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Resolution des Kommunismus Kongresses 2023/Communism Congress 2023

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Alle Informationen zum Kommunimus Kongress 2023 finden sich hier.

The English version of the resolution can be found below.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Teilnehmer des Kommunismus-Kongresses,
wir haben diesen Kongress organisiert, um einen Beitrag zum Kampf gegen den Imperialismus, gegen die NATO, gegen diese Räuberbande und Schlächter der Menschheit zu leisten.

Wir wollen eine gemeinsame Resolution dieses Kongresses vorschlagen und würden uns freuen, wenn Ihr sie mit Applaus annehmt und unterstützt.

Palästina hat sich erhoben! Palästina schlägt zurück! Der Befreiungskampf des palästinensischen Volks bricht durch! Buchstäblich: Gaza hat seine Gefängnismauern gesprengt! Eine lang ersehnte und notwendige Antwort auf über 100 Jahre Kolonialismus und 75 Jahre Besatzung, Vertreibung und Auslöschung der palästinensischen Nation!

Alle Unterdrückten der Welt und alle Befreiungsbewegungen stehen an der Seite des Widerstands gegen das zionistische Besatzungsregime.

Der Kommunismus-Kongress spricht seine volle Solidarität und Verbundenheit mit dem mutigen und entschlossenen Kampf Palästinas aus! Er ist ein leuchtendes Signal für den weltweiten Kampf gegen die Barbarei und für die Befreiung der Menschheit! Es ist eine historische Notwendigkeit, der aktiv zum Durchbruch verholfen wird: Ganz Palästina wird frei sein! Der zionistische Siedlerkolonialismus wird besiegt werden!

Der Kommunismus-Kongress spricht seine Solidarität mit unserem Referenten und Genossen Zaid Abdulnasser aus, dessen Aufenthalt entzogen werden soll. Unsere Botschaft ist unmissverständlich:  Zaid wird bleiben! Bis Palästina frei ist! Es lebe die palästinensische Befreiungsbewegung — in Palästina und in Deutschland!

Wer den Kampf gegen diese gut organisierten Verbrecher aufnimmt, wer sich den Kriegstreibern der NATO entgegenstellt, muss mit Isolation und Repression rechnen. Der wird lächerlich oder verächtlich gemacht. Wer für die Freiheit der Unterdrückten kämpft, wird von ihren Schergen verfolgt.

Der Kommunismus-Kongress spricht seine Solidarität mit den Kononovich-Brüdern aus, die vom Kiewer Regime als Geiseln genommen wurden und öffentlich mit dem Tode bedroht werden. Wir solidarisieren uns auch mit unserem Genossen und Referenten Alexej Albu, der von den ukrainischen Faschisten aus seiner Heimat vertrieben wurde und dem die europäischen Behörden die Einreise in die EU verweigern. Sie wollen ihn damit zum Schweigen bringen.

Der antifaschistische Kampf gegen die Bandera-Bande, die von den NATO-Staaten finanziert und bewaffnet wird, wird weiter gehen!

In Deutschland sitzen die Gesinnungsrichter preußischer Tradition in den Startlöchern, um alle zu drangsalieren, die nicht in den Kriegschor gegen Russland einstimmen. Die Bundesrepublik zeigt offen, was sie immer war: Das anti-kommunistische Bollwerk in Europa, dem Faschismus entwachsen.

Es sind die Ewiggestrigen kleingeistigen Pickelhaubenträger. Geben wir sie der Lächerlichkeit preis, denn sie sind nichts anderes als lächerliche Gestalten. Sie wollen mit Gewalt verhindern, dass die einfachsten Wahrheiten über die Kriegspläne und Kriegstreiberei der NATO ausgesprochen werden.

Setzen wir ihnen Mut und Entschlossenheit entgegen, das zu sagen, was ist! Es ist die NATO, die Faschismus und Krieg in die Ukraine und viele andere Länder der Welt gebracht hat. Sie ist der Aggressor!

Der Kommunismus-Kongress spricht seine Solidarität mit allen aus, die von der bundesdeutschen Gesinnungsjustiz verfolgt werden, weil sie gegen ihre Kriegstreiberei aufstehen. Stärken wir alle, die der NATO-Propaganda entgegen treten.

Wir rufen dazu auf, die Kampagne der Deutschen Kommunistischen Partei, DKP, gegen den Maulkorb für Kriegsgegner zu unterstützen und gegen den Paragraphen 130 anzukämpfen, der uns den Mund verbieten und einschüchtern soll.

Gestern war der 7. Oktober: Der Gründungstag der Deutschen Demokratischen Republik! Der Staat der deutschen Arbeiterklasse, der gegen den Imperialismus gekämpft hat, der brüderlich mit den Befreiungsbewegungen verbunden war, der den Internationalismus gelebt hat!

Lernen wir von der DDR, nehmen wir diesen Schatz unserer Geschichte für unsere heutigen Kämpfe!

Der Kampf gegen die imperialistischen Unterdrücker ist ein internationaler Kampf, es muss ein gemeinsamer Kampf der unterdrückten Völker und der Arbeiterklasse in den imperialistischen Zentren sein.

Wir wissen, dass die Herrschenden in den Zentren alle Mittel des Terrors und der Vernichtung gegen unsere Genossen in den unterdrückten Ländern anwenden. Viele Freiheitskämpfer fielen ihren Meucheltaten zum Opfer. Und auch heute werden viele verfolgt und mit dem Tode bedroht.

Der Kommunismus-Kongress sendet internationalistische Grüße an alle Kämpfer gegen Kolonialismus, Unterdrückung und Imperialismus.

Es lebe die internationale Solidarität — die Zärtlichkeit der Völker! 

Communism Congress Resolution 2023

Dear comrades, dear participants of the Communism Congress,

we have organized this congress to contribute to the fight against imperialism, against NATO, against this gang of robbers and butchers of humanity. We would like to propose a joint resolution for this congress and would be pleased if you approved and supported it with applause.

Palestine has risen! Palestine strikes back! The liberation struggle of the Palestinian people is breaking through! Literally: Gaza has blown up its prison walls! A long-awaited and necessary response to over 100 years of colonialism and 75 years of occupation, expulsion and extinction of the Palestinian nation! All the oppressed in the world and all liberation movements stand on the side of the resistance against the Zionist occupation regime.

The Communism Congress expresses its full solidarity and attachment to the courageous and determined struggle of Palestine! It is a shining signal for the global fight against barbarism and for the liberation of humanity! It is a historical necessity that is being actively helped to achieve a breakthrough: All of Palestine will be free! Zionist settler colonialism will be defeated!

The Communism Congress expresses its solidarity with our speaker and comrade Zaid Abdulnasser , whose stay is to be revoked. Our message is unmistakable: Zaid will stay! Until Palestine is free! Long live the Palestinian liberation movement – in Palestine and in Germany!

Anyone who takes up the fight against these well-organized criminals and opposes NATO’s warmongers must expect isolation and repression. He is ridiculed or despised. Anyone who fights for the freedom of the oppressed will be persecuted by their minions.

The Communism Congress expresses its solidarity with the Kononovich brothers, who were taken hostage by the Kiev regime and are publicly threatened with death. We also express our solidarity with our comrade and speaker Alexei Albu , who was expelled from his homeland by the Ukrainian fascists and to whom the European authorities are refusing entry into the EU. They want to silence him.

The anti-fascist fight against the Bandera gang, which is financed and armed by the NATO states, will continue!

In Germany, the judges of the Prussian tradition are waiting in the starting blocks to harass everyone who does not join in the war chorus against Russia. The Federal Republic is openly showing what it has always been: the anti-communist bulwark in Europe, which has outgrown fascism.

They are the old-fashioned, small-minded, spiked helmet wearers . Let’s expose them to ridicule,
because they are nothing but ridiculous figures. They want to use force to prevent the simplest truths about NATO’s war plans and warmongering from being spoken. Let us show them courage and determination, to say what is! It is NATO that brought fascism and war to Ukraine and many other countries around the world. She is the aggressor!

The Communism Congress expresses its solidarity with all those who are being persecuted by the Federal German justice system because they stand up against their warmongering. Let us strengthen everyone who opposes NATO propaganda. We call on you to support the campaign of the German Communist Party (DKP) against the muzzle of war opponents and to fight against paragraph 130, which is intended to forbid us from speaking up and intimidate us.

Yesterday was October 7th: the founding day of the German Democratic Republic! The state of the German working class, who fought against imperialism, who was fraternally connected to the liberation movements, who lived internationalism!

Let’s learn from the GDR, let’s use this treasure of our history for our struggles today!

The fight against the imperialist oppressors is an international struggle, it must be a common struggle of the oppressed peoples and the working class in the imperialist centers. We know that those in power in the centers use all means of terror and destruction against our comrades in the oppressed countries. Many freedom fighters fell victim to their assassinations. And even today many are persecuted and threatened with death.

The Communism Congress sends internationalist greetings to all fighters against colonialism, oppression and imperialism.
Long live international solidarity – the tenderness of peoples!

Podcast #59 – Regieren auf Kosten Palästinas. Die Linkspartei und die Staatsräson

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Im Ergebnis einer wochenlangen Hetzkampagne gegen und von der Linkspartei steht fest: Die Linkspartei stellt sich an die Spitze der Durchsetzung der Staatsräson, inklusive Repression und Verleumdung der Palästina-Solidaritätsbewegung. Aber war es tatsächlich ein Verrat, oder die konsequente Durcsetzung einer zionistischen Parteitradition? Was bedeutet all das für die Palästina-Solidaritätsbewegung in Berlin und bundesweit?

YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=dMvir895IrA

Die Friedensbewegung zwischen rechten Querfrontprojekten und Offenheit gegenüber pro-imperialistischen „Linken“

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Ein Diskussionsbeitrag von Martha Stern

Diskussionsbeiträge geben nicht zwangsläufig die Positionen der gesamten KO wider, sondern dienen zur Debatte und Klärung.

Im Folgenden möchte ich mich mit dem Text „Querfront-Zählung bis Zwei – Quergedachtes zur Querfront-Debatte der Kommunistischen Organisation“ auseinandersetzen, der im Januar auf der Website des Magazins der Masse (MagMa) veröffentlicht wurde. Ausgehend von der dort formulierten Kritik möchte ich einige weiterführende Fragen zum Zustand der Friedensbewegung und zu ihren politischen Perspektiven aufwerfen.

Die Kritik des MagMa-Textes bezieht sich auf die im November 2025 gestartete Artikelreihe zum Thema Querfront, die die Beiträge „Querfront – Kampfbegriff und reales Problem!“ und „Die Querfront ist ein Irrweg“ umfasst. Im Zentrum der folgenden Auseinandersetzung stehen die unterschiedlichen Herleitungen des Querfront-Phänomens, die politischen Kräfteverhältnisse innerhalb der Friedensbewegung sowie die Frage, welche Schlussfolgerungen sich daraus für eine antiimperialistische Friedenspolitik ergeben.

Der Text gliedert sich in vier Schwerpunkte:

  1. Was kritisiert MagMa an der bisherigen Querfront-Debatte?
  2. Die „hegemoniale“ Querfront: Zusammensetzung und politische Wirkung
    • 2.1. Warum eine Querfront mit rechten Kräften keine geeignete Antwort auf die „hegemoniale Querfront“ ist
  3. Die Probleme der Friedensbewegung: Zwischen „hegemonialen“ Kräften und rechter Einflussnahme
  4. In welchem Verhältnis stehen Kommunisten zur Friedensbewegung?

1. Was kritisiert MagMa an der bisherigen Querfront-Debatte?

Der MagMa-Text nähert sich dem Begriff der Querfront aus einer anderen Perspektive als die zuvor veröffentlichte Artikelreihe. Der wesentliche Unterschied liegt dabei in der Herleitung des Phänomens und insbesondere in der Frage, inwiefern Querfrontbestrebungen primär auf die Aktivitäten neofaschistischer Kräfte zurückzuführen sind. MagMa unterscheidet dabei zwischen einer „hegemonialen Querfront“ und einer „Gegenquerfront“. Unter der „hegemonialen Querfront“ versteht der Text eine politische Strömung, die insbesondere im linksliberalen und antideutschen Spektrum verortet wird und als „NATO-Antifa“ begriffen werden kann, da sie den Schulterschluss mit „linken“ Parteien wie den Grünen, der SPD sucht, die aktiv Krieg und Genozid unterstützen. Dieses Phänomen bilde demnach den Ausgangspunkt für die Entstehung einer „Gegenquerfront“, die wir in den Artikeln als Querfront beschreiben, die sich in dem Fall als alternatives politisches Angebot zur ersteren Entwicklung versteht. Mit dem Begriff der „Gegenquerfront“ ist in diesem Zusammenhang das Phänomen gemeint, bei dem sich vermeintlich fortschrittliche Kräfte mit neofaschistischen Parteien und Gruppierungen unter dem kleinsten gemeinsamen Nenner „Frieden“ zusammenschließen. Die politische Unterscheidung zwischen links und rechts tritt dabei zugunsten eines gemeinsamen Protestes in den Hintergrund. Beispiele hierfür lassen sich insbesondere in Ostdeutschland finden. Beim Dresdner Montagsprotest gehen unter dem Motto „Dresdner Montagsprotest – Wer schweigt, stimmt zu“ unter anderem die Freie Linke und das BSW gemeinsam mit Akteuren wie den Freien Sachsen, der AfD oder der Werteunion auf die Straße. Die Freien Sachsen bezeichneten diese Zusammenarbeit zuletzt als „bundesweite Einmaligkeit“ und stellten sie damit als Vorbild für weitere Projekte dar. Entscheidend ist dabei nicht, dass unterschiedliche politische Strömungen gemeinsam demonstrieren, sondern wer diese organisatorisch und inhaltlich prägt. Vielmehr stellt sich die Frage, welche politischen Kräfte solche Bündnisse anleiten, welche Interessen sich darin durchsetzen und welche langfristigen Folgen diese Zusammenarbeit für die Friedensbewegung hat. Diesen Ansatz verkennt der MagMa-Artikel und reduziert das Entstehen einer „Gegenquerfront“ auf die Existenz der „hegemonialen“.

An dieser Stelle möchte ich auch dem wesentlichen Vorwurf des MagMa Artikels entgegentreten, die „hegemoniale Querfront“ werde in der bisherigen Kritik nicht ausreichend berücksichtigt. Der Text formuliert hierzu:

„Aufgabe einer kommunistischen Querfront-Debatte wäre es, den inneren Zusammenhang dessen, was die hegemoniale Querfront ausmacht, herauszuarbeiten, um dadurch eine in sich stimmige widerständige Reaktion auf sie zu ermöglichen. So eine Aufgabe lässt sich natürlich nicht erfüllen, wenn eine hegemoniale Querfront nicht wahrgenommen wird.“[1]

Dem ist insofern zuzustimmen, als dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den politischen Kräften, die MagMa unter dem Begriff der „hegemonialen Querfront“ zusammenfasst, notwendig ist. Nichtsdestotrotz müssen wir der Frage nachgehen, weshalb und wie neofaschistische Kräfte in der Lage sind, innerhalb der Friedensbewegung an Einfluss zu gewinnen und wieso sich einige Friedenskräfte auf eine solche Querfront einlassen. Was als legitime Reaktion auf die „hegemoniale Querfront“ eingeschätzt wird, hat in Wirklichkeit vielmehr mit der Perspektivlosigkeit und Isolation der Friedensbewegung zu tun – also mit inneren Problemen.

Eine wesentliche Verantwortung für die Wirksamkeit dieser Querfrontbestrebungen liegt dabei, außer Frage, bei der bundesdeutschen Linken. Bereits im ersten Artikel der Reihe wird dieser Zusammenhang folgendermaßen sehr deutlich beschrieben:

„Sie haben ideologische Diffusion zugelassen, die Menschen alleine mit ihren Problemen gelassen und sind jüngst vollständig ins Lager der herrschenden Kriegstreiber übergelaufen und treiben somit viele Menschen geradezu in die Arme der Nazis.“[2]

Die politische Schwäche der Linken und insbesondere der antiimperialistischen Friedensbewegung schafft natürlich einen Raum, in dem sich andere politische Kräfte etablieren können. Wo fortschrittliche Kräfte keine überzeugenden Antworten auf soziale Unsicherheit, Aufrüstung, Krieg und internationale Konflikte geben, entsteht eine politische Lücke, die von anderen Akteuren gefüllt werden kann. Daraus ergibt sich aber erst recht die Notwendigkeit, die Interessen, Strategien und politischen Zielsetzungen rechter Strömungen innerhalb der Friedensbewegung konkret zu untersuchen. Dabei reicht es nicht aus, lediglich ihre öffentlichen Positionierungen zu betrachten und sie als Alternative zur „hegemonialen Querfront“ abzutun. Entscheidend ist weiterhin, welche gesellschaftlichen Interessen die leitenden Kräfte vertreten, welche politischen Perspektiven sie verfolgen und wie sie versuchen, bestehendes Protestpotenzial für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Der MagMa-Text wirft weiterhin eine zentrale Frage auf:

„Wie realistisch wäre es anzunehmen, unter den an die Ränder Gedrückten würde sich nicht eine Auffassung breitmachen, nur durch Spektrumsübergreifende »links-rechts-egal«-Zusammenschlüsse gegen die hegemoniale Querfront ankommen zu können?“[3]

Dass sich eine solche Vorstellung in Teilen der politischen Landschaft Deutschlands etabliert hat, lässt sich kaum bestreiten. Entscheidend ist jedoch, weshalb diese Entwicklung eingetreten ist und welche politischen Schlussfolgerungen daraus gezogen werden müssen. Welche Rolle spielt die antiimperialistische Friedensbewegung bei dieser Entwicklung? Weshalb ist sie gegenwärtig so schwach? Und inwiefern trägt ihre eigene politische Schwäche dazu bei, dass vorhandenes Protestpotenzial entweder gar nicht mobilisiert oder von rechten Kräften aufgegriffen und vereinnahmt wird? Die Antwort auf diese Fragen kann nicht darin bestehen, die Unterscheidung zwischen links und rechts vollständig aufzugeben, nur weil diese Begriffe von politischen Gegnern verwischt oder instrumentalisiert werden. Im Gegenteil: Gerade unter diesen Bedingungen ist es notwendig, politische Positionen anhand ihrer konkreten Inhalte, gesellschaftlichen Interessen und Zielsetzungen zu bestimmen. Dabei muss insbesondere zwischen der politischen Führung einer Bewegung und den Menschen unterschieden werden, die sich an ihr beteiligen. Nicht jeder Mensch, der sich aus politischer Frustration, sozialer Unsicherheit oder dem Gefühl persönlicher Ausweglosigkeit einem Montagsprotest, einem Ostermarsch oder einer anderen Protestbewegung anschließt, ist deshalb bereits ein bewusster „Querfrontler“ im Sinne einer neofaschistischen Strategie.

2. Die „hegemoniale Querfront“: Zusammensetzung und politische Wirkung

Mit dem Begriff der „hegemonialen Querfront“ wird von MagMa eine politische Strömung bezeichnet, die sich insbesondere aus linksliberalen, pazifistischen und anderen sich als links verstehenden Strukturen zusammensetzt. Gemeint sind jene Kräfte, die beispielsweise Waffenlieferungen an die Ukraine oder Israel mit Verweis auf vermeintlich demokratische Werte legitimieren. Eine solche Entwicklung lässt sich meiner Einschätzung nach auch im Umfeld der sogenannten „Brandmauer-Bewegung“ beobachten, in der – mit Verweis auf ein kleineres Übel – ein breites Spektrum von Linken bis Konservativen gegen die AfD in Stellung gebracht wird. Wenn sich politische Kräfte, die sich selbst als links verstehen, im Kampf gegen die AfD nicht mehr konsequent von anderen staatstragenden Parteien wie der CDU oder den Grünen abgrenzen, sondern eine gemeinsame politische Front bilden, entsteht ein grundlegendes Problem: Die Unterscheidbarkeit der vertretenen politischen Positionen wird für viele Teile der Bevölkerung zunehmend schwieriger. Diese Entwicklung kann politische Frustration und Entfremdung verstärken. Gerade von Menschen, die bereits von etablierten Parteien und Institutionen enttäuscht sind, können die fehlende Abgrenzung gegenüber bürgerlichen und kriegspolitischen Positionen als Bestätigung ihrer bisherigen Erfahrungen wahrnehmen. Bleibt eine erkennbare linke Alternative aus, besteht die Gefahr, dass sich vorhandenes Protestpotenzial verstärkt rechten Kräften zuwendet. Diese Entwicklung können wir bereits beobachten, was auch die letzten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern untermauern.

Auch hier lässt sich ein konkreteres Beispiel aus Dresden heranziehen. Rund um den 13. Februar, den Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Jahr 1945, finden seit den 1990er-Jahren große Neonazi-Aufmärsche statt, gegen die sich regelmäßig antifaschistische Proteste und Blockaden richten. Allerdings stellt sich auch hier die Frage, welche politischen Kräfte diese Proteste tragen und welche inhaltlichen Positionen sie miteinander verbinden. An den Blockaden beteiligen sich unterschiedliche Akteure: von Roten Jugendgruppen und verschiedenen Antifa-Gruppen im Allgemeinen über die Linkspartei, die SPD und die Grünen samt ihren Jugendorganisationen bis hin zu militanten Antideutschen. Damit stellt sich die Frage, ob der gemeinsame antifaschistische Protest tatsächlich auf einer gemeinsamen politischen Analyse beruht oder ob sich unterschiedliche, teilweise gegensätzliche politische Positionen lediglich unter einem gemeinsamen Aktionsmotto zusammenfinden. Auch hier besteht die Gefahr, genau mit den Kriegstreiberparteien und Zionisten, die den Rechtsruck hervorbringen, gegen seine Auswüchse, also Neonazis und die AfD, zu demonstrieren.

2.1. Warum eine Querfront mit rechten Kräften keine geeignete Antwort auf die „hegemoniale Querfront“ ist

Damit ist auch nicht jede Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen politischen Spektren automatisch als Querfront zu begreifen. Vielmehr muss im konkreten Fall untersucht werden, welche Interessen die beteiligten Kräfte verfolgen, wer innerhalb eines Bündnisses die politische Führung übernimmt und welche ideologische Richtung sich langfristig durchsetzt. Genau darin liegt ein zentraler Punkt der Querfront-Debatte. Neofaschistische Akteure versuchen, bestehendes Protestpotenzial aufzugreifen und für ihre eigenen politischen Ziele zu mobilisieren. Sie können dabei an reale soziale Probleme, politische Enttäuschungen und berechtigte Kritik an der herrschenden Politik anknüpfen, um ihre eigenen Positionen als vermeintliche Interessenvertretung der Arbeiterklasse und der Bevölkerung darzustellen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine sogenannte „Gegenquerfront“ tatsächlich eine notwendige oder geeignete Antwort auf die „hegemoniale Querfront“ sein kann. Aus meiner Sicht führt eine solche Schlussfolgerung in eine politische Sackgasse. Wer sich mit dem Argument des vermeintlich geringeren Übels und dem Verweis auf vermeintliche Friedenskräfte in der AfD auf ein Bündnis mit rechten Kräften, trägt dazu bei, deren politische Positionen zu normalisieren, ihre gesellschaftliche Verankerung zu stärken und Illusionen in die AfD zu hegen. Die berechtigte Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik und der Reaktion der „Linken“ wird dadurch nicht in eine eigenständige fortschrittliche Perspektive überführt, sondern kann für ein rechtes politisches Gegenangebot vereinnahmt werden. Gerade die inhaltliche Unklarheit innerhalb solcher Bündnisse bietet rechten Akteuren die Möglichkeit, ihre eigenen politischen Interessen als vermeintlich allgemeine Interessen der Bevölkerung auszugeben und zu etablieren. Der gemeinsame Protest gegen Aufrüstung und Krieg sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, welche gesellschaftliche Ordnung die Beteiligten anstreben und welche Interessen sie langfristig vertreten. Deshalb darf auch die berechtigte Kritik an der „hegemonialen Querfront“ nicht dazu führen, die politische Eigenständigkeit einer antiimperialistischen Friedensbewegung aufzugeben und zugunsten größerer Anschlussfähigkeit mit Kritik an der NATO zu sparen oder sich in die antirussische Rhetorik dieser Kräfte einzureihen.

Ebenso wenig darf der Kampf gegen Deutschlands NATO-Mitgliedschaft, Waffenlieferungen und die Aufrüstung dazu dienen, rassistische, nationalistische und menschenverachtende Positionen zu relativieren oder zu übergehen, um möglichst anschlussfähig zu Rechten zu sein, die in demagogischer Weise Deutschlands Kriegspolitik anprangern. Der Kampf gegen solche Positionen, wie sie insbesondere von der AfD und weiteren rechten Akteuren vertreten werden, bleibt ein wesentlicher Bestandteil einer eigenständigen fortschrittlichen Bewegung. Eine Zusammenarbeit mit diesen Kräften kann daher weder als logische Konsequenz aus der Kritik an der „hegemonialen Querfront“ noch als notwendige Alternative zu ihr verstanden werden. Gleichzeitig ist eine klare Abgrenzung gegenüber jenen Kräften erforderlich, die eine vermeintlich „linke“ Politik mit den Interessen der herrschenden Kriegspolitik verbinden.

Im Endeffekt sind beide Querfronten, sei es mit Freien Sachsen und AfD, oder mit Kräften wie den Grünen, der SPD oder Antideutschen, staatstragend. Während Erstere mit Friedensrhetorik auf Stimmenfang gehen und friedensbewegte Menschen in die Linie des Staates integrieren, indem sie die soziale Frage zu einer ethnischen Frage machen und deutschen Nationalismus predigen, integrieren Letztere linke Kräfte über die Erzählung vom Kampf gegen autoritäre/islamistische Regime oder der angeblichen Bedrohung durch Russland. In beiden Varianten schwenken Antifaschisten und Antimilitaristen zugunsten einer erhofften Anschlussfähigkeit oder herbeigesehnten Vergrößerung der eigenen Kräfte auf die Linie des Militarismus ein – sei es völkischer oder liberaler Prägung.

3. Die Probleme der Friedensbewegung: Zwischen „hegemonialen“ Kräften und rechter Einflussnahme

Die Friedensbewegung steht vor der Aufgabe, sich sowohl gegenüber rechten Einflussversuchen als auch gegenüber jenen politischen Kräften zu behaupten, die unter einem vermeintlich „linken“ oder demokratischen Selbstverständnis die herrschende Kriegspolitik legitimieren. Dafür reicht eine bloße Abgrenzung gegenüber einzelnen Akteuren nicht aus. Notwendig ist vielmehr ein inhaltlich fundiertes politisches Angebot, das die Interessen und Zielsetzungen dieser Kräfte offenlegt und ihnen eine eigenständige Perspektive entgegensetzt. Rechte Akteure innerhalb der Friedensbewegung müssen als politische Kräfte erkennbar gemacht werden, die versuchen, eine Bewegung für ihre eigenen Zwecke zu vereinnahmen und zu spalten. Dasselbe gilt für die Kräfte, die erstmal unter dem Begriff der „hegemonialen Querfront“ zusammengefasst werden. Auch ihre politischen Positionen und die daraus resultierende Unterstützung von Kriegspolitik müssen benannt, analysiert und kritisiert werden. Wo Akteure die Politik des Imperialismus relativieren, Genozidleugnung betreiben oder Kriege politisch unterstützen, müssen diese Positionen einer konsequenten Kritik und Aufdeckung unterzogen werden. Das gilt umso mehr für verschleierte pseudolinke Varianten, die sich mit marxistischem Vokabular gegen Russland, den Iran und Palästina, also die erklärten Todfeinde des deutschen Imperialismus, wenden.

Das zentrale Problem der Friedensbewegung besteht also gegenwärtig darin, dass es ihr vielfach an inhaltlicher Klarheit im Umgang mit diesen unterschiedlichen Kräften fehlt. Sie ist häufig nicht in der Lage, auf internationale Entwicklungen schnell, fundiert und massenwirksam zu reagieren und die damit verbundenen politischen Interessen verständlich zu vermitteln. Das betrifft beispielsweise die Entwicklungen in Venezuela und dem Iran ebenso wie die mangelhafte Verbindung zum Genozid in Palästina. Stattdessen beschränken sich Teile der Friedensbewegung auf moralische Appelle, allgemein gehaltene pazifistische Forderungen oder oberflächliche Analysen. Damit wird jedoch ein wesentlicher Teil ihrer politischen Aufgabe vernachlässigt: eine konkrete Erklärung der Ursachen von Kriegen und der Interessen der beteiligten oder betroffenen Akteure.

Dazu gehört auch, die Rolle des deutschen Imperialismus und die Interessen des deutschen Kapitals in internationalen Konflikten kritisch zu analysieren und verstehen zu können. Eine solche Herangehensweise darf sich weder auf die Übernahme staatlicher Deutungsmuster beschränken noch Konflikte auf eine moralische Gegenüberstellung von Gut und Böse reduzieren. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer grundlegenden inhaltlichen und politischen Debatte innerhalb einer antimilitaristischen Bewegung, die nicht nur die Form, also den Krieg, sondern die Ursache, den Imperialismus, ablehnt und bekämpft. An die Stelle rein emotionalisierter und moralischer Argumentationen muss eine fundierte Analyse treten, die es ermöglicht, politische Zusammenhänge zu erklären und daraus eine konkrete Handlungsorientierung abzuleiten.

Eine Antwort auf die „hegemoniale Querfront“ kann also nicht darin bestehen, politische Grundsätze aufzugeben oder sich den Positionen jener Kräfte anzunähern, die man eigentlich kritisieren möchte. Ebenso wenig kann die Antwort auf die Einflussnahme neofaschistischer Akteure darin liegen, mit ihnen gemeinsame politische Strukturen aufzubauen. Diese Betonung politischer Eigenständigkeit darf nicht als Sektierertum verstanden werden, sondern weist vielmehr den Ausweg daraus.

Organisierungsansätze gegen Aufrüstung, Militarisierung und deutsches Großmachtstreben müssen wieder zu Orten einer eigenständigen, kämpferischen Interessenvertretung der Arbeiterklasse werden und gesellschaftlich verankert sein. Die Friedensbewegung steht heutzutage weitestgehend isoliert da – ganz anders als die Palästinasolidarität und die Schulstreiks gegen Wehrpflicht, die auch abseits von zentralen Anlässen (bspw. Ostermärsche und Weltfriedenstag) eine reale politische Dynamik erzeugen.

Der Zusammenhang zwischen Sozialkürzungen und Aufrüstung muss dabei mehr in den Vordergrund treten, sowie ein ehrlicher Umgang mit der drohenden Kriegsgefahr. Die Frustration und Hilflosigkeit großer Teile der Bevölkerung müssen politisch aufgegriffen werden. Aktuell scheinen der Friedensbewegung dafür die geeigneten politischen Formate zu fehlen und eine tatsächliche Perspektive aufzuzeigen.

4. In welchem Verhältnis stehen Kommunisten zur Friedensbewegung?

Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihren Unmut auszudrücken, sich gegen die herrschende Politik zur Wehr zu setzen und ihre Interessen sichtbar zu machen. Gerade deshalb wäre es politisch falsch, die Teilnehmer von Querfrontprotesten wie Montagsdemos pauschal mit denjenigen gleichzusetzen, die versuchen, diese Unzufriedenheit für rechte oder neofaschistische Ziele zu instrumentalisieren. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wer dieses Protestpotenzial politisch organisiert und führt, welche Interessen diese Führung verfolgt und welche politischen Perspektiven sie den Menschen anbietet. Rechte Akteure versuchen gezielt, bestehende Unzufriedenheit aufzugreifen, gesellschaftliche Widersprüche für ihre Zwecke zu nutzen und Menschen in ihre politische Richtung zu lenken. Dabei setzen sie häufig dort an, wo die Friedensbewegung versagt und ein Vakuum hinterlässt. Die inhaltliche Unklarheit einer Bewegung und die Abwesenheit der Kommunisten bietet ihnen dafür erhebliche Möglichkeiten. Wo eine eigenständige linke Perspektive fehlt, können rechte Akteure soziale und politische Probleme aufgreifen, sie nationalistisch umdeuten und sich als vermeintliche Alternative zur herrschenden Politik präsentieren. Daraus ergibt sich für Kommunisten eine besondere Verantwortung. Sie müssen sich mit den realen Problemen und Widersprüchen auseinandersetzen, die Menschen auf die Straße treiben, anstatt sich entweder von ihnen zu distanzieren oder ihre Unzufriedenheit unkritisch zu übernehmen. Es reicht nicht aus, bestehende Protestbewegungen lediglich von außen zu bewerten.

Das bedeutet auch, die Schwäche der bestehenden Friedensbewegung nicht ausschließlich auf äußere Einflussversuche zurückzuführen. Zwar versuchen pro-imperialistische Kräfte rechter und „linker“ Prägung, die politische Ausrichtung der Bewegung zu bestimmen. Doch zugleich muss untersucht werden, weshalb es der antiimperialistischen Linken bislang nicht ausreichend gelingt, eine überzeugende Alternative zu entwickeln und sich gesellschaftlich zu verankern.

Eine antiimperialistisch orientierte Friedensbewegung muss daher zwei Aufgaben miteinander verbinden: Einerseits gilt es, die politische Eigenständigkeit gegenüber der „hegemonialen Querfront“ und rechten Querfrontbestrebungen zu verteidigen. Andererseits muss sie in der Lage sein, die Menschen zu erreichen, die aus nachvollziehbarer Unzufriedenheit an Protesten teilnehmen, und ihnen eine fortschrittliche politische Perspektive aufzuzeigen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Kommunisten sich mit der bestehenden Friedensbewegung auseinandersetzen sollen, sondern wie sie diese Auseinandersetzung führen. Es geht darum, vorhandenes Protestpotenzial ernst zu nehmen, ohne dessen politische Vereinnahmung hinzunehmen; Bündnisse dort zu ermöglichen, wo sie der gemeinsamen Sache dienen, ohne die eigene politische Position aufzugeben; und eine Bewegung aufzubauen, die sich weder mit „linker“ Rhetorik in den Kriegskurs Deutschlands integrieren lässt, noch nationalistischen und völkischen Kräften untergeordnet ist.

Eine solche Perspektive setzt voraus, dass Kommunisten nicht nur Kritik an den bestehenden Verhältnissen formulieren, sondern auch praktisch daran arbeiten, eine eigenständige politische Kraft zu entwickeln. Nur wenn es gelingt, soziale Fragen, den Kampf gegen Aufrüstung und Militarisierung sowie eine fundierte Analyse der Politik des Imperialismus miteinander zu verbinden, kann eine antiimperialistische Friedensbewegung langfristig an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen.

Das meint an dieser Stelle nicht, die alte und überalterte „Friedensbewegung“ bestmöglich personell zu stärken und zu unterstützen, sondern etwas Neues, Fortschrittliches und inhaltlich Fundiertes auszubauen, um wegzukommen von der von Phrasen geprägten, inhaltsleeren Forderung nach Frieden und dem sogenannten kleinsten gemeinsamen Nenner. Eine inhaltlich diffuse Bewegung kann niemals effektives Protestpotenzial entfalten und ist auch vonseiten des Staates mit Leichtigkeit zu spalten. Damit steht die Bewegung vor einer grundlegenden politischen Entscheidung: Entweder bleibt sie ein Feld, auf dem unterschiedliche Kräfte versuchen, vorhandenes Protestpotenzial für ihre jeweiligen Interessen zu vereinnahmen, oder es gelingt, eine eigenständige Bewegung zu entwickeln, die gesellschaftliche Widersprüche aufgreift, politische Klarheit schafft und die Interessen der Arbeiterklasse konsequent vertritt.


[1] MagMa – Magazin der Masse, 25. Januar 2026, https://magma-magazin.info/2026/01/sunnifa/querfront-zaehlung-bis-zwei-quergedachtes-zur-querfront-debatte-der-kommunistischen-organisation/

[2] Nasrin Düll: „Querfront – Kampfbegriff und reales Problem!“, in: Kommunistische Organisation (KO), 18. November 2025, https://kommunistische-organisation.de/klaerungunddebatte/querfront-kampfbegriff-und-reales-problem/

[3] MagMa – Magazin der Masse, 25. Januar 2026, https://magma-magazin.info/2026/01/sunnifa/querfront-zaehlung-bis-zwei-quergedachtes-zur-querfront-debatte-der-kommunistischen-organisation/

Lügner, Hetzer, Rassisten – Der Spiegel dämonisiert die palästinensische Community

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Bereits Anfang des Monats haben wir öffentlich unsere Solidarität mit Ibrahim Ibrahim, Hannah Bruns und der Roten Hilfe erklärt. Angesichts der immer weiter eskalierenden rassistischen Hetzkampagne gegen den Genossen Ibrahim Ibrahim haben wir uns entschlossen, die folgende Stellungnahme des Internationalistischen Bündnis Berlin (InterBündnis) zu spiegeln und unsere Solidarität mit Ibrahim erneut zu bekräftigen.

Redaktion der KO

Die Hetzkampagne gegen die palästinensische Community in Berlin reißt nicht ab. Ein weiteres Mal wird unser Genosse Ibrahim Ibrahim von den pro-israelischen Medien als Terrorist und Antisemit dargestellt. In einem angeblichen Leak an den Spiegel hat die Linke Spitzenkandidatin Elif Eralp dieses Narrativ übernommen und berichtet von Angst vor Palästina-Aktivisten.

Angst wovor?

Ibrahim ist ein 70-jähriger, palästinensischer Sozialist, der seit drei Jahren mehrmals wöchentlich Demonstrationen der palästinensischen Community gegen die Vernichtung des palästinensischen Volkes anmeldet und mitorganisiert. Und damit steht Ibrahim nicht alleine: Die Linke hat ihren Wahlsieg in Berlin zu einem Großteil der palästinensischen und palästinasolidarischen Bewegung zu verdanken. Besonders die Bezirke Neukölln und Wedding haben Die Linke für ihre Wahlversprechen, der Kriminalisierung der Palästinasolidarität entgegenzuwirken, gewählt und beim Wahlkampf unterstützt. Der Angriff auf Ibrahim ist somit ein weiterer Angriff auf alle Palästinenser:innen und die Anti-Genozid Bewegung Berlins.

Der rechtsextreme Verfassungsschutz ist keine seriöse Quelle

Der Verfassungsschutz ist über sein V-Leute-System tief in die rechte Szene verstrickt. Die unheilige Allianz zwischen Inlandsnachrichtendienst und der extremen Rechten muss aufgedeckt und beendet werden. Die Forderung der Linken im Wahlkampf war zurecht, den Berliner Verfassungsschutz aufzulösen.

Dämonisiert wird Ibrahim vom Verfassungsschutz mit der Behauptung, er würde der Hamas nahe stehen. Wir stellen uns gegen die Diffamierung palästinensischer Widerstandsorganisationen als „Terrororganisationen“, womit Widerstand gegen Genozid und Besatzung grundsätzlich kriminalisiert werden soll.

Ibrahim ist ein säkularer Sozialist, der sich gegen Antisemitismus, Rassismus, religiöse Diskriminierung und jede Form ethnischer Ausgrenzung stellt. Es ist Teil der genozidalen Kampagne Israels, alle Palästinenser:innen als „Hamas“ darzustellen. Für die israelische Regierung gibt es keine palästinensischen Zivilist:innen, für den Spiegel offensichtlich auch nicht. Sie greifen einen Zivilisten an, der sich politisch mit demokratischen Mitteln gegen die Vernichtung seines Volkes durch deutsche Waffen einsetzt. Die Linke hat den rassistischen Narrativen nichts entgegen zu setzen. Es entsteht der Eindruck, dass diese sogar benutzt werden, um internationalistische Kräfte in der eigenen Partei mit bürgerlichen Medien gemeinsam anzugreifen und aus der Partei und ihrer eigenen Fraktion zu verdrängen.

Die wahre Sicherheitsbedrohung in Berlin

Die Führung der Linkspartei hat das Narrativ der Medien übernommen und erklärt Palästina-Aktivisten zum Sicherheitsrisiko für Berlin. Damit verschleiert sie, wer die wirkliche Gefahr für unsere Stadt ist.

Die Gefahr geht von den Kriegsprofiteuren aus, die im Namen der „Zeitenwende“ die Aufrüstung und Militarisierung Deutschlands vorantreiben. Ein Generalangriff auf unsere politischen und sozialen Rechte wird zurzeit geführt: die Rente und Gesundheitsversorgung werden gekürzt, Milliarden werden in Rüstung und Kriegsvorbereitung gepumpt und das Recht auf Protest und Meinungsfreiheit wird eingeschränkt.

Konzerne wie Israel Aerospace Industries erhalten massive Subventionen aus öffentlichen Mitteln, um sich in unserer Stadt anzusiedeln und hier Waffen zu produzieren.

Berlins Schulen sind währenddessen chronisch unterfinanziert und marode. Bald soll die Wehrpflicht für Jugendliche wieder eingeführt werden. Das sind die wahren Sicherheitsrisiken für uns Berlinerinnen!

Das Internationalistische Bündnis im Fadenkreuz

Die rassistische Hetze in den Medien wird verbunden mit einem Angriff auf unsere politische Arbeit als Internationalistisches Bündnis. Seit Juli 2025 setzen wir uns für ein Waffenembargo gegen Israel und einen akademischen Boykott Israels ein.

Wir arbeiten an diesen Zielen gemeinsam mit palästinensischen, jüdischen, linken und progressiven Organisationen. Wir werden unseren Kampf ungeachtet der laufenden Hetzkampagne fortführen – und dies tun wir auch gemeinsam mit unseren Partner:innen innerhalb der Linken: Der Linken Neukölln, der Linken Wedding, dem SDS und der LAG Palästinasolidarität.

In der „Berliner Vereinbarung“ von Linke, Grünen und SPD werden die Narrative der medialen Hetzkampagne gegen die Linke übernommen. Der Antisemitismus-Begriff wird dabei so weit gedehnt, dass jeder pro-palästinensische Aktivismus damit ins Visier genommen werden kann.

Wir sehen in der Berliner Vereinbarung, aber auch im Agieren der Berliner Parteispitze der Linken einen neuen Baustein im Angriff auf unsere demokratischen Rechte. Es wird angekündigt, den Verfassungsschutz, den man eigentlich abschaffen wollte, gegen ‚antisemitische Kräfte‘ einsetzen zu wollen. Gleichzeitig sollen Proteste an den Universitäten unterbunden und die Zusammenarbeit mit israelischen Unternehmen und Forschungsinstituten fortgesetzt werden.

Die volksfeindliche Regierung wird durch eine volksfeindliche Opposition abgelöst

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Wir spiegeln an dieser Stelle die Stellungnahme der Neuen Kommunistischen Partei Jugoslawiens zu den serbischen Parlamentswahlen. Sie ordnet die „Studentenliste“ in den arbeiterfeindlichen und pro-imperialistischen Kurs serbischer Regierungen seit Beginn der 2000er Jahre ein, den die vermeintliche Oppositionspartei fortsetzen wird. Nicht zuletzt wertet die NKPJ ihre eigene Wahlbeteiligung mit der Liste der Russischen Partei positiv aus.

Solche gespiegelten Beiträge und Übersetzungen dienen dazu, Positionen und Analysen aus dem Ausland für Deutschlands Kommunisten zugänglich zu machen, und geben nicht zwangsläufig die Positionen der KO wieder.

Redaktion der KO


Stellungnahme der Neuen Kommunistischen Partei Jugoslawiens zu den serbischen Parlamentswahlen vom 27. Oktober 2026

Die Neue Kommunistische Partei Jugoslawiens (NKPJ) stellt fest, dass der Regierungswechsel nach den Parlamentswahlen vom 25. Oktober die äußerst schlechte Lage der arbeitenden Bevölkerung Serbiens nicht im Geringsten verbessern wird.

Der Grund dafür ist einfach. Die bürgerliche, proimperialistische Regierung der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) und ihrer Koalitionspartner wurde durch die bürgerliche, proimperialistische Opposition „Studentenliste“ abgelöst. Diese reaktionäre Formation ist die Nachfolgerin der volksfeindlichen Politik der berüchtigten Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), die der westliche Imperialismus nach dem konterrevolutionären Putsch vom 5. Oktober 2000 in Serbien an die Macht gebracht hatte, durch den die verbleibenden Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus unseres Landes zunichte gemacht wurden.

Dementsprechend haben die arbeitenden Menschen Serbiens nichts zu feiern, da eine volksfeindliche Regierung durch eine volksfeindliche Opposition abgelöst wird.

Die SNS regierte 14 Jahre lang und setzte dabei gewissenhaft den von der DOS im Jahr 2001 eingeleiteten reaktionären Privatisierungsprozess fort, verteilte Subventionen an ausländische Unternehmen, damit diese immer größere Supergewinne erzielen konnten, und sorgte dafür, dass die Körperschaftssteuer die niedrigste in unserer Region blieb. Die SNS befreite private Arbeitgeber von einer Reihe steuerähnlicher Abgaben und reduzierte damit den Zufluss von Mitteln in den Staatshaushalt, die für das Gesundheits- und Bildungswesen bestimmt waren. Sie verschärfte die Bedingungen für die Gewährung von Krankschreibungen und weigerte sich bis zu ihrem allerletzten Tag an der Macht hartnäckig, den Sonntag für Beschäftigte im Einzelhandel zum arbeitsfreien Tag zu erklären. Serbien ist tatsächlich das einzige Land auf dem Gebiet der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ), in dem Beschäftigte im Einzelhandel sonntags arbeiten müssen, um Gewinne für ihre kapitalistischen Chefs zu erwirtschaften. Während der Regierungszeit der SNS wurden Änderungen des Arbeitsgesetzes verabschiedet, die durch und durch arbeitnehmerfeindlich waren und die unter der DOS begonnene Umgestaltung des Arbeitsrechts zugunsten des ausbeuterischen Großkapitals fortsetzten.

In der Praxis ignorierte die SNS-Regierung die Besetzung des Kosovo und Metohija, Serbiens südlicher Provinz, sowie den Terror, den das albanische separatistische Marionettenregime, das proimperialistischen Interessen dient, dem serbischen Volk in diesem Gebiet antut. Die SNS setzte den reaktionären Prozess der Eingliederung Serbiens in die Europäische Union fort, ein Völkergefängnis, dessen Ziel es ist, die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer zu machen. Darüber hinaus setzen die serbischen Streitkräfte ihre Zusammenarbeit mit der NATO im Rahmen des Programms „Partnerschaft für den Frieden“ fort, obwohl die NATO das wichtigste militärische Instrument des westlichen Imperialismus ist. Die NATO hat die SFRJ zerschlagen und einen blutigen Bruderkrieg auf ihrem gesamten Territorium ausgelöst, 1999 eine Aggression gegen die Bundesrepublik Jugoslawien geführt, Kosovo und Metohija besetzt und anschließend den gemeinsamen Staat Serbien und Montenegro aufgelöst. Alles, was die DOS während ihrer zehnjährigen reaktionären Herrschaft tat, setzte die SNS von 2012 bis heute fort.

Gleichzeitig verärgerte die Regierung die Öffentlichkeit durch ihre Propagandamaschinerie mit Märchen über einen hohen Lebensstandard und Durchschnittsgehälter von etwa 1.000 Euro, obwohl solche Einkommen in Wirklichkeit zu den niedrigsten in Europa gehören. Es muss auch angemerkt werden, dass die Hälfte der Beschäftigten des Landes nur davon träumen kann, dieses Gehalt zu erhalten, da sie weniger als 794 € pro Monat verdienen, was dem Medianlohn entspricht. Ab Januar wird der Mindestlohn 600 € betragen. Wie unzureichend diese Beträge sind, zeigt sich daran, dass der durchschnittliche Warenkorb 943 € kostet, während der Mindestwarenkorb 485 € kostet – eine Zahl, die bis Januar noch steigen wird.

Die von Aleksandar Vučić geführte Regierung rühmte sich zudem mit Rekordrenten, doch ab Januar nächsten Jahres wird die durchschnittliche Rente nur noch etwa 520 € betragen.

All dies sind Gründe, warum die Serbische Fortschrittspartei die Macht verloren hat und warum ihr wichtigster Koalitionspartner, die Sozialistische Partei Serbiens (SPS), bei den gerade zu Ende gegangenen Wahlen die Wahlhürde nicht genommen hat.

Die bevorstehende Zeit, in der die Macht vom ideologischen Nachfolger der Demokratischen Opposition Serbiens ausgeübt wird – der volksfeindlichen „Studentenliste“, angeführt von ehemaligen Funktionären der Demokratischen Partei und unterstützt von allen bürgerlichen, proimperialistischen Parteien, die zuvor im Parlament vertreten waren –, könnte sich für die Interessen der serbischen Bürger als noch schlimmer erweisen als die SNS-Regierung.

Die Politik des EU-Beitritts wird fortgesetzt, ebenso wie die militärische Zusammenarbeit mit der NATO. Die Besetzung des Kosovo und von Metohija durch den westlichen Imperialismus wird weiterhin ignoriert, während die Zusammenarbeit mit dem befreundeten China unter dem Druck aus Brüssel ebenfalls abgebrochen wird. Auch wenn einige Führer der „Studentenliste“ behaupten, dass keine Sanktionen gegen Russland verhängt werden, bleibt es höchst fraglich, ob unter den Führern dieser reaktionären Formation ein Konsens in dieser Frage erzielt werden kann.

Die NKPJ und ihre Jugendorganisation, der Kommunistische Jugendverband Jugoslawiens (SKOJ), traten bei den Wahlen zur Nationalversammlung Serbiens auf der Liste der Russischen Partei an. Sie vertreten mit dieser Partei gemeinsame Positionen zur EU, zur NATO, zur Zusammenarbeit mit dem brüderlichen Russland und den BRICS-Staaten sowie zum antifaschistischen Kampf. Die Liste erzielte 0,2 Prozent der Stimmen – ein hervorragendes Wahlergebnis, wenn man bedenkt, dass sie in den Medien ungleich behandelt wurde und für ihren Wahlkampf deutlich weniger finanzielle Mittel zur Verfügung hatte als Serbiens größte bürgerliche, proimperialistische Parteien. Auch die Stimmen der Kommunisten, die die Liste auf Aufruf der NKPJ und der SKOJ unterstützt haben, trugen zu diesem starken Ergebnis bei.

Die NKPJ kommt zu dem Schluss, dass der Wahlkampf in vollem Umfang genutzt wurde, um den Kampf der arbeitenden Menschen gegen Ausbeutung und den westlichen Imperialismus voranzutreiben.

Die NKPJ nutzt diese Gelegenheit, um die sogenannten „Bürgerversammlungen“, die die „Studentenliste“ unterstützen, auf das Schärfste für ihren schamlosen und brutalen Angriff auf den Fernsehsender „Informer“ zu verurteilen, der am Tag nach den Wahlen stattfand. Obwohl ein Mitglied der Führung unserer Jugend- und Studentenorganisation zuvor von diesem Fernsehsender, der die Aktivitäten der NKPJ und der SKOJ völlig ignoriert und dessen redaktionelle Linie wir ernsthaft ablehnen und für schädlich halten, bösartig ins Visier genommen worden war, werden wir Angriffe auf Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz ihre Pflichten erfüllen, stets verurteilen. Wir verurteilen daher auch diesen Angriff.

Schließlich ruft die NKPJ die Arbeiterklasse, das ländliche Proletariat, Studenten, Rentner, Jugendliche, Arbeitslose, Jugoslawen und die ehrliche Intelligenz dazu auf, eine Wahlfront zu bilden, die alle fortschrittlichen, antifaschistischen und linken Kräfte im Kampf gegen die Ausbeutung der Arbeit anderer und gegen den westlichen Imperialismus vereint.

Sekretariat der NKPJ

Belgrad, 27. Oktober 2026.

Erklärung des PRCF zu den Protesten in Frankreich

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Wir haben eine Erklärung des Pôle de renaissance communiste en France (PRCF) zu den Protesten vom 17. Oktober 2026 übersetzt, um einen Einblick in die aktuelle politische und soziale Lage Frankreichs zu ermöglichen. Die Erklärung beleuchtet die Ursachen der Proteste, die Kräfte, die sie tragen, und die Widersprüche, die sich innerhalb der französischen Arbeiter- und Volksbewegung zeigen. Zugleich bietet sie eine Einordnung der Entwicklungen und formuliert politische Perspektiven und Aufgaben für Frankreich.

Kriegskurs, Sozialabbau und die zunehmende reaktionäre Zuspitzung staatlicher Politik verschärfen gesellschaftliche Konflikte und stoßen auf wachsenden Widerstand. Frankreich zeigt einmal mehr, wie sich diese Widersprüche in einer breiten Mobilisierung der Bevölkerung entladen können – und welche Chancen, aber auch Schwierigkeiten sich daraus für eine klassenkämpferische und revolutionäre Politik in Frankreich ergeben.

Solche gespiegelten Beiträge und Übersetzungen dienen dazu, Positionen und Analysen aus dem Ausland für Deutschlands Kommunisten zugänglich zu machen, und geben nicht zwangsläufig die Positionen der KO wider.

Redaktion der KO

Erklärung des PRCF1

17. Oktober: Über eine Million Menschen gingen auf die Straße, um für das Frankreich der Arbeiter einzutreten – gegen diejenigen, die das Land ruinieren und seine Jugend in die Verzweiflung treiben. Erklärung der PRCF

Das Macron Regime hat die zerstörerische Logik eines europäischen „Aufbaus“ – der gleichbedeutend ist mit Kriegskurs, Faschisierung und dem Abbau sozialer Errungenschaften – auf die Spitze getrieben und unser Land damit an den Rand einer sozialen und politischen Explosion gebracht.

Einmal mehr bestätigt sich damit Marx’ Einschätzung, der in Frankreich das „klassische Land der bis zum Äußersten getriebenen Klassenkämpfe“ sah: Die Jugend und ein wachsender Teil der Volksbewegung deuten übereinstimmend darauf hin, dass – wie wir von der PRCF seit mehreren Jahren verkünden – „Marianne“, also die Masse der Bürger aus den unteren und mittleren Schichten, sich nicht länger einem strukturell gewaltsamen Zustand fügt, für den in erster Linie die kapitalistische Oligarchie verantwortlich ist, ebenso wie ihre Handlanger in den dominierenden Medien und der euro-atlantischen Partei sowie nicht zuletzt ihre Le Pen-Anhänger, die sich der NATO, dem Euro, der EU und dem MEDEF (Mouvement des Entreprises de France, der größte Arbeitgeberverband in Frankreich) angedient haben.

Ob es France-Info oder den Bolloré-Medien nun gefällt oder nicht: Das herausragende Merkmal des 17. Oktober 2026 sind nicht die Szenen der Zerstörung, über die die mit der oligarchischen Macht verbundenen Fernsehsender wohlwollend berichten, sondern die massive Mobilisierung der Jugend und der breiten Volksschichten, die in großem Umfang und in 90 % der Fälle friedlich in den Großstädten und in zahlreichen Kreisstädten, von Amiens bis Bayonne, demonstriert haben. Die Zahl der Demonstranten in ganz Frankreich, lässt sich wahrscheinlich auf weit über eine Million schätzen (traditionell übernimmt die CGT (Confédération Générale du Travail, die größte und älteste Gewerkschaft in Frankreich) die Zählung der Demonstranten, doch an diesem Tag rief sie in den meisten Departements nicht zu Demonstrationen auf), darunter mehrere Hunderttausend in Paris, mit einer massiven Beteiligung von äußerst entschlossenen Schülern, Studenten und arbeitenden Jugendlichen. Das Innenministerium selbst musste seine Teilnehmerzahlen im Laufe des Tages verfünffachen.

Die hier und da ausgebrochenen Gewalttaten sind in erster Linie das Ergebnis einer Politik der öffentlichen Ordnung, die in Wirklichkeit die wütende Bevölkerung, von der ein großer Teil dramatisch verarmt ist, nur noch mehr verärgert. All dies, um nihilistischen oder opportunistischen Gruppen das Feld zu überlassen, die die Situation ausnutzen, um zu zerstören und zu plündern: Der Brandanschlag auf das Rathaus von Limoges muss daher auf das Schärfste verurteilt werden. Schreckliche Bilder, die die Machthaber nur allzu gerne ausnutzen, um ihre faschistoide Politik der pauschalen Repression zu rechtfertigen, wie sie nacheinander von Sarkozy, Valls, Cazeneuve, Castaner, Darmanin und anderen wie Nunez verkörpert wurde, anstatt auf die legitimen Forderungen einzugehen.

Schließlich lassen sich die Verzweiflung und die Wut vieler Jugendlicher und Arbeiter auf lange Sicht auch dadurch erklären, wie die euro-geprägten und institutionalisierten Führungsspitzen der etablierten politisch-sozialen Linken agieren – die wir nicht mit den 40 UD-CGT-Vertretern (Union Départementale, der Bezirksverband der Gewerkschaft) verwechseln, die heute ihre Klassenpflicht erfüllt haben, indem sie zur Teilnahme an den Demonstrationszügen aufgerufen oder diese sogar organisiert haben, wie in Lille, Nantes oder auch Toulouse. Die unkontrollierte Gewalt ist ebenfalls auf den Mangel an antikapitalistischer, antiimperialistischer und Anti-Maastricht-Radikalität2 der klassischen Organisationen aus der Arbeiterbewegung zurückzuführen, die sich weigern, den europäischen „Aufbau“ scharf zu kritisieren, und die die ruinöse und gefährliche „Kriegswirtschaft“ Macrons „von links“ begleiten. So haben sie gleichzeitig Raum für den Le Pen-geführten Rassemblement und für die Rückkehr bestimmter anarcho-nihilistischer Vorstellungen geschaffen, die die große marxistisch-leninistische PCF (Parti Communiste francais, die Französische Kommunistische Partei) der Volksfront und des Widerstands an den Rand gedrängt hatte. Tatsächlich waren der Sturz des Kapitalismus und der Wunsch nach einer Revolution in aller Munde derer, die es nicht mehr aushalten, die heute auf der Straße stehen, in einer gewaltigen Mobilisierung des Klassenkampfes im Frankreich der Arbeiter.

Die PRCF, deren Flugblätter, Parolen sowie rote und dreifarbige Fahnen bei den Demonstrationen im Allgemeinen sehr gut aufgenommen wurden,

  • – warnt die sogenannte Partei der Ordnung – die Partei von Lecornu, Retailleau und Le Pen, die in Wirklichkeit die Partei der Zerstörung Frankreichs, des Chaos und des Präfaschismus ist – vor jedem Versuch, die Situation auszunutzen, um die Freiheiten noch weiter einzuschränken, mit dem Ausnahmezustand zu spielen, die LFI (La France Insoumise, die 2016 von Jean-Luc Mélenchon gegründete linke Sammelbewegung) zu kriminalisieren (die Meinungsverschiedenheiten zwischen den linken Kräften dürfen die antifaschistische Solidarität in keiner Weise einschränken) oder gar eine Reaktion nach „Versailler“ Art hervorzurufen, die die Spannungen nur noch verschärfen würde
  • ruft die klassenbewussten Gewerkschaftskräfte dazu auf, sich so schnell wie möglich abzustimmen, um dringend eine starke Volksoffensive zu organisieren, die so einigend und breit wie möglich ist, zur Verteidigung des sozialen Fortschritts, des Friedens, der Demokratie und der Souveränität des französischen Volkes: Warten wir dafür nicht auf das grüne Licht der verräterischen Führungskräfte der CFDT (Confédération française démocratique du travail, der gelbe/reformistische Gewerkschaftsbund) sondern setzen wir mehr denn je die Parole eines Generalstreiks um, bei dem alle gemeinsam und gleichzeitig streiken, was schon 1936 und 1968 zu großen Momenten des Fortschritts für das Volk führte; zögern wir auch nicht, im Einklang mit der Volksbewegung lautstark zu rufen: Macron, Nunez, verschwindet! Geld für Löhne, nicht für den Krieg; für Bildung, nicht für Überbewaffnung! Geld für die Schülerinnen und Schüler, nicht für die Europäische Union und ihren Krieg in der Ukraine. Die PRCF hat sich bereits Anfang September in diesem Sinne an ein breites Spektrum von Parteien, Organisationen und Gewerkschaften gewandt (hier lesen)
  • ruft die Kommunisten auf, die keine davor Angst haben, sich zu dem wiederauflebenden Revolutionswillen der Arbeiterklasse und der Jugend zu bekennen, um diesen gemeinsam zu tragen – so wie es die Schülerdemonstrationen und die heutigen Proteste oft getan haben, indem sie die Marseillaise sangen oder die Trikolore hissten (die mittlerweile zu Symbolen dieser Bewegung geworden sind) – das Streben der Arbeitswelt nach Volkssouveränität sowie nach einer sozialen und souveränen Republik gemeinsam zu vertreten, ohne beides gegeneinander auszuspielen; mehr denn je braucht die Volksbewegung unseres Landes und allen voran seine Arbeiterklasse eine große kommunistische Kampfpartei, so wie die Arbeiter der Welt und Europas eine Kommunistische Internationale brauchen, die für einen Sozialismus-Kommunismus der neuen Generation kämpft.
  1. https://initiative-communiste.fr/articles/prcf/17-octobre-des-millions-dans-la-rue-pour-la-france-des-travailleurs-face-a-ceux-qui-cassent-le-pays-desespere-sa-jeunesse-declaration-du-prcf/ ↩︎
  2. Der Vertrag von Maastricht begründete 1993 offiziell die Europäische Union. Anmerkung KO ↩︎

Aufrüstung, AfD und Widerstand – Interview von Jakob Yasko mit Revue Supernova

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Unser Genosse Jakob Yasko wurde im Oktober durch die französische Revue Supernova interviewt. Im lesenswerten Gespräch führte Jakob vor allem Gedanken zu Hintergrund und Rolle der AfD, zu reaktionären Massenbewegungen, zur Militarisierung Deutschlands und der Friedens- und kommunistischen Bewegung aus. Das Original findet ihr auf der Website der „marxistisch-leninistischen Zeitschrift“. Wir spiegeln es hier in deutscher und englischer Übersetzung und danken der Revue Supernova für die Gelegenheit.

Bitte beachtet, dass die hier geäußerten Positionen nicht notwendigerweise die Positionen der Kommunistischen Organisation widerspiegeln.

– Die Redaktion


Wir führen innerhalb der Kommunistischen Organisation Diskussionen über viele dieser Themen, insbesondere im Hinblick auf die AfD. Ich kann hier nicht für alle sprechen, werde aber meine eigenen Ansichten darlegen. – Jakob Yasko

Inwieweit gewinnt die Aussicht auf einen Krieg in Deutschland an Boden? Welche kleinen Anzeichen der letzten Jahre lassen darauf schließen, dass sich die Stimmung in Richtung Kriegsvorbereitung verschiebt?

Die Bundesrepublik Deutschland durchläuft derzeit ihr größtes Wiederaufrüstungsprogramm seit der faschistischen Diktatur.

