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Für den Aufbau einer Anti-NATO-Friedensbewegung in Deutschland!

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Am 25. Februar 2023 wurde für das ganze Land ersichtlich, dass es noch Widerspruch zur Regierungslinie und zur allgegenwärtigen Propaganda rund um den Ukraine-Krieg gibt. Aufgerufen von Sahra Wagenknecht (Die Linke) und weiteren Personen gingen an diesem Tag in Berlin und anderen Städten Zehntausende auf die Straße, um gegen Aufrüstung und Waffenlieferungen und für eine schnelle Beendigung des Ukraine-Kriegs zu demonstrieren. Die Hetze gegen diese Proteste verschärfte sich – alles wurde in Gang gesetzt, damit die Kriegsstimmung im Land Oberwasser behält. 

Etwas mehr als einen Monat später finden nun bundesweit die Ostermärsche statt, wo wir wieder gemeinsam gegen den Kriegskurs des Westens protestieren. Wie am 25.2. wird die Bewegung von Hass aus dem konservativen bis „linken“ Bürgertum begleitet. Intern ist sie nicht frei von Widersprüchen und Unklarheiten. Währenddessen gewinnen auch der Kampf und die Provokationen des Westens gegen den anderen großen Feind, gegen China, immer mehr an Schärfe. Wie reagieren wir als Friedensbewegung auf den ungebremsten Kriegskurs und die Propaganda des Westens? Wie stärken wir die Friedensbewegung? Wie ist die Bewegung aktuell aufgestellt?

Die Zugpferde Wagenknecht-Schwarzer

Die aktuelle Friedensbewegung ist geprägt durch prominente Einzelpersonen wie Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer. Diese Personen drücken mit ihrer Ablehnung des herrschenden Regierungskurses im Ukraine-Krieg das aus, was ein großer Teil der Bevölkerung zum Krieg in der Ukraine denkt. Sie zeigten im letzten Jahr medienwirksam, wie man sich gegen die herrschende Propaganda und Verleumdungen wehrt. Mit den Kundgebungen boten sie dann eine Möglichkeit an, sich zu wehren. Nach einem vollen Jahr Kriegspropaganda auf allen Kanälen setzten die Kundgebungen am 25.2.2023 einen Kontrapunkt: das Verlängern des Blutbades durch westliche Waffenlieferungen und die Verhinderung von Verhandlungen durch die NATO-Staaten sowie ihre Aggression gegen Russland und den Donbass blieben nicht weiter unwidersprochen. 

Die Inhalte des „Manifest für Frieden“ und der auf der Kundgebung in Berlin zeigten gravierende Schwächen in der Opposition gegen die Regierungslinie. Es ist zudem ein Problem, dass dieser Aufschwung der Friedensbewegung vorrangig auf Einzelpersonen zur Mobilisierung angewiesen ist. Die Mobilisierungen haben einen starken, einmaligen Event-Charakter – nur wenige organisieren sich dauerhaft. Es wird kaum ein konkretes Angebot gemacht, wo man sich einbringen kann. So wird viel an möglicher Schlagkraft der unzufriedenen Bevölkerungsteile gegen die herrschende Politik verschenkt. Es ist außerdem unklar, wohin vor allem Wagenknecht die mobilisierten Massen führen will. Ihre Abkehr von der Linkspartei ist wohl besiegelt, vermutlich strebt sie die Gründung eines neuen sozialdemokratischen Projekts an. Ähnlich wie bei ihrem Projekt „Aufstehen” darf daran gezweifelt werden, dass Wagenknecht hiermit einen wirklichen Bruch mit der herrschenden Innen- und Außenpolitik Deutschlands anstrebt. Reden auf der Kundgebung in Berlin zeigten gravierende Schwächen: So wird im Manifest beschrieben, wie die Aggression in Osteuropa angeblich vor allem von Russland ausgehe; Frieden müsse geschlossen werden, weil Russland militärisch nicht zu besiegen sei. Die Aggression der westlichen Staaten wird nicht als Ursache der Eskalation beschrieben.

Solidarische Kritiken an der Perspektive der Proteste waren vor und nach der Kundgebung in Berlin aber natürlich nicht öffentlich wahrnehmbar, sondern ausschließlich Verleumdungen von NATO-Apologeten verschiedener Couleur: Die bürgerliche Aggression gegen Wagenknecht als niederträchtige Saboteurin eines gerechten Kriegs für Freiheit und Demokratie kannte in den letzten Wochen keine Grenzen mehr. Zentral ist in diesem Zusammenhang der Vorwurf der Querfront oder Rechtsoffenheit an die Friedensbewegung. Nicht nur die Regierungsparteien und die deutschen Mainstream-Medien warfen auf diese Weise Schmutz auf alle, die sich trauten, ihre Stimme zu erheben. Auch zahllose Linke fühlten sich berufen, die Friedensbewegung dafür zu geißeln, dass viele Organisatoren und politische Gruppierungen nicht in vorauseilendem Gehorsam Teilnahmeverbote erteilten. Der Querfront-Vorwurf ist spätestens seit den Montagsmahnwachen und Protesten zum „Friedenswinter“ 2014 eines der beliebtesten Kampfmittel, um aktiven Widerstand der einfachen Bevölkerung in Deutschland einzuschüchtern und die Bewegung zu spalten. Wagenknecht griff zurecht die Heuchelei der „Linken“, Grünen, Liberalen und Konservativen an, die der Friedensbewegung Moralpredigten über die fehlende Abgrenzung nach rechts halten, während sie gleichzeitig Militaristen und ukrainische Faschisten hofieren. 

Die Zähmung der Friedensbewegung in den letzten 30 Jahren

Die Schwäche der Friedensbewegung ist Teil einer längeren Entwicklung und hängt zentral mit der Niederlage des Sozialismus und der einhergehenden Desorganisierung großer Teile der kommunistischen, sozialistischen und linken Kräfte zusammen. Der Wegfall der Sowjetunion ermöglichte es der NATO unter Vorherrschaft der USA ohne größeren Widerstand weltweit ihre Gewaltherrschaft durchzusetzen. Auch die DKP verlor durch die Konterrevolution viel von ihrer Kraft als wichtigem Orientierungspunkt in der Friedensbewegung.

Die Friedensbewegung positionierte sich in der Kriegsfrage immer öfter uneindeutig gegenüber den Kriegstreibern des Westens. Stück für Stück liefen zentrale Figuren und Gruppierungen der alten Friedensbewegung in das NATO-Lager über und machten sich zu Vollstreckern und Vordenkern der Kriege des Westens gegen Irak, Jugoslawien, Palästina, Afghanistan, Libyen, Syrien und dann ab 2014 in der Ukraine. Mit jedem Krieg erfuhren die Herrschenden für Raub und Zerstörung im Namen der Menschenrechte mehr Zuspruch im „linken“ Lager in Deutschland. Zunächst waren es die Grünen, die zusammen mit der SPD die neue Speerspitze des deutschen Imperialismus bildeten, dann auch immer größere Teile der „radikalen Linken“ und der ehemaligen PDS bzw. heutigen Linkspartei. Die Gewerkschaften folgten diesen Kräften. Auch die globalisierungs- und bankenkritische Bewegung (mit Organisationen wie z. B. attac oder Occupy), die eine oppositionelle Haltung zur Politik des Westens weltweit entwickelte, vermochte die Lücke nicht zu schließen und bewegt sich heute in Teilen in die gleiche Richtung. Die letzten großen Mobilisierungserfolge feierte die Friedensbewegung in Deutschland in den Protesten gegen den Irak-Krieg 2003. Möglicherweise gelang dies auch, weil sich die deutsche Regierung nur begrenzt daran beteiligte und es so indirekt für vertretbar erklärte, in bestimmtem Maße gegen diesen Krieg der anderen wichtigsten NATO-Staaten zu sein. Die Friedensbewegung traf hier also nicht im gleichen Maße auf den entschiedenen Widerstand der deutschen Propagandamaschinerie, wie es heute der Fall ist. Die Erfolge der Friedensbewegung um das Jahr 2003 stellen rückblickend leider keinen Wendepunkt in der Kriegsmobilisierung dar, die mit dem Jugoslawien-Krieg wieder richtig begonnen hatte. 2014 und schließlich 2022 zeigte der deutsche Imperialismus in der Ukraine, wie erfolgreich und ohne Widerstand er seine Heimatquerfront von rechts bis „links“ mobilisieren kann. 

Trotzdem blieb in der deutschen Bevölkerung eine große Ablehnung von Kriegen und Aufrüstung des Westens bestehen, die auch immer wieder ihren Weg auf die Straße fand. Diese oppositionellen Bevölkerungsteile wurden aber gerade in den letzten 10 Jahren zunehmend nicht mehr durch die früheren Kräfte der Friedensbewegung mobilisiert und orientiert, sondern durch prominente Einzelpersonen und neugegründete Strukturen ohne Anbindung an Parteien und größere Organisationen. Die Opposition gegen den Kriegskurs der NATO wurde in den letzten 30 Jahren Stück für Stück schwächer, wodurch ein politisches Vakuum in der Friedensbewegung in Deutschland entstand, das von neuen Kräften gefüllt werden konnte. Zuletzt spielten Strukturen der Corona-Proteste eine Rolle, die zu den jüngsten Antikriegsprotesten mitunter mehr Leute mobilisieren konnten als die Kommunisten und Linken.2

Die Ostermärsche 2023

Dass es Leute wie Wagenknecht und Schwarzer braucht, um das vorhandene Potential an Anti-Kriegsstimmung im Land auf die Straße zu bringen, zeigt, dass es aktuell keine andere Organisation gibt, die für das Anti-NATO-Spektrum in der Bevölkerung dauerhaft erkennbar wäre und eine Führungsfunktion in den Protesten übernehmen könnte. Die Massen, die in Berlin und anderen Städten Ende Februar auf der Straße waren, wurden weniger durch die Organisationen, wie DFG-VK, VVN, DKP, lokale Friedensforen etc. mobilisiert, als vielmehr durch die neu auftretenden prominenten Köpfe. Die Friedensbewegung ist anhand relevanter politischer Fragen gespalten und kann nicht mit einer Stimme sprechen. Diese Spaltung der Friedensbewegung spiegelt sich auch in den aktuellen Aufrufen zu den Ostermärschen wider.3 In fast allen Aufrufen steht eine Ablehnung des „völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands“ ganz am Anfang. Statt die russische Militärintervention in einen Kontext einzuordnen, seine Ursachen zu beleuchten und eine eigene Position dazu zu formulieren, bedient man sich einfach jener Formel, die derzeit von jeder politischen Kraft als Eintrittskarte in den Diskurs des Sagbaren verlangt wird. So redet man in vorauseilendem Gehorsam der herrschenden Propaganda gleich zu Anfang das Wort und wendet einer ganzen Reihe von Fragen zu diesem Krieg den Rücken zuManche Aufrufe gestehen sogar „unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die notwendige Unterstützung der Ukraine“ (bspw. Ostermarsch Emden) – man kann sich vorstellen, dass damit wohl unterschiedliche Auffassungen zu Militärhilfen gemeint sind. So verwundert es nicht, dass die Forderung nach einem Stopp der Waffenlieferungen fehlt. So wird Positionen Raum in der Friedensbewegung gegeben, die die NATO-Aggression doch mittragen möchten. 

In den Aufrufen steht, genau wie in vielen Redebeiträgen auf bisherigen Friedensdemos, der Pazifismus an erster Stelle. Der Ruf nach Frieden in Zeiten des Krieges ist grundsätzlich zu begrüßen. Der entpolitisierte Pazifismus ist aber ein Problem. Pazifistische Aufrufe und Redebeiträge, die eine „Logik des Friedens“ anstelle einer „Logik des Kriegs“ als Kernforderung benennen, lassen die politischen und ökonomischen Ursachen des jeweiligen Kriegs häufig unbeachtet. Auf diese Ursachen müssen wir aber die Hauptaufmerksamkeit richten, wenn wir für den Frieden kämpfen wollen – auch beim Ukraine-Krieg. Die Bedrohung Russlands durch die NATO, die der Militärintervention vorausging und der Krieg gegen die Ostukraine durch die von der NATO aufgebauten faschistischen Kräfte werden in den Aufrufen zu den Ostermärschen nur selten dargelegt. Selbst der Bundeskanzler behauptet in seiner Regierungserklärung am 2.3.2023 im Bundestag, ihm sei der Frieden eine Herzensangelegenheit und alle Anstrengungen der Bundesregierung zur Ukraine dienten diesem Ziel. Der Deutschlandfunk kommentiert diese pazifistische Gebärdung lobend, es sei „auffällig, wie Scholz immer wieder auch das Motiv der Friedenssehnsucht in seine Regierungserklärung einwob.“4 Dass selbst Kriegstreiber wie Scholz (SPD) von Frieden sprechen, ohne rot zu werden, macht deutlich: Eine blinde Forderung nach Frieden reicht nicht aus. Erst zusammen mit einer Kritik an denjenigen Ländern und Politikern, die diese Kriege verursachen und vorantreiben, treffen unsere Forderungen nach Frieden den Kern der Sache und damit die Kriegstreiber bis ins Mark. Hier steht das NATO-Bündnis an allererster Stelle. Seit ihrer Gründung steht die Außenpolitik ihrer Staaten, allen voran die USA, für Tod und Zerstörung, für die Unterdrückung progressiver Bewegungen auf der ganzen Welt. Die BRD ist im eigenen Interesse daran beteiligt und nimmt eine immer aktivere Rolle ein. Das System dieser Länder heißt Imperialismus. Diese Länder und ihre herrschenden Klassen sind für den eigenen Profit und für die Verteidigung ihrer Herrschaft über die Welt bereit, jedes Ausscheren im In- und Ausland mit Verleumdung, Repression und Krieg zu überziehen. Doch die NATO rückt immer mehr aus dem Fokus des Protests der Friedensbewegung, obwohl ihre Aggression gegenüber den Völkern der Welt nicht ab-, sondern zugenommen hat

Aktuell wird in den Aufrufen der Ostermärsche die Rolle der NATO weltweit bagatellisiert, wenn sie kaum noch Erwähnung findet. Tatsächlich sind aber dieses Bündnis und die darin beteiligten Staaten, allen voran die USA und daneben Frankreich, Großbritannien und Deutschland die Hauptverantwortlichen für die aktuellen Kriege in der Welt. Auch der Krieg in der Ukraine geht auf das Konto der NATO und ist Ergebnis ihrer kriegerischen Aggression gegen Russland in Form der NATO-Osterweiterung, des Maidan-Putschs 2014 und des Aufbaus einer antirussischen Front in der Ukraine unter maßgeblicher Beteiligung faschistischer Kräfte sowie der Unterminierung jeglicher Verhandlungslösungen zwischen der Ukraine, den Volksrepubliken im Donbass und Russland vor und nach dem 24.2.2022. 

Wenn uns etwas am Frieden liegt, dann müssen wir die NATO als das benennen, was sie ist – als Hauptkriegstreiber in der Welt und als Instrument zur Aufrechterhaltung der politischen und ökonomischen Dominanz des Westens in der Welt. Dies ist notwendige Voraussetzung zum Aufbau einer Friedensbewegung, die sich nicht vom politischen Mainstream kassieren lässt, denn sie benennt Ross und Reiter des Imperialismus, also der Kriege und der Unterdrückung weltweit, dessen Ende sich die Völker der Welt so sehnlich wünschen!

Deshalb: Für die Niederlage der NATO – in der Ukraine und weltweit!

Stoppt den Krieg gegen Russland – NATO raus aus der Ukraine!

Deutschland raus aus der NATO – NATO raus aus Deutschland! 

Für den Aufbau der Anti-NATO-Friedensbewegung in Deutschland!

1 https://www.zdf.de/nachrichten/politik/wagenknecht-neue-partei-gruendung-100.html

2 So nahmen bspw. im Protest gegen die Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2023 3000 Personen an der Demonstration eines linken Aktionsbündnisses von DKP, SDAJ und weiteren Organisation teil, während sich gleichzeitig 10.000 Menschen an der Versammlung von „München steht auf“ beteiligten, einem aus Protesten gegen die Corona-Maßnahmen entstandenen Zusammenschluss.

3 Liste der Aufrufe: https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2023/aufrufe

4 https://www.deutschlandfunk.de/regierungserklaerung-olaf-scholz-zu-einem-jahr-zeitenwende-100.html 

Der Kommunismus und die Linke – über die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Überprüfung

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Gastbeitrag von Bahman Shafigh (Tadarok)

Notiz zu Deutscher Übersetzung

Das folgende Dokument wurde im Dezember 2016 von der ersten Konferenz der Organisation „Tadarok Kommunisti“ (Kommunistische Vorbereitung) verabschiedet. Die Gründung von Tadarok erfolgte gut zwei Jahre davor im April 2014 bei der Gründungskonferenz, abgehalten in Berlin. Hatte sich die erste Konferenz überwiegend auf die Notwendigkeit des Aufbaus einer eigenständigen Organisation der Kommunisten und Fragen über Partei, Klasse und die soziale Revolution fokussiert, so hat sich die zweite Konferenz den programmatischen Aspekten des zeitgenössischen Kommunismus gewidmet. Als Ergebnis dieser Debatten entstanden vier Grundlagendokumente mit den folgenden Titeln:

– Arbeiter, Kommunisten und die aktuellen sozialen Bewegungen

– Analytische Erklärung über den sozialistischen Nahen Osten

– Kommunismus, Demokratie und der Kampf für demokratische Freiheiten

und schließlich das folgende Dokument „Der Kommunismus und die Linke“.

Mit diesen Dokumenten war der programmatische Grundstein für die Weiterentwicklung der kommunistischen Bewegung im Iran gelegt, ohne jedoch den Anspruch eines kommunistischen Programms zu erheben. Diese Aufgabe steht noch vor uns.

Was das vorliegende Dokument angeht, ist anzumerken, dass das Dokument sehr kompakt verfasst wurde. Viele der Aspekte im Dokument bedürfen weiterer Erläuterung und manches ist nicht so präzise wie es sein sollte. Insbesondere für das deutschsprachige Publikum ist unbedingt darauf hinzuweisen, dass der Abschnitt über die Wiederbelebung der Linken nach der Niederlage der Revolution in Deutschland an Genauigkeit mangelt. Es wird ganz allgemein auf Anarchismus und Sozialdemokratie als Formen dieser Wiedererstehung hingewiesen ohne jedoch die Rolle des Linkskommunismus in diesem Prozess überhaupt zu erwähnen. Dabei trug gerade dieser Linkskommunismus viel bei der Etablierung einer zunächst gegenüber Kommunismus kritischen und später offen antikommunistische Strömung in den Linken bei. Insbesondere in Deutschland wirkte diese Bewegung unter anderem mit der Herausbildung der Frankfurter Schule, die eine Säule für alle späteren linken Schattierungen bilden sollte. Bis hin zu der sog. außerparlamentarischen Opposition der 60er und 70er und zum gegenwärtigen “grünen Imperialismus“.

Dennoch wird das Dokument ohne inhaltliche Änderung übersetzt, mit der Hoffnung, zu einer konstruktiven Debatte mit deutschen Genossen und Genossinnen beizutragen.

Bahman Shafigh

März 2023

1. Die Fortentwicklung des gegenwärtigen Kommunismus hängt von der Neudefinition des Kommunismus als eigenständige und kritische Bewegung des Proletariats ab. Als grundlegende Kritik der herrschenden Ordnung ist der Kommunismus der Ausdruck jener Klasse, die sich ganz unten in der kapitalistischen Gesellschaft befindet. Der Kommunismus ist die Bewegung für den Umsturz der herrschenden Ordnung.

2. Die Linke hingegen ist eine kritische Bewegung der Mittelschichten der Gesellschaft, die sich auf die Auswüchse der bestehenden Ordnung fokussiert. Die Linke ist die Bewegung für eine Erneuerung der bestehenden Ordnung auf Basis derselben. Sie ist eine Bewegung für die Sicherung der Grundlagen der bestehenden Ordnung. Die Linke ist der Ausdruck der Ideale und Wünsche des Kleinbürgertums und der unzufriedenen Schichten innerhalb der herrschenden Klasse.

3. Historisch war die Linke das Produkt der Auseinandersetzungen und Konflikte innerhalb der herrschenden Klasse und bestimmter Schichten des Kleinbürgertums im Verlaufe der Französischen Revolution, die ihren Weg in den Staat gefunden haben. Die Vermischung der Gerechtigkeitsideale und der bürgerlichen Charta innerhalb der Linken bedeutete faktisch die Vermischung der Reihen des sich in der Entwicklung befindenden Proletariats und der revolutionären Elemente innerhalb der herrschenden Klasse. Die Entfaltung des Klassenkampfes in Europa musste zur unweigerlichen Spaltung dieser Reihen führen. Das revolutionäre Proletariat hat mit dem Kommunismus einen historischen Bruch mit der Linken vollzogen.

