جنبا إلى جنب مع أكثر من 160 مؤسسة ونقابة عمالية وحزب ألماني ودولية أخرى، ندعم نداء شبكة صمدون للدفاع عن الأسرى الفلسطينيين
نحن المنظّمات الموقّعة أدناه نعلن رفضنا القاطع وإدانتنا للحظر الذي فرضته شرطة برلين على المظاهرات في ذكرى يوم الأسير الفلسطيني، والتي كان من المفترض أن تتمّ خلال نهاية هذا الأسبوع بين 15 و17 نيسان/أبريل. هذا المنع ليس فقط اعتداءً على الفلسطينييّن والمجتمع العربي والداعمين للقضيّة الفلسطينيّة في برلين فحسب، بل هو تهديدٌ يطال حريّة تعبيرنا ككلّ. علاوةً على ذلك؛ فإنّها محاولةٌ لمنع الدعم لـ 4800 أسير فلسطيني يكافحون من أجل حريّتهم خلف قضبان الاستعمار
هذا الحظر هو انعكاس للعنصريّة والقمع ضد الفلسطينييّن. وبدلاً من ادعاءات معارضة معاداة السامية، فإنّ الأساس المنطقي للحظر يحتضن ويدعم المعادلة المعادية للساميّة القائلة بأن الصهيونيّة واليهوديّة متطابقتان وأنّ نظام الاحتلال هو الممثل الشرعي لليهود
إنّ الحكومة الألمانيّة لا تهتمّ بالسلامة العامّة للمجتمع الفلسطيني والعربي في برلين – أكبر تجمّع في أوروبا من نوعه – ولا تتردّد في استغلال العنصرية وحملات التشهير لفرض شكل من أشكال العقاب الجماعي عليه
إنّنا نعتبر هذا الحظر إعتداءً في المقام الأوّل على الأسرى الفلسطينيين وعلى الجالية الفلسطينيّة في برلين وهو محاولة لطمس الصوت الفلسطيني المتصاعد في الشتات والداعم لفلسطين ومقاومتها في ألمانيا وحول العالم، فوعي كثير من الناس بالجرائم المروّعة التي يرتكبها نظام الاحتلال الصهيوني في فلسطين ومساندتهم لشعبنا رفضاً لعنجهيّة الاحتلال في تزايد مستمرّ، وهذا ما يهدف هذا المنع لوضع حد له
وإنّنا نعتبر هذا مشهداً مكرارًا لحظر أيّار 2022, حيث حظرت أجهزة الشرطة في برلين كافّة المظاهرات والنشاطات إحياءً لذكرى النكبة، ونحذّر من حظر آخر مماثل هذا العام، الذي يصادف الذكرى الخامسة والسبعون للنكبة. هذا الحظر هو تعبير عن العنصريّة المعادية للفلسطينيّين التي ترعاها الدولة وعن انتماء وانصياع تام للاستعمار الصهيوني وروايته. ويشكل هذا الحظر خطر خاصّ نظراً أنّ الغالبيّة العظمى من الجالية الفلسطينيّة في برلين هم لاجئون محرومون من حقهم في العودة إلى ديارهم المسلوبة منذ 75 عام
نرفض هذا الحظر على حقّنا بالتظاهر في يوم الأسير الفلسطيني ونعلن أن صرخاتنا هي امتداد لصوت شعبنا في فلسطين المحتلّة ولن يتم إخراسها. سنستمرّ وسنكافح بصوت أعلى من أيّ وقت مضى من أجل تحرير جميع الأسرى الفلسطينييّن القابعين في سجون المستعمرة الصهيونيّة والإمبرياليّة العالميّة، ولتحرير فلسطين من النهر إلى البحر. نعلن بوضوح وحزم أن هذا النوع من القمع الحكومي لن ينجح في إخماد دعمنا لشعبنا الفلسطيني ومقاومته وحركته الأسيرة التي تكافح من أجل إنهاء الاستعمار والعنصريّة
الحريّة لفلسطين من بحرها إلى نهرها! الحريّة لجميع الأسرى الفلسطينييّن! فليسقط قمع الدولة! عاش التضامن الأممي
كما ندعو إلى التبرع للنضال القانوني ضد حظر التظاهرات وإجراءات المحاكمة لمن تضطهدهم الدولة الألمانية بسبب كفاحهم من أجل فلسطين المحررة
Name: Rote Hilfe e.V. IBAN: DE55 4306 0967 4007 2383 17 BIC: GENODEM1GLS Note: Palaestina gegen Repression
Zum Tag der Befreiung am 8. Mai und dem Tag des Sieges über den Faschismus am 9. Mai veröffentlichen wir diesen Aktionsaufruf unserer Genossen der antifaschistischen Organisation Borotba aus der Ukraine. Die Organisation hat sich 2011 gegründet und war maßgeblich an den Widerstandsaktionen gegen den Maidan-Putsch 2014 aktiv. Die Organisation kämpft seitdem an vorderster Front und unter größten Opfern gegen das Kiewer Regime und seine faschistischen Kräfte und ruft auf, sich mit ihrem Kampf international zu solidarisieren. Wir veröffentlichen diesen Aufruf auf Deutsch, Englisch und Russisch, um dieser antifaschistischen Kraft aus der Ukraine eine Stimme zu geben.
Es ist die Pflicht eines jeden anständigen Menschen auf diesem Planeten, den Faschismus zu bekämpfen.
Am 9. Mai jährt sich zum 77. Mal der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland.
Fast ein Jahrhundert liegt zwischen uns und diesen Ereignissen. Doch gerade jetzt sehen wir, welch kolossale Auswirkungen sie noch immer auf die gesamte Weltgemeinschaft haben.
Der Zweite Weltkrieg hat nicht einfach begonnen. Er kam nicht aus heiterem Himmel. Das Knäuel von Widersprüchen in der internationalen Politik, das ihn herbeiführte, versuchte man nicht mit diplomatischen Mitteln zu lösen, sondern mit Hilfe des Krieges.
Die Gründe, die die Welt vor über 80 Jahren in Anhänger der nazistischen Ideen und Antifaschisten spalteten, bestehen auch heute noch. Die westlichen Konzerne und das Finanzkapital, die Hitler jahrelang bewaffneten, stellten eine kampfbereite Armee auf, um sie gegen denjenigen zu schicken, von dem sie sich bedroht fühlten: die Sowjetunion.
Jetzt sehen wir genau dasselbe: Westliche transnationale Konzerne und das Finanzkapital haben in den letzten 8 Jahren sehr intensiv eine Armee von Nazis und Anhängern der weißen Vorherrschaft aufgebaut, um sie gegen Russland zu richten. Mehr als 120.000 gut motivierte und mit rechtsextremer Propaganda vollgepumpte Kämpfer waren an den Grenzen der Volksrepubliken Lugansk und Donezk (LPR und DPR) versammelt und bereiteten sich darauf vor, die friedliche Zivilbevölkerung des Donbass und der Krim zu töten, genau wie ihre Vorgänger im Jahr 1941.
Dies wurde jedoch nicht zugelassen.
Wenn wir heute über den Entnazifizierungsprozess sprechen, ist es wichtig, die Ursachen zu verstehen, die vor 80 Jahren zum Weltkrieg führten und die immer noch in der Welt bestehen.
Es ist wichtig zu erkennen, dass in der Ukraine nicht Russland gegen die Ukraine kämpft, sondern zwei politische Strömungen: Antifaschisten und Nazis. Aus diesem Grund strömten Tausende von militanten Rechtsextremisten aus der ganzen Welt in die Ukraine, die Runen und Hakenkreuze tragen. Deshalb sehen wir russische Spezialeinheiten, die Aufnäher mit Hammer und Sichel tragen und rote Fahnen des Sieges auf ihren Panzern.
Wir möchten einen Appell an unsere Brüder und Schwestern aus anderen Ländern der Welt richten:
Genossen! Wisst dies! In der Ukraine kämpfen wir auch gegen eure Feinde. Gegen diejenigen, die aus euren Heimatstädten kamen. Gegen die Nazis aus Amerika und Georgien, gegen die Rechtsextremen aus Polen und Schweden. Gegen diejenigen, die von spanischen und litauischen Ausbildern ausgebildet wurden.
Wir wissen, dass sich heute in der Ukraine die Zukunft der gesamten Menschheit entscheidet!
Und wir fordern Euch auf, nicht zu schweigen!
Der 9. Mai ist der Tag des Sieges über den Faschismus! Wir rufen alle auf, an diesem Tag auf die Plätze eurer Städte zu gehen, um den spanischen Antifaschisten, die in den Kämpfen gegen Franco gefallen sind, den italienischen Partisanen, die gegen Mussolini gekämpft haben, die Ehre zu erweisen! Den Kämpfern der Griechischen Volksbefreiungsfront (ELAS), den Antifaschisten der Volksbefreiungsarmee Jugoslawiens! Den Gefangenen der Konzentrationslager und Teilnehmern des Aufstands im Warschauer Ghetto!
Wir rufen auf zu Kundgebungen im Gedenken an jene, die nicht aufgegeben haben! Zum Gedenken an Ernst Thälmann, Aris Velouchiotis, Bruno Buozzi, Jean Moulin und Millionen andere, die durch den Nationalsozialismus starben!
Heute, wie vor 80 Jahren, ist die Welt in zwei Hälften geteilt: Anhänger des Nazismus und seine Gegner. Wir wissen, dass Ihr auf der richtigen Seite steht!
Zeigt dies am 8. oder 9. Mai 2022 allen, indem Ihr mit roten Fahnen und hochgehaltenen St.-Georgs-Schleifen auf den Hauptplatz Eurer Stadt geht!
Wir werden siegen!
For the Day of Liberation on May 8 and the Day of Victory over Fascism on May 9, we publish this call to action from our comrades of the anti-fascist organization Borotba from Ukraine. The organization was founded in 2011 and was instrumental in the resistance actions against the Maidan coup in 2014. Since then, the organization has been fighting on the front lines and at the greatest sacrifice against the Kiev regime and its fascist forces, and calls for international solidarity with their struggle. We publish this appeal in English, German and Russian to give a voice to this anti-fascist force from Ukraine.
Fighting fascism is the duty of everyone on the planet
May 9 marks the 77th anniversary of the Day of Victory over Nazi Germany.
Almost a century separates us from those events. However, right now we see what a colossal impact they continue to have on the entire world community.
World War II didn’t just start. It didn’t come out of nowhere. A tangle of contradictions in international politics led to it, which they didn’t try to untie by diplomatic means, but to cut with the help of war.
The reasons that divided the world into supporters of the ideas of Nazism and anti-fascists more than 80 years ago still exist today. Western corporations and finance capital, which for many years armed Hitler, created a combat-ready army in order to send it against those from whom they felt threatened: the Soviet Union.
Now we see exactly the same thing: Western transnational corporations and financial capital over the past 8 years have been very intensively creating an army of Nazis, supporters of white supremacy, in order to direct it against Russia. More than 120,000 well-motivated fighters, pumped up with far-right propaganda, were gathered at the borders of the Lugansk and Donetsk People’s Republics (LPR and DPR), preparing to kill the peaceful civilians of Donbass and Crimea, just like their predecessors in 1941.
However, this was not allowed to happen.
Today, speaking about the process of denazification, it is important to understand the causes that led to the world war 80 years ago, and which still exist in the world.
It is important to realize that in Ukraine, it is not Russia that is fighting against Ukraine, but two political currents fighting: anti-fascists and Nazis. That is why thousands of far-right militants from all over the planet wearing runes and swastikas poured into Ukraine. That is why we see stripes with a hammer and sickle on the soldiers of the Russian special forces, and red flags of Victory on the tanks.
We want to appeal to our brothers and sisters from other countries of the world:
Comrades! Know this! In Ukraine, we are fighting, including against your enemies. Against those who came from your hometowns. Against the Nazis of America and Georgia, against the far right from Poland and Sweden. Against those trained by Spanish and Lithuanian instructors.
We know that the future of all humanity is being decided in Ukraine today!
And we urge you not to be silent!
May 9 is the Day of Victory over fascism! On this day, we call on everyone to take to the squares of your cities to pay tribute to the anti-fascists of Spain who died in the battles against Franco, the Italian partisans who fought against Mussolini! To the Greek People’s Liberation Front (ELAS) fighters, anti-fascists from the People’s Liberation Army of Yugoslavia! To the prisoners of concentration camps and the participants in the Warsaw Ghetto Uprising!
We call for rallies in memory of those who did not give up! In memory of Ernst Thälmann, Aris Velouchiotis, Bruno Buozzi, Jean Moulin and millions of others who died at the hands of Nazism!
Today, like 80 years ago, the world is divided into two halves: supporters of Nazism and their opponents. We know you are on the right side!
Show it to everyone on May 8 or 9, 2022, by going to the main square of your city with red flags and St. George’s ribbons raised high!
We will win!
В День Победы мы публикуем этот призыв наших товарищей из антифашистской организации „Боротьба“. Организация была основана в 2011 году и сыграла важную роль в акциях сопротивления против переворота на Майдане в 2014 году. С тех пор организация борется против украинского фашизма на передовой и с большими жертвами, и призывает к международной солидарности с их борьбой. Мы публикуем этот призыв на немецком, английском и русском, чтобы дать голос этой антифашистской силе из Украины.
Русский (оригинал): http://www.borotba.su/fight-fascism-2022/
Бороться с фашизмом – долг каждого порядочного человека планеты
9 мая исполняется 77 лет со дня Победы над гитлеровской Германией.
Почти целое столетие отделяет нас от тех событий, однако, именно сейчас мы видим, какое колоссальное влияние они продолжают оказывать на всё мировое сообщество.
Вторая Мировая война не началась «просто так». Не возникла на пустом месте. К ней привёл клубок противоречий в международной политике, который попытались не развязать дипломатическими способами, а разрубить с помощью войны.
Причины, которые разделили Мир на сторонников идей нацизма и антифашистов более 80 лет назад, существуют и сегодня. Западные корпорации и финансовый капитал, долгие годы вооружали Гитлера, создавали боеспособную армию для того чтобы направить её на тех, со стороны кого они чувствовали угрозу: на Советский Союз.
Сейчас мы видим ровно то же самое: западные ТНК и финансовый капитал на протяжении последних 8 лет очень усиленно создавали армию нацистов, сторонников превосходства белой расы, для того чтобы направить её против России. Более 120 тысяч хорошо мотивированных бойцов, накачанных ультраправой пропагандой, были собраны у границ ЛНР и ДНР, готовились убивать мирных людей Донбасса и Крыма, также как их предшественники, в 1941 году.
Однако этому не позволили случиться.
Сегодня, говоря о процессе денацификации, важно понять причины, которые привели к мировой войне 80 лет назад, и которые до сих пор существуют в мире.
Важно осознать, что на Украине не Россия воюет против Украины, а воюют два политических течения: нацистское, и антифашистское. Именно поэтому в Украину хлынули тысячи ультраправых боевиков со всей планеты в рунах и коловратах. Именно поэтому мы видим на бойцах русского спецназа нашивки с серпом и молотом, а на танках – красные флаги Победы.
Мы хотим обратиться к нашим братьям и сестрам из других стран мира:
Товарищи! Знайте! На Украине мы боремся, в том числе и против ваших врагов. Против тех, кто приехал из ваших родных городов. Против нацистов Америки и Грузии, против ультраправых из Польши и Швеции. Против тех, кого обучали испанские и литовские инструкторы.
Мы знаем, что сегодня на Украине решается будущее всего человечества!
И мы призываем вас не молчать!
9 мая – День победы над фашизмом! В этот день мы призываем всех выйти на площади ваших городов, чтобы отдать дань уважения погибшим в боях против Франко антифашистам Испании, итальянским партизанам, боровшимся против Муссолини! Греческим бойцам ЭЛАС, антифашистам из Народно-освободительной армии Югославии! Узникам концлагерей и участникам восстания в Варшавском гетто!
Мы призываем провести митинги памяти тех, кто не сдался! Памяти Эрнста Тельмана, Ариса Велухиотиса, Бруно Буоцци, Жана Мулена и миллионов других, погибших от рук нацизма людей!
Сегодня, как и 80 лет назад, мир разделился на две половины: сторонников нацизма и их противников. Мы знаем, что вы на правильной стороне!
Покажите это всем 8 или 9 мая 2022 года, выйдя на главную площадь своего города с высоко поднятыми красными флагами и георгиевскими лентами!
78 Jahre ist es her, dass die Alliierten am 8./9. Mai das deutsche Volk vom Faschismus befreit haben. Die Sowjetunion zahlte hierfür den höchsten Blutzoll: Mehr als 27 Millionen Sowjetbürger starben im Kampf gegen den Faschismus. Der 9. Mai wird in Russland als Tag des Sieges über den deutschen Faschismus gefeiert. Heute führt Deutschland wieder Krieg gegen Russland.
Zusätzlich zu unserer Stellungnahme zum Tag der Befreiung, teilen wir hier die Artikel aus der Aktionszeitung, mit der wir heute auf der Straße sind.
Aufbau der Ukraine zu einem Anti-Russland
Seit über 100 Jahren versucht der deutsche Imperialismus die Ukraine gegen Russland in Stellung zu bringen. So bildete beispielsweise schon 1923 die Reichswehr bewaffnete Kämpfer der Terror- und Spionageorganisation UVO in München aus. Unter anderem aus der UVO ging später auch die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) hervor, die im 2. Weltkrieg massenhaft mit Hitler-Deutschland zusammenarbeitete, als die deutschen Faschisten den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion im Interesse der deutschen Kapitalistenklasse führten und dabei am heroischen und äußerst verlustreichen Widerstand der sowjetischen Völker scheiterten. Diese ukrainischen Henker beteiligten sich willfährig am industriellen Massenmord an Kommunisten, Juden, Polen, Russen und anderen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft in der Ukraine und Polen. Nach 1945 hörte die Kooperation jedoch nicht auf. Bis Mitte der 1950er verübten die ukrainischen Faschisten auf dem Gebiet der Sowjetunion mit Unterstützung von westdeutschen, britischen und US-Geheimdiensten Terroranschläge, denen mehrere Zehntausend zum Opfer fielen.
Diejenigen, die nicht vor Ort eingesetzt wurden, um den Sozialismus in Form der Sowjetunion militärisch aus dem Untergrund zu attackieren, sammelten sich größtenteils in Westdeutschland, Kanada und den USA. Das Zentrum ukrainischer Exil-Faschisten war in München um Stepan Bandera entstanden und wurde von westlichen Geheimdiensten unterstützt, um die ukrainische Bevölkerung u.a. durch Radio-Sendungen gegen die Sowjetunion aufzuhetzen. Nach der Auflösung der Sowjetunion formierten sich die Neonazi-Parteien und -Bewegungen in der Ukraine aus genau diesem Umfeld; sie sind heute wie damals fanatische Antirussen.
Doch nicht nur zu offenen Faschisten bestand guter Kontakt. 2004 wurde unter maßgeblicher Hilfe des Westens ein Staatsstreich, die sog. „Orangene Revolution“ durchgeführt, um einen Präsidenten, Juschtschenko an die Macht zu bringen, der gute Wirtschaftsbeziehungen Richtung Westen forcierte, vor allem aber einen antirussischen Kurs verfolgte und die Aufnahme in die NATO anstrebte. Juschtschenko selbst war ein in den USA ausgebildeter Mann Washingtons. Vor allem in Kanada und den USA befinden sich seit den 50er Jahren die ukrainischen faschistischen Organisationen und sind bestens vernetzt mit der Politik. Dieser Präsident Juschtschenko erklärte u.a. den Massenmörder Bandera 2010 zum Held der Ukraine. Bei der Präsidentschaftswahl 2010 sprach sich das ukrainische Staatsvolk allerdings für Wiktor Janukowitsch aus, der sowohl zu Russland als auch dem Westen positive Beziehungen suchte, die NATO-Mitgliedschaft aber klar ablehnte, was der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung entsprach. Der Plan, die Ukraine zu einem Anti-Russland zu machen schien von der Bevölkerung erst einmal vereitelt worden zu sein. Also versuchte man sein Ziel vorerst über wirtschaftliche, politische und vertragliche Hebel mit Janukowitsch zu erreichen. Als aber das EU-Assoziierungsabkommen, ein Knebelvertrag, der die Ukraine der EU schutzlos ausgeliefert hätte, zu platzen drohte, orchestrierte der Westen kurzerhand unter Führung von USA und Deutschland 2013/14 den zweiten Putsch innerhalb von 10 Jahren in der Ukraine, den sog. „Euromaidan“. Hierbei spielten organisierte, bewaffnete Faschisten eine zentrale Rolle, die zu Tausenden als Schlägerbanden den Weg frei prügelten. Auch in der Putschregierung saß mit der Partei Swoboda eine offen antisemitische, russenhassende Nazi-Partei. So schaffte man es doch noch, das Land in ein Anti-Russland zu verwandeln. Die Putschregierung beschloss umgehend, die NATO-Mitgliedschaft anzustreben und nahm diese sogar in die Verfassung auf. Seit 1992 hat die NATO die Ukraine Stück für Stück integriert, auch ohne offizielle Mitgliedschaft. Nun wurde die Bewaffnung der Ukraine forciert, der Krieg gegen die Bevölkerung in der Ostukraine begonnen und die militärische Bedrohung gegenüber Russland eskalierte. Der Faschismus, der vom Westen in der Ukraine aufgebaut wurde, ist notwendig, um die Ukraine zu einem Anti-Russland zu machen. Die Ukraine sollte der Rammbock gegen Russland werden, vom dem deutsche und US-Strategen seit Jahrzehnten träumten.
Die NATO drängt nach Osten
Mit der Konterrevolution wurde nicht nur der stärkste Gegner der imperialistischen Pläne der BRD ausgeschaltet. Der Weg nach Osten war nun wieder offen und der rote Faden des deutschen Imperialismus konnte nun weitergesponnen werden. Die NATO dehnte sich nach und nach immer weiter nach Russland aus. Diese Osterweiterung verlief nicht immer friedlich. Im NATO-Krieg 1999 gegen Jugoslawien stiegen erstmals wieder deutsche Kampfflugzeuge in Richtung Osteuropa auf, um die paramilitärischen Separatisten der UCK zu unterstützen und Jugoslawien zu zerstückeln. Um der eigenen Bevölkerung dieses Verbrechen als „Kampf für Demokratie und Menschenrechte” zu verkaufen, heuchelte der damalige Außenminister der BRD, Joschka Fischer (Die Grünen), dass ein zweites „Auschwitz verhindert werden müsse”. Dies stellt nicht nur eine ekelhafte Relativierung des deutschen Faschismus dar, sondern instrumentalisiert auch die eigene Geschichte zur moralischen Legitimierung von Kriegen gegenüber der eigenen Bevölkerung.
Mit der gleichen Argumentation rechtfertigt der deutsche Imperialismus auch heute seine Beteiligung an den Verbrechen gegen die Bevölkerung in Russland. Und auch heute dienen Faschisten hierfür als nützliches Mittel. In der Ukraine geht der Terror gegen die eigene Bevölkerung einher mit der Relativierung des Faschismus, der Wiederbelebung des Banderismus und einer beispiellosen antirussischen Hetze. Das ist dieselbe faschistische Ideologie derselben Kräfte wie im deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Die Auswirkungen der Unterstützung ukrainischer Faschisten spüren wir auch hier in Deutschland. Asow-Faschisten werden als heldenhafte Vaterlandsverteidiger gefeiert, SS-Kollaborteure wie Stephan Bandera sind ukrainische Nationalhelden und der faschistische Ruf „Slava Ukraini“ gilt als ehrenwerter Ausruf für die Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen Russland. Die Faschisten werden vor allem, wie auch schon während des Jugoslawienkriegs, von den rot-grünen Kriegstreibern hofiert. Der Drang nach Osten ist der rote Faden des deutschen Imperialismus seit über 100 Jahren. Faschisten dienten ihm damals und heute für die Durchsetzung seiner Politik.
Asow-Soldaten posieren mit NATO- und Hakenkreuz-Fahne
Der Faschismus ist ein Mittel zur Vorbereitung Auf den Krieg
Im befreiten Westdeutschland dauerte es nicht lange, bis der Imperialismus sich von seiner größten Niederlage erholt hatte. 1955, nur zehn Jahre nach der Befreiung vom Faschismus, wurde unter großer Mitwirkung von ehemaligen SS- und Wehrmachtsoffizieren die Bundeswehr gegründet. Im selben Jahr trat die BRD der neu gegründeten NATO als militärisches Bündnis des westlichen Imperialismus gegen die Sowjetunion bei. Der deutsche Imperialismus war wieder bereit für Krieg und Terror. Innenpolitisch wurde mit dem Verbot der KPD der Widerstand gegen die deutsche Wiederbewaffnung stark geschwächt. Gleichzeitig wurden faschistische paramilitärische Gruppen aufgebaut, deren Ziel es war, antiimperialistische Kräfte in Deutschland und Europa zu bekämpfen. Ein Beispiel hierfür ist die Gruppe Gladio. Diese wurde von der NATO, vor allem von amerikanischen und britischen Geheimdiensten, finanziert und aufgebaut und war verantwortlich für mehrere Terroranschläge gegen die eigene Bevölkerung, um diese für ihre antikommunistische Propaganda zu nutzen. Die Verbrechen wurden schnell den Kommunisten in die Schuhe geschoben, um diese gesellschaftspolitisch zu isolieren. Das Bombenattentat von Peteano 1972 geht auf die Kappe von Gladio. Auch der Terroranschlag im Bahnhof von Bologna und das Oktoberfestattentat im Jahr 1980 mit 13 Toten und mehr als 280 Verletzten, durch die faschistische Wehrsportgruppe Hofmann wird mit Gladio in Verbindung gebracht.
Bild: Logo Gladio. Quelle: shop.spycraft101.com
Deutsche Nazis lernen wieder Töten und Foltern
Der Ukraine-Krieg hat für Nazis aus der ganzen Welt eine wichtige Möglichkeit geschaffen, um für ihren Kampf zu trainieren. Die ukrainische Regierung hat zu einer Fremdenlegion aufgerufen und damit Nazis die Möglichkeit gegeben, sich an der Waffe zu üben. Und das nicht als Trockenübung oder Manöver, sondern im wirklichen Kriegseinsatz. Der „III. Weg“ schickt scheinbar Kämpfer in die Ukraine[1] und sucht Unterkünfte in Deutschland für ukrainische Faschisten unter dem Motto „Nationalisten helfen Nationalisten“. Die NPD unterstützt ebenfalls die ukrainischen Nazis und hat seit langem enge Kontakte. NPD-Mitglieder rufen dazu auf, in den Krieg gegen Russland zu ziehen und stellen Kontakt zu Sammelstellen her.[2] Das Bundesinnenministerium behauptet, es hätte bisher 38 Ausreisen gegeben. Diese Zahl wird nicht abbilden, wie viele deutsche Faschisten tatsächlich in der Ukraine kämpfen. Die Ausreise und Beteiligung an den Kämpfen ist nicht verboten. Es ist davon auszugehen, dass es zahlreiche Bundeswehrsoldaten gibt, die ihre Uniform ablegen und als Söldner in den Krieg ziehen. Ein bekannt gewordenes Beispiel ist Jonas Kratzenberg.[3]
Die Auswirkungen und Folgen davon, dass nun deutsche Faschisten in der Ukraine töten und foltern lernen, sind nicht absehbar und werden hierzulande kaum thematisiert. Es ist auch davon auszugehen, dass sich die ohnehin starke Bewaffnung der Faschisten weiter steigern wird. Und es ist vor allem nicht zu vergessen, dass der deutsche Staat diese Kräfte selbst aufbaut, pflegt und unterstützt. Die Situation in Deutschland wird sich durch diese Steigerung der Potentiale der Faschisten zuzüglich der Unterstützung durch ukrainische Faschisten hierzulande gefährlich entwickeln.
78 Jahre ist es her, dass die Alliierten am 8./9. Mai ganz Europa vom Faschismus befreit haben. Die Sowjetunion zahlte hierfür den höchsten Blutzoll, zwischen 27 und 37 Millionen Sowjetbürger starben im Kampf gegen den Faschismus. Der 9. Mai wird seither in Russland als Tag des Sieges über den deutschen Faschismus gefeiert.
Wie ist es um den Antifaschismus in der BRD bestellt?
Deutschland drängt wieder nach Osten und führt Krieg gegen Russland. Für diesen Krieg werden offen auftretende Nazis in der Ukraine von der Bundesregierung unterstützt und bewaffnet. Asow-Faschisten werden als heldenhafte Vaterlandsverteidiger gefeiert, SS-Kollaborateure wie Stepan Bandera gelten als ukrainische Nationalhelden und der faschistische Ruf „Slava Ukrainji” gilt vor allem bei rot-grün-gelben Kriegstreibern als ehrenwerter Slogan für die Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen Russland. Der Banderismus in der Ukraine wurde und wird wieder aufgebaut. Er bedeutet Terror gegen die eigene Bevölkerung, beispiellose antirussische Hetze und Massenmord im Osten des Landes. Deutsche Panzer rollen gegen Russland und die deutsche Außenministerin ruft in den EU-Institutionen zum Krieg gegen Russland auf. In bildungsbürgerlichen Feuilletons und Talkshows wird offen die „totale Niederlage” für Russland gefordert. Jetzt werden auch noch Kampfflugzeuge aus Polen mit deutscher Zustimmung geliefert, ohne dass es einen größeren Aufschrei in der Gesellschaft gegeben hätte.
Gesinnungsjustiz gegen Antifaschisten und Friedenskräfte
Der deutsche Staat versucht zweierlei: Er übt sich im Gedenken und Mahnen für die Opfer und Verbrechen des zweiten Weltkriegs und führt zugleich einen Krieg mit dem Ziel, Russland zu ruinieren. Dieses Kunststück erfordert die scharfe öffentliche Zensur einer Gedenkpolitik, die die Verbindung zwischen dem imperialistischen Raubkrieg von damals und der Kriegsstimmung von heute zieht.
Diejenigen, die sich gegen Kriegspolitik und Geschichtsrevisionismus stellen, werden mit Strafverfahren überzogen. Dafür wurde ohne größere öffentliche Debatte eine Erweiterung des Paragrafen 130 StGB durch das Parlament gewunken, die bestimmte Aussagen zum Krieg als „Volksverhetzung“ deklarieren und mit Holocaustleugnung gleichsetzen kann. Der Antikriegsaktivist Heiner Bücker sollte nach Paragraph 140 StGB („Belohnung und Billigung von Straftaten“) wegen einer Rede, in der er sich gegen die herrschende Darstellung zu den Kriegsursachen wandte, 2000 Euro Strafe bezahlen. Er wurde kürzlich freigesprochen – allerdings mit der Begründung, seine Rede habe nur „seine Fans“ erreicht und damit keine weitgehende gesellschaftliche Relevanz. Auch weitere Aktivisten, wie etwa der kürzlich verstorbene ehemalige DDR-Diplomat Bruno Mahlow, wurden wegen ihrer Aussagen zum Krieg angeklagt. Die roten Fahnen der Befreier vom Faschismus, der Sowjetunion und der Roten Armee, werden verboten. Es gibt bereits zahlreiche Verurteilungen wegen Verwendung des Z-Symbols oder der russischen Nationalfahne.
Es zeigt sich: Die nach 1945 mit faschistischen Juristen aufgebaute BRD-Justiz erfüllt weiterhin ihren Zweck. Mit historischen Verdrehungen und geschichtsrelativierenden Urteilsbegründungen bekämpft und schüchtert sie konsequent alle ein, die sich gegen den Kriegskurs des deutschen Imperialismus stellen. Der faschistische Staat wurde zerschlagen, aber der BRD-Staat wurde als Bollwerk des Antikommunismus und der Aggression – damals gegen die DDR und die Sowjetunion, heute gegen die Russische Föderation – aufgebaut. Faschismus und Krieg sind keine Ausrutscher der Geschichte, sie gehören zu diesem Staat, der in seiner Geschichte die Expansion insbesondere nach Osten gesucht hat.
Joschka Fischers Lüge
Gleichzeitig zeigt sich, wie gut der Geschichtsrevisionismus in der deutschen Öffentlichkeit fruchtet. Es gibt wenig bis gar keine wirkliche Kenntnis über den Vernichtungskrieg Deutschlands gegen die Sowjetunion. Und auch die Reste der „Antifa-Bewegung” sind zum Teil dazu übergegangen, Russland zu bekämpfen und sich sogar offen auf die Seite von ukrainischen Nazis zu stellen. Sie stehen ganz in der Tradition Joschka Fischers: Im NATO-Krieg 1999 gegen Jugoslawien zog die deutsche Armee erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Richtung Osteuropa, um dieses zu unterwerfen. Um der eigenen Bevölkerung dieses Verbrechen als „Kampf für Demokratie und Menschenrechte” zu verkaufen, heuchelte der damalige Außenminister der BRD, Joschka Fischer (Die Grünen), dass ein „zweites Auschwitz“ verhindert werden müsse. Dies stellte nicht nur eine ekelhafte Relativierung des deutschen Faschismus dar, sondern instrumentalisierte auch die eigene Geschichte zur moralischen Legitimierung von neuen imperialistischen Kriegen.
Wer sich heute den deutschen Propagandalügen entgegenstellt, wird genauso gebrandmarkt wie 1999: Die politischen Kräfte, die den von der NATO aufgebauten Faschismus in der Ukraine thematisieren, werden als „Putinisten“, Rechte und Verschwörungstheoretiker angegriffen. Teile der Linken sind eine lupenreine „NATO-Linke“ geworden, die den Kriegskurs des Westens voll umsetzt und sich damit in das Gegenteil von dem verkehrt, was Antifaschismus einmal bedeutete. Mit „wokem“ und „queerem“ Label soll dem politischen Bündnis mit den ukrainischen Nazis ein progressiver Anstrich gegeben werden, der jedoch nichts am kriegstreibenden und reaktionären Charakter dieser Kräfte ändert. Sie sind willige Kräfte der westlichen Vorherrschaft und Unterdrückungspolitik.
Antikoloniale Befreiung
Der Sieg über den Faschismus veränderte das internationale Kräfteverhältnis. Das sozialistische Lager wuchs an und den nationalen Befreiungsbewegungen gelang es, Stück für Stück das Kolonialsystem zu durchbrechen. Vergessen wird heute oft, dass drei der vier Befreier (USA, Großbritannien und Frankreich) selbst Kolonialmächte waren und es auch heute noch sind. Während in der US-Army eine strikte Rassentrennung herrschte, haben Großbritannien und Frankreich hunderttausende Truppen aus ihren damaligen Kolonien zwangsrekrutiert. Diese mussten für die Kolonialmächte kämpfen und sterben, ob sie wollten oder nicht. Ihnen blieb eine Entlohnung für ihren militärischen Dienst oftmals verwehrt und ihre Rolle bei der Befreiung Europas wird bis heute verschwiegen. Zwei Faktoren trugen zu günstigeren Bedingungen für den Jahrzehnte andauernden antikolonialen Kampf bei: Die Stärkung der Sowjetunion und die Schwächung Großbritanniens und Frankreichs durch den Krieg sowie die Tatsache, dass die zur führenden imperialistischen Macht aufgestiegenen USA kein Interesse am Fortbestand des alten westeuropäisch beherrschten, „klassischen“ Kolonialsystems hatten. Algerien ist ein eindrucksvolles Beispiel für das Verhältnis zwischen Antifaschismus und Antikolonialismus: An dem Tag, als die Wehrmacht kapitulierte, gingen zehntausende Algerierinnen und Algerier auf die Straße, um einerseits den Sieg über den deutschen Faschismus zu feiern. Andererseits forderten sie aber auch die vollständige Unabhängigkeit Algeriens. Die Kolonialherren beantworteten die Demonstrationen mit Bomben und Massakern. Rund um den 8. Mai 1945 ermordeten die französischen Imperialisten mehr als 30.000 Algerierinnen und Algerier. Das zeigt die Doppelmoral des französischen Imperialismus als Mitbefreier Deutschlands einerseits und als brutalen Unterdrücker andererseits. Im darauffolgenden Algerienkrieg zahlte das algerische Volk einen Blutzoll von mehr als einer Million Menschenleben für die Befreiung vom und den Sieg über den französischen Kolonialismus.
International gegen NATO und Faschismus
Ob die Bandera-Faschisten in Kiew, die Kroatischen Verteidigungskräfte/Ustasha in Kroatien oder die SS-Verehrer im Baltikum: mit der NATO geht die Wiederbelebung des Faschismus zur Durchsetzung der westlichen Vorherrschaft einher. Aber in vielen Ländern regt sich Widerstand. Die Aufgabe der Antifaschisten in Deutschland ist es, sich mit diesem zu solidarisieren und sich gegen den deutschen Imperialismus, der sich im Zuge der NATO aufrüstet und Kriege führt, zu stellen.
Wir haben in Deutschland eine breit aufgestellte Palette von Herrschaftsoptionen und -ideologien: Sie reicht von Grünen wie Marieluise Beck, „linken“ Anhängern ukrainischer Faschisten und Waffenlieferungs-Befürwortern wie Bodo Ramelow (Die Linke) über fanatische Militaristen wie Boris Pistorius (SPD) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) bis hin zu den Neurechten und Militaristen der AfD sowie den klassischen Neonazis. Die Herrschenden können sie alle – ob linksliberal und sozialdemokratisch oder offen faschistisch – für ihre Zwecke nutzen.
Als Antifaschisten dürfen wir nicht auf die linksliberale, grüne oder auch „linke“ Maskerade der Imperialisten hereinfallen, sondern müssen die NATO und ihre faschistischen Fußtruppen konsequent entlarven und bekämpfen! Diejenigen aber, die aktuell genau das tun, werden diffamiert, beschimpft und isoliert. Dagegen hilft nur eins: in die Offensive gehen und NATO-Faschisten, Russland-Feldzügler und ihre „woken“ Cheerleader als das angreifen, was sie sind! Die ganze reaktionäre Bande – ob bunt und punkig oder mit Höcke-Visage – gehören in den Mülleimer der Geschichte! Solidarität mit allen von Repression betroffenen Kriegsgegnern ist dringend geboten!
Es gilt: Zusammenhalt, Standhaftigkeit, Mut und Offensive!
Gegen Faschismus, (Neo-)Kolonialismus und imperialistischen Krieg!
Auch dieses Jahr beteiligten wir uns als Kommunistische Organisation und in gewerkschaftlichen Strukturen wieder an Veranstaltungen rund um den 1. Mai in Berlin, Bremen, Chemnitz, Dresden, Duisburg, Erfurt, Essen, Frankfurt, Jena, Leipzig, Mannheim und Saalfeld. Unsere politische Ausrichtung war, den Zusammenhang zwischen der deutschen Kriegspolitik gegen Russland und der wachsenden Verarmung in Deutschland aufzuzeigen. Mit dieser Stoßrichtung wollten wir eine Lücke füllen, die sowohl der DGB als auch die sogenannten revolutionären Demonstrationen offenließen. Interessanterweise hatten wir keinerlei Probleme, als KO bei den DGB-Veranstaltungen aufzutreten, obwohl sich der DGB klar hinter den Kriegskurs Deutschlands stellt. Auf den sogenannten revolutionären Demonstrationen sah das anders aus: Hier wurden wir für unsere Anti-Kriegshaltung angegangen und zum Teil auch körperlich angegriffen.[1]
Der DGB schweigt zum Zusammenhang von Krieg und Verarmung
Die diesjährige Ausgangslage am Kampftag der Arbeiterklasse war in Deutschland wie international vom Krieg gegen Russland geprägt. Die NATO führt Krieg gegen Russland, welches laut Baerbock ruiniert werden müsse. Deutschland rüstet sich mit einem milliardenschweren Kriegskredit für weitere Kriege und die Arbeiterklasse muss dafür bezahlen. In Deutschland explodieren die Preise für Energie und Lebenshaltung, u.a. eine Folge der verhängten Sanktionen gegen Russland. Vor allem für die Beschäftigen aus dem Niedriglohnsektor hat sich die soziale Lage stark verschärft. Aber auch Normalverdiener haben immer mehr Probleme, den bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Die letzten Tarifrunden und die verstärkte Streikbereitschaft zeigen, dass einige nicht mehr länger Reallohnverluste hinnehmen wollen, während die Profite der großen Konzerne munter sprudeln.
In dieser Situation muss aus Regierungssicht klar verhindert werden, dass der Zusammenhang zwischen Verarmung und Krieg zur Sprache gebracht wird. In diesem Sinne gestaltete der DGB den diesjährigen 1. Mai. Bereits in seinem Statement „Ungebrochen Solidarisch“ machte der DGB klar, in welche Richtung es gehen soll: Die hohen Preise und die steigende Inflation werden benannt, jedoch nicht deren Ursachen. Zu den Sanktionen und den damit zusammenhängenden Energiepreisen schweigt der DGB. Die Welt befinde sich im „Krisen-Dauermodus“, was die Ursachen dieser Krisen sind und wer von ihnen profitiert wird jedoch ausgespart. Einzig in Bezug auf den Krieg in der Ukraine ist der Schuldige schnell ausgemacht: Russland, das „mit seinem mörderischen Angriffskrieg (…) ein schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begangen hat. Friedenspolitische Äußerungen werden am Ende auf dem Papier gemacht, bleiben aber Lippenbekenntnisse, da sie den deutschen Kriegs- und Aufrüstungskurs nicht angreifen.[2]
Die Rednerauswahl und Inhalte der Reden auf den diesjährigen DGB-Veranstaltungen unterstützten diesen Kurs: So machte Bundeskanzler Scholz in Koblenz gleich in den ersten drei Minuten seiner Rede klar, wo er mit seiner Regierung steht und wo auch der DGB und die Arbeiterbewegung zu stehen haben: vereint im Kampf für Freiheit, Demokratie und Frieden. Dies sei auch konkret der Kampf der Ukrainer und Ukrainerinnen, die von „Russlands Imperialismus“ angegriffen worden seien. Während Scholz auf der 1. Mai Kundgebung 2022 in Duisburg noch lautstark ausgebuht wurde, konnte er seine Kriegspropaganda dieses Jahr trotz hörbarem Protest aus dem Hintergrund eher unbehelligt herum posaunen. Im Verlauf seiner Rede skizzierte Scholz dann auch klar, wo er Deutschland in Zukunft sehe: als Führungsmacht an der Spitze des technologischen und wirtschaftlichen Wettkampfes. Ganz nach dem Motto: Am deutschen Ingenieurswesen soll die Welt genesen. Dafür sei nach Scholz jedoch die Zuversicht aller Beschäftigen notwendig, damit die Transformation auch gelinge. Den Gewerkschaften gesteht er eine wichtige Rolle zu, nämlich die, Zuversicht auszustrahlen und dem deutschen Ringen um die ökonomische Vormachtstellung in der Welt den Weg zu ebnen.[3]
Die DGB-Vorsitzende Fahimi griff diese Steilvorlage in ihrer Rede in Köln auf. Sie setzte an der feministischen Außenpolitik Baerbocks an, um Länder, die sich nicht den Regeln der sogenannten westlichen Demokratien unterwerfen wollen, mit einem zivilisierenden Überlegenheitsdünkel moralisch zu belehren. So ging es Fahimi am internationalen Kampftag auch um eine „ungebrochene Solidarität“ mit den Frauen der Welt, vor allem im Iran und in Afghanistan, wo diese brutal „unterdrückt“ und „entmenschlicht“ würden. Auch im Ukraine-Krieg signalisierte Fahimi klar, dass sie an der Seite „der Ukrainerinnen und Ukrainern und ihrem ausgeübten Recht auf Selbstverteidigung“ stehe. Genauso wie an der Seite der Gewerkschaften in Belarus, die sich dort gegen Unterdrückung wehrten. Zur massiven Repression gegen Gewerkschaften in der Ukraine bis hin zu deren körperlichen Bedrohung, schwieg sich Fahimi aus – die Solidarität ist eben doch nur ungebrochen, solange sie mit der deutschen außenpolitischen Ausrichtung übereinstimmt.[4]
So war es auch kein Wunder, dass das Massaker im Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai 2014, bei dem über 50 Linke und Gewerkschafter von Faschisten ermordet wurden, kein Thema am 1. Mai war. Im Gegenteil: In Leipzig wies ein Plakat auf die Kontinuitäten hin: Am 2. Mai 1933 wurde das Leipziger Gewerkschaftshaus gestürmt. Der deutsche Faschismus rüstetet im zweiten Weltkrieg die ukrainischen Faschisten auf, auf die sich die heutigen faschistischen Kräfte in der Ukraine positiv beziehen. Auch heute werden diese wieder vom deutschen Imperialismus unterstützt. Dieses Plakat nahm der lokale Grünenpolitiker Jürgen Kasek, der sich gerne als Antifaschist inszeniert, zum Anlass, den lokalen kommunistischen Gruppen „NS-Relativierung“ vorzuwerfen.[5]
Als KO traten wir aktiv bei verschiedenen DGB-Veranstaltungen auf, verteilten unsere Stellungnahme „Was uns auf dem Teller fehlt, finden wir in der Kriegskasse“ und setzten mit Schildern und Bannern einen sichtbaren Widerspruch zum deutschen Kriegskurs und der damit zusammenhängenden Verarmung: „Frieren für den Krieg? – Nein Danke!“, „Kampf der Verarmung heißt Kampf dem Wirtschaftskrieg“ oder auch „Nein zum Krieg heißt Nein zur NATO“. Es zeigte sich, dass der DGB den 1. Mai immer weiter entpolitisiert und zu einem Art Volksfest mit Beschallung und Bespaßung verkommen lässt. So wurde der Demozug in Leipzig von einem Lautsprecher-Wagen angeführt, der die Menge mit verschiedenen Charts-Hits beschallte und teilweise eher die Wirkung einer Loveparade ausstrahlte. Dennoch versuchten wir uns mit lautstarken Demorufen Gehör zu verschaffen. Wir konnten mitlaufende Gruppen und Einzelpersonen teilweise dazu animieren, mit uns zu rufen. Unseren „Nein zum Krieg heißt Nein zur NATO“-Rufen wurde nur einmal „Nein zum Krieg heißt Putin verpiss dich“ entgegengesetzt. Auch in anderen Städten gab es keine Probleme, mit unseren Bannern am Demozug teilzunehmen. Auf den Kundgebungen konnten wir viele Gespräche mit Interessierten führen: Dabei wurde deutlich, dass es eine große Ablehnung gegen die deutsche Aufrüstung und den 100-Milliarden Kredit gibt. Auch der Zusammenhang zwischen dem deutschen Kriegskurs und der Verarmung wurde von fast allen geteilt. In Dresden machten unsere Genossen die Beobachtung, dass diese Verarmung jedoch vor allem von jüngeren Personen teilweise als Preis für die Ukraine-Solidarität gesehen wurde. Unter den älteren Anwesenden war die Ablehnung zur NATO-Politik und zum deutschen Kriegskurs viel klarer ausgeprägt, was sicherlich auch mit der sozialistischen Erziehung der DDR zusammenhängt. Deutlich sichtbar stellten sich in den westdeutschen Städten mehr Personen hinter die Kriegspolitik der NATO als in den ostdeutschen.
