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Versetzt, vergessen, umgedeutet – der Kampf um das sowjetische Ehrenmal in Dresden

Am 8. Mai um 10:00 Uhr versammelten sich zum Tag der Befreiung vom Faschismus am Sowjetischen Ehrenmal am Olbrichtplatz in Dresden wie jedes Jahr Nachkommen von Soldatinnen und Soldaten der Roten Armee und Teile der kommunistischen Bewegung, um Blumen niederzulegen und die sowjetischen Befreier zu ehren. Unser aller Ziel, ein würdevolles Gedenken zu veranstalten, wurde durch verschiedene Angriffe auf die Gedenkkultur zunichte gemacht. Einige Teilnehmer hatten Tränen in den Augen oder schäumten vor Wut, andere schienen diese Peinigung einfach hinzunehmen. Sogar die FAZ berichtete.1https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/streit-um-sowjetisches-ehrenmal-in-dresden-18889739.html

Was war passiert?

Der angedrohte Denkmalsturz

Das 1945 gebaute Sowjetische Ehrenmal in Dresden wurde 1994 vom zentralen Albertplatz an den am Stadtrand gelegenen Olbrichtplatz verlegt und ist dort in einem Park versteckt. Dies sorgte damals schon für viel Aufregung. Die FDP versuchte sich darüber hinaus mit Abrissforderungen zu profilieren. Es existieren schon länger Umgestaltungspläne, um das Denkmal inhaltlich neu zu gestalten – und seinem Zweck, dem Gedenken an die sowjetischen Befreier, zu berauben.

In diesem Jahr wurde kurz vor dem 8. Mai bekannt, dass das Mahnmal sowohl baulich als auch inhaltlich saniert werden solle. Bereits einen Tag später durften wir Zeuge werden, wie das Denkmal „künstlerisch“ verunstaltet wurde. Um diesen Prozess einzuleiten, machte sich eine freischaffende Künstlerin für die Stadt Dresden ans Werk: „Dieses Gebilde ist fragil“ umspannte wie ein riesiges Warnschild das Denkmal. Die Kunstaktion war Teil einer Offensive gegen das Gedenken zu Ehren der Roten Armee, welche im Jahr 2025 in einer abgeschlossenen „inhaltlichen Neukontextualisierung“ des Denkmals münden soll.

Linkspartei als Vorreiterin

Der Auftakt begann am 8.Mai um 9:00 Uhr, ausgerechnet durch eine Veranstaltung der Linkspartei am Sowjetmahnmal. Die Linke Kulturbürgermeisterin der Stadt Dresden, Annekatrin Klepsch, offenbarte ihrem kleinen Publikum voller Enthusiasmus ihre Vorstellung von Erinnerungskultur. Es war eine einzige Darbietung von Geschichtsverdrehung und Antikommunismus: Die Verbrechen Stalins, der bewusst Millionen ukrainischer Juden in den Hungertod getrieben habe, würden hier mit diesem „militaristischen“ Denkmal ausgespart, ja vielleicht sogar glorifiziert. Neben der beliebten antikommunistischen Verleumdung vom „Holodomor“ wurde der Sozialismus der Sowjetunion, der Millionen von Menschen aus der Armut befreite und den Faschismus in Europa bezwang, als linker Totalitarismus verschmäht. Ein weiteres Parteimitglied fügte hinzu, dass das Denkmal für die Rote Armee die Ukraine und die ukrainischen Soldaten außer Acht lassen würde, obwohl dieser als Teil der multinationalen Roten Armee mit dem Ehrenmal natürlich gedacht und gedankt wird. Beide geschichtsrevisionistischen Erzählungen wurden am Nachmittag des Tages der Befreiung genutzt, um den Hitlerfaschismus und den Kommunismus eine Wesensverwandtschaft zu unterstellen, d.h. letztlich gleichzustellen.

Gedenken zum Tag der Befreiung

Anschließend begann das Gedenken der Nachkommen der Roten Armee und Kommunisten. Als Dresdner Ortsgruppe der KO hielten wir als Reaktion auf die Verschmähungen des Gedenkens einen Redebeitrag mit der Parole „Erst versetzt, dann vergessen und jetzt umgedeutet – Stoppt den Geschichtsrevisionismus“, um ein Zeichen gegen die Verfälschung und Relativierung zu setzen. Wir kritisierten scharf die Pläne der Stadt zur „inhaltlichen Neusanierung“ und dass der 8. Mai als Tag der Befreiung in Frage gestellt wird. Wir schlossen die Rede mit der Frage, was hier sanierungsbedürftig ist: Das Andenken an die 27 Millionen Sowjetbürger, die für unsere Freiheit starben und der Antifaschismus oder die immer stärker werdende Relativierung des Tags der Befreiung vom Faschismus, ganz im Stil von BRD-Altnazis, die in ihrem Teil von Deutschland nach dem Krieg dafür sorgten, dass der 8. Mai noch jahrelang als Tag der Niederlage verstanden werden sollte.