4. Mit dem Kommunistischen Manifest endete der Trennungsprozess des Kommunismus von der Linken vorläufig historisch. Der Kommunismus trat damit als eine politische Bewegung für die Eigenständigkeit der Arbeiterklasse, mit eigener Zielsetzung und eigenständigem Programm für die soziale Umwälzung auf die Bühne der Klassenkämpfe. Damit versank die Linke in die Bedeutungslosigkeit. Breite Teile der Linken haben sich auf unterschiedliche Art und Weise in die Reihen des sozialistischen Proletariats eingereiht oder die Form bestimmter Bewegungen am Rande der sozialistischen Arbeiterbewegung angenommen.

5. Während des blühenden Aufstiegs der sozialistischen Bewegung der Arbeiterklasse in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und der ersten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts hat die Dominanz und die Kraft des organisierten und bewussten Proletariats die vorherigen Kräfteverhältnisse zwischen dem Kommunismus und der Linken umgekehrt. Als Verkörperung des Klassenwillens des Proletariats stürzte der Kommunismus die Herrschaft der Linken über das Proletariat und versetzte sie in eine ihre angemessene Position. Die Linke als Bewegung des von der Bourgeoisie verärgerten, unzufriedenen und gegenüber der sozialen Revolution ängstlichen Kleinbürgertums hörte zunehmend auf, eine eigenständige Rolle zu spielen. Es war der Kampf zwischen dem revolutionären Proletariat und der kapitalistischen Reaktion, der den Verlauf des Klassenkampfes bestimmte. Die Linke hat zwischen diesen zwei Polen des Kampfes die Rolle eines Pendels eingenommen. Ein Pendel, das sich mal in die eine und dann in die andere Richtung bewegte.

6. Mit der Niederlage der Revolution in Deutschland hat der Trennungsprozess der Linken vom Kommunismus erneut seinen Lauf genommen. Die theoretischen Grundlagen dieser Trennung bildeten sich aus verschiedenen Formen der neukantianischen und neuhegelianischen Lehren. Ihre politische Verkörperung erschien zuerst in Gestalt des Anarchismus und später in unterschiedlichen linken Erscheinungsformen innerhalb der Sozialdemokratie.

Die historische Kraft der Oktoberrevolution und die tiefe Verschiebung, die diese Revolution im Kräfteverhältnis zwischen Proletariat und Bourgeoisie verursacht hatte, war jedoch das Haupthindernis auf dem Weg der Herausbildung der Linken als eine sich selbst definierende Kraft und eine umfassende soziale Bewegung. Die verschiedenen linken Formierungen innerhalb der Bourgeoisie waren noch darauf angewiesen, sich der Erscheinungsform von sozialistischen und kommunistischen Parteien zu bedienen.

7. Mit der Herausbildung der Wohlfahrtsstaaten in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Aufflammen der Unabhängigkeitsbewegungen in einigen Länder der sogenannten Dritten Welt und der zeitgleichen Entstehung der sog. „neuen sozialen Bewegungen“ im Westen wurde die Arbeiterbewegung mehr und mehr in den Schatten dieser Bewegungen gestellt. Diese verfolgten entweder die Proklamation der Interessen des ganzen Volkes oder die partiellen Interessen bestimmter Schichten der Gesellschaft. Die Arbeiterbewegung als die zentrale Bewegung der kapitalistischen Gesellschaft hat anderen Bewegungen, die sich aus gesellschaftlichen Schichten mit mehr Vitalität, Mobilität und Organisationsfähigkeit geformt hatten, Platz gemacht. Die Linke hatte nun eine Position gefunden, aus der heraus sie die bisherige Führungsrolle der kommunistischen Parteien herausfordern konnte.

8. Als Anfang der 80er-Jahre Risse im sozialistischen Block offen zutage traten, die Wohlfahrtsstaaten in Europa eine Niederlage erlitten und die Rechte mit Thatcherismus und Reaganomics an Bedeutung gewann, hat sich die linke Politik, die sich bis dato noch mit sozialistischen Inhalten schmückte, mehr und mehr von diesem abgewandt. Die Arbeiterbewegung wurde zu einer Bewegung neben anderen sozialen Bewegungen herabgestuft. Die Zeit für den „Abschied vom Proletariat“ war gekommen. Von nun an hat die Linke nicht mehr das Proletariat, sondern sich selbst als das revolutionäre Subjekt verstanden. Eine Linke, die unterschiedliche Schattierungen von „Pseudo-Sozialismus“ über Liberalismus bis hin zu radikalem Anarchosyndikalismus umfasste.

9. Der Abschied der Linken vom Proletariat bedeutete jedoch keineswegs einen Verzicht auf das reiche Erbe des Kommunismus. Der enorme Kraftaufwand der kommunistischen Arbeiterbewegung und deren gewaltige Errungenschaften in allen Bereichen des sozialen Lebens hatten ihre Spuren in allen Idealen der Gerechtigkeit hinterlassen. Daher war die Auslöschung dieser Ideale für eine Bewegung, die eine Verbesserung der Lage der Mehrheit der Massen für sich reklamierte, unmöglich. Alle neuen sozialen Bewegungen, die nun anstelle von der Arbeiterbewegung ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt waren, mussten sich zwangsläufig für ihr Selbstverständnis und das Erringen einer hegemonialen Stellung innerhalb der Arbeiterklasse das historische Erbe der Arbeiterklasse zu Nutze machen. Auf dieses Erbe konnten sie nicht verzichten und so haben sie versucht, es zu ihren Zwecken umzudeuten und im Sinne ihrer jeweiligen Bewegung zu prägen.

10. Mit zunehmendem Erfolg der „neuen sozialen Bewegungen“ im Erreichen ihrer Ziele und Forderungen verwandelten sich größere Teile der Linken zunehmend in einen integralen Bestandteil der herrschenden Ordnung. Hatte die Linke die Verwirklichung ihrer Ideale in den 60er- und 70er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts im Westen noch über Straßenbarrikaden und in der Dritten Welt über Partisanenkriege verfolgt, so begann sie nun damit, ihre Ziele mehr und mehr durch den vorhandenen Staatsapparat zu erreichen.

11. Mit dem Berliner Mauerfall, dem siegreichen Marsch des Kapitalismus und dem Verkünden des Endes der Geschichte hat die Linke auch den Individualismus zur ideologischen Basis ihrer Identität gemacht. Dies war ein Wendepunkt für die Bildung einer strategischen Allianz zwischen der Linken und der herrschenden Klasse. In Abwesenheit einer sozialistischen Arbeiterklasse hat das Kleinbürgertum den Umbau der herrschenden Ordnung auf Basis seiner individuellen Existenz in Angriff genommen. Der „revolutionäre“ Umbau der Ordnung und die Schaffung „einer anderen Welt“, ohne das Erringen der politischen Macht und ohne das Proletariat, waren nun das neue Kredo einer Bewegung, die als Anti-Globalisierungs-Bewegung in Seattle ihren Anfang gefunden hatte, um dann in der Occupy-Wall-Street-Bewegung das Ende der Welt zu verkünden. Am Ende seiner Illusionen hat das Kleinbürgertum im Westen die Tobin-Steuer entdeckt und im Iran die Grüne Bewegung. Der Berg gebar eine Maus. Subcomandante Marcos wurde durch Thomas Piketty ersetzt.

12. Mit der großen Krise 2008/2009 hat der Anspruch des dominierenden transatlantischen Kapitals  auf eine breitere Beherrschung der Weltmärkte und Hindernisbeseitigung für die Kapitalakkumulation seinen ideologischen Ausdruck in den universellen Ideen der Linken gefunden: Diese träumten jetzt nicht mehr von „einer anderen Welt“, sondern versuchten ihre Ideen vom weltumfassenden Menschenrecht und von der Gewährung individueller Freiheiten und liberaler Demokratie gegen „autoritäre Staaten“ durchzukämpfen.

Im hochentwickelten Westen entstellt die Linke den Sozialismus, indem sie ihn zu einem Kampf gegen alle Arten von Rassen- und Geschlechtsdiskriminierung und Hindernisse für die Verwirklichung der individuellen Suche nach Vergnügung erhob und ihn auf die Konfrontation mit dem klassischen Konservatismus reduzierte. Zeitgleich verband die Linke den Sozialismus mit dem radikalen Einsatz für Demokratie, freie Wahlen, Menschenrechte, Selbstbestimmungsrecht sowie dem unnachgiebigem Kampf gegen Autoritarismus und Diktatur. Damit stellte sie dem siegreichen „post-cold-war“-Kapital den besten ideologischen und politischen Deckmantel für imperialistische Aggression gegen schwächere Staaten zur Verfügung. Der Kapitalismus wäre ohne diese wirksame Rolle der Linken in der Aufrechterhaltung der imperialistischen Ordnung in Zeiten der Globalisierung niemals dazu in der Lage, die Masse der Arbeiter und Entrechteten der Gesellschaft so zu entwaffnen. Während dieser Zeit stiegen die mächtigsten Theorie-Macher der Medienwelt, hochrangige Amtsinhaber internationaler Institutionen des Kapitals sowie Politiker der herrschenden Klasse überwiegend aus der Mitte der Linken empor.

13. Auf theoretischer Ebene erzeugte die Linke dank der umfassenden Mittel der Institutionen, Stiftungen, Universitäten und Medien enorme Mengen von pseudo- und postmarxistischer Theoriebildungen und damit den Angriff auf den revolutionären Geist des Marxismus auf die Spitze getrieben. Die zentralen Sätze des Marxismus wurden durch neue, bürgerliche Axiome ersetzt und losgelöste Einzelteile der marxistischen Literatur wurden dazu benutzt, neue theoretische Konstruktionen der Linken zu erschaffen. Marxismus als Wissenschaft der Revolution wurde in verschiedene Bereiche zerlegt: Marxistische Philosophie, Marxistische Soziologie, Marxistische Ökonomie sowie Marxistische Kultur und Kunst.

Der gemeinsame Nenner all dieser Theoriebildungen bestand in der Negierung der Diktatur des Proletariats in den unterschiedlichsten Formen, von einer offenen Negierung bis hin zu einer Deformierung.

14. Die organisatorische Macht und die allumfassend verfügbaren Mittel der Linken werfen ihren Schatten wie ein Inkubus auf das Schicksal der Arbeiterbewegung. In allen Ländern der Welt, von den Bewegungen in Südeuropa bis hin zu Lateinamerika und Asien, ist es die Linke, die der Arbeiterbewegung ihre Agenda und ihr Programm diktiert und diese in den entscheidenden Momenten zur Kapitulation und zum Kompromiss mit der herrschenden Ordnung zwingt – sei es durch die Unterstützung der dominierenden Fraktionen der Weltordnung oder durch die Verteidigung ihrer gegenüberstehenden Fraktion weltweit. Die Linke spielt in der gegenwärtigen Welt jene Rolle, die die anti-revolutionäre Sozialdemokratie in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts im Kampf gegen den revolutionären Kommunismus spielte.

15. Der Kommunismus ist weder eine Teilmenge der Linken, noch darf und kann er seine praktische Agenda, Taktik und Strategie auf den Bedürfnissen der Linken aufbauen. Der Kommunismus ist weder für den Entwurf einer Strategie für den Sieg der Linken noch für die Einheit der Linken und die Überwindung ihrer Differenzen verantwortlich. Die Aufgabe des Kommunismus besteht im Aufbau des kraftvollen Blocks des Proletariats. Der gegenwärtige Kommunismus kann nur die radikale Kritik der Linken sein. Dies ist der einzig mögliche Weg, auch jene Elemente in der Linken zu gewinnen, die sich der Sache der Arbeiterklasse und der Entrechteten der Gesellschaft verpflichtet und verbunden fühlen.

Diese Resolution wurde auf der ersten Konferenz von Tadaroke Kommunisti verabschiedet.

Azar 1395, Dezember 2016

Einladung zum gemeinsamen Buchenwald-Gedenken 2023

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Das KZ Buchenwald und die Selbstbefreiung der dortigen Häftlinge am 11. April 1945 sind seit langem ein wichtiger Orientierungspunkt für Kommunisten und Antifaschisten. Auch in diesem Jahr wollen wir als Kommunistische Organisation dem Jahrestag der Beendigung des faschistischen Terrors im Lager gedenken.

Wir wollen das auf den Jahrestag der Selbstbefreiung folgende Wochenende neben dem Gedenken aber auch dafür nutzen, uns mit der Historie Buchenwalds auseinander zu setzen und dabei von dem Kampf der Gefangenen unter widrigsten Bedingungen lernen.

Denn der letztliche Erfolg ihres Widerstands war nur aufgrund einer disziplinierten Organisierung und ungebrochener Solidarität untereinander möglich. Angeleitet durch das Internationale Lagerkomitee konnten damit die Gewalt und Willkür der Faschisten vor Ankunft der US-Truppen unterbunden und das Überleben tausender Häftlinge gesichert werden.

Ablauf des Wochenendes

Am Samstag den 15.04. werden wir unser Gedenken ab 13 Uhr mit einem Rundgang über die Mahn- und Gedenkstätte beginnen. Hierbei wollen wir den praktischen Kampf der Häftlinge um die eigene Befreiung von der faschistischen Unterdrückung anhand des Denkmals nachvollziehen und versuchen diese Erfahrungen für uns nutzbar zu machen.

Die Lehren des damaligen Kampfes sollen daher in einem darauffolgenden Seminar konkreter in die Gegenwart übertragen werden. Denn ebenso wie die Geschichte Buchenwalds und dessen Selbstbefreiung bis heute politisch umkämpft ist, findet auch ein stetiger Kampf um die Darstellung und Deutung heutiger Ereignisse statt.

Der Westen versucht aktuell mit aller Kraft seine Weste vom in der Ukraine gegen Russland aufgebauten Faschismus rein zu halten, indem er diesen relativiert oder Russland zur Rechtfertigung der eigenen Aggression sogar selbst als faschistisch bezeichnet. Was schon in Jugoslawien schamlos genutzt wurde, wird nun auch mit Russland versucht.

Leider sehen wir gleichzeitig, dass die Friedensbewegung dieser Entwicklung noch recht schwach gegenübersteht. Wir wollen daher im Anschluss an den Rundgang in Form von Vorträgen historische Kontinuitäten der Kriegsvorbereitungen der NATO und insbesondere des deutschen Imperialismus in den letzten Jahrzehnten betrachten. Im Verhältnis dazu wollen wir, u.a. anknüpfend an unserer Diskussionsveranstaltung in Leipzig, auch darstellen, wie die Friedensbewegung auf diese Vorbereitungen und Kriege reagierte, welche Fehler begangen und welche Erfolge erreicht wurden. Zudem soll auch die aktuelle Rolle von rechten Kräften in der Friedensbewegung beleuchtet und unser Umgang mit ihnen diskutiert werden.

Anhand dieser Aspekte wollen wir die Diskussion auf die Fragen zuspitzen, wie wir als Kommunisten aktuell in der Friedensbewegung wirken können und sollten, sowie welche Potentiale sie in sich trägt. Hier wollen wir auch unsere konkreten Vorhaben als Kommunistische Organisation darlegen und zur Diskussion stellen.

Der darauffolgende Sonntag, der 16.04., soll vor allem dem 137. Geburtstag von Ernst Thälmann gewidmet sein. Dafür werden wir ihm und dem Kampf der KPD gegen Krieg und Faschismus um 11 Uhr an seinem Denkmal in Weimar und um 15:30 Uhr am Krematorium in Buchenwald gedenken. Zwischen diesen beiden Gedenken wird es ab 12:30 Uhr einen weiteren Rundgang über das Lager Buchenwald geben, bei dem wir auf die Geschichte des Lagers eingehen und uns nochmals die Relevanz und Notwendigkeit unseres Kampfes vor Augen führen können. Um aus der Geschichte zu lernen und gestärkt voranzuschreiten gegen die faschistischen Tendenzen und Militarisierung, die sich weltweit immer mehr zeigt.

Wir uns über alle, die uns an diesem Wochenende begleiten und mit uns ins Gespräch kommen wollen.

Falls ihr Interesse habt, schreibt für die Planung bitte zur Anmeldung eine kurze Mail an unsere Ortsgruppe Jena: jena@kommunistische-organisation.de

Mit palästina-solidarischen Vorsätzen in die zionistische Hölle: Eine Kritik an den „Grundlinien“ der MLPD zum palästinensischen Befreiungskampf

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Diskussionsbeitrag – keine Positionierung der Kommunistischen Organisation

Von Noel Bamen

1. Einleitung und Selbstkritik

Wer tagtäglich die Situation in Palästina beobachtet, kann nur zunehmend betroffen und bestürzt darüber sein, wie wenig Beachtung die derzeitige Lage in dieser letzten wirklich umkämpften Kolonie des Westens hierzulande findet, gerade auch in der politischen Linken. Was dort vor sich geht, ist eine dritte Intifada, ein Volksaufstand, mit dem Potential, zumindest die Lage in den 1967 besetzten Gebieten nachhaltig zu verändern. Das scheinen die wenigsten zu begreifen. So viele Palästinenser in den letzten Monaten und Jahren getötet wurden, so sehr macht die derzeitige Lage in Palästina dennoch Hoffnung: der Widerstand nimmt neue Qualitäten an, und er drängt zur Einheit.

Vor diesem Hintergrund fällt noch einmal besonders auf, dass Palästina in denjenigen Teilen der Linken in Deutschland, die grundsätzlich mit dem dortigen Befreiungskampf solidarisch sind, seit Längerem kaum Thema ist. Das gilt gerade auch für die deutschen Kommunisten. Die meisten haben sich von der realen palästinensischen Befreiungsbewegung abgewandt: Die DKP etwa schweigt weitestgehend zu diesem Thema, die UZ berichtet nur sporadisch (und mit z. T. merkwürdigen Überschrifteni), die Junge Welt legt den Fokus eher auf die offizielle Politik Tel Avivs und Ramallahs als auf den palästinensischen Widerstand und auch Marx21, die in der Vergangenheit mit die besten Positionen in Sachen Palästina innerhalb der deutschen Linken vertraten, haben in den letzten Jahren leider wenig Neues zur Auseinandersetzung mit den Entwicklungen im palästinensischen Widerstand beigetragen.ii

Auf Demos für Palästina sind in den letzten Jahren – neben palästinensischen Gruppen wie Samidoun – v. a. die linksradikalen bzw. maoistischen/hoxhaistischen Spektren rund um Young StruggleKommunistischer Aufbau (KA) und MLPD präsent. KA und MLPD haben zudem in den vergangenen zwei Jahren jeweils Grundsatztexte zur Palästina-Frage veröffentlicht.iii Beide Dokumente und vor allem die Positionen, die in ihnen bezogen werden, ähneln sich sehr stark – und sind meines Erachtens sehr falsch und sogar fatal: Sie führen beispielhaft vor Augen, welche Fehler Teile der linken und kommunistischen Bewegung sowohl in Deutschland als auch international bezüglich Palästina machen und wie diese Fehler eine echte Palästina-Solidarität verunmöglichen. Daher der Entschluss, die folgende Kritik zu formulieren.

Zunächst aber soll an dieser Stelle trotzdem betont werden, wie gut es ist, dass KA und MLPD ihre Positionen öffentlich dargelegt haben! Nur so kann man sie auch kritisieren und darüber streiten. Die meisten anderen Organisationen tun weder das eine noch das andere: Die DKP beispielsweise vertritt offiziell bis heute das Konzept der sog. Zwei-Staaten-Lösung – während ich von allen DKP-Genossen, die ich kenne und die Ahnung von dem Thema haben, weiß, dass sie persönlich diese Position falsch finden. Zugleich war ich (positiv) überrascht, von einem ihrer Sprecher im Jahr 2021 öffentlich zu hören, dass die DKP Kontakte zur PFLP pflegt.iv Es scheint dort also durchaus Voraussetzungen zu geben, um in Sachen Palästina alte Zöpfe abzuschneiden.

Aber auch als KO müssen wir ganz klar Selbstkritik leisten: Trotz des Potentials, das ich gerade in der Palästina-Frage bei uns sehe, trotz der vorhandenen Einsicht in die Notwendigkeit einer Resolution zu Palästina und trotz der Tatsache, dass wir uns als KO verhältnismäßig aktiv und offensiv in der Palästina-Frage verhalten, haben wir uns bis heute nicht systematisch mit diesem Thema beschäftigt. Wir haben in einzelnen Stellungnahmen Positionen bezogen, und zwar sehr gute und auch solche, die in der kommunistischen Bewegung – zumindest im Westen und auf jeden Fall in Deutschland – ein relatives Alleinstellungsmerkmal darstellen.v Aber bis heute haben wir beispielsweise keine kollektive und offizielle Position zur sog. Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung oder zur Frage der Solidarität mit den islamischen Befreiungskräften bezogen. Die folgende Kritik am Dokument der MLPD soll auch einen Anstoß in diese Richtung geben und nicht zuletzt uns selbst die Notwendigkeit zur Positionierung vor Augen führen. 

