bei den Kommunalwahlen Kandidat für den rechtsextremen Front National. Auch andere führende Persönlichkeiten der Bewegung kommen aus dem rechten Spektrum und nach Umfragen erhält die Bewegung auch die stärkste Unterstützung unter Wählern weit rechts stehender Parteien und auch der Parteiführungen. Diese hätten Proteste beispielsweise der Gewerkschaft CGT niemals unterstützt, sehen aber in den „Gelben Westen“ durchaus Anknüpfungspunkte.

Auch die Beteiligung bestimmter anarchistischer Kreise der „insurrektionalistischen“ Strömung, die glaubt, durch gewaltsame Aktionen an sich die Massen für eine Revolution gewinnen zu können, ist negativ zu bewerten, weil auch dadurch die Massen auf die falsche Fährte geführt werden und Provokateure wirken können. Eine genaue Einschätzung zum aktuellen Einfluss faschistischer oder anderer reaktionärer Kräfte auf die Bewegung muss weiter untersucht werden.

Der Klassenkampf

Wenn die auf die Arbeiterklasse und andere Volksschichten gerichteten Angriffe der Herrschenden abgewehrt werden sollen, muss ein Bewusstsein dafür entstehen, dass grundlegende Verbesserungen für die Mehrheit des Volkes nicht in spontanen Bewegungen und nicht in Form von an diese oder jene Regierung gestellten Forderungen durchgesetzt werden können. Eine wichtige Rolle spielen die Gewerkschaften als Organisationen der Arbeiter, die einen organisierten und konsequenten Kampf ermöglichen können. Die CGT-Führung ist aber seit längerer Zeit auf sozialpartnerschaftlichem Kurs und setzt auf Verhandlungen mit der Regierung, sie schwächt damit die Arbeiterklasse und lässt die Flanke für unklare Bewegungen offen.

Die Sozialdemokratie (die Parti Socialiste, die Linkspartei Melenchons und die PCF) und auch die Faschisten und Reaktionäre orientieren auf einen Regierungswechsel. Aber ob Macron Präsident von Frankreich ist oder ein Anderer, ob sich die Herrschenden zur Besänftigung der Wut auf der Straße dazu durchringen, hier und da den volksfeindlichen Charakter der Reformen abzuschwächen (die Ökosteuer z.B. soll aufgrund der anhaltenden Proteste doch erst einmal ausgesetzt werden) – der Staat bleibt das Instrument der Diktatur des Kapitals. Die Angriffe auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Mehrheit werden weitergehen, weil es die Sicherstellung und Vergrößerung der Profite für die Kapitalisten so verlangt. Dieser immer stärker zu Tage tretende Widerspruch, die immer größere Existenzbedrohung für immer größere Teile des Volkes bleibt natürlich nicht unbeantwortet — wie die „Gilets Jaunes“ lautstark unter Beweis stellen.

Der einzige Ausweg aus dieser Misere ist der konsequente Bruch mit dem System, das sie hervorbringt, also mit dem Kapitalismus. Dieser Bruch braucht ein durch kontinuierliche Arbeit in den Massen verbreitetes Bewusstsein über seine Notwendigkeit und eine starke bewusste Arbeiterbewegung, die den revolutionären Kampf führt. Um dieses Bewusstsein und die sich aus ihm speisende Arbeiterbewegung wieder aufzubauen, braucht es eine organisierte Kraft, die ideologisch klar und zudem tief in der Arbeiterklasse verankert ist — die Kommunistische Partei. Sie wäre auch fähig, organisiert und zielgerichtet in Bewegungen wie jener der „Gilets Jaunes“ zu intervenieren, ihnen eine Perspektive zu geben und gleichzeitig die reaktionären Kräfte rauszuschmeißen. Ähnlich wie hier in Deutschland, fehlt es aber auch in Frankreich noch an genau dieser Kraft, was in der aktuellen Situation noch einmal deutlicher zu Tage tritt. Zwar gibt es den PCF, eine Partei, die sich „kommunistisch“ nennt, aber sie hat ihren revolutionären Charakter schon vor langer Zeit aufgegeben und ist heute nichts weiter als ein immer bedeutungsloser werdendes Anhängsel der Sozialdemokratie, das Illusionen schürt. Die Kommunisten Frankreichs, die in der PCRF (Revolutionäre Kommunistische Partei Frankreichs) und Teilen der PCF-Jugend MJCF organisiert sind, kämpfen dagegen für den Wiederaufbau einer kommunistischen Partei der Arbeiterklasse. Ihnen gilt unsere Solidarität in besonderem Maße.

Darum ist die Botschaft an unsere französischen Brüder und Schwestern: verwandelt eure Wut in Widerstand! Schöpft Kraft aus der jetzigen Situation, um eure Reihen zu schließen und euch fest zu organisieren. Aus solchen Kämpfen wie jetzt muss die Arbeiterklasse gestärkt und besser organisiert herausgehen und nicht geschwächt und zersetzt.

Schafft Klarheit in euren Reihen, unterstützt die französischen Kommunistinnen und Kommunisten, baut eine bewusste Arbeiterbewegung — und an ihrer Seite eine starke Kommunistische Partei — wieder auf!

Imperialistische Kriegsvorbereitungen im Schwarzen Meer

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Die Welt ist wieder einen Schritt näher an einem großen Krieg zwischen der NATO und Russland, nachdem der Konflikt zwischen Moskau und Kiew in den letzten Tagen wieder verstärkt aufgeflammt ist. Auslöser war, dass am vergangenen Sonntag Militärschiffe der ukrainischen Marine versucht haben, gewaltsam die Meerenge von Kertsch an der Einfahrt zum Asowschen Meer zu durchqueren, ohne sich wie üblich mit den russischen Autoritäten abzustimmen. Daraufhin stoppte die russische Küstenwache mit Gewalt die ukrainischen Schiffe und beschlagnahmte sie.

 Die Provokation des ukrainischen Regimes

Der Versuch einer gewaltsamen Durchfahrt ins Asowsche Meer stellt eine Provokation der ukrainischen Regierung dar, um den Konflikt mit Russland weiter zu eskalieren und die NATO auf ukrainischer Seite hineinzuziehen. Die Krim ist faktisch seit 2014 Teil der Russischen Föderation und die ukrainische Regierung hatte sich bisher mit der neuen Situation arrangiert und die Durchfahrt durch die Meerenge dementsprechend mit den russischen Behörden abgesprochen. Dass sie es nun auf einmal nicht mehr tut, ist eine bewusste Entscheidung, beider abzusehen war, dass sie Russland zu einer gewaltsamen Reaktion provozieren würde. Dieser Kurs zeichnet sich seit Jahren ab. Schon vor Monaten hatte die ukrainische Küstenwache ein russisches Fischerboot beschlagnahmt und die Crew inhaftiert und damit die Konfrontation mit Russland gesucht. Das Regime in Kiew fordert nun harte Maßnahmen gegen Russland und vor allem auch eine Verlegung von NATO-Kriegsschiffen ins Schwarze Meer und das Asowsche Meer, obwohl im Schwarzen Meer schon viele NATO-Schiffe stationiert sind. Außerdem wurde am Mittwoch für 30 Tage das Kriegsrecht verhängt.

Die Regierung des Großkapitalisten Petro Poroschenko in Kiew ist ein extrem reaktionäres Regime, das infolge des von den USA und anderen westlichen imperialistischen Staaten unterstützten Staatsstreichs von 2014 an die Macht gekommen ist. Von Anfang an stützte sich das Regime auf faschistische Mörderbanden wie den „Rechten Sektor“,die faschistische Partei „Swoboda“ oder das „Regiment Asow“. Der gemeinsame ideologische Nenner der Regierung mit den offenen Neonazis ist die Verehrung für den ukrainischen Faschistenführer Stepan Bandera, der im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Wehrmacht gegen die Rote Armee kämpfte und an der massenhaften Ermordung ukrainischer Juden, Kommunisten und Polen beteiligt war. In den vergangenen Jahren ist das Regime Schritt für Schritt in Richtung einer offenen faschistischen Diktatur gegangen. Die Einbeziehung von Faschisten in die Regierung, das Massaker im Gewerkschaftshaus von Odessa 2014, das Verbot der Kommunistischen Partei der Ukraine 2015und die brutale Verfolgung von Kritikern des Regimes waren alle Ausdruck dieser Entwicklung. Die Verhängung des Kriegsrechts wird nun noch weiter dazu führen, die Rechte des Volkes einzuschränken und der ganzen Gesellschaft eine militärische Disziplin aufzuzwingen. Die Machtausübung mit immer diktatorischeren Mitteln wird auch aus Sicht der herrschenden Klasse in der Ukraine immer notwendiger, weil der Lebensstandard der breiten Volksmassen seit der Zerschlagung des Sozialismus 1989/91 und besonders seit dem Putsch2014 auf unerträglich niedrigem Niveau ist und die Regierung den unterdrückten Massen außer Gewalt nichts mehr zu bieten hat.

Faschismus und Krieg

Faschismus und Krieg hängen eng miteinander zusammen. Wenn die herrschende Klasse eines Landes sich mehrheitlich entscheidet, von der bürgerlichen Demokratie zu einer offeneren Form der Diktatur überzugehen, dann meistens auch deshalb, um die Gesellschaft auf den Krieg vorzubereiten. Auch hier geht es letzten Endes um ökonomische und geostrategische Interessen des Kapitals, nicht nur der Ukraine und Russlands, sondern auch der NATO-Imperialisten wie Deutschland,Großbritannien und den USA. In einer Resolution von vor einigen Wochen sorgten sich die EU-Staaten um die „mögliche Gefahr, dass Russland die bestehenden ukrainischen Öl- und Gasfelder im Asowschen Meer unter Kontrolle kriegen könnte, wenn es sein Ziel erreicht,dieses in einen internen See innerhalb der Russischen Föderation zu verwandeln“ (EU-Parlament: „European Parliament resolution on the situation in the Sea of Azov, 30.10.2018). Darüber hinaus hat die Region vor allem auch militärische Bedeutung: Russland gliederte sich 2014 die Krim vor allem an, um über den Marinehafen von Sewastopol das Schwarze Meer militärisch kontrollieren zu können.Für die USA und führenden imperialistischen Staaten der EU spielt das Schwarze Meer dagegen ebenfalls eine entscheidende Rolle, um ihre aggressive Einkreisungspolitik gegenüber Russland voranzutreiben,ihre Verbündeten in Kiew gegebenenfalls militärisch unterstützen zu können und um sich in der Region, die umfangreiche Ressourcenvorkommen (z.B. im Kaukasus) aufweist, strategisch positionieren zu können. In der letzten Zeit hat die NATO ihre Aufklärungsflüge im Schwarzen Meer, Baltikum, Kaukasus und anderen Regionen verstärkt, um die Bewegungen des russischen Militärs zu beobachten. Auch nach dem Vorfall an der Meerenge von Kertsch starteten aus Griechenland Aufklärungsdrohnen der USA in Richtung des Asowschen Meers.

Kriegsvorbereitungen in Deutschland

Auch in Deutschland werden die Vorbereitungen für einen großen Krieg mit Russland intensiviert. Bei dem riesigen NATO-Manöver „Trident Juncture“ im Oktober diesen Jahres war die Bundeswehr mit 8800 Soldaten der größte europäische Truppensteller – in krassem Gegensatz zu den ständigen Propagandalügen, wonach Deutschland ein„ökonomischer Riese“, aber „militärisch ein Wurm“ sei. Wie schon 2014 ist auch heute die SPD ganz vorne mit dabei, die Kriegsziele des deutschen Imperialismus gegen Russland voranzutreiben: „Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim kann sich die NATO“ es nicht mehr leisten, den Aufbau ihrer Kriegsmaschine zu „vernachlässigen“, heißt es im SPD-Organ„Vorwärts“. (Fritz Felgentreu: Warum das NATO-Manöver ‚Trident Juncture‘ zwingend nötig ist, Vorwärts 23.10.2018). Auch im Schwarzen Meer ist die deutsche Marine im Dienst des deutschen Kapitals aktiv: Im Juli/August 2018 führte ein NATO-Minenabwehrverband unter deutschem Kommando Kriegsübungen vor der bulgarischen Küste und gemeinsam mit der ukrainischen Marine auch vor der ukrainischen Stadt Odessa durch („Machtkampf im Asowschen Meer“, German Foreign Policy 27.11.2018).

Nach der erneuten Eskalation an der Meerenge von Kertsch berichten die bürgerlichen Medien wie üblich vollkommen verlogen und einseitig und geben allein Russland die Schuld. Die Bild-Zeitung titelt: „Neue Putin-Eskalation“ und „Deutschland soll Kriegsschiffe entsenden“(Bild-Zeitung 26.11.2018). Damit soll die Bevölkerung in Deutschland auf eine verschärfte Eskalationspolitik gegen Russland und die Möglichkeit eines zukünftigen Krieges mental eingestimmt werden.Das ist für die imperialistischen Planungszentren in Berlin umso wichtiger, da die Bevölkerung mehrheitlich einen solchen Krieg zurecht fürchtet und sich den Frieden wünscht.

Ein Krieg der NATO mit Russland würde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht lokal begrenzt bleiben, sondern sich zum Dritten Weltkrieg entwickeln. Deutschland wäre im Zentrum dieses Krieges und wäre potenziell unvorstellbarer Zerstörung ausgesetzt. Die Arbeiterklasse und die Volksmassen in Deutschland haben keinerlei Interesse an den imperialistischen Zielen der deutschen, US-amerikanischen oder auch russischen und chinesischen Kapitalgruppen. Sie müssen den Kampf gegen die NATO und EU aufnehmen, die im zwischenimperialistischen Kampf mit Russland die Hauptaggressoren darstellen und von denen die Hauptgefahr eines Krieges gegen Russland ausgeht. Sie dürfen sich in den zwischenimperialistischen Konflikten aber auch nicht auf eine Seite stellen, sondern muss für sich selbst Partei ergreifen – für den Aufbau der Arbeiterbewegung und einer klassenorientierten, antiimperialistischen Friedensbewegung, für die Trennung Deutschlands von allen Strukturen der NATO, der EU und anderer imperialistischer Vereinigungen, für die Nichtbeteiligung an Militärmanövern gegen Russland oder andere Staaten, für die Macht der Arbeiterklasse.

100 Jahre Novemberrevolution: Erinnern heißt Kämpfen!

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Zum Jahrestag der Novemberrevolution erinnerten wir bei Veranstaltungen in sechs Städten an die mutigen und entschlossenen Kämpfe der Arbeiterbewegung, die den Krieg beendeten und die Monarchie zum Sturz brachten. Wir erinnerten vor allem auch daran, dass die Arbeiterbewegung sich Räte als eigene Kampf- und an manchen Orten auch als Machtorgane schufen und aus ihren Reihen die Kommunistische Partei gründeten. Diesen wichtigen Errungenschaften stehen bittere Lehren gegenüber: Lehren von der verräterischen Rolle der SPD- und Gewerkschaftsführung, von der zu späten Gründung der KPD und damit dem Fehlen der führenden Kraft in der Revolution.

Das Ziel der Veranstaltungen, die Ereignisse und ihre Entwicklung darzustellen, einen Überblick zu geben und die wichtigsten Schlussfolgerungen für heute damit zu verbinden, haben wir erreicht. Es gab positive Rückmeldungen über die systematische und strukturierte Herangehensweise an die Geschichte. In den Diskussionen wurde dies mit aktuellen Fragen verbunden.

So ging es in den Diskussionen in Stuttgart und Berlin verstärkt um die Frage,wie die Arbeiterklasse in einer revolutionären Situation zu einer klaren Vorstellung von Weg und Ziel der Revolution kommen kann.Welche Rolle spielte das Fehlen einer kommunistischen Partei konkret bei der Entwicklung der Novemberrevolution? In Frankfurt, Köln und München stand die verräterische Rolle der SPD im Vordergrund: Wie konnte es passieren, dass die Mehrheit der Arbeiterklasse den Illusionen der SPD glaubte und daher zuließ, dass diese die Revolution mit militärischer Gewalt erstickte? In den Diskussionen kamen noch weitere Fragen auf: Wie ist die Zusammenarbeit zwischen SPD und Freikorps zur Niederschlagung der Revolution zu bewerten und was hat dies mit dem Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Faschismus im Allgemeinen zu tun? Welche Rolle haben die Räte gespielt? Inwieweit waren sie Machtorgane der Arbeiterklasse und wie konnte sich die SPD in ihnen durchsetzen? Wir werden im Rahmen des Klärungsprozesses in den Arbeitsgruppen weiter an diesen Fragen arbeiten. Eine wichtige Schlussfolgerung der Veranstaltungen ist,dass ein intensives Studium der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und deren Vermittlung an die Arbeiterklasse ein wichtiger Teil der heute zu führenden Kämpfe ist.

In allen Städten wurden vor oder im Anschluss an Input und Diskussionen historische Orte der Novemberrevolution besucht: In Stuttgart wurden Schilder am Wilhelmspalais aufgehängt, im Gedenken an die roten Fahnen, die nach der Vertreibung des Königs dort gehisst wurden. Auf einer Kundgebung vor den Treppen des Wilhelmspalais wurden im Anschluss die vor 100 Jahren gedruckten Flugblätter der ‚Roten Fahne‘ verteilt. In München wurde unter anderem der Mathäserbräu besucht, wo unter Kurt Eisner ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet und der Freistaat Bayern proklamiert wurde. In Frankfurt wurde auf einer Kundgebung Zeitzeugenberichte verlesen und der Kaiserplatz in Platz des Arbeiter- und Soldatenrats umbenannt, da dort im Frankfurter Hof der Frankfurter Arbeiter- und Soldatenrat tagte. In Köln wurde der Friedrich-Ebert-Platz in Walter-Stoecker-Platz umbenannt.Walter Stoecker war Mitglied des Aktionsausschuss des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates während der Novemberrevolution, Antifaschist und Mitglied der KPD. Erspielte später eine wichtige Rolle im kommunistischen Widerstand im KZ Buchenwald. In Berlin ging es zum Friedhof der Märzgefallenen um an die Arbeiter und Soldaten zu erinnern, die in der Revolution gefallen sind. In Jena waren die großen Streiks bei Zeiss Jena bereits vor der Novemberrevolution Thema des Stadtrundgangs, außerdem wurde der Marktplatz besucht, an dem der Jenaer Arbeiter- und Soldatenrat die Macht in seine Hände nahm.

Erinnern heißt Kämpfen: Auch 100 Jahre nach der Novemberrevolution und ihrer blutigen Niederschlagung heißt daher die Parole: Mit Klarheit, Einheit und Organisation für den nächsten Anlauf zur Revolution!

Nieder mit Bolsonaro! Solidarität mit der Arbeiterklasse Brasiliens!

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Am 28. Oktober hat sich in Brasilien der extrem rechte Kandidat Jair Bolsonaro in der Stichwahl gegen seinen Herausforderer Fernando Haddad von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei (PT) durchgesetzt. Bolsonaro steht für überaus reaktionäre, wenn nicht offen faschistische Positionen zu mehr oder weniger allen Fragen. In den vergangenen Jahren und im Wahlkampf machte er immer wieder durch rassistische, schwulen- oder frauenfeindliche Äußerungen auf sich aufmerksam. Immigranten bezeichnet er als den „Abschaum“ der Welt und der einzige Fehler der brasilianischen Militärdiktatur (an der er als Hauptmann der Fallschirmjäger auch beteiligt war) sei gewesen, nicht genug Menschen umgebracht zu haben. Die Polizei fordert er auf, mehr Menschen zu töten. Gegen die Millionen Landlosen, die das Land der Großgrundbesitzer besetzen, will er ebenfalls mit Waffengewalt vorgehen.

Offensive des Kapitals gegen die Arbeiterklasse

Während über diese Positionen auch in den bürgerlichen Medien berichtet wurde, wird seine zutiefst volksfeindliche Wirtschaftspolitik meistens verschwiegen, wenn nicht gar positiv kommentiert. Denn in dieser Kernfrage liegen die „liberalen“ bürgerlichen Medien mit Reaktionären wie Bolsonaro auf einer Linie. Paulo Guedes, den Bolsonaro zu seinem Minister für Finanzen, Wirtschaft, Industrie und Privatisierungen machen will, hat radikale Kürzungen bei den Renten und Privatisierung des Rentensystems angekündigt, will das verbleibende Staatseigentum an private Investoren verkaufen, das brasilianische Steuersystem auf eine einheitliche Einkommens- und Unternehmenssteuer reduzieren. Damit werden alte Menschen noch tiefer in die Armut gedrängt werden, die Arbeiter der Staatsbetriebe werden ihre Jobs verlieren oder zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten müssen. Die vielen Millionen Brasilianer, die von ihrer Arbeit kaum ihre Familien ernähren können, werden denselben Steuersatz zahlen wie die Millionäre der brasilianischen Oligarchie.

Kurz gesagt, das Programm der neuen Regierung ist ein allumfassender Angriff auf die Arbeiterklasse, ein riesiger Raubzug gegen die Armen und Unterdrückten zugunsten des brasilianischen und ausländischen Kapitals. Und jeder Widerstand dagegen soll mit brutaler Gewalt unterdrückt werden.

Es sollte daher niemanden wundern, dass Bolsonaro der Wunschkandidat großer Teile des Kapitals war. Viele Unternehmen drängten ihre Arbeiter offen dazu, Bolsonaro zu wählen und drohten andernfalls gar mit Entlassung. Die Großgrundbesitzer und Agrarindustrie freuen sich vor allem darauf, unter dem neuen Präsidenten nun erst recht mit terroristischen Methoden gegen die Landlosenbewegung vorgehen zu können. Die Börse in São Paulo und der Kurs der brasilianischen Währung Real stiegen schon beim ersten Wahlgang Anfang Oktober kräftig an, als Bolsonaro das beste Ergebnis einfuhr. Das zeigt, dass der Großteil der Kapitalisten den Wahlausgang positiv sah. Auch die Deutsche Bank twitterte hoffnungsvoll vor der Stichwahl „der neoliberale Jair Bolsonaro ist Wunschkandidat der Märkte“.

Die kommunistische Bewegung hat schon seit den 20ern analysiert, dass Reaktion und Faschismus nie etwas anderes sind als Produkte der Interessen des Kapitals. Sobald die bürgerliche „Demokratie“, die auch nur eine besser verschleierte Form der Diktatur des Kapitals ist, die Interessen der Konzerne nicht mehr befriedigen kann, entscheidet sich das Kapital für eine direktere Form der Diktatur, in der auch die letzten begrenzten Freiheiten für die Arbeiterklasse abgeschafft werden. In Brasilien tendiert das Kapital nun zu einer offeneren, auch durch Terror ausgetragenen Herrschaftsform.

Die Sozialdemokratie als Wegbereiter der Rechten

Ein anderer Teil der herrschenden Klasse sieht seine Interessen dagegen auch weiterhin im Rahmen der bürgerlichen Demokratie besser aufgehoben. So unterzeichneten zahlreiche bürgerliche Ökonomen ein „Manifest für Haddad“, in dem sie u.a. schreiben: „Wir unterschreiben also diese Erklärung zur Unterstützung seiner (d.h. Haddads) Kandidatur, für politische und ökonomische Stabilität, ökologisch nachhaltige Entwicklung, soziale Inklusion und den Kampf gegen Korruption“ (Amerika21 22.10.2018). Während also der eine Teil des Kapitals Bolsonaros Offensive gegen die Rechte der Werktätigen befürwortet, befürchtet der andere Teil, dass dadurch das kapitalistische System in Brasilien zu stark destabilisiert werden könnte. Die Interessen der Arbeiterklasse und des brasilianischen Volkes hat selbstverständlich keine der beiden Seiten im Sinne.

Denn auch die sozialdemokratischen PT-Regierungen von Lula da Silva und Dilma Rousseff, die nun von vielen Linken (auch hier in Deutschland) verherrlicht werden, waren keineswegs Regierungen im Interesse der Volksmassen. Es handelte sich um bürgerliche Regierungen, die sich auf die Fahnen geschrieben hatten, den Kapitalismus in Brasilien besser zu verwalten als ihre Vorgänger. Die PT war von vornherein eine antikommunistische und reformistische Partei, die auf Regierungsbeteiligungen aus war. Nachdem „Lula“ 2002 die Wahlen gewonnen hatte, setzte er zunächst einmal alle Verträge, die Brasilien mit dem Internationalen Währungsfonds geschlossen hatte, weiter um: Anhebung des Rentenalters, „Flexibilisierung“ der Arbeitsverhältnisse usw. Das Kapital machte Gewinne, die Arbeiterklasse bezahlte dafür mit ihrem Schweiß und krummen Rücken. Es gab zwar auch einige Sozialprogramme, die die krassesten Erscheinungen der Armut lindern sollten – so z.B. die „Bolsa Familia“, der „Familiengeldbeutel“, der armen Familien Anspruch auf eine kleine finanzielle Leistung gab. Allerdings waren diese Almosen an die Armen vom Umfang her geradezu lächerlich, wenn man sie mit den üppigen Geschenken vergleicht, die an das Kapital verteilt wurden: Während der Staat jährlich umgerechnet 7 Mrd. € für die „Bolsa Familia“ ausgab, flossen über verschiedene Subventionen und Steuererleichterungen der PT-Regierungen jedes Jahr 74 Mrd. € in die Taschen der Unternehmer. Und selbst diese Almosen waren nur möglich, als die brasilianische Wirtschaft noch wuchs, vor allem aufgrund der hohen Rohstoffpreise. Sobald das Wachstum einbrach, begann auch die „linke“ Regierung, wieder bei den Armen zu kürzen.

Gleichzeitig wurden unter Dilma Rousseff riesige Infrastrukturprogramme im Interesse der großen Konzerne aufgelegt. Dabei wurden durch Staudammprojekte im Amazonasgebiet Tausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und ganze Landstriche nachhaltig verwüstet. Der FIFA und anderen Unternehmen wurden durch die Fußball-WM 2014 Milliardengewinne ermöglicht, während das einfache Volk nichts davon hatte.

Auch die Regierung Rousseff war bereits darauf aus, die Unterdrückungsmechanismen des Staates gegen die Arbeiter- und Volksbewegung auszubauen. Mit einem terroristischen „Anti-Terror-Gesetz“ wurden Aktivisten aus den sozialen Bewegungen mit bis zu 30 Jahren Gefängnis bedroht. Kein Wunder also, dass „Lula“ die Regierungspolitik der PT gegenüber den Banken so verteidigte: „Sie wissen, dass sie nie so viel Geld verdient haben wie in der Zeit als ich Präsident war“ (Unsere Zeit 16.12.2016). Als die Regierung von Rousseff dann im Mai 2016 unter vorgeschobenen Vorwänden abgesetzt wurde, um einer noch offener arbeiterfeindlichen und autoritären Regierung unter Michel Temer Platz zu machen, war ihr Rückhalt in der Arbeiterklasse zu schwach, um das zu verhindern. Die Brasilianische Kommunistische Partei (PCB) hatte diesen Vorgang damals korrekt eingeschätzt und der Versuchung widerstanden, im Angesicht der Rechten die PT-Regierung zu unterstützen: „Dieser Prozess zeigt, dass die formalen Regeln der bürgerlichen Demokratie nur dann von der herrschenden Klasse respektiert werden, solange sie ihren Interessen dienen. In Momenten der Krise lässt die Bourgeoisie ihre Maske fallen und manipuliert jene Regeln ohne großes Aufsehen im Sinne ihrer Ziele“ (Unsere Zeit 20.5.2016).

Die Antwort heißt Kampf dem Kapitalismus

Die bitteren Erfahrungen der brasilianischen Arbeiterklasse sollten für alle Arbeiter, alle fortschrittlichen Menschen und erst recht für alle Kommunisten eine Lehre sein: Die Sozialdemokratie, also „linke“ Regierungen auf dem Boden des Kapitalismus, sind kein geeignetes Mittel, um den Aufstieg der Reaktion und des Faschismus aufzuhalten. Sozialdemokratie und Faschismus sind letzten Endes zwei Methoden der Herrschaftsausübung des Kapitals, die sich gegenseitig ergänzen. Auch in Deutschland hat die Sozialdemokratie in der Weimarer Republik einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Faschisten an die Macht zu bringen. Indem die Sozialdemokratie die Massen mit falschen Versprechungen in die Irre führt und schließlich enttäuscht, indem sie die kommunistische Bewegung und die klassenkämpferischen Kräfte bekämpft, ebnet sie letzten Endes den Weg auch für offen diktatorische Formen der Herrschaftsausübung des Kapitals.

Der brasilianischen Arbeiterklasse, den Kleinbauern und Landlosen, den Armen und Unterdrückten bleibt nun nichts anderes übrig, als unter schwieriger gewordenen Bedingungen den Kampf gegen Kapital, Großgrundbesitzer und Regierung zu führen. Doch nur wenn dieser Kampf auf der Selbstorganisierung der werktätigen Massen unabhängig von den bürgerlichen Parteien und Organisationen beruht, wenn er unter der Führung der kommunistischen Partei für die Macht des Volkes und den Sozialismus geführt wird, statt sich auf die Seite der einen oder anderen Gruppe des Kapitals zu stellen, nur dann kann er auf Dauer erfolgreich sein. Und nur dann werden die unterdrückten Massen Brasiliens hellere Tage erleben. Wir werden ihnen in diesem Kampf zur Seite stehen, indem wir alles dafür tun, die Arbeiterklasse in Deutschland für den Sturz der Herrschaft des deutschen Imperialismus zu organisieren.

Die Macht erobern – Zur Novemberrevolution und ihren Lehren für die Arbeiterklasse

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Die Macht erobern

Zur Novemberrevolution und ihren Lehren für die Arbeiterklasse

Der 100. Jahrestag der Novemberrevolution steht bevor und die Deutung dieses historischen Ereignisses spiegelt die aktuellen Verhältnisse wider. Der SPIEGEL geht überraschend positiv auf den revolutionären Elan der Massen ein und kritisiert die Rolle der SPD-Führung deutlich. Aber dann folgt im Vergleich mit den anderen „Revolutionen“, dass die Deutschen eben zu zahm waren, wenn es um Freiheit gegen die Obrigkeit ging: „Wenn die Deutschen einem starken Mann, der sein Stabilitätsversprechen mit einer nationalen Agenda verband, folgen konnten, dann taten sie das entschlossen. Dann waren sie nicht zahm oder zaghaft, sondern zu allem bereit. Das ist die Lehre aus den vier Revolutionen in 85 Jahren, zwei echten und zwei von oben. Zum Fürchten eigentlich.“ (SPIEGEL 42/2018)

Die einzige gelungene Revolution sei die von 1989 gewesen, die habe nämlich wirklich einen Obrigkeitsstaat weggefegt. Und die halbe Revolution von 1968 war auch erfolgreich, denn sie „trug eine Menge dazu bei, aus der Bundesrepublik eine zutiefst liberale Gesellschaft zu machen.“ Nun sind wir vereint „in einer sehr liberalen Bundesrepublik. Angela Merkels Flüchtlingspolitik ist auch ein Ausdruck fortgeschrittener Liberalität.“ Die bange Frage wird gestellt: „Wir könnten also in vorrevolutionären Zeiten leben und würden es nicht ahnen.“ Mit Verweis auf das Erstarken der AfD kommt der Autor zu dem Schluss: „Die deutsche Revolutionsspezialität ist ja eine andere: Sie kommt von oben, von denen, die die Macht schon haben und dann radikal für nationale autoritäre Politik einsetzen. Die finden leicht Gefolgschaft. Deshalb darf es dahin nie kommen.“ Die beste Revolution und der größte Revolutionär seien die amerikanische mit George Washington an der Spitze gewesen, der frühzeitig im Interesse der Republik abgetreten ist.