Viele Interessierte teilten unsere Kritik an der DGB-Führung, die sich hinter den Kriegs- und Aufrüstungskurs stellt und forderten mehr Aktivität aus der Basis dagegen. So wurde geäußert, dass sich die Gewerkschaften für den Frieden und nicht die Machtpolitik Deutschlands einsetzen sollten. Außerdem gab es einige Stimmen, die mit den Ergebnissen der letzten Tarifrunden unzufrieden waren und sich mehr Stärke und Durchhaltevermögen der Gewerkschaft gewünscht hätten. In diesem Zusammenhang wurde jedoch auch die reale Stärke der Gewerkschaften hinterfragt. Obwohl es ein paar Gespräche gab, in denen die Befragten keine Aktionsmöglichkeiten mehr innerhalb des DGB sahen, waren wir uns doch mit den meisten einig, dass es eine klare Stärkung der Gewerkschaften von unten brauche und ein Ringen um klassenkämpferische und internationalistische Inhalte. In diesem Zusammenhang stießen unsere Forderungen für die Gewerkschaftsarbeit, die wir in unserer Stellungnahme aufgestellt hatten, auf weitgehende Zustimmung.
Die Linke Szene hält dem deutschen Kriegskurs den Rücken frei
Neben den DGB-Aktionen beteiligten wir uns in Frankfurt, Berlin und Duisburg an den sogenannten revolutionären 1. Mai Demonstrationen. Sofern überhaupt Inhalte auf diesen Demos vertreten wurden, waren diese meist so abstrakt gehalten, dass sich niemand daran stören konnte: Die linksradikale Kapitalismuskritik stand für sich allein und wurde in keinen Zusammenhang mit dem imperialistischen Treiben der NATO und Deutschlands in der Welt und gegen Russland gesetzt. Es gab kaum Positionierungen gegen die Waffenlieferungen, die Aufrüstung oder die Sanktionen. So war es nicht verwunderlich, dass wir mit unserer klaren Positionierung gegen unseren Hauptfeind schnell aneckten. In Berlin haben wir uns am 30. April an der „antikapitalistischen Kiezdemo“ unter dem Motto „Frieden statt Kapitalismus! – Wettrüsten stoppen und Armut beenden!“ von der Stadtteilorganisation „Hände weg vom Wedding“ beteiligt. Mit unserem Transparent „Stoppt den Krieg gegen Russland – Keine Waffenlieferungen an die Ukraine – Für die Niederlage der NATO“ sorgten wir für einiges Aufsehen, sowohl bei der bürgerlichen Presse und Passanten, als auch den Demoteilnehmern selbst.[6] Mehrfach wurden wir von Ordnern aufgefordert, mit unserem Banner an das hintere Ende der Demo zu gehen, um das Bild der Versammlung nicht zu stark zu prägen. Es war offensichtlich, dass einigen Teilnehmern unsere Losung nicht schmeckte. Man fragt sich, was mit dem im Aufruf formulierten „Kampf gegen Aufrüstung und Krieg“ gemeint sein soll, wenn nicht der Kampf gegen die Kriegsregierung, deren Außenministerin selbst öffentlich und unwidersprochen davon spricht, dass Deutschland einen Krieg gegen Russland führt. Auch in Frankfurt am Main beteiligten wir uns mit dem Banner „Stoppt den Krieg gegen Russland“ an der sogenannten revolutionären Demonstration. Während der Demonstration wurden wir mehrfach verbal und schließlich körperlich angegriffen (ausführlich in unserer Stellungnahme nachzulesen).[7]
Demonstration in Frankfurt a.M.
Unsere Losung ist und bleibt „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“
Wer gegen Inflation, Sozialabbau und Verarmung kämpfen will, der muss gegen den Krieg, den Deutschland gegen Russland führt und von der Arbeiterklasse zahlen lässt, kämpfen. Dieser Zusammenhang wurde von der DGB-Führung bewusst ausgespart. In unseren Gesprächen zeigte sich jedoch, dass viele Leute diesen Zusammenhang klar sehen und es wichtig ist, innerhalb der Gewerkschaften für eine solche Haltung zu kämpfen. Trotz der klar regierungsfreundlichen Haltung der DGB-Spitze konnten wir uns problemlos an den Demonstrationen und Aktionen beteiligen. Dies war auf den Demonstrationen, die sich gerne als revolutionäres Gegenprogramm zum DGB inszenieren, anders. Hier wurde mit Gewalt versucht, unsere Anti-Kriegsposition von der Demo zu entfernen.
Diese Situation führt uns klar vor Augen, was wir schon in den letzten NATO-Kriegen gegen Jugoslawien, Irak, Syrien oder auch Libyen in großen Teilen der linken Szene beobachten konnten: Eine klare Haltung gegen den Kriegskurs der NATO und Deutschlands wird abgeschwächt oder gar in Frage gestellt. Dies passiert durch den lautstarken Verweis auf den Feind des vermeintlich eigenen Hauptfeinds, egal ob er Milošević, Hussein, Assad, Gaddafi oder Putin heißt. Gleichzeitig ist man sich doch nicht mehr ganz sicher, ob man den eigenen Hauptfeind überhaupt bekämpfen müsse oder ob Waffen in die Ukraine und ein erneuter Ostritt des deutschen Imperialismus nicht doch angebracht seien.
Dieser 1. Mai hat uns gezeigt: Ist die Frage nach dem Antikriegskampf mal konkret gestellt und offensiv gegen den Hauptfeind gerichtet, zeigt sich offenbar, wer es ernst meint mit ebendieser Losung.
Der Hauptfeind steht im eigenen Land!
Das ist unsere Losung, und an dieser halten wir fest.
Bei der sogenannten „revolutionären“ 1. Mai-Demo in Frankfurt/Main wurde die Ortsgruppe Frankfurt/Main der KO angegriffen und ihr Banner entrissen und gestohlen. Dabei wurde ein Genosse leicht verletzt. Der Angriff ging von den Ordnern der Demo aus, mit Deckung der Demoleitung. Die Gruppen, die für diesen Angriff verantwortlich sind, sind „Aurora“, „Kommunistischer Aufbau“ (KA) und „Young Struggle“. Sie haben die Demoleitung und die Ordner gestellt.
Gegen den Krieg gegen Russland?
Diese sich selbst als kommunistisch bezeichnenden Gruppen haben hiermit politisch klar Position bezogen: Sie haben mit Gewalt ein Banner entfernt, auf dem zu lesen stand: „Stoppt den Krieg gegen Russland – Keine Waffen für die Ukraine“. Aurora, KA und Young Struggle betätigen sich damit als Vollstrecker der Regierungspropaganda. Sie sind nicht gegen den Krieg gegen Russland und nicht gegen Waffenlieferungen. Im Gegenteil: Sie funktionieren als Fußtruppen der Repression gegen konkrete Kritik an der Kriegspolitik der NATO und der BRD, selbst wenn diese mit der Feststellung, dass ein Krieg gegen Russland geführt wird, wenig radikal ausfällt. Diese Rolle erfüllen sie als Zivis im linksradikal-liberalen Spektrum.
Eine klare Position gegen die NATO und den deutschen Imperialismus, die sich nicht in allgemeine Phrasen auflöst, wurde von der Demoleitung bekämpft und schließlich mit Gewalt von der Demo vertrieben. Die Demo-Organisatoren haben sich unmissverständlich auch öffentlich hinter den Angriff gestellt. Der twitter-Account der Demo hat ein Bild unseres Banners mit „Revisionistenschweine“ betitelt geteilt und uns als „Putin-KO“ verunglimpft, die sich „verpissen“ solle. Es ist aus ihrer Sicht also revisionistisch, sich gegen den Krieg der NATO gegen Russland zu stellen und Waffenlieferungen an die Ukraine abzulehnen.
Hysterische Reaktion
Sogar wenn man der Meinung ist, dass im Ukraine-Krieg beide Seiten imperialistisch sind und beide Seiten gleichermaßen aggressiv Krieg führen, müsste man nicht derart hysterisch auf dieses Banner reagieren. Sogar mit einer solchen äquidistanten Position wäre es möglich, sich gegen den deutschen Imperialismus und seine Kriegstreiberei zu stellen. Aber die emotionale Aufladung gegen dieses Banner, gegen einen doch recht niedrigschwelligen Spruch gegen den Krieg, deutet darauf hin, dass man womöglich doch in der neuen Friedenbewegung angekommen ist: Die grüne, „feministische“ und völlig geschichtsvergessene Friedensbewegung, die vor allem nicht gegen den Krieg der NATO ist und die u.a. Cem Özdemir nach Beginn des russischen Militäreinsatzes eingefordert hatte.
Zum Ablauf vor Ort
Zu Beginn der Demo wurden wir bereits von anarchistischen und autonomen Teilnehmern angegriffen, die zuerst unsere DDR-Fahne entreißen wollten mit der Aussage, dies sei eine schlimme Diktatur gewesen. Anschließend griffen uns vermummte Autonome an und versuchten uns das Banner sowie Fahnen zu entreißen. Dabei wurden Fahnenstangen zerstört und eine Sowjetunion-Fahne gestohlen. Auch wurden wir von einem Passanten angegriffen, der eher konservativ bürgerlich erschien und prompt von Anarchisten unterstützt wurde. Wir haben uns hier nicht einschüchtern lassen und uns mit Seitenbanner eingereiht.
Im Laufe der Demo haben uns die Ordner von KA und Aurora mehrmals verbal angegriffen und wollten uns zwingen, weiter hinten zu laufen, also in dem Block von Anarchisten, die uns gerade angegriffen hatten. Ihr Argument war, dass es sonst im vorderen Teil des Blocks zu Angriffen kommen könnte und damit der Polizei einen Anlass gegeben würde, die Demo zu stürmen. Offensichtlich hatte die Polizei weder ein Problem mit der Demo noch mit der Tatsache, dass das einzige Banner entfernt wird, das nicht mit der imperialistischen Politik der BRD Frieden geschlossen hat. Wir haben uns nicht einschüchtern lassen und sind weitergelaufen. In der Nähe des Lokalbahnhofs wurden wir von mehreren Personen mit roten Tüchern von verschiedenen Seiten angegriffen unter Anleitung und Beteiligung von den Ordnern der Demo mit roten Halsbändern. Einige Teilnehmer der Demo hatten sich daraufhin mit uns solidarisiert und riefen: „Antideutsche sind keine Linken“. Wir haben uns dann von der Demo zurückgezogen.
Das Bündnis der „roten“ Gruppen
Der gewaltsame Akt wurde von den allermeisten Teilnehmern der Demo und insbesondere von den Gruppen Aurora, Young Struggle und KA geduldet und unterstützt, wir liefen auf der Höhe dieser Gruppierungen und allen war klar, dass wir Angriffen ausgesetzt sind. Es ist auch nicht verwunderlich, schaut man sich die Zusammensetzung der Demo an: Anarchos, Antideutsche, Antinationale, ehemalige Antiimps aus der Autonomen Szene gemeinsam mit den oben benannten roten Gruppen.
Alles in allem also ein krudes Bündnis mit den reaktionärsten Kräften innerhalb der Gesamtbewegung, die sich irgendwie ‚links‘ versteht: „Antideutsche“, also aus unserer Perspektive eindeutig rechte, rassistische Gruppierungen wie das „Antifaschistische Kollektiv 069“ haben den Angriff auf uns gefeiert und unterstützt. Sowohl während als auch nach der Demo gab es auf die antideutschen Freudenrufe keine Reaktionen seitens der vermeintlich roten Gruppen, die angeblich solidarisch mit Palästina sind und sich selbst als internationalistisch verstehen. Ihnen scheint ein praktisches Bündnis mit den Antideutschen doch am Herzen zu liegen.
„Antideutsche“ stehen schon lange offen an der Seite des westlichen Imperialismus. Ihre Linie wird durch den Kampf dieser roten Gruppen wie KA, YS und auch die Abspaltung der KO gegen Anti-NATO-Kräfte praktisch fortgesetzt, die durch eine ad absurdum geführte „Imperialismuskritik“ immer häufiger auf einen praktisch pro-imperialistischen Standpunkt kommen.
Die Abspaltung der KO
Auf der Demo war kein einziges klares Statement gegen die NATO und die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine zu sehen. Deutschland führt Krieg, die Außenministerin sagt es selbst. Deutsche Panzer rollen gegen Russland und eine sich selbst links bezeichnende Demo sagt nicht nur selbst nichts dazu, sondern greift mit Gewalt diejenigen an, die sich gegen den deutschen Imperialismus und seine Kriegspolitik stellen.
Die Abspaltung der KO hat sich beeilt, sich von uns zu „distanzieren“ (siehe Twitter-Beitrag), sich an die linksradikale Szenerie anzubiedern und den Angriff damit zu rechtfertigen. Wir beobachten schon länger die linksradikalen Tendenzen der sogenannten KO-„ML“, die bereits bei ihrer Abspaltung zu erkennen waren und sich nun offenbar beschleunigen. Einige wenige Vertreter der Abspaltung waren auf der Demo, haben den Angriff auf uns mitgekriegt und sich danach schnellstmöglich von uns distanziert.
Baerbocks Fußtruppen
Bei anderen Demos, unter anderem am Morgen bei der DGB-Demo in Frankfurt, wurde unser Banner von einigen kritisch betrachtet und es ergaben sich Diskussionen. In Berlin echauffierten sich Teile der Linksradikalen über das gleiche Banner der Ortsgruppe Berlin. Aber eine physische Attacke auf das Banner ging dann von jenen Gruppen aus, die sich selbst Kommunisten nennen. Das ist bezeichnend für diese Gruppen. Ihre hauptsächliche Begründung war, dass das Banner zuviel Aufmerksamkeit auf sich ziehe und die Medien dann nur darüber berichten würden.
Man kann also zusammenfassen: Diesen Gruppen ist es wichtiger, den bürgerlichen Medien zu gefallen, als den Kriegskurs der BRD zu kritisieren. Ihr Aufzug ist Maskerade, ihre Radikalität inhaltsleeres Geschwätz – und ihre politische Rolle zunehmend die einer Fußtruppe von Baerbock, Pistorius & Co.
Anfang März erschien im PapyRossa Verlag ein neues Buch von Klaus Müller zum Thema Inflation. Müller habilitierte in der DDR im Fach Politischen Ökonomie und war als Professor an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt tätig. Seit 2000 arbeitet er an der staatlichen Studienakademie Glauchau. Klaus Müller publizierte neben mehreren Büchern zahlreiche Artikel in Zeitschriften (u.a. IPW-Berichte, Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Marxistische Blätter) und Tageszeitungen wie der junge Welt.
In seinem neu erschienenen Buch gibt Müller auf 132 Seiten u. a. einen Überblick über die historischen Ursprünge der Inflation, die verschiedenen Formen, die es von ihr gibt, sowie ihre soziale Wirkung. Auch wird auf Fragen wie die der Antiinflationspolitik eingegangen. Am Ende seines Buches kommt Müller auf politökonomische Probleme zu sprechen, die es in der wissenschaftlich-kommunistischen Inflationsdiskussion gibt, und auf Fragen, zu denen weitere Arbeit geleistet werden muss.
Durch die Lektüre des Buches erfährt der Leser etwas über die politökonomische Bedeutung der Inflation. Politisch dahingehend, dass Inflation historisch schon immer ein Mittel des Staates war, um seine Kriegspolitik zu finanzieren. Ökonomisch bedeutet Inflation im Imperialismus wesentlich die Sicherung der Monopolprofite, natürlich durch das Ausquetschen der Arbeiterklasse.
Ein tiefergehendes Verständnis von der Inflation ist nicht nur wichtig, weil wir gerade in unserem Alltag damit zu kämpfen haben. Es muss darum gehen, ihren politischen Mechanismus besser zu verstehen. Losungen dürfen nicht allein bei sozialen Forderungen stehen bleiben, sondern müssen konkret auf den politischen Kurs unseres Hauptfeindes bezogen werden.
Wen die ökonomischen Mechanismen hinter der Inflation interessieren, der findet in hier verlinkten junge Welt Artikel von Klaus Müller,[1] welchen er Anfang 2022 veröffentlichte, eine gute Einführung.
Inflation – was ist das eigentlich?
Müller beschreibt im dritten Kapitel seines Buches verschiedene Arten der Inflation, aber vor allem auch ökonomische Fehlannahmen hierüber. Die wohl berühmteste Fehlannahme ist die sogenannte Lohn-Preis-Spirale (s. u.). Ein wichtiger Zusammenhang, den der Autor aufzeigt, ist der zwischen dem Fall der Profitrate bei gleichzeitig hoher Monopolisierung. Dies bewirkt eine Inflation. Die Monopole versuchen durch steigende Preise hohe Profite zu sichern – und somit dem Fallen der Profitrate entgegenzuwirken.
Müller führt aus, dass Monopole es vorziehen, einen Teil ihrer Produktionskapazitäten nicht voll auszulasten, im Gegensatz zu nichtmonopolistischen Unternehmen, welche ihre überschüssigen Produkte preisgünstig verkauften. Die Monopole untergraben dauerhaft den Angebot-Nachfrage-Preismechanismus, indem sie ihr Angebot begrenzen, um die Preise hochzuhalten. Durch das nicht auslasten der Kapazitäten und das Entsorgen von überschüssigen Produkten entstehen Kosten. Diese werden jenen Produkten hinzugefügt, die ohne die nicht ausgelasteten Kapazitäten produziert wurden (S. 51). Auch dies erhöht die Preise.
Vermutlich kennt jeder die Erzählungen von der sogenannten Lohn-Preis-Spirale, welche bürgerliche Ökonomen gerne heranziehen, um die Inflation zu erklären. Nach dieser Auffassung drücken sich Löhne und Preise quasi wie ein Naturgesetz gegenseitig in die Höhe: Höhere Löhne bewirken eine höhere Nachfrage nach Waren und das dadurch knappere Angebot führt zu höheren Preisen. Die These einer vermeintlichen Lohn-Preis-Spirale dient dazu, das bisherige Lohnniveau der Arbeiterklasse als ein nichtveränderbares Phänomen zu erklären. Müller zeigt auf Grundlage des Wertgesetzes auf, dass die Annahme über den Zusammenhang von steigenden Löhnen und steigenden Preisen lediglich dann zutreffen würde, wenn der Wert der Arbeitskraft, das Wertprodukt (die Wertschöpfung: v + m) sowie der Produktenwert (c + v + m) gleichzeitig ansteigen würden. Es wird gezeigt, dass es sich um eine Fehlannahme handelt, nach welcher die Mehrwertrate lediglich steigen würde, wenn der Wert der Arbeitskraft – und damit verbunden die notwendige Arbeitszeit – sänke. Tatsächlich sind aber ein steigender Mehrwert und eine steigende Mehrwertrate bei gleichzeitig wachsendem Wert der Arbeitskraft möglich. Dies funktioniere durch die Ausbeutung von qualifizierter/komplizierter Arbeit, welche einen höheren Wertzuwachs bringe, als sie selbst verkörpert. Auch durch die Intensivierung der Arbeit – also die Verdichtung der Arbeit je Zeiteinheit – ist dies möglich. Beispielsweise schöpft ein Arbeiter der acht Stunden komplizierte und intensive Arbeit leistet, etwa so viel Wert wie ein Arbeiter der elf oder zwölf Stunden einfache Arbeit verrichtet (S.45 f.).
Inflationsgewinner und -verlierer
Der Staat ist einer der Hauptprofiteure einer steigenden Inflation. Durch die steigende Preise nimmt der Staat über die Mehrwertsteuer, die sich prozentual auf die Preishöhe bezieht, mehr Geld ein. Durch die steigende Inflation schätzt z.B. das Handelsblatt, dass der Staat in den kommenden Jahren mit deutlich höheren Steuereinnahmen rechnen kann: Bis 2026 würden Bund, Länder und Gemeinden über 126 Milliarden Euro mehr einnehmen, als bisher angenommen (S. 71).
Die Arbeiterklasse gehört natürlich zu den Inflationsverlierern. Klaus Müller erläutert die Unterscheidung zwischen einer gefühlten und einer gemessenen Inflation. Diese ist wichtig, weil anhand der statistischen Inflation die tatsächlichen Mehrkosten, die die Arbeiterklasse zu tragen hat, verschleiert werden. Die Differenz zwischen beiden Größen liegt an dem Unterschied zwischen dem individuellen und dem durchschnittlichen Warenkorb. Statistisch wird die Inflation mit dem durchschnittlichen Warenkorb berechnet. Die Produkte des individuellen Konsums (Lebensmittel, aber auch Dinge wie Fernseher, Autos usw.) sind in den individuellen Warenkörben anders zusammengesetzt als in dem durchschnittlichen. So geben beispielsweise ärmere Menschen einen höheren Anteil für Lebensmittel, die Miete oder das Heizen aus, als die Reichen. Dieser Anteil ist in der Realität deutlich höher als im statistischen Durchschnittswarenkorb vorgesehen. In der Statistik wird der durchschnittliche Wert der Preisentwicklung berechnet. Dem Käufer hingegen werden die Einzelpreise bewusst. Im Juli 2022 betrug die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahresmonat 7,5 Prozent und im November 2022 stieg sie auf 10 Prozent an. Gleichzeitig steigen die Preise von einzelnen Waren viel stärker: Gas und Strom stieg beispielsweise im selben Zeitraum um 43 Prozent, die Preise von Heizöl und Kraftstoffen um 37 Prozent, die Lebensmittelpreise und die von alkoholfreien Getränken um 14 Prozent. Klaus Müller erklärt das Problem an einem Warenkorb der lediglich zwei Waren enthält. In seinem Beispiel kosten ein Kilogramm Beeren im Vorjahr 2 Euro und aktuell 4 Euro. Demnach gab es eine Preissteigerung von 100 Prozent. Für ein Moped hat man ursprünglich 1500 Euro bezahlt und heute kostet es 1575 Euro. Der Preis stieg also um 5 Prozent. Für den gesamten Warenkorb zahlte man also einst 1502 Euro und nach der Preissteigerung schließlich 1579 Euro. Daraus folgt das der durchschnittliche Preis um 5,1 Prozent angestiegen ist. Mit diesem Beispiel soll aufgezeigt werden, dass, auch wenn die Inflationsrate als Durchschnittrate eines Warenkorbs nur langsam steigt, dennoch Waren mit einbezogen sein können, deren Kosten sich verdoppelt haben (S. 63 ff.).
Die gefühlte Inflation soll den Eindruck erwecken, dass es sich dabei um eine Täuschung handeln soll und die Inflation in Wirklichkeit (statistisch) nicht so hoch ist. Klaus Müller gibt dem Leser einen Einblick, wie bei der Ermittlung der Inflationsrate geschummelt wird. Zur Berechnung werden monatlich 300.000 Einzelpreise von Handels- und Dienstleistungsunternehmen erfragt. Werden technische Güter bei der Erhebung einbezogen, steigt der Durchschnittspreis schwach, da ihre Preise langsamer ansteigen als jene von Gütern des täglichen Bedarfs. Müller nimmt an, dass Unternehmen den Statistikern hohe Preissteigerungen verschweigen, weil niemand als der Preistreiber dargestellt werden will. Hinzu kommt, dass die Statistiker die Preissteigungen bei der Berechnung ‚kreativ‘ stabilisieren, indem der Anteil von Waren und Dienstleistungen, die große Preissprünge vollziehen, kleingehalten wird und der Anteil von Waren mit niedrigen Preisen höher ist. In den USA wurde beispielsweise die Inflationsrate verkleinert, indem im durchschnittlichen Warenkorb Rindfleisch,dessen Preis um 30 Prozent angestiegen ist, durch Putenfleisch, dessen Preis nur um zwei Prozent stieg, ersetzt wurde. Das obwohl die Leute natürlich weiterhin Rindfleisch kaufen. Als Clou der Inflationsmessung führt Klaus Müller die sogenannte hedonische Preissteigerung an. Durch diese fließt ein angenommener Zuwachs an Qualität von Waren in die Preisberechnung ein. So fließt bspw. ein Computer der früher und heute 1000 Euro kostet, aber deren Leistung sich verdoppelt hat, lediglich mit 500 Euro in den durchschnittlichen Warenkorb ein (S. 67 ff.).
Der (Schein-)Kampf der Zentralbanken gegen eine steigende Inflation
Die Annahme, die Inflation durch Zinssteigerungen zu senken, gehört zum Alltagsverständnis, vermittelt durch die Medien und die Politik. Es wird also davon ausgegangen, dass hohe Zinsen durch die Reduzierung der Geldmenge und des Kreditvolumens die Preise senken. Müller führt in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung von Marx mit David Ricardo an, in welcher Marx begründete, dass die zirkulierende Geldmenge nicht die Ursache des Preisniveaus ist, sondern umgekehrt die zirkulierende Geldmenge bestimmt wird durch die Preissumme und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Die Preise werden nicht durch die Nachfrage festgelegt – das käme einer Auktion gleich – sondern durch die Anbieter. Durch eine erhöhte Kaufkraft verbessert sich lediglich die Möglichkeit der Verkäufer höhere Preise durchzusetzen. Marx geht es bei dem Geldumlaufgesetz nicht um eine beliebige Geldmenge, sondern um jene die zirkuliert, also um das Geld, was gebraucht wird, um Waren zu kaufen. Die Preise sind die bestimmende Größe, die Geldmenge ist abhängig von der Preissumme. Steigen die Preise, wird mehr Geld benötigt. Umgekehrt wird bei niedrigeren Preisen eine geringere Geldsumme gebraucht. Es zirkuliert also immer so viel Geld, wie gebraucht wird, was heißt, dass die Preise dem Geld logisch vorausgehen (S. 100 f.).
Erhöht die EZB den Leitzins, erhöhen sich die Bankkreditzinsen. Klaus Müller führt aus, dass dies nicht dafür sorgen werde, dass Bauprojekte o.ä. gestoppt würden. Unternehmen würden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit den Banken höhere Zinsen zahlen und diese gestiegenen Kosten, ähnlich wie gestiegene Materialpreise, ihren Auftraggebern berechnen. Daraus folgert Müller, dass höhere Zinsen höhere Preise verursachen. Hohen Zinsen folgen hohe Preise und ein Anstieg der Preise bedarf einer höheren Geldmenge. Die Zentralbanken stehen nach Müllers Ausführungen am Ende einer Wirkungskette. Zinskorrekturen vollziehen sich vorher auf den Märkten von allein und gehen den Entscheidungen der Zentralbanken voraus. Der Zinserhöhung der Zentralbanken Mitte 2022 ist ein enormer Anstieg der Zinsen auf dem Geldmarkt, Konsumentenkrediten, Hypothekenkrediten, sowie Investitionskrediten von Unternehmen und Staaten vorausgegangen. Niedrige Zinsen sind nicht die Ursache der Inflation, weshalb eine Erhöhung der Zinsen die Preissteigerungen auch nicht beenden kann (S.102 ff.).
Leerstellen des Buches
Interessant ist, dass Klaus Müller direkt zu Beginn seines Buches auf die politische Seite der Inflation zu sprechen kommt. Er führt aus, wie die Entwertung des Münzgeldes und später des Papiergeldes immer etwas mit dem riesigen Geldbedarf des Staates zu tun hatte. Von den Römern, die das Gewicht ihrer Münzen mehrfach herabsetzten und im Ergebnis eine Inflation verursachten (S.11 f.), oder dem französischen Staat, der versuchte seine immensen Staatskosten durch Papiergeld zu finanzieren und deren Menge nicht mehr von Edelmetall gedeckt war (S.15). Das wohl einprägsamste Beispiel ist die Hyperinflation in Deutschland von 1921-1923, deren Ursache die Finanzierung des des Deutschen Reichs Ersten Weltkriegs durch Kriegsanleihen war. Durch eine massive Ausweitung der Geldmenge versuchte sich die deutsche Staatsführung ihrer Schulden zu entledigen (S.21).
Leider geht Klaus Müller in diesem Buch nicht auf den Krieg in der Ukraine ein und den möglichen Zusammenhang zwischen der massiven Aufrüstung des Staates und der steigenden Inflation. Beim Lesen erfährt man zwar einiges über allgemeine Hintergründe der Inflation anhand der beschriebenen historischen Zusammenhänge, aber es fehlt eine politökonomische Analyse der aktuellen Staatspolitik. Trotz dieser Leerstelle lohnt sich die Lektüre des Buches, für eine übersichtliche Einführung in das Thema.
Сегодня, в девятилетнюю годовщину одесской резни, мы публикуем интервью с Алексеем Албу, бывшим членом ЦК КП Украины, а также депутатом Одесского областного совета с 2010 года. Алексей является одним из основателей и пресс-секретарем антифашистской организации украинского сопротивления „Боротьба“, основанной в 2011 году. Алексей пережил нападения на дом профсоюзов 2.5.2014 и не смотря на такой опыт остается политически активным по сей день. Помимо рассказа о событиях 2014 года и их развитии, он освещает события в Украине с 2014 года по сегодняшний день. Мы обсуждаем важность признания Донецкой и Луганской народных республик и военного вмешательства Российской Федерации для борьбы с киевским режимом. Под конец, мы говорим о кризисе международного коммунистического движения и роли коммунистов находящихся в империалистическом центре и их борьбе против натовской войны против России.
Интервью провели Александр Кикнадзе и Настя Кудрина.
КО: Алексей, добро пожаловать. Прежде чем перейти к темам, которые мы сегодня рассматриваем, расскажите, как и из какой борьбы возникла „Боротьба“? Как вы сейчас организованы?
Алексей: Я хотел бы сказать несколько слов о себе. . Я родился в Одессе в 1985 году. Когда Советский Союз распался, мне было шесть лет. Потом я пошел в украинскую школу, где выучил украинский язык, потому что большинство людей с юго-востока Украины не говорят по-украински. Это не наш родной язык. В наших семьях мы все говорили по-русски. В начале 2000-х годов я поступил в университет и вступил в „Ленинский Комсомол Украины“. Это молодежная организация, молодежное крыло Коммунистической Партии Украины. Я возглавлял областную организацию комсомола в Одессе, был членом Центрального Комитета Коммунистической партии Украины и стал депутатом от Коммунистической Партии Украины в Одесском областном совете в 2010 году. Коммунистическая партия Украины и буржуазная „Партия регионов“, лидером которой был Виктор Янукович, ставший президентом в 2010 году, вместе имели большинство в парламенте. КПУ вступила в коалицию с Партией регионов. У нас возникли разногласия с руководством Компартии, и меня исключили из КПУ. Другие мои товарищи из комсомола и Компартии Украины переживали то же самое. Мы хотели продолжать политическую борьбу, политическую активность, и мы объединились с небольшими группами, с группой „Молодежь против капитализма“, Комитет за рабочую партию Красная гвардия имени Котовского и другими небольшими группами с троцкистскими, сталинистскими и даже анархистскими взглядами. Мы объединились в организацию и назвали ее „Боротьба“. Объединение „Боротьба“ было основано весной 2011 года. В то время мы хотели использовать определенные гражданские свободы в Украине, чтобы зарегистрировать партию, участвовать в выборах и бороться за власть мирными, законными методами. Однако наша позиция была направлена против олигархической власти, против „Партии регионов“ Януковича. В целом, мы всегда выступали за социалистический переворот на Украине, за интернационализм и солидарность трудящихся. Мы провели много акций протеста, протестов в защиту рабочих. Мы организовывали рабочих, работающих в портах Украины, водителей грузовиков и стюардов авиакомпаний. Мы помогали организовывать митинги для различных социальных групп, которые сталкиваются с трудностями в Украине. Это, например, жертвы Чернобыля или люди, пострадавшие от различных афер, в том числе с недвижимостью. Потому что эти люди в Украине беззащитны. Вся наша деятельность была оппозиционной. Мы не поддерживали существующую систему.
Однако в 2013 году, когда начался Майдан, мы увидели, что на смену буржуазному режиму Виктора Януковича и „Партии регионов“ пришел еще более реакционный режим: ультраправых и ультралиберальных сил. Здесь очень важно подчеркнуть, что империалистический капитал стоял за протестом на Майдане, а точнее, за всеми протестными группами, которые участвовали на Майдане. То есть все эти группы имели очень давние связи с различными фондами, с некоммерческими организациями, такими как USAID (United States Agency for International Development), UKAID (United Kingdom Aid), NED – National Endowment for Democracy, IRI – International Republican Institute, Freedom House, Open Society и так далее и тому подобное. Другими словами, эти империалистические структуры пустили свои щупальца очень глубоко в украинское общество, и в точке, которую мы называем „X“, все эти организации, связанные с империалистическим центром, пришли на Майдан, как под дирижерскую палочку. У каждой из этих групп была своя функция, каждая играла свою роль. В 2014 году Майдан победил. Режим Виктора Януковича был свергнут.
Однако сейчас я хотел бы подчеркнуть очень важный момент: Как я уже говорил, Коммунистическая Партия Украины и Партия Регионов имели большинство в украинском парламенте. Новыми были оппозиционные фракции, представлявшие Майдан. Среди них были три парламентские фракции. Одна из них – фракция Виталия Кличко, боксера, ставшего мэром Киева. Вторая фракция – Юлии Тимошенко, также известной политической фигуры. Она была премьер-министром Украины. И третья – партия „Свобода“, ультраправая неонацистская партия. Вместе они не имели большинства в парламенте. И когда дело дошло до отстранения Януковича от президентства, Коммунистическая Партия Украины проголосовала вместе с ними. Только благодаря этому предательству КПУ и Петра Симоненко удалось легализовать режим, возникший в результате Майдана. Это очень важный момент, потому что сегодня Коммунистическая партия Украины подвергается очень сильным репрессиям. Но она несет ответственность за то, что происходит сегодня в украинском обществе, причем в очень большой степени. В 2014 году, когда победил Майдан, в обществе было очень много недовольства. Люди, которые жили на юге и востоке страны и голосовали в основном за Партию Регионов, поняли, что правила игры, которые раньше существовали в обществе, больше не существуют, что об них обтирают ноги.
Что голоса, которые они отдали за „Партию регионов“, за Януковича и за определенные политические векторы, были просто растоптаны ногами. Естественно, люди были возмущены этим и начали проводить стихийные, неорганизованные акции протеста. Это движение полностью шло снизу и называлось Антимайданом. Наша организация, понимая, что происходит в стране, тоже участвовала в антимайдановском движении и пыталась работать с большим количеством людей, с массами, объяснять, почему такая ситуация сложилась в нашей стране. Мы объясняли, что в основном во всем виноват капиталистический характер отношений, которые существуют в обществе, потому что общество было разделено на различные политические группировки, кланы. Некоторые из этих кланов находились под влиянием внешних сил и поэтому смогли захватить власть. В то время мы добивались большой автономии в Одессе. Я был депутатом Одесского областного совета и 3 марта 2014 года предложил депутатам областного совета проголосовать по вопросу о проведении референдума, о создании автономной Одесской республики в составе Украины. То есть в то время речь не шла об отделении от Украины. Мы просто хотели больше прав, мы хотели автономии, мы хотели иметь собственную конституцию для нашего региона, которая бы отражала наши требования. То есть мы хотели иметь возможность избирать своего губернатора, а не ждать, пока новое правительство пришлет нам нового губернатора из другого региона, который будет здесь чужим. Мы хотели иметь возможность свободно говорить на родном русском языке. Потому что, как вы наверняка знаете, первым законом, который принял украинский парламент после победы на Майдане, была отмена закона о языке, который гарантировал русскоязычному населению право пользоваться родным языком. Поэтому мы сразу же столкнулись с таким давлением. Новые правители, пришедшие к власти незаконным путем в результате государственного переворота, сразу же дали понять обществу: „Мы не будем принимать вас в расчет ни при каких обстоятельствах. Поэтому ваши мнения, ваши желания ничего для нас не значат“. Мы хотели иметь возможность говорить на родном языке, вести делопроизводство и документооборот на русском языке. Мы хотели создать особую экономическую зону, потому что в истории моего родного города Одессы был период, который назывался Порто-Франко. Это было время, когда наш город процветал, когда были особые права. То есть существовал ряд экономических льгот, налоговых послаблений, каникул. Вот к чему мы стремились, это было наше третье требование. Еще одним требованием Антимайдана в Одессе была передача силовых структур обратно в местные советы. Мы не хотели, чтобы политика новой власти, которая была установлена в Киеве использовала милицию или другие силовые структуры в качестве механизма подавления. Поэтому мы хотели, чтобы, например, областное управление полиции подчинялось областному совету городского управления полиции, городскому совету и так далее.
Мы провели много акций протеста – но собрание областного совета, к сожалению, меня не поддержало. После этого каждые выходные мы ходили на самую большую площадь, Куликовскую, в Одессе, где находится Дом профсоюзов. Мы приходили туда, там был палаточный лагерь, и в этом движении участвовали многие политические силы – левые, пророссийские, антифашистские. Нас всех объединяла борьба против новой власти, борьба за возможность говорить на родном языке, антиолигархическая, антифашистская борьба. Как вы знаете, наш мирный протест был утоплен в крови и сожжен в огне Дома профсоюзов 2 мая 2014 года. 2 мая стало точкой невозврата, когда большинство людей изменили свою точку зрения, включая меня. Так что если раньше мы не хотели отделяться от Украины, то в тот момент мы поняли, что не можем жить в одном государстве с этими людьми. То, что произошло 02 мая (2014 года), имело огромные политические последствия. Это видели все, люди на Донбассе и люди из разных регионов бывшего Советского Союза, Прибалтики, Кавказа, Средней Азии, Центральной России или других регионов Украины, даже западной Украины. Те, кто не поддерживал фашизм, увидели, что фашизм поднимает голову, что это не просто какая-то манипуляция или сказка, а настоящий фашизм, с которым нужно бороться. Тысячи человек потянулись на Донбасс, приехали для того, чтобы с оружием в руках отстаивать свои интересы и бороться против фашизма. Есть ли у вас вопросы по этому поводу?
КО: КО Да, на самом деле у меня есть вопрос. Ты сказал, что КПУ голосовала за свержение Януковича после переворота. Это очень интересный момент. Мог бы ты сказать что-нибудь о том, недооценили ли они ситуацию в то время или почему они действовали так, как действовали? Кроме того, ты уже рассказывал о мае 2014 года, в том же месяце вышла твоя статья в Junge Welt. Там ты тогда уже сообщал, что после переворота усилились репрессии против профсоюзного движения, левого движения, антинационалистического движения. Ты уже начал говорить об этом, в контексте Одессы. Было бы очень интересно узнать, как все это продолжалось.
Алексей: Насчет голосования компартии. Я думаю, что основная мотивация была связана с тем, что лидер Коммунистической партии, который имеет огромный вес и влияние внутри партии, Петр Симоненко, это человек старой политическая формации. И когда он услышал, что наши враги – ультраправые, говорят, что они будут убивать коммунистов, он подумал, что это чистый предвыборный популизм, и не поверил им. Он думал, что сможет договориться с этими крайне правыми силами и, если он поддержит их в критический момент, они будут благодарны и гарантируют ему, что он сможет сохранить свою маленькую фракцию в Верховной Раде Украины, они смогут мягко критиковать действующую власть, и тогда все будет хорошо, и он сможет продолжить свою политическую карьеру. Однако история нас учит. Есть десятки примеров, что нельзя договариваться с фашистами. Нельзя! То есть его использовали? Конечно, да. Он поддержал этот режим. Но через несколько месяцев осенью 2014 года, когда проходили внеочередные парламентские выборы, Коммунистическая партия Украины потеряла очень много голосов и не прошла в парламент. В результате более радикальные националистические силы начали требовать запрета Коммунистической партии Украины. Я точно не помню хронологию, но, насколько я знаю, такой запрет был принят. Его обжаловали в суде в Конституционном суде, если я не ошибаюсь, И уже к выборам 2015 года это были выборы в местные советы. Коммунистическая партия находилась в таком разбитом состоянии, что не могла официально участвовать в выборах. для того, чтобы ее активисты прошли в местные советы, использовала другую дружественную партию. Если я не ошибаюсь, она называется „Держава“. Многие коммунисты вступали в эту партию, и от этой партии уже избирались на выборах. Но партия потеряла очень много депутатов, и, в общем, ее позиции пошатнулись. Все из за такого предательства первого лица. Официально Коммунистическая партия Украины говорит, что они ничего не могли сделать, их заставляли, у них отбирали карточки для голосования. Но если это так, то они могли бы обратиться в Конституционный суд, чтобы обжаловать это решение, которое было принято без них. Они могли сделать публичное заявление о том, что они делали это под давлением. Ничего этого не было сделано. Это как раз наталкивает меня на мысль о том, что произошел определенный сговор между Петром Симоненко и, на тот момент, оппозиционными силами, которые потом стали властью. По поводу репрессий, которые развернулись сразу же после победы Майдана. Действительно, многие люди были арестованы, причем не только в моем родном городе, но и в других городах. Арестовывали даже публично известных людей, например, одного из лидеров протестов в Одессе – Одесского антимайдана – Антона Давченко. Он был арестован, если не ошибаюсь, 16 марта 2014 года. Также в марте был арестован очень известный журналист Константин Долгов. Он из Харькова. Многих людей просто вызывали на беседы на профилактические беседы в СБУ.
С ними общались, узнавали, как бы их позицию, как эти люди настроены, им всегда говорили, что они могут делать, что они не могут делать. Такое давление оказывалось. Важно отметить, что в то время мы оценивали ситуацию как очень серьезная атака на гражданские права. Но мы понимаем, что потом стало в сотни раз хуже. То, что происходило тогда, это было еще достаточно мягко. на тот момент Служба безопасности Украины не понимала, как будут развиваться события. Наши сторонники, которые работали в правоохранительных органах, лично мне рассказывали, что они встречались с кем-то из СБУ и и там говорили, что у них есть приказ арестовать меня, но они не будут этого делать, потому что если мы придем к власти, они боятся оказаться на нашем месте, и тогда их арестуют. Весна 2014 года была тем временем, когда, если бы мы были сильной коммунистической организацией, нужно было брать власть. Но поскольку мы были довольно молодой, неопытной организацией и не имели достаточно силовых ресурсов, денежных ресурсов, информационных ресурсов и организационных ресурсов, мы не смогли воспользоваться этой ситуацией. И снова вспоминается Владимир Ленин, который сказал, что если произойдет революционная ситуация, а мы не будем к ней готовы, история нас никогда не простит. Именно это и произошло с „Боротьбой“ в 2014 году. После 02 мая многие наши активисты начали переходить от легальных форм борьбы к нелегальным, к вооруженному сопротивлению. И у некоторых наших товарищей такой опыт есть и по сей день. На тот момент момент действительно начались репрессии, людей арестовывали и начали дергать в СБУ. Там начали составлять списки нелояльных граждан. Все это происходило, мы все это видели, но, к сожалению, ничего не могли сделать.
KO: Под этими списками нелояльных граждан ты имеешь в виду страницу „Миротворец“? Или были и другие списки?
Алексей: Миротворец появился чуть позже. Я имею в виду такие очень хитрые технологии, когда приходит какой нибудь активист в большую массу людей, которые протестуют на митинги, и говорит „давайте будем собирать подписи за отсоединение Одессы“. С точки зрения украинского законодательства это не является чем то недопустимым. И многие люди думают: „Ну сколько этой власти осталось? Ну, наверное, немного. Потому что нас много, мы сильны. Может быть, сейчас нас поддержит Россия или добровольцы из других стран и все поменяется“, и ставят свои подписи. Таким образом они все попадают в определенную базу, с которыми потом работает СБУ.
KO: Мы уже говорили о событиях 2014 года и вашей борьбе против этого режима. Тогда в результате сопротивления правительству в Киеве были провозглашены Донецкая и Луганская народные республики. Известны, особенно в Германии, дискуссии о том, что многие коммунисты считают, что эти республики являются лишь буржуазными силами и что там идет борьба против рабочих и коммунистических сил. Я также слышал обвинения в сторону Дениса Пушилина, что он преследует коммунистов. Какова была ваша позиция по отношению к этим республикам в то время и как она возможно изменилась за прошедшие годы? Каким образом бы участвовали в борьбе против киевского режима в то время?