2. Kritik an den Palästina-Positionen der MLPD

Der KA hat seine Positionen in einem etwas ausführlicheren Text dargelegt, eingebettet in einem historischen Abriss des sog. Palästina-Konflikts. Die Positionen der MLPD sind dagegen in einem sehr viel kürzeren Dokument und in Form programmatischer Punkte festgehalten. Da sich die Positionen der MLPD und des KA sehr ähneln und beide stellvertretend für weitere Organisationen aus diesem Spektrum stehen, werde ich mich hier der Einfachheit halber weitgehend auf die MLPD konzentrieren. Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich alle Zitate auf den Text Grundlinien der Positionierung zum palästinensischen Befreiungskampf.vi

Es gibt kein „Existenzrecht“ für Kolonien!

Eingangs behauptet die MLPD, sie sei „uneingeschränkt solidarisch mit dem palästinensischen Volk im Kampf um seine soziale und nationale Befreiung.“ Die folgenden von ihr verabschiedeten Positionen legen allerdings ein Zeugnis davon ab, dass sie den Befreiungskampf der Palästinenser weder versteht, noch ihm tatsächlich „uneingeschränkt solidarisch“ gegenübersteht:

1. Die MLPD schreibt: „Wir erkennen das Existenzrecht des Staates Israel an.“ Darin liegt schon das Grundproblem. Dass die MLPD die Propagandafloskel des westlichen Imperialismus vom „Existenzrecht“ Israels übernimmt, zeugt schon davon, dass sie sich nicht materialistisch-wissenschaftlich mit dem Thema befasst hat, sondern ahistorisch, moralistisch und eurozentrisch. Wer von einem „Existenzrecht“ Israels spricht, hat sich die Hälfte der zionistischen Agenda bereits zu eigen gemacht und kann nicht ernsthaft solidarisch mit den Palästinensern und ihrem Befreiungskampf sein: 1. Das Judentum ist keine Nation; diese Behauptung ist nur ein völkischer Mythos der Antisemiten und der Zionisten. 2. Israel ist kein normaler Nationalstaat, sondern ein siedlerkoloniales Projekt, das auf die Vernichtung und/oder Verdrängung der Indigenen in Palästina abzielt. Erst wenn diese politische oder physische Vernichtung der Palästinenser abgeschlossen ist, können die Siedler überhaupt erst zu einer Nation werden. Bis dahin sind sie ein multinationales Gemisch, das sich zu einem Kriegskollektiv zusammengeschlossen hat, um das Territorium, das für eine Nationenbildung notwendig ist, zusammenzurauben. Genau wie das südafrikanische Apartheidregime, wie die europäischen Kolonialregime überall auf der Welt, wie die Marionettenregime der Nazis in Europa im Zweiten Weltkrieg: Israel hat kein Existenzrecht! Punkt.

2. Indem sie das Dogma des „Existenzrechts“ übernimmt, positioniert sich die MLPD bereits im Sinne der sog. Zwei-Staaten-Lösung, auch wenn sie es anders zu drehen versucht:vii Sie wünscht sich „r das israelische und das palästinensische Volk“ einen einzigen „gemeinsamen demokratischen Staat, in dem Gleichberechtigung, gegenseitiger Respekt und Vertrauen, ohne Diskriminierung herrschen.“ Angeblich sei das aber „letztlich und in aller Konsequenz“ nur im Sozialismus möglich. Deshalb sei eine „demokratische Zweistaatenregelung als Übergangsstadium“ vermeintlich realistischer. Soweit, so beschränkt – denn wer behauptet denn, dass es darum gehen müsse, dass all die rassistisch verhetzten zionistischen Siedler, die den Großteil des „israelischen Volkes“ ausmachen, in Palästina bleiben? Diese Menschen haben sich das Land geraubt, sie wollen es nicht teilen, geschweige denn irgend etwas davon zurückgeben; sie hassen Palästinenser und halten sie für gefährliche Untermenschen; sie wollen nicht mit ihnen Seite an Seite leben, erst recht nicht als Minderheit zusammen mit einer palästinensischen Mehrheit und vor allem nicht in einem System, wo die Palästinenser gleichberechtigt sind. Zudem haben viele von ihnen mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit, nämlich die desjenigen (meist europäischen oder nordamerikanischen) Landes, aus dem sie nach Palästina eingewandert sind, um sich auf geraubtem Land ein schönes Leben zu machen bzw. „für den Zionismus zu kämpfen“. Die Linken im Westen müssen endlich aufhören, anderen ihre romantischen Vorstellungen überstülpen zu wollen: Es geht in Palästina nicht um eine Utopie der Aussöhnung zwischen Palästinensern und „Israelis“ – es geht um den nackten Überlebens- und Existenzkampf der Palästinenser gegen die Siedler! Wir sollten uns klar machen, dass wir nicht das Recht haben, den zionistischen Kolonialsiedlern Persilscheine auszuhändigen. Im Zuge der Entkolonisierung Palästinas wird es einerseits an den konkreten Machtverhältnissen, unter denen sie zustande kommt, andererseits aber auch an der Großherzigkeit der Palästinenser liegen, ob Gnade vor Recht ergeht und diejenigen Siedler, die damit klar kommen, gleichberechtigt mit Arabern zusammen zu leben, bleiben dürfen. Ein „Recht“ dazu haben sie jedenfalls nicht.

3. Da die MLPD de facto für eine Zwei-Staaten-Lösung eintritt, ist es absurd, dass sie zugleich Oslo als Verrat der PLO-Führung geißelt (auch wenn das richtig istviii), denn Oslo war eine logische Konsequenz aus dem Kurs der Fatah, sich auf die Zwei-Staaten-Lösung einzulassen. Diese aber muss scheitern, denn 1. waren die Zionisten nie bereit, einer Zwei-Staaten-Lösung zuzustimmen, sie wollten immer ganz Palästina (und Gebiete darüber hinaus) und haben seit ihres Bestehens auf permanente Expansion gesetzt; 2. sind zwei Staaten auf einem so kleinen Gebiet wie Palästina unvorstellbar; 3. und das umso mehr, als für die Palästinenser nie auch nur ein einheitliches Territorium vorgesehen war.

4. Daran krankte auch bereits der UN-Teilungsplan von 1947, auf den die MLPD rekurriert. Dieser Plan war ein Musterbeispiel kolonialistischer Willkür: Zunächst haben die Westmächte die von den Nazis vertriebenen Juden nach Palästina verfrachtet, weil sie sie selbst nicht aufnehmen wollten. Dann wurde diese multinationale Masse aus Flüchtlingen zu einem „Volk“ umdeklariert und unter zionistische Führung gestellt. Und schließlich hat man dieser Minderheit in Palästina nicht nur mehr als die Hälfte des Landes zugesprochen, sondern auch noch die fruchtbarsten Böden und die geopolitisch wichtigsten Gebiete. Dass sich die Sowjetunion, wie die MLPD lobend betont, daran beteiligt hat, ist eine Schande für die kommunistische Bewegung, für das Erbe des ersten sozialistischen Landes und auch für die Genossen der damaligen KPdSU-Führung.ix Überspitzt könnte man sagen: Wenn es ein Stalin’sches Verbrechen gegeben hat, dann war es wohl die Anerkennung Israels. Die Hintergründe müssen wir noch aufarbeiten. Trotzdem lässt sich jetzt schon sagen, dass es sich dabei um den vielleicht nachhaltigsten Fehler der sowjetischen Führung handelte (von der Konterrevolution 1989-91 einmal abgesehen).

Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf  nicht mit der „israelischen Arbeiterklasse“! 

5. Mit dem falschen Verständnis von Israel als Nationalstaat und den jüdischen Siedlern als Nation geht die völlige Verkennung der Klassenverhältnisse in Palästina einher: Die MLPD ist bemüht, Israel als eine normale Klassengesellschaft darzustellen, wenn sie schreibt: „Es gibt auch in Israel Klassenkampf, gewerkschaftliche Streikbewegungen sowie palästinensisch-arabische Parteien mit berechtigten Forderungen, Initiativen und Bewegungen in Israel, die sich für gerechten Frieden, die Rechte der Palästinenser, gegen die Beschlagnahmung von Häusern, den Siedlungsbau oder das rassistische Nationalitätengesetz einsetzen.“ Natürlich gibt es all das in Israel, genauso wie es all das auch in Südafrika und im französisch besetzten Algerien gab. Soziale Spaltung und Klassenwidersprüche gibt es nunmal auch innerhalb von Siedlergemeinschaften. Nur wird diese Feststellung nicht den besonderen Bedingungen innerhalb eines solchen Konstruktes gerecht: 1. wird ein Großteil der „israelischen“ Arbeiterklasse in Wahrheit von Palästinensern mit und ohne israelischen Pass gestellt; sie verrichten die härtesten, schmutzigsten und am schlechtesten bezahlten Jobs, während sie zugleich Abgaben an die zionistischen Gewerkschaften leisten müssten, ohne jedoch von ihnen vertreten zu werden. 2. ist die von der MLPD angeführte palästinensische Bürgerrechtsbewegung in Israel objektiv Teil der palästinensischen Befreiungsbewegung, nicht eines „inner-israelischen Klassenkampfs“; 3. ist die Siedlerbevölkerung ein rassistisches Kollektiv, das als Kollektiv auf Kosten der Palästinenser lebt. Selbst die ärmsten Israelis profitieren materiell von der Enteignung, Unterdrückung, Ausbeutung und Vertreibung der Palästinenser – sowohl innerhalb Israels, als auch in der Westbank. Die Bestechung der Arbeiterklasse, die wir aus imperialistischen Zentren wie Deutschland nur zu gut kennen, nimmt in Bezug auf die Arbeiter- und Bauernschaft der „Herrenrasse“ innerhalb einer Kolonie noch einmal unvergleichbar krassere Ausmaße an. Während die aus der europäischen Arbeiterbewegung stammende Gewerkschaft Histadrut, die Landwirtschaftskollektive (Kibbuzim) und die „zionistische Linke“ von Beginn an die Speerspitze der „sozialistisch“ verbrämten kolonialen Landnahme, der ethnischen Säuberung und des Rassismus’ – sowohl gegen nicht-jüdische Palästinenser, als auch gegen arabische Juden – waren, stellen die arabischen jüdischen Unterschichten seit Jahrzehnten die soziale Basis der israelischen äußersten Rechten. Auch bei den Protesten, die in den letzten Jahren und vor allem in den letzten Monaten gegen die Netanyahu-Regierungen zig tausende Israelis mobilisiert haben, war der zionistische Konsens unantastbar: palästinensische Fahnen etwa wurden nicht geduldet; weder der Rassismus, noch die Besatzung der Westbank waren Thema. Palästinenser mit israelischen Pass nahmen entsprechend nicht teil. Die Gay-Pride-Fahnen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich um Aufmärsche einer Fraktion der siedlerkolonialen „Herrenrasse“ – und zwar sowohl an, als auch für sich  handelt, die schlicht und einfach um ihre eigenen Privilegien besorgt ist.x Die MLPD versucht diese Tatsachen allein auf „die systematische jahrzehntelange zionistische Beeinflussung und Hetze“ zurückzuführen, die „Spuren in der israelischen Arbeiterschaft und den Massen hinterlassen“ hätten. In Wahrheit hat sie selbst die strukturellen Besonderheiten des Siedlerkolonialismus nicht verstanden. Ihre Schlussfolgerung, mit „geduldiger Überzeugungs- und Bündnisarbeit“ gegenzusteuern, zeugt von der völligen Verkennung der Tatsachen vor Ort:xi Es gibt ein revolutionäres Subjekt in Palästina, und das ist die nationale Befreiungsbewegung der Palästinenser, die alle Klassen der palästinensischen Gesellschaft (bis auf die Kompradorenbourgeoisie) umfasst. 

Weiter heißt es bei der MLPD, es sei der „prinzipiell falsche Weg, aus Enttäuschung oder Skepsis in die Arbeiter und die Massen in Israel oder aufgrund nationalistischer und reaktionärer Einflüsse, die palästinensische Nationalität über die Klasseninteressen zu stellen“. Wie überheblich und ignorant dieser Satz ist, wird klar, wenn man sich bewusst macht, dass der Adressat hier die Palästinenser sind. Diese sollen nicht „enttäuscht“ oder „skeptisch“ gegenüber den „israelischen Massen“ sein. Diese Massen, so muss man sich vergegenwärtigen, sind, seit sie in Palästina sind, an der Besatzung, der Unterdrückung, der Ausbeutung und der Vertreibung der Palästinenser beteiligt. Ohne Ausnahme. Jeder Israeli lebt auf geraubtem Land. Jeder Israeli muss Militärdienst leisten; rechte wie „linke“ Regierungen haben unterschiedslos Krieg gegen die Palästinenser und die arabischen Nachbarn geführt; breiteren Protest hat es – außer im Fall des Libanonkriegs 1982 – nie gegeben. Bestenfalls schauen die „israelischen Massen“ dem Abschlachten der Palästinenser seit bald 100 Jahren gemütlich zu und profitieren davon; in der Regel aber bejubeln sie es sogar oder morden direkt mit. Es geht indes nicht darum, dass die Palästinenser „enttäuscht“ von den „israelischen Massen“ sind – die wenigsten dürften je Hoffnungen in sie gesetzt haben, allenfalls die palästinensischen Kommunisten. Sie waren es, die schmerzlich lernen mussten, dass auf die „israelischen Massen“ nicht zu bauen ist, und das haben Organisationen wie die PFLP, aber auch die KP Palästinas getan. Nun ist es an der MLPD und allen anderen, die ihrer Einschätzung folgen,xii ihre Illusionen in die „israelischen Massen“ zu verlieren!

6. Der oben zitierte Satz drückt aber auch ein Missverständnis zur nationalen Frage aus, das, so mein Eindruck, in der kommunistischen Bewegung recht weit verbreitet ist: und zwar werden Klassenkampf und nationale Frage einander häufig entgegengestellt bzw. voneinander getrennt.xiii Dabei liegt der Fehler darin, den Klassenkampf quasi als sozialen und ökonomischen Kampf zu begreifen und ihn auf diese Frage zu reduzieren. Dagegen ist die nationale Frage (genau wie rassistische, sexistische usw. Unterdrückung, die Frage von Krieg und Frieden etc.) in Wirklichkeit Teil des Klassenkampfs, so wie auch die Frage der Ausbeutung. Der Unterschied besteht darin, dass es im nationalen Befreiungskampf Interessensüberschneidungen zwischen Arbeiterklasse und nationaler Bourgeoisie gibt und es entsprechend zu Bündnissen kommen kann, anders als im ökonomischen Kampf, wo die Interessen von Arbeitern und Kapitalisten antagonistisch sind. Zu sagen, dass in Palästina der „Hauptwiderspruch“ der zwischen den Palästinensern als Nation auf der einen und dem zionistischen Kolonialismus auf der anderen Seite ist, hat nichts damit zu tun, „die palästinensische Nationalität über die Klasseninteressen zu stellen“: Der Zionismus negiert die pure Existenz der Palästinenser (ob als Arbeiter, Bauern oder Bourgeoisie). Darum ist die nationale Befreiung Palästinas aktuell das strategische Hauptziel. Denn auch wenn sich diese nationale Revolution nicht unter kommunistischer Führung vollziehen und daher nicht unmittelbar in eine sozialistische Revolution hinüberwachsen sollte – und das scheint derzeit äußerst unrealistisch –, ist ein souveräner Nationalstaat ein großer Fortschritt für die palästinensische Arbeiterklasse; eine von direkter ausländischer Unterdrückung befreite Klassengesellschaft, in der sich das Proletariat an sich formieren und für sich organisieren kann, ist ein gewaltiger Gewinn gegenüber der Realität, wie wir sie heute aus Palästina kennen: Millionen Menschen verstreut über verschiedene Staaten und Hoheitsgebiete, unter militärischer Besatzung und ökonomischer Blockade, eingepfercht in Flüchtlingslager, wirtschaftlich komplett abhängig von Israel, westlichen Staaten und der UN; eine Gesellschaft von Kleinbürgern und Tagelöhnern, überausgebeutet, entrechtet, permanentem rassistischem Terror ausgesetzt, im alltäglichen Überlebenskampf gefangen, eingesperrt oder ins Exil getrieben, fortlaufend enteignet. Die Befreiung der palästinensischen Nation liegt also im dringendsten Interesse der palästinensischen Arbeiterklasse!

Gegen die Spaltung und Diffamierung des palästinensischen Widerstands!

7. Der Satz geht allerdings noch weiter: Denn es sei nicht nur falsch, den palästinensischen Befreiungskampf an erste Stelle zu stellen, sondern auch fatal, „mit reaktionären und faschistoiden oder faschistischen Kräften wie der Hamas und der Organisation Dschihad“ oder gar (direkt oder indirekt) der imperialistischen und faschistischen Diktatur im Iran zusammenzuarbeiten oder gar in ihnen Verbündete zu sehen.xiv Diese Kritik zielt ziemlich eindeutig auf die palästinensische Linke ab, und wohl vor allem auf die PFLP, mit der die MLPD Beziehungen unterhält. Denn sowohl die PFLP als auch die DFLP arbeiten mit Hamas und Islamischem Jihad zusammen: es gibt gemeinsame Militäroperationen gegen das zionistische Regime, man hält diplomatischen Kontakt, gratuliert und kondoliert einander, ehrt die Märtyrer der jeweils anderen und sieht sich geeint im Widerstand gegen Tel Aviv und gegen das Kollaborationsregime in Ramallah. Der Iran wird außerdem, genau wie das Baath-Regime in Syrien und die Hisbollah im Libanon, als strategischer Partner im Ausland betrachtet. Nun wirft die MLPD der mit ihr befreundeten PFLP also vor, mit Faschisten zusammenzuarbeiten.xv Das muss man erstmal sacken lassen. Was das in der Konsequenz bedeutet, wird klar, wenn man sich die Positionierung der MLPD zu konkreten Operationen des palästinensischen Widerstands ansieht: So bezeichnete sie die Vergeltungsaktion für das Massaker von Jenin, bei der am 27. Januar diesen Jahres mehrere israelische Siedler in Ostjerusalem erschossen wurden, als „antisemitische“, „reaktionäre“ und „massenfeindliche“ „Verzweiflungstat“.xvi Was die palästinensischen Massen von dieser Tat hielten, bezeugten sie, indem sie in den Straßen und Gefängnissen feierten und indem sie diesen spektakulären Anschlag zum Vorbild nahmen: seither kommt es täglich zu Angriffen nicht nur auf israelische Soldaten, sondern auch auf Siedler. Daran sind auch Kämpfer der PFLP beteiligt, von denen bereits mehrere in den letzten Wochen ihr Leben ließen. Die Operation gegen die Siedler in Ostjerusalem indes bezeichnete die PFLP öffentlich als „heldenhafte Operation“ und als „Verkörperung des Willens unseres Volkes“. Khayri Alqam, den jungen Palästinenser, der die Operation durchgeführt hatte und der dabei getötet wurde, würdigte die Volksfront als „Held des Widerstands“.xvii Zudem nahm sie in Gaza an den Freudenfeiern nach der Operation teil.xviii Verübt und feiert die PFLP also antisemitischen, faschistischen Terror?

Nein, sie ist Teil des Volkswiderstands der Palästinenser, genau wie die Hamas, der Jihad, die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, die DFLP und Arin al-Usud!xix Wer sich nur ein kleines bisschen ernsthaft mit der Geschichte der Hamas beschäftigt, der weiß, dass sie längst nicht mehr die ultrakonservative und sektiererische Politik aus ihrer Gründerzeit fährt, sondern eine religiös-nationale Linie, die von Pragmatismus und Widersprüchen (im guten wie im schlechten Sinn) geprägt ist; zudem hält sie bis dato einen ziemlich konsequenten Widerstandskurs gegen das zionistische Kolonialregime durch. Ihr zentrales Ziel ist kein islamischer Staat, auch wenn es natürlich sein kann – und auch das müssen sich palästina-solidarische Menschen hier im Westen einmal bewusst machen –, dass ein solcher das erste Ergebnis nach der Befreiung vom zionistischen Kolonialismus sein kann; das ist Sache der Palästinenser. Ein Fortschritt wäre ein solcher national befreiter islamischer Staat trotzdem!xx Die Hamas jedenfalls setzt seit Jahren an aller erste Stelle die nationale Befreiung Palästinas. Dabei kooperiert sie mit säkular-nationalistischen, genauso wie mit sozialistischen und kommunistischen Kräften. Als Marxisten sollten wir bei allem Gerede über die Ideologie auch den Klassencharakter nicht außer acht lassen: Die Hamas ist eine Partei des Kleinbürgertums und der nationalen Bourgeoisie. Ähnliches gilt für den – allerdings sehr viel kleineren und weniger in den Massen verankerten – Islamischen Jihad, der sehr eng an den Iran gebunden ist. Sowohl Hamas als auch Jihad sind zudem elementarer Bestandteil des palästinensischen Widerstands, politisch wie militärisch.xxi Gegen sie zu sein, heißt gegen den palästinensischen Widerstand zu sein, wie er real existiert! Eine Distanzierung von ihnen und ihrer Praxis bedeutet faktisch, auch wenn es MLPD, KA etc. nicht klar zu sein scheint, eine Distanzierung von der Praxis von PFLP und Co. Mehr noch: Wenn sich in Deutschland große Teile, wenn nicht gar die Mehrheit der Solidaritätsbewegung, von Hamas und Jihad distanzieren, betreiben sie letztlich nichts anderes als eine Spaltungspolitik. Damit spielen sie Israel und dem deutschen Imperialismus bei ihrer Delegitimierung des palästinensischen Widerstands und bei ihrer Repression gegen Palästinenser hierzulande in die Hände.xxii Dann sind sie es, die spalten, während die anderen herrschen. 