Und auch die wohlgesonnenen Veröffentlichungen zur Novemberrevolution ordnen sie fast nahtlos in die „Demokratie“ ein. Wolfgang Niess’ Buch deutet schon im Untertitel darauf hin: „Der wahre Beginn unserer Demokratie“ und Joachim Käppner nennt sein Buch „Aufstand für die Freiheit“. Die SPD wird auch hier durchaus kritisiert, sie habe das „Demokratisierungspotential“ nicht erkannt und genutzt, sie habe völlig unbegründet das Bündnis mit der Obersten Heeresleitung geschmiedet, denn die Spartakisten seien sowieso eine verschwindende Minderheit gewesen, Karl Liebknechts Ausrufung der sozialistischen Republik sei höchstens ein „Schlossgespenst“ (Käppner) gewesen. Für Niess geht die Geschichte halbwegs gut aus, es hätte ja noch schlimmer kommen können, als zur Weimarer Republik.

Mehr Lob für Ebert und die Sozialdemokraten kommt dagegen von dem Historiker Robert Gerwarth, der Ebert das Kunststück attestiert, revolutionäre Energien kanalisiert und Deutschland in eine parlamentarische Ordnung geführt zu haben. Das Bündnis mit der Obersten Heeresleitung sei eine „pragmatische Übereinkunft“ gewesen. Der FAZ-Autor Alexander Gallus, der selbst Beiträge zur Novemberrevolution verfasst hat, lobt Gerwarth: „Zugleich sensibilisiert diese Studie dafür, Revolution in modernen Gesellschaften nicht vorrangig über bewaffnete Aufstände und Barrikadenkämpfe zu definieren. Eigentlich revolutionär erscheint vielmehr die Einführung und Durchsetzung neuer politischer Prinzipien, erweiterter Partizipations- und Bürgerrechte.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) feierte 100 Jahre Sozialpartnerschaft gemeinsam mit dem Bund Deutscher Arbeitgeber und lobt das Stinnes-Legien-Abkommen, dem Pakt zwischen Konzernherren und Gewerkschaftsführung, der ein wichtiger Bestandteil der „Beruhigung“ der Revolution sein sollte. Unter dem Motto „100 Jahre Sozialpartnerschaft – erfolgreich in die Zukunft“ wird eine Kontinuität hergestellt, die unglücklicherweise nur von 1933 bis 1945 unterbrochen gewesen zu sein scheint. Beim Festakt freute sich der Bundespräsident, dass damals die Weichen in Richtung „Wohlstand, Demokratie und Soziale Marktwirtschaft“ gestellt worden seien. Es werden wohl ähnliche Staatsreden zu hören sein in den nächsten Wochen. Botschaft und Wunsch der herrschenden Klasse ist: Es hätte eigentlich schon immer so sein sollen wie heute und so soll es für immer bleiben. Aber es war weder so, noch wird es so bleiben.

Die Novemberrevolution wird zurecht gebogen als ein etwas unglücklicher Vorläufer der heute so guten Verhältnisse. Völlig verschwiegen wird, dass diese „Demokratie“ der bürgerlichen Klasse „aus einem blutigen Bürgerkrieg, aus Terror und Mord gegen die Vorhut der Arbeiterklasse hervorging. Das waren die Grundlagen der ‚Legalität‘, mit der die imperialistische deutsche Bourgeoisie ihre Ausbeuterordnung retten und erhalten konnte.“ (Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 3, S. 195) Die Botschaft der bürgerlichen Klasse heute ist, innerhalb des Kapitalismus um etwas mehr Demokratie oder soziale Reformen zu kämpfen, sei eine gute Sache. Das worum es 1918 eigentlich ging und worum es in Zukunft gehen wird, verschweigt sie verständlicherweise lieber: Den Kampf um die Macht zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie. Ihre Macht war erschüttert durch die ökonomische Krise, durch die militärische Niederlage und durch die völlige Diskreditierung ihrer Herrschaft nach vier Jahren Weltkrieg und Militärdiktatur. Die revolutionäre Kraft der Arbeiterklasse war vorerst nicht zu bremsen, weder durch Reformen von oben noch durch entsandte Truppen. Es war eine ernste, ja lebensbedrohliche Lage für die deutsche Bourgeoisie eingetreten.

Die historische Epoche hat sich seitdem nicht verändert: Wir befinden uns in der Epoche der sozialistischen Revolution, alle materiellen Bedingungen sind für die sozialistische Revolution herangereift. Das Privateigentum an Produktionsmitteln ist längst zu einer Fessel der Produktivkräfte, die Bourgeoisie längst zu einer überflüssigen Klasse geworden. Die Arbeiterklasse dagegen mächtig, in Massen an den Produktionsmitteln konzentriert. Die Zukunft gehört dem Proletariat, dem Träger der Produktivkräfte in einer sozialistischen Gesellschaft, die plant und produziert für die Bedürfnisse der Gesellschaft.

Der Kampf um die Neuaufteilung verschärft sich

Auf den ersten Blick scheint die heutige Lage nicht der damaligen Not der Bourgeoisie zu ähneln. Tatsächlich ist eine revolutionäre Situation weit entfernt. Aber dass die Machtfrage schneller auf die Tagesordnung kommen kann als zu vermuten, ist der herrschenden Klasse durchaus bewußt. Sie ist sich der Brüchigkeit ihrer Ordnung bewußt. Fest steht, dass die nächste ökonomische Krise kommen wird. Alle Ökonomen sind davon überzeugt und gehen zudem davon aus, dass sie heftiger ausfallen wird als die von 2008. Wann sie durch welches Ereignis ausgelöst wird, kann keiner vorher sagen, auch nicht welche Volkswirtschaft am meisten getroffen werden wird.

Während der langen Phase der Stagnation seit der Krise von 2008 und des seit drei Jahren einsetzenden Aufschwungs hat sich der Konkurrenzkampf der imperialistischen Mächte verschärft. Die Handelskriege zwischen den USA und China, sowie den USA und der EU zeigen die härtere Auseinandersetzung um Absatzmärkte und Einflußsphären. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt ist in eine neue Stufe getreten, die sich vor allem im aggressiven Vorgehen der NATO-Staaten 2013 in Syrien und 2014 in der Ukraine zeigte. Die massive Aufrüstung und größer dimensionierten Manöver der NATO sind Teil einer Kriegsplanung, die die Konfrontation mit Russland im Zentrum haben. Letzteres ist zwar weiter in der Defensive, aber weniger bereit, der Bedrohung nichts entgegen zu setzen. Ein Krieg zwischen den imperialistischen Hauptmächten ist näher gerückt. Wann und in welcher Konstellation er erfolgen wird, kann keiner wissen, sondern wird sich durch die weitere Entwicklung verschiedenen ökonomischen Bedingungen und Bündniskonstellationen zeigen.

Die Stimmung, dass mit der „liberalen“ Ordnung als die bestmögliche aller Ordnungen das Ende der Geschichte erreicht sei und die zunehmende Untergangsstimmung sind beide Ausdruck der Perspektivlosigkeit der bürgerlichen Herrschaft. Ihre Ordnung ist eine Ordnung des Chaos, der Armut, der Kriege, des Hungers und der Stagnation und des Rückschritts. Die Verschlechterungen der Arbeits- und Lebensbedingungen ist für die Arbeiterklasse überall zu merken. Arbeitshetze und Druck nehmen kontinuierlich zu, die Löhne stagnieren für große Teile der Klasse. Die industrielle Reservearmee ist mit ca. 3,5 Millionen in Deutschland trotz Aufschwung groß. Es ist wie Karl Marx im Kapital analysiert hat: „Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Reservearmee. (…) Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“ (MEW 23, S. 673/675)

Die Bedingungen der bürgerlichen Herrschaft verschlechtern sich, die verschwindende Minderheit der Kapitalisten muss Wege der Legitimation ihrer Macht finden. Die sozialdemokratischen Parteien SPD und Linkspartei sind Stützen der Bourgeoisie, aber sie sind von Schwäche und schwindender Verankerung geprägt. Sie dienen aber immer noch als Vollstrecker von Krieg und Sozialabbau, garniert mit dem Versprechen eines besseren Kapitalismus. Der Versuch der Kapitalistenklasse, durch Parteien wie der AfD den Eindruck von Veränderung und Bewegung zu erzeugen, soll von den tatsächlichen Problemen und deren Ursachen ablenken und Teile der Bevölkerung integrieren. Gleichzeitig dient sie der Sammlung und Umgruppierung faschistischer Kräfte. Die Vorbereitung der herrschenden Klasse auf die Krise zu beobachten, durch Verschärfung der Gesetze und durch den Erhalt und Aufbau aller Optionen der bürgerlichen Herrschaft inklusive des direkten, offenen Terrors.

Die Herausforderungen für die Arbeiterklasse

Einhundert Jahre nach der Novemberrevolution und ein Jahr mehr nach der Oktoberrevolution steht die Arbeiterklasse vor großen Problemen angesichts dieser Lage. Die historische grundlegende Ausgangslage hat sich nicht verändert: Der Imperialismus ist der Vorabend der sozialistischen Revolution, sie ist der nächste zu gehende Schritt, die Aufgabe der Arbeiterklasse. Die objektiven Bedingungen für die Revolution werden unvermeidlich eintreten, sie ergeben sich aus der gesetzmäßigen Entwicklung der Produktionsverhältnisse. Krise und Krieg sind unvermeidbar, ebenso wie das Eintreten der revolutionären Situation, wenn die Unterdrückten nicht mehr so wollen, wie sie sollen und die Herrschenden nicht mehr so können, wie sie müssen.

Die Auswirkungen der Niederlage von 1989, der siegreichen Konterrevolution, prägen bis heute die Lage der revolutionären Arbeiterbewegung. Die kommunistische Bewegung hat die Aufgabe, zentrale Fragen zu klären, darunter die der Strategie, der Ursachen der Niederlage und die der Partei. Der Opportunismus nimmt immer neue Formen an und wird durch zentristische Positionen, die die Auseinandersetzung scheuen oder verhindern, befördert. Er kann aber nur durch eine konsequente Anwendung des dialektischen Materialismus zurückgedrängt werden.

Die entscheidende Lehre der Novemberrevolution ist, dass der subjektive Faktor, die Arbeiterklasse, den Herausforderungen gewachsen sein muss, um die historische Aufgabe der Arbeiterklasse zu lösen. Dies wird nicht aus spontanen Erhebungen selbst heraus geschehen. Notwendig ist eine allseitig verankerte, auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus kämpfende Partei, die die zentralen Fragen der Revolution richtig beantworten kann: Die der Staatsmacht und die der Gesetzmäßigkeiten des Sozialismus. Sie muss in organisatorischer Kleinarbeit möglichst große Teile der Klasse organisieren, damit Erfahrungen gesammelt werden können, damit die Klasse zu Bewußtsein über sich selbst und ihre Aufgabe kommt. Wird das nicht gelingen, ist ein erneutes Scheitern wahrscheinlich.

Imperialismusanalyse

Im Laufe des ersten Weltkriegs und in der Revolution in Russland und Deutschland spielte die Analyse des Imperialismus eine zentrale Rolle. Während Kautsky und andere vertraten, dass eine Politik des Friedens und des sozialen Fortschritts auch im Imperialismus möglich sei, erklärte Lenin: „Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.“ (Lenin, Werke, Band 22, Dietz-Verlag, Berlin, 1971, S. 274)

Die Auseinandersetzung um die Imperialismusanalyse hatte seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts eingesetzt, ihre Bedeutung für die Revolution zeigte sich 1918. Große Teile der deutschen Arbeiterklasse wollten den Sozialismus und sympathisierten mit der Oktoberrevolution. Sie hielten es aber für möglich und den richtigen Weg, durch eine parlamentarische Republik zum Sozialismus zu kommen, ohne Entmachtung der Bourgeoisie, ohne Zerschlagung des Staates. Die lange Entwicklung des Revisionismus und Opportunismus hatte das Bewußtsein der Arbeiter bereits abgeschwächt. Der deutsche Imperialismus hatte zudem eine Arbeiteraristokratie geschaffen: „Das deutsche Monopolkapital verstand es, aus seinen Überprofiten eine kleine Oberschicht der Arbeiteraristokratie – Meister, Vorarbeitern, Kontrolleure, usw. – zu korrumpieren, um sich diese dienstbar zu machen. Gleichzeitig wurden machen sozialdemokratischen Führern und Gewerkschaftsführern solche materiellen Bedingungen geschaffen, die es der Bourgeoisie erleichterten, sie ideologisch zu beeinflussen und mit ihrer Hilfe die Theorie der friedlichen Zusammenarbeit von Kapital und Arbeit in die Arbeiterklasse zu tragen. Die deutsche Sozialdemokratie hoffte auf den friedlichen Übergang zum Sozialismus mit den Methoden der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie.“ (Ulbricht, Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 1, S. 13)

Die Bolschewiki hatten dagegen bereits seit der Jahrhundertwende an der Schaffung einer revolutionären Partei gearbeitet und gaben nach 1914 die Losung der „Umwandlung des imperialistischen Kriegs in den Bürgerkrieg“ aus, „das heißt, das revolutionäre Proletariat hatte die Pflicht, im imperialistischen Krieg alles zu tun, um die Niederlage der eigenen Bourgeoisie herbei zu führen, sie dadurch zu schwächen und die Gewehre gegen sie zu kehren, ihre Macht zu stürzen, den Krieg zu beenden und einen gerechten Frieden zu erreichen.“ (ebd., S. 14)

Die Imperialismusanalyse ist auch heute in der kommunistischen Bewegung und darüber hinaus umstritten. Es existieren zahlreiche Vorstellungen, eine Weltordnung, in der Kooperation und vernünftige Beziehungen der Staaten dauerhaft gelten könnten, wäre im Imperialismus möglich und könnte durch eine „multipolare“ Weltordnung erreicht werden. Annahmen eines „kollektiven Imperialismus“, der aus Bündnissen und ökonomischen Verstrickungen hervorgehe, nehmen zwar je nach Entwicklung der Verhältnisse unterschiedliche Formen an, haben aber immer die Konsequenz, dass entweder eine Abschwächung der Widersprüche stattfinde oder ein Pol entstehe, der für nicht-imperialistische Politik stehe. Es ist die Wiederholung der Kautsky-Thesen. Lenin entgegnete der Vorstellung eines Friedens im Imperialismus: „Statt des lebendigen Zusammenhangs zwischen den Perioden des imperialistischen Friedens und den Perioden imperialistischer Kriege präsentiert Kautsky den Arbeitern eine tote Abstraktion, um sie mit ihren toten Führern auszusöhnen.“ (Lenin, Werke, Band 22, S. 301)

Die Gefahr, die damals damit verbunden war, gilt heute genau so. Die Vorstellung, die Arbeiterklasse könne im Rahmen der imperialistischen Ordnung eine Politik des Friedens erreichen, entwaffnet sie in der entscheidenden Situation. Der Kampf gegen Militarismus und Krieg ist lebensnotwendiger Bestandteil des Kampfs der Arbeiterklasse, darf aber nicht verbunden werden mit illusorischen Vorstellungen.

Die Frage der Staatsmacht

Die zweite wichtige Lehre der Novemberrevolution betrifft die Frage der Staatsmacht und der Revolution. Weil durch den lange wirkenden Opportunismus die Masse der Arbeiterklasse die Frage unklar oder falsch beantwortete oder nicht verstand, folgte sie den Versprechen von Ebert, Scheidemann und Kautsky und verlor. Heute ist die Frage der Staatsmacht eine zentrale Auseinandersetzung in der kommunistischen Bewegung. Die strategische Vorstellung eines „Übergangs“- oder „Zwischenstadium“ in Form einer „antimonopolistischen“ oder „entwickelten“ oder „fortschrittlichen“ Demokratie ist Ausdruck reformistischer Staatsauffassungen. Sie geht davon aus, dass es vor der sozialistischen Revolution, vor dem Sturz der Bourgeoisie eine Form der Herrschaft beider Klassen geben könnte, die progressiv ist und die sozialistische Revolution ermöglichen könnte. Aus dieser in allen möglichen Facetten formulierten Strategie ergibt sich die Bereitschaft zur Unterstützung der Sozialdemokratie und zur Regierungsbeteiligung, wie aktuell in Portugal und Tschechien. Wie bereits die Pariser Kommune von 1871 und die russische Revolution von 1905 und 1917 bestätigte auch die Novemberrevolution, dass die Arbeiterklasse den bürgerlichen Staat nicht übernehmen kann, sondern ihn zerschlagen und ihre eigene Herrschaft errichten muss.

In den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen den revolutionären und den opportunistischen Teilen der Arbeiterbewegung rückte vor allem im ersten Weltkrieg die Frage der Staatsmacht und der Revolution. Die Oktoberrevolution stürzte die provisorische Regierung und errichtete die Macht der Räte. Der II. Sowjetkongress beschloss: „Gestützt auf den Willen der gewaltigen Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und Bauern, gestützt auf den in Petrograd vollzogenen siegreichen Aufstand der Arbeiter und der Garnison, nimmt der Kongress die Macht in seine Hände…Der Kongress beschließt: Die ganze Macht geht allerorts an die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten über, die eine wirkliche revolutionäre Ordnung zu gewährleisten haben.“ (GddAB, Band 3, S. 11) Vorausgegangen war vor allem eine unermüdliche Organisierungsarbeit und eine gründliche Auseinandersetzung mit opportunistischen Vorstellungen. In den Schriften „Staat und Revolution“ (1917) und später in der Schrift „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky“ (Oktober-November 1918) griff Lenin die Ausführungen von Marx und Engels zur Staatsfrage auf und entwickelte sie weiter. „Der Verlauf der Revolution bestätigte die genialen Feststellungen Karl Marx’ und Friedrich Engels’ ebenso wie die Erfahrungen der Pariser Kommune, dass die siegreiche Arbeiterklasse den alten Staatsapparat nicht übernehmen kann, sondern ihn zertrümmern und ihren eigenen Staat, die Diktatur des Proletariats aufbauen muss. Überall in Russland wurde die Staatsmaschine des Ausbeuterstaats zerschlagen. Die bolschewistische Partei und Lenin persönlich leisteten eine riesige Arbeit zur Errichtung des Sowjetstaates.“ (ebd., S. 13)

Die Führer der SPD waren bereits in den Staatsapparat eingebunden, die im April 1917 gegründete USPD hatte an ihrer Spitze Vertreter der „reinen Demokratie“, die sie der „Diktatur“ entgegen stellten und sich damit gegen die Diktatur des Proletariats wendeten, bei aller revolutionären Rhetorik, die sie dabei anwendeten. Otto Grotewohl schrieb 1948 zum 30. Jahrestag der Novemberrevolution: „Heute wie damals wird von führenden Vertretern der Sozialdemokratie die Bedeutung der formalen Demokratie überschätzt und dabei übersehen, dass solange die Klassenverhältnisse nicht geändert, die Machtverhältnisse in Staat und Gesellschaft nicht gründlich umgestaltet sind, die Demokratie nur eine Tarnkappe für die alten reaktionären Mächte ist, die beiseite geworfen wird, sobald Monopolkapitalisten und Junker die Zeit dafür reif halten.“ (Otto Grotewohl: Dreißig Jahre später, Dietz-Verlag, Berlin, 1953, S. 10)

Viele Arbeiter glaubten, dass der Sozialismus auch auf friedlichem Weg durch die bürgerliche Republik möglich ist. Viele hatten trotz des Verrats von 1914 noch nicht voll verstanden, dass ihre eigene Parteiführung zu ihrem Feind geworden war. Das Vorbeben der Novemberrevolution, der Massenstreik vom Januar 1918 zeigte bereits wesentliche Elemente der späteren Entwicklung. Er zeigte sowohl die großen Potenzen der Arbeiterklasse: Über eine Million Arbeiter traten in den Streik, trotz Militär, trotz Schüssen und Toten. Die Bildung eines Streikausschusses war die Schaffung des entsprechenden Kampforgans der Klasse. Aber durch die mangelnde politische Reifung plädierten die revolutionären Obleute, die den Streik maßgeblich mitorganisierten für die Aufnahme Eberts und Scheidemanns in den Streikausschuss. Diese nutzten alle Mittel, um den Streik abzuwürgen. Statt sie zu isolieren, wurden sie an die Spitze gesetzt. Der Streik wurde beendet und der Krieg ging weiter.

Nach dem Matrosenaufstand von Kiel und dem Ausbreiten der Revolution über ganz Deutschland hatten sich überall Arbeiter- und Soldatenräte gebildet, die an vielen Orten die Macht in die Hände nahmen. Damit kam zum Ausdruck, dass eine überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes die alten Macht- und Rechtsverhältnisse nicht mehr anerkannte und eigene Organe bildete. Aber die Mehrheit in den Räten stellten reformistische und opportunistische Vertreter. Die SPD konnte dank der besseren Organisation und routinierter und geschulter Redner überall die Mehrheit erringen. Die Masse der Proletarier stand im Banne der bürgerlichen Ideologie und konnte dem nichts entgegen setzen. Das Ergebnis war: „So waren in den aus der Revolution geborenen Organen nicht die Vorkämpfer der Revolution, sondern die Feinde der Revolution, die Freunde der Reform in der Überzahl. Trotz dieser bunt gewürfelten Zusammensetzung der Räte wäre es, wenn eine Partei vorhanden gewesen wäre, die durch Stärkung der revolutionären proletarischen Elemente über die Kraft verfügt hätte, möglich gewesen, ihre Macht zu festigen und richtig zu gebrauchen.“ (Grotewohl, S. 73) So aber schafften sich die Räte selbst ab, legten ihre Macht in die Hände des bürgerlichen Staats, nur in wenigen Ausnahmen verweigerten sie sich dem.

Beim ersten Wendepunkt der Revolution zeigte sich wieder die Bedeutung der Organisation in der Revolution. Die SPD-Führung um Otto Wels nutzte alle Kontakte, Verbindungen und Strukturen der SPD in die Betriebe und zu den Soldaten, um sie auf die erste Versammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte einzuschwören. Mit Demagogie und dem Ruf nach „Einheit“ setzte sie sich durch, Liebknecht und der Spartakusbund wurden isoliert. Dieser hatte zwar das richtige Programm und die richtige Erkenntnis der Staatsfrage. „Für die Verwirklichung dieser Forderungen kam es aber darauf an, nicht nur ausreichende agitatorische, sondern in erster Linie organisatorische Kraft aufzubringen. Der Spartakusbund hatte bisher durch leidenschaftlich betriebene Agitation und Propaganda nur begeisterte Zuhörer und Leser, Demonstranten und Streikende in den Massen mobilisiert. Er kannte die meisten seiner Anhänger aber nicht im einzelnen, wußte nichts über ihre besonderen Vorzüge und Fähigkeiten, Fehler und Schwächen. Die hätten nur erkannt und entwickelt werden können in langer und beharrlicher, hingebender Organisationsarbeit. Gerade die hatte der Spartakusbund jedoch unterschätzt und vernachlässigt. Die großen Aufgaben riefen aber jetzt nach Menschen, die in den Räten auf den verschiedensten Gebieten an ihrer Durchführung arbeiten sollten. (…) Für den Spartakusbund war es schwer, ja unmöglich, jetzt in der stürmisch erregten Zeit das nachzuholen, was er in Jahren versäumt hatte.“ (Grotewohl, S. 75) Die Versammlung erkannte die provisorische Regierung aus SPD, USPD und Bürgerlichen an.

Die Revolutionäre in Deutschland entwickelten sich in einer sehr komplizierten Situation: „Die marxistischen deutschen Linken traten, getreu dem proletarischen Internationalismus und ihrer nationalen Aufgabe in Deutschland, der Schlammflut antisowjetischer Lügen und Verleumdungen entgegen. Sie verteidigten die Große Sozialistische Oktoberrevolution, begannen sich mit deren Grundfragen auseinanderzusetzen, wandten die Lehren der Revolution auf den Klassenkampf in Deutschland an und vollzogen in diesem Prozeß eine Wendung zum Leninismus. Das war jedoch bei der lockeren Verbindung der Spartakusgruppe und der anderen Linken keine einheitliche und gleichmäßige Entwicklung. Ihre Anhänger kämpften illegal und wurden von der Reaktion verfolgt und gehetzt. Ein Teil ihrer hervorragenden Führer war eingekerkert. Unter diesen Bedingungen, im ständigen Kampf gegen die bürgerliche und opportunistische Ideologie, verlief der Klärungsprozeß differenziert und widerspruchsvoll.“ (Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 3, S. 48)

Bis zum Reichsrätekongress unternahm die Sozialdemokratie alles, um die Revolution zu lähmen. Die provisorische Regierung untersagte den Räten jede Einmischung in die Tätigkeit der Gerichte und anderen Teile des Staates, die Rechte der Offiziere wurden wieder eingesetzt. Und vor allem wurde die Arbeiterklasse entwaffnet und die Freikorps bewaffnet. Der Spartakusbund rief zwar dazu auf, die Waffen nicht abzugeben und stattdessen Einwohnerwehren und Freikorps zu entwaffnen und konnte in nicht wenigen Orten damit auch das sofortige Losschlagen der Konterrevolution verhindern, aber nicht reichsweit die Arbeiter darüber aufklären, welcher Gefahr sie sich aussetzten. Die USPD stellte mit Karl Kautsky den Vorsitzenden der Sozialisierungskommission, in der Industrielle mitarbeiteten, die viel schrieb und niemanden enteignete. Sie hatte das Ziel, „beruhigend“ zu wirken. „Die Massen wollten den Sozialismus. Sie wollten die alten Herren der Industrie und des Großgrundbesitzes enteignen. Diesen Stimmungen der Massen Rechnung tragend entfaltete die Regierung eine breite Propaganda für die ‚Sozialisierung‘. (…) Die Mehrheit der Arbeiterklasse ließ sich betören. Sie verstand noch nicht, dass die Voraussetzung für den Sozialismus der Sturz der Macht der Kapitalisten und Großgrundbesitzer war.“ (Walter Ulbricht: Der Zusammenbruch Deutschlands im ersten Weltkrieg und die Novemberrevolution, in Ulbricht: Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, S. 31)

Der im Dezember tagende Reichsrätekongress stimmte für die Einberufung einer Nationalversammlung und damit für die bürgerliche Republik. Die Herrschaft des deutschen Imperialismus war gerettet, was den meisten Arbeitern und Delegierten nicht klar gewesen sein dürfte. Aber vor dem Kongress demonstrierten hunderttausende Arbeiter für die Macht der Räte und der Kongress beschloss auch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, wozu es natürlich nicht kam, aber dennoch die sozialistischen Bestrebungen der Arbeiter zum Ausdruck brachte. Die revolutionären Arbeiter waren zwar der Sache nach bereits geschlagen, aber sie waren keineswegs bereit, alles von ihnen erkämpfte preis zu geben. Es war eine militärische Konterrevolution notwendig, die mit aller Brutalität durchgeführt wurde. Die Kräfte, die von der Arbeiterklasse nicht entwaffnet und entmachtet wurden, der Staatsapparat der nicht zerschlagen wurde, setzte zum Gegenschlag an. Massaker an der Zivilbevölkerung, Einsatz von Luftwaffe, Minenwerfern und ein Schießbefehl, der es erlaubte auf jeden zu schießen und der Mord an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg – all dies setzte die herrschende Klasse ein, um jeglicher revolutionärer Regung den Garaus zu machen. Es kam dennoch bis 1923 zu bewaffneten revolutionären Kämpfen und zur Herausbildung einer der größten und stärksten revolutionären Partei, der KPD. Das ist der Widerspruch der Novemberrevolution: Die Arbeiter verstanden zwar noch nicht, was notwendig war zu tun, aber sie kämpften mutig und heldenhaft für ihre Forderungen. Sie ließen sich betören und waren dennoch eine Gefahr für die herrschende Klasse

Die Notwendigkeit der Partei

Die dritte und wichtigste Lehre der Novemberrevolution ist, dass ohne kampferfahrene, fest verankerte und auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus kämpfende Partei, die Theorie und Praxis vereint, die Arbeiterklasse nicht siegen kann. Die Arbeiterklasse konnte 1918 in Deutschland die ihr gestellten Aufgaben nicht lösen, weil ihr die revolutionäre, disziplinierte Partei fehlte und sie insbesondere über keine marxistisch-leninistische Orientierung über den Staat und seine politisch-gesellschaftliche Funktion besaß. Der größte Mangel und die größte Errungenschaft der Novemberrevolution sind die Gründung der Kommunistischen Partei, die Versammlung der besten und entschlossensten Kämpfer der Klasse.

Die Frage der Staatsmacht und der Revolution hängen eng mit der Parteifrage zusammen. Die Partei muss den wissenschaftlichen Sozialismus in die Arbeiterklasse tragen, überall Formen schaffen, in denen die Arbeiter ihr Klassenbewußtsein entwickeln kann, in denen der Einfluss bürgerlicher Ideologie zurückgedrängt werden kann, in der jeder Einzelne Aufgaben übernimmt, in der die Klasse im Kampf mit dem Staat lernt, ihn zu erkennen und ihre eigenen Formen der Herrschaft zu entwickeln.