Алексей: В 2014 году, после 02 мая, наша группа из Одессы – нас было восемь человек – эмигрировала в Крым. Мы не попали в республики Донбасса. Мы видели, что на Донбассе уже начались очень серьезные процессы, когда люди восставали с оружием в руках. Наша организация не имела сильных ячеек в Донбассе. У нас были активисты в Донецке, Луганске и Словянске, но их было очень мало, и они не имели никакого влияния на процесс. Поэтому мы посовещались внутри нашей организации и приняли такое решение, что нам следует сосредоточиться на борьбе за другие регионы, где у нас были сильные позиции. Это были Харьков и Одесса. В Киеве у нас тоже была сильная организация, но она была практически полностью разгромлена. В Киеве на тот момент нельзя было проводить уже никакой политической активности. Поэтому изначально мы очень положительно относились к народным республикам, но как к союзникам, а не как к частью нас. Уже год спустя мы попали в Луганскую Народную Республику. Я вступил в бригаду „Призрак“. Но я не участвовал в боевых действиях и был там недолго. Тем не менее, я знаю, что там происходило, какие были настроения и какие люди участвовали. Я был там, потому что один из наших активистов, который родом из Донбасса, возглавил политический отдел внутри бригады „Призрак“. Многие коммунисты стали ездить туда и собираться вокруг „Призрака“. Поэтому у нас изначально было хорошее отношение к республикам. Но мы понимали, что нельзя обманывать себя и других товарищей. Конечно, это не коммунистические и не социалистические республики. Конечно, производственные отношения в этих республиках капиталистические. Но очень важно подчеркнуть, что эти республики оказались действительно народными. В каком то смысле? Старая политическая и экономическая элита бежала в Киев, а простые люди остались. Если они и были чиновниками, то это были чиновники третьего или четвертого уровня, которые не очень понимали, как организовать определенные процессы, как работать. И это приводило к большим сложностям на первом этапе становления республик. Организация работы различных ведомств, управлений – это серьезный процесс и в нем нужно разбираться. Многие люди, слишком молодые или просто никогда не сталкивавшиеся с организацией подобных дел, занимали руководящие посты и часто допускали ошибки. Но это не были сознательными ошибками и не были связаны с попыткой личной наживы и обогащения. Это были простые рабочие люди, которым дали возможность управлять государством. Естественно, они управляли государством так, как они умеют. Претензия, прежде всего, к коммунистам Украины, которые были недостаточно сильны для того, чтобы взять власть и участвовать в процессе становления новых республик. Поэтому я с самого начала никогда не осуждал недостатки, которые были в республиках, потому что понимал, что они были вызваны войной, экономической блокадой, организованной Киевом, и что они были вызваны неопытностью простых людей из народа, которые стали управлять республиками. Что касается обвинений в нападках на коммунистов, то, сколько я здесь нахожусь – а я здесь с весны 2015 года, – я никогда не чувствовал никакого давления на себя. Я вижу, что те люди, которые были членами Коммунистической Партии Украины, или являются сторонниками коммунистических политических взглядов, получили возможность, если они были хорошие специалисты, участвовать в управлении республикой. Например, один из заместителей председателя Верховного Совета Луганской Народной Республики – коммунист, секретарь райкома коммунистической партии – бывшей, конечно, потому что коммунистической партии здесь уже нет, вернее, нет той старой коммунистической партии. Его фамилия Хорошилов. Затем – Председатель Верховного Совета Донецкой Народной Республики бывший депутат украинского парламента от Коммунистической партии Украины. Один из лидеров, вернее, один из командиров Народной милиции Луганской народной республики – человек, у которого позывной „коммунист“, потому что он коммунист по своим убеждениям, по своим взглядам. Все коммунисты, которые хотели участвовать в создании нового государства и хотели принести пользу обществу, получили все возможности это сделать. Если были какие то случаи атак на коммунистов – я могу вспомнить один случаи после начала специальной военной операции. Один московский коммунист приехал и начал раздавать листовки против войны. В условиях, когда сюда летят снаряды, гибнут дети и гражданские люди, такой человек может быть воспринят как человек со стороны. То есть человек как бы враг. Для людей остается непонятным, что он пишет и чего он добивается. Если возвратится к вопросу о мире, то здесь все выступают за мир. Но мы знаем, что этот мир невозможен, пока существует угроза со стороны украинских неонацистов. Мы можем сейчас сказать, что мы не воюем, но они не скажут такого же. Немного забегая вперед, я хочу сказать, что вообще это специальная военная операция начата только потому, что украинская власть собрала огромное количество сил для того, чтобы вернуть Донбасс силовым путем. Они собрали около 100 тысяч человек. Без помощи Российской Федерации наши народные милиции ЛНР и ДНР не смогли бы справиться с таким количеством хорошо подготовленной вооруженных сил со стороны Украины. В итоге, нельзя сказать, что человек пострадал, потому что он придерживается коммунистических идей. Он пострадал, потому что он нарушил конкретный пункт закона. Он призывал к срыву мобилизации или каким либо другим призывам. Я не изучал это дело глубоко, поэтому мне сложно судить. Но я убежден, что этот человек, который был арестован, был арестован не потому, что он коммунист, а потому, что он занял такую деструктивную позицию, которая была опасна для нашего государства в тот конкретный момент.
KO: Тогда давайте продолжим разговор в этом русле. Коммунистические и социалистические силы в России еще в 2015 году требовали признания народных республик. К началу специальной военной операции именно это и произошло. Какое значение имеет признания и вхождения народных республик в состав Российской Федерации для борьбы?
Алексей: Моя личная позиция, как и позиция Боротьбы, такова: Неправильно обвинять республики Донбасса в сепаратизме. Настоящие сепаратисты – это украинская власть, которая появилась в 1991 году. И мы считаем, что процессы, происходящие сегодня в Украине, имеют отношение к восстановлению исторической справедливости. Когда восстанавливается та страна, моя родина, в которой я родился, которой был Советский Союз. Люди здесь очень счастливы после признания и включения в состав РФ, потому что закончился период нестабильности и непонимания. Люди знают, что теперь они могут получить полноценный паспорт. Они знают, что продукция их предприятий будет продаваться на российских рынках. Они знают, что могут заниматься легальной экономической деятельностью. Конечно же, общество, которое здесь живет, очень позитивно восприняло те процессы, которые происходили в сентябре 2002 года, когда республики приняли в состав России и новые регионы Запорожье и Херсон. Я как одессит, очень хотел бы, чтобы мой родной город Одесса, который был основан русской императрицей Екатериной II, которая, кстати, была немка по национальности – тоже вернулся в состав страны, которая его создала. И так думают очень многие одесситы по сей день. Да, сегодня мы не видим и не слышим их голоса, потому что эти голоса заглушены репрессивным аппаратом. Есть официальная статистика, которую озвучила Служба безопасности Украины в конце 2022 года. Согласно этой статистике, в Украине было возбуждено 1200 уголовных дел только за публикации в социальных сетях. Вы можете себе представить? Если кто то пишет пост в поддержку Российской Федерации он попадает под статью, под уголовную ответственность. Так что если люди поддерживают Россию, а также процесс денацификации, или даже не поддерживают Россию, а просто не хотят войны, или не поддерживают правительство Зеленского, то эти люди сегодня не могут ничего сказать, и мы их не слышим. Мы сможем услышать их только тогда, когда освободим эти территории.
KO: Очень интересно. Алексей, спасибо! Потому что в Германии редко можно услышать что там происходит. Тогда давайте продолжим разговор о самой России. В международном коммунистическом движении, особенно в Германии, разные левые силы утверждают, что демилитаризация и денацификация – это лишь идеологический предлог, чтобы скрыть империалистические интересы Российской Федерации на Украине. Более того, поступает много сообщений о нерешительности и проблемах в ведении войны со стороны России. Многие левые считают, что российское правительство не очень решительно в своих действиях, что внутри России есть некоторые противоречия. Как ты оцениваешь действия российского правительства по реализации самопровозглашённых целей?
Алексей: Нужно понимать, что Россия не ведет войну. Россия проводит специальную военную операцию. Целью этой операции являются террористические формирования, которые несут угрозу существованию РФ. Когда Россия наносит удары, она наносит удары только по военным целям, по складам, по штабам и аэропортам. Если бы это была война в классическом понимании этого слова, Россия просто закатала бы все в асфальт. Конечно, Россия не может так себя вести, потому что она знает, что воюет не с врагом, она освобождает людей, которые сегодня страдают от ультра националистических сил. Поэтому Россия старается беречь жизни и проводит свои наступательные операции с оглядкой на мирное население. Поэтому нельзя сказать, что это нерешительность. Это просто стратегия, направленная на сохранение человеческих жизней. Россия без проблем могла бы просто разбомбить все ракетами. Но тогда российское общество не будет понимать, для чего это делается. Оно будет задаваться вопросам : „Так мы освобождаем или, наоборот, разрушаем?“. Война, конечно, всегда означает разрушение. Но на примере ЛНР могу сказать, что я видел много населенных пунктов на территориях, которые были освобождены в ходе специальной военной операции. Это те населенные пункты, которые украинские войска использовали как щит, как защиту. Они целы. А где они использовали гражданскую инфраструктуру как опорные пункты, как огневые точки, где они устраивали огневые точки в квартирах жилых домов, или как в одном известном месте в городе Северодонецке. Они использовали арку многоэтажного дома, чтобы спрятать свой танк. Танк выезжал, делал выстрел и прятался в арке жилого дома. Конечно, российские российская авиация нанесла удар по этому танку. Танк взорвался, часть дома тоже была повреждена и сгорела, конечно, потому что украинские вооруженные силы используют гражданскую инфраструктуру в военных целях. Это, конечно, плохо. Это приводит к жертвам, но это не вина России, это вина украинского руководства, которое дает приказы держаться за каждый дом, каждую больницу, каждую школу.
KO: Сталкивался ли ты с таким аргументом, что денацификация и демилитаризация является всего лишь предлогом для СВО и что на самом деле Россия просто преследует свои империалистические цели на Украине? Что ты обычно на это отвечаешь, если ты сталкивался с с чем-то подобным?
Алексей: Да, я сталкивался с этим неоднократно. Но обычно такой вопрос задают люди, которые не разобрались в общем политическом контексте. То есть, в котором происходит СВО. Давайте я начну издалека и как раз свяжу этот вопрос с другим вопросом, который задают. Обычно ставят знак равенства между США и Россией и говорят, что это две империалистические страны, это два империализма. А Украина для них это поле боя. На самом деле это не так. Люди, которые это говорят, не понимают, что такое империализм. Империализм – это стадия капиталистического развития общества. Поскольку после Второй мировой войны мы имеем единую и глобальную экономику, этот этап, в некотором смысле, повсеместен. Эта мировая глобальная экономика имеет центр, а затем экономические подсистемы. Центр находится в Соединенных Штатах Америки. Не потому, что это российская пропаганда, а потому, что США контролируют эмиссию основной мировой валюты – доллара. Это не Россия контролирует, а Соединенные Штаты Америки. И основные центры накопления капитала находятся в Соединенных Штатах. То есть, если мы возьмем, например, знаменитый инвестиционный фонд Black Rock, то увидим, что размер его капитала превышает бюджет многих государств. И это только один инвестиционных фонд в Соединенных Штатов Америки. Это то место, где аккумулируются капиталы. Именно поэтому центр этой единой глобальной империалистической системы находится в США. Экономические подсистемы не имеют четких границ, они переплетены между собой. Они они имеют форму неких, как бы полюсов, от которых тянутся огромное количество экономических цепочек. Это разные производственные логистические нити, логистические маршруты, фискальные нити. Есть некий полюс, в который тянутся огромное количество экономических и производственных цепочек. Таких подсистем в мире достаточно много. Такими является европейская экономическая система, мексикано-карибская, постсоветская экономическая подсистема, азиатско-тихоокеанская экономическая подсистема, североафриканская и южноафриканская. С начала двухтысячных годов начались атаки на одну из этих подсистем. На какую? На постсоветскую. В постсоветскую систему традиционно входят бывшие республики, которые входили в состав Советского Союза. Потому что на протяжении многих десятилетий выстраивались экономические цепочки между предприятиями России и предприятиями Украины или Казахстана, Азербайджана, Армении, Молдовии и так далее. Есть хороший пример, а именно завод „Турбоатом“ в Харькове. Этот завод производил турбины для электростанций. Однако, когда произошел государственный переворот и в Украине появилась новая власть, все экономическое сотрудничество между „Турбоатомом“ и Российской Федерацией было прекращено или сокращено до очень низкого уровня. Это влияет на работу всей отрасли, существующей в этой системе. С точки зрения глобальных игроков, это было выгодно. Если Росатом не может строить предприятия, например, электростанции, в течение некоторого времени, то кто является бенефициаром остановки в этой отрасли? Конкуренты Росатома со стороны США это Westinghouse или другие предприятия, допустим какие нибудь французские. Если представить себе ситуацию, что произойдет, если российский „Газпром“ на некоторое время прекратит свою деятельность, то, конечно, американские сланцевые газовые компании, которые добывают сланцевый газ, получат баснословную прибыль. Поэтому ясно, кто является бенефициаром. С начала двухтысячных годов предпринимались атаки со стороны различных подсистем, в частности, европейской и империалистического центра против постсоветской системы. В чем оно выражалось? В смене власти в республиках, которая должна была со временем привести к разрыву экономических отношений. Первой была цветная революция в Грузии в 2003 году, затем первый Майдан на Украине в 2004 году. В 2005 году произошел переворот в Кыргызстане, в 2009/10 год – переворот в Молдове. 2014 год случился второй Майдан в Украине. В 2018 году переворот произошел в Армении, который привел к власти Пашиняна, ставленника империалистических структур. В 2020 год – попытка переворота в Беларуссии, но она провалилась. Нужно рассматривать этот процесс как звенья одной большой цепи. Центр и европейская экономическая подсистема пытаются устранить конкурента в лице постсоветской экономической подсистемы. То, что мы наблюдаем сегодня на Украине, это не то, что Россия и эта постсоветская экономическая подсистема начинает наступательную борьбу за свои интересы, где то вовне. Это наоборот, защита того центра, той системы, которым является Россия. Это попытка защититься от действий со стороны США и Евросоюза. Вот эти действия имеют под собой экономическую подоплеку. Людям, которые говорят, что это два одинаковых империализма, нужно говорить, что нет! Во-первых, не два равных, один – центр, другой – подсистема. Здесь нет никакого равенства. А почему началась СВО? Потому что этот самый центрс помощью Украины, используя украинский народ, как таран, пытался атаковать постсоветскую экономическую подсистему. Сегодня сложилась интересная ситуация, когда интересы российской элиты, интересы российского и украинского рабочего класса совпали. Понятно, что так будет не всегда, но сегодня это так. И все эти три игрока заинтересованы в том, чтобы украинское власть – которая, по сути, является ставленником марионеточного режима в США – было уничтожено. И я хотел бы еще раз подчеркнуть, что на официальном уровне в РФ и на уровне понимания рядового солдата, Россия ведет войну не против Украины, а против украинского режима, под которым в том числе страдает украинский народ. Это очень важно понимать. Здесь нет конфликта между двумя народами. Это конфликт с конкретным неонацистским режимом, и поэтому это не фигура речи и не предлог для продвижения своих экономических интересов. Нет, это действительно цель – свергнуть этот агрессивный и довольно опасный украинский неонацистский режим.
Я хотел бы привести еще один аргумент в пользу того, что Россия не преследует свои экономические интересы в этой конкретной военной операцией. Он связан с тем, что в открытых источниках можно прочитать, сколько потеряли российские олигархи во время специальной военной операции. Они не приобрели, они проиграли. Это показывает, что целью этой специальной военной операции было не то, чтобы Россия что-то получила. Нет, наоборот, это приводит только к определенным экономическим потерям. На самом деле, эта война никому не выгодна. Все хотели бы ее прекратить, но ее можно прекратить только на тех условиях, чтобы она не повторилась еще раз. Если она прямо сейчас прекратится, это будет значить, что империалистические государства – США и сателлиты США – будут накачивать Украину оружием, восстановят боевую мощь Украины и повторится все то же самое, но на более худших условиях для нас. Конечно, это неприемлемо. Поэтому, в идеале, все силы, которые добиваются прекращения войны – все антивоенные силы – должны объединиться и добиваться прекращения поставок оружия украинскому режиму, потому что можно только одним способом остановить эту войну – если украинский режим, именно власть, исчезнет.
KO: В вашем Telegram-канале вы иногда публикуете различные статьи о том, что в России существуют разные интересы в отношении войны. Одни за, другие против. Не мог бы ты рассказать нам об этом немного больше? Почему существуют эти разные интересы и как они проявляются?
Алексей: Я думаю, что все зависит от конкретного случая, но все они имеют экономическую подоплеку. Соответственно, бизнесмены у которых есть общие дела с европейскими или американскими компаниями, и те, кто теряет прибыль в связи с началом специальной военной операции из-за санкций или по другим причинам, естественно будут против специальной военной операции. Но если смотреть на этот процесс с точки зрения государства и государственных интересов, а не с точки зрения интересов частных лиц, частных бизнесменов, то специальная военная операция была необходима, потому что Зеленский начал делать заявления о том, что они выйдут из соглашения о нераспространении ядерного оружия. Например, власть Украины официально приняли доктрину возвращения Крыма военным путем. Это не просто заявление какого то отдельного политика. Это официальный государственный документ, в котором говорится: „Мы нападем на Российскую Федерацию, в частности, на Крым и вернем его вооруженным путем“. Конечно, Российская Федерация не могла долго закрывать глаза на происходящее. А когда украинская сторона начала аккумулировать огромные силы и создала 100-тысячную группировку на Донбассе, было принято решение о проведении специальной военной операции, потому что иначе эта 100-тысячная группировка нападет на Донбасс. Уже есть на руках планы командиров, которые они получали от своего руководства, я имею в виду командиров ЗСУ. Они готовились к силовому возвращению Донбасса под контроль Киева. Это является грубейшим нарушением Минских соглашений. Кстати, что касается Минских соглашений, то украинская сторона их полностью игнорировала. Сегодня мы слышим заявления от таких политиков как Ангела Меркель или Франсуа Олланд, что они поддержали эти соглашения только для того, чтобы Украина была лучше подготовлена к будущему вооруженному конфликту с Россией. Это говорит о том, что украинская сторона изначально не планировала соблюдать Минские соглашения. Может быть, это не очень корректное сравнение, однако оно напрашивается само по себе. Представьте себе, если бы Третий рейх еще не напал на Советский Союз в 1941 году и Красная армия первой атаковала бы вермахт. Удалось бы избежать огромных потерь. Война все равно бы произошла, но удалось бы избежать огромных потерь территории и живой силы. Поэтому, я допускаю, что после такого трагического опыта в своей истории Россия решила не ждать и действовать на упреждение. Как принято говорить у президента России Владимира Владимировича Путина: „Если драка неизбежна, бей первым.“. Вот я так понимаю, что российское руководство придерживалось этого принципа, когда начинала специально военную операцию.
KO: Именно эта оценка является частью споров в международном коммунистическом движении. Согласен ли ты с утверждением, что внешняя политика России в настоящее время помогает народам, которые угнетает Запад? И что ты скажешь на счет лозунга, который был озвучен в совместном заявлении коммунистических и рабочих партий в Joint Statement. Там было сказано, что рабочий класс Украины и России должен бороться против этой империалистической войны. И есть ли изменения в дебатах по стратегическим и тактическим вопросам в украинском коммунистическом движении, если сравнивать с 2014 или прошлым годом?
Алексей: Внешняя политика России, за последние годы меняется, потому что Россия заинтересована в том, чтобы у нее были союзники в других уголках планеты. Россия, как и Советский Союз ранее, видит что империалистический центр проводит неоколониалистскую политику, пользуясь природными ресурсами, финансовыми ресурсами, людскими и интеллектуальными ресурсами с разных стран. И, конечно, эта колониальная политика неприемлема для многих, и для России тоже. Поэтому вполне логично, что многие государства, страдающие от этой политики империалистического центра, могли бы объединиться и Россия, как мы видим, прилагает к этому определенные усилия.Мне кажется, что этот процесс будет только усиливаться. И интеграция между такими государствами тоже станет более интенсивной, более тесной, более глубокой. Со своей стороны, я могу только приветствовать этот процесс, потому что он приведет к определенным трансформациям в российском обществе. Мы уже сегодня видим, что неолиберальные элиты в России, которые выступают за сохранение влияния США и Брюсселя внутри России, становятся внутри России все слабее и слабее. Я искренне рад, что так происходит сейчас. Мы ждали этого с начала 1990-х годов. Наконец то дождались. Советский Союз распался, и казалось, что все кончено, что уже торжество либеральных идей, но потом маятник качнулся в обратную сторону. Идея заключается в том, что он установится где-то посередине. И я могу только приветствовать такую политику российских властей.
Что касается Joint Statement: Здесь произошел опять же, определенный конфликт. Коммунистическая Партия Греции – это мое личное мнение – встала на сторону империализма, потому что она продвигает идею равенства ответственности за происходящее как между Россией, так и между США. Она игнорирует ту реальность, которую я описывал ранее, что существует империалистический центр и империалистические интересы у этого центра в данном регионе. И Россия, по сути, защищается от этой агрессии. Коммунистическая Партия Греции ставит знак равенства и не принимает во внимание эти факты. Это вводит в заблуждение огромное количество коммунистов, которые верят Компартии Греции. Однако я бы не спешил в полной мере записывать Компартию Греции во враги, потому что там абсолютно разные люди. И мы видели, как многие активисты КПГ участвовали в перекрытии железнодорожных путей, когда происходила отправка военной техники на Украину. Это означает, что люди искренне препятствуют эскалацию конфликта. Они пытаются всеми силами остановить на том уровне, на котором они могут. Мы как жители Донбасса, очень благодарны такой позиции, потому что люди в Греции, в Италии и в других странах, которые активно выступают против поставок оружия, делают это открыто, регулярно и смело. Мы понимаем, что это значит, что меньше людей погибнет здесь. Однако, я считаю, что Компартия Греции заняла ошибочную позицию. По поводу призыва к тому что рабочий класс Украины и России должен вместе бороться за то, чтобы наступил мир: конечно, я всеми силами это поддерживаю. Но мы же понимаем, что мир с фашистами невозможен, а фашисты все равно будут пытаться нас уничтожить. Поэтому, если мы сегодня заключим с ними мир при поддержке сателлитов Соединенных Штатов Америки, украинские фашисты только усилятся и этот же конфликт возобновится с новой силой. Как я уже говорил, этот конфликт может быть прекращен только одним путем – демонтированием вот этой украинской власти и приход политических сил, которые не являются в полной мере зависимыми от Соединенных Штатов Америки. Я убежден, что именно с подачи Соединенных Штатов Америки Зеленский занял такую позицию, направленную на эскалацию войны. Как только на Украине появятся такие здоровые силы в политике, я думаю, то мир сразу же настанет.
KO: Алексей, не мог бы ты рассказать нам немного больше о том, чем занимается ваша организация в настоящее время? Как вы организованы?
Алексей: К сожалению, наша организация сегодня переживает очень сильный кризис. Этот кризис связан с тем, что мы не можем заниматься политической активностью на территории Украины. Мы не можем проводить массовые мероприятия, митинги, демонстрации. Мы не можем провести круглый стол, мы не можем открыто говорить о проблемах, которые сегодня существуют в украинском обществе, потому что сразу же последуют аресты. Поэтому наша деятельность сосредоточена на тех формах, которые нам сегодня доступны. Это информационная работа, это международная работа и попытка донести нашу позицию до наших товарищей в других странах, чтобы они знали, что происходит. Мы поддерживаем политзаключенных, которые у нас есть. Однако эта деятельность достаточно сложная, потому что сейчас даже перевести деньги семьям, которые пострадали от украинской власти, достаточно сложно. Это первая часть кризиса нашей организации – невозможность проведение полноценной политической активности. Вторая часть нашего внутреннего кризиса связана с тем, что мы уже долгое время не можем провести общее собрание для наших активистов. Это связано с тем, что люди, которые находятся на территории Украины, не могут приехать в Донбасс или в Россию, чтобы принять участие в съезде по переизбранию наших внутренних органов, совета нашей организации. По той же причине мы не можем приехать в Украину, потому что нас сразу же арестуют. Соответственно, стоит сложность в проведении общего собрания съезда и выработки общих решений. Поэтому вся деятельность организации сводится к активности отдельных активистов в разных участках. То есть кто-то воюет с оружием в руках. В августе прошлого года погиб наш товарищ, один из основателей „Боротьбы“ Евгений Галушкин. Он активно воевал в Мариуполе и был ранен снайпером в плечо. После выздоровления он вернулся в строй, затем получил контузию. В результате контузии он через некоторое время ему стало плохои на тот момент ему не было кому оказать помощь и он умер. То есть он погиб не в бою, а в результате боевых действий. Другие наши товарищи продолжают сражаться. Галышкин воевал в ДНР в составе девятого полка морской пехоты ДНР. Наши товарищи также воюют в четвертой бригаде ЛНР. Мы периодически видимся, общаемся. Но мы не можем провести официальные мероприятия. Так что да, сегодня Боротьба находится в определенном кризисе.
KO: Очень печально слышать, что среди наших товарищей есть потери. Время от времени мы следим и наблюдаем за событиями. И мы читаем то, что пишут о наших товарищах.
Теперь мы переходим к последнему вопросу. Но сначала небольшое предисловие. Мы, как коммунисты в Германии находимся в стране, которая ведет войну против России. По крайней мере, мы так считаем. В антивоенном движении в Германии идут дебаты о том, следует ли осуждать российское нападение (так оно здесь называется) или нет. Профсоюзы встают на сторону правительства и осуждают войну в одностороннем порядке. Это означает, что осуждается только Россия, а сторону НАТО поддерживают или к ней относится с пониманием. В то же время они поддерживают ухудшение условий жизни рабочего класса в Германии. Что бы ты хотел сказать немецким коммунистaм?
Алексей: Я хотел бы искренне поблагодарить немецких коммунистов – которые действительно хотят закончить войну – за их поддержку, за эту позицию, за их солидарность. А тем коммунистам, которые сегодня попали под влияние империалистического центра и его мягкой силы, различных фондов, НКО, различных организаций, я хотел бы пожелать, чтобы они поскорее проанализировали политику их лидеров, руководства этих организаций и приняли политическое решение, что так дальше продолжаться не может, если они настоящие коммунисты. И в то же время я хотел бы обратиться ко всем товарищам, кто действительно хотят, чтобы этот конфликт прекратился. Мы можем добиться этого, если сможем оказать давление на руководство государств Европы, на Италию, Германию, Францию, Испанию и другие страны, которые принимают решение об отправке оружия на Украину. Потому что чем больше оружия сюда поступит, тем дольше будет длиться этот конфликт, тем больше крови будет литься. Нельзя закончить этот конфликт новым оружием. Его можно закончить только если прекратятся эти поставки. Поэтому я хотел бы попросить о помощи, солидарной поддержки, чтобы коммунисты, которые находятся сегодня в Германии активно озвучивали эту позицию, что нельзя поддерживать украинские неонацистские режимы. Я думаю, что каждый конфликт когда-то заканчивается. Просто мы можем сделать так, чтобы он закончился быстрее и чтобы меньше человеческих жизней оборвалось. Я думаю, что все будет хорошо!
KO: Спасибо большое! Мы тебя услышали, и я надеюсь, что и другие тебя услышат.
Ты спрашивал нас о нашем конгрессе, который пройдет в Берлине 06-08 октября текущего года. В Берлине мы будем обсуждать те вопросы, о которых мы говорили сегодня, с другими коммунистами из разных организаций со всего мира. Мы хотим обсудить о том, что мы должны делать в империалистическом центре, чтобы остановить войны, которые ведут страны НАТО, особенно США и Германия. Всю информацию о конгрессе можно найти на нашем сайте kommunistische-organisation.de, который является корректным сайтом коммунистической организации. Мы скоро опубликуем нашу программу, и вы, конечно, можете принять в ней участие. Еще раз спасибо и хорошего дня!
Wir veröffentlichen heute zum neunjährigen Jahrestag des Massakers von Odessa ein Interview mit Alexej Albu, ehemaliges Mitglied des ZK der KP Ukraine sowie ab 2010 Mitglied des Regionalrats von Odessa. Alexej ist Mitbegründer und Sprecher der 2011 gegründeten antifaschistischen ukrainischen Widerstandsorganisation Borotba. Er ist selbst Überlebender des Massakers von Odessa und bis heute politisch aktiv. Neben einer Schilderung der Ereignisse von 2014 und ihrem Werdegang berichtet er über die Entwicklungen in der Ukraine seit 2014 bis heute. Wir sprechen über die Bedeutung der Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie der militärischen Intervention der Russischen Föderation für den Kampf gegen das Kiewer Regime. Zuletzt reden wir über die Krise der internationalen kommunistischen Bewegung und die Rolle von Kommunisten in den imperialistischen Zentren im Kampf gegen den Krieg der NATO gegen Russland.
Das Interview führten Alexander Kiknadze und Nastya Kudrina.
здесь Письменное интервью на русском языке можно найти.
KO: Alexej, herzlich willkommen. Bevor wir in die Themen gehen, die wir heute vor uns haben – kannst du uns erzählen, wie und aus welchem Kampf Borotba hervorgegangen ist? Wie seid ihr derzeit organisiert?
Alexej: Ich möchte gerne ein paar Worte zu meiner Person sagen. Ich wurde 1985 in Odessa geboren. Als die Sowjetunion auseinanderfiel, war ich sechs Jahre alt. Dann ging ich in eine ukrainische Schule, wo ich Ukrainisch lernte, denn die meisten Menschen aus dem Südosten der Ukraine sprechen kein Ukrainisch. Es ist nicht unsere Muttersprache. In unseren Familien sprachen wir alle Russisch. Anfang der 2000er Jahre ging ich zur Universität und trat dem Lenin-Komsomol der Ukraine bei. Das ist eine Jugendorganisation, der Jugendflügel der Kommunistischen Partei der Ukraine. Ich leitete die regionale Organisation des Komsomol in Odessa, war Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine und wurde 2010 Abgeordneter für die Kommunistische Partei der Ukraine im Regionalrat von Odessa. Die Kommunistische Partei der Ukraine und die bürgerliche „Partei der Regionen“, deren Anführer Viktor Janukowitsch war, der 2010 Präsident wurde, hatten zusammen eine Mehrheit im Parlament. Die Kommunistische Partei der Ukraine ging eine Koalition mit der Partei der Regionen ein. Wir hatten eine Meinungsverschiedenheit mit der Führung der Kommunistischen Partei und ich wurde aus der KPU ausgeschlossen. Meinen anderen Genossen aus dem Komsomol und der Kommunistischen Partei der Ukraine erging es genau so. Wir wollten den politischen Kampf, den politischen Aktivismus fortsetzen und schlossen uns mit kleinen Gruppen zusammen, mit einer Gruppe, die sich „Jugend gegen den Kapitalismus“ nannte, dem Komitee für die Rote Garde der Arbeiterpartei, benannt nach Kotovsky, und andere kleine Gruppen mit trotzkistischen, stalinistischen und sogar anarchistischen Ansichten. Wir schlossen uns zu einer Organisation zusammen und nannten sie Borotba. Die Vereinigung Borotba wurde im Frühjahr 2011 gegründet. Wir wollten damals bestimmte bürgerliche Freiheiten in der Ukraine nutzen, um eine Partei zu registrieren, an den Wahlen teilzunehmen und mit friedlichen, legalen Mitteln um die Macht zu kämpfen. Unsere Position richtete sich jedoch gegen die oligarchische Macht, gegen Janukowitsch‘ „Partei der Regionen“. Generell haben wir uns immer für eine sozialistische Umwälzung der Ukraine, für Internationalismus und für die Solidarität der Arbeiter eingesetzt. Wir haben viele Protestaktionen durchgeführt, Proteste zur Verteidigung der Arbeiter. Wir organisierten Arbeiter, die in den Häfen der Ukraine arbeiten, Lkw-Fahrer und Stewards der Fluggesellschaften. Wir halfen dabei, Kundgebungen für verschiedene soziale Gruppen zu organisieren, die in der Ukraine Schwierigkeiten hatten. Das sind zum Beispiel die Opfer von Tschernobyl oder Menschen, die unter verschiedenen Betrügereien im Zusammenhang mit Immobilien gelitten haben. Denn diese Menschen sind in der Ukraine ungeschützt. Unsere gesamte Tätigkeit war eine oppositionelle Tätigkeit. Wir haben das bestehende System nicht unterstützt.
2013 jedoch, als der Maidan begann, sahen wir , dass dieses bürgerliche Regime von Viktor Janukowitsch und der „Partei der Regionen“ durch ein noch reaktionäreres Regime ersetzt wurde: durch ultrarechte und ultra-liberale Kräfte. Es ist hier sehr wichtig hervorzuheben, dass das imperialistische Kapital hinter dem Maidan-Protest stand, oder besser gesagt, hinter allen Protestgruppen, die am Maidan teilnahmen. Das heißt, dass all diese Gruppen sehr langjährige Beziehungen zu verschiedenen Stiftungen, zu gemeinnützigen Organisationen unterhielten, wie z.B. USAID (United States Agency for International Development), UKAID (United Kingdom Aid), NED (National Endowment for Democracy), IRI (International Republican Institute), Freedom House, Open Society und so weiter und so fort. Mit anderen Worten, diese imperialistischen Strukturen ließen ihre Tentakel sehr tief in die ukrainische Gesellschaft eindringen, und zu dem Zeitpunkt, den wir als Zeitpunkt „X“ bezeichnen, kamen all diese Organisationen, die mit dem imperialistischen Zentrum verbunden waren, wie auf den Takt eines Dirigenten auf den Unabhängigkeits-Maidan. Jede dieser Gruppen hatte ihre Funktion, jede spielte ihre Rolle. 2014 siegte der Maidan. Das Regime von Viktor Janukowitsch wurde gestürzt.
Ich möchte an dieser Stelle aber auch einen sehr wichtigen Punkt hervorheben: Wie ich bereits sagte, hatten die Kommunistische Partei der Ukraine und die Partei der Regionen eine Mehrheit im ukrainischen Parlament. Neu waren die Oppositionsfraktionen, die den Maidan repräsentierten. Von ihnen gab es drei Parlamentsfraktionen. Eine davon war die Fraktion von Vitali Klitschko, dem Boxer, der Bürgermeister von Kiew wurde. Die zweite Fraktion war von Julia Tymoschenko, ebenfalls eine bekannte Politikerin. Sie war Premierministerin in der Ukraine. Und die dritte, die Svoboda-Partei, eine rechtsextreme Neonazi-Partei. Sie hatten zusammen keine Mehrheit im Parlament. Und als es darum ging, Janukowitsch aus dem Amt des Präsidenten zu entfernen, stimmte die Kommunistische Partei der Ukraine mit ihnen. Nur durch diesen Verrat der Kommunistischen Partei der Ukraine und von Pjotr Simonenka war es möglich, das Regime zu legalisieren, das als Ergebnis des Maidan entstand. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, weil die Kommunistische Partei der Ukraine heute sehr starken Repressionen ausgesetzt ist. Aber sie ist verantwortlich für das, was heute in der ukrainischen Gesellschaft passiert, und zwar zu einem sehr großen Teil. Im Jahr 2014, als der Maidan gewann, gab es so viel Unmut in der Gesellschaft. Die Menschen, die im Süden und Osten des Landes lebten und vor allem die Partei der Regionen wählten, merkten, dass die Spielregeln, die es früher in der Gesellschaft gab, nicht mehr existierten, dass sie als Fußabtreter dienen. Dass die Stimmen, die sie für die „Partei der Regionen“, für Janukowitsch und für bestimmte politische Richtungen gegeben hatten, einfach mit Füßen getreten wurden. Natürlich waren die Menschen darüber empört und begannen, spontane, unorganisierte Proteste zu machen. Diese Bewegung kam komplett von unten und wurde Antimaidan genannt. Unsere Organisation, die verstand was im Land passierte, hat sich auch an der Anti-Maidan-Bewegung beteiligt und versucht mit einer großen Anzahl von Menschen, mit den Massen, zu arbeiten, um zu erklären, warum in unserem Land ein solche Situation passiert ist. Wir erklärten, dass im Prinzip die kapitalistische Natur der Beziehungen, die in der Gesellschaft existieren, an allem Schuld ist, weil die Gesellschaft in verschiedene politische Gruppierungen, Clans, gespalten war. Einige dieser Clans standen unter dem Einfluss äußerer Kräfte und konnten so die Macht übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt strebten wir in Odessa eine weitgehende Autonomie an. Ich war Abgeordneter des Regionalrats von Odessa und schlug den Abgeordneten des Regionalrats am 3. März 2014 vor, über die Frage der Durchführung eines Referendums, über die Gründung einer autonomen Republik Odessa innerhalb der Ukraine abzustimmen. Damals ging es also nicht um eine Abspaltung von der Ukraine. Wir wollten einfach mehr Rechte, wir wollten Autonomie und wir wollten eine eigene Verfassung für unsere Region, die unsere Forderungen widerspiegeln sollte. Das heißt, wir wollten in der Lage sein, unseren eigenen Gouverneur zu wählen und nicht darauf zu warten, dass die neue Regierung uns einen neuen Gouverneur aus einer anderen Region schickt, der hier ein Fremder sein würde. Wir wollten unsere russische Muttersprache frei sprechen können. Denn wie ihr sicherlich wisst, war das erste Gesetz, dass das ukrainische Parlament nach dem Sieg auf dem Maidan verabschiedete, die Aufhebung des Sprachengesetzes, das der russischsprachigen Bevölkerung das Recht auf die Verwendung ihrer Muttersprache garantierte. Wir waren also sofort mit diesem Druck konfrontiert. Die neuen Machthaber, die illegal durch den Staatsstreich an die Macht gekommen sind, haben der Gesellschaft sofort signalisiert „Wir werden auf keinen Fall Rücksicht auf euch nehmen. Eure Meinungen, eure Wünsche bedeuten uns also nichts.“ Wir wollten die Möglichkeit haben, unsere Muttersprache zu sprechen, den Papierkram und den Umlauf von Dokumenten auf Russisch zu erledigen. Wir wollten eine Sonderwirtschaftszone schaffen, weil es in der Geschichte meiner Heimatstadt Odessa eine Zeit gab, die Porto Franco hieß. Es war die Zeit der Blüte unserer Stadt, als es Sonderrechte gab. Das heißt, es gab sozusagen eine Reihe von wirtschaftlichen Vorteilen, Steuervergünstigungen und Ferien. Das haben wir angestrebt, das war unsere dritte Forderung. Eine weitere Forderung des Antimaidan in Odessa war die Rückübertragung der Machtstrukturen an die lokalen Räte. Wir wollten nicht, dass die Polizei oder andere Machtstrukturen von den neuen Behörden, die sich in Kiew etabliert hatten, in der Politik als Unterdrückungsmechanismus eingesetzt werden. Deshalb wollten wir zum Beispiel, dass die regionale Polizeibehörde dem regionalen Rat der städtischen Polizeibehörde, dem Stadtrat unterstellt wird usw. Wir haben viele Proteste abgehalten – aber die Sitzung des Regionalrats hat mich leider nicht unterstützt. Danach sind wir jedes Wochenende auf den größten Platz, den Kulikovo-Platz, in Odessa gegangen, wo sich das Haus der Gewerkschaften befindet. Wir gingen dorthin, es gab ein Zeltlager, und viele politische Kräfte – linke, pro-russische und antifaschistische Kräfte nahmen an dieser Bewegung teil. Uns alle einte der Kampf gegen die neuen Behörden, der Kampf für die Möglichkeit, unsere Muttersprache zu sprechen, der antioligarchische, antifaschistische Kampf. Ihr wisst, dass unser friedlicher Protest in Blut ertränkt und im Feuer des Gewerkschaftshauses am 2. Mai 2014 verbrannt wurde.
Der 2. Mai war der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab, an dem die meisten Menschen ihren Standpunkt änderten, mich eingeschlossen. Wenn wir uns also vorher nicht von der Ukraine abspalten wollten, so haben wir zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass wir mit diesen Menschen nicht in einem Staat leben können. Was am 02. Mai (2014) geschah, hatte enorme politische Konsequenzen. Alle sahen es, die Leute im Donbass oder Menschen aus verschiedenen Regionen der ehemaligen Sowjetunion, dem Baltikum, dem Kaukasus, Zentralasien, Zentralrussland oder den anderen Regionen der Ukraine, sogar der Westukraine. Diejenigen, die den Faschismus nicht unterstützten, sahen, dass der Faschismus sein Haupt erhebt, dass es sich nicht nur um eine Art Manipulation oder ein Märchen handelt, sondern dass es sich um echten Faschismus handelt, der bekämpft werden musste und muss. Tausende Menschen haben sich im Donbass gemeldet oder sind gekommen, um aufzustehen und mit den Waffen in der Hand zu kämpfen, um ihre Interessen zu verteidigen und gegen den Faschismus zu kämpfen. Habt ihr noch Fragen zu diesem Punkt?
KO: Ja, tatsächlich habe ich eine Frage. Du sagtest, dass die KPU nach dem Putsch für den Sturz von Janukowitsch gestimmt hat. Das ist ein sehr interessanter Punkt. Könntest du etwas dazu sagen, ob sie die Situation damals unterschätzt haben oder warum sie so gehandelt haben? Außerdem hattest du bereits vom Mai 2014 erzählt, im selben Monat gab es einen Artikel von dir in der Jungen Welt. Dort hast du bereits berichtet, dass es nach dem Staatsstreich zu verstärkten Repressionen gegen die Gewerkschaftsbewegung, die linke Bewegung, die antinationalistische Bewegung gekommen war. Du hast bereits angefangen darüber zu sprechen, in diesem Zusammenhang über Odessa. Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie das alles weiterging.
Alexej: Zunächst mal zur Abstimmung der KPU. Ich denke, die Hauptmotivation war, dass der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Petro Symonenko, der innerhalb der Partei enormes Gewicht und Einfluss hat, ein Mann der alten politischen Formation ist. Und als er hörte, dass unsere Feinde rechtsextrem sind, sagten, dass sie Kommunisten töten werden, hielt er das für reinen Wahlpopulismus und glaubte ihnen nicht. Er dachte, er könnte mit diesen rechtsextremen Kräften verhandeln und, wenn er sie in einem kritischen Moment unterstützen würde, würden sie ihm dankbar sein und ihm garantieren, dass er seine kleine Fraktion im Parlament der Ukraine behalten, sie die derzeitige Regierung milde kritisieren könnten, sodass es ihm gut gehen würde und er seine politische Karriere fortsetzen könnte. Doch die Geschichte lehrt uns – dafür gibt es Dutzende von Beispielen – dass man mit Faschisten keine Einigung erzielen kann. Wurde er also benutzt? Natürlich wurde er benutzt. Er hat dieses Regime unterstützt. Ein paar Monate später, im Herbst 2014, als eine vorgezogene Parlamentswahl stattfand, verlor die Kommunistische Partei der Ukraine jedoch viele Stimmen und schaffte es nicht ins Parlament. Daraufhin begannen die radikaleren nationalistischen Kräfte zu fordern, dass die Kommunistische Partei der Ukraine verboten werden soll. Ich erinnere mich nicht mehr an die genaue Chronologie, aber soweit ich weiß, wurde ein solches Verbot erlassen. Wenn ich mich nicht irre, wurde beim Verfassungsgericht Berufung eingelegt. 2015 fanden Gemeinderatswahlen statt und die Kommunistische Partei war in einem so kaputten Zustand, dass sie nicht offiziell an den Wahlen teilnehmen konnte. Um ihre Aktivisten in die Gemeinderäte zu bekommen, benutzte sie eine andere befreundete Partei namens „Derzhava“ – der Staat. So hieß diese Partei, wenn ich mich irre. Viele Kommunisten traten also dieser Partei bei, und sie wurden auf diese Weise dann gewählt. Aber die Partei hat viele Abgeordnete verloren und im Allgemeinen wurde ihre Position geschwächt. Und das alles wegen eines solchen Verrats durch die Parteiführung. Offiziell sagt die Kommunistische Partei der Ukraine, dass sie nichts tun konnten, dass sie gezwungen wurden, dass ihre Wahlkarten weggenommen wurden, während die anderen gewählt haben. Aber wenn das stimmt, dann hätten sie vor das Verfassungsgericht gehen und gegen diese Entscheidung, die ohne Ihre Anwesenheit getroffen wurde, Einspruch erheben können. Sie hätten eine öffentliche Erklärung abgeben können, dass sie unter Druck gesetzt wurden. Nichts von davon wurde getan. Dies lässt mich zu dem Schluss kommen, dass es eine gewisse Absprache zwischen Pjotr Symonenko und den damaligen oppositionellen Kräften gab, die später zur neuen Regierung wurden.