Der herrschenden Propaganda richtig begegnen! 

8. Auffällig ist das offenbar große Bedürfnis der MLPD, sich gegen Antisemitismusvorwürfe zu verteidigen:xxiii In drei von zehn Punkten geht es darum, sich gegen Antisemitismus auszusprechen, in einem weiteren wird sich von „reaktionären und faschistoiden oder faschistischen Kräften“ unter den Palästinensern distanziert. Die Sorge, als Antisemit diskreditiert zu werden, ist angesichts der krassen anti-palästinensischen Hetz- und Diffamierungskampagnen der letzten Jahre, von denen auch die MLPD selbst bereits betroffen war,xxiv verständlich. Trotzdem zeugt diese völlige Überbetonung des Antisemitismus in den „Grundlinien“ von einer sehr problematischen defensiven Haltung: Nicht wir sind es, die Juden, Israelis und Zionisten in einen Topf werfen, sondern die Zionisten und ihre westlichen Alliierten selbst! Weder die Kommunisten noch die Araber hatten je ein Problem mit Juden, das waren der Westen bzw. seine feudalen, faschistischen, konservativen und liberalen Antisemiten! Nicht wir müssen uns für ein rassistisches genozidales Projekt rechtfertigen, sondern jene, die das „Existenzrecht“ eines solchen genozidalen Kolonialprojekts in Palästina verteidigen! Allerdings stolpert die MLPD auch darüber, dass sie eben diesen zionistischen Mythos von der „jüdischen Nation“ übernommen hat, und tappt so in die Falle des herrschenden Diskurses über Palästina und angeblichen Antisemitismus. Der Gipfel ist dann, dass sie ihn auch noch aufgreift und mitträgt, indem sie von „Antisemitismus“ in Zusammenhang mit „kleinbürgerliche[n] / bürgerliche[n] arabische[n] Kreise[n], Trotzkisten und Teilen der kleinbürgerlichen Linken“ schwadroniert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die MLPD entgegen ihrer eingangs betonten Behauptung, „uneingeschränkt solidarisch mit dem palästinensischen Volk im Kampf um seine soziale und nationale Befreiung“ zu sein, in Wahrheit 1. diesen Befreiungskampf selbst, wie auch dessen strategischen Feind, das zionistische Regime, weder theoretisch versteht, noch sich konkret mit den Realitäten des einen oder anderen auseinandergesetzt hat;xxv 2. hat die MLPD zionistische Narrative übernommen, sodass sie auf Teile der anti-palästinensischen Propaganda hereinfällt, sie sich teilweise sogar zu eigen macht und selbst in eine argumentative Defensive gerät. 3. und aus den beiden ersten Punkten folgend, sind die strategischen Perspektiven, die die MLPD mit Blick auf Palästina aufmacht – die „Verbrüderung“ zwischen palästinensischer und israelischer Arbeiterklasse und die Zwei-Staaten-Lösung als Übergangsetappe –, illusorisch; da die Genossen in Palästina in dieser Sache aber wohl ohnehin nicht auf unqualifizierte Ratschläge aus dem Westen hören werden, liegt hier meiner Meinung nach nicht das größte Problem. Viel gravierender ist 4., dass Distanzierungen vonseiten der Palästina-Solidaritätsbewegung von Teilen des Widerstands faktisch zu einer Spaltung und Schwächung der palästinensischen Befreiungsbewegung führen. Damit verkehrt sich die Soli-Bewegung in ihr Gegenteil.

Die Antwort muss heißen: 1. konsequent zionistische Mythen entlarven, der herrschenden Propaganda entschieden entgegentreten und sich nicht verunsichern lassen! 2. Wir müssen uns bilden und ganz real und konkret mit dem palästinensischen Widerstand sowie seinen Akteuren beschäftigen und mit ihnen in Austausch kommen! 3. Nur so können wir auch von ihnen lernen und mit ihnen erarbeiten, was konkret die Aufgaben der Palästina-Solidarität in Deutschland sein müssen. Und 4. müssen wir uns der Spaltung des Widerstands entgegenstellen, d. h. wir müssen uns solidarisch mit all seinen Formen und all seinen Akteuren erklären!

i Ein Artikel über das Massaker von Jenin im Januar diesen Jahres und die darauf folgende palästinensische Vergeltungsaktion in Ostjerusalem stand etwa unter der Überschrift: „Eskalation in Israel“, https://www.unsere-zeit.de/eskalation-in-israel-4776566/.

ii Immerhin gehört Marx21 weiterhin zu den wenigen linken Kräften in der BRD, die die Hamas als Teil des palästinensischen Widerstands begreifen, und nicht als „faschistisch“ oder „reaktionär“. Allerdings scheint auch hier das schädliche und relativierende Narrativ, wonach die Hamas eine Art Nutznießerin der israelischen Unterdrückungspolitik sei, Einzug erhalten zu haben:https://www.marx21.de/eine-kurze-geschichte-der-hamas/ Dieser Artikel endet mit dem Satz: „Nichts könnte ihre schwindende Popularität besser aufpolieren als der aggressive Kurs der israelischen Politik.

iii Der Text Die Nationale Frage in Palästina und Israel vom KA erschien im Mai 2021: https://komaufbau.org/die-nationale-frage-in-palaestina-und-israel/; die Grundlinien der Positionierung zum palästinensischen Befreiungskampf der MLPD wurden im November 2022 veröffentlicht: https://www.rf-news.de/rote-fahne/2022/nr23/mlpd-grundlinien-der-positionierung-zum-palaestinensischen-befreiungskampf.

iv https://youtu.be/xHKJmowzjko?t=5589.

v https://kommunistische-organisation.de/internationalismus/73-jahre-vertreibung-sind-kein-grund-zum-feiern-freiheit-fuer-palaestina/https://kommunistische-organisation.de/allgemein/74-jahre-widerstand-gegen-die-andauernde-nakba/ und https://kommunistische-organisation.de/allgemein/intifada-bis-zum-sieg/.

vi In Bezug auf den KA gilt, dass alle Zitate von ihm, die in den Fußnoten aufgeführt werden, wenn nicht anders angegeben, aus dem Text Die Nationale Frage in Palästina und Israel stammen.

vii Der KA umschifft eine klare Aussage zu dieser Frage.

viii Den Prozess, wie sich die Position der sog. Zwei-Staaten-Lösung innerhalb der PLO und der Fatah durchsetzen konnte, gilt es noch aufzuarbeiten. Auch wenn man davon ausgeht, dass die PLO-Führung (anfangs) ein taktisches Verhältnis zur Errichtung eines palästinensischen Teilstaates in der Westbank und im Gaza-Streifen einnahm, um von dort aus den Kampf um die Befreiung ganz Palästinas fortzusetzen, und auch wenn man anerkennt, dass Arafat in seinen letzten Jahren eingesehen hat, wie fatal sein Pakt mit Tel Aviv war, muss die Errichtung des Marionettenregimes von Ramallah unterm Strich als Verrat betrachtet werden, der im Interessen einer palästinensischen Kompradorenbourgeoisie lag.

ix Der KA hält sich bei der Bewertung übrigens betont zurück.

x Der KA erkennt stattdessen eine „Entwicklung klassenkämpferischer Proteste in Israel und die Schwächung der zionistischen Regierungen“. Wie er darauf kommt, erfährt man leider nicht.

xi Das gilt auch für den KA: Bei ihm werden der „reaktionäre Zionismus“ und der „islamische Fundamentalismus“ als zwei gleichsam negative ideologische „Einflüsse“ bezeichnet, die von den Kommunisten zurückgedrängt werden müssten.

xii Auch ein ehem. KO-Mitglied hat in einem früheren Diskussionsbeitrag von der Notwendigkeit „gemeinsamer Aktionen“ der israelischen und der palästinensischen Arbeiterklasse fabuliert, wobei er sie sogar als eine einzige Klasse bezeichnete:https://kommunistische-organisation.de/diskussion/eine-marxistische-kritik-der-postmodernen-identitaetslinken-und-des-identitaetspolitischen-antirassismus/.

Der KA indes formuliert diese falsche strategische Ausrichtung besonders prägnant aus: „Eine fortschrittliche Lösung der nationalen Frage in Palästina und Israel kann letztlich nur durch die Verbrüderung und einen gemeinsamen Kampf der israelischen und palästinensischen, der jüdischen und arabischen Arbeiter:innenklasse herbeigeführt werden. Diese Verbrüderung ist die Voraussetzung für die dauerhafte Lösung der nationalen und sozialen Frage in Palästina und Israel.“ Auf eine solche „Verbrüderung“ zu warten, bedeutet aber in Wahrheit, die Befreiung Palästinas auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, und ist der sicherste Weg, die Palästinenser in die totale Niederlage zu führen!

xiii Beim KA klingt das so: „Erstens und auf der allgemeinen Ebene bedeutet die Unterdrückung von Nationen aus der Sicht der Arbeiter:innenklasse ein politisches Hindernis für den eigenen Kampf, weil durch sie nationale“ Fragen in den Vordergrund gerückt werden. Hierdurch wird der Eindruck einer Interessengemeinschaft zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat einer Nation erweckt. Es besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit der Arbeiter:innen und anderer unterdrückter Schichten damit von den Klassenunterschieden abgelenkt und der internationale Zusammenschluss der Arbeiter:innen im Kampf gegen die Bourgeoisie erschwert wird.“ (Hervorhebung N.B.) Wenn sich dieser Satz (auch) auf die Arbeiterklasse der unterdrückten Nation bezieht (was in dem Text nicht ganz eindeutig ist), dann ist er ein Ausdruck der totalen Negierung wesentlicher Erkenntnisse von Marx, Engels und Lenin, von der Komintern und der späteren internationalen kommunistischen Bewegung ganz zu schweigen.

xiv Beim KA findet sich eine ziemlich identische Aussage: „Wir dürfen dabei jedoch nicht in die Falle tappen, die nationale Frage in Palästina und Israel selbst nur unter dem Gesichtspunkt des nationalen Konfliktes zu sehen und die Klassenfrage dabei zu vernachlässigen. Auch wenn der Zionismus heute aufgrund der konkreten Machtverhältnisse weiterhin das wichtigste Unterdrückungsinstrument der Arbeiter:innen in Palästina darstellt, dürfen wir die Gefahren nicht unterschätzen, die von Teilen der palästinensischen Bourgeoisie sowie von den aufstrebenden kapitalistischen Staaten der Region wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Iran oder der Türkei ausgehen(…) Den Zionismus abzulehnen, darf uns nicht dazu führen, anderen imperialistischen Fraktionen und den von ihnen geführten reaktionären Kräften wie der Hamas oder der Fatah auf den Leim zu gehen. Deshalb ssen wir auf das Schärfste auch gegen islamisch-fundamentalistische, antisemitische und faschistische Positionen kämpfen“. (Hervorhebung N.B.) Wieso der KA hier auch die Fatah nennt, bleibt sein Geheimnis. Möglicherweise handelt es sich um eine Kritik am sozialistischen Lager, das in erster Linie auf die Fatah als führende Kraft der palästinensischen Befreiungsbewegung gesetzt hat; vielleicht sind auch die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden gemeint. Möglicherweise ist dem KA aber auch nicht bewusst, dass die Fatah-Führung längst das Lager des palästinensischen Widerstands verlassen hat.

xv Der KA hat in einem – nebenbei bemerkt sehr oberflächlichen, undifferenzierten und mit eurozentrischen bis antideutschen Klischees vollgepackten – Text dargelegt, dass er den „islamischen Fundamentalismus“ an sich, unter völliger Ignoranz der Diversität seiner zahlreichen und teilweise in krassem Widerspruch zueinander stehenden Strömungen und Vertreter, als Form des Faschismus versteht: https://komaufbau.org/islamischer-fundamentalismus-und-imperialismus-teil-1/. Diesem Muster scheint auch die MLPD zu folgen, wenn sie die Hamas, den Jihad und den Iran, und natürlich auch die Hisbollah (https://www.rf-news.de/2020/kw32/libanon-wir-koennen-es-nicht-mehr-ertragen-das-ganze-system-muss-weg), quasi bei jeder Erwähnung als „faschistisch“ bzw. „faschistoid“ kennzeichnet.

xvi https://www.rf-news.de/2023/kw04/massaker-in-jenin-militaerschlage-gegen-gaza-attacke-gegen-juden und https://www.rf-news.de/2023/kw05/staatsterror-und-wachsende-massenproteste-zehntausender-gegen-netanjahu-regierung.

xvii http://pflp-lb.org/news.php?go=fullnews&newsid=15633

xviii https://t.me/pflpgaza1/9984

xix Natürlich kann man auch solidarische Kritik an Formen des Widerstands üben, wenn man etwa der Meinung ist, dass Siedler „Zivilisten“ seien, die unter keinen Umständen Ziel militärischer Gewalt werden dürften. Doch müssen wir uns auch mit den Argumenten der Genossen von vor Ort auseinandersetzen. So muss man sich die Frage stellen, ob (erwachsene) Siedler in einer Siedlerkolonie grundsätzlich überhaupt als „Zivilisten“ gelten können, da sie objektiv Teil der Besatzung und der ethnischen Säuberung sind. 

xx So habe ich auch mit Blick auf Afghanistan argumentiert: https://kommunistische-organisation.de/diskussion/thesen-zu-afghanistan/.

xxi Das gilt übrigens auch für die Rolle des Iran: Teheran und seine Alliierten in der Region haben nach der Konterrevolution 1989-91 die Rolle des sozialistischen Lagers als wichtigstem Verbündeten der Palästinenser eingenommen. Ohne die Waffen und das Geld von dort wäre der militärische Widerstand, vor allem in Gaza, längst am Ende. Natürlich muss die Rolle des ohne Frage bürgerlichen Regimes in Teheran und die Abhängigkeiten des palästinensischen Widerstands von ihm kritisch gesehen werden. Trotzdem nimmt der Iran derzeit die – unterm Strich positive – Rolle eines unverzichtbaren Verbündeten der palästinensischen Befreiungsbewegung ein. Darüber hinaus ist hier nicht der Ort, um auf die plumpe Charakterisierung der Islamischen Republik als „faschistisch“ einzugehen.

xxii U. a. über diese Frage haben wir auch im letzten Drittel unseres letzten Podcasts zu Palästina diskutiert:https://youtu.be/1R4XRMJX-lU?t=3580.

xxiii Beim KA zeigt sich ein ähnlicher Drang, wenn er in einer sehr kurzen Stellungnahme von 2017 gleich zwei mal die Parole „Gemeinsam gegen Imperialismus, Antisemitismus und religiösen Fundamentalismus!“ respektive „Reaktion“ ausgibt: https://komaufbau.org/freiheit-fur-palastina/.

xxiv Bei dieser Kampagne gegen die MLPD 2017 spielte nicht zuletzt RT Deutsch eine sehr unrühmliche Rolle (https://www.jungewelt.de/artikel/317479.wahlkämpfer-des-tages-pflp.html). Die entsprechenden Artikel sind dort mittlerweile nicht mehr auffindbar.

xxv Das gilt auch für den KA, dessen Text weitgehend eine Entstehungsgeschichte des Zionismus und der Verbrechen Israels ist. Dabei schafft er es allerdings nicht, aus dem Charakter des Zionismus als kolonialem Siedlerprojekt richtige Schlüsse in Bezug auf die Siedlerbevölkerung zu ziehen, die für den KA eine von „zwei Nationen“ ist, die Palästina „beherbergt“. Die Darstellung der Geschichte des palästinensischen Widerstands beschränkt sich auf eine Kritik an der von Feudalherren und Kompradoren geprägten Führung der Bewegung in der Zeit des britischen Mandats, einen ziemlich unreflektierten und unkritischen Abriss der Politik der KP Palästinas zwischen 1924 und 1948 und schließlich auf eine Auflistung von Schlagworten und lückenhaften Daten (Fatah-Gründung 1959, PFLP-Gründung 1967, Erste Intifada 1987, Spaltung HamasFatah/Westbank-Gaza 2007) statt einer echten Darstellung der Genese des Widerstands nach der Nakba, die aber notwendig wäre, um überhaupt etwas über die heutigen Widerstandsakteure sagen zu können.

Irak, Jugoslawien, Libyen, Russland – der Westen ist der Aggressor!

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Heute vor 20 Jahren, in der Nacht vom 19. auf den 20. März 2003, begann die sogenannte „Koalition der Willigen“ unter Führung der USA mit der Bombardierung Bagdads und dem Einmarsch von 160.000 Invasionstruppen. Sie überzogen das Land für die nächsten Jahre mit Tod, Folter, nuklearer Verseuchung und nachhaltiger Zerstörung. Bis zu eine Million Iraker kamen in dieser Zeit ums Leben. Zählt man die Jahre 1990 bis 2002 hinzu, in denen die USA das Land mittels UNO-Embargo sturmreif sanktionierten, kommen noch einmal 1,5 Millionen Tote hinzu, darunter etwa 500.000 Kinder.i Diese Zahlen waren bereits in den 1990er Jahren bekannt: Danach gefragt, ob die Destabilisierung den Tod von einer halben Million Kindern wert sei, erklärte die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright (Demokratische Partei) öffentlich, dass die Destabilisierung des Irak „den Preis wert“ sei.ii

Wie bereits in Afghanistan stützten sich die Invasoren im Irak nicht allein auf ihre eigenen Truppen, sondern auch auf eine kleine Clique von Kollaborateuren. 1991 bereits hatten die USA eine Flugverbotszone im Irak errichtet, um damit die mehrheitlich kurdischen und zugleich an Erdöl reichen Gebiete im Norden des Landes de facto vom Zentralstaat abzuspalten und unter Kontrolle zu bringen. Die Zerstückelung des Irak wurde nach der Besatzung 2003 fortgesetzt. Zusätzlich wurde ein konfessionalistisches System eingeführt, das die Bevölkerung entlang ethnischer und religiöser Zugehörigkeit spaltete. Dieses koloniale Teile-und-herrsche-Prinzip ist vor allem aus dem Libanon bekannt, wo ein solches System von den Franzosen in der Kolonialzeit eingeführt wurde. Wie auch im Libanon führte es im Irak zu einer krassen Spaltung der Bevölkerung, zu Klientelismus, Korruption und ethno-religiösen Spannungen, die sich schließlich in Bürgerkriegen entluden. Auch der IS ist ein Kind dieser Politik. 

Widerstand zwingt die Besatzer in die Knie

Zwar wurde die irakische Armee schnell zerschlagen und bereits am 2. Mai 2003 erklärte George W. Bush die „Mission“ für erfolgreich beendet, doch das Gegenteil war der Fall: Die Überreste des irakischen Staates, der Baath-Partei und der Armee formierten gemeinsam mit linken, patriotischen und islamischen Kräften eine Guerillabewegung, die im Bund mit Gewerkschaften, Parteien, sozialen Bewegungen und Moschee-Gemeinden den Volkswiderstand im Irak bildeten. Dieser Widerstand verhinderte, dass die Besatzer das Land wirklich unter ihre Kontrolle bringen konnten, und machte dem neuen Regime in Bagdad das Leben schwer. Erst gegen Ende der 2000er Jahre wurde das Land einigermaßen „befriedet“, als die USA einerseits Zugeständnisse an Teile des Widerstands machten und andererseits mit dem Abzug der Truppen begannen.