Die weltgeschichtliche Fragestellung konnte die Arbeiterklasse aber in Deutschland nicht beantworten. Lenin schrieb: „Die Revolution in Deutschland – das als eines der fortgeschrittensten kapitalistischen Länder besonders wichtig und charakteristisch ist – hat sofort „Sowjet“formen angenommen. Der ganze Entwicklungsgang der deutschen Revolution und besonders der Kampf der „Spartakusleute“, d.h., der wahren und einzigen Vertreter des Proletariats, gegen den Bund des Verrätergesindels, der Scheidemänner und Südekums, mit der Bourgeoisie – all das zeigt klar, wie die Geschichte in Bezug auf Deutschland die Frage gestellt hat: „Sowjetmacht“ oder bürgerliches Parlament, unter welchem Aushängeschild (ob als „National“versammlung oder als „Konstituierende“ Versammlung) es auch immer auftreten möge. Das ist die weltgeschichtliche Fragestellung. Heute kann und darf man das ohne jede Übertreibung sagen. Die „Sowjetmacht“ ist der zweite weltgeschichtliche Schritt oder die zweite weltgeschichtliche Etappe in der Entwicklung der Diktatur des Proletariats. Der erste Schritt war die Pariser Kommune. Die geniale Analyse des Inhalts und der Bedeutung dieser Kommune, die Marx in seinem „Bürgerkrieg in Frankreich“ gegeben hat, zeigt, dass die Kommune einen neuen Staatstypus, den proletarischen Staat, geschaffen hat. Jeder Staat, auch die demokratischste Republik, ist nichts als eine Maschine zur Unterdrückung einer Klasse durch eine andere. Der proletarische Staat ist die Maschine zur Niederhaltung der Bourgeoisie durch das Proletariat, und diese Niederhaltung ist notwendig angesichts des wütenden, verzweifelten, vor nichts haltmachenden Widerstands, den die Gutsbesitzer und Kapitalisten, die ganze Bourgeoisie mitsamt ihren Helfershelfern, alle Ausbeuter leisten, sobald man darangeht, sie zu stürzen, sobald man die Expropriation der Expropriateure in Angriff nimmt. Das bürgerliche Parlament, auch das demokratischste in der demokratischsten Republik, in der das Eigentum der Kapitalisten und ihre Macht erhalten bleibt, ist eine Maschine zur Unterdrückung von Millionen Werktätiger durch kleine Häuflein von Ausbeutern. (…) Jetzt, da die Weltgeschichte die Zerstörung dieser ganzen Ordnung, den Sturz und die Niederhaltung der Ausbeuter, den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus auf die Tagesordnung gesetzt hat, sich heute auf die bürgerlichen Parlamente, auf die bürgerliche Demokratie beschränken, sie als „Demokratie“ überhaupt beschönigen, ihren bürgerlichen Charakter vertuschen und vergessen, dass das allgemeine Wahlrecht, solange das Eigentum der Kapitalisten erhalten bleibt, ein Werkzeug des bürgerlichen Staates ist – das heißt, das Proletariat schändlich verraten, auf die Seite seines Klassenfeindes, der Bourgeoisie, übergehen, heißt Verräter und Renegat zu sein.“ (Lenin, Sämtliche Werke, Band XXIII, S. 641-643)

Ernst Thälmann fasste 1928 zusammen: „Die Tragödie der deutschen Revolution im Jahre 1918, in den Januarkämpfen 1919, in den Kämpfen nach dem Kapp-Putsch 1920, den Märzkämpfen 1921, bis zur letzten Welle der akuten revolutionären Situation dieser ersten Periode, im Oktober 1923 – sie bestand in dem Zweispalt zwischen den objektiven ausgereiften revolutionären Verhältnissen einerseits und der subjektiven Schwäche des deutschen Proletariats , hervorgerufen durch das Fehlen einer zielklaren bolschewistischen Partei andererseits.“ (Ernst Thälmann: „9. November 1918: Geburtsstunde der deutschen Revolution“, …) Otto Grotewohl führte in seiner Reflektion zum dreißigsten Jahrestag der Revolution aus, dass die Linken die organisatorische Kleinarbeit unterschätzt hatten, was es ihnen nun erschwerte, die Massen an die großen politischen Aufgaben heranzuführen. Also praktische Aufgaben in den lokalen Räten zuzuweisen, dort eine Fraktion zu bilden und eine praktische Schulung der Massen durch Arbeit in den Gewerkschaften voranzutreiben.

Grotewohl, selbst ehemaliges SPD-Mitglied und einer der prägenden Genossen der SED-Gründung verbindet in seinem Text von 1948, in einer Situation, in der die Arbeiterklasse im Osten Deutschlands vor der Aufgabe stand, ihren eigenen Staat zu errichten, die Frage der Staatsmacht mit der Organisation des Proletariats: „In der Frage des States hat sich die Reife der Arbeiterbewegung, das heißt in erster Linie der Partei, die sie führt, zu bewähren. Jede politische Bewegung, die die Frage der Macht stellt – und eine politische Bewegung, die diese Frage nicht stellt, hat aufgehört, eine zu sein, sie ist im besten Falle ein unverbindlicher Diskutierklub -, stellt damit auch die Frage des Staates, denn der Staat ist nichts anderes als die Form, in der diese Macht sich organisiert, in der sie nach außen tritt und Wirklichkeit wird. Keine neue geschichtliche Formation kommt vollendet auf die Welt, sie muss sich in schweren Kämpfen durchringen. Und dieser Kampf, den sie zu bestehen hat, ist der Kampf um ihre Form, der Kampf darum – um mit Hegel zu sprechen – ‚zu sich selbst zu kommen‘, ihr innerstes Wesen zu begreifen und damit ihre äußere Aktion, ihre Willen mit diesem inneren Wesen in Einklang zu bringen. Dieser Prozess der Staatswerdung einer Klasse ist also ein Prozess der Bewußtseinsentwicklung. Eine Klasse kann nur dann ihren Staat entwickeln, wenn sie sich ihrer selbst bewußt geworden ist.“ (Grotewohl, S. 113)

Für die Entwicklung des Proletariats zu sich selbst ist die Hebung seines Bewußtseins notwendig, das heißt die Heraushebung seines Bewußtseins aus dem bürgerlich-kapitalistischen Gesellschafts-, Rechts- und Staatsbewußtseins – „das heißt die Befreiung von diesem“ (Grotewohl, S. 114). Grotewohl führt aus, dass an der Frage des Staates sich in der Folgezeit Entwicklung und Verfall der Marxschen Lehre ablesen lassen. „Die Frage des Staates wird der Prüfstein für den Marxismus. In keiner anderen Frage klaffen der vulgär-ökonomische Revisionismus und der dialektisch-revolutionäre Marxismus in gleicher Weise auseinander wie in der Frage des Staates.“ (ebd., S. 115) Während die Reformisten von einem langsamen, automatischen Übergang des sich immer mehr organisierenden Kapitalismus zum Sozialismus ausgingen und meinten, das Proletariat müsse sich in diesen Prozess einreihen. „Das Hineinwachsen des Proletariats in den bürgerlichen Staat betrachtet der dialektisch-revolutionäre Marxismus als eine gefährliche, für das Klassenbewußtsein des Proletariats tödliche Einflußnahme der bürgerlichen Ideologie auf das Proletariat, als seine Unterordnung unter die bürgerliche Gesellschaft. Demgegenüber ist es die Aufgabe des Proletariats, sich organisatorisch und ideologisch aus dem alten Prozess zu lösen. Es steht also die Frage der Differenzierung von dem bestehenden Staat, der Verselbständigung ihm gegenüber.“ (ebd., S. 116)

Die Losung der Reformisten lautete und lautet: Hinein in den Staat. Mittels des parlamentarischen Kampfs und der Teilnahme an Regierungen. „Für die revolutionären Marxisten stand die Frage des Staates ganz anders. Ihre Haltung zum Staat war bestimmt durch die prinzipielle Negierung der bestehenden bürgerlich-kapitalistischen Ordnung, deren Ausdruck der herrschende Staat war. Sie beruhte auf der Erkenntnis, dass dieser Staat das Instrument zur Sicherung dieser Ordnung ist. Es ging um den Sturz dieser Ordnung und ihres Staates. Die Aufgabe, die für die Partei der Arbeiterklasse daraus erwuchs war, das Bewußtsein der Notwendigkeit des Sturzes der bestehenden Ordnung und ihres Staates in das Proletariat hineinzutragen. Das aber hieß, das Bewußtsein des Proletariats aus der Befangenheit durch die bürgerlich-kapitalistischen Verhältnisse und die ihnen entspringenden ideologischen Formen herauszulösen und sein eigenes Bewußtsein, das heißt das Selbstbewußtsein seiner Klasse, in es hineinzutragen; also der bestehenden kapitalistischen Ordnung eine andere Ordnung, seine eigene, die sozialistische, entgegenzustellen; dem bestehenden Staatswillen einen anderen, den Willen zum proletarischen Staat entgegenzustellen.“ (ebd., S. 121)

Die Aufgabe, die daraus für die revolutionäre Partei erwächst ist grundverschieden von der, die sich die reformistische Partei stellt. Sie muss dem Prozess der Eingliederung der Arbeiterklasse in den bürgerlichen Staat entgegenwirken, „da für sie der Prozess der Einordnung nichts anderes ist als die Unterordnung des Bewußtseins des Proletariats unter die herrschende bürgerliche Ordnung.“ (ebd., S. 121) Die revolutionäre Partei muss das Proletariats ständig von der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung differenzieren. Dazu reicht die spontane Erhebung und der rein gewerkschaftliche Kampf nicht aus. „Die Entwicklung des Klassenbewußtseins setzt die Erkenntnis der gesamten gesellschaftlichen Zusammenhänge voraus; ohne Erkenntnis der Zusammenhänge kann die Arbeiterklasse ihre Stelle im Ganzen der Gesellschaft nicht sehen und auch nicht die richtige Praxis entwickeln. (…) Die Partei der Arbeiterklasse hat die Werkstätte zu sein, in der das Bewußtsein, das Klassenbewußtsein erarbeitet wird, sie hat der Sammelpunkt und die Hohe Schule für die Heranbildung der marxistischen Politiker zu sein. (…) Die marxistische Partei als das Kampforgan der Arbeiterklasse muss die Verkörperung der Gesetzmäßigkeit der Entwicklung sein, welche die Arbeiter als Klasse zu durchlaufen haben, um zur Herrschaft reif zu werden.“ (S. 122-123)

Dieser Prozess setzt die Verbindung von Erkenntnis und Praxis durch die Partei voraus. Während die Reformisten unter „Heranführen an den Staat“ die Eingliederung in den bürgerlichen Staat verstehen, verstanden „Marx und Lenin unter der demokratischen Taktik die Heranführung der Massen des Volks an den Staat, um diese mit dem Staat zu konfrontieren, ihre Kräfte zu formieren, ihre Kräfte im Kampf mit dem Staat zu entwickeln; mit anderen Worten: die Aufgabe der Überwindung des alten Staats durch die Praxis des Kampfs stellen.“ (S. 125) Die Auffassung der Reformisten beinhaltet die Neutralität des Staates, er habe ein über den Klassen stehendes Wesen. „Für die Revolution musste sich dies tödlich auswirken, denn ihre Konsequenz war nicht Kampf gegen den Staat, Bruch des Staates, sondern unter dem Motto seiner ‚Ausnutzung‘ und der Sicherung von ‚Ruhe und Ordnung‘ führte sie faktisch zur Beugung der Arbeiterklasse unter den Staat. War aber die Frage der Zertrümmerung des alten Staats nicht von Anbeginn als die zentrale Frage der Revolution gestellt, so war der Kampf verloren, bevor er überhaupt begonnen hatte.“ (S. 125) Der Staat der deutschen Bourgeoisie, der mit dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem faschistischen Staat und der Bundesrepublik verschiedene Formen angenommen hat, ist das gleiche Unterdrückungsinstrument wie 1918, der Sturz dieser Ordnung und ihres Staates ist dieselbe Notwendigkeit wie damals.

Die Novemberrevolution lehrt uns, dass die Gesetzmäßigkeiten der historischen Entwicklung durch den dialektischen Materialismus richtig erkannt werden können und es deshalb allen Grund zum Geschichtsoptimismus gibt: Die nächste Revolution wird kommen und das Proletariat wird die Kraft dieser Revolution sein. Damit es siegt, muss bereits heute alles unternommen werden, was dazu notwendig ist.

Einhundert Jahre nach der Novemberrevolution haben wir uns zum Ziel gesetzt, Klarheit in den zentralen Fragen der historischen Aufgabe der Arbeiterklasse zu schaffen. Dazu gehören unter anderem, wie auch die Novemberrevolution zeigte, der Imperialismus, der Staat und die Partei. Es ist uns aber bewußt, dass die richtige Erkenntnis und ihre Propagierung allein nicht ausreichen. Nur wenn es eigenständige, klassenorientierte Organisationsformen des Proletariats gibt, in denen die Klasse alle Zusammenhänge erkennen kann, praktische Erfahrungen sammeln kann und sich zu der Kraft formieren kann, die sie sein muss, um ihre Aufgabe zu erfüllen, werden die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, die Erkenntnisse des Kampfs der Arbeiterklasse sind, zur materiellen Realität und damit zum Sieg der Klasse führen. Wir wollen also Strukturen aufbauen, die überall eigenständige Formen der Klassenorganisierung ermöglichen, sei es im Betrieb, in den Gewerkschaften oder im Wohnviertel.

Damit streben wir die Formierung der Kommunistischen Partei in Deutschland an, die sich aus einem Klärungs- und Aufbauprozess entwickeln muss, um den Ansprüchen an sie gerecht zu werden.

Wir können dabei auf einen großen Schatz der Erkenntnisse, des Wissens und der Macht der Arbeiterklasse zurückgreifen und haben uns zur Aufgabe gemacht, diesen zu heben, ihn zu studieren und ihn zu verbreiten. Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bietet uns unendlich viel Material und erlebte Kämpfe, die wir uns aneignen müssen, die wir der Klasse zur Verfügung stellen müssen, die wir in jeder Form popularisieren wollen. Und schließlich wollen wir den Helden dieser Kämpfe gedenken. Wir wollen sie und ihren mutigen, entschlossenen Kampf dem Vergessen entreißen und alles von ihnen lernen, insbesondere ihre Opferbereitschaft, ihre Geduld und ihre Ungeduld, ihre Hingabe und ihre Härte. Wir nehmen diesen einhundertsten Jahrestag zum Anlass, um dem einen organisatorischen Anfang zu setzen und damit nicht mehr aufzuhören.

Diese Parteien machen keine Zukunft für uns!

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Am 28. Oktober findet in Hessen die Landtagswahl statt. Die Wahlkampfslogans der meisten Parteien sind absolut nichtssagend und man könnte sie beliebig unter diesen Parteien austauschen: „Zukunft jetzt gestalten“ (SPD), „Mehr für die Mehrheit“ (Linke), „Die nächste Stufe Hessen“ (FDP), „Vernunft gestaltet geiler“ (Grüne), „Damit Hessen stark bleibt“ (CDU). Insgesamt treten 27 Parteien an. Aber egal ob CDU, Grüne, Linke, SPD oder AfD: Keine dieser Parteien bietet eine Perspektive für Arbeiter, Angestellte, kleine Selbstständige, Arbeitslose und Rentner.

Nur der Schein einer Wahl!

Wahlen gelten als zentrales Element „unserer Demokratie“. Doch was steht hier zur Wahl? Wir dürfen alle paar Jahre darüber abstimmen, welche Parteien als Regierung auf Landes- oder Bundesebene das kapitalistische System verwalten. Dieses System basiert aber darauf, dass nicht diejenigen den gesamten gesellschaftlichen Reichtum bekommen, die ihn auch erwirtschaften. Mit unserer Arbeitskraft erschaffen wir jedes Gebäude, jede Dienstleistung, jede Ware. Davon bekommen wir aber nur einen kleinen Teil. Die Frage, wer den gesellschaftlich produzierten Reichtum bekommt, steht bei solchen Wahlen allerdings nicht zur Debatte. Den Großteil werden sich weiter die Besitzer der Unternehmen unter den Nagel reißen – egal welche Partei die Regierung bilden wird. Wir sollen bei der Landtagswahl nur darüber abstimmen, welche Parteien unsere Ausbeutung in Zukunft verwalten soll. Wahlen im Kapitalismus dienen hauptsächlich dazu, uns den Anschein zu vermitteln, das Volk würde hier das Sagen haben. Einen Ausweg aus dem kapitalistischen System der Ausbeutung und Unterdrückung, das für Millionen von Menschen ständige relative Unsicherheit, Stress, Leistungsdruck, Armut und Perspektivlosigkeit bedeutet, bieten diese Wahlen nicht. Währenddessen lachen sich die Besitzer der Unternehmen ins Fäustchen und bereichern sich weiter auf unsere Kosten. Das ist nicht „unsere Demokratie“, sondern die Herrschaft der Kapitalistenklasse. Ob Bouffier, ob Schäfer-Gümbel, ganz egal – auch in Hessen herrscht das Kapital.

Volksabstimmungen – direkte Demokratie in Hessen?

Aber dieses Jahr scheint es in Hessen ganz besonders „demokratisch“ zuzugehen. Neben der neuen Landesregierung dürfen wir nämlich in Volksabstimmungen auch noch über einige Änderungen an der hessischen Verfassung abstimmen. So zum Beispiel über die Aufhebung der Todesstrafe, die noch immer in der hessischen Verfassung steht. Diese findet aber sowieso keine Anwendung, da sie laut Grundgesetz verboten ist. Die Abstimmungen über einige nicht wirklich bedeutsame Verfassungsänderungen dienen lediglich dazu, der Fassade des herrschenden Systems einen weiteren demokratischen Anstrich zu verpassen.

Viele Parteien, ein Klasseninteresse

Es entstehen immer wieder neue Parteien, die den Eindruck erwecken, als gehe es mal gegen die Elite oder man könne der herrschenden Politik mal einen Denkzettel verpassen. Vor allem CDU und SPD wechseln sich in der Regierungsbildung ab und versuchen sich in der vorübergehenden Opposition wieder als ganz andere, wirklich dem Interesse der Bevölkerung dienenden Parteien zu präsentieren. Aber dennoch setzen sie am Ende das Klasseninteresse der Kapitalisten durch.

Folgende Beispiele zeigen, dass keine der großen Parteien, die bei der Wahl in Hessen antreten, ernsthaft die Interessen der Arbeiter vertritt:

Das Aushängeschild der hessischen CDU, Ministerpräsident Volker Bouffier hat sein Bestes gegeben, um die Aufdeckung der Verstrickung von Staat und Nazis auch in Hessen zu verhindern. Er hat damals als Innenminister dafür gesorgt, dass die Verbindungspersonen, für die der Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme zuständig war, nicht bekannt gegeben werden. Temme selbst war in der Behörde als Nazi bekannt und wurde „Klein-Adolf“ genannt. Er war in dem Internet-Café in Kassel anwesend, als dort Halit Yozgat erschossen wurde und hatte kurz vorher mit einem seiner V-Leute telefoniert. Bouffier und die hessische Staatskanzlei sind Teil des Apparats, der den NSU deckt und schützt. Die hessische CDU ist eine rechte Partei, deren frühere Vorsitzende wie Alfred Dregger und Roland Koch enge Verbindungen zu faschistischen Kräften hatten. Zahlreiche wichtige AfD-Politiker, wie Alexander Gauland und Martin Hohmann kommen aus der Hessen-CDU, Leute ihres Schlags sind weiter in der Partei in hohen Funktionen, wie Hans-Jürgen Irmer.

Die AfD ist in Hessen eng mit den „Identitären“ und anderen Neonazi-Strukturen verbunden. Einige AfD-Politiker stehen den „Reichsbürgern“ nahe, zahlreiche haben enge Verbindungen zum „Institut für Staatspolitik“ des Faschisten Kubitschek in Thüringen.

Die Grünen haben bei der Landtagswahl in Bayern vor Kurzem einen großen Wahlerfolg gefeiert. Für die Arbeiterklasse ist das aber kein Grund zum Feiern. Gelungen ist ihnen das nämlich, weil sie erfolgreich die Illusion verbreitet haben, dass es einen Kapitalismus im Interesse der Mehrheit der Menschen geben könne. Sie propagieren eine ökologische Nachhaltigkeit und ein friedliches Europa, sie reden von Toleranz und Freiheit. Dies sind und bleiben aber nur Phrasen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Flüchtlingspolitik: Die hessischen Grünen präsentieren sich in der Öffentlichkeit gerne als antirassistische Partei. Als Teil der schwarz-grünen Landesregierung haben sie in Hessen allerdings Geflüchtete abgeschoben, wie alle anderen Parteien vor ihnen. Mit oder ohne Grüne an der Regierung – die Kinderarmut steigt in Hessen nach wie vor. Mittlerweile muss hier jedes siebte Kind von Hartz IV leben.

Mit der Linkspartei verhält es sich ganz ähnlich wie mit den Grünen. Zwar waren sie in Hessen bisher noch an keiner Regierung beteiligt, haben aber dort wo sie an Landesregierungen beteiligt war, nämlich in Thüringen, Brandenburg und Berlin, bewiesen, dass sie keine Politik im Interesse „des kleinen Mannes“ machen. Stattdessen wurden Banken mit Steuergeldern gerettet und tausende Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen. Die Linkspartei hofft darauf, das kapitalistische System in einer rot-rot-grünen Koalition endlich auch in Hessen mitverwalten zu dürfen. Eine positive Perspektive hat sich die Mehrheit der Bevölkerung aber ganz sicher nicht davon zu versprechen.

Die SPD war in Hessen zuletzt von 1991 bis 1999 an der Regierung und versucht nun, mit dem Thema Wohnungsnot zu punkten und sich als soziale Partei zu profilieren. Sie ist allerdings in den größten Städten in Hessen an der Regierung – in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Offenbach. Überall dort, besonders in Frankfurt, aber auch in Hanau sorgt sie dafür, dass viele teure Wohnungen gebaut werden und setzt alle Investoren-Interessen treu um.

Die Wohnungsnot kann im Kapitalismus nicht gelöst werden, es müssen der Bau und die Nutzung der Wohnungen notwendig dem Profitinteresse untergeordnet werden. SPD, Grüne und die anderen Parteien schüren aber Illusionen: Sie behaupten, wenn sie an die Regierung kommen würden, könnten sie das ändern. Gleichzeitig tragen sie selbst zum Steigen der Mieten und zur Stagnation der Löhne massiv bei.

Ein Blick in die Gegenwart und Vergangenheit der Parteien zeigt: Sie machen keine Zukunft für uns, sondern sichern die Durchsetzung der Interessen der Banken und Konzerne ab.

Aus Angst vor der AfD nicht das kleinere Übel wählen!

Viele Parteien versuchen von der Angst von Teilen der Bevölkerung vor der AfD zu profitieren. Doch auch, wenn die AfD natürlich keinerlei Alternative im Interesse der Arbeiterklasse und der Volksschichten ist, haben die übrigen bürgerlichen Parteien diese ebenso wenig zu bieten. Parolen wie „Geh wählen, aber Hauptsache nicht die AfD“ bedeuten im Kern, Wahlwerbung für Parteien wie SPD und Grüne zu machen. Das spielt der AfD aber letztendlich in die Hände, denn diese Parteien haben in den letzten Jahren massive Angriffe auf unsere Renten, Löhne und das Arbeitslosengeld durchgeführt – als Beispiel sei hier nur die Agenda 2010 genannt. Und das wird sich in Zukunft, trotz allen Wahlkampfversprechen auch nicht ändern. Das kleinere Übel wählen heißt, auf die Selbstorganisation für den Kampf für unsere Interessen und gegen die Besitzer der Unternehmen, zu verzichten.

Für eine echte Alternative – für den gemeinsamen Kampf für unsere Interessen!

Leider tritt bei der hessischen Landtagswahl keine klassenkämpferische Partei an. Aktuell gibt es in Deutschland keine Partei, die konsequent an der klassenorientierten Organisierung der Arbeiter und der werktätigen Bevölkerung arbeitet mit dem Ziel, die Herrschaft des Kapitals zu beenden und eine Gesellschaft aufzubauen, in der sich nicht die wenigen Besitzer der Unternehmen an der Arbeit der Vielen bereichern, sondern der gesellschaftlich produzierte Reichtum gesellschaftlich geplant und genutzt wird. Eine solche Partei würde nicht zur Wahl antreten mit dem Ziel, zu regieren und damit die Ausbeutung zu verwalten. Eine solche Partei würde zur Wahl antreten, um die volksfeindliche Politik der andere Parteien anzuprangern und den Parlamentarismus als Instrument zur Durchsetzung der Herrschaft des Kapitals zu entlarven.

Alter Wein in neuen Schläuchen – Zur Landtagswahl in Bayern

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Die bayerische Landtagswahl steht bevor, aufgestellt sind 18 Parteien – aber keine Partei für die Arbeiterklasse. Es wird eine weitere Wahl, bei der die Menschen geblendet werden sollen von den oberflächlichen Unterschieden der Parteien. Aber all diese Parteien, egal ob Linkspartei, Grüne, CSU, Freie Wähler, AfD oder SPD, haben den Arbeiterinnen und Arbeitern, den bayerischen Bauern, den Angestellten, den Arbeitslosen keine Perspektive anzubieten. Sie haben keinen Ausweg aus dem kapitalistischen System der Ausbeutung und Unterdrückung aufzuzeigen, das für Millionen Menschen ein Leben in ständiger Unsicherheit, in Armut, in Perspektivlosigkeit und oft einen viel zu frühen Tod, für Millionen weiterer Menschen ständige relative Unsicherheit, Stress, Leistungsdruck und Angst bedeuten. Dieser Ausweg kann nur in dem Bruch mit den bestehenden Eigentums- und Herrschaftsverhältnissen bestehen, im Sturz des Kapitalismus, im Aufbau einer anderen Gesellschaft, in der die Produktionsmittel vergesellschaftet werden und ihre geplante Entwicklung mit dem Ziel vorangetrieben wird, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Diese Gesellschaft ist der Sozialismus.

Das Wahlergebnis in Bayern wird die politische Krise widerspiegeln, welche ganz Deutschland ergriffen hat. Das Vertrauen in die einstigen Volksparteien SPD und CDU/CSU sinkt und es hat eine Verschiebung in den Stimmverhältnissen eingesetzt, weil viele Menschen ihre Hoffnungen in andere Parteien setzen, die die bestehende Unzufriedenheit aufgreifen. In Bayern sind es vor allem die Grünen und die AfD, die davon profitieren, aber auch sie haben, ebenso wie die regierende CSU, nur Schein-Lösungen im Gepäck, und stabilisieren eben so die Verhältnisse, die sie vorgeben anzugreifen.

Weder die Grünen…

Die Grünen verbreiten vor allem Illusionen darüber, was der Kapitalismus ist und was in ihm möglich ist. Sie propagieren eine ökologische Nachhaltigkeit und ein friedliches Europa, sie reden von Toleranz und Freiheit. Dies sind und bleiben aber Phrasen, die schön klingen und doch allerhöchstens in einer Politik münden, die reale Probleme vielleicht verzögert, diese aber nicht behebt. Sie stiften damit Verwirrung bei vielen Menschen, die sich der ökologischen Krise, den imperialistischen Kriegen und der Verrohung und Vereinzelung entgegenstellen wollen. Die Grünen versprechen etwas, was es nicht geben kann: einen Kapitalismus im Interesse der Mehrheit der Menschen. Der Kapitalismus ist aber mit der ökonomischen und politischen Herrschaft der besitzenden Minderheit verbunden und allein ihre Interessen sind es, die mit allen Mitteln verteidigt werden.

…noch die AfD

Die AfD ist eine Partei mit einer objektiv volksfeindlichen Politik, ihr Erstarken ist der Ausdruck eines niedrigen Klassenbewusstseins. Ihr Programm richtet sich gegen die arbeitende Bevölkerung und steht im Interesse der besitzenden Klasse, im Interesse des Kapitals, aber sie inszeniert sich als Partei des kleinen Mannes. Ihr Programm zielt auf eine störungsfreie Bewegung des Kapitals, auf eine Aufrüstung im Innern, auf eine Verschärfung der Asylpolitik im landespolitischen Maßstab, auf eine Entsolidarisierung unter denjenigen, die von den Gewalttaten des Kapitals am stärksten betroffen sind. Sie fordert die Abschaffung der Erbschaftssteuer – davon profitieren vor allem die Reichen. Sie will ein schuldenfreies Bayern ab 2028 – bezahlen wird dies die Masse der arbeitenden Bevölkerung. Sie fordert die Stärkung der bayerischen Justiz und Polizei – ihre Urteile und ihre Waffen werden aber das Leben der Menschen nicht verbessern, sondern sich gegen sie richten, sobald sie es wagen, für ihr Leben zu kämpfen. Und trotzdem: es ist falsch, sich bei dieser Wahl auf die AfD als Gegner zu fokussieren. Die AfD ist nicht nur ein Akteur, sie ist auch ein Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse, und es sind eben diese Verhältnisse, die von den anderen Parteien aufrechterhalten werden. Nicht nur von den Grünen, der SPD, der Unionsparteien, sondern auch von der Linkspartei, die dies überall dort wo sie konnte schon unter Beweis gestellt hat, momentan in Thüringen, Berlin und Brandenburg. Unser Ziel ist darum auch nicht der Kampf gegen die AfD alleine, unser Ziel ist die Überwindung der kapitalistischen Ordnung, welche die AfD hervorbringt. Und all denjenigen, die enttäuscht wurden von den leeren Versprechen des Kapitalismus sagen wir: Lasst euch nicht täuschen von den nächsten leeren Versprechen, die nur in neuem Gewand daherkommen.

Die Politik der CSU

Die AfD sagt, sie seien die konsequenten Vollstrecker der Versprechen der CSU. In der Tat kommen die rechten Hardlinertendenzen in der CSU immer offener zum Vorschein. Sie sind nicht neu, aber sie sind neu erstarkt im Angesicht der gesellschaftlichen Krisenerscheinungen. Die CSU tritt vermehrt auf als Schrittmacherin für eine Verschärfung der bundesweiten Migrationspolitik, als Architektin der neuen Polizeigesetzgebung der Bundesländer, als Stichwortgeberin für soziale und rassistische Hetze. Mit dem Verkauf von 32.000 landeseigenen Wohnungen der Wohnungsgesellschaft GBW an den Immobilienkonzern Patrizia hat der damalige Finanzminister und heutige Ministerpräsident Markus Söder schon 2013 klar gezeigt, dass er auf Seiten des Kapitals steht. Die CSU hat ihre massenfeindliche Ausrichtung bestätigt, als sie das Polizeiaufgabengesetz als neuen Pflock einschlug, um die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft auch unter steigendem Druck und sich verschärfenden Widersprüchen sicherstellen zu können. Es gibt keine Entschuldigung, weiter Erwartungen und Hoffnungen in diese Partei zu legen.

Die Landtagswahl wird die politischen Kräfteverhältnisse im Freistaat widerspiegeln. Für die Arbeiterklasse sieht es dementsprechend düster aus, denn keine der teilnehmenden Parteien tritt an, um mit der Stimme der Arbeiterklasse zu sprechen und das Parlament als eine Tribüne des Kampfes gegen das Kapital zu nutzen. Dieser Kampf wird aber trotzdem täglich abseits des Parlaments geführt und die Wahlen sind ein Thermometer dieses Kampfes, den die Arbeiterklasse nur erfolgreich führen kann, wenn sie ihn bewusst, organisiert und mit einem klaren Ziel vor Augen angeht: der sozialistischen Revolution.

100 Jahre Novemberrevolution

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Berlin | Köln | Frankfurt | Jena | Stuttgart | München

November 1918: Soldaten der Marine verweigern den Befehl, stürmen zusammen mit Arbeitern die Kaserne in Kiel und markieren so den Beginn der Novemberrevolution in Deutschland. In Windeseile strömen Arbeiter und Soldaten ins Land, überall gründen sich Arbeiter- und Soldatenräte. Am 09. November ruft Karl Liebknecht in Berlin die Sozialistische Republik Deutschland aus. Die unterdrückten Massen ergreifen das Zepter des Handelns und das morsche Kaiserreich bricht zusammen.

Das, was viele heute für unmöglich halten und manche heute lieber vergessen machen wollen, wurde im November 1918 Realität: Die deutschen Arbeiter machten Revolution und stellten die Machtfrage.

Die Novemberrevolution brachte viele Errungenschaften. Aber dennoch gelang es der Arbeiterklasse nicht, eine sozialistische Revolution durchzusetzen – die Revolution wurde verraten und in Blut erstickt. Die Führung der SPD und der Gewerkschaften arbeitete eng mit den Kapitalisten zusammen und sicherten deren Macht: Sie schickten Paramilitärs gegen die Arbeiter und ließen ihre wichtigsten Führer, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, ermorden.

Die SPD setzte alles daran, zu verhindern, dass die Räte zu wirklichen Machtorganen der Arbeiter und Soldaten werden konnten. Schließlich setzte die SPD im Bündnis mit den alten Mächten die Zerschlagung der Räte und die Errichtung eines bürgerlichen Parlaments durch. Viele Arbeiter hatten falsche Hoffnungen in die bürgerliche Republik, sie erkannten den Gegner nicht klar genug und wussten daher nicht, wie sie ihren Interessen zur vollen Durchsetzung verhelfen konnten. Die Täuschung und Desorientierung der Arbeiter selbst war das Werk der SPD und der falschen sozialdemokratischen Vorstellungen, die innerhalb der Arbeiterklasse immer stärker geworden waren.

