Nach 85 Jahren soll Russland wieder unterworfen werden!

Themen: Deutscher Imperialismus, Imperialismus und Neokolonialismus

Soldaten der Wehrmacht beim Angriff auf die Sowjetunion am 22.6.1941 Cassowary Colorizations via wikimedia commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Operation_Barbarossa_(35405078072).png (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Vor 85 Jahren entfesselte der deutsche Faschismus einen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, der 27 Millionen Menschen das Leben kosten sollte. Heute bereitet die NATO den nächsten Krieg gegen die Völker Russlands vor. Vor unseren Augen ist der nächste Anlauf zur Kolonisierung und Unterwerfung Osteuropas in vollem Gange. Russland ist keine Bedrohung, sondern sah sich dazu gezwungen, sich militärisch gegen die NATO-Aggression zur Wehr zu setzen.

Die historischen Tatsachen anerkennen

Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion wurde erst durch die gewaltigen Finanzspritzen des US-amerikanischen und britischen Monopolkapitals möglich, die Deutschlands Aufrüstungspolitik der 1930er Jahre, trotz der Furcht vor einer deutschen Übermacht, unterstützten, um die Hitler-Aggression gegen die Sowjetunion zu lenken. Bereits im Zuge der Oktoberrevolution hatten Deutschland, England und die USA zur Bekämpfung der Sowjetunion miteinander paktiert. Nun sollte ein für allemal Schluss mit dem sozialistischen Aufbau gemacht werden.

Die deutschen Faschisten waren bei ihrem Überfall nicht allein – die faschistischen Regime Ungarns, Italiens, Rumäniens sowie die Slowakei und Finnland beteiligten sich an dem antikommunistischen Feldzug. Hunderttausende Nazikollaborateure aus vielen weiteren Ländern schlossen sich im Kampf um eine faschistische „Nation Europa“ der Waffen-SS an. Die brutalen Verbrechen der Wehrmacht und der SS – der Kommissarbefehl, die völkermörderische Blockade Leningrads, die industrielle Vernichtung der osteuropäischen Juden, die Politik der verbrannten Erde – sie werden bis heute bewusst verschwiegen und in ihrer Bedeutung heruntergespielt.

Europa unter deutscher Führungsmacht

Das Ziel dieses Vernichtungskrieges war die Kolonisierung Osteuropas und die Ausschaltung der Sowjetunion, welche der Politik des Imperialismus, sei es aus Berlin, London oder Washington, die Stirn bot. Der „Lebensraum im Osten“ sollte der deutschen Wirtschaft nicht nur Millionen Zwangsarbeiter zuführen, sondern auch neue Rohstoffquellen erschließen und lukrative Profite einbringen. Der von den Nazieliten und Monopolvertretern ausgearbeitete „Generalplan Ost“ sah neben einer wirtschaftlichen Ausplünderung der annektierten Gebiete auch die Besiedelung Osteuropas mit deutschen Siedlern vor. Die Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft, ein einflussreicher Kapitalverband, hielt zu jener Zeit in einer Denkschrift fest, dass der europäische Großraum „sämtliche Völker des Festlandes von Gibraltar bis zum Ural und vom Nordkap bis zur Insel Zypern mit ihren natürlichen kolonisatorischen Ausstrahlungen in den sibirischen Raum und über das Mittelmeer nach Afrika hinein“ umfassen müsse. Man sollte grundsätzlich nur von Europa sprechen „denn die deutsche Führungsmacht ergibt sich von selbst“[1].

Dieser Anlauf scheiterte am Widerstand der Roten Armee und der Völker der Sowjetunion. Die Ambitionen des deutschen Imperialismus wurden damit nicht begraben, sondern nur vertagt. Heute formuliert der deutsche Vizekanzler Klingbeil: „Nach knapp 80 Jahren der Zurückhaltung hat Deutschland heute eine neue Rolle im internationalen Koordinatensystem. (…) Deutschland muss den Anspruch einer Führungsmacht haben.“[2] Die Bundesrepublik plant den nächsten Anlauf gegen Osten und ist auf der Suche nach alter Stärke.

Der Imperialismus stößt auf Widerstand

Die Träume der deutschen Monopole nach einem europäischen Großraum wurden durch den Sieg der Roten Armee und des gesamten sowjetischen Volkes vorerst zerschlagen. Mit der Konterrevolution im Jahr 1990 konnten sie ihren nächsten großangelegten Anlauf starten. Anstatt mithilfe eines „Generalplan Ost“ wurde Osteuropa nun durch EU-Integration und das deutsche Exportmodell erobert. Russland wurde in eine halbkoloniale Abhängigkeit gezwungen, seine Rohstoffe flossen in die westlichen Metropolen und die vom IWF diktierten wirtschaftlichen Schocktherapien der 1990er verwandelten die einstige Industrienation in ein Rohstoffanhängsel. Polen, Tschechien, die Ukraine und viele weitere Länder werden seitdem als verlängerte Werkbänke und Absatzmärkte genutzt. Die modernen Formen des Kolonialismus und finanzieller Abhängigkeit, die der Imperialismus während des Kalten Krieges entwickelte, trafen nun auch die Völker Osteuropas. Die EU hatte auf wirtschaftlichem Gebiet erreicht, woran die deutschen Faschisten gescheitert waren. Zuletzt wurden auch vermehrt Schritte des deutschen Imperialismus unternommen, diese Staaten zur Militärbasis für die Kriegsvorbereitung gegen Russland aufzubauen, wie mit der Brigade Litauen.