Nun zu den Repressionen, die unmittelbar nach dem Sieg des Maidan einsetzten. In der Tat wurden viele Menschen verhaftet, nicht nur in meiner Heimatstadt, sondern auch in anderen Städten. Auch öffentlich bekannte Personen wurden verhaftet, wie zum Beispiel einer der Anführer der Proteste in Odessa – dem Odessaer Antimaidan – Anton Dawtschenko. Er wurde, wenn ich mich nicht irre, am 16. März 2014 verhaftet. Ebenfalls im März wurde ein sehr bekannter Journalist, Konstantin Dolgov, verhaftet. Er kommt aus Charkiw. Viele Menschen wurden einfach zu «Präventivgesprächen» beim Inlandsgeheimdienst der Ukraine vorgeladen. Sie sprachen mit ihnen, fanden heraus, was ihre Position war, wie diese Leute aufgestellt waren, ihnen wurde immer gesagt, was sie tun konnten, was sie nicht tun konnten. Dieser Druck wurde ausgeübt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass wir die damalige Situation als sehr schwere Angriffe auf die Bürgerrechte bewerteten. Wir sehen, dass das, was danach folgte noch hundertmal schlimmer war, sodass die Ereignisse von damals damals noch als recht milde erscheinen. Das liegt daran, dass damals der Inlandsgeheimdienst der Ukraine nicht einschätzen konnte, wie sich die Ereignisse entwickeln würden. Unsere Unterstützer, die in den Strafverfolgungsbehörden tätig waren, haben mir persönlich erzählt, dass sie sich mit jemandem vom Inlandsgeheimdienst getroffen haben und sagten, sie hätten den Befehl, mich zu verhaften, aber sie werden es nicht tun, denn falls wir an die Macht gekommen wären, befürchteten sie an unserer Stelle zu sein, also dass sie verhaftet werden. Das Frühjahr 2014 war also der Zeitpunkt, an dem wir, wenn wir eine starke kommunistische Organisation gewesen wären, die Macht hätten übernehmen müssen. Aber weil wir eine ziemlich junge, unerfahrene Organisation waren und nicht über genügend Machtressourcen, Geldressourcen, Informationsressourcen und organisatorische Ressourcen verfügten, waren wir nicht in der Lage, diese Situation nutzen zu können. Da kommt mir wieder einmal Wladimir Lenin in den Sinn, der sagte, wenn eine revolutionäre Situation eintritt und wir nicht darauf vorbereitet sind, wird uns die Geschichte das nie verzeihen. Genau das ist 2014 mit Borotba passiert. Nach dem 02. Mai begannenviele unserer Aktivisten von legalen Formen des Kampfes zu illegalen Formen, zum bewaffneten Widerstand, überzugehen. Einige unserer Genossinnen und Genossen haben diese Erfahrung bis heute. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Repressionen, Leute wurden verhaftet und zum Inlandsgeheimdienst der Ukraine gezerrt. Sie begannen, Listen von illoyalen Bürgern zu erstellen. All dies geschah, wir alle sahen es, aber leider konnten wir nichts tun.
KO: Meinst du mit diesen Listen illoyaler Bürger die Mirotworez-Seite? Oder gab es noch andere Listen?
Alexej: Mirotworez kam erst etwas später auf. Ich beziehe mich auf solche sehr raffinierten Techniken, wie zum Beispiel, dass Aktivisten zu einer großen Menschenmenge kommen, die auf Kundgebungen protestiert, und Unterschriften für die Abtrennung von Odessa sammeln. Das ist natürlich nach ukrainischem Recht nicht unzulässig. Und viele Leute dachten: „Wie lange wird diese Regierung noch bestehen? Wahrscheinlich nicht lange. Denn wir sind viele, wir sind stark. Vielleicht werden Russland oder Freiwillige aus anderen Ländern uns unterstützen und alles wird sich ändern“, sodass sie unterschrieben. Natürlich landen sie alle in einer bestimmten Datenbank, mit der der Inlandsgeheimdienst dann arbeitet. Ja, solche Technologien wurden leider eingesetzt.
KO:Alexej, wir haben jetzt schon über die Ereignisse im Jahr 2014 und euren Kampf gegen dieses Regime gesprochen. Damals wurden die Volksrepubliken Donezk und Luhansk als Ergebnis des Widerstands gegen die Regierung in Kiew ausgerufen. Wir kennen, gerade in Deutschland, die Diskussion, dass viele Kommunisten glauben, dass diese Republiken lediglich bürgerliche Kräfte sind und dass dort ein Kampf gegen Arbeiter und kommunistische Kräfte stattfindet. Ich habe ebenfalls den Vorwurf gehört, dass Denis Puschilin Kommunisten verfolge. Wie war eure Haltung gegenüber diesen Republiken damals und wie hat sie sich im Laufe der Jahre verändert? Wie wart ihr damals am Kampf gegen das Kiewer Regime eingebunden?
Alexej: Im Jahr 2014, nach dem 02. Mai, kam es dazu, dass unsere Gruppe aus Odessa – wir waren acht Personen – auf die Krim auswanderte. In die Donbass-Republiken sind wir nicht nicht rein. Wir sahen, dass im Donbass bereits sehr ernste Prozesse begonnen hatten und die Menschen mit Waffen in der Hand rebellierten. Unsere Organisation, die Vereinigung Borotba, hatte keine starken Zellen im Donbass. Wir hatten zwar Aktivisten in Donezk, Luhansk und Sloviansk, sie waren aber nur sehr wenige und hatten keinen Einfluss auf den Prozess. Aus diesem Grund haben wir uns innerhalb unserer Organisation beraten und die Entscheidung getroffen, dass wir uns auf den Kampf in anderen Regionen konzentrieren sollten, in denen wir eine starke Position hatten. Das war Charkiw und Odessa. In Kiew hatten wir auch eine starke Organisation, aber sie wurde fast vollständig niedergerungen. Zu dieser Zeit war es unmöglich, in Kiew politisch aktiv zu sein. Deshalb hatten wir von Anfang an eine sehr positive Haltung zu den Volksrepubliken, aber als Verbündete, nicht als Teil unserer Praxis. Ein Jahr später gelangten wir in die Volksrepublik Luhansk. Ich trat der Prizrak-Brigade bei. Aber ich habe nicht an den Kämpfen teilgenommen und war nur für kurze Zeit dort. Dennoch weiß ich, was dort vor sich ging, was für eine Stimmung herrschte und was für Leute beteiligt waren. Ich war dort, weil einer unserer Aktivisten, der aus dem Donbass kommt, Leiter der politischen Abteilung in der Prizrak-Brigade war, und viele Kommunisten begannen, dorthin zu gehen und sich um Prizrak zu sammeln. Wir hatten also eine gute Einstellung zu den Republiken. Gleichzeitig wir haben verstanden, dass wir uns und anderen Genossen nichts vormachen können. Natürlich sind das keine kommunistischen oder sozialistischen Republiken. Natürlich sind die Arbeitsbeziehungen in diesen Republiken kapitalistisch. Aber es ist sehr wichtig hervorzuheben, dass diese Republiken sich als tatsächliche Volksrepubliken erwiesen haben. Wie meine ich das? Die alte politische Elite und die Wirtschaftselite sind nach Kiew geflohen, und die einfachen Leute sind dort zurückgeblieben. Wenn es sich um Beamte handelte, dann waren es Beamte der dritten oder vierten Ebene, die nicht viel darüber wussten, wie man bestimmte Prozesse organisiert, wie man arbeitet. Und das führte zu großen Schwierigkeiten in der ersten Phase der Bildung der Republiken, denn die Organisation der Arbeit der verschiedenen Abteilungen und Ämter ist ein ernstzunehmender Prozess, in dem man sich auskennen muss. Viele Leute, die zu jung waren oder einfach noch nie mit der Organisation solcher Fälle zu tun gehabt hatten, übernahmen Führungspositionen und machten oft Fehler. Aber das waren keine bewussten Fehler und nicht verbunden mit dem Versuch, sich persönlich zu bereichern. Es handelte sich um einfache Arbeiter, denen die Möglichkeit gegeben wurde, den Staat zu führen. Verständlicherweise haben sie den Staat so geführt, wie sie es eben konnten. Die Kritik muss eher an die Kommunisten der Ukraine gerichtet werden, die nicht ausreichend stark waren, um selbst die Macht zu übernehmen und sich am Prozess der Gründung neuer Republiken zu beteiligen. Deshalb habe ich zum Beispiel von Anfang an nie die Unzulänglichkeiten verurteilt, die es in den Republiken gab, weil ich verstanden habe, dass sie durch den Krieg verursacht wurden, dass sie durch die von Kiew organisierte Wirtschaftsblockade verursacht wurden, und dass sie durch die Unerfahrenheit verursacht wurden, durch die Tatsache, dass die Leute, die begannen, die Republiken zu regieren, einfache Leute aus dem Volk waren.
Was die Anschuldigungen bezüglich der Angriffe auf Kommunisten betrifft, so habe ich, solange ich hier bin – ich bin seit dem Frühjahr 2015 hier –, nie Druck auf mich gespürt. Ich sah, dass die Mitglieder der Kommunistischen Partei der Ukraine, die sie im Herzen tragen, und Anhänger kommunistischer politischer Ansichten, wenn sie gute Fachleute waren, die Gelegenheit bekamen, an der Führung der Republik teilzunehmen. Einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Obersten Rats der Volksrepublik Lugansk ist zum Beispiel Kommunist, Sekretär des Bezirkskomitees der kommunistischen Partei – natürlich ein ehemaliger, denn es gibt hier keine kommunistische Partei mehr, oder besser gesagt, es gibt keine alte kommunistische Partei. Sein Nachname ist Khoroschilow. Dann gibt es noch den Vorsitzenden des Obersten Rates der Donezker Volksrepublik. Er ist ein ehemaliger Abgeordneter des ukrainischen Parlaments von der Kommunistischen Partei der Ukraine. Einer der Anführer, beziehungsweise einer der Kommandeure der Volksmiliz der Lugansker Volksrepublik ist ein Mann, der den Rufnamen „der Kommunist“ trägt, weil er von seinen Überzeugungen, von seinen Ansichten her ein Kommunist ist. Alle Kommunisten, die sich am Aufbau des neuen Staates beteiligen und der Gesellschaft Gutes tun wollten, bekamen jede Gelegenheit dazu.
Es gab hier tatsächlich mal einen Fall, wo ein selbsternannter Kommunist angegriffen wurde. Das war kurz nach Beginn der speziellen Militäroperation. Dieser Mann kam aus Moskau hierher und begann Flugblätter gegen den Krieg zu verteilen. Ich muss sagen, dass unter solchen Bedingungen, dass hier Granaten fliegen, Kinder und andere Menschen, Zivilisten sterben, eine solche Person als jemand, der von außen kommt, natürlich als ein Feind wahrgenommen wird. Den Leuten bleibt unklar, was er da schreibt, was er hier erreichen will. Denn wenn wir auf die Frage des Friedens zurückkommen, sind alle hier für den Frieden. Aber wir wissen, dass dieser Frieden unmöglich ist, solange es eine Bedrohung durch ukrainische Neonazis gibt. Wir könnten jetzt also sagen, dass wir uns aus dem Krieg zurückziehen, aber die andere Seite wird nicht das gleiche sagen. Ich möchte sagen, dass es sich hier tatsächlich um eine spezielle Militäroperation handelt, die nur deshalb eingeleitet wurde, weil die ukrainischen Behörden eine große Zahl von Kräften zusammengezogen haben, um den Donbass mit Gewalt zurückzuerobern. Sie haben etwa 100.000 Menschen versammelt, eine riesige Gruppierung. Und ohne die Hilfe der Russischen Föderation, wäre unsere Volksmiliz der Lugansker Volksrepublik und der Donezker Volksrepublik, nicht in der Lage gewesen, mit so vielen gut ausgebildeten Streitkräften aus der Ukraine fertig zu werden. Mit anderen Worten können wir hier nicht davon sprechen, dass diese Person angegangen wurde, weil sie kommunistischen Ideen anhängt. Er wurde angegangen, weil er gegen eine bestimmte Klausel des Gesetzes verstoßen hat, z.B. zur Störung der Mobilisierung oder anderen Sachen aufgerufen hat. Ich habe mich nicht eingehend mit diesem Fall befasst, so dass es für mich schwierig ist, ein Urteil zu fällen. Aber ich bin davon überzeugt, dass dieser Mann, der verhaftet wurde, nicht deswegen verhaftet wurde weil er ein Kommunist ist, sondern weil er eine so destruktive Haltung einnahm, die für unseren Staat zu diesem bestimmten Zeitpunkt gefährlich war.
KO: Dann lasst uns das Gespräch in diesem Sinne fortführen. Die kommunistisch-sozialistischen Kräfte in Russland forderten bereits 2015, dass die Volksrepubliken von der Russischen Föderation anerkannt werden sollten. Zu Anfang der militärischen Spezialoperation (Die Volksrepubliken wurden von Russland kurz vor der MSO anerkannt, Anm. KO) ist genau das geschehen. Welche Bedeutung hat deiner Meinung nach die Anerkennung und Eingliederung der Volksrepubliken in die Russische Föderation für den Kampf?
Alexej: Meine persönliche Position und die Position von Borotba, ist folgende: Es ist falsch die Donbass-Republiken des Separatismus zu bezichtigen. Die wahren Separatisten sind die ukrainische Regierung, die 1991 entstanden ist. Und wir glauben, dass die Prozesse, die heute in der Ukraine stattfinden etwas mit der Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit zu tun haben. Wenn dieses Land, meine Heimat, in der ich geboren wurde, die Sowjetunion, wiederhergestellt wird. Die ukrainischen Behörden sind also Separatisten, nicht wir. Die Menschen hier sind seit der Anerkennung und Eingliederung in die RF sehr glücklich, weil diese Zeit der Instabilität und der Missverständnisse vorbei ist. Die Menschen wissen, dass sie jetzt einen vollwertigen Reisepass bekommen können. Sie wissen, dass die Produkte ihrer Unternehmen auf den russischen Märkten verkauft werden können. Sie wissen, dass sie einer legalen wirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen können. Natürlich hat die Gesellschaft, die hier lebt, die Prozesse, die im September 2022 stattfanden, als die Republiken und die neuen Regionen Saporischschja und Cherson in Russland aufgenommen wurden, sehr positiv wahrgenommen. Als gebürtiger Odessaer würde ich mir sehr wünschen, wenn meine Heimatstadt Odessa, die von der russischen Kaiserin Katharina II. gegründet wurde – die übrigens eine Deutsche war und ins Russische Reich kam –, dass meine Heimatstadt also auch in das Land zurückkehrt, welches sie geschaffen hat. Und so denken sehr viele Odessiten bis heute. Ja, heute können wir ihre Stimmen nicht sehen und hören, weil diese Stimmen vom Repressionsapparat zum Schweigen gebracht und übertönt wurden. Es gibt eine offizielle Statistik, die der Inlandsgeheimdienst der Ukraine Ende 2022 bekannt gegeben hat. Dieser Statistik zufolge wurden in der Ukraine 1.200 Strafverfahren allein wegen Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken eingeleitet. Können ihr euch das vorstellen? Wenn jemand einen Beitrag zur Unterstützung der Russischen Föderation schreibt, dann wird das strafrechtlich verfolgt. Wenn also Leute Russland unterstützen, sowie den Entnazifizierungsprozess, oder nicht einmal Russland unterstützen, aber einfach keinen Krieg wollen, oder aber die Zelenskys-Regierung nicht befürworten, dann können diese Leute heute nichts sagen und wir können sie nicht hören. Wir werden sie erst hören können, wenn wir diese Gebiete befreit haben.
KO:Das ist sehr interessant. Alexej, ich danke dir dafür, denn es ist selten, dass man in Deutschland erfährt was dort vor sich geht. Lasst uns weiter über Russland sprechen. Wie du bereits sagtest, hat die Russische Föderation die militärische Spezialoperation in der Ukraine gestartet. Und du hast erwähnt, dass das offizielle Ziel die Entmilitarisierung, die Entnazifizierung der Ukraine ist. In der internationalen kommunistischen Bewegung, insbesondere in Deutschland, behaupten verschiedene linke Kräfte, dass die Entmilitarisierung und Entnazifizierung nur ein ein ideologischer Vorwand sei, um die imperialistischen Interessen der Russischen Föderation in der Ukraine zu verschleiern. Darüber hinaus gibt es viele Berichte über Unentschlossenheit und Probleme bei der Kriegsführung seitens Russlands. Viele Linke sind der Meinung, dass die russische Regierung selbst nicht sehr entschlossen ist, was ihr Handeln angeht. Dass es innerhalb Russlands einige Widersprüche gibt. Wie beurteilst du das Vorgehen der russischen Regierung bei der Umsetzung der selbsterklärten Ziele?
Alexej: Es muss verstanden werden, dass Russland keinen Krieg führt. Russland führt eine militärische Spezialoperation durch. Das Ziel dieser Operation sind terroristische Gruppierungen, die eine Bedrohung für die Existenz der Russischen Föderation darstellen. Wenn Russland zuschlägt, dann nur gegen militärische Ziele, Lagerhäuser, Hauptquartiere und andere militärische Einrichtungen, Flughäfen. Wenn es ein Krieg im klassischen Sinne des Wortes wäre, würde Russland natürlich – wir haben diesen Ausdruck im Russischen – einfach alles in Asphalt wälzen – ihr wisst schon –, wie eine Walze, die einfach alles überrollt. Natürlich kann sich Russland so nicht verhalten, denn es weiß, dass es sich nicht im Krieg mit dem Feind befindet, sondern dass es Menschen befreit, die heute unter ultranationalistischen Kräften leiden. Deshalb versucht Russland, Menschenleben zu schonen und seine Offensivoperationen mit Rücksicht auf die Zivilbevölkerung durchzuführen. Man kann also nicht sagen, dass es sich um Unentschlossenheit handelt. Es handelt sich einfach um eine Strategie, die darauf abzielt, Menschenleben zu bewahren. Russland hätte kein Problem damit, einfach alles mit Raketen zu bombardieren. Aber dann würde die russische Gesellschaft selbst nicht verstehen, wozu das getan wird. Sie würde sich fragen „Befreien wir also, oder verursachen wir im Gegenteil Zerstörung?“ Krieg bedeutet natürlich immer Zerstörung. Aber am Beispiel der Volksrepublik Lugansk kann ich sagen, dass ich in den Gebieten, die im Rahmen einer speziellen Militäroperation befreit wurden, viele Siedlungen gesehen habe. Das sind die Siedlungen, die die ukrainischen Truppen als Schild, als Schutz benutzt haben. Sie sind intakt. Und dort, wo sie die zivile Infrastruktur als Festung, als Schießplatz nutzten, wo sie Schießplätze in den Wohnungen von Wohnhäusern einrichteten oder wie an einem bekannten Ort in der Stadt Severodonetsk. Sie benutzten den Torbogen eines großstöckigen Gebäudes, um ihren Panzer zu verstecken. Der Panzer kam heraus, feuerte einen Schuss ab und versteckte sich in dem Torbogen des Wohnhauses. Natürlich griff die russische Luftwaffe diesen Panzer an. Der Panzer explodierte, ein Teil des Hauses wurde natürlich auch beschädigt und brannte ab, denn die ukrainischen Streitkräfte nutzen zivile Infrastruktur für militärische Zwecke. Das ist natürlich schlecht. Es führt zu Opfern, aber es ist nicht die Schuld Russlands, es ist die Schuld der ukrainischen Führung, die den Befehl gibt, jedes Haus, jedes Wohngebäude, jedes Krankenhaus, jede Schule zu halten.
KO:Bist du schon mal auf das Argument gestoßen, dass die Entnazifizierung und Entmilitarisierung nur ein Vorwand für die Militärische Spezialoperation sei und dass Russland in Wirklichkeit nur seine imperialistische Agenda in der Ukraine verfolgt? Und was ist deine übliche Antwort darauf, wenn du bereits mit so etwas konfrontiert wurdest?
Alexej: Ja, so ein Argument ist mir schon mehr als einmal begegnet. Aber eine solche Frage wird meist von Leuten gestellt, die den politischen Gesamtzusammenhang nicht verstanden haben. Das heißt, der Kontext, in dem sich die militärische Spezialoperation abspielt. Ich werde etwas weiter ausholen und diese Frage mit einer anderen Frage verknüpfen, die ebenso gestellt wird. Üblicherweise werden die USA und Russland gleichgesetzt. Es wird gesagt, dass es sich um zwei imperialistische Länder handelt und die Ukraine für sie ein Austragungsort ist. In Wirklichkeit ist sie es nicht. Diejenigen, die das sagen, verstehen nicht, was Imperialismus im Allgemeinen ist. Der Imperialismus ein Stadium in der kapitalistischen Entwicklung der Gesellschaft. Seit dem wir nach dem Zweiten Weltkrieg eine vereinheitlichte und globale Wirtschaft haben, ist dieses Stadium gewissermaßen allgegenwärtig. Diese globale Wirtschaft hat ein Zentrum und dann gibt es noch wirtschaftliche Subsysteme. Das Zentrum liegt in den Vereinigten Staaten. Nicht weil das die russische Propaganda sagt, oder aus irgendeinem anderen Grund, sondern weil die USA die Emission der wichtigsten Weltwährung, des Dollars, kontrollieren. Nicht Russland kontrolliert es, sondern die Vereinigten Staaten. Und die wichtigsten Zentren der Kapitalakkumulation befinden sich in den Vereinigten Staaten. Das heißt, wenn wir zum Beispiel den berühmten Black-Rock-Investmentfonds nehmen, dann sehen wir, dass die Höhe seines Kapitals den Haushalt vieler Länder übersteigt. Und das ist nur einer von vielen Investmentfonds in den Vereinigten Staaten. Das ist der Ort für die Akkumulation der Kapitale. Und deshalb liegt das Zentrum dieses einen globalen imperialistischen Systems in den Vereinigten Staaten. Die wirtschaftlichen Subsysteme haben keine klaren Grenzen, sie sind miteinander verflochten. Sie sind quasi Pole, von denen aus sich eine riesige Anzahl von Wirtschaftsketten ausbreitet. Das sind verschiedene Produktionslogistikstränge, Logistikrouten, Steuerstränge (also die Steuererhebung, wo sie erhoben, woher sie kommt, wo sie akkumuliert wird). Es gibt einen bestimmten Pol, an dem eine große Anzahl dieser Wirtschafts- und Produktionsketten verläuft. Es gibt eine ganze Reihe solcher Subsysteme auf der Welt. Dazu gehören das europäische Wirtschaftsubsystem, das mexikanisch-karibische, das postsowjetische Wirtschaftssubsystem, das asiatisch-pazifische Wirtschaftssubsystem, das nordafrikanische und südafrikanische. Es gibt also einige Pole. Seit Anfang des Jahrtausends, haben die Angriffe auf eines dieser Subsysteme begonnen. Welches? Gemeint ist das postsowjetische Subsystem. Das postsowjetische Subsystem umfasst traditionell die ehemaligen Republiken, die Teil der Sowjetunion waren. Denn seit vielen Jahrzehnten werden Wirtschaftsketten zwischen Unternehmen in Russland und Unternehmen in der Ukraine oder Kasachstan, Aserbaidschan, Armenien, Moldawien und so weiter aufgebaut. Dafür gibt es ein gutes Beispiel, nämlich das Turboatom-Werk in Charkiw. Dieses Werk stellte früher Turbinen für Kraftwerke her. Sobald jedoch die Maidan-Putsch-Regierung an die Macht kam, wurde die gesamte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Turboatom und der Russischen Föderation eingestellt oder auf ein sehr geringes Maß reduziert. Dies hatte Auswirkungen auf die gesamte Industrie, die in diesem System existiert. Aus der Sicht der Global Player war das jedoch von Vorteil. Wenn Rosatom eine Zeit lang keine Unternehmen, z.B. Kraftwerke bauen kann, wer ist dann der Nutznießer dieses Stillstands der Industrie? Auf amerikanischer Seite ist der Konkurrent von Rosatom Westinghouse – ein berühmtes Unternehmen, aber es gibt auch andere Konkurrenten aus Frankreich und anderen Ländern. Wenn wir uns die Situation vorstellen, was passieren würde, wenn die russische Gazprom ihre Tätigkeit für einige Zeit einstellen würde, dann würden die US-Schiefergaswerke, also die Unternehmen, die Schiefergas fördern, natürlich fabelhafte Gewinne erzielen. Es ist also klar, wer der Nutznießer ist. Seit Beginn des Jahrtausends gab es Angriffe aus verschiedenen Subsystemen, insbesondere aus dem europäischen und dem imperialistischen Zentrum gegen das postsowjetische System. Worin hat sich das geäußert? Im Machtwechsel in den Republiken, der schließlich zu einem Bruch der wirtschaftlichen Beziehungen führen sollte. Die erste war die Farbrevolution in Georgien 2003, dann 2004 der erste Maidan in der Ukraine. 2005 ein Putsch in Kirgisistan, 2009/10 ein Putsch in Moldawien. 2014 war der zweite Maidan in der Ukraine. 2018 ist der Putsch in Armenien geschehen, der Paschinjan an die Macht brachte, einen Protegé der imperialistischen Strukturen. 2020 gibt es einen Putschversuch in Weißrussland, der jedoch scheiterte. Wir müssen diese Prozesse als Glieder einer großen Kette betrachten. Das Zentrum und das europäische wirtschaftliche Subsystem versuchen, einen Konkurrenten in Form des postsowjetischen wirtschaftlichen Teilsystems auszuschalten. Und was wir heute in der Ukraine erleben, ist nicht ein Einfall Russlands und des postsowjetischen wirtschaftlichen Subsystems, der dort einen offensiven Kampf für seine Interessen führt. Im Gegenteil, es ist die Verteidigung dieses Zentrums, dieses Systems, dessen Vertreter natürlich Russland ist. Es handelt sich um ein Versuch, sich gegen diese Vorstöße der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zu wehren. Diese Vorstöße haben, wie ich bereits gesagt habe, einen wirtschaftlichen Hintergrund. Denjenigen, die sagen, dass es um zwei gleichwertige Imperialismen handelt, möchte ich sagen: Nein! Erstens handelt es sich nicht um das Gleiche, das eine ist ein Zentrum, und das andere ist ein Subsystem. Hier gibt es keine Gleichheit. Und warum hat die militärische Spezialoperation begonnen? Weil eben dieses Zentrum versucht hat, mit Hilfe der Ukraine und des ukrainischen Volks als Rammbock benutzend, das postsowjetische wirtschaftliche Subsystem anzugreifen. Heute hat sich eine interessante Situation ergeben, in der die Interessen der russischen Elite, die Interessen der russischen Arbeiterklasse und die Interessen der ukrainischen Arbeiterklasse zusammenfallen. Es ist klar, dass dies nicht für immer der Fall sein wird, aber heute ist es so. Und alle diese drei Akteure, die an diesem Prozess beteiligt sind, haben ein Interesse daran, dass die ukrainische Regierung – die im Wesentlichen ein Stellvertreter des US-Marionettenregimes ist – zerstört wird. Und ich möchte noch einmal betonen, dass Russland auf offizieller Ebene und auf der Ebene des Verständnisses eines einfachen Soldaten keinen Krieg gegen die Ukraine führt, sondern gegen das ukrainische Regime, unter dem unter anderem das ukrainische Volk leidet. Es ist sehr wichtig, dies zu verstehen. Es gibt keinen Konflikt, sagen wir mal, zwischen zwei Nationen. Es handelt sich um einen Konflikt mit einem konkreten Neonazi-Regime, und deshalb handelt es sich um keine Redewendung oder einen Vorwand, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu fördern. Nein, es ist wirklich ein Ziel, dieses aggressive und ziemlich gefährliche ukrainische Neonazi-Regime zu stürzen.
Ich möchte noch ein weiteres Argument anführen, das dafür spricht, dass Russland mit dieser speziellen Militäroperation nicht seine wirtschaftlichen Interessen verfolgt. Es hat mit der Tatsache zu tun, dass man in offenen Quellen nachlesen kann, wie viel die russischen Oligarchen während der militärischen Sonderoperation verloren haben. Sie haben nicht dazugewonnen, sie haben verloren. Das zeigt, dass der Zweck dieser speziellen Militäroperation nicht war, dass Russland etwas bekommen wollte. Nein, im Gegenteil, es führt nur zu wirtschaftlichen Verlusten. Dieser Krieg ist für niemanden von Vorteil. Jeder würde ihn gerne beenden, aber er kann nur so beendet werden, dass er sich nicht wiederholen wird. Wenn er jetzt beendet wird, würde das bedeuten, dass die imperialistischen Staaten – die USA und die US-Satelliten – wieder Waffen in die Ukraine pumpen, die Kampfkraft der Ukraine wiederherstellen und das Gleiche wird wieder passieren, aber unter schlechteren Bedingungen für uns. Das ist natürlich inakzeptabel. Daher sollten sich im Idealfall alle Kräfte, die den Krieg beenden wollen – alle Antikriegskräfte – zusammenschließen und sich dafür einsetzen, dass die Waffenlieferungen an das ukrainische Regime eingestellt werden, denn es gibt nur einen Weg, diesen Krieg zu beenden, nämlich der, dass es das Kiewer Regime verschwindet.
KO: In eurem Telegram-Kanal veröffentlicht ihr manchmal verschiedene Artikel, in denen darüber gesprochen wird, dass es in Russland unterschiedliche Interessen in Bezug auf den Krieg gibt. Einige sind dafür, andere sind dagegen. Könntest du uns etwas mehr darüber erzählen? Warum gibt es diese unterschiedlichen Interessen und wie äußern sie sich?
Alexej: Ich denke, dass alles vom konkreten Fall abhängt, aber alle haben einen wirtschaftlichen Hintergrund. Dementsprechend werden die Geschäftsleute, die zum Beispiel mit europäischen oder US-amerikanischen Unternehmen gemeinsame Sache gemacht haben, und diejenigen, die durch den Beginn einer militärischen Sonderoperation aufgrund von Sanktionen oder aus anderen Gründen Gewinneinbußen erleiden, natürlich gegen die militärische Sonderoperation sein. Aber wenn wir diesen Prozess vom Standpunkt des Staates und der staatlichen Interessen aus betrachten und nicht von den Interessen einiger Privatpersonen, privater Geschäftsleute, dann war die spezielle Militäroperation notwendig, weil Zelensky anfing, Erklärungen abzugeben, dass sie sich aus dem Abkommen über die Nichtverbreitung von Atomwaffen zurückziehen würden. So haben die ukrainischen Behörden offiziell eine Doktrin zur Rückeroberung der Krim mit militärischen Mitteln verabschiedet. Dies ist nicht nur eine Erklärung eines einzelnen Politikers. Es handelt sich um ein offizielles staatliches Dokument, in dem es heißt: „Wir werden die Russische Föderation angreifen, insbesondere die Krim, und sie mit militärischen Mitteln zurücknehmen.“ Natürlich konnte die Russische Föderation nicht lange die Augen vor den Geschehnissen verschließen. Und als die ukrainische Seite anfing, riesige Kräfte anzuhäufen und eine 100.000 Mann starke Gruppierung im Donbass zu bilden, wurde die Entscheidung getroffen, eine spezielle Militäroperation durchzuführen, denn andernfalls würde diese 100.000 Mann starke Gruppierung den Donbass anzugreifen. Uns liegen sogar die Pläne der Kommandeure der ukrainischen Streitkräfte vor, die sie von ihrer Führung erhalten haben. Sie bereiteten sich auf die gewaltsame Rückeroberung des Donbass vor und seine Unterstellung unter Kiews Kontrolle. Dies ist ein grober Verstoß gegen die Minsker Vereinbarungen. Zu den Minsker Vereinbarungen ist übrigens zu sagen, dass die ukrainische Seite sie völlig ignoriert hat. Heute hören wir von Politikern wie Angela Merkel oder François Hollande, dass sie sich nur für diese Vereinbarungen eingesetzt haben, damit die Ukraine besser auf einen künftigen bewaffneten Konflikt mit Russland vorbereitet ist. Dies deutet darauf hin, dass die ukrainische Seite von Anfang an nicht vorhatte, die Minsker Vereinbarungen einzuhalten.
Ich möchte hier einen Vergleich machen, der vielleicht nicht ganz zutreffend ist, aber trotzdem drängt er sich auf. Stellen Sie sich vor, das Dritte Reich hätte 1941 die Sowjetunion noch nicht angegriffen und die Rote Armee wäre als erste auf die Wehrmacht losgegangen. Riesige Verluste wären vermieden worden. Der Krieg hätte trotzdem stattgefunden, aber riesige Verluste von Territorien und Soldaten wären vermieden worden. Es ist also durchaus möglich, dass Russland nach einer solch tragischen Erfahrung in seiner Geschichte beschlossen hat, nicht zu warten und proaktiv zu handeln. Wie der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin zu sagen pflegt: „Wenn ein Kampf unvermeidlich ist, sollte man zuerst zuschlagen.“ Ich gehe davon aus, dass sich die russische Führung bei der absichtlichen Einleitung der Militäroperation an diesen Grundsatz gehalten hat.
KO: Genau diese Einschätzung ist Teil der Auseinandersetzungen in der Internationalen Kommunistischen Bewegung. Stimmst du der Aussage zu, dass Russlands Außenpolitik derzeit den Völkern hilft, die der Westen unterdrückt? Und was sagst du zu der Losung, die z.B. in der gemeinsamen Erklärung der kommunistischen und Arbeiterparteien im Februar 2022 – Joint Statement – zum Ausdruck kam. Dort hieß es, dass die Arbeiterklasse der Ukraine und Russlands gegen diesen imperialistischen Krieg kämpfen sollte. Und gibt es irgendwelche Veränderungen in der Debatte über strategische und taktische Fragen in der ukrainischen kommunistischen Bewegung, wenn wir sie mit 2014 oder dem Vorjahr vergleichen.
Alexej: Die russische Außenpolitik hat sich in den letzten Jahren verändert, weil Russland daran interessiert ist Verbündete in anderen Teilen der Welt zu haben. Russland sieht, wie zuvor die Sowjetunion, dass das imperialistische Zentrum eine neokolonialistische Politik verfolgt, indem es sich die natürlichen Ressourcen, die finanziellen Ressourcen, die menschlichen und intellektuellen Ressourcen verschiedener Länder zunutze macht. Und natürlich ist diese kolonialistische Politik für viele, insbesondere für Russland, inakzeptabel. Es ist also ganz logisch, dass sich viele Staaten, die unter dieser Politik des Imperialismus leiden, zusammenschließen könnten, und Russland unternimmt, wie wir gesehen haben, einige Anstrengungen, dies zu tun. Ich habe den Eindruck, dass sich dieser Prozess nur verstärken wird. Und die Integration zwischen solchen Staaten wird auch intensiver werden. Ich für meinen Teil kann diesen Prozess nur begrüßen, denn er wird auch zu gewissen Transformationen in der russischen Gesellschaft führen: Wenn wir heute schon sehen, dass die neoliberalen Eliten in Russland, die für den Erhalt des Einflusses der USA und Brüssels innerhalb Russlands eintreten, dort immer schwächer werden, dann kann man sich über diesen Prozess nur freuen. Ich bin wirklich froh, dass das jetzt geschieht. Wir haben seit den frühen 90er Jahren darauf gewartet. Die Sowjetunion ist zusammengebrochen, und es schien, als sei alles vorbei, dass die liberalen Ideen triumphieren, aber dann schlug das Pendel in die andere Richtung aus. Der Idee nach, wird es sich irgendwo in der Mitte einpendeln. Und ich kann eine solche Politik der russischen Behörden nur begrüßen.
Zum Joint Statement: Auch hier gibt es einen gewissen Konflikt. Die Kommunistische Partei Griechenlands hat sich – das ist meine persönliche Meinung – auf die Seite des Imperialismus geschlagen, weil sie die Idee der gleichen Verantwortung für das, was zwischen Russland und den Vereinigten Staaten geschieht, vertritt. Sie ignoriert diese Realität, die ich vorhin beschrieben habe, dass es ein imperialistisches Zentrum gibt und das es imperialistische Interessen dieses Zentrums in dieser Region gibt. Und es ist in der Tat Russland, das sich gegen diese Aggression verteidigt. Die Kommunistische Partei Griechenlands hingegen setzt es gleich und ist nicht bereit, diese Tatsachen zu berücksichtigen. Dies führt eine große Zahl von Kommunisten in die Irre, die der Kommunistischen Partei Griechenlands Glauben schenken. Allerdings würde ich die Kommunistische Partei Griechenlands nicht vorschnell als Feind abschreiben, denn die Menschen die dort organisiert sind, sind sehr unterschiedlich. Und wir haben gesehen wie viele KKE-Aktivisten sich an der Blockade von Eisenbahnlinien beteiligt haben, als militärische Ausrüstung in die Ukraine geliefert wurde. Das heißt, die Menschen wollen ernsthaft verhindern, dass dieser Konflikt eskaliert. Sie versuchen mit allen Mitteln, ihn zu stoppen, wo immer sie können. Als Bewohner des Donbass sind wir sehr dankbar für diese Haltung, dass die Menschen in Griechenland, in Italien und in anderen Ländern, die sich aktiv gegen Waffenlieferungen wehren, dies offen und regelmäßig tun und Mut beweisen. Denn wir verstehen, dass es bedeutet, dass weniger Menschen hier sterben werden. Die Kommunistische Partei Griechenlands hat meiner Meinung nach jedoch trotzdem die falsche Position eingenommen. Zu dem Aufruf, dass die Arbeiterklasse in der Ukraine und in Russland gemeinsam für den Frieden kämpfen soll: natürlich unterstütze ich das mit aller Kraft. Aber wir wissen, dass Frieden mit Faschisten unmöglich ist, und Faschisten werden immer noch versuchen, uns zu vernichten. Wenn wir also heute mit den Satelliten, die von den USA unterstützt werden, Frieden schließen, werden die ukrainischen Faschisten nur noch stärker werden, und derselbe Konflikt wird mit neuer Kraft wieder ausbrechen. Wie ich bereits sagte, kann dieser Konflikt nur auf eine Weise beendet werden, nämlich durch die Absetzung der ukrainischen Regierung und damit der Ersetzung durch politische Kräfte, die nicht völlig von den Vereinigten Staaten abhängig sind. Ich bin nämlich überzeugt, dass Zelensky auf Betreiben der Vereinigten Staaten von Amerika diese Position eingenommen hat, die auf eine Eskalation des Krieges abzielte. Sobald es in der Ukraine solche vernünftigen Kräfte in der Politik gibt, denke ich, dass es sofort Frieden geben wird.
KO:Alexej, könnest du noch etwas darüber erzählen, was eure Organisation derzeit tut? Wie seid ihr organisiert?
Alexej: Leider befindet sich unsere Organisation derzeit in einer sehr schweren Krise. Diese Krise hängt mit der Tatsache zusammen, dass wir in der Ukraine nicht politisch aktiv sein können. Wir können keine Massenveranstaltungen, keine Kundgebung oder Demonstration abhalten. Wir können keinen runden Tisch abhalten, wir können nicht offen über die Probleme sprechen, die es in der ukrainischen Gesellschaft heute gibt, denn es würde sofort zu Verhaftungen kommen. Aus diesem Grund konzentriert sich unsere Arbeit auf die Formen, die uns heute zur Verfügung stehen. Das ist die Informationsarbeit, das ist die internationale Arbeit. Dazu gehört, dass wir heute mit euch kommunizieren, und versuchen, unsere Position an unsere Genossen in anderen Ländern heranzutragen, damit sie wissen, was passiert. Wir organisieren Unterstützung der politischen Gefangenen, die wir haben. Diese Tätigkeit ist jedoch recht schwierig, denn heutzutage ist selbst die Überweisung von Geld an die Familien, die unter den ukrainischen Behörden zu leiden haben, recht schwierig. Dies ist der erste Teil der Krise unserer Organisation – die Unfähigkeit, vollwertige politische Tätigkeit auszuüben. Der zweite Teil unserer internen Krise hat mit der Tatsache zu tun, dass wir seit langem nicht mehr in der Lage sind, eine Hauptversammlung für unsere Aktivisten abzuhalten. Denn die Leute, die sich auf dem Territorium der Ukraine befinden, können nicht in den Donbass oder nach Russland kommen, um beispielsweise an einem Kongress teilzunehmen, um unsere internen Organe, den Rat unserer Organisation, neu zu wählen. Aus dem gleichen Grund können wir nicht in die Ukraine kommen, weil wir sofort verhaftet werden. Dementsprechend ist es schwierig, eine Generalversammlung/Kongress abzuhalten und einige grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Daher läuft die gesamte Tätigkeit der Organisation auf die Tätigkeit einzelner Aktivisten in verschiedenen Bereichen hinaus. Das heißt, jemand kämpft mit einer Waffe in der Hand. Unser Genosse, einer der Gründer von Borotba, Evgeny Galushkin, ist im vergangenen August gestorben. Er kämpfte aktiv in Mariupol und wurde von einem Scharfschützen an der Schulter verwundet. Nach seiner Genesung war er wieder im Einsatz, dann erlitt er eine Gehirnerschütterung. An den Folgen der Gehirnerschütterung erkrankte er nach einiger Zeit, und es gab niemanden, der ihm damals helfen konnte, sodass er starb. Er starb also nicht im Kampf, sondern an den Folgen der Kämpfe. Unsere anderen Genossen kämpfen noch. Galyshkin kämpfte in der DNR als Mitglied des neunten Marineregiments der Donezker Volksrepublik. Unsere Kameraden kämpfen auch in der Vierten Brigade der Volksrepublik Lugansk. Wir sehen uns regelmäßig, kommunizieren miteinander. Aber hier können wir keine offiziellen Veranstaltungen abhalten. Also ja, heute befindet sich Borotba in einer gewissen Krise.
KO: Es ist sehr traurig zu hören, dass es Verluste unter unseren Genossen gibt. Von Zeit zu Zeit verfolgen und beobachten wir die Ereignisse. Und wir lesen, was über unsere Genossen geschrieben wird.
Wir kommen nun zu der letzten Frage. Aber zunächst ein kurzes Vorwort. Wir, als Kommunisten in Deutschland befinden uns in einem Land, das Krieg gegen Russland führt. Zumindest denken wir so darüber. In der Antikriegsbewegung in Deutschland gibt es eine Debatte darüber, ob der russische Angriff (so wird das hier genannt) zu verurteilen ist oder nicht. Die Gewerkschaften stellen sich auf die Seite der Regierung und verurteilen den Krieg einseitig. Das bedeutet, dass nur Russland verurteilt wird, hingegen die NATO-Seite unterstützt bzw. mit Verständnis behandelt wird. Gleichzeitig unterstützen sie die sich verschlechternden Bedingungen für die Arbeiterklasse in Deutschland. Was möchtest du als den deutschen Kommunisten sagen/mitteilen?
Alexej: Ich möchte mich bei den deutschen Kommunisten – die den Krieg wirklich beenden wollen – für ihre Unterstützung, für diese Position, für ihre Solidarität herzlich bedanken. Und denjenigen Kommunisten, die heute unter den Einfluss des imperialistischen Zentrums und ihrer Soft Power, verschiedener Stiftungen, NGOs, verschiedener Organisationen geraten sind, möchte ich wünschen, dass sie bald die Führung ihrer Organisationen analysieren und eine politische Entscheidung treffen, dass es so nicht weitergehen kann, wenn sie echte Kommunisten sind. Und gleichzeitig möchte ich an alle Genossinnen und Genossen appellieren, die wirklich wollen, dass dieser Konflikt aufhört. Wir können das gemeinsam erreichen, wenn wir Druck auf die Führungen der europäischen Staaten ausüben, auf Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien und andere Länder, die beschließen, Waffen in die Ukraine zu schicken. Denn je mehr Waffen hierher kommen, desto länger wird dieser Konflikt dauern, desto mehr Blut wird vergossen werden. Man kann diesen Konflikt nicht mit neuen Waffen beenden. Er kann nur beendet werden, wenn diese Lieferungen aufhören. Deshalb möchte ich um Hilfe bitten, um solidarische Unterstützung, um die Kommunisten, die heute in Deutschland sind. Man muss aktiv diese Position vertreten, dass wir das ukrainischen Neonazi-Regime nicht unterstützen können. Ich denke, dass jeder Konflikt irgendwann endet. Wir können daran arbeiten ihn schneller zu beenden, so dass weniger Menschenleben verloren gehen. Ich denke, alles wird gut!
KO: Vielen Dank! Bei uns ist dein Appell angekommen, und ich hoffe, dass er auch bei anderen ankommt.
Du hattest uns noch nach unserem Kongress gefragt, der vom 06-08. Oktober in Berlin stattfinden wird. In Berlin werden wir die Themen, über die wir heute gesprochen haben, mit anderen Kommunisten aus verschiedenen Organisationen aus der ganzen Welt diskutieren. Wir wollen darüber sprechen, was wir im imperialistischen Zentrum tun müssen, um die Kriege zu stoppen, die die NATO-Mächte, insbesondere die USA und Deutschland, führen. Alle Informationen über den Kongress findet ihr auf unserer Website kommunistische-organisation.de das ist die korrekte Website der kommunistischen Organisation. Wir werden unser Programm bald veröffentlichen, und ihr könnt natürlich daran teilnehmen. Nochmals herzlichen Dank und einen schönen Tag!
Wir haben unsere Website umgestellt und aktualisiert.
In diesem Zuge haben wir auch alle alten Podcasts und Veranstaltungsaufzeichnung erneut auf unseren YouTube Kanal und auf unserem neuen Spotify Account hochgeladen. Das ist von besonderer Bedeutung, da die Abspaltung von der KO damit begonnen hat, ihnen unliebsame Veröffentlichungen zu löschen. Das betrifft die Podcasts mit Richard Corell (#24), Renate Koppe (#25) und Hans Bauer (#19) von der DKP, einen Podcast mit Yana von der KPD (#18) und einen Vortrag mit Alberto Fazolo über die Volksrepubliken (#20). Entfernt wurden außerdem Aufzeichnungen vom Kommunismus Kongress 2022 von Vijay Prashad, Ben Becker (PSL), Yana (KPD), Renate Koppe (DKP) und das Gespräch mit der Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei (RKAP).
In peinlich plumper Art und Weise wird das Klärungsinteresse der Spaltungsorganisation von ihnen selbst blamiert. Sie bringen ihre Distanziertheit zu wichtigen Teilen und Akteuren der kommunistischen Bewegung zum Ausdruck. Bezeichnend ist, dass dabei insbesondere Auseinandersetzungen mit der Entwicklung und dem Kampf der Volksrepubliken gegen die Kiewer Putsch-Regierung gelöscht wurden, ebenso wie Debattenbeiträge, die sich für eine antiimperialistische Perspektive im Kampf gegen die NATO starkmachen und dabei die Bedeutung nationaler Befreiung thematisieren.
Ihr könnt alle Vorträge und Podcasts, die wichtige Beiträge zur internationalen Debatte sind, bei uns nachhören. Alle künftigen Podcasts gibt’s nun außerdem auch wieder auf Spotify.
Relaunch of the website and re-upload of old podcasts and recordings
We have relaunched and updated our website.