Die revolutionären, klassenbewussten Arbeiter waren noch zu schlecht organisiert um dem genug entgegen zu setzen. Die Kommunistische Partei Deutschlands wurde erst nach Beginn der Novemberrevolution und
mitten in den revolutionären Kämpfen gegründet. Sie konnte noch nicht die führende Rolle einnehmen, sie konnte die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse noch nicht in ausreichendem Maße organisieren. Die Arbeiter konnten die Machtfrage noch nicht zu ihren Gunsten entscheiden.

In dem Seminar wollen wir gemeinsam die Ereignisse der Novemberrevolution verstehen und welche Lehren wir für heute daraus ziehen müssen. Das Seminar ist für Einsteiger geeignet, Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Danach wollen wir einen Ort der Novemberrevolution in unserer Stadt besuchen und damit die Bedeutung der damaligen Kämpfe für unsere heutigen Kämpfe hervorheben.

Ein großes Ablenkungsmanöver

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Hans-Georg Maaßen, Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, muss nach anhaltender Kritik seinen Posten räumen – doch keineswegs seine Karriere beenden. Er darf in Zukunft als zwar nicht als Staatssekretär, jedoch als Sonderberater im Innenministerium weiterhin die Interessen des Kapitals schützen.

Nach dem Totschlag eines Deutsch-Kubaners in Chemnitz vor wenigen Wochen nutzten Faschisten die Gelegenheit, die Wut, Trauer und Angst vieler Menschen in Chemnitz für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Sowohl die AfD als auch Kameradschaften und andere organisierte Faschisten veranstalteten Demonstrationen, Kundgebungen und Hetzjagden auf Migranten. Letztere hatte Maaßen in Zweifel gezogen, indem er die Echtheit der Videomaterialien öffentlich anzweifelte. Es hagelte Kritik vonseiten der SPD, Grünen, Linkspartei, FDP und auch Teilen der CDU – denn Kanzlerin Merkel hatte sich als aufrechte Demokratin dargestellt und öffentlich verurteilt, dass es zu Hetzjagden in Chemnitz gekommen war. Selbstverständlich war nichts Aufrechtes an dieser Aussage – es entsprach schlicht der Taktik, die „Demokratie“ dem gefährlichen „Mob“ gegenüber zustellen und so die aktuellen Verhältnisse aufrechtzuerhalten.

Die AfD unterstützte Maaßens Aussagen – nicht verwunderlich in Anbetracht der daraufhin veröffentlichten Infos über Maaßens Aktivitäten: Neben Gesprächen mit Vertretern der AfD über die Möglichkeiten zur Vermeidung der Beobachtung durch den Verfassungsschutz (VS)– wie zuletzt von einigen Parteien gefordert – führte Maaßen mit ihnen auch Gespräche über den bis dahin noch unveröffentlichten Verfassungsschutz-Bericht und vermutlich auch über das angestrebte Budget des VS im nächsten Jahr (Tagesschau, 13.09.2018). Doch nicht nur der AfD hatte Maaßen seine besondere Unterstützung zukommen lassen. Selbst verstorbene Nazi-Größen konnten sich auf ihn verlassen: Laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) vom 13.09.2018 hat Maaßen die Herausgabe von Akten über den mittlerweile verstorbenen SS-Hauptsturmführers Alois Brunner an einen Redakteur der BILD-Zeitung verhindert. Alois Brunner war, obwohl einer der meist gesuchtesten NS-Kriegsverbrecher, zu Lebzeiten nicht in Deutschland verurteilt worden und es gibt Hinweise, dass er immer wieder von deutschen Geheimdiensten geschützt worden war (HAZ, 13.09.2018).

Staat und Faschisten Hand in Hand

Der Fall Maaßen bringt nur das ans Licht, was schon lange gang und gäbe ist und im Kapitalismus sein muss: Die Verflechtung zwischen bürgerlichem Staat und Faschisten ist nicht ein Zufallsprodukt, welches höchstens auf den untersten Ebenen der staatlichen Behörden zu finden wäre: Nein, die Verflechtung ist gerade auf den obersten Ebenen stark und von den Herrschenden allgemein gewünscht. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde, wie der Außengeheimdienst BND (Bundesnachrichtendienst) nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Aufsicht der Alliierten von Faschisten der ehemaligen Gestapo (Geheime Staatspolizei) und der NSDAP aufgebaut. Auch der Aufbau von faschistischen Terrorgruppen wie der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) durch den Verfassungsschutz ist keineswegs Zufall, sondern Programm. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg bauten mehrere NATO-Staaten sogenannte „Stay Behind“-Organisationen auf, die dem Zweck dienen sollten, durch Terror die Arbeiterbewegung zu schwächen und auch den Abbau von bürgerlichen Rechten durch den Staat zu legitimieren. In Deutschland steht der NSU in einer Tradition mit dem Bund Deutscher Jugend in den 50er Jahren und der Wehrsportgruppe Hoffmann in den 70er Jahren.

Denn dieser Staat ist der Staat des Kapitals. Er vertritt die Interessen der Kapitalisten unabhängig davon, welche Form er hat: Während des Faschismus in Deutschland hatte der Staat die Form einer offenen terroristischen Diktatur, in der Weimarer Republik und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat er die Form einer parlamentarischen Demokratie. Um die Interessen der Kapitalisten zu schützen braucht der Staat Organe zur Verteidigung: Polizei, Militär und Geheimdienste ebenso wie faschistische Terrorgruppen, die scheinbar unabhängig vom Staat und scheinbar gegen ihn durch Terror Angst in der Bevölkerung verbreiten. Organisierte Faschisten wie der NSU und Bewegungen und Parteien, die in Zukunft für eine faschistische Massenbasis sorgen könnten, wie Pegida und die AfD sind ein gutes Mittel um einerseits den Glauben an einen „guten“, an einen „gerechten“ Staat zu nähren und aufrechtzuerhalten, und andererseits das Protestpotential im Volk und insbesondere der Arbeiterklasse zu entschärfen und zu kanalisieren, sie durch Angst und Terror davon abzuhalten, für ihre eigenen Interessen einzustehen und sie stattdessen gegeneinander aufzuwiegeln.

Heuchelei und Augenwischerei

Genau deshalb ist die vorgebrachte Kritik von SPD, Grünen, FDP und Linkspartei nichts mehr als Heuchelei um den angekratzten Ruf vom „gerechten Staat“ wieder aufzupolieren. Die SPD selbst hat immer wieder bewiesen, dass der Zusammenhang Staat-Faschisten nicht von der jeweiligen Regierung abhängt, sondern dem reaktionären Wesen des Staates entspricht: Der NSU konnte unter der Rot-Grünen-Regierung genauso unbehelligt Menschen ermorden wie in den Folgejahren. Bereits 1933 hatte die SPD gezeigt, dass sie eher die Faschisten mit Hitler an der Regierung dulden wird, als den Staat als solchen durch einen politischen Massenstreik in Gefahr zu bringen. Mit dem Fall Maaßen zeigt die SPD nun ihren völligen politischen Bankrott. Sie fordert seine Absetzung mit der Behauptung, er sei „untragbar“ in einer Demokratie. Dann akzeptiert sie seine Beförderung zum Staatssekretär im Innenministerium mit sogar erhöhtem Einkommen und weitreichenden Befugnissen. Die Aufregung über den Kompromiss war groß an der Wählerbasis der SPD und veranlasste die Parteiführung, noch einmal zurückzurudern. Das der nun endgültig gefundene Kompromiss nahezu keinen Unterschied macht, aber dazu dient, der Wählerbasis zu vermitteln, dass „man es doch versucht hätte“, entblößt den gesamten heuchlerischen Charakter der SPD.

Die Forderung der Partei Die Linke (PdL) nach Abschaffung des VS ist dem Worte nach radikal, in der Praxis entpuppt es sich als reine Augenwischerei. Wer erkannt hat, dass der bürgerliche Staat auf Polizei, Militär und Geheimdienst nicht verzichten kann, der weiß auch, dass eine solche Forderung trotz des radikalen Tons keine Konsequenzen haben kann. Die Arbeiterklasse wird desorientiert in dem sie ihre Wut nicht auf die Kapitalisten und ihren Staat richtet, sondern passiv bleibt und nur darauf hofft, dass eine einzelne Behörde unter vielen geschlossen wird. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass es einer Protestbewegung gelingen würde, die Schließung einer Repressionsbehörde zu erkämpfen, würde der Staat unter einem neuen Namen eine neue gründen. Denn einen kapitalistischen Staat ohne Apparate zur Unterdrückung der Arbeiterklasse kann und wird es nicht geben. Diese Apparate können nicht durch die Herrschenden „von oben“ aufgelöst werden, sie können nur durch den Sieg des organisierten Klassenkampfes „von unten“ zerschlagen werden, indem die Herrschaft des Kapitals an sich gestürzt wird.

Ablenkungsmanöver

Während sich in den Medien und den Parteien der Mund über den Fall Maaßen fusselig geredet wird, passiert der große Coup im Hintergrund: Wie die Tagesschau am 16.09.2018 berichtet, hat Maaßen noch kurz vor seinem Abdanken einen Antrag für den Haushalt 2019 des Bundesamtes für Verfassungsschutz eingereicht: Der Antrag enthält nahezu eine Verdoppelung des Budgets im Vergleich zum Jahr 2015 und umfasst satte 421 Millionen Euro. Auch die Anzahl an offiziellen Mitarbeitern soll um mehr als 50 % auf knappe 6000 wachsen. Der Ausbau des Inlandsgeheimdienstes ist dabei ein Teil der Strategie, die auch den massiven Ausbau der Bundeswehr in den nächsten Jahren beinhaltet. Der deutsche Staat bereitet sich auf größere Konflikte und Kriege im Inneren und Äußeren vor.

Der Ausbau des Inlandsgeheimdienstes dient nicht unserem Schutz vor gewalttätigen Neonazis und schon gar nicht der „Demokratie“. Denn diese „Demokratie“ ist in Wirklichkeit die Herrschaft des Kapitals, also einer kleinen Minderheit der Gesellschaft über die große Mehrheit. Der Ausbau des Geheimdienstes richtet sich vor allem gegen alle, die sich mit den Zumutungen des kapitalistischen Systems, mit Armut, Krieg und staatlich gefördertem Faschismus nicht abfinden wollen und dagegen aufstehen. Das Ziel staatlicher Repressionen waren seit Gründung der BRD daher immer in allererster Linie die Arbeiterbewegung, Kommunisten und andere fortschrittliche Menschen.

Gegen Repression: Massenorganisation

Jeder Staat braucht zur Machterhaltung Polizei, Militär und Geheimdienste. Die entscheidende Frage dabei ist jedoch, um wessen Staat es sich handelt: Ein Staat im Interesse des Kapitals oder ein Staat im Interesse der Arbeiterklasse und anderer werktätigen Schichten. Um den Verfassungsschutz ebenso wie Polizei und Bundeswehr loszuwerden muss den Kapitalisten die Macht entrissen und ihr Staat zerschlagen werden. Es kann keinen Zwischenweg geben. Der einzige Weg dahin ist der Aufbau einer starken, selbstbewussten Massenbewegung, von proletarischer Massenorganisationen und einer kommunistischen Partei. Diese Organisationen sind auch der beste Schutz gegen die staatliche Repression, sei es Polizei, Militär und Geheimdienst oder vom Staat aufgebaute und finanzierte faschistische Terrorgruppen.

An die Internationale Kommunistische Bewegung: Über einige Desinformationen über unsere Organisation

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Liebe Genossen,

Am 26. August hat die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) auf SolidNet einen Text veröffentlicht, in dem über unsere Organisation, die Kommunistische Organisation (KO), einige Behauptungen aufgestellt werden. Wir gehen davon aus, dass dieser Text auch an die Parteien auf SolidNet verschickt wurde, weshalb wir uns hier zu einigen Behauptungen der DKP äußern wollen.

Zu Beginn möchten wir eine Selbstkritik üben: Dass wir die DKP nicht in die Liste der Empfänger aufgenommen haben, war ein Fehler unsererseits. Wir hielten dies nicht für notwendig, da es sich um eine Mail mit Informationen handelte, von denen wir ausgehen, dass die DKP sie bereits hat. In Zukunft werden wir Mails an die Liste der kommunistischen und Arbeiterparteien immer auch an die DKP verschicken.

Leider werden in dem Text der DKP jedoch auch einige unwahre Behauptungen aufgestellt.

Es ist nicht wahr, dass diejenigen unserer Genossen, die aus der DKP und SDAJ kommen, diese mit einer „linkssektiererischen Kritik“ verlassen hätten. Linkssektierertum ist eine politische Linie, die sich auf den Kommunismus als Ziel beruft, sich aber in der Praxis von den Massen isoliert. Dies ist nicht unsere Haltung und wir lehnen eine solche Haltung ab. Im Gegenteil arbeiten wir ständig daran, uns so eng wie möglich mit der Arbeiterklasse und den anderen Volksschichten zu verbinden.

Unsere Kritik an der DKP ist keineswegs „linkssektiererisch“. Dies ist leicht nachprüfbar, denn in unseren Texten kann diese Kritik nachgelesen werden. Wir kritisieren die Strategie der DKP, ihre Ausrichtung auf eine „antimonopolistische Übergangsphase“ zum Sozialismus. Wir kritisieren außerdem ihre mangelnde Orientierung auf den Aufbau einer Kaderpartei. Unsere eigenen Positionen zu diesen Fragen sind in den Programmatischen Thesen, die wir verschickt hatten, enthalten.

Diese Kritikpunkte sind nicht „linkssektiererisch“. Es handelt sich im Gegenteil um wichtige Diskussionen, die in der kommunistischen Weltbewegung bereits geführt werden und auch geführt werden müssen.

Schließlich behauptet die DKP, die KO habe in die politischen Auseinandersetzungen in Deutschland nicht eingegriffen und unsere politischen Aktivitäten beschränkten sich auf das „Veröffentlichen von Texten im Internet“. Auch diese Behauptung ist nicht wahr. Zunächst ist dazu zu sagen, dass die Gründung unserer Organisation erst Anfang Juni stattgefunden hat. Jedoch haben einige unserer Mitglieder teilweise seit vielen Jahren eine Massenarbeit zur Organisierung von Menschen aus Arbeitervierteln entwickelt oder entwickeln eine revolutionäre Arbeit an ihrem Arbeitsplatz. Diese Arbeit führen wir nun unter der Anleitung unserer neuen Organisation fort, entwickeln sie weiter und beginnen sie in weiteren Städten. Unser Ziel ist es, die Vereinigung des wissenschaftlichen Sozialismus mit der Arbeiterbewegung wiederherzustellen. Die Entwicklung einer revolutionären Praxis mit wissenschaftlicher Grundlage hat darum zentrale Bedeutung für uns.

Wir hoffen, dass diese kurzen Erklärungen ausreichen, um zu verdeutlichen, dass die Behauptungen, die die DKP über uns aufstellt, falsch sind. Wir bedauern es, dass die DKP sich dafür entschieden hat, Desinformationen über unsere Organisation zu verbreiten. Dies hat uns dazu gezwungen, in einer weiteren E-Mail dazu Stellung zu nehmen. Wir haben jedoch kein Interesse an dieser Art von Auseinandersetzungen in der internationalen kommunistischen Bewegung. Die Art der Auseinandersetzung, die uns interessiert, sind Austausch und Diskussion über ideologische Fragen.

Bei weiteren Fragen, zögert nicht, euch an uns zu wenden.

Kommunistische Organisation

To the International Communist Movement: On some disinformation about our organization

Dear comrades,

On 26th of August, the German Communist Party (DKP) has published a text on SolidNet, where it makes some claims about our organization, the Communist Organization (KO). We believe that this text has also been sent to the parties listed on SolidNet, which is why hereby we want to comment on some of the claims made by the DKP.

To begin with, we would like to exercise self-criticism: It was a mistake from our side, not to include the DKP in the list of recipients. We did not deem this necessary, since it was an e-mail with information that we believed was already known to the DKP. In the future, however, when sending e-mails to the list of communist and workers’ parties, we will always also include the DKP.

Unfortunately however, in the aforementioned text, some of the claims made by the DKP are untrue.

It is not true that those of our comrades coming from the DKP and SDAJ left those organizations with a “left-sectarian criticism”. Left sectarianism is a political line which refers to communism as a goal, but isolates itself from the masses in practice. This is not our position and we reject such a position. Quite the contrary, we constantly struggle to strengthen our bonds to the working class and other popular strata.

Our criticism concerning the DKP is not at all “left-sectarian”. This can easily be checked, since this criticism can be read in our texts. We criticize the DKP’s strategy, its orientation towards an “anti-monopoly transitional phase” and its assertion that this phase leads to socialism. Furthermore, we criticize its lack of focus on the construction of a cadre party. Our own positions on these questions are contained in the Programmatic Theses, which we have already sent to you.

This criticism is not “left-sectarian”. On the contrary, these are important issues which are already being discussed in the International Communist Movement and these discussions ought to be continued.

Finally, the DKP claims that the KO has not intervened in political struggles in Germany and that our political activities were limited to “publishing texts on the Internet”. This claim is also untrue. Firstly, we are compelled to mention that our organization was very recently founded, in the beginning of June. Still, some of our members have for many years developed a mass work aiming at organizing people from working-class neighborhoods or are developing revolutionary work at their workplaces. We now conduct this work under the guidance of our new organization, we strive to further advance it and begin it in new towns. It is our goal to restore the unity of scientific socialism and the workers’ movement. Therefore, developing a revolutionary practice with a scientific foundation is of crucial importance to us.

We hope that these brief explanations suffice to make clear that the claims made by the DKP about us are false. We regret that the DKP has resorted to spreading disinformation about our organization. This has compelled us to take position on this matter in another e-mail. However, we are not interested in this kind of dispute within the International Communist Movement. The kind of debate that we are interested in is discussion and exchange on questions of ideology.

For any further questions, please do not hesitate to contact us.

Communist Organization

Scheinzugeständnisse der Rentendiebe

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Zur Fortsetzung der Rentenkürzungspolitik

Wer bekommt keine Wut, wenn er eine alte Frau an der Supermarkt-Kasse die Cent-Stücke zählen sieht und das, obwohl die Lebensmittel, die sie kauft, ohnehin schon die billigsten sind? Wer ist nicht empört, wenn er alte Männer Kisten schleppen und Regale auffüllen sieht? Wer ist nicht sprachlos, wenn er auf den Brief von der Rentenversicherung schaut und einen lächerlichen Betrag sieht, der ihm im Alter blüht?

Die durchschnittliche Rente liegt bei nur 823 Euro, aber über 60 % der Rentner bekommen sogar weniger Rente. Wer den gesetzlichen Mindestlohn bekommt, müsste 60 Jahre arbeiten, um auf eine Nettorente in Höhe der Grundsicherung zu kommen. Diese liegt bei ca. 769 Euro (419 Euro Regelsatz plus 350 Euro Warmmiete). Läge der Mindestlohn bei 10 Euro, bräuchte man 60 Jahre durchgehende Arbeit. Erst bei einem Mindestlohn von 13,35 Euro käme man nach 40 Arbeitsjahren knapp über den Betrag der Grundsicherung.

Dies ist das Ergebnis der Politik seit Anfang der 90er Jahre. Mit der Lüge auf den Lippen „Die Rente ist sicher“ kürzten CDU, FDP, SPD, Grüne alle fleißig die Renten, die sonst jetzt 30 % höher liegen müssten. 2008 betrugen die Durchschnittsrenten für Männer in Westdeutschland 970 Euro, für Frauen 473 Euro. Sie sind nach all den massiven Kürzungen preisbereinigt niedriger als 1975. 35 Jahre Steigerung des Sozialprodukts – als Dank weniger Rente. (siehe zu allen Zahlen und Fakten klartext-info.de).

Wer aber nur in Teilzeit arbeitet oder zwischendurch arbeitslos oder geringfügig beschäftigt ist oder nicht so lange durchhält, wird im Alter zum Amt gehen müssen. Das droht Millionen von Erwerbstätigen und keineswegs nur einem kleinen Teil der Arbeiterklasse. Die aktuelle Rentendebatte dient dazu, die aktuellen und zukünftigen Rentner zu beschwichtigen, denn die Rentenfrage ist der vielleicht größte soziale Sprengstoff. Die permanente Ablenkung von dieser Frage durch Flüchtlingsdebatten ist aus Sicht der Herrschenden dringend notwendig. Denn wenn alle Beschäftigten und Rentner erkennen, wie sie über den Tisch gezogen werden und dann vielleicht sogar handeln, könnte es unangenehm für die Herrschenden werden, die für diese Situation verantwortlich sind.

Die Standardrente wird weiterhin mit 45 Jahren Beitragszahlung berechnet, obwohl die durchschnittliche Lebensarbeitszeit bei 35,7 Jahren liegt (2014). Realistischer wären also 40 Jahre Beitragszahlung zur Berechnung der sogenannten „Eckrente“. Bis 1991 galt als Ziel der Sozialpolitik, dass die Nettorente bei 70 % des durchschnittlichen Nettolohns liegt. Im Moment würde eine Rente, die bei 70 % vom Nettolohn liegt, ca. 1317 Euro in Westdeutschland betragen. Die SPD, die sich als Rentenrettungspartei aufspielt, will die Durchschnittsrente bei 46 % des Nettolohns ohne Steuern – das sind 793 Euro – „sichern“.

Die Löhne sind für große Teile der Arbeiterklasse in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Wenn man das Ziel ernst nimmt, eine Rente bei 70 % des Nettolohns anzustreben, wäre das bei den realistisch angenommenen 40 Beitragsjahren über den Arbeitslohn nicht möglich. Um auf eine solche Rente zu kommen, müsste der Durchschnittslohn bei mehr als 23 Euro brutto pro Stunde liegen.

Die Kapitalistenklasse muss die Löhne und die Renten immer weiter senken, um die Profitrate zu erhöhen, denn die Profitraten sinken seit Jahrzehnten weiter ab. Die Rente ist Teil der Lebenshaltungskosten der Arbeitskraft, ebenso wie die Versorgung von Kindern, Lebensmittel, Wohnung und anderes. Während die Kapitalisten die Bestimmung dieser Kosten immer weiter nach unten drücken wollen, hat die Arbeiterklasse das Interesse sie nach oben – zum besseren Leben hin zu bewegen.

Bei der Rente heißt das konkret: Früher aufhören zu arbeiten und dann das Leben genießen können. Und wie bei kaum einem anderen Thema stehen sich hier die Klasseninteressen offen gegenüber. Die Kapitalverbände fordern die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre, die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich in Umfragen, mit 60 Jahren in Rente gehen zu können. Die Konzernvorstände gehen übrigens im Durchschnitt mit 53 Jahren in Rente.

1891 wurde die Rentenversicherung eingeführt – erkämpft durch streikende und demonstrierende Arbeiter, aber auch von den Herrschenden eingesetzt als Beschwichtigung und Kontrolle der Arbeiterbewegung. Damals lag das Renteneintrittsalter bei 70 Jahren – da wo die Eigentümer von Siemens, Daimler, VW und Deutscher Bank heute wieder hin wollen! 1916 wurde es auf 65 Jahre abgesenkt und 2007 dann durch einen sozialdemokratischen Arbeitsminister auf 67 Jahre angehoben. Es gab übrigens einige hunderttausend Arbeiter, die dagegen in der Arbeitszeit demonstriert, also politisch gestreikt haben, aber durch die Gewerkschaftsführung abgewürgt wurden. Die meisten Arbeiter gehen weiterhin im Durchschnitt mit 61 Jahren in Rente – länger geht es einfach nicht. Deshalb ist die Anhebung des Renteneintrittsalters einfach nur eine drastische Rentenkürzung, weil man enorme Rentenkürzungen in Kauf nehmen muss, wenn man früher in Rente geht. Die deutschen Kapitalisten haben dank CDU/SPD/Grüne besonders drastisch die Renten gekürzt. Beim Verhältnis der Nettolöhne zu den Renten liegt es in Europa an drittletzter Stelle.

Oft wird eingewendet: Die Leute werden ja immer älter und es gibt weniger Junge. Wer soll das bezahlen? Die Lösung ist ganz einfach: Die gestiegene Produktivität ermöglicht auch bei mehr Alten höhere Renten. Das Volkseinkommen (die Summe aller Löhne, Gewinne, Mieten usw.) stieg von 1950 bis 2009 um das 22,5-fache, von 2.007 Euro auf 46.194 Euro pro Erwerbstätigem. Die Zahl der Erwerbstätigen wiederum stieg von 19,6 auf 40,3 Mio. Vom Umfang des gesellschaftlichen Reichtums her wäre es ein Leichtes, allen Rentnern ein auskömmliches Leben zu ermöglichen.

Das Kapital will zugleich auch die Beiträge zur Rentenversicherung kürzen, die nichts anderes als Lohnzahlungen sind. 1986 wurde der Beitrag der Unternehmen auf 10 % eingefroren, das heißt, dass alle zukünftigen Steigungen von den Arbeitern allein getragen werden müssen. Jedes Prozent mehr an die Rentenversicherung würde die Profite um ca. 10 Milliarden Euro schmälern.

Die Kapitalisten wollen die Arbeitskraft ausbeuten und wenn sie nicht mehr ausbeutbar ist, weil sie zu alt ist, wollen sie nichts mehr damit zu tun haben und erst recht nichts bezahlen. Immer größere Teile der Rentenzahlungen werden aus dem Staatshaushalt zugeschossen. Der Betrag liegt bei rund 100 Milliarden Euro. Die Steuern bezahlen aber zu 70 % die Arbeitnehmer – eine schöne Rechnung für die Unternehmer, die sich viel Geld sparen. Aber auch damit sind sie unzufrieden. Das viele Geld, das da in die Rente fließt, will das Kapital lieber für Rüstung, Bankenrettung und vielleicht noch Autobahnbau ausgeben.

All das zeigt: Mit dem Kapital kann es keine „sichere Renten“ geben. Der Zwang zur Steigerung der Profitrate, dazu immer weniger Arbeitskraft einzusetzen – kurz: Die Krisenhaftigkeit des Imperialismus zeigt sich auch daran, dass es den Kapitalisten sogar dann nicht reicht, wenn die Arbeiter ihre Rente fast vollständig aus der eigenen Tasche bezahlen. „Unbrauchbare“ Arbeitskräfte wie Rentner sollen gar keine Kosten mehr verursachen, aber gleichzeitig weiterhin die Produkte der Kapitalisten konsumieren.

Die aktuellen Rentenpakete sind kleine Scheinzugeständnisse, die Müttern ein paar Euro mehr Rente geben und einige kleine Erleichterungen bei der Erwerbsminderungsrente bringen. Dass es sich hierbei um eine Mogelpackung handelt, dürften die meisten schnell erkennen, auch wenn die Kapitalseite protestiert und sich beschwert und auch wenn die Gewerkschaftsführung von „Kurswechsel“ schwärmt und ihre sozialdemokratischen Kumpel in der Regierung umarmt. Der Kurs geht weiter Richtung Rentenkürzung – auch durch erhöhte Steuern auf Renten. Die Zukunft, die das Kapital uns verspricht ist und bleibt Armut für Millionen und Kleingeld zählende Frauen an der Kasse.

Eine Rente, mit der man das Leben genießen kann und nicht nur die Wartezeit bis zum Hospiz ist, kann es erst im Sozialismus geben, wenn die Gesellschaft für ihre Bedürfnisse produziert und plant. Bis dahin muss für wirklich höhere Löhne und gegen die Absenkung der Sozialversicherung gekämpft werden. Darüber hinaus ist die Forderung nach der Altersrente mit 60 ohne Abschläge richtig, auch wenn klar ist, dass die Arbeiterklasse sich deutlich klassenbewusster aufstellen muss, wenn sie das erkämpfen will. Hier sei nur der Kampf innerhalb der Gewerkschaften gegen die Politik der Klassenzusammenarbeit genannt. Auch die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze, die Besserverdiener davor bewahrt, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, ist richtig, genau so wie die Forderung, dass der Arbeitgeberbeitrag nicht eingefroren werden soll und dass private Rentenversicherer nicht mehr staatlich gefördert werden sollen.

Völker, hört die Sammelbewegung?

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Ein Beitrag zur neuen Bewegung „Aufstehen“ und Allem, was dazu gehört

„Aufstehen“ – so lautet der Name einer Idee Sahra Wagenknechts und Oskar Lafontaines (beide Partei die Linke), die sich seit einigen Wochen großer Aufmerksamkeit durch die Medien erfreut. Es geht um eine politische „Sammelbewegung“, die Menschen relativ partei- aber vor allem klassenunabhängig organisieren möchte. Die große – nach bereits länger andauernden innerparteilichen Debatten – Präsenz dieses Projektes in der Presse hängt mit der zur Bewegung gehörenden Website zusammen. Ist sie momentan doch noch nicht mehr als ein Internetphänomen. Die momentan stattfindenden, scheinbar oder auch real hitzig geführten Debatten – weit über die Medien und die Strukturen der Partei die Linke (PdL) hinaus, bis hinein in die außerparlamentarische Linke, die Gewerkschaftsbewegung und einige mehr – haben uns dazu veranlasst, diesen etwas ausführlicheren Hintergrundartikel zu veröffentlichen. Wir wollen Klarheit schaffen, worum es bei der Sammelbewegung und den mit ihr zusammenhängenden Debatten tatsächlich geht und was das für die Arbeiterklasse in Deutschland bedeutet. Ferner wollen wir Handlungsoptionen aufmachen, die aus unserer Sicht und als Antwort auf die beschriebenen Entwicklungen auf die Tagesordnung gehören. Aber der Reihe nach:

Aufstehen“ – wer, was, wie und warum?

Bereits seit einiger Zeit gibt es in der Linkspartei, die 2007 aus einer Fusion zwischen PDS („Partei des demokratischen Sozialismus“) und WASG („Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“) hervorgegangen ist, Debatten über die eigene politische und organisatorische Ausrichtung. Wie ihre Vorgänger auch ist die PdL keine revolutionäre Organisation. Ihre ideologischen und organisatorischen Grundlagen stehen einer revolutionären Praxis grundlegend entgegen. Sie verfolgt nicht das Ziel, den Kapitalismus durch den bewusst geführten Klassenkampf von unten abzuschaffen und den Sozialismus aufzubauen. Stattdessen gibt sie vor, durch einen auf die parlamentarische Ebene fixierten Reformkampf Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen für die breiten Massen erreichen zu wollen. Ihrer programmatischen Grundlage und ihrer politischen Praxis nach ist die PdL also als sozialdemokratische Kraft einzuordnen. Diese Erkenntnis ist festzuhalten, denn auf dieser Grundlage spielten und spielen sich auch die parteiinternen Debatten ab, die mit zur Gründung von „Aufstehen“ geführt haben. Derzeit fallen in der Partei besonders zwei Flügel, mit in der Diskussion unterschiedlichen Standpunkten, auf: zum einen der im Wesentlichen von der Parteivorsitzenden Katja Kipping angeführte, zum anderen der Flügel um die Vorsitzende der Bundestagsfraktion Sahra Wagenknecht. Doch auch wenn bürgerliche Medien diese Flügel gern als die „Parteilinken und -rechten“ betiteln, geht es in den Auseinandersetzungen keineswegs um den grundlegenden Kurs der PdL. Ihre sozialdemokratische Ausrichtung an sich wird nicht oder nur von sehr unbedeutenden Kräften zur Debatte gestellt. Der parteiinterne Streit beschränkt sich auf Fragen des Profils, das man sich geben möchte und daran anknüpfend des Klientels, das man mit diesem oder jenen Themenschwerpunkt, mit dieser oder jener Haltung ‚ansprechen‘ möchte.

