„Wir haben gemeinsam beschlossen, dass Kapitulation für Kuba keine Option ist.“

Themen: Imperialismus und Neokolonialismus

Die USA haben ihre Angriffe gegen Kuba in den letzten Wochen stark verschärft. Trump ordnete per Dekret an, das Land mittels Zöllen von der Treibstoffversorgung abzuschneiden. Der Imperialismus, der das sozialistische Land seit über 65 Jahren mit einer Blockade drangsaliert, erhofft sich von diesem Schritt den kompletten Kollaps: durch den Zusammenbruch der Infrastruktur, des Gesundheitssytems und der Lebensmittelversorgung. Hungerblockaden sind eine gängige Methode des Imperialismus zur gewaltsamen Durchsetzung seiner Herrschaft und Interessen – wir denken nur an Leningrad und Gaza. Der Widerstand gegen Unterdrückung konnte so jedoch nie vernichtet werden. Auch aus Kuba heißt es heute: Kapitulation ist keine Option!

Unsere Aufgabe ist es, die verbrecherische Politik des Imperialismus anzugreifen, uns für ein Ende der Blockade einzusetzen und unsere bedingungslose Solidarität mit Kuba zu zeigen. Es ist wichtig, die Narrative des Imperialismus zu entblößen und die Perspektive von Kampf und Widerstand des kubanischen Volkes sichtbar zu machen. Wir spiegeln daher ein übersetztes Pressestatement von Miguel Mario Díaz-Canel, Präsident und Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas. Wir haben das Interview gekürzt, in voller Länge ist es auf Englisch und Spanisch nachzulesen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit haben wir Zwischenüberschriften eingefügt.

In einer über zweistündigen Pressekonferenz hat sich Díaz-Canel am 5. Februar Fragen von nationaler und internationaler Presse gestellt. Bemerkenswert ist sein Scharfsinn bei gleichzeitig selbstkritischer Reflexion. Er spricht über die Rolle der USA, die Perspektiven von Gegenwehr und die Bedeutung der internationalen Solidarität. Er antwortet auf Fragen nach den konkreten Verteidigungsmaßnahmen des Landes sowie nach der Situation der Energie- und Stromversorgung. Außerdem erklärt er, was die nächsten priorisierten Handlungsschritte sein müssen, welche Rolle die Kommunistische Partei und die Verbindung zu den Massen dabei spielt. Er betont den Ernst der Lage und verfällt dennoch nicht in Pessimismus: „Ich bin der Auffassung, dass der Zusammenbruch in der imperialistischen Philosophie liegt, nicht jedoch in der Mentalität der Kubanerinnen und Kubaner. Der Zusammenbruch kann nicht allein mit dem Druck einer imperialistischen Regierung erklärt werden. In unserem Verständnis des Zusammenbruchs existiert vielmehr das Konzept des Widerstands, des kreativen Widerstands: die Verteidigung der Ideen, an die wir glauben (…), und die Überzeugung vom Sieg, an den wir ebenfalls glauben.“

¡Patria o Muerte – Venceremos!

Angesichts der jüngsten Angriffe gegen Kuba hat die DKP eine Spendenkampagne gestartet.
Ziel ist es, zum 1. Mai 25.000 Euro in Havanna zu übergeben:

DKP-Parteivorstand / Sparkasse Essen
IBAN: DE21 3605 0105 0003 6306 13
Stichwort: Spende Kuba

Das Narrativ vom Zusammenbruch

Oliver Zamora (Russia Today): Ich möchte Sie gern zu zwei Themen befragen. Zunächst geht es um das Narrativ des Zusammenbruchs, das von Seiten der Regierung der Vereinigten Staaten – insbesondere seit Präsident Donald Trump – immer lauter vertreten wird und nach den Ereignissen vom 3. Januar in Venezuela auch in den Medien wiederholt wird. Ich würde gern näher darauf eingehen, wie groß die tatsächliche Abhängigkeit zwischen beiden Regierungen war und was nun von den bilateralen Beziehungen zwischen Kuba und Venezuela zu erwarten ist. (…)

Miguel M. Díaz-Canel: Gut, Oliver. Ich denke, dass die Theorie des Zusammenbruchs und das Beharren auf diesem Narrativ eng mit der Theorie des gescheiterten Staates und mit einer ganzen Reihe von Konstruktionen zusammenhängen, mit denen die Regierung der Vereinigten Staaten versucht hat, die Situation Kubas zu charakterisieren. Genau dieses Zusammenbruchsnarrativ steht im Zusammenhang mit einer der zentralen Richtungen, die die Regierung der Vereinigten Staaten verfolgt, um die kubanische Revolution zu stürzen.

Ich sage, dass es dabei zwei grundlegende Richtungen gibt: zum einen die wirtschaftliche Strangulierung (…) und zum anderen die militärische Aggression. Das wird sehr deutlich in einer der jüngsten Erklärungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten zusammengefasst. In einem ersten Teil seines Satzes sagte er, man habe jeden möglichen Druck auf Kuba ausgeübt. Damit wurde zugleich anerkannt, dass es keinen gescheiterten Staat gibt, sondern einen Staat, der mit großem Widerstand einem maximalen Druck ausgesetzt war – und zwar nicht von irgendwem, sondern von der führenden Weltmacht. (…) Auf der anderen Seite steht die militärische Aggression, wenn im zweiten Teil dieses Satzes gesagt wird, es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als unser Land einzunehmen und zu zerstören.

Ich glaube, dass wir in unserer Geschichte, in den 67 Jahren der Revolution, dieses Ziel der wirtschaftlichen Strangulierung seit dem Beginn der Blockade immer vor Augen hatten. (…) Wir wurden unter den Bedingungen dieser wirtschaftlichen Erstickung geboren; wir hatten immer Mangel, wir hatten stets komplexe Schwierigkeiten, und wir mussten immer inmitten von Umbrüchen, Zwängen und Druck leben – Belastungen, die keinem anderen Land der Welt in dieser Form und über einen derart langen Zeitraum auferlegt wurden.

Ich bin der Auffassung, dass der Zusammenbruch in der imperialistischen Philosophie liegt, nicht jedoch in der Mentalität der Kubanerinnen und Kubaner. Der Zusammenbruch kann nicht allein mit dem Druck einer imperialistischen Regierung erklärt werden. In unserem Verständnis des Zusammenbruchs existiert vielmehr das Konzept des Widerstands, des kreativen Widerstands: die Verteidigung der Ideen, an die wir glauben (…), und die Überzeugung vom Sieg, an den wir ebenfalls glauben. Ich bin kein Idealist; ich weiß, dass wir schwierige Zeiten durchleben werden. Wir haben schwierige Zeiten durchlebt, und diese sind besonders schwierig. Aber wir werden sie gemeinsam überwinden – mit kreativem Widerstand sowie mit der Anstrengung und dem Talent aller Kubanerinnen und Kubaner.