Ähnlich wie in Afghanistan scheiterte der sogenannte „Greater Middle East Plan“ zur „Umgestaltung“ des Nahen Ostens (Besetzung des Irak und Afghanistans, Sturz der Baathin Syrien, Zerschlagung von Hamas in Gaza und Hisbollah im Libanon und ein Regime-Change im Iran) auch im Irak am Widerstand der dortigen Bevölkerung. Genau wie in Palästina zeigt das, dass dem westlichen Imperialismus, so mächtig er militärisch auch ist, durch entschlossenen Widerstand der Völker erfolgreich Einhalt geboten und seine Macht Stück für Stück gebrochen werden kann. Das macht Hoffnung im antiimperialistischen Kampf!

Der erste Krieg in Europa nach 1945

Auch bei der Zerstörung Jugoslawiens setzte der westliche Imperialismus auf territoriale Zerstückelung und eine Teile-und-herrsche-Strategie: Zunächst wurden die Abtrennungen der Teilrepubliken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina politisch und schließlich auch militärisch unterstützt. Im Herbst 1995 bombardierte die NATO mit deutscher Beteiligung – damals allerdings noch offiziell im Auftrag der UNO – erstmals Jugoslawien. Keine vier Jahre später war es dann so weit: Die BRD forcierte den ersten deutschen Angriffskrieg seit dem Zweiten Weltkrieg – ohne UN-Mandat, ohne, dass Deutschland irgendwie bedroht worden wäre.iii

Am 24.3.1999 begann die NATO unter deutscher Führung mit der Bombardierung Belgrads und weiterer jugoslawischer Städte. Die NATO nahm dabei bewusst zunehmend zivile Ziele wie Flüchtlingskonvois, Krankenhäuser, Rundfunkstationen, die chinesische Botschaft, Kraftwerke oder Brücken ins Visier. Durch den Einsatz von Uranmunition und durch gezielte Angriffe auf Ölraffinierien, bei denen zehntausende Tonnen an Giftgasen freigesetzt wurden, führte die NATO diesen Krieg faktisch als einen chemischen und nuklearen Krieg gegen die Bevölkerung.iv Die NATO erlitt keinen einzigen Verlust, während auf jugoslawischer Seite tausende Menschen starben, wobei die Zahlen der getöteten Zivilisten zwischen 1.200 und 5.700 schwanken. Die besondere, aggressive Rolle der BRD kann dabei nicht genug betont werden: Sie war das Ergebnis deswiedererstarkten deutschen Imperialismus nach der Konterrevolution und der Annexion der DDR.

Libyen als Wendepunkt

Am heutigen Tag jährt sich außerdem der Überfall auf Libyen im Jahr 2011 zum zwölften Mal. Nachdem im Zuge des sogenannten „Arabischen Frühlings“ zunächst die pro-westlichen Regime in Ägypten, Tunesien und Bahrain ins Wanken geraten waren, nutzte die NATO die Gelegenheit, die Protestwelle in den arabischen Ländern zu ihren Gunsten auszunutzen, indem sie mit dem ihr unbequemen Regime unter Muammar al-Gaddafi abrechnete: Dafür bewaffnete der Westen zunächst oppositionelle Kräfte in Libyen und „intervenierte“ schließlich direkt militärisch. Die NATO verhängte, wie schon in Jugoslawien und im Irak, eine Flugverbotszone, errichtete eine Seeblockade und flog mehrere tausend Luftangriffe, in denen sie libysche Städte systematisch bombardierte. Am Ende waren Schätzungen zufolge bis zu 30.000 Menschen tot,v darunter auch al-Gaddafi, der von mit der NATO verbündeten Kämpfern misshandelt und ermordet wurde. Wie in Jugoslawien schickte der Westen keine eigenen Bodentruppen und verzeichnete daher entsprechend selber keinen einzigen Verlust.

Auch Libyen hat sich bis heute nicht von diesem westlichen Krieg erholt: Das Land versank bald darauf in einem von ausländischen Mächten mit angefachten Bürgerkrieg, in dem selbst NATO-Staaten auf unterschiedliche Konfliktparteien setzen. Die Zerstörung Libyens destabilisierte zudem weite Teile der Region: Unmengen an Waffen gelangten aus libyschen Beständen in die Hände „jihadistischer“ Milizen, die seither die Sahelzone unsicher machen. Zugleich war dieser Krieg kein vollständiger Erfolg für den Westen: Auf der für die NATO positiven Seite standen der Zugriff auf das libysche Erdöl und die Ermordung al-Gaddafis als eines wichtigen Akteurs panafrikanischer Integrations- und Souveränitätsbestrebungen. Auf der anderen Seite jedoch hatte der Westen die roten Linien Russlands und Pekings endgültig überschritten. Peking und Moskau hatten der Resolution 1973 des Sicherheitsrats gegen Libyen zugestimmt, diese sah aber keinen NATO-Krieg vor. Beide Länder zogen ihre Konsequenzen, was sich zunächst konkret darin äußerte, dass sie sich von Beginn an gegen die westliche Aggression gegen Syrien stellten.

Die Fortsetzung: Krieg gegen Russland

Der Krieg gegen den Irak begann eigentlich bereits mit dem sogenannten zweiten Golfkrieg 1991 im Schatten der Konterrevolution und der Auflösung des sozialistischen Lagers. Die USA nutzten das Wegfallen der Sowjetunion als Schutzmacht der Dritten Welt, um sofort daran zu gehen, jene unipolare Weltordnung mit Gewalt zu errichten, die die internationale Lage bis heute prägt: Sie lockten den Irak in die „kuwaitische Falle“, griffen ihn an und stellten ihn unter ein brutales Sanktionsregime, das ihn für die endgültige Invasion schwächen sollte. Die Invasion im Irak 2003 sollte der Auftakt sein, um den gesamten Nahen und Mittleren Osten, das heißt weite Teile West- und Zentralasiens, unter ungeteilte westliche Vorherrschaft zu bringen. So war dieses Unternehmen längerfristig auch gegen Russland gerichtet, wie spätestens in Syrien 2011 klar wurde. Schon damals demonstrierte der Westen, indem er den Irak wie zuvor Jugoslawien und später Libyen trotz des expliziten Widerspruchs aus Moskau überfiel, dass Russlands Stimme für ihn nicht zählte und dass dem Land keine wichtige internationale Bedeutung zugestanden wurde.

Jugoslawien kann darüber hinaus tatsächlich in gewisser Weise sogar als eine Art Blaupause für die westliche Aggression gegen Russland betrachtet werden: Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei war Jugoslawien das letzte Vielvölkerprojekt in Europa, das dem Westen – und hier besonders Deutschland – in den 1990er Jahren die Hegemonie in Osteuropa hätte streitig machen können. Und so galt es, den jugoslawischen Staat zu zerstören, genau wie es bereits die Nazis im Zweiten Weltkrieg getan hatten. Dafür wurden verschiedene Volksgruppen gegeneinandergehetzt und das Land Stück für Stück auseinandergebrochen. Westliche Think-Tanks schreiben heute ganz offen darüber, ähnliche Strategien auch auf die Russländische Föderation, in der noch heute rund 100 anerkannte Nationalitäten friedlich zusammenleben, anzuwenden.vi Diese Teile-und-herrsche-Politik zieht sich vom europäischen Kolonialismus über die Kriege gegen Jugoslawien, Irak und Syrien bis hin zur aktuellen Aggression gegen Russland. Auch in der Ukraine kommt ein solches Muster zum Tragen: Immerhin war die Spaltung zwischen den Westukrainern und der russisch geprägten Bevölkerung auf der Krim und im Donbas nach 2014, wenn auch nicht vom Westen geplant, so doch das logische und von ihm letztlich in Kauf genommene Ergebnis der Strategie, die Ukraine mithilfe der Nationalisten und Faschisten zu einem „Anti-Russland“ aufzubauen. Mit den Worten von Albright: Das war und ist es ihm wert.

Dieser Einsatz offen faschistischer Kräfte ist eine weitere Parallele zu Jugoslawien: In Kroatien unterstützte die NATO die faschistischen „Kroatischen Verteidigungskräfte“, eine Nachfolgerin der Ustascha, die im Zweiten Weltkrieg mit Nazi-Deutschland kollaborierte; die UÇK im Kosovo berief sich u.a. auf albanische Nazi-Kollaborateure. In der Ukraine setzt der Westen heute ebenfalls auf offen faschistische Kräfte in Tradition der Organisation Ukrainischer Nationalisten Banderas und Melnyks.

Eine weitere Parallele ist das extrem instrumentelle Verhältnis der NATO zu ihren Kollaborateuren. 1975 erklärte Mustafa Barzani, der mit US-Unterstützung einen kurdischen Aufstand im Irak angezettelt hatte, nur um dann von Washington fallen gelassen zu werden: „Der größte Fehler meines Lebens war es, den USA zu vertrauen“.vii Sowohl sein Sohn Masud, der spätestens seit 1991 am Rockzipfel Washingtons hängt, als auch die PYD in Syrien, die dort mit den USA kollaboriert, scheinen sich diese Erkenntnis nicht zu Herzen genommen zu haben. Im ehemaligen Jugoslawien zeugt auch das Kosovo von der Nach-uns-die-Sinnflut-Haltung der NATO-Kriegstreiber: Den Kosovo von Serbien abzuspalten war das erklärte Ziel des NATO-Kriegs von 1999. Der Kosovo ist heute ein von ausländischen Truppen besetzter und von Mafia-Strukturen beherrschter Pseudo-Staat, der von einem Drittel der Länder der Welt nicht anerkannt wird. Er ist quasi ein „Abfallprodukt“ der endgültigen Zerstörung Restjugoslawiens. Ähnliches blüht auch der Ukraine: Die NATO hat sie zu einem Rammbock gegen Russland aufgebaut; sie hat dabei in Kauf genommen, dass das Land territorial entlang der verschiedenen Bevölkerungsgruppen gespalten wird; und sie nutzt die Ukraine jetzt als Schlachtfeld und die Ukrainer selbst als Kanonenfutter gegen Russland. Es ist also die NATO, die die Ukraine zerstört, mit dem Ziel, Russland zu „ruinieren“!

Andere Kontinuitäten sind das Anzetteln und Unterstützen „bunter Revolutionen“, wie etwa in Restjugoslawien/Serbien im Jahr 2000, in der Ukraine 2004 und 2014, in Libyen 2011, aber auch im Iran 2009 und aktuell. Ebenfalls fällt auf, dass der Westen bislang immer auf die physische Vernichtung der Staats- und Regierungsschefs der von ihr überfallenen Länder setzte: Milošević, Saddam Hussein und al-Gaddafi wurden letztlich alle auf die eine oder andere Art getötet. Putin und al-Assad dürften ein ähnliches Schicksal erwarten, sollte es dem Westen gelingen, sie zu stürzen – was derzeit glücklicherweise unrealistisch aussieht.

Den Imperialismus verstehen und bekämpfen!

Als Internationalisten und Antiimperialisten müssen wir uns dieser Strategie der Zerstörung und Spaltung entgegenstellen! Lassen wir nicht zu, dass der Westen Begriffe wie „Revolution“, „Imperialismus“,„Dekolonialisierung“ und „Angriffskrieg“ verdreht und sich aneignet – sie sind die Imperialisten, die die Welt mit Angriffskriegen, Terror, Kolonialismus und Faschismus überziehen! Dies zu betonen ist umso wichtiger, als sowohl im Fall des Jugoslawienkriegs 1999, als auch im Fall Iraks 1991 und 2003 große Teile der Antikriegsbewegung mit wehenden Fahnen ins Lager der NATO gewechselt sind. Ähnliches beobachten wir auch heute. Damals waren es Saddam Hussain und Slobodan Milošević, die zum „neuen Hitler“ erklärt wurden, um jegliche Solidarität mit den vom Westen bedrohten Nationen zu diskreditieren. Heute ist es Putin, der zum Buhmann gemacht wurde. Der damalige Außenminister Fischer (Grüne) legitimierte den Angriff auf Jugoslawien mit dem Satz: „Nie wieder Auschwitz“. Der Westen wollte den Krieg als „antifaschistisch“ rechtfertigen, während er in Wahrheit faschistische Kräfte unterstützte und bewaffnete und einen Staat zerschlug, den bereits die Nazis zum Todfeind erklärt hatten. Dieses Muster wiederholt sich, wenn Putin mit Hitler in eine Reihe gestellt wird, wenn westliche Think-Tanks die Zerschlagung Russlands zum Ziel erklären und wenn ukrainische Faschisten wieder einmal gegen Russland ins Feld geführt werden. Und wieder sind es die Grünen, die ganz vorne mit dabei sind, wenn es darum geht, diesenKrieg und die Rehabilitierung von Faschismus und Militarismus voranzutreiben.

Soweit, so klar. Doch sehen wir auch große Lücken und Schwächen in der Analyse der kommunistischen Bewegung: Ihren krassesten Ausdruck findet sie in der Spaltung der Weltbewegung, wie er sich infolge des 24.2.2022 bis heute zeigt; eine Folge davon ist auch die weitere Schwächung der Friedensbewegung – äquidistante Positionen werden in diesem Krieg bezogen, ob mit pazifistischer oder mit vermeintlich „konsequent-revolutionärer“ Begründung. Diese Spaltung ist in erster Linie die Folge einer mangelnden konkreten Analyse der Welt, sowohl mit Blick auf heute als auch auf die letzten Jahre und Jahrzehnte. So gilt es etwa, die Taktiken und Strategien des westlichen Imperialismus besser zu begreifen, beispielsweise mit Blick auf die Zersetzung von Nationalstaaten und das Konzept der sogenannten Farbenrevolution. In Deutschland müssen wir zudem vor allem die Rolle des BRD-Imperialismus und sein Verhältnis zum US-Imperialismus herausarbeiten und begreifen. Dafür ist nicht zuletzt eine vertieftere Auseinandersetzung mit dem Jugoslawien-, dem Irak- und dem Libyenkrieg und der jeweiligen Rolle, die Berlin dabei spielte, unausweichlich.

Jugoslawien und Irak, Libyen und Syrien, Ukraine und Russland – sie mahnen uns:

Die NATO ist der Feind der Völker  für ihre Niederlage, in der Ukraine und weltweit!

Hoch die internationale Solidarität!

i http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Irak/embargo.html

ii https://www.youtube.com/watch?v=1tihL1lMLL0

iii Der damalige Bundeskanzler Schröder gab 2014 selbst öffentlich zu, dass dieser Krieg völkerrechtswidrig war: https://www.youtube.com/watch?v=nrv-AzVafSs

iv https://www.berliner-zeitung.de/open-source/der-ungesuehnte-chemiekrieg-gegen-serbien-wer-verurteilt-endlich-die-nato-li.165044

v https://www.nd-aktuell.de/artikel/209838.ein-auge-fuer-die-revolution.html?sstr=Libyen

vi https://www.jungewelt.de/artikel/445816.separatismus-hauptsache-entkolonialisieren.html

vii http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Irak/kurden-gesch.html

Gegen ihre Kriegspolitik und ihre Repression – in der Ukraine und in Deutschland!

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Stellungnahme der Kommunistischen Organisation anlässlich des alljährlichen Tages der politischen Gefangenen am 18. März.

Die Ukraine: keine Demokratie, sondern ein faschistoides Regime!

Medien und Politiker trichtern uns tagtäglich ein, dass sich die vermeintlich „demokratische Ukraine“ gegen das angeblich „autoritäre Russland“ verteidige. Die Realität ist eine andere. In der Ukraine herrscht ein Regime, das offen faschistische Züge trägt: Nach dem Maidan-Putsch von 2014 wurde der ukrainische Faschismus zur Staatsideologie. Nazi-Kollaborateure und Massenmörder wie Bandera und Melnyk wurden zu unantastbaren Heldenfiguren mystifiziert; das ukrainische „Sieg heil!“, „Slawa Ukrainji!“, ist allgegenwärtig – und auch längst schon in Deutschland zu hören.  In der Ukraine ist Rassismus gegen Russen, aber auch gegen Roma und andere Minderheiten, genauso Alltag wie Hitlergrüße, SS-Runen, Wolfsangeln und andere Nazi-Symbole. Noch dazu wurden die militanten Faschisten vom Rechten Sektor, dem Asow-Regiment und anderen rechtsradikalen Milizen in den Staatsapparat integriert, vor allem ins Militär und den Geheimdienst SBU.

Hauptfeind aus Sicht des Kiewer Regimes ist die russische Nation, und damit auch die gemeinsame Vergangenheit als Brudervölker in der Sowjetunion, die ausradiert werden soll. Entsprechend stehen sämtliche Kräfte im Fokus, die als (pro-)russisch oder (pro-)sowjetisch gelten. Das betrifft neben den Menschen in der Ostukraine vor allem die organisierte Arbeiterbewegung. Sie ist seit dem Putsch staatlichem Terror, Verfolgung und Verboten ausgesetzt. 2014 wurde die linke Borotba faktisch zerschlagen; kurz darauf fand das Pogrom von Odessa statt, bei dem je nach Angaben zwischen 42 und über 100 Menschen im dortigen Gewerkschaftshaus verbrannten oder von einem rechten Mob totgeschlagen wurden. 2015 erfolgte das Betätigungsverbot für die Kommunistische Partei der Ukraine. Im März 2022 wurden dann auf einen Schlag elf linke, aber auch bürgerliche Parteien verboten, die nicht hinter dem Kriegskurs von Selensky, der EU und der NATO standen; im Mai wurde schließlich ein Gesetz erlassen, dass sämtliche „pro-russische“ Parteien für illegal erklärt. Zudem wurden mehrere Gesetze auf den Weg gebracht, die das Recht auf Versammlungen und gewerkschaftliche Organisierung massiv einschränken oder gleich ganz abschaffen.

Neben Parteien und Gewerkschaften sind auch die Presse, Anwälte und Menschenrechtler betroffen: Kritische Medien wurden nach 2014 schikaniert oder komplett geschlossen; zahlreiche Journalisten, aber auch Rechtsanwälte und Menschenrechtler wurden ermordet. Andere wurden ausgewiesen oder mussten ins Ausland fliehen. Seit dem 24. Februar 2022 hat sich die Lage noch einmal krass verschärft: Offiziell wurden im vergangenen Jahren gegen 1.200 Personen Verfahren wegen „Fälschungen“ und der Verbreitung „russischer Narrative“ eröffnet; mehrere hundert Menschen wurden zu Haftstrafen verurteilt. Allein bis Sommer 2022 hat die Generalstaatsanwaltschaft 11.180 Fälle wegen des Verdachts auf „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ eröffnet. In diesen offiziellen Zahlen finden sich aber nicht die zahlreichen Fälle von „inoffiziellen“ Gefangennahmen, also Verschleppungen durch Neonazis und geheime Verhaftungen durch den SBU. Der Genosse Alexey Albu von Borotba erklärt dazu: „Das Schlimme ist, dass wir in 98 Prozent der Fälle keine Details kennen. Wir wissen, dass jemand verhaftet wurde – aber wir haben keine Namen, keine Informationen über die Umstände, keine Daten, keine Informationen, wo die Person ist…“.

Dass ein Fall international zumindest unter Linken Aufmerksamkeit erfährt, ist vor diesem Hintergrund leider eine Seltenheit. Eine Ausnahme bildet die Verhaftung der Brüder Michail und Alexander Kononowitsch, beide Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbandes. Sie wurden im März 2022 verhaftet, misshandelt und vor Gericht gestellt. Die Anklage stützte sich allein auf Facebook-Posts, da der Versuch, ihnen Waffen unterzuschieben, misslang. Weil man ihnen keine konkreten Straftaten nachweisen konnte, wurde ihnen mit lebenslanger Haft gedroht, sollten sie nicht gestehen. Im Dezember wurden sie aus der Untersuchungshaft entlassen, stehen aber seither unter Hausarrest. Das konstruierte Verfahren gegen sie läuft weiter. Weniger bekannt ist der Fall des Genossen Alexander Matushenko, der ebenfalls im März letzten Jahres von SBU-Agenten und Asow-Faschisten verschleppt und misshandelt wurde. Seine Peiniger stellten Aufnahmen von der Misshandlung ins Internet und prahlten damit. Im Mai verurteilte ihn ein Gericht er zu 3 Jahren Haft.

Genauso unbekannt wie die meisten Fälle von politischen Gefangenen in der Ukraine sind die Zahlen der russischen und ostukrainischen Kriegsgefangenen sowie der als Deserteure verhafteten ukrainischen Kriegsdienstverweigerer und der Zwangsrekrutierten, unter denen sich mittlerweile auch Ausländer, etwa aus Nordafrika, befinden sollen.

Gleichschaltung auch in Deutschland!