So viel zum politischen Kurs in der PdL, der wesentlicher Teil der Vorgeschichte von „Aufstehen“ ist. Die Entwicklung der Sammelbewegung geschah auf Initiative Sahra Wagenknechts und ihrer Anhängerschaft, die schon lange Zeit vorher in der PdL für solch ein Modell plädiert haben. Wagenknecht, die zur Zeit der Konterrevolution ’89/’90 noch offen die DDR und ihre Errungenschaften verteidigte, dann lange Zeit als Galionsfigur der „Kommunistischen Plattform“ in der PdL galt, propagiert heute in Lobreden auf Ludwig Erhardt die „soziale Marktwirtschaft“, möchte eine regierungsfähige Linkspartei und schlägt auch gern mal nationalistische, ausländerfeindliche Töne an („Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht dann eben auch verwirkt“). Doch die Politikerin, deren politische Entwicklung einem Beispiel für Opportunismus aus dem Lehrbuch gleichkommt, ist nicht allein: Neben weiterem Support aus der eigenen Parteiführung (insbesondere Oskar Lafontaine), schillert die Bewegung momentan auch durch die Unterstützung von Vertretern der Grünen und der SPD, wie bspw. durch Antje Vollmer oder den Bundestagsabgeordneten Marco Bülow. Hinzu kommen noch verschiedene Personen des öffentlichen Lebens. Erklärtes Ziel der Bewegung ist es, die Masse der Abgehängten, der prekär Beschäftigten, all die Wütenden, die etwas verändern wollen, zu erreichen. Willkommen seien bei „Aufstehen“ alle Interessierten, egal ob und welcher Partei sie angehören. Ein großes Augenmerk läge auf all jenen vom Parlamentarismus Enttäuschten, den Nicht-(mehr)-Wählenden und sogar denen, die bisweilen in der AfD eine Hoffnung sehen. Diese Menschen zu erreichen und zu organisieren, ist natürlich auch das Ziel der Kommunisten und der klassenkämpferischen Kräfte. Bei „Aufstehen“ geht es jedoch um etwas ganz anderes: „wir wollen neue Mehrheiten in Deutschland und Europa“ (https://www.aufstehen.de/). Diesen Ausspruch kann man tatsächlich wörtlich, bezogen auf die Parlamente – auf das Ziel einer rot-rot-grünen Koalition – verstehen. Denn auch, wenn “Aufstehen“ nach bisheriger Aussage ’nur‘ eine „Bewegung“ und nicht etwa eine neue Partei in der bürgerlichen Parlaments-Landschaft sein möchte, geht es am Ende immer wieder um das Erreichen sozialer Reformen durch den parlamentarischen Apparat. Im Wesentlichen ist dies die Lösung, die man den Massen bietet.

Aufstehen“ – ganz was Neues?

Wie bereits erwähnt, ist die Aufmerksamkeit für „Aufstehen“ groß und die Gründer schaffen es auch ziemlich gut, dem Projekt einen Flair des Aufbruchs und des Neuen inmitten von verkrusteten Verhältnissen zu geben. Aber ist solch eine Bewegung wirklich etwas Neues? Erinnern wir uns zurück: in den 1980er Jahren formieren sich in der BRD aus Teilen der Friedens- sowie der Ökologiebewegung die Grünen. Jung und hipp, mit Turnschuhen und langen Haaren im Bundestag – auch sie genossen den Eindruck in der Bevölkerung, etwas Neues und Alternatives zu sein. In den 90ern dann eine Anti-Globalisierungsbewegung, die für Aufmerksamkeit sorgt, mit dem Bündnis „Attac“ als wohl bekanntestem Vertreter und daneben die PDS, die im Westen aber relativ erfolglos blieb. 2007 bildet sich die Linkspartei, angetreten mit dem forschen Ziel, eine bedeutende gesellschaftliche Kraft links der SPD zu werden. Deutschland, das Land der periodisch wiederkehrenden Bewegungen? Wohl kaum. Auch in anderen Ländern ist immer wieder zu beobachten, wie neue Bündnisse oder Bewegungen einen Aufbruch vom kapitalistischen Elend hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit, Ökologie und Frieden beschwören. „La France insoumise“ (deutsch: „Unbeugsames Frankreich“), die Basis Jean Luc Mélenchons zur französischen Präsidentschaftswahl 2017, die breiten Unterstützerkreise von Bernie Sanders während seiner Kandidatur zum US-Präsidenten 2016, Jeremy Corbyns „Labour Party“, „Podemos“ in Spanien, das griechische Linksbündnis „Syriza“ und dessen Abspaltung „Volkseinheit“ sind nur ein paar der vielen Beispiele für derartige Phänomene. Der Kapitalismus braucht stets geeignete Mechanismen, um die ausgebeuteten und nicht an der politischen Macht teilhabenden Massen – die objektiv überhaupt kein Interesse an seinem Fortbestehen haben – in sein Herrschaftssystem integrieren zu können. Die krassen Widersprüche und Probleme, die die Produktion dadurch hervorbringt, dass sie auf den Profit der herrschenden Klasse orientiert ist, wachsen stetig. Das bedeutet auch, dass sie immer offensichtlicher und spürbarer werden für weite Teile der Bevölkerung. Doch die Bourgeoisie hat Methoden entwickelt, mit denen sich die Wut über die Verhältnisse und die Suche nach Alternativen kanalisieren lässt – in für sie ungefährlichere Bahnen. Soziale und politische Bewegungen, die die realen Missstände zwar thematisieren, aber statt der Abschaffung des Kapitalismus nur seine ‚Verbesserung‘ als Lösung propagieren, sind für solche Fälle ideal. Sie fangen die Enttäuschung der Massen ab und säen Hoffnung auf Veränderungen. Doch der Kapitalismus ist nicht reformierbar. Die bitterste Erfahrung mit diesem Umstand musste in den letzten Jahren wohl das griechische Volk machen. Syriza, das sich selbst als „radikal links“ bezeichnende Bündnis aus verschiedensten griechischen Parteien und Organisationen errang Anfang 2015 mit Alexis Tsipras an der Spitze und in Koalition mit der nationalistischen „ANEL“ die Mehrheit im Parlament und übernahm die Regierung Griechenlands (weiteres zu Syriza, der politischen Entwicklung Griechenland und der Haltung der deutschen Linken findet sich in einem anderen Hintergrundartikel der KO). Der Wahlsieg von Syriza rührt zweifellos aus der Hoffnung auf soziale Veränderungen und einem Kurs fernab von Spardiktaten und Bankenrettung, die das Bündnis mit seinem Wahlantritt in weiten Teilen der griechischen Lohnabhängigen befeuert hatte. Tatsächlich stand aber auch von Anfang an fest, dass Syriza die Rückzahlung der Schulden akzeptieren würde und dass das Bündnis mit seiner Fokussierung auf das Parlament viel mehr zur Schwächung, zur Desorganisierung der Arbeiterklasse, als zu ihrer Stärkung beitragen würde. Es dauerte nicht lange, bis die Folgen dieser neuen Regierung sichtbar wurden: der massive Sparkurs ging weiter, die Krisenauswirkungen hatten nach wie vor das griechische Volk und vor allem die Arbeiterklasse zu tragen, für immer mehr Menschen wurden die Lebensbedingungen nicht nur nicht besser, sondern schlechter und zu einem Austritt aus der imperialistischen EU oder NATO kam es nie. Eine herbe Enttäuschung für die Teile des Volkes, die in Syriza etwas Gutes sahen, ein lohnender Umstand für die griechische Bourgeoisie. Sie konnte so nicht nur die Lasten der eigens verursachten Krise weiter auf den Rest der Bevölkerung abwälzen, sondern noch dazu die Wut und den Protest dagegen mit Hilfe der Regierung Syrizas in ihr Herrschaftssystem integrieren und sich vor möglichen direkten Klassenkonfrontationen schützen.

Es liegt in der Logik der Sozialdemokratie, dass sie die Hoffnungen, die die Menschen in sie setzen, nicht erfüllen kann. Weil die Menschen nicht dumm sind, verstehen sie das natürlich irgendwann und kehren den bestehenden sozialdemokratischen Organisationen den Rücken. Weil die herrschende Klasse trotzdem auf Mechanismen angewiesen ist, um die Unzufriedenheit der Massen einzufangen und unschädlich zu machen, braucht sie auch immer wieder neue reformistische Organisationen, die den Massen die immer gleichen illusorischen Versprechungen in jeweils neuer Verpackung präsentieren. Je tiefer die Krise des Systems, je geringer also die Spielräume für tatsächliche Zugeständnisse des Kapitals an die Arbeiterklasse, desto schneller kommt das ‚Verfallsdatum‘ der reformistischen Bewegungen und Parteien, desto öfter müssen neue Formen zur Systemintegration geschaffen werden.

Aufstehen“ – was sagen die Anderen?

Die Flügel-„kämpfe“ in der PdL wurden im zweiten Absatz bereits kurz angerissen. Während es Sahra Wagenknecht und ihre Anhänger sind, die nun voll und ganz die „Aufstehen“-Bewegung tragen und bewerben, üben andere Teile der Partei – insbesondere der Flügel um Katja Kipping – scharfe Kritik. Zentrale Punkte ihrer Reaktionen sind der Vorwurf der Querfront (aufgrund des Vorhabens von „Aufstehen“, auch z.B. derzeitige AfD-Sympathisanten anzusprechen) und das Abdriften nach rechts, das quasi ‚Überflüssigmachen‘ der PdL selbst, bis hin zur Spaltung der Partei. Außerdem wird ein undemokratischer Ausbau von Wagenknechts Einfluss kritisiert, mit dem Argument, sie selbst würde sich mit ihrer Führungsposition in dieser Bewegung nur profilieren und in Szene setzen wollen. Trotz solcher ‚harten‘ Vorwürfe, ist der Dramatik dieser Debatte innerhalb der PdL nur mäßige Bedeutung zuzuschreiben. Wie weiter oben schon erwähnt, geht es eben nicht um die Frage der grundsätzlichen Ausrichtung oder Strategie der PdL, sondern vor allem um die richtige Ausrichtung für bestmögliche (Wahl)-Erfolge und natürlich für eine zukünftige Regierungsbeteiligung. Auch sind die Vorwürfe, Wagenknecht vollziehe mit ihren Positionen zur Flüchtlingsfrage einen Schwenk nach rechts zwar zutreffend, aber aus dem Munde Katja Kippings vor allem heuchlerisch. Konkret zeigt sich die Verlogenheit dieser Empörung an Kippings Positionierung zu saisonalen Gastarbeitern: anstatt vehement die prekäre Situation von Spargelstechern und anderen aus dem osteuropäischen Ausland kommenden Saisonarbeitern anzuprangern, die meist schwere körperliche Arbeit verrichten müssen und obendrein schlecht bezahlt werden, statt die Verantwortung des deutschen Imperialismus dafür klar zu benennen, wies sie in der Vergangenheit lediglich auf die Unentbehrlichkeit dieser Ausgebeuteten für die deutsche Wirtschaft hin – begründet offene Grenzen also mit kapitalistischer Standortlogik, statt mit Klassensolidarität.

Ein Klassenstandpunkt, den man bei den Debatten in der PdL gänzlich vermisst, findet sich in den umfangreichen Berichten der bürgerlichen Medien über die Bewegung natürlich erst recht nicht wieder. Sie toben sich lediglich in Beiträgen aus, die relativ nichtssagend den innerparteilichen Konflikt wiedergeben, mit inhaltlicher Schlagseite mal in diese, mal in die andere Richtung. Aber so oder so, sie befeuern also die Ablenkungsmanöver, die die PdL mit ihrer Politik für die Arbeiterklasse spielt – indem sie einen großen Konflikt vorgaukeln, wo die wesentlichen Entscheidungen schon längst getroffen wurden. Es ist wichtig zu verstehen, dass beide Flügel der Linkspartei keineswegs die Interessen der Arbeiterklasse vertreten. Während der Pol um Wagenknecht die Arbeiterklasse mit falschen Versprechen über soziale Reformen in die Irre führt und zu ihrer Spaltung in inländische und migrantische Arbeiter beiträgt, ist der Teil der Partei um Katja Kipping oder Dietmar Bartsch noch stärker auf Regierungsbeteiligungen ausgerichtet, verbreitet antikommunistische Propaganda, verteidigt die „Westbindung“ Deutschlands an die EU und die NATO, verharmlost die israelische Besatzungspolitik und propagiert eine „offene Einwanderungspolitik“, um dem deutschen Kapital billige ausländische Arbeitskräfte zu liefern und damit ebenfalls die Arbeiterklasse zu spalten. In einem Aufruf, der den Titel „Solidarität statt Heimat“ trägt, deklarieren sie die Klasse sogar zu einem Teil des Rassismus-Problems – die Klassenfrage wird also komplett verwaschen und die Herrschaft der Bourgeoisie, die Spaltung und Chauvinismus erst sät, in Schutz genommen.

Der Staat als Herrschaft des Kapitals kann eben nicht, wie es „Aufstehen“ anstrebt, im Sinne der Arbeiterklasse umfungiert werden. Deshalb ist dieses Programm zwangsläufig eine Irreführung der Massen und nichts Positives. Die Sozialdemokratie ist auch kein Schritt „in die richtige Richtung“, sondern ein Integrationsmechanismus für den Kapitalismus, der die Arbeiterklasse in das Ausbeutersystem integriert und ruhig stellt. Letzten Endes hat sich die Sozialdemokratie immer als Feind der Arbeiterbewegung erwiesen und alles Revolutionäre bekämpft. Für den Kampf zur Befreiung der Arbeiterklasse muss sich diese unabhängig vom bürgerlichen Staat, dem Kapital und seinen Institutionen organisieren. Dies voranzutreiben ist die Aufgabe der kommunistischen Partei. „Aufstehen“ ist aber das genaue Gegenteil davon und kann von den Kommunisten daher nur negativ bewertet werden.

Aufstehen“ – ein Grund zur Hoffnung?

Für uns ist selbstverständlich, dass wir als Kommunisten die „Aufstehen“-Sammelbewegung weder begrüßen noch irgendwelche Hoffnungen in sie auf Verbesserungen für die Lage der Arbeiterklasse und aller anderen vom Kapitalismus unterdrückten Schichten hegen. Als Marxisten-Leninisten haben wir die eindeutige Einschätzung von der Sozialdemokratie, dass sie – in welcher Form oder Partei auch immer – die objektive Rolle als eine Machtstütze der Kapitalistenklasse innehat. Ihre besondere Bedeutung besteht darin, dass sie Protest und Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen aus dem Proletariat heraus kanalisiert in für die Herrschaft der Bourgeoisie ungefährliche Bahnen. Sie versucht – und das nicht selten erfolgreich – zwar in den Augen der Massen einen kämpferischen, systemkritischen Eindruck zu erwecken, aber in Wirklichkeit sorgt sie gerade dafür, dass die Kämpfe der Arbeiter zahnlos werden. Sie lässt keine Perspektive für den Protest der Unterdrückten gegen die Unterdrückung zu, außer der Integration in das unterdrückerische, d.h. kapitalistische System.

So ist es im Wesentlichen auch mit „Aufstehen“. Sozialabbau, Flüchtlingsproblematik, Enttäuschung über die etablierten Parteien usw. – Wagenknecht und Co greifen die Unzufriedenheit mit den politischen, sozialen und ökonomischen Verhältnissen, die bei immer größeren Teilen der Bevölkerung herrscht, auf und schreiben sich die Veränderung dieser Verhältnisse im Sinne der Massen auf die Fahnen. Das ist genau der kritische, ja kämpferische Eindruck, den sie versuchen von sich zu vermitteln. Was sie nicht sagen ist, dass all diese Probleme und Widersprüche Teil des Kapitalismus sind, dass sie notwendigerweise aus der Fäulnis seiner Produktionsweise erwachsen sind und ohne den Kampf gegen dieses System nicht überwunden werden können. Auf dieser Grundlage schaffen sie es dann auch, in der Arbeiterbewegung die Vorstellung zu säen, die bestehenden Verhältnisse angenehmer, sozialer zu gestalten und dafür zunächst einmal „neue Mehrheiten zu schaffen“.

Für die PdL bedeutet die Sammelbewegung eine weitere Schwächung des sowieso schon marginalisierten antikapitalistischen Flügels. Es gibt so gut wie keine Kräfte mehr, die ein rot-rot-grünes Bündnis ausschließen, dies ist gleichbedeutend mit einem Bekenntnis für die Seite des Kapitals. Nicht durch die Propagierung des Reformismus und die Integration von Protestbewegungen in systemerhaltende Kanäle, denn das war immer schon ihr Charakter. Das Neue besteht darin, dass „Aufstehen“ der Annäherung an SPD und Grüne eine sehr konkrete Form gibt, weshalb die Gründer selbst keinen Zweifel daran lassen, dass es am Ende um eine „rot“-„rot“-grüne Koalition auf Bundesebene geht. Sollte es – weil es im Sinne der herrschende Klasse ist – in Zukunft dazu kommen, bliebe für uns von dieser Regierung erst recht nichts zu hoffen. Der Charakter der Sozialdemokratie kommt natürlich bei einer Regierungsbeteiligung erst recht zum Tragen, sodass sich im Zweifel die arbeiter- und volksfeindliche Politik des Imperialismus noch verschärft. Die Politik des „Links“-Bündnisses Syriza in Griechenland, die wir bereits weiter oben erwähnten, ist dafür ein Paradebeispiel. Und auch bezogen auf Deutschland rufen wir in Erinnerung: Es war die „rot“-grüne Regierung von SPD und Grünen zwischen 1998 und 2005, die den ersten Angriffskrieg der BRD und mit der „Agenda 2010“ den schwersten Angriff auf die Arbeiterklasse durchsetzte. Es ist die SPD, die aktuell einen der größten Rüstungshaushalte der BRD beschloss. Es war die PDS bzw. die Linkspartei, die in allen Landesregierungen, an denen sie beteiligt war, Sparprogramme, Sozialabbau, Abschiebungen, Privatisierungen von sozialem Wohnraum – die Politik des Kapitals insgesamt – mitgetragen und umgesetzt hat.

Zuletzt wollen wir noch einmal unterstreichen, dass „Aufstehen“ bzw. die Politik Sahra Wagenknechts zwar ein Teil des Rechtsrucks in der Linkspartei, aber keineswegs dessen Ursache ist. Die liegt im allgemeinen Streben der Partei, regierungsfähig zu werden, was zwangsläufig das Aufgeben linker Inhalte und erst recht linker Politik beinhaltet. Nahezu alle Aspekte der derzeitigen Gesamtentwicklung in der PdL laufen darauf hinaus: der Wagenknecht gegenüberstehende, aber ebenso imperialismuskonforme Kipping-Flügel; die Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen, das die massive Zerschlagung der noch bestehenden Sozialsysteme zur Folge hätte; die Resolution zum 70. Jahrestag der Gründung Israels als Plädoyer für imperialistische Aggression im Ausland; das schon seit einigen Jahren stattfindende Aufweichen der ursprünglichen Ablehnung aller Kriegseinsätze; die Instrumentalisierung von ‚kriminellen‘ Geflüchteten auf der einen Seite sowie von migrantischen Saisonarbeitern auf der anderen, usw.

AUFSTEHEN UND KÄMPFEN!

Von der neuen Sammlungsbewegung und der Sozialdemokratie insgesamt sind also keine positiven Veränderungen zu erwarten. Damit stellt sich natürlich die Frage nach der richtigen Alternative.

Wir stellen fest, dass die immer stärker werdenden Probleme und Widersprüche, von denen die Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft betroffen ist, notwendiger Bestandteil des kapitalistischen Systems sind. Es ist der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, die Realität, dass die Produktion auf den Schultern von Vielen liegt, jedoch der Zweck dieser Produktion einzig und allein die Erzielung von Profiten für Wenige ist. Wenn wir diesen Widerspruch und mit ihm die gesellschaftlichen Probleme überwinden wollen, müssen wir den Kapitalismus und seine Produktionsweise konsequent abschaffen. Es hilft nicht, auf Verbesserungen innerhalb dieses Systems, noch dazu ‚von oben herab‘ – also in Form von parlamentarischer Stellvertreterpolitik – zu hoffen. Jede Organisierung, jeder Kampf für Reformen, jede Bewegung aus der Arbeiterklasse heraus muss als Ziel die Beendigung der Diktatur des Kapitals vor Augen haben, muss immer mit Blick auf die dem System innewohnenden Widersprüche durchgeführt werden.

Andernfalls werden Illusionen geschürt, gerät die eigentliche Lösung in den Hintergrund. Die Wut und Enttäuschung der Massen wird unschädlich gemacht. Der bewusst geführte Klassenkampf geht verloren, aber die Widersprüche und die volksfeindliche Politik bleiben.

Die sozialistische Revolution ist für die Befreiung der Arbeiterklasse und der Volksmassen, für einen endgültigen Sieg über die Ausbeuterordnung zwingend erforderlich.

Um diese Tatsachen jedoch in den alltäglichen Auseinandersetzungen nicht aus den Augen zu verlieren und um erst einmal wieder die Perspektive des revolutionären Bruchs mit dem Kapitalismus in den Massen zu verankern, braucht es eine Organisation, die die bewusstesten Teile der Arbeiterklasse, ihre Erfahrungen und ihre revolutionäre Kraft in sich fasst. Diese Organisation muss die kommunistische Partei sein. Sie entwickelt eine Strategie, sie ist mit den Massen eng verbunden, sie führt den Kampf um den Sozialismus an und sie schafft auch die breite Organisierung des Volkes in Massenorganisationen und niedrigschwelligen Tageskämpfen.

Es kann und wird keine Verbesserungen für die Arbeiterklasse im Staat der Bourgeoisie geben ohne die unabhängige klassenorientierte Organisierung als Teil einer revolutionären Strategie. Das heißt auch: keine Verbesserungen ohne den konsequenten Bruch mit der Sozialdemokratie in all ihren Formen.

Ihre „Demokratie“ ist unsere Unterdrückung. Ihr Pluralismus ist unsere Vernebelung. Ihre Sammelbewegungen sind unsere Integration – in ihr faulendes System. Schluss damit, schaffen wir erneut eine starke, revolutionäre Arbeiterbewegung – schaffen wir die kommunistische Partei.

Faschisten, Staat und Medien: Hand in Hand für das Kapital!

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Nach dem Aufmarsch von Faschisten in Chemnitz und der Hetzjagd auf Migranten und Linke reagieren die Regierung und die Medien mit Empörung. Das werde auf den Straßen nicht geduldet, der Staat müsse Handlungsfähigkeit zeigen und die Demokraten müssten aufstehen. Wir sollen dem Bild glauben, dass da auf der einen Seite der Mob und auf der anderen Seite der demokratische Rechtsstaat und seine demokratischen Medien stehen. Das ist aber nicht die Realität, es verstellt den Blick darauf, dass Nazis, Staat und die Konzernmedien zusammengehören.

Der Staat

Der Staat baut Faschistenbanden auf, bewaffnet sie und gibt ihnen Handlungsspielraum. Ohne den Verfassungsschutz und die anderen staatlichen Institutionen würde es den NSU nicht geben, genau so wenig wie die unzähligen Kameradschaften, Identitären und Reichsbürger. Während die Polizei massiv gegen antifaschistische Demonstrationen vorgeht, lässt man Neonazis gewähren und überlässt ihnen die Straße. Die AfD wird als neue Sammelpartei der faschistischen Kräfte formiert, bekommt überall Verbreitungsmöglichkeiten und Geld sowie Tipps vom Verfassungsschutz. An ihrer Spitze stehen zahlreiche ehemalige CDU-Politiker, Professoren und Unternehmer. In ihren Reihen finden sich viele Neonazis und Identitäre. Auch sie ist ein Ausdruck für die Einheit der bürgerlichen Kräfte, wozu auch Faschisten gehören.

Die Konzernmedien

Die Konzernmedien verbreiten täglich Hetze und Lügen über Migranten, genau so wie über Arbeitslose und Arme. Sie sind Antreiber der Verrohung, sei es auf plumpe Art wie bei der BILD oder auf intellektuelle Art wie bei der ZEIT. Sie schaffen ein Klima der Angst und der Aggression. Sie sind tatsächlich eine „Lügenpresse“, die täglich daran arbeitet, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht ihre Lage und Interessen erkennt, sondern abgelenkt wird. Wenn die Faschisten von „Lügenpresse“ sprechen, lügen sie damit selbst. Sie behaupten, dass die Medien nicht die Wahrheit über Ausländer sagen und zu positiv über diese Berichten würden. Dabei ist das Gegenteil der Fall: es wird keine Gelegenheit ausgelassen, um falsche Darstellungen über Geflüchtete, Rassismus und Fluchtursachen zu verbreiten. Auch wenn einige Vertreter kritisch daherkommen oder hier und da auch mal eine vernünftige Berichterstattung stattfindet, im Großen und Ganzen verbreiten die Konzernmedien ihre Hetze und geben z.B. der AfD Raum, das auszusprechen, was angeblich nicht gesagt werden darf. Die Faschisten schimpfen auf die „Lügenpresse“, gleichzeitig erzählen sie genau das, was sie ständig von den Konzernmedien vorgesetzt bekommen. Sie sind nichts anderes als die Fußtruppen der „Lügenpresse“.

Faschistische Irreführung

Anstatt die verbreitete Hetze aufzugreifen und die wirklichen Probleme zu benennen, die die Menschen in Deutschland haben, schweigen die Faschisten über niedrige Löhne, zu hohe Mieten, schlechte Lebensbedingungen oder lenken von den Ursachen dieser Probleme ab. Damit stehen sie im Dienste der Kapitalisten und des Staates, die sie angeblich kritisieren.

Es ist ein übles Spiel, das die Bevölkerung verwirren und über verschiedene Wege in das kapitalistische System integrieren soll. Die Verhetzten und Unzufriedenen, die den Faschisten hinterherlaufen, sollen denken, sie würden etwas gegen die Zustände und die Regierung tun. Die Verängstigten und Unsicheren sollen der Regierung glauben und die Illusion hegen, dass sie in einer Demokratie leben. Nun soll ihr Ruf nach dem starken Staat lauter werden. Beide sind aber den Angriffen von Kapital und Regierung ausgesetzt, genauso wie die Arbeiterinnen und Arbeiter, die hierher geflüchtet sind. Ihre Löhne stagnieren, im Alter droht Armut, die Mieten werden unbezahlbar. Der Kampf ums Überleben wird härter und die Angst, auf der Strecke zu bleiben, ist real und täglich auf den Straßen zu sehen.

Wem nutzt die Verhetzung auf der einen und die Heuchelei von Demokratie auf der anderen Seite? Die Menschen, die in Chemnitz und woanders auf die Faschisten hereinfallen, erkennen nicht, dass sie mit der Hetze und dem Hass gegen Fremde die Spaltung vertiefen, die ihnen selbst schadet. Sie sind der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt und empfinden es als Bedrohung, wenn noch billigere Arbeitskräfte ins Land kommen. Der einzige Weg, diese Konkurrenz abzuschwächen, ist gemeinsam gegen diejenigen vorzugehen, die die Löhne kürzen und den Sozialstaat abbauen. Die Kapitalisten wollen die Spaltung, um noch mehr Druck auf alle auszuüben. Wer diese Spaltung unterstützt und aktiv vorantreibt, arbeitet für die Kapitalisten und gegen die eigene Klasse, unabhängig davon, ob die einzelnen Personen das verstehen oder nicht. Die Kapitalisten und ihr Staat wissen das. Deshalb gehen sie nach dem Motto vor: Spalte und herrsche.

Was hilft? Klassenbewusstsein und proletarische Solidarität

Es ist unsere Aufgabe, die Dinge zu benennen wie sie sind. Wenn die Menschen erkennen, dass die Konzernmedien die Wahrheit verschweigen und verbiegen, dann ist es richtig sie als „Lügenpresse“ zu beschimpfen. Was aber wird von der „Lügenpresse“ verschwiegen und verbogen? Zum Beispiel wird verschwiegen, dass der Staat Nazibanden aufbaut, um sie gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, dass die Hartz-Gesetze verabschiedet wurden, um dem deutschen Kapital niedrige Löhne zu bescheren, dass der deutsche Staat die eigene Bevölkerung für die Kriege der Kapitalisten vorbereitet und missbraucht. Das zu sagen, ist einzig und allein die Aufgabe der bewussten Arbeiterinnen und Arbeiter selbst.

Die Wahrheit zu sagen reicht aber nicht aus, wir müssen auch etwas tun. Die vorherrschende Vereinzelung ist der Grund dafür, warum es aber vielen von uns schwerfällt, etwas zu unternehmen, um die Solidarität und den Zusammenhalt zwischen Kollegen und Nachbarn zu stärken. Viele von uns sind unorganisiert und aus diesem Grund handlungsunfähig. Wir müssen einfache Möglichkeiten der Solidarität und des Zusammenkommens, der Diskussion und gemeinsamen Erfahrung schaffen, sei es im Betrieb oder im Wohnviertel. Das sind erste Ansätze, um die Situation zu ändern und den Faschisten ihren Raum für ihre mörderische Propaganda zu nehmen.

Es geht letztlich um den Wiederaufbau einer kämpferischen Arbeiterbewegung, die wirklich die Interessen der Arbeiter vertritt und zwar unabhängig von Herkunft und Nationalität. Diese Bewegung wird all denen eine Perspektive im Kampf bieten, die mit den herrschenden Zuständen unzufrieden sind. Sie wird gleichzeitig auch Strukturen des antifaschistischen Massenselbstschutzes schaffen müssen, um die Bewegung selbst, aber auch andere Menschen aus der Arbeiterklasse vor den Gewalttaten der Faschisten schützen zu können.

Kein Tropfen Blut, keinen Cent für die Kriege der Kapitalisten!

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Wird es wieder einen großen Krieg geben? Das fragen sich heute viele Menschen. Dafür gibt es auch Grund genug: Alte Bündnisse und Allianzen brechen ein, gegenseitige Drohungen, militärische Manöver, massive Aufrüstung sind an der Tagesordnung. Es wird darüber diskutiert, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Unzählige andere Erscheinungen deuten darauf hin, dass ein Krieg möglich ist.

Wer gegen wen Krieg führen wird, wann er ausbrechen wird und aus welchem Anlass, das kann niemand voraussehen. Aber es ist leider eine Gewissheit, dass der Kapitalismus Kriege immer wieder mit Notwendigkeit hervorbringt und dass darin immer auch die Möglichkeit eines großen Weltkriegs enthalten ist. Denn im heutigen Kapitalismus konkurrieren die großen Konzerne weltweit um Absatzmärkte, Rohstoffquellen, Investitionsmöglichkeiten und Transportwege. Die kapitalistischen Staaten kämpfen miteinander darum, für ihre Konzerne ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu erringen. Sie schließen sich dazu in imperialistischen Bündnissen wie der EU oder NATO zusammen und geraten ständig aneinander, so wie aktuell z.B. die USA mit Russland und China. Wir müssen uns also auf neue große Kriege vorbereiten. Eine Hoffnung für die Massen des Volkes kann nur darin liegen, die Ursache der Kriege, nämlich den Kapitalismus selbst zu stürzen. Darauf müssen wir uns vorbereiten, denn von selbst wird sich dieses System nicht abschaffen.