Die Beziehung zu Venezuela kann nicht als ein Abhängigkeitsverhältnis bezeichnet werden. Viele versuchen, sie als eine solche Abhängigkeit zwischen zwei Ländern darzustellen. Damit schränken sie diese Beziehung ein und reduzieren sie auf einen bloßen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Das entspricht jedoch nicht der Realität der Beziehung, die wir zur Bolivarischen Revolution aufgebaut haben. Seit Chávez die Bolivarische Revolution anführte, entwickelte sich eine Beziehung der Zusammenarbeit, die auf den Prinzipien der Solidarität, vor allem aber der Integration und der Komplementarität beruhte: zwei Bruderländer, zwei befreundete Länder, die das jeweilige Potenzial des anderen im Sinne dieser Integration und Komplementarität nutzen konnten.

Aus diesem Grund entstand vor mehr als 25 Jahren das Abkommen über umfassende Zusammenarbeit zwischen Kuba und Venezuela. Warum umfassend? Weil es zahlreiche Bereiche abdeckt, darunter Energie, Ernährungssouveränität, Bildung, Hochschulbildung, Alphabetisierung sowie die Ausbildung von Führungskräften und Fachpersonal. Darüber hinaus umfasst es Bereiche wie Industrie, Bergbau, Telekommunikation, kulturellen Austausch und politischen Dialog. Und diese Zusammenarbeit ging über die bilateralen Beziehungen zwischen Kuba und Venezuela hinaus.

Im Rahmen dieser Beziehung und dieses Abkommens entstand vier Jahre später die ALBA-TCP, die diese Konzepte der Zusammenarbeit auf eine Gruppe von Ländern in Lateinamerika und der Karibik ausweitete. Später unterstützte die ALBA-TCP auch Petrocaribe, eine Reihe von Projekten mit energetischem Schwerpunkt, die jedoch zugleich einen starken Fokus auf soziale Aspekte legten – soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Chancengleichheit sowie den Nutzen und die Entwicklung der Völker, nicht nur in Venezuela und Kuba, sondern in ganz Lateinamerika und der Karibik. Darin spiegelt sich das Konzept der Integration wider: Jene Integration, von der Martí träumte, von der Bolívar träumte und die Fidel und Chávez verteidigten und der wir uns alle verpflichtet fühlen. Tausende von Kubanern haben im Rahmen dieser Abkommen und dieser Zusammenarbeit an entsprechenden Projekten teilgenommen. (…)

In diesem Integrationskontext gelang es mithilfe der kubanischen Alphabetisierungsmethode „Yo sí puedo“ vier Ländern, den Analphabetismus zu überwinden und sich offiziell für analphabetismusfrei zu erklären. (…) Selbstverständlich wurden auch wirtschaftliche und handelspolitische Beziehungen geknüpft und sehr wichtige Kooperationsprojekte ins Leben gerufen. Eines dieser Projekte, insbesondere im Energiebereich, sah vor, dass durch die Erbringung medizinischer Dienstleistungen ein erheblicher Teil des Brennstoffbedarfs gedeckt wurde – nicht der gesamte, aber doch ein bedeutender Teil, insbesondere in der heutigen Zeit. Zu einem früheren Zeitpunkt deckte diese Zusammenarbeit den gesamten Brennstoffbedarf unseres Landes. Heute ist das nicht mehr der Fall, denn wir dürfen nicht vergessen, dass Venezuela Sanktionen, Zwangsmaßnahmen und massivem Druck ausgesetzt war. Das hat auch diesen Austausch beeinträchtigt, der zwar in großem Umfang aufrechterhalten wurde, jedoch nicht immer das Niveau früherer Zeiten erreichte. Inzwischen ist er stark beeinträchtigt, seit mit der Energie- und Seeblockade gegen Venezuela verhindert wird, dass venezolanische Schiffe oder Schiffe anderer Länder mit venezolanischem Treibstoff nach Kuba gelangen. Diese Blockade wurde in den letzten Tagen durch eine Exekutivverordnung der Regierung der Vereinigten Staaten weiter verschärft, die durch die Androhung von Zöllen gegen Länder, die Öl liefern, Druck ausübt. Unter diesem Vorwand ist faktisch eine Energieblockade gegen unser Land entstanden.

Die Zukunft der Beziehungen zu Venezuela hängt davon ab, wie wir diese Zukunft aus der gegenwärtigen Situation Venezuelas heraus gestalten können – eines Landes, das angegriffen wurde und dessen Präsident und dessen Ehefrau illegal entführt und in den Vereinigten Staaten inhaftiert wurden. (…)

Internationale Solidarität

Claudia Fonseca (Vertreterin der Agentur der Volksrepublik China, Xinhua): Guten Tag, Herr Präsident. Wie Sie bereits erwähnt haben, gab es Proteste gegen diese Verschärfung der Energieblockade. Ich würde gerne von Ihnen erfahren, was die Länder des Globalen Südens konkret tun könnten, um Kuba in dieser Hinsicht zu unterstützen.

Miguel M. Díaz-Canel: Jedes Mal, wenn man beobachtet, was derzeit geschieht, welche Erkenntnisse und Lehren wir in diesen Tagen aus den Ereignissen in Venezuela und aus der Reaktion der Regierung der Vereinigten Staaten gegenüber Kuba und anderen Ländern nach diesen Ereignissen ziehen konnten, stellt sich unweigerlich die Frage, was die Welt tun kann. Denn ich bin der Auffassung, dass sich die Welt nicht unterwerfen lassen darf, dass sie sich nicht demütigen lassen darf und dass sie nicht zulassen darf, dass Gewalt den Multilateralismus zerschlägt. Ich denke, dass es bei Themen wie diesem vor allem darauf ankommt, dass die Länder und die Völker verstehen, was tatsächlich vor sich geht. Sie müssen begreifen, dass wir alle auf der Welt – ohne Ausnahme – mit einem Krieg konfrontiert sind: einem politischen und ideologischen Krieg, der auch eine kulturelle und eine kommunikative, eine mediale Komponente hat. (…)

Warum ist es ein ideologischer Krieg? Weil versucht wird, das hegemoniale Denken der führenden imperialistischen Macht der Welt durchzusetzen. Warum ist es ein kultureller Krieg? Weil die Verbindungen zu den kulturellen Wurzeln der Völker gekappt werden sollen, damit die Hegemonie dieser Macht weltweit Vorrang erhält. Es werden alle möglichen Manöver unternommen, damit die Völker ihre eigene Kultur und ihre Geschichte als überholt ansehen. Ich spreche hier von Kultur im weitesten Sinne: davon, dass Menschen ihre Identität verleugnen, dass sie sich ihrer Geschichte schämen, um anschließend die Paradigmen und Muster dieser hegemonialen, imperialen Philosophie zu assimilieren und sich ihr zu unterwerfen. Und es ist ein Medienkrieg. Sie haben gesehen, dass alle Phasen der Aggression gegen Venezuela zunächst medial entworfen wurden (…). Gegen Kuba wird heute ein sehr intensiver psychologischer Krieg geführt, mit dem Ziel, die Einheit zu spalten, Misstrauen zu säen und Unsicherheit zu fördern. All das sind Elemente, die die Perversität dieser Strategie offenbaren.