Doch dieser Krieg, den die NATO in der Ukraine gegen Russland führt, demaskiert auch die „freiheitliche“ Fassade der „westlichen Demokratien“: Kurz nach dem Beginn der russischen Militärintervention wurden russische Medien, allen voran Russia Today, in der EU gesperrt. Diese Nachrichtensperre, die im Laufe der letzten zwölf Monate immer mehr ausgeweitet wurde, ist Teil des Informations- und Propagandakriegs des Westens gegen Russland. Die Gleichschaltung der großen Medien in Deutschland hat eine Niveau erreicht, das an die Zeiten des Faschismus und der letzten beiden Weltkriege erinnert und das das arrogante Gerede über die „westliche Demokratie“ für alle offen widerlegt. Sie geht einher mit der totalen Verhetzung von großen Teilen der Bevölkerung: Rassismus gegen Russen und offene Unterstützung für Krieg und Aufrüstung sind Mainstream. Zugleich sehen wir, dass diese Propaganda längst nicht mehr alle Menschen in diesem Land erreicht: Eine – leider noch immer weitgehend ruhige – Mehrheit ist alles andere als kriegsbegeistert; Umfragen ergeben relative und absolute Mehrheiten für Friedensverhandlungen, gegen Waffenlieferungen und gegen die NATO.

Doch die Herrschenden haben nicht nur ihre Propaganda, und ihre Repression wendet sich nicht nur gegen russische Medien: Auch Kriegsgegner, Linke und Kommunisten stehen im Fokus von Zensur und Repressalien. Wegen angeblicher „Belohnung und Billigung“ des „russischen Angriffskriegs“ wurden allein zwischen Februar und Juni 2022 ca. 150 Strafverfahren nach Paragraph 140 Absatz 2 StGB eingeleitet. Unter dieses „Billigen oder Belohnen“ fallen, je nach Willkür der Behörden, bereits das Bekunden von Verständnis für die russische Position oder aber das öffentliche Zeigen von Fahnen der Russischen Föderation, der Volksrepubliken im Donbas, der Sowjetunion oder anderer Fahnen mit Hammer und Sichel. Einer der Betroffenen ist Heiner Bücker, Friedensaktivist aus Berlin und Betreiber des dortigen Anti-War-Café. Er wurde zu 2000€ Strafe oder alternativ zu 40 Tagen Haft verurteilt, weil er auf einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion erklärt hatte, er wolle und könne „die Sichtweise in Russland und die des russischen Präsidenten sehr gut nachvollziehen.“

Zusätzlich hat sich die Ampelregierung mit dem neuen Gummi-Paragraphen 130 Absatz 5 StGB eine weitere Allzweckwaffe geschaffen, die die Meinungsfreiheit in diesem Land in lange nicht mehr bekannten Ausmaßen einschränkt. Auch er entstand in erster Linie mit Blick auf den Krieg gegen Russland; er dient aber über die aktuellen Kämpfe in der Ukraine hinaus auch der Umschreibung der sowjetischen Geschichte und kann sehr grundsätzlich gegen linke und kommunistische Perspektiven auf die Geschichte in Stellung gebracht werden. Da der Paragraph 130 eigentlich die Leugnung des Holocaust unter Strafe stellt, ist dabei sehr offensichtlich, dass es wieder einmal darum geht, Kommunismus und Faschismus auf eine Stufe zu stellen und die historische Schuld des deutschen Imperialismus auf andere zu projizieren – etwa auf Russland.

Solidarität mit den linken, kommunistischen und Friedenskräften in der Ukraine – Freiheit für die Brüder Kononowitsch und alle anderen politischen Gefangenen!

Solidarität mit allen von der antirussischen Hetze, von Zensur und von Repression im Zusammenhang mit der Kriegspolitik Betroffenen in Deutschland!

Weg mit dem neuen Paragraphen 130 Abs. 5 StGB!

i https://t.me/repressionsinua/73

ii https://ukraina.ru/20220715/1036459856.html

iii ebd.

iv https://www.telepolis.de/features/Ukraine-Krieg-Wer-fliehen-darf-wer-kaempfen-muss-6586887.html?seite=all

v https://www.unsere-zeit.de/ruhe-an-der-heimatfront-4777189/

i https://t.me/repressionsinua/73

ii https://ukraina.ru/20220715/1036459856.html

iii https://www.telepolis.de/features/Ukraine-Krieg-Wer-fliehen-darf-wer-kaempfen-muss-6586887.html?seite=all

iv https://www.unsere-zeit.de/ruhe-an-der-heimatfront-4777189/

Recording – Nilotpal Basu (CPIM) on Imperialism and Ukraine War

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What is CPIM’s assessment of the Ukraine war? What is its understanding of imperialism today?

Together with Nilotpal Basu (member of the Politburo of the Communist Party of India – Marxist) we discussed the CPIM’s position on the war, the role of the Modi government and the Indian bourgeoisie, and the strategy and tactics for the Indian working class.

This is the audio recording of the event.


Wie schätzt die CPIM den Ukraine-Krieg ein? Was ist ihr Verständnis vom Imperialismus heute?

Wir diskutierten mit Nilotpal Basu (Mitglied des Politbüros der Communist Party of India – Marxist) über die Position der CPIM zum Krieg, die Rolle der Modi-Regierung und der indischen Bourgeoisie sowie die Strategie und Taktik für die indische Arbeiterklasse.

Dies ist die Audio-Aufzeichnung der Veranstaltung.

Kwame Nkrumah: Neo-Colonialism – The Last Stage of Imperialism

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Nkrumah, Kwame: Neo-Colonialism – The Last Stage of Imperialism. London: Panaf Books, 1970. 280 Seiten. [ISBN: 978-0-901787-23-1].

Rezension von Lea Wagner

Accra 1957: Als erstes subsaharisches Land beschreitet Ghana seinen Weg in die Unabhängigkeit unter der Führung der Conventions Peoples Party und ihrem Gründer Kwame Nkrumah (1909-1972), Panafrikanist, Sozialist und Revolutionär. Der ausgebildete Pädagoge, Philosoph und Ökonom, welcher in seinem Werdegang insbesondere von Marcus Garvey, W.E.B. Du Bois und C.L.R. James geprägt wurde, scheint in heutigen Debatten zumindest in der BRD oftmals wenig beachtet. Dabei war es Nkrumah, der mit seinem 1965 herausgegebenen Werk „Neocolonialism – The Last Stage of Imperialism“ (dt.: „Neokolonialismus – das letzte Stadium des Imperialismus“) den Grundstein für eine Definition des Neokolonialismus legte und damit an die Imperialismus-Schrift Lenins anschließen wollte. Seine zentrale Feststellung liegt in der Auffassung, dass das Bröckeln des Kolonialsystems eben nicht das Ende der Ausbeutung der unterentwickelten Länder markiere, sondern vielmehr eine Phase einläutet, in der diese Ausbeutung mit anderen Mitteln aufrechterhalten werden muss (S. 41). Bleibt die Handvoll Räuber, wie sie Lenin definierte, also bestehen und nur die Erscheinungsform der Ausbeutung verändert sich? Wir sollten das für unsere Lektüre von „Neocolonialism“ im Hinterkopf behalten und widmen uns zuvor dem politischen Erbe Nkrumahs.

Dessen Visionen für eine befreite afrikanische Gesellschaft wirken bis heute, wenn auch in den Köpfen der Bewegung des imperialistischen Zentrums möglicherweise noch nicht genug[i]. „Africa must unite“ (dt.: „Afrika muss sich vereinigen“) war die Losung, welche stets die Leitlinie für die politische Agenda des Panafrikanisten darstellte. So zählt neben der Initiierung zahlreicher Vereinigungen zur Organisierung der fortschrittlichen Volksmassen die Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit 1963 mit zu seinen wichtigsten Errungenschaften[ii]. Auch das von ihm eingerichtete Regierungsamt „für afrikanische Angelegenheiten“ trug durch die dort koordinierte finanzielle, militärische und ideologische Unterstützung einen maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Kampf von Befreiungsbewegungen auf dem Kontinent[iii]. Über die konkreten Errungenschaften, Probleme, Fehler und Rückschläge im Aufbauversuch eines sozialistischen Ghanas sei dem Leser ein kritischer Blick in das Buch von Thomas Kacza empfohlen, der die Stationen im Leben Nkrumahs prägnant zusammenfasst[iv].

Im Geiste Nkrumahs und Sankaras – aktuelle Entwicklungen in Westafrika

Machen wir kurz einen Sprung ins 21. Jahrhundert: Dort angekommen, müssen wir feststellen, dass die Kämpfe um nationale Selbstbestimmung und afrikanische Einheit mitnichten bereits ausgefochten sind. Die aktuellen Entwicklungen, insbesondere in Westafrika, sind dafür ein eindrückliches Beispiel: Während der Rückhalt der Bevölkerung für die Militärjuntas in Mali und Burkina Faso zu wachsen scheint, kommen die Franzosen aus entrüsteter Schnappatmung kaum mehr heraus. Sie werden gerade dort hinausgejagt, wo sie die letzten Jahrzehnte ihre imperialistische Vormachtstellung durch Medien, Diplomatie und Militär verlässlich absichern konnten. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Frankreich und die EU mit dem Franc-CFA[v] nach wie vor über ein mächtiges ökonomisches Mittel zur Implementierung ihrer Interessen verfügen und beide Staaten von Sanktionen der ECOWAS[vi] betroffen sind. Nichtsdestotrotz oder genau deswegen ist die Bildung einer Föderation in Planung, welche darauf abzielt, sich gegen die neokoloniale Einflussnahme zu wehren und einen eigenständigen nationalen Entwicklungsweg einzuschlagen. Russland kommt in diesem Prozess insbesondere militärisch eine wachsende Rolle zu, welche auch in der Bewegung kontrovers diskutiert wird[vii] und oftmals als unmittelbares Indiz für den imperialistischen Charakter Russlands angeführt wird. Laufen afrikanische Staaten nun Gefahr sich lediglich einer anderen imperialistischen Macht unterzuordnen? Oder bergen die Diversifizierung der Partnerschaften und teils bessere Konditionen in bilateralen Verträgen wichtige Spielräume für den anti-imperialistischen Kampf? Sind Rolle und Charakter Russlands, Chinas oder der Türkei vergleichbar mit denen der USA, Frankreichs oder Deutschlands? Oder läuft eine gleich gewichtete Verurteilung jeglicher Akteure auf eine Relativierung des Würgegriffs der mächtigsten imperialistischen Staaten hinaus?

Dies sind nur einige wenige Fragen, die von uns Kommunisten beantwortet werden müssen, um die richtige Strategie Richtung Sozialismus im Sinne des Weltproletariats aufzustellen. An Nkrumahs Schlüsselwerk kommen wir also nicht vorbei, denn die Lektüre liefert uns fundamentale Analysekategorien, die einen Abgleich mit den aktuell herrschenden Bedingungen benötigen.

Zersplitterung, Schwächung und Isolierung – Die „Balkanisierung“ Afrikas

Zu Beginn problematisiert Nkrumah die kaum vorhandene bis rückständige afrikanische Industrie: Diese zielt vorrangig auf den Abbau von Ressourcen ab und sichert damit den imperialistischen Playern Megaprofite durch ihre Monopolstellung in der Weiterverarbeitung von strategisch wichtigen Vorkommen wie Öl, Kupfer, Kobalt und in der Herstellung industrieller Produkte (S. 2-3). Ob deutsche Wasserstoffprojekte in Namibia, Kobaltabbau im kriegsgebeutelten Kongo oder kanadische Goldminen in Tansania, sie alle folgen auch heute noch diesem Schema.

Hinzu kommt die Fähigkeit der Imperialisten, einzelnen Ländern bestimmte Funktionen auf dem Weltmarkt, die sie an ihren eigenen Interessen ausrichten, zuzuordnen. So spielte sich laut den von Nkrumah angeführten Daten etwa die wirtschaftliche Aktivität Nigerias in den 1960ern zu über 60% in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ab, im Vergleich zu lediglich 1% im Minengeschäft. Und das nicht etwa, weil das Land über keine wertvollen Rohstoffe verfügen würde, sondern weil in diesem Falle die nigerianische Landwirtschaft die größere Profitabilität für europäische Investments gewährleistet und die Konkurrenzfähigkeit einer nigerianischen Ölwirtschaft zumindest erst einmal unterbunden werden soll. Diese Art der Ausbeutung ist laut Nkrumah maßgeblich aufgrund der „Balkanisierung“ des Kontinents möglich, welche zu den wesentlichen Instrumenten des Neokolonialismus gehört (S. 13-14).

Der Kampf um die afrikanische Einheit

Diese „Balkanisierung“ äußert sich politisch in der Zersplitterung des Kontinents und der einzelnen Nationen in zahlreiche Regionen, welche die perfekte Voraussetzung für das Anheizen ethnischer Konflikte sind und zeitgleich eine zentrale Planung erschweren, indem auch innerafrikanischer Handel und Zusammenarbeit zu verhindern gesucht wird.

In puncto Anheizen ethnischer Konflikte werden wir auch heute beim westlichen Imperialismus fündig: Nachdem 2018 Massenproteste die Absetzung der repressiven TPLF-Regierung erzwungen hatten, wurde Abiy Ahmed zum äthiopischen Präsidenten gewählt. Diesem gelang es, einen Friedensvertrag mit Eritrea und Somalia auszuhandeln, welcher einen wichtigen Schritt hin zur Stabilisierung am Horn von Afrika bedeutete. Allen voran die USA, die schon die TPLF zu deren Regierungszeiten verlässlich unterstützt hatten, trugen zur weiteren Eskalation in der Region bei und befeuerten die Unterminierung der Souveränität des äthiopischen Zentralstaats. Frieden und Kooperation sind anscheinend nach wie vor dem imperialistischen Zentrum vorbehalten[viii].

Kehren wir zurück zu Nkrumah: Die angeführte Zersplitterung führt auch dazu, dass kleine und ökonomisch schwache Länder eher auf Hilfe angewiesen sind und sich so leichter unter Druck setzen lassen, wenn es beispielsweise zu der Implementierung von Militärstützpunkten kommt (S. 15-23).

Erst im April 2022 wurde bekannt, dass AFRICOM[ix] ein Büro in Sambia eröffnen werde. Der Vorgänger des amtierenden Präsidenten Hichilema hatte noch eine klare Linie gegen solcherlei Unternehmungen vertreten. Letzterer hatte hingegen kurz nach seinem Amtsantritt „zur Lösung des Schuldenproblems“ erneute Vereinbarungen mit dem IWF (Internationaler Währungsfonds) getroffen[x].

Als Lösung für dieses Dilemma beschreibt Nkrumah die zwingende Notwendigkeit einer gemeinsamen afrikanischen Währung und die Einrichtung eines freien Flusses von Waren und Dienstleistungen. Es braucht eine ökonomische Planung im kontinentalen Rahmen, um die gesamtafrikanischen Interessen im Blick zu behalten und seine Verhandlungsmacht gegenüber den imperialistischen Ausbeutern zu stärken. Solcherlei Bestrebungen wüssten die internationalen Finanzmonopole aber zu unterminieren, indem sie ihr ideologietreues Personal im Bank- und Industriewesen wie auch in den Regierungen und Parlamenten einsetzen. Das vorangeschrittene Stadium des Monopols zwingt laut Nkrumah zu einer Strategie der Blockfreiheit, die sich nicht völlig von den imperialen Mächten lossagt, aber immerhin durch das Manövrieren mehr Gestaltungsspielräume erlangen kann (S. 24-35).

Nötige Unterentwicklung vs. adäquate Absatzmärkte

In seinem Kapitel zu imperialistischer Finanzpolitik beschreibt der Panafrikanist dann das Bedürfnis des westlichen und insbesondere des US-Imperialismus nach weiteren Absatzmärkten und den damit verbundenen Zwang, die Industrialisierung in den unterentwickelten Ländern zumindest teilweise voranzutreiben. Den darin liegenden Widerspruch versuchen die dominierenden Finanzgruppen zu umgehen, indem sie in die nationalen Monopole eindringen, um so weiterhin ihre Hegemonie aufrechterhalten zu können (S. 49-50).

Die zentralen ökonomischen Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Unterentwicklung

An seine allgemein theoretischen Ausführungen anknüpfend, zeichnet Nkrumah in zahlreichen Kapiteln sehr konkret und detailreich ein entlarvendes Bild der zuvor beschriebenen neokolonialen Methoden in unterschiedlichen Feldern der afrikanischen Ökonomie: Personalunionen im Industrie- und Bankwesen, Einflusssicherung v.a. des US-Kapitals durch Tochtergesellschaften, Anteilspolitik und die damit verbundene Beeinflussung der Politik ausländischer Konzerne und Unternehmen im Sinne der amerikanischen Agenda innerhalb von multinationalen Konsortien, Aufdeckung der ausländischen Kapitalflüsse und daraus gewonnene exorbitante Profite.

Die zentralen ökonomischen Mechanismen zur Niederhaltung der unterentwickelten Länder, werden daran anschließend insbesondere ausgemacht in (S. 239-244):

  1. der Kontrolle des internationalen Kapitals über den Weltmarkt: Diktat über die globale Preis- und Warenpolitik, welche die imperialistischen Zentren bevorteilt
  2. der Festsetzung hoher Zinsen bei gleichzeitig viel zu kurzen Einforderungsfristen für aufgenommene Kredite
  3. der Penetration durch sog. Entwicklungshilfen, die an den Interessen des ausländischen Monopolkapitals ausgerichtet sind
  4. der Gewährung „multilateraler Hilfe“ von Institutionen wie dem IWF und der Weltbank, welche durch US-Kapital dominiert werden und somit der Durchsetzung US-amerikanischer Interessen dienen: Den Empfänger-Ländern werden unzumutbare Konditionen aufgezwungen, wie beispielsweise die Abschaffung von Handelsbarrieren, die Bestimmung über den Einsatz der Gelder oder der Zwang zum Kauf von Waren des Geldgebers, um nur einige wenige aufzuzählen.

Die Funktion der imperialistischen Propagandamaschinerie

Wenn nun aber die ökonomischen Penetrationen nicht mehr ausreichen, muss der Imperialismus zu einer Ausweitung seiner militärischen Präsenz oder zu Putschen und Hinrichtungen wichtiger revolutionärer Führer greifen, welche durch die bourgeoisen Narrative der Monopol-Presse legitimiert werden. Diese wird im Allgemeinen immer systematischer als ideologische Waffe aufgestellt. Die dahinterliegende psychologische Kriegsführung schreibt Nkrumah v.a. den in den 1960ern bestehenden US-Institutionen wie dem MRA (Moral Re-Armament) und der USIA (United States Information Agency) sowie dem nach wie vor existierenden Friedenscorps[xi] zu. Mithilfe dieser und ihrer dutzenden Redakteure und Radiostationen versucht der amerikanische Staat seine Propaganda zu verbreiten und somit die Entwicklung nationaler Medien zu unterbinden, um auch hier uneingeschränkte Deutungshoheit zu erlangen. Zur doppelten Absicherung enthalten ökonomische Vereinbarungen oftmals Zugeständnisse von Vorzugsrechten bei der Informationsverbreitung (S. 247-250).

In den 1980ern übernahm diese Funktion für den US-Imperialismus in zunehmendem Maße die NED (National Endowment for Democracy). Seither war sie neben direkter finanzieller Unterstützung rechter und reaktionärer Gruppen, insbesondere mit der Finanzierung von Medienorganisationen, verantwortlich für zahlreiche Desinformationskampagnen und darauffolgende Putsche und Putschversuche. Auf dem afrikanischen Kontinent werden zurzeit zahlreiche Medienstiftungen und -organe finanziert wie das „Centre for Media Excellence“ in Uganda oder der südafrikanische „The Continent“, eine panafrikanische Wochenzeitung des Mail & Guardian, die der imperialistische Propaganda als nicht zu unterschätzendes Sprachrohr dienen[xii].

Die letzte Stunde der Monopolisten 

Den bei der Lektüre zeitweise als schwer überwindbar erscheinenden Auswüchse des Neokolonialismus begegnet Nkrumah mit der tiefen Überzeugung, dass ab dem Moment der ökonomischen Befreiung des gesamtafrikanischen Kontinents die letzte Stunde der Monopolisten schlagen werde. Denn dann würden sie ohne die Möglichkeit der weiteren Bestechung und Desillusionierung ihrer heimischen Arbeiterklasse aus den Extraprofiten –eben dieser gegenübertreten und endgültig um ihre Herrschaft bangen müssen (S. 256). Das Stadium des Neokolonialismus zeugt eben nicht von der Stärke des Imperialismus, sondern bereitet ganz im Gegenteil den Vorabend seines letzten scheußlichen Atemzugs (S. 253).