Milliarden Euro werden in den Ausbau der militärischen Kapazitäten und die Umstrukturierung der Wirtschaft hin zur Rüstungsproduktion investiert. Dabei geht es in erster Linie um die Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland, aber auch darum, die anhaltende Wirtschaftskrise mithilfe des „Kriegs-Keynesianismus“ zu verschleiern und zu bewältigen. Durch die Kanalisierung massiver öffentlicher Investitionen in die Rüstungsindustrie, die militärische Infrastruktur und die Beschaffung von Verteidigungsgütern versucht die Regierung, die Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig den Interessen des militärisch-industriellen Komplexes Vorrang einzuräumen.

Gleichzeitig treibt Deutschland eine Militarisierung des Staates und eine Umstrukturierung seiner Institutionen im Sinne der Anforderungen eines Krieges voran. Dazu gehören die Aushöhlung demokratischer Grundrechte, die Vorbereitung und Umsetzung kriegsrechtlicher Rahmenbedingungen sowie der Einsatz rechtlicher Verfahren gegen Gegner der Militarisierung und der Kriegspolitik. Diese Entwicklungen müssen sowohl im Kontext der zunehmenden Unterdrückung von Antikriegsstimmen in der Gegenwart als auch als Teil der Vorbereitung staatlicher Strukturen auf einen möglichen zukünftigen militärischen Konflikt verstanden werden. Auch die zivil-militärische Zusammenarbeit wird ausgebaut, wodurch zivile Institutionen, Infrastruktur und öffentliche Dienste zunehmend in die militärische Planung eingebunden werden. Darüber hinaus hat die militärische, finanzielle und logistische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine ein Ausmaß erreicht, das die Feststellung rechtfertigt, dass Deutschland bereits effektiv am Krieg gegen Russland auf ukrainischem Boden teilnimmt.

Diese Entwicklungen gehen mit massiven und weitreichenden Kürzungen bei den Sozialausgaben einher. Während enorme Summen für militärische Zwecke bereitgestellt werden, sehen sich die Menschen mit sinkenden Reallöhnen und Einschnitten bei öffentlichen Dienstleistungen und der sozialen Infrastruktur konfrontiert. Kürzungen bei den Mitteln für den öffentlichen Nahverkehr und kulturelle Einrichtungen sowie Einschnitte bei Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Flüchtlinge verdeutlichen, wie Ressourcen zunehmend nicht mehr für soziale Bedürfnisse bereitgestellt werden. Dies wirft eine grundlegende Frage nach den politischen Prioritäten auf: Während Milliarden für die Aufrüstung bereitgestellt werden, unterliegt die Bereitstellung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen zunehmend Sparmaßnahmen und finanziellen Zwängen.

Schließlich geht diese Militarisierung mit der systematischen Verbreitung militaristischer Ideologie und der Normalisierung des Krieges einher. Der öffentliche Diskurs schürt zunehmend Feindseligkeit gegenüber Russland, stellt militärische Konfrontationen als unvermeidbar dar und zielt darauf ab, die Bereitschaft der Bevölkerung zum Militärdienst und zur Übernahme der mit dem Krieg verbundenen Opfer zu stärken. Gleichzeitig wird antimuslimischer Rassismus verschärft und instrumentalisiert, um nationalistische Narrative zu untermauern, innere und äußere Feinde zu konstruieren und autoritäre Politik zu legitimieren. Zusammen tragen diese Entwicklungen zu einem politischen Klima bei, in dem Militarisierung als notwendig und unvermeidlich dargestellt wird, während Widerstand gegen Krieg, soziale Einsparungen und die Aushöhlung demokratischer Rechte an den Rand gedrängt wird.


Gibt es in Deutschland eine Antikriegsbewegung? Geben Sie mir einen Überblick über die Bandbreite der verschiedenen Gruppen, die zu dieser Kategorie gehören, sowie über die wichtigsten Streitpunkte (Ukraine, NATO usw.). Können Sie mir innerhalb dieses Milieus diejenigen beschreiben, die eine antiimperialistische Linie vertreten? Welche politischen Gruppen, Organisationen, Gewerkschaften usw. spielen dabei eine Rolle? Aus welchen sozialen Gruppen bezieht die Bewegung ihre Unterstützung?

In Deutschland gibt es verschiedene Bewegungen – von denen sich einige noch in der Anfangsphase befinden –, die sich gegen die deutsche Kriegspolitik und die Wiederaufrüstung wenden: die Friedensbewegung, die Palästina-Solidaritätsbewegung und seit einem Jahr die Schulstreiks gegen Wehrpflicht.

Die Friedensbewegung blickt auf eine lange Tradition zurück, die bis zu den Protesten gegen die Remilitarisierung in den 1950er Jahren reicht und ihren Höhepunkt in der Mobilisierung während der Proteste gegen den NATO-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren erreichte. Heute ist die Friedensbewegung zum Teil stark überaltert, und in Westdeutschland ist es nicht ungewöhnlich, dass ihre Anhänger jene sind, die bereits damals gegen den NATO-Doppelbeschluss auf die Straße gingen: linke Gewerkschafter, Kommunisten, Christen und vor allem viele Pazifisten, deren politische Ansichten durch die Auswirkungen von 1968 geprägt wurden. Auch in Ostdeutschland setzt sich die Friedensbewegung häufig aus Linken und Kommunisten zusammen; bis zu einem gewissen Grad gelingt es der extremen Rechten, Friedensproteste zu kooptieren und zu lenken. Bei den jüngsten Wahlen war in Ostdeutschland ein Aufstieg der AfD zu verzeichnen. Die größten Demonstrationen finden bundesweit um Ostern und am Internationalen Tag des Friedens am 1. September statt. In Großstädten mobilisieren sich jedes Jahr zwischen 1.000 und 3.000 Menschen, während die Teilnehmerzahl in kleineren Städten von einigen wenigen bis zu mehreren Hundert reicht. Außerhalb solcher zentralen Aktionstage fällt es der Friedensbewegung oft schwer, die breite Öffentlichkeit wirksam zu erreichen und echte Dynamik zu erzeugen. Die Friedensbewegung ist innerhalb der Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad sehr isoliert und führt nur sehr wenige Aktivitäten durch, die die breite Öffentlichkeit einbeziehen. Ein weiteres großes Problem ist der Pazifismus der Friedensbewegung. Sie kritisiert lediglich die Form, die die imperialistische Politik annimmt – den Krieg –, nicht aber den Imperialismus selbst. Darüber hinaus verurteilt der Pazifismus den bewaffneten Widerstand von Völkern und Staaten gegen den Imperialismus ebenso wie die Gewalt des Imperialismus selbst, da er Gewalt grundsätzlich ablehnt. Infolgedessen laufen große Teile der Friedensbewegungen Gefahr, ins Lager des Imperialismus abzudriften. Zudem stellt die gleichmäßige Distanzierung von Russland und der NATO – also die Annahme, dass beide imperialistische Aggressoren sind – eine große Gefahr dar, da sie den Kampf gegen die NATO als globalen Kriegstreiber schwächt.

Die Solidaritätsbewegung mit Palästina hat sich seit Oktober 2023 auf fast alle deutschen Städte ausgeweitet. Überall haben sich Gruppen gebildet, um gegen den Völkermord im Gazastreifen vorzugehen. Diese Bewegungen haben nicht nur die typischen antiimperialistischen Linken zusammengebracht, sondern auch viele junge Menschen, Studierende und Migranten, die zuvor kaum oder gar nicht politisch aktiv waren. Der Staat reagierte sichtlich überfordert und in einigen Fällen mit erheblicher Repression auf diese Bewegungen, die die Aktivisten bis heute zwangsweise beschäftigen. Die Bewegung erreichte ihren Höhepunkt im September 2025, als sich 100.000 Menschen in Berlin versammelten, um gegen den Völkermord zu protestieren. Die Solidarität mit Palästina brachte vieles ins Rollen und stellte den deutschen Staat und seine zionistische Agenda grundlegend in Frage. Gleichzeitig wurde der Antikolonialismus vieler „Linker“ auf die Probe gestellt, was zahlreiche problematische Haltungen offenlegte, etwa in der Distanzierung vom palästinensischen Widerstand und seinen Verbündeten in der Region oder in der Akzeptanz der sogenannten „Zweistaatenlösung“. Insbesondere vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs nahmen einige Teile der Palästina-Solidaritätsbewegung eine durch und durch proimperialistische Haltung ein und argumentierten, die iranische Regierung müsse gestürzt werden, oder zogen ihre Solidarität mit dem Widerstandskampf des Iran gegen die US-Aggression zurück. Im Laufe der Zeit, insbesondere seit dem Waffenstillstand im Gazastreifen, ist deutlich geworden, dass die Palästina-Solidaritätsbewegung in Deutschland in erster Linie als Anti-Genozid-Bewegung begann und viel Erfahrung und Einsicht gewonnen hat, sodass Gruppen weiterhin aktiv an der Seite Palästinas und seines Widerstands stehen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich die Bewegung effektiver vernetzen und zentraler koordinieren würde. Dies würde es ihr auch ermöglichen, viele wichtige Diskussionen zu führen (wie etwa ihre Haltung zum Iran, die richtige Strategie und Taktik oder die Frage der Bündnisse), die in den letzten Jahren aufgekommen sind.

Die landesweiten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht fanden nun bereits zum vierten Mal seit Dezember 2025 statt. Zwischen 40.000 und 55.000 Schüler nahmen daran teil und protestierten gegen das neue Gesetz zur schrittweisen Einführung der Wehrpflicht. Die Bewegung muss sich in den Schulen noch fester etablieren und arbeitet daran, Komitees zu gründen. Dies ist jedoch keineswegs einfach, da viele Schüler Repressionen seitens ihrer Lehrkräfte erfahren. Gleichzeitig werden innerhalb der Bewegung Fragen hinsichtlich der angemessenen politischen Forderungen und der Fähigkeit der Bewegung, Unterstützung zu gewinnen, laut; diese reichen von der Konzentration auf die Bildung möglichst breiter Bündnisse rund um das Thema Wehrpflicht bis hin zu Forderungen nach stärker antikapitalistischen Positionen.

Glauben Sie, dass es der extremen Rechten im Kontext von Ostdeutschland und seiner besonderen Geschichte gelungen ist, aus Gefühlen der Ausgrenzung Kapital zu schlagen, und wie hat sich dies etabliert?

Nach der sogenannten „Wiedervereinigung“ durchlief Ostdeutschland einen tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess: Industriezweige wurden abgebaut oder privatisiert, Arbeitslosigkeit und soziale Unsicherheit nahmen zu, und politische sowie wirtschaftliche Institutionen wurden weitgehend neu organisiert. Wir sprechen hier von der Annexion der DDR, die anschließend zum wirtschaftlichen Vorteil westdeutscher Monopole vollständig ausgeplündert wurde. Bis heute ist Ostdeutschland stark deindustrialisiert und dient als Erweiterung des verarbeitenden Gewerbes im westlichen Teil des Landes, als ihr Anhängsel.

Dies führte zu weit verbreiteten Erfahrungen sozialer Entwürdigung, von Statusverlust und dem Verlust von politischer Macht. Die sozialen und politischen Rechte, die die Arbeiter für selbstverständlich gehalten hatten, wurden abgeschafft, und die Massenorganisationen, denen Millionen von Menschen angehörten, wurden zerschlagen.

Gleichzeitig hinterließ die Zerstörung vieler bestehender kollektiver Strukturen ein soziales Vakuum, insbesondere unter jüngeren Menschen. In diesem Vakuum konnten sich neofaschistische Organisationen aus Westdeutschland und rechtsextreme Subkulturen etablieren.

Besonders wichtig ist, dass es sich hierbei nicht lediglich um ein Wahlphänomen handelte. In Ostdeutschland wurden vor Ort systematisch neofaschistische Strukturen aufgebaut, darunter Parteien, Jugendgruppen, subkulturelle Netzwerke und organisierte Straßenbewegungen. Diese Entwicklung wurde von der herrschenden Klasse gefördert und vom Staat unterstützt: Der deutsche Geheimdienst und andere staatliche Behörden unterstützten die Bildung faschistischer Gruppen, während einflussreiche Medien der damaligen Zeit den Hass gegen Migranten schürten. Der Osten wurde zu einem wichtigen Schauplatz für den Aufbau einer rechtsextremen politischen Infrastruktur, die in der Lage war, soziale Unzufriedenheit in organisierte Gegenreaktionen umzuwandeln. All dies geschah mit verdeckter staatlicher Unterstützung. Viele Nazis genossen Straffreiheit und wurden von der Polizei nicht verfolgt, während Gelder des Geheimdienstes und des Bundesministeriums für Jugend an Neonazis flossen.

Die rechtsextreme Politik konnte legitime Missstände, die durch den Wandel nach 1990 entstanden waren, von den dafür verantwortlichen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen ablenken. Anstatt Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, den Verlust sozialer Absicherung oder politische Machtlosigkeit als Folgen der Annexion Ostdeutschlands zu interpretieren, konnten rechtsextreme Kräfte diese auf Migranten, Ausländer, die politische Linke oder andere marginalisierte Gruppen zurückführen. Soziale Gegensätze wurden folglich als Fragen der Nationalität, der ethnischen Zugehörigkeit und von „Recht und Ordnung“ umgedeutet. Eine altbekannte Strategie. Während ganze Generationen ihren Lebenssinn verloren und Millionen von Menschen arbeitslos wurden, waren westdeutsche Neonazis sehr geschickt darin, die ostdeutsche Jugendkultur und den Sport für ihre eigenen Zwecke zu vereinnahmen – auf der Ebene der kulturellen Hegemonie war durch mühevolle, staatlich unterstützte Vorarbeit der Grundstein gelegt worden.

Der anschließende Aufstieg der AfD lässt sich nicht einfach damit erklären, dass die Ostdeutschen aus Frustration immer rechtsgerichteter geworden wären. Die AfD trat in eine politische Landschaft ein, in der rechtsextreme Netzwerke, Narrative und Identitäten bereits seit Jahrzehnten von den etablierten Medien gepflegt worden waren. Es gelang ihr, eine bestehende neofaschistische politische Infrastruktur und ein Reservoir an aufgestautem Groll in eine wahlpolitisch tragfähige Form zu verwandeln.

Die AfD, die erst 2014 gegründet wurde, hat es in den letzten Wahlkämpfen sehr geschickt verstanden, das von Arbeitern und der unteren Mittelschicht empfundene Gefühl des sozialen Niedergangs für sich zu nutzen – ein Gefühl, das bis heute anhält. Die etablierten großen Medienkonzerne spielen dabei eine entscheidende Rolle: Einerseits stellen sie die Migration als Ursache aller Probleme dar – eine Haltung, die die AfD perfekt ausnutzen kann, um reichlich Sendezeit für ihren Rassismus zu erhalten; andererseits kann sich die Partei als Anti-Establishment-Kraft präsentieren, indem sie sich für eine diplomatische Annäherung an Russland einsetzt und so den Wunsch vieler Deutscher nach Frieden mit Russland für sich nutzt.

Würden Sie diese politische Kraft als faschistisch bezeichnen?

Das ist eine höchst umstrittene Frage, und wir Kommunisten in Deutschland müssen uns damit noch eingehender befassen. Ich möchte meinen persönlichen Standpunkt so kurz wie möglich darlegen.

Palmiro Togliatti und Clara Zetkin haben stets betont, dass faschistische Parteien als eine neue Art bürgerlicher Parteien über einen Gewaltapparat verfügen, der darauf ausgerichtet ist, ihre Ziele der gewaltsamen Unterdrückung der Arbeiterklasse und ihrer Organisationen zu verwirklichen. Hinzu kommt natürlich – und darauf ist auch Georgi Dimitroff ausführlich eingegangen – der verschärfte und bestialische Hass und Chauvinismus, den diese Parteien verbreiten, um den nationalistischen Zielen ihres imperialistischen Staates Ausdruck zu verleihen und eine Massenbasis für diese Agenda zu sichern.

Werfen wir also einen Blick auf die AfD. Sie wurde vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise von 2009 gegründet und bei ihrer Gründung von Verbänden unterstützt, die das Monopolkapital vertreten. Seitdem unterhält sie enge Verbindungen zu gewalttätigen neonazistischen Organisationen auf den Straßen Deutschlands sowie zu faschistischen Elementen innerhalb des Militärs, des Geheimdienstes und der Polizei, wo diese in großer Zahl anzutreffen sind.

Die AfD handelt im Auftrag der herrschenden Klasse, um die konsequente und brutale Umsetzung der deutschen Kriegsvorbereitungen sicherzustellen. Sie ist die reaktionärste Option, die der herrschenden Klasse zur Durchsetzung ihrer reaktionärsten und kriegstreiberischen Politik zur Verfügung steht. Kein Geheimdienst macht ein Geheimnis aus seinen Bestrebungen, antifaschistische Organisationen in großem Stil zu kriminalisieren, aus seinem Hass auf die Solidarität mit Palästina und aus seiner Feindseligkeit gegenüber den Gewerkschaften.

Dabei kann sie auf der aktuellen Agenda der Sozialdemokraten und Konservativen aufbauen und gleichzeitig deutlich brutalere Herrschaftsmethoden anwenden. In dieser Hinsicht stellt die AfD eine neue Art bürgerlicher Partei dar, die in vielerlei Hinsicht die Pläne der herrschenden Klasse aufgreift und darauf abzielt, den reaktionär-militaristischen Umbau des Staates – der derzeit von den traditionellen bürgerlichen Parteien vorangetrieben wird – mit terroristischen Methoden zu vollenden. Dies macht die AfD in gewisser Weise einzigartig: Sie verkörpert eine faschistische Herrschaftsalternative im Namen der herrschenden Klasse.

Gleichzeitig steht die AfD nur scheinbar im Widerspruch zu den anderen bürgerlichen Parteien, die als Kriegstreiber und Sozialchauvinisten den Druck auf die Arbeiterklasse massiv erhöhen. Diese Parteien sind selbst Teil der Politik der Faschisierung, indem sie die notwendigen Voraussetzungen für den Übergang zum Faschismus schaffen. Nichtsdestotrotz hebt sich die AfD ab, da sie das Potenzial für faschistischen Terror durch ihre Organisationsstruktur kanalisiert und offen revanchistische Positionen vertritt. Dies wird nicht nur durch den historischen Revisionismus der Partei unterstrichen, sondern auch durch ihren brutalen Nationalismus und Chauvinismus, welche oft eine Wiederbelebung der Nazi-Ideologie darstellen.

Meiner Ansicht nach würde eine AfD-Regierung nicht automatisch Faschismus bedeuten; ich denke, es ist klar, dass Faschismus so nicht funktioniert. Aufgrund ihrer spezifischen Merkmale könnte die AfD jedoch die Partei sein, die ihn ermöglicht und eine faschistische Politik umsetzen könnte, sollten sich die Machthaber auf sie stützen. Gleichzeitig dürfen wir nicht unterschätzen, dass auch die Sozialdemokraten und Konservativen in Deutschland zutiefst reaktionär sind und bereits in gewissem Maße Zwangsarbeit, Kriegsrecht, Wehrpflicht und die Unterdrückung von Widerstand umsetzen und untermauern. Die AfD ist der Vollstrecker einer Agenda, die unter der Führung der Partei zum Faschismus führen kann.

Gibt es heute innerhalb der Linken eine Debatte darüber, dass Deutschland in seiner jüngeren Geschichte ein amerikanisches Projekt war?

Nach 1945 gelang es den alten faschistischen Machtblöcken und Kriegsverbrechern, eine hervorragende Vereinbarung mit den USA und dem Westen zu treffen. In diesem Sinne wurden sie Teil eines amerikanischen Projekts – aber, und das ist der entscheidende Punkt, auch, weil sie es selbst wollten und für ihre eigene Agenda brauchten. Dies galt insbesondere für ihre revanchistischen Pläne, die DDR zu annektieren und Osteuropa wirtschaftlich zu unterwerfen – Pläne, die Deutschland bis heute über die Europäische Union verfolgt. Hier steht dem deutschen Imperialismus ein sehr mächtiges Instrument zur Verfügung – sogar gegenüber den USA.

In einigen Teilen der Friedensbewegung und unter einigen Kommunisten herrscht die Überzeugung, dass Deutschland ein Vasall des US-Imperialismus sei und selbst kaum oder gar keine imperialistischen Ambitionen verfolge. Dementsprechend wird insbesondere der US-Imperialismus als Hauptfeind des antiimperialistischen Kampfes angesehen, dem mit Forderungen nach deutscher Souveränität, Neutralität und einer Friedenspolitik begegnet wird. Eine verbreitete Grundannahme ist, dass Deutschland ohne sein Bündnis mit den USA im Rahmen der NATO weniger aggressiv wäre und auch sein könnte.

Gleichzeitig gibt es aber auch die gegenteilige Ansicht, dass der deutsche Imperialismus nach wie vor einen besonders aggressiven Charakter aufweise und darauf hinarbeite, die Vorherrschaft der USA in Frage zu stellen. Somit würde die NATO tatsächlich dazu dienen, den deutschen Imperialismus zu zügeln und ihn weniger aggressiv zu machen, anstatt ihm zu ermöglichen, (erneut) eigenständig nach Weltmacht zu streben.

Die Frage nach der Abhängigkeit des deutschen Imperialismus von den USA muss eingehender untersucht und diskutiert werden; es gibt bereits eine Reihe analytischer Beiträge aus den Reihen der kommunistischen Bewegung, die in verschiedene Richtungen weisen. Es kann hilfreich sein, die eigenständigen Bestrebungen des deutschen Imperialismus nicht so sehr seiner Abhängigkeit von den USA gegenüberzustellen, sondern sie vielmehr in ihrem Kontext zu betrachten, in Beziehung zueinander zu setzen und zu verstehen, wie diese Phänomene miteinander verflochten sind.

Angesichts der aktuellen internationalen Lage gewinnt die Neue Rechte („alt-right“, Anm. d. Üb.) an Einfluss. Gibt es Anzeichen dafür, dass der Einfluss der amerikanischen Rechten eine Rolle bei der Entwicklung der neuen Rechten in Deutschland spielt?

Diese komplexe Beziehung zwischen Eigeninteresse und Abhängigkeit im Zusammenhang mit dem Bündnis mit den Amerikanern zeigt sich auch innerhalb der AfD selbst sehr deutlich. Es gibt einen starken transatlantischen Flügel innerhalb der Partei, der seit ihrer Gründung existiert und sich in seinem unerschütterlichen Glauben an den freien Westen zunehmend radikalisiert hat; er ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen, um Europa und die USA in neue Kriege zu führen. Seit Trumps Wiederwahl genießen diese Leute nicht nur die Wahlkampfunterstützung von Elon Musk und J.D. Vance, sondern verfügen auch über hervorragende Kontakte innerhalb des US-Staatsapparats.

Die USA setzen auf eine Lastenteilung mit Europa und arbeiten daher intensiv daran, ein militarisiertes und nationalistisches Europa zu schaffen, das sich gegen Russland und die arabische Welt wendet, damit sie sich stärker auf den pazifischen Raum konzentrieren können. Im Wesentlichen ist dies seit Obamas „Pivot to Asia“ die Strategie des US-Imperialismus, doch erst jetzt erkennt die von Neofaschisten infizierte Trump-Regierung die europäische extreme Rechte als idealen Verbündeten und Vollstrecker dieser Agenda an.

Angesichts dieser Entwicklung – bei der die USA Deutschland gewissermaßen von der Leine lassen – sieht die AfD eine historische Chance für Deutschland, den Status einer Großmacht anzustreben. Alice Weidel, die Parteivorsitzende, drückte es im Hinblick auf Kriegsvorbereitungen und Kriegsführung so aus: „Wir werden uns dabei mit den USA abstimmen. Doch dafür müssen die USA wissen, in welcher Welt sie leben wollen. Denn wenn es ein Imperium sein soll, dann muss man selbst dafür kämpfen, sein Blut und seinen Besitz opfern. Erwarten Sie nicht, dass die Unfreien diesen Kampf für Sie übernehmen. Das ist unmöglich. So etwas wird es nicht geben. Ein Sklave, der kämpft, wird unweigerlich Freiheit als Belohnung fordern. Aber Freiheit bedeutet auch, dass die Menschen ihren eigenen Weg gehen und ihr eigenes Glück suchen. Wenn sie das nicht tun, sind sie Sklaven. Und Sklaven kämpfen nicht. Werft ihnen das nicht vor.“ (Quelle) Diese klare Botschaft an die USA offenbart auch das Angebot, das die AfD der herrschenden Klasse in Deutschland unterbreitet: Wir werden euch einen Neuanfang als Großmacht sichern, und die USA werden dies akzeptieren müssen – sie brauchen uns und wir brauchen sie. Die Tatsache, dass die Partei gleichzeitig darauf drängt, diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu Russland aufzubauen, steht nicht unbedingt im Widerspruch zu dieser transatlantischen Linie.

Die AfD ist die Partei, die den Weg für einen großen Krieg ebnen soll. Sie befürwortet als taktisches Manöver eine Änderung der aktuellen Kriegspolitik, um günstigere Bedingungen für die Unterwerfung Russlands zu schaffen. In der Außenpolitik verfolgt die Partei das Ziel, wieder engere Handelsbeziehungen zu Russland aufzubauen. Im Mittelpunkt steht dabei der Zugang zu russischen Rohstoffen und Energieressourcen, die Deutschland für einen erneuten industriellen Aufschwung und damit als Grundlage für die Militarisierung benötigt. Deshalb soll Nord Stream wieder in Betrieb genommen und neue Handelsabkommen geschlossen werden. Dahinter steht die Annahme, dass eine solche Industrialisierung und Militarisierung ohne Zugang zu vergleichsweise günstigen russischen Rohstoffen realistisch gesehen nicht möglich ist.

Um dies zu erreichen, braucht der deutsche Imperialismus ein kooperationsbereites Russland. Nach dieser Sichtweise lässt sich eine solche Kooperationsbereitschaft derzeit jedoch nicht allein durch militärische Gewalt erzwingen, wie der Krieg in der Ukraine zeigt. Dies ist die Grundlage für die Forderungen der AfD nach der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Durch wirtschaftliche und militärische Stärke soll Deutschland wieder über die notwendigen Mittel verfügen, um seine Interessen international durchzusetzen – was letztlich bis zur Fähigkeit reicht, einen Weltkrieg zu führen. Diese außenpolitische Linie findet sich in den entsprechenden Leitlinien der AfD.

Für Russland würde eine Rückkehr zu solchen Beziehungen jedoch einen halbkolonialen Status zur Folge haben – als deindustrialisiertes Rohstoff-Anhängsel. Ein Rohstoff-Anhängsel, das es den Abnehmern dieser Rohstoffe ermöglicht, sich auf einen Krieg gegen Russland selbst vorzubereiten.

Der US-Imperialismus setzt darauf, dass ein schwer bewaffnetes und nationalistisch geprägtes Europa den Kampf gegen Russland in seinem Namen aufnimmt – im Interesse seiner Ambitionen im pazifischen Raum.

Darüber hinaus unterstützt die AfD den Völkermord im Gazastreifen, blickt mit Bewunderung auf die Ethnokolonie „Israel“ und strebt danach, deutsche Staatsinteressen durch noch härtere Repressionen durchzusetzen. Dies spiegelt die Gemeinsamkeiten zwischen dem Zionismus als faschistischer Ideologie und der nationalsozialistischen Ideologie der AfD wider, die durch die Kolonisierung Palästinas gleichzeitig Maßstäbe der Barbarei setzt, die für die Unterwerfung Osteuropas und Russlands notwendig sein werden. Die AfD ist eine unglaublich militaristische Partei, die erneut eine Rückkehr zu militärisch geprägten Bildungsidealen fordert und die schon lange, vor allen anderen, die Einführung der Wehrpflicht sowie umfangreiche Ausgaben für die Rüstungsindustrie gefordert hat.

Die Analysen, die uns zur Verfügung stehen, deuten auf eine Verlagerung der Wählerstimmen von der Mitte-Rechts-Partei hin zur extremen Rechten hin. Welche gesellschaftlichen Gruppen unterstützen in Deutschland vor allem die extreme Rechte?

Einerseits wenden sich die Menschen von der konservativen CDU ab und stimmen für die AfD. Seit Jahren verschärft die CDU ihre Haltung gegenüber Migranten drastisch und übernimmt in gewissem Maße die Politik der AfD, doch natürlich stimmen die Menschen für das Original. Zudem geben viele Menschen, die normalerweise nicht wählen gehen, dieser Partei ihre Stimme, in der Hoffnung, dass sie sich von den anderen Parteien unterscheidet und tatsächlich etwas verändern wird.

Die AfD ist am stärksten unter Arbeitern und Angestellten vertreten, die von massiven Kürzungen bei den Sozialleistungen und Lohnkürzungen betroffen sind und in eine zunehmend prekäre Lage geraten. Die Debatten darüber, wer die AfD wählt und warum, sind sehr vielfältig. Jede Statistik kommt zu einem anderen Ergebnis. Klar ist, dass insbesondere in Ostdeutschland viele für die Partei stimmen, weil sie Frieden mit Russland wollen, und es der AfD gelingt, sich als Friedenspartei zu präsentieren. Nur wenige ihrer Wähler glauben tatsächlich, dass eine Koalitionsregierung mit der AfD zu sozialem Fortschritt führen wird. Die Partei verbreitet tagtäglich die Vorstellung, dass Ausländer den Sozialstaat ausplündern und zu viel kosten; leider übernehmen viele Wähler diese spaltende Sichtweise. Es geht jedoch vielmehr darum, dass andere (Ausländer) noch weniger haben als man selbst. Die Themen Migration und innere Sicherheit sind für AfD-Wähler sehr wichtig. Sie wollen mehr Ordnung und härteres polizeiliches Durchgreifen – dies wurde durch jahrelange Medienkampagnen erreicht, in denen ständig von „Migrantenkriminalität“ und der Bedrohung auf unseren Straßen die Rede ist. Ein innerer Feind wurde sehr erfolgreich konstruiert.

Im Grunde treibt die Politik der anderen bürgerlichen Parteien immer mehr Wähler in die Arme der extremen Rechten, da diese darin ihre letzte Chance auf eine Veränderung der Verhältnisse in Deutschland sehen. Zum Teil spiegelt dies den Wunsch nach mehr sozialer Sicherheit und Frieden mit Russland wider; leider sind viele Menschen bereits so stark verhetzt, dass sie Migranten als Ursache für Deutschlands Probleme betrachten.

Unterstützt die deutsche imperialistische und monopolistische Bourgeoisie die extreme Rechte?

Bei ihrer Gründung wurde die AfD vom Verband „Die Familienunternehmer“, einem der größten Wirtschaftsverbände Deutschlands, unterstützt. Eine mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie verbundene Frontorganisation finanziert die Partei bis heute, während eine Reihe einflussreicher transatlantischer und neoliberaler Thinktanks die Partei unterstützt. Bislang sind einzelne Großindustrielle wie August von Finck, Müller und Siemens wiederholt öffentlich in Erscheinung getreten, um ihre Unterstützung für die Partei zum Ausdruck zu bringen. Auch die Springer-Gruppe spielt dabei eine bedeutende Rolle. Das Medienimperium kontrolliert weite Teile der Presselandschaft und schürt schon seit langem Ressentiments gegen Migranten und den Islam – lange bevor es die AfD überhaupt gab. Die Zeitung mobilisiert viele aus der „Mitte“ für Rassismus und Hass gegen die Linke und veröffentlichte beispielsweise mitten im Wahlkampf Elon Musks Wahlwerbung für die AfD. Insbesondere Teile der Rüstungsindustrie betonen, dass sie offene Kommunikationskanäle zur AfD pflegen – kaum verwunderlich: Die Partei steht für aggressive Aufrüstung und eine Kriegswirtschaft.

Andere Fraktionen bleiben etwas zurückhaltender und fordern, dass die Partei einen klar pro-europäischen und pro-NATO-Kurs einschlägt. Das werden sie auch durchsetzen.

Es ist daher eine spürbare Stimmungsänderung in den Reihen der Großunternehmen zu beobachten. Viele der Millionen-Euro-Spender der Partei bleiben jedoch anonym, da die deutsche Politik nicht sehr transparent ist. Die Monopole und ihre Vertreter üben direkten Einfluss auf die politischen Parteien und den staatlichen Verwaltungsapparat aus, achten aber sehr darauf, dass nur das, was an die Öffentlichkeit gelangen soll, auch tatsächlich die Öffentlichkeit erreicht.


Was sind heute die Hauptaufgaben einer kommunistischen Bewegung in Europa, in den imperialistischen Metropolen, angesichts der Welle der Repression und der neuen reaktionären Massenbewegungen?

Wir müssen die Pläne der AfD und die Rolle der von ihr propagierten Ideologie der „Herrenrasse“ ernst nehmen. Sie dient dazu, den Krieg vorzubereiten und die Heimatfront gegen innere und äußere Feinde weiter zu festigen. Die AfD und ihre Ideologen machen keinen Hehl aus ihren Ambitionen, und wir sollten uns dieser sehr wohl bewusst sein. Sie wollen Deutschland wieder zu einer Großmacht in Europa und der Welt aufbauen, und zu diesem Zweck versuchen sie, die fortschreitende Wiederaufrüstung, die fortschreitende Aushöhlung der Demokratie und die fortschreitenden Kürzungen bei den Sozialleistungen noch brutaler und radikaler als bisher durchzusetzen – ganz im Interesse der Industriellen und Banken, die sich über das mangelnde Tempo der CDU und SPD beschweren. Mit der Rückkehr der Konfrontation mit Russland kehren auch die chauvinistischen Elemente dieser aggressiven Politik zurück – Elemente, die die AfD als Teil eines historischen Kontinuums verkörpert.

Als Kommunisten sind wir uns bewusst, dass ein breiter Kampf gegen den Faschismus und dessen Ausbreitung geführt werden muss. Gleichzeitig glauben wir, dass dies nur möglich ist, wenn ein breiter Konsens darüber erzielt werden kann, dass dieser Faschismus sehr eng mit den Plänen für einen Krieg gegen Russland verbunden ist. Der erste Schritt muss eine offene Diskussion sein, die die Ausgrenzung jener Kräfte überwindet, die sich dem Krieg gegen Russland widersetzen. Kommunisten und andere werden oft als „Verschwörungstheoretiker“ diffamiert und an den Rand gedrängt, wenn sie sich nicht gegen Russland positionieren. Die KO selbst hat mehrfach am eigenen Leib erfahren, wie heftig sie wegen ihrer Haltung angegriffen wird. Wir rufen die Menschen dazu auf, dass sie endlich anerkennen, dass die reaktionärsten Kräfte in der Bundesrepublik Deutschland (und das ist nicht nur die AfD) ernsthaft Vorbereitungen für einen Krieg gegen Russland treffen. Wir müssen zu einem geschlossenen Widerstand dagegen aufrufen und die Menschen dazu bringen, endlich zu erkennen, dass die NATO der Aggressor ist, der gestoppt werden muss.

Der wichtigste Kampf gegen den Faschismus besteht darin, ihn politisch zu bekämpfen und ihm jeden politischen Erfolg in der Bevölkerung zu verwehren. Der Kampf gegen Kürzungen im Sozialbereich ist sicherlich ein Teil davon, doch der Kampf gegen die Kriegspolitik hat Vorrang, denn auch der Angriff auf die Arbeitnehmerrechte geht darauf zurück. Hetze, Rassismus, Chauvinismus, Demagogie – all diese Taktiken werden vom Faschismus eingesetzt, um die Aufmerksamkeit von diesem Kampf abzulenken und die Massen politisch in die Irre zu führen. Diese politischen Erfolge müssen durch eine ernsthafte und wirklich oppositionelle Mobilisierung der Kräfte gestoppt werden.


English

We are holding discussions within the Communist Organisation on many of these issues, especially with regard to the AfD. I cannot speak on behalf of everyone here, but I shall set out my own views.

-Jakob Yasko

How much is the prospect of war gaining ground in Germany? What little signs in the last few years would one pick up on that signal a shift in atmosphere pushing towards preparation for war?

The Federal Republic of Germany is currently going through its largest rearmament programme since the fascist dictatorship.

Billions of euros are being invested in the expansion of military capabilities and the restructuring of the economy towards military production. This is primarily about preparing for a war with Russia, but also about using war-keynesianism to conceal and manage the ongoing economic crisis. By directing massive public investment into the arms industry, military infrastructure and defence procurement, the government seeks to stimulate economic activity while prioritising the interests of the military-industrial complex.

At the same time, Germany is carries out a militarisation of the state and a restructuring of its institutions towards the requirements of war. This includes the erosion of democratic fundamental rights, the preparation and implementation of wartime legal frameworks, and the use of legal proceedings against opponents of militarisation and war policies. These developments must be understood both in the context of the increasing repression of anti-war voices in the present and as part of the preparation of state structures for a potential future military conflict. Civil-military cooperation is also being expanded, increasingly integrating civilian institutions, infrastructure and public services into military planning. Furthermore, Germany’s military, financial and logistical support for Ukraine has reached a scale at which it must be argued that Germany is already effectively participating in the war against Russia on Ukrainian soil.

These developments are accompanied by massive and far-reaching cuts to social spending. While enormous sums are mobilised for military purposes, people are confronted with declining real wages and cuts to public services and social infrastructure. Reductions in funding for local public transport and cultural institutions, as well as cuts affecting schools and facilities serving disabled people and refugees, illustrate how resources are increasingly being allocated away from social needs. This raises a fundamental question of political priorities: while billions are made available for rearmament, the provision of essential public services is increasingly subjected to austerity and financial constraints.

Finally, this militarisation is accompanied by the systematic spread of militaristic ideology and the normalisation of war. Public discourse increasingly promotes hostility towards Russia, portrays military confrontation as unavoidable and seeks to strengthen the population’s willingness to accept military service and the sacrifices associated with war. At the same time, anti-Muslim racism is being intensified and exploited to reinforce nationalist narratives, construct internal and external enemies, and legitimise authoritarian policies. Together, these developments contribute to a political climate in which militarisation is presented as necessary and inevitable, while opposition to war, social austerity and the erosion of democratic rights is marginalised.


Is there an anti-war movement in Germany? Give me an idea of the spectrum of different groups that fall into this category, and the major points of contention ( Ukraine, NATO etc.) Within this milieu can you give me a description of those who support an anti-imperialist line? What political groups/organisations/unions etc. play a role? Which social groups does the movement draw its support from?

In Germany, there are various movements – some of which are still in their early stages – that oppose Germany’s war policy and rearmament: the peace movement, the Palestine solidarity movement and, for the past year, the school strikes against compulsory military service.

The peace movement looks back on a long tradition, stretching back to the protests against remilitarisation in the 1950s, and reaching a high point in its mobilisation during the protests against the NATO Double-Track Decision in the 1980s. Today, the peace movement is, in part, very ageing, and in West Germany it is not uncommon for its supporters to be those who were already on the streets protesting against the NATO Double-Track Decision: left-wing trade unionists, communists, Christians and, above all, many pacifists whose political views were shaped by the aftermath of 1968. In East Germany, the peace movement is also frequently made up of left-wingers and communists; to some extent, the far right succeeds in co-opting and steering peace protests.The recent elections saw the rise of the AfD in east Germany.The largest demonstrations take place nationwide around Easter and on the International Day of Peace on 1 September. In large cities, between 1,000 and 3,000 people are mobilised each year, whilst in smaller towns the figure ranges from a few to several hundred. Outside such key days of action, the peace movement often finds it difficult to reach the general public effectively and to generate genuine momentum. The peace movement is, to some extent, very isolated within society and carries out very little activity that engages the general public. Another major problem is the pacifism of the peace movement. It criticises only the form that imperialist policy takes – war – and not imperialism itself. Furthermore, pacifism condemns the armed resistance of peoples and states against imperialism just as much as the violence of imperialism itself, since it ultimately rejects violence per se. As a result, large sections of the peace movements are in danger of drifting into the camp of imperialism. Furthermore, maintaining an equal distance from Russia and NATO – that is, the assumption that both are imperialist aggressors – poses a major threat, as it weakens the struggle against NATO as a global warmonger.

The Palestine solidarity movement has spread to almost every German city since October 2023. Groups of people have formed everywhere to take action against the genocide in Gaza. These movements have brought together not only the typical anti-imperialist left-wingers, but also many young people, students and migrants who had previously been scarcely or never politically active. The state reacted in a clearly overwhelmed manner and, in some cases, with significant repression towards these movements, which continue to preoccupy the activists to this day. The movement reached its peak in September 2025, when 100,000 people gathered in Berlin to protest against the genocide. Solidarity with Palestine set many things in motion and fundamentally challenged the German state and its Zionist agenda. At the same time, the anti-colonialism of many ‘left-wingers’ was put to the test, revealing many problematic stances in distancing oneself from the Palestinian resistance and its allies in the region, or accepting the so called „two state solution“. Particularly against the backdrop of the Iran War, some sections of the Palestine solidarity movement adopted a thoroughly pro-imperialist stance, arguing that the Iranian government must be overthrown, or withdrew their solidarity with Iran’s resistance struggle against US aggression. Over time, particularly since the ceasefire in Gaza, it has become clear that the Palestinian solidarity movement in Germany began primarily as an anti-genocide movement and has gained a great deal of experience and insight, with the result that groups continue to be active in standing alongside Palestine and its resistance. It would be very welcome if the movement were to network more effectively and be coordinated more centrally. This would also enable it to hold many important discussions (such as its stance on Iran, the right strategy and tactics, or the question of alliances) that have arisen in recent years.

The nationwide school strikes against compulsory military service have now taken place for the fourth time since December 2025. Between 40,000 and 55,000 students took part, protesting against the new law on the gradual introduction of compulsory military service. The movement still needs to establish itself more firmly in schools and is working on setting up committees. However, this is by no means easy, as many students experience repression from their teachers. At the same time, questions are being raised within the movement regarding the appropriate political demands and the movement’s ability to attract support; these range from a focus on forming the broadest possible alliances centred on the issue of compulsory military service to calls for more strongly anti-capitalist positions.

In the context of East Germany and its particular history do you think the far right has managed to capitalise on feelings of marginalisation and how has this taken root?

After so called „reunification“, eastern Germany underwent a profound restructuring: industries were dismantled or privatised, unemployment and social insecurity increased, and political and economic institutions were largely reorganised. We are talking here about the annexation of the GDR, which was subsequently completely plundered for the economic benefit of West German monopolies. To this day, eastern Germany remains heavily deindustrialised and serves as an extension of the western part of the country’s manufacturing sector and an appendage to it.

This created widespread experiences of social degradation, loss of status and political power. The social and political rights which workers had taken for granted were abolished, and the mass organisations in which millions of people were members were crushed.

At the same time, the destruction of many existing collective structures left a social vacuum, particularly among younger people. It was within this vacuum that neo-fascist organisations from western germany and right wing subcultures were able to establish themselves.

What is particularly important is that this was not simply an electoral phenomenon. Neo-fascist structures were built locally and systematically in eastern Germany, including parties, youth groups, subcultural networks and organised street movements. This development was encouraged by the ruling class and supported by the state: the German secret service and other state authorities backed the formation of fascist groups, whilst influential media outlets at the time fuelled hatred towards migrants. The East became an important terrain for developing a far-right political infrastructure capable of transforming social discontent into organised reaction. All of this was carried out with covert state support. Many Nazis enjoyed impunity and were not prosecuted by the police, whilst funds from the secret service and the Federal Ministry for Youth were channelled to neo-Nazis.

Far-right politics could redirect legitimate grievances produced by the post-1990 transformation away from the social and economic structures responsible for them. Instead of interpreting unemployment, insecurity, loss of social protections or political powerlessness as consequences of the annexation of East Germany, far-right forces could attribute them to migrants, foreigners, the political left or other marginalised groups. Social antagonisms were consequently reframed as questions of nationality, ethnicity and “law and order.” A well-known strategy. Whilst entire generations lost their sense of purpose and millions of people became unemployed, west german neo-Nazis were very adept at co-opting east german youth culture and sport for their own ends – at the level of cultural hegemony, painstaking groundwork, backed by the state, had been laid.

The subsequent rise of the AfD is not simply a story of eastern Germans becoming more right-wing because of frustration. The AfD entered a political landscape in which far-right networks, narratives and identities had already been cultivated for decades by the establishment media. It was able to transform an existing neo-fascist political infrastructure and a reservoir of accumulated resentment into an electorally viable form.

The AfD, which was only founded in 2014, has been very adept in recent election campaigns at capitalising on the sense of social decline experienced by workers and the lower middle classes – a sentiment that persists to this day. The established major media groups play a decisive role in this: on the one hand, they treat migration as the root of all problems – a position the AfD can exploit perfectly, securing plenty of airtime for its racism; on the other hand, the party can portray itself as an anti-establishment force by advocating diplomacy with Russia, thereby capitalising on the desire of many Germans for peace with Russia.

Would you describe this political force as fascist?

This is a highly contentious issue, and we Communists in Germany need to give it further consideration. I would like to set out my personal position as briefly as possible.

Palmiro Togliatti and Clara Zetkin always emphasised that fascist parties, as a new type of bourgeois party, possess an apparatus of violence designed to serve their aims of violently suppressing the working class and its organisations. Added to this, of course – and Georgi Dimitroff also referred to this at length – is the intensified and bestial hatred and chauvinism that these parties propagate in order to give expression to the nationalist aims of their imperialist state and to secure a mass base for this agenda.

So lets look at the AfD. It was founded in the backdrop of the 2009 international financial crisis and was supported in its formation by associations representing monopoly capital. Since then, it has maintained close ties with violent neo-Nazi organisations on Germany’s streets, as well as with fascist elements within the military, the secret service and the police, where they are to be found in abundance.

The AfD acts on behalf of the ruling class to ensure the consistent and brutal implementation of Germany’s preparations for war. It is the most reactionary option available to the ruling class for enforcing the most reactionary and bellicose policies. No intelligence service makes any secret of its ambitions to criminalise anti-fascist organisations on a massive scale, its hatred of solidarity with Palestine, and its hostility towards trade unions.

In doing so, it can build on the current agenda of the Social Democrats and Conservatives, whilst at the same time employing significantly more brutal methods of rule. In this respect, the AfD represents a new type of bourgeois party which, in many respects, takes up the plans of the ruling class and seeks to complete the reactionary-militarist restructuring of the state – currently being pursued by the traditional bourgeois parties – using terrorist methods. This, in a sense, is what makes the AfD unique: it embodies a fascist option for rule on behalf of the ruling class.

At the same time, the AfD is only seemingly at odds with the other bourgeois parties, which, as warmongers and social chauvinists, are massively increasing the pressure on the working class. These parties themselves are part of the politics of fascistisation, in that they create the conditions necessary for the transition to fascism. Nevertheless, the AfD stands apart because it channels the potential for fascist terror through its organisational structure and openly advocates revanchist positions. This is underlined not only by the party’s historical revisionism, but also by its brutal nationalism and chauvinism, which often constitute a renewal of Nazi ideology.

In my view, an AfD government would not automatically mean fascism; I think it is clear that fascism does not work like that. However, due to its specific characteristics, the AfD could be the party that makes it possible and could implement a policy of fascism if those in power were to rely on it. At the same time, we must not underestimate the fact that the Social Democrats and Conservatives in Germany are also deeply reactionary and are already, to some extent, implementing and continuing to lay the groundwork for forced labour, martial law, compulsory military service and the suppression of resistance. The AfD is the executor of an agenda which, under the party’s leadership, can lead to fascism.

Is there any discourse in the left today about Germany’s recent history of being an American project?

After 1945, the old fascist conglomerates and war criminals were able to come to an excellent arrangement with the USA and the West. In this sense, they became part of an American project – but, and this is the crucial point, also because they themselves wanted and needed it for their own agenda. This was particularly true in terms of their revanchist plans to annex the GDR and economically subjugate Eastern Europe – plans which Germany continues to pursue to this day through the European Union. Here, German imperialism has a very powerful tool at its disposal – even towards the USA.

In some sections of the peace movement and amongst some communists, there is a belief that Germany is a vassal of US imperialism, pursuing little or no imperialist ambitions of its own. Accordingly, US imperialism in particular is seen as the main enemy of the anti-imperialist struggle, which is countered with calls for German sovereignty, neutrality and a policy of peace. A common basic assumption is that, without its alliance with the US within NATO, Germany would be, and could be, less aggressive.

At the same time, we also find the opposing view that German imperialism continues to display a particularly aggressive character and is heading towards challenging the US for its position. Thus, NATO would actually serve to temper German imperialism and make it less aggressive, rather than allowing it to (once again) strive for world power on its own.

The question of German imperialism’s dependence on the US needs to be explored and discussed in greater depth; there are already a number of analytical contributions from within the communist movement that point in various directions. It can be helpful not so much to pit the independent ambitions of German imperialism against its dependence on the US, but rather to place them in their proper context, in relation to one another, and to understand how these phenomena intertwine.

In the current international climate the alt right is gaining force, are there signs of the American right wing influence playing a role in the development of the new right wing in Germany?

This complex relationship between self-interest and dependence in relation to the alliance with the Americans is also very clearly evident within the AfD itself. There is a strong transatlantic wing within the party, which has existed since its foundation and has become increasingly radicalised in its unshakeable belief in the free West; it is prepared to go to any lengths to lead Europe and the US into new wars. Since Trump’s re-election, these people have not only enjoyed the campaign support of Elon Musk and J.D. Vance, but also have excellent contacts within the US state apparatus.

The US is counting on a burden-sharing arrangement with Europe and is therefore working hard to create a militarised and nationalist Europe that turns against Russia and the Arab world, so that it can focus more strongly on the Pacific region. Essentially, this has been the strategy of US imperialism since Obama’s ‘Pivot to Asia’, but it is only now that the Trump administration – infested with neo-fascists – recognises Europe’s far right as the ideal ally and executor of this agenda.

In light of this development – whereby the US is, in a sense, letting Germany off the leash – the AfD recognises a historic opportunity for Germany to aspire to great-power status. Alice Weidel, the party’s chairwoman, put it this way with regard to preparations for war and the conduct of war: „We will coordinate with the U.S. on this. But for that, the U.S. has to know what world they want to live in. Because if it has to be an empire, then you need to fight for it yourself, sacrifice your blood and goods. Don’t expect the unfree to take over this fight for you. This is impossible. There will be no such thing. A slave who fights will invariably demand freedom as a reward. But freedom also means that people will go their own way and seek their own happiness. If they don’t, they are slaves. And slaves don’t fight. Don’t accuse them of that.“ (Source) This clear message to the US also reveals the offer the AfD is making to the ruling class in Germany: we will secure for you a renewed start as a great power, and the US will have to accept this – they need us and we need them. The fact that the party is simultaneously pushing to establish diplomatic and economic relations with Russia is not necessarily at contradiction with this transatlantic line.

The AfD is the party intended to pave the way for a major war. It advocates, as a tactical manoeuvre, a change to current war policy in order to create more favourable conditions for the subjugation of Russia. In terms of foreign policy, the party pursues an agenda of returning to closer trade relations with Russia. Central to this is access to Russian raw materials and energy resources, which Germany needs for a renewed industrial boom and thus the foundation for militarisation. That is why Nord Stream is to be reopened and new trade agreements concluded. The underlying assumption is that such industrialisation and militarisation are not realistically possible without access to comparatively cheap Russian raw materials.

To achieve this, German imperialism needs a Russia that is willing to cooperate. However, according to this view, such compliance cannot currently be enforced solely through military force, as the war in Ukraine demonstrates. This is the basis for the AfD’s demands for the restoration of diplomatic relations. Through economic and military strength, Germany is to once again possess the necessary means to assert its interests internationally – ultimately extending to the ability to wage a world war. This foreign policy line can be found in the AfD’s relevant guidelines.

For Russia, however, a return to such relations would result in a semi-colonial status, as a deindustrialised raw materials appendage. A raw materials appendage that enables the buyers of those raw materials to prepare for war against Russia itself.

US imperialism is banking on a heavily armed and nationalistic Europe to take on the fight against Russia on its behalf, in the interests of its ambitions in the Pacific region.

Furthermore, the AfD supports the genocide in Gaza, looks upon the ethno-colony ‘Israel’ with admiration, and seeks to enforce German state interests through even harsher repression. This reflects the common ground between Zionism as a fascist ideology and the AfD’s Nazi ideology, which, through the colonisation of Palestine, is simultaneously setting standards of barbarism that will be necessary for the subjugation of Eastern Europe and Russia. The AfD is an incredibly militaristic party which is once again calling for a return to military-style educational ideals and which, long before anyone else, called for the introduction of compulsory military service and extensive spending on the defence industry.

The analyses we have, suggests a shift in votes from the centre-right to the far right. What are the main social groups that support the far right in Germany?

On the one hand, people are turning away from the conservative CDU and voting for the AfD. For years, the CDU has been drastically toughening its stance on migrants and, to a certain extent, adopting the AfD’s policies, but people naturally vote for the original. Furthermore, many people who do not usually vote are voting for the party in the hope that it is different from the other parties and will actually bring about some change.

The AfD is strongest amongst workers and employees who are affected by massive cuts to social benefits and wage reductions and are sliding into an increasingly precarious situation. The debates about who votes for the AfD and why are very wide-ranging. Every set of statistics suggests something different. What is clear is that, particularly in eastern Germany, many vote for the party because they want peace with Russia, and the AfD succeeds in presenting itself as a party of peace. Only a few of its voters actually believe that joining a coalition government with the AfD will lead to social progress. The party propagates the idea on a daily basis that foreigners are plundering the welfare state and costing too much; unfortunately, many voters adopt this divisive viewpoint. However, it is more about the fact that others (foreigners) have even less than one does oneself. The issues of migration and internal security are very important to AfD voters. They want more order and tougher police action – this has been achieved through years of media campaigns that constantly talk about ‘migrant crime’ and the threat on our streets. An internal enemy has been very successfully constructed.

Essentially, the policies of the other bourgeois parties are driving more and more voters into the arms of the far right, as they see this as their last chance for things to change in Germany. In part, this reflects a desire for greater social welfare and peace with Russia; unfortunately, many people have already been so thoroughly incited that they view migrants as the cause of Germany’s problems.

Does the German imperialist and monopolist bourgeoisie support the far right?

When it was founded, the AfD was supported by the Verband ‘Die Familienunternehmer’, one of Germany’s largest business associations. A front organisation linked to the Federation of German Industries also continues to provide funding for the party to this day, whilst a number of influential transatlantic and neoliberal think tanks support the party. Until now, individual major industrialists such as von August von Finck, Müller and Siemens have repeatedly come to the public fore to express their support for the party. The Springer Group also plays a significant role in this. The media empire controls large parts of the press landscape and has been spreading resentment against migrants and Islam for a long time before the AfD even existed. The newspaper mobilises many from the ‘centre’ towards racism and hatred of the Left and, for example, published Elon Musk’s election advertisement for the AfD right in the middle of the election campaign. Parts of the arms industry, in particular, emphasise that they maintain open channels of communication with the AfD – hardly surprising: the party stands for aggressive rearmament and a war economy.

Other sections remain somewhat more cautious and are calling for the party to adopt a clearly pro-European and pro-NATO course. They will get it.

There is, therefore, a noticeable shift in the mood amongst the ranks of big business. However, many of the party’s million-euro donors remain anonymous because German politics is not very transparent. The monopolies and their representatives exert a direct influence on the political parties and the state apparatus, but they take great care to ensure that only what is intended to be made public actually reaches the public.


What are the main tasks today for a communist movement in Europe, within the imperialist metropolises, in the face of the wave of repression and the new reactionary mass movements?

We must take the AfD’s plans and the role of the ‘master race’ ideology it propagates seriously. It serves to prepare for war and to further consolidate a home front against internal and external enemies. The AfD and its ideologues make no secret of their ambitions, and we should be well aware of them. They want to rebuild Germany as a major power in Europe and the world, and to this end they are seeking to push through the ongoing rearmament, the ongoing erosion of democracy and the ongoing cuts to social services even more brutally and radically than before – entirely in the interests of the industrialists and banks who complain about the lack of speed of the CDU and SPD. With the return of the confrontation with Russia, the chauvinistic elements of this aggressive policy are also returning – elements which the AfD embodies as part of a historical continuum.

As communists, we are aware that a broad struggle against fascism and the spread of fascism must be waged. At the same time, we believe this will only be possible if a broad consensus can be reached that this fascism is very closely linked to the plans for war against Russia. The first step must be an open discussion that overcomes the exclusion of those forces which oppose the war against Russia. Communists and others are often vilified as ‘conspiracy theorists’ and marginalised if they do not take a stand against Russia. The KO itself has experienced on several occasions just how fiercely it is attacked for its position. We call for people to finally recognise that the most reactionary forces in the Federal Republic of Germany (and this is not just the AfD) are seriously preparing for a war against Russia. We have to call for a unified opposition to this and for people to finally recognise that NATO is the aggressor that must be stopped.

The most important struggle against fascism is to confront it politically, to make it impossible for it to achieve any political success amongst the population. The struggle against cuts to social services is certainly part of this, but the struggle against the policy of war takes precedence, for the attack on workers’ rights also stems from this. Incitement, racism, chauvinism, demagoguery – all these tactics are used by fascism to divert attention from this struggle and to mislead the masses politically. These political successes must be stopped through a serious and genuinely oppositional mobilisation of forces.

Die Kapitulation der Linken und die zugespitzte politische Lage in Berlin

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Ein Kommentar von Surjeet Singh.

Bitte beachtet, dass Kommentare nicht unbedingt die Position der Kommunistischen Organisation darstellen oder ihr entsprechen.

Die jüngste Kapitulation der Partei „Die Linke“ vor der deutschen „Staatsräson“ beweist, dass sich die Orientierung vieler Kommunisten, die Partei von innen heraus voranzutreiben, als falsch erwiesen hat.

Die gesamte politische Lage in Berlin spitzt sich zu. Sie spitzt sich in dem Sinne zu, dass all die verschiedenen Kämpfe, die in der Hauptstadt stattfinden – darunter die Pro-Palästina-Bewegung, die Antikriegs- und Antimilitarisierungsbewegungen, die Bewegung gegen Sozialkürzungen und so weiter – sich annähern. Zwar war dies schon immer der Fall, doch der Wahlsieg von „Die Linke“ und der daraus resultierende Angriff der deutschen herrschenden Klasse auf diese Bewegungen rücken den gemeinsamen Charakter dieser Kämpfe nun noch deutlicher in den Fokus. Diese neue, qualitativ andere und sich dynamisch entwickelnde politische Lage in Berlin wirft für die kommunistische und die gesamte progressive Bewegung mehrere dringende Fragen auf. Die wichtigste davon ist die Frage nach einer klaren Haltung gegenüber „Die Linke“ angesichts ihres Verrats an der Pro-Palästina-Bewegung. An dieser Stelle möchte ich darlegen, dass es nicht ausreicht, die jüngsten Entwicklungen lediglich als Verrat seitens „Die Linke“ zu betrachten, sondern dass sie auch zeigen, dass sich die Strategie, in „Die Linke“ zu verbleiben, als falsch erwiesen hat. Für pro-sozialistische und kommunistische Akteure ist es vergeblich, jetzt noch in der Partei zu bleiben. Die Auswirkungen dieser dringenden Fragen reichen jedoch weit über die Pro-Palästina-Bewegung hinaus, und darauf werde ich in diesem Kommentar näher eingehen.

Nach den Wahlergebnissen in Berlin, wo „Die Linke“ einen historischen Sieg errang, hat die deutsche imperialistische herrschende Klasse einen beispiellosen rassistischen und islamfeindlichen Angriff auf die pro-palästinensische und die linke Bewegung in Berlin entfesselt. Unter dem Deckmantel des „Antisemitismus“ führt die herrschende Klasse über ihre politischen und medialen Sprachrohre gezielte Angriffe auf einzelne pro-palästinensische Aktivisten sowohl innerhalb als auch außerhalb von „Die Linke“ durch.

Als Reaktion auf diesen Angriff hat KO bereits eine Solidaritätserklärung mit verschiedenen Aktivisten und anderen Gruppen veröffentlicht, die derzeit angegriffen werden. In der Erklärung wurden auch bestimmte, sehr wichtige Aspekte dieses Angriffs hervorgehoben. In ähnlicher Weise hat „Jewish Voice for Peace“ eine Erklärung1 veröffentlicht, in der dieser vielschichtige Angriff angeprangert und als „grotesker Antisemitismus-Zirkus“ bezeichnet wird. Mehrere andere Gruppen und Einzelpersonen haben ähnliche Erklärungen abgegeben, und dies sind entscheidende erste Schritte zur Verteidigung der pro-palästinensischen und der breiteren progressiven Bewegung in Berlin.

Unsere Analyse dieses Angriffs durch die herrschende Klasse muss mit der Feststellung beginnen, dass die jüngsten Wahlergebnisse gezeigt haben, dass eine große Zahl von Menschen in Berlin für eine progressive Politik gestimmt hat. Ungeachtet der Tatsache, dass „Die Linke“ als sozialdemokratische Partei nicht konsequent hinter den Anliegen stehen würde, für die sie angeblich eintritt, zeigt ihr Wahlerfolg dennoch, dass die Menschen nach einer progressiven Alternative suchen. Ein bedeutender Teil der Berliner hat aus Solidarität mit Palästina, gegen Rassismus, für eine progressive Wohnungspolitik und gegen Militarisierung gestimmt – und viele, die für „Die Linke“ gestimmt haben, vertreten zudem pro-sozialistische und antikapitalistische Weltanschauungen.

Es ist wichtig, diesen Aspekt anzuerkennen, da er zeigt, dass die Menschen für eine progressive Option stimmen würden, wenn ihnen eine tragfähige Alternative angeboten würde. Er offenbart jedoch auch, warum die deutsche herrschende Klasse und ihre verschiedenen politischen Vertreter einen nahezu einstimmigen und organisierten Angriff auf „Die Linke“ und ihre progressive Basis geführt haben. Kurz gesagt: Die Möglichkeit einer progressiven Politik bedroht unmittelbar die Interessen der Finanzklasse. Und in einer Zeit, in der die deutsche herrschende Klasse auf einen Krieg mit Russland drängt (und Israel finanziell und militärisch unterstützt) und zu diesem Zweck die gesamten gesellschaftlichen Ressourcen des Landes mobilisiert, kann ein antimilitaristisches Wahlmandat nicht toleriert werden – schon gar nicht in der Hauptstadt des Landes.

Zu diesem Zweck führt die deutsche herrschende Klasse einen Prozess der „Disziplinierung“ oder „Zähmung“ der Partei „Die Linke“ durch, was ihr bereits gelungen ist. Der Zweck dieser Disziplinierung der Partei und ihrer Basis besteht darin, sicherzustellen, dass die Partei in keiner Weise in der Lage ist, den allgemeinen Kurs in Richtung Krieg oder die Gesamtinteressen der herrschenden Klasse zu gefährden. Ein weiterer Aspekt dieser Zähmung ist der offene Angriff auf die Idee der „Linken Bewegung“ als politische Alternative an sich. Trotz der allgemeinen Krise der kommunistischen und Arbeiterbewegung in Deutschland stellt die Einheit der fortschrittlichen Teile der Gesellschaft und der Arbeiterklasse unter dem Banner der „Linken Bewegung“ insgesamt eine ständige Bedrohung für die herrschende Klasse hier dar. Die Linke Bewegung darf niemals zu einer tragfähigen Alternative oder zu einer Plattform werden, auf der sich zunehmend kritische Stimmen versammeln können. Es lässt sich nicht leugnen, dass es der Partei „Die Linke“ mit ihrem jüngsten Wahlerfolg gelungen ist, die Stimmen derjenigen zu gewinnen, die noch unentschlossen sind oder Zweifel an der Politik der Partei hegen. Und genau diese Wählerbasis will die herrschende Klasse durch die massive Hexenjagd, die unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Antisemitismus geführt wird, von der Partei abbringen.