Ich glaube daher, dass die Völker, die Regierungen, die Länder, die Nationen und insbesondere der Globale Süden zunächst eines tun müssen: Sie müssen verstehen, worum es in diesem Konflikt geht, in welchen Szenarien er ausgetragen wird und was uns aus dieser brutalen Gegenwart als Zukunft angeboten wird. Danach müssen sie nach einer gemeinsamen Linie suchen, nach Einheit. Eine Einheit, die nicht nur aus Worten bestehen darf, sondern auch aus Taten: aus ständiger Kritik, aus dem Streben nach einer möglichst umfassenden Integration in Blöcken oder Fronten, die bestimmte Ideen verteidigen, und aus der Suche nach wirtschaftlichen, handelspolitischen, kooperativen und kollaborativen Maßnahmen, die den Multilateralismus schützen. Ich glaube, dass es derzeit Zusammenschlüsse gibt, die in dieser Hinsicht eine führende Rolle übernehmen, etwa die BRICS-Staaten, die dem Globalen Süden andere Perspektiven eröffnen. Die Beziehungen von Mächten wie China und Russland zu den Ländern des Südens unterscheiden sich grundlegend von anderen Ansätzen. Auch die Eurasische Union und weitere regionale Blöcke spielen hier eine Rolle. Die Bewegung der Blockfreien Staaten muss dabei eine grundlegende Funktion übernehmen, ebenso wie die Gruppe der 77. Es geht darum, eine antihegemoniale Mobilisierung zu erreichen, die uns von anderen unterscheidet, weil sie auf den Postulaten dieses Hegemonialismus basiert – konkret auf einer antifaschistischen Artikulation. Denn man verhält sich wie faschistische Horden, wenn man ein Land angreift, wenn man versucht, die Welt zu unterwerfen, wenn man einen Präsidenten entführt oder wenn man kriminelle Handlungen gegen Schiffe und gegen Menschen auf außergerichtliche Weise und ohne jegliche Rechtmäßigkeit begeht.

Ich würde mir nicht anmaßen, konkret zu benennen, welche Maßnahmen meiner Meinung nach ergriffen werden sollten, weil dies andere Länder zu sehr kompromittieren würde. Aber ich bin überzeugt, dass es Wege gibt. Um diese Wege zu beschreiten und diese Integration zu erreichen, müssen wir alle im Globalen Süden Mut und Courage zeigen. (…)

Verteidigungsvorbereitungen des Landes

Raciel Guanche (Juventud Rebelde): Aufgrund der kürzlich veröffentlichten offiziellen Mitteilung über die Etappen, über die Verabschiedung der Pläne und Maßnahmen für den Übergang zum Kriegszustand gab es auch in der Bevölkerung Besorgnis. Wir würden daher gern wissen, in welcher Phase dieser Verteidigungsvorbereitungen sich das Land derzeit befindet.

Miguel M. Díaz-Canel: Gut. Es ist zweifellos möglich, dass es in der Bevölkerung Besorgnis gibt. Ich denke jedoch, dass diese Besorgnis geringer ist, weil die Bevölkerung selbst daran beteiligt ist. Die eigentliche Besorgnis kommt von anderen: von diesem Schwarm von Annexionisten, den wir außerhalb des Landes haben; von jenen, die anfangen zu schwanken; von denen, die sich angesichts des Drucks und der psychologischen Kriegsführung, die gegen uns betrieben wird, sowie angesichts der Ankündigungen einer möglichen militärischen Aggression oder einer weiteren Verschärfung der Blockade gegen Kuba – mit all den Folgen, die dies für unser Volk haben könnte – feige oder schwach zeigen.

Es ist eine Tatsache, dass Kuba ein friedliches Land ist. Die Verteidigungs- oder Militärdoktrin unseres Landes beruht auf dem Konzept des Krieges des ganzen Volkes. Dieses Konzept dient der Verteidigung der Souveränität und Unabhängigkeit des Landes und sieht zu keinem Zeitpunkt, in keinem Abschnitt und in keinem seiner Grundsätze eine Aggression gegen ein anderes Land vor. Kuba stellt keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Gegenwärtig ist es vielmehr die Regierung der Vereinigten Staaten, die ständig von Aggression spricht und vor allem eine beleidigende Rhetorik über eine mögliche Aggression gegen Kuba anheizt. Wir Revolutionäre wissen, wie wichtig es ist, eine Revolution zu verteidigen. Wie Fidel und Raúl wiederholt erklärt haben, kann eine Revolution, die sich nicht zu verteidigen weiß und ihre Verteidigung nicht stärkt, unter bestimmten Umständen nur sehr schwer überleben. Es ist daher unsere souveräne Pflicht, uns angesichts einer möglichen Aggression auf die Verteidigung vorzubereiten.

Als wir also alles analysierten, was geschehen war – die Ereignisse vom 3. Januar in Venezuela, ihre Auswirkungen auf Lateinamerika und die Karibik, die Bedrohungen in der Region sowie die konkreten Bedrohungen für Kuba –, war eine der Prioritäten, die wir festgelegt haben, die Umsetzung eines Plans zur Vorbereitung der Verteidigung im Interesse des Krieges des gesamten Volkes. Dieser Plan umfasst die Vorbereitung des territorialen Verteidigungssystems des Landes in all seinen Ebenen: von der Verteidigungszone über die Gemeinden und Provinzen bis hin zum Nationalen Verteidigungsrat; von den regulären Einheiten der FAR [Fuerzas Armadas Revolucionarias, Anmerkung KO] und des MININT [Ministerio del Interior de la República de Cuba, Anmerkung KO]; von den Produktions- und Verteidigungsbrigaden; von den Milizen der Territorialtruppen sowie von den Strukturen in den Verteidigungszonen und den Spezialeinheiten. Ziel all dessen ist es, unsere Verteidigungsbereitschaft zu erhöhen. Dies ist legitim und ausdrücklich in unserer Verfassung vorgesehen.