Nach einem gemeinsamen Protestbild luden wir die anwesenden Leute ein, um 16:00 Uhr deutlich zu protestieren, wenn am Sowjetischen Ehrenmal diese Geschichtsverklärung ihren Höhepunkt in einer tendenziösen Podiumsdiskussion finden soll. Die Narrative unserer Kriegsregierung und des ukrainischen Nationalismus müssen zurückgedrängt werden, überall dort, wo sich uns die Möglichkeit bietet.

Legitimierung der Geschichtsverdrehung durch einseitiges Podium

Unter Obhut der Partei die Linke wurde ein Podium zusammengestellt, bestehend aus der Linkspartei-Kulturbürgermeisterin, einem Historiker und der verantwortlichen Künstlerin. Die zu Beginn gesetzte Aussage, dass der 8. Mai Tag der Befreiung sei, wurde nur Minuten später, von den Veranstaltern selbst in Frage gestellt. Er sei vor allem ein Tag der Niederlage und bedingungslosen Kapitulation. Das Denkmal für die Rote Armee wurde vom anwesenden Historiker Justus Ulbricht als problematisch und geschichtsverzerrend beschrieben. Er sprach davon, dass die Rote Fahne des Soldaten auf dem Denkmal gleichermaßen an das Lied „Bandiera rossa“wie das faschistische Horst-Wessel-Lied „Die Fahne hoch“ erinnern würde. Keiner der Podiumsteilnehmer widersprach diesem unfassbaren Vergleich. Der „Historiker“ führte weiter aus, dass das Denkmal seiner Meinung nach, die mit Angst erzwungene Treue zur Sowjetunion symbolisiere.

Gemeinsamer Protest

All dies blieb nicht unwidersprochen. Von den 100 Anwesenden bestand die große Mehrheit aus Gegnern dieser Angriffe, die wir vorher auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht hatten. Den Lügen der Kulturbürgermeisterin wie den angeblichen Jahrzehnten des Friedens, die Russland nun störe, setzten wir uns mit zahlreichen Wortmeldungen entschieden entgegen. Wir wiesen darauf hin, wie zynisch es ist, dieses Monument erst in einem Park zu verstecken und dann davon zu reden, es hätte an Bedeutung verloren, die man nun mit neuen Inhalten füllen müsse.

Als dann nochmals die Option des Abrisses angesprochen wurde, kippte die angeheizte Stimmung endgültig und wütende, aber absolut berechtigte Zwischenrufe der vor allem osteuropäischen Community entluden sich. Unter voller Unterstützung weiter Teile der Anwesenden konnten wir uns mit dem Transparent hinter den geladenen Gästen des Podiums positionieren. Dank der Unterstützung weiterer Kommunisten konnten wir einen Platzverweis oder Schlimmeres verhindern und diese Geschichtsrevisionisten in der anschließenden Fragerunde mit dutzenden Redebeiträgen in die Schranken weisen, die nicht mal davor zurückschreckten, die Zahl der 27 Millionen Toten Sowjetsoldaten in Frage zu stellen. Ihre in der Minderheit befindlichen Anhänger gingen dann in der Diskussion dazu über, zu behaupten am 8. Mai hätte „das eine Böse das andere abgelöst“ und den solidarisch an unserer Seite protestierenden Personen prorussische Kriegshetze vorzuwerfen. Der Protest ausgehend von unserem Transparent und dem Publikum blieb untereinander solidarisch und lies sich nicht durch Beschwichtigungsversuche oder Ausweichargumente brechen.

Die Linkspartei trug am 8. Mai bereitwillig dazu bei, die Geschichte umzubauen – mal unterschwellig und tendenziös zynisch, mal ganz deutlich mit der Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus. Diese Parteiist schon längst mehrheitlich ins Lager der ideologischen Mobilmacher gewechselt. Die marginalen Anti-NATO Positionen werden überschallt vom Kriegsgeheul eines Bodo Ramelow, der Reinwaschung von Faschisten durch eine Juliane Nagel und der Befürwortung des sanktionspolitischen Wirtschaftskrieges durch den Parteivorsitzenden Martin Schirdewan und Konsorten. Die Partei macht die antirussische Propaganda auch für gesellschaftliche Teile attraktiv und woke, die sich als links verstehen. In Dresden diente sie bereitwillig als Vollstreckerin des laufenden reaktionären gesellschaftlichen Umbaus.

In Dresden wurde einmal mehr deutlich: Denk- und Mahnmäler zum Faschismus als „Denkmäler der Schande“ zu verunglimpfen, bleibt in Kriegszeiten nicht der AfD vorbehalten.

Stoppt den Geschichtsrevisionismus!

8. Mai heißt Befreiung!

Es lebe die Rote Armee! Ihre Denkmäler zu ehren und zu verteidigen ist unsere Pflicht!

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Wir rufen Euch dazu auf bei der anstehenden Wahl des EU-Parlaments euer Kreuz bei der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zu machen.