In the process, we also re-uploaded all of our old podcasts and event recordings to our YouTube channel and to our new Spotify account. This is of particular importance as the split from KO has begun deleting releases they don’t like. This affects the podcasts with Richard Corell (#24), Renate Koppe (#25) and Hans Bauer (#19) from the DKP, a podcast with Yana from the KPD (#18) and a talk with Alberto Fazolo about the People’s Republics (#20). Also removed were recordings from the Communism Congress 2022 by Vijay Prashad, Ben Becker (PSL), Yana (KPD), Renate Koppe (DKP), and the talk with the Russian Communist Workers Party (RCWP).
In an embarrassingly clumsy manner, the interest in clarification of the splitting organization is disgraced by themselves. They express their distancing from important parts and players of the communist movement. It is significant that in this context especially disputes with the development and the struggle of the People’s Republics against the Kiev coup government were deleted, as well as debate contributions that advocate an anti-imperialist perspective in the struggle against NATO and thereby address the importance of national liberation.
You can listen to all the talks and podcasts that are important contributions to the international debate at our site. All future podcasts are also now back on Spotify and other platforms.
Im Januar 2023 hatte sich ein Teil von der KO abgespalten. Gegenstand der Auseinandersetzung war unter anderem die Klärung der Kriegs- und Imperialismusfrage und wie sie umgesetzt werden soll. Wir haben beschlossen, weiter an der Beantwortung der Fragen unserer vierten Vollversammlung zu arbeiten, weil wir sie weiterhin für sehr wichtig halten und denken, dass sie Teil der Auseinandersetzung in der Internationalen Kommunistischen Bewegung sind und von großem Interesse für die Arbeiterbewegung insgesamt. Dabei handelt es sich um folgende Fragen:
„Wie ist der Militäreinsatz bzw. der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine, der am 24.02.22 begonnen wurde, einzuschätzen? Ist er ein imperialistischer Angriff? Ist der Krieg imperialistisch, weil Russland ein imperialistisches Land ist? Ist der Krieg eine Verteidigungsmaßnahme?“ (Zitat aus Beschluss)
Spätestens nach dem Kommunismus-Kongress im September 2022 war klar, dass es große inhaltliche Differenzen in der Organisation gab. Wir hatten beschlossen, den Dissens in der Organisation systematisch zu erfassen und in einem organisierten, kollektiven und wissenschaftlichen Prozess zu bearbeiten. Jeder Genosse verfasste darauf einen schriftlichen Aufschlag, in dem die Fragen zur Einschätzung des Kriegs als erster Schritt von jedem selbst beantwortet werden sollten. Unterbrochen wurde diese Arbeit von dem zersetzenden Fraktionierungsprozess der Spalter, in dem ein Teil der Organisation der gemeinsamen Klärung eine Absage erteilte.
In der Auswertung dieser Aufschläge wurden in der Organisation nun zentrale Argumentationen identifiziert, die sich allesamt an der Frage der Verteidigung und in diesem Zusammenhang am Charakter des Krieges scheiden. Diese inhaltliche Spaltung spiegelt die Spaltung in der internationalen Kommunistischen Bewegung wider und war daher kein Zufall, auch weil wir uns in den Monaten zuvor intensiv mit den verschiedenen Positionen und Analysen befasst hatten.
Welche Argumentationen stehen sich gegenüber?
Unter den Argumentationen, die die Militäroperation (MOP) als Verteidigungsmaßnahme Russlands einschätzen gibt es folgende zentrale und im folgenden vereinfachte Argumentationsstränge:
a) Die MOP sei eine Verteidigung Russlands gegen die NATO-Aggression. Es wird davon ausgegangen, dass die Ruinierung Russlands, ggf. sogar die territoriale Zerstückelung das lang angelegte Ziel der NATO sei. Zu diesem Ziel wurde die Ukraine spätetens seit dem faschistischen Putsch 2014 als Rammbock aufgebaut. Es wird auch teilweise davon ausgegangen, dass ein unmittelbarer Angriff seitens der Ukraine auf die Volksrepubliken im Frühjahr 2022 mit Unterstützung der NATO kurz bevor stand. Dieser stand im Zusammenhang mit militärischen Plänen zur Rückeroberung der Krim und Manövern im Schwarzen Meer, die eine weitere Eskalation bewirkt hätten. Der eigentliche Kriegsbeginn sei die ukrainische Intervention in der Ostukraine 2014. Die MOP hat also den Charakter einer Offensiv-Verteidigung.
b) Zwischenimperialistischer Krieg zwischen den USA und der BRD/EU, der auf Kosten Russlands (und der Ukraine) ausgetragen werde, so lautet die Diagnose eines zweiten Argumentationsstrangs. Im Kern geht es hier um die These, dass den USA die wirtschaftliche Zusammenarbeit insbesondere zwischen Deutschland und Russland lange ein Dorn im Auge gewesen sei, der deutsche Imperialismus insgesamt aber auch in seine Schranken gewiesen werden solle. Durch den Krieg in der Ukraine (und nicht zuletzt mit der Sprengung von NordStream) werde das wirtschaftliche Verhältnis zwischen den Ländern stark beschädigt. Außerdem sei Deutschland militärisch gebunden und werde an seinen untergeordneten Platz in der NATO verwiesen. Es ist klar, dass dieser Argumentationsstrang nicht der Argumentation von a) widerspricht.
Die Argumentationen, die sich gegen die Verteidigungsthese wenden, sind im folgenden ebenfalls kurz dargestellt. Es sind Argumentationen, die vor allem von denjenigen vertreten wurden, die sich Ende letzten Jahres von der KO abgespalten haben. Der Vollständigkeit halber und weil sie Gegenstand der Klärung sind, werden sie dennoch hier dargestellt:
a) Imperialistische „Verteidigung“ Russlands. In diesem Strang wird zwar von einer NATO-Aggression ausgegangen, jedoch sei diese Frage unerheblich, da der grundlegende Charakter des Krieges imperialistisch sei. Im Imperialismus, dem monopolkapitalistischen Stadium des Imperialismus, sei das Wesensmerkmal aller Kriege der Kampf um die Neuaufteilung der Welt. Wer dabei aus einer stärkeren Position heraus agiere, sei für die grundsätzliche Einschätzung des Wesens eines Krieges nicht bestimmend. In allen Kriegen gehe es um imperialistische Einflussnahme auf wirtschaftlichem, geostrategischem und militärischem Gebiet. Eine Unterscheidung in Verteidigung oder Aggression entspräche der Logik kapitalistischer/imperialistischer Staaten, und nicht der Logik der Arbeiterklasse (siehe auch „Zwischenimperialistischer Krieg“).
b) Bei der MOP handele es sich um einen imperialistischen Angriff seitens Russlands zur Erweiterung seines Einflusses in der Ukraine, oder gar zur Unterwerfung der Ukraine. Der Ausbau insbesondere des wirtschaftlichen Zugriffs auf die Ukraine sei das Ziel des Krieges. So wolle sich der russische Imperialismus gegen seine westlichen Konkurrenten stärken.
c) Der Ukraine-Krieg sei ein zwischenimperialistischer Krieg zwischen der US-geführten NATO und der aufstrebenden imperialistischen Macht Russland. In einem imperialistischen Krieg sei die Frage, wer angefangen habe, nicht relevant für die Arbeiterklasse und die Kommunisten. Die Prämisse lautet hier, dass imperialistische Länder ausschließlich imperialistische Kriege führen können.
Argumentation a), b) und c) fußen allesamt auf der Annahme, dass Russland ein imperialistischer Staat sei. Dies wird mit der Vorannahme begründet, dass sichim entwickelten monopolistischen Stadium des Kapitalismus in fast allen Staaten Monopolkapital und eine Monopolbourgeoisie entwickelt habe. Die Unterschiede zwischen den Ländern seien deswegen nur noch quantitativer Natur. Russland bewege sich sogar unter den stärksten imperialistischen Ländern. Die These, dass nur eine Handvoll imperialistischer Staaten die Welt beherrsche, sei überholt.
d) Eine dritte Variante der „Keine Verteidigungsmaßnahme“-These geht davon aus, dass Russland zwar kein imperialistischer Staat, aber eine starke Regionalmacht sei. Das Kriegsziel Russlands sei dennoch die territoriale Expansion.
Die Auseinandersetzungen um diese Fragen sind nicht akademischer Natur. Es sind die zentralen Fragen, die momentan in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung für Spaltung sorgen. Es sind die Fragen, deren Vermeidung zur Lähmung oder gar kompletten Auflösung der Friedensbewegung führen können. Eine klare Analyse von dem Charakter des Krieges zu erarbeiten und in die Friedensbewegung und an die Arbeiterklasse zu tragen, ist die Aufgabe von Kommunisten heute.
An der Einschätzung des Krieges hängt untrennbar die Frage nach der Taktik und den Kampflosungen der Arbeiterklasse. Klar ist zwar, dass keine Analyse „automatisch“ zu einer bestimmten Taktik- oder gar Strategiebestimmung führt. Dennoch macht es für die Arbeiterklasse einen Unterschied, ob die nationale Souveränität ihres Landes akut bedroht ist oder „ihre“ Bourgeoisie einen aggressiven Eroberungskrieg vom Zaun gebrochen hat. Die Arbeiterbewegung muss in jedem Fall alle Zusammenhänge, alle Verhältnisse und Widersprüche, alle relevanten Daten und Fakten kennen, damit sie richtig handeln kann. Dafür muss sie in einem Krieg die Frage beantworten können, ob es sich um eine Verteidigung handelt und ob darin gar progressives Potential im Kampf gegen den Imperialismus liegt.
Die Einschätzung des Krieges hängt auch an unserer Imperialismusanalyse. In der Diskussion in der KO haben wir festgestellt, dass unterschiedliche Interpretationen der leninschen Imperialismusanalyse verschiedene Schlussfolgerungen in Bezug auf den Krieg und insgesamt in Bezug auf den Charakter der internationalen Weltordnung nahelegen. Wie aber an den oben skizzierten Argumentationssträngen auch deutlich wurde, resultiert keine Analyse des imperialistischen Weltsystems automatisch in einer bestimmten Auffassung vom Krieg – auch wenn wir einen engen Zusammenhang zwischen beiden Fragenkomplexen festgestellt haben.
Es ist keine neue Feststellung, dass in weiten Teilen der kommunistischen Bewegung die Debatte um diese Fragen vermieden oder aber nur in einem heftigen Schlagabtausch geführt wird. Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass eine wissenschaftliche und faktenbasierte Auseinandersetzung mit den Entstehungshintergründen des Krieges ein notwendiger Beitrag zur Bildung einer Front gegen die NATO und die Kriegspolitik des deutschen Imperialismus ist und eine wichtige Voraussetzung zur Orientierung der Arbeiterbewegung international darstellt.
Inhaltliche Arbeitsgruppen
In der nun begonnenen Phase der Klärung werden diese Thesen und die vorgebrachten Argumente auf ihre Kohärenz geprüft und in 13 Vertiefungsgruppen bearbeitet.
Die Themen sind nicht willkürlich gewählt, sondern setzen insbesondere an den Punkten in den Argumentationssträngen an, an denen wir Lücken oder direkten Dissens identifiziert haben. Dies soll kurz am folgenden Beispiel der zentralen Argumentationslinie der NATO-Aggression veranschaulicht werden: Für diese Argumentation ist die Annahme eines unmittelbar bevorstehenden ukrainischen Angriffs auf die Volksrepubliken und in einem zweiten Schritt auf die Krim im Frühjahr 2022 durch direkte oder indirekte Beteiligung der NATO und/oder die Feststellung, dass mittelfristig die NATO einen offenen Krieg gegen die RF vorbereitet sehr zentral. So habe Russland den Krieg nicht gewollt und wurde von der NATO in diesen hinein gezwungen. Das angreifende Gegenargument gegen diese Annahme lautet: „Es stand gar kein Angriff der NATO bevor“. Hier stehen sich nun Aussage gegen Aussage gegenüber.
Wie soll nun an die Beantwortung dieser Frage herangegangen werden? Der Beantwortung der Frage nach der Forcierung des Krieges durch die NATO arbeiten nun mehreren Gruppen zu: Zum einen hat sich eine Gruppe gebildet, die sich die Indizien für einen geplanten ukrainischen Angriff im Frühjahr 2022 (beispielsweise das Dekret 117 der ukrainischen Regierung) und eine mögliche Unterstützung der NATO genauer anschaut. Eine zweite Gruppe wertet für einen größeren Zeitraum NATO-Strategien gegen Russland, Manöver und die Einbindung der Ukraine in der NATO aus und bringt diese in Zusammenhang mit der Frage nach der Kriegsgefahr. Auch andere Formen der nicht-militärischen Kriegsführung (Stichwort „Wirtschaftskrieg“) müssen mit einbezogen werden. Diese Gruppen sichten nun in einem ersten Schritt die Debatte, werten Quellen unterschiedlicher Art aus und prüfen auf dieser Grundlage die vorgebrachten Argumente.
Durch diesen Prozess der Identifzierung von zentralen Lücken oder gegeneinanderstehenden Argumenten und Annahmen haben wir Fragen erarbeitet, die in den folgenden thematisch gegliederten Gruppen bearbeitet werden sollen:
Charakter Russland * Die Entwicklung des russischen Kapitalismus * Die Rolle der nationalen russischen Bourgeoisie * Russlands internationale Rolle * Russische Kriegsführung
Ukraine * Ukrainischer Faschismus * Die Gefahr eines ukrainischen Angriffs vor dem 24. Februar
Der westliche Block * NATO-Strategien gegen Russland * Deutschlands Russland-Strategien * US-Strategien gegenüber Deutschland * Chinastrategien der USA im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg
Theoretische und historische Fundamente im Zusammenhang mit der Kriegs- und Imperialismusdiskussion * Die nationale Frage & der Kampf um Souveränität in der Geschichte der kommunistischen Bewegung * Lenins Imperialismusschrift im Spiegel der aktuellen Debatten
Die Gruppen erarbeiten in einem ersten Schritt den Dissens in der Bewegung, sichten den bestehenden Forschungsstand und entwickeln eine genauere Forschungsfrage, mit der dann weitergearbeitet wird. Alle Forschungsfragen der Gruppen werden bald veröffentlicht, ebenso wie laufende Kurzberichte über den Stand der Arbeit in den Gruppen. Die Ergebnisse der Gruppen werden wir im Sommer in Form von Thesen öffentlich vorstellen. Auf dem Zweiten Kommunismuskongress im Oktober 2023 wollen wir außerdem die Ergebnisse der Gruppen in Form von Kolloquien gemeinsam mit der Bewegung diskutieren und qualifizieren.
Mitmachen & auf dem Laufenden bleiben
Bereits jetzt ist es möglich, sich an der Klärung der Fragen zu beteiligen. Sei es, weil ihr relevante Literatur kennt, einen eigenen inhaltlichen Beitrag leisten wollt oder auch direkt in einer der Vertiefungsgruppen mitarbeiten wollt. Schreibt uns in jedem Fall einfach eine Mail mit eurem Anliegen: info@kommunistische-organisation.de
In der Zukunft wird es in diesem Bereich auf unserer Website mehr Infos zu den einzelnen Vertiefungsgruppen geben.
Am 27. April 1978 begann die sog. Saur-Revolution, die April-Revolution in Afghanistan. Sie war sowohl von der damaligen sowjetischen Führung als auch von der Leitung der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA) nicht geplant gewesen. Vielmehr handelte es sich bei dem an diesem Tag durchgeführten Militärputsch, mit dem die DVPA an die Macht kam, um eine Reaktion auf die versuchte Liquidierung der Partei-Spitze durch das Regime von Muhammad Daud Khan. Dieser war 1973 ebenfalls mittels Putsch fortschrittlicher Militärs unter Einfluss der DVPA ins Amt des Präsidenten gehievt worden und inszenierte sich zunächst als progressiv: er schaffte die Monarchie ab, rief die Republik aus und versprach soziale Reformen. Letztere aber blieben weitgehend aus. Dafür brach er bald mit der traditionell blockfreien Politik Kabuls und näherte sich dem iranischen Schah-Regime sowie Pakistan, und damit auch dem Westen an. Zugleich ging er mit Repression und Terror gegen die DVPA vor.
Mangelnde Einheit von Theorie und Praxis
Matin Baraki beginnt sein Buch mit einem kurzen theoretischen Kapitel zur Theorie der sog. Nationaldemokratischen Revolution. Dieses Konzept war zentral in der Revolutionstheorie und der Strategie der kommunistischen Bewegung und des sozialistischen Lagers, vor allem während des Kalten Kriegs: Es ging um die Notwendigkeit, in den Ländern, die von den objektiven Bedingungen her (ökonomische Unterentwicklung, unzureichend herausgebildet Arbeiterklasse, schwache oder kaum vorhandene Arbeiterbewegung) als noch nicht reif für eine sozialistische Revolution angesehen wurden, einen Prozess zu forcieren, der feudale Strukturen konsequent überwand, eine selbstständige, industrielle Wirtschaftsweise und damit auch die Entfaltung des Proletariats schnell vorantrieb und eine antiimperialistische Stoßrichtung hatte. Baraki hält dazu fest:
„Zusammengefasst beinhaltet die Theorie der NDR [Nationaldemokratischen Revolution, N.B.] folgende Kernpunkte:
genaue Analyse der sozioökonomischen Verhältnisse des jeweiligen Landes,
Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Faktoren,
Durchführung einer demokratischen Bodenreform,
Alphabetisierung der gesamten Bevölkerung,
die Bündnisfrage,
die Stellung der Frau in der Gesellschaft,
Demokratisierung der Gesellschaft und Partizipation der gesellschaftlichen Gruppen, wie Gewerkschaften und anderer Interessenvertreter der Bevölkerung,
Möglichkeit des Übergangs von vorfeudalen, halbfeudalen bzw. feudalen Verhältnissen direkt zum Sozialismus,
die Frage: Können Entwicklungsetappen überhaupt übersprungen werden?
Frage der Unterstützung von außen durch fortgeschrittene Länder.“ (S. 23)
Dieses Konzept konnte sich auf Überlegungen, die bereits Marx und Engels formuliert hatten, berufen und stützte sich auf die von Lenin ausgearbeiteten Positionen der Komintern zur antikolonialen Strategie. Zentral in den Debatten rund um dieses Konzept war stets – sowohl in der Komintern als auch in späteren Zeiten – die Frage, ob bzw. inwiefern die Arbeiterklasse auch in solchen Ländern in der Lage war, die Führung zu übernehmen, und was das konkret für den Aufbau einer nationaldemokratischen Ordnung bedeutete. Die von Baraki angeführte „Möglichkeit des Übergangs von vorfeudalen, halbfeudalen bzw. feudalen Verhältnissen direkt zum Sozialismus“war eine der Überlegungen, die im Zusammenhang mit einer proletarischen Hegemonie in der Nationaldemokratischen Revolution standen: Unter dem Label des „Nichtkapitalistischen Entwicklungswegs“wurde, ebenfalls gestützt auf Gedanken von Marx und Engels, die Perspektive diskutiert, wie junge (zumeist postkoloniale) Nationalstaaten mit weitgehend vorkapitalistischen Verhältnissen eine schnelle ökonomisch-technische Entwicklung bestreiten könnten, ohne dabei einen eigenen Kapitalismus entfalten zu müssen.i Wie im 1965 angenommenen Grundsatzprogramm der DVPA, das sich im Dokumentenanhang des Buchs findet, nachzulesen ist, ging die Partei davon aus, dass dieser Weg auch in Afghanistan möglich sei, sodass „sich der kapitalistische Entwicklungsweg, der für die werktätigen Massen qualvoll ist, vermeiden“ ließe. (S. 190)
Ob Baraki diese Einschätzung für falsch hält, geht nicht eindeutig aus seinem Buch hervor. In jedem Fall aber geht er von der Richtigkeit des Konzepts der Nationaldemokratischen Revolution aus und scheint die Frage „Können Entwicklungsetappen überhaupt übersprungen werden?“ mit Nein zu beantworten. So ist denn auch seine These, dass die innenpolitischen Gründen für das Scheitern der Saur-Revolution darin zu suchen sind, dass die DVPA sich zwar theoretisch die Nationaldemokratische Revolution zur strategischen Aufgabe gemacht, sie aber in der Praxis die objektiven Bedingungen in Afghanistan verkannt und daher versucht hat, diese Zwischenetappe zu überspringen.
Fehler und Verbrechen
Baraki, seinerzeit selbst Anwärter auf wichtige Posten innerhalb der DVPA, geht mit seiner früheren Partei hart, aber nicht unsolidarisch ins Gericht. Obwohl die Partei sich als marxistisch-leninistisch verstand, waren ihre Mitglieder Baraki zufolge „hauptsächlich städtische, kleinbürgerliche Intellektuelle, die oft nur vage Vorstellungen von marxistischer Theorie hatten.“ (S. 53) Dieser Klassencharakter der Partei war eine logische Folge der gesellschaftlichen Zustände in Afghanistan: Die damals etwa 17 Millionen Afghanen lebten „unter feudalen bzw. vorfeudalen Verhältnissen (…) Annähernd 85% der Menschen lebten auf dem Land als Bauern, Landarbeiter, Tagelöhner, Viehzüchter usw.“ (S. 46) „Von der Existenz einer Arbeiterklasse im eigentlichen Sinne konnte nicht gesprochen werden. (…) Nur 0,6% aller Erwerbstätigen waren in der industriellen Produktion beschäftigt“. (S. 48) Weniger selbstverständlich und verzeihlich war da die ideologische Schwäche der DVPA, die Baraki als eine ihrer größten Probleme bezeichnet. Hinzu kam der legendäre Fraktions-Kampf innerhalb der DVPA: Auf der einen Seite stand der Partscham-Flügel um Babrak Karmal, Muhammad Najibullah, Mir Akbar Khayber und Anahita Retabsad, auf der anderen der Khalq-Flügel Nur Muhammad Tarakis und Hafizullah Amins. Erstere bezeichnet Baraki als die „realistischen Kräfte“, letztere als Voluntaristen. (S. 49)
Die Khalqis, und vor allem Amin, tragen Baraki zufolge die Hauptlast der selbstverschuldeten Seite des Scheiterns der Revolution. Die Machtübernahme der DVPA-geführten Militärs vom 27. April 1978 selbst war, so der Autor, die Folge einer putschistischen Strategie Amins, sowohl innerhalb der DVPA, als auch auf staatlicher Ebene: Baraki benennt Indizien, die darauf hinweisen, dass Amin Mordanschläge auf seine Konkurrenten in der Partei-Führung veranlasste, und zwar noch vor der Revolution; er soll zudem – ebenfalls bereits vor der Machtübernahme – Kontakt zum späteren Mujahedeen-Führer und Warlord Gulbuddin Hekmatyar gepflegt und im Verlauf des Jahres 1979, im Zuge eines doppelten Spiels und geheimer Absprachen mit den USA und Pakistan, einen gemeinsame Staatsstreich mit diesem geplant haben. Amin wurde, so Baraki weiter, irgendwann zwischen Herbst 1977 und Frühjahr 1978 vom Politbüro der DVPA entmachtet, weil er als Kontaktperson für die Zellen in der Armee einen Militärputsch angestrebt habe. Trotzdem konnte er die Verhaftung Tarakis und Karmals am 19. April 1978 zum Anlass nehmen, um einen Aufstand von unter DVPA-Einfluss stehenden Militärs anzuzetteln: „damit hatte Amin sein Ziel erreicht“, konstatiert der Autor. (S. 52)
Die Machtkämpfe innerhalb der DVPA spitzten sich nach der Machtübernahme weiter zu:
„Schon im Juli/August 1978 wurde die Partscham-Fraktion unter Babrak Karmal entmachtet. Es wurden auch tausende „einfache“ Parteimitglieder verhaftet, gefoltert und in großer Zahl ermordet. Hafisullah Amin verfolgte jede Oppositioninnerhalb und außerhalb der Partei. Mehr als 2500 DVPA-Mitglieder und weitere 12.000 Menschen wurden ermordet.“ (S. 56)
Selbst seinen Khalq-Genossen Taraki soll Amin ermorden lassen haben. „Es entstand ein Klima der Angst, des Duckmäuertums und des Opportunismus (…), die Basis hatte so gut wie keinen Einfluss“, resümiert Baraki diese Zeit. (ebd.)
Parallel dazu ging die DVPA zwar auch die dringend benötigten Reformen im Land an: Eine Bodenreform wurde in Gang gesetzt und Alphabetisierungskurse für hunderttausende Menschen organisiert; zudem wurden das Ehe- und das Scheidungsrecht zugunsten der Frauen revidiert. In den Städten konnten diese Änderungen auch relativ problemlos realisiert werden, so Baraki. Doch als man sie auf das Land ausdehnte, „kam es zu gravierenden Fehlern“. (S. 54) So sei es zu „zwangsweisen Alphabetisierungen“ (ebd.) gekommen; gesellschaftlich tief verankerte Normen, wie die Geschlechtertrennung, wurden schlicht missachtet, genauso wie die besonderen sozialen Bindungen innerhalb von Stammesstrukturen und gegenüber religiösen Autoritäten; auf die Bodenreform „wurden die Bauern weder politisch noch materiell vorbereitet“. (ebd.) Hinzu kam die Tatsache, dass die DVPA das anvisierte breite Bündnis „nationaldemokratischer Kräfte“ zwar formal, nicht aber real umsetzte.
„Daher fühlten sich die Bündnispartner nicht ernst genommen und wollten sich von der DVPA nicht instrumentalisieren lassen. Ihre Passivität hat die ohnehin schmale Basis der Revolution zusätzlich verengt.“ (S. 55)
Hinzu kamen noch die mit der Machtübernahme der DVPA überschäumende Korruption, Vetternwirtschaft und Karrierismus innerhalb der Partei selbst wie auch im Staatsapparat. Diese konnten auch nach dem Sturz Amins Ende 1979 nicht überwunden werden. Über die frühen 1990er Jahre heißt es bei Baraki: „Fast jedes Politbüro-Mitglied der Partei hatte seine eigene Clique bzw. Fraktion“; (S. 72) 1990 wurde ein innerparteilicher Putsch abgewehrt; bereits 1986 hatte Moskau erwirkt, dass Karmal als Generalsekretär und Staatschef durch Najibullah ersetzt wurde – all das zeigt, wie fragil und abhängig das Revolutionsregime war.
Als letztes „Verbrechen der Führung der DVPA“ (S. 73) – die zu dem Zeitpunkt bereits „sozialdemokratisiert“ (S. 70) und in Hesbe Watan (Vaterlandspartei) umbenannt worden war – bezeichnet Baraki die Kapitulation der DVPA (bzw. Hesbe Watan) und die Machtübergabe durch sie an die Mujahedeen am 27. April 1992, dem Jahrestag der Saur-Revolution.
Das sowjetische Dilemma
Die sowjetische Führung sah all dem zunächst relativ fassungslos zu, hatte man einen solchen Umsturz doch weder angestrebt noch Afghanistan für reif genug gehalten; sie zögerte sogar zunächst, die neue Regierung in Kabul anzuerkennen und erst nach einigen Wochen war in der sowjetischen Presse von einer Revolution zu lesen. Bald darauf aber hatte man sich gefasst und bemühte sich, das Beste aus der Situation zu machen und die Revolution zu unterstützen und auch zu verteidigen.ii
Baraki konzentriert sich in seinem Kapitel zur sowjetischen Afghanistan-Politik weitgehend auf die Frage der Legitimität der Militärintervention der UdSSR. Dabei rekurriert er vor allem auf den afghanisch-sowjetischen Freundschaftsvertrag, der auch gegenseitige militärische Beistandsverpflichtungen enthielt, sowie auf die wiederholten Bitten Kabuls an Moskau zur Entsendung von Truppen. In diesem Zusammenhang zitiert er auch ausführlich ein Gutachten von Norman Paech aus dem Jahr 1982, um die völkerrechtliche Legitimität der sowjetischen Militärintervention zu beweisen: Der hatte damals argumentiert, dass die Unterstützung der USA und Pakistans für die Aufständischen in Afghanistan als „eine eindeutige Aggressionshandlung“ zu deuten sei, „gegen die der afghanischen Regierung das Recht auf kollektive Selbstverteidigung im Verbund mit den sowjetischen Truppen zusteht.“ Daher sei nicht nur der Einsatz der Roten Armee völkerrechtlich legitim, das Völkerrecht „würde es der afghanischen Regierung sogar gestatten, gegenüber Pakistan“, das als Nachbarland als sichere Basis der Mujahedeen fungierte, „militärisch vorzugehen“, so Paech. (S. 59) Auf letzteres verzichtete die DR Afghanistan, wie Baraki betont.
Zugleich betont der Autor, dass Moskau sich lange gegen ein direktes Eingreifen sträubte: insgesamt 21 Mal baten sowohl Taraki als auch Amin um militärischen Beistand. (S. 60, 62) In mehreren angehängten, als streng geheim eingestuften Dokumenten lassen sich die Vorbehalte des Kreml nachlesen. Leider klammert Baraki dabei aber einen wesentlichen Aspekt der sowjetischen Überlegungen aus, die doch gerade die Weit- und Umsichtigkeit der KPdSU-Führung verdeutlichen: Auf einer Politbüro-Sitzung vom 17. März 1979 betonte der sowjetische Außenminister Gromyko nämlich:
„Die Armee dort [in Afghanistan, N.B.] ist unzuverlässig. Also wird unsere Armee, wenn sie in Afghanistan eintrifft, der Aggressor sein. Gegen wen wird sie kämpfen? Vor allem gegen die Afghanen, und sie wird auf sie schießen müssen.“iii
Drei Tage später, bei einem Zusammentreffen Tarakis und des KPdSU-Politbüros in Moskau betonte Kosygin, Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR, dem afghanischen Staatschef gegenüber die Misere, in das eine sowjetische Militärintervention sowohl die Regierung in Moskau als auch in Kabul brächte:
„Man kann nicht leugnen, dass unsere Truppen nicht nur gegen ausländische Aggressoren, sondern auch gegen Teile Ihres Volkes kämpfen müssten. Und Menschen vergeben so etwas nicht. Außerdem: Sobald unsere Truppen die Grenze überschreiten, werden China und alle anderen Aggressoren sich gerechtfertigt sehen.“iv
Besonders erstaunlich ist, dass Baraki das Wortprotokoll von diesem 20. März 1979 zwar als Dokument angehängt, aber ausgerechnet die ersten beiden hier zitierten Sätze Kosygins weggekürzt hat, wo diese doch besonders vor Augen führen, dass die sowjetischen Führung das politische Dilemma, in dem sie und die revolutionäre Regierung in Kabul sich befanden, sehr gut begriffen.
Die Frage, inwiefern die sowjetische Intervention dem Ruf der Sowjetunion, der DVPA oder gar dem Kommunismus an sich in Afghanistan bzw. unter Teilen des afghanischen Volkes (oder auch darüber hinaus in der muslimischen Welt) geschadet hat, stellt sich für Baraki offenbar gar nicht. Sein diesbezüglicher Fokus der Kritik liegt einzig auf der DVPA und ihren innenpolitischen Fehlern. Die Sowjetunion sieht er zunächst eher als Leidtragenden des Unvermögens der afghanischen Genossen und als ernsthaft um Entspannung und Stabilität bemühten „großen Bruder“, der bei dem Versuch, zu helfen, im „politischen Sumpf“ Afghanistans versank, wie es der ehem. Leiter der Internationalen Abteilung des ZK der KPdSU, Valentin Falin, ausdrückte. (S. 63) Erst Gorbatschow wird von Baraki angegriffen: Er verhalft „den rechten Opportunisten“ in der DVPA zum „endgültige[n] Durchbruch“ (S. 71), trieb die Sozialdemokratisierung der DVPA (wie auch der KPdSU) voran und gab Afghanistan mit dem Abzug der Roten Armee gleichsam als „erstes Geschenk an den Westen“. (S. 70)
Innere und äußere Faktoren
Baraki beschreibt, wie die vielen Fehler der DVPA den Widerstand der Bevölkerung vor allem auf dem Land befeuerten. Dies passierte ihm zufolge vor allem auch bei der Bodenreform, bei der die – häufig unerfahrenen und vor revolutionärer Ungeduld überschäumenden – Partei-Funktionäre nicht selten mit Zwang und manchmal auch mit Gewalt die traditionellen Sozialstrukturen aufzubrechen und die Landarmut gegen deren subjektiven Willen zu befreien versuchten. Dieser Druck provozierte Widerstand in breiten Teilen der Landbevölkerung, gerade auch unter denen, die eigentlich von den revolutionären und reformerischen Maßnahmen hätten profitieren sollen. Dieser Unmut war der fruchtbare Boden, auf dem die Machenschaften der inländischen wie ausländischen konterrevolutionären Kräfte gedeihen konnten. Auch auf diese kommt der Autor zusprechen.
Denn bei all seiner – wertvollen und notwendigen – innerparteilichen (Selbst)Kritik lässt Baraki natürlich nicht die konterrevolutionären Bemühungen des Westens und seiner Alliierten außer Acht: Unter Verweis auf – mittlerweile weithin bekannte – Zitate vom ehem. CIA-Direktor Robert Gates und dem ehem. Sicherheitsberater von US-Präsident Carter, Zbigniew Brzezinski, zeigt sich der Autor überzeugt davon, dass die USA und ihre Alliierten bereits in Afghanistan geheimdienstliche und militärische Strippen zogen, bevor der erste Rotarmist afghanischen Boden betrat. Baraki skizziert die monetären und personellen Ausmaße der vor allem von der CIA und dem pakistanischen Geheimdienst ISI vorangetriebenen Operation, in deren Folge zehntausende „Mujahedeen“ aus über 40 Ländern trainiert, bewaffnet und nach Afghanistan geschleust wurden. Allein 1985 wurden 250 Millionen US-Dollar und damit mehr als 80 Prozent des jährlichen CIA-Budgets für geheime Operationen in Afghanistan „investiert“. Auch die Rolle der westlichen Medien als wichtige Multiplikatoren der Propaganda wird erwähnt. Eine unrühmliche Rolle als Lobbyist der Mujahedeen spielte seiner Zeit auch der damalige Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Todenhöfer.
Obwohl Baraki einen nicht gerade geringen Anteil seines Buchs der Frage der DVPA, der Saur-Revolution und ihrer Folgen widmet, würde man sich an vielen Stellen über mehr Details freuen, zumal die marxistische Literatur zum Thema ansonsten (und vor allem auf Deutsch) relativ rar gesät ist.v Dabei ist allerdings anzumerken, dass die jeweiligen Einleitungen, die der Autor zu jeder Quelle im Dokumentenanhang verfasst hat, wichtige und interessante Ergänzungen zu dem im Hauptteil des Buchs Gesagten enthalten und unbedingt gelesen werden sollten. Eine Frage, die der Autor leider komplett ausspart, die aber für kommunistische Leser besonders interessant sein dürfte, ist die nach der Rolle der VR China – die nur hier und da im Text oder in Dokumenten am Rande erwähnt wird – und nach den afghanischen Maoisten und/oder Hoxhaisten.vi Trotzdem: obwohl Baraki auf diesen großen inner-kommunistischen Konflikt nicht eingeht, liefert sein Buch doch viele spannende Fakten und Ansätze, um das bis heute durchaus umstrittene Kapitel „Afghanistan“ in der Geschichte der internationalen kommunistischen Bewegung aufzuarbeiten und zu diskutieren.
Im zweiten Teil der Rezension wird es um den Teil des Buchs gehen, der sich mit der Zeit zwischen 1992 und 2023 beschäftigt.
i Einen Einstieg aus der Meta-Perspektive bieten Salim Ibrahim / Verena Metze-Mangold: Nichtkapitalistischer Entwicklungsweg. Ideengeschichte und Theorie-Konzept, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1976.
ii David N. Gibbs: Die Hintergründe der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1971, in: Bernd Greiner / Christian Th. Müller / Dierk Walter (Hg.): Heiße Kriege im Kalten Krieg, Hamburg: Hamburger Edition, S. 294-304.
v Der Großteil der entsprechenden deutschsprachigen Literatur aus der DDR, der BRD oder auch der Sowjetunion stammt aus den späten 70ern und frühen 80ern. Zudem handelt es sich häufig um eher propagandistische bzw. beschönigende Texte, in denen von einer (selbst)kritischen Auswertung kaum die Rede sein kann.
Der erste Mai, der internationale Kampftag der Arbeiterklasse, steht dieses Jahr im Zeichen von Arbeitskämpfen: In Deutschland sorgten die Streiks des öffentlichen Diensts für Aufsehen. In Frankreich wird hart gegen die Rentenreform und den Abbau von Arbeiterrechten gekämpft. In Griechenland streikten die Arbeiter gegen Privatisierung und Sparmaßnahmen im Land und auch in Großbritannien gingen viele Menschen gegen die Preissteigerungen und Lohnverluste auf die Straße. Zugleich organisierten sich Arbeiter in verschiedenen Ländern gegen den Krieg in der Ukraine und machten praktisch deutlich, dass der Kriegskurs der NATO nicht im Interesse der werktätigen Bevölkerung Europas ist: In Italien und Griechenland etwa blockierten Hafen- und Bahnarbeiter Waffenlieferungen in die Ukraine; bereits im letzten Jahr hatte es ähnliche Aktionen in der Türkei gegeben. Aber auch außerhalb von Europa stellen sich viele Menschen gegen die westliche Sanktions- und Kriegspolitik.
Die sozialen Verschärfungen nehmen zu und werden immer stärker spürbar. Bei Preissteigerungen, die gerade im alltäglichen Bereich weit über den gern erwähnten „10 Prozent“ liegen, wollen sich die Arbeiter mit lächerlichen Angeboten aus tabellenunwirksamen Einmalzahlungen oder geringen prozentualen Erhöhungen nicht mehr abspeisen lassen. Verdi und EVG haben es zuletzt vorgemacht: Auch Deutschland kann streiken! Die Aktion hat nicht nur gezeigt, dass es möglich ist, starken Druck auszuüben, sondern auch, dass die Kraft der Gewerkschaften wächst, wenn sie an einem Strang ziehen. Das dient auch der Verteidigung des Streikrechts, das derzeit, nach den Aktionen von Verdi und EVG, unter Beschuss steht. Streiks in der Daseinsvorsorge sollen nach den Wünschen des Kapitals stark eingeschränkt werden.
Immer mehr Menschen solidarisieren sich mit den Streikenden. Mit ihren Forderungen und den Streiks bei den Tarifverhandlungen der Post und im öffentlichen Dienst sorgte Verdi bundesweit für starke mediale und real spürbare Aufmerksamkeit. Der für deutsche Verhältnisse kämpferische Kurs konnte der Verdi einen Zuwachs von circa 75.000 neuen Mitgliedern bescheren. Auch die Streikbereitschaft ist gestiegen. So haben in der Auseinandersetzung um den TVöD ca. eine Million Beschäftigte gestreikt. Der Vorschlag der Tarifkommission, nun den schlechten Abschluss (lange Laufzeit und Reallohnverlust) anzunehmen, dürfte für einen Dämpfer in der Organisierung sorgen.
Die deutsche Kriegspolitik bringt Inflation und Armut
Kampfaktionen wie die letzten Streiks sind dringend notwendig, um den durch die Inflation noch weiter angeheizten Reallohnverlust zu bekämpfen – mit höheren Löhnen! Denn die Inflation ist ein Mittel, um die Reallöhne zu senken, während die Gewinne sprudeln und die Aktienbesitzer immer reicher werden.
Die Preise für Vermögensanlagen steigen – zur Freude der Reichen und Konzerne. Die Preise für Lebensmittel und Energie steigen – zu Lasten der Arbeiter und Erwerbslosen. Die Armut steigt auf Rekordniveau, die Schlangen vor den Tafeln werden länger und Renten und Löhne verlieren an Wert. Die Inflation ist kein Naturereignis, sondern ein Ergebnis der Preissteigerungen der großen Konzerne. Sie nutzen die Situation aus und erhöhen die Preise, solange es geht. Die Monopole, also die großen Konzerne können das aufgrund ihrer Machtstellung. Die Regierung fördert die großen Konzerne weiter mit der Gaspreisbremse, während die Verbraucher und kleinen Unternehmen davon kaum profitieren und hohe Preise zahlen müssen.
Der weitere Hintergrund der Inflation ist der Krieg gegen Russland. Nicht Putin hat das Gas abgedreht, wie behauptet wird, sondern die deutsche Regierung hat einen Boykott verhängt, um Russland in die Knie zu zwingen. Das hat zu massiven Steigerungen der Energiepreise auf allen Ebenen geführt. Unter anderem auch, weil nun teures Gas aus den USA und anderen Ländern gekauft wird. Die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines sollte diese Energieversorgung ein für alle Mal zerstören.
Die massive Aufrüstung der Bundeswehr mit mehr als 100 Milliarden wird zu Einsparungen im Haushalt führen. Die Bundesrepublik rüstet für größere Kriege, den Preis dafür zahlen die Arbeiter. Das Geld fehlt damit nicht nur an anderer Stelle, es wird damit direkt für die aggressive deutsche Außen- und Kriegspolitik genutzt, und nicht etwa zur Verteidigung, wie die Bundesregierung gerne behauptet.
Der Zusammenhang zwischen Krieg und Inflation sowie Inflation und Verarmung liegt klar auf der Hand. Wer gegen die Inflation und Verarmung kämpft, muss sich gegen die Sanktions- und Kriegspolitik Deutschlands und der NATO stellen.
Den 1. Mai dem deutschen Kriegskurs opfern?
Um die wachsende Unzufriedenheit in für sich dienliche Bahnen zu lenken, bedient sich der deutsche Imperialismus einer eigentlich sehr durchschaubaren und dennoch effektiven Propagandamasche: „der Russe“ als Sündenbock. Die mediale Entmenschlichung der Russen und die Darstellung von Putin als das personifizierte Böse führen in Deutschland zu einem massiv angestiegenen Alltagsrassismus gegen Russen, der bis hin zu tätlichen Angriffen führt. Passend dazu grölt der halbe Bundestag, angeführt von Außenministerin Baerbock (Grüne) und Bundeskanzler Scholz (SPD), „Slava Ukraini“, den Gruß der ukrainischen Bandera-Faschisten. Baerbock verkündet derweilen, einen „Krieg gegen Russland“ zu führen.
Passend dazu schlägt der Oberstleutnant Stefan Quandt vor, zukünftig einen Feiertag, zynischer Weise den 1. Mai, der Aufrüstung der Bundeswehr zu opfern. Die Arbeiter sollen Entbehrungen leisten. „Frieren gegen Putin“ wurde im Herbst zum Leitspruch der Heimatfront, obwohl wir eigentlich wegen der westlichen Kriegspolitik frieren mussten.
Wofür müssen wir kämpfen?
Die Gewerkschaftsführungen haben den Kriegs- und Sanktionskurs der Bundesregierung weitgehend unterstützt. Die Haltung der breiten Bevölkerung und gerade der Arbeiterschaft schaut da durchaus anders aus: Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung lehnt die Waffenlieferungen ab. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Gewerkschaften Teil der Anti-Kriegs-Bewegung werden, denn der Krieg hängt unmittelbar mit den sozialen Verschärfungen zusammen. Der Krieg gegen Russland ist nicht im Interesse der Arbeiter und der einfachen Menschen – weder hier noch in der Ukraine noch in Russland.
Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sich die Gewerkschaften an Anti-Kriegsprotesten beteiligen. Die Teilnahme an den Ostermärschen wurde dieses Jahr von einigen DGB-Strukturen abgesagt. Begründet wurde dies u. a. mit einer angeblichen Nähe zu rechten Kräften. Ein derartiges Verhalten der politischen Linken und der organisierten Arbeiterbewegung eröffnet rechten Kräften aber überhaupt erst den Spielraum, Fuß zu fassen und Themen wie Sozialabbau und Verarmung zu bespielen.
Die Gewerkschaften setzen sich in ihrer Satzung für eine Demilitarisierung Deutschlands ein, auf dem letzten Bundeskongress wurde sich gegen ein Atomwaffenstationierungsverbot in Deutschland ausgesprochen. Dass die Gewerkschaftsführung sich gerade gegen diese wichtigen Grundsätze stellt, sollte für uns der Anlass sein, diese nur noch vehementer zu verteidigen. Wir sollten daher für folgende Forderungen innerhalb der gewerkschaftlichen Strukturen kämpfen:
Für konsequente und starke Streiks! Für eine breite Solidarität mit den Streikenden!
Für tatsächliche Lohnerhöhungen über der Inflationsrate! Für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!
Gegen den Angriff auf erkämpfte Arbeiterrechte – der 1. Mai bleibt unser Tag, der internationale Kampftag der Arbeiter!
Für Aktionen und Streiks gegen die deutsche Aufrüstung und Kriegsbeteiligung! Für die internationale Solidarität gegen den Kriegskurs der NATO!
Gegen die Sanktionen und den Wirtschaftskrieg gegen Russland!
Gegen Waffenlieferungen in die Ukraine! Gegen den aggressiven Kriegskurs der NATO in der Ukraine und weltweit!
Gegen den 100-Milliarden-Kredit und die Aufrüstung der Bundeswehr!
Die Neoliberale Strategie, welche der Imperialismus nutzt um die Märkte anderer Länder zu privatisieren, zu öffnen und zu deregulieren, prägt die Raubzüge des Imperialismus seit den 1970ern bis heute. Sie steht in engem Zusammenhang mit Neokolonialismus und auch die Ukraine wurde mit dieser Strategie unterworfen. Das Land wurde zum NATO-Aufmarschgebiet und trat seine Souveränität ab. In diesem Diskussionsbeitrag findet ihr eine Beschreibung dieser allgemeinen Prozesse im Imperialismus und eine Untersuchung wie diese imperialistische Politik auf die Ukraine einwirkte.