Wir haben den Samstag zum nationalen Verteidigungstag erklärt, sodass sich alle Komponenten unseres territorialen Verteidigungssystems schrittweise und systematisch vorbereiten. Wir selbst beteiligen uns aktiv an dieser Vorbereitung. Bislang fanden zwei Vorbereitungssitzungen des Nationalen Verteidigungsrates statt. In einer dieser Sitzungen haben wir alle Pläne zur Abwehr einer Aggression durch die Arbeitsorgane des Nationalen Verteidigungsrates aktualisiert und dabei Präzisierungen aufgenommen, die auf den Erfahrungen aus den jüngsten internationalen Konflikten beruhen. In einer weiteren Sitzung haben wir den Plan für den Übergang zum Kriegszustand aktualisiert, falls dieser notwendig werden sollte. Diese Maßnahmen wurden veröffentlicht, denn wir verheimlichen nichts. (…) Es bedeutet nicht, dass wir in den Kriegszustand übergehen, sondern dass wir uns darauf vorbereiten, falls wir eines Tages dazu gezwungen sein sollten. Das ist die Realität. Alles andere ist Manipulation, die sofort vom gesamten System der medialen Desinformation aufgegriffen wurde, das die Interessen der Regierung der Vereinigten Staaten verteidigt. Unser Volk beteiligt sich aktiv an dieser Vorbereitung. Ich habe Militäreinheiten besucht, in denen wir Übungen durchgeführt haben, und ich habe mich mit Studierenden unterhalten, die ebenfalls Verteidigungsaufgaben in den Verteidigungszonen ihrer Gemeinden übernommen haben. Wir werden uns weiterhin systematisch an dieser Art von Aktivitäten beteiligen. (…)

Kuba und der „Terrorismus“

Jorge Legañoa (Lateinamerikanische Nachrichtenagentur Prensa Latina): Die Darstellung der Vereinigten Staaten spricht davon, dass in unserem Land Terroristen geschützt würden. Schützt Kuba Terroristen? Gibt es in diesem Zusammenhang Militär-, Geheimdienst- oder andere Kräfte anderer Nationen auf kubanischem Boden?

Miguel M. Díaz-Canel: (…) Wenn man die Geschichte der kubanischen Revolution Revue passieren lässt, wird deutlich, mit welcher Systematik, mit welcher Intensität und mit welcher Boshaftigkeit die Regierung der Vereinigten Staaten terroristische Akte gegen die Revolution gefördert hat. Dazu zählen mehr als 600 bekannte Attentatsversuche auf unseren Comandante en Jefe sowie eine Vielzahl historischer Ereignisse und terroristischer Aktionen. Um nur einige zu nennen, die sich in den Provinzen ereignet haben, für die ich verantwortlich war: Boca de Samá in Holguín; der sogenannte Kampf gegen Banditen im Escambray, in Villa Clara, Cienfuegos und Sancti Spíritus, bei dem Bauern und Revolutionäre ermordet wurden – darunter ein junger Mann wie Manuel Ascunce, der Bauern alphabetisierte, damit sie Zugang zum Licht des Wissens erhalten konnten.

Allen diesen Ereignissen und Ausdrucksformen des Terrorismus ist gemeinsam, dass sie von den aufeinanderfolgenden Regierungen der Vereinigten Staaten organisiert, finanziert und unterstützt wurden. (…) Ich möchte noch weitergehen: Heute wissen wir von Plänen für terroristische Anschläge, die in den Vereinigten Staaten unterstützt, finanziert und vorbereitet werden, um Kuba in einer Zeit wie dieser anzugreifen. Zu gegebener Zeit werden wir diese Informationen offenlegen und alle entsprechenden Anzeigen erstatten.

Wie kann man von Terrorismus in Kuba sprechen – in einem Land, das selbst Opfer des Terrorismus durch genau jene Macht geworden ist, die uns heute beschuldigt? Das ist eine Unverschämtheit, es ist unmoralisch, es ist Manipulation, es ist eine Lüge, es ist Verleumdung. Und dennoch verfügen wir über ganz aktuelle Fakten, die zeigen, mit welcher Unehrlichkeit die Regierungen der Vereinigten Staaten das Thema Terrorismus instrumentalisiert und Kuba dafür verantwortlich gemacht haben. (…)

Kuba ist kein terroristisches Land. Kuba stellt auch keine Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten dar. Kuba hat niemals eine aggressive Handlung durchgeführt, vorgeschlagen oder vorbereitet, die die territoriale Integrität, die Sicherheit oder die Stabilität der Regierung der Vereinigten Staaten gefährdet hätte. Wir schützen keine Terroristen. In Kuba gibt es keine Streitkräfte anderer Nationen oder anderer Gruppierungen. Es existieren keine Militärstützpunkte anderer Länder auf kubanischem Boden. Wir unterhalten militärische Zusammenarbeit und militärische Kooperationsabkommen mit befreundeten Ländern und Verbündeten, doch das bedeutet in keiner Weise, dass es in Kuba ausländische Militärstützpunkte gibt. Tatsächlich gibt es in Kuba einen Militärstützpunkt – einen illegalen Militärstützpunkt. Und wem gehört er? Es handelt sich um einen illegalen US-amerikanischen Militärstützpunkt auf dem Gebiet der kubanischen Provinz Guantánamo, der gegen den Willen des kubanischen Volkes betrieben wird.

Wer unterhält Militärstützpunkte auf der ganzen Welt? Wer zeichnet sich durch die Unterstützung des Staatsterrorismus weltweit aus? War die Aggression gegen Venezuela und die Entführung eines Präsidenten etwa kein Akt des Staatsterrorismus? Ist die Unterstützung der Vereinigten Staaten für den Völkermord an den Palästinensern in Gaza kein Akt des Terrorismus? Oder ist es kein Akt des Terrorismus, Boote und Schiffe mit Menschen zu beschießen und verschwinden zu lassen, ohne dass ihnen eine Verbindung zum Drogenhandel nachgewiesen wurde, ohne Ermittlungen und ohne Beweise? Wo liegt also die Wahrheit in dieser Welt? Welcher Staat stellt tatsächlich die größte Gefahr für die Sicherheit der Welt und für den Weltfrieden dar? Die Vereinigten Staaten. Das ist meine Sichtweise zu diesem Thema.

Die Lage der Energieversorgung

Norland Rosendo (Kubanische Nachrichtenagentur): Herr Präsident, die aktuelle Lage Kubas ist aufgrund der Probleme beim Zugang zu internationalen Brennstoffen sehr komplex. Diese Situation wird nun durch die Exekutivverordnung weiter verschärft, die unseren Zugang zu diesen Brennstoffen noch stärker zu behindern droht. Kuba hat wiederholt und in verschiedenen nationalen Foren eine langfristige Strategie zur Umstellung der Energieversorgung des Landes vorgestellt, die bis zum Jahr 2050 eine nahezu hundertprozentige Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen vorsieht. Gibt es angesichts der aktuellen Ereignisse eine Aktualisierung dieser Strategie? Wenn ja, auf welchen Elementen beruht sie und welche Prioritäten werden dabei gesetzt?