Das wird nur möglich sein, wenn die Arbeiterklasse, d.h. die lohnabhängigen Arbeiter, eigene Kampforganisationen aufbauen, die in den verschiedenen Ländern gegen das Kapital und seinen Staat kämpfen. Nie wieder dürfen sich die Arbeiter verschiedener Länder aufeinander hetzen lassen, um sich gegenseitig für die Profite der Konzerne abzuschlachten, so wie es den Herrschenden 1914, beim Beginn des Ersten Weltkriegs, mithilfe der SPD gelang. Uns trennt nichts von den Werktätigen und Unterdrückten anderer Länder – im Gegenteil haben wir mit dem Kapitalismus unseren gemeinsamen Feind.

Kapitalismus heißt Krieg!

Der Konkurrenzkampf der verschiedenen Staaten miteinander, besonders der industriell hochentwickelten, wird durch die wiederkehrenden Wirtschaftskrisen angetrieben. Krisen gehören ebenfalls zum Kapitalismus wie die Nacht zum Tag. In der Krise wird der Kuchen kleiner, der verteilt werden kann und umso erbitterter kämpfen die verschiedenen Kapitalgruppen und imperialistischen Bündnisse gegeneinander um die Neuaufteilung. Dadurch ist die ganze Welt ein Schauplatz blutiger Konflikte geworden.

Die Widersprüche spitzen sich zu!

Die Auseinandersetzungen zwischen den imperialistischen Mächten nehmen auf allen Ebenen zu. Der Handelskrieg zwischen den USA, der EU und China ist Ausdruck davon. Die Ursachen liegen in der Entwicklung der kapitalistischen Produktion und des Handels in diesen Ländern. Riesige Handelsüberschüsse der einen gehen auf Kosten der anderen.

Die deutsche Industrie hat ein großes ökonomisches Gewicht auf dem Weltmarkt und der deutsche Staat versucht nun, auch auf politischem und militärischem Gebiet eine entsprechend große Macht aufzubauen. Die EU dient der BRD dazu als Instrument. Aber in der EU werden die gegensätzlichen Interessen der kapitalistischen Länder nicht ausgeglichen, sondern eher noch verschärft. Die EU ist also nicht im Interesse der Völker der verschiedenen Länder, sondern hetzt sie im Gegenteil noch gegeneinander auf, wie man auch in den letzten Jahren gesehen hat, wo in Deutschland die nationalistischen Töne gegen angeblich faule Südeuropäer von den Massenmedien gezielt geschürt wurden.

Deutschland will aber auch im Rahmen der NATO seine Möglichkeiten ausnutzen und beteiligt sich an der Bedrohung und Einkreisung Russlands und weitet dabei die militärischen Kapazitäten in Osteuropa massiv aus. Zugleich versucht die BRD, gegenüber Russland nicht einfach nur der Linie der USA zu folgen, sondern die Interessen der deutschen Industriekonzerne zu berücksichtigen und somit eine eigene Herangehensweise zu entwickeln.

Die USA überziehen Russland mit Sanktionen, bedrohen es mit militärischen Manövern und versuchen es mit Krieg in Syrien und anderen Ländern aus diesen Regionen zu vertreiben – allen Treffen zwischen Trump und Putin zum Trotz. Russland wiederum versucht, seinen Einfluss in der Welt zu verteidigen. Die Spannungen zwischen diesen Mächten werden immer gefährlicher.

An allen Fronten zeigen sich die Gegensätze der Imperialisten, sei es im Iran, in Syrien, in der Ukraine, in Lateinamerika oder Ostasien. Daran ändern auch zwischenzeitliche Verhandlungen, Abkommen oder Verträge nichts, sie sind nur Atempausen in diesem Ringen, um sich auf die nächste Runde vorzubereiten.

Ein friedlicher Kapitalismus ist illusorisch!

Eine „Politik des Friedens“ ist im Imperialismus nicht möglich. Hoffnungen auf eine „bessere“ Regierung im Kapitalismus, die es besser machen würde, sind trügerisch und gefährlich. Die Arbeiterklasse darf weder auf eine andere imperialistische Macht wie die EU, Russland oder China als Friedensbringer hoffen, noch auf eine politische Kraft wie die Linkspartei, die ihr einen friedlichen Kapitalismus verspricht. Solche Illusionen halten nur die Bevölkerung davon ab,sich in ihrem eigenen Interesse gegen die Kriegspolitik zu organisieren, während die Regierungen und das Kapital bereits den nächsten Krieg vorbereiten. Die Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die gezielte Verbreitung von Rassismus und Nationalismus durch die Systemparteien und Konzernmedien gehören dazu, genauso wie der Aufbau und selbst die Bewaffnung von faschistischen Banden wie dem NSU. Die Bundeswehr übt die Aufstandsbekämpfung, während die Polizeigesetze verschärft werden und die Geheimdienste weitere Überwachungsmöglichkeiten bekommen. All das dient dazu, den Widerstand gegen ihre Kriegspolitik im Keim ersticken oder militärisch niederschlagen zu können.

Die Arbeiterklasse in Deutschland ist schlecht auf diese Situation vorbereitet. Politisch ist sie vor allem durch die Sozialdemokratie beeinflusst. Die SPD ist schon lange Kriegspartei, während sich die Linkspartei auf direktem Weg dahin befindet: Mit ihrer Bundestagsresolution zu „70 Jahre Israel“ erklärte sie ihre Unterstützung für eine rassistische Kriegs- und Besatzungsmacht. Die Führung des DGB schließlich arbeitet eng mit der Bundeswehr zusammen. All diese Kräfte sind letzten Endes Teil der Kriegsmaschinerie.

Was ist zu tun?

Die allermeisten Menschen wollen Frieden. Aber es reicht nicht, ihn zu wollen. Wir müssen dafür kämpfen. Und weil der Kapitalismus den Krieg in sich trägt, wie die Wolke den Regen, muss der Kampf gegen den Krieg mit dem Kampf gegen den Kapitalismus verbunden sein. Wir müssen uns organisieren und die Spaltungen zwischen den Nationalitäten überwinden. Die einzige wirkliche Spaltung verläuft zwischen den vielen, die jeden Tag ackern müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen und den wenigen, die von der Ausbeutung dieser Arbeit leben, um sich ein Leben im Luxus zu ermöglichen. Wir brauchen eine wirkliche Arbeiterpartei, die aus den Volksmassen heraus entsteht und wächst, den Kampf gegen dieses System anführt und konsequent für eine andere Gesellschaft kämpft, für den Sozialismus.

Eine sozialistische Gesellschaft, in der nicht mehr für den Profit der Wenigen produziert wird sondern für die Bedürfnisse aller, kann nur durch eine Revolution, nur durch den Sturz des heute herrschenden Staates erreicht werden. Eine Revolution in einem oder wenigen Ländern würde die Kriege nicht sofort beenden, aber die Ursache für Krieg, Zerstörung und Ausbeutung würde endlich an der Wurzel gepackt und letztlich beseitigt werden. Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert führten in vielen Ländern zu Situationen, wo die organisierte Arbeiterklasse aufstand und sich weigerte, für die Kapitalisten an der Front zu bluten.

In Deutschland war das 1918 auch der Fall. Die Novemberrevolution konnte von der Armee blutig niedergeschlagen werden, weil viele Arbeiter damals der SPD vertrauten, die sie ohne Zögern verriet. Die Arbeiterklasse hatte in Deutschland ihre eigene Partei, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), viel zu spät während der laufenden Revolution gegründet. Dadurch war sie nicht stark genug, um die Arbeiterklasse im entscheidenden Moment an die Macht zu führen. In den Jahren danach wurde die KPD jedoch zur bestimmenden Kraft des Widerstands gegen Krieg und Faschismus. Bevor ein neuer Raubkrieg möglich war, mussten die Industriellen und Bankiers zuerst die Arbeiterbewegung und die KPD zerschlagen. Zu genau diesem Zweck brachten sie 1933 die NSDAP und Hitler an die Macht. Lernen wir aus der Geschichte. Nutzen wir die ruhige Zeit vor dem Sturm. Bereiten wir uns vor.

Der „Prager Frühling“ in der Tschechoslowakei 1968: Die verhinderte Konterrevolution

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Vor genau 50 Jahren, am 21. August 1968, überschritten Truppen von vier Staaten des Warschauer Vertrags die Grenze zur Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ČSSR). Dabei waren die Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien.

Was war zuvor geschehen, sodass vier sozialistische Regierungen sich entschieden, Truppen in ein anderes sozialistisches Land zu schicken?

Für die bürgerliche antikommunistische Propaganda ist der Fall klar und sie verpasst keine Gelegenheit, die Ereignisse in der ČSSR 1968 für die allgemeine Hetze gegen den Sozialismus auszunutzen: Demnach habe eine Gruppe von kommunistischen Reformern im sogenannten „Prager Frühling“ von 1968 versucht, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu erschaffen. Dadurch hätten sich die Herrschenden im „unmenschlichen“, „diktatorischen“ Sozialismus der Sowjetunion bedroht gefühlt und ihre Armee geschickt, um ihre Herrschaft zu erhalten und jedes andere „Modell“ des Sozialismus zu verhindern. Unbewaffnete Menschen hätten sich den sowjetischen Panzern entgegengestellt, um das neue Sozialismusmodell der ČSSR zu verteidigen. Es ist ein Feuerwerk der Heuchelei: Die, die ansonsten den Sozialismus in Grund und Boden verdammen, entdecken auf einmal ihre Sympathien für den „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Während das Massaker von Paris, bei dem am 17. Oktober 1961 die französische Polizei in unserem Nachbarland mehrere Hundert Demonstranten ermordete, weitestgehend unbekannt bleibt, sind jedes Jahr die Zeitungen voll über den „Prager Frühling“. Während die 70 Jahre andauernde Besatzung Palästinas die bürgerliche Presse nicht stört, wird der kurze Einsatz der Warschauer Pakt-Truppen zum Sinnbild für „Besatzung“ überhaupt hochstilisiert. All diesen Darstellungen ist gemein, dass sie mit Emotionen und Bildern arbeiten, nicht aber mit Fakten und Argumenten. Sie wollen nicht darüber sprechen, was 1968 in der ČSSR wirklich geschah und warum es geschah, sie wollen den Sozialismus als düstere Macht darstellen, die nur durch Waffengewalt gegen die eigene Bevölkerung aufrechterhalten werden konnte.

In dasselbe Horn blasen auch die Linkspartei und verschiedene trotzkistische Organisationen. Die antikommunistische Parteivorsitzende der „Linken“ Katja Kipping unterhält seit Langem eine Zeitschrift mit dem Namen „prager frühling“. Inhaltlich richtet sie sich vor allem gegen den real existierenden Sozialismus: „Mit prager frühling ist Stalinismus, bornierter Avantgardismus und Strickjäckchenspießertum nicht zu machen.“, heißt es im Selbstverständnis. Die Trotzkisten von der SAV und Marx21 stellen den „Prager Frühling“ ebenfalls als Aufbruch zu einem erneuerten, besseren, weil nicht „bürokratischen“ Sozialismus dar. Zwar sei dieser Aufbruch dann leider von den „russischen Panzern“ niedergewalzt worden, aber, so Marx21, „Die positive Erinnerung an die Kämpfe von 1968 und 1989 (!) ist allerdings geblieben.“ (Marx21 2018 ; Interview mit Mirek Voslon).

Auch die MLPD schätzt die Ereignisse nicht wesentlich anders ein: „Das blutig-aggressive Wesen des Sozialimperialismus wurde bei der Invasion und Besetzung der Tschechoslowakei im August 1968 aller Welt offenkundig“, schreibt der MLPD-Begründer und langjährige theoretische Autorität der Partei Willi Dickhut (Dickhut 1988, S. 245).

Die Entwicklung der Konterrevolution in der ČSSR

Die Stellungnahme von Marx21 zieht allerdings völlig zurecht die Parallele zwischen dem Jahr 1968 und dem Jahr 1989. In beiden Jahren mobilisierten in der Tschechoslowakei die antisozialistischen, prokapitalistischen Kräfte zur Machtübernahme und Zerschlagung des Sozialismus. 1989 waren sie dann mit dem erfolgreich, woran sie 1968 noch gescheitert waren.

Die Protagonisten des versuchten konterrevolutionären Umsturzes haben ihre Absichten dabei nur teilweise verheimlicht. Während sie im Allgemeinen die betrügerische Parole eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ vor sich hertrugen, um ihren breiten Massenanhang auf der Straße zu täuschen, sprachen sie bei anderen Gelegenheiten Klartext. Insbesondere gilt das für den stellvertretenden Ministerpräsidenten der ČSSR und gewissermaßen ökonomischen Cheftheoretiker des „Prager Frühlings“, Ota Šik: In einem Interview mit der tschechischen Zeitung „Mladá Fronta“ vom 2. August 1990 bekannte er freimütig: „Auch für manche Reformkommunisten war schon der Gedanke an die Einführung des Privateigentums eine Todsünde. Somit war auch der Dritte Weg ein Täuschungsmanöver. Schon damals war ich überzeugt, dass die einzige Lösung für uns der vollblutige kapitalistische Markt darstellt“ (zit. nach. Bilak 2006, S. 272).

Doch bereits im Oktober 1967 hatte Šik in einem Interview mit der Zeitschrift „Osteuropa“ erklärt: „Die Wiederherstellung von Marktbedingungen ist unser Ziel, und wir werden Schritte in dieser Richtung tun. (…) Wir versuchen, durch Konkurrenz (…) die Unternehmen unter größeren Marktdruck zu setzen.“. Am 10.12.1968 sagte er im Fernsehen: „Wir wollen wirkliche Unternehmer und einen freien Markt“. „Ausländische Investoren können am Profit teilhaben. Wir müssen pragmatisch denken“. Die Frage, ob er das Profitinteresse anerkenne, bejahte er (zit. n. Bading/Martini 1977, S. 32; Opperskalski 2008).

Doch Šik war nicht der einzige. Der Vorsitzende der Staatsbank der ČSSR, Eugen Löbl, referierte im Juli 1968 bei einem Vortrag in Bonn, „dass die ČSSR das marktwirtschaftliche System nie habe verlassen dürfen und dass die ‚Vergesellschaftung des Privateigentums‘ nur eine von vielen Dimensionen sei, nicht weniger etwa als die Revolution im Management oder ähnliches, und keineswegs ein nach Marx allheilendes Remedium“. Der Vorsitzende des tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes und einer der wichtigsten „Reformer“ war Professor Goldstücker. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk antwortete er auf die Frage nach der Rückkehr zu „gewissen Formen“ des Privateigentums an Produktionsmitteln: „Wir sind am Anfang eines großen, nicht kurzen Prozesses, und wir möchten, dass sich in diesem Prozess nicht sofort alles herauskristallisiert. Wir möchten, dass dieser Prozess an die Grenzen seiner Möglichkeiten läuft, wir möchten das Ende offen halten, so lange wie nur irgend möglich“ (alles zitiert nach Bading/Martini 1977, S. 32). Später wurde Goldstücker noch deutlicher. 1990 oder 1991 soll er bekannt haben: „Für uns waren Dubčekund seine Leute nur eine Zwischenlösung, denn direkt – ohne diesen Umweg – eine freiheitlich demokratische Grundordnung zu schaffen, schien uns zu riskant. Aber diese strebten wir an, das war von Anfang an unser Ziel“ (zitiert nach Kukuk 2008). Es bedarf wohl keiner weiteren Erklärung, dass mit der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ nichts anderes gemeint war als eine bürgerlich-kapitalistische „Demokratie“ nach westeuropäischem Vorbild.

Die Memoiren des slowakischen Kommunisten Vasiľ Biľak, der im Verlauf des „Reformprozesses“ dessen konterrevolutionären Charakter erkannte und sich dagegen stellte, geben Aufschluss über die Ereignisse: Im Verlauf des Jahres 1968 trauten sich die antikommunistischen Kräfte in der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei immer offener, im Namen der „Demokratisierung“ die Demontage des sozialistischen Systems zu fordern. Parlamentspräsident Josef Smrkovský forderte im Zentralkomitee, den Schutz der sozialistischen Staatsmacht gegen ihre Feinde zu beenden, indem man alle politischen Organisationen bedingungslos legalisiere. Zdeněk Mlynář, ebenfalls einer der wichtigsten Ideologen des „Prager Frühlings“, forderte, man müsse den Sozialismus vom politischen System trennen, wobei er als Vorbild die westliche bürgerliche „Demokratie“ nannte. Die „Reformer“ verbreiteten damit die illusorische Vorstellung, es könne einen „Sozialismus“ ohne die Macht der Arbeiterklasse geben (Bilak 2006, S. 54). In diese Richtung arbeitete Mlynář schon seit Jahren: Es ging darum, den sozialistischen Staat schrittweise in eine bürgerlich-westliche Demokratie umzuwandeln, die kommunistische Partei damit von der Macht zu verdrängen und die Verteidigungsfähigkeit des Sozialismus gegen die Konterrevolution zu vernichten (Kukuk 2018). Der Generalsekretär der Partei Alexander Dubčekerklärte im Mai ganz offen im Zentralkomitee, dass sein Ziel die schrittweise Zerschlagung des Staates war: „Wir können nicht zulassen, dass die politische Machtstruktur die wir haben, zerschlagen wird, bevor wir sie nicht schrittweise und durchdacht durch eine neue ersetzt haben“ (ebd., S. 85). Im Juli wurde dann im ZK der Austritt aus dem Warschauer Pakt diskutiert und dass man die NATO zur Intervention einladen würde, falls die ehemaligen Verbündeten der sozialistischen Staatengemeinschaft versuchen würden, das zu verhindern. Gegen die Kräfte in der Partei, die sich gegen diese Pläne stellten, wurden Repressionen angekündigt (ebd., S. 110). Die Medien waren weitestgehend von den antikommunistischen Kräften kontrolliert. Es kamen nur noch „Reformer“ und offene Antikommunisten zu Wort, Verteidiger des Sozialismus jedoch nicht (ebd., S. 75). Am 8. August erschien in der Zeitung Literární Listy ein Artikel, der die Politik des Warschauer Pakts mit der Hitlers vergleicht. Die Zeitung Reportér brachte einen weiteren Artikel, der offen die „Liquidierung der absoluten Macht einer bürokratischen Kaste“ forderte (ebd., S. 142). Der Rundfunk begann unterdessen, offen zum Lynchmord an den Kommunisten aufzurufen. Puppen wurden an Galgen aufgehängt, die mit den Namen von Parteifunktionären beschriftet waren, die sich gegen die Konterrevolution stellten (ebd., S. 159). Damit drohten sich die Ereignisse aus dem Jahr 1956 in Ungarn zu wiederholen, als Kommunisten und Staatsbedienstete von der Konterrevolution auf offener Straße gelyncht wurden. In einem Text einer konterrevolutionären Gruppe hieß es: „Ein Gesetz, das wir annehmen werden, muss jede kommunistische Betätigung in der Tschechoslowakei verbieten. Wir werden die Tätigkeit der KPČ (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei) verbieten und die KPČ auflösen“ (zit.n. Opperskalski 2008).

Zu diesem Zeitpunkt hatten die konterrevolutionären Kräfte aber auch im Präsidium und dem Zentralkomitee der Partei, außerdem in der Regierung und im Parlament bereits tendenziell die Mehrheit. Im Juli war nach Einschätzung Biľaks kein einziges Staatsorgan mehr in der Lage, die Konterrevolution zu bekämpfen. Viele Kommunisten im Parteiapparat und der Parteibasis waren stark beunruhigt über die Entwicklungen, besonders im slowakischen Teil des Landes. Zahlreiche Kommunisten und parteilose Anhänger des Sozialismus, aber auch Teile der Armee und Polizei kündigten an, den bewaffneten Widerstand gegen die Konterrevolution aufzunehmen, falls dies nötig werden sollte. Im Sommer 1968 stand die Tschechoslowakei kurz vor dem Bürgerkrieg (Bilak 2006, S. 111ff). Das US State Department schätzte später ebenfalls ein: „dass es zu der sowjetischen Aktion gekommen sei, weil die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei die Kontrolle im Land verloren habe“ (zit.n. ebd., S. 214).

Die Strategie des Imperialismus gegen den Sozialismus

All das entwickelte sich nicht im luftleeren Raum. Der US-Imperialismus verfolgte seit vielen Jahren eine Strategie der Unterwanderung der sozialistischen Staatengemeinschaft, nachdem man verstanden hatte, dass eine militärische Zurückdrängung des Sozialismus vorerst nicht möglich sein würde. Ein wesentlicher Baustein dieser Strategie bestand darin, den Revisionismus in den kommunistischen Parteien aktiv zu fördern. Der reaktionäre US-Stratege Zbigniew Brzeziński stellte das so dar: „Sowohl in moralischer als auch in politischer Hinsicht sollte unsere Politik die ständige Forderung nach nationaler Selbstständigkeit mit dem Bestreben vereinen, die von der Sowjetunion unterstützten kommunistischen Regierungen auf friedlichem Wege in eine Art Sozialdemokratien westlicher Prägung umzuwandeln, die mit der sozialökonomischen Entwicklung Gesamteuropas eng verbunden wären“. Die USA sollten ihrer Meinung nach als Schritt zur Schwächung des sozialistischen Lagers zunächst politische „Diversität“ und Bestrebungen zur „Unabhängigkeit“ von der Sowjetunion fördern, um einen „neutralen Staatengürtel“ um die Sowjetunion zu schaffen. „Schließlich muss die amerikanische Politik sich komplett von dem Eindruck befreien, dass sie in Osteuropa die Wiederherstellung eines Wirtschaftssystems nach westlichem Muster befürwortet“ (Brzeziński/ Griffith 1961, S. 644).

Am 14. Juni 1968 hielt Brzeziński auf Einladung des tschechoslowakischen Außenministers Hajek (!!) einen Vortrag in Prag, bei dem er sehr offen sprach: „Unsere Meinung ist, dass heute, 20 Jahre nach dem Abschluss des Krieges, wieder politische Strukturen an die Öffentlichkeit kommen, die hier schon einmal gewesen sind. (…) Ich sage nochmals, dass wir in New York das was hier geschieht, sehr begrüßen und denken, dass es gerade aus dem Grunde gut ist, weil hier im Grunde genommen die alten Werte in neuer Form realisiert werden“ (zit. n. Opperskalski 2008). Mit den bereits dagewesenen politischen Strukturen meinte der US-Stratege offensichtlich die Rückkehr der kapitalistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei.

Biľak zufolge wurde die konterrevolutionäre Entwicklung auch direkt aus den USA angeleitet. Er berichtet, dass sich Dubčeks Frau Ende Juli in Sorge an ihn gewandt habe, weil ihr Mann mit Konterrevolutionären zusammenarbeitete. Sie habe mitgehört, wie sich František Kriegel, einer der rechtesten Führer des „Prager Frühlings“, mit dem US-Botschafter unterhalten und von ihm Handlungsanweisungen bekommen habe. Diese habe er dann an den Parlamentspräsidenten Smrkovský weitergegeben (Bilak 2006, S. 118).Wie die Sunday Times und Washington Post im August 1968 berichteten, spielten die CIA und der westdeutsche Bundesnachrichtendienst seit dem Februar 1968 mithilfe speziell ausgebildeter Agenten eine zentrale Rolle beim Aufbau oppositioneller Gruppierungen in der Tschechoslowakei. Es sei sogar eine aus 40.000 Mitgliedern bestehende paramilitärische bewaffnete Organisation aufgebaut worden, die im ganzen Land geheime Lager mit Waffen, Ausrüstungen und Druckereien eingerichtet hatten (zit.n. Kukuk 2018). Auf diese Weise wurden die konterrevolutionären Kräfte für den Putsch und den Bürgerkrieg vorbereitet.

Ein zentrales Vehikel für diesen konterrevolutionären Umsturz sollte aus Sicht der US-Strategien die Sozialdemokratie sein. Günter Nenning, in den 1960er Jahren Sekretär der sozialdemokratischen „Sozialistischen Internationale“, schrieb damals: „Der Kommunismus hat Zukunft. Seine Zukunft heißt Sozialdemokratie“ (zit. n. Kukuk 2008). Die Umwandlung der kommunistischen Parteien in sozialdemokratische war somit erklärtes Ziel.

Der ehemalige Präsident des westdeutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz Günther Nollau erinnert sich in seinen Memoiren: „Die KPD war 1956 verboten worden. Im selben Jahr hatte der XX. Parteitag der KPdSU stattgefunden, auf dessen Geheimsitzung Chruschtschow Stalin heftig angegriffen und dadurch dessen System diskreditiert hatte. Intelligente Kommunisten diskutierten damals darüber, welcher Weg nun beschritten werden sollte. War es richtig, den orthodoxen Stalinismus beizubehalten, oder sich im kapitalistischen Bereich der reformerischen Sozialdemokratie anzuschließen?“. Im westdeutschen Geheimdienst habe man rege darüber diskutiert, „wie man diese Diskussionen anregen und für unsere Abwehrzwecke nützen könne. Wir kamen zu dem Ergebnis, eine offene Werbung für die Sozialdemokratie werde es den moskautreuen Kommunisten erleichtern, jeden neuen Gedanken mit dem Etikett ‚Sozialdemokratismus‘ zu versehen und abzulehnen. Einer kam auf die Idee, einen ‚Dritten Weg‘ zu propagieren, einen schmalen Pfad, den zu begehen die Fähigkeit erforderte, zwischen dem orthodoxen Kommunismus und der reformerischen Sozialdemokratie zu balancieren“. Der Geheimdienst gründete also eine Zeitung mit dem Titel „Dritter Weg“, der sowohl den „Stalinismus“, also die sozialistischen Länder, als auch, um keinen Verdacht zu erregen, den Kapitalismus der BRD kritisierte (Nollau 1979, S. 226f). Genau so einen „Dritten Weg“ stellte auch der sogenannte „Reformkommunismus“ oder „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ in der Tschechoslowakei dar. In Wirklichkeit war der „dritte“ Weg natürlich nie etwas anderes als der „erste“, also die Rückkehr zum Kapitalismus.

In der ČSSR bildete sich im Juni ein provisorisches „Zentralkomitee der Sozialdemokratischen Partei“. Die Sozialdemokraten forderten nun die Beteiligung an der Macht und betrieben offen Propaganda für ihre neue Partei. In den Medien wurde die Gründung der neuen Partei begrüßt (Opperskalski 2008; Bilak 2006, S. 61).

Die Haltung der sozialistischen Länder

Die anderen sozialistischen Länder machten die tschechoslowakischen Parteiführer immer wieder auf die enorme Gefahr aufmerksam, in der sich der Sozialismus in der ČSSR befand. Bei einem Gipfeltreffen im März hatten die Führer der verschiedenen Länder dieses Problem umfassend diskutiert und darauf gedrängt, Maßnahmen gegen die Konterrevolution zu ergreifen. Dasselbe wiederholte sich bei einem Besuch Dubčeksin Moskau im Mai. Die Prager Führung tat jedoch nichts dergleichen, sondern befeuerte mehrheitlich die Konterrevolution weiter. Am 15. Juli trafen sich die Sowjetunion, Polen, Ungarn, Bulgarien und die DDR in Warschau, um über die Entwicklung in der ČSSR zu beraten. Die ČSSR war eingeladen, wollte aber schon nicht mehr teilnehmen. Die anwesenden Parteiführer unterzeichneten einen gemeinsamen Brief an das ZK der KPČ, in dem sie erneut ihre tiefe Besorgnis aussprachen und eindringlich zu Gegenmaßnahmen gegen die Konterrevolution aufriefen: „Seht Ihr denn diese Gefahr nicht, Genossen? Kann man denn in dieser Situation passiv bleiben, sich nur auf Deklarationen und Versicherungen der Treue zum Sozialismus und zu den Bündnisverpflichtungen beschränken, ohne konkrete Schritte zu unternehmen? Seht Ihr denn nicht, daß Euch die Konterrevolution eine Position nach der anderen entreißt, daß die Partei die Kontrolle über den Verlauf der Ereignisse verliert und immer mehr vor dem Druck der antikommunistischen Kräfte zurückweicht?“ hieß es in dem Brief.

Man könne „nicht damit einverstanden sein, daß feindliche Kräfte Ihr Land vom Weg des Sozialismus stoßen und die Gefahr einer Lostrennung der Tschechoslowakei von der sozialistischen Gemeinschaft heraufbeschwören. Das sind nicht mehr nur Ihre Angelegenheiten. Das sind die gemeinsamen Angelegenheiten aller kommunistischen und Arbeiterparteien und aller durch Bündnis, durch Zusammenarbeit und Freundschaft vereinten Staaten“.

Und schließlich: „Nach unserer Überzeugung ist eine Situation entstanden, in welcher die Bedrohung der Grundlagen des Sozialismus in der Tschechoslowakei die gemeinsamen Lebensinteressen der übrigen sozialistischen Länder gefährdet. Die Völker unserer Länder würden uns ein gleichgültiges und sorgloses Verhalten zu einer solchen Gefahr niemals verzeihen“ (Brief der Warschauer Gipfelkonferenz an Prag vom 15. Juli 1968). Damit kündigten sie bereits an, einer Rückkehr der ČSSR zum Kapitalismus nicht einfach tatenlos zusehen zu wollen.

Auch viele einfache Kommunisten und Bürger in den benachbarten sozialistischen Ländern teilten die Sorgen ihrer Parteiführungen und Regierungen. In der DDR veröffentlichte die Zeitung Neues Deutschland am 19. Juli zahlreiche Briefe, die ihre Zustimmung zum offenen Brief der Warschauer Gipfelkonferenz bekundeten. Eine Gewerkschaftsgliederung aus Berlin schreibt z.B. „Auch uns erfüllt die gegenwärtige Entwicklung in der ČSSR mit großer Sorge, weil sie nicht nur eine Bedrohung der Grundlagen des Sozialismus in der Tschechoslowakei, sondern auch der gemeinsamen Lebensinteressen der übrigen sozialistischen Länder darstellt.“. Ein Parteisekretär einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft schrieb: „Wir haben jeden Erfolg der Werktätigen in der ČSSR als unseren eigenen Erfolg angesehen (…). Deshalb können und werden wir es nicht zulassen, daß der Imperialismus diese Errungenschaft antastet und ein Stück aus dieser Gemeinschaft herausbricht.“ (Neues Deutschland 19.7.1968).

All diese, von ehrlicher Sorge getragenen Aufforderungen wurden von der rechtsopportunistischen Mehrheit der Parteiführung ebenso in den Wind geschlagen wie die Warnungen der marxistischen Kräfte in der KPČ um Gustáv Husák, Alois Indra undVasiľ Biľak. Schließlich entschlossen sich einige der Staaten des Warschauer Vertrags zur bewaffneten Intervention – als letztes Mittel, um die Konterrevolution doch noch zu verhindern. Am 21. August überschritten die Truppen die tschechoslowakische Grenze, um die Ordnung wiederherzustellen. Die „Reformer“ verhielten sich alles andere als friedlich: Etwa 100 Bürger der ČSSR und 58 Soldaten der sozialistischen Länder kamen bei den Auseinandersetzungen ums Leben (Bilak 2006, S. 168). Allein dieses Zahlenverhältnis zeigt, dass es sich entgegen der antikommunistischen Propaganda nicht um die brutale Niederschlagung friedlicher Proteste durch die Armee handelte, sondern um Auseinandersetzungen mit bewaffneten antisozialistischen Kräften.