Imperialismus muss Umdenken: Neoliberalismus zur Durchsetzung eines neuen Kolonialismus
Mit Beginn der 1970er Jahre lässt sich eine Entwicklung im Imperialismus feststellen, eingeleitet dadurch, dass die Rolle von Gold als materielle Basis für Geldwerte immer stärker abnahm. Geldkapitalströme die sich über den Weltmarkt bewegten, wurden nahezu komplett von staatlicher Kontrolle befreit. Im Zuge dessen wurde 1973 das Bretton-Woods-System, welches den Welthandel koordinierte und Kapitalströme kontrollierte aufgelöst. Dieses wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Zur internationalen Kontrolle und Durchsetzung dieses Systems sollten der 1944 ins Leben gerufene Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank dienen.
Um diesen Prozess zu beschreiben dient der Begriff des Neoliberalismus. Um ihre globale Hegemonie zu manifestieren errichtete die USA eine neue internationale Finanzarchitektur. Damit dieses System effektiv funktionieren konnte, musste die Öffnung der Märkte im Allgemeinen und der Finanzmärkte im Besonderen für den internationalen Handel erzwungen werden: ein langsamer Prozess, der entschiedenen Druck der USA erforderte, unterstützt durch die Betätigung internationaler Hebel wie des IWFs. Neoliberalismus, also Privatisierung, Deregulierung und Öffnung von Märkten wurde Diktat für neokolonial-abhängigen Länder. Eine Infragestellung dieser Politik, oder gar der Dollarhegemonie rief schwärzeste Reaktion der imperialistischen Zentren, insbesondere der USA hervor.
Diese vor allem von den USA und England vorangetriebene massive Deregulierung der Finanzmärkte bedeutete einen weiteren Ausbau der US-Hegemonie über die Welt und wurde als Strategie 1973 mit Pinochets faschistischen Putsch in Chile durchgesetzt, welche große Unterstützung seitens CIA und US-Außenministerium fand. Mithilfe von Faschisten wurden sämtliche Gewerkschaften und Bewegungen, die sich gegen Marktöffnungen und den Ausverkauf des Landes wehrten, zersetzt, zerstört und vernichtet. Staatliche Vermögen wurden privatisiert und der Weg zur Ausbeutung nationaler Bodenschätze durch den Imperialismus gewalttätig freigeräumt. Das Recht ausländischer Firmen, Profite aus einheimischen Unternehmen abzuführen wurde garantiert und somit deutlich leichterer Zugang verschafft. Wenn ich hier von Strategie schreibe, meine ich auch das auch so: diese Art und Weise der Politik wurde seit 1945 von transatlantischen Think Tanks wie der Mont Pelerin Society gezielt gefördert und entwickelt. Unterstützt vom CIA-Mediennetzwerk NED eroberten diese Theorien ab den 1960ern die Universitäten, Stiftungen, Vorstände und Medien des Westens. Das vom Mont Pelerin Society-Mitglied Antony Fisher 1981 gestiftete Atlas Network umfasste nach 35 Jahren 451 „free-market organizations“ in 95 Ländern.
Diese bis heute durch das Finanzkapital dominierte Weltpolitik beschrieb bereits Lenin ausführlich in seiner Imperialismusschrift, wo er das Finanzkapital als eine gewaltige, entscheidende Macht beschreibt, die in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, ganze Staaten unterwerfen kann. Hinter der Art und Weise der Durchsetzung dieser Politik stehen verschiedenste Strategien der Monopole und ihrer Staaten. Mit dem Begriff des Neoliberalismus wird vermeintlich nur ein Prozess im Imperialismus seit den 1970er Jahren beschrieben, der meist von seinem Klasseninhalt getrennt wird. Wenn wir diese Prozesse jedoch kontextualisieren lässt sich eine klare Strategie des Imperialismus feststellen, die bis heute bestand hat. Hier müssen wir die Rolle von IWF und Weltbank besser verstehen.
Die Besetzung aller für die Hegemonialmacht sensiblen Posten bei der Weltbank, der Welthandelsorganisation (WTO) und vor allem des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist gängige Praxis. Verschiedenste Währungs- und Finanzpolitische Interventionsmöglichkeiten liegen somit, bis heute konzentriert in den Händen von Institutionen wie der US-Notenbank.
Der IWF und seine Schwesterorganisation die Weltbank haben ihren Ursprung im 1944 geschaffenen Bretton-Woods-System fester Wechselkurse, das auf der damals mit Gold gedeckten LeitwährungUS-Dollar beruhte. Sie waren als internationale Steuerungsinstrumente geplant, mit denen eine Wiederholung der Währungsturbulenzen der Zwischenkriegszeit und der Fehler des Goldstandards aus den 1920er Jahren verhindert werden sollte. Beide Organisationen wurden daher als Bretton-Woods-Institution bezeichnet. Die Kreditvergabe des IWF ist an wirtschaftspolitische Auflagen geknüpft, später dazu mehr in Bezug auf die Ukraine. Die USA und die EU zwingen somit bis heute die Kapitalmärkte rund um den Globus mit Hilfe des IWF und auch der WTO zur Öffnung, um den Weg für das Finanzkapital frei zu machen und profitableren Kapitalexport zu erreichen. Anders als der IWF vergibt die Weltbank auch Kredite für spezielle Projekte. Schuldenkrisen innerhalb bestimmter Länder (zwei Drittel der IWF-Mitglieder machten nach 1980 eine finanzielle Krise durch, manche mehr als zwei Mal) konnten genutzt werden, um die internen gesellschaftlichen Beziehungen der Produktion überall dort neu zu organisieren, wo durch die Krisen die weitere Durchdringung mit externem Kapital gefördert wurde. Neue Gebiete profitabler Aktivitäten wurden eröffnet, was zeitweilig zur Linderung des Überakkumulationsproblems beitrug, bis der tendenzielle Fall der Profitrate sich auch in diesen Bereichen immer stärker ausdrückt. Einmal in Gang gebracht, erzeugte diese Bewegung jedoch ungeheuren Druck, im In- oder Ausland mehr und mehr Arenen für mögliche Privatisierungen zu finden.
Der IWF hat zurzeit 190 Mitgliedstaaten, deren Stimmrecht sich an ihrem Kapitalanteil orientiert. Beschlüsse müssen im IWF mit einer Mehrheit von 85 % getroffen werden. Dadurch verfügen jeweils die USA allein und die EU-Staaten gemeinsam de facto über eine Sperrminorität.Diese wissen die Länder des Westens auch zu verteidigen,- seit Jahren wehren sich diese Länder gegen eine grundlegende Neuaufteilung der Stimmrechte, welche laut Satzung des IWF nötig wären. So hat zum Beispiel Frankreich (4,29%) mehr Stimmen im IWF als China (3,81%), die Schweiz oder Belgien haben mehr Gewicht als das ebenfalls aufstrebende BRICS Mitglied Brasilien. Die USA besitzen übrigens 16,75% der Stimmrechte.
Anschließend will ich durch einen kurzen historischen Abriss die neoliberale Politik des Westens an konkreten Beispielen beschreiben. Die soll dazu dienen den Begriff inhaltlich zu bereichern.
Der Aufkauf umfangreicher US-Dollar als Reservewährung nach dem Zweiten Weltkrieg ging dieser neoliberalen Strategie voraus. Dieser festigte die Rolle der USA in Zusammenspiel mit dem „Marshall Plan“ maßgeblich nach 1945. Die Dollarhegemonie ist eine der zentralen Säulen der Macht des US-Imperialismus. Sie ermöglicht ihm Finanzkrisen, im Verhältnis zu anderen Währungen, ohne bedrohlichen ökonomischen Niedergang durchzustehen.
Mit diesen Werkzeugen in der Hand erwies sich das Finanzkapital als immer unbeständiger und räuberischer. Der marxistische Sozialtheoretiker David Harvey beschreibt in „Der Neue Imperialismus“ zahlreiche gezielte Angriffe mithilfe von Hedgefonds auf Staaten mit dem Ziel der Entwertung ihrer Währung. In einigen Fällen, zum Beispiel in Lateinamerika in den 1980er Jahren, wurden ganze Ökonomien geplündert und ihre Vermögenswerte durch das US-amerikanische Finanzkapital sichergestellt. In anderen fand schlicht ein Export der Abwertung statt, der sich vor allem in Zeiten von Finanzkrisen als hilfreich erwies, aber nun mal dem Privileg der Leitwährung vorbehalten ist.
Der Angriff von Hedgefonds auf die thailändische und die indonesische Währung 1997, unterstützt durch die vom IWF geforderte brutale Deflationspolitik, trieb selbst rentable Unternehmen überall in Ost- und Südostasien in den Konkurs. Taiwan und Singapur (um hier zwei Beispiele zu nennen) wurden gegen ihren eigenen Willen dazu gezwungen, ihre Finanzmärkte für spekulatives Kapital zu öffnen, auch wenn sie früher vor Entwertungen geschützt gewesen waren, indem sie ihre Märkte geschlossen gehalten hatten. Der Zwang zur WTO beizutreten lief über die Drohung, ihnen den Zugang zum US-Markt zu verweigern. Durch das „Millenium Challenge Grants“ Modell knüpfte die USA „Auslandshilfe“ für abhängige und (halb)koloniale Länder an freien Marktzugang für ihre Imperialisten. Resultat waren Arbeitslosigkeit und Verarmung von Millionen Menschen. Diese Krise verursachte passenderweise auch eine Zufluchtssuche in den Dollar, was die Dominanz der Wall Street festigte und steigende Vermögenswerte in den USA nach sich zog.
Harvey schreibt, dass hierfür auch die imperialistischen Verbündeten zahlreiche politische und ökonomische Zugeständnisse hinnehmen mussten um den Aufbau eines auf die USA zentralisierten Wirtschafts- und Finanzsystems zu unterstützen.
Der in den 1970er Jahren aufkommende neoliberale Wandel des Imperialismus steht, vor allem auch im Zusammenhang mit der phasenweisen Entkolonialisierung zahlreicher Länder seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Die antikolonialen Befreiungsbewegungen wurden zu einer zunehmenden Herausforderung für den Imperialismus: ausländische Soldaten wurden genauso wie Kolonialsiedler aus zahlreichen Ländern vertrieben, was den Weg zu mehr nationaler Souveränität bereitete. In zahlreichen Fällen kam es zu Nationalisierungen von Rohstoffvorkommen und anderen Industriezweigen um sich vor ausländischem Kapital zu schützen wie in Syrien 1961, in Indien ab 1966, dem Iran 1951, oder Chile 1970, Algerien 1971 und vielen weiteren mehr. Einige kolonialisierte Völker unternahmen den Übergang zum Sozialismus und entzogen sich somit nochmals konsequenter dem Einflussgebiet des Imperialismus, wie beispielsweise Kuba 1959, oder die Volksrepubliken Vietnam 1945 und wenig später China 1949.
Angetrieben vom tendenziellen Fall der Profitrate und dem Problem der Überakkumulation entwickelte die Monopole der imperialistischen Länder neue (neoliberale) Methoden und Institutionen um seine Hegemonie aufrechtzuerhalten. Hierfür wurden beispielweise konkret für Afrika im Jahr 1975 mit ECOWAS eine Organisation eingerichtet, die den Staaten Westeuropas weiterhin die Kontrolle der Westafrikanischen Wirtschaftsräume durch Handelsverträge, Sanktionspolitik und Währungskontrolle ermöglichte und mit AFRICOM im Jahr 2007 und seit 1983 mit CENCOM Institutionen zur militärischen Kontrolle über ganze Kontinente.
Man ging wie am Beispiel von Somoza 1967 in Nicaragua, oder des Schahs von Persien bereits 1953 vermehrt dazu über, Machthaber gewaltsam durch finanzielle und militärische Unterstützung der Geheimdienste zu installieren. Diese sicherten dann den Einfluss westlicher Monopole durch Marktöffnungen. Im Beispiel von Nicaragua wurden so Agrarreformen in Absprache mit der von Washington ins Leben gerufenen „Alliance for Progress“ gestartet durch die sich unter anderem Chiquita fruchtbare Böden sichern konnten. Während sich die USA zwischen 1903 und 1925 allein in Honduras, von Chiquita-Vorgänger „United Fruit Company“, 7mal zu mühseligen Militärinterventionen überzeugen ließ um Ackerflächen freizukämpfen, wurden nun neue Bandagen ausgepackt (Stichwort Bananenkriege). Unliebsame Gewerkschaftler, oder Aufstände wurden durch die installierte Somoza-Regierung aus dem Weg geräumt, während sich die USA nicht direkt die Hände schmutzig machen musste.
Im Iran privatisierte der von den USA gewaltsam an die Spitze geputschte Schah 1953 prompt die Ölquellen des Landes und vergab Ölverträge an westliche Konzerne, sowie vorher unter Massadegh verstaatlichte Vermögenswerte an England zurück.
Dieses Muster imperialer Herrschaft zeichnet sich bis heute ab: als Perus Präsident Castillo letztes Jahr ankündigte höhere Steuern auf die Ausbeutung der Bodenschätze zu erheben und eigene Industrie aufzubauen um sich aus der Rolle als niedergedrückter Rohstofflieferant loszulösen, wurde er umgehend von seiner US-Treuen Kontrahentin Keiko Fujimori und ihren Anhängern weggeputscht. Fujimori handelte in enger Absprache mit US-Botschafterin Lisa Kenna, die vorher 9 Jahre für die CIA unter anderem im Irak arbeitete und dort den Ausverkauf des Landes mitorganisierte. Ebenso spannend: Keiko Fujimoris Vater regierte mit Rückendeckung der USA von 1990 bis 2001 das Land und setzte eine für die Arbeiterklasse und die Indigenen verheerende Privatisierungspolitik durch. Im Anschluss an den Putsch trafen sich umgehend der neue Minister für Energie und Bergbau und CIA-Diplomatin Kenna am 10.12. 2022 zu Gesprächen rund um Entwicklungsfragen im Bergbau.
Man könnte noch dutzende ähnliche Verläufe aufzeigen, wie beispielsweise auch die neokoloniale Politik Frankreichs und Deutschlands in Mali und zahlreichen weiteren afrikanischen Staaten, aber dieser Überblick muss vorerst genügen.
Wir sehen, dass der Imperialismus eine neoliberale Wende vollzog, welche seitdem das Wesen des Neokolonialismus bestimmt und vor allem durch IWF und Weltbank, unter Kontrolle der imperialistischen Länder Westeuropas, der USA und Japans, durchgesetzt wird. In immer neuen Raubzügen setzt der Imperialismus dazu an mithilfe von Kreditbedingungen, Entwicklungshilfe, Regime Changes, Sanktionen, Währungsabwertung und notfalls blutigen Kriegen Märkte zu öffnen, privatisieren und zu deregulieren damit ihre Monopole freien Lauf haben.
Das Muster, welches in der Tendenz eine neoliberale Wende darstellt, ist Ausdruck der neoliberalen Strategie des Imperialismus, die man auch schlicht als „Neoliberalismus“ bezeichnet. Märkte werden seitdem mit Deregulierung der Finanzmärkte und Privatisierungen von Grund, Boden und anderen staatlichen Sektoren für ausländische Investitionen, vorrangig USA und EU, zugänglich gemacht. Abgesichert wird das von installierten und bestochenen Regierungen,- den sogenannten Kompradoren. Das Verhältnis ökonomischer Zurichtung, als Vorbedingung und Begleiterscheinung der umfassenden politischen Unterordnung und geschieht im Profitinteresse der westlichen Finanzoligarchie.
Wie die Ukraine dieser imperialistischen Räuberbande zum Opfer fiel, ihre Märkte privatisieren, deregulieren und öffnen musste und ihre Souveränität an die NATO-Steuerung abgab, will ich im Folgenden nachzeichnen.
Rolle der Kiewer NATO-Marionetten
Als die NATO schonungslos auf Russland vorrückte machte ihr Drang nach Osten auch,- besser gesagt vor allem, vor der Ukraine nicht halt. Durch einen westlich unterstützten Regime Change die „orangene Revolution“ im Jahr 2004 wurde zwar endgültig ein Grundstein für das „NATO-Protektorat Ukraine“ gelegt, doch bereits seit der Konterrevolution zeichnete sich immer stärker der westlich-orientierte Kurs ab. Bereits der erste Präsident der Ukraine Leonid Kravc`uk musste sich aufgrund einer verheerenden Wirtschaftskrise in der Ukraine in die Arme des IWF und der Weltbank flüchten um Kredite zu erhalten, die jedoch nie die von ihm erhoffte Wirkung entfalteten. Unter Kutschma, der ab 1994 das Land regierte wurde dieser Kurs beibehalten und Gespräche in Richtung Russland, aber auch EU und USA geführt. Mit letzteren wurden beispielsweise ein Vertrag über gemeinsame Strafverfolgung und ein Biowaffenvertrag zwischen USA und Ukraine ausgehandelt, während massenhafte Privatisierungen und eine Deindustrialisierungswelle weiter voranschritten. Das BIP der Ukraine entwickelte sich in seiner Amtszeit um 65% zurück. Die damalige Multivektorpolitk des Landes lässt sich vor allem sehr gut am Jahr 2002 erkennen. Zeitgleich wurde ein formales Angebot zur NATO-Mitgliedschaft gestartet und eine Akte über den gemeinsamen Wirtschaftsraum Russland, Weißrussland, Kasachstan unterzeichnet. Ein Jahr später Beteiligte sich das Land am Überfall der USA auf den Irak.
2004 kam Juschtschenko durch eine erzwungene Wiederholungswahl an die Macht, die als „Orangene Revolution“ in die Geschichte einging. Der ehemalige Zentralbankchef beschleunigte die Ausrichtung des Landes in Richtung NATO und EU massiv. Um einen reibungslosen Ablauf dieses Prozesses zu gewährleisten löste er 2007 das Parlament auf und riskierte einen Bürgerkrieg in der Ukraine. Die Aufhetzung der Bevölkerung des Landes trieb er mit großen Ansprachen zu Festlichkeiten rund um die nationalistische Ukrainische Aufständischen Armee (UPA) und einer Verstärkung des Bandera-Kultes voran.
Janukowitsch der auf ihn folgte war keineswegs prorussisch wie es die Medien behaupteten, sondern vielmehr ein Ausgleichskandidat. Auch er war auf Festveranstaltungen zu Ehren Stepan Banderas zugegen, aber übte weniger Druck beim Thema NATO und EU-Beitritt aus. Das EU-Assoziierungsabkommen was er 2013 unterschreiben sollte, hätte die Ukraine endgültig in den finanziellen Ruin getrieben, weshalb er ablehnte. Warum? Der Export von Agrarprodukten, Stahl, Fleisch und vielen weiteren Produktkategorien waren stark quotiert und limitiert. Die Ukraine wäre zu einem Billiglohnland und Absatzmarkt für westliche Monopole verkommen. Die Auswirkungen sind keine Spekulation, da dieses Abkommen 2016 unterzeichnet wurde. Der vor dem Maidan aktive Ministerpräsident Asarow berichtete, dass EU-Kommissionspräsident darauf mit den Worten: „Wenn ihr das nicht unterschreibt, wird es ein anderer Präsident und ein anderer Premierminister unterschreiben“ reagierte.
2014 überschlugen sich durch den Maidan-Putsch die Ereignisse: ein pro-westliches faschistisches Regime wurde in Kiew installiert und die neoliberale Ordnung mit offen terroristischen Methoden gegenüber der Bevölkerung durchgesetzt. Die vom US-Außenministerium unter Nuland bereitgestellten 5-Milliarden Euro für einen erfolgreichen Putsch entfalteten ihre Wirkung. Die Regierung, weigerte sich ein Assoziierungsabkommen mit der EU abzuschließen, wurde mit gewalttätigen Ausschreitungen beseitigt und mit Poroschenko eine dienliche Marionette eingesetzt. Wie aus Wikileaks-Dokumenten hervorgeht, hat er seit spätestens 2006 die US-Botschaft in Kiew regelmäßig über die Interna der ukrainischen Koalitionsbildungen und Lagerkämpfe informiert, sie im Umgang mit der ukrainischen Führung beraten und sich als Anwalt eines Beitritts zur EU profiliert.
In der Ukraine bildete sich eine Kompradorenbourgeoisie heraus, deren Einfluss in die ukrainische Politik im Endeffekt lediglich den NATO-Interessen der Vollstreckung des IWF Privatisierungs- und Spardiktats dient. Ihre Handlungen und Vernetzungen verdeutlichen dies und stehen beispielhaft an der Seite dutzender Kompradoren mit dem Imperialismus weltweit.
Oligarchen wie Poroshenko, aber auch Kolomoijskij wurden zu bereitwilligen Vollstreckern imperialistischer Machtpolitik.
Bereits das IWF-Programm, welches den Staatbankrott 2008 abwenden sollte, hatte den neoliberalen Reformkurs vorgezeichnet, der dann realisiert wurde: die Anpassung der Energiepreise an das Weltmarktniveau, kostendeckende kommunale Dienstleistungen, die Herstellung eines Markts für Ackerland, eingefrorene Gehälter für die Staatsangestellten und eine Abwertung der Währung. Was in der bürgerlichen Medienlandschaft wie eine Neuheit und widerbelebende Maßnahme für die Ukraine verkauft wurde, war seit Jahrzehnten Kontinuität zur Vorbereitung imperialistischer Raubzüge. Um all das abzusichern rekrutierte und finanzierte Kolomoijskij bewaffnete faschistische Gruppen wie Dnepr-1, Dnepr-2 und Azov die den Kern und militärischen Kader der Maidan Proteste bildeten. Um seinen Konkurrenten Poroschenko per Wahl auszustechen und mehr politische und ökonomische Macht in seinen Händen zu zentralisieren bewarb Kolomoijskij ab 2019 aktiv den heutigen ukrainischen Präsidenten Selenskiy auf seinen TV-Sendern. Grund für den Streit der beiden NATO-Marionetten war die für Kolomojskij verlustreiche Verstaatlichung der PrivatBank durch Poroshenko. Diese Bank verwaltete 2016 ein Drittel aller Spareinlagen in der Ukraine, ihr Zusammenbruch hätte schwere Folgen für die zahlreichen westlichen Privatiers gehabt, welche immer mehr Staatsanleihen anhäuften. Was Poroshenko unternahm und ihm schlussendlich sein Amt im Kampf gegen Kolomojskij kostete, war letztlich nichts weiter als der treue Befehlsgehorsam zum Internationalen Währungsfonds, welcher eine „grundlegende Sanierung“ des ukrainischen Bankensektors verlangte. Auch aus dem Ölförderunternehmen Ukrtransnafta drängte Poroshenko Kolomojskij heraus. Der Absetzung des Chefs des Unternehmens, der lange Zeit dafür gesorgt hatte, dass Kolomojskijs Unternehmen mit lukrativen Aufträgen versorgt wurden, stellte Kolomojskij eine Gruppe bewaffneter Männer entgegen, die das Gebäude des Unternehmens kurzzeitig blockierten. Kolomojskij scheiterte, jedoch und ging zum Wahlkampf über. Dieser kleine Exkurs zeigt, dass zwar durchaus auch interne Machtkämpfe und politische Auseinandersetzungen in den Ländern toben. Jedoch immer nur in einem Rahmen, welcher der westlichen Steuerung nutzt und sie nicht in Frage stellt.
Oligarchen, wie Rinat Achmetov, Viktor Pintschuk und Dmytro Firtasch, welche vor 2014 vor allem in den Branchen Energie und Stahl Kapital akkumulierten, hielten aus verschiedenen, meist standortfaktischen Gründen an engeren Bindungen zu Russlands Ökonomie fest. Doch schlugen sich alle bedingungslos auf die Seite des Westens, als der Maidan Putsch inszeniert wurde.
Victor Pintschuk war beispielsweise seit Jahren in das Netz des Imperialismus integriert. Zur Annäherung an die EU rief Pintschuk 2004, im Jahr der „orangenen Revolution“ unter der die Yalta European Strategy (kurz „YES“) ins Leben. Dort trafen sich jährlich wirtschaftliche und politische Eliten im Sommerpalast des letzten Zaren auf der Krim, um den Raubzug der Ukraine durch EU und USA voranzutreiben. Zu den geladenen Gästen gehörten Bill und Hillary Clinton, Tony Blair, Larry Summers, Bill Gates und weitere Kapitalvertreter, des westlichen Finanzkapitals. Weitere Integration in die imperiale Politik erlangte Pintschuk durch Einzahlungen in das globale Stiftungswesen. Als Verbindung zur europäischen politischen Klasse erschien die Tony-Blair-Stiftung als geeignete Wahl. Zugang zum US-Amerikanischen Finanzkapital, aber auch zum hart umkämpften Stahlmarkt der USA, verschaffte sich Pintschuk seit 2006 durch Millionenspenden an die Clinton-Stiftung.
Strippenzieher
Doch zurück zum Maidan-Putsch und seinen Folgen. Betrachten wir die Ereignisse nun mit Blick auf die Einmischungen imperialistischer Monopole wird umso deutlicher, dass dieser Putsch (ähnlich Chile 1973) der Durchsetzung von Marktöffnungen und Privatisierungen diente. Diese Neoliberale Strategie wurde wie bereits aufgezeigt seit der Konterrevolution verfolgt und nahm ab den 1990er Jahren bei der Unterwerfung der ehemals sozialistischen Ländern Fahrt auf. Hand in Hand mit diesem ökonomischen Raubzug ging eine gezielte Durchsetzung des ukrainischen Staatsapparates mit Faschisten. Es folgten massive Hetze und Verfolgung von antifaschistischen und gewerkschaftlichen Gruppen. Sinti und Roma fielen dutzenden Pogromen zum Opfer, Russen wurden staatlich terrorisiert, ausgegrenzt und ermordet und die Teile der jüdischen Bevölkerung die da nicht mitspielten fanden sich auf den Abschusslisten des SBU, neben hunderten anderen widerständigen Ukrainern, wieder. Ziel dessen war die Ukraine gegen Russland aufzuhetzen und hochzurüsten und in dieses Land langfristig in einen Abnutzungskrieg zu zwingen.
Auch die „Open Society Foundation“ und die „International Renaissance Foundation“ des US-amerikanischen Investors George Soros spielten beispielweise eine Schlüsselrolle in der Vorbereitung und Aufhetzung des Putsches.
Soros arbeitete seit langer Zeit an einer Stützung der Ukraine durch die US-Notenbank und das US-Finanzministerium. Investitionen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar zwischen der Ukraine und den USA sollten zur Finanzstabilität des völlig maroden Landes beitragen, weshalb Soros bei US-Finanzminister Jack Lew intervenierte.
Natürlich nicht aus Sorge um die Verarmung und Verelendung weiter Teile der ukrainischen Arbeiterklasse. Soros selbst hatte in ukrainische Staatsanleihen investiert und fürchtete um seine Anlagen. Denn vor dem Maidan Putsch bestand die Gefahr, dass es zu einem Schuldenschnitt bei den privaten Gläubigern der Ukraine kommt. Soros war in der Ukraine nicht erst seit dem Maidan-Putsch ein bekanntes Gesicht, bereits in den 1990ern stellte er dem damaligen Präsidenten Kutschma einen „externen Beraterstab“ zur Seite.
Ebenfalls lange vor dem Maidan – im Jahr 2012 – hatte sich der niederländisch-britische Konzern Shell mit einem 50-Jahres-Vertrag den damals größten Auftrag zur Erschließung von Schiefergas in Europa zugesichert. Schätzungen zufolge besitzt die Ukraine 1,2 Billiarden Kubikmeter Schiefergas und damit das drittgrößte Vorkommen in Europa.
Vom ersten Maidan-Tag an wies das politische Spektrum, das den Platz besetzte, besondere Merkmale auf. Vitalij Klitschkos Bündnis „Ukrainischer demokratischer Allianz für Reformen“ (UDAR) und der Allukrainischen Vereinigung „Vaterland“ von Julia Timoschenko, wurden beide durch den Topf des 5 Milliarden Dollar schweren „Programm für eine demokratische Ukraine“ des US-Außenministeriums finanziert. Kolomoijskijs rekrutierte und in der Westukraine unter Hilfe westlicher Geheimdienste militärisch geschulte Nazi-Kader erledigten auf dem Maidan Platz und darüber hinaus den Rest.
Internationale Unterstützung erhielten die Demonstranten frühzeitig von US-Senator John McCain und der Staatssekretärin des US-Außenministeriums Victoria Nuland, sowie aus Deutschland in Form des Bertelsmann-finanzierten Außenpolitikers Elmar Brok und der Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms. Nuland sollte uns nun bereits durch die 50 Milliarden Dollar Putschhilfe, die sie verwaltende und an den entscheidenden Stellen einsetzte, bekannt sein. McCain hielt auf dem Maidan-Platz eine Rede, Schulter an Schulter neben dem lupenreinen Faschisten und Svoboda-Partei Vorsitzenden Oleh Tyahnybok, mit welchem er sich bereits am Tag zuvor (14. Dezember 2013) zu Gesprächen traf.
Der für Exxon und Chevron tätige Lobbyist McCain war nicht zufällig ein so engagierter Unterstützer dieses Putsches.
2013 unterzeichnete die Ukraine einen Schiefergas-Deal mit Chevron, der es dem US-Energiegiganten erlaubte, die sogenannten Olesky-Vorkommen in der Westukraine zu erschließen, die nach Schätzungen bis zu 2,98 Billionen Kubikmeter Gas enthalten.
Sicher ist, dass Exxon, Chevron und Shell mit der ukrainischen Gasförderung nicht nur den regionalen Markt anvisierten, sondern von den Fracking-Feldern in der Ukraine ausgehend, verschiedene Staaten der EU versorgen wollten, ein Projekt welches durch ein unterschriebenes Assoziierungsabkommen den endgültigen Startschuss bekommen hätte. Die dafür nötige Logistik wurde bereits auf Initiative Washingtons schrittweise durch die Drei-Meere-Initiative in Osteuropa ausgebaut. Dieser Ressourcenraub in Millionenhöhe, wurde zumindest teilweise für Shell, in der Ostukraine durch den bewaffneten antifaschistischen Widerstand der Volksrepubliken Donezk und Luhanzk verhindert und Shell der Zugriff verwehrt.
Die US-Unternehmen Exxon Mobil und Chevron haben 2022 übrigens zusammen 91,1 Milliarden Dollar durch Krieg in der Ukraine verdient. Insgesamt könnten sich die Profite der Ölmultis Analysten zufolge im laufenden Jahr auf 200 Milliarden Euro summieren. Auch die Vermögende Familie des heutigen US-Präsidenten Joe Biden, schnitt sich ein Stück vom Ukraine-Kuchen ab. Sein Sohn Hunter Biden, vormals für das US Department of Commerce tätig, war in den Vorstand von Burisma eingestiegen,- dem größten privaten Gaskonzern der Ukraine. Dort sorgte er an der Seite des ehemaligen polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski für die „Energiesicherheit“ der Ukraine, wozu insbesondere die Sondierung der Potentiale für Fracking gehörte.
Auch der deutsche Imperialismus sicherte sich hier seit Jahren seinen Teil der Beute. Die Ukraine diente jahrelang, als wichtiger Absatzmarkt für Deutschland. Nach Daten des Ost-Ausschusses von August 2013 wurde 2012 ein Zuwachs der deutschen Exporte in die Ukraine von sieben Prozent auf 5,7 Milliarden Euro verzeichnet, die Importe aus der Ukraine sanken dagegen um 18 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.
Mit etwa 6,6 Milliarden US-Dollar haben den Angaben zufolge deutsche Investitionen in der Ukraine einen Anteil von 16,5 Prozent an den gesamten ausländischen Investitionen. Unter den 2012 knapp 400 in der Ukraine Kapital exportierenden deutschen Unternehmen finden sich zahlreiche Mitgliedsunternehmen des Ost-Ausschusses, so etwa die Leoni AG, die Metro Group, die Knauf Gips KG, die Claas KGaA mbH und die Deutsche Messe AG. Diese Plünderung der Ukraine, sollte dann mit dem bereits genannten Assoziierungsabkommen forciert werden.
Um diesen Ausverkauf reibungslos zu organisieren, war jeglicher gesellschaftlicher Widerstand ein Dorn im Auge der Imperialisten. Das Finanzkapital der USA und EU unterstützte seine installierten Kiewer-Marionetten, deshalb gezielt bei der Niederschlagung jeglicher Keimzellen von Lohnkämpfen oder Protesten für Frieden. All dies Stand im direkten Zusammenhang zum militärischen Terror gegen die Volksrepubliken im Donbass und der Kriegsvorbereitung gegen Russland. Nationalismus als ideologisches Instrument zum Zweck der Kriegsvorbereitung ist seit jeher ein bewährtes Mittel und diente gepaart mit immensen Russenhass dazu die Ukraine zum Aufmarschgebiet gegen Russland zu transformieren.
Unterwerfung der Ukraine mithilfe des IWF
Die ukrainische Auslandsverschuldung überstieg nach dem Maidan Putsch 150 Prozent des Sozialprodukts. Ein immer wieder angekündigter Staatsbankrott wurde allein durch Kredite aufgeschoben, welche der IWF entgegen seiner Satzung an ein zahlungsunfähiges Land im Kriegszustand vergab. 1998, 2008 und 2010, konnte ein Staatsbankrott nur durch Kredite des IWF abgewendet werden, ohne dass davon Wachstumsimpulse ausgegangen wären.
Etwa zeitgleich zu der Ankündigung der USA, Kanadas und der Europäischen Union Mitte Dezember 2014, Russland mit weiteren Sanktionen zu überziehen, wurden der Ukraine 350 Millionen Dollar an US-Militärhilfe ausgezahlt. Neun Monate zuvor hatte der US-Kongress dem Land ein Hilfspaket in Höhe von einer Milliarde Dollar geschnürt. Bis 2019 wurde die Ukraine nach Angaben des Weißen Hauses mit 2,5 Milliarden Dollar bis an die Zähne bewaffnet.
Ein von der EU angebotenes Überbrückungsdarlehen in der Höhe von 600 Millionen Euro war genauso wie die immensen US-Militärhilfen an einen 17-Milliarden-Kredit des IWFs und damit einhergehende Auflagen gebunden. Für die Ukraine war das keine Neuheit: 4 Jahre zuvor war die Orange Koalition von Julia Timoschenko und Viktor Juschtschenko nicht zuletzt im Streit über die Sparauflagen des IWF auseinandergebrochen und Juschtschenko, der nach Westen orientierte „Held der Orangenen Revolution“ von 2005, daraufhin bei den Präsidentschaftswahlen 2010 in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt.
Das Oakland Institute recherchierte, dass der IWF als Vorbedingung für die Kreditvergabe ein Reformprogramm auflegte, welches auf die Förderung von Privatinvestitionen im Land abzielte. Das Maßnahmenpaket beinhaltete beispielweise die Reform der öffentlichen Wasser- und Stromversorgung, und die Beseitigung dessen. Alles was auf der Einkaufsliste des Imperialismus stand wurde von der Weltbank als “strukturelle Ursache” der derzeitigen ukrainischen Wirtschaftskrise bezeichnet und somit zum Abschuss freigegeben.
Der ukrainische Agrarsektor gehörte zu den vorrangigen Zielen des Imperialismus und wurde vom IWF und von der Weltbank, deshalb als „prioritär reformbedürftig“ eingestuft. Beide Finanzinstitutionen lobten die Bereitschaft der neuen Regierung, ihren Empfehlungen Folge zu leisten.
Die Bedingungen der IWF-Kredite stellten mehr und mehr eine komplette ausländische Steuerung der ukrainischen Politik dar. Das Land gab seine Souveränität an diese Institutionen ab. Im Folgenden will ich einen chronologischen Abriss liefern, der aufzeigt wie die Kiewer Politik sich den Interessen der imperialistischen Zentren unterordnete und die von Ihnen auferlegten Marktöffnungsdiktate politisch verabsolutierte.
Im Februar 2016 musste das „Gesetz zur Verbesserung des Privatisierungsprozesses“ unterzeichnet werden. Es sah die Einführung der Institution eines „Privatisierungsberaters“ (Plätze die sich dann westliche Finanziers/Vermögensverwalter sicherten) vor und ermöglichte es der Regierung, die Privatisierung strategisch wichtiger Unternehmen in die Wege zu leiten.
2018 wurde das Gesetz „Über die Privatisierung staatlichen und kommunalen Eigentums nachgelegt, welches die Verfahren bei der Privatisierung von großen Betrieben nochmals vereinfachte. Alles mitgeschrieben von Soros` Beratern und geprüft von westlichen Juristen die im Finanz- und Wirtschaftsministerium ein und aus gingen. BlackRock`s Berater schienen hierbei ihre Aufgaben so gut zu erfüllen, dass sie seit November 2022 offizielle Regierungsberater in Wirtschaftsfragen der Ukraine sind. All diese Gesetze sorgten gezielt für eine Zurückdrängung russischer Oligarchen aus dem ukrainischen Markt. Unternehmen mit zehn oder mehr Prozent der Aktien in russischem Besitz werden nicht zu Auktionen zugelassen.
Das Gesetz von 2016 formulierte darüber hinaus Kriterien, die festlegen, welche Unternehmen nicht privatisiert werden dürfen: Eigentum staatlicher Behörden und der lokalen Selbstverwaltung, militärische Objekte, Unternehmen der Atom- oder Raumfahrtindustrie, Denkmäler, U-Bahnen usw.
Im Anschluss an diesen Schritt wurde 2019 vom neugewählten Parlament ein weiteres Gesetz verabschiedet, dass die alte Liste von Objekten aufhob, die von einer Privatisierung ausgeschlossen waren. Damit begann zugleich die Versteigerung kleinerer Objekte (mit einem Startpreis von weniger als 250 Mio. Hrywnja, ca. 10,6 Mio. US-Dollar) auf der elektronischen Versteigerungsplattform „Prozorro.Sale“. Diese wurde wiederrum 2016 vom ukrainischen Wirtschaftsministerium ins Leben gerufen. Über diese Plattform wurden seit 24. Februar 2022 die „lend and lease“ Geschäfte zwischen USA und Ukraine abgeschlossen um die Ukraine aufzurüsten.
Über diese ukrainische Treuhandanstalt werden weiterhin fleißig Unternehmen privatisiert und gezielt an westliche Interessenten verkauft. Auch Think Tanks des deutschen Imperialismus wie nachweislich GTAI (Germany Trade & Invest) nahmen hierfür gezielt Einfluss auf die Politik der einstigen Sowjetrepublik.
Man kann dementsprechend eindeutig feststellen, dass sich der Außenhandel der Ukraine nach dem Maidan strukturell veränderte und sich die Handelsströme weg von Russland und hin zur EU und zu anderen Ländern verlagerten. 2018 erreichten die Ausfuhren in die EU sowohl nominal als auch relativ gesehen ihren historischen Höchststand und nahmen seither weiter zu.
Auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, nahm an diesem imperialistischen Raubzug teil. Mit dem „substanziellen Engagement im Bankensektor“ trieb die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an der Seite von IWF und Weltbank den Reform- und Umstrukturierungsprozess, in zahlreichen Wirtschaftssektoren, voran um weitere Raubzüge und Übernahmen vorzubereiten. Diese Institution der durch den deutschen Imperialismus geführten Europäischen Union konnte sich somit zeitweilig zum größten Auslandsinvestor der Ukraine entwickeln. In Relation zum BIP beträgt das laufende Engagement der EBWE in der Ukraine 6,3 % und ist damit so hoch wie in sonst keinen anderen EU-Land, wo lediglich Werte von 0,5–1 % erreicht werden.
Diese Neoliberale Wende in der Ukraine bedeutete ebenso einen Startschuss für die Jagd auf ukrainische Staatsanleihen. Die vom IWF verlangten Schuldenrückzahlungen benötigen Devisen,- natürlich in US-Dollar. Diese notwendige Devisenbeschaffung funktioniert über die privaten Geldgeber, welche ukrainische Staatsanleihen in der lokalen Währung Hrywna kaufen und gegen Dollar tauschen. Somit sichert nicht nur der IWF-Komplex durch an bestimmte Bedingungen gekoppelte Kreditvergabe seinen Einfluss und seine Macht, sondern auch private Geldgeber wie: Blackrock, Fidelity International, Amia Capital und Gemsstock.
Vor allem seit Beginn der russischen Militäroperation, leiht die Ukraine an private Finanziers auch sogenannte „militärische Staatsanleihen“. Diese spülten nur nach wenigen Tagen (3.März 2022) 227 Millionen US-Dollar in die Kassen der Kriegstreiber.
All dies diente der Festigung der politischen und ökonomischen Dominanz der USA und EU in Osteuropa. Die herrschende Klasse hinter Kiewer Regierung, war nicht mehr die eigene nationale Bourgeoisie, sondern unterlag vorrangig den Vorgaben ausländischer Monopolinteressen. Dieser Kolonisierungsprozess durch die NATO, dient immensen Kapitalexport, der Machtsicherung und Unterwerfung von Staaten, der Kriegsvorbereitung gegen Russland und ist Ergebnis der neoliberalen Strategie des Imperialismus.
Raubzug über die ukrainische Landwirtschaft
Ich hatte mich bereits an den Ausverkauf der Öl- und Gasvorkommen der Ukraine herangetastet. Doch vor allem eine Ressource machte die Kornkammer Europas seit jeher zum Ziel des Imperialismus: fruchtbare Böden.
Wir erinnern uns: Der ukrainische Agrarsektor gehört zu den vorrangigen Zielen des Imperialismus und wurde deshalb vom IWF und von der Weltbank, als „prioritär reformbedürftig“ eingestuft,- also auf die Einkaufsliste gesetzt. Poroshenko bat sich damals als bereitwilliger Helfer des Ausverkaufes seines Landes an. Dadurch das die Privatisierung des Landes in großem Stil an internationale Investoren freigegeben wurde, konnten seine Unternehmen 96’000 Hektar fruchtbares Land auf den Markt bringen. Bereits 2013 stellte die Weltbank Darlehen in Höhe von 89 Millionen Dollar für die Entwicklung eines Programms für Grundbucheintragungen und Landtitel bereit, dass für die Übernahme von staatlichem und genossenschaftlichem Land benötigt wird.
Die vom Ausland gesteuerten Agrarreformpläne für die Ukraine den erleichterten Zugang zu Agrarland, die Aufweichung von Nahrungsmittel- und Pflanzenbestimmungen und -kontrollen und die Verringerung von Steuern und Zöllen vor.
Im Jahr 2015 wurden bereits mehr als 1,6 Millionen Hektar Land für die landwirtschaftliche Nutzung überlassen. Biotechnologieunternehmen wie Monsanto, Cargill und DuPont sind bereits seit geraumer Zeit in der Ukraine präsent und haben ihre Investitionen in den letzten Jahren erheblich erhöht.
Im März 2014, nur wenige Wochen nach dem Sturz Janukowitsch Regierung, investierte Monsanto 140 Millionen Dollar in den Aufbau einer neuen Saatgutfabrik nahe Odessa. Noch schneller war hier lediglich DuPont, welche bereits im Juni 2013 den Bau einer Saatgutfabrik in der Ukraine angekündigt hatten.
Cargill besitzt in der Ukraine inzwischen mindestens vier Getreidesilos und zwei Fabriken zur Herstellung von Sonnenblumenöl. Im Dezember 2013 erwarb das Unternehmen einen Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie an einem Getreideterminal in der Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer, der über eine jährliche Verladekapazität von 3,5 Millionen Tonnen Getreide verfügt.
Alle Aspekte der ukrainischen Agrarlieferkette – von der Produktion landwirtschaftlicher Inputs bis zur Ausfuhr der Ware – wurden zunehmend von westlichen Firmen kontrolliert.
Der Expansionskurs erfreut sich der tatkräftigen Unterstützung von europäischen Institutionen und der US-Regierung. Dazu gehören auch die Bemühungen, die den politischen Wandel und den Sturz des angeblich pro-russischen ukrainischen Präsidenten Janukowitsch herbeiführten und das Werben für die Pro-Business-Reformagenda, die die US-Handelsministerin Penny Pritzker dann im Oktober 2014 auf einem Treffen mit Banderisten und Ministerpräsidenten der Ukraine Arsenli Jatsenjuk erläuterte.
Das zeigt auch der Blick in eine Datenbank, die Wissenschaftler des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg pflegen. In ihrer Land Matrix sammeln sie Informationen zu Landgeschäften weltweit. Laut dieser Datenbank waren 2015 sogar bereits 1,7 Millionen Hektar ukrainisches Ackerland in ausländischer Hand. Nur in sieben Ländern der Welt, die meisten davon in Afrika, kontrollierten ausländische Konzerne mehr Böden.
Für das Jahr 2023 schreiben verschiedene Quellen sogar von 17 Millionen Hektar westlich aufgekaufter Ackerflächen, diese Zahl ist jedoch umstritten.
Zwar wurde die Firma Monsanto im Jahr 2018 vom deutschen Pharma-Giganten Bayer AG für 66 Milliarden US-Dollar gekauft, aber sie besteht bis heute als hochaktive Tochtergesellschaft weiter. Noch vor dem Verkauf, als Monsanto 2015 einen Vermögenswert von 49,1 Milliarden US-Dollar verkörperte, hatte die Vanguard Group Inc. einen Aktienanteil von 7,1 Prozent besessen, was einem Wert von 3,61 Milliarden US-Dollar entsprach.
Die Vanguard Group Inc. wiederum ist in den letzten Jahren zur zweitgrößten Investitionsfirma der Welt aufgestiegen – auf Platz eins steht nur noch der dubiose Vermögensverwalter BlackRock. So hat auch BlackRock enorme Firmenanteile an den oben genannten Agrarunternehmen. Im Falle von DuPont ist BlackRock mit 4,33 Prozent – also 22.021.770 Aktien – der zweitgrößte Teilhaber. Hier hat die Vanguard Group Inc. sogar noch mehr – belegt nämlich mit 7,66 Prozent durch 38.962.143 Aktien den ersten Platz.