Miguel M. Díaz-Canel1: Das ist eine sehr interessante Frage, die meiner Meinung nach eng mit den Sorgen der Menschen verbunden ist und mit dem, was sie wissen wollen. (…) Die Art und Weise, wie eine Reihe von Zwangsmaßnahmen der Regierung der Vereinigten Staaten inmitten dieser Situation gezielt auf eine Energieblockade des Landes abzielt, bestätigt uns einmal mehr darin, wie wichtig es ist, diese Priorität der Energiewende hin zu erneuerbaren Energiequellen beizubehalten. (…)

Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 900 Megawatt in der dezentralen Stromerzeugung des Landes zurückgewonnen. Warum ist diese Wirkung nicht deutlich spürbar geworden? Weil es zwar zu einer Erhöhung beziehungsweise zur Wiederherstellung der Erzeugungskapazitäten gekommen ist, wir jedoch aus den uns allen bekannten Gründen nicht über ausreichend Brennstoff verfügten, um diese Kapazitäten voll auszuschöpfen. Gleichzeitig haben wir auch die thermische Erzeugungskapazität wiederhergestellt, was mit dem gesamten Prozess der Reparatur und Wartung der wichtigsten thermoelektrischen Kraftwerke des Landes zusammenhängt. Die positiven Effekte sind dennoch nicht sichtbar geworden, weil wir mit sehr großen Defiziten konfrontiert waren. (…)

Der dritte Bereich, in dem wir arbeiten und in dem es meiner Meinung nach ein bemerkenswertes, wenn auch vielleicht wenig wahrgenommenes Ergebnis gibt, betrifft die Investitionen in erneuerbare Energiequellen, die wir trotz eines wirtschaftlich und finanziell äußerst schwierigen Jahres getätigt haben. Wir haben landesweit etwa 49 Photovoltaikparks installiert. Vor 2025 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung des Landes bei lediglich 3 Prozent. Durch diese Investitionen innerhalb eines einzigen Jahres sind wir von 3 Prozent auf 10 Prozent gestiegen – ein Zuwachs von 7 Prozentpunkten.

Man wird sich nun fragen – und auch die Bevölkerung stellt sich diese Frage: Wo ist diese Energie? Stellen Sie sich vor, wir hätten tagsüber keine dezentrale Energieerzeugung gehabt und wären ausschließlich auf thermoelektrische Kraftwerke angewiesen gewesen, von denen sich einige gerade in Reparatur oder Wartung befinden. Warum hatten wir tagsüber nicht dieselben Defizite wie nachts? Ganz einfach: Diese rund 1.000 Megawatt aus den Photovoltaikparks erzeugen während der Tageszeiten, in denen sie in Betrieb sind, durchschnittlich 38 Prozent der Energie, die das Land zu diesen Zeiten verbraucht. Dadurch konnten wir tagsüber ein kontrollierbares und überschaubares Defizit aufrechterhalten. (…) Hätten wir diese Photovoltaikparks nicht gehabt, wäre das Defizit, das wir heute nachts erleben, den ganzen Tag über vorhanden gewesen. Was wäre dann passiert? Das Land hätte dauerhaft von Stromausfall zu Stromausfall gelebt. Das System wäre ständig instabil gewesen, es hätte immer wieder einen totalen Stromausfall gegeben, wir hätten uns erholt und wären nach zwei oder drei Tagen erneut in die Instabilität zurückgefallen. Genau das ist nicht geschehen. (…)

Nach einer realistischen Analyse der Lage des Landes haben wir gesagt: Wir müssen in diesem Jahr einen Teil der verfügbaren Energie in die Tageswirtschaft lenken. Wir wissen, dass dies zulasten der Bevölkerung geht, aber die Bevölkerung profitiert zugleich von dem, was wir in der Wirtschaft produzieren. Wenn die Wirtschaft nichts produziert, wird die Situation noch komplizierter, und die Auswirkungen der Energieprobleme auf das Leben der Kubanerinnen und Kubaner wären noch gravierender. Mit diesem Ansatz ist das Gesamtdefizit gleich geblieben, doch durch diese Investitionen konnten wir es stabil halten. Einen Teil dieser Energie widmen wir gezielt der Wirtschaft. Auf diese Weise konnten wir im Tagesverlauf Prioritäten bei der Stromversorgung setzen, etwa für die Bewässerung der Reisflächen, die wir bewirtschaften. In diesem Jahr wollen wir 200.000 Hektar Reis anbauen, was eine Produktion ermöglichen würde, mit der wir etwa 30 bis 40 Prozent des Reises abdecken könnten, der derzeit über den normierten Warenkorb konsumiert und importiert wird. Das wäre ein erster Schritt, um in zwei oder drei Jahren eine vollständige Selbstversorgung mit Reis aus nationaler Produktion zu erreichen und keine Importe mehr zu benötigen. (…)

Vor diesem Hintergrund kann der Eindruck entstehen – und dieser Eindruck besteht tatsächlich –, dass es mehr Defizite gibt. Es gibt jedoch keine größeren Defizite insgesamt, sondern größere Defizite für die Bevölkerung, weil wir der Wirtschaft Vorrang eingeräumt haben. Ich frage mich daher, ob wir mit diesem Konzept falsch liegen oder ob es nicht vielmehr eine Möglichkeit ist, einen Teil all dieser Investitionsanstrengungen gezielt für das Wirtschaftswachstum einzusetzen. Mit diesem Konzept haben wir gearbeitet. (…)

Derzeit werden 5.000 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von jeweils zwei Kilowatt installiert, die für Haushalte und Familien bestimmt sind, deren Häuser zuvor nicht an das Stromnetz angeschlossen waren, weil sie abgelegen liegen und die Verlegung von Stromleitungen aufgrund der schwierigen Zugänglichkeit enorme Investitionen in Kabel erfordert hätte. Zusätzlich installieren wir derzeit weitere 5.000 Photovoltaikmodule in wichtigen Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung. (…) Solche Module wurden auch für Kinder installiert – sogenannte pflegebedürftige Kinder –, die aufgrund ihrer Erkrankungen den ganzen Tag über Energie in ihrem Zuhause benötigen. Im vergangenen Jahr haben wir diese Systeme für 161 Kinder installiert, und in diesem Jahr werden weitere 121 folgen. Ich spreche außerdem von 161 Mutterhäusern, 156 Altenheimen, 305 Seniorenheimen, 556 Polikliniken, von denen zumindest die Wachstationen und ein großer Teil mit diesen Systemen ausgestattet werden, sowie von 336 Bankfilialen. Sie wissen, dass eines der Probleme, mit denen die Bevölkerung bei Stromausfällen konfrontiert ist, darin besteht, keine Bankgeschäfte tätigen zu können, was wiederum auch die wirtschaftliche Funktionsfähigkeit beeinträchtigt. (…)