Darüber hinaus sticht ein Aspekt dieses Angriffs auf die pro-palästinensische Bewegung und die gesamte Linke besonders hervor: Die herrschende Klasse dehnt den Begriff „Antisemitismus“ weit über die pro-palästinensische Bewegung hinaus aus, um alles einzubeziehen, was ihre Interessen bedroht. Dazu gehören eine progressive Wohnungspolitik, die antimilitaristischen und Antikriegsbewegungen sowie Sozialisten als solche. Die Logik der herrschenden Klasse ist sehr einfach: Die Linke und die Kommunisten unterstützen Palästina und dessen Befreiung, daher sind sie Antisemiten. Dieselben Kräfte führen jedoch auch die Antikriegs- und andere progressive Bewegungen an; daher fällt nach der von der herrschenden Klasse vertretenen Logik diese gesamte Bewegung unter denselben Begriff des Antisemitismus. In der deutschen bürgerlichen Presse und den Medien gibt es unzählige diffamierende Artikel, die praktisch jeden politischen Akteur oder jede Bewegung unter dieses Etikett stellen. Der ungeheuerlichste davon stammt von Florian Schröder, einem scheinbar prominenten Satiriker, Autor und Redner. Während er „Die Linke“ als den Berliner Ableger der „Hamas“ bezeichnete, bemerkte er satirisch, dass „Die Linke“ im Rahmen ihres Ziels der „Vergesellschaftung“ und „Enteignung“ „die Juden“ enteignen2 würde. Warum? Das erklärt er nicht. Aber es ist klar, was er meint. Während er zentrale antisemitische Rhetorik verbreitet, behauptet Schröder, dass Juden die Eigentümer des Kapitals und der Produktionsmittel seien. In der Ära des deutschen Faschismus gehörte diese Rhetorik zu den Instrumenten, die von der deutschen herrschenden Klasse am häufigsten eingesetzt wurden, um antisemitische Stimmungen in der Gesellschaft zu schüren. Dies kümmert Schröder und andere solche zionistischen Sprachrohre jedoch nicht, solange die gesamte progressive Bewegung unter demselben Dach wie die Antisemiten zusammengefasst wird.

Natürlich entkräftet die herrschende Klasse ihre eigene Waffe, indem sie den Begriff des Antisemitismus – und damit den Geltungsbereich der deutschen „Staatsräson“ – bis ins Absurde ausweitet. In den letzten Jahren haben immer mehr Menschen in Deutschland begonnen, die Farce der „Staatsräson“ zu durchschauen. Und seit der jüngsten Eskalation der Angriffe auf Die Linke hat sich dieser kritische Trend in der Bevölkerung nur noch verstärkt.

Dennoch ist „Antisemitismus“ derzeit das wirksamste Instrument der herrschenden Klasse, um jede Partei oder politische Gruppe zu zähmen oder zu disziplinieren; der Vorwurf des Antisemitismus ist das Schwert, das über den Köpfen aller verschiedenen progressiven Bewegungen schwebt. Aufgrund dieser jüngsten Eskalation bedeutet „Staatsräson“ nicht mehr nur Unterstützung für Israel, sondern umfasst auch die Gesamtinteressen der deutschen herrschenden Klasse. Natürlich vereinfache ich diese Argumentation, aber durch diese Vereinfachung möchte ich verdeutlichen, was die herrschende Klasse derzeit hier versucht. Gleichzeitig handelt es sich hierbei jedoch nicht um eine übertriebene Darstellung. Wir in der kommunistischen und linken Bewegung vertreten seit langem die Ansicht, dass Solidarität mit Palästina und die Unterstützung seiner Befreiung Teil desselben übergreifenden Kampfes gegen den deutschen und NATO-Kriegskurs gegen Russland sind, der wiederum Teil des umfassenderen Kampfes der Arbeiterklasse für Sozialismus und Frieden ist. Tatsächlich hat sich der deutsche Imperialismus nach seiner militärischen und ideologischen Niederlage gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg rehabilitiert, indem er seine Unterstützung für die zionistische Entität Israel erklärte. Der deutsche Imperialismus hat sich rehabilitiert und tut dies weiterhin weitgehend auf der Grundlage seiner sogenannten „deutschen Schuld“.

Warum ist es wichtig, diese qualitative Ausweitung des Vorwurfs des „Antisemitismus“ und dessen logische Konsequenz, die „Staatsräson“, zu erkennen? Weil sie unverhohlen offenbart, in welchem Maße die „Staatsräson“ in direktem Widerspruch zum demokratischen Willen und zu den Bestrebungen des deutschen Volkes und der Arbeiterklasse steht. Ein großer Teil der Bevölkerung in Berlin hat für verschiedene progressive Programme gestimmt, doch im Namen des „Antisemitismus“ greift die herrschende Klasse dieses gesamte demokratische Mandat an. Dies ist ein direkter Angriff auf die Demokratie. Wir in der kommunistischen und der Palästina-Bewegung haben schon lange erkannt und argumentiert, dass die „Staatsräson“ keine verfassungsrechtliche Grundlage hat und daher gänzlich antidemokratisch ist. Angesichts der jüngsten Eskalation durch die herrschende Klasse wird es jedoch für die fortschrittlichen Teile der deutschen Gesellschaft und die Arbeiterklasse dringend notwendig, den Kampf zur Verteidigung ihrer demokratischen Rechte gegen die „Staatsräson“ zu erkennen und aufzunehmen. Der Kampf gegen die Staatsräson ist der Kampf für Demokratie, der Kampf gegen Kriegstreiberei, der Kampf gegen Rassismus, der Kampf gegen Deutschlands Mitschuld am Völkermord an den Palästinensern und der Kampf gegen den deutschen Imperialismus. Den Kampf gegen die Staatsräson als Kampf zur Verteidigung der Demokratie zu führen, bietet der breiten progressiven Bewegung die Möglichkeit, eine gemeinsame Plattform zu finden.

Wo steht „Die Linke“ – oder besser gesagt, ihre Führung – in dieser ganzen Frage? Zunächst muss gesagt werden, dass die Partei „Die Linke“ unfähig ist, ihre eigenen Reihen und die palästinensische Bewegung gegen die Angriffe der herrschenden Klasse zu verteidigen. Dies liegt unmittelbar daran, dass ihre Führung „das Existenzrecht Israels“ unterstützt. Für viele steht die Existenz Israels nicht zwangsläufig im Widerspruch zur Existenz eines palästinensischen Staates. Nicht so jedoch für die Zionisten und das zionistische Gebilde – weshalb die Zwei-Staaten-Lösung heute im Großen und Ganzen gescheitert ist. Darüber hinaus verkennt die Zwei-Staaten-Position völlig, dass der Zionismus ein kolonialistisches, expansionistisches Projekt ist, das durch ständige Expansion überlebt. Dieser Expansionismus ist in seiner DNA verankert, und ein Ende dieses Expansionismus würde die Kapitulation des gesamten zionistischen Projekts bedeuten. Es ist kein Zufall – und auch nicht das Ergebnis „extremistischer“ Elemente innerhalb Israels –, dass die Zwei-Staaten-Lösung gescheitert ist.

Was ich mit diesem Argument hervorheben möchte, ist Folgendes: Wenn die Parteiführung die Existenz Israels unterstützt, steht sie in direktem Widerspruch zur pro-palästinensischen Basis der Partei, von der viele sich ausdrücklich für eine „Ein-Staaten-Lösung“ und das Recht der Palästinenser auf bewaffneten Widerstand aussprechen. Die Unterstützung Israels und die Unterstützung Palästinas sind zwei gegensätzliche, sich gegenseitig ausschließende politische Positionen. Und genau diesen Widerspruch nutzt die herrschende Klasse durch ihre jüngsten zionistischen Angriffe aus. Sie fordert die Führung von „Die Linke“ auf, eine Entscheidung zu treffen: Auf welcher Seite steht sie – unterstützt sie Israel und folgt damit deutschen imperialistischen Interessen, oder steht sie auf der Seite Palästinas?

Wie hat die Führung von „Die Linke“ auf die von der herrschenden Klasse gestellte Frage geantwortet? Es überrascht nicht, dass die Führung mit einem völligen Verrat an ihrer pro-palästinensischen Basis reagierte. In ihrer jüngsten gemeinsamen Acht-Punkte-Erklärung3 mit der SPD und den Grünen hat „Die Linke“ nichts anderes propagiert als jedes einzelne zionistische Argument, das in den letzten Jahren verwendet wurde, um die pro-palästinensische Bewegung zu diskreditieren und zu kriminalisieren. Diese Erklärung, die aus den Sondierungsgesprächen zwischen „Die Linke“, der SPD und den Grünen hervorgegangen ist und am 8. Oktober veröffentlicht wurde, stellt eine vollständige Kapitulation der Parteiführung vor der herrschenden Klasse dar. Die Erklärung beinhaltete unter anderem die Wahrnehmung der „besonderen Verantwortung“ zum „Schutz jüdischen Lebens“ in Berlin, die Bezeichnung der Unterstützung für den bewaffneten palästinensischen Kampf als „Terrorismus“, die Unterstützung des „Existenzrechts Israels“, die Forderung nach einem intensivierten akademischen Austausch zwischen Deutschland und der zionistischen Entität, eine Ablehnung der BDS-Bewegung sowie die Wiederholung der Lügen rund um den 7. Oktober, indem dieses Ereignis als „Massaker der Hamas und andere terroristischer Gruppen“ bezeichnet wurde, die Unterstützung von Polizei und „Verfassungsschutz“ bei ihrer Aufgabe, jüdisches Leben zu schützen, usw. Dieses Ergebnis war völlig zu erwarten und war von der Parteiführung bereits auf ihrem Landesparteitag4 am 25. September angedeutet worden. Bei dieser Gelegenheit räumte die Partei alle Zweifel aus und erklärte ihre Absicht, eine Koalitionsregierung mit der SPD und den Grünen zu bilden. Anstatt sich zu verteidigen und sich gegen die rassistischen und islamfeindlichen Angriffe auf ihre Wählerschaft – sowie auf die progressive Politik, für die sie angeblich eintritt – zu wehren, gab die Partei den gegen sie gerichteten Vorwürfen antisemitischer und rassistischer Rhetorik nach, indem sie erneut „das Existenzrecht Israels“ bekräftigte. Damit sandte die Partei ein klares Signal an ihre progressive, pro-palästinensische Basis, dass diese im Stich gelassen werden würde, und genau das ist auch geschehen.

Es muss ganz klar gesagt werden: Die Linke hat ihre pro-palästinensische, antirassistische und antikapitalistische Rhetorik genutzt, um einen Wahlsieg zu sichern, und hat nun genau jene Basis verraten, die diese Kämpfe seit langem führt. In diesem Sinne muss auch gesagt werden, dass „Die Linke“ dazu beiträgt, die Stärke der pro-palästinensischen und progressiven Bewegungen zu dämpfen oder zu schwächen. Einerseits eignet sie sich radikale und progressive Rhetorik an und stützt sich auf die organisatorischen Kapazitäten der progressiven Basis; andererseits verrät sie diese Basis, während sie deren organisatorische Fähigkeiten in ihre eigenen Reihen einbindet. Allerdings reicht es nicht aus, zu sagen, dass die Partei ihre eigene Basis verraten hat, aus dem einfachen Grund, dass die jüngsten Ereignisse eine weitaus bedeutendere Klarstellung gebracht haben. Dieser jüngste Verrat durch die Führung von „Die Linke“ hat gezeigt, dass sich die Strategie der pro-sozialistischen oder kommunistischen Akteure, innerhalb der Partei zu bleiben und diese von innen heraus zu verändern, als falsch erwiesen hat. Es muss klar gesagt werden, dass der Verbleib innerhalb der Parteistruktur von „Die Linke“ eine vergebliche politische Strategie ist und die Entwicklung einer konsequenten antiimperialistischen politischen Kraft behindert. Die fortschrittlichen, pro-sozialistischen und kommunistischen politischen Aktivisten innerhalb der Partei sollten diese Tatsache selbstkritisch anerkennen und ihre organisatorischen Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen, um eine unabhängige kommunistische Bewegung zu stärken.

Die Krise der deutschen kommunistischen Bewegung hat dazu geführt, dass innerhalb der fortschrittlichen Bewegung stets ein Vakuum bestand, das sowohl von sozialdemokratischen als auch von rechten Parteien ausgenutzt wurde. Mit dem jüngsten Verrat durch „Die Linke“ vergrößert sich dieses Vakuum jedoch. Diese neue Situation stellt für die deutsche kommunistische Bewegung sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar. Die Herausforderung liegt darin, dass der Verrat durch „Die Linke“ und die Schwäche der kommunistischen Bewegung dazu führen, dass die pro-palästinensische und die breitere progressive Bewegung keine andere Wahl haben, als weiterhin an „Die Linke“ gebunden zu bleiben. Das bedeutet, dass die Bewegung, anstatt den Kampf gegen die deutsche Mitschuld am Völkermord an den Palästinensern auszuweiten, sich selbst zügeln muss, während die Partei sie opfert. Wie genau sie sich zügeln wird, bleibt abzuwarten. Für uns Kommunisten ist es natürlich das Ziel, dies zu verhindern.

Andererseits bietet der jüngste Verrat durch „Die Linke“ der kommunistischen Bewegung auch eine Chance, die Partei weiter zu entlarven und ihre eigene Präsenz innerhalb der Bewegung zu stärken. Wir müssen uns voll und ganz bewusst sein, dass die Führung des Kampfes gegen die deutsche Mitschuld und den allgemeinen Kriegskurs im Land nicht in die Hände der opportunistischen Partei „Die Linke“ gelegt werden darf. Nur die kommunistische Bewegung kann diesen Kampf konsequent führen. Diese Führung kann jedoch nicht ohne konkrete Arbeit innerhalb der Palästina-Bewegung zustande kommen. Hier muss man selbstkritisch anerkennen, dass zumindest in Berlin der „marxistisch-leninistische“ Teil der kommunistischen Bewegung bei weitem nicht die dominierende oder führende Position einnimmt. Dieser Teil der kommunistischen Bewegung war über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg weitgehend in der konkreten Solidaritätsarbeit für Palästina abwesend, weshalb „Die Linke“ nach und nach zur konkreten politischen Perspektive für die Palästina-Bewegung geworden ist.

Die politische Lage in Berlin hat sich infolge der jüngsten Ereignisse zugespitzt und alle verschiedenen Kämpfe zusammengeführt. Es ist dringend notwendig, dass die kommunistischen Kräfte in Berlin diese neue politische Situation erkennen. Die progressive Bewegung braucht eine revolutionäre und konsequentere Führung, und nur die kommunistische Bewegung kann diese Führung übernehmen. Trotz ihrer Schwäche muss die kommunistische Bewegung den Opportunismus von „Die Linke“ entlarven und sich als einzige Alternative präsentieren.


  1. https://www.juedische-stimme.de/news-und-stellungnahmen/linke-wahlsieg-in-berlin-grotesker-antisemitismus-zirkus-nimmt-fahrt-auf ↩︎
  2. https://www.youtube.com/shorts/q1n97IIH5S0 ↩︎
  3. https://dielinke.berlin/ein-neues-kapitel-fuer-berlin/sondierungen/ ↩︎
  4. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1202768.landespolitik-linke-in-berlin-bloss-nichts-anbrennen-lassen.html ↩︎

Solidarität mit dem Jemen! Nieder mit der Achse der Verräter!

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Der saudische Krieg gegen den Jemen weitet sich aus – es ist an der Zeit, dass sich die Palästinasolidaritätsbewegung und alle antiimperialistischen Kräfte hinter die widerständige jemenitische Regierung stellen!

Der „vergessene Krieg“

Seit 2015 führt Saudi-Arabien Krieg im Jemen. Nachdem das saudische Regime 2011 Panzer ins benachbarte Bahrain geschickt hatte, um den dortigen Volksaufstand im Blut zu ersticken, wollte es auch den weitaus größeren und geostrategisch wichtigeren jemenitischen Nachbarn unter Kontrolle bringen. Vor allem ging es gegen die Ansarallah, die 2014 die Macht in Sanaa übernommen hatten und seither den Nordjemen kontrollieren, wo rund 80 Prozent der Jemeniten leben.

Damit richtete sich dieser Krieg auch indirekt gegen den Iran, da die schiitischen Ansarallah als „Marionette Teherans“ galten, obwohl sich ihre Verbindung zum Iran erst durch die saudische Invasion festigte. Daher wurde der Krieg gegen den Jemen auch vom imperialistischen Westen – vor allem den USA, Großbritannien und Frankreich, aber auch der BRD – durch Aufklärung, Beratung, Ausbildung, Waffen und Luftbetankung unterstützt.

Riad rief eine Militärkoalition zusammen, der sich alle reaktionären arabischen Regime – von Marokko überÄgypten und Jordanien bis hin zu den Golfmonarchien – anschlossen. Sanaa wurde regelmäßig bombardiert und eine völkermörderische Seeblockade gegen den Jemen verhängt. Die Koalition stützte sich vor allem auf lokale Stammesmilizen, aber auch auf Söldner und Al-Qaida-Ableger. Mittlerweile verfolgen die Vereinigten Arabischen Emirate eigene Ziele im Land und ihre Marionetten bekämpfen die der Saudis.

Der Jemen war schon vor dem Krieg das ärmste Land der Arabischen Welt. Doch der saudisch geführte Krieg und vor allem die brutale See-, Luft- und Landblockade führten zu einer Hungersnot und laut UNO zur damals „größten menschengemachten humanitären Katastrophe“: 2021 lag die Zahl der Toten bei mindestens 377.000.1 Fast 5 Millionen Menschen befanden sich auf der Flucht.2 Auch heute noch leiden 20 Millionen Jemeniten an Hunger und mehr als 2 Million Kinder gelten als akut mangelernährt.3 Die Unterernährung wird seit Jahren durch Krankheiten wie Cholera verstärkt, die auf die katastrophalen Lebensumstände der Menschen zurückzuführen sind. Bereits 2018 waren 85.000 Kinder unter 5 Jahren an den Folgen des Hungers gestorben.4

Die dritte Front

Trotz dieser ungeheuren Opfer zögerte die Ansarallah-Regierung nach Beginn der Operation „Al-Aqsa-Flut“ am 7. Oktober 2023 nicht, sich an die Seite Gaza zu stellen: Am 31. Oktober erklärte Sanaa Israel den Krieg und forderte ein Ende des Völkermords in Gaza. Die Ansarallah schossen Raketen und Drohen auf Israel ab und begannen im November mit der Blockade des Roten Meers. Damit wurde der Jemen zur dritten Front neben Gaza und dem Libanon.

Die Jemeniten haben diese praktische internationale Solidarität mit viel Blut bezahlt: Immer wieder bombardierten Israel und die USA das Land und der Westen verschärfte seine Sanktionen. Zugleich demonstrieren seither Woche für Woche hunderttausende Menschen auf Massendemonstrationen in Sanaa ihre Unterstützung für die Ansarallah und ihren Kampf gegen das zionistische Regime, den imperialistischen Westen – und die erneut eskalierte saudische Aggression. Jemen nimmt damit einen zentralen Platz in der Achse des Widerstands und im antiimperialistischen Befreiungskampf der Völker Westasiens ein.

Die Achse der Verräter

Vor dem Hintergrund der jüngsten US-zionistischen Aggression gegen den Iran und der defensiven Maßnahmen der Achse des Widerstands (Schließung der Straße von Hormuz und des Roten Meers, Vergeltungsschläge gegen US-Militärbasen in den Golfstaaten) hat Saudi-Arabien den Krieg gegen den Jemen wieder eskaliert. Die jemenitische Regierung hat selbstbewusst reagiert, indem sie gegen Riad zurückschlug und zugleich die saudischen Marionetten im Süden mittels Blitzoffensiven in kürzester Zeit zurückdrängte. Nun kontrolliert sie die gesamte jemenitische Küste des Roten Meeres und die wichtige Meerenge Bab al-Mandab.

Die Saudis aber mobilisieren wieder ihre Alliierten gegen den Jemen – diesmal die Türkei und Pakistan im Rahmen des neuen „Mekka-Pakts“ – pakistanische Kampfjets sollen bereits an der Bombardierung von Zielen im Jemen beteiligt gewesen sein.5 Diese drei Länder gehören zu den militärisch und ökonomisch mächtigsten Staaten der islamischen Welt. Doch sie haben bis heute kaum einen Finger für die Palästinenser gerührt und keiner von ihnen sah sich in der Lage, militärisch in Gaza einzugreifen. Aber gegen den Jemen, das ärmste arabische Land, das noch dazu drei Jahre lang fest an der Seite der Palästinenser stand und ihnen militärisch zur Seite stand, mobilisieren sie nun ihre Armeen! Das zeigt – bei allen Widersprüchen und Machtverschiebungen in der Region – dass die herrschenden Klassen des Saud-Regimes, des NATO-Mitglieds Türkei und der traditionell an den Westen gebundenen Atommacht Pakistan bei allen schönen Worten nach wie vor Verräter an den Palästinensern und Feinde der Befreiung Westasiens sind.

Jemen zeigt wie’s geht!

Die weltweite Palästinabewegung aber ist jetzt in der Verantwortung:

Der Jemen hat uns in seinem aufopferungsvollen und selbstlosen Beistand für die Palästinenser mit Ehrfurcht und Hoffnung erfüllt. Er hat bewiesen, dass praktische internationale Solidarität möglich ist, und gezeigt, wie sie konkret aussieht. Sein Volk hat für Gaza gekämpft und gelitten. 1967 hat der Genosse Ernesto Che Guevara gefordert: „Es geht nicht darum, den Opfern der Aggression Erfolg zu wünschen, sondern an ihrem Schicksal teilzunehmen, sie bis zum Tode oder bis zum Sieg zu begleiten.“6 Genau das hat der Jemen getan.

Wie oft haben wir auf den Palästina-Demos gerufen: „Yemen Yemen make us proud – turn another ship around“ oder: „Jemen Jemen zeigt wie’s geht – das ist Solidarität“? Nun ist es an uns, internationale Solidarität mit dem Jemen zu zeigen!

Es ist an der Zeit, vor die Botschaften und Konsulate Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei zu ziehen und dort zu demonstrieren!

Das Mindeste aber sollte sein, die Aggression gegen den Jemen auf den Palästina-Demos zu thematisieren und klar zu verurteilen!

Stoppt die Aggression gegen den Jemen – Solidarität mit dem heldenhaften jemenitischen Volk!

Nieder mit den Imperialisten, Zionisten und ihren Kollaborateuren – es lebe die Achse des Widerstands!

1 https://www.nau.ch/news/ausland/uno-rechnet-mit-377000-toten-durch-jemen-krieg-bis-jahresende-66051082

2 https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/jemen

3 https://reliefweb.int/report/yemen/wfp-warns-hunger-surging-yemen-conflict-displaces-thousands-enar

4 https://www.savethechildren.net/news/yemen-85000-children-may-have-died-starvation-start-war

5 https://pajhwok.com/2026/10/09/nyt-pakistani-fighter-jets-used-in-strikes-against-houthis/

6 https://www.marxists.org/deutsch/archiv/guevara/a_s_badt.html

Faschisten als Vollstrecker der Zeitenwende?

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Ein Diskussionsbeitrag zur Funktion der AfD beim wichtigsten Vorhaben der BRD – dem Krieg gegen Russland

Phillipp Kissel und Jakob Yasko wollen mit diesem Text eine Diskussion über den Charakter, Hintergrund und die politischen Ziele der AfD anstoßen. Er soll explizit dazu anregen, Antworten, Kritiken, andere Texte und Positionen zu schreiben. Wir würden uns freuen, wenn Teile der Kommunistischen Bewegung, aber auch anderer politischer Spektren oder einfach einzelne Menschen die Tastatur in die Hand nehmen und schreiben.

  1. Charakter und Funktion der AfD sind nicht zu verstehen ohne das wichtigste politische Vorhaben der BRD: Die Vorbereitung eines großen Kriegs gegen Russland.
  2. Zur verschärften Militarisierung, Aufrüstung, zum Sozialabbau und zur Verhetzung der Bevölkerung ist eine faschistische Kraft wie die AfD notwendig, die wie keine andere dafür sorgen soll, dass Deutschland wieder marschiert.
  3. Die AfD ist nicht „in Teilen rechtsextrem“, sie ist die größte neofaschistische Kraft in der Geschichte der BRD, die im Zentrum völkisch-nationalistische Kräfte hat; jede Relativierung ist gefährlich, jede Normalisierung des Faschismus eines ihrer wichtigsten Ziele.
  4. Die AfD ist vom Staat strategisch aufgebaut und gefördert worden, sie ist kein Ergebnis eines spontanen „Volkszorns“; die Gefahr geht von der Herrschenden Klasse aus und gegen sie muss sich der Kampf richten.
  5. Die antifaschistische Bewegung wurde durch pro-imperialistische und zionistische Kräfte zersetzt, die rassistische und menschenverachtende Ideologie vertreten und eine Barriere zwischen der Bevölkerung und dem antifaschistischen Kampf darstellen.
  6. Die politischen Erfolge der Neofaschisten in der Verhetzung der Bevölkerung und zugleich in ihrer demagogischen Irreführung müssen gestoppt werden durch eine wirklich oppositionelle, antifaschistische Bewegung, die im Zentrum den Kampf gegen den Krieg gegen Russland hat, ebenso wie den Kampf gegen den Völkermord und die Besatzung Palästinas.
  7. Dafür ist ein breites gesellschaftliches Bündnis notwendig, das durch offene Diskussionen über den Charakter der Kriegspolitik, ihre Ziele und Mittel hergestellt werden kann.

Von oben vorbereitete Wahlerfolge

Die Wahlerfolge der AfD sind das Ergebnis eines gezielt betriebenen Aufbaus der AfD zur größten und einflussreichsten neofaschistischen Partei in der Geschichte der BRD. Dieselben Medien, die seit Jahren gegen Migranten und den Islam hetzen, gehen zunehmend dazu über, der Partei unwidersprochen eine Bühne für ihre Propaganda zu bieten. Verlagsimperien vom Schlage Axel Springers und einige Teile der Herrschenden Klasse unterstützen die Partei als neuartige Machtoption.

Die AfD ist nicht „in Teilen rechtsextrem“, sondern in ihrem Kern eine neofaschistische Partei, in der Neofaschisten vom Schlage Björn Höckes und seines Flügels die Fäden ziehen. Wir dürfen der Selbstverharmlosung dieser Kräfte nicht auf den Leim gehen. Während diese Partei von CDU-Politikern wie Gauland, aus den Tiefen des rechtskonservativen Establishments, aus der Taufe gehoben wurde, unterstützte man von Beginn an rechtsradikale Tendenzen und gab ihnen die nötige Rückendeckung. Seit jeher ist die Partei eng verbunden mit gewaltbereiten Neonazibanden und staatlich integrierten Faschisten in Polizei, Geheimdienst und Militär. Die Partei hat ihre ideologischen Wurzeln in den Vordenkern des historischen deutschen Faschismus und geht immer weiter dazu über, diesen zu verharmlosen und zu normalisieren.

Der Aufstieg der Rechten ist nicht durch Zufall oder den „Volkszorn“ entstanden, sondern Ergebnis eines Parteiaufbaus, an dem Staat, Medien, mächtige Finanziers sowie namhafte liberale und konservative Politiker mitgewirkt haben. Die Strategen hinter dem Aufbau dieser Partei stammen aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Spektren. Zugleich wurden ihre materielle und politische Entwicklung sowie ihre zunehmende Etablierung durch staatliche Strukturen begünstigt und abgesichert. Die Darstellung der AfD als Ausdruck eines einheitlichen Volkswillens trägt dazu bei, ihre politische Stellung zu stärken. Die Partei ist ein politisches Projekt, dessen Aufbau und Förderung maßgeblich von einflussreichen staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren geprägt wurde und das zur Irreführung, Spaltung und politischen Einschüchterung der Bevölkerung beiträgt.

Bereit zur brutalen Vollstreckung der Zeitenwende

Die AfD tritt für die herrschende Klasse zur konsequenten und brutalen Vollstreckung der deutschen „Zeitenwende“ an. Sie ist die reaktionärste Option der Herrschenden zur Durchsetzung der am meisten reaktionären und kriegerischen Optionen. Gleichzeitig tritt sie in demagogischer Weise als Friedenspartei und Anti-Establishment-Kraft vor der Bevölkerung auf und neutralisiert so Antikriegsstimmungen, während sie sich für noch stärkere Aufrüstung, noch mehr Repressionen, noch heftigere Sozialkürzungen einsetzt und Deutschland darauf vorbereiten will, einen großen Krieg zu führen.

In dieser Hinsicht stellt die AfD eine bürgerliche Partei neuen Typs dar, die in vielen Punkten die Pläne der herrschenden Klasse aufgreift und den reaktionär-militaristischen Staatsumbau, der aktuell von den traditionellen bürgerlichen Parteien betrieben wird, weiter mit terroristischen Methoden vollstrecken will. Darin liegt gewissermaßen die Besonderheit der AfD als Verkörperung einer faschistischen Herrschaftsoption für die herrschende Klasse.

Gleichzeitig steht die AfD nur scheinbar im Gegensatz zu den anderen bürgerlichen Parteien, die als Kriegstreiber und Sozialchauvinisten massiv den Druck auf die Arbeiterklasse erhöhen. Diese Parteien selbst sind Teil der Faschisierungspolitik, indem sie die nötigen Bedingungen zum Übergang in den Faschismus schaffen. Trotzdem unterscheidet sich die AfD, weil sie das Potenzial faschistischen Terrors organisatorisch bindet und offen revanchistische Positionen vertritt. Das unterstreicht nicht nur der Geschichtsrevisionismus der Partei, sondern auch der brutale Nationalismus und Chauvinismus, der häufig eine Neuauflage der Nazi-Ideologie darstellt.

Kraft für den großen Krieg gegen Russland

Führende Vertreter der Partei erkennen im Ende des Kolonialismus einen großen Fehler und fordern einen deutschen „Großraum“ in Ost- und Mitteleuropa. Also einen von Deutschland politisch und militärisch dominierten sowie wirtschaftlich untergeordneten europäischen Raum, in dem Deutschland die Ordnungsmacht gegenüber den übrigen Staaten bildet und die diktatorischen Herrschaftsmethoden der EU übertrifft. Die Normalisierung des historischen Nazi-Faschismus, den die Partei betreibt, und ihre Umdeutung des 8.Mai als Tag der Niederlage läuft auf einen offenen und aggressiven Revanchismus hinaus, der sich vor allem gegen Russland richtet.

Die AfD ist die Partei, mit der ein großer Krieg erst möglich gemacht werden soll. Sie tritt taktisch für eine Änderung der aktuellen Kriegspolitik ein, um bessere Voraussetzungen für die Unterwerfung Russlands zu schaffen. Die Partei verfolgt außenpolitisch die Agenda einer Rückkehr zu engeren Handelsbeziehungen mit Russland. Im Zentrum steht dabei der Zugang zu den russischen Rohstoffen und Energieträgern, die Deutschland für einen erneuten industriellen Aufschwung und damit die Grundlage für die Militarisierung benötigt. Deshalb sollen Nord Stream wieder geöffnet und neue Handelsabkommen geschlossen werden. Die dahinterstehende Annahme ist, dass eine solche Industrialisierung und Militarisierung ohne den Zugang zu vergleichsweise günstigen russischen Rohstoffen realistisch nicht möglich sind.

Dafür braucht der deutsche Imperialismus ein Russland, das zur Zusammenarbeit bereit ist. Diese Willfährigkeit lässt sich nach dieser Vorstellung jedoch im Moment nicht nur durch militärische Gewalt erzwingen, wie der Krieg in der Ukraine zeigt. Das ist die Grundlage der AfD-Forderungen nach einer Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen. Deutschland soll durch wirtschaftliche und militärische Stärke wieder über die nötigen Mittel verfügen, seine Interessen international durchzusetzen – letztlich bis hin zur Fähigkeit, einen Weltkrieg führen zu können. Diese außenpolitische Linie lässt sich in den entsprechenden Richtlinien der AfD nachlesen. Für Russland hätte eine Rückkehr zu diesen Beziehungen hingegen eine halbkoloniale Stellung als deindustrialisiertes Rohstoffanhängsel zur Folge. Ein Rohstoffanhängsel, das dem Abnehmer der Rohstoffe die Ertüchtigung zum Krieg gegen Russland selbst ermöglicht.

Die genaue Einordnung der scheinbar pro-russischen Demagogie der AfD erfordert weitere Arbeit. Grundsätzlich muss beachtet werden, dass für faschistische und neofaschistische Parteien Ideologie und politische Programmatik nebensächlich sind bzw. diese von Pragmatismus gekennzeichnet sind. Das heißt, dass ihr Programm, unabhängig davon, was sie von sich geben, das der Kriegsvorbereitung und Hetze ist.

Die AfD ist eine Partei des Militarismus, wie man an der bedingungslosen Zustimmung zum 5%-Ziel der Aufrüstung und der Forderung einer Wehrpflicht gesehen hat. Sie hat enge Verbindungen in den Staatsapparat der USA und ist bereit, unter welcher politisch konkreten Losung auch immer, die notwendigen Maßnahmen für die Kriegstüchtigkeit Deutschlands umzusetzen. Der US-Imperialismus setzt auf ein hochgerüstetes und nationalistisches Europa, das ihm den Kampf gegen Russland zugunsten ihrer Bestrebungen im Pazifikraum abnimmt.

Die AfD unterstützt den Völkermord in Gaza, blickt voller Bewunderung auf die Ethnokolonie „Israel“ und will die deutsche Staatsräson mit noch schärferen Repressionen durchsetzen. Darin drückt sich der verbindende Charakter des Zionismus als faschistische Ideologie und der Nazi-Ideologie der AfD aus, die in der Kolonisierung Palästinas zugleich Standards der Barbarei setzt, die für die Unterwerfung Osteuropas und Russlands notwendig sein werden.

Reaktionen der Kommunistischen Bewegung

Die Reaktionen der Kommunistischen Bewegung auf die AfD schwanken zwischen einer Verharmlosung der AfD als eine normale bürgerliche Partei unter vielen und der Überhöhung der AfD als Ursache allen Übels, während man die traditionellen bürgerlichen Parteien und den deutschen Staat aus ihrer Verantwortung nimmt.

Wer meint, dass die Partei die Politik nur ein bisschen autoritärer gestalten würde, betreibt eine Verharmlosung der Partei. Die von Neofaschisten dominierte AfD plant, antifaschistische Strukturen so lange mit Kriminalisierung und Verboten zu überziehen, bis jegliche ernsthafte Opposition zu ihr und den Neonazibanden in ihrem Vorfeld gebrochen ist. Sie will darüber hinaus im Zuge ihrer Remigrationspläne Tausende Migranten inhaftieren und deportieren sowie Millionen von Migranten ihre politische und kulturelle Selbstbestimmung im Zuge eines „Assimilierungsdruckes“ und „patriotischer Leitkultur“ streitig machen. Im Zuge einer Arbeitspflicht sollen Migranten beliebig zur Zwangsarbeit eingesetzt werden. So betonte Ullrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt, beispielsweise die Aufforstung des Harzes durch arbeitspflichtige Migranten, sprach sich an verschiedenen Stellen für die Durchleuchtung und Kriminalisierung von antifaschistischen Strukturen aus und forderte die Produktion von Rüstungsgütern für eine „Remigrationsoffensive“.

Die Ideologie des völkischen Nationalismus, die die gesamte Partei durchzieht, bildet dabei die Grundlage für die Etablierung eines Regimes gegenüber Millionen von Migranten, das potenziell zur Errichtung der Kriegswirtschaft beitragen wird und auf Behinderte und Arbeitslose ausgeweitet werden soll. Der übersteigerte Chauvinismus und Hass bedeutet die Heranzüchtung einer willfährigen Volksgemeinschaft, die diese Agenda unterstützt und auf Grundlage nationalistischer Ideologie den laufenden Sozialabbau nicht als Klassenfrage, sondern als Verteilungskonflikt unter deutschen und migrantischen Arbeitern begreift. Zusätzlich wird so das alte Stigma „unnützer Esser“ als Schädlinge des kapitalistischen Klassenkompromisses verbreitet.

Zersetzte antifaschistische Bewegung

Auf der anderen Seite blenden einige Antifaschisten und Kommunisten die Rolle des Staates im Kampf gegen die AfD aus und machen sich mit denselben Kriegstreibern und Zionisten gemein, die über Jahre die AfD stärkten und zu ihrem Aufbau beitrugen. Diese isolierte Betrachtung der AfD unterschlägt die wahren Ursachen der Militarisierung und Faschisierung, an deren vorläufigem Ende die AfD steht, und ist somit zahnlos und ein hilfloser Antifaschismus, der darauf hinausläuft, den aktuell laufenden reaktionär-militaristischen Staatsumbau zu verschleiern.

Die Zersetzung der antifaschistischen Bewegung durch „antideutsche“, also pro-imperialistische Kräfte und die Anbiederung an die Staatsräson stellen eine Barriere zwischen dem notwendigen antifaschistischen Kampf und der Bevölkerung dar. Dabei gibt es Potenzial in der Bevölkerung, gemeinsam gegen Krieg und Verhetzung zu kämpfen. Die Einheit der Menschen auf der Ebene der Gleichheit, in der sie von der rassistischen Spaltung, der Kriegs- und Sozialabbaupolitik betroffen sind, ist eine potenziell starke und klar antifaschistische Einheit. Diese Einheit in Aktion und politischem Handeln herzustellen, ist möglich und notwendig – durch Offenheit in der Diskussion auf dem festen Standpunkt, die imperialistischen Spaltungen zu überwinden.

Ein Bündnis mit demokratischen Kräften und Organisationen auf Grundlage der Ablehnung von Kriegspolitik und Völkermord ist ebenfalls möglich, setzt aber einen Diskussionsprozess voraus, indem man sich auf einen antifaschistischen Konsens bezieht, der nicht antikapitalistisch sein muss, aber gegen Rassismus und Kriegspolitik in allen Formen (Zionismus, Banderafaschismus etc.) kämpft.

Politischer Kampf gegen die Faschisierung

Wir müssen die Pläne der AfD und die Funktion der Herrenrassenideologie, die sie verbreitet, ernst nehmen. Sie dient der Kriegsvorbereitung und weiteren Formierung einer Heimatfront gegen innere und äußere Feinde. Die AfD und ihre Vordenker machen aus ihren Ambitionen kein Geheimnis, und wir sollten sie gut kennen. Sie wollen Deutschland wieder zu einer Großmacht in Europa und der Welt aufbauen und treten dazu an, die laufende Aufrüstung, den laufenden Demokratieabbau und die laufenden Sozialkürzungen noch brutaler und radikaler als bisher durchzusetzen – ganz im Interesse der Industriellen und Banken, die das mangelnde „Tempo“ von CDU und SPD beklagen. Mit der Rückkehr der Frontstellung gegen Russland kehren auch die chauvinistischen Elemente dieser aggressiven Politik zurück, die die AfD in einer historischen Kontinuität verkörpert.

Als Kommunisten ist uns bewusst, dass ein breiter Kampf gegen Faschismus und Faschisierung entfaltet werden muss. Zugleich ist dies aus unserer Sicht erst möglich, wenn ein breiter Konsens geschaffen werden kann, dass dieser Faschismus sehr eng mit den Kriegsplänen gegen Russland zusammenhängt. Der erste Schritt muss eine offene Diskussion sein, die den Ausschluss der Kräfte überwindet, die sich gegen den Krieg gegen Russland stellen. Oftmals werden Kommunisten und andere als „Schwurbler“ diffamiert und ausgegrenzt, wenn sie sich nicht gegen Russland stellen. Die KO selbst hat in mehreren Situationen erfahren, wie stark sie für ihre Position angegriffen wird. Wir rufen dazu auf, endlich zu erkennen, dass die reaktionärsten Kräfte der BRD (und das ist nicht nur die AfD) ernsthaft einen Krieg gegen Russland vorbereiten. Wir rufen dazu auf, sich geschlossen dagegenzustellen und endlich anzuerkennen, dass die NATO der Aggressor ist, der gestoppt werden muss.

Der wichtigste Kampf gegen den Faschismus ist, ihn politisch zu stellen, ihm jede Möglichkeit politischer Erfolge in der Bevölkerung zu verunmöglichen. Der Kampf gegen Sozialabbau ist mit Sicherheit ein Teil davon, aber der Kampf gegen die Kriegspolitik steht an erster Stelle, denn auch der Angriff auf die Arbeiterrechte resultiert aus dieser. Die Verhetzung, der Rassismus, der Chauvinismus, die Demagogie – all diese Mittel dienen dem Faschismus dazu, von diesem Kampf abzulenken und die Massen politisch in die Irre zu führen.

Alerta Antifasista – Stoppt den Krieg gegen Russland

Diese politischen Erfolge müssen durch eine ernsthafte und wirklich oppositionelle Aufstellung der Kräfte gestoppt werden. Clara Zetkin stellte in ihrer Analyse des italienischen Faschismus fest: „Abgesehen von ihrer numerischen Schwäche hat sie (die Kommunistische Partei) wohl auch einen taktischen Fehler begangen, indem sie den Faschismus lediglich als eine militärische Erscheinung betrachtete und seine ideologische und politische Seite übersah. Vergessen wir nicht, dass der Faschismus in Italien, ehe er durch Akte des Terrors das Proletariat niederschlug, einen ideologischen und politischen Sieg über die Arbeiterbewegung errungen hatte und welches die Ursachen dieses Sieges waren. Es wäre sehr gefährlich, wenn wir außer Acht lassen wollten, von welcher Bedeutung gerade die ideologische und politische Überwindung des Faschismus ist.“

Alerta Antifascista heißt, den Kampf aufnehmen und politisch sagen, was ist: Stoppt den Krieg gegen Russland, stoppt die Demagogie der AfD, stoppt den Rassismus und den Aufbau eines Remigrations-Zwangssystems. Stoppt die Staatsräson und den Völkermord in Palästina.

Solidarität mit Ibrahim Ibrahim, Hannah Bruns und der Roten Hilfe!

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Das starke Abschneiden der Linkspartei bei den Wahlen für das Berliner Abgeordnetenhaus ist ein Ausdruck dafür, dass ein Großteil der Menschen in der Hauptstadt eine Alternative zu Militarisierung, Verarmung, Rassismus und Völkermord will. Diese Rolle kann und wird die sozialdemokratische Partei Die Linke (PdL) nicht erfüllen, wie sie nun erneut beweist.

Das Verhalten der Bürgerlichen in Bezug auf die Wahlergebnisse – von der Springer-Presse über die FAZ bis zur taz, von der CDU bis hin zu relevanten Teilen der PdL selbst – ist ein Paradebeispiel der Reaktion und der Schamlosigkeit der herrschenden Klasse. Während die einen eine Regierung unter Führung der PdL verhindern wollen, verfolgen die anderen das Ziel, die Linkspartei noch weiter zu zähmen und zu spalten. Dabei stimmen sie alle in denselben Chor ein, der der Partei bzw. Teilen von ihr die üblichen antikommunistischen Vorwürfe andichtet – obwohl die PdL weder kommunistisch noch besonders links noch in Gänze palästinasolidarisch noch gegen die herrschende Russlandfeindlichkeit ist: nämlich Antisemitismus, Nähe zur Hamas und zur PFLP, „Russlandfreundlichkeit“ und „Linksextremismus“. Auch mit dem Vorwurf der Nähe zu „Clan-Strukturen“ – ein durch und durch rassistisches Narrativ – wird gegen sie geschossen.

Als „Kronzeugen“ dieser Hetze werden verschiedene Einzelpersonen und Organisationen herangezogen: darunter Ibrahim Ibrahim vom Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee, dem die rassistische Propagandapresse „Hamas“- und „Terror-Unterstützung“ andichtet, Hannah Bruns von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Palästinasolidarität, gegen die mittlerweile ein Parteiausschlussverfahren läuft, sowie die Rote Hilfe.

Unsere Solidarität gilt diesen Personen und Strukturen, die für die Schmierkampagne gegen die PdL missbraucht werden:

Wir verurteilen die rassistische Hetze gegen Ibrahim Ibrahim, der als Palästinenser seit Jahrzehnten für die Rechte seines Volkes kämpft und dafür wiederholt Ziel staatlicher und medialer Repression geworden ist!

Wir verurteilen die Angriffe auf Hannah Bruns, die für konsequente Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf und für klassenkämpferischen Positionen innerhalb wie außerhalb der Linkspartei eintritt!

Wir verurteilen die neuerlichen Attacken auf die Rote Hilfe, die zuletzt von Debanking betroffen war und nun von der bürgerlichen Presse wieder einmal als Unterstützerorganisation für „Linksextremisten“, „Straftäter“ und „Terroristen“ dargestellt wird!

Und wir verurteilen das feige Verhalten der auf Regierungsbeteiligung und Karriere fixierten Parteirechten und -führung, die Ibrahim verurteilen, Hannah ausschließen und sich von der Roten Hilfe distanzieren! Dieses Verhalten ist ein erneutes Lehrstück, weshalb auf die Sozialdemokratie beim Kampf gegen Kapitalismus, Militarismus und Rassismus kein Verlass ist – sie wird ihn immer wieder verraten und ohne eine starke und kämpferische Kommunistische Partei kann man sie nicht in diesen Kampf zwingen. Es ist zudem der Grund, wieso wir uns mit der Partei selbst, trotz der heftigen reaktionären Angriffe auf sie, die wir verurteilen, nicht solidarisieren können.

Solidarität mit den Opfern staatlicher, medialer und parteipolitischer Repression!

Kampf dem antipalästinensischen und antiarabischen Rassismus!

Lang lebe der Befreiungskampf des palästinensischen Volkes!

Die Kommunistische Partei Griechenlands und ihre ideologische Alchemie

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Vorwort

Vom 24. bis 26. Mai diesen Jahres fand in Moskau das dritte Internationale Antifaschistische Forum (IAF) statt. Am Treffen, das seit 2023 von der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) organisiert wird, nahmen hunderte Antifaschisten aus dutzenden Ländern teil, darunter auch die KO. Es stellt eine neue und wichtige Entwicklung in der Kommunistischen Bewegung dar, um Kräfte im Kampf gegen den Imperialismus und Faschismus zu bündeln. Das Forum ist auch eine Reaktion auf die Entwicklung im solidnet-Zusammenschluss, der es nicht vermocht hat, eine Debatte für die Überwindung der tiefreichenden Dissense der Bewegung zu organisieren.

Bereits 2025, nach dem zweiten IAF, veröffentliche die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) eine deutliche Kritik am Forum1. Die KKE nimmt nicht am Forum teil und diagnostiziert den am Forum beteiligten Parteien eine „einseitige Betrachtung“ der internationalen faschistischen Tendenzen bürgerlicher Regierungen. Besonders Russlands Rolle werde nicht ausreichend in den Blick genommen und sich in das imperialistische Projekt der russischen Regierung integriert. Ausgehend von der historischen Einschätzung der Faschismusdebatte der Kommunistischen Internationale erneuert sie auch ihre Kritik an der These des „exportierten Faschismus“, die unter anderem durch die Russische Kommunistische Arbeiterpartei (RKAP) geprägt wurde.

Bemerkenswert ist, dass die Debatte um den Charakter Russlands und der Ukraine sowie um den „exportierten Faschismus“ der NATO-Staaten bereits 2022 zwischen der KKE, KPRF und RKAP begonnen, dann aber nicht öffentlich weitergeführt wurde.

Im August 2026 veröffentlichte die RKAP nun eine Antwort an den Beitrag der KKE vom Jahr zuvor2, in der sie nicht nur auf die Kritik der KKE am IAF eingeht, sondern auch auf ihre Rolle in der Weltbewegung. Es geht um nicht weniger als die Frage, was den Faschismus auszeichnet und was ihn von der bürgerlichen Demokratie unterscheidet. Die RKAP wirft den griechischen Genossen eine Verwässerung des Begriffs mit weitreichenden Folgen für Strategie und Taktik vor – eine Diskussion, die in Zeiten eines immer aggressiver auftretenden NATO-Imperialismus hohe Bedeutung hat.

Die Darstellung des Verhaltens der KKE in Bezug auf die kommunistische Bewegung hat hohe Relevanz, da diese laut der RKAP einer – durch die russische Partei als akut notwendig erklärte – internationalen Klärung wesentlicher Fragen entgegensteht. In diesem Sinne ist der Beitrag der RKAP ein dringlicher Appell, den wir hiermit spiegeln, um auch den deutschsprachigen Debattenraum auf diese wichtige Diskussion aufmerksam zu machen.

Bitte beachtet, dass gespiegelte Beiträge nicht unbedingt die Positionen der Kommunistischen Organisation (KO) darstellen oder ihnen entsprechen.

Die Redaktion


Ach, dieser lästige VII. Kongress!

Die Abteilung für internationale Beziehungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) hat einen Artikel veröffentlicht, in dem das Internationale Antifaschistische Forum in Moskau kritisiert wird. Mit diesem Beitrag haben die Theoretiker der KKE ein neues ideologisches Tief erreicht, indem sie dem VII. Kongress der Komintern (1935) Fehler und eine problematische (also offenbar unwissenschaftliche) Definition des Faschismus vorwarfen. Man muss davon ausgehen, dass die theoretischen Errungenschaften der Komintern jener Zeit für die meisten Parteien bis heute maßgeblich und aktuell sind. Ihre Betrachtung und Analyse zielen in erster Linie darauf ab, wie wir heute die von den Kommunisten über viele Jahrzehnte hinweg gesammelten Erfahrungen im Kampf praktisch nutzen können. Und nun haben die Genossen der KKE schließlich allen Antifaschisten offen erklärt, dass sie nicht einverstanden sind! Vor allem haben sich die Ideologen der KKE gegen die Definition der Komintern (Georgij Dimitrov) gewandt, die gerade auf dem VII. Kongress für den an der Macht befindlichen Faschismus gegeben wurde:

„Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten und imperialistischsten Elemente des Finanzkapitals…

Faschismus – das ist keine klassenübergreifende Herrschaft und auch keine Herrschaft des Kleinbürgertums oder des Lumpenproletariats über das Finanzkapital.

Faschismus – das ist die Herrschaft des Finanzkapitals selbst. Es ist die Organisation einer terroristischen Unterdrückung der Arbeiterklasse und des revolutionären Teils der Bauernschaft und der Intelligenz.

Faschismus in der Außenpolitik ist Chauvinismus in seiner gröbsten Form, der einen tierischen Hass gegen andere Völker schürt.“

Die Theoretiker der KKE stimmen nicht damit überein, dass Dimitrov das Finanzkapital als Hauptdrahtzieher des Faschismus identifiziert hat. Darüber hinaus erklären Vertreter der KKE zur größeren Überzeugungskraft, dass Dimitrows Definition nicht nur falsch, sondern heute auch überholt sei. Man muss verstehen, dass dieses Argument für diejenigen bestimmt ist, die die Position der Komintern doch für richtig halten. Die Definition sei, so heißt es, in vielerlei Hinsicht konjunkturbedingt gewesen, da sie unter Bedingungen abgegeben wurde, als „die imperialistischen Kräfte die Vernichtung des einzigen sozialistischen Staates der Welt planten, während die UdSSR bestrebt war, die imperialistischen Kräfte zu spalten und ihre Widersprüche auszunutzen“.

Das Interessanteste daran ist, dass trotz all dieser Kritik an den Beschlüssen des VII. Kongresses die Ideologen der KKE selbst schon seit langer Zeit keine eigene Definition des Faschismus mehr vorlegen, sondern sich lediglich hinter dem Verweis auf den 1928 abgehaltenen VI. Kongress der Komintern verstecken, der angeblich grundlegend andere Auslegungen geliefert habe:

„Unter bestimmten spezifischen historischen Bedingungen nimmt der Vormarsch der bourgeoisen, imperialistischen und reaktionären Kräfte die Form des Faschismus an“, und „die Merkmale des Faschismus wurden in der Resolution zur internationalen Lage auf dem VI. Kongress der Komintern ausführlich dargelegt.“

Wenn wir jedoch einen Blick darauf werfen, wohin uns die Ideologen der KKE führen, nämlich zu den Unterlagen des VI. Kongresses, so werden wir feststellen, dass sich gerade dort noch keine klare Definition herausgebildet hatte, sondern dass eine Analyse des Phänomens im Verlauf seiner Entstehung stattfand. Dabei wurde unter anderem eine Reihe äußerer Merkmale des Faschismus herausgearbeitet und aufgezählt: direkte Gewalt, Kampf gegen die proletarische Bewegung, Erreichung der politischen Einheit aller herrschenden Klassen (Banken, Großindustrie, Großgrundbesitzer), Stützung auf die Unzufriedenheit breiter Schichten der Kleinbourgeoisie und sogar der Arbeiter, soziale Demagogie u. a.

Wir wissen, dass der Faschismus im Jahr 1928 noch nicht seine volle Kraft entfaltet hatte und sich noch nicht zu seiner höchsten Form entwickelt hatte, die sich später im faschistischen Deutschland manifestierte. Selbst die aggressive Außenpolitik, dieses wichtige Merkmal des Faschismus, war bis 1928 noch nicht deutlich geworden. Und wir wissen auch, dass Marx empfahl, Phänomene in ihrer ausgereiften Form zu untersuchen: „Die Anatomie des Menschen ist der Schlüssel zur Anatomie des Affen.“ Genau deshalb ist es absolut klar, dass der VII. Kongress der Komintern weitaus mehr über den Faschismus wusste als der VI. Kongress. Zudem kam der Effekt der Wissensakkumulation zum Tragen. Umso mehr, als sich in beiden Fällen praktisch dieselben Personen mit der Analyse des Faschismus befassten.

In den 1920er Jahren, als die Kommunisten den Faschismus noch nicht vollständig erforscht hatten, wurde das Etikett „Faschismus“ oft auf alle autoritären bürgerlichen Regime angewendet. So ist beispielsweise bekannt, dass die deutschen Kommunisten Ende der 1920er Jahre der Ansicht waren, die Weimarer Republik sei zu diesem Zeitpunkt bereits ein faschistischer Staat gewesen. Doch dieselben Kommunisten (nicht nur die deutschen) sahen nach 1933 den Hitlerismus, also den Faschismus in seiner entwickelten Form. Und dies ermöglichte es bereits, den Faschismus theoretisch von anderen Formen der bürgerlichen Diktatur abzugrenzen (nach Lenin ist jeder bürgerlich-demokratische Staat zugleich eine Diktatur der Bourgeoisie), die sich gegenüber der Arbeiterklasse stets (d. h. auch ohne Entwicklung zum Faschismus) als Maschine der Klassenunterdrückung verhält. Indem man den Faschismus als besonderes Phänomen herausgriff, konnte man die wirksamsten Methoden zur Bekämpfung gerade dieser Form der bürgerlichen Diktatur auswählen (zum Beispiel die Taktik der Volksfronten).

Der Faschismus ist ein Produkt der Epoche des Imperialismus, sein spezifisches Instrument, und es liegt auf der Hand, dass der Hauptauftraggeber des Faschismus jener Teil des Kapitals sein wird, der sich in der Epoche des Imperialismus als neue herrschende Kraft herausgebildet hat, nämlich das Finanzkapital. Selbst wenn es in einem Land verschiedene Schichten der Bourgeoisie gibt, steht in der Epoche des Imperialismus immer das Finanzkapital über ihnen allen – der mächtigste Teil, der durch die Verschmelzung von Bankkapital mit Industriekapital entsteht und immer mehr Funktionen der direkten Steuerung der Wirtschaft übernimmt, unter anderem über den Staatsapparat. Auch der VI. Kongress der Komintern hat diese Gefahr wiederholt hervorgehoben.

Die Verweise der Ideologen der KKE darauf, dass die Formulierungen von 1935 von der Konfrontation der UdSSR mit der kapitalistischen Welt abhingen, wirken etwas absurd, da die Imperialisten auch 1928 verzweifelt darauf aus waren, die Sowjetunion zu vernichten – doch auf die in jenem Jahr gefassten Beschlüsse des VI. Kongresses halten es die Verfasser des Dokuments der KKE aus irgendeinem Grund für möglich, sich darauf zu berufen. Vielleicht hassten die Imperialisten 1928 die UdSSR und die Oktoberrevolution weniger als 1935? Das scheint nicht der Fall zu sein.

Außerdem ist anzumerken, dass die Gegenüberstellung der Beschlüsse der beiden letzten Kongresse der Komintern methodisch nicht korrekt ist. Anstatt den wissenschaftlichen Grundsatz des Historismus zu beachten und aufzuzeigen, wie bestimmte Beschlüsse auf der Grundlage anderer entstehen, haben sich die Ideologen der KKE entschlossen, die Methode der Liberalen anzuwenden, die es beispielsweise lieben, die Werke des jungen und des reifen Marx einander gegenüberzustellen. Das wirkt zwar auf unreife Geister, aber wir als Dialektiker verstehen das Phänomen in seiner Entwicklung.

Wir sehen, dass die Behauptungen der KKE über die Fehlerhaftigkeit der Einschätzungen und Definitionen des VII. Kongresses der Komintern einer Überprüfung anhand elementarer Fakten nicht standhalten und der Logik widersprechen.

Dogmatismus und Hegemonialismus der KKE?

Warum also hat sich die KKE heute überhaupt in die Komintern-Debatten vertieft, ist sie dazu übergegangen, die in der Praxis bewährte Definition der Komintern zu widerlegen und die Fehlerhaftigkeit der Taktik der Volksfronten im Kampf gegen den Faschismus zu beweisen? Kürzlich erschien ein Video mit derselben Ausrichtung3.

Hier gibt es unserer Ansicht nach mehrere Motive. Das erste: Die Führung der KKE hält an ihrer langjährigen, aber falschen ideologischen Linie fest.

Den heutigen Kommunisten weltweit ist die von der KKE stammende theoretische Neuerung wohlbekannt, wonach praktisch alle kapitalistischen Staaten der Ära des Imperialismus imperialistische Länder sind, da überall die herrschende Stellung der Monopole offensichtlich ist („Theorie der imperialistischen Pyramide“). Die KKE lässt sich nicht einmal davon beirren, dass Lenin ausdrücklich von einer Handvoll imperialistischer Staaten sprach, die den Rest der Welt ausbeuten. Nun versuchen die Ideologen der KKE also, in Weiterführung ihres bereits alten, unbewiesenen Dogmas, alle kapitalistischen (d. h. ihrer Meinung nach imperialistischen) Länder so darzustellen, als seien sie potenziell gleichermaßen bereit, faschistisch zu werden. Wie sonst ließe sich das Bestreben der Führer der KKE erklären, die Einteilung der kapitalistischen Länder in bürgerlich-demokratische und faschistische aufzugeben? Aus unserer Sicht unterscheiden die Genossen nicht zwischen Faschismus an der Macht und dem Auftreten faschistischer Elemente in Ideologie und Politik. Das erste Phänomen wird durch die Definition der Komintern beschrieben. Das zweite Phänomen ist in der einen oder anderen Form praktisch allen bürgerlichen Staaten eigen und in letzter Zeit in zunehmendem Maße zu beobachten.

Wie auf dem VII. Kongress der Komintern festgestellt wurde, „müssen sich die arbeitenden Massen in einer Reihe kapitalistischer Länder heute konkret nicht zwischen der Diktatur des Proletariats und der bürgerlichen Demokratie entscheiden, sondern zwischen der bürgerlichen Demokratie und dem Faschismus“. Natürlich sind die Bedingungen für den Kampf der Arbeiterklasse unter jeder Form von Demokratie günstiger. Doch die griechischen Genossen weisen diese Schlussfolgerung nun kurzerhand zurück. Nach der Logik der Führung der griechischen Kommunistischen Partei sind nicht nur jene Staaten faschistisch, in denen bereits eine offen terroristische Diktatur des Finanzkapitals errichtet wurde (siehe Dimitrovs Definition), sondern generell alle imperialistischen Länder, in denen Elemente der Faschisierung in Ideologie und Politik zu beobachten sind.

Daraus folgt, dass der Begriff des Faschismus verwässert wird, fast zu einem Synonym für Kapitalismus wird und bei passender Gelegenheit auf jedes bürgerliche Regime angewandt werden kann, ganz gleich, wie sich dieses verhält – ob offen terroristisch oder nicht. Es ist natürlich äußerst gefährlich, eine solch absurde Methode anzuwenden – man könnte offene Faschisten, wie in der Ukraine, als Aufbau einer jungen Nation ausgeben, oder jedes beliebige bürgerliche Land des Faschismus bezichtigen.

So galt beispielsweise aus Sicht der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands das Regime von B. Assad in Syrien angeblich als faschistische Diktatur, während dessen gewaltsamer Sturz durch Islamisten als fortschrittliche demokratische Revolution angesehen wurde. Oder es werden von einigen linksgerichteten Kreisen Vorwürfe gegen den belarussischen Präsidenten A. Lukaschenko erhoben, man werfe ihm Diktatur und einen Abgleit in den Faschismus vor, analog zu Selenskyj.

Und hier kommen wir zum zweiten Motiv für das Verhalten der Ideologen der KKE. Die heutige Kommunistische Partei Griechenlands ist eine Organisation, die einerseits versucht, die internationale kommunistische Bewegung zu organisieren. Und dafür gebührt ihr großer Dank. Andererseits haben sie die wohlverdienten Komplimente für die Organisation einer Reihe von Treffen kommunistischer und Arbeiterparteien im Rahmen von Solidnet als Anerkennung ihrer theoretischen Genialität aufgefasst und begannen, Elemente der Intoleranz gegenüber anderen Meinungen sowie eine Art kommunistischer Überheblichkeit an den Tag zu legen, bei der Genossen eigenmächtig – ohne auf Einwände und andere Meinungen zu hören – festlegen, wer Recht hat und wer sich irrt. Es waren Versuche zu beobachten, die weltweite kommunistische Bewegung unter ihre Kontrolle zu bringen. Nachdem sie sich vor einiger Zeit als „die Ersten unter Gleichen“ empfunden hatten, haben die Führer der KKE die Gleichheit irgendwie vergessen und suchen sich nun Satelliten aus. Von den kommunistischen Parteien verschiedener Länder verlangen die Führer der KKE mittlerweile schlichtweg, dass sie aufhören, am Nutzen ihrer ideologischen Alchemie zu zweifeln. Wenn sie behaupten, dass der Krieg in jeder Hinsicht imperialistisch sei und der Faschismus allen seinen Teilnehmern innewohne, dann könne es auch keine besonderen Methoden für den Kampf gegen den echten lebendigen4 Faschismus geben. Die KKE wiederholt wie ein Mantra, dass nur die Arbeiterklasse und die Kommunisten in der Lage seien, den Faschismus und den Kapitalismus zu bekämpfen (insbesondere erinnern sie an ein Zitat von B. Brecht). Wenn jedoch in einem bestimmten Land die Arbeiterklasse noch nicht zu breiten, eigenständigen Aktionen bereit ist und die Kommunisten noch keine Unterstützung durch die Massen der Arbeitenden erreicht haben, sieht die KKE keine Notwendigkeit, die unterschiedlichsten antifaschistischen Kräfte im Kampf gegen die Hauptquelle der Gefahr und den Nährboden des Faschismus zu vereinen. Somit führen die Theoretiker der KKE de facto zu einer abwartenden Untätigkeit, selbst wenn in einem Land eine offensichtliche Gefahr durch den Faschismus (nach Dimitrows Definition) zu spüren ist. Das heißt, nach Ansicht der griechischen Theoretiker (für die es sowohl in China als auch in den USA denselben Imperialismus gibt) müssen die Antifaschisten auf den Moment warten, in dem die aufständischen Arbeiter den Kapitalismus in der VR China und in den USA stürzen können – und dann ist auch dem Faschismus ein Ende gesetzt – und zwar auf keine andere Weise.