Der Neokolonialismus – alles andere als ein historisches Relikt

Wer 2023 nach Verhältnissen sucht, wie sie von Nkrumah beschrieben werden, wird schnell fündig. Es bleibt aber einiges offen: Welche Strategie gilt es im Zeitalter nach der Konterrevolution zu verfolgen? Selbst mit einem starken sozialistischen Block als Verbündeten war Nkrumah Verfechter der Blockfreiheit. Walter Rodney kritisierte in diesem Zusammenhang auch hinsichtlich der Bündnisfrage Nkrumahs anfängliche Negation der Klassenwidersprüche im afrikanischen Staat. Nach dem von den USA forcierten Putsch des ghanaischen Staatsoberhauptes 1966 gestand sich dieser in seiner Schrift „Class Struggle in Africa“ (dt.: „Klassenkampf in Afrika“) die Unterschätzung der zweischneidigen Rolle des einheimischen Kleinbürgertums ein[xiii]. Offen bleiben darüber hinaus eindeutige Faktoren, die eine genaue Bestimmung von Ländern als Kolonie, Halbkolonie oder abhängig ermöglichen würden. Wo verlaufen die Grenzen zwischen Staaten, in denen sich teilweise monopolkapitalistische Züge herausbilden und solchen, die den ersteren ihre Konditionen in einem qualitativ unterschiedlichen Maß aufzwingen können und sie so zu ihrem Werkzeug degradieren? Wir brauchen dahingehend Darstellungen, welche die Verflechtungen des Finanzkapitals im 21. Jahrhundert adäquat abbilden.

Für die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen sollten zukünftig die Analysen und Einschätzungen von kommunistischen und fortschrittlichen Parteien und Organisationen aus den Ländern der Peripherie eine größere Rolle in der Debatte spielen. Schließlich sind sie es, die tagtäglich gegen ausländische Einflussnahme und ihre Klassenfeinde im Innern kämpfen. Ein Gütesiegel für die richtigen Losungen ist das gewiss nicht, aber sicherlich unverzichtbar für das adäquate Erfassen der real herrschenden Bedingungen.


[i] Bezeichnend erscheint hierbei auch der Umstand, dass es von Nkrumahs Schlüsselwerk bisher keine deutsche Übersetzung gibt.

[ii]  Vgl. Kacza, Thomas (2021): Nkrumah – Ghanas Visionär für Afrika, Berlin: NORA.

[iii] Vgl. https://www.bernhard-springer.de/NO%20TIME%20TO%20DIE/GhanaProgramm2007_Koeln.pdf

[iv] Kacza, Thomas (2021): Nkrumah – Ghanas Visionär für Afrika, Berlin: NORA.

[v] Der CFA-Franc wurde 1945 durch ein Dekret Charles de Gaulles erlassen, um die wirtschaftliche Integration der französischen Kolonien und eine absolute Kontrolle über sie zu gewährleisten. Nach der Unabhängigkeit wurde dieses koloniale Mittel allerdings nicht abgeschafft, sondern lediglich umbenannt. Weiterhin sind 14 afrikanische Staaten dazu gezwungen, einen Großteil ihrer Devisenreserven bei der Europäischen Zentralbank zu hinterlegen. Die Währung ist mit festem Wechselkurs dem Euro unterworfen und bietet gleichzeitig Frankreich die unbegrenzte Konvertierbarkeit von Franc-CFA in Euro. Eine monetäre Souveränität besteht somit de facto nicht. (https://blogs.lse.ac.uk/africaatlse/2017/07/12/the-cfa-franc-french-monetary-imperialism-in-africa/)

[vi] Die ECOWAS (Economic Community of Westafrican States, dt.: Wirtschaftliche Gemeinschaft westafrikanischer Staaten) wurde 1975 mit dem Ziel eingerichtet, die ehemaligen Kolonien in Westafrika nach Vorbild der EU, in den eigenen Wirtschaftsraum zu integrieren.

[vii] Vgl. https://peoplesdispatch.org/2023/02/22/the-french-are-going-but-the-war-in-the-sahel-continues/

[viii] Vgl. https://peoplesdispatch.org/2022/09/14/in-ethiopia-rebel-group-tplf-makes-peace-overtures-after-facing-military-setbacks/

[ix] AFRICOM (United States Africa Command, dt.: Afrikanisches Kommando der Vereinigten Staaten) bildet seit 2007 das Oberkommando über US-amerikanische Militäroperationen auf dem afrikanischen Kontinent. Zu Beginn der Einrichtung lehnte die Mehrheit der afrikanischen Staaten AFRICOM ab und erzwang die Einrichtung des Hauptsitzes in Stuttgart. Mittlerweile existieren allerdings bis zu 46 verschiedene Formen von US-Basen sowie militärische Beziehungen zwischen 53 der 54 afrikanischen Länder und den Vereinigten Staaten. US-Spezialeinheiten sind heute in mehr als einem Dutzend afrikanischer Staaten im Einsatz.

[x] Vgl. https://peoplesdispatch.org/2022/06/29/the-united-states-extends-its-military-reach-into-zambia/

[xi] Das Friedenscorps wurde 1961 von John F Kennedy eingerichtet. Selbsterklärter Zweck ist bis heute die Beförderung der „Völkerverständigung“, wohingegen es eher als Instrument antikommunistischer und proimperialistischer Propaganda fungiert, welche durch weltweite Freiwilligeneinsätze abgesichert wird.

[xii] Vgl. https://paisafrica.org/how-the-ned-distorts-discourse/

[xiii] Vgl. Rodney, Water (2022): Decolonial Marxism – Essays from the Pan-African Revolution, London & New York: Verso Books, S.62.

Kampf für die Befreiung der Frau heißt Kampf dem Imperialismus!

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Vor wenigen Tagen hat die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ihre „Leitlinien für feministische Außenpolitik“ vorgestellt.[1] Diese wirken wie ein Wünsch-dir-was-Blendwerk, das für alle „Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Geschlechtsidentität, Behinderung, sexueller Identität oder anderen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden“,[2] Verbesserungen verspricht. Real stehen sie jedoch für knallharte imperialistische Außenpolitik unter der falschen Flagge der Frauenrechte!

„Feminismus“ im Interesse des Kapitals

Baerbock verspricht „nachhaltigen Frieden“ durch die Einbeziehung von Frauen. So sollen Friedensverhandlungen stabiler und tragfähiger werden, wenn mehr Frauen an den Verhandlungstischen sitzen. Denn Gewalt, die von Ländern gegenüber anderen Ländern ausgeht, hänge auch immer mit patriarchaler Gewalt im Land selbst zusammen. Ideen wie diese verschleiern jedoch den wahren Charakter von imperialistischer Außenpolitik: das gewaltsame Durchsetzen des eigenen machtpolitischen und wirtschaftlichen Interesses gegenüber anderen Nationen. Und genau darum geht es auch bei der „feministischen Außenpolitik“: Sie soll einen anderen Politikstil darstellen, der moralisch besser zu vertreten ist und moderner daherkommt.

Think Tanks wie das Centre for Feminist Foreign Policy mit Sitz in Berlin und London zeigen beispielhaft, wie „feministische Außenpolitik“ funktionieren soll und wohin sie führt. Das Centre baut weltweit Netzwerke auf, mit denen aus Deutschland direkt Einfluss auf die Politik und Bevölkerung in anderen Ländern genommen werden kann. Mit der Begründung, die Frauen vor Ort unterstützen und deren Interessen vertreten zu wollen, greift das deutsche Kapital so dort ein und unterstützt die für sich nützlichen Kräfte. Dieses Konzept ist nicht neu: Stiftungen und NGOs dienen schon seit langem der sogenannten „Softpower“, mit der Staaten neben militärischer Gewalt und ökonomischem Druck Macht über andere ausüben und ausbauen.

Highheels statt Pickelhaube

Indem „feministische Außenpolitik“ offensive außenpolitische Interventionen einfordert, ist sie letztlich nichts anderes als ein aggressives Update des Menschenrechtsimperialismus. Diesen hat der Westen in den letzten Jahrzehnten an den Tag gelegt, nachdem zuerst das Hochhalten der eigenen überlegenen „Rasse“ oder „Zivilisation“ und dann nach 1990 auch der Antikommunismus nicht mehr dazu taugten, die Unterwerfung der Welt zu legitimieren. Die Grundlinien blieben aber stets dieselben: Der „fortschrittliche, freie Westen“ bringt den „Barbaren“ im Süden und Osten die Zivilisation, früher mit Schwert und Bibel, heute mit Panzern und Frauenquoten. Am deutschen „feministischen“ Wesen soll die Welt genesen.

Laut den „Leitlinien“ ist die „feministische Außenpolitik“ explizit weder pazifistisch noch für Demilitarisierung. Gerade Baerbock hat sich als besonders krasse Russlandhasserin und Kriegstreiberin herausgestellt und damit – genau wie Strack Zimmermann (FDP) und vor ihnen die ehemalige US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice oder die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright – eindrücklich bewiesen, dass Frauen in Führungsrollen genauso kaltblütige Massenmörderinnen und kriegsgeile Hetzerinnen sein können wie ihre männlichen Kollegen.

Im derzeitigen Krieg der NATO gegen Russland wurde neben solchen Absurditäten, wie dass die Militärintervention Moskaus durch die „toxische Männlichkeit“ Putins zu erklären sei, die Ukraine als das fortschrittliche Beispiel gegen das „reaktionäre Russland“ aufgebaut. Unter anderem deswegen gelte es, Kiew bedingungslos zu unterstützen. Um dieses Bild zu verstärken, wurden Heldinnenbilder von ukrainischen Frauen inszeniert, die entweder den „zivilen Widerstand“ aufbauten oder selbst an der Front kämpften. Dass insbesondere in den faschistischen Regimentern der ukrainischen Truppen ein reaktionäres Frauenbild vorherrscht, muss für die Kriegspropaganda hier ausgeblendet werden. Die Faschisten greifen auf eine völkische Ikonografie zurück, die die Frau vor allem als Mutter und Hüterin des Hauses sieht und nicht als emanzipierte Gleichgestellte gegenüber dem Mann. Das wird hierzulande genauso verleugnet wie die Existenz ukrainischer Faschisten an sich.

Feministischer Neokolonialismus

Es ist jedoch nicht nur so, dass mithilfe des „Feminismus“ der Faschismus in Deutschland rehabilitiert wird. Baerbocks „Leitlinien“ sehen zudem eine „Reflexion“ deutscher Kolonialgeschichte vor, deren Aufgabe es sein wird, ein Feigenblatt für den gegenwärtigen deutschen Imperialismus zu sein: Schließlich geht es bei der „feministischen Außenpolitik“ nicht zuletzt darum, sich unter dem Deckmantel der Frauenrechte in jene afrikanischen und asiatischen Länder einzumischen, in denen der Westen seit über einem Jahrhundert Krieg und Verwüstung sät. Gerade in mehrheitlich muslimischen Ländern wie Afghanistan und dem Iran tritt der westliche (Neo)Kolonialismus seit jeher bevorzugt als Verteidiger der Frauen auf. Afghanistan wurde 2001 nicht zuletzt unter Verweis auf die Frauenrechte von der NATO überfallen und 20 Jahre lang besetzt gehalten. Dazu, dass Millionen Frauen in dieser Zeit aufgrund des NATO-Krieges von Armut, Hunger, Folter, Vergewaltigung und Tod betroffen waren, liest man freilich nichts in den „Leitlinien“. Stattdessen heißt es dort: „Wir sind überaus besorgt über die Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan“ – eine Ansage, die wir ernst nehmen müssen. Wenn der deutsche Imperialismus sich um Bevölkerungsgruppen in anderen Ländern „sorgt“, ist das erfahrungsgemäß eine Kriegsansage!

Ähnliches gilt für den Iran: Er steht seit der Revolution 1979 auf der Abschussliste der USA und seit 2001 im Fokus der westlichen Kriegspläne. Die Unterstützung von Aufständen gehört zum Standard-Repertoire der Regime Change-Strategen im Westen. Und so ist es kein Wunder, dass Baerbocks „Leitlinien“ nicht ohne einen positiven Verweis auf die derzeitigen Unruhen im Iran auskommen. Diese Proteste gegen das Kopftuchgebot, die von Anfang an von einer Minderheit der Iraner getragen wurden und die vielerorts schnell in blanken Vandalismus und Terror umgeschlagen sind, werden vom Westen und von reaktionären Oppositionsgruppen befeuert. Ihre reale Perspektive ist keine Verbesserung der Lage der iranischen Frauen, sondern ein Regime Change bzw. ein Zerfall des Vielvölkerstaats Iran – beides im Interesse des Westens und völlig gegen die Interessen des iranischen Volkes. Umso problematischer ist es, dass diese Unruhen bis weit hinein in die kommunistische Bewegung unterstützt werden![3] Die Skandalisierung der Lage der Frauen ist seit der Revolution ein zentrales Motiv der anti-iranischen Hetze. Genauso wenig neu sind die Maßnahmen, die man bei Baerbock unter der Überschrift „Feministische Außenpolitik in der Praxis“ findet: An erster Stelle stehen nämlich Sanktionen, die bereits seit Jahren Teil eines massiven und für viele Iraner – und natürlich auch Iranerinnen – tödlichen Wirtschaftskriegs des Westens gegen ihr Land sind.

„Woke“ und „bis an die Zähne bewaffnet

Dass die „feministische Außenpolitik“ Teil einer kolonialistischen Agenda ist, wird auch daran deutlich, dass sie u. a. mit Israel „verstetigt“ und „erweitert“ werden soll. Tatsächlich lässt sich von Tel Aviv einiges lernen, wenn es darum geht, aggressivster imperialistischer und kolonialistischer Politik ein „wokes“ Image zu verleihen: Das zionistische Regime setzt seit Jahren auf „Pink Washing“, indem es sich nicht nur als die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ darstellt, sondern auch als ein Paradies für Homosexuelle. Die israelische Armee wiederum inszeniert sich besonders gerne mit bildhübschen Soldatinnen in Kampfmontur und sexy Pose. Sexualisierung wird hier in westlicher Tradition als Befreiung der Frau gefeiert – und den biederen, rückständigen und patriarchalen „Orientalen“ entgegengestellt.  

Auch die Bundeswehr versucht sich seit Jahren modern und weltoffen zu geben, als Karriereleiter für Frauen und tolerant gegenüber Homo- und Transsexuellen. Was von Rechten und klassischen Konservativen kritisiert wird, scheint Teil einer Transformationsstrategie des deutschen Militärs zu sein, weg von der klassischen Infanterie-Wehrmacht hin zu einer Armee, die in modernen, hochtechnisierten Kriegen mitmischen kann. Carlo Masala, Dozent an der Bundeswehruniversität in München erklärte dazu kürzlich paradigmatisch: „Ich will eine Bundeswehr, die woke im besten Sinne des Wortes ist, wehrhaft und bis an die Zähne bewaffnet.“[4]

Diese Vorstellung passt perfekt zum Konzept der „feministischen Außenpolitik“.

Dem müssen wir uns entgegenstellen! Der „woke“, feministische Imperialismus hat für die breite Masse der Frauen der Welt, für die Arbeiterinnen international und für die Frauen der unterentwickelten und unterdrückten Länder nichts zu bieten als weitere Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg! 


[1] https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2585008/d444590d5a7741acc6e37a142959170e/230301-ll-ffp-data.pdf

[2] https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/leitlinien-ffp/2584950

[3] In Deutschland sehen vor allem Gruppen wie der Kommunistische Aufbau, Young Struggle oder die MLPD darin einen gerechten Aufstand sowohl der Frauen als auch der Kurden im Iran. Doch auch über 60 internationale kommunistische und Arbeiterparteien, darunter die DKP, die PdAÖsterreichs, die KKE und die TKP, folgen der Einschätzung der iranischen Tudeh-Partei, wonach es sich um einen „Kampf des iranischen Volkes für Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit“ handle: http://www.solidnet.org/article/Tudeh-Party-of-Iran-Joint-Declaration-in-solidarity-with-the-struggle-of-Iranian-people-for-peace-progress-and-justice/.

[4] https://taz.de/Carlo-Masala-ueber-die-Bundeswehr/!5884220/

Interview CPGB-ML

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Im Anschluss an unseren Podcast mit Harpal Brar sprachen wir noch einmal mit der CPGB-ML über ihre Einschätzung des Krieges, der Entwicklung Großbritanniens und der laufenden Debatte in der Kommunistischen Bewegung zur Einschätzung des Kriegs und der Imperialismusfrage sowie den Zweck der World Anti-imperialist Platform.

Following our podcast with Harpal Brar, we spoke again to the CPGB-ML about their assessment of the war, the development of Britain and the ongoing debate in the Communist Movement on the assessment of the war and the imperialism issue, and the purpose of the World Anti-imperialist Platform.

You can find the English version of the interview down below!

Wie schätzt ihr den Krieg in der Ukraine ein?

Es handelt sich nicht um einen Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Es ist ein Krieg, der von der NATO gegen Russland geführt wird. Die Ukraine dient dabei nur als Stellvertreter.

Dieser Krieg hat einen doppelten Zweck: Erstens soll Russland geschwächt, zersetzt und in leichter verdauliche Teile zerlegt werden, damit es vom Imperialismus – insbesondere dem US-Imperialismus – geplündert werden kann. Zweitens soll jede mögliche wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland verhindert werden, um Deutschland zu schwächen und es als Konkurrenten des US-Imperialismus auszuschalten. Nichts macht dem US-Imperialismus mehr Angst als die Möglichkeit einer Annäherung, geschweige denn eines Bündnisses, zwischen Russland und Deutschland.

Wie ist die Lage der Arbeiterbewegung in Großbritannien? Was sind die Reaktionen auf den Krieg?

Die Arbeiterbewegung befindet sich derzeit in einem bedauernswerten Zustand, dank der nahezu vollständigen Kontrolle der Arbeiterorganisationen durch die Sozialdemokratie, d.h. durch die pro-imperialistische Labour Party, in Verbindung mit der ununterbrochenen antikommunistischen Propaganda der bürgerlichen Medien, sowohl in gedruckter als auch elektronischer Form.

Die Bourgeoisie hat es der Sozialdemokratie leicht gemacht, ihren Einfluss auf die Arbeiterbewegung zu festigen. Dies schafft sie, indem sie über sozialdemokratische Organisationen einen winzigen Teil ihrer imperialistischen Extraprofite zur Verfügung stellt. Sie erkauft mit der Verlockung auf einen bequemen Lebensstil die Loyalität der Arbeiterführer gegenüber dem Imperialismus und schafft es, gerade ausreichende Zugeständnisse an die Forderungen der Arbeiterklasse zu machen, um jeden drohenden Kampf zu beschwichtigen. Aufgrund der sich verschärfenden Krise der Überproduktion ist die Bourgeoisie heute weniger in der Lage dazu, die Arbeiterklasse zu manipulieren, als dies in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Die sozialdemokratische Denkweise, die sich als Opportunismus manifestiert, wird jedoch nur allmählich verschwinden und muss daher mit aller Kraft bekämpft werden, um sie schneller aus der Arbeiterbewegung zu beseitigen.

Was die Reaktion der Arbeiterbewegung auf den Krieg in Europa betrifft, so hat die antirussische Hysterie, die täglich von den Propagandaabteilungen des britischen Imperialismus verbreitet wird, große Teile der Arbeiterklasse dazu gebracht, die Ukraine als Opfer der russischen Aggression zu betrachten.

Doch es liegt ein Wandel in der Luft: Die vom US- und EU-Imperialismus verhängten Wirtschaftssanktionen schaden zwar Russland, den imperialistischen Ländern schaden sie jedoch noch mehr. Infolgedessen befinden sich die Massen in einer sehr ernsten Krise der Lebenshaltungskosten, während die Bourgeoisie mit dem Krieg fabelhafte Gewinne erzielt. All dies trägt dazu bei, den Unmut gegen die Sparmaßnahmen, denen die Arbeiterklasse unterworfen ist, zu vergrößern und den Widerstand dagegen zu verstärken. Die derzeitige Streikwelle, die unter anderem die Eisenbahner und Postangestellten, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Lehrer und Beamten betrifft, ist ein ausdrucksvoller Beweis für diese Entwicklung.

Der Krieg hat dazu beigetragen, die imperialistische Krise der Überproduktion mit all ihren Auswirkungen zu verschärfen.

Wie schätzt ihr die Beteiligung Großbritanniens an dem Krieg ein?

Die britische Bourgeoisie ist mit dem US-Imperialismus als dessen Juniorpartner verbunden. Seitdem Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg seine Vormachtstellung verloren hat, hat sich die britische Bourgeoisie damit abgefunden, die Rolle des Juniorpartners zu spielen. Diese ist die einzige Möglichkeit, von den durch die USA angezettelten imperialistischen Raubkriegen – vom Korea- und Vietnamkrieg bis hin zu den Kriegen im Irak, in Afghanistan, Libyen und Syrien – zu profitieren. Die Interessen des britischen Finanzkapitals und seiner Öl- und Rüstungsindustrie sind eindeutig mit denen der Wall Street und der US-amerikanischen Öl- und Rüstungsindustrie verwoben.

Wie schätzt ihr die strategische Position Großbritanniens nach dem Austritt aus der EU ein?