Im vergangenen Jahr hat das Land zudem Ausbildungskapazitäten für die Fachkräfte aufgebaut, die die Technologie der Photovoltaikparks errichten, betreiben und installieren. Als wir mit den ersten Parks begannen, benötigten wir etwa drei Monate für ihren Bau. Die letzten Parks hingegen konnten bereits in 45 Tagen fertiggestellt werden. Das bedeutet, dass inzwischen qualifiziertes Personal vorhanden ist, um diese Investitionen in Kuba fortzusetzen und sogar andere Länder zu unterstützen, die in diesem Bereich Zusammenarbeit benötigen. Es wurden neue Technologien eingeführt, Technologietransfers realisiert und technologische Entwicklungen vorangetrieben. (…)

Kuba und die Ölblockade

Oscar Figueredo (Cubadebate und IDEAS Multimedios): Guten Tag, Herr Präsident. Sie haben auf die erheblichen Investitionen hingewiesen, die trotz der aktuellen Lage im Energiesektor getätigt wurden und dem kubanischen Volk bekannt sind. Dabei wurde ein wichtiger Punkt bestätigt: die Notwendigkeit, unsere internen Ressourcen – insbesondere das Erdöl – weiterhin zu nutzen. (…) Glauben Sie, dass die Förderung dieser natürlichen Ressource sowie des Begleitgases weiter gesteigert werden kann?

Miguel M. Díaz-Canel: (…) Bevor ich auf Ihre konkrete Frage eingehe, möchte ich darauf hinweisen, dass wir uns aus Sicht der Brennstoffversorgung derzeit in einer äußerst komplexen Energiesituation befinden. Man darf nicht vergessen, dass die Seeblockade gegen Venezuela im Dezember begann und seitdem kein Brennstoff mehr in dieses Land gelangt. Das hat unmittelbare Auswirkungen. Wir haben heute ernsthafte Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Treibstoff – nicht nur für die Stromerzeugung, sondern auch für grundlegende Aktivitäten, insbesondere für solche, die direkt mit dem Alltag der Bevölkerung verbunden sind. Aus diesem Grund ist heute der Ministerrat zusammengetreten, um zusätzliche Regierungsrichtlinien zur Bewältigung der akuten Kraftstoffknappheit zu beschließen. (…)

Eines möchte ich klarstellen: Auch wenn eine Energieblockade gegen uns verhängt wurde, verzichten wir nicht auf unser Recht, Brennstoff in unser Land zu bringen. Das ist ein souveränes Recht. Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen – und wir unternehmen sie bereits –, damit Kuba wieder mit Treibstoff versorgt werden kann. Ich versichere Ihnen: Partei, Regierung und alle Institutionen, die für Energieentscheidungen zuständig sind, arbeiten daran, dass Bevölkerung, Wirtschaft und soziale Entwicklung unter diesen schwierigen Bedingungen so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

Es ist wahr, dass große Angst herrscht und erheblicher psychologischer Druck auf Reeder, Schifffahrtsunternehmen und Länder ausgeübt wird, die uns mit Treibstoff beliefern könnten. Aber wir geben nicht auf. Das ist eine souveräne Entscheidung dieses Landes. Ich halte es für äußerst verwerflich, dass eine Macht von der Größe der Vereinigten Staaten eine derart aggressive und – ich sage es klar – kriminelle Politik gegenüber einer kleinen Nation verfolgt. Was bedeutet es denn konkret, wenn kein Tropfen Treibstoff in ein Land gelangt? Es betrifft den Transport von Lebensmitteln, die landwirtschaftliche Produktion, den öffentlichen Nahverkehr, den Betrieb von Krankenhäusern, Schulen und anderen Einrichtungen, die wirtschaftliche Produktion und den Tourismus. Wie sollen wir Unterricht gewährleisten? Wie sollen unsere lebenswichtigen Systeme funktionieren? Wie sollen wir Lebensmittel verteilen, säen, pflügen, den Boden vorbereiten oder die Ernte einbringen? Wie sollen wir uns fortbewegen?

Deshalb werden wir Maßnahmen ergreifen, die zwar nicht dauerhaft, aber situationsabhängig sind – je nachdem, wie viel Kraftstoff verfügbar ist. Es werden Maßnahmen sein, die Anstrengungen erfordern. Manche werden sagen: „Wieder Opfer?“ Aber wenn wir keine Opfer bringen und keinen Widerstand leisten – was wäre dann die Alternative? Kapitulieren? Wir haben gemeinsam beschlossen, dass Kapitulation für Kuba keine Option ist. Es gibt viel zu verteidigen. Viele würdige Kubanerinnen und Kubaner haben zu allen Zeiten ihr Leben für die Unabhängigkeit dieses Landes gegeben. Die jüngsten sind die 32 Genossen, die in Venezuela gefallen sind. Ihr Tod hat unser Volk tief erschüttert, und diese Wunde ist noch nicht verheilt. Warum haben sie so gehandelt? Weil sie Überzeugungen hatten. Weil sie wussten, wofür sie kämpften. Es ging nicht nur um einen Präsidenten oder um ein Schwesterland. Es ging um Würde, Souveränität, um Kuba, um die Revolution, um Lateinamerika und die Karibik, um den Globalen Süden. Sie handelten mit Mut und Tapferkeit – anders kann man es nicht beschreiben. Und eines Tages wird die ganze Geschichte erzählt werden, und man wird erkennen, welchen Beitrag die Haltung dieser 32 Kubaner geleistet hat – auch im Hinblick auf jene, die heute mit Drohungen und Aggressionen gegen Kuba auftreten. (…)

Um nicht erstickt zu werden, verfolgen wir eine Strategie, ein Programm, das wir – wie bereits erwähnt – in diesen Tagen aktualisiert haben. Im Ministerrat wurden neue Maßnahmen diskutiert, einige davon restriktiver Natur. Wir müssen den Verbrauch anpassen, das Sparen fördern, bestimmte Aktivitäten vorübergehend aussetzen oder verschieben, um die grundlegende Funktionsfähigkeit des Landes zu sichern und diese Situation bewältigen zu können. Ich wiederhole: All dies löst unsere Probleme nicht sofort. Aber es eröffnet Wege, schafft neue Perspektiven, stärkt unsere Souveränität und gibt uns Handlungsspielraum jenseits dessen, worauf wir bislang angewiesen waren. (…)

Zudem kann ich Ihnen sagen – angesichts der zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die wir in diesen turbulenten Tagen erhalten haben –, dass es weltweit viele Menschen und Organisationen gibt, die den Druck und die Erpressung ablehnen, die die wirtschaftliche Blockade gegen Kuba verurteilen und bereit sind, Risiken einzugehen, um mit Kuba zusammenzuarbeiten. Die internationale Gemeinschaft muss entscheiden, ob sie zulassen will, dass ein solches Verbrechen – wie es heute gegen Kuba begangen wird und morgen gegen jede andere Nation begangen werden kann – zur Norm wird, oder ob wir gemeinsam für Solidarität, Zusammenarbeit, Souveränität, Multilateralismus und die Achtung der Rechte aller Völker eintreten wollen. Dazu muss sich die Welt positionieren.