Werden Sie von Faschisten angegriffen? Wird die kommunistische Ideologie verboten, wird Ihre Muttersprache unterdrückt, werden Andersdenkende massenhaft ermordet und bei lebendigem Leibe verbrannt? Doch nach Ansicht der Kritiker der Komintern-Taktik ist es wenig aussichtsreich, sich mit einer Einheitsfront gegen die braune Pest zu stellen. Man müsse abwarten, bis das Proletariat zur Revolution bereit sei. Wenn Sie jedoch schon jetzt beginnen, dem Faschismus Widerstand zu leisten, ihn zu bekämpfen und sich antifaschistische Verbündete in anderen politischen Lagern suchen (d. h. nicht nur unter Kommunisten), dann wird die KKE Sie sofort als Sozialchauvinisten und sogar als Handlanger des Imperialismus brandmarken. Dabei ist bekannt, dass schon W. I. Lenin sagte: „Die Leugnung jeglicher Möglichkeit nationaler Kriege unter dem Imperialismus ist theoretisch falsch, historisch offensichtlich irrtümlich, und praktisch kommt sie dem europäischen Chauvinismus gleich…“1

Die KKE als Hemmnis im Kampf gegen den Faschismus

In der Praxis zeigt sich all dies heute deutlich in der Situation rund um die „Militäroperation“, dem militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine (tatsächlich steht hinter der Ukraine der imperialistische Westen, einschließlich des NATO-Mitglieds Griechenland). Die Kommunisten der RKAP standen dem in der Russischen Föderation etablierten bürgerlichen Regime stets äußerst kritisch gegenüber – und tun dies auch weiterhin. Aber wir haben von ihm bestimmte Maßnahmen gefordert und erkennen an, dass objektiv gesehen bisher nur dieses Regime im Jahr 2014 den Antifaschisten im Donbass Waffen in die Hand geben konnte, und im Jahr 2022 selbst mit der Kraft seiner Armee gegen den ukrainischen Bandera-Faschismus vorzugehen, der in Wirklichkeit eine Marionette in den Händen des westlichen imperialistischen Finanzkapitals ist. Und hätte die bürgerliche Russische Föderation dem aufständischen Donbass nicht geholfen, hätten die nationalsozialistischen Strafkommandos ihr Versprechen „Wir werden alle niedermetzeln!“ durchaus in die Tat umsetzen können. Die Erfahrungen in Odessa und das Vorgehen der Strafkommandos im Donbass lassen keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten.

Die Ukraine unter der Herrschaft von Selenskyj ist derzeit offensichtlich ein faschistisches Land (gemäß der wissenschaftlichen Definition der Komintern). Und auch die politischen Führer der Ukraine selbst geben offen zu, dass sie die Erben von Bandera und Schuchewitsch sind, also von Hitlers Verbündeten. Der Auftraggeber des Faschismus ist in diesem Fall das westliche Finanzkapital. Im Land treiben Banden von „Sturmtruppen“ ihr Unwesen, genauer gesagt, Einheiten der „TZK“ (territoriale Rekrutierungszentren), der „Asow-Kämpfer“ und anderer fanatischer Nationalisten; alle kommunistischen und Arbeiterorganisationen sind verboten, sowjetische und kommunistische Symbole sind illegal, die russische Sprache ist faktisch verboten. Sogar eine ganze Religionsgemeinschaft – die orthodoxen Christen – ist extremer Diskriminierung ausgesetzt. Der offen terroristische Charakter des Regimes von Selenskyj lässt keinerlei Zweifel aufkommen.

Auch im heutigen kapitalistischen Russland sind faschistische Tendenzen in Ideologie und Politik zu beobachten. Bislang beschränken sich diese jedoch auf vereinzelte Erscheinungsformen und gehen nicht in staatliche Politik über. Die Kommunisten agieren legal, die Arbeiterbewegung ist lebendig (wenn auch noch in den Anfängen), Lenin-Denkmäler werden nicht massenhaft zerstört. Rassische, sprachliche oder konfessionelle Diskriminierung ist in der staatlichen Politik nicht zu beobachten (auch wenn es im privaten Bereich zahlreiche Auswüchse gibt). Das Finanzkapital der Russischen Föderation geht nicht zu einer offen terroristischen Herrschaftsform über, da es offenbar derzeit keinen solchen Bedarf verspürt. Mehr noch: Trotz des Bestrebens ihrer herrschenden Klasse, sich auf eine Stufe mit den führenden westlichen Ländern zu stellen, führt die Russische Föderation den Militäreinsatz in vielerlei Hinsicht gerade mit dem Ziel, eine militärische Niederlage Russlands zu verhindern, um zu beweisen, dass die russische Bourgeoisie selbst in der Lage ist, die natürlichen und menschlichen Ressourcen des Landes auszubeuten, und ohne jegliche Sanktionen und Einschränkungen Handel treiben möchte. Somit erfüllt die SVO eine positive Schutzfunktion, da eine Zerstückelung Russlands in keiner Weise den Interessen der Arbeiterklasse Russlands und der Welt entspricht. Dabei ist die Russische Föderation eine waschechte bürgerliche Diktatur (in Form einer begrenzten bürgerlichen Demokratie). Sich jedoch gegen ihre Maßnahmen zur Unterstützung des Donbass und zur Bekämpfung des Faschismus in der Ukraine zu stellen, bedeutet, den Nazis zu helfen.

Die Ideologen der KKE stimmen dieser Einschätzung Russlands jedoch nicht zu. Sie zählen akribisch eine ganze Reihe beunruhigender Phänomene auf (von der Förderung der reaktionären Schriftsteller Solschenizyn und Iljin durch die Behörden der Russischen Föderation bis hin zur Präsenz der nationalistischen DShRG „Rusich“ an der Front). Damit wird versucht, die Ukraine und Russland gleichzusetzen, da es sich angeblich um Regime handele, die ihrem Wesen nach ähnlich seien. Das heißt, die Ideologen der Kommunistischen Partei Griechenlands unterscheiden nicht zwischen Faschismus als staatlicher Politik und faschistischen Tendenzen in Ideologie und Politik einer bürgerlichen Gesellschaft, die in dem einen oder anderen Maße praktisch allen bürgerlichen Staaten eigen sind.

Den Einwohnern des Donbass, die seit 2014 nicht von irgendjemandem, sondern eben von der „Banderisten“-Ukraine mit verschiedenen Waffen erschossen werden und die seit derselben Zeit einen antifaschistischen Aufstand begonnen haben, dessen Kern die Arbeiterklasse, Traktorfahrer und Bergleute bildeten, könnten solche Einschätzungen wohl kaum zustimmen. Doch das Leid der Völker der ehemaligen UdSSR zu ignorieren, liegt heute bei westlichen Politikern im Trend, in deren Handeln sich zunehmend Anklänge an Revanchismus für die Niederlage gegen die UdSSR im Jahr 1945 erkennen lassen. Und es ist sehr merkwürdig, dass sich unter diesen Politikern auch die heutigen Führer der KKE befinden.

Den andauernden militärischen Konflikt betrachtet die Führung der KKE lediglich als „innerimperialistisch“, und die Ziele Russlands als ebenso ausbeuterisch wie die der USA und der EU. Dabei wird die Tatsache ignoriert, dass das kapitalistische Russland durch die westlichen Sanktionen kolossale Verluste erleidet und im Laufe des Krieges (unter äußerst rätselhaften Umständen) bereits die „Nord Stream“-Pipelines verloren hat – dabei handelte es sich um die wichtigste materielle Einnahmequelle der russischen Oligarchen und des Staatshaushalts der Russischen Föderation. Noch seltsamer erscheint die Tatsache, dass solche prinzipiellen antiimperialistischen Analysten der KKE die Expansion des amerikanischen Imperialismus auf den EU-Markt, die Unterdrückung der Wirtschaft und folglich der Interessen der Arbeiterklassen in den europäischen Ländern nicht sehen. Somit üben die USA und die EU schon seit langem Druck und gewaltsame Methoden auf Russland aus, und die wahren Ziele dieses Drucks sind kein Geheimnis. Das Geheimnis liegt hier woanders: Warum wollen die Führungskräfte der KKE dies nicht sehen?

Die RKAP ist der Ansicht, dass die russische Bourgeoisie, ohne ihre unerfüllten imperialistischen Fantasien zu vergessen, im aktuellen Konflikt dennoch in erster Linie um ihr eigenes Überleben kämpft und sich nicht mit der Zerstückelung des Landes, der Verwandlung Russlands in eine Halbkolonie oder ein abhängiges Land abfinden will. Nicht selten haben sich Meinungsführer imperialistischer Länder für die Notwendigkeit ausgesprochen, Russland in mehrere Teile zu zerlegen – um die Unterwerfung und Ausbeutung des Landes zu erleichtern. Genau aus diesem Grund ist das bürgerliche Regime der Russischen Föderation gezwungen, sich dem imperialistischen Westen entgegenzustellen, der die Errichtung eines faschistischen Regimes in der Ukraine initiiert hat, um Druck auf Russland auszuüben und das Land zu schwächen. Parallel dazu hilft die Bourgeoisie der Russischen Föderation (wiederum gezwungenermaßen) den Völkern des Donbass und der Ukraine, sich vom faschistischen Bandera-Joch zu befreien. Die arbeitende Bevölkerung Russlands unterstützt insgesamt die antifaschistischen Ziele der Militäroperation, da sie versteht, dass eine Rückkehr des Landes in einen Zustand der Abhängigkeit (wie in den 1990er Jahren) oder seine Zerstückelung äußerst nachteilig, verhängnisvoll und lebensgefährlich für das gesamte Volk wären.

Im Jahr 2014 konnte im Osten der Ukraine aus objektiven Gründen keine proletarische Revolution stattfinden – die Arbeiterklasse war noch lange nicht reif für einen eigenständigen Aufstand unter sozialistischen Losungen. Doch den Arbeitern des Donbass und den Kommunisten gelang es in der Praxis, ihre Kräfte mit verschiedenen bürgerlichen, orthodoxen und sogar monarchistischen antifaschistischen Kräften zu bündeln und den vorrückenden Bandera-Strafkommandos Widerstand zu leisten. Tatsächlich wurde spontan die alte, bewährte Taktik der Volksfronten angewandt – das gemeinsame Auftreten gegen den Faschismus. Und diese Taktik hat sich unter den neuen Bedingungen des 21. Jahrhunderts voll und ganz bewährt: Den Banderisten gelang es nicht, die Volksrepubliken zu vernichten, die mit der rasanten Faschisierung nicht einverstanden waren.

Doch all dieser lebendige, kämpfende und Völker rettende antifaschistische Widerstand wird von den Ideologen der KKE verurteilt, die die Bildung von Volksfronten als Sackgasse betrachten und den Menschen faktisch vorschlagen, um das Recht zu haben, gegen den Faschismus zu kämpfen, auf eine laborreine revolutionäre Situation und eine vorbildliche proletarische Revolution zu warten, die den Kapitalismus mit all seinen faschistischen Anhaftungen hinwegfegt. Bildlich gesprochen lehnen die vom Leben losgelösten Theoretiker der KKE, ausgehend von der missglückten Umsetzung der Frontentaktik in einzelnen Ländern, vor allem in Griechenland, die Idee der Einheitsfront an sich ab. Und damit lehnen sie im Grunde genommen Lenins Theorie über Bündnisse und die Ausnutzung von Spaltungen im Lager der Kapitalisten ab. Heute schlagen die Ideologen der KKE vor, fast schon auf Revolutionen in den USA und der VR China zu warten. Werden wir das erleben?

Geht man von der Bewertung historischer Ereignisse aus, so hat die Komintern im Großen und Ganzen den Krieg (1939–1945) gegen den faschistischen „Anti-Komintern-Pakt“ gewonnen. Doch nach Ansicht der Experten der KKE hat die Komintern falsch gehandelt. Hier ähneln die Einschätzungen unserer griechischen Gegner in gewisser Weise denen unserer russischen antisowjetischen Kräfte. Diese behaupten, dass die Sowjetunion den Krieg gewonnen habe, der Sozialismus dabei jedoch keine Rolle gespielt habe, da das Volk lediglich für das Vaterland gekämpft habe. Bei den griechischen Genossen ergibt sich hingegen, dass der Komintern zwar gewonnen habe, dies aber entgegen der „falschen“ Taktik der Bildung antifaschistischer Volksfronten getan habe. Ein solches Verständnis des Marxismus können wir, die Kommunisten der RKAP, als eine besonders klinische Form der Parodie auf den Marxismus bezeichnen, als Taktik des Werfens revolutionärer Phrasen und als Strategie zur Rechtfertigung eines kampflosen Rückzugs vor der grausamsten imperialistischen Reaktion.

Fragen, die sich seit Jahren aufgestaut haben

Wir halten die Ideologen der Kommunistischen Partei Griechenlands nicht für dumme Menschen, die die Folgen ihrer ideologischen Begründungen nicht verstehen. Das Proletariat, das hier und jetzt organisatorische Hilfe benötigt, wird eifrig dazu gebracht, auf Selbstverteidigung zu verzichten. Warum also ruft die Kommunistische Partei Griechenlands die Völker dazu auf, sich vom Kampf gegen den konkreten, lebendigen Faschismus fernzuhalten, der in Echtzeit und unter Einbeziehung verschiedener antifaschistischer Kräfte stattfindet? Versteht die Führung der KKE etwa nicht, dass es für Kommunisten und die Arbeiterbewegung hundertmal vorteilhafter ist, unter den Bedingungen einer – wenn auch beschnittenen und ständig weiter beschnittenen – aber dennoch bürgerlichen Demokratie und im legalen Rahmen zu arbeiten, als sich unter faschistischen Regimes in den Wäldern und im Untergrund zu verstecken, ohne breiten Zugang zu den Arbeitern zu haben? Warum versucht eine Partei, die selbst legal in einem NATO-Land – diesem imperialistischen Block – existiert und von der herrschenden Klasse ihres Landes „grünes Licht“ für politische und wirtschaftliche Aktivitäten erhält, nicht nur im griechischen Parlament, sondern auch im Europaparlament vertreten ist, versucht, die internationale kommunistische Bewegung zu lenken, dabei aber hochmütig jede Kritik zurückweist, ihre Verbündeten als die einzig richtigen kommunistischen Parteien designiert und Maßnahmen ergreift, die unliebsame Parteien zur Spaltung führen? Warum weicht sie der theoretischen Auseinandersetzung aus und schmeißt abweichende Parteien einfach aus der Redaktion der internationalen Zeitschrift der MKO5? Was gibt der KKE das Recht, sich als Führer der weltweiten kommunistischen Bewegung zu betrachten? Sind bei dieser Partei in der jüngsten Geschichte (im letzten Vierteljahrhundert) etwa objektive Voraussetzungen für eine baldige Verwirklichung der Revolution entstanden? Niemand scheint davon gehört zu haben; mehr noch, die theoretische Frage „Ist eine Revolution im Einzelfall Griechenlands möglich?“ bleibt bislang offen.

Die RKAP hat mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass die KKE die Veröffentlichung unserer Parteimaterialien auf der internationalen Plattform Solidnet behindert hat. In der RKRP weiß man um die politische und materielle Unterstützung, die die KKE jenen skrupellosen ehemaligen Mitgliedern unserer Partei gewährt hat, die vor einigen Jahren versucht haben, unsere parteiinternen Internetressourcen zu stehlen. Wir stellen fest, dass die KKE auch gegenüber Parteien anderer Länder ähnlich vorgeht.

Nehmen sich die Ideologen der KKE nicht zu viel heraus, wenn sie ihre Partei für einen unfehlbaren Schiedsrichter halten, der Etiketten vergibt und Unliebsame von der Mitarbeit in internationalen Gremien ausschließt? Oder haben die Führungskräfte der KKE die Oppositionsarbeit vielleicht einfach zu einer Form ihrer Existenz in der bürgerlichen Gesellschaft gemacht? Sie versorgen die oppositionelle Wählerschaft, ermöglichen den Austausch und öffentliche Proteste der Unzufriedenen, greifen dabei aber nicht nach dem Kern des Imperialismus selbst, da man dafür auch leiden könnte.

Ja, hier gibt es viele Fragen.

Man möchte glauben, dass es in der KKE vernünftige Kräfte gibt, die diese ganze ausufernde politische Alchemie eindämmen, die der internationalen kommunistischen Bewegung erheblichen Schaden zufügt.

Um auf den Anfang des Artikels zurückzukommen: Wir erinnern daran, dass die griechischen Genossen beim Antifaschistischen Forum selbst nicht anwesend waren. Erstens, weil es in Moskau stattfand – „der Hauptstadt eines kapitalistischen Landes, dessen Führung offen am Krieg teilnimmt und sich hinter dem Antifaschismus versteckt“. Und zweitens, weil sie mit den grundlegenden Einschätzungen des Forums nicht einverstanden sind.

Auch die RKAP hat sowohl mit der KPRF als auch mit der Plattform gravierende Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Bewertung der Ereignisse und der Rolle Russlands und Chinas im antiimperialistischen Kampf, doch wir sahen es als unsere Pflicht an, an der Arbeit des Forums teilzunehmen und unseren Genossen im Kampf unseren marxistischen Standpunkt darzulegen. Die griechischen Genossen hingegen haben sich dem Kampf entzogen. Dort, wo die Antifaschisten waren, waren sie nicht zu finden. Genauso wie übrigens auch im andauernden Krieg im Donbass. Hier gibt es lebende6 Faschisten, unsere Genossen kämpfen gegen sie, aber die griechischen Genossen sind hier nicht. Denn aus ihrer Sicht wird dort falsch gekämpft.

Vielleicht gibt es dort genug Falsches, aber das Falsche schlechthin ist die Flucht vor dem Kampf gegen den Faschismus. Für Kommunisten ist das eine Schande.

Ideologische Kommission des ZK der RKRP

1https://inter.kke.gr/de/m-article/Ueber-das-Internationale-Antifaschistische-Forum-in-Moskau/

2https://ркрп.рус/2026/08/23/%d0%ba%d0%be%d0%bc%d0%bf%d0%b0%d1%80%d1%82%d0%b8%d1%8f-%d0%b3%d1%80%d0%b5%d1%86%d0%b8%d0%b8-%d0%b8-%d0%b5%d1%91-%d0%b8%d0%b4%d0%b5%d0%be%d0%bb%d0%be%d0%b3%d0%b8%d1%87%d0%b5%d1%81%d0%ba%d0%b0%d1%8f-3/

3http://solidnet.org/article/CP-of-Greece-Timely-video-of-the-KKE-Historical-conclusions-about-the-anti-fascist-fronts.-The-contemporary-struggle-against-fascism-English-Russian/

4Lebend, aktuell, handelnd (Anm. d. Übersetzers)

5Internationale Kommunistische Rundschau (Anm. d. Übersetzers)

6Echte, handelnde, aktive (Anm. d. Übersetzers)

La peur des communistes et d’un mouvement palestinien puissant

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La traduction suivante du déclaration «Angst vor Kommunisten und einer starken Palästina-Bewegung» a été réalisée par Supernova – Revue marxiste-léniniste.

Le ministère de l’Intérieur de la Hesse a interdit l’association Palästina e.V., qui avait déjà été dissoute en 2024. Cette mesure d’interdiction vise à porter un coup au mouvement palestinien, qui assure depuis trois ans une présence tenace dans les rues et rallie à sa cause des personnes qui n’étaient jusqu’alors pas engagées politiquement. Le mouvement palestinien défend des positions diamétralement opposées à la politique génocidaire de la République fédérale d’Allemagne. Malgré des hauts et des bas, une mobilisation politique, idéologique et sociale fructueuse s’est mise en place contre la politique dominante de l’Allemagne fédérale.

Cette interdiction vise notamment à paralyser le mouvement palestinien à Francfort, en prétendant que l’association continuerait d’exister et serait à l’origine des nombreuses activités menées dans la ville. Cette interdiction a pour but de criminaliser et d’éliminer bon nombre de ces activités. En vertu de l’article 9 de la Loi fondamentale, les associations peuvent être interdites si elles portent atteinte à « l’ordre constitutionnel » ou à « l’idée de l’entente entre les peuples ». Prétendre que l’association en question aurait enfreint ces principes relève manifestement de la pure fantaisie. La seule chose qui justifie cette interdiction, c’est que l’ancienne association Palästina e.V. a défendu des opinions politiques – des opinions qui s’opposent à la position de l’État.

Or, défendre des opinions d’opposition est un droit fondamental garanti par la Constitution. Le droit fondamental à la liberté d’expression n’a de sens que si les citoyens peuvent exprimer leurs opinions, même si celles-ci ne servent pas les intérêts de l’État, sans avoir à craindre d’être réprimés et opprimés par l’État pour cette raison. C’est ce qu’on appelle la démocratie bourgeoise. Les communistes savent que cette démocratie n’est qu’une illusion, mais ce sont souvent eux qui défendent avec constance les droits fondamentaux.

L’interdiction de l’association vise à éliminer une position particulière au sein du mouvement palestinien. Il s’agit de la position inébranlable contre l’occupation illégale de la Palestine depuis 1948 et de la solidarité avec la résistance du peuple palestinien contre cette occupation. Cette position est diamétralement opposée au soutien matériel et idéologique apporté par la République fédérale d’Allemagne au régime d’occupation terroriste qu’est Israël. Le ministère de l’Intérieur de Hesse entend, par le biais de son argumentation, faire valoir qu’il n’y aurait pas de Palestine et, par conséquent, pas d’occupation, pas d’expulsion, pas d’apartheid et pas de génocide. Depuis la création de l’association en 2022, Palestine e.V. a été la cible de menaces d’interdiction.

La KO dans le collimateur

La KO est également au cœur de l’argumentation du ministère de l’Intérieur de Hesse en faveur de l’interdiction. Elle aurait prétendument mis en place l’ancienne association Palestine en tant que « branche ». Une affirmation qui contredit les principes de la KO. Dès 2024, les services secrets intérieurs s’efforçaient d’isoler la KO du mouvement palestinien et au-delà, en soulignant qu’elle était solidaire de toutes les formes de résistance. L’objectif est de purger le mouvement de cette position et de lui faire comprendre qu’il ferait mieux de se modérer s’il ne veut pas être lui aussi démantelé.

La République fédérale d’Allemagne est sur la voie de la guerre. Elle prépare la guerre contre la Russie et soutient avec toute la rigueur nécessaire le génocide en Palestine et l’expulsion du peuple palestinien. La colonie de peuplement « Israël » bénéficie d’un soutien inconditionnel, tandis que la résistance et la solidarité avec celle-ci sont combattues et diabolisées. Le sionisme, une idéologie fasciste banalisée en Allemagne, doit rester banalisé malgré son caractère fasciste qui se manifeste de plus en plus ouvertement. Cela favorise l’essor de mouvements et de partis néofascistes, qui servent de ralliements à une politique de guerre allemande agressive. L’imposition de la colonisation de toute la Palestine et l’anéantissement de la résistance nationale constituent un élément important de cette politique de guerre. Toute critique à cet égard doit être réduite au silence afin de préparer la société allemande à ses propres guerres coloniales futures.

La politique et les médias attisent un climat de peur : la population doit craindre « les Russes » ou « le Hamas », et non le fait que ses gouvernements veuillent la mener vers le malheur d’une nouvelle grande guerre. Mais l’état d’esprit de la population n’est pas celui que souhaite le gouvernement fédéral. Beaucoup de gens s’opposent au soutien apporté au génocide ainsi qu’aux projets de guerre contre la Russie. Ils s’opposent aux livraisons d’armes et au réarmement sans précédent de ce pays. La résistance en Palestine est inébranlable, et la solidarité à son égard ne cesse de croître à l’échelle mondiale. L’Iran se défend avec ténacité, soutenu par des millions de personnes à travers le monde. Pour beaucoup, les masques de l’impérialisme sont tombés. De plus en plus de personnes prennent conscience que les impérialistes imposent leur politique agressive et destructrice avec l’aide de forces fascistes afin de maintenir leur domination mondiale.

Dans cette situation, des positions claires, susceptibles de correspondre aux opinions d’une grande partie de la population et de l’organiser, constituent une menace pour la politique de guerre allemande. En ce qui concerne la Palestine, la KO défend une position de solidarité avec la résistance et la libération de l’ensemble de la Palestine. La KO prône également la solidarité avec la République islamique et estime que la Russie doit s’opposer à l’OTAN, qui a mis en place en Ukraine le fascisme sous la forme d’un « bandérisme » ressuscité, dans le but de soumettre la Russie. Ces positions – et surtout leur combinaison – sont une épine dans le pied de l’État allemand.

Au sein du mouvement de gauche, certaines positions de la KO se heurtent à un rejet qui se traduit parfois par la diffusion de rumeurs à son encontre et par son isolement. On cherche rarement à engager des discussions ouvertes ; au contraire, on creuse les divergences. Cela s’explique en partie par des différences de fond et des divisions historiques, par exemple entre trotskistes et « staliniens », ou par le rejet des communistes en général, qualifiés d’« autoritaires ». Des forces telles que la direction du Parti de gauche cherchent, dans une optique de soutien à l’État, à affaiblir le mouvement palestinien dans son ensemble et s’attaquent surtout aux positions qui se rangent du côté de la résistance. Grâce à ses ressources matérielles, elle parvient sans cesse à capter le mouvement et à le mettre à son service, souvent avec le soutien de groupes qui se situent en réalité plus à gauche que le Parti de gauche. Le Parti de gauche est censé rendre à nouveau acceptables des positions telles que, entre autres, la solution à deux États, déconnectée de la réalité, et transformer le mouvement en un mouvement uniquement opposé à la « catastrophe humanitaire », qui refuse de nommer l’auteur du génocide à Gaza.

Outre ces débats, il existe également des contradictions et des luttes politiques qui découlent des événements eux-mêmes. Pour pouvoir s’entendre à ce sujet, les questions doivent être examinées sous tous les angles et de manière nuancée, ce qui nécessiterait la création d’un espace constructif. Par exemple, les États-Unis ont exacerbé les contradictions existantes en Syrie et en ont tiré parti à leurs fins pour détruire le pays et l’éliminer en tant que membre de l’axe de la résistance. Chaque fois que les impérialistes plongent un pays dans une guerre civile, cela engendre des souffrances de tous côtés, ce qui conduit parfois à ne plus percevoir le rôle décisif joué par les impérialistes. Pour pouvoir aborder ces développements de manière à mettre en lumière, dans la mesure du possible, les causes des divisions et des divergences, une confiance mutuelle est nécessaire.

Du côté de la résistance

Outre les moyens répressifs tels que les interdictions et les poursuites judiciaires, les théories du complot contre le KO jouent un rôle important. Le KO est présenté comme une force obscure qui tire les ficelles en coulisses et serait particulièrement radicale. On prétend qu’il poursuit, au sein du mouvement palestinien, d’autres objectifs que la cause palestinienne. On répand le mensonge de l’infiltration. Or, la KO était et reste une organisation qui ne cache ni sa politique, ni ses contradictions internes, ni ses propres faiblesses. En tant que collectif, elle est convaincue que seules des discussions ouvertes et publiques permettent au mouvement de se développer et d’avancer.

Sur le plan politique, l’objectif des autorités, à travers l’interdiction et l’implication de la KO, est d’isoler ses structures organisées et de les rendre ainsi inopérantes. Pour l’État de la RFA, le fait que de nombreuses personnes au sein du mouvement adoptent une position de soutien à la résistance et que la KO, avec ses moyens modestes, soutienne potentiellement ces positions constitue une menace. Le soutien à la résistance ne dépend toutefois pas de la KO, car de nombreuses autres organisations et personnes au sein du mouvement palestinien défendent les mêmes positions, en toute indépendance vis-à-vis de la KO.

L’objectif de la KO est de renforcer le mouvement palestinien dans son ensemble et de favoriser les liens organisés au sein desquels des personnes s’engagent pour la libération de toute la Palestine. Les camarades de la KO travaillent main dans la main avec de nombreuses personnes et s’efforcent d’apprendre ensemble comment mener au mieux la lutte. Comment l’adversaire opère-t-il, quels sont les alliés, quel est l’enjeu de cette lutte politique ?

La lutte pour la libération de la Palestine est un élément central de la lutte contre l’ensemble du camp belliciste, contre la préparation et la conduite de nouvelles guerres, contre l’asservissement colonial du monde opprimé. Un regard lucide sur l’histoire de la Palestine, sur son occupation depuis 1948, conduit inévitablement à reconnaître le lien avec la domination prédatrice de l’Asie occidentale par l’impérialisme. C’est précisément cette prise de conscience des liens que l’État cherche à empêcher par des interdictions visant à étouffer les opinions. C’est pour mieux cerner ces liens et atteindre la force politique nécessaire au mouvement contre le capitalisme que le communisme s’est développé.

La peur du communisme

Le communisme est le cauchemar de l’État capitaliste. Il ne naît et n’existe toutefois pas en dehors des nombreuses luttes pour les droits fondamentaux, pour l’amélioration des conditions de vie ou contre les guerres. Le communisme est issu du mouvement et en fait partie intégrante. Il ne s’en distingue que par le fait qu’il défend la cause de l’ensemble du mouvement et ne mène pas seulement des luttes isolées. Pour pouvoir relier ces luttes entre elles, le mouvement communiste doit comprendre et mettre en évidence le contexte global de l’exploitation, de l’oppression et de la privation des droits des personnes, tant en Allemagne que dans le monde entier.

La KO ne répond pas à cette exigence. Elle se trouve dans un processus d’apprentissage. Elle reconnaît que le mouvement communiste traverse une crise idéologique et organisationnelle profonde, et considère qu’il est de sa mission de surmonter cette crise. Le travail de la KO est guidé par la conviction que, d’un point de vue stratégique, il faut s’attaquer aux conditions dans lesquelles l’être humain ne compte pour rien, tandis que les profits d’une minorité constituent la norme en matière de politique, quel que soit le parti au pouvoir. Toute lutte pour se libérer de l’emprise mortelle des profiteurs est légitime et a ses propres exigences, mais toutes les luttes doivent être menées de manière à agir solidairement et main dans la main contre l’ennemi commun. Or, l’ennemi sème la division partout où il le peut. C’est notamment le cas avec la tentative actuelle d’interdire l’association afin de disperser le mouvement par l’intimidation et la répression.

On recourt sans cesse à l’accusation d’infiltration. À l’inverse, les membres du KO agissent selon les principes du travail de masse du KO. En tant que communistes, nous encourageons la création et le développement d’organisations démocratiques, actives et indépendantes qui agissent dans le sens de leurs propres intérêts de classe inhérents. Il peut s’agir de groupes de soutien à la Palestine, d’initiatives de quartier, de groupes d’entreprise ou d’autres structures similaires. C’est précisément parce que nous partons du principe qu’il faut des organisations autonomes et actives, au sein desquelles on peut apprendre à s’organiser pour défendre ses intérêts et à devenir capable d’agir collectivement, que l’autonomie est un principe important.

La tradition antidémocratique de l’État allemand

Afin de saper le lien vivant entre le mouvement et les communistes, on attise la méfiance, on exploite les divergences politiques et on exerce la répression. La répression contre l’ensemble du mouvement de solidarité avec la Palestine atteint des proportions qui n’avaient plus été observées depuis longtemps : interdictions de manifestations, interdictions de contenu, poursuites pénales, interdictions d’exercer une profession, sanctions à l’encontre de citoyens, ostracisme social. Mais tous ces moyens ne suffisent manifestement pas à écraser le mouvement ou à le canaliser dans une direction qui convienne à l’État.

Le recours à l’interdiction des associations est l’arme par laquelle l’État entend tout de même atteindre ces objectifs. Les interdictions prononcées contre Samidoun, Palästina Solidarität Duisburg (PSDU) et Palästina e.V. n’ont qu’un seul but : empêcher toute prise de position politique en faveur de la résistance et la faire disparaître de la rue. Il s’agit d’interdictions anticonstitutionnelles et contraires à la Constitution, qui visent à porter atteinte aux droits fondamentaux démocratiques.

L’objectif principal est d’éliminer les formes organisées au sein desquelles les personnes s’unissent politiquement, s’expriment et agissent lorsqu’elles luttent pour des objectifs politiques qui contredisent le gouvernement et constituent donc une véritable opposition. Pour le mouvement de solidarité avec la Palestine, cela signifie que lorsqu’il lutte contre le génocide, le colonialisme et l’expulsion, il est criminalisé.

La soi-disant « loi sur les associations », appliquée par la RFA, est en réalité une loi d’interdiction des associations, car elle régit presque exclusivement la manière dont celles-ci peuvent être interdites. Cette loi s’inscrit dans une longue tradition de l’État allemand. Le droit d’association est le fruit des luttes menées par le mouvement ouvrier depuis ses débuts. Tous les droits fondamentaux, y compris la liberté d’association, ont été conquis de haute lutte – et ce, par ceux qui étaient privés de leurs droits et qui, aux yeux de l’État, devaient le rester. L’État allemand a toujours répondu aux revendications du mouvement ouvrier par des moyens particulièrement répressifs. Des lois ont été promulguées pour combattre, contrôler et restreindre ces organisations et, par là même, la liberté d’expression et de réunion.

Mouvement pour la Palestine – Mouvement pour la démocratie

Les expériences passées de la KO montrent que la lutte pour les droits démocratiques est indispensable pour prendre conscience des rapports de force sociaux. Car même face aux revendications les plus modestes de la population, l’État s’y oppose et tente de les disperser et de les saper. Plus cette lutte remportera de succès, plus l’État s’efforcera de la repousser. La mise en place de conditions démocratiques réelles et globales pour la majorité de la population ne sera pas possible sans le renversement du capitalisme. Mais même sous le capitalisme, il est possible de conquérir des conditions plus démocratiques grâce à une forte organisation du peuple en faveur de ses propres intérêts.

Tout mouvement d’opposition politique est confronté à ces mécanismes. Le mouvement palestinien est pleinement conscient de l’importance de la lutte pour les droits démocratiques. Il mène la lutte politique engagée contre lui par les autorités étatiques, les tribunaux et les parquets. L’histoire a montré à maintes reprises qu’il vaut la peine de ne pas se contenter d’accepter toutes les restrictions. Le mouvement palestinien a combattu avec succès diverses formes de répression, allant de la criminalisation des slogans aux restrictions imposées aux manifestations. La lutte contre la loi sur les associations, contre les interdictions d’associations ainsi que contre l’intimidation qui en découle en constitue un volet important. L’État a déclaré la guerre au mouvement et cherche avant tout à l’isoler socialement. Il veut empêcher que de plus en plus de personnes ne se rallient à son objectif.

Cela apparaît de plus en plus clairement : le mouvement pour la Palestine est le mouvement de défense des droits démocratiques, du droit international et de la Constitution contre les ministres de l’Intérieur, les procureurs et les faux « délégués à la lutte contre l’antisémitisme ». Cet ordre constitutionnel ainsi que le droit international constituent un obstacle de plus en plus important pour l’impérialisme allemand. Pour pouvoir mener une guerre contre la Russie, cet ordre doit être adapté et modifié en conséquence. La lutte pour le maintien et la protection des droits démocratiques s’oppose précisément à cette préparation.

L’affirmation des droits démocratiques est une condition préalable fondamentale pour presque tous les mouvements d’opposition en Allemagne. Cela révèle le caractère antidémocratique des élites et de leurs traditions, qui se manifestent également au sein même de la RFA. La Constitution de la RFA protège un ordre dans lequel les êtres humains ne comptent pour rien et où règnent à la place la propriété et le pouvoir des grands groupes. C’est pourquoi les communistes ont voté contre cet ordre antidémocratique. Le président du KPD de l’époque, Max Reimann, a toutefois désigné avec justesse ceux qui défendraient la Constitution et ceux qui la démantèleraient : « Nous ne signons pas. Mais le jour viendra où nous, communistes, défendrons cette Loi fondamentale contre ceux-là mêmes qui l’ont adoptée ! »

Engageons le combat. Apprenons à connaître l’adversaire auquel nous avons affaire et les méthodes qu’il emploie. Démasquons-le comme ennemi de la démocratie. Il agit là pour la raison la plus ignoble qui soit : le soutien à un génocide qui se déroule sous nos yeux. Étudions les lois, les traditions de l’État et ses intentions. Apprenons comment davantage de personnes peuvent s’organiser pour avoir un poids politique et participer aux décisions, au lieu de rester passives et impuissantes. En résumé : Ne restons pas silencieux, ne cédons pas à la culpabilité par association, prenons position sur le fond et faisons avancer la libération de la Palestine !

L’État doit comprendre que le mouvement palestinien ne peut pas être réduit au silence aussi facilement. Que se passerait-il si, en Allemagne, des masses se soulevaient contre le génocide et la politique de guerre et s’opposaient aux crimes des dirigeants ? Contrecarrer les plans des dirigeants, c’est reconnaître ses propres intérêts, ceux de l’humanité, et les défendre.

Die Unterdrückung der „3. Welt“ als Faschismus? Debatte zwischen Karam Khella und Reinhard Kühnl (1984)

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Vorwort

Im Oktober 1984 diskutierten der aus Ägypten stammende Historiker Karam Khella und Reinhard Kühnl, einer der führenden marxistischen Faschismusforscher der sogenannten Marburger Schule, öffentlich über die Frage, ob Israel ein faschistischer Staat sei.

Zwei Jahre zuvor, im Juni 1982, war Israel zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit in den Libanon eingefallen. Bei dieser Invasion wurden dicht besiedelte Städte, insbesondere Beirut, von der israelischen Armee bombardiert, 20.000 Menschen getötet und der Libanon als souveräner Staat und militärischer Faktor vollständig ausgeschaltet. Die PLO wurde zum Abzug aus dem Land gezwungen und im September 1982 kam es zum Massaker von Sabra und Shatila mit bis zu 3.500 Opfern, das von libanesischen faschistischen Milizen unter israelischer Aufsicht begangen und später von der UNO als Völkermord eingestuft wurde. 

Vor diesem Hintergrund lud das Palästina/Libanon Komitee Marburg für den 31.10.1984 zu einer Diskussionsveranstaltung ein.

Karam Khellas einleitendes Referat übt eingangs Kritik an Georgi Dimitroffs unter Kommunisten bis heute weithin anerkannter Definition des Faschismus. Für Dimitroff beginne Faschismus erst dann, „wenn die herrschende Gewalt an europäischen Weißen verbrochen wurde.“ Anschließend entwirft Khella die These eines „aus der Imperialismustheorie abzuleitenden“ Faschismus-Verständnisses. Dabei geht er von Dimitroffs Ansatz aus, wonach der Faschismus „die Herrschaftsform des Kapitals in der Krise“ ist. Diese Krise aber werde in der Regel vom Monopolkapital aus den Metropolen „in die ahgängigen Länder der Dreikontinente exportiert“ und mit ihnen auch der Faschismus als Herrschaftsform des Krise.

Zuletzt zeigt Khella anhand des Beispiels Israels auf, wie selbst vordergründig bürgerlich-demokratische Staaten in der „Dritten Welt“ ihrem Wesen nach faschistisch sein können, indem er das politische System des zionistischen Regimes untersucht, das Verhältnis des Siedlerstaates und der zionistischen Ideologie zur indigenen Bevölkerung Palästinas herausstellt und die Funktion Israels als imperialistischen Vorposten betont. 

Reinhard Kühnl legt starken Widerspruch zu diesem Ansatz ein und warnt davor, Imperialismus, Kolonialismus und Faschismus nicht sauber voneinander zu trennen und so das Verständnis des Faschismus als spezifische Herrschaftsform des Monopolkapitals zu verwässern. Zwar würden die Metropolen des Imperialismus darauf zurückgreifen, faschistische Regime in abhängigen Ländern wie etwa Chile,1 Griechenland2 und der Türkei3 zu errichten, aber die brutale Gewalt des Kolonialismus sei nicht nur älter als jene, die vom Faschismus ausgeht, sondern auch analytisch anders zu erklären.

Der Vortrag, die Kritik Kühnls und die Diskussion sind für Kommunisten heute von großem Interesse. Während der Imperialismus weiterhin die Völker des Trikonts mit kolonialen und neokolonialen Methoden versklavt, Völkermord begeht und offen mit der Auslöschung ganzer Zivilisationen droht, ist mit dem sozialistischen Lager das größte Gegengewicht zum Imperialismus, das mit nuklearer Abschreckung einen neuerlichen Weltkrieg verhindern konnte und zugleich die wichtigste Schutzmacht der Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas war, heute nicht mehr existent. Auch die revolutionäre Arbeiterbewegung in den meisten entwickelten kapitalistischen Ländern liegt heute am Boden oder ist zumindest deutlich geschwächt. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage nach der Funktion und dem Charakter des Faschismus und seinem Verhältnis zu Imperialismus, Kolonialismus und Krieg heute stärker denn je auf. Das gilt insbesondere für Israel, das im Gegensatz zu den Siedlerregimen im südlichen Afrika bis heute überlebt hat, in den Weltordnungskriegen der NATO seit 1991 eine zentrale Rolle spielt, seinen faschistoiden Charakter mit dem Gaza-Genozid vor aller Weltöffentlichkeit entblößt hat – und doch für nicht wenige Kommunisten in Deutschland bis heute ein „Existenzrecht“ besitzt und als „normaler“ bürgerlicher Staat mit lediglich einer rechten Regierung gilt.

Als KO beschäftigen wir uns sowohl mit dem Befreiungskampf in Palästina und Westasien als auch mit dem Verhältnis Faschismus-Imperialismus-Kolonialismus seit einigen Jahren intensiv und haben dazu auch immer wieder Publikationen zu diesen Themen veröffentlicht. So erschien etwa im Rahmen unserer Faschismus-Broschüre ein Aufsatz zur aktuellen russischen Debatte um den „Faschismus auf Export“.4 Ein weiterer Artikel mit dem Titel „Faschismus und Kolonialismus – Faschismus als Kolonialismus?“ ging der Frage nach, welche kommunistischen und nicht-kommunistischen Persönlichkeiten – Philosophen, Historiker, politische Führungspersönlichkeiten – im Laufe der Geschichte Zusammenhänge zwischen Faschismus und Kolonialismus aufwarfen, welche Verbindungen sie zwischen beiden Phänomenen zogen und inwieweit sie beide sogar miteinander identifizierten.5 Während Reinhard Kühnl als einer der prominentesten (west-)deutschen Faschismus-Forscher in mehreren Aufsätzen der Broschüre, darunter auch dem „Faschismus auf Export“-Artikel, Beachtung findet, wurde Khellas Theorie bisher nicht berücksichtigt. Daher ist der Text eine spannende Ergänzung insbesondere zu den Texten über „Faschismus auf Export“ und „Faschismus und Kolonialismus“.

Wir veröffentlichen im Folgenden Karam Khellas Referat in voller Länge. Da Reinhard Kühnl seine Argumente erst im Verlauf der Diskussion zwischen ihm, Khella und den anwesenden Studenten entfaltet, liegt von Kühnl kein zusammenhängender Text vor, sondern nur verstreute und sich teilweise wiederholende Aussagen. Wir haben uns deshalb dazu entschieden, eine Auswahl von Passagen zusammenzustellen, die Kühnls zentrale Aussagen beinhalten.

Für alle, die die gesamte Diskussion, inklusive Kühnls vollständigen Ausführungen sowie Khellas Reaktionen, nachlesen wollen, haben wir den Original-Text als PDF angehängt.

Dieser Text erschien vermutlich in den späten 1980er oder den 1990er Jahren erstmals in Form einer Broschüre. Er ist die gekürzte Abschrift eines Tonband-Protokolls der Veranstaltung vom 31. Oktober 1984. Daher sind auch gewisse grammatikalische Besonderheiten zu entschuldigen, da es sich hierbei um gesprochenes Wort handelt.

Abschließend danken wir Brigitte Dottke, der Witwe von Karam Khella, für die Erlaubnis, den Text zu veröffentlichen.

Redaktion der KO

Karam Khella: Aus dem Imperialismus abzuleitender Faschismusansatz – Zur Notwendigkeit einer neuen Faschismustheorie

Bürgerliche Politikwissenschaftler zerbrechen sich kaum den Kopf über eine Faschismustheorie. Ihre Betrachtung von Herrschaftsformen – wie überhaupt die bürgerliche Staatstheorie – ist phänomenologischer Natur, Staatsformen mit faschistischem Charakter werden von diesen Theoretikern nicht als solche zusammengefasst und analysiert, sondern in aller Regel isoliert und für sich als Einzelerscheinungen gesehen. Dazu z.B. die verbreitete Vorstellung von der„Einzigartigkeit“ des deutschen Faschismus, wobei die vermeintliche Singularität ausschließlich an Erscheinungsformen und nicht am Wesen des Kapitalismus und dem Charakter des Imperialismus festgemacht wird. Die These von der Einzigartigkeit des Verbrechens des deutschen Faschismus ist zutiefst reaktionär, denn Sie verharmlost das imperialistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit heute. Da eine bürgerliche Faschismustheorie fehlt, erübrigt sich die Kritik an ihr. Demgegenüber präsentiert der Marxismus eine ausgefertigte und ausformulierte Theorie vom Faschismus. Den aktuellen Anlass dazu bot der Aufstieg des Faschismus in Italien und Deutschland in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Diese Faschismusthese entwickelte sich in intensiven Diskussionen und Auseinandersetzungen der kommunistischen Parteien und Zirkel, bis sie eine allgemeine Anerkennung in den Organisationsstrukturen gefunden hatte.

I. Kritik der klassischen bzw. dimitroffschen Faschismustheorie

Das Grundsatzreferat von Georgi Dimitroff: „Der Vormarsch des Faschismus und die Aufgaben der kommunistischen Internationale im Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus“ kann man als Ergebnis dieses kollektiven Erkenntnisprozesses ansehen. Dabei dürfen wir in keiner Weise das eigenständige Verdienst Dimitroffs zur Herausbildung der Faschismustheorie mindern. Gilt Dimitroff doch als einer der bedeutendsten Theoretiker des Kommunismus. Sein Denken hat den Marxismus- Leninismus nachhaltig beeinflusst. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit und Aktualität, uns mit Dimitroff auseinanderzusetzen. Dies tun wir heute am Themengegenstand „Faschismus“.

Im Angesicht der faschistischen Machtergreifung in Deutschland stellte die Ausformulierung einer kommunistischen Position einen entscheidenden Durchbruch dar. Ihre Bedeutung ist vor allem unter dem praktischen Aspekt zu sehen. Sie entstand als Antwort auf den Vormarsch des Faschismus in Westeuropa insbesondere in Deutschland. Die kommunistische Internationale strebte eine bündnispolitisch tragfähige Haltung an, die eine möglichst breite Kooperation von antifaschistischen Kräften erlaubt. Der faschistischen Herrschaft sollte die geballte Kraft aller demokratischen und kommunistischen Kräfte entgegengesetzt werden. Der dimitroffsche Ansatz war für diesen Zweck optimal geeignet. Seine eigentliche Relevanz erlangte er durch die einhellige Zustimmung der Komintern.

Gegenwärtig kann man von einer allgemeinen Rezeption der dimitroffschen Auffassung in der europäischen Linken sprechen. Auch Reinhard Kühnl steht in dieser Tradition. Die Auseinandersetzung mit Dimitroff gilt stellvertretend für die entsprechende Orientierung. Zur These Dimitroffs im Einzelnen sei auf die eben angegebene Literatur hingewiesen. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Punkte der Kritik am Ansatz Dimitroffs zusammenfassen:

1. Fehleinschätzung des Faschismus als Herrschaft der reaktionärsten und aggressivsten Teile des Monopolkapitals. Er geht nicht davon aus, dass das Monopolkapital insgesamt den Faschismus entfaltet. So favorisiert Dimitroff die vermeintlich nicht aggressiven Fraktionen des Monopolkapitalismus in England und Frankreich, obwohl diese gegen die unterjochten außereuropäischen Völker ihren kolonialen Terror entladen und den Deutschen in nichts nachstanden. Dabei bezeichnet Dimitroff England, Frankreich und die Vereinigten Staaten als „friedliebend”.

2. Reformistische Plattform zur Frage der „Einheitsfront”. Alle Arbeiterpolitik unterordnet Dimitroff der Idee von der Einheitsfront. Dieser Gedanke ist solchermaßen dominant bei ihm, dass er gegen jede konsequente parteiliche Position zu Felde zieht. Die Einheitsfront gilt stellenweise absolut und nicht relativ: Gegen Faschismus, gegen Imperialismus, gegen Kapitalismus, Das „Bündnis aller antikapitalistischen Kräfte” lässt die klassenanalytische Fehleinschätzung Dimitroffs in Erscheinung treten. Entgegen dieser Auffassung müssen wir an der Position festhalten, dass die Zerschlagung des Kapitalismus Aufgabe und Ziel des Klassenkampfes ist und nicht das Ergebnis eines (Breitest-)Bündnisses. Ein Bündnis vermag nur bei punktuellen tagespolitischen Forderungen Erfolge zeitigen, nicht aber bei strategischen Zielsetzungen, Gerade diese Forderung offenbart am deutlichsten die reformistische Position Dimitroffs. 

3. Trotz ihres Kolonialfaschismus hält Dimitroff „bürgerlich-demokratische Kräfte“ in kapitalistisch-imperialistischen Staaten für bündnisfähig, Gleichzeitig erlangen bei ihm nationale Befreiungsbewegungen in den Kolonien eine untergeordnete Bedeutung.

4. Es ist nie vom Faschismus im Umgang der europäischen Kolonialmächte – einschließlich faschistischer Regime mit außereuropäischen Völkern gesprochen worden. Faschismus beginnt für Dimitroff dann, wenn die herrschende Gewalt an europäischen Weißen verbricht. Die Massaker Englands und Frankreichs in Afrika und Asien machen noch keinen Faschismus aus.

Seitdem hat sich wenig geändert. Heute noch hütet sich die europäische Linke davor, die koloniale Unterdrückung in den Dreikontinenten oder die zionistischen Verbrechen am palästinensischen Volk Faschismus zu nennen. Die Verbrechen des Faschismus werden nicht mit den Verbrechen des Imperialismus gegen die Völker gleichgesetzt.

Abschließend zur Kritik an Dimitroff ist noch zu sagen, dass seine These eine Definition, aber keine Ableitung des Faschismus darstellt. 

II. Aus der Imperialismustheorie abzuleitender Faschismusansatz – Versuch einer neuen Faschismusthese

Die klassische Faschismusdefinition nach Dimitroff bestimmt die Bedingungen des Aufkommens der faschistischen Herrschaftsform in Abhängigkeit von der ökonomischen Krise: „Der Faschismus ist die Herrschaftsform des Kapitals in der Krise„, Die Wirtschaftskrise ist ein spezifisches Phänomen der kapitalistischen Produktionsweise. Die Konsequenz dieser Definition ist folglich: Der Faschismus herrscht auf der Basis des voll entfalteten Kapitalismus, des Monopolkapitalismus. Anders ausgedrückt, der Faschismus ist eine Erscheinung, die an die kapitalistische Gesellschaft gebunden ist.

Die zitierte Definition deckt nur einen Aspekt des Faschismus ab. Sie erfasst nur den faschistischen – gegen die Revolution gerichteten – Machtantritt im monopolkapitalistischen Staat. Sie reduziert den Faschismus auf ein Teilphänomen und geht also von der stark eingeengten Perspektive aus, die die faschistische Erscheinungsform auf einen geringen Teil der Staaten dieser Welt reduziert. Die Definition ist aber nicht nur beschränkt, sondern theoretisch falsch und in der antiimperialistischen Praxis schädlich. Kapitalismus wird tendenziell vom Imperialismus abgekoppelt. Anders ausgedrückt, der Kapitalismus wird als ein geschlossenes System in einem Land definiert; ein Fehler, der bereits im Kapital von Marx angelegt ist.

Die kapitalistisch – imperialistischen Staaten bereichern sich durch die Ausbeutung der Völker in Regionen außerhalb ihres nationalen Bereichs. Die Anhäufung des Reichtums erlaubt dem herrschenden Monopolkapital, einen wenn auch nur verschwindend geringen Anteil der Beute der Arbeiterbevölkerung in Form von Mindestlöhnen, Sozialleistungen, Sicherung des dringendsten Bedarfs und Regelung der öffentlichen Versorgung abzuzweigen. Damit erwerben das Monopolkapital und sein Staat ein relatives Stillhalten der Arbeiterbevölkerung.

Auf der anderen Seite des Globus nimmt die Armut der armen Völker zu und damit ihr Widerstand. Der Imperialismus organisiert und finanziert die Widerstandsbekämpfung (Counterinsurgency) in den unterjochten Ländern, Mit der Ausplünderung dieser Staaten nimmt die faschistische Unterdrückung zu. Es herrscht real Faschismus, obwohl kein voll entfalteter Kapitalismus vorhanden ist. Der Faschismus wird von den imperialistischen Staaten in die unterjochten Länder exportiert.

Das (ausländische) Monopolkapital zerstörte die alten Produktionsverhältnisse der kolonialen Gebiete und setzt kapitalistische Produktionsbedingungen durch, aber nur in der Weise, dass die Kolonien der internationalen kapitalistischen Arbeitsteilung unterworfen sind, ohne selbst über das Monopolkapital zu verfügen. Einheimisches Kapital gerät in Abhängigkeit vom imperialistischen Kapital (= Finanzkapital). Es bildet sich in den unterjochten Ländern eine Kompradorenbourgeoisie (vom ausländischen Kapital abhängige einheimische Kapitalistenklasse). Insgesamt wird die Klassenstruktur der kapitalistischen Gesellschaft in die unterjochten Länder exportiert – aber nur in deformierter Weise. Ebenso exportiert das Finanzkapital in die abhängigen Länder Massenelend und Pauperismus im Austausch mit den Reichtümern der Völker. Eine – wenn auch geringste – Portion fällt einem Anteil der Arbeiterschaft in den fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten zu. Damit gelangt der Opportunismus – als ein spezifisches Produkt des Imperialismus – in die Reihen der Arbeiterbewegung. Diese treten für das Einschleusen der bürgerlichen Ideologie in die Reihen der Arbeiterklasse ein, 

Die seit dem 19. Jahrhundert in den westeuropäischen Staaten auftretende Wirtschaftskrise wird nicht politisch- ökonomisch gelöst – es herrscht sonst Sozialismus -, sondern in die abhängigen Länder der Dreikontinente exportiert. Mit der Verdrängung der Krise in die Dreikontinente hat das Monopolkapital auch die faschistische Herrschaftsform, die sonst im eigenen nationalstaatlichen Machtbereich auf den Plan gerufen worden wäre, exportiert. Faschismus in den Dreikontinenten ist längst zur Tagespolitik geworden.

Solange Extraprofite aus den unterjochten Ländern in Höchstumfang herausgepresst werden, und solange aus der ungeheuren Ausbeutung der Völker die imperialistischen Staaten ein Mindesteinkommen, einige Sozialleistungen und einen gewissen Lebensstandard in den Metropolen gewährleisten, kann der imperialistische Staat mit einer gewissen„Stabilität“ seiner Herrschaft rechnen. Faschismus ist vorläufig nicht notwendig. Dafür wird die Faschistische Herrschaftsform in die unterjochten Staaten exportiert, um das hier dominante Massenelend unter Gewalt zu halten. Das Massenelend der Völker ist der Reichtum der wenigen imperialistischen Staaten. Dank dieses Reichtums vermochte der Imperialismus sein Gesellschaftssystem und seine politische Herrschaft zu stabilisieren. 

Die klassische Ausprägung der kapitalistischen Staatsform in der Krise ist der deutsche Faschismus 1933-45. Seine Entstehungsbedingungen beweisen die Richtigkeit der vorliegenden Faschismusthese. Durch die Ergebnisse des ersten imperialistischen Weltkrieges und den Versailler Vertrag wurde Deutschland vom Zugriff zu Kolonien abgeschnitten. Es konnte die ökonomische Krise nicht exportieren. Sie entfaltet sich in vollem Umfang auf dem Heimatboden, in Deutschland. Es stand vor der Alternative Sozialismus und Frieden oder Faschismus und Krieg. Letzteres ist leider eingetreten. Der Hitler-Faschismus hatte nichts Eiligeres zu tun, als sich bis auf die Zähne zu rüsten, um seine Expansion in alle Himmelsrichtungen um Deutschland militärisch zu erzwingen. Die Krise wird zügig von Deutschland in die eroberten Nachbarregionen verdrängt.

Der Imperialismus exportiert Krise, Massenelend und Faschismus im Austausch mit den Reichtümern der Völker, Die Bedingungen des Faschismus werden aus dem eigenen nationalstaatlichen Machtbereich des Monopolkapitals in die Dreikontinente verlagert. Mit einem Teil der ausgepressten Extraprofite sorgt die herrschende Klasse für die relative politische Ruhe im eigenen Staat. Die „Stabilität“ in den imperialistischen Staaten nach dem zweiten imperialistischen Weltkrieg, die immerhin mit begrenztem Erfolg vier Jahrzehnte lang aufrechterhalten werden. konnte, hat die folgenden tragenden Elemente:

1. Politik der Vollbeschäftigung

Ihre Bedingungen waren:

a) Großer Nachholbedarf an Gebrauchs- und Investitionsgütern geschaffen durch die Kriegszerstörungen,

b) exportorientierte Produktion,

c) Absatz von Kriegswaren in Spannungsgebiete außerhalb des europäischen Kontinents.

2. Gewährleistung von Mindesteinkommen für die arbeitende Bevölkerung.

3. Sozialhilfe für einen Teil der deklassierten Schichten,

4. Sicherung der Versorgung

5. Opportunismus der Führer der Arbeiterbewegung,

6. Verankerung der Ideologie der herrschenden Klasse in der Bevölkerung mittels moderner Massenmedien.

Indes vermag es der Imperialismus nicht, soziales Elend und Pauperismus im eigenen Land ganz zu verhindern. Die Entwicklung des Monopolkapitalismus geht mit der Verarmung breiter Teile der Bevölkerung selbst in den fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten einher. Mit der Herausbildung monopolkapitalistischer Unternehmen wird die Existenzgrundlage kleinerer und mittlerer Betriebe sowie des Handwerks vernichtet. Den freiwerdenden Produktivkräften werden keine Arbeitsplätze in der Großindustrie angeboten, da diese vermehrt Rationalisierungstechniken anwendet und damit Arbeitsplätze vernichtet. Die wachsende Arbeitslosigkeit Jugendlicher und Erwachsener ist zum erstrangigen sozialen Problem der kapitalistischen Gesellschaft geworden.

Der Lebensstandard der Arbeiterbevölkerung ist auch nicht zu halten. Er befindet sich seit Einsetzen der größten kapitalistischen Krise der Nachkriegszeit (anhaltend seit 1975) in ständigem Abbau.

Zusätzlich verschlechtert sich der Lebensstandard der Bevölkerung durch das Wettrüsten und die steigenden Militärausgaben.

Der vorläufige Wirtschaftsaufschwung – durch die besonderen Umstände der Nachkriegszeit bedingt – war bereits in den sechziger und besonders in den siebziger Jahren beendet und mündete in die zyklischen Krisen ein, Höhere Inflationsraten und in einigen Bereichen sprunghafte Teuerungen (Wohnungen, Energiekosten) beschleunigen den sozialen Abstieg.

Wichtigste Folge der ökonomischen Krise für die Werktätigen bleibt die Arbeitslosigkeit. Mit Entlassungen, die durch die Konzentration der Produktion, die Einführung neuer Technologien und den Kapitalexport möglich werden, wälzt das Kapital die ökonomische Krise über den Rücken der Arbeitermassen. Der Deklassierungsprozess insbesondere als soziale Folge von Arbeitslosigkeit breitet sich in der Arbeiterbevölkerung aus.

Die Arbeiterklasse setzt sich zu Gegenwehr. Das Monopolkapital, das einst das relative Stillhalten der Arbeiterklasse mit sozialen Zugeständnissen erkaufen konnte, verstärkt nunmehr seine Repression. Der staatliche Überwachungs- und Unterdrückungsapparat wird ausgebaut. Grundrechte werden abgebaut, demokratische Freiheiten außer Kraft gesetzt.

Die ökonomische Krise des Kapitalismus geht in eine soziale über. Gegen den wachsenden Widerstand in den Hauptzentren der imperialistischen Herrschaft antwortet das Kapital und sein Staat mit Repression. Ökonomisch ist das Finanzkapital nicht am Ende und deshalb vermag es noch, weiterhin zu herrschen, moralisch ist es jedoch längst bankrott. Dass das Finanzkapital die faschistische Herrschaftsform in die unterjochten Länder exportiert, ist nicht so zu verstehen, dass es damit diese Möglichkeit im eigenen Machtbereich ausschließt. Es gilt nach wie vor: Faschismus ist die Herrschaftsform des Kapitals in der Krise. Scheitern die Mittel der parlamentarischen Demokratie (die mit einer Diktatur der Bourgeoisie identisch ist), so greift das Finanzkapital auf den Faschismus zurück. Die ökonomische und soziale Krise schlägt in eine politische Krise des gesamten kapitalistischen Systems um. Die fortgeschrittenen Länder verwandeln sich in Zuchthäuser für die Arbeiterbevölkerung.

Damit einher eskaliert der Imperialismus seine Aggression gegen die Völker der Dreikontinente. Aber wie können die Völker in abhängigen Staaten unterjocht gehalten werden? Der Widerstand der Völker wird blutig niedergeschlagen. Ganze Völkerschaften wurden im Rahmen von „Strafexpeditionen“ der Imperialisten dezimiert. Jede imperialistische Macht hat ihre Herrschaft über die Völker mittels Massaker, Terror und Völkermord errichtet und aufrechterhalten. Die Kolonialgreuel der Englänger in Ägypten oder Indien, der Franzosen in Algerien oder Indochina, der Holländer in Indonesien, der Belgier im Kongo, der Deutschen in Südwestafrika sind wenige Beispiel aus dem Register imperialistischer Verbrechen gegen die Menschheit. 