Seit der internationalen Finanzkrise von 2008, dem Widerstand des Volkes im Donbass gegen den Maidan-Putsch und der zunehmenden Abwendung Russlands von seiner halbkolonialen Rolle gegenüber der EU und den USA, war absehbar, dass der nächste Anlauf zu einem großen Krieg im Osten nur eine Frage der Zeit ist.

Der scheinbar ungehinderten imperialistischen Expansionspolitik des Westens wurde 2014 in der Ukraine ein Riegel vorgeschoben. Der faschistische Putsch in Kiew stieß zunächst auf den antifaschistischen Widerstand im Donbass. Seitdem Russland in das offene Kriegsgeschehen eingegriffen hat, versuchen Deutschland und die NATO das Land militärisch in die Knie zu zwingen.

Mit der NATO-Expansion bis an die russische Grenze, der Stationierung von Raketen, die Moskau in fünf Minuten erreichen, und der offen angedrohten atomaren Aufrüstung der Ukraine soll Russland erpresst und gefügig gemacht, bei Widerstand in Einzelteile zerlegt werden. Russland soll als Gegner des Imperialismus ausgeschaltet werden. Es geht um den nächsten Anlauf zur Kolonisierung und Unterwerfung der Völker Russlands.

Den nächsten Anlauf verhindern

Deutschland unterstützt die Nachfolger der Nazi-Kollaborateure in der Ukraine, in Finnland und dem Baltikum, als die am meisten antirussischen und militaristischen Vollstrecker dieser Politik. Der US-Imperialismus setzt in seiner neuen Nationalen Sicherheitsstrategie auf eine Neuformierung des Transatlantikpakts durch die Unterstützung rechter und faschistischer Parteien, die ein ultrareaktionäres und hochgerüstetes Europa errichten sollen. Die Kriegsvorbereitung gegen Russland ist ein Motor der Faschisierung in Europa.

Kanzler Merz macht aus seinen Ambitionen kein Geheimnis: „Europa blickt auf uns. Europa erwartet etwas von uns. Die neue Bundesregierung nimmt diese Verantwortung an. (…) Die Bundesregierung wird zukünftig alle finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die die Bundeswehr braucht, um konventionell zur stärksten Armee Europas zu werden.“[3] Uns sollte allen klar sein, worum es hier geht: Diese Aufrüstung hat ein klares Ziel – und zwar Moskau. Deutschland tritt damit in die Fußstapfen seiner Vergangenheit, diesmal mit einer Europäischen Union im Schlepptau.

Die Völker Russlands machen sich keine Illusionen über die Politik des Imperialismus. Sie wissen um den Ernst der Lage und wie akut die Bedrohung für ihre Zivilisation ist. Sie wissen aus historischer Erfahrung, was es bedeutet, wenn deutsche Panzer gen Osten rollen, und sie werden sich diesem Anlauf entgegenstellen. Dem Land droht abermals die Unterwerfung und Kolonisierung mit schlimmsten Folgen für seine Bevölkerung und das internationale Kräfteverhältnis gegen den Imperialismus.

Wir müssen die Lüge einer angeblichen Bedrohung durch Russland, die genutzt wird, um die Aufrüstung in Deutschland zu legitimieren, entlarven und klarmachen: Die NATO bedroht Russland. Sie führt einen Krieg gegen das Land – und zwar mithilfe von Nazi-Bataillonen, die mit modernster Waffentechnik der NATO-Länder ausgestattet sind. Die EU versucht Russland mit Wirtschaftsembargos in die Knie zu zwingen, als Gegner ihrer imperialistischen Politik auszuschalten und, wie schon vor 85 Jahren, zu unterwerfen. Es ist im Interesse aller Völker, dass die NATO mit diesem Anlauf scheitert.

Für die Niederlage der NATO in der Ukraine und in der Welt!

Stoppt den Krieg gegen Russland!


[1] Zit. n.: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Deutsche Geschichte 1933-1945. Dokumente zur Innen- und Außenpolitik. Frankfurt am Main 1999, S. 227.

[2] Zit. n. AK Antimilitarismus (Hrsg.): Die Große Mobilisierung. Die Bundeswehr von der Wiederbewaffnung bis zur Kriegstüchtigkeit. Köln 2026, S. 167.

[3] Ebd., S.169,