Die nächsten Aufgaben

Dilbert Reyes (Granma): Guten Tag, Herr Präsident. Zwei Fragen: Unter den Bedingungen einer extremen Blockade halte ich das Wort „Überleben“ weder für übertrieben noch für pessimistisch, sondern für eine objektive Beschreibung der Lage. Es bedeutet vor allem, an die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens zu denken: Nahrung, Wasser, unverzichtbare Grundversorgung wie Strom, Kommunikation, Gesundheit und Bildung. Wie sollte sich das Leben im Land Ihrer Meinung nach entwickeln, um diesen für das Überleben notwendigen Prioritäten gerecht zu werden? (…) Und wie sollte sich Ihrer Ansicht nach die Führung und Politik der Partei verändern, damit all dies zudem zügig umgesetzt werden kann?

Miguel M. Díaz-Canel: (…) In einer Situation wie der gegenwärtigen, in der man versucht, uns wirtschaftlich die Luft abzuschneiden und zugleich die Möglichkeit einer militärischen Aggression im Raum steht, haben wir klare Prioritäten festgelegt. Erstens müssen wir die Funktionsweise der Partei, der Regierung, des Staates, der Institutionen, der Streitkräfte, der Massenorganisationen, der gesellschaftlichen Organisationen – kurz: des gesamten Systems unseres Landes – verbessern. Als ich auf die Frage zur Verteidigung einging, habe ich bereits den Plan erläutert, mit dem wir die Bereitschaft und Vorbereitung zur Verteidigung im Sinne des Krieges des gesamten Volkes stärken wollen. Es geht darum, das gesamte Volk einzubeziehen und die Verteidigungsfähigkeit umfassend zu erhöhen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Plan zur politischen Mobilisierung: Wie demonstrieren wir kontinuierlich? Wie diskutieren, debattieren und tauschen wir uns aus? Wie bringen wir Vorschläge ein? Ein bedeutender Moment dieser politischen Mobilisierung waren die Trauerfeierlichkeiten und die Ehrung der in Venezuela gefallenen Genossen. Das kubanische Volk war am 3. Januar das erste Volk weltweit, das massiv auf die Straße ging, um seine Ablehnung zum Ausdruck zu bringen. In den frühen Morgenstunden ereigneten sich die Geschehnisse, um acht Uhr riefen wir für zehn Uhr zur Tribuna Antimperialista auf – und als wir um halb zehn eintrafen, war sie bereits vollständig gefüllt. Wir mussten mit der Kundgebung warten, weil die Menschen schon da waren, noch bevor alles vorbereitet war. Und so war es im ganzen Land, in allen Provinzen und Gemeinden folgten weitere Versammlungen und Stellungnahmen des Volkes. (…)

Als wirtschaftliche Antwort stellt sich die Frage, wie wir in möglichst kurzer Zeit die grundlegenden Elemente und strukturellen Veränderungen des Regierungsprogramms umsetzen können, um die Wirtschaft zu stärken und ihre strukturellen Probleme zu überwinden. Dazu gehört der aktualisierte Energieplan, sowohl im Hinblick auf die Stromerzeugung als auch auf die Kraftstoffversorgung. Hinzu kommt die internationale Zusammenarbeit mit linken Kräften und sozialen Bewegungen, denn wir müssen uns zusammenschließen, um diese imperialistische Offensive anzuprangern und ihr gemeinsam zu begegnen.

Ein Bereich, in dem wir selbstkritisch sein müssen, ist unsere politische, soziale und institutionelle Kommunikation. Sie muss einer Situation des Konflikts entsprechen – einer Krisenkommunikation, die der imperialistischen Medienoffensive entgegentritt, welche weltweit Kommunikationsräume vergiftet, den Ruf von Völkern und Führungspersönlichkeiten beschädigt und versucht, einen Nebel des Zweifels und der Rechtfertigung über offensichtliche Aggressionen zu legen. Man spricht nicht von der Entführung eines Präsidenten, sondern von einer „Festnahme“. Alles wird sprachlich verzerrt. (…)

Im Zusammenhang mit diesen Prioritäten haben wir insbesondere für die Arbeit der Partei mehrere Konzepte bekräftigt. Das erste und grundlegende Konzept ist die Einheit – die Einheit, die uns Stärke verleiht. Auch wenn wir sie wiederholt beschwören, bleibt sie unerlässlich. Dabei stützen wir uns auf die historischen Konzepte des Oberbefehlshabers und des Generals der Armee sowie auf zwei wesentliche Elemente der Einheit: Wir diskutieren intensiv – und wir gehen gemeinsam voran. Diskutieren bedeutet, zu perfektionieren, kritisch zu sein, zu debattieren, Beiträge zu leisten. Das spaltet nicht, sondern stärkt, vor allem wenn wir anschließend gemeinsam handeln und gemeinsam verteidigen, was beschlossen wurde. Wenn jedoch Trägheit entsteht, wenn jemand seine Meinung zurückhält oder nicht ehrlich ist, dann entstehen Brüche in der Einheit. Ein zweites Element ist die Beteiligung. Wenn alle mitwirken, Verantwortung übernehmen, kämpfen, Ergebnisse erzielen und Erfolge teilen, entstehen stärkere Identifikation, größeres Engagement und mehr Selbstwertgefühl. Das gibt Kraft.

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Verbindung zur Bevölkerung. Ich sage meinen Genossen in der Parteiarbeit immer: Die wertvollste Zeit ist die, die man mit den Menschen verbringt – in den Betrieben, in den Gemeinden, dort, wo ideologische, wirtschaftliche oder soziale Prozesse konkret stattfinden. Wer an der Basis arbeitet, versteht besser die Hindernisse, Probleme, Hoffnungen und Kriterien der Menschen. Entscheidungen werden realistischer und näher an den Bedürfnissen, wenn sie auf diesem direkten Kontakt beruhen. Verbindung bedeutet nicht bloß Besuche. Es geht nicht darum, „die Stechkarte zu stempeln“ und sagen zu können, man sei überall gewesen. Entscheidend ist, was sich durch diesen Besuch verändert hat: Was wurde erklärt? Was wurde geklärt? Welche Initiative wurde angestoßen? Welche Idee wurde aufgenommen und weitergetragen? Auch das war Thema der XI. Plenarsitzung und soll in den Strategien der Provinzen und Gemeinden konkret umgesetzt werden.