Je heftiger der antikoloniale Widerstand wurde, desto grenzenloser wurde die Grausamkeit der Imperialisten. Ehe die europäischen Mächte die letzten Kolonialgebiete räumen mussten, richteten sie Blutbäder unter den Völkern, die für ihre Freiheit kämpften, an. Das einst fruchtbare Land wurde in eine Ruinenlandschaft nach dem Prinzip der verbrannten Erde verwandelt. Dadurch erhofften sich die Imperialisten, dass die gerade unabhängig gewordenen Völker bei den einstigen Kolonialmächten um Brot und Nahrungsmittel betteln, so dass die vertriebenen Herren erneut im Deckmantel der Menschlichkeit zurückkehren können.

Die imperialistisch beherrschte Welt wird auch faschistisch regiert.

Anstelle der einstigen Kolonien sind inzwischen formal, d.h. in völkerrechtlicher Hinsicht, souveräne, politisch unabhängige Staaten getreten. Die imperialistischen Beziehungen des Finanzkapitals bestehen in veränderter Form weiter. Zu ihrer Aufrechterhaltung sind nach wie vor Massaker, Terror und Counterinsurgency (= Widerstandsbekämpfung) notwendig. Der grausamste Terror geht von der größten imperialistischen Macht, den USA, aus. Ihre Kriminalität in Korea, Vietnam, im Libanon, gegen Libyen, in Süd- und Zentralamerika haben im Gedächtnis der Menschheit unauslöschliche Spuren hinterlassen. Die imperialistischen Verbrechen gegen die Menschheit gehen weiter.

Die USA herrschen auch mittels Systemen, die als Hauptaufgabe die Unterjochung von Völkern und die Niederschlagung von Befreiungsbewegungen haben. Darin liegt die besondere Funktion Israels und der Apartheid in Südafrika.

In anderen Staaten herrschen die Imperialisten durch einheimische Oligarchien, Militärjunten und faschistische Diktaturen. Keines dieser Regime vermag es, ohne imperialistische Unterstützung die Macht auch nur für kurze Zeit zu halten.

Der US-Imperialismus – stellvertretend für die mit ihm verbündeten kapitalistischen Mächte – exportiert den Faschismus in die unterjochten Länder. Beispiele: Der vom CIA organisierte, von US-Monopolen (ITT, United Fruit Company) finanzierte Umsturz der Unidad Popular in Chile und die Einsetzung der Pinochet-Junta am 11. September 1973. Am 12. September 1980 hat in der Türkei das Militär ebenfalls nach einem vom CIA ausgearbeiteten Plan Geputscht (3. Putsch in der Türkei innerhalb von 20 Jahren). Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen.

Massenvernichtung und Völkermord sind oft Begleiterscheinungen der faschistischen Machtergreifung. Nach der israelischen Aggression gegen den Libanon am 4. Juni 1982 und der Belagerung von Beirut 70 Tage lang vom 13. Juni an gelang es schließlich Israel das faschistische Regime der Falangisten unter dem Gemayel-Clan am 21. August 1982 an die Macht zu bringen, was ohne das Blutmeer nicht möglich gewesen wäre.

Mit der Kapitalausfuhr wird der Faschismus exportiert. Um es einmal salopp zu sagen: Der Faschismus ist der Exportartikel Nr.1 des Imperialismus.

Mit der Verschärfung der allgemeinen und besonderen Krisen verstärkt der imperialistische Staat seine Repression gegen die Arbeiterklasse im eigenen Land und in den unterjochten Staaten, Dabei geht das Monopolkapital stets den Weg des geringsten Widerstandes. Derjenige trägt den größten Anteil an den Krisenfolgen, der Lasten hinnimmt.

Mit den herausgepressten Mitteln an Extraprofiten in astronomischen Höhen baut der Imperialismus seine Militärmaschinerie und seinen Repressionsapparat weiter aus. Überwachung und Unterdrückung der Völker in den unterjochten Ländern und der Arbeiterklasse im eigenen Land verschärfen sich zusehends, Bisher ist dem Monopolkapital relativ gelungen, Teile der Arbeiterklasse in den imperialistischen Staaten gegen die Interessen der Völker auszuspielen, Wir formulieren noch schärfer: Der Faschismus in den Dreikontinenten garantiert für die Aufrechterhaltung der bürgerlichen Demokratie in den Metropolen. Wird die Herrschaft des Monopolkapitals in den Dreikontinenten und mit ihr deren Ausplünderung, [gebrochen] so verliert es die Herrschaftslegitimation in den Metropolen, die es kraft ausgeschütteten Reichtums der unterjochten Völker erwirbt.

Die Lehre für uns kann nur heißen, die weltweite antiimperialistische Solidaritätsfront fester zusammenzuschließen und zu verbreitern. Die Befreiung der Völker von der imperialistischen Vorherrschaft ist zugleich Befreiung der Arbeiterklasse in den Metropolen von der kapitalistischen Ausbeutung. Mit jeder neuen Volksdemokratie in den Dreikontinenten engt sich der Spielraum des Imperialismus noch mehr ein. Ihm gelingt es nicht mehr, das Wohlverhalten der Völker in den kapitalistischen Staaten zu sichern. Die Krise des Imperialismus ist zudem die Krise des Opportunismus in der Arbeiterbewegung, Erfolge im Befreiungskampf der Völker führen unvermeidlich zur Verschärfung der Klassenkämpfe in den kapitalistischen Staaten. Damit kommt die Arbeiterklasse ihrer Selbstemanzipation näher.

In dem Maße, wie die Völker sich befreien und den Zugriff des Imperialismus erfolgreich abwehren, gelingt es ihm immer weniger, die ökonomische Krise zu exportieren. Sie entfaltet ihre Folgen auf eigenem Herrschaftsboden. Hier schlägt sie in soziale Krise um. Aber die ökonomische Krise entfaltet nicht nur soziales Elend, sondern auch Widerstand. Die ökonomische Krise wird zur Krise des herrschenden Systems. Der staatsmonopolistische Kapitalismus geht seinem unausweichlichen Untergang entgegen. Der Niedergang des Monopolkapitals erfolgt allerdings nicht mechanisch, nicht selbsttätig, sondern als Folge des Klassenkampfes. Hoher politischer Organisationsgrad der antikapitalistischen Kräfte mit der Arbeiterklasse als Kern ist als Bedingung des Sieges gegen das Monopolkapital notwendig, Es muss daran gehindert werden, seine Faschismuskarte auszuspielen. Dafür soll es isoliert und entwaffnet werden. Dann macht die Menschheit den entscheidenden Schritt ihrer ganzen Geschichte: den Übergang in das Zeitalter der Freiheit und Selbstverwirklichung.

III. Fallbeispiel eines „demokratisch“ legitimierten Faschismus: Israel, eine bürgerlich-parlamentarische Demokratie oder ein faschistisches Staatssystem?

In der eigenen Propaganda und in den bürgerlichen Medien des Westens wird Israel als ein bürgerlich-demokratisch parlamentarischer Staat dargestellt. In den Analysen der Befreiungsbewegungen insbesondere der PLO erscheint Israel dagegen als ein faschistisches System. Was trifft zu?

In der allgemeinen Faschismusdiskussion hat sich – zur Charakterisierung eines Staates – eine Einteilung bewährt, die es erlaubt, ein gegebenes Herrschaftssystem danach zu beurteilen, ob es die Qualität „Faschismus“ erfüllt. Beurteilt werden drei Faktoren der Staatsform, „Genese“, „Funktion“ und „Phänomenologie“, denen wir einen vierten, „Ideologie“ hinzufügen wollen.

a) Genese: Hierbei werden die Entstehungsbedingungen analysiert, insbesondere ob sie zwingend Faschismus hervorrufen.

b) Funktion: Darunter wird die Frage nach dem spezifischen Auftrag und den besonderen Aufgaben gestellt, die nicht optimal oder gar überhaupt nicht von einer parlamentarischen Demokratie umgesetzt werden können.

c) Phänomenologie: Hier werden die Erscheinungsformen der Herrschaft behandelt.

Wir werden diese methodische Zergliederung bei der Beurteilung der zionistischen Herrschaftsform verfolgen; sie muss allerdings durch einen besonderen Aspekt, die Ideologie, ergänzt werden.

d) Ideologie: Der Faschismus unterscheidet sich von anderen undemokratischen Regierungsformen des Monopolkapitals durch wesentliche Merkmale, vor allem aber durch das Merkmal Ideologie. Im Gegensatz etwa zur bloßen Militärjunta verfügt der Faschismus über eine „soziale Basis“. Die Anhänger des Faschismus folgen einer bestimmten Ideologie. Deshalb muss jede Erörterung des Faschismus näher auf seine „Ideologie“ eingehen.

a) Genese:

Der Faschismus ist eine Herrschaftsform des Monopolkapitals und nicht irgendeiner anderen Klassengesellschaft. In der bürgerlichen Gesellschaft ist der Organisationsgrad der Arbeiterklasse sehr hoch. Wenn auf der anderen Seite bei Verschärfung der ökonomischen Krise sich die Klassenkämpfe zuspitzen, ruft das Monopolkapital nach dem Faschismus, um Arbeitskämpfe und antikapitalistische Erhebungen zu zerschlagen.

Auf dieser Basis ist Israel entstanden. Auf dem Hintergrund der allgemeinen Krise des transnationalen Monopolkapitalismus ist Israel ins Leben gerufen, um Klassenkämpfe national und übernational zu zerschlagen.

Der imperialistischen Herrschaft über den arabischen Raum stehen die nationalen Befreiungsbewegungen und die arabischen Gewerkschaften entgegen. Der Imperialismus war außerstande, die arabischen Befreiungsbewegungen direkt oder mittels einheimischer Reaktion zu zerschlagen. Dafür baute er Israel als Speerspitze gegen die antiimperialistischen Kräfte der Region auf. Damit kommen wir zur „Funktion“ des israelischen Faschismus.

b) Funktion:

Israel ist mit der Hauptfunktion ins Leben gerufen worden, den antiimperialistischen Kampf der arabischen Völker und in benachbarten Regionen zu zerschlagen. Israel beteiligt sich am NATO- und US-Terror gegen die Befreiungsbewegungen in allen Dreikontinenten. Indes bleibt das Hauptkriegsfeld Israels die arabische Region. Ohne den faschistischen Apparat ist es einem Staat unmöglich, diese Aufgaben, die Israel zugewiesen sind, wahr- zunehmen.

c) Phänomenologie:

a) Parteien: Es wird argumentiert, in Israel existiert ein Mehrparteiensystem. Israel sei demnach sogar eine parlamentarische Demokratie. Die Vertreter dieser Auffassung räumen ein, es gebe in Israel vereinzelt faschistische Gruppierungen, ja sogar faschistische Elemente im Staat. Insgesamt jedoch sei Israel kein Faschismus, sondern eine„bürgerlich-parlamentarische Demokratie”.

Bei diesem Ansatz handelt: es sich um ein rein formales Argument, das die zionistischen Parteien strukturell oberflächlich betrachtet und nicht mehr analysiert. Die zionistischen Parteien sind sich in der Sache absolut einig. Sie haben weiterhin absolut identische objektive Interessen. Dies wird erst aus der Betrachtung der Basis erkennbar, aus der diese Parteien hervorgerufen sind. Bei Israel handelt es sich um eine „Siedlergesellschaft“. Die Siedler stellen die Parteien. Diese mögen sich unterschiedliche Namen geben und programmatische Varianten formulieren. In den Grundfragen jedoch sind sie sich einig: Erhalt der Siedlungsgesellschaft und Zerschlagung des antizionistischen und antiimperialistischen Widerstands der Palästinenser und anderer arabischer Völker. Die zionistischen Parteien stellen den Staat, den wir als ideellen Gesamtsiedler auffassen können.

Sicher besteht eine Demokratie für die Siedler. Die Siedler aber stellen eine Kolonialkaste dar. An ihnen kann Demokratie nicht gemessen werden. Der Siedlerkolonialismus herrscht über das palästinensische Volk, dessen politische Verhältnisse allein maßgeblich für den Grad der Demokratie sind. Die Palästinenser sind ausgeschlossen von der Demokratie und überhaupt von der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts, Jedes Gerede von Demokratie in Israel ist deshalb eine Farce und ist sogar rassistisch. Deshalb rassistisch, weil sie den Kolonialstatus der Palästinenser nicht zur Kenntnis nehmen will. So behauptet Israel von sich – aus seiner rassistischen Logik heraus – demokratisch zu sein. Es sieht keinen Widerspruch darin, das palästinensische Volk brutal zu unterdrücken und trotzdem demokratisch zu sein. Rassismus und Faschismus gehen miteinander einher.

Durch das Mehrparteiensystem hat sich der israelische Faschismus eine sehr stabile Organisationsform gegeben. Die konstruierten Gegensätze zwischen den Parteien erlauben den Bürgern nicht nur eine allgemeine politische Identitätsfindung mit dem Zionismus, sondern auch eine spezifische Identität z.B. als Arbeiter, sozial Orientierter, Konservative, Orthodoxe usw. Die Scheingefechte in der Knesset zwischen den einzelnen zionistischen Parteien und Blöcken gehören zum Parlamentarismus und vervollkommnen das demokratische Schauspiel.

Schon seit längerem haben sich die einzelnen Parteien zu den beiden großen Blöcken „MIRACH“ und „LIKUD“ zusammengeschlossen, so dass man von einem Zweiparteiensystem sprechen muss. Nach dem ägyptischen Befreiungskrieg 1973 wurde die seit Israels Gründung 1948 regierende Arbeiterpartei durch den Likud-Block unter Begin abgelöst. Für den Regierungswechsel war Israels Niederlage von 1973 entscheidend. An diesem Beispiel sieht man den stabilisierenden Effekt eines Zweiparteiensystems. Jede Partei kann eine der möglichen Varianten der Politik vertreten, bis ein Wechsel als zweckmäßig erscheint, wenn z.B. in der Öffentlichkeit ein beruhigender Effekt ausgelöst werden soll. Durch den Sturz einer Partei und ihren Ersatz durch eine andere wird der Staat insgesamt stabilisiert. Die Verantwortung wird einer Partei und nicht dem System angelastet. Vergleichen wir die Politik der beiden Blöcke, so stellen wir kaum prinzipielle Unterschiede fest. Sie überbieten sich im Terror, Vertreibung, Aggression und Massenmord. Seit 1984 regieren beide Blöcke sogar zusammen. Sie selbst reden vom „nationalen Konsens“ a) kein Selbstbestimmungsrecht für die Palästinenser, b) kein Abzug von den besetzten Gebieten und c) keine Anerkennung oder Verhandlung mit der PLO.

Eine andere faschistische Bewegung als die regierenden Parteien schlägt zwar in der Propaganda schärfere Töne an; realpolitisch lassen sich jedoch keine aggressiveren Ziele umsetzen. Zionistische Splittergruppen der extremistischen Rechten, die Konzessionsweise gelegentlich auch Faschisten genannt werden, unterscheiden sich nicht prinzipiell von den großen Parteien, die durch das Vorhandensein der Rechten in der Mitte erscheinen. Die faschistischen Banden von Gusch Emunim mit Rabbi Kahhane haben jedoch nicht primär eine optische Bedeutung. Vielmehr werden sie mit Waffen ausgestattet und auf die Palästinenser (die keine Waffen tragen dürfen) losgelassen. Sie bombardieren, massakrieren, vertreiben und plündern aus. Zudem übernehmen solche Terrorbanden die Funktion, Siedlungen auf palästinensischem Boden zu gründen und den Widerstand der eben vertriebenen Araber zu zerschlagen.

b) Wahlen: Von proisraelischer Seite wird argumentiert, es existiere eine Staatsmacht, die aus Wahlen hervorgegangen sei. Hierzu antworten wir:

Wahlen sind notwendiges Mittel zur Herrschaftslegitimation. Da Israel kein natürlich gewachsener Staat ist, sondern eine Auswahl von Siedlern, die aus aller Welt nach Israel gekommen sind, um hier am Besitz des geplünderten Reichtums teilzunehmen, werden diese Siedler niemals eine andere Vertretung an die Staatsmacht zulassen, die nicht ihre Interessen wahrnimmt. Die Demokratie spielt sich nur innerhalb der Kolonialkaste ab. Obwohl die Zahl der Palästinenser ein zweifaches der Israelis ist, stellen sie nur etwa 2% der Abgeordneten (!).

Die Tatsache spricht für sich, dass die eigentlichen Vertreter Palästinas, die Mitglieder des „Palästinensischen Nationalrates” (PNR), nur im Exil tagen können. 180 Mitglieder, die im besetzten Palästina leben, dürfen an den Sitzungen nicht teilnehmen. Die PLO hält die Namen dieser Mitglieder geheim, damit sie der israelischen Repression nicht ausgesetzt werden.

c) Rakah: Die israelische kommunistische Partei (wörtlich: „Neue kommunistische (Wahl)liste“, abgekürzt Rakah, wird im israelischen Parlament mit 4 von insgesamt 120 Knesset-Abgeordneten vertreten), wird von proisraelischer Seite als Beweis für die nichtfaschistische Form des Staates in Israel genommen: „Wo gab es im Faschismus eine zugelassene kommunistische Partei?“ Auch bei diesem Argument fehlt die analytische Einsicht.

Gerade an dem Argument „wo gäbe es in einer faschistischen Diktatur eine zugelassene kommunistische Partei“ erkennt man die Alibifunktion von Rakah. Sicher werdet ihr mir Recht geben, wenn an dieser Stelle die Auseinandersetzung mit Rakah darüber, inwieweit sie die Merkmale einer kommunistischen Partei erfülle, zurückgestellt wird.

Indes ist festzuhalten, dass Rakah für viele Palästinenser eine Illusion darstellt. Sie erlaubt ihnen einen Abgeordneten in die Knesset zu delegieren. Dafür verlangt Rakah die prinzipielle Anerkennung Israels. Ansonsten soll die Kritik an Rakah, die ohne die Stimmen von Palästinensern keinen Bestand hätte, an dieser Stelle zurückgestellt werden.

Rakah ist eine legale Partei und genießt das relative Wohlwollen des Siedlerstaates. Revolutionäre Kommunisten sind außerhalb Rakah organisiert. Werden sie aufgespürt, so werden sie grausamen Folterungen ausgesetzt. Wenn ihnen die Flucht nicht gelingt, werden sie oft physisch liquidiert. Zahlreiche Namen heimtückisch umgebrachter Frauen und Männer stehen hierfür als Zeugen.

d) Gewerkschaft: Von Vertretern der These, Israel sei ein demokratischer Staat, wird angeführt: Israel habe eine große Einheitsgewerkschaft, die Histadrut. Für den Faschismus sei die Zerschlagung der gewerkschaftlichen Organisationen geradezu ein bezeichnendes Merkmal. Diese Frage wollen wir im Folgenden diskutieren. Die Histadrut ist eine rassistische Gewerkschaft. Schon dieses Merkmal hebt ihren Anspruch, Gewerkschaft im Sinne der Arbeiterbewegung zu sein, auf. Dieser Tatsache tut es keinen Abbruch, dass ihr Palästinenser unter bestimmten Voraussetzungen angehören. Sie müssen aus den 1948 besetzten Gebieten stammen. Da sie aber nur im Ausnahmefall im Produktionsprozess integriert sind, erfüllen nur wenige Palästinenser die Mitgliedschaftsvoraussetzungen. Palästinenser sind in der Histadrut eine Minderheit ohne Einfluss auf die Entscheidungsstrukturen. Die Histadrut bleibt deshalb rassistisch ausgerichtet.

Eine andere wesentliche Tatsache ist mit dem Charakter einer Gewerkschaft unvereinbar. Die Histadrut ist nämlich der größte Arbeitgeber in Israel und verfügt allein über rund Zweifünftel aller Arbeitsplätze. Die Histadrut beutet ihre eigenen Mitglieder aus. Noch erbarmungsloser beutet Histadrut die palästinensische Arbeiterklasse aus, deren größte Mehrheit von der Mitgliedschaft ausgeschlossen ist und deren Selbstorganisationen durch Histadrut unterdrückt und brutal verfolgt werden.

Die Histadrut ist der größte Waffenhersteller in Israel. Sie produziert 40% der in Israel hergestellten Waffen. Sie ist Israels größter Waffenexporteur.

Warum sollte der Faschismus in Israel die Histadrut Gewerkschaft verbieten? Jeder Faschismus ist durch Militarisierung und Aggression gekennzeichnet. Der israelische Faschismus ist auf die Histadrut als Waffenlieferant angewiesen, Sie hat sich spezialisiert auf die Produktion von wirksamer Vernichtungsmunition. Insbesondere kennt sie sich aus in der Widerstandsbekämpfung und Antiguerilla- Kriegsführung. Alle imperialistischen Staaten sind auf diese hochspezialisierten Waffenexperten angewiesen.

Es stimmt hingegen die These, dass der Faschismus die gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse zerschlägt. Das tut der israelische Faschismus mit aller Gewalt, und zwar gegen die Gewerkschaften der palästinensischen Werktätigen. Diese Organisationen sind vollständig illegalisiert. Ihre Mitglieder werden in grausamster Weise verfolgt und viele ihrer Funktionäre werden zu Tode gefoltert. Überlebende sind nicht selten verkrüppelt und verstümmelt.

Die israelische Gewerkschaft Histadrut ist ein Instrument des Klassenkampfes – jedoch nicht auf Seiten der Arbeiterklasse, sondern gegen sie, namentlich gegen die palästinensische. Die israelischen Soldaten sind – als lohnabhängig Beschäftigte – Zwangsmitglieder der Histadrut. Würde Histadrut ihren Einsatz gegen Palästinenser in den besetzten Gebieten oder gar gegen die Invasion anderer arabischer Länder verweigern, wäre Israel außerstande Kriege zu führen. Aber diese Befürchtung braucht Israel nicht zu haben. Histadrut führt die zionistischen Kriege gegen arabische Staaten aus Eigeninteresse; Schlachten[?] sind Hauptabsatzmarkt für die eigenen Waffen. Streiken palästinensische Arbeiter, so ist es die Histadrut, die ihren Streik bricht. Die Histadrut ist ein Bestandteil des israelischen Faschismus.

Bei der Benennung dieser Aspekte wird natürlich einiges Wesentliche übersehen und das ist eben die Gefahr, wenn man formale Erscheinungsformen den Inhalten voranstellt. Erstens wird übersehen, dass für jedes Herrschaftssystem, also auch für den Faschismus, stets die Frage von Bedeutung ist, nämlich die Frage der Legitimation, der Herrschaftslegitimation. Eine Herrschaft kann nicht länger bestehen, wenn sie nicht eine gewisse Legitimation erlangt – und eine Methode dieser Legitimation ist natürlich die Methode von Wahlen oder Scheinwahlen und nahezu die meisten faschistischen Staaten sind auf die Idee gekommen, möglichst Wahlen durchführen zu lassen als wesentliche Legitimationsform. Diese Aspekte der Herrschaftslegitimation, wozu auch eine KP zählt, sind für mich sekundär. Primär ist die Frage, wer ist Israel? Und wer sind die Menschen, die in Israel Histadrut stellen und anderes? Dieser Staat ist ja bekanntlich erst 36 Jahre alt und ist keine natürlich gewachsene Gesellschaft, sondern eine sehr künstlich zusammengestellte Struktur, die in der Welt einzigartig ist. Die Politiker, die Spitzenpolitiker Israels, nennen sich gerne Judenstaat, wir sind der Judenstaat, sagen sie. Das ist eine der größten Lügen der Politik, die ja sonst auch nicht unüblich sind, aber in diesem Falle handelt es sich in der Tat um eine ganz gemeine Lüge: Denn in der Welt leben rund 20 Millionen Juden, in Israel leben – wenn wir auch die mitzählen, die auch dem Papier Israelis sind – leben drei Millionen. Das heißt, etwa 85% der Juden in der Welt, eine überwältigende Mehrheit der jüdischen Menschheit, hat Israel eine ganz eindeutige Absage erteilt. Diese Absage ist entweder eine Absage in aktiver Form, in aktivem Kampf, zum Beispiel wenn Erich Fried offensiv und demonstrativ Israel bekämpft in Wort und Tat, oder ist diese Ablehnung eine passive, indem sie sagen: Nein, wir gehen nicht nach Israel. Und wenn man bedenkt, dass Israel profitable Möglichkeiten für Juden anbietet, zum Beispiel zurzeit wird eine Kampagne unter jüdischen Bürgern betrieben, um sie nach Israel anzulocken, während Palästinenser vertrieben werden – dann müssten wir davon ausgehen, dass es sehr wichtige Gründe gibt, materielle Gründe für einen Juden gibt, nach Israel auszuwandern, um dort seine Existenz abzusichern. Trotzdem sagen die meisten Juden für Israel: Nein. Und damit will ich sagen, liebe Frauen und Männer, in Israel befindet sich eine ganz bestimmte Auswahl von Menschen, und zwar eigentlich von Siedlern. Und diese Siedler haben zusammen eine Interessenvertretung herausgebildet, die sich Staat Israel nennt. Der Staat Israel ist also die Institution der Interessenwahrnehmung jüdischer Siedler in Palästina, Diese Siedler wissen ganz genau, wenn sie demokratische Rechte und Grundrechte und demokratische Freiheiten zulassen, dann existieren sie auch als Siedlerstaat nicht länger – sie werden aufgelöst. Und deshalb stellen diese Siedler ihr eigenes Regime, den rassistischen Staat. Natürlich verschaffen sie ihm die Legitimation. Unser Staat ist demokratisch gewählt, sagen sie. Aber diese Demokratie ist ausschließlich die Demokratie der Siedler.

Insofern besteht hier eine große Gefahr, äußere Merkmale zu nennen und zu sagen: „Solange diese Merkmale bestehen, herrscht Demokratie”, oder, wie Reinhard Kühnl sagte: „Wo gibt es im Faschismus eine KP?“. Er übersieht, dass diese KP für Israel keine Gefährdung darstellt und sie wird auch keine darstellen, weil ihr wiederum die Basis fehlt. Welcher Siedler sieht sich vertreten durch eine KP und die Palästinenser und Palästinenserinnen boykottieren zunehmend Rakah, wobei Rakah immer noch dank palästinensischer Wähler bis zu drei Abgeordnete der Knesset stellen kann (Obwohl die Mehrheit der Wähler palästinensisch ist, benennt Rakah von drei Abgeordneten zwei jüdische Europäer).

Bei der Beurteilung eines politischen Herrschaftssystems müssen wir die Legitimationsmethoden dieser Herrschaft durchschauen und durchbrechen, Sonst ist El Salvador jetzt auch nicht mehr faschistisch, nachdem da Scheinwahlen stattgefunden haben – oder Tunesien oder Marokko, dann haben sie auch die Demokratie erkauft.

e) Ideologie: Zum Faschismus gehört eine ihm eigene Ideologie. Im Unterschied etwa zur Militärjunta ist der Faschismus ideologisch ausgerüstet.

Die Ideologie des israelischen Faschismus ist der Zionismus. Der Zionismus ist sogar ein Musterbeispiel von faschistischer Ideologie. Er enthält die Hauptmerkmale, die auch andere faschistische Ideologien kennzeichnen.

Der Faschismus verspricht die Realisierung nationalistischer Ziele. Er allein sei berufen und sei fähig, sie zu verswirklichen. Durch ihn erhebe sich das „Volk“ zu einer unbesiegbaren Macht. Dies sind geradezu die Elemente des politischen Zionismus.

Die Gedanken von „Volk“ und „Natur“ werden im Faschismus nicht humanistisch, sondern rassistisch verstanden. Deshalb rechtfertigen sie die Unterdrückung anderer Völker. Dieses Merkmal ist ein tragendes Element der zionistischen Ideologie.

Bezeichnend für den Faschismus ist die Aggression und Expansion. Der Zionismus liefert die theoretischen Voraussetzungen dafür:

a) Israel ist nicht durch umschriebene Grenzen definiert.

Dafür beruft es sich auf das Prinzip Erez Israel („Das Land Israel“), das ihm grenzenlose Expansion erlaubt.

b) Israel hat keine eigene Verfassung und braucht deshalb die Grundrechte nach der allgemeinen Erklärung der Menschrechte durch die Vereinten Nationen (vom 10.12.1948) nicht anzuerkennen. So gerät es in keinen Konflikt mit juristischen Institutionen, wenn es für Palästinenser die Menschrechte außer Kraft setzt. Israel fühlt sich an kein Gesetz gebunden, wenn es Aggressionen gegen fremde Territorien startet, andere Länder zerbombt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und selbst Völkermord begeht.

Wir fassen zusammen: Als wesentliche Merkmale des Faschismus lassen sich folgende Elemente aufzählen:

1. Der Faschismus ist eine Herrschaftsform des Monopolkapitals. In den Dreikontinenten regiert eine einheimische faschistische Junta stellvertretend für ausländisches Monopolkapital.

2. Die faschistische Herrschaft ist durch schrankenlosen Terror gekennzeichnet.

3. Demokratische Freiheiten werden im Faschismus außer Kraft gesetzt.

4 Die Arbeiterbewegung und ihre politischen und gewerkschaftlichen Organisationen werden unterdrückt.

Diese Aspekte treffen auf Israel uneingeschränkt zu. Der Einwand, Punkt 3 und 4 seien – wenigstens teilweise innerhalb der 1948 besetzten Gebiete Palästinas – nicht eingetreten, ist hinfällig. „Bewegungsfreiheit” wird vom israelischen Staat nur für die eigene soziale Basis eingeräumt. Am brutalsten entfaltet der Zionismus sein faschistisches Wesen in den palästinensischen Lebensräumen, insbesondere in den 1967 besetzten Gebieten.

IV. Fazit

Bezogen auf Israel ist es undenkbar, dass ein Rassismus ohne Faschismus existieren kann. Es wird zugestanden, dass der zionistische Staat rassistisch ist.

Reinhard Kühnls Gegenargumente

Bevor man von Faschismus reden kann, muss man von seiner sozialökonomischen Grundlage reden – und das ist der Kapitalismus in einem bestimmten Entwicklungsstadium, nämlich in dem Entwicklungsstadium, in dem der Kapitalismus zum Imperialismus übergeht. Das tut er in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, das heißt der Kapitalismus ist jetzt in den europäischen Ländern so durchgesetzt und so stark entwickelt, dass er jetzt systematisch über die Grenzen des Nationalstaates hinausgreift mit der Tendenz, sich die gesamte Welt zu unterwerfen: die Rohstoffe der Welt, die Reichtümer der Welt, die Exportmärkte der Welt, die Kapitalanlagesphären der Welt. Natürlich hat es auch Kolonialunternehmungen schon vorher gegeben, die gibt’s im Grunde schon seit dem 16.Jahrhundert, aber das sind sozusagen Raubzüge gewesen, die etwas vereinzelten Charakter hatten; man hat eben die vergegenständlichten Reichtümer, die man z.B. bei den Inkas in Südamerika oder in Indien vorgefunden hat, zusammengeraubt und wegtransportiert und die Bevölkerung versklavt, aber es war dies keine systematische Aneignung des gesamten Territoriums dieser Welt durch das moderne Monopolkapital.

Das aber vollzieht sich am Ende des vorigen Jahrhunderts, und ganz grob kann man sagen, im Jahre 1900 ist die Welt verteilt, ist die gesamte Welt verteilt zwischen den großen kapitalistischen Mächten.

Nun, die Völker, die man sich unterworfen hatte, werden jetzt in einer bestimmten Weise behandelt – und es ist sehr wichtig, sich das vor Augen zu führen: Sie werden unterworfen, ihnen gegenüber geht der Imperialismus mit militärischer Gewalt vor, mit den Mitteln des Polizeistaates, auch mit dem Mittel des Terrors und da, wo es sein musste auch mit dem Mittel des Völkermordes und dem Mittel des Massenmords. So ist das sowohl in Afrika verschiedentlich geschehen als auch in Indien verschiedentlich geschehen, Die Ideologie, auf die sich das alles gründet, ist in Ihrer allgemeinen Form der Sozialdarwinismus, das heißt die Lehre, dass die Natur Menschensorten von unterschiedlicher Qualität geschaffen habe und dass die Stärkeren sich gegenüber den Schwächeren durchsetzen, dass das: ein Naturgesetz sei, und dass es also das gute Recht der Stärkeren sei, sich gegenüber den Schwächeren durchzusetzen. Das konkretisiert sich im Kolonialismus in der Ideologie des Rassismus, das heißt dass die Stärkeren und die Schwächeren nicht bloß einzelne Individuen sind, die stärker oder schwächer sind, sondern dass es sich dabei um soziale Kategorien handelt, also bestimmte Rassen sind von Natur aus die Besseren und bestimmte andere Rassen sind die Schlechteren. Und so wird also begründet, weshalb es das gute Recht der europäischen Völker sei, sich die übrigen Länder und Völker zu unterwerfen und sie nach Belieben zu behandeln.

Innerhalb des eigenen Landes selbst aber, also innerhalb des – in der Begrifflichkeit dieser Ideologie – innerhalb des Herrenrassenvolkes selbst herrschen im Allgemeinen parlamentarisch-demokratische Staatsformen. So ist das in England, so ist das in Frankreich, so ist das in Holland, Belgien, in den USA auch. Natürlich wird in diesen parlamentarisch-demokratischen Staatsformen auch gelegentlich mit terroristischen Maßnahmen regiert gegenüber der Arbeiterklasse und gegenüber den demokratischen Organisationen – im eigenen Lande. Das ist aber sozusagen ja ganz normal für den bürgerlichen Staat, seit er sich etabliert hat; das sprengt also noch nicht den Rahmen parlamentarisch-demokratischer Institutionen. Dies alles also – ich sage es noch einmal – vollzieht sich bereits in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, und man nennt das mit guten Gründen Kolonialismus, und man kann es mit guten Gründen auch Imperialismus nennen – aber all dies hat mit Faschismus noch nichts zu tun. Es ist zwar eine allgemeine historische Voraussetzung des Faschismus, aber es ist dies alles noch nicht selbst Faschismus – obwohl die Kolonialvölker unterworfen werden, obwohl der Rassismus herrscht, und obwohl der Imperialismus sich alle diese Völker untertan macht.

Das ist Imperialismus, aber noch kein Faschismus.

Was ist nun das Spezifikum von Israel? Ich denke, dass wir in Israel, wenn auch mit einigen Eigentümlichkeiten, eine ähnliche Struktur vorfinden. Die Eigentümlichkeit besteht darin, dass sozusagen eine Art Kolonialbevölkerung auf dem eigenen Staatsgebiet vorhanden ist; dass man also innerhalb der eigenen Bevölkerung zwei Kategorien unterscheidet, nämlich gewissermaßen das Herrenvolk und – das wird zwar nicht so genannt – die relativ minderberechtigte, die relativ rechtlose, also die in gewisser Hinsicht koloniale Bevölkerung, innerhalb des eigenen Territoriums. Da gibt es aber auch schon Analogien in der Kolonialgeschichte. Wenn Sie sich die Kolonialgeschichte von Algerien ansehen, so sehen Sie, dass dort einige Millionen Weiße eingewandert waren – aus Frankreich – und dann in Algerien eine Art Siedlerkolonie, oder eine Art Kolonialstaat errichtet haben, in denen die Weißen eben die Rechte hatten, und die algerische Bevölkerung war relativ rechtlos auf diesem eroberten Gebiet. Oder wenn Sie sich die portugiesischen Kolonien anschauen in Afrika, wie etwa *Angola oder Mosambik, dann sehen sie, dass diese staatsrechtlich ein Teil des portugiesischen Mutterlandes sind. Sie haben nicht den Status einer Kolonie im 20. Jahrhundert, sondern sind eine Provinz des Mutterlandes. Aber die Provinz ist eben so gestaltet, oder das Mutterland ist eben so gestaltet, dass es eine privilegierte Kategorie gibt – das sind die Portugiesen – und eine, wenn man so will, minderprivilegierte Kategorie von Kolonialbevölkerung – das waren also die eigentlichen Einwohner des Landes in diesen portugiesischen Kolonien.

Das alles ändert aber nichts daran, dass für den jüdischen Bevölkerungsanteil in Israel – wie in den klassischen Kolonialländern – parlamentarisch-demokratische Institutionen bestehen. Da gibt es ein Parlament, da gibt es eine Pressevielfalt, da gibt es eine Arbeiterbewegung, da gibt es sogar eine kommunistische Partei! Das alles gibt es – ich will es nur in Klammern sagen – natürlich in einem faschistischen Staat nicht. Das ist absolut undenkbar, dass es in einem faschistischen Staat eine legal zugelassene kommunistische Partei gibt. Die Zeitungen herausgeben kann, die Demonstrationen machen kann, sich an Wahlen beteiligen kann usw. Das alles gibt´s aber in Israel.

Nun, ich muss jetzt noch einen zweien Diskussionsstrang nachtragen. Manchmal wird argumentiert – und sie haben – das vorhin auch schon angedeutet (gemeint ist: der das Einleitungsreferat haltende PLK-Vorsitzende – PLK) – dass vielleicht überhaupt der Faschismusbegriff auf Länder oder Kontinente, die noch nicht, noch keinen voll entwickelten Kapitalismus haben, gar nicht anwendbar sei – denn es heißt ja immer: Faschismus ist eine Herrschaftsform des Monopolkapitals. Also sei schon deswegen der ganze Faschismusbegriff weder auf Lateinamerika noch auf den arabischen Raum noch auf den afrikanischen Raum anwendbar. Der Meinung bin ich nun allerdings nicht. Das heißt, die grundsätzliche Gültigkeit dieses Arguments überzeugt mich nicht. 

Ich möchte ihnen zwei Argumente nennen, die m.E. dagegensprechen: Das Monopolkapital hat nicht nur seinen Herrschaftsbereich globalisiert, auf den ganzen Globus ausgedehnt, sondern ist natürlich selbst zu einer internationalen Erscheinung geworden. Das Monopolkapital hat ja keinen nationalen Charakter mehr, sondern hat ja internationalen Charakter. Das heißt es ist infolgedessen durchaus denkbar, dass im Interesse des Monopolkapitals in einem halbentwickelten Land oder in einem Entwicklungsland terroristische Herrschaftsformen etabliert werden, parlamentarische Herrschaftsformen liquidiert werden und terroristische Herrschaftsformen aufgerichtet werden; natürlich im Allgemeinen im Bündnis mit der einheimischen Oligarchie – aber eben doch im Wesentlichen im Auftrag und im Interesse auswärtigen Monopolkapitals. Also handelt es sich durchaus um eine Herrschaftsform des Monopolkapitals, nämlich im Interesse des Monopolkapitals. So ist das zum Beispiel in Chile und deshalb ist es kein Einwand zu sagen, aber Chile selber ist ja noch gar nicht auf dem Stadium des Monopolkapitalismus. Die Herrschaftsform die, die dort besteht ist aber im Interesse des Monopolkapitals und, deshalb wäre das kein Einwand.

Zweites Argument: Seit 1917 hat auch der Klassenkampf in dem Sinne internationalen Charakter, weil es ja nun so ist, dass der Klassengegner nicht nur im eigenen Land vorhanden ist – in Gestalt der Arbeiterbewegung -, sondern er ist jetzt auch als Staat vorhanden – in Gestalt der russischen Revolution und der Sowjetunion. Das heißt also, wenn man jetzt davon redet, welche Herrschaftsformen. sind im Interesse des Monopolkapitals, darum geht’s ja, welche Herrschaftsformen sind im Interesse des Monopolkapitals, dann muss man auch solche Herrschaftsformen einbeziehen, die sozusagen aus geostrategischen im Interesse des Monopolkapitals sind. Und dazu würde dann z.B. auch gehören die Diktatur, die in Griechenland 1967 errichtet worden ist, um die Süd-Ost-Flanke der NATO nämlich zu sichern oder die Diktatur, die in der Türkei 1980 errichtet worden ist – ebenfalls um die Süd-Ost-Flanke der NATO zu sichern.

DA geht´s also nicht primär darum, dass der monopolkapitalistische Charakter darin zum Ausdruck kommt, dass dort besonders hohe Profitraten erzielt werden, die Bevölkerung besonders intensiv ausgeplündert wird – das kann dabei auch geschehen, ist aber sozusagen ein Nebenaspekt.

Der Hauptaspekt ist, dass geostrategisch das Herrschaftssystem des Monopolkapitals gesichert werden soll. Infolgedessen hätte ich keine Bedenken dagegen, auch solche Regime wie etwa das in Chile oder das in der Türkei in die Kategorie Faschismus einzubeziehen. Nun kann man zwar im Fall von Israel natürlich sagen, dass es geostrategisch im Zusammenhang des imperialistischen Weltsystems eine sehr wichtige Funktion hat; es ist gar keine Frage, dass die Politik Israels im Wesentlichen bestimmt wird von den Globalinteressen der USA. Das ist ja nun ganz offenkundig.

Aber, um Faschismus handelt es sich eben nur dann, wenn es sich bei einer Herrschaftsform auch um eine terroristische Diktatur handelt – um eine terroristische Diktatur. Und zwar auch gegenüber der eigenen Bevölkerung – nicht nur gegenüber einem unterworfenen Teil einer anderen Bevölkerung. Das heißt, wenn es sich handelt um die vollständige Zerschlagung aller Organisationen der Arbeiterbewegung und aller demokratischen Ansätze; wenn es sich handelt um die dauerhafte Unterdrückung aller demokratischen Ansätze und aller Organisationen der Arbeiterbewegung; nicht bloß um die punktuelle und vorübergehende Verfolgung und Zerschlagung; und wenn es sich handelt um die Zerschlagung und Verfolgung aller, aller demokratischen Organisationen, sozialistischen und Arbeiterorganisationen, aller, und nicht bloß um die Verfolgung oder Unterdrückung der einen oder anderen gelegentlich mal. (…)

Die Kriterien, die Merkmale des deutschen und italienischen Faschismus dürfen nicht angewandt werden auf andere Länder, auf die Gegenwart, auf die Länder der dritten Welt. Es müssten also andere Merkmale dann angewandt werden, Also erstens: mal ist mir da nicht klar geworden, welche Merkmale es denn sind, welche Merkmale sie zugrunde legen. Sie müssen angeben: Faschismus ist ein Staat, wenn …. – Und dann müssen sie die Merkmale benennen. Gut, da hat mich natürlich schon sehr nachdenklich gestimmt, dass Sie sagen, die allermeisten Länder in Afrika und in Asien sind faschistisch. Das heißt also, der größte Teil der Welt ist faschistisch – ja dann verliert natürlich der Begriff Faschismus jede Spezifizierung, jede Trennschärfe; wenn der größte Teil der Welt faschistisch ist, dann brauchen wir uns glaube ich nicht mehr darüber zu unterhalten, ob das eine eigentümliche Herrschaftsform ist. Dann ist sozusagen die übliche Herrschaftsform in dem größten Teil der Welt, dann verliert aber dieser Begriff seine Brauchbarkeit.

Auch zum methodischen Verfahren: schauen sie mal, wenn sie sagen, die Merkmale des deutschen und italienischen Faschismus dürfen nicht angewandt werden. Die Eigentümlichkeit von Begriffen liegt aber doch darin, dass sie erst einmal einen bestimmten Inhalt haben, um dieses Phänomen von anderen Phänomen abzugrenzen. Also, dies hier nenne ich einen Tisch, weil es bestimmte Merkmale hat, Es hat eine Tischplatte und ruht auf Beinen. Und dann kann ich jetzt natürlich sagen, Begriff ist erweiterungsfähig; es ist egal wie viele Beine das sind. Es können drei, vier, fünf, sechs oder noch mehr sein. Es ist egal, ob die Platte quadratisch, rund, rechteckig, sechseckig oder sonst was ist. Ich kann sogar sagen, es ist egal ob diese Platte aus Plastik, Holz oder Metall ist. Ich kann aber nicht sagen, ich sehe jetzt völlig ab von dem Gegenstand, den ich bisher einen Tisch genannt habe und nenne ab nun einen Tisch ein Textil, was auf dem Boden liegt. Das ist was anderes. Ich kann nicht einfach total absehen vom Begriffsinhalt einer bestimmten Sache. Das heißt also, was sie machen können, ist: Sie können sagen, damals in den europäischen Ländern hatte der Begriff einen bestimmten Inhalt – der müsste aber erweitert werden: da müssten sie aber angeben um welche Merkmale er erweitert werden müsste, das müssen sie dann präzise angeben. Sie können aber nicht sagen, das interessiert mich überhaupt nicht, was damals Faschismus war, ich nenne jetzt etwas ganz anderes Faschismus. Das geht nicht.

Sie haben gesagt, ich habe bloß formale Merkmale genannt, es komme aber darauf an, Inhalte zu benennen. Der Witz an der Sache ist aber doch gerade, dass es sich beim Faschismus um eine Herrschaftsform handelt. – Das ist Ja der Witz. Der Herrschaftsinhalt ist monopolkapitalistisch, das sowieso. Aber der Monopolkapitalismus kann verschiedene politische Herrschaftsformen haben, nämlich parlamentarisch – demokratische, autoritäre, militärisch- diktatorische und faschistische. Das sind Fragen der Herrschaftsform und Faschismus ist eine Herrschaftsform. Der allgemeine Inhalt, monopolkapitalistisch, der ist all diesen Gesellschaften gemein; und wenn Sie den allerdings zugrunde legen, dann kommen Sie allerdings zu dem Faschismusbegriff, nämlich Faschismus ist der größte Teil der Welt. Aber dann hat er keinen konkreten Inhalt mehr. In den konkreten Schlussfolgerungen sind wir uns dann wieder ganz nahe gewesen, das hat mich dann eigentlich auch wieder irgendwie getröstet, denn Sie haben gesagt der Staat Israel ist eine Art Siedlerkolonie; das stimmt präzise mit dem überein, was ich in meinem Einleitungsreferat gesagt habe. Der Staat Israel ist eine Art Siedlerkolonie, das heißt eine Minderheit dringt dort ein, unterwirft sich das Land, unterwirft sich die einheimische Bevölkerung und behandelt die einheimische Bevölkerung als eine Art von Kolonialbevölkerung. Aber das ist noch nichts spezifisch Faschistisches. Ich hatte dargelegt, dass die Franzosen in Algerien genau dasselbe gemacht haben. Und ich habe dargelegt, dass die Portugiesen in den afrikanischen Kolonien genau dasselbe gemacht haben. Das ist ganz allgemeiner, platter, normaler Imperialismus – mit der Eigentümlichkeit: Siedlerkolonie; das heißt eine Minderheit des eigenen Volkes siedelt dort in dieser Kolonie und hält die Herrschaft aufrecht, innerhalb sozusagen der herrschenden Schicht herrschen aber parlamentarisch-demokratische Institutionen. So war das ja auch in den anderen Siedlerkolonien. Und so war das im klassischen Imperialismus auch. Meine Frage an Sie wäre jetzt einfach: Wo liegt denn nun der Unterschied zwischen der normalen kolonialen und imperialistischen Unterdrückung und der faschistischen? – Dann müssten Sie ja rückwirkend auch das alles faschistisch nennen, was die Engländer und die Franzosen und die Portugiesen und die Spanier und die Holländer in der ganzen Welt gemacht haben seit dem 18. Jahrhundert. Das wäre dann rückwirkend auch alles faschistisch. (…) Ja, wenn man das so nennt, aber dann hat der Faschismus keinen präzisen Inhalt mehr. Dann ist Faschismus, dann können Sie noch weitergehen bis zu den Pharaonen – dann ist Faschismus alles, was in den letzten 5000 Jahren passiert ist; alles hatte mit Terror und Unterdrückung zu tun. Dann bedeutet der Begriff nichts mehr, sondern bedeutet nur noch: ich empöre mich dagegen, dass Unterdrückung herrscht.

Das kann ich dann Faschismus nennen, aber das ist kein brauchbarer wissenschaftlicher Faschismusbegriff. Also meine Frage an Sie wäre wirklich: Wo liegt der Unterschied zwischen dem, was Sie faschistisch nennen und dem, was wir als ganz normalen Imperialismus seit über 100 Jahren durch den englischen, französischen, belgischen, deutschen, portugiesischen in der ganzen Welt erlebt haben? Das, was sie aufgeführt haben, konkret für Israel, das ist nichts anderes als die übliche Umgangsform des Imperialismus mit den kolonial unterdrückten Völkern. So! Und das stimmt dann auch wieder mit ihrer These überein, wo Sie sagten, Rassismus ohne Faschismus sei undenkbar. Ja, dann muss ich aber eben doch mal darauf hinweisen, dass der Rassismus 100 Jahre älter ist als der Faschismus, das heißt 100 Jahre hat es Rassismus ohne Faschismus gegeben. Jetzt müssten Sie auch das rückwirkend ebenfalls alles Faschismus nennen.

Und dann ist der Faschismus Sozusagen soweit und so allgemein. und so total in den letzten 100 Jahren auf der ganzen Welt, dass es sich dann nicht mehr lohnt, darüber zu streiten, ob Israel ein faschistisches Land ist, wenn alle anderen Länder seit 100 Jahren in den meisten Kontinenten auch faschistisch waren. Na ja, dann ist Faschismus sozusagen der Normalfall, aber dann lohnt es sich nicht mehr, wissenschaftlich darüber zu streiten. (…)

Ist Israel ein faschistischer Staat? Und das ist eine begriffliche Frage, d.h. es ist eine wissenschaftliche Frage. Und wenn ich diese Frage stelle, dann komme ich nicht darum herum, genauer anzugeben: Ist Israel ein faschistischer Staat, dann muss ich fragen, was sind die Merkmale eines faschistischen Staates. Die muss ich dann angeben … Und dann muss ich sehen, ob die Merkmale zutreffen: Dann ist es ein faschistischer Staat. Oder sie treffen nicht zu: Dann ist es kein faschistischer Staat, sondern irgendwas anderes. Es mag etwas sehr Schlimmes sein, eine Diktatur, Terror, Imperialismus, sonst irgendwas, etwas sehr schlimmes, aber Faschismus ist es dann nicht. So!

Also muss ich die Merkmale angeben.

Und jetzt habe ich unheimlich genau zugehört, was alles gesagt worden ist, und da wurde gesagt: Aber da werden die Menschenrechte verletzt, da herrscht Repression, da herrscht Terror, da herrscht Unterdrückung, da herrscht der Drang zur Expansion, zur weiteren Unterwerfung noch weiterer arabischer Bevölkerungsteile usw. usw. – und dann würde ich sagen: Ja! Ja, ja! Soweit besteht überhaupt keine Differenz, sondern die Differenz setzt jetzt bei der Frage ein: Reicht das aus, um so zu sagen, das ist Faschismus? Da setzt die Differenz ein. Ich möchte Sie nur auf die Folgen aufmerksam machen, in die Sie selbst kommen, wenn Sie sagen, überall dort, wo Repression Terror und das alles herrscht, überall dort sage ich: das ist Faschismus oder in Deiner (gemeint ist ein Diskussionsredner, Anm. KO) sehr schönen Formulierung: Faschismus ist überall dort, wo menschliche Existenz in einem vollen Sinne der Entfaltung der Menschenrechte nicht möglich ist.

Und dann habe ich zweimal nachgefragt und da wurde gesagt: Ja! – und in der Tat: Im größten Teil der Welt stimmt das. Das gilt für den größten Teil der Welt, dass menschliche Existenz in einem vollen Sinne der Entfaltung der Menschenrechte nicht möglich ist.

In der Konsequenz Eurer Gedanken müsst Ihr dann aber, ob Ihr wollt oder nicht, auch sagen, dann nenne ich das alles Faschismus; was in all diesen Ländern ist, ist dann alles Faschismus. Dann ist aber auch die Schlussfolgerung – und das solltet Ihr Euch gut überlegen -, die politisch-taktische Schlussfolgerung: Dann ist Israel gar nichts Besonderes, sondern Israel ist dann gewissermaßen ein Status der Normalität, ist sozusagen das, was allgemein üblich ist in weiten Teilen der Welt, nämlich Faschismus. Ja, dann gibt’s eigentlich keinen besonderen Grund, sich besonders über Israel aufzuregen. Das ist die erste Konsequenz, in die Ihr dann kommt.

Zweitens: Wenn man sagt, Terror und Unterdrückung ist schon ein hinreichendes Kriterium für Faschismus, dann muss man sagen: Terror und Unterdrückung und Verletzung, und zwar permanente Verletzung von Menschenrechten, gibt es in der Menschheitsgeschichte, seit es Klassengesellschaften gibt – und die gibt’s seit 5000 Jahren. Ich habe nicht zufällig vorhin auf die Pharaonen verwiesen. Seit den Pharaonen zieht sich durch die Weltgeschichte diese Blutlinie von Terror, Unterdrückung und Verletzung von Menschenrechten. Das ist das Wesen der Klassengesellschaft. Ja, was soll denn dann Euer Vorwurf noch besagen, Israel ist faschistisch? Wenn die letzten 5000 Jahre der Menschheitsgeschichte voller Faschismus waren, dann zählt dieser Vorwurf überhaupt nichts mehr; das ist dann nichts Besonderes mehr.

Also: In diese Konsequenz kommt ihr selber, wenn ihr sagt, Repression, Unterdrückung, Terror und Verletzung von Menschenrechten, das ist schon ein genügender Bestandskatalog, um zu sagen: Da wo das herrscht, da herrscht Faschismus.

Und mein Vorschlag wäre eben ein anderer, mein Vorschlag wäre zu sagen: Man soll genauer bestimmen, man soll Faschismus als eine spezifische Herrschaftsform bestimmen, nicht als Herrschaftsform, wo Terror herrscht – wie gesagt, das zieht sich durch die Weltgeschichte -, auch nicht als eine Herrschaftsform, wo mit rassistischer Begründung bestimmte Teile einer unterworfenen Bevölkerung miedergehalten und ihrer Menschenrechte beraubt werden – da habe ich auch drauf hingewiesen: das ist das allgemeine Merkmal kolonialistischer Politik. Schaut Euch doch an, wie die Spanier mit den Inkas umgegangen sind; schaut Euch doch an, wie die Engländer mit dem ganzen afrikanischen Kontinent und mit Indien umgegangen sind; schaut Euch an, wie die Belgier und die Franzosen in Afrika gehaust haben; schaut Euch an, was die Holländer im indonesischen Bereich gemacht haben! All das, was Ihr vorhin genannt habt, was Euch so aufregt, wie die Palästinenser behandelt werden, so sind diese Kolonialvölker über 100 Jahre lang behandelt worden. (…)

Nicht jedes Regime, nicht jeder Staat, der monopolkapitalistische Interessen realisiert, ist auch schon faschistisch. Das ist eine Frage der Herrschaftsform, Der Kapitalismus kann unterschiedliche politische Herrschaftsformen haben. Er kann parlamentarisch verfasst sein, er kann autoritär verfasst sein, er kann sogar monarchisch verfasst sein und er kann faschistisch verfasst sein.

Was ist nun das Spezifikum des Faschismus?

Ein monopolkapitalistisches Regime ist dann faschistisch, wenn es das Prinzip – ich sag’s jetzt erstmal als Kurzfassung und erläutere es dann noch ein bisschen -, das Prinzip des umfassenden und schrankenlosen Terrors zu seinem Herrschaftsprinzip macht. Was heißt umfassender oder schrankenloser Terror? 

Dass da nicht bloß die eine oder andere politische Strömung gelegentlich verfolgt wird, dass ab und zu der Staat terroristisch zuschlägt – das ist im bürgerlichen Staat überall so mehr oder weniger -, sondern faschistisch ist ein Regime erst dann, wenn alle demokratischen Regungen alle demokratischen Organisationen, alle Organisationen der Arbeiterbewegung vollständig unterdrückt und illegalisiert sind, vollständig; wenn die Staatsgewalt sich an überhaupt keine Regeln hält, sondern willkürlicher Terror derzeit herrschen kann; und wenn all diese Organisation nicht bloß gelegentlich und vorübergehend unterdrückt werden, sondern auf Dauer unterdrückt werden; und wenn jede oppositionelle Regung, die da irgendwie kommt, und vor allen Dingen die Aktivisten oppositioneller Regungen nicht nur bloß behindert, sondern präventiv verhaftet, gefoltert und vielfach auch umgebracht werden.

D.h. also: Das ist das Spezifikum des Faschismus.

Das wäre also ein Vorschlag und dann kommt man sehr schnell drauf, dass also in diesem eigentümlichen Sinn wir eine ganze Reihe von faschistischen Regimes haben, auch seit 1945 und nicht nur in Europa. Chile gehört sicher dazu, die Türkei gehört sicher dazu. Griechenland gehörte damals sicher dazu. Auch bei anderen Lateinamerikanischen Diktaturen könnte ich mir das vorstellen.

Um es nochmal an einem Beispiel klarzumachen, was ihr genannt habt. Ihr habt gesagt: Aber auch in Israel sei zwar eine kommunistische Partei zugelassen, aber auch dort werden Kommunisten verfolgt. Ja, das ist gerade Unterschied: Natürlich werden Kommunisten verfolgt im bürgerlichen Staat, mehr oder weniger – in den USA, in der Bundesrepublik, in Israel etwas härter. Aber der Unterschied ist: Im Faschismus werden die Organisationen vollständig zertrümmert und die Führungskader verhaftet und z.T. umgebracht und die Partei wird illegalisiert, d.h. es ist keinerlei legale Äußerungsform mehr möglich, sei es ein Flugblatt, sei es eine Propaganda, sei es eine Demonstration, sei es eine Wahlbeteiligung – das gibt´s alles nicht mehr im Faschismus.

Und ihr werdet mir zugestehen: Das ist eine neue Qualität! Es Ist ein Unterschied, ob demokratische Bestrebungen behindert werden oder ob sie vollständig zerschlagen und terroristisch unterdrückt werden. Das ist ein Unterschied!

Anhang: Broschüre „Ist Israel ein faschistischer Staat?“

Fußnoten

1 Am 11. September 1973 putschte in Chile das Militär mit Unterstützung der CIA gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende und errichtete unter Augusto Pinochet eine häufig als faschistisch definierte, in ihrer Wirtschaftspolitik zugleich neoliberale Diktatur, die bis 1990 an der Macht blieb. 

2 In der Nacht zum 21. April 1967 putschten in Griechenland faschistische Militärs mit Rückendeckung der Monarchisten und der CIA herrschten bis 1974 über das Land. 

3 Am 12. September 1980 putschte das türkische Militär zum dritten Mal in zwei Jahrzehnten. Der Putsch erfolgte mit Unterstützung der NATO und richtete sich insbesondere gegen Linke und kurdische Nationalisten. 

4 https://kommunistische-organisation.de/klaerungunddebatte/ueber-die-debatte-zum-faschismus-auf-export-in-russland/

5 https://kommunistische-organisation.de/klaerungunddebatte/faschismus-und-kolonialismus-faschismus-als-kolonialismus/

Solidarität mit der Jüdischen Stimme!

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Palästinasolidarität ist kein Verbrechen!

Die Repressionen gegen die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost gehen weiter. Erst im April hatte sich der Verein erfolgreich gegen die Einstufung durch den Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ gewehrt. Nun wurde die Entscheidung vom OVG im Eilverfahren gekippt. Das ganze am höchsten jüdischen Feiertag – ein Zeichen mehr, dass es dem deutschen Staat nicht um den Schutz von Juden geht.

Diese Einordnung im Verfassungsschutzbericht ist eine zunehmend gegen palästinasolidarische Akteure genutzte Taktik, die sie gesellschaftlich marginalisieren soll. Nach fast drei Jahren Genozid in Gaza und einer anhaltenden Protestbewegung dagegen, greift der deutsche Staat vermehrt zu dieser Taktik.

Die Jüdische Stimme war dabei immer wieder besonders im Fokus staatlicher Repression, u.a. durch Kontosperrung. Denn wenn Juden konsequent die Unterstützung der Siedlerkolonie ablehnen, dann lässt sich das Narrativ der deutschen Staatsräson, die versucht im Namen des Holocaust Genozidunterstützung zu rechtfertigen, nicht halten.

Die Jüdische Stimme erklärt, den Kampf für Grundrechte und gegen Kriminalisierung der Palästinasolidarität nicht aufzugeben. Das Hauptsacheverfahren steht noch aus. Sie nutzen ihre Stimme, um das Narrativ der Staatsräson zu brechen. Dafür erklären wir unsere volle Solidarität! Kampf der Repression!

Beiträge des 24. Internationalen Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien

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Einleitung

Vom 7. bis 9. August fand das 24. Internationale Treffen der Kommunistischen und Arbeiterparteien (IMCWP) in Havanna statt. Teilgenommen haben mehr als 100 Vertreter von insgesamt 48 Parteien. Die letzten Treffen haben 2022 in Havanna – wozu wir ausführlich berichtet haben – sowie 2023 in der Türkei stattgefunden, wobei die Imperialismusfrage im Allgemeinen und die Einschätzung des Ukraine-Krieges im Konkreten zentrale Auseinandersetzungen waren. Diese Kontroversen waren auch auf dem diesjährigen Treffen präsent.

Die Treffen der IMCWP stellen wichtige Veranstaltungen der Internationalen Kommunistischen Bewegung dar und geben einen Einblick in die unterschiedlichen Positionen und dahinterstehenden Debatten. Daher spiegeln wir im Folgenden die gemeinsame Abschlusserklärung des IMCWP, den Beitrag der Griechischen Kommunistischen Partei (KKE), eine Resolution der KKE sowie eine gemeinsame Resolution der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) und der Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei (RKAP). Wir empfehlen außerdem, die weiteren Beiträge, die noch nachträglich hochgeladen werden, zur Kenntnis zu nehmen. Diese erscheinen auf der Website des SolidNet. Zu Beginn wollen wir einen kurzen Überblick über die zentralen Kontroversen geben.

Imperialismus und Krieg

Hintergrund ist die seit 2022 verschärfte Kontroverse in der Internationalen Kommunistischen Bewegung zur Einschätzung des Imperialismus: So charakterisieren Kräfte wie die KKE den Imperialismus als Weltsystem und sehen die aktuell laufenden Kriege als Folge der Widersprüche zwischen den imperialistischen Bündnissen des „euro-atlantischen“ und des „eurasischen“ Blocks mit China und Russland an der Spitze. Dies drücke sich darin aus, dass beide Blöcke gleichermaßen um die Ausbeutung der Rohstoffe, Märkte und Einflusssphären ringen sowie die Mittel der Geschichtsfälschung einsetzen würden. Demnach sieht die KKE den Hintergrund des Krieges gegen den Iran darin, dass dieser sich dem „eurasischen Block“ angeschlossen habe. Im Falle Palästinas gehe es um die Durchsetzung der westlichen Monopole sowie der indischen Handelsroute des IMEC als Gegenprojekt zur chinesischen Seidenstraße.1 Infolge dieser Charakterisierung steht für die KKE überall die sozialistische Revolution auf der Tagesordnung; die Notwendigkeit der nationalen Kämpfe wird von ihr weder genannt noch in einen Zusammenhang mit der sozialistischen Revolution gestellt.