Die militärische Intervention beendete nicht sofort das Wirken der Konterrevolution, da sie auch nicht den Sturz der Regierung zum Ziel hatte, sondern nur die antikommunistischen Dynamiken unter Kontrolle bringen wollte. Sie gab dadurch aber den marxistischen Kräften in der KPČ den notwendigen Spielraum, um ihre Kräfte zu mobilisieren und das Land wieder auf den Kurs des Sozialismus zu bringen. Im April 1969 errangen diese dann einen wesentlichen Sieg: Der opportunistische Generalsekretär Alexander Dubček wurde von seinem Posten entfernt und durch Gustáv Husák ersetzt.

Schlussfolgerungen

Jede einigermaßen unvoreingenommene Prüfung der Fakten muss zu dem Schluss kommen, dass es sich beim sogenannten „Prager Frühling“ um eine ausgewachsene Konterrevolution handelte, die nur durch das Eingreifen der Staaten des Warschauer Pakts verhindert wurde. Aus kommunistischer Sicht war dieses Eingreifen daher alternativlos und richtig. Es war ein legitimer Akt der Selbstverteidigung gegen die antisozialistische Strategien der westlichen Imperialisten und der einheimischen Konterrevolution, aber auch ein Akt des proletarischen Internationalismus. 58 Soldaten anderer Länder bezahlten mit ihrem Leben dafür, dass die Tschechen und Slowaken weitere 20 Jahre im Sozialismus leben konnten. Die Alternative wäre gewesen, dass die ČSSR zum Kapitalismus zurückgekehrt wäre und die Errungenschaften der Arbeiterklasse weitgehend vernichtet worden wären. In das Verteidigungssystem der sozialistischen Staaten wäre eine große Bresche geschlagen worden und es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die NATO in diese Bresche eingedrungen wäre – denn dass sie keinerlei Absicht hatte, irgendeines der Versprechen über „Neutralität“ der osteuropäischen Länder zu halten, kann man seit den 90er Jahren sehen. Der „Prager Frühling“ war daher vonseiten der konterrevolutionären „Reformer“ ein äußerst gefährliches Spiel, das die Spannungen zwischen NATO und Warschauer Vertrag massiv erhöht und die Welt an den Rand des Atomkriegs hätte bringen können.

Gleichzeitig waren die Ereignisse auch in mindestens zweifacher Hinsicht tragisch: Es war tragisch, dass viele Tschechoslowaken zwar irgendwie diffus für den Sozialismus waren, aber sich unter der Parole des „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ versammelten und sich somit von den prokapitalistischen Kräften vor den Karren spannen ließen, um den Sozialismus zu demontieren. Der KPČ war es nicht gelungen, diese Menschen dauerhaft für das real existierende sozialistische System zu gewinnen, sodass reale gesellschaftliche Probleme schnell zum Anlass wurden, dem ganzen System den Rücken zu kehren. Der „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ war jedoch im Kern immer eine antikommunistische Parole gewesen, weil er auf einem massiv verzerrten und von bürgerlicher Propaganda durchsetzten Bild des existierenden Sozialismus ausging – dieser wurde ja implizit damit als „unmenschlich“ diffamiert, was weder der komplexen Realität des sozialistischen Aufbaus ansatzweise gerecht wurde, noch eine irgendwie konstruktive Kritik an Fehlern und Mängeln des sozialistischen Systems war. Der genauere Blick auf das Konzept dieses „Sozialismus“ anhand der Äußerungen seiner Vertreter enthüllt dann auch, worum es dabei eigentlich ging: Maximal um einen sozialstaatlich regulierten Kapitalismus, ohne Macht der Arbeiterklasse und Führung durch die kommunistische Partei.

Viele der Demonstranten glaubten sicherlich trotzdem, für einen besseren Sozialismus zu kämpfen, während die maßgeblichen Kräfte die Weichen längst in eine ganz andere Richtung stellten – einige von ihnen bezahlten ihre Illusionen mit dem Leben. Viele von ihnen verstanden gar nicht, weshalb die Verbündeten intervenieren mussten, wie zahlreiche Episoden über wütende Diskussionen zwischen Soldaten und Bürgern belegen.

Zweitens liegt die Tragik des Jahres 1968 aber auch darin, dass zwar durch das militärische Eingreifen der Sozialismus vorerst gerettet werden konnte, aber die gewonnene Zeit nicht genutzt wurde, die vorhandenen Probleme zu lösen. Insbesondere wurde der Revisionismus, das Eindringen bürgerlicher Ideologie in die kommunistischen Parteien, nur in seinen offensten Erscheinungsformen bekämpft, nicht jedoch grundlegend. Die Verbreitung revisionistischer Auffassungen in den kommunistischen Parteien nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders seit dem 20. Parteitag der KP der Sowjetunion 1956 hatte die Konterrevolution in der ČSSR ideologisch erst vorbereitet. Dieser Prozess wurde 1968 aber nicht gestoppt, sondern nur in einem Land zurückgeworfen. Vorstellungen, die dem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ ähnelten, wurden in Teilen der kommunistischen Parteien weiterhin vertreten. Deshalb waren die Entwicklungen in der ČSSR 1968 eine ziemlich exakte Blaupause für das, was zwei Jahrzehnte später in der Sowjetunion und anderswo passieren würde. Auch dort traten die prokapitalistischen Kräfte zunächst unter der Parole einer „Erneuerung“ des Sozialismus, gar einer „Rückkehr zu Lenin“ auf. Gemeint war damit aber nie eine Vertiefung des sozialistischen Charakters der Produktionsverhältnisse, sondern ihre Unterminierung und schließlich Aufhebung.

Schließlich war die Diskussion um die Intervention in die ČSSR auch ein Prüfstein für alle kommunistischen Parteien. Diejenigen unter ihnen, in denen rechtsopportunistische Positionen schon am stärksten Fuß gefasst hatten, verurteilten die Intervention. Das ist nachvollziehbar, schließlich richtete sie sich gegen die Folgen der Sozialdemokratisierung der kommunistischen Parteien, von der sie selbst auch erfasst waren. Das galt vor allem für die KPen Italiens und Frankreichs. Die KP Chinas und die Partei der Arbeit Albaniens, die Anfang der 60er mit der Sowjetunion gebrochen hatten und ihre Führung als revisionistisch ansahen, verhielten sich allerdings nicht besser. Albanien nutzte die Intervention aus, um endgültig aus dem Warschauer Vertrag auszutreten und rief allen Ernstes die Bevölkerung zum bewaffneten Widerstand auf. Die KP Chinas nannte die Niederschlagung der Konterrevolution einen „schamlosen Akt“ und stellte die Sowjetunion auf eine Stufe mit den USA (Spiegel 26.8.1968). Beide Parteien zeigten damit, dass die Stoßrichtung ihrer Kritik am Opportunismus der Sowjetführung selbst opportunistisch war und dem Imperialismus in die Hände spielte. Sie gingen damals, ebenso wie heute die MLPD und andere Gruppen, von der unwissenschaftlichen und nichtmarxistischen Auffassung aus, in der Sowjetunion und den sozialistischen Ländern Osteuropas sei der Kapitalismus als „Staatskapitalismus“ bereits wiederhergestellt worden. Somit konnten sie den konterrevolutionären Charakter der Entwicklungen in der ČSSR gar nicht mehr erkennen, da es aus ihrer Sicht dort gar keinen Sozialismus mehr gab, den man hätte verteidigen können. Mit der Realität hatten solche Vorstellungen jedoch nie viel zu tun.

Aufgabe der Kommunisten ist es heute, der bürgerlichen und opportunistischen Geschichtsfälschung in Bezug auf den sogenannten „Prager Frühling“ entgegenzutreten und auf die historische Wahrheit zu pochen: 1968 stand in der ČSSR ein großer Sieg der Konterrevolution und des westlichen Imperialismus unmittelbar bevor und nur das Eingreifen der sozialistischen Länder hat ihn verhindert – mit allen katastrophalen Folgen, die er für die tschechoslowakische und europäische Arbeiterklasse gehabt hätte.

Literatur:

„40 Jahre ‚Prager Frühling‘“, Interview mit Mirek Voslon, online: https://www.sozialismus.info/2008/04/12602/

Bading, Lothar / Martini, Klaus 1977: Angriffsziel Sozialismus. 2. Folge: Der demokratische Sozialismus und die ČSSR, Rote Blätter 7. Jg., Nr. 5, Mai 1977.

Bilak, Vasil 2006: Wir riefen Moskau zu Hilfe. Der „Prager Frühling“ aus der Sicht eines Beteiligten, Das Neue Berlin.

Brief der Warschauer Gipfelkonferenz an Prag vom 15. Juli 1968, online: https://www.herder-institut.de/no_cache/bestaende-digitale-angebote/e-publikationen/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/1363/details.html

Brzezinski, Zbigniew/ Griffith, William E. 1961: Peaceful Engagement in Eastern Europe, Foreign Affairs, Vol. 39., No. 4, S. 642-654

Dickhut, Willi 1988: Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion, Neuer Weg Verlag und Druck GmbH Düsseldorf

Kukuk, Klaus 2008: Demokratisierung oder Konterrevolution? „Prager Frühling“: Hintergründe, Zusammenhänge, Langzeitwirkungen, online: http://www.dkp-online.de/uz/4034/s1501.htm ; http://www.dkp-online.de/uz/4035/s1501.htm

Kukuk, Klaus 2018: Keine angenehme Wahl, junge Welt vom 20.8.2018

Marx21 2018: Aufbruch 1968. Der Prager Frühling, online: https://www.marx21.de/aufbruch-1968-der-prager-fruehling/ ;

„Neues Deutschland“ vom 19.7.1968

Nollau, Günter 1979: Das Amt. 50 Jahre Zeuge der Geschichte, Wilhel m Goldmann Verlag, München.

Opperskalski, Michael 2008: ČSSR 1968 – kein „Prager Frühling“, sondern konterrevolutionärer Winter, Offen-siv 09/08.

„Tschechoslowakei/Sowjeteinmarsch“, Spiegel 26.8.1968, online: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45954078.html

Kindergeld für EU-Ausländer kürzen heißt Lohnkürzung für alle

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Die Debatte über die Kindergeldzahlungen an Kinder von EU-Ausländern, die in Deutschland arbeiten, deren Kinder aber im Ausland leben, ist neu entbrannt. Seit Jahren versucht die deutsche Regierung, die Zahlungen für die Kinder, die im Ausland leben zu reduzieren. Stets ist die öffentliche Auseinandersetzung mit Schreckensbildern von Roma und Sinti verbunden, die angeblich massenweise organisiert Sozialbetrug begehen würden. Der Oberbürgermeister von Duisburg, Sören Link (SPD), zeichnete das Bild von den vielen Roma, die dafür verantwortlich seien, dass es mehr Ratten gebe. Diese rassistische Hetze soll dafür sorgen, dass wir alle denken, man muss die Sozialleistungen für diese Menschen kürzen, dann würden unsere Lebensbedingungen verbessert. Das ist eine Falle. Anstatt unsere Lebensbedingungen zu verbessern, werden sie für einen Teil von uns sofort verschlechtert. Und die Menschen, die eh schon benachteiligt sind, werden zur Zielscheibe von Hass und nicht selten Gewalt. Nachhaltig wirken sich solche Maßnahmen als Lohnspirale nach unten aus. Das ist wohl das eigentliche Ziel, dass der Klassengegner, die Kapitalisten, damit verfolgen.

Aber zuerst zu den Fakten

Die allermeisten Arbeiter aus den EU-Ländern, die hier dauerhaft sind, leben mit ihren Kindern hier in Deutschland. Der kleinere Teil der Arbeiter kommt als Saisonarbeiter hierher oder pendelt. Es ist die Rede von etwa 268.000 Kindern, für die das Kindergeld gekürzt werden soll. Schauen wir uns das genauer an: zirka 31.000 Kinder sind von Deutschen, die im Ausland leben. Insgesamt wird an EU-Ausländer für zirka 1 Million Kinder Kindergeld bezahlt, von denen 236 000 im Ausland leben. Von rumänischen Arbeitern, die in Deutschland arbeiten, leben 138.000 Kinder in Deutschland, nur 19.000 im Ausland, bei Bulgaren leben 84.000 Kinder in Deutschland, nur 6700 leben im Ausland. Der größte Teil der im Ausland lebenden Kinder kommt mit etwa 117.000 aus Polen. Das kommt daher, dass polnische Arbeiter überwiegend pendeln oder Saisonarbeiter sind. Mit der Hetze gegen Roma und Sinti werden also eigentlich Polen getroffen. Mit der Kürzung des Kindergelds für diese Arbeiter wird die Armut in den Heimatländern verschärft und damit die soziale Lage eines nicht kleinen Teils der Arbeiterklasse dort und hier verschlechtert.

Warum kommen die Menschen hierher zum Arbeiten?

Die hohe Arbeitslosigkeit in den osteuropäischen Ländern, die schlechten Arbeitsbedingungen für die Arbeiter und die besonders schlechte Lage der Roma und Sinti, die als Elend zu bezeichnen ist, ist der Grund dafür, dass die Arbeiter gezwungen sind z.B. nach Deutschland zum Arbeiten zu kommen. Die deutschen Unternehmen profitieren nicht nur von den niedrigen Löhnen in Osteuropa, wo sie zu diesen schlechten Bedingungen Autos und andere Waren produzieren lassen, die sie dann teuer verkaufen. Der Profit fließt nach Wolfsburg oder in andere Konzernzentralen. Sie profitieren auch hier von den vielen migrantischen Arbeitern, die aufgrund ihrer schlechten Lage gezwungen sind, die niedrigen Löhne zu akzeptieren.

Kindergeld: staatlich geförderte Lohnsenkung

Kindergeld ist eine staatliche Leistung zur Versorgung und Betreuung von Kindern. Sie wird aus Steuergeldern bestritten, die zu über 70 Prozent von den Lohnabhängigen selbst erbracht werden. Die Versorgung und Betreuung ist aber eigentlich Bestandteil des Lohns, denn dieser bemisst sich daran, was die Arbeiter zum Leben brauchen und dazu gehört auch die Versorgung ihrer Kinder, genauso wie Miete, Lebensmittel, Mobilität und anderes. Ohne Kinder keine Arbeitskräfte in der Zukunft. Da die Unternehmen aber nicht bezahlen wollen, übernimmt das ihr Staat. Das ist nichts anderes als eine Art Kombilohn. Damit sparen die Unternehmen und können die Löhne niedrig halten. Für die Bevölkerung wird das als Leistung des Staates verkauft, aber eigentlich finanzieren zum großen Teil die Lohnabhängigen selbst das Kindergeld und die Kapitalisten sparen an Lohn. Das Geld, das durch die Kürzung des Kindergelds im Staatshaushalt eingespart werden würde, würde nicht der Arbeiterklasse zu Gute kommen, sondern für Bedürfnisse der Kapitalisten – Rüstung, Unternehmenssubventionen, etc. – ausgegeben werden.

Warum zahlen nicht die Kapitalisten?

Im Kapitalismus kommt es unweigerlich zu sinkenden Profitraten. Der Grund dafür ist, dass die Entwicklung der Produktion dazu führt, dass weniger Arbeitskraft nötig ist. Profite können aber nur aus der Ausbeutung der Arbeitskraft geschlagen werden. Große Produktionsanlagen für die viel Kapital aufgewendet werden muss, schaffen von sich aus keinen Mehrwert. Um dem entgegen zu steuern, streben die Kapitalisten danach, die Löhne ständig zu senken. Die durchschnittliche Lohnhöhe in Deutschland ist bereits so niedrig, dass ohne solche Extrazahlungen die Versorgung von Kindern nicht mehr bestreitbar wäre. Sogar mit Kindergeld ist das für viele ein großes Problem. Daran ist der faulende Charakter des Kapitalismus erkennbar, er ist nicht in der Lage, den Erhalt der Gesellschaft zu sichern. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Kindergeld in Deutschland relativ hoch, was ein Zeichen für niedrige Löhne ist. Rund 25% aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor, das heißt sie verdienen zwei Drittel oder weniger des mittleren Stundenlohns, der 2014 bei 16,70 Euro lag.

Kürzungen treffen die gesamte Arbeiterklasse

Für EU-Ausländer ist das Kindergeld ebenso wie für deutsche Arbeiter ein Lohnzusatz zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Wenn also die Zahlungen gekürzt werden, wird das Einkommen von einem Teil der Arbeiterklasse gesenkt und damit Druck auf alle Löhne ausgeübt. Denn je schlechter die Einkommensverhältnisse eines Teils der Arbeiterklasse sind, desto mehr Arbeiter sind dazu gezwungen, zu niedrigen Löhnen zu arbeiten. Die Kapitalisten können dann mit Verweis auf diejenigen mit niedrigeren Lohnerwartungen auch die Löhne derjenigen senken, die bis dahin dachten, sie wären von Kürzungen verschont geblieben. Kürzungen sind also ein Angriff auf alle Arbeiter, denn die Konkurrenz unter den Arbeitern wird erhöht und davon profitiert nur die Kapitalistenklasse.

Was ist zu tun?

Wir müssen die Angriffe und die Hetze gerade gegen die gesellschaftlich schwachen Arbeiterinnen und Arbeiter abwehren und nicht zulassen, dass unsere Klasse gespalten wird. Die Kapitalistenklasse geht nach folgender Devise vor: spalte und herrsche. Nur wenn wir erkennen, dass jede Spaltung, jeder Angriff von oben sich gegen uns alle richtet, dann können wir der Lohnspirale und den Sozialkürzungen Einhalt gebieten. Damit wird das Gesamtproblem nicht gelöst, aber wir können die Angriffe auf unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen etwas abwehren.

Die Aufgabe der Kommunisten ist es, ihre Erkenntnisse, Erfahrungen und Organisationen der Arbeiterklasse für diesen Kampf zur Verfügung zu stellen. Nur wenn wir den Zusammenhang zwischen der Lohnkürzung und der staatlichen Lohnsubvention – zum Beispiel durch das Kindergeld – benennen, können wir Vorhaben, wie jetzt die Angriffe auf das Kindergeld von EU-Ausländern, mit den richtigen Waffen bekämpfen.

Offener Brief an Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP

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Lieber Genosse Patrik,

beim Lesen deines Reiseberichts aus China1 Anfang Juli war ich durchaus erstaunt – ich hätte nicht erwartet, dass du und damit die Parteiführung der DKP so zügig nach dem Parteitag in dieser für die DKP heiklen Frage klare Position beziehst. Doch damit hast du einen Schritt getan, der meines Erachtens schon lange überfällig war. Du hast deine Vorstellungen klar auf den Tisch gelegt: China, ein Land „mit sozialistischer Orientierung“ mit einer führenden Kommunistischen Partei, die die Solidarität aller Kommunisten verdient. Als Kommunist muss ich dieser Aufforderung zur Solidarität eine entschiedene Absage erteilen – denn weder halte ich China für ein Land „mit sozialistischer Orientierung“, noch halte ich die KP Chinas tatsächlich für eine Kommunistische Partei im Leninschen Sinne. Einige Argumente für meine Position finden sich im Artikel von Thanasis Spanidis2 – selbstverständlich steht aber in Zukunft noch eine umfassendere Auseinandersetzung mit der Rolle Chinas im imperialistischen Weltsystem aus. Als KO wollen wir uns dieser Auseinandersetzung im Klärungsprozess widmen.

Bitte verstehe diesen Offenen Brief nicht als Angriff auf die DKP sondern als Diskussionsangebot. Ich nehme im Folgenden kein Blatt vor den Mund – das tue ich, damit mein Standpunkt und meine Kritik klar und offen zutage tritt. Denn ich meine, dass nur so in der Diskussion um den letztlich richtigen Standpunkt gerungen werden kann.

Solidarität mit wem?

Zweifelsohne gilt meine Solidarität jedoch der chinesischen Arbeiterklasse und allen Unterdrückten in China. Daher werde ich stutzig, wenn ich bei dir im ersten Teil des Reiseberichts lese: „Es war ungewohnt, dass dort [auf einer Konferenz] auch hochrangige Manager bzw. Besitzer privatkapitalistischer Konzerne auftraten – sicher mindestens vielfache Millionäre –, um zu betonen, wie wichtig die führende Rolle der kommunistischen Partei für ihr Business sei. Mein Eindruck: Die KP hat die führende Rolle und es gibt derzeit keine relevante gesellschaftliche Gruppe oder Klasse, die diese führende Rolle infrage stellt – auch nicht die existierende Kapitalistenklasse. Diese hat sich derzeit, so mein Eindruck, darauf eingelassen und damit arrangiert, nicht die herrschende Klasse zu sein. Natürlich tut sie das auch, weil sie ökonomisch von der derzeitigen Situation profitiert – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Abgesehen davon, dass ich es nicht nur „ungewohnt“ fände auf einer Konferenz einer regierenden kommunistischen Partei den Klassenfeind höchstpersönlich als geladenen Redner und nicht auf der Anklagebank anzutreffen, fiel mir vor allem Folgendes auf: Du beschreibst, dass die zweifellos in China existierende Kapitalistenklasse von der Politik der KPChs profitieren würde und daher die führende Rolle der KPChs nicht infrage stellen würde. Ja warum sollte sie denn auch? Du bringst hier eigentlich selbst das wesentliche Argument, warum es sich bei China eben nicht um ein Land „mit sozialistischer Orientierung“3 handelt. Dass es sich bei der VR China um ein kapitalistisches Land handelt, dafür spricht die Teilnahme von hochrangigen Managern an Konferenzen ebenso, wie die Tatsache, dass hochrangige Parteifunktionäre selbst immenses Vermögen angehäuft haben und Vorstandsposten in den großen privaten chinesischen Konzernen innehaben. Deine Schlussfolgerung, dass die Kapitalistenklasse sich „darauf eingelassen und [damit] arrangiert hat, nicht die herrschende Klasse zu sein“, legt nahe, dass du keine tiefere Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse in China bemühst, sondern getreu der Selbstdarstellung der chinesischen KP folgst.

Diese Selbstdarstellung der KPCh basiert insbesondere auch auf der Behauptung, die Kontrolle über die Ausdehnung kapitalistischer Beziehungen in der Ökonomie wahren und damit langfristig Voraussetzungen für einen „entwickelten“ Sozialismus schaffen zu können. Statt den Sozialismus mit aller Macht durch die Ausweitung sozialistischer Beziehungen in der Ökonomie faktisch auf die Tagesordnung zu setzen, behauptet man eine „sozialistischen Orientierung“. Irgendwann wird man ihn wohl schon erreichen. Ohne Zweifel hält die KPCh die politische Macht in China in ihren Händen – das bedeutet aber keinen notwendigen Widerspruch zur Herrschaft des Kapitals in China.

Diktatur des Proletariats?

Genau diesen Widerspruch behauptest du aber, wenn du im zweiten Teil deines Berichts explizit schreibst: „Zum Kurs der Produktivitätserhöhung, der Armutsbekämpfung, der Verbesserung der Daseinsvorsorge für die Menschen, des Umweltschutzes gibt es, glaube ich, keine Alternative. Ebenso bin ich mir relativ sicher, dass dies ohne die Reform- und Öffnungspolitik nicht gegangen wäre. Aber: Natürlich lässt das Kapitalismus ins Land, natürlich stimmt es, dass Kapitalismus Kapitalismus produziert, und es hat sich eine Kapitalistenklasse gebildet, die natürlich auch ihr Bewusstsein produziert und reproduziert. Dem steht aus meiner Sicht die führende Rolle der kommunistischen Partei gegenüber. Das ist die derzeitige Form, in der die Arbeiterklasse die Macht ausübt.“

Leider führst du an keiner Stelle im Bericht die Argumente dafür an, warum es sich bei der führenden Rolle der KPCh um die Form der Diktatur des Proletariats handeln sollte. Es scheint, als genüge es dir im Wesentlichen, dass die KPCh sich selbst noch als „kommunistisch“ bezeichnet, überall Hammer & Sichel zu sehen ist und die Partei die „marxistische Weltanschauung“ verbreitet. Gerade bei diesem letzten Argument gerate ich ins Zweifeln: Was versteht die KPCh unter „marxistischer Weltanschauung“? Eine Weltanschauung, die im Statut der KPCh gleichwertig neben den „Mao-Zedong-Ideen“, der „Deng-Xiaoping-Theorie“, den Ideen des „Dreifachen Vertretens“ und nun auch den „Xi-Jinping-Gedanken“ steht? Es geht mir sicherlich nicht darum, mich über irgendeine dieser Formulierungen lustig zu machen. Überhaupt geht es mir nicht um die Formulierungen. Mir geht es um die Inhalte, von denen du nur sagst, dass du sie „als die Bestätigung der Linie der letzten beiden Parteitage, die das Festhalten an der Reform- und Öffnungspolitik stärker mit der Propagierung der marxistischen Weltanschauung verbindet“ interpretierst. Jedoch ist zB die Behauptung Deng Xiaopings, dass es im Grunde egal sei, „ob die Katze weiß oder schwarz ist, Hauptsache ist, sie fängt Mäuse“, d.h. ob die Ökonomie durch den zentralen Plan oder den Markt gesteuert wird, eine eindeutig revisionistische Vorstellung, die mit Marxismus-Leninismus nichts zu tun hat4. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den genannten Theorien ist noch zu leisten. Doch eins ist klar: Eine Kommunistische Partei wird nicht dadurch eine Kommunistische Partei, indem sie sich selbst so nennt oder ihre eigene Ideologie und Symbole verbreitet. Um eine kommunistische Partei handelt es sich dann, wenn sie sich streng nach den Leninschen Prinzipien organisiert, wenn sie die marxistisch-leninistische Weltanschauung zur Grundlage all ihres Handelns macht und damit in der Praxis die Rolle der Avantgarde des Proletariats einnimmt.

Es ist also eine revisionistische Vorstellung der Diktatur des Proletariats in China, die du in deinem Bericht formulierst. Doch mit dieser Vorstellung bist du innerhalb und außerhalb der DKP selbstverständlich nicht alleine5. Ich möchte dir an dieser Stelle die Frage stellen: Warum sollten die hochrangigen Funktionäre der KPCh (ZK-Mitglieder u.a.), die sich immense Privilegien gegenüber der chinesischen Arbeiterklasse gesichert haben, diese Privilegien je wieder aufgeben? Ich meine, dass es keine historisch-materialistische Betrachtungsweise ist, wenn man die Wirkmacht ökonomischer Tatsachen nicht benennt oder sie zweitrangig erscheinen lässt. Im Wesentlichen tust du aber genau das: Du stellst die politische Herrschaft der KPCh der ökonomischen Herrschaft der Kapitalistenklasse förmlich gegenüber, obwohl es sich genau umgekehrt verhält: Durch die Ausbreitung des Revisionismus innerhalb der KPCh und der faktischen Beerdigung sozialistischer Verhältnisse in der Wirtschaft durch die „Öffnungs- und Reformpolitik“ unter Deng Xiaoping hat sich die KPCh von der Avantgarde der Arbeiterklasse schrittweise zur „Avantgarde“ der chinesischen Kapitalistenklasse gewandelt. So scheint es beispielsweise nur konsequent, dass im Jahr 2002 auch die letzten Hürden für die Beteiligung an der politischen Macht durch die nun mögliche Parteimitgliedschaft für Kapitalisten niederzureißen.

Gab es zu der „Reform- und Öffnungspolitik“, wie du die Einführung kapitalistischer Verhältnisse beschönigend nennst, denn tatsächlich keine Alternative? Kann es sein, dass du da der bürgerlichen Propaganda von der Alternativlosigkeit des Kapitalismus aufgesessen bist? Gehen wir als Kommunisten nicht davon aus, dass der Sozialismus als Produktionsweise dem Kapitalismus grundsätzlich überlegen ist? Es gibt jedenfalls keinen sachlichen Grund, davon auszugehen, dass es zum kapitalistischen Entwicklungsweg in China „keine Alternative“ gab oder gibt. Trotz verschiedener Probleme entwickelten sich die Produktivkräfte in China zwischen 1949 und 1978 bereits sehr stark und die durchschnittliche Lebenserwartung konnte um mehrere Jahrzehnte (!) gesteigert werden. Eine Studie bürgerlicher Ökonomen von vor ein paar Jahren kam sogar zu der Einschätzung, dass die chinesische Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten bis 2050 fast ebenso schnell wachsen würde, wenn China eine Planwirtschaft wäre6. Es drängt sich der Eindruck auf, dass du hier eher einfach den Kurs der chinesischen „Schwesterpartei“ verteidigen willst, als wirklich der Frage nachzugehen, welche historischen Alternativen es gibt oder gegeben hätte.

Armutsbekämpfung und steigende Ausbeutung?

Da hilft es auch nicht, wenn du leise hinterher schiebst: „Viele Produktionsmittel sind in den Händen einer neuen Kapitalistenklasse, die Masse aber nach wie vor nicht. Die Produktion auch dieser Produktionsmittel wird in einem gesamtgesellschaftlichen Interesse gesteuert bzw. Kapitalisten werden gezwungen, einen Teil des Mehrwerts in die gesellschaftliche Entwicklung zu investieren. Ohne herrschende Kapitalistenklasse ist es kein Kapitalismus und ich glaube, dass unsere Formulierung von der VR China als einem Land mit sozialistischer Orientierung richtig ist.“ Was ist diese „Steuerung im gesamtgesellschaftlichen Interesse“? Was heißt es, „einen Teil des Mehrwerts in die gesellschaftliche Entwicklung zu investieren“? Diese Vorstellungen klingen doch sehr nach den alten revisionistischen Vorstellungen, dass eine Umverteilung durch Besteuerung bereits ein Instrument des Sozialismus sei. Denn dass ein „Teil des Mehrwerts“ über Steuern in den Staatshaushalt fließt, ist in jedem bürgerlichen Staat der Fall. Ohne Zweifel hat es die KPCh mit dieser Politik in den letzten 40 Jahren geschafft, die Armut in China massiv zu verringern. Jedoch erscheint es in deinem Reisebericht so, als wäre die absolute Verelendung für Kommunisten das Maß aller Dinge, an dem sich ein richtiger oder falscher Entwicklungsweg festmachen lässt. Sollte nicht vielmehr der Grad und die Entwicklung der Ausbeutung das Maß sein, das für uns Kommunisten die höchste Relevanz hat? Und du selbst schreibst dazu ja: „Armut wird beseitigt, gleichzeitig klafft die Schere zwischen Arm und Reich nicht weniger, sondern eher weiter auseinander.“ Neben dem Grad der Ausbeutung spielt die Ausweitung von kapitalistischen Eigentumsverhältnissen und Marktbeziehungen eine große Rolle. Dazu schreibst du, dass „viele Produktionsmittel (….) in den Händen einer neuen Kapitalistenklasse [sind], die Masse aber nach wie vor nicht“. Das ist eine außerordentlich vage Aussage bezüglich der Quantität der Produktionsmittel direkt in den Händen der Kapitalistenklasse. Die Frage der Qualität erscheint bei dir konkret in der Aussage, dass die Telekommunikation in den Händen von drei privatkapitalistischen Unternehmen sei, die mit Sicherheit eigene Interessen verfolgen würden. Fakt ist, dass sich der Anteil privatkapitalistischer Unternehmen in China in den letzten 10–15 Jahren stark erhöht hat und mittlerweile auch einige wichtige Monopolkonzerne betrifft7. Soviel zur Innenpolitik – wie sieht es jetzt mit der Außenpolitik der VR China aus?

Antiimperialistische Außenpolitik?