Zur innerparteilichen Demokratie: Wenn wir aus historischen Gründen die einzige verfassungsrechtlich anerkannte Partei sind, dann sind wir nicht nur die Partei der kommunistischen Mitglieder, sondern die Partei der kubanischen Nation. Deshalb sollten auch junge Menschen und nicht-militante Beschäftigte in Versammlungen einbezogen werden, damit sie mit uns diskutieren und an der Lösung der Probleme mitwirken. Beteiligung und Kontrolle durch die Bevölkerung sind unverzichtbar. Jede Maßnahme muss einen Weg zur Mitwirkung eröffnen, insbesondere für die Jugend. Ebenso muss Rechenschaftspflicht gewährleistet sein.

Und schließlich: Die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, sind so komplex, dass sie nicht mit einer einzigen Maßnahme gelöst werden können. Fidel hat uns stets gelehrt, dass man für ein und dasselbe Problem mehrere Alternativen entwickeln muss. (…)

Kuba und die Jugend

Raciel Guanche (Journalist): Herr Präsident, inmitten des Kontextes, den wir seit Beginn dieser Konferenz behandelt haben, würde ich Sie gern um Ihre Einschätzung zur Haltung des Volkes – und insbesondere der jungen Menschen – angesichts der zahlreichen Komplexitäten bitten, die wir derzeit erleben.

Miguel M. Díaz-Canel: Ich glaube, jedes Mal, wenn wir über das Volk sprechen, und jedes Mal, wenn wir über die Jugend sprechen, müssen wir – wie man so sagt – den Hut ziehen. Der Heroismus dieses Volkes ist beeindruckend. Auch wenn wir uns im Alltag mit Widrigkeiten und schwierigen Situationen konfrontiert sehen, genügt es, die Reaktionen, die Kreativität und den Widerstand unseres Volkes zu betrachten. Und ich betone: Der Widerstand des kubanischen Volkes ist kein bloßes Aushalten. Es ist ein schöpferischer Widerstand: Ich widerstehe, aber ich überwinde mich selbst. Ich widerstehe und gehe voran. Ich widerstehe und wachse.

Ich habe das bereits im Zusammenhang mit COVID-19 erläutert. Es ging nicht nur darum, die Pandemie zu überstehen, sondern sie mit eigener Kreativität zu bewältigen – und unsere Impfstoffe sind ein klarer Beweis dafür. Angesichts dieser Haltung unseres Volkes und unserer Jugend kann man weder Zweifel noch Misstrauen empfinden, auch wenn manche versuchen, das Volk oder die Jugend zu diskreditieren.

Vielleicht hängt es mit meinen Jahren als Universitätsstudent und Studentenführer zusammen, aber ich habe es schon oft gesagt: Junge Menschen müssen als das behandelt werden, was sie sind – als entscheidende Akteure unserer Gesellschaft. Wenn wir von Einheit sprechen, kann es keine Einheit ohne die Jugend geben. Wenn wir von Kontinuität sprechen, gibt es keine Kontinuität ohne die Jugend. Deshalb betone ich im Zusammenhang mit der Beteiligung der Bevölkerung immer: Jede Maßnahme muss einen Weg zur Beteiligung eröffnen, und innerhalb dieser Beteiligung muss es einen klaren Raum für die Jugendlichen geben – für ihre Mitwirkung, ihre Initiative und ihre Verantwortung.

Es gibt zahlreiche alltägliche Beispiele für das Engagement der Jugend: ihre Empörung über die Ereignisse in Venezuela, ihre Beteiligung an den Ehrungen unserer Gefallenen, am Marsch des kämpfenden Volkes, am Fackelzug. Diese jungen Menschen erleben die komplexen Situationen unserer Zeit, die Engpässe und Schwierigkeiten. Ihr Lebensentwurf entspricht vielleicht nicht immer vollständig ihren Erwartungen, doch sie bleiben zuversichtlich, weil sie wissen, dass ihre Perspektiven hier realer sind als anderswo. Diese Generation ist vorurteilsfreier. Manche behaupten, sie lese weniger oder wisse weniger. Doch wenn man mit ihnen spricht, ist man beeindruckt von ihrem Wissen, von der Tiefe ihrer Urteile, von ihrer Fähigkeit zur kritischen Unterscheidung von Inhalten und von ihrer Intelligenz. Und ebenso beeindruckend ist ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wenn man sie zu schwierigen Aufgaben aufruft. (…)

Ich kann Ihnen sagen: Jedes Mal, wenn ich mit jungen Menschen zusammentreffe oder an einer Debatte mit ihnen teilnehme, lerne ich etwas. Ich lasse mich von ihren Erfahrungen und Perspektiven inspirieren. Wenn man ihnen zuhört, erkennt man, dass man Dinge auch anders – vielleicht aktueller, zeitgemäßer und mutiger – betrachten kann. Diese Kühnheit, diese engagierte Unruhe der Jugend tut der Nation gut und stärkt alles, was wir aufbauen wollen. Und es könnte gar nicht anders sein, denn in unserer Geschichte waren es immer die jungen Menschen, die eine grundlegende Rolle gespielt haben. (…)

Könnten wir die Einheit und den Widerstand aufrechterhalten, die das kubanische Volk heute angesichts dieser Situation zeigt, wenn die Jugend nicht beteiligt wäre? Manche sprechen nur von jenen, die das Land verlassen haben oder ihr Glück anderswo suchen. Aber die Mehrheit hat sich nicht von der Revolution abgewandt. Im Gegenteil, viele engagieren sich aktiv. Wie viele sind in Zeiten der Bedrohung zurückgekehrt? Wie viele zeigen ihre Sorge? Wie viele demonstrieren gegen die Aggression? Wir vertrauen dieser Jugend.

Und was könnte ein stärkeres Symbol für die Werte dieser Generation sein als die 32 [gefallenen Genossen in Venezuela, Anm. KO]. Das ist unsere Jugend. Sie ist die Gegenwart und die Zukunft der Nation, die Gegenwart und die Zukunft des Vaterlandes – und wir müssen uns mit besonderer Verantwortung um sie kümmern.

1Wir haben die Antwort relativ stark eingekürzt. Einen guten Überblick über die geplanten Maßnahmen zur Strom-und Energieversorgung liefert ein Artikel von Cuba Heute: https://cubaheute.de/2026/02/07/usblockade-kuba-sparmassnahmen-details/