Diese Haltung wird in der gemeinsamen Resolution der RKAP und KPRF scharf kritisiert. Diese erteilen der äquidistanten Haltung eine klare Absage, indem sie auf das Imperialismusverständnis Lenins verweisen und den Imperialismus als Räuberbande charakterisieren: „Genau diese Feststellung über die Entstehung des Kerns des Imperialismus, einer Meute der stärksten und am weitesten entwickelten Raubtiere, vermittelt ein Verständnis für das Wesen der ablaufenden Prozesse und bestimmt die Einschätzung des tatsächlichen Wesens (nach Lenin) der laufenden Kriege in der Ukraine, in Palästina, im Iran, im Libanon und anderen Regionen.“ Daran anknüpfend betonen sie die Notwendigkeit der verschiedenen nationalen Kämpfe gegen den Imperialismus: „Ein großer Fehler einiger Parteien besteht darin, die aggressive Politik des Imperialismus isoliert nach Regionen und Ländern zu betrachten. Dieselbe Gruppe von Imperialisten hetzt die Kiewer Strafkommandos gegen Russland auf und fördert den Völkermord der israelischen Zionisten am Gazastreifen. Die gleichzeitigen Behauptungen einiger Genossen, dass der Widerstand Palästinas gerechtfertigt sei, während der Krieg Russlands und des Donbass gegen die Nazis eine unberechtigte Invasion derselben Imperialisten darstelle, sind äußerst unlogisch und widersprechen der Dialektik.“2

Faschismus

KPRF und RKAP betonen in ihrer Resolution außerdem die Gefahr der Ausbreitung des Faschismus und stellen einen Zusammenhang zwischen der Stärkung des Faschismus in der Ukraine und der Rolle des Zionismus im Völkermord gegen das palästinensische Volk her. Daraus schlussfolgern sie die Notwendigkeit einer breiten Einheitsfront gegen diese reaktionäre Entwicklung. Im Beitrag der KKE spielt der Faschismus keine Rolle, sondern wird nur hinsichtlich eines „vorgetäuschten“ Antifaschismus genannt. Hier werden – sicher auch mit Hinblick auf das Antifaschistische Forum in Moskau – Parteien kritisiert, die den Kampf gegen Krieg und Faschismus vom Kampf gegen den Kapitalismus, der diese hervorbringt trennen würden.3

Kuba

Da das Treffen in Havanna stattfand, war Kuba in den Beiträgen viel Thema. So betont die gemeinsame Abschlusserklärung ihre klare Solidarität mit dem kubanischen Volk und der Kommunistischen Partei Kubas (PCC), während die KKE in ihrem Beitrag ausschließlich von Solidarität mit dem kubanischen Volk spricht. Hintergrund dessen ist vermutlich die kontroverse Einschätzung der Entwicklungen auf Kuba, u. a. in Zusammenhang mit dem kürzlich beschlossenen Reformpaket. Während Roberto Morales Ojeda, Mitglied des Politbüros der PCC, in seinem Beitrag diese Reformen verteidigt4, verweist die KKE indirekt in ihrem Beitrag darauf, dass „Mischwirtschaften“ immer schon das „Vehikel der Konterrevolution“ gewesen seien, adressiert diese aber nicht offen an die PCC.5

Umgang mit der Krise der Internationalen Kommunistischen Bewegung

Die KKE spricht in ihrem Beitrag klar von einer Krise der Internationalen Kommunistischen Bewegung und zeigt ihren Umgang mit dieser auf: Es gehe darum, die „revolutionäre Neuformierung“ und die „Bildung eines marxistisch-leninistischen Blocks“ anzustreben, dessen Aufnahmebedingungen in dem Beitrag der KKE näher ausgeführt werden. Dieser Vorstellung gegenüber stehen die Aussagen der gemeinsamen Abschlusserklärung, die es als notwendig erachtet, die Einheit, Solidarität und Zusammenarbeit aller Parteien zu verstärken sowie die gemeinsame inhaltliche Debatte zu intensivieren.

Redaktion der KO

Gemeinsame Schlusserklärung des 24. Internationalen Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien

eigene Übersetzung, hier im Original zu lesen

Das Erbe der Kubanischen Revolution anlässlich des 100. Geburtstags Fidels verteidigen und würdigen und die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba festigen; gemeinsame Aktionen verstärken und Kräfte für den Frieden und gegen imperialistische Aggression bündeln.

Die in Havanna, Kuba, versammelten kommunistischen und Arbeiterparteien:

Erkennen an, dass der gegenwärtige internationale Kontext komplex ist und dass die aggressiven und interventionistischen Politiken der Vereinigten Staaten und anderer imperialistischer Mächte eine Bedrohung darstellen. Diese stehen im Rahmen des imperialistischen Systems und der darin vorherrschenden Beziehungen von Rivalität und Zusammenarbeit. Ziel ist die Verteidigung der Souveränität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung unserer Völker, die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Beendigung der Ursachen imperialistischer Kriege, von Armut und der Unterdrückung der Völker sowie die Gewährleistung des Schutzes der Umwelt.

Unterstreichen die Bedeutung von Einheit, Solidarität und Zusammenarbeit zwischen kommunistischen und Arbeiterparteien als grundlegenden Weg, um eine entschlossene Antwort auf die weltweit zunehmende Ungleichheit und Ausbeutung in kapitalistischen Ländern zu geben, ebenso wie auf die Verschärfung der Rivalitäten und Widersprüche innerhalb des imperialistischen Systems selbst und auf die von den Vereinigten Staaten angeführte kriegerische Offensive, die neue Aggressionen und Konflikte hervorruft.

Betonen die Bedeutung einer Verstärkung der Debatten und Diskussionen über Themen, die zur Vernetzung und zu einem Zusammenwirken der kommunistischen und Arbeiterparteien beitragen, die diese historische Plattform bilden und sich ihrem 30-jährigen Bestehen nähern.

Bekräftigen die anhaltende Bedeutung des Denkens des historischen Führers der Kubanischen Revolution, des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, im Zusammenhang mit dem Gedenken an seinen 100. Geburtstag. Seine Ideen, die sich gegen kapitalistische Ausbeutung richten und zutiefst antiimperialistisch, humanistisch, internationalistisch und auf Solidarität ausgerichtet sind, sind von wesentlicher Bedeutung, um den gewaltigen Herausforderungen der gegenwärtigen internationalen Lage zu begegnen, das Wiedererstarken des Faschismus aufzuhalten und künftige Generationen vor der Geißel des Imperialismus und des Krieges zu schützen. Seine Bemühungen und konkreten Maßnahmen im Kampf für den Sozialismus sowie zur Stärkung der Einheit und des gemeinsamen Handelns der kommunistischen und Arbeiterparteien und aller antikolonialistischen und antiimperialistischen Kräfte sind heute von außerordentlicher Bedeutung und bilden den Weg für weitere Fortschritte bei einer dynamischen und starken Zusammenarbeit im Konflikt mit dem Großkapital und seiner Macht.

Sein unerschütterliches Eintreten für einen echten Frieden für alle Völker, für das Völkerrecht sowie für die in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Ziele und Grundsätze – ermöglicht durch die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder und heute untergraben – verpflichtet uns, die Banner des Kampfes für eine wahrhaft gerechte, demokratische und gleichberechtigte internationale Ordnung für unsere Völker hochzuhalten, die der Sozialismus garantieren kann.

Bekräftigen erneut ihre Solidarität mit der Kommunistischen Partei Kubas und dem mutigen kubanischen Volk, das angesichts der gegenwärtigen imperialistischen Aggression Widerstand leistet, die auf die Versuche der derzeitigen Regierung der Vereinigten Staaten zurückgeht, die Revolution zu stürzen und die Errungenschaften der vergangenen 67 Jahre rückgängig zu machen.

Verurteilen die genozidale und unmenschliche Wirtschafts-, Handels-, Finanz- und Energieblockade, die von der Regierung der Vereinigten Staaten verhängt wurde und deren verheerende Auswirkungen das tägliche Leben aller Kubaner schwer beeinträchtigen und das legitime Recht des Landes auf Entwicklung behindern. Dieses System einseitiger Zwangsmaßnahmen wird zunehmend umfassender und wurde durch zwei präsidentielle Anordnungen weiter verschärft, die seinen illegalen und zwanghaften Charakter verstärken.

Prangern an, dass Armeegeneral Raúl Castro Ruz vom Justizministerium willkürlich angeklagt wurde, als Teil einer Strategie, seine Größe und seine ungebrochene Legitimität zu diskreditieren.

Fordern den Ausschluss Kubas von der haltlosen und einseitigen US-amerikanischen Liste vermeintlicher staatlicher Unterstützer des Terrorismus. Diese Einstufung sei völlig bedeutungslos, wenn man sich die mehr als 3.000 Opfer vor Augen führe, die das edle kubanische Volk durch diesen Terrorismus erlitten habe.

Betonen den unumkehrbaren Willen des kubanischen Volkes, den Sozialismus als einziges System aufzubauen und zu verwirklichen, das die vollständige menschliche Freiheit garantieren könne.

In diesem Zusammenhang vereinbaren sie folgende Maßnahmen:

1. Die Unterstützung und Solidarität mit dem kubanischen Volk, der Kommunistischen Partei Kubas und der Revolution angesichts der gegenwärtigen imperialistischen Aggression fortzusetzen.

2. Verschiedene Aktionen und Initiativen zu koordinieren, um die Anprangerung der von der Regierung der Vereinigten Staaten gegen Kuba verhängten Wirtschafts-, Handels-, Finanz- und Energieblockade zu verstärken.

3. Die weitere Stärkung der Zusammenarbeit und Einheit zwischen kommunistischen und Arbeiterparteien im Kampf gegen Imperialismus und Kapitalismus, zur Verteidigung und Bekräftigung von Souveränität und Rechten sowie zur Erreichung von Frieden und Sozialismus voranzutreiben.

4. Die Solidarität mit den Kämpfen der Völker weltweit weiterzuentwickeln, die ihre Souveränität und ihre Rechte gegen imperialistische Aggression und Einmischung verteidigen, darunter der Kampf des palästinensischen Volkes und anderer Völker des Nahen Ostens, Lateinamerikas und der Karibik sowie Afrikas.

5. Die Solidaritätsbewegung mit den Völkern gegen imperialistische Aggression sowie die Kämpfe der Arbeiterklasse und der Völker weltweit zu fördern, um die Geschichte der kommunistischen Bewegung und der Klassenkämpfe zu würdigen und anlässlich des 30. Jahrestages ihrer Gründung im Jahr 2028 die Schlussfolgerungen aus der Entwicklung des IMCWP (International Meeting of Communist and Workers‘ Parties) zu analysieren.

Resolution der RKAP und KPRF

eigene Übersetzung, hier im Original zu lesen

Lasst und das Banner des Kampfes nicht fallen lassen!

Die KPRF, die RKRP und die meisten Parteien der ehemaligen Republiken der Sowjetunion „konnten aufgrund der hohen Reisekosten und aus anderen Gründen nicht persönlich am 24. internationalen Treffen der kommunistischen und Arbeiterparteien in Kuba teilnehmen, doch wir begrüßen alle Mitstreiter und bringen unseren Standpunkt in dem Aufruf ‚Lasst uns das Banner des Kampfes nicht fallen lassen!‘ zum Ausdruck.

Aufruf der kommunistischen und Arbeiterparteien zur Fortsetzung des Kampfes für den Kommunismus im Jahr des hundertsten Geburtstags des Genossen Fidel.

Unsere Vorgänger und Lehrer haben ihren Weg würdig beschritten und uns die große Lehre des Kommunismus sowie reichste Erfahrungen aus dem revolutionären Kampf unter den unterschiedlichsten und schwersten Bedingungen hinterlassen. Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao Zedong, Kim Il-sung, Ho Chi Minh und andere Kämpfer für die Sache des Volkes waren keine Heiligen, aber sie waren der Idee der Befreiung der Arbeit vom Joch des Kapitals bedingungslos ergeben. Der vor zehn Jahren von uns geschiedene Genosse Fidel, dessen hundertsten Geburtstag wir am 13. August begehen, bekräftigte: „Ein Leben ohne Ideen ist nichts wert. Es gibt kein größeres Glück, als für sie zu kämpfen“. Dabei betrachteten unsere Lehrer die Lehre des Marxismus als Wissenschaft, warnten uns vor Dogmatismus, Revisionismus und Nationalismus, prüften die Theorie anhand der Praxis und scheuten sich nicht, begangene Fehler einzugestehen. Infolge der begangenen Fehler erlitt der Sozialismus in der Sowjetunion und in den osteuropäischen Ländern eine vorübergehende Niederlage, doch die Idee des Kommunismus lebt weiter, und die Wissenschaft des Kommunismus ist keineswegs überholt. Genosse Fidel betonte, dass „man mit Sicherheit behaupten kann, dass es nur eine revolutionäre Wissenschaft gibt, und diese revolutionäre Wissenschaft ist der Marxismus-Leninismus.“

Heute, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, durchlebt die Welt eine Phase des reaktionären Aufschwungs. Die Kräfte des Weltimperialismus unter der Führung der USA und der NATO schüren im Kampf um die weltweite Vorherrschaft Spannungen in vielen Regionen der Welt und schrecken dabei nicht davor zurück, blutige militärische Konflikte zu entfachen. Wir alle sind uns einig, dass es unmöglich ist, die heutigen Umwälzungen in der Welt zu verstehen, ohne sich auf die Methodik der ökonomischen Analyse der leninistischen Imperialismustheorie zu stützen. Wladimir Iljitsch selbst schrieb im Vorwort zur bereits nachrevolutionären Ausgabe des Werkes: „Ich möchte hoffen, dass meine Broschüre dazu beiträgt, die grundlegende wirtschaftliche Frage zu klären, ohne deren Untersuchung man bei der Beurteilung des heutigen Krieges und der heutigen Politik nichts verstehen kann, nämlich: die Frage nach dem wirtschaftlichen Wesen des Imperialismus.“

Das richtige Verständnis von Lenins Imperialismustheorie besteht darin, dass nicht einfach die gesamte kapitalistische Welt den Weg des Imperialismus beschreitet, in dem Sinne, dass es heute überall, in allen Ländern, schon lange keinen freien Markt mehr gibt, sondern dass Monopole herrschen. Nicht weniger wichtig ist eine weitere These – W. I. Lenin hat die Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung aufgezeigt und auf die zunehmende wirtschaftliche Differenzierung im Zusammenhang mit der Entstehung von Monopolen, Finanzkapital und internationalen Kapitalistenverbänden hingewiesen. Es entsteht die wirtschaftliche Grundlage des Imperialismus, worüber W. I. Lenin schrieb: „Wie in diesem Buch bewiesen wird, hat der Kapitalismus nun eine Handvoll (weniger als ein Zehntel der Weltbevölkerung, selbst bei einer ‚großzügigen‘ und übertriebenen Berechnung – weniger als ein Fünftel) besonders reicher und mächtiger Staaten hervorgebracht, die – durch einfaches ‚Kuponschneiden‘ – die ganze Welt ausplündern.“

Genau diese Feststellung über die Entstehung des Kerns des Imperialismus, einer Meute der stärksten und am weitesten entwickelten Raubtiere, vermittelt ein Verständnis für das Wesen der ablaufenden Prozesse und bestimmt die Einschätzung des tatsächlichen Wesens (nach Lenin) der laufenden Kriege in der Ukraine, in Palästina, im Iran, im Libanon und anderen Regionen. Diese blutenden Brennpunkte und die potenziell explosive Lage rund um Venezuela, Kuba, Nordkorea und andere Orte sind Glieder eines einheitlichen Prozesses, der vom Imperialismus unter der Führung der USA und der NATO vorangetrieben wird. Ein großer Fehler einiger Parteien besteht darin, die aggressive Politik des Imperialismus isoliert nach Regionen und Ländern zu betrachten. Dieselbe Gruppe von Imperialisten hetzt die Kiewer Strafkommandos gegen Russland auf und fördert den Völkermord der israelischen Zionisten am Gazastreifen. Die gleichzeitigen Behauptungen einiger Genossen, dass der Widerstand Palästinas gerechtfertigt sei, während der Krieg Russlands und des Donbass gegen die Nazis eine unberechtigte Invasion derselben Imperialisten darstelle, sind äußerst unlogisch und widersprechen der Dialektik.

Es ergibt sich eine offensichtliche Absurdität, wenn einige Genossen, während sie sich gegen die aggressive Politik der NATO aussprechen, die Aggression der NATO und der EU gegen Russland außer Acht lassen und von einer Verurteilung ablenken. Sie behaupten darüber hinaus, dass es sich um identische imperialistische Kräfte handele. Daraus ergeben sich auch andere falsche Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wahl der Verbündeten und der Unmöglichkeit, breite antifaschistische Fronten zu bilden.

Genosse Stalin rief in seiner Rede auf dem letzten XIX. Parteitag der KPdSU (1952) die kommunistischen Parteien der Welt auf: „Das Banner der bürgerlich-demokratischen Freiheiten wurde über Bord geworfen. Ich denke, dass es an euch, den Vertretern der kommunistischen und demokratischen Parteien, liegen wird, dieses Banner zu hissen und es voranzutragen, wenn ihr die Mehrheit des Volkes um euch scharen wollt. Es gibt niemanden mehr, der es hissen könnte.“

Heute, da die Spannungen in der Welt immer weiter zunehmen und die Gefahr eines neuen Weltkriegs unter Einsatz von Atomwaffen Realität wird, da in den EU-Ländern und anderen kapitalistischen Staaten immer mehr Elemente des Antikommunismus und der Faschisierung der Politik zu beobachten sind, wenn in der Aggression der NATO gegen Russland immer offener Anklänge an Revanchismus für die Niederlage des Antikomintern-Paktes im Jahr 1945 zu erkennen sind, ist es die Aufgabe der Kommunisten, – um es mit den Worten des Genossen Fidel zu sagen – jener revolutionären Wissenschaft zu folgen, die der Marxismus-Leninismus darstellt.

Unsere Aufgabe besteht darin, alle Kräfte in einer breiten antifaschistischen Front zu vereinen und alle möglichen Verbündeten zu gewinnen, um der größten Bedrohung für den Frieden – dem faschistoiden Imperialismus der USA und der NATO – entgegenzutreten. Zu diesem Zweck rufen wir dazu auf, die Möglichkeiten der Gemeinschaft Solidnet, die Errungenschaften der Antifaschistischen Foren und der Weltweiten Antiimperialistischen Plattform zu nutzen. Wir rufen alle Menschen guten Willens dazu auf, die Einheitsfront der fortschrittlichen, linken, kommunistischen, patriotischen, antikolonialen und antifaschistischen Kräfte zu stärken. Wir müssen unsere Kräfte in unserem gerechten Kampf bündeln. Indem wir als Einheitsfront auftreten, müssen wir Antikommunismus, Antisowjetismus und Russophobie entlarven, die Rechte der Werktätigen verteidigen und für einen gerechten und sicheren Frieden kämpfen.

Dabei dürfen die Kommunisten niemals die Perspektive des Kampfes aus den Augen verlieren – nur ein Frieden gleichberechtigter Völker, der Sozialismus als System der sozialen Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit der Werktätigen wird die Menschheit vor Faschismus, Terrorismus und Krieg schützen.

Der Mut und die Standhaftigkeit Kubas, das Vermächtnis unserer Lehrer und unseres Genossen Fidel inspirieren uns, den Kampf fortzusetzen.

Lasst uns das Banner des Kampfes für die Arbeiterbewegung nicht fallen lassen!

Nein dem „demokratischen“ Neofaschismus, dem Antikommunismus und dem Terrorismus!

Wir werden nicht zulassen, dass der Frieden zerstört wird! No pasarán! Sie werden nicht durchkommen!

Es lebe die internationale Solidarität der Werktätigen!

Beitrag der KKE

eigene Übersetzung und in gekürzter Form, hier vollständig zu lesen

(…) Liebe Genossen,

Die Versprechungen der imperialistischen Führungsschichten und bürgerlichen Regierungen, dass die konterrevolutionären Umstürze von 1989–1991 eine neue Welt des Friedens und des Wohlstands für die Völker einläuten würden, haben sich als das genaue Gegenteil der Realität erwiesen. Stattdessen haben sie neue imperialistische Kriege und Interventionen mit sich gebracht; eine verschärfte Ausbeutung der Arbeiterklasse auf internationaler Ebene; eine sich vertiefende relative und absolute Verarmung; kapitalistische Krisen, deren Lasten von den Völkern getragen werden; sowie Wellen von Millionen von Migranten und Flüchtlingen als Folge imperialistischer Barbarei.

Auch 35 Jahre später bleibt das Kräfteverhältnis für den Klassenkampf weltweit ungünstig, trotz der Probleme, mit denen der Kapitalismus konfrontiert ist, und der Verschärfung seiner Widersprüche. Gleichzeitig deuten die Entwicklungen zunehmend auf ein System im Verfall hin, das historisch überholt ist.

In den Händen des Kapitals werden neue technologische Möglichkeiten nicht dazu genutzt, den wachsenden sozialen Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern vielmehr dazu, die Profitabilität der Wenigen – der Kapitalisten – zu steigern, den Grad der Ausbeutung zu verschärfen und die Unterdrückung und Manipulation der Arbeiterklasse sowie der Bevölkerung im weiteren Sinne zu verstärken. Die Weigerung, moderne wissenschaftliche und technologische Möglichkeiten zu nutzen – vor allem, um die reguläre Wochenarbeitszeit zu verkürzen und gleichzeitig die Löhne zu erhöhen, feste Arbeitszeiten festzulegen, die Gesundheit und Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, ihren Bildungsbedarf zu decken und die Umwelt zu schützen –, verdeutlicht die Verschärfung des grundlegenden Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit.

Die Konjunkturabschwächung der internationalen Wirtschaft in den letzten Jahren verdeutlicht das enorme Volumen an überakkumuliertem Kapital, das nicht so rekapitalisiert werden kann, dass eine zufriedenstellende Profitrate gesichert ist. Kapitalistische Wirtschaftskrisen treten periodisch als Folge der normalen Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft auf. Sie sind keine Abweichungen davon, sondern entspringen dem Kern der Funktionsweise des kapitalistischen Systems.

Die vergangene Periode hat erneut gezeigt, dass kein Modell bürgerlicher Wirtschaftspolitik – sei es keynesianisch oder neoliberal, basierend auf expansiver oder restriktiver Finanz- und Geldpolitik – den Kreislauf kapitalistischer Wirtschaftskrisen durchbrechen, die Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Produktion überwinden oder die gleichzeitige Schaffung von Reichtum und Armut beseitigen kann, d. h. den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Aneignung ihrer Ergebnisse, der den grundlegenden Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise darstellt.

In diesem Zusammenhang werden eine Hinwendung zur Kriegswirtschaft und Vorbereitungen für einen großangelegten imperialistischen Krieg vorangetrieben. Einerseits bietet dies ein Betätigungsfeld für ungenutztes Kapital; andererseits dient es einem doppelten Zweck: Es erleichtert eine neue Aufteilung der Märkte und Transportwege und schafft gleichzeitig Investitionsmöglichkeiten in kriegsgeschüttelten Gebieten. Diese Strategie geht einher mit einer Verschärfung der Ausbeutung der Arbeiter*innen, Kürzungen bei den sozialpolitischen Ausgaben sowie zunehmendem Autoritarismus und Repression.

Einmal mehr wird deutlich, dass es kein Verbrechen gibt, vor dem das Großkapital zurückschrecken würde, um seine Macht zu bewahren und seine Profite zu maximieren. Aus denselben Gründen, aus denen es in dieser Phase des imperialistischen Friedens seinen Angriff auf die Einkommen und Rechte der Arbeiter*innen eskaliert, zieht es die Völker in den Krieg. All diese Entwicklungen bestätigen, dass der einzige fortschrittliche Ausweg in unserer Zeit der revolutionäre Übergang zum Sozialismus – Kommunismus ist. Die strikte Einhaltung der Gesetze, die die sozialistische Revolution und den Aufbau der neuen Gesellschaft regeln, die Zerschlagung des bürgerlichen Staates, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die zentrale wissenschaftliche Planung als kommunistisches Gesellschaftsverhältnis sind unersetzliche Werkzeuge in den Händen der Arbeitermacht.

Die weit verbreiteten konterrevolutionären Umstürze der letzten 35 Jahre ändern nichts am Charakter unserer Epoche. Wir leben in einer Epoche, in der der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus eine Notwendigkeit ist, da die materiellen Voraussetzungen für die sozialistische Organisation von Produktion und Gesellschaft gegeben sind, obwohl sich der subjektive Faktor in vielen Fällen als unzureichend entwickelt erwiesen hat und in erheblichem Maße noch eingeschränkt ist. Der Charakter der Revolution wird nicht durch das Kräfteverhältnis bestimmt; in der Ära des Imperialismus wird die Revolution sozialistisch sein. Die Strategie der Zwischen- und Übergangsstadien hat zusammen mit bürgerlichen Vorstellungen vom Sozialismus, die diesen mit keynesianischer Politik auf der Grundlage einer „Mischwirtschaft“ oder mit vielfältigen Eigentumsformen – wie staatlichem, kapitalistischem und kleinbäuerlichem Wareneigentum – gleichsetzen, in den vergangenen 35 Jahren als Vehikel der Konterrevolution gedient und damit die Vorherrschaft der Monopole und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufrechterhalten.

Die Neuverteilung der Welt unter den Imperialisten im 21. Jahrhundert

Achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs rückt die Gefahr eines allgemeinen dritten imperialistischen Weltkriegs immer näher. Die ungleiche Entwicklung als Grundgesetz des Kapitalismus führt zu Verschiebungen im Kräfteverhältnis zwischen kapitalistischen Staaten und imperialistischen Bündnissen. Die Rivalitäten zwischen den Imperialisten verschärfen sich, imperialistische Achsen werden erschüttert und neu ausgerichtet, und die Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Staaten spitzen sich zu.

Der Hauptfaktor, der den imperialistischen Wettbewerb und die Konflikte auf internationaler Ebene antreibt und verschärft, ist der Niedergang der wirtschaftlichen Macht der USA im Zusammenhang mit dem Aufstieg Chinas, verbunden mit der Verschärfung der Widersprüche zwischen den Mitgliedstaaten der NATO und der EU sowie innerhalb dieser Staaten selbst. Dem bisher entstandenen euro-atlantischen Bündnis steht das sich herausbildende eurasische Bündnis gegenüber, dessen Hauptmächte China – das im Begriff ist, die führende Position in der globalen kapitalistischen Wirtschaft einzunehmen – und Russland sind, das nach wie vor die zweitstärkste Militärmacht der Welt darstellt.

Von Lateinamerika bis Grönland und von den Ebenen Osteuropas bis zur indopazifischen Region entbrennt ein erbitterter imperialistischer Wettstreit um die Kontrolle über Märkte, natürliche Ressourcen sowie Energie- und Rohstofftransportrouten. Dies hat bereits zu zwei regionalen imperialistischen Kriegen geführt – in der Ukraine und im Nahen Osten –, in die eine große Zahl kapitalistischer Staaten aus aller Welt auf die eine oder andere Weise verwickelt ist. Gleichzeitig bestehen Dutzende weiterer Krisenherde fort, an denen Menschen im Streben nach den Interessen der Monopole niedergemetzelt werden.

Unter diesen Bedingungen verlieren diplomatische Mittel für die bürgerlichen Staaten zunehmend an Bedeutung, während Handels- und Wirtschaftskriege Vorrang erhalten; der Übergang zur sogenannten Kriegswirtschaft breitet sich aus; Kriegsbudgets und Rüstungsausgaben steigen; neue Waffensysteme werden getestet und Atomwaffenarsenale modernisiert; und insgesamt beschleunigen sich die Vorbereitungen der bürgerlichen Staaten auf eine allgemeine militärische Konfrontation.

Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA ist Ausdruck und Anpassung der unmittelbaren Prioritäten der USA im Rahmen der großen Konfrontation mit China. Sie legt die Ziele und gefährlichen Pläne dar, die von US-Monopolen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent verfolgt werden, um China entgegenzuwirken.

In diesem Zusammenhang wurde Venezuela vor einigen Monaten zum Ziel einer militärisch-imperialistischen Intervention der USA, die darauf abzielte, das Vordringen US-amerikanischer Finanzkonzerne zu erleichtern – wie die Entwicklungen gezeigt haben, mit Zustimmung von Teilen des Staatsapparats und wichtiger Amtsträger der sozialdemokratischen Regierung. Ihr Ziel ist es, den US-Monopolen die Ausbeutung der riesigen Bodenschätze Venezuelas auf Kosten ihrer Konkurrenten zu ermöglichen. Im Nahen Osten treiben die USA ihren Plan voran, die gesamte Region im Interesse ihrer Monopole umzugestalten, wobei Israel durch die sogenannten „Abraham-Abkommen“ in den Status eines zentralen „Akteurs“ erhoben wird. Das palästinensische Volk wird auf dem Altar imperialistischer Pläne für einen „Neuen Nahen Osten“ und die neue indische Handelsroute des IMEC geopfert, die als Konkurrenz zur chinesischen Seidenstraße konzipiert ist. Nach der Zerstörung des Gazastreifens und dem andauernden Völkermord am palästinensischen Volk treiben die USA und Israel einen Plan voran, den Gazastreifen in ein Protektorat umzuwandeln. Gemeinsam mit anderen kapitalistischen Staaten haben sie das sogenannte „Board of Peace“ ins Leben gerufen, das im Namen des Wiederaufbaus palästinensische Gebiete mit Füßen tritt und gleichzeitig Investitionen in Milliardenhöhe plant, um die natürlichen Reichtümer und geografischen Vorteile der Region an sich zu reißen und auszubeuten.

Hinter der imperialistischen militärischen Aggression gegen den Iran, die am 28. Februar 2026 begann, steht die Durchsetzung der Monopolinteressen der USA, Israels und der EU. Der Iran ist ein bedeutendes kapitalistisches Land, das sich dem aufstrebenden eurasischen imperialistischen Lager angeschlossen hat. Der von den USA und Israel gegen den Iran gestartete Militärangriff, dessen Opfer das iranische Volk ist, ist Teil der US-Strategie zur Sicherung von „Lebensraum“, um ihre führende Position innerhalb des internationalen imperialistischen Systems zu behaupten. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf den kapitalistischen Markt, der die Produktion und den Transport von Erdöl und Erdgas regelt, insbesondere durch die Blockade der Straße von Hormus, für die das Volk einen hohen Preis zahlt. Bislang ist es den US-Imperialisten gemeinsam mit Israel nicht gelungen, ihre erklärten Ziele zu erreichen. Das iranische Volk leistet weiterhin Widerstand, während sich parallel zu den laufenden Gesprächen eine gefährliche militärische Eskalation abzeichnet.

Die Praxis hat gezeigt, dass Waffenstillstände und Vereinbarungen, die im Rahmen des „imperialistischen Friedens“ erzielt werden, brüchig und vorübergehend sind und den Weg für neue Phasen imperialistischer Kriege ebnen. Der Kampf um die Aufteilung der imperialistischen Beute verschärft die Widersprüche sogar innerhalb der Reihen des euro-atlantischen Lagers, wie auf dem jüngsten NATO-Gipfel in Ankara deutlich wurde. Die Widersprüche zwischen den USA und der EU in Bezug auf Handel, Zölle, Grönland, die Beziehungen zu China und andere Themen haben sie jedoch nicht davon abgehalten, die umfangreichen Rüstungsprogramme der NATO auszuweiten und die militärischen Vorbereitungen zu intensivieren, deren Kosten die Bevölkerung durch immense Opfer tragen wird.

Die KKE hat gemeinsam mit Dutzenden anderer kommunistischer Parteien den imperialistischen Charakter des Krieges in der Ukraine auf beiden Seiten hervorgehoben. Sie hat darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung der Ukraine den Preis für die Rivalitäten und Interventionen der NATO und der EU zahlt, die einerseits die Regierung Selenskyj und andererseits das kapitalistische Russland unterstützen. Sie hat die Verantwortung der bürgerlichen Klassen aller beteiligten Kräfte hervorgehoben, deren Vorwände zurückgewiesen und die antikommunistische und antisowjetische Verfälschung der Geschichte widerlegt, auf die beide Seiten zurückgreifen. Sie hat zudem die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes der Völker betont und sich gegen die vielschichtige Verstrickung Griechenlands in den Krieg ausgesprochen, für die die Verantwortung bei der Regierung der Neuen Demokratie und allen euro-atlantischen Parteien liegt, die die Strategie der Stärkung der Rolle der griechischen Bourgeoisie unterstützen und die NATO sowie die EU verteidigen. Die europäischen Staaten der euro-atlantischen Koalition haben die sogenannte „Allianz der Willigen“ gebildet, um sich einen Anteil an der Beute zu sichern, zugunsten ihrer eigenen Monopole zu intervenieren und an der Bereitstellung von „Sicherheitsgarantien“ mitzuwirken. Die Diskussionen über die „strategische Autonomie“ der EU verschärfen sich, während Hunderte von Milliarden Euro über das Programm „ReArm Europe“ und andere Initiativen zur militärischen Bereitschaft in die Rüstungsindustrie fließen.

Die KKE hat ihren programmatischen Standpunkt und die Richtung ihres Handelns in Bezug auf den imperialistischen Krieg klar definiert. Wir werden nicht unter einer fremden Flagge marschieren. Stattdessen wird die Partei den Kampf der Arbeiter und des Volkes in all seinen Formen anführen, damit das Volk, vereint in einer Arbeiter- und Volksfront, Freiheit und einen Ausweg aus dem kapitalistischen System erringen kann, das, solange es vorherrscht, Krieg und Frieden mit einer Waffe an der Schläfe des Volkes erzwingt. Diese programmatische Ausrichtung stellt hohe Anforderungen an die Partei und ist verbunden mit der Stärkung ihrer ideologischen und politischen Gesamtfähigkeit, ihrem revolutionären Charakter unter allen Umständen gerecht zu werden. Sie erfordert entschlossenes und fundiertes Eingreifen in den ideologischen und politischen Kampf, der sich derzeit entfaltet und in der kommenden Zeit noch verschärfen wird.

Die Arbeiterklasse und die mit ihr verbündeten Volkskräfte haben kein Interesse daran, sich dem einen oder anderen imperialistischen Lager anzuschließen oder zwischen rivalisierenden Lagern von Dieben zu wählen. Die zentrale Aufgabe für die Arbeiterklasse in unserem Land sowie für die anderen verbündeten Volksschichten besteht darin, zu vermeiden, unter verschiedenen Vorwänden und Illusionen in die Fänge der Ziele des imperialistischen Euro-NATO-Lagers zu geraten, an dem der griechische bürgerliche Staat beteiligt ist; dafür zu kämpfen, dass sich Griechenland aus den imperialistischen Plänen löst; Skepsis und Misstrauen gegenüber der bürgerlichen Regierung und dem Staat zu schüren; für den Austritt aus der NATO, der EU und allen imperialistischen Bündnissen zu kämpfen; und das Verständnis zu stärken, dass Arbeiter und Kapitalisten keine gemeinsamen nationalen Interessen teilen, selbst in Kriegszeiten nicht.

Keine Opfer für die Profite und Kriege der Kapitalisten. In einer Welt, die in Flammen steht, kann der unabhängige Vorreiterkampf der Arbeiterklasse und des Volkes, mit der KKE an der Spitze, siegreich sein.

Zur internationalen kommunistischen Bewegung

Es ist allgemein bekannt, dass der imperialistische Krieg in der Ukraine neue Spaltungen innerhalb der chronischen und tiefgreifenden ideologischen, politischen und organisatorischen Krise der internationalen kommunistischen Bewegung (IKB) hervorgerufen hat. Diese Frage ist von größter Bedeutung für den Verlauf des Klassenkampfes, dessen internationale Dimension entscheidend ist.

Diese Situation ist zu einem Zeitpunkt entstanden, zu dem die Entwicklungen die Notwendigkeit einer revolutionären Neuformierung der kommunistischen Bewegung unterstrichen haben. Dieses Ziel wird von der KKE und den kommunistischen Parteien, mit denen sie im Rahmen der Europäischen Kommunistischen Aktion (ECA) und der Internationalen Kommunistischen Revue (ICR) zusammenarbeitet, sowie von Dutzenden anderer kommunistischer Parteien weltweit vertreten. In diesem Bestreben streben wir insbesondere gemeinsames Handeln und Zusammenarbeit mit kommunistischen Parteien und kommunistischen Kräften an, die die folgenden Kriterien erfüllen:

a) Sie bekennen sich zum Marxismus-Leninismus und zum proletarischen Internationalismus.

b) Sie lehnen Opportunismus und Reformismus ab; sie lehnen eine Mitte-Links- oder sozialdemokratische Führung sowie jede Form bürgerlicher Führung, die Beteiligung an oder Unterstützung für bürgerliche Regierungen und alle Varianten der Stufenstrategie ab.

c) Sie verteidigen die wissenschaftlichen Gesetze der sozialistischen Revolution. Sie wenden diese bei der Bewertung des Verlaufs des sozialistischen Aufbaus an, bemühen sich, dessen Probleme und Fehler zu untersuchen und Lehren daraus zu ziehen, und lehnen Positionen ab, die einen „Marktsozialismus“ befürworten oder die wissenschaftlichen Gesetze des sozialistischen Aufbaus unter Berufung auf nationale Besonderheiten leugnen.

d) Sie verurteilen den imperialistischen Krieg und weisen auf die Verantwortung der bürgerlichen Klassen auf beiden Seiten hin. Sie treten ideologisch gegen falsche Vorstellungen vom Imperialismus auf – insbesondere gegen solche, die dessen militärische Aggression von ihrer wirtschaftlichen Grundlage trennen – und lehnen jedes imperialistische Bündnis ab. Sie weigern sich, in imperialistischen Konflikten Partei zu ergreifen.

e) Sie pflegen enge Verbindungen zur Arbeiterklasse, streben nach aktiver Beteiligung an der Gewerkschaftsbewegung und an den Bewegungen der Volksschichten der städtischen und ländlichen Mittelschicht und versuchen, den alltäglichen Kampf für die Rechte der Arbeiter und des Volkes in eine zeitgemäße revolutionäre Strategie für die Arbeitermacht zu integrieren.

f) Sie trennen den Kampf gegen Krieg und Faschismus nicht vom Kampf gegen den Kapitalismus, der diese hervorbringt. Sie lehnen einen vorgetäuschten „Antifaschismus“ und die verschiedenen „antifaschistischen Fronten“ ab, die von bürgerlichen und opportunistischen Kräften eingesetzt werden, um die Menschen in ihre Pläne zu verstricken. Sie führen einen ideologischen und politischen Kampf gegen den Antikommunismus und die Unterdrückung von Arbeiter- und Volkskämpfen.

Die KKE, die dem Prinzip des proletarischen Internationalismus treu bleibt und sich des internationalen Charakters des Klassenkampfes sowie der Notwendigkeit einer einheitlichen revolutionären Strategie innerhalb der kommunistischen Bewegung bewusst ist, strebt die Bildung eines marxistisch-leninistischen Pols und die revolutionäre Neuformierung der europäischen und internationalen kommunistischen Bewegung an. (…)

Resolution der KKE

eigene Übersetzung, hier im Original zu lesen

Kommunistische und Arbeiterparteien gegen imperialistische Krieg

Der Kampf der Arbeiter und Völker wird mit einer unabhängigen Linie, fern von allen bürgerlichen und imperialistischen Plänen, stärker werden.

Mit dieser Resolution, anlässlich des 24. Internationalen Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien in Havanna vom 7. bis 9. August 2026, bekunden wir unsere Solidarität mit Kuba und seinem Volk. Wir ehren das Andenken und den historischen Beitrag des Comandante Fidel Castro Ruz, des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Kubas und der Kubanischen Revolution, anlässlich des in diesem Jahr begangenen hundertsten Jahrestages seiner Geburt. Wir bekunden unsere Solidarität und stehen an der Seite der Völker Palästinas, des Libanon und Irans sowie aller Völker, die der Barbarei des Kapitalismus, der Ausbeutung durch die Klassen, antidemokratischen Verboten und Einschränkungen der gewerkschaftlichen und politischen Tätigkeit und insbesondere imperialistischen Interventionen und Kriegen ausgesetzt sind.

Der Krieg, der seit fünf Jahren auf dem Territorium der Ukraine geführt wird und das Blut zweier Völker vergießt, die jahrzehntelang gemeinsam gelebt und sich entwickelt haben, beim Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft und mit der Waffe in der Hand gegen den Faschismus gekämpft und ihn besiegt haben – einen Faschismus, den das kapitalistische System hervorbringt –, beruht auf der Beseitigung des Sozialismus und der Auflösung der Sowjetunion.

Es ist ein Krieg, der im Rahmen des Kapitalismus geführt wird – um Rohstoffe, Energie, Transportwege für Waren, Produktionsmittel, geopolitische Einflussmöglichkeiten usw. Es ist ein Krieg, der von den bürgerlichen Klassen geführt wird – auf der einen Seite von der Bourgeoisie der Ukraine mit Unterstützung der USA, der NATO und der EU und auf der anderen Seite von der Bourgeoisie Russlands, unter Beteiligung Chinas usw. Es ist ein Krieg, der von den bürgerlichen Klassen instrumentalisiert wird, um die Geschichte zu verfälschen, die kommunistische und Arbeiterbewegung anzugreifen und zu unterdrücken – sowohl in der Ukraine und in Russland als auch in anderen Ländern. Es ist ein imperialistischer Krieg, der sich ausweiten und weitere Länder in Blutvergießen stürzen sowie die Welt aufgrund der Atomwaffen ins Verderben führen kann.

Die Arbeiter dürfen ihr Vertrauen nicht in eine „multipolare Welt“ setzen, die angeblich diesen oder einen anderen imperialistischen Krieg stoppen und zu einer friedlichen Welt führen wird, ohne das kapitalistische System zu stürzen. Die Kommunisten kämpfen gegen die Desorientierung der Völker und entlarven die Vorwände, die von beiden Seiten des Konflikts benutzt werden, um die Menschen dazu zu bringen, Partei zu ergreifen. Die eigentliche Frage lautet heute nicht, ob sich die von der NATO unterstützten Monopole der USA und der EU oder die Monopole Russlands und Chinas durchsetzen werden. Die eigentliche Frage ist die Entscheidung zwischen den Völkern auf der einen Seite und den Monopolen auf der anderen; zwischen Sozialismus und Barbarei. Der Kampf der Arbeiter und Völker wird mit einer unabhängigen Linie, fern von allen bürgerlichen und imperialistischen Plänen, stärker werden. Wir rufen zu einer Intensivierung des Kampfes gegen den imperialistischen Krieg auf.

Wir kämpfen sowohl gegen alte imperialistische Bündnisse wie die NATO und die EU, deren Entscheidungen das Feuer des Krieges weiter anfachen, als auch gegen neue imperialistische Bündnisse, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Wir kämpfen gegen ausländische Militärstützpunkte, allen voran jene der USA, die über die ganze Welt verteilt sind, sowie gegen die Entsendung von Truppen und Waffen und die Beteiligung unserer Länder am imperialistischen Konflikt. Wir lehnen die Einschränkung sozialer und arbeitsrechtlicher Rechte im Namen der Kriegsvorbereitungen ab und wenden uns gegen die Erhöhung der Militärausgaben und den Aufstieg des Militarismus. Wir unterstützen den Kampf der Völker gegen die Monopole, die bürgerlichen Klassen und die imperialistischen Bündnisse, für den Sturz des Kapitalismus und den Aufbau der neuen sozialistisch-kommunistischen Gesellschaft, was zugleich das Ende von Ausbeutung und Kriegen bedeuten wird.

Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!

1https://www.solidnet.org/article/24th-IMCWP-CP-of-Greece-Contribution-of-the-KKE-at-the-24th-International-Meeting-of-Communist-and-Workers-Parties/

2https://www.solidnet.org/article/24th-IMCWP-CP-of-the-Russian-Federation-/

3https://www.solidnet.org/article/24th-IMCWP-CP-of-Greece-Contribution-of-the-KKE-at-the-24th-International-Meeting-of-Communist-and-Workers-Parties/

4https://www.solidnet.org/article/24th-IMCWP-Opening-Speech-by-the-CP-of-Cuba/

5https://www.solidnet.org/article/24th-IMCWP-CP-of-Greece-Contribution-of-the-KKE-at-the-24th-International-Meeting-of-Communist-and-Workers-Parties/

Verharmlost und unterschätzt: Irrtümer zur AfD

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In diesem Meinungsbeitrag widmet sich Jakob Yasko den Reaktionen kommunistischer Gruppierungen und Parteien auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dabei kritisiert er Tendenzen die Rolle der AfD zu unterschätzen. Zugleich sieht er ein Problem darin, die Partei losgelöst vom deutschen Staatsapparat und dem reaktionär-militaristischen Staatsumbau zu betrachten. Seine These: Die AfD wurde von oben aufgebaut und tritt zur terroristischen Vollstreckung der Zeitenwende an.

Hier eine Übersicht der angesprochenen Texte:

Joshua Relko: ⁠AfD-Parteitagverhindern? | Kommunistische Partei⁠

Ekkehard Lieberam: Kriegsvorbereitung, Faschismusgefahr undDemokratiefrage, S.6. ⁠Faschismusgefahrund AfD⁠

Philipp Schneider: ⁠Allefünf Jahre grüßt das Murmeltier? | Kommunistische Partei⁠

Johannes Varwick: ⁠DeutscheZustände: »Ich wünsche mir eine klare Rechts-links-Sortierung in der Politik«,Tageszeitung junge Welt, 11.09.2026⁠

Michael Schirm: ⁠Die AfDund ihr Netzwerk » Perspektive⁠

Redaktion Perspektive Online: ⁠Landtagswahlin Mecklenburg-Vorpommern: Einheitsbrei oder faschistische Ideologie? »Perspektive⁠

Patrik Köbele: ⁠Was ist jetztzu tun?⁠

Martin Leo: ⁠Gegendie Spaltung⁠

Selbstbestimmtes Österreich: ⁠Sachsen-Anhalt:Kriegsregime zeigt Brüche | Selbstbestimmtes Österreich

Der Sozialismus lebt

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Vorwort

Wir veröffentlichen hier unsere gekürzte Übersetzung des Artikels von Wjatscheslaw Sytschjow, Sekretär für Ideologie des ZK der Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei (RKAP), über die Zukunft des Sozialismus in der Welt und für Russland im Besonderen. Sytschjow geht auf die Klassenverhältnisse in Russland ein, analysiert die seit Jahren wachsende Sympathie für den Sozialismus und erklärt, warum der vom Westen eskalierte Krieg in der Ukraine der Auftakt eines neuen Anlaufs zum Sozialismus in der Welt sein kann. Der Artikel gliedert sich in einen ersten historisch-allgemeineren und einen Teil, der sich konkret auf Russland bezieht.

Der Beitrag ist eine lesenswerte Analyse, deren Inhalte eine Seltenheit im deutschsprachigen marxistischen Debattenraum darstellen.

Die hier dargestellten Positionen und Analysen entsprechen nicht zwingend der Position der Kommunistischen Organisation.

Der Artikel ist im Theorieorgan der Partei „Marxismus und Gegenwart“ erschienen. Hier der Originalartikel (letzter Zugriff: 17.08.2026).

Die Redaktion


Der Sozialismus ist nach dem Zusammenbruch der UdSSR und des osteuropäischen sozialistischen Lagers nicht untergegangen. Die Lebensfähigkeit des Sozialismus zeigt sich darin, dass er selbst in den für ihn ungünstigsten Zeiten überall aufkeimt, in versteckten Formen in jedem kapitalistischen Staat präsent ist und sogar von den Bourgeois als Wettbewerbsvorteil genutzt wird. Der Artikel analysiert zudem den Faschismus und andere Formen der kapitalistischen Reaktion auf den Sozialismus. Den Kräften der Reaktion wird es nicht gelingen, das System zu ersticken, das sich durch die Dornen bahnt; es wird auf dem gesamten Planeten siegen.

„So schön ein Pferd auch sein mag, wenn der Reiter die Kunst des Reitens nicht beherrscht, wird er höchstwahrscheinlich stürzen, sobald er auf Schwierigkeiten und Hindernisse stößt.“

Ein koreanisches Sprichwort, das in der Rede des Führers Kim Il Sung anlässlich des Treffens der kommunistischen und Arbeiterparteien in Pjöngjang im Jahr 1992 und der Unterzeichnung der Pjöngjang-Erklärung zitiert wurde.

Als Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Sozialismus in den osteuropäischen Ländern und der UdSSR zusammenbrach, wurde die einzige vorherrschende Deutung dieser Katastrophen darin gesehen, den „Kommunismus“ (wie man den Sozialismus im Westen gewöhnlich nannte) als unhaltbar anzuerkennen. Der Durchschnittsbürger war überzeugt: Der Marxismus lag falsch, nur der Kapitalismus habe eine Zukunft. Nur wenige machten sich die Mühe, das Geschehen zu analysieren. Sich mit dem Gedanken an die nichtlineare Entwicklung komplexer Prozesse abzulenken, war damals nicht angesagt. Und worüber sollte man hier schon nachdenken? Der Triumph der „Demokratie“ (natürlich der bürgerlichen) – da ist er, direkt vor dem Fenster. Nun, und wo war denn der kommunistische Wohlstand (im vulgären Sinne verstanden – als ein bodenloser Futtertrog mit allen möglichen Konsumgütern)? Wo war der von den gestürzten Kommunisten versprochene Verfall des Kapitalismus? Der damals angesagte Sänger Talkow brachte die vorherrschende Stimmung in einer Zeile seines Liedes zum Ausdruck: „ So leben Amerika und Europa, bei uns läuft alles schief.“ Damit war gemeint, dass der im Westen erreichte Lebensstandard der breiten Bevölkerung die offensichtliche Überlegenheit des Kapitalismus demonstriert. Und die gesamte verzweigte und fortschrittliche sozialistische Wirtschaft verblasst im Vergleich zu dem Überfluss, den die im Kino gezeigten amerikanischen Supermärkte vermitteln.

Die theoretischen Grundsätze des verworfenen Leninismus wurden unter diesen neuen Bedingungen als Hirngespinst wahrgenommen. Nur wenige störte es, dass der Kapitalismus nach wie vor dieselben Widersprüche in sich birgt, die schon früher zu globalen Krisen, Weltkriegen und Revolutionen geführt hatten – und hat sich hier etwa etwas Grundlegendes geändert? Der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital ist ja keineswegs verschwunden (was angesichts der Abkehr vom organisierten Klassenkampf zu einer Verschärfung der Ausbeutung geführt hat). Oder ist vielleicht der Widerspruch zwischen den verschiedenen Finanzgruppen und imperialistischen Mächten in ihrem Kampf um Rohstoffquellen und fremde Gebiete (ständige Neuaufteilung der Einflusssphären, Kriege im Irak, in Jugoslawien, Libyen und Syrien) ? Pulsiert nicht weiterhin der von den Klassikern vor über hundert Jahren aufgedeckte Widerspruch zwischen einer Handvoll herrschender „zivilisierter“ Nationen und Hunderten von Millionen kolonialer und abhängiger Völker der Welt?

Dennoch hat die sich durchsetzende Praxis der Abkehr vom „Kommunismus“ die bisherige Theorie als etwas Unwesentliches beiseitegeschoben. Die Mehrheit hatte keinerlei Zweifel: Russland sei 1917 vom „Hauptweg der Zivilisation“, also vom vom Westen vorgegebenen Weg, „in die falsche Richtung“ abgekommen, doch nun sei es an der Zeit, auf den wahren Entwicklungsweg zurückzukehren, nämlich zu den kapitalistischen Verhältnissen.

Alle nachfolgenden Ereignisse rollten wie eine Dampfwalze über die Interessen der Arbeiter und der arbeitenden Intelligenz hinweg, woraufhin viele aus eigener Erfahrung zu der Überzeugung gelangten, dass die Liebe zum Kapitalismus zur Tragödie führt. Der Sozialismus gewinnt im Volk wieder an Popularität, bislang jedoch nur als allgemeine Idee und als Nostalgie für das sowjetische Leben – noch nicht in dem Maße, dass man den Weg des Aufbaus des Sozialismus wieder einschlagen und dafür organisierte und ausreichende Maßnahmen ergreifen möchte. Doch auch diese Verschiebung ist wichtig. Um dahin zu gelangen, mussten die Menschen die massive Verarmung der 90er Jahre durchleben, am eigenen Leib spüren, wie sich die neuen Machthaber von der bisherigen Sozialpolitik abwandten, unter Banditentum und räuberischer Privatisierung überleben und den Zusammenbruch der Industrie sowie die offensichtliche Herabstufung des sozialen Status des „Malochers“, der in dieser Zeit noch unter Dieben, Prostituierten, Betrügern und Bourgeois stand. Andere haben Tod, Völkermord und den Verlust von allem durchlebt. (…)

Kapitalismus ohne Beschönigung

Die Ursachen für die Rückkehr zum Kapitalismus in der UdSSR und in Osteuropa sind recht ausführlich untersucht worden. Betrachtet man jedoch den Untergang der ersten reifen Früchte der Oktoberrevolution aus der Distanz, so ergibt sich ein Gesamtbild: In einer ganzen Reihe sozialistischer Länder, die einst durch die Revolution vor dem bürgerlichen Terror und dem Faschismus gerettet und die anschließend wieder aufgebaut und gut organisiert wurden, kristallisierte sich ein besonders aktiver Teil der Bevölkerung heraus. Dieser gelange zu der Überzeugung, dass alle Vorzüge des Sozialismus von selbst entstanden seien und keinerlei Wert hätten. Und der Kapitalismus, so die Vorstellung dieser Gruppen, könne mehr Wohlstand und Komfort bieten – wenn schon nicht für alle, so doch für die Würdigsten (jeder Gegner des Sozialismus in diesen Reihen sah sich selbst darin). Das waren die Illusionen vieler Liquidatoren des Sozialismus.

Der Kapitalismus selbst (sowohl weltweit als auch in seiner konkreten Ausprägung in Russland) ist jedoch in den letzten 35 Jahren in eine neue Entwicklungsphase eingetreten. Und diesen Abschnitt des Weges der Weltwirtschaft lässt sich wie folgt charakterisieren: der Übergang von einer Systemkrise zum Zusammenbruch der gesamten bürgerlichen Ordnung.

Man kann nicht sagen, dass bis zu diesem Zeitpunkt in der Wirtschaft der kapitalistischen Länder alles eitel Sonnenschein war (wenn man nicht gerade durch eine rosarote Brille schaut). Der Erste Weltkrieg, die „Große Depression“, der Zweite Weltkrieg, der Zusammenbruch des Kolonialsystems, die Kriege der Neuzeit (Korea, Vietnam u. a.) sowie die Ölkrise der 70er Jahre – die bürgerliche Weltordnung geriet häufig ins Wanken, mit kurzen Phasen der Stabilisierung. Der vielbeschworene „Lebensstandard“ der westlichen Bürger beruhte auf drei Faktoren:

1) Die imperialistischen Regime hatten ein mehrstufiges System zur Umleitung von Ressourcen aus den abhängigen Ländern ausgearbeitet und konnten einen Teil der erbeuteten Güter zugunsten der eigenen Bevölkerung umverteilen;

2) Die Interessen der im Westen herrschenden „Eliten“ erforderten es, das revolutionäre Potenzial der arbeitenden Schichten in den Mächten des imperialistischen Zentrums (USA, Westeuropa und einige ihrer Verbündeten in anderen Regionen der Welt) zu unterdrücken . Nach 1917 und insbesondere nach 1945 begann man, die Arbeiterklasse dieser Regionen im Rahmen des Kapitalismus mit sozialer Unterstützung zu bestechen;

3) Die Notwendigkeit, mit der UdSSR zu konkurrieren, verlangte von den imperialistischen Ländern, in die Realwirtschaft zu investieren (und das bedeutet: Arbeitsplätze, Ausbau des Bildungs- und Gesundheitswesens).

Die Punkte 2 und 3 verloren unmittelbar nach 1991 ihre Bedeutung für die herrschenden Klassen des Westens – man ging davon aus, dass Sozialismus und Revolutionen den Triumph des Kapitalismus nicht mehr bedrohten. Punkt 1 ist nach wie vor aktuell, doch in vielen Regionen der Welt wächst der Widerstand gegen die imperialistische Ausbeutung. Unter diesen neuen Umständen begann (…) der Wohlstand der breiten Massen im Westen rapide zurückzugehen.

Es liegt auf der Hand, dass der Zusammenbruch des frühen europäischen Sozialismus und der Zerfall der UdSSR einer Gruppe räuberischer imperialistischer Länder unter der Führung der USA einige Jahre krisenfreier Entwicklung bescherten. Diese Jahre vergingen unbemerkt, obwohl es anfangs so aussah, als würden sie ewig andauern (das sogenannte „Ende der Geschichte“). Der Kapitalismus ist auf eine ständige Erweiterung der Märkte angewiesen, und die diebischen Eliten der neuen Staaten, die auf dem Gebiet des ehemaligen Ostblocks entstanden waren, überließen ihre Märkte und alle möglichen Ressourcen zu Spottpreisen den Imperialisten. Der Effekt der „Erschließung“ neuer Gebiete ließ schnell nach, und bereits 1995 brach die „Dotcom“-Krise aus – eine Welle von Insolvenzen, ein Einbruch der Preise und der Börsenindizes. Wichtig ist hier, dass diese (vorerst noch regional begrenzte) Katastrophe in den Ländern der Ersten Welt ausbrach und mit der mangelnden Effizienz der Internetunternehmen zusammenhing – eben jener Branche, die von den Propagandamedien als Verkörperung der Hoffnungen der gesamten Menschheit auf Entwicklung dargestellt wird. Im Juli 1997 brach parallel zur Dotcom-Krise die Asienkrise aus, unter der die gesamte Gruppe der „asiatischen Tiger“ litt: Südkorea, Thailand, Japan, Malaysia, die Philippinen und Hongkong. Unternehmen gingen bankrott, Währungen verloren an Wert, Arbeiter und Angestellte mussten massive Einkommensverluste hinnehmen oder schlossen sich der Armee der Arbeitslosen an.

Doch dies war nur der Auftakt zu einer weltweiten Krise, die 2008 begann und sich bis heute weiter verschärft. Ihr Verlauf begann mit einer Welle von Zahlungsausfällen bei Hypotheken in den USA und erfasste rasch den gesamten Globus sowie die meisten Wirtschaftszweige. Seitdem sind Insolvenzen, Arbeitslosigkeit, ausbleibendes Wachstum und der Abbau sozialer Absicherung für die Bevölkerung zur Normalität geworden. Der Kapitalismus hat sein Entwicklungspotenzial endgültig verloren. Sein Todeskampf könnte sich über Jahrzehnte hinziehen. Doch eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Der Untergang der letzten gesellschaftlich-wirtschaftlichen Formation, die auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht, wird nicht ewig andauern.

Russland, das sich 1991 vom Sozialismus abgewandt hatte, geriet von Anfang an in die Kategorie der halbkolonialen und vom Westen abhängigen Länder. Die frischgebackene Klasse der Eigentümer zerstörte über mehrere Jahre hinweg die Produktionskapazitäten der Volkswirtschaft und transferierte Kapital ins Ausland. Im Grunde genommen befolgten die neuen „Eliten“ (in Russland wurden sie so genannt – „die neuen Russen“) mit Begeisterung alle Ratschläge und direkten Anweisungen der westlichen Kuratoren und tauschten, ohne auch nur einen Moment an ihren Handlungen zu zweifeln, die wirtschaftliche Entwicklung gegen eigene Privilegien seitens des Westens und den versprochenen Beitritt in den Club der Auserwählten ein. „Nehmt uns auf, wir gehören jetzt zu euch, ihr Bourgeois!“ – so lautete die Botschaft der russischen Kapitalisten und Funktionäre an das „Ausland“ . Doch sie wurden getäuscht – das etablierte imperialistische Zentrum braucht keine Partner für die Ausbeutung des Planeten, es braucht Opfer. Deshalb war das bürgerliche Russland gezwungen, sich von seinem früheren freiwilligen halbkolonialen Status zu lösen.

Derzeit spitzt sich die allgemeine Krise des Kapitalismus weiter zu. Neue Kriege, ausbleibendes Wirtschaftswachstum, Sanktionspolitik – das sind die Realitäten unserer Zeit, und alles wird nur noch schlimmer. In der Wirtschaft blähen sich sogenannte Finanzblasen auf, die Bildungs- und demografische Krisen breiten sich aus, manche sind zur Migration gezwungen, andere nehmen Migrationswellen auf – die Probleme häufen sich.

Zweifellos hat der Kapitalismus die Völker der Welt an den Rand einer Katastrophe geführt, deren Ausmaße immer globaler werden. Das Tempo der Entwicklungen nimmt zu, was den allgemeinen Sturz in den Abgrund zu einer Angelegenheit der nahen Zukunft macht. Und aus diesem Abgrund gilt es, sich wieder herauszuarbeiten.

Der Sozialismus als Entwicklungsfaktor

Es gibt einen Grund, warum westliche Ideologen ständig von der wirtschaftlichen Ineffizienz des Sozialismus sprechen. Und dieser Grund ist genau die erstaunliche wirtschaftliche Effizienz des Sozialismus. Was sagen die Fakten dazu?

Das Russische Reich, das bis 1913 in allen Branchen hinter den entwickelten Ländern zurückblieb und von Kapital aus Frankreich, Großbritanniens, Belgiens und anderer Länder abhängig war, sah sich gezwungen, sein militärisches Potenzial an den Fronten des Ersten Weltkriegs vollständig einzusetzen. Die Oktoberrevolution und der Sieg der Sowjetmacht im Bürgerkrieg brachten die Befreiung von der Expansion ausländischen Kapitals, und die junge Republik schlug den Weg des sozialistischen Aufbaus ein. Doch der Ausgangspunkt war sehr schlecht: Zum Faktor Entwicklungsrückstand kamen die Zerstörungen durch die Kriegshandlungen von 1918–1922 sowie die Folgen schrecklicher Epidemien (Typhus, Cholera u. a.) hinzu. Deshalb begann der Aufbau schleppend: Die meisten Wirtschaftsindikatoren des Russischen Reiches konnten erst bis zum Jahr 1927 erreicht werden. Doch die weitere Entwicklung verlief mit zunehmender Intensität. Es folgte die Industrialisierung, d. h. der Bau neuer Städte, Tausender moderner Fabriken und die Entstehung zukunftsträchtiger Wirtschaftszweige. Landesweit wurde die Kollektivierung durchgeführt – der technologische Übergang von der traditionellen (mittelalterlichen) Landwirtschaft zu industriellen Methoden der Bodenbewirtschaftung und der Entwicklung der Viehzucht. Große Aufmerksamkeit widmete die Sowjetmacht der Massenbildung, deren Ziel die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte war. Die Republik benötigte Millionen qualifizierter Arbeiter und Ingenieure, weshalb in den Städten und Dörfern Tausende von Schulen, Fachschulen und Hochschulen entstanden. In gleichem Umfang wurde auch das öffentliche Gesundheitswesen ausgebaut.