Du schreibst: „Ich meine, dass man feststellen kann, dass die VR China im Weltmaßstab mit ihrer Außenpolitik, mit ihren geostrategischen Überlegungen („Neue Seidenstraße“) im Großen wie im Kleinen eine antiimperialistische Außenpolitik betreibt.“ Was gehört nun zu einer antiimperialistischen Außenpolitik? Zuallererst ist festzustellen, dass eine antiimperialistische Außenpolitik darauf abzielen muss, den Kapitalismus überall auf der Welt zurückzudrängen – sie muss antikapitalistisch sein. Wie wird der Kapitalismus weltweit zurückgedrängt? Primär in dem die Einheit und Kampfkraft der internationalen Arbeiterklasse gestärkt wird, sodass die Arbeiterklasse in revolutionären Situationen stark genug ist, jeweils die Machtfrage zu stellen. Jetzt mag man als Unwissender die Einladung der Kommunistischen und Arbeiterparteien durch die KPCh als eine solche Stärkung verstehen. Doch verhält es sich umgekehrt, die Schwächung der Einheit und Kampfkraft der internationalen Arbeiterklasse durch die Politik der KPCh ist immens.

Das zeigt sich einerseits durch die Ausweitung der Beziehungen der KPCh mit opportunistischen Kräften wie SYRIZA. Die VR Chinas fällt dadurch faktisch der griechischen Arbeiterklasse und ihrer Partei, der KKE, direkt in den Rücken. Beispielsweise forderte der chinesische Konzern Cosco, mittlerweile Eigentümer großer Teile des Hafens von Piräus, die SYRIZA-Regierung auf, einen Streik der klassenbewussten Hafenarbeiter Piräus für illegal zu erklären.8 Es verwundert nicht, dass die griechische Regierung diesem Anliegen unmittelbar nach kam.

Vor allem zeigt es sich aber an der praktischen Umsetzung der chinesischen Außenpolitik. Du hältst sie für „antiimperialistisch“, ich halte sie für imperialistisch – und beide beziehen wir uns dabei auf die Leninsche Imperialismusdefinition. Eine ausführliche Analyse ist an dieser Stelle nicht möglich, daher beziehe ich mich nur auf den einen von dir genannten Aspekt: Die sogenannte „Neue Seidenstraße“ (Belt and Road Initiative) ist ein geostrategisches Projekt der VR China, welches stark den chinesischen Kapitalexport befeuert und die Abhängigkeit verschiedener Staaten von der VR China9 erhöht. Es ist ein Projekt, welches die Position der VR China im Rahmen der Neuaufteilung der Welt unter die imperialistischen Hauptmächte zu verbessern sucht. Damit trägt es objektiv zur Verschärfung des Konflikts unter diesen Mächten bei und entspannt die internationale Lage keineswegs.

Ist das jetzt Sozialismus?

Zuletzt noch ein paar Worte zur Rolle deines Reiseberichts in der Debatte unter Kommunisten und speziell in der DKP. Dass du in dieser Debatte Dieter Süverkrüps großartiges Gedicht „Der Sozialismus, Genossen“ anbringst, ganz so, als ob er damals schon deine Position vertreten hätte, ist wirklich etwas absurd. Süverkrüps Gedicht wendet sich ja gerade gegen jene, die den Sozialismus in der Sowjetunion und der DDR endgültig begraben wollten – also indirekt damit auch gegen jene, die sich in China schon Jahre zuvor durchgesetzt hatten. Du führst es jedoch ins Feld gegen jene, die aktuell mit aller Kraft versuchen, die kommunistische Bewegung aus der Krise zu führen, indem sie nicht einfach Plattitüden von sich geben, sondern die realen politischen und ökonomischen Verhältnisse zu analysieren suchen. Weitestgehend verzichtest du in deinem Reisebericht auch auf tatsachenbasierte Argumente und umgehst bis zum Schluss die Frage, worum es sich in China denn jetzt handelt. Doch diese Frage ist beantwortbar: Anhand der Analyse der oben angerissenen Fragen nach den Produktions- und Eigentumsverhältnissen, nach dem Grad der Ausbeutung, nach der Ausdehnung des Marktes und weiteren ökonomischen Kategorien. Mir scheint du weißt das und sprichst daher lieber von „Land mit sozialistischer Orientierung“ statt von Kapitalismus oder Sozialismus. Doch zwischen beiden Produktionsweisen kann es keine weitere geben10.

Stattdessen stützt dich auf deine eigene Autorität, die Autorität der KPCh und schließlich auch Süverkrüps. Das Anliegen ist klar: Die Partei auf Linie bringen, denn diese hat ja sich ja auf dem letzten Parteitag nicht dazu durchringen können, den Antrag zur internationalen Arbeit der DKP anzunehmen. In diesem Antrag wollte die Parteiführung jedoch ganz klar die Kontakte zu China, Vietnam und Laos als Länder mit „sozialistischer Orientierung“ ausbauen. Dass die Parteiführung sich trotzdem dazu entschließt, den Parteivorsitzenden auf ein „Arbeitstreffen“ nach China zu schicken und damit den nichtbeschlossen Antrag einfach zur Realität werden lässt11, wirft die Frage auf, wie ernst es die Parteiführung eigentlich mit der Diskussion und Klärung zentraler Fragen meint.

Jakob Schulze, KO

3 Schon die Formulierung „Land mit sozialistischer Orientierung“ legt nahe, dass ein Land über einen längeren Zeitraum weder kapitalistisch, noch sozialistisch sein könne. Dieser Vorstellung muss ich als Materialist eine entschiedene Absage erteilen, denn zwischen Kapitalismus und Sozialismus kann es keine Produktionsweise geben.

4 Vgl. Spanidis: Die Diskussion um den Klassencharakter der VR China.

5 Vgl. zB die Beiträge von Richard Corell, Rolf Berthold und Eike Kopf in der Theorie&Praxis 39, März 2015

6 Vgl. Jamil Anderlini: What if Mao still ran China?, Financial Times 9.8.2015

10 Es wurde schon viel zu dieser Frage geschrieben. Zum Beispiel von Georgios Kolias: Für die antimonopolistische-antikapitalistische Ausrichtung unseres Kampfes. Einheit und Widerspruch Heft 3 Januar 2016

11 Günther Pohl, internationaler Sekretär der DKP hatte dies auch bereits in einem Interview kurze Zeit nach dem Parteitag am 25.05.2018 angekündigt: https://www.unsere-zeit.de/de/5021/internationale_politik/8534/Ohne-Länderkult-und-pauschale-Verdammungen.htm

Die Proteste in Nicaragua, die „sandinistische“ Regierung und der Imperialismus

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Seit Monaten kommt Nicaragua nicht mehr zur Ruhe. Die Proteste gegen die Regierung von Daniel Ortega halten an, ebenso wie die Repressionen gegen diese. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen haben bisher etwa 300–400 Menschen auf beiden Seiten das Leben gekostet. Fast täglich sterben mehr Menschen, es gibt Tausende Verletzte, Fälle von Folter, Morden, Plünderungen und viele „Verschwundene“. Wie konnte es dazu kommen?

Es gibt in Nicaragua bereits seit einigen Jahren Proteste aus Teilen der Bevölkerung gegen soziale Ungerechtigkeit und Intransparenz zum Beispiel der Wahlen. Diese Proteste werden von der Regierung Ortega mit Repression beantwortet. Angestoßen wurde die aktuelle Protestwelle durch eine Rentenreform der „linken“ Regierung, die angeblich zur weiteren Absicherung des Rentensystems notwendig gewesen sei. Die Sozialabgaben – die ähnlich wie in Deutschland zu ungleichen Teilen von „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ gezahlt werden – sollten für beide Seiten erhöht werden. Für Arbeiter von 6,25 % auf 7 % und für die Unternehmen von 19 % auf 22,5 %. Gleichzeitig sollte eine Senkung der Renten um 5 % durchgedrückt werden.

Das nicaraguanische Kapital verkündete seine Gegnerschaft gegen das Reformvorhaben, aber auch aus dem Volk kam es zu spontanen Protesten, die vor allem von Studenten an den großen Universitäten getragen wurden. Als die Polizei schnell scharf schoss und damit mehrere Studenten tötete, weitete sich der Protest zu riesigen Massendemonstrationen aus, an denen sich alle Bevölkerungsgruppen beteiligten. Die Proteste sind unübersichtlich, nicht einheitlich organisiert oder zusammengesetzt. In jeder Stadt sieht die Situation anders aus und unterschiedliche Kräfte spielen eine Rolle. Viele Menschen aus dem einfachen Volk beteiligen sich an den Protesten, da sie (zu Recht) die reaktionäre Politik der Regierung ablehnen. Gleichzeitig sind aber auch viele Kriminelle auf beiden Seiten involviert.

An den Protesten beteiligen sich auch reaktionäre Kräfte wie die Liberal-Konstitutionalistische Partei (PLC), die von Unterstützern des Diktators Somoza gegründet wurde, NGOs, die direkt oder indirekt von US-amerikanischen Stiftungen finanziert werden, Unternehmerverbände und Teile des Kapitals wie die Chamorros. Violeta Chamorro, eine der reichsten Personen des Landes, versucht die Proteste für ihre Interessen zu nutzen und ihre Kandidatur bei den Wahlen zu stärken. Die katholische Kirche stellt sich selbst in einer vermittelnden Rolle dar. Sie hat eine gewisse Loyalität gegenüber der Regierung, nachdem diese große Zugeständnisse gemacht hatte (beispielsweise ein bedingungsloses Abtreibungsverbot) während militante oppositionelle Kräfte Regierungsaussagen zu folge Kirchen als Rückzugsort und Waffenlager gebrauchen konnten.

Das schnelle Einlenken der Regierung durch die Zurücknahme der Rentenreform konnte eine Ausweitung der Proteste nicht verhindern. Ende April waren die Forderungen der Studenten u.a. die Absetzung des Verwaltungsrates des Instituts für Sozialversicherung, die Freilassung der Gefangenen, die Wiederherstellung der Pressefreiheit – die Berichterstattung war in Nicaragua ganz zu Beginn im April mindestens für einen Monat fast komplett zensiert worden – eine Teilnahme am „Nationalen Dialog“ und die Untersuchung der Todesfälle. Mittlerweile ist der Rücktritt der Regierung Ortegas und die Abhaltung vorgezogener und transparenter Wahlen eine Hauptforderung. Mit dem „Nationalen Dialog“ soll zwischen den beiden Lagern vermittelt werden, aber momentan ist er pausiert.

Die vermeintliche „Linksregierung“

Während die bürgerliche Presse nicht müde wird, die nicaraguanische Regierung als terroristische Diktatur zu zeichnen, gilt sie für Teile der kommunistischen Bewegung als „links“, „fortschrittlich“ oder antiimperialistisch. Das ist allerdings eine Illusion. Diese Fehleinschätzung wird natürlich dadurch begünstigt, dass Ortega ehemaliger Guerillero ist und seine Partei formal gesehen immer noch die Kraft ist, die die „sandinistische Revolution“ erkämpft hat. Lange Zeit wurden und werden viele Nicaraguaner dadurch ebenfalls getäuscht. Ortega ist jedoch keineswegs ein Vertreter des Volkes, der Bauern und der Arbeiterklasse, sondern selbst ein Profiteur der Privatwirtschaft, bspw. Besitzer eines Tankstellenmonopols damit für die breiten Massen ein Klassengegner. Damit unterscheidet sich die „sandinistische“ Regierung nicht von den früheren, die ebenfalls von den reichsten Personen Nicaraguas geleitet wurden.

Nach dem Sieg der Sandinisten wurde Daniel Ortega Präsident. Das war schon damals eine Wahl, die von vielen aus der Partei kritisiert wurde. Dennoch konnte damals eine Verbesserung der Lage der Bevölkerung durch verbesserte Gesundheitsversorgung, Bildung usw. erreicht werden. Zerschlagen wurde die Revolution durch einen von den USA finanzierten, durch die faschistischen Contras ausgeführten Guerilla-Krieg, der das Land zerrüttet und die Regierung geschwächt hat, bis diese in bürgerlichen Wahlen abgewählt wurde. In der Folgezeit wurde der marxistische Teil in der FSLN nach und nach zurückgedrängt und bekämpft. Marxistische Ideen wurden verwässert und ersetzt durch revisionistische, dann sozialdemokratische, schließlich offen reaktionäre Ideen und Konzepte. Die Partei änderte ihre Ausrichtung und ihren Charakter. Schließlich wurde sie mit zahlreichen Versprechen wiedergewählt.

Entscheidend zur Beurteilung jedes Systems, jeder politischen Kraft und jeder Regierung ist die Eigentumsfrage. Der Kapitalismus, das Privateigentum an Produktionsmitteln wurde unter der Regierung nicht angetastet. Im Gegenteil nutzte der Ortega-Clan seine Macht, um sich massiv selbst zu bereichern.

Die sozialen Programme der Regierung konnten die Zuspitzung der kapitalistischen Widersprüche nicht verhindern. Die Armut ist auf dem Vormarsch, gefolgt von Arbeitslosigkeit, einem schlechter werdenden Bildungs- und Gesundheitssystem und wachsender Kriminalität. Es gab seit der erneuten Wiederwahl Ortegas keine Verbesserung. Alle nennenswerten Fortschritte der Revolution mussten wieder rückgängig gemacht werden, weil nie eine umfassende Vergesellschaftung an Produktionsmitteln stattgefunden hat.

Die Errungenschaften der Revolution, für die so viele Menschen ihr Leben gegeben hatten, wurden zuerst von der Konterrevolution und dann im Namen des „Sandinismus“ selbst wieder zunichtegemacht.

Externe Interessen

Die USA „verurteilen“ die Gewalt in Nicaragua und haben schon erste Sanktionen gegen Regierungsoffizielle ausgesprochen. Sie drohen mit Sanktionen gegen die Regierung. Auch die Bundesregierung verurteilt die Gewalt in Nicaragua.

Dies hat seine Ursache in der außenpolitischen Orientierung Nicaraguas. Ähnlich wie in anderen Ländern der von Venezuela und Kuba gegründeten Wirtschaftsunion ALBA, wird versucht, den Einfluss von US-amerikanischem Kapital zurückzudrängen. Ebenfalls in typischer ALBA Manier geschieht dies orientiert an den Bedürfnissen des nationalen Kapitals und häufig zugunsten von chinesischem oder russischem Kapital. Es ist also wenig überraschend, dass russische Medien eine deutlich andere Perspektive über die Situation in Nicaragua bieten.

Die verschiedenen imperialistischen Zentren erhoffen sich durch die Unruhen entweder Veränderungen in ihrem Sinne oder befürchten, dass rivalisierende Mächte dadurch mehr Einfluss erhalten könnten. Im Interesse des Volkes in Nicaragua handeln sie alle nicht.

Schlussfolgerungen

Die Tragödie der sandinistischen Revolution und Konterrevolution zeigt, wie wichtig es ist, dass eine Revolution von einer klaren marxistisch-leninistischen Partei geführt wird. Das war in Nicaragua von Anfang an nicht der Fall, da die FSLN ideologisch wesentlich breiter aufgestellt war und damit keine kommunistische Partei existierte, die die Revolution anführen konnte. Aufgrund dieser ideologischen Unklarheiten und unter Bedingungen der imperialistischen Einmischung konnte innerhalb kurzer Zeit aus einer revolutionären Kraft eine konterrevolutionäre Kraft werden.

Aber auch die jetzigen Proteste sind in hohem Maße diffus. Es gibt keine Kraft, die in der Lage wäre, ihnen eine Perspektive im Sinne der Werktätigen zu geben. Zahlreiche Beispiele, in jüngerer Vergangenheit z.B. die Proteste des „Arabischen Frühlings“, zeigen, dass diffuse Protestbewegungen ohne revolutionäre Führung leicht von imperialistischen Interessen manipuliert oder gar gekapert werden können. In Nicaragua spielen schon jetzt reaktionäre Kräfte eine zentrale Rolle bei den Protesten. Auch wenn die Arbeiterklasse nicht organisiert ist, das Kapital und der US-Imperialismus sind es und werden auf diesem Weg ihre Hegemonie durchsetzen können. Im schlimmsten Fall könnten die Unruhen dem US-Imperialismus ein weiteres Mal einen Vorwand liefern, um unter dem Deckmantel der „Menschenrechte“ militärisch zu intervenieren.

Auf der anderen Seite steht die Regierung, die ebenfalls die Interessen des Kapitals vertritt. Durch ihr „Anti-Terror-Gesetz“ und die Gewalt ihrer Paramilitärs schafft sie objektiv die Voraussetzungen, um zu einem späteren Zeitpunkt auch gegen fortschrittliche und revolutionäre Kräfte mit brutaler Gewalt vorzugehen.

Für die Arbeiter, Bauern und Studenten in Nicaragua gibt es weder auf der Seite der oppositionellen, noch mit der regierenden Kapitalfraktion etwas zu gewinnen. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, sich im Kampf gegen beide Seiten als bewusste Klasse neu zu formieren, ihre eigenen Organisationen und ihre Partei aufzubauen, um beim nächsten Anlauf den Kapitalismus in Nicaragua ein für allemal zu beseitigen.

Worum geht es bei der Debatte um Mesut Özil?

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Und besonders wichtig: Mesut Özil bekennt sich nicht zu Werten wie Meinungsfreiheit oder Toleranz. Werte, für die Deutschland und der DFB stehen – aber der türkische Staatschef Erdogan nicht.“

So schrieb die BILD am vorletzten Sonntag (22.07.) über den gerade zurückgetretenen Nationalspieler. Das ist der Gleichklang der bürgerlichen Medien, seit am 14. Mai Bilder veröffentlicht wurden, die Mesut Özil und seinen Nationalmannschafts-Kameraden Ilkay Gündogan zusammen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zeigen. Denn zwar reichen die Meinungen von Özil als „Paradebeispiel für gescheiterte Integration“ hin zu Özil als Opfer des DFB, aber in einem sind sich alle einig: Das Foto mit Erdogan hätte nicht sein dürfen und geht gegen „deutsche Werte“.

Das ist mehr als heuchlerisch. Bürgerlichen Medien wie BILD, FAZ und TAZ haben kein Problem, wenn die Bundesregierung mit der türkischen Regierung einen unmenschlichen „Flüchtlingsdeal“ schließt, der im Wesentlichen vorsieht, Flüchtlinge an den Grenzen aufzuhalten und über die Türkei zurück in Elend und Tod zu schicken. Bürgerliche Medien sehen auch kein großes Problem, wenn mal wieder für Millionen deutsche Waffen in die Türkei exportiert werden, sodass der türkische Staat seine aggressive Politik gegenüber der kurdischen, türkischen und syrischen Bevölkerung fortsetzen kann. Dieselben Waffen nutzt der türkische Staat, um im Wettrüsten mit dem griechischen Nachbarstaat nicht ins Hintertreffen zu geraten – und steigert damit die Kriegsgefahr in der Region.

Warum ist den bürgerlichen Medien ein Foto von Özil und Gündogan so ein Dorn im Auge? Es geht dabei weder um den Multimillionär Özil, noch eine ernsthafte Ablehnung der türkischen Regierung. Die Berichterstattung richtet sich vor allem gegen Muslime in Deutschland und viele von ihnen sind türkische Arbeiterfamilien. Sie werden zum Sündenbock gemacht, in Özils Fall vorgeschoben für die WM-Blamage der deutschen Mannschaft, aber letztlich generell für soziale Probleme in Deutschland. Muslime in Deutschland werden verantwortlich gemacht für sexuelle Übergriffe und Attentate, ihnen wird ein rückschrittliches Welt- und Menschenbild unterstellt und sie bilden angeblich gefährliche Parallelgesellschaften, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen. In dem die bürgerlichen Medien durch die Bank dieses Bild von Muslimen propagieren, befördern sie eine gesellschaftliche Isolierung dieser Teile der Bevölkerung. Dass es sich bei Muslimen in Deutschland vor allem um Arbeiter handelt, wird totgeschwiegen – denn dann müssten die Medien ja eingestehen, dass es sich um Menschen handelt, die einen Gutteil des Reichtums in Deutschland erarbeiten, den sich letztlich eine winzige Minderheit von deutschen Eigentümern aneignet.

Wer bis jetzt von dem ‚Say no to racism‘ – Image des DFB eine ernste Kampfansage gegen Rassismus erwartet hat, muss sich spätestens jetzt von der Illusion verabschieden. Leider wird auch bei Fußballspielern mit zweierlei Maß gemessen, wenn es darum geht Fotos mit ausländischen Präsidenten zu machen. Während Lothar Matthäus mit Putin vor die Kamera treten kann, ohne dass es ein größeres Medienecho erzeugt, ist das den Nationalspielern aus türkischen Familien nicht vergönnt. Als sich die deutsche Nationalmannschaft vor ein paar Jahren mit Angela Merkel in der Kabine filmen ließ, gab es auch kaum kritische Stimmen – obwohl Kritik hier mindestens genauso angebracht gewesen wäre.

Die Kritik an Özils Foto mit Erdogan lautet so: Mit Diktatoren darf man sich nicht fotografieren lassen. Es wird genutzt, um zu behaupten, in Deutschland würden wir in einer Demokratie und einem Rechtsstaat leben. Besonders gerne wird das von Grünen und anderen liberalen Politikern vorgebracht, die alle Kriegseinsätze, Asylverschärfungen und Sozialabbau mittragen. Was von diesem „Rechtsstaat“ zu halten ist, hat erst vor kurzem die Haftentlassung des Nazi-Terroristen Ralf Wohlleben gezeigt. Aber wir erleben es auch täglich vor deutschen Sozial- und Arbeitsgerichten: Es ist der Rechtsstaat der Unternehmer und des Kapitals und der Unrechtsstaat für die Arbeiterklasse.

Wir wenden uns gegen das chauvinistische Abstempeln der Türken in Deutschland, die die Politik der Regierung Erdogan gut finden. Denn es ist blanker Chauvinismus, der in Gedichten wie dem von Jan Böhmermann und in der Darstellung vieler Medien zum Ausdruck kommt: Alle Türken, die beim Referendum mit ja gestimmt und nun Erdogan gewählt haben, seien dumme Diktatoren-Fans, die aber hier die Demokratie genießen wollen. Dabei gibt es auch Gründe, warum Deutsch-Türken sich von Erdogan vertreten fühlen. Gleichzeitig ist das auch Ausdruck davon, dass sich diese Menschen falsche Vorstellungen von der AKP-Regierung machen. Natürlich ist es nicht im Interesse türkischstämmiger Arbeiter in Deutschland, die Regierung Erdogan – wie jede andere bürgerliche Regierung – zu unterstützen. Aber hier geht es um etwas anderes, nämlich um ein chauvinistisches Überlegenheitsgefühl des „demokratischen Westens“ gegenüber der Türkei und der islamischen Welt allgemein. Dieser Chauvinismus dient zur weiteren Spaltung der Bevölkerung.

All das nützt dem vor allem dem deutschen Kapital und seinen Lakaien in den bürgerlichen Parteien von AfD bis Linkspartei. Indem die Debatte um Özils Foto so ausgebreitet wird, werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Spaltung zwischen muslimischen und deutschen Arbeitern wird verschärft und die Arbeiterklasse insgesamt wird daran gehindert zu erkennen, wer ihr wirklicher Feind ist und ihre realen Probleme zu verantworten hat: das deutsche Kapital und sein Staat.

Die scheinbaren Unterschiede zwischen AfD und anderen bürgerlichen Parteien werden dabei zunehmend kleiner. Lange Zeit war es noch üblich in den Medien Einzelbeispiele für eine gelungene Integration von Migranten heraus zu heben mit der verlogenen Botschaft: Wenn du dich nur ordentlich anstrengst und die „deutschen Werte“ akzeptierst, kannst du hier auch einen Platz bekommen. Das Beispiel vom Bambi-Integrationspreisgewinner Özil zeigt aber, dass es jetzt salonfähig ist, die Möglichkeit der Integration von Muslimen in Deutschland generell infrage zu stellen. Damit zeigt sich die ganze hässliche Fratze des deutschen Staates: Willkommen war eh immer nur der, der dem deutschen Kapital etwas bringt, sich dabei anpasst und bloß nicht aufmuckt. Es ging immer um eine Integration im Sinne einer Anpassung an das politische System, damit Staat und Unternehmen so frei und flexibel wie möglich über Arbeitskräfte verfügen können.

Wir haben es also mit einer Verschärfung des Tons in Deutschland zu tun, der seit einiger Zeit Hand in Hand mit einer Verschärfung körperlicher und psychischer Gewalt gegenüber Muslimen einhergeht. Stärkste Antreiber sind dabei weiterhin die AfD und ihre Fußtruppen aus Identitären und Antideutschen. Doch auch die anderen Partei treiben die Hetze gegenüber Muslimen voran, sei es durch das von Sahra Wagenknecht von der Linkspartei vertretene „Wer Gastrecht missbraucht, hat Gastrecht verwirkt“ oder den „Masterplan Migration“ von Innenminister Seehofer. Der Staat beweist damit täglich aufs Neue, dass er die Spaltung in der Arbeiterklasse und der gesamten Gesellschaft zwischen Deutschen und Migranten aktiv befördert um seine Kontrolle besser ausüben zu können.

Denn es ist klar: Wenn wir lernen, dass sich die Interessen von deutschen und muslimischen Arbeitern nicht widersprechen, sondern wir letztlich alle demselben Gegner gegenüberstehen, wird sich der Angstschweiß auf den Häuptern des Kapitals zeigen. Wenn wir lernen, dass unsere Ausbeuter und Unterdrücker in den Konzernzentralen und Ministerien sitzen und nicht in der nächsten Moschee, dann wird sich auch unsere ganze Macht zeigen. Es geht also nicht darum, den Multimillionär Özil und seine Illusionen in den bürgerlichen Staat zu verteidigen, sondern die Interessen der muslimischen Arbeiter in Deutschland. Denn der Angriff richtet sich letztlich gegen die gesamte Arbeiterklasse.

Spendenaufruf zur internationalen Solidarität mit den Opfern der Waldbrände in Griechenland

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Bei den katastrophalen Waldbränden in der Umgebung von Athen sind bereits über 80 Menschen gestorben. Die Zahl der Toten ist dieses Mal extrem hoch, weil einige dicht besiedelte Regionen östlich der Stadt direkt betroffen sind. Ganze Landstriche und Dörfer sind völlig verwüstet. Tausende Menschen sind verletzt und haben ihre Wohnung, oder – noch schlimmer – Freunde und Angehörige in den Flammen verloren.

In den bürgerlichen Medien werden die Brände als unkontrollierbare Naturgewalt und unvermeidliche Tragödie dargestellt. Diese Darstellung entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Griechenland ist ein wirtschaftlich entwickeltes Land. Es gäbe zahlreiche Möglichkeiten, die Entstehung und Ausbreitung solcher Brände zu verhindern, die betroffenen Menschen zu schützen und die Brände effektiv zu bekämpfen. Das Problem: All die Maßnahmen, die dafür notwendig wären, kosten den Staat Geld. Jeden Euro, den die Regierung für Brandschutzmaßnahmen und eine angemessene Ausrüstung und Personalausstattung der Feuerwehr ausgeben würde, müsste sie natürlich an anderer Stelle streichen. Die strategischen Prioritäten für die vermeintlich „linke“, in Wirklichkeit nur kapitalistische und sozialdemokratische Syriza-Regierung und alle Vorgängerregierungen liegen allerdings an ganz anderen Stellen: in der Bedienung der Schulden und Zinsen gegenüber den Banken und EU-Gläubigern, Steuererleichterungen für das griechische Kapital (z.B. die viele Milliarden schweren Reedereien) und Aufrüstungsprojekte im Rahmen der NATO. Wegen dieser strategischen Ausrichtung aller bürgerlichen Parteien an den Interessen des Kapitals fehlt es bei der Brandprävention und -bekämpfung seit Jahrzehnten an moderner Ausrüstung und Personal.

Griechische bürgerliche Politiker und Medien sprechen nun davon, dass es Indizien für Brandstiftung gebe. Das mag sein, dient den bürgerlichen Parteien aber auch dazu, die Schuld von sich abzuwälzen. In Wirklichkeit entbindet sie all das jedoch nicht von ihrer Verantwortung für die Katastrophe. Die Politik der Privatisierung der Waldgebiete in den 2000er Jahren hat die Natur zum Spekulationsobjekt gemacht und dadurch erst den Anreiz für Immobilienspekulanten geschaffen, durch Brandstiftung die Grundstückpreise zu drücken. Und auch im Fall von Brandstiftung hätte eine gut ausgestattete Feuerwehr das Schlimmste verhindern können.

Den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen hat der Verteidigungsminister Panos Kammenos. In einem Interview machte er die Opfer der Brandkatastrophe für ihr eigenes Schicksal verantwortlich, denn „alle Wohnungen, die Mehrzahl davon, wurden ohne Genehmigung gebaut“. Jetzt sei der Augenblick gekommen, „dass sie verstehen, dass es für sie und ihre Familien gefährlich ist, die Gesetze und Regeln nicht zu befolgen“. Auf die Frage, ob es einen besseren Plan der Regierung hätte geben müssen, antwortete er: „Nein. Die Streitkräfte, die Polizei und die Behörden haben rechtzeitig (!) und geplant gehandelt.“ (902.gr 26.7.2018). Dreister hätte er die Opfer kaum verhöhnen und sich dabei selbst aus der Verantwortung ziehen können!

Die Brandkatastrophe in Griechenland ist also in jedem Fall keine unkontrollierbare Naturkatastrophe, sondern ein Produkt des kapitalistischen Systems und der Politik der Regierungen und der EU. In einer sozialistischen Gesellschaft, in der es nicht um Profite, sondern um die Bedürfnisse der Menschen geht, könnten die meisten, wenn nicht alle der Todesopfer jetzt noch am Leben sein.

Wir sprechen den Opfern der Katastrophe und insbesondere den Angehörigen und Freunden der Todesopfer unser tief empfundenes Beileid aus. Die beste Strafe für die politisch Verantwortlichen wäre es, wenn die Brandkatastrophe den Menschen die Augen dafür öffnet, dass die Ursachen dafür in der menschenfeindlichen Logik des kapitalistischen Systems liegen.

Wir wissen ebenso gut wie unsere Genossen in Griechenland, dass die Opfer der Brände vom bürgerlichen Staat nichts zu erwarten haben. Die stärkste Waffe der Arbeiterklasse und der Volksmassen ist ihre Solidarität – eine Solidarität, die keine nationalen Grenzen kennt.

Die griechische Arbeiterklasse, die Kleinbauern und kleinen Gewerbetreibenden wurden jahrelang ausgeblutet, nicht zuletzt um auch dem deutschen Kapital seine Profite und Zinszahlungen zu sichern. Die Arbeiterklasse in Deutschland hat von diesem Geld nie etwas gesehen, es ist auf den Konten der großen deutschen Konzerne gelandet. Trotzdem rufen wir die arbeitenden Menschen in Deutschland dazu auf, im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch ihre Spende ihre Solidarität mit der griechischen Arbeiterklasse zu zeigen.

Eure Spende ist keine reine humanistische Wohltätigkeit, sondern ein politischer Akt. Das Geld geht an die Selbsthilfestrukturen der klassenkämpferischen Arbeiterbewegung in Griechenland, die damit Aktionen zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung finanzieren wird.

Spendet bitte an:
PAME HELLAS
IBAN: GR5401101460000014600166830
BIC: ETHNGRAA
Verwendungszweck: PYROPLIKTOI ATTIKIS