Die vom IWF erzwungenen Marktöffnungsgesetze betrafen somit auch den größten ukrainischen Agrarkonzern Kernel Group. Formell befindet sich der Sitz des Unternehmens in Luxemburg; die operative Leitung erfolgt jedoch aus Kiew. Das Unternehmen ist der weltgrößte Erzeuger und Exporteur von Sonnenblumenöl sowie der größte Getreideerzeuger und Getreideexporteur der Ukraine. Kernel ist mit einer Gesamtanbaufläche von 514.000 Hektar der größte Agrarproduzent der Ukraine.
US-Amerikanische Vermögensverwalter wie Kopernik Global Investors und Lind Investors konnten dadurch seit 2021 ihr Finanzkapital dort anlegen, vermehren, sowie durch hohe Aktienanteile am Unternehmen Einfluss sichern und ausüben.
Im Zuge dessen führte die Ukraine 2020 eine Landreform durch, welche den Zugang erleichterte und bis ins Jahr 2024 den Weg für weitere Privatisierungswellen vorgezeichnet.
Arbeitsgruppen deutscher Unternehmen und Wirtschaftsverbände hatten für das Forum Wiederaufbaukonferenz ein Dossier namens „Rebuild Ukraine“ verfasst, dass die ukrainische Regierung weiter drängt, „bereitgestellte Mittel und politische Entscheidungen strategisch so einzusetzen, dass Anreize für den Privatsektor geschaffen werden, zu investieren und Reichtum zu schaffen“. Es beschreibt zahlreiche Investitionsmöglichkeiten und gliedert sie in die Bereiche Bauen, Logistik und Infrastruktur, Digitalisierung, Energie, Gesundheit sowie Agrarwirtschaft. Passend dazu hatte die Kiewer Rada im Juli 2022 hunderte weitere Unternehmen auf Prozorro Sale freigegeben.
Deutschlands Versuch, sich als führende Wirtschaftsmacht in der Ukraine festzusetzen, wird in den USA und auch in anderen europäischen Staaten mit Misstrauen verfolgt. Washington ist deshalb nicht bereit, die Leitung des „Wiederaufbaus“ der Ukraine Brüssel oder Berlin zu überlassen.
Der Think-Tank German Marshall Fund legte eine ausführliche Studie zum Wiederaufbau der Ukraine vor. Sie tritt dafür ein, die Leitung nicht der EU, sondern der G7, dem Zusammenschluss der sieben führenden westlichen Industriestaaten, zu übertragen, um den Konflikt mit den USA nicht zu vertiefen.
Einschätzung
Mit der Kontrolle der NATO über die Ukraine, haben die imperialistischen Zentren ein mittelfristiges Ziel erreicht. Alles hier beschriebene stimmt die Imperialisten des Westens noch lange nicht zufrieden. Ihr Hauptinteresse über die Ukraine hinaus gilt Russlands rohstoffreicher Landmasse und der Niederhaltung Chinas. Der Abnutzungskrieg und die Sanktionen gegen Russland dienen nur einem Ziel: das Land in eine zweite Ukraine verwandeln. Dafür bereitete die NATO gezielt den derzeitigen stattfindenden Abnutzungskrieg gegen Russland vor. Die immensen Militärhilfen und die faschistischen Kräfte in Armee, Geheimdienst und Polizei waren erwünschte und westlich gesteuerte Kontinuitäten,- spätestens seit 2014. Inwiefern 2022 ein ukrainischer Angriff bevorstand muss Gegenstand weiterer Klärung sein. Fakt ist das durch die Dekrete zur Rückeroberung der Krim und des Donbass sowie die Aufkündigung des Budapester Memorandums auf eine Eskalationsstufe hingearbeitet wurde, welche die Russische Föderation in Zugzwang brachte.
Die Ukraine wurde überfallen. Und zwar von den Monopolen Westeuropas und der USA samt IWF, Weltbank und WTO – den Dirigenten der Weltherrschaft.
Sie reiht sich seit dem Maidan Putsch in die lange Liste der westlichen Marionettenregime ein, deren Rohstoffe und Industrien schonungslos ausgeplündert werden. Für dieses Kiewer Regime kämpft eine NATO-Armee um die Ackerflächen und Bergbaugebiete westlicher Konzerne und das bis zum letzten Ukrainer. Eine seit Jahrzehnten international wiederkehrende Tendenz ist, dass die zentralen Instrumente für die Durchsetzung dieser Politik WTO, IWF und Welthandelsorganisation sich wie eine Art Vortrupp auf die Zielländer stürzen und mit verschiedensten Methoden die Märkte für ihre Monopole aufbrechen. Sie sanktionieren die Länder in die Knie, setzen ihre Währungen Spekulationen aus und finanzieren NGOs, während die CIA-Medienagentur NED die Bevölkerung verhetzt, aufstachelt und Feinde dämonisiert. Vor Ort werden Kompradoren als Verwalter des Ausverkaufs und Unterdrücker gegen widerständige Bewegungen eingesetzt. Diese errichteten durch neoliberale Reformen einen Wandel hin zu einem neoliberalen Staat, welcher auf einen halbkolonialen Status herabgedrückt wird. Während überall auf diese Strategie des Imperialismus Erfolge feierte, stießen sie in der Ukraine auf den Widerstand der Bevölkerung des Donbass und der Krim die sich diesem Einfluss entziehen konnten. Das Ihnen ein Krieg mit Faschisten an vorderster Front erklärt wurde ist wenig verwunderlich, überall auf der Welt standen und stehen Akteure auf der Abschussliste des Imperialismus, weil sie für nationale Befreiung und mehr Souveränität kämpfen.
„Heute sind wir frei“ heißt es in dem Totengedenken, das die ehemaligen Häftlinge des KZ Buchenwald am 19.04.1945 zum Andenken an ihre mehr als 50.000 ermordeten Kameraden auf dem Appellplatz des KZ organisierten. Ihre Freiheit und ihr Leben verdankten sie der Solidarität unter den Häftlingen, die im wesentlichen vom Internationalen Lagerkomitee unter Führung der politischen Häftlinge und im Besonderen der Kommunisten organisiert wurde.
Sie riefen: „Wenn uns eins am Leben hielt, dann war es der Gedanke: Es kommt der Tag der Rache!“. Am 11. April 1945 war dieser Tag gekommen. Die Häftlinge, die diesen Tag über Jahre hinweg unter strengster Konspiration und unter Einsatz ihres Lebens vorbereitet hatten, befreiten das Lager mit Waffengewalt, setzten die verbliebenen Truppen der SS fest und übernahmen die Verwaltung des Lagers, bis sie es den vorrückenden Truppen der US-Armee übergaben.
Doch den Häftlingen war auch klar: „Dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!“. Sie schworen sich: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Dieser Schwur ging als Schwur von Buchenwald in die Geschichte ein. Er ist Ausdruck des politischen Kampfes, den sie führten und er mündete in die Erkenntnis, diesen Kampf gegen den Faschismus mit dem Kampf um den Sozialismus zu verbinden.
Stehlen erzählen die Geschichte des Aufstands
Diesem Kampf widmete die DDR mit der 1958 eingeweihten Nationalen Mahn- und Gedenkstätte ein Mahnmal, das unter dem Leitmotiv „Durch Kämpfen und Sterben zum Sieg“ die Schrecken des Konzentrationslagers einfängt, ihnen aber auch die Solidarität der Häftlinge und den von den Kommunisten angeführten Widerstand gegenüberstellt. In einem Rundgang über die Nationale Mahn- und Gedenkstätte haben wir uns am vergangenen Wochenende mit ca. 50 Genossen die Geschichte dieses Kampfes erschlossen. Gemeinsam haben wir die sieben Stelen, die an die sieben Jahre Existenz des KZ Buchenwald erinnern, sowie die Ringgräber mit den Überresten der Menschen , die die Schrecken des KZ überlebten aber an den Folgen der unmenschlichen Behandlung starben, besichtigt. Außerdem besuchten wir die Straße der Nationen, die Plastik am Ende der Straße der Freiheit und den Glockenturm. Im Anschluss haben wir die politische Bedeutung des Schwurs von Buchenwald für die Friedensbewegung heute diskutiert.
Am Sonntag organisierten wir gemeinsam mit DKP, KPD und Freidenkern am Buchenwaldplatz in Weimar ein Gedenken an den Führer der KPD und der deutschen Arbeiterklasse, Ernst Thälmann, der in Buchenwald im August 1944 von den Faschisten ermordet wurde. Wir gedachten im Rahmen der Thälmann-Ehrung im Innenhof des KZ Buchenwald auch der Totenfeier, die die Kommunisten damals aus diesem Anlass abhielten. Auch an diese erinnert eine der Stelen auf der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte. Denn in Folge von Thälmanns Ermordung intensivierte das Internationale Lagerkomitee seine Aktivität und bereitete den Aufstand, der zur Selbstbefreiung des KZ führen sollte, zielgerichtet vor.
Die Fahne des Sieges der Roten Armee und die Fahne des antifaschistischen Deutschlands, der DDRThälmann-Gedenken in Weimar
Im Anschluss erschlossen wir uns weitere Teile der Geschichte des Lagers auf einem Rundgang über das KZ. Dabei legten wir Blumen am Pferdestall nieder, in dem die Faschisten mehr als 8.000 Offiziere der Roten Armee erschossen. Sie taten dies, da ihnen bewusst war, dass die politisch geschulten Offiziere Sowjetrusslands ihre unversöhnlichsten Feinde waren. Aus diesem Grund fürchteten sie sie.
An der Kinderbaracke verlas ein Genosse das Gedicht „Kinderschuhe von Lublin“ von Johannes R. Becher, das ein eindrückliches Zeugnis der Schrecken der Konzentrationslager darstellt. Zudem erzählte ein polnischer Genosse, dessen Großvater und Urgroßvater als politische Gefangene in Buchenwald inhaftiert waren, die Geschichte der beiden. Er berichtete auch über die Flucht seines Großvaters auf einem der berüchtigten Todesmärsche, auf die die Faschisten die Häftlinge kurz vor Ende des Krieges schickten. Der Aufstand des Internationalen Lagerkomitees setzte dieser mörderischen Praxis am 11.04.1945 ein Ende und rettete so mehr als 20.000 Menschen das Leben.
Im Rahmen der offiziellen Gedenkfeier war jedoch erneut kein Wort von der Selbstbefreiung des KZ zu vernehmen. Weder vom „linken“ Ministerpräsidenten Bodo Ramelow noch von Seiten der Gedenkstätte fiel ein Wort zum Kampf der Häftlinge um ihre Freiheit. Dieses Verbrechen ist möglich, da inzwischen so gut wie keiner der Häftlinge, die die Selbstbefreiung selbst erlebten, mehr am Leben ist, um ihnen zu widersprechen. So betreiben die Regierenden weiter Geschichtsklitterung und versuchen die Selbstbefreiung und die sich daraus ergebende politische Verpflichtung zu leugnen.
In den vergangenen Jahren ist man dazu übergegangen, den Fokus auf einzelne Opfergruppen zu legen. So stand in diesem Jahr das Gedenken an die im KZ inhaftierten Sinti und Roma im Mittelpunkt. Ihnen wurde in der BRD über Jahrzehnte hinweg die Anerkennung und damit auch die ihnen zustehenden Entschädigungen verweigert. Zudem sind sie bis heute Diskriminierung und institutionellem Rassismus ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund erscheint dieses Gedenken geradezu zynisch.
Für Empörung sorgte, dass der russische Generalkonsul auch in diesem Jahr nicht zu den Feierlichkeiten auf dem Appellplatz eingeladen wurde. Sogar der von ihm zwei Tage vor der Veranstaltung niedergelegte Kranz für die sowjetischen Opfer wurde vor der Gedenkstunde entfernt. Dabei waren die sowjetischen Häftlinge mit mehr als 15.000 Toten die bei weitem größte Opfergruppe. Doch in Zeiten, in denen Deutschland erneut Krieg gegen Russland führt, versucht man diesen Teil der Geschichte möglichst zu verdrängen.
Zudem waren auf dem gesamten Gelände der Gedenkstätte in diesem Jahr alle Fahnen, mit Ausnahme der Fahnen der Opfervereinigungen, untersagt. Auch das Zeigen des Georgsband war verboten. Genossen, die gegen diese Auflage verstießen, wurden erkennungsdienstlich erfasst. Dies geschah offensichtlich gezielt abseits der offiziellen Gedenkveranstaltung. Dieser Staat schreckt auch an einem solch wichtigen Gedenktag nicht vor Repression zurück. Wir lassen uns davon nicht einschüchtern und stehen solidarisch an der Seite der Genossen!
Denn auch heute gilt für uns Kommunisten die Verpflichtung des Schwurs von Buchenwald: „Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Diese Welt muss sozialistisch sein.
Gedenkstein für die ermordeten Rotarmisten
Hier die Veröffentlichung der Rede vom Innenhof des ehemaligen Krematoriums zu Ehren Ernst Thälmanns.
Liebe Freunde, Genossinnen und Genossen,
wir haben uns heute hier zusammengefunden, um gemeinsam Ernst Thälmann und den antifaschistischen Widerstandskämpfern zu gedenken.
Der Sprecher und Vorkämpfer der Arbeiterklasse Deutschlands und darüber hinaus ein weltweit geachteter kommunistischer Revolutionär wurde hier in Buchenwald 1944 von den Faschisten ermordet. 11 Jahre lang konnten die Faschisten ihn nicht brechen. An den Fronten wurde Deutschland zurückgedrängt, der Krieg konnte nicht mehr gewonnen werden. Für die Faschisten wurde es immer gewisser, dass ihnen danach die Rechnung für all ihre Verbrechen präsentiert wird. In ihrer Angst versuchten sie diejenigen zu vernichten, die ihre entschiedensten Gegner waren und in Gefangenschaft geblieben sind.
1944 diktierte Hitler dem SS-Reichsführer Heinrich Himmler in den Notizblock: „Thälmann ist zu exekutieren“. Der Befehl wurde umgehend ausgeführt.
Der wichtigste revolutionäre Führer des deutschen Proletariats, einer der bedeutendsten Revolutionäre der weltweiten kommunistischen Bewegung wurde nachts von seinem Haftort in Bautzen nach Buchenwald gebracht, dort erschossen und verbrannt.
Sein Mörder, der Leiter des Buchenwalder Exekutionskommandos und SS- Stabsscharführer Wolfgang Otto, überlebte den Krieg und lebte in der BRD, dem Zufluchtsort tausender Naziverbrecher, unbehelligt weiter.
Als die Häftlinge erfuhren, dass Thälmann ermordet wurde, organisierten sie unter den Bedingungen der Lagerhaft eine streng konspirative Versammlung, bei der sie unter Kerzenlicht im Keller Abschied nahmen.
Georgi Dimitroff sagte 1934 über den Genossen Ernst Thälmann: „Der wahre proletarische Revolutionär ist eine lebendige Verkörperung der revolutionären Theorie, die sich in untrennbarem Zusammenhang mit der revolutionären Praxis des kämpfenden Proletariats formiert. Das Musterbeispiel eines solchen proletarischen Revolutionärs ist gerade der Führer der deutschen Arbeiter, Ernst Thälmann. Er ist Blut vom Blute und Fleisch vom Fleische der deutschen Arbeiterklasse und des gesamten internationalen Proletariats.“
Ernst Thälmann widmete sein Leben dem Kampf gegen den deutschen Imperialismus, er bekämpfte mit der KPD entschieden die Aufrüstung der Weimarer Republik und organisierte als führendes Mitglied im Rotfrontkämpferbund den Kampf gegen den Faschismus.
Wo stehen wir heute?
Der deutsche Imperialismus führt heute abermals Krieg gegen Russland. Dafür rüsten die deutschen Regierungen seit 2014 wieder Faschisten in der Ukraine aus – Faschisten, die sich ganz offen mit SS-Kollaborateuren wie Stepan Bandera und ihren Verbrechen identifizieren. Die Gewalt dieser Faschisten gegen Gewerkschafter, Linke und Kommunisten ist in der Ukraine allgegenwärtig. Damals wie heute erfüllen die ukrainischen Faschisten den Zweck – auch für den deutschen Imperialismus – die Ukraine zu einem Anti-Russland aufzubauen.
Für den Krieg gegen Russland wird in Deutschland selbst die Heimatfront gestärkt. Widerspruch und Opposition werden nicht geduldet So werden aktive Kriegsgegner wie Heinrich Bücker und Bruno Mahlow durch Strafverfahren eingeschüchtert und repressiert. Dafür wurde in einer Nacht- und Nebel-Abstimmung im Bundestag sogar das Strafrecht angepasst. Neben der Repression von Kriegsgegnern stehen tägliche rassistische Hetze und Angriffe auf russische Bürger in Deutschland, die von unseren Medien gefördert werden.
Neben der Unterstützung der ukrainischen Faschisten und der Hetze gegen Kriegsgegner und Russen braucht es für den Krieg gegen Russland einen beispiellosen Kriegskredit von 100 Milliarden Euro, den, damals wie heute, selbstverständlich die Arbeiterklasse bezahlt.
Dagegen muss sich unser Kampf richten – gegen die Aufrüstung, die Normalisierung des Faschismus, gegen die antirussische Hetze und gegen die Abwälzung der Kosten dieses Krieges auf die Arbeiterklasse in Deutschland wie international.
Ehren wir Thälmann, indem wir uns sein Leben und seinen Kampf zum Vorbild nehmen! Kämpfen wir auch heute mutig gegen Imperialismus und Faschismus! Rot Front!
Unsere Genossen haben sich an den diesjährigen Ostermärschen in Berlin, Bremen, Chemnitz,Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt am Main, Jena und Leipzig mit klaren Anti-NATO Positionen beteiligt. Die Ostermärsche zeigen, dass es in Deutschland Widerstand gegen das hegemoniale Narrativ der russischen Aggression gibt und die Kriegspolitik der Bundesregierung und ihre massiven Aufrüstungsprogramme nicht unwidersprochen bleiben. Eine deutliche Position gegen die NATO bleibt allerdings weiterhin in der Minderheit. Die Aufgaben und Fragen der Friedensbewegung sind nicht klein. Neben einem klareren Verständnis über die Ursachen und Hintergründe zum Krieg der NATO gegen Russland, fehlt oftmals eine kämpferische Stimmung und es müssen offensive Antworten auf das zum Teil heraufbeschworene Bild einer Querfront entwickelt werden.
Der BerlinerOstermarsch, organisiert von der Friedenskoordination Berlin fand in diesem Jahr im Berliner Wedding unter dem Motto „Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg“ verhältnismäßig guten Zulauf. Wir haben uns als KO Berlin neben weiteren schätzungsweise 2.500 Protestierenden im Block vom Bündnis „Heizung Brot und Frieden“ beteiligt und unsere Aktionszeitung verteilt. Die Überschrift unserer Zeitung: „NATO raus aus der Ukraine“ fand dabei durchweg große Zustimmung. Im Vorhinein war insbesondere die Friedenskoordination Berlin unter anderem von der Antifa Nordost der Bildung einer Querfront bezichtigt worden. Nicht zuletzt konnten die Zusammensetzung und inhaltliche Ausrichtung des diesjährigen Berliner Ostermarsches diese Vorwürfe mit aller Deutlichkeit zurückweisen.
Vor Ort versuchten zwei kleine Gruppen von Gegendemonstranten die Kundgebung und den Demozug zu stören. Sie trugen eine NATO- sowie Ukraine-Flagge und ein Transparent mit dem Schriftzug „Geradedenken“. Ebenso wie Massenmedien und Politik versuchen solche Kräfte eine gesellschaftlich breite und politisch klare Opposition gegen die Kriegspolitik der Regierung mit Diffamierungen von Beginn an zu torpedieren. Es ist und bleibt die Aufgabe kommunistischer Kräfte innerhalb einer notwendig breiten Friedensbewegung, um eine klare Gegnerschaft zur NATO und einem Verständnis über den Zusammenhang von Faschismus und Krieg zu ringen. Diejenigen „linken“ Kräfte, die den Krieg der NATO gegen Russland, unter Beteiligung faschistischer Kräfte in der Ukraine unterstützen, bilden die tatsächliche Querfront. Der Berliner Ostermarsch war ein erfreulich Mut machendes Gegenstück dazu.
Auch in Bremenverteilten wir beim diesjährigen Ostermarsch unsere Stellungnahmen und versuchten mit Menschen vor Ort in die Diskussion zu kommen. Es nahmen ca. 1000 Personen an der Demonstration teil, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellte. Im Vorfeld zum Ostermarsch distanzierte sich die Linkspartei Bremen von dem Ostermarsch-Aufruf und warf den Veranstaltern vor, nicht solidarisch mit der Ukraine zu sein.
Am Karfreitag gegen 10 Uhr versammelten wir uns in Chemnitz auf dem Neumarkt, um am traditionellen Ostermarsch teilzunehmen. Die Teilnahme am friedensorientierten Ostermarsch ist in der aktuellen Lage von höchster Priorität, denn die NATO und damit die BRD führt Krieg gegen Russland. 200 Menschen beteiligten sich an der Demonstration. Die Reden zum Auftakt vertraten einen äquidistanten Standpunkt zum Krieg. Es wurde zwar auf die Blutspur hingewiesen, welche die NATO in den letzten Jahrzehnten hinterlassen hat, aber im selben Atemzug auf die angeblichen imperialistischen Bestrebungen der Russischen Föderation. Das Material, welches wir verteilt haben, wurde größtenteils mit großer Begeisterung entgegengenommen. Unsere eindeutige Anti-NATO Position führte sogar dazu, dass sich Personen mit uns gemeinsam in die Demonstration einreihten. Wir reihten uns hinter der DKP ein. Bei einem Zwischenhalt an der Ernst Thälmann Gedenkstätte wurde auf eine Rede von Thälmann hingewiesen, indem es um die Vorbereitung auf den Krieg der imperialistischen Räuberbande gegen die Sowjetunion ging. Es wurden Parallelen zur aktuellen Lage gezogen, auf politische Repression, wie bspw. gegen Heinrich Bücker und das sich geschichtlich wiederholende Expansionsbestreben des deutschen Imperialismus in Richtung Osten. Es wurden auch Fragen nach potentiellen Bündnispartnern im Kampf gegen die NATO, den deutschen Imperialismus und für den Frieden gestellt.
In Dresden unterstützten wir die hiesige Friedensinitiative bei der Vorbereitung des Ostermarsches, an dem 800 Menschen teilnahmen. Der kraftvolle Demonstrationszug bewegte sich quer durch die Stadt und setzte ein klares Zeichen für Frieden und den Stopp von Waffenlieferungen. In Diskussionen war vor allem der Umgang mit AfD und Freien Sachsen häufiges Thema sowie die Frage, ob Deutschland lediglich treuer US-Vasall oder doch selbst eine eigenständige imperialistische Macht sei. Wir selbst trugen vor der Frauenkirche eine Rede vor, die sich von den Vorrednern dadurch abhob, dass sie die NATO klar als weltweiten Kriegstreiber und Aggressor benannte. Die große Menge Demonstrierender signalisierte uns durch wiederholten und lauten Applaus ihre Zustimmung.i Noch bis Demonstrationsende erhielten wir Lob und Zuspruch für unsere klare Haltung gegen die westliche Kriegsführung, sowie für unsere Bezüge zur Klassenfrage und der Rolle des Internationalismus. Dementsprechend begehrt waren unsere Aktionszeitungen, von denen wir viele verteilen konnten. Auch die dutzenden Passanten die unseren Weg durch die Altstadt kreuzten zeigten uns ihre Zustimmung.
Dresden
In Duisburg beteiligten wir uns am Ostersamstag gemeinsam mit 200-250 weiteren Menschen an der Auftaktkundgebung und der anschließenden Demonstration durch die Innenstadt. Mit unserem „Stoppt den Krieg gegen Russland“-Transparent und unseren Parolen versuchten wir der sonst eher ruhigen Demo ein kämpferisches Auftreten zu verleihen. Von dem antideutschen Nachrichtenportal „Ruhrbarone“ wurden wir dafür als „Linksextremisten“ und als „Putins fünfte Kolonne“ bezeichnet.ii Auch die WAZ wetterte gegen uns und behauptete wahrheitswidrig, wir hätten „gut hörbar“ Parolen wie „Stoppt den Krieg gegen Russland“ und „Für die Niederlage der Nato!“ skandiert. In Wirklichkeit standen diese Parolen auf unserem Transparent, gerufen hatten wir „Keine Waffen für die Ukraine!“ und „NATO raus aus der Ukraine!“ Auch das lokale Bündnis Heizung, Brot und Frieden wurde für seine Kritik an der Verarmungspolitik der Bundesregierung im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Russland von der WAZ angegriffen. Zudem zeigte sich diese größte Regionalzeitung Deutschlands ernsthaft überzeugt, dass Demoteilnehmer deshalb rote und blaue Jacken trügen, weil dies die Farben Russlands seien.iii
Anschließend nahmen wir an der zentralen Friedensdemo in Düsseldorf teil. Diese war u. a. dank eines lebendigen SDAJ-Blocks etwas lauter als der Marsch in Duisburg. Auch hier sorgte unser Transparent für Aufmerksamkeit. Feedback sowohl zu unserem Banner als auch zu unseren Aktionszeitungen waren in Duisburg wie in Düsseldorf insgesamt sehr positiv: Teilweise liefen uns Interessierte hinterher oder umringten uns, um uns die Zeitungen förmlich aus den Händen zu reißen. Kritik kam nur dann von Personen, die der Meinung waren, dass Russland der Aggressor in diesem Krieg sei und dass die NATO sich nicht aus der Ukraine zurückziehen müsse. In Düsseldorf provozierten drei Personen aus dem antideutschen Spektrum wiederholt am Rande der Demo bzw. auf der Abschlusskundgebung auf dem Rathausvorplatz mit einer Ukraine-Fahne und einem Banner, auf dem die Demo der Querfront bezichtigt wurde.
Duisburg
In Thüringen waren wir sowohl beim Auftakt der Ostermärsche in Erfurt, als auch in Jena aktiv. In zahlreichen Gesprächen diskutierten wir die Inhalte der Kundgebungen und kamen ins Gespräch darüber, wie es gelingen kann, eine kämpferische Friedensbewegung aufzubauen, die auch wirklich Schlagkraft entfalten kann. Unserer Auffassung, dass eine äquidistante Position zum Krieg dafür kontraproduktiv ist und wir stattdessen den Kampf gegen die NATO als Hauptfeind in den Mittelpunkt stellen müssen, schlossen sich viele an. Ferner sprachen wir mit den Menschen darüber, welche gesellschaftliche Kraft es gerade in Deutschland braucht, um die Kriegspolitik zu stoppen und wie wir diese aufbauen können. Sowohl für unsere wöchentlich stattfindende Aktuelle Stunde als auch für unsere kommende Gedenkveranstaltung in Buchenwald luden wir Interessenten zu weiteren Gesprächen ein. Wir führten so nicht nur inhaltliche Debatten, sondern verfolgten auch die Vernetzung der Bewegung.
In Frankfurt am Main beteiligten wir uns mit Fahnen und Banner am Ostermarsch, zu dem eine breite Spanne von Organisationen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet kamen. Mit unserer konsequenten Position gegen die NATO fielen wir zwischen den anderen Akteuren auf, die oft eher oberflächlich Frieden und Verhandlungen forderten, ohne den Konflikt genauer zu analysieren. Deswegen nutzten wir die Chance des Open-Mics am Startpunkt der Demo, um dem etwas entgegenzusetzen und z.B. die indifferente Haltung der MLPD zu kritisieren. Einige Anhänger der „alten“ Friedensbewegung waren an unserer klaren Anti-NATO Position interessiert und es waren nur sehr marginal Ukraine-Fahnen zu sehen. Die meisten Reden auf der Abschlusskundgebung forderten einen Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine, oft in der Kombination damit, dass Russland sich jetzt sofort aus der Ukraine zurückziehen müsse. Nur in einem Redebeiträge wurde der Wirtschaftskrieg und die Sanktionen des Westens verurteilt und die Friedensbewegung vor Diffamierungen verteidigt. Der Ostermarsch war mit 4000 Teilnehmern stärker als letztes Jahr, trotzdem wirkte es wie eine stark ritualisierte Demo und war insgesamt wenig kämpferisch.
Frankfurt
Auch in Leipzig haben wir uns dieses Jahr wieder am Ostermarsch beteiligt. Dabei konnten wir sowohl beim Verteilen unserer Aktionszeitung als auch am Stand von „Leipzig gegen Krieg“ viele gute Gespräche führen. In unserer Rede haben wir auf die Vorgeschichte des Krieges aufmerksam gemacht und auf die Gefahr hingewiesen, die Schuld für den Krieg in der Ukraine bei Russland zu sehen. Für diese Position haben wir viel Zustimmung erhalten, kamen aber auch mit Besuchern des Ostermarsches in Diskussion, die dies anders sahen. Während des Aufzugs durch die Leipziger Innenstadt verschafften wir unseren Anti-NATO Positionen durch Sprechchöre Gehör. Die Teilnehmer des Ostermarsches ließen sich auch nicht von ein paar Passanten stören, die uns u.a. mit „Slava Ukraini“-Rufen begegneten und versuchten, während unserer Rede das Mikrofon an sich zu reißen.
For some time now, the resistance in Palestine has taken the form of a new Intifada: For months now, the Israeli colonial and occupation regime has been confronted on a daily basis with guerrilla actions, which for the first time since the Second Intifada have also led to increased casualties on the side of the colonial settlers. At the same time, the various factions of the Palestinian resistance are coming together more and more and seem to be increasingly overcoming their other differences. This is reason for hope!
In Germany, this Palestinian drive toward a united popular resistance is embodied in particular by the Samidoun organization, which consists primarily of young Palestinians who were not born and raised in Germany. While older Palestinian exile organizations often still tend to adhere to the positions of their respective political currents of the past decades, Samidoun brings fresher impulses directly from Palestine or the Arab diaspora to the West. In this way, they also manage to activate young people in Germany, among other places.
This is probably the main reason why the group is a thorn in the side of the rulers in this land. And so Samidoun has long been the focus of state surveillance and repression as well as media agitation.
Most recently, a demonstration by the organization on April 8 in Berlin came under the spotlight of the ruling class media. It took place on the occasion of the recent terrorist actions of the Israeli occupation forces against the people in the Al-Aqsa mosque in occupied Jerusalem. Video footage disseminated by the Zionist „Observatory“ democ and picked up by all major German media reportedly showed shouts of „Death to the Jews!“ at the demonstration. The State Security Service immediately began investigating.
In a statement, Samidoun has commented in detail on the allegations, distancing itself from any anti-Semitism and stating that the video appears to be a fake. They also make clear, „We will not be silenced or oppressed, and we will not stand by while our community is targeted and criminalized.“ In addition, the organization calls for people to take to the streets on April 16, Palestinian Prisoners Day.
We can only support this confident response and strongly condemn the renewed smear and repression campaign against Samidoun! This is just another link in a long chain of criminalization of Palestinian resistance and Palestine solidarity in Germany. Our answer can only be solidarity!
Stop the anti-Palestinian propaganda!
Stop the repression against Palestinians and Palestine activists!
Long live the liberation struggle of the Palestinians – from the River to the Sea, from Jerusalem to Berlin!
منذ فترة وجيزة، اتخذت المقاومة في فلسطين المحتلة شكل انتفاضة جديدة: فمنذ شهورٍ يواجه النظام الاستعماري والاحتلال الإسرائيلي حرب عصاباتٍ يوميّة أدّت لأول مرّة منذ الانتفاضة الثانية (2000 -2005) إلى زيادة الخسائر في صفوف المستعمرين. في الوقت نفسه، تتوحد فصائل المقاومة الفلسطينية بشكل متزايد ويبدو أنها تتغلب على خلافاتها السياسية، ممّا يدعو إلى المزيد من الأمل
وفي ألمانيا يتجسد نضال الفلسطينيين في الدفع من أجل مقاومة شعبية موحدّة، وبشكل خاص شبكة صامدون التي تتكون أساساً من الشباب الفلسطيني الذين لم يولد ولم ينشأ في ألمانيا. فبينما تميل منظمات فلسطينية قديمة في الشتات والمنافي إلى التمسّك بمواقف التيارات السياسية التقليدية منذ عقود، فإن شبكة صامدون تطرح الموقف الشعبي من فلسطين مباشرةً والشتات العربي بشكل عام. وبهذا تنجح شبكة صامدون في ألمانيا بتفعيل طبقة الشباب
لهذا السبب بشكل أساسي، فإن شبكة صامدون شوكة في خاصرة الطبقة الحاكمة في ألمانيا. ولذلك لطالما كانت صامدون هدفاً وضحية لمراقبة الدولة وقمعها والتشهير بها في الإعلام
في الآونة الأخيرة، نظمت شبكة صامدون مظاهرة يوم السبت 8 أبريل في برلين وكانت محور اهتمام تقارير الصحافة البرجوازية. وتم تنظيم هذا النشاط بفعل تصاعد الأعمال الإرهابية لقوات الاحتلال الإسرائيلي ضد المصلين في المسجد الأقصى في القدس المحتلة. هناك ادعاءات في فيديو نشره ما يسمى بـ „مركز المراقبة“ الديموقراطي الصهيوني وتم تعميمه في جميع وسائل الإعلام الألمانية الكبرى، تُظهر صوتاً يصرخ „الموت لليهود!“. أمن الدولة بدأت بالتحقيق في الحادثة على الفور
وفي بيان لشبكة صامدون ردت بالتفصيل على المزاعم الصهيونية وموقفها ضد معاداة السامية ووضّحت أن الفيديو لا يمثّل المظاهرة. وتوضح صامدون في بيانها بقولها „لن يتم إسكاتنا أو قمعنا ولن نقف مكتوفي الأيدي بينما يتعرض مجتمعنا للقمع والتجريم عمداً“. إضافة إلى ذلك دعت شبكة صامدون إلى المشاركة في اليوم العالمي للأسير الفلسطيني 16 ابريل 2023 في مسيرة يجري تنظيمها في برلين
لا يسعنا إلا أن ندعم هذا الرّد الواضح لصامدون وندين بشدّة حملة الكراهية والقمع الأخيرة التي تتعرض لها! هذه مجرد حلقة أخرى في سلسلة طويلة من تجريم المقاومة الفلسطينية والتضامن مع فلسطين في ألمانيا. ردّنا هو التضامن
أوقفوا التحريض ضد الفلسطينيين
أوقفوا القمع ضد الفلسطينيين والمناضلين من أجل فلسطين
عاش النضال التحرري للشعب الفلسطيني – من النهر إلا البحر .. ومن القدس إلى برلين
In Palästina hat der Widerstand seit einiger Zeit die Form einer neuen Intifada angenommen: Seit Monaten wird das israelische Kolonial- und Besatzungsregime täglich mit Guerilla-Aktionen konfrontiert, die erstmals seit der Zweiten Intifada auch auf Seiten der Kolonialsiedler wieder zu vermehrten Verlusten geführt haben. Zugleich schließen sich die verschiedenen Fraktionen des palästinensischen Widerstands immer mehr zusammen und scheinen ihre sonstigen Differenzen zunehmend zu überwinden. Das ist Grund zur Hoffnung!
In Deutschland wird dieser Drang der Palästinenser zu einem geschlossenen Volkswiderstand insbesondere von der Organisation Samidoun verkörpert, die vor allem aus jungen Palästinensern besteht, die nicht in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Während ältere palästinensische Exil-Organisationen häufig eher noch den Positionen ihrer jeweiligen politischen Strömungen der letzte Jahrzehnte anhängen, bringt Samidoun frischere Impulse direkt aus Palästina bzw. der arabischen Diaspora in den Westen. So schaffen sie es auch, u. a. in der BRD junge Menschen zu aktivieren.
Wohl vor allem aus diesem Grund ist die Gruppe den Herrschenden in Deutschland ein Dorn im Auge. Und so steht Samidoun seit Längerem im Fokus staatlicher Überwachung und Repression sowie medialer Hetze.
Zuletzt geriet eine Demo der Organisation am 8. April in Berlin in den Fokus bürgerlicher Berichterstattung. Sie fand anlässlich der jüngsten Terroraktionen der israelischen Besatzungseinheiten gegen die Menschen in der Al-Aqsa-Moschee im besetzten Jerusalem statt. Auf Videoaufnahmen, die von der zionistischen „Beobachtungsstelle“ democ verbreitet und von sämtlichen großen deutschen Medien aufgegriffen wurden, soll zu sehen sein, wie auf der Demo „Tod den Juden!“ gerufen wurde. Der Staatsschutz begann sofort zu ermitteln.
Samidoun hat sich in einer Stellungnahmei ausführlich zu den Vorwürfen geäußert, sich von jeglichem Antisemitismus distanziert und erklärt, dass es sich bei dem Video um eine Fälschung zu handeln scheint. Sie machen zudem deutlich: „Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen oder unterdrücken, und wir werden nicht zusehen, während unsere Gemeinschaft gezielt unterdrückt und kriminalisiert wird.“ Darüber hinaus ruft die Organisation dazu auf, am 16. April, am Tag der palästinensischen Gefangenen, auf die Straße zu gehen.ii
Stoppt die anti-palästinensische Hetze! Schluss mit der Repression gegen Palästinenser und Palästina-Aktivisten! Es lebe der Befreiungskampf der Palästinenser – vom Jordan bis zum Mittelmeer, von Jerusalem bis Berlin!
Wer mit Kommunisten aber auch in der Antikriegsbewegung über die Einschätzung des Krieges in der Ukraine diskutiert, landet schnell bei der Frage, ob linke Kräfte die Losung nach Verhandlungen vertreten sollen. Diese Forderung wird in Teilen mit einem moralisierenden Pazifismus verbunden á la ‚frieden schaffen ohne Waffen‘. Damit wird einer historisch-materialistischen Untersuchung und der (Waffen-)Gewalt unter jedweden Vorzeichen eine Absage erteilt. Neben pazifistischen Argumentationen, die beim Thema Waffengewalt keinerlei unterschied sehen wollen, stößt man auch auf Stimmen, die zwar die NATO-Aggressionen skandalisieren, aber rhetorisch davor zurückschrecken, konsequent eine Niederlage der NATO zu fordern. Die NATO-Osterweiterung wird als ein Problem gesehen, aber die aktuelle Forderung müsste in Richtung Verhandlungen gehen. Was dabei oft ausgespart wird ist, dass eine NATO-Niederlage ein Sieg Russlands über die Ukraine bedeuten würde. Um konsequent die Forderung nach Verhandlungen mit einer Anti-NATO Politik zu verbinden, muss der Umstand mitbedacht werden, dass Verhandlungen erst dann den gewünschten Effekt erzielen, wenn die militärischen Voraussetzungen gegeben sind.
Die Forderung nach Verhandlungen ist prinzipiell eine richtige Forderung. Als Reaktion gegen die deutschen Waffenlieferungen, richtet sich dies meist gegen die westliche Expansionspolitik gen Osten. Wie das „Manifest für Frieden“ zeigt, kann sie allerdings auch für einen pro NATO-Kurs genutzt werden. Eine Oppositionshaltung wird in ihm lediglich als richtig herausgestellt, weil kein Siegfrieden über Russland möglich sei, durch die ‚Atomare-Gefahr‘, die von Russland ausgeht. Das „Manifest“, welches sich vollkommen der NATO-Logik bedient und Russland als den Aggressor in diesem Krieg brandmarkt, wirkt sich sehr negativ auf die Antikriegsbewegung aus, weil aus einer scheinbaren Opposition gegen die Kriegspolitik, der NATO-Kurs getragen wird.
In der Antikriegsbewegung zeigen sich dadurch Fallstricke, die mit der Forderung nach Verhandlungen einhergehen. Die Forderung nach Verhandlungen muss mit einer konsequenten Anti-NATO Politik verbunden werden – sich also ganz explizit gegen die Expansionspolitik der NATO richten. Die Forderung muss präzisiert werden, denn mögliche Verhandlungen können auch dazu dienen die Aggression der NATO unter den bestehenden Bedingungen fortzuführen. Dies sorgt dafür, dass es Situationen geben kann, in denen die Forderung nach Verhandlungen in die genau umgekehrte Richtung wirken, als ursprünglich beabsichtigt. Ein prominentes Beispiel im Ukrainekonflikt sind die Minsk Abkommen, die in ihrer Wirkung fatal für die ukrainische Arbeiterklasse, die Volksrepubliken sowie Russland waren. Sie wurden in einer Situation geschlossen in denen die Ukraine eine militärische Niederlage erlitten hatten – das Militär war faktisch gebrochen. Das Abkommen selbst diente für die NATO und die Ukraine lediglich als eine Verschnaufpause. Die Ukraine konnte acht Jahre ungestört weiter hochgerüstet werden, die Volksrepubliken weiter beschießen und dadurch mindestens 14.000 Menschen töten.
Mit dem Beitrag möchte ich versuchen die internationalen Entwicklungen seit Jahresbeginn grob nachzuzeichnen und wie sich diese auf den Krieg auswirken. Mit dieser Entwicklung im Blick, möchte ich auf die Losung nach Verhandlungen zurückkommen.
Ausgangssituation vor dem 24.02.2022
2021 konzentrierte das Kiewer Regime seine militärischen Kräfte am Donbass und plante mit dem Dekret 117 eine Rückeroberung der Volksrepubliken sowie der Krim. Seit 2014 brach die Ukraine durchgehend die Minsk-Abkommen und der Beschuss der Volksrepubliken hörte nicht auf. Durch die immer weitere Hochrüstung der Ukraine und der möglichen Stationierung von Langstreckenraketen, die in kürzester Zeit Moskau erreichen könnte, wurden die Sicherheitsinteressen Russlands massiv bedroht. Auf der anderen Seite hat Russland mehrfach Verhandlungsvorschläge gemacht, die zurückgewiesen wurden. Im Jahr 2021 war dies die politische Ausgangssituation. Der Bruch der Minsk-Abkommen und der nicht aufhörende Angriff auf die Volksrepubliken zeigt, dass die NATO seit 2014 in der Ukraine auf kriegerische Mittel setzt, um ihre Politik durchzusetzen. Diese Politik besteht darin, Russland zu bedrohen und die politische Souveränität anzugreifen.
Als der Beschuss der Volksrepubliken massiv ausgeweitet wurde, drohte Russland an, diese staatlich offiziell anzuerkennen. Nachdem auch diese Warnung ignoriert wurde, schloss Russland einen Vertrag zum Schutz der Volksrepubliken. Auch zu diesem Zeitpunkt lenkte die Ukraine bzw. die NATO politisch nicht ein und Russland ging zur Militäroperation über. Russland legte am 21.12.2021 einen Vertragsentwurf vor, der für eine friedliche Konflitktlösung verpflichtet hätte und die russischen Sicherheitsinteressen garantierte. Teil des Vertrages wäre auch eine Rücknahme der NATO-Osterweiterung auf den Stand von 1997 gewesen. Der Westen ließ sich auf diesen Vertrag nicht ein. Die Bedrohungslage für Russland wurde immer weiter eskaliert.
Durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Politik beider Seiten – Russland und der NATO – geändert. Russland hat vier Bezirke der Ukraine (Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson) angeschlossen. Militärisch geht Russland entschlossen vor, die Sicherheit zu erhöhen und die Bedrohung für Russland zu verringern. Auf der anderen Seite bekommen die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich und damit auch die Ukraine, immer größere Schwierigkeiten den Krieg auf die bisherige Weise fortzusetzten.
Internationale Bestrebung Richtung Beendigung des Kriegs
Die NATO-Staaten (allen voran die USA) versuchen seit Februar 2022 Russland, aber auch China international zu isolieren, indem sie auf eine Vielzahl von Staaten Druck ausüben, damit diese sich hinter die Kriegspolitik der NATO stellen.
Auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar diesen Jahres zeigte der Westen einmal wieder deutlich seine Herrschaftsallüren gegenüber dem Rest der Welt. Auf einer Veranstaltung am 18. Februar skandierte Annalena Baerbock, dass „Neutralität […] keine Option [ist], denn dann steht man auf der Seite des Aggressors“. Mit dieser Aussage richtete sie sich direkt gegen den sogenannten ‚globalen Süden‘, aus dem sich sehr viele Länder bis heute neutral gegenüber der russischen Militärintervention verhalten. Baerbock untermauerte in ihrem Redebeitrag diese Aussage und fügte hinzu:
„Das ist ein Appell, den wir auch nächste Woche wieder an die Welt richten: Bitte nehmen Sie eine Seite, eine Seite für den Frieden, eine Seite für die Ukraine, eine Seite für das humanitäre Völkerrecht ein und das bedeutet in diesen Zeiten auch, Munition zu liefern damit sich die Ukraine verteidigen kann.“
Der US-Außenminister Antony Blinken bekräftigte diesen Apell und sprach ebenfalls davon, dass „man […] wirklich nicht neutral sein“ kann.[i]
Aber wie erfolgreich ist der Druck und die Drohung der NATO-Staaten aktuell wirklich? Ist ihre bisherige Politik – einen Keil zwischen Russland und China zutreiben sowie beide international zu isolieren – wirklich erfolgsversprechend? Es soll hier versucht werden die internationalen Entwicklungen der letzten Monate kurz zu skizzieren.