Die Geschichte der UdSSR ist allgemein bekannt. Das rasante Tempo der Industrialisierung, die Ausbildung von Millionen gebildeter Fachkräfte und der Aufbau einer modernen Armee sicherten dem sowjetischen Volk den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg, in dem die Wirtschaft der UdSSR der Wirtschaft fast ganz Europas gegenüberstand. Nach dem Krieg wurde der rasante Aufbau fortgesetzt, und in vielen Bereichen erreichte die Sowjetunion weltweit Spitzenplätze. Das Land errichtete Kernkraftwerke, wurde zum Vorreiter der Weltraumforschung und trieb den Flugzeugbau, die Elektronik und andere technologieorientierte Branchen voran. Die wichtigsten Probleme, die über dem Volk schwebten, wurden gelöst, und die Grundbedürfnisse der Bevölkerung wurden gedeckt.

So entstand infolge des revolutionären Übergangs zum Aufbau des Sozialismus aus dem rückständigen und zunehmend vom westlichen Kapital abhängigen Russischen Reich die UdSSR – ein mächtiger, völlig unabhängiger Staatenbund, der mit allem Notwendigen versorgt war – und zwar aus eigener Kraft – und Einfluss auf den Rest der Welt ausübte.

Man darf nicht vergessen, dass dieser gesamte Wandel unter nicht gerade günstigen außenpolitischen Bedingungen stattfand. Wie bereits erwähnt, ließ der Druck von außen nicht nach. Es mussten große Anstrengungen aufgewendet werden – mal für den Kampf gegen ausländische Interventionen, mal zur Abwehr des Einmarsches faschistischer Horden, mal für den „Kalten Krieg“ (die politische, wirtschaftliche und stellenweise offene militärische Konfrontation mit dem imperialistischen Zentrum).

Da stellt sich die Frage: Worauf beruhte diese unglaubliche Entwicklung der UdSSR? Der imperialistische Westen bereicherte sich stets durch die Umverteilung von Ressourcen zu seinen Gunsten: Er umzingelte den gesamten Planeten mit Militärstützpunkten, eroberte Märkte, arrangierte den ungleichen Tausch mit abhängigen Ländern und führte weitere Methoden zur Ausbeutung seiner Einflusssphären ein.

Die Sowjetunion bewegte sich in einem völlig anderen Paradigma: Sie schöpfte aus ihren eigenen inneren Potenzialen, half anderen Völkern, sich vom westlichen Einfluss zu befreien und wirtschaftlich unabhängig zu werden.

Die kapitalistische Propaganda wirft der UdSSR alle möglichen Verbrechen vor: Angeblich habe nur der innere Terror die sozialistische Wirtschaft am Leben erhalten. Die Unhaltbarkeit dieser Vorwürfe ist offensichtlich. Eine moderne Wirtschaft erfordert eine freie und gebildete Bevölkerung.

Unter Zwang lassen sich nur einfache Routinearbeiten verrichten, und das auch noch ohne Begeisterung. Aufschwung und Entwicklung erfordern Initiative, Inspiration und einen freien Gedankenfluss. Genau diese Eigenschaften waren dem sowjetischen Volk, dem Arbeiter und Schöpfer, eigen.

Betrachtet man den Sozialismus als eine Form der Wirtschaftsorganisation, lassen sich hier einige besondere Merkmale hervorheben:

  1. Zentralisierung. Die Bündelung aller Potenziale und knappen Ressourcen zu einem einheitlichen volkswirtschaftlichen Organismus, der planmäßig und im Interesse der gesamten Bevölkerung arbeitet.
  2. Die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Einführung des gesellschaftlichen Eigentums. Dadurch werden Konflikte zwischen privaten Interessen beseitigt, die Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen durch Wettbewerb und Insolvenzen verhindert und die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt parasitärer Klassen zu sichern, entfällt.
  3. Die Klassenteilung der Gesellschaft wird überwunden. Der Kampf gegen Ungleichheit wird geführt, wodurch das Volk immer homogener wird. Die Erziehung der heranwachsenden Generationen, Bildung, Gesundheitswesen, Beschäftigung, berufliche Umschulung, die Bekämpfung von Kriminalität und sozialen Missständen – all dies wird zu einer gemeinsamen Aufgabe. Keine Bevölkerungsschicht bleibt sich selbst überlassen. Die sozialistische Ordnung ermöglicht es, die Talente des Volkes optimal zu entfalten. Wellen der Begeisterung, des Erfindergeistes, der Rationalisierungsbemühungen und einer kreativen Einstellung zur Arbeit tragen zur ständigen Modernisierung der Volkswirtschaft bei.
  4. Der wissenschaftliche Ansatz in allen Entwicklungsbereichen und die Möglichkeit der langfristigen Planung stehen im Vordergrund. Hunderte von Forschungsinstituten, Zehntausende von Wissenschaftlern, die Heranführung der Bevölkerung an die Wissenschaft schon von Kindesbeinen an. Ein solcher Ansatz ermöglichte maximale Effizienz bei der Wahl der Entwicklungswege und der Lösung konkreter Aufgaben.

Es liegt auf der Hand, dass derartige organisatorische Möglichkeiten den kapitalistischen Ländern nicht zur Verfügung stehen. Zentralisierung und Planung sind dort nur bis zu einem gewissen Grad anwendbar, solange sie nicht mit den Interessen des Großkapitals kollidieren.

Im Umgang mit der Bevölkerung pflegt die Bourgeoisie Ungleichheit, weshalb eine kreative Einstellung zur Arbeit sowie der Zugang zu Wissenschaft, umfassender Bildung und Gesundheitsversorgung bei weitem nicht allen Gesellschaftsschichten offenstehen. Unter solchen Bedingungen entfalten sich die Potenziale der Bevölkerung nur teilweise. Von langfristiger Planung kann im Kapitalismus überhaupt keine Rede sein:

eine spontane, von Wirtschaftskrisen geprägte Entwicklung, das Aufeinandertreffen privater Interessen zahlreicher Akteure und der ständige Wechsel der politischen Ausrichtung – das sind nur einige der Gründe für diese Begrenztheit. Gewinne „hier und jetzt“ sind stets wichtiger als mögliche Verbesserungen in einer ungewissen Zukunft.

Daraus folgt, dass der Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus eine ganze Reihe entscheidender Vorteile besitzt. Und dies wurde durch die gesamte Geschichte seit 1917 bewiesen. Selbst die Krise des frühen Sozialismus hat deutlich gezeigt: Die Rückkehr auf das Niveau der kapitalistischen Gesellschaftsordnung führt – ungeachtet der rosigen bürgerlichen Klischees –die Völker in eine rückständige, chaotische Entwicklung, die den Arbeitenden zahlreiche Perspektiven nimmt, die Nationen in die Abhängigkeit von Ausbeutern stürzt und ungeheure Ungleichheit schafft.

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Faschismus als extreme Reaktion auf den Sozialismus

Die ersten Vorläufer faschistischer Bewegungen tauchten bereits 1918 auf: die Weißen in Russland und die Freikorps in Deutschland. Zuvor bestand für solche Erscheinungen keine Notwendigkeit. Doch als es in Russland zur proletarischen Revolution kam, die auf andere Länder überzugreifen drohte, ließ die Entstehung des Faschismus nicht lange auf sich warten. Zur historisch am weitesten entwickelten Form dieses Phänomens wurde in den Jahren 1933–1945 der deutsche Nazismus.

Wenn die bloße Anpassung an den Sozialismus eine Verteidigungsmaßnahme des Kapitalismus ist, so entwickelte sich der Faschismus zu einer Offensivmaßnahme, deren Ziel die vollständige Beseitigung jeglicher sozialistischer Stimmungen, die Vernichtung der Kommunisten sowie die Kontrolle über alle Gesellschaftsschichten zur Aufrechterhaltung der Herrschaft extrem reaktionärer Kräfte war.

Parallel zur Ausmerzung der roten Bedrohung löste der Faschismus Fragen des Wettbewerbs mit anderen kapitalistischen Ländern.

Ursprünglich als einfache gewaltsame Lösung des Revolutionsproblems entstanden, entwickelte sich der Faschismus zu einem besonderen Phänomen. Die kapitalistische Welt empfand die Sowjetmacht als tödliche Bedrohung (was der Wahrheit entspricht). Unter den entstandenen Ausnahmesituationen trat der Faschismus als Feuerwehr auf, als Rettungsmaßnahme für die reaktionärsten bürgerlichen Kreise. Um die Effizienz zu steigern, wurde dem neuen Geschöpf des Kapitals vieles gestattet. Während er gegen den Sozialismus vorging, ahmte der Faschismus dessen Elemente nach: sowohl die Zentralisierung (soweit dies im Kapitalismus möglich ist) als auch die Vereinigung der gesamten Bevölkerung zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben (die sogenannte „Geschlossenheit der Nation angesichts der drohenden Ausbreitung des Bolschewismus“) . Zudem versuchte er, die langfristige Planung auszuweiten (so wurde beispielsweise das „Tausendjährige Reich“ proklamiert). Der Faschismus blieb jedoch eben ein Kapitalismus auf nationaler Ebene und diente den Interessen der nationalen Bourgeoisie (ihres reaktionärsten Teils). Und diese versuchte ihrerseits, unter dem Deckmantel korporatistischer Parolen und indem sie sich das Vertrauen der Arbeiter einwand, ihre engstufigen Klasseninteressen durchzusetzen.

Typische bürgerliche Demagogen ziehen Analogien zwischen Sozialismus und Faschismus. Befürworter einer sozialistischen Entwicklung müssen sich stets vor Augen halten, dass das wahre Klasseninteresse der Werktätigen jedes Landes in der internationalen Einheit der Werktätigen liegt. Deshalb ist echte sozialistische Politik immer international.

Faschistische Regime werden von Gruppen der skrupellosesten Ausbeuter der jeweiligen Nation geführt. Ihre Aufgabe besteht darin, ihre Herrschaft zu sichern. Den ausgebeuteten Schichten kann man erzählen, dass das ganze Volk nun eine große Familie sei, und ihnen einen Anteil an der Beute der ausgewählten Opfer versprechen. Ein ganzes Land verwandelt sich in einen einzigen Konzern mit null Toleranz gegenüber jeglicher Andersdenkerei (das heißt, man rottet nicht nur Sozialisten aus, sondern alle, die das Regime kritisieren) . In der Außenpolitik neigt der Faschismus zu Aggressivität – und erzieht die gesamte Bevölkerung im Geiste des Hasses.

Einer der Faktoren für den anfänglichen Erfolg faschistischer Regime ist die in den entwickelten kapitalistischen Ländern weit verbreitete Verankerung der Arbeiterklasse (oder bestimmter Teile davon) auf der Ebene des korporatistischen Bewusstseins. In diesem Zustand sind die Arbeiter zwar gut darin, sich im Rahmen des Kapitalismus für ihre Rechte zu organisieren, stehen Kommunisten und jeglicher sozialistischen Propaganda jedoch misstrauisch oder sogar feindselig gegenüber. Die Organisationsfähigkeit selbst stellt hier einen Wettbewerbsvorteil im Kampf gegen andere Klassen dieser Gesellschaft dar (nicht nur gegen die Ausbeuter, sondern sogar gegen andere Gruppen von Arbeitern). Der Faschismus versteht es oft, den richtigen Zugang zu verschiedenen Schichten zu finden, darunter auch zu solchen unternehmensorientierten Arbeitern, und verspricht ihnen alles, was sie hören wollen. Die Arbeiter selbst (die noch kein Klassenbewusstsein entwickelt haben) können in einer solchen Situation auf die Demagogie hereinfallen und sich der faschistischen Bewegung anschließen, zu deren Aktivisten und sogar zu fanatischen Anhängern werden. Faschistisch gesinnte Vertreter der Arbeiterklasse sind oft bereit, jene Teile des Proletariats, die ein echtes, sozialistisches Bewusstsein entwickelt haben, mit aller Härte auszurotten.

Russland: ein kapitalistisches Land mit sozialistischer Vergangenheit und Zukunft

Eine ganze Schar von Linken und Liberalen betrachtet Russland gewohnheitsmäßig als faschistisches Land. Oft wird dieser Begriff als Schimpfwort verwendet. Doch einige Politiker führen als Beweise für den „Faschismus“ der Russischen Föderation überzeugungsvoll die Tendenz zur Einschränkung der bürgerlichen Demokratie sowie einzelne Repressionen und Fälle von Antikommunismus an.

Zweifellos sind viele dieser Tatsachen verwerflich. Das in Russland entstandene kapitalistische Regime hat, wie alle anderen kapitalistischen Regime auch, die Diktatur der Bourgeoisie errichtet. Anders konnte es gar nicht sein, da ja die Konterrevolution gesiegt hat. Die zahlreichen demokratischen Institutionen, die sowohl in der Russischen Föderation als auch in anderen kapitalistischen Ländern existieren – Parlamente, Gerichte, unabhängige Anwälte und Medien – sind nur eine Fassade, hinter der sich die Diktatur der Bourgeoisie verbirgt. Und eine solche Diktatur verwirklicht sich stets in Form der Unterdrückung ihrer Klassenfeinde, d. h. der Arbeiterklasse, und insbesondere jener Schichten innerhalb dieser Klasse, die zu einem sozialistischen Klassenbewusstsein gereift sind. Die Unterdrückung erfolgt nicht unbedingt mit den härtesten gewaltsamen Mitteln. Das Spektrum der Methoden ist hier breit: Schwierigkeiten bei der offiziellen Registrierung einer Partei oder eines Kandidaten für Wahlen, formale Hürden, Geldstrafen für verschiedene geringfügige Verstöße, Behinderungen bei der Durchführung von Wahlkampf- und Propagandaarbeit, gezielte Schikanen durch lokale Beamte usw. Auch die Methoden der Stimmenauszählung bei Wahlen werfen Fragen auf.

Wir wissen, dass in einigen „Demokratien“ ein direktes Verbot kommunistischer Aktivitäten und Symbolik gilt. So ist es beispielsweise in Tschechien, Polen, den baltischen Staaten und anderen Ländern. In der Russischen Föderation gibt es ein solches Verbot nicht. Dennoch spüren Kommunisten und Vertreter der Arbeiterbewegung von Zeit zu Zeit, wie der Druck auf sie zunimmt. Hier und da wird heimlich ein sowjetisches Denkmal abgerissen. Die unliebsamsten Personen werden ins Gefängnis gesteckt, unter anderem unter Verletzung des Gesetzes. All das ist empörend. Repressionen und Druck müssen politisch bekämpft und öffentlich gemacht werden. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass dieses Ausmaß an Druck in allen bürgerlichen Demokratien (das heißt in bürgerlichen Diktaturen).

Der Faschismus hingegen geht stets anders vor: unmissverständlich, radikal, energisch und effektiv. Sobald sich der Faschismus auf staatlicher Ebene etabliert, werden Kommunisten und die unabhängige Arbeiterbewegung innerhalb kurzer Zeit und ohne Rücksicht auf irgendwelche Formalitäten beseitigt.

Somit ist offensichtlich, dass es in der Russischen Föderation keinen staatlichen Faschismus gibt. Es gibt jedoch einzelne gefährliche Tendenzen, die perspektivisch und unter bestimmten Umständen zur Errichtung eines faschistischen Regimes hier führen könnten.

Doch wie sieht das heutige Russland im Hinblick auf seine Anfälligkeit für sozialistischen Einfluss aus?

Wir haben bereits geschrieben, dass sich nach dem Sieg der Konterrevolution auf dem Gebiet der UdSSR ideologischer und alltäglicher Antikommunismus dort ziemlich fest etabliert hat. Ein Teil der Bevölkerung behielt jedoch seine sozialistischen Überzeugungen bei. Im Laufe der Zeit wurde in Russland (dem größten und unabhängigsten Teil der ehemaligen UdSSR) die antisowjetische Propaganda auf staatlicher Ebene und in den Medien weniger plump und subtiler. Die Stimmen der Sozialismusbefürworter und pro-sowjetischen Historiker fanden ihr Publikum (manchmal im Fernsehen, häufiger jedoch im Internet), und diese Entwicklungen wurden von den Behörden nicht unterbunden. Es stellte sich ein vom Regime kontrolliertes Gleichgewicht des gesellschaftlichen Einflusses ein, in dem den Sozialismusbefürwortern im Großen und Ganzen eine eigene legale Nische zugewiesen wurde.

Worin liegt der Grund für eine solche Loyalität gegenüber dem Sozialismus seitens eines ursprünglich vehement antisowjetischen Regimes? Es liegt auf der Hand, dass die Herstellung und Aufrechterhaltung eines solchen Gleichgewichts kaum zufällig sein kann.

Dass die arbeitenden Massen nicht zum Kampf bereit sind, erfuhren die Behörden der Russischen Föderation und ihre kommunistischen Gegner im Jahr 2018, als im Land die seit langem versprochene und lange hinausgezögerte Rentenreform durchgeführt wurde, die eindeutig volksfeindlichen Charakter hatte. Wären Millionen Menschen auf die Straße gegangen und hätten ernsthaft gefordert, eine Verschlechterung der Rentenbedingungen zu verhindern, hätte das Regime Zugeständnisse machen können (die dem Niveau des Klassenkampfs angemessen gewesen wären) und hätte die für ihn gefährliche Fähigkeit der Arbeitenden zur Selbstorganisation erkannt. Doch die unzureichende Stärke der Proteste signalisierte den Kapitalisten und den höchsten Beamten der Russischen Föderation etwas anderes: Das Volk will vorerst nicht für seine wirtschaftlichen und politischen Interessen kämpfen.

Und nun erkennen die in der Russischen Föderation herrschenden Kreise, dass die russische Arbeiterklasse heute nicht zu einem organisierten Kampf bereit ist. Das bedeutet, dass es nicht notwendig ist, die Arbeiterbewegung zu unterdrücken, solange sie sich noch im Anfangsstadium befindet. Unter diesen Umständen werden die Kommunisten keine Aktivisten für ihre Parteien gewinnen können. Und Millionen passiver Anhänger des Sozialismus, die pro-sowjetische und sozialistische Inhalte konsumieren, haben es nicht eilig, sich weder am wirtschaftlichen noch am politischen Kampf zu beteiligen – und stellen keine Bedrohung für den Kapitalismus dar. Stattdessen arbeiten sie in den Betrieben und beteiligen sich voll und ganz an der Wirtschaft, was dem bürgerlichen Regime sehr entgegenkommt.

Weil der Staat auf die massive Unterstützing bei der Militäroperation angewiesen ist, wird dieses zurzeit bestehende Klassengleichgewicht wird gerade nicht angetastet, Die Bevölkerung, darunter auch die Anhänger des Sozialismus, steht dem laufenden Krieg und seinen Zielen – der Notwendigkeit, das faschistische Regime von Selenskyj, das in der Ukraine an der Macht ist, zu vernichten – mehrheitlich mit Verständnis gegenüber.

Genau deshalb wären massive Repressionen und antisowjetische Angriffe in der Russischen Föderation derzeit schädlich für die herrschenden Schichten. Doch für die Anhänger des Kapitalismus ist dies lediglich eine Frage des momentanen Nutzens. Das Regime selbst bleibt nach wie vor antikommunistisch, ausbeuterisch und darauf ausgerichtet, jegliche Eigenständigkeit der Arbeiterklasse zu unterdrücken.

Es lohnt sich auch, einen weiteren wichtigen Grund hervorzuheben, warum der Kampf gegen sozialistische Tendenzen in Russland für den herrschenden Kapitalismus gefährlich ist. Die Russische Föderation hat sich als Staat 1991 vom Sozialismus gelöst, doch die Grundlage der Wirtschaft – all diese im Rahmen des sowjetischen Staatsplans errichteten Fabriken, Rüstungsbetriebe, Kraftwerke, Forschungsinstitute, Bildungseinrichtungen usw. – blieb sozialistisch, und zwar nicht nur hinsichtlich ihrer Herkunft, sondern auch hinsichtlich der effizientesten Art ihrer Nutzung. Nur diese nach wie vor kolossalen Produktivkräfte ermöglichen es der Führung des heutigen Russlands, sich auf internationaler Ebene unabhängig zu verhalten und sich gegen den Druck seitens des imperialistischen Zentrums zu wehren.

Jeder einzelne Baustein ist hier Teil einer tragenden Struktur, die nicht beseitigt, nicht mal ins Wanken gebracht werden darf. Würde man hier eine maßlose Privatisierung und mehr Marktbeziehungen einführen und den Zerfall des einheitlichen Systems der Volkswirtschaft vorantreiben (wie in den 90er Jahren unter Jelzin)

– dann wird die Produktion rasch zusammenbrechen. Früher war das den bürgerlichen Machthabern völlig egal – alles sollte in Flammen aufgehen, Hauptsache, das Kapital floss in Strömen ins Ausland. Doch nun hat sich die Situation grundlegend geändert. Zentralisierung und Planung – das ist es, was dem Funktionieren der russischen Wirtschaft zugutekommt, die tief im sozialistischen Gosplan verwurzelt ist. Und die früheren Zerstörer des einheitlichen Volkswirtschaftskomplexes sind gezwungen, dies zu berücksichtigen, so bitter es ihnen auch sein mag. Darüber hinaus macht die sich abzeichnende demografische Krise alle Wirtschaftsakteure zu einer besonders wertvollen Ressource, für deren Bindung und Erhalt günstige Bedingungen geschaffen werden müssen.

In den 90er Jahren wurde dem volkswirtschaftlichen Komplex bereits ein schwerer Schlag versetzt. Die damalige herrschende Klasse war auf die Zerstörung der sozialistischen Wirtschaft aus und führte eine massive Privatisierung von Unternehmen durch (in der Regel mit anschließender Liquidation und der Verschrottung der Maschinen). Die „Neuen Russen“ setzten auf die Gunst der „westlichen Partner“ und taten alles, was diesen zugutekam. Es gelang jedoch nicht, einen wesentlichen Teil der Industrie zu zerstören. Und dann stellte sich heraus, dass sich die bürgerlichen „Eliten“ Russlands in dieser Welt, wenn überhaupt, nur auf die Produktions- und Militärmacht ihres Landes verlassen können. Und der Volkswirtschaftskomplex begann sich wieder zu entwickeln, wenn auch nur mühsam. Während in den 90er Jahren Dreher, Traktorfahrer, Bergleute, Ingenieure, Lehrer, Ärzte und Soldaten rasant verarmten, hat sich der Druck auf sie heute etwas verringert (auch wenn es nach wie vor sehr viele alltägliche Probleme gibt). Qualifizierte Arbeitskräfte sind plötzlich zu einer wertvollen Ressource geworden, die es zu erhalten und zu fördern gilt. Unsere Menschen ehren den Tag des Sieges, lieben sowjetische Filme, sind verärgert über den Abriss sowjetischer Denkmäler und die Umbenennung von Straßen – unter den gegenwärtigen Umständen sind die Behörden bereit, diesen Stimmungen nachzugeben, solange nur Stahl geschmolzen, Felder besät und Flugzeuge fliegen.

Die Wirtschaft läuft, die Produktion liefert Hunderte Tonnen unterschiedlichster Erzeugnisse, und die Behörden trauen sich noch nicht, den Ablauf der eingespielten Prozesse durch eine neue massive Verschärfung der antisowjetischen Maßnahmen zu stören (obwohl sie das sicherlich sehr gerne täten)

. Die Repressionen gegen Kommunisten können zwar brutal und exemplarisch sein – wie zum Beispiel der Prozess gegen die „Ufa-Fünf“1 –, bleiben aber bislang punktuell und entwickeln sich nicht zu einem totalen Verbot und einer Hetzkampagne.

Das Besondere am heutigen Russland ist, dass unser Teil der ehemaligen UdSSR neben den schwelenden negativen Tendenzen, die zu einer Verschärfung der Reaktion führen können, über eine solide materielle Grundlage für eine Rückkehr auf den sozialistischen Entwicklungsweg verfügt, und zwar bereits in den kommenden Jahrzehnten – wahrscheinlich im Zuge der Entfaltung einer weltweiten Krise. Im Land sind starke Voraussetzungen für den Sozialismus vorhanden:

– ein entwickelter Produktions- und Wirtschaftskomplex, der am effektivsten nicht als eine Ansammlung vereinzelter Betriebe, sondern als ein einheitliches, zentralisiertes und planmäßig sich entwickelndes Volkswirtschaftssystem funktioniert;

– eine mehrere Millionen starke, gebildete und qualifizierte Arbeiterklasse, die einen natürlichen Verbündeten hat – die mehrere Millionen starke arbeitende Intelligenz (Lehrer, Ärzte, Ingenieure). Und sie alle wissen bereits, was der Kapitalismus in Wirklichkeit ist;

– Antisozialistische Stimmungen haben nicht mehr denselben allumfassenden Ausbruch wie in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Zusammenbruch der UdSSR;

– Sozialistische Stimmungen nehmen, wenn schon nicht zu, so bleiben sie doch tief in der Gesellschaft verwurzelt. Der Generationswechsel hat nicht zum vollständigen Aussterben der Anhänger des Sozialismus geführt. Eine positive Einstellung gegenüber der Sowjetunion, ihrer Geschichte und ihren Errungenschaften ist in der russischen Gesellschaft weit verbreitet, auch unter der Jugend. Diese Situation wird durch eine ganze Reihe von Meinungsumfragen bestätigt;

– Die kommunistische Bewegung hat es geschafft, die Jahre der Gegenbewegung zu überstehen, ihren Kern aus handlungsfähigen Kräften zu bewahren und ihre organisatorische und theoretische Arbeit fortzusetzen. Es bestehen Chancen auf die Wiederbelebung einer massenhaften und starken kommunistischen Partei, die in der Lage ist, die Arbeiter im Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus anzuführen (obwohl seitens der KPRF und anderer viel unternommen wird, um die kommunistische Idee zu diskreditieren2).

Im Großen und Ganzen besteht der einzige Grund, warum Russland in den bürgerlichen Rahmen eingezwängt bleibt und nicht zum sozialistischen Aufbau übergeht, darin, dass Dutzende Millionen Arbeiter nur passiv an der politischen Entwicklung des Landes teilnehmen und damit die Führung der Volkswirtschaft und die Entscheidung über die wichtigsten staatlichen Fragen in den Händen bürgerlicher Kreise belassen.

Bei einem wahrscheinlichen Anstieg der Aktivität der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten werden alle bestehenden Gleichgewichte aufgebrochen. Genau dann könnten die Anhänger des Kapitalismus eine Verschärfung der Reaktion und das gesamte, im Laufe der Geschichte erarbeitete Instrumentarium der Klassenunterdrückung benötigen.

Doch auch die russischen bürgerlichen Kräfte verfügen über Erfahrung im Umgang mit dem imperialistischen Zentrum, ohne dessen Hilfe der wachsende Sozialismus nicht aufzuhalten sein wird. Mittlerweile ist selbst Dummköpfen klar: Der Westen gewährt zwar gewisse Unterstützung, nimmt die Betroffenen jedoch nicht als Verbündete, sondern lediglich als Handlanger auf. Ob die herrschenden Kreise in Russland sich in ein Pendant zum Regime von Selenskyj verwandeln wollen oder sich entschließen, dem bewussten und für seine wahren Interessen kämpfenden arbeitenden Volk Zugeständnisse zu machen – das hängt von vielen Faktoren ab, darunter auch solchen, die sich im Verlauf der Krise zeigen werden.

Der antifaschistische Kampf als Element des Kampfes für den Sozialismus

Die RKAP hat sich schon seit langem mit der Frage der Verbindung zwischen einer Gruppe imperialistischer Länder unter Führung der USA und dem faschistischen Regime von Selenskyj befasst. Dass in der Ukraine derzeit Faschismus herrscht, steht außer Zweifel. Kommunisten, Opposition und Arbeiterbewegung werden unterdrückt, die Kommunikation in russischer Sprache ist verboten, eine ganze Religionsgemeinschaft wird verfolgt. Politik und Wirtschaft des Landes werden zur Organisation von innerem und äußerem Terror instrumentalisiert, um die Interessen einer kleinen kapitalistischen Gruppe in Kiew zu dienen – vor allem aber des gesamten westlichen Kapitals, das Auftraggeber und Geldgeber der gegenwärtigen Ausprägung des Faschismus ist.

Es liegt auf der Hand, dass sich der Faschismus nicht einfach so auf staatlicher Ebene etablieren kann, nur weil reaktionäre Kräfte und großzügige ausländische Initiatoren dies wünschen. Hier bedarf es auch der massiven Unterstützung für genau diesen Weg.

Die Transformation der unabhängigen Entwicklung der Ukraine nach 1991 führte zu einer umfassenden Deindustrialisierung, die weitaus katastrophaler und alles verschlingender war als in Russland. Emigration und Arbeitsmigration in Richtung der Europäischen Union erfreuten sich großer Beliebtheit unter der Bevölkerung, der es an regulären Arbeitsplätzen mangelte. Die Vorstellung, „wie in Europa zu leben“, verbreitete sich massenhaft und stand in direktem Zusammenhang mit dem Verlust regulärer Arbeitsplätze in der Produktion und der damit verbundenen beruflichen Qualifikation durch die Mehrheit der Bevölkerung. In einem solchen, von bürgerlichen Illusionen geprägten Volk lassen sich leicht Anhänger einer parasitären Entwicklung auf Kosten anderer Länder, beispielsweise Russlands, finden. Bemerkenswert ist, dass dort, wo die Industrie in ihrer Gesamtheit erhalten geblieben ist (im Donbass), faschistische Stimmungen keinen Fuß fassen konnten.

Nachdem sich die russischen bürgerlichen Führungskreise geweigert hatten, ihr Land in eine produktionslose Halbkolonie des imperialistischen Zentrums zu verwandeln, wurde Russland zum Feind des Westens. Wir haben bereits aufgezeigt, dass die russische herrschende Elite sich geweigert hat, ihre Positionen aufzugeben; sie ist selbst in der Lage, die Reichtümer des Landes und das russische Volk auszubeuten – darin liegen ihr Patriotismus und ihr Interesse an der eigenen Sicherheit.

Zudem macht die Tatsache, dass Russland über Atomwaffen, eine große Armee und einen hoch entwickelten militärisch-industriellen Komplex verfügt, die Möglichkeit einer direkten Aggression gegen das Land (wie gegen Jugoslawien oder Libyen) besonders gefährlich. Und der Westen beschloss, die Ukraine, die infolge des „Maidan“ im Jahr 2014 vollständig unter seine Kontrolle gebracht worden war, als Machtinstrument einzusetzen.

Damit die Ukraine überhaupt eine Gefahr für Russland darstellen konnte, musste das Kiewer Regime in der Lage sein, alle Ressourcen des Landes einzusetzen. Der Faschismus wurde genau zu diesem Zweck benötigt: Es galt, die Bevölkerung und die Wirtschaft für ein selbstmörderisches Gemetzel im Interesse der westlichen Imperialisten zu bündeln.

Die seit 2022 andauernde Militäroperation ist ein Krieg einer Gruppe räuberischer Staaten gegen Russland, um das Land zu schwächen und zu unterwerfen. Die russische Bourgeoisie strebt in diesem Krieg danach, zu überleben, die Vermögenswerte (die gesamte russische Wirtschaft) unter ihrer Kontrolle zu halten, sich vom Diktat des Kapitals des imperialistischen Zentrums zu befreien, das Recht zu erlangen, eine eigenständige Weltpolitik zu betreiben, ohne Rücksicht auf die westlichen Gendarmen nehmen zu müssen, und die Ukraine zumindest in einen neutralen Staat zu verwandeln. Die russische Arbeiterklasse, hat, obwohl sie derzeit noch nicht reif ist, als eigenständiges Subjekt zu handeln, in diesem Kampf ebenfalls ihre grundlegenden Interessen. Dazu gehören erstens die Erhaltung der komplexen Wirtschaft Russlands und der Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung; zweitens die maximale Schwächung des imperialistischen Zentrums, das zwangsläufig jeder sozialistischen Entwicklung im Wege stehen wird. Drittens geht es um die Zerschlagung des faschistischen Wespennests, das sich direkt vor Russlands Haustür entwickelt hat, sowie um die Rettung der Völker des Donbass und der gesamten Ukraine vor der für sie verhängnisvollen Diktatur des Selenskyj-Regimes. Und viertens wird ein Sieg Russlands Chancen eröffnen, günstige Bedingungen für die Reifung der Arbeiterklasse zu schaffen, während eine mögliche Niederlage der Russischen Föderation und die Verstärkung des westlichen Einflusses unsere Arbeiterklasse schwächen würden. Wie wir sehen, decken sich in diesem konkreten Krieg die Interessen des russischen Kapitals und der Arbeiterklasse teilweise (was manche linken Dogmatiker, die die Realität falsch einschätzen, manchmal zur Weißglut bringt).

Die russischen „Eliten“ haben sicherlich, insbesondere zu Beginn der offenen Konfrontation mit der Ukraine, auch imperialistische Pläne geschmiedet, doch jetzt geht es darum, ob die Verteidigungsziele der Militäroperation – die Wahrung der freien wirtschaftlichen Entwicklung Russlands – vollständig erreicht werden. Und von einer internationalen Expansion des russischen Kapitals zu sprechen, ist zum jetzigen Zeitpunkt zumindest lächerlich, da es in keiner Weise mit dem aggressiven Vorstoß des westlichen Kapitals vergleichbar ist.

Die Arbeiterbewegung in Russland befindet sich keineswegs im Aufschwung, und über die Existenz einer ukrainischen Arbeiterbewegung lässt sich überhaupt kaum etwas sagen. Die Frage nach einer proletarischen Revolution unter den gegenwärtigen Bedingungen zu stellen, ist verfrüht. Das bedeutet jedoch nicht, dass die SVO nichts mit dem Aufbau des Sozialismus zu tun hat.

Es ist wichtig festzuhalten, dass an diesem Konflikt auf allen Seiten ausschließlich kapitalistische Länder beteiligt sind. Doch der Sozialismus – als Weltanschauung vieler russischer Kämpfer, als Erinnerung an den vergangenen großen Krieg gegen den Faschismus, als neues Leben sowjetischer Symbole – ist in dieser historischen Auseinandersetzung ebenfalls präsent. Es ist bekannt, dass der erste organisierte gewaltsame Widerstand gegen die Bandera-Truppen im Donbass im Jahr 2014 von Arbeitern – Bergleuten und Traktorfahrern – geleistet wurde. Nicht selten agierten Antifaschisten aus Donezk und Luhansk unter der sowjetischen roten Fahne. In der 2022 begonnenen Militäroperation agiert das bürgerliche Russland bereits mit seinen Hauptstreitkräften, ohne dies zu verbergen. Doch rote Fahnen werden häufig auf Panzern, gepanzerten Mannschaftstransportwagen und an Gebäuden gehisst, die von ukrainischen nationalistischen Formationen befreit wurden. Man muss davon ausgehen, dass das Kommando dem nicht im Wege steht. In der Stimmung der einfachen Soldaten, meist junge Männer, lebt die sozialistische Komponente weiter und bricht nach außen durch – und das ist sehr bemerkenswert.

Die andere, gegnerische Kriegspartei, die Bandera-Ukraine, ist vehement antikommunistisch. In allen Städten und Dörfern, die unter der Kontrolle des Selenskyj-Regimes stehen, wurden Denkmäler für Lenin und die Soldaten der Roten Armee abgerissen (damit gab man sich nicht zufrieden – alles Russische wird zerstört, darunter werden Bücher verbrannt und Denkmäler für Puschkin und historische Persönlichkeiten zerstört) . Die fanatischsten Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte sind Nationalisten mit Hakenkreuzen und Hitler-Porträts. Auch einfache Menschen in der Ukraine werden oft auf einen antisowjetischen Nenner gebracht. Bewusste Kommunisten oder Anhänger des Sozialismus agieren äußerst vorsichtig, da sie sonst getötet würden. So arbeitet beispielsweise die Union der Kommunisten der Ukraine, die Teil unserer Partei ist, im Untergrund. Es ist bekannt, dass auch im Westen Kommunisten oft in die Enge getrieben werden und dass gegen jede Form des Sozialismus ein ständiger Kampf geführt wird.

Ein solcher Unterschied in den weltanschaulichen Ansätzen ist kein Zufall. Das bürgerliche Russland birgt trotz aller Bemühungen der Kapitalisten und der lokalen Antisowjet-Kräfte bis heute ein enormes Potenzial für einen neuen Übergang zum Aufbau des Sozialismus. Und dieser Aufbau wird nicht mehr bei „Null“ beginnen , nicht mit dem Alphabetunterricht für die Bauern, sondern auf dem Niveau, das vom sowjetischen Volk in den Jahren der grandiosen industriellen und gesellschaftlichen Entwicklung geschaffen wurde – und das im heutigen Russland weiterhin Bestand hat. Wo es Arbeiter gibt, wird es auch eine Arbeiterbewegung geben, die den historischen Prozess erneut in Gang setzen wird.

Das an Kraft und Einfluss verlierende imperialistische Zentrum spürt diese Gefahr, die für es selbst tödlich ist. Und sein Ziel ist nicht nur die Unterwerfung und Ausplünderung des größten Teils der ehemaligen UdSSR, sondern auch die Beseitigung eines solchen Herdes auf der Welt, an dem der Sozialismus in seiner ganzen Kraft wiederaufleben könnte. Um diesem potenziellen Keim zu schaden, hat der Westen das am besten funktionierende antikommunistische Instrument wiederbelebt – den Faschismus.

Dass diese Kräfteverteilung keineswegs reine Fantasie ist, zeigt auch die militärische Unterstützung Russlands durch die DVRK, die derzeit das fortschrittlichste und auf dem Weg zum Aufbau des Sozialismus am weitesten fortgeschrittene Staat ist.

Die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit der Militäroperation sind lediglich Vorboten dessen, was in den kommenden Jahrzehnten geschehen wird. Der Verfall der imperialistischen Länder wird einen qualitativen Wendepunkt erreichen, und die Verzweiflung der Reaktionäre, die ihre Macht und ihre frühere Stärke verlieren, wird ihren Höhepunkt erreichen. Die Erfahrungen aus dem antifaschistischen Kampf werden noch oft gefragt sein. Die Völker der Welt werden durch den Kampf die Möglichkeit erhalten, sich ohne westliches Diktat zu entwickeln. Der Aufschwung sozialistischer Stimmungen unter den Arbeitenden vieler Länder sowie die Notwendigkeit, die neuesten Produktionsmittel zu erlernen und die durch die Krise verursachten Notlagen zu beseitigen, werden viele Völker dazu bringen, dem überholten Kapitalismus den Rücken zu kehren.

Und dieser weltweite Übergang zum Sozialismus wird genau in diesem Jahrhundert stattfinden.

Wjatscheslaw Sytschjow,

Sekretär für Ideologie des ZK der RKAP


1Fünf marxistische Aktivisten in Ufa wurden 2025 zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Gruppe traf sich in der Stadt Ufa zu regelmäßigen marxistischen Lesezirkeln. Diese Tätigkeit wurde von den Ermittlungsbehörden als Gründung einer „terroristischen Gemeinschaft“ gesehen. Die Gruppe wurde wegen „Terrorismus“ und „Vorbereitung eines gewaltsamen Umsturzes der Macht“ verurteilt. Gegen das Urteil organisiert sich in Russland Widerstand, v.a. seitens der linken oppositionellen Kräfte, darunter die RKAP, aber auch die der KPRF nahestehenden „Linken Front“, Anm. d. Üb.

2Die RKAP bezeichnet die KPRF in vielen Veröffentlichungen als eigentlich sozialdemokratische Kraft, die die Arbeiterklasse in Russland vom revolutionären Kampf für den Sozialismus ablenke. Sie sei 1993 auf Grundlage eines Deals mit dem Präsidenten Boris Jelzin gegründet worden: Man dürfe sich als sozialdemokratische, nicht kommunistische Kraft organisieren, die neue Macht in Russland dafür allerdings nicht antasten. Vor dem Hintergrund der hohen Massenmobilisierung gegen Jelzin und die Zerstörung der UdSSR sei dies Verrat an der Arbeiterklasse gewesen. Die KPRF kritisiert die RKAP dagegen dafür, ein dogmatisches Verhältnis zum Kampf für den Sozialismus zu vertreten und die besonderen Verhältnisse in Russland nicht zu berücksichtigen. Dem an diesem Streit interessierten (russischsprachigen) Leser seien die Veröffentlichungen beider Parteien empfohlen. Außerdem wird in der Biographie des KPRF-Parteivorsitzenden Gennadij Sjuganow vertieft auf die Auseinandersetzungen innerhalb der russischen kommunistischen Bewegung seit 1991 eingegangen (Житнухин А (2024): Жизнь замечательных людей. Геннадий Зюганов. Биография продолжается. Москва: Молодая гвардия), Anm. d. Üb.

AfD – ¿Quién controla el partido?

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El siguiente texto es una traducción del ensayo del camarada Jakob Yasko titulado «AfD – Wer kontrolliert die Partei?». La siguiente versión en español procede de la página web www.haizeagorriak.wordpress.com. Damos las gracias a los compañeros por la traducción.

Prólogo

Publicamos este extracto de un artículo de análisis y antecedentes sobre la AfD con motivo de la conferencia del partido; este artículo se publicará próximamente en nuestro sitio web.

Si bien la AfD está ganando terreno en las encuestas y se está consolidando como el partido político más fuerte de Alemania, existe un desacuerdo absoluto sobre su naturaleza. Una evaluación de la AfD, incluyendo su historia, desarrollo y todas sus contradicciones, en el contexto del imperialismo alemán, parece aún lejana. En cambio, se recurre con frecuencia a etiquetas y analogías para describir al partido e interpretarlo de una u otra manera.

El movimiento comunista se enfrenta al reto de aplicar las teorías históricas del fascismo a las cambiantes condiciones actuales, sin limitarse a transferirlas esquemáticamente. Esto implica esclarecer no solo la relación de la AfD con el capital monopolista, el aparato estatal y las fuerzas conservadoras, sino también su función durante los periodos de crisis capitalista y militarización simultánea. Es necesario examinar las contradicciones internas del partido, sus cambios estratégicos de poder y su formación, así como las opciones concretas de gobierno que la AfD ofrece y representa. Todas estas cuestiones revisten gran importancia para el próximo artículo de Jakob Yasko sobre la AfD.

En el marco del congreso federal del partido AfD celebrado en Erfurt, el siguiente extracto analiza la evolución interna del partido entre 2013 y 2026. El autor intenta demostrar cómo el ala etnonacionalista liderada por Björn Höcke logró hacerse con el control de todo el partido y advierte contra la confusión entre la profesionalización del AfD y una moderación del mismo.

Cualquier análisis del AfD implica inevitablemente examinar su dinámica interna, ya que los intereses de clase, las orientaciones estratégicas y las formaciones ideológicas se manifiestan concretamente en luchas de poder, alianzas y cambios de personal dentro del partido. El AfD no es un bloque homogéneo, sino el resultado de fuerzas en conflicto cuyas disputas revelan qué corrientes han prevalecido, qué funciones cumple el partido para el capital monopolista y el Estado, y en qué dirección evoluciona su carácter político. Quienes ignoran estos procesos reducen al AfD a una etiqueta estática y desatienden los requisitos para definir con precisión su papel en la transición de una transformación estatal reaccionaria-militarista a posibles formas de gobierno fascistas.

Sin un conocimiento profundo del desarrollo interno de la AfD, es imposible evaluar al partido. ¿Qué fuerzas controlan realmente el partido? ¿Qué influencia tiene el ala de Björn Höcke? ¿Están ganando terreno las fuerzas moderadas dentro del partido? ¿Hasta qué punto y en interés de quién ejerce ya el capital influencia sobre el partido? Debemos poder responder a todas estas preguntas. Representan solo una pequeña parte de los complejos problemas y acontecimientos que debemos abordar para lograr una caracterización realista.

Nota editorial del KO

El desarrollo interno del partido

Tesis: El desarrollo de la AfD es el resultado de una toma de control estratégica a largo plazo por parte de una red nacionalista-étnica que sistemáticamente logró la hegemonía dentro del partido. El llamado «ala» no funciona como una facción radical dentro de un partido populista de derecha, sino cada vez más como su centro estratégico e ideológico. Esto se logró con la protección y el apoyo de aliados conservadores de derecha, el aporte ideológico de redes de extrema derecha y el respaldo táctico de un grupo de nacionalistas-étnicos y la influencia de patrocinadores financieros opacos. La disolución formal del ala no marcó el fin de este desarrollo, sino la transición a una nueva fase de profesionalización, formación de cuadros y consolidación institucional. Desde sus inicios, el partido ha sido un instrumento de la política nacionalista-étnica, que moldea al partido en su conjunto.

Apertura temprana tras la fundación

A continuación, analizaremos la evolución del personal y la estructura de la AfD entre 2013 y 2025. Para mayor claridad, solo se enumeran los acontecimientos más significativos y las figuras clave dentro de la AfD. Todas las disputas, escisiones y fluctuaciones internas del partido son considerablemente más complejas y multifacéticas, y se examinarán con mayor detalle en otro apartado. No obstante, se observa una tendencia fundamental e inequívoca dentro del partido, que se demostrará aquí.                             

En julio de 2013, apenas tres meses después de la fundación del partido, el presidente Bernd Lucke decidió, en consulta con los miembros de la junta directiva Konrad Adam y Alexander Gauland, abrir el partido a la derecha para llegar a la «clientela de Sarrazin» y contrarrestar el estancamiento de las campañas electorales. [1] Las tesis socialchovinistas y racistas del libro de Sarrazin «Alemania se autodestruye» (2010) explotaron los temores de la movilidad descendente entre amplios sectores de la clase trabajadora y la clase media baja en el contexto de la crisis financiera y fueron amplificadas masivamente en los medios de comunicación. El margen de maniobra que la dirección del partido concedió a las fuerzas de derecha se utilizó de inmediato para dar mayor protagonismo a las posturas contrarias al islam y la migración. Si bien el periódico Junge Freiheit (JF) acompañó este proceso favorablemente y en calidad de asesor desde el principio, las redes de Götz Kubitschek también se están orientando ahora hacia la AfD. Mientras que la JF se apoyaba en figuras «respetables» como Gauland y Petry, las redes de Kubitschek acompañaron a fuerzas nacionalistas völkisch como Höcke y Poggenburg en su ascenso dentro del partido y siguieron una línea más dura. [2] Estas diferentes estrategias, que a menudo se resolvían en términos de división del trabajo y cooperación, siguen generando disputas sobre la dirección del partido: ¿Debería la AfD servir como una corrección de rumbo nacional-conservadora para la CDU o debería implementar una «idea de Estado fundamentalmente diferente», [3] como la llama Götz Kubitschek?

Durante 2014 y 2015, salieron a la luz numerosos «escándalos nazis» dentro de la AfD, lo que aumentó la presión sobre el ala nacional-liberal de Lucke. Mientras tanto, Alexander Gauland y Frauke Petry abogaron firmemente por la cooperación con el movimiento Pegida. Las redes de Kubitschek establecieron estrechos vínculos con el Movimiento Identitario durante este período y buscaron activamente la cercanía con el movimiento Pegida y sus ramificaciones a nivel nacional, que estaban destinadas a servir como fachada del partido en el futuro. [4]

La configuración del ala

En marzo de 2015, se formó el Ala (Flügel) para orientar al partido hacia una línea nacionalista-étnica y actuar contra todos los opositores internos a esta línea. Esta red influiría significativamente en el desarrollo del partido. La Resolución de Erfurt puede entenderse como el documento fundacional de la alianza interna del partido y como una declaración de guerra contra todos aquellos que ven al partido «solo» como una corrección de rumbo nacional-conservadora. La resolución critica la «obediencia anticipada» de sectores del partido a los «partidos establecidos» y a las «instituciones» estatales , y exige «un cambio político fundamental en Alemania» mediante una «confrontación valiente con los partidos establecidos » . [5] Un total de 1600 miembros de AfD apoyaron la creación del Ala. [6]

Entre los tres firmantes iniciales se encuentran el presidente del gobierno estatal de Turingia, Björn Höcke, el presidente del gobierno estatal de Sajonia-Anhalt, Andre Poggenburg, y el veterano Alexander Gauland, de la AfD. [7] Götz Kubitschek, coautor de la resolución Flügel, hizo hincapié estratégicamente en las fuerzas nacional-liberales de la AfD ya en 2013: «Que lo hagan, que se distancien un poco de nosotros (…) si eso ayuda a posicionar a este partido más cerca del centro. El pueblo, los simpatizantes del partido, llevan mucho tiempo queriendo más, y esta vez deberían y conseguirán más». [8]

Esta alianza entre Höcke, Gauland y Kubitschek fue y sigue siendo de suma importancia para la AfD. Gauland, como fundador conservador de derecha de la AfD, desempeñará a partir de ahora el papel de figura representativa del conservadurismo dentro del partido y creará condiciones muy favorables para el desarrollo de los nacionalistas völkisch dentro de la AfD. Höcke, aclamado como líder del ala nacionalista völkisch, reúne a fuerzas afines y las posiciona contra los opositores internos del partido. Los puestos de vanguardia de esta ala están ocupados por Björn Höcke, Andreas Kalbitz y Andre Poggenburg, tres individuos que comparten no solo su ideología nacionalista völkisch, sino también un pasado común en el ámbito neonazi.

Götz Kubitschek y sus autores, como creadores de redes e instigadores ideológicos, proporcionan la orientación estratégica necesaria. Si citamos con frecuencia a los estrategas asociados a la editorial y la revista de Götz Kubitschek (por ejemplo, Martin Sellner, Erik Lehnert, Benedikt Kaiser, etc.) a continuación, no es porque no existan suficientes declaraciones similares dentro del propio AfD, sino porque son líderes intelectuales reconocidos, especialmente dentro del ala etnonacionalista, y ejercen una considerable influencia.

En los años siguientes, el intransigente Gauland, de la derecha CDU, con resultados diversos, tuvo cuidado de no buscar una alianza demasiado estrecha con el ala radical, para no poner en peligro su papel de mediador hacia las partes más moderadas del partido. Al hacerlo, fortaleció la alianza interna de nacionalistas étnicos y conservadores de derecha, que se convirtió en garantía del éxito del partido. Proyectos anteriores como el NPD, el DVU y los Republicanos habían fracasado en mantener dicha alianza y se aislaron rápidamente debido a su enfoque excesivamente radical y poco profesional. Gauland, por otro lado, protegió al ala nacionalista étnica con declaraciones como: « Höcke es el centro del partido» [9] .

El colectivo de autores de la Construcción Comunista, que asigna a políticos como Gauland a un ala «nacionalfascista alemana» [10] de la CDU, plantea una cuestión interesante sobre la evaluación del ala derecha de la CDU, pero también corre el riesgo de pasar por alto el carácter amplio del partido, que es esencial para comprender las corrientes internas y para desarrollar un concepto muy amplio de fascismo. Volveremos más adelante a la cuestión de si existió y existe un ala fascista en la CDU, o al menos sectores de la CDU inclinados hacia el fascismo.

Como resultado de estos acontecimientos, la asociación empresarial familiar se distanció del apoyo abierto a la AfD. Los contactos y las relaciones futuras se mantuvieron dentro del marco de la «Sociedad Hayek» o se buscaron a través de canales más informales, como las reuniones clandestinas de funcionarios empresariales, políticos de la AfD y miembros del Movimiento Identitario en la «Mesa Redonda de Düsseldorf». [11]

Esta facción se convirtió en la fuerza impulsora de los futuros acontecimientos en el partido y logró ganar tres luchas internas por el poder.

La victoria en la primera etapa

En julio de 2015, Frauke Petry fue elegida presidenta en una alianza con las redes cristianas fundamentalistas de von Storch y el entorno nacional-conservador de Gauland, antiguo miembro de la CDU. El ala nacional-liberal de Lucke, que buscaba una apertura estratégica a la derecha pero a la vez abogaba por la moderación, fue expulsada por el ala Flügel. [12] En estas nuevas circunstancias, el ala Flügel, liderada por Kalbitz, Höcke y Poggenburg y con el respaldo de Gauland, se convirtió en la facción más influyente dentro del partido. Los políticos de AfD que se mantuvieron alejados del ala Flügel a menudo no eran menos radicales, pero fueron excluidos debido a sus propias ambiciones de poder y problemas de redes. Por ejemplo, en 2016, Frauke Petry y Beatrix von Storch (ninguna de las cuales era miembro oficial del ala Flügel) pidieron que se disparara a los migrantes en la frontera. [13]

Integración en el cártel del partido del capital monopolista

En 2017, la AfD entró en el Bundestag. Aun sin gobernar, el partido se integró rápidamente en el aparato estatal de la República Federal como una pseudooposición. Allí, los representantes de las asociaciones de capital no solo tienen acceso constante al aparato gubernamental y a la Cancillería, sino también a toda la burocracia parlamentaria. Están integrados como asesores, miembros del personal y secretarios de Estado en todos los consejos asesores, comités, grupos de trabajo y otros órganos. Los representantes de las asociaciones de capital mantienen relaciones particularmente estrechas con los grupos parlamentarios, sus dirigentes y las facciones internas del partido. De este modo, forman el vínculo entre el capital monopolista, las asociaciones de capital y el aparato estatal, una red de la que la AfD se ha convertido en parte integral. [14] El partido actúa, por un lado, como una pseudooposición, pero, por otro, cada vez más como un partido gobernante potencial, como parte integral del cártel del partido del capital monopolista, y en este sentido cumple un papel especial, que analizaremos con más detalle más adelante.

En su libro de 2021, «Requiem», Frauke Petry expone algunas de las redes y sus financiadores que ya analizamos en el capítulo sobre la fundación de la AfD. Mi propia revisión de fuentes me llevó a compartir aquí sus ideas. Incluso antes de la fundación del partido, el multimillonario August Baron von Finck, a través de la empresa suiza «Degussa Goldhandel», financió la llamada «Convención Ciudadana» con 6 millones de euros. Su junta directiva incluía, entre otros, a la disidente de Alemania Oriental Vera Lengsfeld, al exeditor del FAZ Klaus-Peter Krause y a Beatrix von Storch. Mientras que estos dos últimos se unieron a la AfD, Lengsfeld dirige y financia las campañas electorales de la AfD de Turingia de Höcke. [15] Desde su fundación, Finck ha ejercido repetidamente influencia en el partido a favor del ala de Höcke. Sin embargo, los capitalistas como Finck, que apoyan públicamente a los partidos y desempeñan un papel destacado, son la excepción. Para mantener la apariencia de una democracia en la que se permite que el pueblo tenga voz y voto, existen mecanismos encubiertos para influir en los partidos, que han demostrado ser un método probado y eficaz de dominio capitalista monopolista.

Solo la CDU recibe más donaciones importantes que la AfD. Por un lado, esto no sorprende, ya que la CDU ha demostrado durante décadas ser un partido fiable para la defensa de los intereses del capitalismo monopolista. Por otro lado, esto demuestra cómo se construye deliberadamente un partido político desde arriba en caso de que la CDU ya no sea capaz de implementar los planes de la clase dominante. Analizamos qué significa esto exactamente en los capítulos sobre la fascismo y la relación entre el imperialismo alemán y la AfD. El número de grandes donaciones a la AfD aumenta año tras año. Sus donantes suelen permanecer ocultos debido a la opacidad de las leyes del partido, los métodos de financiación encubiertos (las llamadas «donaciones testaferro») y la corrupción. [16]

La victoria en la segunda etapa

Frauke Petry, quien criticaba cada vez más la creciente influencia del ala en el partido en su conjunto, perdió la contienda por el liderazgo del partido en 2017 frente a Jörg Meuthen, un partidario del ala. Esta segunda transformación ya revela la hegemonía del ala dentro del partido. A partir de entonces, fue casi imposible eludir la red etnonacionalista. Alice Weidel también lo entendió, habiéndose distanciado de sus críticas a Björn Höcke desde 2017 y estableciendo contactos con Götz Kubitschek. Este facilitó la colaboración entre el exgerente de Goldman Sachs y el ala de Höcke. [17] Se desarrolló una relación de dependencia entre individuos como Meuthen o Weidel (aparentemente derechistas más moderados) y el ala, una relación que puede ser dominada por el ala: Meuthen basa su poder en el ala, que lo utiliza como una figura decorativa «burguesa».

Refiriéndose a correos electrónicos internos, Petry señala que Maximilian Krah en 2016 y Alice Weidel en 2017 recibieron pagos sustanciales y opacos de Suiza antes de alinearse con Höcke. Lo mismo ocurre con el político del SPD Guido Reihauss, quien se pasó a la AfD tras un incidente similar. Klonovsky, colaborador de Petry y ahora empleado de Alexander Gauland, quien apareció varias veces en la «Asociación para la Preservación del Estado de Derecho y las Libertades Civiles» de Finck y probablemente recibió honorarios sustanciales por ello, ejerció una presión creciente sobre Petry para que moderara su postura hacia Höcke. [18] Esta misma asociación supervisó la fundación del Deutschlandkurier en 2017, fruto de conversaciones con editores y periodistas de la radiotelevisión bávara. Desde entonces, el Deutschlandkurier, como publicación de primera línea, se ha alineado con el ala nacionalista völkisch de la AfD. [19]

La victoria en la tercera etapa

En 2020, se publicó el «Llamamiento de los 100». En él, políticos de AfD de mayor o menor rango criticaron el poder y la influencia de Flügel (la facción de extrema derecha) sobre todo el partido y denunciaron a la red como antidemocrática y perjudicial para la reputación del partido. En la conferencia federal del partido celebrada ese mismo año, todos los firmantes del llamamiento que ocupaban un cargo de liderazgo o se postulaban para uno fueron destituidos y reemplazados por simpatizantes de Flügel. [20]

Un año antes, Alexander Gauland ya había cedido su puesto de presidente al protegido de Flügel, Tino Chrupalla. En aquel momento, Gauland suponía que el 40 por ciento del partido apoyaba a Flügel; sin embargo, nunca se publicaron cifras oficiales. [21] La facción interna del partido había logrado sus objetivos declarados en los cinco años comprendidos entre 2015 y 2020 y se disolvió al año siguiente. La alianza de nacionalistas étnicos y conservadores de derecha influyó significativamente en el partido y eliminó todas las «restricciones de pensamiento y expresión dentro del partido» que habían criticado en su Llamamiento de Stuttgart de 2018. [22]

Cuando Meuthen se rebeló contra la continua influencia del ala disuelta en 2022, se produjo una escisión que condujo a la tercera transformación del partido. En la conferencia del partido de 2022, Alice Weidel fue elegida nueva presidenta. Con su nombramiento, solo los políticos favorecidos por el ala fueron designados para el comité ejecutivo. [23] Esto sucedió a pesar de que el ala ya no existía como un «grupo de interés» oficial en ese momento. En 2021, en la cúspide de su poder, el ala se disolvió oficialmente. Kalbitz fue convertido en chivo expiatorio y expulsado del partido debido a su pasado neonazi. Chrupalla votó en contra. [24]

Una red en segundo plano

La influencia que el ala mantuvo tras su disolución formal queda demostrada por la alianza entre Weidel y Höcke, así como por la destitución de Meuthen en 2022. El ala, en la práctica, sigue existiendo. A pesar de que en la conferencia del partido de 2022 se eligieron numerosos individuos que representaban abiertamente posiciones etnonacionalistas para el comité ejecutivo del partido, y de que se distribuían periódicos que glorificaban a las Waffen-SS en la antesala del auditorio, Weidel se mantiene notablemente discreto. [25] Las redes de Höcke llevan mucho tiempo moviendo los hilos entre bastidores. En la misma conferencia del partido, su iniciativa también propició la decisión de colaborar con el ultraderechista Centro Automobil como organización fachada de la AfD. [26]

Si bien el equilibrio de poder dentro del partido sigue siendo polémico, se ha inclinado significativamente a favor del ala etnonacionalista desde 2017. La disolución del propio partido no ha alterado esta situación. Los debates actuales a veces involucran a antiguos simpatizantes del ala, pero ya no poseen el potencial explosivo de las disputas previas a 2022. Con su posición firmemente afianzada dentro del partido, el ala está implementando una estrategia de profesionalización: definiendo términos, compitiendo por posiciones, desarrollando estrategias y apuntando a asociaciones estatales «moderadas».

La marcha triunfal continúa.

Desde entonces, la evolución posterior del partido ha demostrado de forma reiterada y clara la hegemonía del ala nacionalista völkisch: la creación de la red Münzenmaier, la fundación de Generación Alemania y el establecimiento de academias políticas.

En 2022, se formó la denominada Red Münzenmaier para prevenir futuras disputas abiertas en las conferencias del partido y organizar votaciones internas entre las diversas facciones del mismo. Sebastian Münzenmaier y su red controlan las listas de candidatos, las votaciones e incluso los temas a debatir. [27] La ​​hegemonía del ala etnonacionalista es un hecho indiscutible. No se discute ni se cuestiona por las partes relevantes del partido. Sebastian Münzenmaier, antiguo hooligan del 1. FC Kaiserslautern, comparte un pasado común con casi todos los miembros de su red en la antigua organización juvenil de extrema derecha de la AfD (Alternativa Juvenil) y en el ala oficialmente disuelta. Tres miembros del comité ejecutivo federal se encuentran entre ellos: Dennis Hohloch, Hannes Gnauck y Alexander Jungbluth. Además, René Springer, Jan Nolte y Matthias Helferich representan a la red en el Bundestag. Una extensa investigación realizada por la «Sociedad por los Derechos Civiles» revela: «A nivel estatal, la red está representada en varios estados federados. René Springer es el presidente estatal en Brandeburgo, Ulrich Siegmund es miembro del comité ejecutivo estatal y presidente del grupo parlamentario en Sajonia-Anhalt, Damian Lohr es el director gerente parlamentario del grupo parlamentario de la AfD en Renania-Palatinado, Andreas Lichert es el portavoz estatal de la AfD en Hesse, Tobias Rausch es miembro del parlamento estatal de Sajonia-Anhalt y Jean-Pascal Hohm es miembro del parlamento estatal de Brandeburgo. A nivel europeo, René Aust encabeza la delegación de la AfD y funge como copresidente del grupo Europa de Naciones Soberanas (ESN). Alexander Sell es el presidente y Alexander Jungbluth es el vicepresidente del grupo ESN». [28]

En las conferencias federales del partido celebradas en Magdeburgo (2023), Essen (2024) y Gießen (2025), la red ejerció una influencia demostrable en favor del ala nacionalista völkisch sin generar enfrentamientos de gran repercusión, como había ocurrido históricamente en el partido. Los miembros de la red no solo se esfuerzan por construir estructuras extraparlamentarias, denominadas «Vorsprung» (frente preliminar), sino que también participan con frecuencia en academias y celebraciones en la mansión de Götz Kubitschek en Schnellroda. Fuentes cercanas a la red afirman que comparten «los mismos objetivos, los mismos ideales» con Höcke .[29]

Si bien el ala del partido (Flügel) tuvo que superar un período de intensas luchas internas contra opositores dentro del partido, la red de Münzenmaier representa una nueva fase de profesionalización. Las redes de Münzenmaier representan una nueva generación de nacionalistas étnicos que pueden aprovechar los éxitos del ala del partido y sentirse conectados a ella.