Lateinamerika
Die NATO-Staaten bekommen immer größere Probleme Munition an die Ukraine nachzuliefern, da der Verbrauch die westlichen Produktionskapazitäten übersteigt. Deswegen versuchen die USA lateinamerikanische Staaten dazu zu bewegen sowjetische und russische Waffen, die sie besitzen an die Ukraine abzugeben. Die USA machen dafür das Angebot, diese Waffen gegen moderne amerikanische auszutauschen. Diese Versuche bleiben bisher erfolgslos. Kolumbien, Argentinien und Mexiko lehnen das amerikanische Angebot ab. Argentinien z.B. spricht sich für einen möglichst schnellen Frieden aus, allerdings ohne weitere Waffenlieferungen an die Ukraine.[ii]
Auch Brasilien lehnt jegliche Waffenlieferungen ab, drängt Richtung Verhandlungen und spricht sich für einen Stopp der westlichen Sanktionen gegen Russland aus. Lula da Silva hebt hervor, dass besonders China, Indien und Indonesien einen Betrag zu Verhandlungen leisten könnten.[iii] Er kündigte die Gründung eines „Friedensklubs“ an, bei dem es sich um einen Zusammenschluss von Staaten handeln soll, die keiner der beiden Kriegsparteien unmittelbar verbunden sind und sich für eine Beerdigung des Krieges einsetzten.[iv]
Am 01.03. traf sich der brasilianische Außenminister und Sergej Lawrow am Rande des G-20 Treffens und tauschten sich dabei nicht nur über den Ausbau von bilateraler Zusammenarbeit aus, sondern auch über die Lage im Ukraine-Konflikt. Einen Tag später führte Lula da Silva ein Gespräch mit Selenskyj in dem er deutlich machte, dass Brasilen sich mit anderen Ländern austauschen wird und sich an jeglicher Initiative beteiligen wird, um Frieden zu schaffen. In dem Telefonat mit Lula da Silva bestätigte Selenskyj seine Einladung nach Kiew, um persönlich über Verhandlungen zu sprechen. In diesem Gespräch hieß es scheinbar auch, dass die Beziehungen zwischen der Ukraine und Brasilen nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch erneuert werden könnten.[v]
China
Auf der Münchener Sicherheitskonferenz kündigte auch China eine Initiative für die Beendigung des Krieges an.[vi]Russland betont die Bereitschaft für Dialog und Verhandlungen, was von Seiten China’s unterstützt wird. Putin hob die Beziehung zu Russland hervor und auch China machte deutlich, dass das Land unabhängig von der geopolitischen Entwicklung an der Seite Russlands stehen würde.[vii] Auch der jüngste Staatsbesuch von Xijing Ping in Russland bekräftigten diesen Kurs.
Am 24.02. veröffentlichte China ein Zwölf-Punkte-Papier, in dem sie hervorheben das die Unabhängigkeit und territoriale Integrität aller Länder gewahrt werden muss. In diesem Papier werden die Doppelstandards des Westens angeführt, mit denen sie versuchen ihre völkerrechtswidrigen Kriege zu legitimieren. Es werden hier legitime Sicherheitsinteressen und -bedenken erwähnt, welche sich eindeutig gegen die Ukraine und die westliche Einbindung richten, die eine existenzielle Bedrohung für Russland darstellen. Auch der Sanktionspolitik gegen Russland wird eine Absage erteilt, mit der Begründung das international Bedingungen geschaffen werden müssen, durch welche die Wirtschaft wachsen kann und sich der Lebensstandard der Menschen erhöht.[viii]
Indien
Auch Modi spricht von der Bereitschaft mit beiden Seiten zu verhandeln. Bei einer UN-Generalversammlung enthielt sich Indien erneut bei einer Abstimmung, in der es um die Frage ging, ob Russland dazu aufgefordert werden soll seine Truppen aus der Ukraine abzuziehen. Inwieweit Indien den Zwölf-Punkte-Plan Chinas unterstützen wird, muss sich noch zeigen. Die Rivalität zwischen beiden Staaten bestehen weiter fort, auch wenn sie durch den westlichen Druck Russland zu isolieren, etwas abgenommen haben.[ix]
Saudi-Arabien
Am 10. März gelang China, wovor die USA schon lange fürchteten. China kündigte an, dass sie erfolgreiche Friedensgespräche zwischen Saudi-Arabien und dem Iran unterstützt habe. Eine ähnliche Initiative des Iraks wurde von den USA im Januar 2020 unterbunden, als Trump einen Drohnenangriff anordnete, um den iranischen Spitzenbeamten Quasem Soleimani zu ermorden.[x]
Saudi-Arabien setzt sich ebenfalls für Verhandlungen ein. Am 26.02. reiste der Außenminister nach Kiew. Anschließend kündigte er ein Hilfspaket in Höhe von 400 Millionen Dollar an und der Außenminister sprach von langfristigen Geschäftsbeziehungen in die Saudi-Arabien investieren wolle. Am 09.03. traf sich der Außenminister mit Lawrow und bekräftigte das sich Saudi-Arabien an Initiativen beteiligen wolle, die den Krieg beenden wollen.
Zusammenfassung
Die Versuche der NATO-Staaten Russland sowie China international zu isolieren, bleiben weiterhin erfolglos. Im Gegenteil zeigt sich ein stärkeres Zusammenrücken innerhalb des sogenannten ‚globalen Südens‘ und die Drohungen des Westens bleiben wirkungslos. Das Treffen zwischen Xijing Ping und Putin am 20. März zeigte, wie eng beide Länder zusammenstehen. Beide Staatspräsidenten betonten, dass sie den chinesisch-russischen Handel ausbauen wollen, und Putin forderte die weltweite Verwendung der chinesischen Währung.[xi] Sollte der internationale Handel abseits des Dollars weiter zunehmen, werden sich die ökonomischen Probleme der USA verschärfen.
Möglicher Kurswechsel der NATO
Die weitgehend erfolgslose Ukrainepolitik der USA sowie der damit zusammenhängende Kampf gegen China verursacht in den USA zunehmend innenpolitische Spannungen. Der Anteil der Befürworter von Waffenlieferungen an die Ukraine ist in den USA von 60 Prozent im Mai 2022 auf 48 Prozent zurück gegangen. Lediglich 37 Prozent der Amerikaner billigen eine direkte finanzielle Unterstützung während 38 Prozent sie klar ablehnen. Der Anteil derjenigen die die Sanktionspolitik der USA gegen Russland unterstützen ist von 71 Prozent auf 63 Prozent zurück gegangen. 59 Prozent sprechen davon, dass die Sanktionen nicht auf Kosten der US-Wirtschaft gehen dürfe.[xii] Es ist wahrscheinlich das dieser abnehmende Zuspruch weiter anhält und die USA zunehmend Schwierigkeiten bekommen könnten, ihren bisherigen geopolitischen Kurs innenpolitisch aufrecht zu halten.
Bei seinem Besuch in Kiew am 20. Februar äußerte Biden gegenüber Selensjy, wie viel Geld die amerikanischen Steuerzahler in die Ukraine investieren würden. Als Präsident sei er, allerdings angetreten, um an den Problemen der amerikanischen Wirtschaft zu arbeiten. Dies würde eine große inneramerikanische Investition verlange, merkte Biden an.[xiii]
Am 23.03. merkte der US-Außenminister Antony Blinken vor einem Ausschuss des US-Kongresses an, dass die ukrainischen Streitkräfte nicht in der Lage sein werden, dass gesamte Territorium das heute von Russland kontrolliert wird, zurückzuerobern: „Ich denke, es wird Gebiete in der Ukraine geben, bei denen die Ukrainer entschlossen sind, am Boden um sie zu kämpfen; es mag Gebiete geben, bei denen sie beschließen, dass sie versuchen müssen, sie auf andere Weise zurückzuerobern.“ Zwar beteuerte Blinken, dass die Entscheidung darüber einzig bei der ukrainischen Regierung läge und nicht von den Finanz- und Waffensponsoren getroffen werden könne. Der Ausschuss, vor dem er sprach, beschäftigte sich allerdings mit der Budgetfrage und es kamen Sorgen auf, dass die US-Ausgaben für die Ukraine überhand nehmen könnten.[xiv]
Auch in Europa zeichnen sich Veränderungen ab. Der britische Premierminister Rishi Sunak legte ein Abkommens-Entwurf vor. Dieses Abkommen soll es der Ukraine ermöglichen einen viel breiteren Zugang zu Ausrüstung, Waffen und Munition zu erhalten, nach Kriegsende. Berlin und Frankreich unterstützen die britische Initiative. Alle drei Regierungen sehen darin wohl die Möglichkeit der Ukraine einen Anreiz zu geben, in Verhandlungen mit Russland zu treten. Sunak drängt darauf der Ukraine weiterhin schwere Waffen (wie Kampfjets) zu liefern, die der Ukraine einen entscheidenden Vorteil geben würden.[xv] Dies deckt sich mit dem britischen Vorhaben der Ukraine „Challenger 2“-Panzer zu liefern sowie panzerbrechende Munition – welches abgereicherte Uran enthält.[xvi]
Scheinbar wird in den drei Ländern der Zweifel darüber größer, ob die Ukraine in der Lage sein wird, Russland aus der Ostukraine und der Krim zurückzuschlagen. In Großbritannien deuten Stimmen, in Bezug auf die Ausbildung von ukrainischen Piloten für Kampfjets, darauf hin, dass dies Teil des längerfristigen Ziels sei, Russland von zukünftigen Angriffen zurückzuhalten.[xvii] Auch Rheinmetall machte deutlich, dass die ukrainischen Panzerkapazitäten nicht ausreichen würden, um Russland militärisch zu schlagen. Um dies zu ermöglichen wollen sie eine eigene Panzerfabrik in der Ukraine aufbauen.[xviii]
Das mögliche Abkommen fällt hinter eine NATO-Mitgliedschaft zurück. Genauere Bedingungen sind noch nicht bekannt. Durch dieses könnte die Ukraine einen noch breiteren Zugang zu NATO-Waffensystemen erhalten. Deutschland signalisierte bereits, dass sie dauerhafte militärische Unterstützung an die Ukraine liefern wollen, u.a. Luftabwehr, schwere Artillerie, Panzer und Munition.[xix] Dafür spricht auch die Ankündigung der Bundesregierung, die Militärhilfe für die Ukraine von den bisherigen drei Milliarden Euro seit Kriegsbeginn, auf 15 Milliarden Euro zu erhöhen.[xx] Aus der Perspektive Großbritannien, Frankreich und Deutschland sollte die Ukraine nach ihrer geplanten Gegenoffensive im Frühjahr in Verhandlungen mit Russland übergehen, welche dabei helfen könnten, Territorien zurück zu gewinnen.[xxi]
In Frankreich wird die Frage aufgeworfen, was es bedeuten solle, dass Russland den Krieg auf keinen Fall gewinnen dürfe. Denn der Krieg würde für die Ukraine unerträglich werden, wenn er mit der bisherigen Intensität weitergeführt werde. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz äußerte sich der tschechische Präsident Petr Pavel in eine ähnliche Richtung und sprach davon, dass eine Situation eintreten könne, in welcher die Befreiung von Teilen der Ukraine mehr Todesopfer fordern könnte, als es die ukrainische Gesellschaft tragen könnte, weshalb die Ukraine potenziell über andere Ergebnisse des Krieges nachdenken müsse.[xxii]
In einem Gespräch in Paris mit Selenskyj am 08.02., äußerten sich Macron und Scholz dahingehend, dass die Ukraine Friedensgespräche mit Russland in Betracht ziehen müssten. Macron sprach davon, dass sich Selenskyj nun wie ein Staatsmann verhalten müsse und schwierige Entscheidungen zu treffen habe. Gegenüber der französischen Presse äußerte Macron, dass die Ukraine eine Offensive gegen Russland starten sollte, um diese zurückzudrängen und den Weg für Verhandlungen zu ebnen.[xxiii]
Am 10.03 prognostizierte der Grünen Politiker Jürgen Trittin im Handelsblatt, dass im Herbst der westliche Druck auf die Ukraine zunehmen könnte, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden. Trittin sprach davon, dass die US-Administration schon längst die entsprechenden Signale gegeben hätte. Dabei machte er deutlich, dass es nur die halbe Wahrheit sei, wenn davon gesprochen würde, dass die Ukraine über den Zeitpunkt der Verhandlungen entscheiden würden. Dies begründet er damit, dass die Ukraine abhängig von der westlichen Unterstützung ist und sich im Zweifel den westlichen Forderungen beugen müsse.[xxiv]
Situation für Russland
Die Entwicklungen könnten darauf hindeuten, dass ein weiter so für die NATO-Staaten zunehmend schwieriger wird. Aber was bedeutet das für die bisherige Strategie der USA, ein stärker werden Chinas zu verhindern, was sie aktuell über Russland versuchen? International zeichnet sich eine gegenläufige Bewegung ab, die eher für eine zunehmende Stärkung Chinas. Das politische Ziel der Ukraine, die ehemaligen östlichen Gebiete der Ukraine sowie die Krim zurückzuerobern, erweisen sich als unrealistisch Es wirkt als würden die eingesetzten Mittel des Westens dieses politische Ziel übersteigen. Gleichzeitig deutet die Entwicklung auf eine potenzielle Stärke Russlands hin. Dies birgt allerdings für Russland die Gefahr, sich auf einen falschen Deal einzulassen, was der Ukraine lediglich die nächste Verschnaufpause verschaffen würde. Die Vorhaben aus dem Westen deuten bereits darauf hin, dass es sich dann um ein Minsk III Abkommen handeln würde. Es wäre demnach ein momentaner Frieden, der umschlagen würde in einen erneuten Krieg mit einer noch weiter hochgerüsteten Ukraine. Auch wenn nach den bisherigen Verlautbarungen ein NATO-Beitritt der Ukraine eher als unwahrscheinlich gilt, so wäre eine weitere Hochrüstung, eine große Gefahr für Russland.
Es kann demnach eine Situation eintreten, in der sich Putin auf einen faulen Kompromiss mit der Ukraine einlässt. Dies würde eine weitere Akzeptanz des faschistischen Regimes in der Ukraine bedeuten, welches ungestört eine Politik betreiben kann, die auf Russenhass basiert und welches von ihrem politischen Ziel ehemalige Gebiete zurückzuerobern nicht loslassen wird. Für das ukrainische Volk wäre das Aufrechterhalten der bisherigen Situation eine Katastrophe, da es weiter der aggressiven und chauvinistischen Unterdrückung der eigenen Regierung ausgesetzt wäre. Auch für Russland würde die Bedrohung weiter bestehen.
Der US-Amerikanische ehemalige General Scott Ritter sprach in einem Interview am 02.04 davon, dass der Krieg zugunsten Russlands entschieden sei. Der Krieg wird sich an der Schlacht um Bachmut entscheiden, da die Ukraine einen Großteil ihres Militärs dort stationiert hat (80.000 Soldaten). Wenn Russland die Schlacht gewinnt – und dies gilt als wahrscheinlich –, dann ist die ukrainische Armee geschlagen, weil sie nach diesem Verlust nicht mehr wehrfähig wäre. Ritter hält ebenfalls eine ukrainische Gegenoffensive für illusorisch, da sich alle Kräfte in Bachmut konzentrieren und die Ukraine keine Möglichkeit haben würde groß Truppen zusammenzuziehen. Im Interview geht Ritter noch weiter und spricht davon, dass mit dem Sieg über Bachmut Russland all seine politischen Ziele im Krieg erreichen würde: Denazifizierung, Demilitarisierung und die Neutralität. Ritter führt auch an, dass der Westen fertig ist mit diesem Krieg (done with this war), weil sie kein weiteres militärisches Material für die Ukraine haben und ihnen auch das Geld ausgeht.[xxv] Die Annahme Ritters, dass über die Schlacht von Bachmut eine Demilitarisierung und Denazifizierung der Ukraine erreicht werden könnte, wirkt etwas gewagt. Interessant ist allerdings seine Einschätzung zum Zustand des ukrainischen Militärs. Selbst wenn die Ukraine, gegen Ritters Einschätzung, noch eine Offensive starten sollten, so sieht ihre Perspektive doch eher schlecht aus. Dies deckt sich auch mit den weiter oben angeführten Stimmen aus dem Westen, die einen militärischen Erfolg der Ukraine für unwahrscheinlich halten.
Konsequenz in der Verhandlungsforderung
Es zeichnet sich eine zunehmende Stagnation der NATO im Ukrainekrieg ab. International schafft sie es nicht, mehr Unterstützung für ihre Politik gegen Russland (aber genauso gegen China) zu gewinnen. Im Gegenteil formieren sich internationale Bestrebungen die sich zunehmend für Verhandlungen aussprechen und den NATO-Kurs nicht unterstützten. Diese Bestrebungen drücken (China macht dies explizit in ihrem Zwölf-Punkte-Papier) den Willen nach einem Schutz der nationalen Souveränität, vieler Länder aus. Hinzu kommt eine sich weiter verschlechternde Situation für das ukrainische Militär, was ein weiter so im Krieg urrealistisch erscheinen lässt. Zusammengenommen zeichnet sich also eine Situation ab, in der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine wahrscheinlicher werden.
Die Antikriegsbewegung muss in dieser Situation konsequent auftreten. Ein einfaches fordern von Verhandlungen kann die Arbeiterklasse in eine Richtung orientieren, mit der sie ein potenzielles Minsk III Abkommen mitträgt. Durch Verhandlungen, die es zulassen würden, dass die NATO die Ukraine ungestört weiterhin aufrüsten kann, wäre ein nächster Krieg nur noch eine Frage der Zeit. Dies kann keine Perspektive für die Arbeiterklasse sein.
Russland muss Verhandlungen mit der NATO (also stellvertretend mit der Ukraine) militärische erzwingen. Die Ausgangsbedingungen sind dafür gegeben. Nur eine militärische Oberhand in den Verhandlungen kann es Russland ermöglichen die nationalen Sicherheitsinteressen durchzusetzen. Um schlagkräftig zu werden, dürfen sich Kräfte der Antikriegsbewegung weder auf einen bürgerlichen Pazifismus noch auf eine versteckte kriegsstützende Forderung („Manifest für Frieden“) einlassen. Damit die Antikriegsbewegung internationalistisch agiert, muss ihre Politik die Bestrebung nach nationaler Souveränität ernstnehmen und unterstützen. Im Ukrainekrieg sind dies die russischen Sicherheitsinteressen, die von Seiten der NATO ignoriert werden.
Die verschärfende Rechtsprechung und die mediale Hetzte gegen Stimmen, die sich gegen den Krieg stellen, erhöhen den gesellschaftlichen Druck. Fälle wie die von Heiner Bücker, in denen Aussagen die sich für Frieden und Völkerverständigungen aussprechen strafrechtlich verfolgt werden, sollen uns einschüchtern. Sie befeuern eine Stimmung der Angst. Teilweise zeigen Diskussionen, dass es genau diese politisch aufgebaute Angst ist, die die Leute davon abhält, entschlossen gegen die NATO aufzutreten. Als Kommunisten müssen wir in der Antikriegsbewegung konsequent auftreten. Unsere Forderung muss weiterhin sein: NATO raus aus der Ukraine!
Artikel – keine Positionierung der Kommunistischen Organisation
VonBatya Shumi
Über die Hintergründe der Protestwelle vom 7.-9.März 2023
Das georgische Parlament, das mit 49% von Mitgliedern der regierenden Partei „Georgischer Traum“ besetzt ist, hat am 7. März mit 76 gegen 13 Stimmen ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die Souveränität des Landes stärken soll, in dem NGO’s mit mehr als 20% Finanzierung aus dem Ausland als ausländische Organisationen registriert werden sollen. Es blieben zwar 40 Abgeordnete der Abstimmung fern, bei insgesamt 139 Abgeordneten bilden die 76 Stimmen für das Gesetz jedoch eine absolute Mehrheiti.
Das Gesetz zielt darauf ab jegliche Einflussnahme zu registrieren, sowohl russische, als auch die der EU/USA und asiatischen Staaten. International stellen solche Registrierungen keine Besonderheit dar. Die USA haben mit dem „Foreign Agents Registration Act (FARA)“ ein sehr ähnliches Gesetz bereits 1938 verabschiedet, um den Einfluss von Nazideutschland einzudämmenii, aktuell haben dutzende andere Staaten wie Russland, Australien und Kanada ähnliche Interpretationen eines solchen Gesetzes implementiert. Besonders in den USA wird es sehr scharf angewendet, da durch dieses nicht nur NGO’s, sondern auch andere legale Organisationen und Zivilisten unter Verwaltungs- und sogar Gefängnisstrafe gestellt werden können.
Der Westen ist über den Versuch die georgische Souveränität zu stärken nicht amüsiert; die US-Botschaft in Georgien veröffentlicht noch am selben Nachmittag ein Statement, das den Vorgang als „schwarzen Tag für die georgische Demokratie“ bezeichnete – das „Kreml-inspirierte Gesetz“ sei unvereinbar mit dem Wunsch, dass sich „Georgien in Europa“ integriere und werfe „echte Fragen über die Loyalität der Regierungspartei zur euroatlantischen Integration auf“iii. Der Tenor ist gesetzt.
Als Reaktion auf die Verabschiedung des Gesetzes kam in den nächsten drei Nächten in der Hauptstadt Tiflis zu gewaltsamen Protesten mit mehreren Tausenden Anhängern vor dem Parlamentsgebäude, die das Gesetz als „Russengesetz“ brandmarkten. Insbesondere in der Nacht vom 8. zum 9. März waren die Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und überwiegend jungen Leuten, die mit EU-, US- und Ukrainefahnen sowie Molotowcocktails ausgestattet waren, sehr intensiv. Der Mob verletzte einige Politiker des Innenministeriums und zündete zahlreiche Autos vom ihnen an. Es gab auch versuche das Parlamentsgebäude zu stürmen. Insgesamt kam es zu 133 Festnahmen, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Abgeordnete flüchteten durch den Hinterausgangiv.
Für den Imperialismus haben sich NGO’s in Vergangenheit als hervorragendes Werkzeug bewiesen, um politische Einflussnahme auf Georgien auszuüben. In einer Studie der Asian Development Bank wird festgestellt, dass NGO’s in der US- und EU-gestützten „Rosenrevolution“ von 2003 eine wesentliche Rolle spielten – als Ergebnis der Farbrevolution wurden 7 von 11 Minister aus vom Westen finanzierten NGO’s rekrutiertv, die US-Marionette Mikhail Saakaschwili und seine Partei „Vereinte Nationale Bewegung“ kamen an die Macht. Anfangs stand Saakaschwili dem vorherigen Präsidenten und einflussreichen Konterrevolutionär Eduard Shevadnaze nahe, der bis 1991 Außenminister der Sowjetunion war und den Ausverkauf der Sowjetunion mitorganisierte. Doch das war den Transatlantikern nicht genug – die Spanne zwischen engen Beziehungen und voller Kontrolle sollte geschlossen werden und sie wurde geschlossen. Im Zuge der „Rosenrevolution“ stieg Saakaschwili 2004 vom Justizminister zum Präsidenten Georgiens auf, setzte die Partie Shevadnazes ab, die georgische Staatsfahne wurde geändert, antikommunistische, russophobe und nationalistische Rhetorik nahmen rapide zu und es dauerte keine zwei Jahre, bis Georgien einen EU-Beitritt und enge Beziehungen zur NATO anstrebte. Wie weitreichend dabei der eigene Entscheidungsspielraum Georgiens in innen- sowie außenpolitischen Fragen ist, ist seither ein andauernder Konflikt innerhalb der herrschenden Klasse Georgiens und Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Der imperialistische Westen übt darauf permanent Einfluss und kann dabei auf eine lange Geschichte der Spaltung des Landes anknüpfen.
Geschichte ethnischer Spaltung und lokaler Autonomie
Eng verknüpft mit der Frage der Souveränität und des Entscheidungsspielraumes sind Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Minderheiten in Georgien und der georgischen Zentralregierung, die historisch immer wieder aufkochten, wenn die georgische Zentralregierung eine politische Richtung einschlug, die im Widerspruch zu der Bevölkerung in den Regionen Abchasiens und Südossetiens stand.
Die Bevölkerung Südossetiens stellt eine persisch sprechende Minderheit dar. Nach der Februarrevolution in den Jahren 1918-1920 herrschte in der südossetischen Bevölkerung hohe Sympathie zu den Bolschewiki, was zu massiven kriegerischen Auseinandersetzungen mit der damals den Menschewiki nahestanden Georgischen Republik führtevi, in der etwa 5% der Bevölkerung Südossetiens umgekommen ist. Dass in Südossetien das sprechen und lehren der eigenen Sprache erlaubt war und Autonomie zu lokalen Fragen gewährt wurde, war eine Errungenschaft der bolschewistischen georgischen Revolution im April 1922. Die Entwicklung in Abchasien, eine Region im Westen Georgiens am Schwarzen Meer, war sehr ähnlich. Dort wurde ebenfalls nach der Februarrevolution die den Bolschewiki nahestehende Bevölkerung von der Georgischen Republik unterdrückt. Nach der georgischen Revolution 1922 entstand die Abchasische Sowjetrepublik, die 1931 in die Georgische Sowjetrepublik integriert wurdevii. In der gesamten Zeit des Sozialismus herrschte bis zur Konterrevolution 1991 in beiden Regionen eine Völkerfreundschaft ohne relevante gewaltvolle Auseinandersetzungen, auch wenn es in Abchasien nach dem 2.Weltkrieg etwa alle zehn Jahre Petitionen gegen die Integration in die Georgische SSR gabviii.
In Folge der Konterrevolution in der Sowjetunion kam es erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen in beiden Regionen. Auf die erneuten Autonomiebestrebungen Südossetiens 1991 antwortete die georgischen Zentralregierung militärisch und griff Südossetien an. Die georgischen Milizen brannten 60-100 südossetische Dörfer nieder und betrieb ethnische Säuberungenix; die Bevölkerung Südossetiens reagierte mit Angriffen auf Häuser, in denen ethnische Georgier lebten. Durch den Krieg 1991 wurde die ethnische Spaltung erneut forciert: Der Krieg forderte 1000 Tote, etwa 100.000 Osseten flohen in den von der Russischen Föderation kontrollierten Norden Ossetiens, etwa 23.000 Georgier flohen Richtung Süden tiefer in georgisches Gebietx. Die Kämpfe dauerten etwa ein Jahr an, bis Russland beide Seiten mit dem „Sochi-Abkommen“ zu einem Waffenstillstand und einem entmilitarisierten Landkorridor bewegen konntexi; Südossetien blieb vorerst Teil Georgiens.
Parallel dazu kochte die Lage in Abchasien hoch, die einen sehr ähnlichen Charakter trug, jedoch noch härter eskalierte. Aufgrund der nicht akzeptierten prosowjetischen Autonomiebestrebungen Abchasiens griff die zunehmend antisowjetische georgische Zentralregierung die Region im August 1992 mit einer regelrechten Kriegserklärung an und äußerte, dass sie keine Kriegsgefangenen akzeptieren werdexii. Mit an der georgischen Seite kämpften auch der ukrainische Naziverband UNA-UNSO, der später in den „Rechten Sektor“ integriert wurdexiii. Es folgte ein das Land zerreißender Krieg mit zahlreichen Plünderungen Abchasiens. Die Auseinandersetzung schaukelte sich hoch zu ethnischen Säuberungen auf beiden Seiten. Im Abchasienkrieg 1992-1993 starben 15.000-30.000 Tausend Abchasen und Georgierxiv. Russland unterstützte ab 1993 Abchasien militärisch, vor allem mit Waffenlieferungen. Das führte zu einer militärischen Pattsituation, die letztlich zu einer Abtrennung Abchasiens führte. Seither sichert die Russische Föderation die Autonomie Abchasiens in der Region.
Die Folgen der „Rosenrevolution“
In Südossetien blieb die Lage bis 2003 angespannt, aber friedlich. Nach der vom Westen gestützten nationalistischen „Rosenrevolution“ griff die georgische Zentralregierung unter Saakaschwili und seiner Partei „Vereinte Nationale Bewegung“ die Bevölkerung Südossetiens 2003 und 2004 erneut militärisch an, weil diese die Putschregierung nicht anerkannte. Das militärische Agieren der georgischen Regierung geschah mit Billigung der USA und sollte Russland provozieren und testen. Die Behörde Südossetiens bat drei Tage lang Russland um militärische Unterstützung um das Massaker zu beenden, bis die Russische Föderation – sicherlich motiviert durch die Verteidigung der strategischen Tiefe an der traditionell schwachen Südfront – letztlich einschritt und im August die Truppen der georgischen Zentralregierung bis kurz vor Tiflis zurückdrängte. Der Kaukasuskrieg 2008 hat 850 Menschenleben gefordertxv. Wie auch in Abchasien sichert seitdem die russische Regierung die Grenze Südossetiens. Beide Regionen machen etwa 20% der georgischen Fläche aus; Georgien hat lediglich die Landmasse von Hessen.
Mittlerweile wird die brutale Unterdrückung in Südossetien legitimiert durch eine antirussische Umschreibung der georgischen Geschichte. Vermittelt wird diese unter anderem durch die deutsche „Entwicklungshilfe“ (GIZ), die 2006 im größten Museum in Tiflis eine gesamte Etage über die „Sowjetische Besatzung 1921-1991“xvi finanzierte, in der die selbstständige Revolution Georgiens als russische Besatzung umdefiniert und Sympathie zu der 1921 gestürzten Regierung (die engste Beziehungen zu Großbritannien und Frankreich pflegte) schürt. Im Nachgang des Kaukasuskrieges haben sich solche Geschichtsverfälschung als hilfreich erwiesen, denn nun kann auch die Entwicklung in Südossetien und Abchasien als anhaltende Kontinuität russischer Besatzung seit 1921 dargestellt werden. Seither sind in Sozialen Medien Slogans wie „I am Georgian and 20% of my country is occupied by Russia” populär. Besonders die Jugend der Bevölkerung ist für solche Narrative sehr anfällig, da sie die jahrzehntelange Erfahrung der Völkerfreundschaft nicht miterlebt haben und empfänglich für die durch die NGOs jahrelangen liberalistischen und antikommunistischen Darstellungen sind, die die Konterrevolutionäre, der IWF und die EU nach Georgien brachten. Häufig finden sich Darstellungen, die den Sozialismus und Faschismus gleichstellen. Das macht das offene Auftreten für Kommunisten in dem Land schwer, eine gewaltvolle Konfrontation mit georgischen Nationalisten ist keine Seltenheit. Obwohl 50% der Bevölkerung auch russisch spricht, verweigern häufig junge Leute das sprechen der „Feindessprache“. Tourismusratgeber raten heute, „dass man einen Georgier besser nicht auf Russisch ansprechen sollte“xvii.
Wahl der Partei „Georgischer Traum“ und der Sturz von Saakaschwili
Ab 2012 wurde Saakaschwili und seine Partei „Vereinte Nationale Bewegung“ durch die Partei „Georgischer Traum“ abgewählt. Während die Rosenrevolution im Jahr 2003 von einem recht großen Teil der Gesellschaft unterstützt wurde, ist dies heute nicht mehr der Fall. 2007, 2009 und 2011 kam es zu Massenprotesten gegen Saakaschwilis Regierung aufgrund von Korruptionsskandalen, Folter und Verfolgung politischer Oppositionellerxviii. Damals traten die Putschisten vor allem mit sozialpopulistischen Slogans auf und stellten sich als Bekämpfer der durchaus stark vorhandenen Korruption dar. Diese beiden Narrative konnten weder während der Regierungszeit noch in der Opposition ab 2012 gehalten werden. Laut Einschätzung der Kommunistischen Partei Georgiens werden die von den rechtsliberalen nationalistischen Kräften vorgelegten Pläne zur wirtschaftlichen und sozialen Erneuerung, die auf der Freiheit des Marktes und der liberalen Ideologie beruhen, von den Massen nicht mehr unterstütztxix. 2013 floh Saakaschwili nach dem Scheitern einer Amtszeitverlängerung aus Georgien, weil der Druck gegen ihn wuchs; Videoaufnahmen von systematischer Folter in georgischen Gefängnissen gelangten in die Öffentlichkeit. In der Regierungszeit der Partei „Georgischer Traum“ wurde Saakaschwili 2014 in Abwesenheit angeklagt und 2018 zu sechs Jahren Haft verurteilt, da er in Verbindung mit der Misshandlung eines Abgeordneten und der Billigung eines Mordes in Verbindung gebracht wurdexx. Saakaschwili akzeptierte das Urteil nicht und leitet seitdem seine Partei „Vereinte Nationale Bewegung“ aus dem Ausland. Er spielte eine Rolle beim Maidanputsch in der Ukraine und wurde anschließend von Poroschenko zum Gouverneur von Odessa ernannt, bis er 2017 im Widerspruch mit dem damaligen ukrainischen Präsidenten gelangte, mehrfach seinen Aufenthalt wechselte (USA, Niederlande, Polen) und erst nach der Wahl Zelenskys zurück in die Ukraine kehrte.
Westliche Medien bezeichnen die Partei „Georgischer Träume“ gerne als Marionette Russlands. Als Argument dient ihnen der Abgeordnete und Oligarch Iwnischwili, der gute Beziehungen zu Russland pflegt. In Realität ist es jedoch nicht so simpel, viel mehr versucht die Partei gute Beziehungen zu allen Wirtschaftspartnern zu halten und sich gleichzeitig dem Westen anzunähern – der jedoch keinerlei Souveränität anerkennt. Damit ist die Partei vergleichbar mit der durch den Maidanputsch abgesetzten ukrainischen „Partei der Regionen“ von Wiktor Janukowitsch. Der NATO ist beispielsweise ein Dorn im Auge, dass der „Georgische Traum“ sich weigert, die Sanktionen zu übernehmen, die alle EU- und NATO-Staaten nach der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation im März 2014 gegen Russland verhängtenxxi. Gleichzeitig strebt die konservative und sozialdemokratische Partei enge Beziehungen zur EU und USA an, unterschrieb im Juni 2014 ein EU-Assoziierungsabkommen und stellte im März 2022 im Kontext des Ukrainekrieges einen Antrag auf beschleunigten EU-Beitritt.
Diese ungebrochene Kontinuität lässt Georgien heute weiterhin wie eine westliche Halbkolonie wirken. Es werden zahlreiche Straßen und Plätze mit einem westlichen Namen zu versehen, EU und sogar NATO-Fahnen prägen das Stadtbild. An die Sowjetunion erinnernde Symbolik wird seit 2003 kontinuierlich entfernt. Die schrankenlose Öffnung von Kapitalexport und der damit einhergehende gestiegene Zahlungsverkehr in US-Dollar hat dazu geführt, dass der Georgische Lari im Vergleich zum Dollar und Euro stetig an Wert verliert. Während ein GEL 2013 noch 0,6 USD Wert war, liegt der Kurs heute nur noch bei 0,38 USD und fällt seit 2020 gerne auch unter die 0,3 USD Marke, sprich 50% Wertverlust gegenüber 2013xxii. Das ist in der Bevölkerung schwer zu spüren, denn teurere Güter wie Häuser und Autos werden in der Regel in US-Dollar oder Euro gehandelt und sind keineswegs wesentlich günstiger als in Europa. Dabei liegt das monatliche Durchschnitts-Bruttoeinkommen in Georgien umgerechnet lediglich bei etwa 334€, angelernte Arbeiter können mit 140-210€ rechnen und selbst Vorarbeiter übersteigen selten die 400€ Markexxiii.
Regelmäßig lassen sich Artikel finden wie ein relativ aktueller vom Businessinsider finden, die Georgien als lukrativen Investitionsstandort bewerben, wegen der „Steuerpolitik, die ausländischen Investitionen entgegenkommt“, zudem habe Georgien ein „junges, preisgünstiges und qualifiziertes Arbeitskräftepotenzial“. In den drei wichtigen Städten Tiflis, Kutaisi und Poti gelten Steuerbefreiungen für dort registrierte Unternehmen. Zwei unbürokratische Dokumente genügen und schon sind Unternehmen als georgische Unternehmen registriert, Exportunternehmen in den drei Städten sind völlig von Steuern befreit – anders als die Arbeiter, die 20% Einkommenssteuer abgeben müssen. Entsprechend schwierig ist eine Recherche darüber, wie hoch der Anteil ausländischen Kapitals in Georgiens Wirtschaft ist. Offiziell sind 17% der Firmen aus dem Ausland, die einfache Registrierung von Unternehmen als georgische Unternehmen lässt jedoch eine hohe Dunkelziffer vermuten. Der Anteil von ausländischem Kapital in Georgiens Banken liegt bei 77,4%xxiv. Diese vom Westen durchgesetzten perfekten Bedingungen zur Ausbeutung der georgischen Arbeiterklasse veranlassten die Weltbank Georgien im „Ease of Doing Business Index“ mit Platz 7 auszuzeichnenxxv.
Die Strategie der regierenden Partei „Georgischer Traum“ stellt demnach eine Kontinuität der schnellen Profite durch den Ausverkauf des Landes dar, doch das ist den Transatlantikern nicht genug, denn das Kapital Georgiens verkauft ebenfalls an und handelt mit Russland und China, ähnlich wie Janukowitsch vor dem ukrainischen Maidanputsch. Besonders relevant ist das im Bereich des Warenverkehrs – China und Russland sind die wichtigsten Exportdestinationen für georgische Güter, im Importbereich sind die beiden Staaten neben Türkei ebenfalls hochrelevant. Eine außenpolitische Krise würde schnell die ökonomische Stabilität Georgiens noch weiter in den Ruin treiben, da etwa 15% der Exporte einbrechen würden. Eine hohe Kooperation mit Russland besteht vor allem im Getreide und Gasimport, Georgien profitiert vor allem am Verkauf von Wein und im Tourismussektorxxvi. Eine Krise im Import von Getreide (ca. 80%) und Gas (23%) würde die Lebenshaltungskosten in der Arbeiterklasse massiv erhöhen. Entsprechend wurden die Beziehungen mit Russland in der Regierungszeit der Partei tendenziell eher ausgebaut.
Der Druck von der Straße und die Rolle der NGOs
Diese Kooperation ist dem Westen vor allem dann ein Dorn im Auge, wenn es darum geht, Georgien als Stoßpferd im Wirtschaftskrieg und seit neuestem auch als zweite militärische Front gegen Russland einzusetzen. Neben der aktuellen Eskalation bestand die letzte Gelegenheit diesbezüglich größeren Druck aufzubauen im Jahr 2019. Ein Abgeordneter der russischen KPRF war als Mitglied einer internationaler „Gruppe orthodoxer Abgeordneter“ in das georgische Parlament gereist und hat dort als Vorsitzender der Organisation auf Russisch eine Sitzung gehalten, in der er über die christlich-orthodoxe Brüderschaft zwischen Georgien und Russland referierte. Dass er als Sitzungsleiter Platz auf dem Präsidentensessel nahm, nahmen Saakaschwili nahestehende Nationalisten als Anlass, das Parlament zu stürmen und den Rücktritt der gesamten Regierung zu fordern. Die Protestierenden griffen dabei Polizisten mit Knüppeln und Eisenstangen an und handelten gut vorbereitet in organisierten „Sturmtrupps“ mit jeweils 30 Personenxxvii. Facebook sperrte damals zahlreiche Accounts von Abgeordneten und markierte sie als pro-russische Propaganda.
Die auch heute noch amtierende Präsidentin Salome Zourabichvili solidarisierte sich 2019 mit den Protestierenden. Die Parteilose gebürtige Französin – ihre Vorfahren sind im Zuge der georgischen Revolution 1921 nach Frankreich geflohen – ist in der Bevölkerung als US-Marionette bekannt dafür, nach Kontakten zu den USA schnell ihre Meinung zu ändern und auf NATO-Kurs zu steuern. Zourabichvili hat in den USA und Frankreich studiert, einer ihrer Professoren war beispielsweise der antikommunistische Hardliner und US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski. Paradoxer Weise steht ihr Kurs häufig im Widerspruch zur Partei „Georgischer Traum“, obwohl diese ihr bei der Wahl 2018 verhalf Präsidentin zu werden. Seit 2019 entfernt sie sich immer weiter von dem Kurs der Partei. Auch wenn sie Saakaschwilis Verurteilung verteidigt, nimmt sie zunehmend seine Rolle ein, in dem sie Solidarität mit den transatlantischen Nationalisten übt. Zusätzlich zu ihrer Haltung stellte bei den Protesten 2019 Saakaschwili Forderungen gegen die Regierung aus dem ukrainischen Exil heraus. Als Reaktion auf die Solidaritätsbekundungen der Präsidentin mit den protestierenden Nationalisten sperrte Russland alle Direktflüge nach Georgien, was massive Schäden im Tourismussektor auslöste – besonders die zweitgrößte Stadt Batumi ist ein seit der Sowjetunion traditioneller Urlaubsort für viele Sowjetbürger gewesen und stark vom Tourismus abhängig. Die aktuelle Verabschiedung des Gesetzes zur Registrierung ausländischer Unternehmen steht direkt im Kontext zu Protesten aus dem Jahr 2019, in denen die Partei „Georgischer Traum“ stark vom US-Kapital unter Druck gesetzt wurde. Die westlichen NGOs, die bereits 2003 die „Rosenrevolution“ unterstützten, blieben ungebrochen im Land aktiv. So brüstet sich beispielsweise das „Liberty Institute Georgia“ damit, mit 800 Studierenden an den Universitäten praktische und ideologische Schulungen durchgeführt zu haben, um diese zu „Aktivisten“ ausgebildet zu habenxxviii. Die Vereinte Kommunistische Partei Georgiens schätzt ein, dass vor allem Studierende und Lehrkräfte dieser westlichen Universitäten eine treibende Kraft hinter der aktuellen Eskalation seien. Die Opposition um Saakaschwili nutzte die enge Verbindung mit diesen „Aktivisten“ taktisch, in dem sie solche jungen Leute in den Vordergrund rücken ließen und bewusst die unpopulären Politiker der „Vereinten Nationalen Bewegung“ nicht zu offensichtlich öffentlich auftreten ließxxix.
Die regierende Partei wirft der „Vereinten Nationalen Bewegung“ vor, Georgien in den Krieg gegen Russland verwickeln zu wollen. Dieser Vorwurf ist keineswegs unbegründet – tatsächlich fordern Politiker um das Kiewer Marionettenregime regelmäßig Georgien dazu auf, eine zweite Front gegen Russland zu eröffnen, mindestens jedoch die Gebiete Abchasien und Südossetien zurückzuerobernxxx. Ein Jahr vor Ausbruch des Krieges verhalf die ukrainische Regierung Saakaschwili eine wiedereinreise in Georgien und hoffte auf einen damit einhergehenden Coup – statt auf dem Stuhl im Präsidialamt nahm Saakaschwili jedoch Platz in der Gefängniszelle, in der er bis heute verharrt. Die aktuelle Entwicklung muss in diesem Zusammenhang verstanden werden – die Proteste sind ein Werkzeug, um die Herrschaft der „Vereinte Nationale Bewegung“ und damit die der USA zu restaurieren und Georgien in einen Krieg gegen Russland zu treiben. Viele Protestierende zwischen dem 7. und 9. März schwanken Ukrainefahnen und stimmten pro-ukrainische Parolen an, was besonders in dem Kontext absurd ist, dass in der Ukraine ein solches Gesetz längst in Kraft ist.
Ein Rennen gegen die Zeit
Der NATO bleibt nicht viel Zeit, die Lage weiter zu eskalieren – das Präsidialsystem wird 2024 in Georgien abgeschafft, was die Kräfteverhältnisse für die Nationalisten verschlechtert. Die amtierende Präsidentin Salome Zourabichvili hat nämlich erneut die gleiche Rolle wie 2019 eingenommen, sich am 8.März mit den Protestierenden solidarisiert und das die Souveränität stärkende Gesetz verurteilt – diesmal in einer Videobotschaft vor der Freiheitsstatue in den USAxxxi. Am 10.März traf sie US-Sicherheitsberater Jake Sullivan im Weißen Haus – es bestand Einigkeit darin, wie das Gesetz die „wichtige Arbeit der NGOs behindern würde“ und dass es wichtig sei, dass „Russland die vollen Kosten der Sanktionen zu spüren bekommt“xxxii. Die Präsidentin stellt sich damit erneut gegen die Partei „Georgischer Traum“, die auch die Sanktionspakete seit 2022 gegen Russland nicht umsetzte und auch keine Waffen in die Ukraine liefertxxxiii. Dass die georgische und russische Arbeiterklasse den Preis für die Sanktionen zahlen würde, ist klar. Der Druck hat trotzdem gereicht, dass das Parlament kurzfristig zurückgerudert ist und das Gesetz doch nicht in Kraft treten ließ – laut Einschätzung der KP Georgiens aus Angst vor einem georgischen Maidan und weiterer Eskalation.
Die Lage bleibt angespannt. Die leider recht kleine KP Georgiens schreibt in einem Statement: „Jetzt liegen die moralische Überlegenheit und die Initiative auf der Seite der pro-amerikanischen Opposition. Die Sicherheitskräfte, die Aktivisten der Dream Party und die Regierungsbürokratie sind demoralisiertxxxiv.“ Damals ebbte der Ansturm ab und die Partei „Georgischer Traum“ hatte Zeit sich zu konsolidieren und einen Staatsstreich zu neutralisieren. Das Ergebnis der aktuellen Entwicklung ist jedoch ein Etappensieg für die Transatlantiker – es gibt Siegesrhetorik in der georgischen Opposition, in den USA und EU. Außenministerin Baerbock nutzte die Gunst der Stunde, um am 24.März nach Georgien zu reisen und an der Ilia-Universität in Tiflis den Studierenden zu vermitteln, dass „Deutschland voll und ganz zur europäischen Perspektive Georgiens steht“xxxv.
Es bleibt zu hoffen, dass die Arbeiterklasse Georgiens nicht auf das Spiel hineinfällt und als weiteres Kanonenfutter für den Westen eingesetzt wird. Die Erfahrung mit der georgischen Präsidentin zeigt, dass die Strategie der Bourgeoisie leicht kippt, wenn nur genügend Geld versprochen wird. Auch wenn die teilweise resignierte Sowjetgeneration leider sehr isoliert von der Jugend ist, kann sie aktuell eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Völkerfreundschaft in der Jugend spielen, um die Verwandlung Georgiens in ein Schlachtfeld der NATO zu verhindern.