Otro hito para esta red fue la fundación de la organización juvenil Generation Germany (GD) en 2025. Esta reorganización de la anteriormente más independiente Young Alternative demuestra claramente la estrategia de profesionalización y no debe confundirse con moderación.

La responsabilidad de establecer la nueva estructura del partido recayó principalmente en Dennis Hohloch y Jean-Pascal Hohm, ambos vinculados a las redes de Kubitschek y Höcke y parte de la red de Münzenmaier. El nuevo líder de GD, Hohm, también mantiene estrechos lazos con la editorial Jungeuropa y el Movimiento Identitario. Para el comité ejecutivo de Generación, Hohloch y Hohm reunieron a un grupo heterogéneo de jóvenes de extrema derecha y obtuvieron la aprobación de sus bases en la conferencia federal del partido en noviembre de 2025. La exigencia de «remigración» o «remigración masiva» fue un tema recurrente en casi todos los discursos de nominación. Un informe de la conferencia del partido, elaborado por TRT, recopila algunas de estas declaraciones y escribe: «Million Trautner, de Baden-Württemberg, exigió «que las deportaciones comiencen finalmente en el país, que las pistas de aterrizaje en Alemania estén ardiendo»». La declaración de la candidata Julia Gehrkens, también elegida para la junta directiva de ALD, fue recibida con un estruendoso aplauso: «¡Solo la remigración masiva protegerá a nuestras mujeres y niños!». El nuevo miembro de la junta, Cedric Krippner, también recibió un gran aplauso cuando pidió «remigración masiva». «Debemos deportar, deportar, deportar hasta que Alemania vuelva a ser nuestro hogar», dijo Helmut Strauf, también miembro de la junta directiva de ALD. [30]

La Academia Negro-Rojo-Oro de las asociaciones estatales de Turingia y Baviera, cuya creación fue supervisada por Björn Höcke, pretende servir como futuro campo de entrenamiento para estos jóvenes talentos. Con la fundación de esta academia, las redes de Höcke materializan los debates sobre centros de formación interna del partido, que se han exigido repetidamente, especialmente desde Schnellroda. El FPÖ, con su «formación basada en cuadros» de jóvenes funcionarios «a través de seminarios intensivos», sirve de modelo. [31] Si bien la Academia Negro-Rojo-Oro, de alcance nacional, forma principalmente a los altos cargos del partido, esta rama se encarga de desarrollar el talento para el segundo nivel.

La política de personal del comité ejecutivo federal de la AfD también beneficia sistemáticamente a las redes de Höcke y Münzenmaier. Este máximo órgano del partido está compuesto predominantemente por personas de confianza de dichas redes. [32]

Cuando el político militar de la AfD y coronel de la Bundeswehr, Rüdiger Lucassen, critica a Höcke por su postura sobre el servicio militar obligatorio (Höcke quiere implementarlo solo cuando la AfD esté en el gobierno), se enfrenta a un procedimiento disciplinario por parte del grupo parlamentario. [33] En la conferencia del partido AfD en Erfurt en 2026, el confidente de Höcke, Stefan Möller, se presentará como candidato a portavoz federal adjunto. «Sé que si Stefan Möller está en el comité ejecutivo federal, entonces tengo a alguien con quien estoy en estrecho contacto; estoy conectado sin tener que hacer el trabajo yo mismo. Y puedo seguir concentrándome en la línea de Turingia», [34] explica Höcke , y continúa: «Él quiere —y esto es muy importante para nosotros— implementar la línea de Turingia en el comité ejecutivo federal». [35]

Lo cierto es que la disolución formal del ala no significó una ruptura, sino más bien un ajuste táctico para la profesionalización, el desarrollo de cuadros y el establecimiento de estructuras de primera línea. Si, por lo tanto, se puede afirmar con razón que el ala influye en gran parte del partido, surge la cuestión de su caracterización precisa. Los objetivos, las redes y la ideología del ala, así como sus aliados conservadores de derecha y sus críticos internos, deben examinarse con la misma atención que la naturaleza de la AfD en su conjunto.

Por Kommunistische-organisation.

Fuente: Haize Gorriak.


[1] Friedrich (2017): AfD, p.52.

[2] Weiss (2017): Revolte, p.89 y ss.

[3] Kubitschek (2024): Oposición, https://sezession.de/68990/sechs-gedanken-zur-lage-der-nationalen-opposition?hilite=Staatsidee

[4] Ibíd., págs. 139-144.

[5] Archivo web derfluegel.de (2016): Resolución, https://web.archive.org/web/20160105210808/https://www.derfluegel.de/2015/03/14/die-erfurter-resolution-wortlaut-und-erstunterzeichner/.

[6] Friedrich (2017): AfD, pág. 62.

[7] Endstation Rechts (2015): AfD-Flügel, https://www.endstation-rechts.de/news/rechter-afd-flugel-festigt-position .

[8] Kubitschek (2016): El ancho de la pista de la cresta estrecha, pág. 46.

[9] Büüsker (2020): Höcke, https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-herr-hoecke-ist-die-mitte-der-partei-100.html .

[10] Colectivo de autores KA (2023): Fascismo, p.189.

[11] Anhold (2026): Hayek, https://www.lobbycontrol.de/aus-der-lobbywelt/hayek-gesellschaft-klimafaktenlänger-und-extreme-rechte-auf-einer-buehne-mit-einer-wirtschaftsweise-125283/

[12] Weiss (2017): Revolte, pág. 91.

[13] Friedrich (2017): AfD, pág. 69.

[14] Colectivo de autores (1988): RFA, pág. 131 y ss.

[15] Petry (2021): Réquiem, p.274.

[16] Eschmann (2026): Donaciones de partidos, https://www.lobbycontrol.de/parteienfinanzierung/parteispenden-2025-afd-grossspenden-explodieren-123936/.

[17] Kienholz (2020): Kampf, pág. 23/ pág. 76.

[18] Petry (2021): Requiem, págs. 278 y siguientes.

[19] Ibíd., pág. 276.

[20] Kienholz (2021): Kampf, p.56.

[21] Ibíd., pág. 22.

[22] Ibíd., 22.

[23] Ibíd., 23 y ss.

[24] Die Zeit (2020): Chrupalla, https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/afd-tino-chrupalla-andreas-kalbitz-rauswurf-rechtsextremismus

[25] ARD (2022): Congreso del Partido, https://www.ardmediathek.de/video/ard-sondersendung/bericht-vom-parteitag-der-afd/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2FyZC1zb25kZXJzZW5kdW5nL2EyYzMwMDk2LTRmMzktNGZkMC05NzRjLTc5YzA2ODY2MmRlOA

[26] Ibíd.

[27] Moini (2026): Opinión legal, pág. 257 y siguientes.

[28] Ibíd., págs. 261 y siguientes.

[29] Ibíd., pág. 282.

[30] TRT Deutsch (2025): Congreso de las Juventudes de AfD, https://www.trtdeutsch.com/article/7c1d31801067

[31] Canal Schnellroda (2024): Podio, https://www.youtube.com/watch?v=_M8eWCfWeyI , a partir del minuto 41.

[32] Informe 238.

[33] Pfeffer/Kurz (2026): AfD-Bundestagsfraktion, https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ordnungsverfahren-lucassen-afd-100.html .

[34] Thorwarth (2026): Machtspiel, https://www.fr.de/politik/hoeckes-machtspiel-in-der-afd-vertrauter-soll-vize-werden-wechsle-niemals-ein-gewinner-team-aus-zr-94350285.html .

[35] Ibíd.

Fear of Communists and a strong Palestinian movement

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On the banning on “Palästina e.V.” and the state’s attempt to isolate the KO

The Interior Ministry of the German state of Hessen has banned the association Palästina e.V., which had already been dissolved in 2024. The ban is intended to be a blow to the Palestine movement, which has maintained a persistent presence on the streets for three years and is mobilizing people who were previously not politically active. The Palestine movement advocates positions that are diametrically opposed to the Germany’s policy of an active complicity in the genocide. Despite its ups and downs, the Palestine movement has built a successful political and ideological social mobilization against the prevailing German federal policy.

The ban is specifically aimed at rendering the Palestine movement in Frankfurt incapable of action by claiming that the association continues to exist and is behind the many activities taking place in the city. This ban is intended to criminalize and shut down many of these activities. According to Article 9 of the German Constitution, associations or organizations may be banned if they violate the “constitutional order” or the “ideal of international understanding.” The claim that the association in question is said to have violated these principles is clearly far-fetched. The only thing the ban proves is that the former Palästina e.V. expressed political opinions—opinions that run counter to the state’s position.

However, expressing dissenting opinions is a fundamental constitutional right. The fundamental right to freedom of expression only makes sense if citizens can express opinions that do not serve the state’s interests without having to fear repression or suppression by the state. This is called bourgeois democracy. Communists know that this democracy is an illusion, but they are often the ones who consistently defend fundamental rights.

The ban on the association is intended to eliminate a specific position from within the Palestine movement. It concerns the unwavering stance against the illegal occupation of Palestine since 1948 and solidarity with the Palestinian people’s resistance against this occupation. This position is diametrically opposed to the Federal Republic of Germany’s material and ideological support for the terrorist occupying regime of Israel. Through its justification, the Hessian Ministry of the Interior seeks to establish that Palestine does not exist and, consequently, neither does the occupation, the expulsion, apartheid, nor genocide. Since the association’s founding in 2022, Palästina e.V. has been subjected to threats of dissolution.

Kommunistische Organisation in the Crosshairs

The Kommunistische Organisation (KO) is also at the center of the Hessian Ministry of the Interior’s justification for the ban. KO is alleged to have established the Palästina e.V. as its “offspring.” This claim contradicts the KO’s principles. As early as 2024, the domestic intelligence service has been working to isolate the KO from the Palestine movement and beyond, by emphasizing that it stands in solidarity with all forms of resistance. The goal is to purge the movement of this position and signal to it that it had better rein itself in if it does not want to be crushed as well.

The Federal Republic of Germany is on a war footing. It is preparing for war against Russia and is vigorously supporting the genocide in Palestine and the expulsion of the Palestinian people. The settler colony “Israel” is supported unconditionally, while resistance and solidarity with Palestine are combated and demonized. Zionism, a fascist ideology that has become normalized in Germany, is to remain normalized despite its increasingly overt fascist character. This fuels the rise of neo-fascist movements and parties as rallying points for an aggressive German war policy. The enforcement of the colonization of all of Palestine and the annihilation of national resistance is an important part of this war policy. Any criticism of this is to be silenced in order to shape German society for future colonial wars of its own.

Politicians and the media are stoking a climate of fear: The population is supposed to fear “the Russians” or “Hamas”—and not the fact that their governments want to lead them into the calamity of a new major war. Yet the mood among the population is not what the federal government would like it to be. Many people oppose supporting genocide and also oppose the plans for war against Russia. They oppose arms deliveries and the unprecedented military buildup in this country. The resistance in Palestine cannot be crushed, and solidarity with it is growing worldwide. Iran is tenaciously defending itself with the support of millions of people around the world. For many, the masks of imperialism have fallen. More and more people are recognizing that the imperialists are enforcing their aggressive and destructive policies with the help of fascist forces in order to maintain their global domination.

In this situation, clear positions that have the potential to reflect the views of large segments of the population and to organize them pose a threat to German war policy. With regard to Palestine, the KO advocates solidarity with the resistance and the liberation of all of Palestine. The KO also stands for solidarity with the Islamic Republic and takes the position that Russia must oppose NATO, which has established fascism in Ukraine in the form of revived Banderism in order to subjugate Russia. These positions—and especially their combination—are a thorn in the side of the German state.

Within the left-wing movement, some of the KO’s positions are met with rejection, which sometimes leads to rumors being spread against the KO and to its isolation. Open discussions are rarely sought; instead, contradictions are exacerbated. In part, fundamental differences and historical divisions provide the backdrop for this—for example, between Trotskyists and “Stalinists,” or the rejection of communists in general, who are labeled “authoritarian.” Forces such as the leadership of the Left Party seek to weaken the Palestinian movement as a whole in the interests of the state and primarily attack positions that side with the resistance. With its material resources, it repeatedly manages to co-opt the movement and put it to its own use, often with the support of groups that actually position themselves to the left of the Left Party. The Left Party aims to make positions such as—among others—the unrealistic two-state solution socially acceptable again and to transform the movement into one that is solely opposed to the “humanitarian catastrophe,” while refusing to name the perpetrator of the genocide in Gaza.

In addition to these debates, there are also contradictions and political struggles that arise from the events themselves. In order to reach a common understanding, the issues must be examined comprehensively and with nuance, which would require the creation of a constructive space for discussion. For example, the U.S. has exacerbated existing contradictions in Syria and exploited them for its own purposes to destroy the country and eliminate it as part of the Axis of Resistance. Whenever imperialists plunge a country into civil war, suffering ensues on all sides, which sometimes leads to the decisive role of the imperialists being overlooked. Mutual trust is necessary to discuss these developments in a way that, as far as possible, uncovers the causes of the divisions and differences.

On the side of the resistance

In addition to repressive measures such as bans and legal proceedings, conspiracy theories targeting the KO play an important role. The KO is portrayed as a dark force pulling the strings behind the scenes and said to be particularly radical. It is claimed that it pursues goals within the Palestinian movement that are different from the Palestinian cause itself. The lie of infiltration is being spread. The KO, however, was and is an organization that hides neither its politics nor its internal contradictions or its own weaknesses. As a collective, it is convinced that only open and public discussion can develop and advance the movement.

Politically, the targeting and a possible ban of the KOis meant to isolate its organized structures and thereby render them ineffective. For the German state, it is a threat that many people in the movement take a stance of supporting the resistance and that the KO, with its modest resources, potentially bolsters these positions. That said, support for the resistance does not depend on the KO as many other organizations and individuals in the Palestine movement hold the same positions entirely independently of the KO.

The KO’s goal is to strengthen the Palestine movement as a whole and to foster organized networks in which people advocate for the liberation of all of Palestine. KO comrades work hand in hand with many people and strive to learn together how best to wage the struggle. How does the enemy operate, who are our allies, and what is at stake in this political struggle?

The struggle for the liberation of Palestine is a central part of the struggle against the entire war machine, against the preparation and waging of further wars, and against the colonial subjugation of the oppressed world. A thorough examination of the history of Palestine and its occupation since 1948 inevitably leads one to recognize the connection to imperialism’s predatory domination of West Asia. Recognizing these connections is precisely what the state seeks to prevent through bans that suppress free speech. Scientific-socialism has developed in order to best understand these connections and to achieve the political impact of the movement against capitalism.

The Fear of Communism

Communism is the nightmare of the capitalist state. However, it does not arise or exist outside the many struggles for fundamental rights, for the improvement of living conditions, or against wars. Communism emerged from the movement and is part of it. It differs from the movement only in that it represents the cause of the entire movement and does not merely wage individual struggles. In order to unite these struggles, the communist movement must understand and be able to highlight the overall context of exploitation, oppression, and the disenfranchisement of people, both in Germany and worldwide.

The KO does not yet meet this standard. It is in the process of learning. It recognizes that the communist movement is in the midst of a deep ideological and organizational crisis and sees it as its task to overcome this crisis. The KO’s work is guided by the realization that, strategically, the goal must be to overcome the conditions in which human beings count for nothing and the profits of the few serve as the yardstick for politics, regardless of which party is in power. Every struggle for liberation from the deadly grip of the profiteers is legitimate and has its own demands, but all struggles must be waged in such a way that they act in solidarity and hand in hand against the common enemy. The enemy, however, sows division wherever it can. This includes the attempt to drive the movement apart through intimidation and repression with the current ban on the association.

Contrary to the accusation of ‘infiltration’, KO members act according to the principles of the KO’s resolution on mass work. As communists, we promote the establishment and development of democratic, active, and independent organizations that act in the interests of their own inherent class interests. These can be Palestine solidarity groups, neighborhood initiatives, workplace groups, or similar organizations. Precisely because we believe that autonomous and active organizations are necessary—places where people can learn to organize for their own interests and become capable of collective action. Autonomy is a key principle.

The Undemocratic Tradition of the German State

To undermine the vibrant connection between the movement and communists, mistrust is stoked, political differences are exploited, and repression is carried out. The repression against the entire Palestine movement has reached a scale not seen in quite some time: bans on demonstrations, bans on certain content, criminal proceedings, occupational bans, sanctions against citizens, and social ostracism. Yet all these measures are evidently not enough to crush the movement or steer it in a desirable direction.

The use of association bansuse of bans on association and organisations is the weapon with which the state nevertheless seeks to achieve these goals. The bans against Samidoun, Palestine Solidarity Duisburg (PSDU), and Palästina e.V. have only one purpose: to suppress political stances in support of the resistance and remove them from the streets. These are anti-constitutional and unconstitutional bans intended to undermine fundamental democratic rights.

The central aim is to eliminate organized forms through which people come together politically, articulate their views, and take action when fighting for political goals that contradict the government’s policies and are thus genuinely oppositional. For the Palestine movement, this means that criminalization follows when it fights against genocide, colonialism, and displacement.

The so-called Association Act, which the Federal Republic of Germany applies, is essentially a law banning associations, since it deals almost exclusively with how associations can be banned. This law stems from a long tradition of the German state. The right to form associations is the result of the struggles of the labor movement since its inception. All fundamental rights, including the freedom of association, were won through struggles, specifically by those who were disenfranchised and, in the state’s view, were meant to remain without rights. The German state has always responded to the demands of the labor movement with particularly repressive measures. Laws were enacted to combat, control, and curtail these organizations and, by extension, freedom of expression and assembly.

Palestine Movement – Movement for Democracy

The KO’s experiences to date show that the struggle for democratic rights is indispensable for discerning the social balance of power. For even when the population makes the smallest demands, the state opposes them and attempts to disperse and undermine them. The more successes are achieved in this struggle, the more forcefully the state will push back against them. Achieving genuine and comprehensive democratic conditions for the masses of the population will not be possible without overcoming capitalism. But even under capitalism, more democratic conditions can be won through the strong organization of the people in defense of their own interests.

Every political opposition movement is confronted with these tools of repression. The Palestinian movement is fully aware of how important the struggle for democratic rights is. It is confronting the political struggle launched against it by state authorities, courts, and prosecutors. In the past, it has been shown time and again that it pays not to simply accept all restrictions. The Palestine movement has successfully fought back against various forms of repression, ranging from the criminalization of slogans to restrictions on demonstrations. The struggle against the Association Act, against bans on associations, and against the intimidation associated with them is an important part of this. The state has declared war on the movement and seeks, above all, to isolate it socially. It wants to prevent more and more people from joining its cause.

It is becoming increasingly clear: The Palestine movement is the movement for the defense of democratic rights, international law, and the Constitution against interior ministers, public prosecutors, and so-called “anti-Semitism commissioners.” This constitutional order, as well as international law, poses an ever-greater obstacle to German imperialism. In order to wage a war against Russia, this order must be adapted and altered accordingly. The struggle to preserve and protect democratic rights stands in direct opposition to these preparations.

The enforcement of democratic rights is a fundamental prerequisite for nearly every oppositional movement in Germany. This reveals the undemocratic character of the elites and their traditions, which also manifest themselves within the Federal Republic of Germany itself. The FRG’s constitution protects an order in which people count for nothing and, instead, property and the power of large corporations reign supreme. That is why the communists voted against this undemocratic order. However, the then-chairman of the KPD, Max Reimann, aptly identified who would defend the constitution and who would dismantle it: “We will not sign it. However, the day will come when we Communists will defend this Basic Law against those who adopted it!”

Let us take up the fight. Let us learn what kind of opponent we are dealing with and what methods he employs. Let us expose him as an enemy of democracy. Let us study the laws, the traditions of the state, and its intentions. Let us learn how more people can organize themselves so that they can be politically effective and have a say, rather than watching helplessly and at a loss. In summary: Do not remain silent, do not cave in to the guilt by association, take a stand on the issues, and advance the liberation of Palestine!

The state must understand that the Palestinian movement cannot simply be silenced. What if, in Germany, masses rise up against genocide and war policies and stand up to the crimes of those in power? Thwarting the plans of those in power means recognizing our own—our human—interests and standing up for them.

Contre le « marécage » : la rupture de Lénine avec l’opportunisme

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La traduction suivante du texte «Gegen den »Sumpf«: Lenins Bruch mit dem Opportunismus», rédigé par le camarade Paul Oswald,a été réalisée par Supernova – Revue marxiste-léniniste.

Pourquoi Lénine a-t-il lu Hegel, étudié des centaines de livres et d’articles et se penché en détail sur l’œuvre du libéral John A. Hobson avant de achever son ouvrage sur l’impérialisme ? L’histoire de la genèse de cette brochure montre ce que Lénine entendait par « analyse concrète » en tant que condition préalable à toute politique révolutionnaire.

En juillet 1916, il y a 110 ans, Lénine envoya le manuscrit de sa brochure sur l’impérialisme à la maison d’édition Parus de Petrograd. Ce n’est qu’après la Révolution de février, en avril 1917, que l’étude novatrice de Lénine sur l’impérialisme fut publiée.

Au sein du mouvement ouvrier révolutionnaire, une controverse virulente faisait rage depuis plus d’une décennie au sujet de l’analyse politique et économique de la nouvelle ère – qu’Lénine allait qualifier de révolutionnaire. Les conséquences pratiques de ce débat idéologique se sont manifestées au plus tard avec l’effondrement de la IIe Internationale, l’instauration de la trêve politique et l’intégration de la social-démocratie dans la guerre mondiale impérialiste.

Avec son étude sur l’impérialisme, Lénine a fourni au mouvement ouvrier les outils idéologiques décisifs pour sa lutte. Son analyse a justifié la nécessité d’une rupture avec la social-démocratie en s’appuyant sur l’évolution des conditions du capitalisme lui-même, devenant ainsi un fondement théorique majeur de la Révolution d’octobre et de la formation de la IIIe Internationale.

Même après plus de 100 ans, l’analyse de Lénine reste l’un des écrits les plus controversés du communisme scientifique. Cela n’a rien d’étonnant. Comme dans « Que faire ? » (1902), « L’État et la révolution » (1917) et d’autres ouvrages, Lénine relie directement l’analyse théorique aux conditions concrètes de lutte du mouvement ouvrier : à l’identification de ses adversaires et de ses alliés, à ses tâches et aux conditions de la politique révolutionnaire. C’est précisément pour cette raison que le débat autour de Lénine est toujours aussi un débat autour des conclusions politiques. Pour l’opportunisme, il est d’une importance capitale de déformer cette analyse concrète et, ce faisant, d’égarer le mouvement ouvrier dans sa lutte.

La reprise du débat sur l’impérialisme, au plus tard depuis le déclenchement de la guerre en Ukraine, a favorisé une tendance à la simplification et à la dogmatisation. On a vite fait de sortir des citations isolées, arrachées à leur contexte, tirées de l’ouvrage sur l’impérialisme, pour confondre les adversaires de l’opportunisme. Ce catéchisme largement répandu et ses célèbres prédicateurs, qui mettent en garde contre toute remise en question de leurs paroles sacrées, ont pour conséquence qu’aujourd’hui, on ne constate ni étude systématique des travaux de Lénine, ni tentative sérieuse de tirer parti de ces expériences pour le présent.

Lénine considérait que briser le catéchisme « communiste » était l’une des tâches politiques centrales de son époque. Aujourd’hui encore, cela reste une tâche décisive, et elle le restera tant qu’il y aura des classes et une lutte des classes.

En ce qui concerne le catéchisme léniniste sur la question de l’impérialisme, une première étape importante consiste à se demander pourquoi Lénine a travaillé sur cette étude – c’est là qu’intervient l’article suivant. Dans un deuxième temps, on pourrait élargir le regard sur l’état des débats de l’époque au sein du mouvement ouvrier, afin d’examiner ensuite en quoi consistait exactement le raisonnement de Lénine et comment celui-ci doit être compris – ou ne doit pas être compris – dans le contexte de sa situation de lutte concrète. Une telle réappropriation de l’analyse de Lénine sur l’impérialisme ne peut toutefois pas être la tâche d’individus isolés, mais reste une mission collective du mouvement communiste.

Une mission politique

En 1915, Maxime Gorki fonda, en collaboration avec l’éditeur Alexandre Trikhonov et Ivan Ladyshnikov, la maison d’édition Parus (La Voile). Gorki reprit une idée datant de 1911 et proposa une collection intitulée « L’Europe avant et pendant la guerre », qui devait se présenter comme un réquisitoire contre le capitalisme. Cette série de publications devait mettre en lumière la Première Guerre mondiale et ses causes profondes du point de vue des différents pays. Le travail commandé à Lénine pour cette série lui offrait, sur le plan politique, la possibilité d’exposer pour la première fois, de manière légale et exhaustive, ses réflexions théoriques sur l’impérialisme à la classe ouvrière russe. La série de publications de Gorki s’enlisa. Outre l’ouvrage de Lénine sur l’impérialisme, seules les études de Pavlovitch sur l’Asie et de Tcheraskov sur l’Angleterre ont été publiées par les éditions Parus dans le cadre de cette série.

En janvier 1916, Lénine commença à rédiger la brochure. À partir d’avril 1916, il subit une pression croissante de la part de la maison d’édition pour qu’il achève enfin la brochure. En mai et juin 1916, Lénine se concentra exclusivement sur la finalisation de l’ouvrage, ce qu’il réussit à faire en juin 1916 – mais pas dans le volume convenu. Un an après la remise du manuscrit, en août 1917, la brochure de Lénine fut publiée à 15 000 exemplaires, qui furent rapidement épuisés.i

Lénine lit Hegel

Les recherches approfondies de Lénine sur l’impérialisme et l’élaboration d’une orientation stratégique furent précédées, après le début de la Première Guerre mondiale, par une étude de la philosophie classique allemande. Entre septembre 1914 et mai 1915, Lénine étudia notamment « Exposition, développement et critique de la philosophie de Leibniz » de Ludwig Feuerbach, la « Science de la logique » de Hegel, en tenant compte de la « Logique » dans l’« Encyclopédie » de Hegel, les « Cours sur l’histoire de la philosophie » de Hegel, les « Cours sur la philosophie de l’histoire mondiale » de Hegel. À cela s’ajoutait une abondante littérature secondaire. Les études approfondies de Lénine se traduisirent par une multitude d’extraits et de notes commentées, publiés sous le titre « Cahiers philosophiques » dans le tome 38 des Œuvres de Lénine.

Lénine, alors âgé de 44 ans, a suivi en trois trimestres un programme philosophique complet. Pour Lénine, il existait manifestement un lien entre l’arsenal théorique des partis sociaux-démocrates de la IIe Internationale et leur trahison au cours de la Première Guerre mondiale. Ils avaient mis de côté les fondements scientifiques de la théorie marxiste. Le souci de Lénine était de rappeler ces fondements scientifiques afin de redonner à la théorie marxiste son rôle d’instrument politique de la lutte des classes.

La lecture intensive de Hegel par Lénine avait été précédée d’une lecture de Marx. En septembre 1913 parut une sélection en quatre volumes de la correspondance entre Marx et Engels. Lénine parcourut ces volumes en peu de temps. Un quart de ses notes sur cette correspondance portait sur la question de la philosophie et de la dialectique, avec au centre la « logique » hégélienne et l’analyse de Marx dans *Le Capital*. En opposant ces lettres à l’interprétation révisionniste de Bernstein, Lénine découvrit l’importance de Hegel pour la théorie marxiste.

Les métaphores ambiguës de la postface de la deuxième édition du « Capital », ainsi que le discours d’Engels sur le matérialisme de Hegel « renversé », ont d’abord conduit Lénine, dans sa lecture de Hegel, à appliquer un principe de « Cendrillon » : les « mauvais » passages sont éliminés, les « bons » sont notés. Au fur et à mesure de sa lecture, Lénine a remplacé cette méthode par une reconstruction et une appropriation critiques. Plus Lénine avançait dans la « logique subjective » de Hegel, plus ses extraits et ses annotations devenaient volumineux. Plus de la moitié des notes de Lénine portent sur la « doctrine du concept », dont près des deux tiers concernent la section consacrée à l’idée. Lénine a identifié le chapitre sur l’idée absolue comme le véritable « cœur » de la « Science de la logique ».ii

Contre le « marécage »

Le résultat de la lecture de Hegel par Lénine est la rédaction de points clés qui, selon lui, sont essentiels à l’utilisation de la méthode dialectique. On les retrouve, au sein des notes et commentaires de Lénine sur la « Science de la logique », dans les 16 « Éléments de la dialectique » que Lénine a rédigés en lien avec l’exposé de Hegel sur l’idée absolue en tant que méthode absolue.iii On les retrouve également dans le fragment « Sur la question de la dialectique », dans lequel Lénine a tenté de synthétiser ses conclusions.iv

Le lien entre l’étude de la dialectique par Lénine et son élaboration de l’analyse de l’impérialisme est attesté, d’une part, par la coïncidence temporelle ainsi que par une série de notes philosophiques figurant dans les « Cahiers sur l’impérialisme ». L’importance de cette réflexion méthodologique apparaît également dans le fait que tous les auteurs, marxistes comme non-marxistes, ont fondé leurs travaux sur les mêmes données factuelles pour expliquer l’impérialisme, tout en aboutissant à des définitions totalement différentes. Lénine avait défini la méthode de l’analyse concrète comme une union entre totalité et développement.v

Dans les « Cahiers sur l’impérialisme » de Lénine, on trouve un « Projet d’article sur la lutte contre le “marécage” (Notes sur le kautskyanisme) ». On y lit : « L’éclectisme au lieu de la dialectique. « Juste milieu » : « conciliation » des extrêmes, absence de conclusion claire, précise et sans ambiguïté, hésitations. Conciliation et émoussement des contradictions de classe dans les discours, alors qu’elles s’exacerbent en réalité. »vi Lénine caractérise ici, d’un point de vue méthodologique, le kautskisme, l’un des courants opportunistes les plus importants de l’époque au sein de la social-démocratie.

Les ambiguïtés méthodologiques étaient très répandues à cette époque, comme par exemple l’austromarxisme, qui cherchait à fonder un « marxisme sans Hegel ». Georgi Plekhanov, devenu l’autorité philosophique parmi les communistes après la mort d’Engels, accordait surtout de l’importance à la continuité de la tradition matérialiste au sein du marxisme, mais ne traitait Hegel que de manière marginale. Karl Kautsky écrivait que la philosophie n’avait jamais été son point fort et que, même s’il adhérait au matérialisme dialectique, il croyait néanmoins que « le point de vue économique et historique de Marx et d’Engels est, au besoin, également compatible avec le néo-kantisme ». Engels avait déjà fait remarquer que, « pour appeler un chat un chat, […] ce n’était ni l’affaire de Kautsky ni celle de Bernstein » de s’engager dans la voie de Hegel. Bernstein lui-même alla bien plus loin que Kautsky et qualifia l’hégélianisme de mauvaise chose, ce qu’il justifiait par le fait que Hegel était responsable de l’aspect révolutionnaire du marxisme.

En 1899, dans son ouvrage « Les conditions préalables du socialisme et les tâches de la social-démocratie », Bernstein mettait en garde contre les « pirouettes logiques de l’hégélianisme », qui conduisaient « dans le marécage ». Il y est également indiqué que ce que « Marx et Engels ont accompli de grand, […] ils ne l’ont pas accompli grâce à la dialectique hégélienne, mais malgré elle ». Le livre de Bernstein poussa même Kautsky à prendre la défense de l’hégélianisme, quoique sous une forme simplifiée.vii

En mai 1920, l’ouvrage de Boukharine intitulé « Économie de la période de transition » parut. Lénine rédigea une critique de l’ouvrage de Boukharine et résuma en conclusion ses critiques à l’égard des fondements philosophiques de ce dernier. Lénine reprocha à Boukharine son éclectisme, car celui-ci avait mêlé le matérialisme dialectique à la sociologie organisationnelle de Bogdanov. Lénine y voyait la raison pour laquelle Boukharine sombrait très souvent dans une scolastique conceptuelle contraire au matérialisme dialectique.viii

La base empirique

Les « Cahiers sur l’impérialisme » rassemblent, dans les Œuvres de Lénine, l’intégralité de ses travaux de recherche sur l’impérialisme. Ces 21 cahiers illustrent clairement l’étendue des recherches menées par Lénine pour préparer sa brochure. Avec environ 800 pages imprimées, ses études sur l’impérialisme ont un volume comparable à celui de ses précédentes recherches philosophiques approfondies. Lénine a étudié la littérature bourgeoise et marxiste existante sur l’impérialisme. Ses cahiers contiennent des extraits et des statistiques tirés de 148 livres, brochures, thèses et recueils statistiques, ainsi que 232 articles provenant de 49 revues et journaux. Lénine ne lut que deux de ces ouvrages en traduction russe. Parmi ces livres, 106 étaient en allemand, 23 en français et 17 en anglais.ix On peut donc affirmer qu’après son travail méthodologique approfondi, Lénine s’était mis à la page de l’état actuel de la recherche scientifique sur l’impérialisme.

En 1915, Lénine entama à Berne les travaux préparatoires immédiats pour sa brochure. Lorsque Lénine entama, à la mi-janvier 1916, le travail proprement dit sur son étude de l’impérialisme, la majorité des 21 « cahiers sur l’impérialisme » était déjà achevée. Comme le matériel dont il disposait à ce moment-là ne lui suffisait pas encore, il commença en 1916 à constituer un nouveau cahier et compléta trois cahiers déjà existants. Les cahiers Alpha, Bêta, Gamma et Thêta ont été utilisés de manière particulièrement intensive lors de l’élaboration du manuscrit et constituent la source principale de l’étude de Lénine.x

Le cahier Bêta (β), dont les dernières notes ont été rédigées à Zurich au début de l’année 1916, est le plus volumineux des cahiers de Lénine ; c’est de lui qu’il a tiré la plupart des citations pour sa brochure. Il contient des extraits et des références bibliographiques de 131 ouvrages, principalement consacrés au thème des banques. Dans son ouvrage sur l’impérialisme, Lénine cite 26 ouvrages dont il a noté des extraits dans ce cahier. Le cahier Gamma (γ) peut être daté de septembre 1915 et d’avril 1916. Il contient des références et des extraits de 196 titres portant sur des thèmes très variés : les finances françaises, la politique coloniale, des études spécifiques sur l’impérialisme américain, allemand, anglais et français, ainsi que sur la question militaire et la guerre. Parmi les titres analysés dans le cahier Gamma, onze sont cités dans l’ouvrage sur l’impérialisme.xi

Un allié inattendu

Le conspectus de loin le plus complet des « Cahiers sur l’impérialisme » est constitué des notes de Lénine sur l’ouvrage « L’impérialisme », publié en 1902 par John A. Hobson, un libéral de gauche.

John A. Hobson, correspondant de guerre du « Manchester Guardian », a couvert la sanglante guerre des Boers de 1899 à 1902. Hobson souhaitait fonder sa critique de ce conflit sur des bases théoriques. Il réglait ses comptes de manière radicale avec l’impérialisme.xii C’est en mars 1915 que fut rédigé le cahier Chi, dans lequel Lénine rédigea son résumé de l’« Impérialisme » de Hobson. Lénine estimait ce réformateur social anglais depuis de nombreuses années. Dès 1898, Lénine avait rédigé une critique de la traduction russe de l’ouvrage de Hobson « Evolution of modern capitalism » (Londres, 1894). Lénine s’efforça par la suite de traduire l’œuvre majeure de Hobson. Lénine s’intéressait tout particulièrement au « parasitisme de l’impérialisme » mis en lumière par Hobson sous ses différentes formes.xiii

S’appuyant sur des données concrètes, Hobson présente la politique coloniale, par essence, comme une politique d’exploitation de la majorité des hommes par un petit groupe de grands capitalistes. En s’appropriant d’énormes profits coloniaux, la bourgeoisie se transforme en une classe parasitaire. Une classe de rentiers détenant des titres coloniaux a vu le jour, et les grandes puissances impérialistes se sont transformées en États de rentiers. Hobson analysait ainsi déjà en 1902 avec justesse le parasitisme et la pourriture des rapports de production capitalistesxiv, surpassant ainsi de nombreux sociaux-démocrates tels que Kautsky ou Hilferding – comme Lénine le souligne à plusieurs reprises dans sa brochure.

L’« Impérialisme » de Hobson ainsi que la correspondance entre Marx et Engels fournirent à Lénine les indices décisifs à partir desquels il déduisit scientifiquement l’émergence de l’aristocratie ouvrière – une couche de la classe ouvrière qui profite également de la politique coloniale parasitaire – comme fondement de l’opportunisme. Il obtient ainsi la clé permettant de caractériser l’impérialisme comme l’enveloppe du capitalisme, qui se transforme inévitablement en pourriture si son élimination est artificiellement retardée, et qui, selon Lénine, peut se maintenir longtemps dans cet état de pourriture « si, dans le pire des cas, la guérison de l’ulcère opportuniste devait se faire attendre », mais qui sera inévitablement éliminée.xv

Hobson devient l’une des sources les plus importantes de Lénine dans la lutte contre Kautsky et le kautskysme. Concernant la fausseté économique de la définition de l’impérialisme donnée par Kautsky, Lénine écrit que la particularité de l’impérialisme ne réside pas dans la domination du capital industriel, mais dans celle du capital financier, qui annexe non seulement les pays agricoles, mais n’importe quel pays. Kautsky sépare le monopole politique du monopole économique afin d’ouvrir la voie au réformisme bourgeois le plus grossier, tel que le « désarmement », l’« ultra-impérialisme », etc.

Lénine poursuit en affirmant que l’hypocrisie de Kautsky réside dans le fait qu’il passe sous silence le monopole colonial de l’Angleterre, alors même qu’Engels avait déjà attiré l’attention sur ce monopole précis il y a plus de 34 ans. Car si le monopole industriel de l’Angleterre est détruit, le monopole colonial, selon Lénine, non seulement subsiste, mais s’est renforcé, puisque le monde entier est déjà partagé. Par ce silence, Kautsky introduit subrepticement l’idée bourgeoise et pacifiste « selon laquelle il n’y aurait rien pour quoi mener une guerre ». C’est tout le contraire, car les capitalistes doivent faire la guerre, puisque sans une redistribution violente des colonies, « les nouveaux pays impérialistes ne peuvent obtenir les privilèges » dont jouissent les anciennes puissances. Pour Lénine, la position de monopole de l’Angleterre explique la victoire temporaire de l’opportunisme en Angleterre, car ce monopole permet de réaliser des profits exceptionnels, avec lesquels la bourgeoisie achète la classe ouvrière afin de créer une sorte d’alliance entre les travailleurs de la nation concernée et leurs capitalistes contre les autres pays.xvi

Perspective de la révolution

L’accent mis par Lénine sur la lutte des classes dans sa définition constitue une ligne de démarcation importante par rapport aux autres sociaux-démocrates de l’époque. Si l’on fait exception de Rosa Luxemburg, on constate que Hilferding et Kautsky prétendaient fournir une explication « objective » de l’impérialisme, qui se limitait au niveau de la description et de l’analyse des phénomènes économiques et politiques, sans chercher à mettre en lumière l’importance et les enjeux de la lutte des classes.xvii

La contribution théorique et pratique de Lénine consiste à avoir élaboré une orientation stratégique révolutionnaire et scientifiquement fondée à une époque où les opportunistes avaient pris le dessus au sein du mouvement ouvrier international et où les révisionnistes sapaient toutes les questions décisives du communisme scientifique (la question de la méthode scientifique, celle de l’orientation stratégique et de la révolution, etc.). Lénine a sauvé le caractère scientifique dans une période de grands bouleversements et de confusion idéologique, et a créé une base programmatique pour l’unification des éléments révolutionnaires du mouvement ouvrier international.

i Hedeler, Wladislaw ; Külow, Volker (2016) : La genèse et la publication de l’ouvrage de Lénine « L’impérialisme, stade suprême du capitalisme ». Dans : Wladislaw Hedeler et Volker Külow (dir.) : L’impérialisme, stade suprême du capitalisme. Exposé accessible à tous. Berlin : Éditions 8 mai, p. 222 et suivantes ; p. 228 et suivantes ; p. 247 et suivantes ; p. 276

ii Arndt, Andreas (2023) : Hegel chez Marx. Études sur la critique dialectique et la théorie de la libération. Éditions Dietz, p. 221 et suivantes ; p. 225 et suivantes.

iii Lénine, Vladimir Ilitch (1964a) : Consignes sur la « Science de la logique » de Hegel. Dans : Vladimir Ilitch Lénine (éd.) : Œuvres de Lénine. Tome 38. Berlin : Dietz Verlag, p. 212 et suivantes.

iv Lénine, Vladimir Ilitch (1964b) : Sur la question de la dialectique. Dans : Vladimir Ilitch Lénine (éd.) : Œuvres de Lénine. Tome 38. Berlin : Dietz Verlag, p. 338–344

v Arndt, Andreas (1982) : Lénine – Politique et philosophie. De l’élaboration d’une conception de la dialectique matérialiste. Éditions Germinal, p. 282 ; p. 298

vi Lénine, Vladimir Ilitch (1972) : Ébauche d’un article sur la lutte contre le « marécage » (Notes sur le kautskyanisme) . Dans : Vladimir Ilitch Lénine (éd.) : Œuvres de Lénine. Tome 39. Berlin : Dietz Verlag, p. 5

vii Arndt : Hegel chez Marx, p. 223 et suivantes.

viii Lénine, Vladimir Ilitch (1981) : Remarques sur « L’économie de la période de transition » de Boukharine. Francfort-sur-le-Main, entre autres : VTK

ix Lemmnitz, Alfred (1983) : Introduction à l’ouvrage de Lénine « L’impérialisme, stade suprême du capitalisme ». 4e édition révisée. Berlin : Dietz Verlag, p. 13 et suivantes

x Hedeler et Külow : La genèse et la publication de l’ouvrage de Lénine « L’impérialisme, stade suprême du capitalisme », p. 259

xi Ibid., p. 260 et suivantes

xii Bollinger, Stefan (2004) : Théories de l’impérialisme. Fondements historiques pour une critique actuelle. Vienne : Promedia Verlag, p. 47

xiii Hedeler et Külow : La genèse et la publication de l’ouvrage de Lénine « L’impérialisme, stade suprême du capitalisme », p. 255

xiv Lemmnitz : Introduction à l’ouvrage de Lénine « L’impérialisme, stade suprême du capitalisme », p. 34

xv Lénine, Vladimir Ilitch (1974) : L’impérialisme, stade suprême du capitalisme. Exposé accessible à tous. Dans : Vladimir Ilitch Lénine (éd.) : Œuvres de Lénine. Tome 22. Berlin : Dietz Verlag, p. 308

xvi Lénine, Vladimir Ilitch (1972) : « L’impérialisme et la scission du socialisme ». Dans : Vladimir Ilitch Lénine (éd.) : Œuvres de Lénine. Tome 23 : Dietz Verlag, p. 104 ; p. 111 et suivantes

xvii Arndt : Lénine – Politique et philosophie, p. 293

Angst vor Kommunisten und einer starken Palästina-Bewegung

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Zum Verbot des Palästina e.V. und dem Versuch des Staates, die KO zu isolieren

Das hessische Innenministerium hat den bereits 2024 aufgelösten Verein Palästina e.V. verboten. Das Verbot soll ein Schlag gegen die Palästina-Bewegung sein, die seit drei Jahren hartnäckig auf den Straßen präsent ist und Menschen gewinnt, die bisher nicht politisch aktiv waren. Die Palästina-Bewegung vertritt Positionen, die der Völkermord-Politik der Bundesrepublik diametral entgegenstehen. Es wurde, mit Höhen und Tiefen verbunden, eine erfolgreiche politische und ideologische gesellschaftliche Mobilisierung gegen die herrschende bundesdeutsche Politik aufgebaut.

Das Verbot zielt insbesondere darauf ab, die Palästina-Bewegung in Frankfurt handlungsunfähig zu machen, indem behauptet wird, der Verein würde weiter existieren und hinter den vielen Aktivitäten in der Stadt stecken. Mit diesem Verbot sollen viele dieser Aktivitäten kriminalisiert und ausgeschaltet werden. Nach Artikel 9 des Grundgesetzes können Vereine verboten werden, wenn sie gegen die „verfassungsmäßige Ordnung“ oder gegen den „Gedanken der Völkerverständigung“ verstoßen. Dass der besagte Verein dagegen verstoßen haben soll, ist offensichtlich an den Haaren herbeigezogen. Das Einzige, was das Verbot belegt, ist, dass der ehemalige Palästina e.V. politische Meinungen vertreten hat – Meinungen, die der Position des Staates entgegenstehen.

Oppositionelle Meinungen zu vertreten ist jedoch ein verfassungsgemäßes Grundrecht. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung hat nur dann Sinn, wenn Bürger ihre nicht dem Staat dienlichen Meinungen vertreten können, ohne befürchten zu müssen, dafür vom Staat repressiert und unterdrückt zu werden. Das nennt sich bürgerliche Demokratie. Kommunisten wissen, dass es sich bei dieser Demokratie um eine Illusion handelt, aber sie sind häufig diejenigen, die die Grundrechte konsequent verteidigen.

Mit dem Vereinsverbot soll eine bestimmte Position aus der Palästina-Bewegung herausoperiert werden. Es geht um die unbeirrbare Position gegen die illegale Besatzung Palästinas seit 1948 und um die Solidarität mit dem Widerstand des palästinensischen Volkes gegen diese Besatzung. Diese Position ist der materiellen und ideellen Unterstützung der Bundesrepublik für das terroristische Besatzungsregime Israel diametral entgegengestellt. Das Hessische Innenministerium will anhand seiner Begründung verankern, dass es kein Palästina gäbe und demnach auch keine Besatzung, keine Vertreibung, keine Apartheid und keinen Völkermord. Seit Gründung des Vereins im Jahr 2022 wurde Palästina e.V. mit Verbotsdrohungen überzogen.

KO im Visier

Im Zentrum der Verbotsbegründung des Hessischen Innenministeriums steht auch die KO. Sie soll angeblich den ehemaligen Palästina-Verein als „Ableger“ aufgebaut haben. Eine Behauptung, die den Grundsätzen der KO widerspricht. Bereits seit 2024 arbeitet der Inlandsgeheimdienst an der Isolierung der KO von der Palästina-Bewegung und darüber hinaus, indem er hervorhebt, dass sie solidarisch mit allen Formen des Widerstands ist. Das Ziel ist, die Bewegung von dieser Position zu säubern und ihr zu signalisieren, dass sie sich besser zügeln sollte, wenn sie nicht auch zerschlagen werden will.

Die Bundesrepublik befindet sich auf Kriegskurs. Sie bereitet den Krieg gegen Russland vor und unterstützt den Völkermord in Palästina und die Vertreibung des palästinensischen Volkes mit aller Härte. Die Siedlerkolonie „Israel“ wird bedingungslos unterstützt, während der Widerstand und die Solidarität mit ihm bekämpft und dämonisiert werden. Der Zionismus, eine in Deutschland normalisierte faschistische Ideologie, soll trotz seines immer offener zutage tretenden faschistischen Charakters normalisiert bleiben. Dies befördert einen Auftrieb neofaschistischer Bewegungen und Parteien als Sammlungsbewegungen für eine aggressive deutsche Kriegspolitik. Die Durchsetzung der Kolonisierung ganz Palästinas und die Vernichtung des nationalen Widerstands ist ein wichtiger Teil dieser Kriegspolitik. Jede Kritik daran soll mundtot gemacht werden, um die deutsche Gesellschaft für künftige, eigene Kolonialkriege zu formen.

Politik und Medien entfachen ein Klima der Angst: Die Bevölkerung soll „den Russen“ oder „die Hamas“ fürchten und nicht, dass ihre Regierungen sie in das Unglück eines neuen großen Krieges führen wollen. Doch die Stimmung in der Bevölkerung ist nicht so, wie es sich die Bundesregierung wünscht. Viele Menschen sind gegen die Unterstützung des Völkermordes und auch gegen die Kriegspläne gegen Russland. Sie sind gegen Waffenlieferungen und gegen die beispiellose Aufrüstung dieses Landes. Der Widerstand in Palästina ist nicht kleinzukriegen, und die Solidarität mit ihm nimmt weltweit zu. Der Iran verteidigt sich hartnäckig mit Unterstützung einer weltweiten Millionenmasse. Für viele sind die Masken des Imperialismus gefallen. Immer mehr Menschen erkennen, dass die Imperialisten ihre aggressive und zerstörerische Politik mithilfe von faschistischen Kräften durchsetzen, um ihre weltweite Herrschaft aufrechtzuerhalten.

In dieser Situation sind klare Positionen, die das Potenzial haben, den Ansichten größerer Teile der Bevölkerung zu entsprechen und diese zu organisieren, eine Gefahr für die deutsche Kriegspolitik. Die KO vertritt in Bezug auf Palästina die Position der Solidarität mit dem Widerstand und der Befreiung ganz Palästinas. Die KO steht auch für die Solidarität mit der Islamischen Republik und vertritt die Position, dass Russland sich der NATO widersetzt, die in der Ukraine den Faschismus in Form des wiederbelebten Banderismus aufgebaut hat, um Russland zu unterwerfen. Diese Positionen – und vor allem auch in ihrer Kombination – sind dem deutschen Staat ein Dorn im Auge.

Innerhalb der linken Bewegung stoßen einige der Positionen der KO auf Ablehnung, die teilweise darin mündet, dass gegen die KO Gerüchte verbreitet werden und sie isoliert wird. Offene Diskussionen werden selten gesucht, stattdessen Widersprüche vertieft. Zum Teil sind grundsätzliche Differenzen und historische Spaltungen ein Hintergrund dafür, beispielsweise zwischen Trotzkisten und „Stalinisten“ oder der Ablehnung von Kommunisten im Allgemeinen, die als „autoritär“ bezeichnet werden. Kräfte wie die Führung der Linkspartei wollen im staatstragenden Sinne die Palästina-Bewegung insgesamt schwächen und greifen vor allem Positionen an, die sich auf die Seite des Widerstands stellen. Mit ihren materiellen Ressourcen schafft sie es immer wieder, die Bewegung einzufangen und in ihren Dienst zu stellen, oft mit Unterstützung von Gruppen, die sich eigentlich links von der Linkspartei verorten. Die Linkspartei soll Positionen wie unter anderem die realitätsferne Zwei-Staaten-Lösung wieder salonfähig machen und die Bewegung zu einer Bewegung einzig gegen die „humanitäre Katastrophe“ transformieren, die den Täter des Genozids in Gaza nicht benennen will.

Neben diesen Auseinandersetzungen gibt es auch Widersprüche und politische Kämpfe, die aus den Ereignissen selbst entstehen. Um sich darüber verständigen zu können, müssen die Fragen allseitig und differenziert betrachtet werden, wofür ein konstruktiver Raum geschaffen werden müsste. Beispielsweise haben die USA bestehende Widersprüche in Syrien zugespitzt und für ihre Zwecke ausgenutzt, um das Land zu zerstören und als Teil der Achse des Widerstands auszuschalten. Immer wenn Imperialisten ein Land in einen Bürgerkrieg stürzen, entsteht auf allen Seiten Leid, das manchmal dazu führt, dass die entscheidende Rolle der Imperialisten nicht mehr wahrgenommen wird. Um über diese Entwicklungen so sprechen zu können, dass möglichst die Ursachen der Spaltungen und Differenzen aufgedeckt werden, ist gegenseitiges Vertrauen erforderlich.

Auf der Seite des Widerstands

Neben repressiven Mitteln wie Verboten und Verfahren spielen Verschwörungstheorien gegen die KO eine wichtige Rolle. Die KO wird als dunkle Kraft dargestellt, die im Hintergrund die Strippen zieht und besonders radikal sei. Es wird behauptet, dass sie andere Ziele in der Palästina-Bewegung verfolgt als die Sache Palästinas. Die Lüge der Unterwanderung wird gestreut. Die KO aber war und ist eine Organisation, die weder ihre Politik noch ihre inneren Widersprüche oder eigenen Schwächen versteckt. Sie ist als Kollektiv davon überzeugt, dass nur offene und auch öffentliche Diskussion die Bewegung entwickelt und weiterbringt.

Politisch besteht das Ziel der Behörden mit dem Verbot und der Involvierung der KO darin, die organisierten Strukturen der KO zu isolieren und damit wirkungslos zu machen. Für den BRD-Staat ist es eine Bedrohung, dass viele Menschen in der Bewegung die Position der Unterstützung des Widerstands einnehmen und dass die KO mit ihren bescheidenen Mitteln diese Positionen potenziell stützt. Die Unterstützung des Widerstands ist dabei nicht von der KO abhängig, denn viele weitere Organisationen und Personen in der Palästina-Bewegung vertreten ganz unabhängig von der KO dieselben Positionen.

Ziel der KO ist es, die Palästina-Bewegung als Ganzes zu stärken und organisierte Zusammenhänge zu fördern, in denen Menschen für die Befreiung ganz Palästinas eintreten. KO-Genossen arbeiten Hand in Hand mit vielen Menschen zusammen und versuchen, gemeinsam zu lernen, wie der Kampf am besten geführt werden kann. Wie arbeitet der Gegner, welche Verbündeten gibt es, worum geht es in diesem politischen Kampf?

Der Kampf für die Befreiung Palästinas ist ein zentraler Teil des Kampfs gegen das gesamte Kriegslager, gegen die Vorbereitung und Durchführung weiterer Kriege, gegen die koloniale Unterwerfung der unterdrückten Welt. Ein konsequenter Blick auf die Geschichte Palästinas, seiner Besatzung seit 1948, führt unweigerlich dazu, dass man den Zusammenhang mit der räuberischen Beherrschung Westasiens durch den Imperialismus erkennt. Das Erkennen der Zusammenhänge ist genau das, was der Staat mit Meinungen unterdrückenden Verboten verhindern will. Um die Zusammenhänge am besten zu erkennen und die politische Schlagkraft der Bewegung gegen den Kapitalismus zu erreichen, hat sich der Kommunismus entwickelt.

Die Angst vor dem Kommunismus

Der Kommunismus ist der Albtraum des kapitalistischen Staates. Er entsteht und existiert jedoch nicht außerhalb der vielen Kämpfe um Grundrechte, um die Verbesserung der Lebensbedingungen oder gegen Kriege. Der Kommunismus ist aus der Bewegung heraus entstanden und ein Teil von ihr. Er unterscheidet sich von ihr nur dadurch, dass er die Sache der gesamten Bewegung vertritt und nicht nur einzelne Kämpfe führt. Um Kämpfe verbinden zu können, muss die kommunistische Bewegung den Gesamtzusammenhang von Ausbeutung, Unterdrückung und Entrechtung der Menschen, sowohl in Deutschland als auch weltweit, verstehen und aufzeigen können.

Die KO genügt diesem Anspruch nicht. Sie befindet sich in einem Lernprozess. Sie erkennt an, dass die kommunistische Bewegung in einer tiefen ideologischen und organisatorischen Krise steckt, und sieht es als ihre Aufgabe an, diese Krise zu überwinden. Die Arbeit der KO wird geleitet von der Erkenntnis, dass es strategisch um die Überwindung der Verhältnisse gehen muss, in denen der Mensch nichts zählt, die Profite von Wenigen jedoch der Maßstab für die Politik sind, egal welche Partei an der Macht ist. Jeder Kampf um Befreiung vom tödlichen Griff der Profiteure ist legitim und hat eigene Anforderungen, aber alle Kämpfe müssen so geführt werden, dass sie solidarisch und Hand in Hand gegen den gemeinsamen Feind vorgehen. Der Feind aber spaltet überall, wo er kann. So auch der Versuch, mit dem aktuellen Vereinsverbot die Bewegung durch Einschüchterung und Repression auseinanderzutreiben.

Immer wieder wird mit dem Vorwurf der Unterwanderung gearbeitet. Im Gegensatz dazu handeln KO-Mitglieder nach den Prinzipien der Massenarbeit der KO. Als Kommunisten fördern wir den Aufbau und die Entwicklung von demokratischen, aktiven und unabhängigen Organisationen, die im Sinne der eigenen, inhärenten Klasseninteressen agieren. Das können Palästina-Gruppen, Nachbarschaftsinitiativen, Betriebsgruppen oder Ähnliches sein. Gerade aufgrund der Annahme, dass es eigenständige und aktive Organisationen braucht, in denen gelernt werden kann, sich für seine Interessen zu organisieren und kollektiv handlungsfähig zu werden, ist die Eigenständigkeit ein wichtiges Prinzip.

Undemokratische Tradition des deutschen Staates

Um den lebendigen Zusammenhang zwischen Bewegung und Kommunisten zu zersetzen, wird Misstrauen geschürt, politische Differenzen genutzt und Repression ausgeübt. Die Repression gegen die gesamte Palästina-Bewegung hat Ausmaße, wie sie schon länger nicht mehr zu sehen waren: Demoverbote, inhaltliche Verbote, Strafverfahren, Berufsverbote, Sanktionen gegen Bürger, gesellschaftliche Ächtung. All diese Mittel reichen aber offensichtlich nicht aus, um die Bewegung zu zerschlagen oder in genehme Bahnen zu lenken.

Der Einsatz des Vereinsverbots ist die Waffe, mit der der Staat diese Ziele doch erreichen will. Die Verbote gegen Samidoun, Palästina Solidarität Duisburg (PSDU) und Palästina e.V. haben nur einen Zweck: Die politische Position auf der Seite des Widerstands zu unterbinden und von der Straße zu entfernen. Es sind verfassungsfeindliche und verfassungswidrige Verbote, die demokratische Grundrechte aushebeln sollen.

Im Zentrum steht, organisierte Formen zu beseitigen, in denen Menschen sich politisch zusammenschließen, sich politisch artikulieren und handeln, wenn sie für politische Ziele kämpfen, die der Regierung widersprechen und damit tatsächlich oppositionell sind. Für die Palästina-Bewegung heißt das, wenn sie gegen Völkermord, Kolonialismus und Vertreibung kämpft, kommt die Kriminalisierung.

Das sogenannte Vereinsgesetz, das die BRD anwendet, ist im Grunde ein Vereinsverbotsgesetz, da es fast ausschließlich regelt, wie Vereine verboten werden können. Dieses Gesetz entstammt einer langen Tradition des deutschen Staates. Das Vereinswesen ist das Ergebnis der Kämpfe der Arbeiterbewegung seit ihrem Bestehen. Alle Grundrechte, einschließlich der Vereinigungsfreiheit, wurden erkämpft – und zwar von denjenigen, die entrechtet waren und aus Sicht des Staates rechtlos bleiben sollten. Der deutsche Staat antwortete auf die Forderungen der Arbeiterbewegung immer schon mit besonders repressiven Mitteln. Es wurden Gesetze erlassen, um diese Organisationen und dadurch Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu bekämpfen, zu kontrollieren und einzudämmen.

Palästina-Bewegung – Bewegung für Demokratie

Die bisherigen Erfahrungen der KO zeigen, dass der Kampf um demokratische Rechte unverzichtbar ist, um die gesellschaftlichen Machtverhältnisse zu erkennen. Denn selbst bei den kleinsten Forderungen der Bevölkerung stellt sich der Staat ihnen entgegen und versucht, sie zu zerstreuen und zu zersetzen. Je mehr Erfolge in diesem Kampf erzielt werden, desto stärker wird der Staat sie zurückdrängen. Die Erfüllung wirklicher und umfassender demokratischer Verhältnisse für die Masse der Bevölkerung wird ohne die Überwindung des Kapitalismus nicht möglich sein. Aber auch im Kapitalismus lassen sich durch eine starke Organisierung des Volkes für die eigenen Interessen demokratischere Verhältnisse erkämpfen.

Jede politisch oppositionelle Bewegung ist mit diesem Instrumentarium konfrontiert. Wie wichtig der Kampf um demokratische Rechte ist, ist der Palästina-Bewegung vollkommen klar. Sie stellt sich dem politischen Kampf, der von den staatlichen Behörden, Gerichten und Staatsanwaltschaften gegen sie eröffnet wurde. In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass es sich lohnt, nicht einfach alle Einschränkungen hinzunehmen. Verschiedene Repressionen, von der Kriminalisierung von Slogans bis zu Demo-Auflagen, wurden von der Palästina-Bewegung erfolgreich bekämpft. Der Kampf gegen das Vereinsgesetz, gegen die Vereinsverbote sowie gegen die damit verbundene Einschüchterung ist ein wichtiger Teil davon. Der Staat hat der Bewegung den Kampf angesagt und will sie vor allem gesellschaftlich isolieren. Er will vermeiden, dass immer mehr Menschen sich ihrem Ziel anschließen.

Es zeigt sich immer deutlicher: Die Palästina-Bewegung ist die Bewegung zur Verteidigung der demokratischen Rechte, des Völkerrechts und der Verfassung gegen die Innenminister, Staatsanwälte und falschen „Antisemitismus-Beauftragten“. Diese verfassungsmäßige Ordnung sowie das Völkerrecht stellen für den deutschen Imperialismus ein immer größeres Hindernis dar. Um einen Krieg gegen Russland führen zu können, muss diese Ordnung entsprechend angepasst und verändert werden. Der Kampf um den Erhalt und den Schutz der demokratischen Rechte stellt sich genau gegen diese Vorbereitung.

Die Durchsetzung demokratischer Rechte ist für fast jede oppositionelle Bewegung in Deutschland eine Grundvoraussetzung. Dies offenbart den undemokratischen Charakter der Eliten und ihrer Traditionen, dies sich auch in der BRD selbst manifestieren. Die Verfassung der BRD schützt eine Ordnung, in der Menschen nichts zählen und stattdessen Eigentum sowie die Macht der großen Konzerne herrschen. Deshalb stimmten die Kommunisten gegen diese undemokratische Ordnung. Der damalige Vorsitzende der KPD, Max Reimann, benannte aber treffend, wer die Verfassung verteidigen und wer sie demontieren wird: „Wir unterschreiben nicht. Es wird jedoch der Tag kommen, da wir Kommunisten dieses Grundgesetz gegen diejenigen verteidigen werden, die es angenommen haben!“

Nehmen wir den Kampf auf. Lernen wir, mit welchem Gegner wir es zu tun haben und mit welchen Methoden er vorgeht. Entlarven wir ihn als Feind der Demokratie. Dies geschieht aus dem niedersten Motiv – der Unterstützung eines Völkermords, der sich vor unseren Augen ereignet. Studieren wir die Gesetze, die Traditionen des Staates und seine Absichten. Lernen wir, wie mehr Menschen sich organisieren können, damit sie politisch wirkungsmächtig sind und mitbestimmen, statt rat- und hilflos zuzusehen. Zusammenfassend gilt: Nicht schweigen, nicht vor der Kontaktschuld einknicken, sich inhaltlich aufstellen und Palästinas Befreiung voranbringen!

Der Staat muss begreifen, dass die Palästina-Bewegung nicht einfach zum Schweigen gebracht werden kann. Was, wenn in Deutschland Massen gegen Völkermord und Kriegspolitik aufstehen und sich den Verbrechen der Herrschenden entgegenstellen? Die Pläne der Herrschenden zu durchkreuzen, bedeutet, die eigenen, die menschlichen Interessen zu erkennen und dafür einzustehen.