Wie zu erwarten war der Brexit eine Katastrophe für den britischen, den EU- und den US-Imperialismus. Er wirkt sich nachteilig auf sie aus. Das ist genau der Grund, warum unsere Partei, die CPGB-ML, den Brexit unterstützt hat. Dieser hat der britischen herrschenden Klasse einen schweren Schlag versetzt und wird auf lange Sicht für die Arbeiterklasse von Vorteil sein, da er die britische Bourgeoisie schwächt.

Die herrschenden Kreise in Großbritannien verfügen über keine andere Strategie, als sich vor den Kriegskarren des US-Imperialismus spannen zu lassen und sich an die Schürzenbänder des US-Finanzkapitals zu binden.

Die ganze Idee, dass Großbritannien die Rolle einer unabhängigen imperialistischen Macht spielen könnte, hat sich als Illusion erwiesen.

Wie schätzt ihr die Diskussionen zum Krieg in der Ukraine und zum Imperialismus innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung ein?

Die internationale kommunistische Bewegung ist in der Frage des Krieges tief gespalten. Die einen behaupten, Russland führe einen räuberischen imperialistischen Krieg gegen die Ukraine. Andere wiederum behaupten, es handle sich um einen zwischenimperialistischen Krieg zwischen den russischen und den westlichen imperialistischen Mächten unter Führung der USA.

Meine Partei hingegen ist der festen Überzeugung, dass Russland, obwohl es ein kapitalistisches Land ist, keine imperialistische Macht darstellt. Russland verteidigt sich gegen die vereinten Kräfte des imperialistischen NATO-Blocks, der versucht, Russland zu unterwerfen und zu zerstückeln. Obwohl der Krieg der NATO ein imperialistischer ist, handelt es sich bei Russlands Krieg um eine Maßnahme der Selbstverteidigung, der Verteidigung seiner Souveränität. Seit dem Zusammenbruch der einst glorreichen UdSSR – ein Sieg des Chruschtschowschen Revisionismus nach dem Tod Stalins – wurde Russland dieser Krieg aufgezwungen durch den unerbittlichen Vormarsch der NATO bis an Russlands Landesgrenzen.

Wieso ist es aus eurer Sicht notwendig gewesen, die anti-imperialistische Plattform zu gründen? Was ist ihr Ziel?

Die anti-imperialistische Plattform, in der unsere Partei eine wichtige Rolle spielt, wurde gegründet, um die treibenden Kräfte hinter diesem Krieg zu entlarven und die Verlogenheit derjenigen Kommunisten aufzudecken, die Russland anprangern oder es für den Krieg in Europa gleichermaßen verantwortlich machen.

In den wenigen Monaten, die seit ihrer Gründung vergangen sind, hat die Plattform beträchtliche Unterstützung erfahren und dazu beigetragen, kommunistische und sozialistische Organisationen in Europa und Lateinamerika zu mobilisieren. Wir appellieren an alle wahren Kommunisten, die Pariser Erklärung [1] dieser Plattform zu unterzeichnen und dem ehrlichen Kampf gegen Imperialismus und Krieg mehr Kraft zu verleihen.

Welche Rolle und welche Schwierigkeiten kommen der Arbeiterbewegung in den imperialistischen Kernländern zu?

Die Hauptschwierigkeit besteht darin, dass es die Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern zugelassen hat, unter die Fittiche der imperialistischen Bourgeoisie zu geraten. Als solche kann sie keine revolutionäre Rolle spielen, sondern lediglich als Anhängsel der herrschenden Klasse fungieren.

Der einzige Ausweg für sie besteht darin, ihre Unabhängigkeit auf der Grundlage der revolutionären Wissenschaft und der Theorie des Marxismus-Leninismus zu behaupten, in jedem Land wirklich revolutionäre kommunistische Parteien aufzubauen, den Opportunismus zu bekämpfen und sich der Aufgabe zu widmen, die Herrschaft des Imperialismus zu stürzen und für die eigene soziale Befreiung zu kämpfen.

Die Arbeiterklasse steht vor der Wahl: Entweder unterwirft sie sich dem Diktat des Kapitals, fristet ein erbärmliches Dasein und sinkt immer tiefer ab oder sie ergreift die Fahne des Marxismus-Leninismus und stürzt den Imperialismus.


What is your position on the war in Ukraine?

It is not a war between Ukraine and Russia.  It is a war waged by Nato against Russia; Ukraine is being used as a proxy.

This war has a two-fold purpose: first, to weaken and disintegrate Russia and divide it into more easily digestible part so that it may be looted by imperialism – especially US imperialism; and second, to prevent all possible economic cooperation between Russia and Germany, thus weakening Germany and eliminating it as a competitor to US imperialism.  Nothing frightens US imperialism more than the possibility of any accommodation, let alone alliance, between Russia and Germany.

What is the state of the workers movement in the UK? What are thier reactions to the war?

The workers’ movement is in a pitiable state at the moment thanks to the near-total control of the workers’ organisation by social democracy, that is, the imperialist Labour Party, combined with the non-stop anti-communist propaganda put out by the bourgeois media, both in print and electronically.

Social democracy has been facilitated in consolidating its grip over the working-class movement by the bourgeoisie channelling through social-democratic outfits sufficient funds – a tiny proportion of its imperialist superprofits – to buy the loyalty to imperialism of working-class leaders with the lure of a comfortable lifestyle and to make just enough concessions to working-class demands to assuage any threatening militancy.  Because of the deepening crisis of overproduction the bourgeoisie today is less able to manipulate the working class than it has been over the last several decades, but the social democratic mindset that manifests itself as opportunism will only fade gradually, and requires to be fought strenuously so as to speed up the process of its elimination from the working-class movement.

As to the labour movement’s reaction to the war in Europe, the anti-Russia hysteria being daily spewed out by the propaganda arms of British imperialism has turned large sections of the working class to think of Ukraine as the victim of Russian aggression.

Nevertheless, there is change in the air.  The economic sanctions imposed by the US and EU imperialism, though hurting Russia, are hurting the imperialist countries even more.  As a result, the masses are engaged in a very serious cost of living crisis, while the bourgeoisie rakes in fabulous profits from the war.  All this is helping to develop resentment against, and resistance to, the austerity to which the working class is being subjected.  The present wave of strikes, including railway and postal workers, nurses and ambulance workers, teachers and civil servants and many others are eloquent testimony to this development.

The war has served to exacerbate the imperialist crisis of overproduction, with all its ramifications.

What do you think about the participation of Great Britain in the war?

The British bourgeoisie is joined to US imperialism as the latter’s junior partner.  Ever since Britain lost its dominant position following the Second World War, the British bourgeoisie has reconciled itself to playing this junior role as the only means of profiting from the imperialist predatory wars – from the Korean and Vietnam wars to the wars in Iraq, Afghanistan, Libya, Syria – launched by the US.  The interests of British finance capital and its oil and armaments industries are clearly intertwined with those of Wall Street and the US oil and armaments industries.

Can you tell us something about the strategic positions of the UK after leaving the EU? How do you evaluate the UKs strategy?

Brexit, as was to be expected, has been a disaster for British, EU and US imperialism. It has the effect of adversely affecting all of them.  That is precisely the reason that our Party – the CPGB-ML – supported Brexit, which delivered a powerful blow to the British ruling class and is bound, in the long run, to be beneficial to the working class, weakening as it does the British bourgeoisie.

The ruling circles in Britain have no strategy other than that of hitching themselves to the war chariot of US imperialism and tying themselves to the apron strings of US finance capital.

The whole idea of Britain playing the role of an independent imperialist power has been shown to be delusional.

How do you assess the discussions within the international communist movement on the war in Ukraine and on imperialism?

The international communist movement is deeply divided on the question of war.  There are those who assert that Russia is waging a predatory imperialist war against Ukraine; still others claim that it is an inter-imperialist war between Russian and Western imperialist powers led by the US.

My party, on the other hand, is firmly of the view that Russia, though a capitalist country, is not an imperialist power; that it is defending itself against the combined forces of the Nato imperialist bloc, which is attempting to subdue and dismember it.  While being imperialist on Nato’s part, Russia’s war is one of self defence, defence of its sovereignty, a war forced on Russia through Nato’s relentless march towards the borders of Russia ever since the collapse of the erstwhile and glorious USSR, thanks to the triumph of Khrushchevite revisionism following the death of Stalin.

Why was it necessary to found the Anti-Imperialist Platform? What are its objectives?

The Anti-Imperialist Platform, in which our party plays an important role, was formed precisely to expose the driving forces behind this war, as well as to lay bare the renegacy of those communists who are either denouncing Russia or holding it equally responsible for the war in Europe.

In the short few months since its launch, the Platform has gathered considerable support and is helping to galvanise communist and socialist organisations in Europe and Latin America. We appeal to all genuine communists to sign the Paris Declaration of this Platform [1] and bring greater strength to the noble cause of fighting against imperialism and war.

What are the difficulties but also the role of the workers‘ movement in the imperialist core countries?

The main difficulty is that the workers’ movement in the imperialist countries has allowed itself to come under the wings of the imperialist bourgeoisie and, as such, has failed to play a  revolutionary role, merely acting as an adjunct of the ruling class.

The only way out for it is to assert its independence under the revolutionary science and theory of Marxism-Leninism and to create truly revolutionary communist parties in each country, fight against opportunism and devote itself to the task of overthrowing the rule of imperialism and work for its own social liberation.

The working class is faced with the choice: either submit to the dictates of capital, eke out a miserable existence and sink lower and lower; or pick up the banner of Marxism-Leninism and overthrow imperialism.


[1] https://wap21.org/?p=566

Gegen die NATO – nicht gegen Russland! Aktionsbericht zum Jahrestag der russischen Militärintervention in der Ukraine

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Zum ersten Jahrestag des Beginns der russischen Militärintervention in der Ukraine hielten wir als KO bundesweit Kundgebungen ab und beteiligten uns an der von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer organisierten Friedenskundgebung in Berlin. Außerdem nahmen wir, ebenfalls in Berlin, an der Kundgebung der DKP und der Friedenskoordination sowie in Köln an der „Den Frieden gewinnen – nicht den Krieg“-Demonstration teil.

Trotz der erdrückenden Kriegshetze des deutschen Imperialismus haben wir viel Zustimmung für unsere Positionen erhalten. Außerdem bestätigte sich unsere Annahme, dass Relativierungen der NATO-Aggression, auch wie sie auf den Großdemonstrationen in Berlin und Köln geäußert wurden, nicht vor der Verleumdungen durch Medien und Politik schützen. Alles, was sich zurzeit gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung richtet, wird diffamiert – es ist unsere Aufgabe, dagegen standhaft zu kämpfen!

Aufgepeitschte Stimmung in den Medien: Wer nicht 100% gegen Russland ist, ist der Feind

Bereits mehrere Tage vor dem Jahrestag wurde die seit Beginn der Militärintervention täglich vorangetriebene moralisierende Propaganda verstärkt. Die Berichterstattung über die letzten zwölf Monate des Kriegs beschränkte sich darauf, das Leid und die Schrecken, die Russland mit seiner Militärintervention über die Ukraine gebracht habe, in den Vordergrund zu stellen. Erklärungen, wie es zu dieser Eskalation kam, waren an diesem Tage, so wie bereits zuvor, nicht zu hören. Die moralisierende Berichterstattung wurde in den Kommentarspalten durch ausführliche Überlegungen, wie „wir“ Russland in diesem Krieg eine Niederlage bereiten können, ergänzt. Ein friedliches Russland werde es, so die Journalisten, nur ohne Putin geben – und Putin könne nur durch die militärische Niederlage beseitigt werden: Russland müsse verlieren lernen, forderte etwa der Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Kiesewetter[1]; und die ZEIT lehnte sich mit der Beschwörung eines „totalen Sieges“ und einer herbeigesehnten „vernichtenden Niederlage“ für Russland[2] unverkenntbar an den „totalen Krieg“ des deutschen Faschismus im Krieg gegen die Sowjetunion an. Offener Chauvinismus, Revanchismus und Russenhass brachen sich verstärkt Bahn.

Parallel zur medialen Hetze, und befeuert durch sie, konnten sich rassistisch und militaristisch verrohte antirussische Kräfte in Deutschland frei ausleben: Offensichtlich durch die Berliner Stadtverwaltung genehmigt, stellten „Aktivisten“ einen ausgebrannten T72-Panzer vor der russischen Botschaft in Berlin ab. Seine Kanone zielte auf das Gebäude der Botschaft. Es ist wohl unvorstellbar, dass eine solche Aktion auch vor der US-amerikanischen oder ukrainischen Botschaft genehmigt worden wäre.

In dieser aufgehetzten Heimatfront-Stimmung durften abweichende Stimmen nicht zugelassen werden: Diejenigen, die sich gegen den Kriegskurs gegen Russland stellten, wurden medial mit den immergleichen „Argumenten” niederregeredet. Die Berichterstattung über die Kundgebung in Berlin beschränkte sich darauf, dass dort auch rechte Kräfte anwesend seien. Diese schon bekannte Diffamierung wurde im Nachgang noch einmal gesteigert mit Aussagen, wonach Sahra Wagenknecht eine „Gefahr für die Demokratie”[3] und eine Gehilfin des russischen Präsidenten höchstpersönlich[4] sei. Diese Hetze gegen alle abweichenden Meinungen wurde unterstützt von „Aktivisten“, die sich selbst als „links” und „antifaschistisch” bezeichnen und eine Gegenkundgebung am Brandenburger Tor abhielten.[5]

Kundgebung am Brandenburger Tor

Am Samstag, den 25. Februar, versammelten sich etwa 50.000 Teilnehmer (Polizei und Medien rechneten diese Zahl auf 13.000 herunter[6]) bei der Kundgebung, die von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer organisiert wurde. Es war ein starkes Zeichen gegen den Militarismus und den Kriegskurs der Regierung und gegen ihre Waffenlieferungen. Das ist zu begrüßen und zu unterstützen – die Bewegung gegen den Krieg muss stärker werden!

Insbesondere Wagenknecht erntete dafür, dass sie die Heuchelei der Bundesregierung scharf angriff, großen Beifall: Die Kriegstrommler, die die Kundgebungsteilnehmer als Rechte und Querfrontler abstempelten, hätten auf der anderen Seite keine Scham, sich mit ukrainischen Nazi-Verehrern wie dem ehemaligen ukrainischen Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, gemein zu machen, so Wagenknecht. Weiterhin prangerte sie zurecht an, „wie krank die Diskussion in Deutschland inzwischen“ sei, wenn heutzutage der Ruf nach Frieden und Diplomatie als rechts, demgegenüber aber „Kriegsbesoffenheit“ als links gelte. Darüber hinaus skandalisierte sie, dass wieder einmal deutsche Waffen gegen Russland eingesetzt werden. Wagenknecht stellte richtig fest, dass das „hysterische Gebrüll“ der Kriegstreiber Ausdruck ihrer Angst sei, ihre Politik nicht mehr unwidersprochen durchziehen zu können.

Allerdings übernahm Wagenknecht, wie auch schon in dem von ihr mitverfassten „Manifest“, Teile der herrschenden Propaganda, ohne dass dies der Hetze gegen sie, auch aus den Reihen der eigenen Partei, irgendeinen Abbruch getan hätte. Die Militärintervention wurde ohne weitere Ausführung und Begründung als „völkerrechtswidriger Angriffskrieg” verurteilt. Zwar trage die NATO mit ihrer Ignoranz gegenüber den russischen Sicherheitsinteressen und ihrer Osterweiterung eine Mitschuld daran. Russland, ein „genauso korrupter Oligarchenkapitalismus wie der der Ukraine”, sei es jedoch gewesen, das mit der Entscheidung zur Intervention diesen Krieg eskaliert habe.[7] Insbesondere die Gleichsetzung der russischen und ukrainischen Politik ging an diesem Tag nochmal über das hinaus, was bisher von Wagenknecht geäußert wurde.[1]  Ein weiterer Schwerpunkt der Rede Wagenknechts war, dass Deutschland keine eigenständigere, von den USA unabhängigere Position einnehme. Sie bezog sich positiv auf den Verräter an der Sowjetunion und dem Weltsozialismus, Gorbatschow, der mit der von ihm vorangetriebenen Konterrevolution aus ihrer Sicht den Stein für eine „europäische Friedensordnung“ legte.

Die politische Einigkeit, dass Deutschland einen eigenständigeren außenpolitischen Kurs fahren müsse, fand seine Entsprechung auch in der personellen Besetzung weiterer Redner. So sprach der ehemalige militärpolitische Berater von Angela Merkel, General a.D. Erich Vad. Er argumentierte, dass das eigentliche Problem der aktuellen deutschen Russlandpolitik sei, ihre Ziele nicht klar vor Augen zu haben. Europa müsse ein „interessengeleiteter strategischer Akteur“ werden. In diesem Sinne müssten militärische Lösungen an „politische Ziele“ gekoppelt sein, „Säbelrasseln“ bringe wenig, wenn es nicht mit „politisch klugem Handeln“ verknüpft werde.  Dass Deutschland gegen Russland vorgehen und es kleinhalten müsse, gegen dieses größere Ziel hatte Vad nichts einzuwenden. Kritisiert wurde nur die Art und Weise, wie die Bundesregierung dabei vorgehe: Russland, als eine internationale Atommacht, könne mit dieser Art Kriegsführung nicht besiegt werden. Dass es besiegt werden müsse – damit hat Vad also offenbar kein Problem: Kritisiert werden hier nur die Mittel, die für das durchaus legitime Ziel aus seiner Sicht nichts nützen. In diesem Sinne seien zum jetzigen Zeitpunkt nur Verhandlungen die einzige Lösung.

Die Rede von Vad zeigt, dass es offensichtlich Teile der Herrschenden in Deutschland gibt, die den aktuellen Kurs der Bundesregierung als nicht tauglich einschätzen, den deutschen Imperialismus eigenständig aufzustellen. Vad präsentiert ihnen eine Alternative zum aktuellen Kurs der Bundesregierung. Auch Angela Merkel, aus deren Kreisen Vad stammt, vertrat einen Kurs der Scheinverhandlungen, der Aufrechterhaltung diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland und der Vermeidung direkter militärischer Auseinandersetzungen.[8] Diese Kräfte stehen für eine Linie, die den deutschen Imperialismus aus einer Rolle herausheben soll, die aus ihrer Sicht zu stark den USA untergeordnet ist. Dazu gehört auch, die Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen im Verhältnis zu Russland selbst zu wählen.

Wagenknecht hat am Wochenende Teile dieser Argumentation übernommen. Russland könne mit den Mitteln, die die Bundesregierung anführt, nicht besiegt werden: Die volkswirtschaftliche Entwicklung zeige, dass die westlichen Wirtschaftssanktionen ihren Zweck, Russland ökonomisch zu bezwingen, nicht erfüllen. Die Waffenlieferungen würden der Ukraine auf dem Schlachtfeld gegen den übermächtigen Gegner nicht helfen, man riskiere das nukleare Inferno. Auch Wagenknecht zeigte an diesem Wochenende also, dass sie gegen das Ziel, Russland zu ruinieren, scheinbar grundsätzlich nichts einzuwenden hat. Zumindest lässt sie – ob aus taktischen Gründen oder aber aus tatsächlicher politischer Überzeugung – offen, wie ihre Haltung zu diesem Ziel aussieht: Ihre Kritik adressiert ausschließlich die aus ihrer Sicht dafür unbrauchbare Politik der Bundesregierung.

Stimmungseindrücke

An der Kundgebung in Berlin beteiligten sich viele unserer Genossen aus Ostdeutschland. Wir verteilten unsere Aktionszeitung und kamen mit den Demonstrierenden ins Gespräch. Auffällig war, dass die Teilnehmer insbesondere an Stellen, an denen Wagenknecht die Bundesregierung für ihren aggressiven Kriegskurs angriff, begeistert jubelten. Verhalten reagierte die Menge, als Wagenknecht den „russischen Angriffskrieg“ verurteilte – vereinzelt waren auch Gegenrufe zu hören. Die Rede des Generals wurde verhaltener aufgenommen, zum Teil war Widerspruch wahrzunehmen. In Gesprächen stimmten uns viele Demonstrationsteilnehmer zu, dass es nicht im Interesse der Bevölkerung sei, einen Krieg gegen Russland zu führen; und dass es falsch sei. Auch lehnten es viele ab, dass man sich, quasi als „Eintrittskarte“, zunächst von der russischen Militärintervention distanzieren müsse, bevor man Kritik an der herrschenden Kriegspolitik üben dürfe. Einzelne Stimmen sagten, dass sie „enttäuscht“ von Wagenknecht seien.

Viel Begeisterung lösten allerdings auch alle Aussagen aus, wonach Deutschland souveräner agieren und sich in seiner Politik von den USA abkoppeln müsse. Hier bekamen wir in vielen Gesprächen jedoch Zustimmung, dass diese Haltung Gefahr läuft, den deutschen Imperialismus und seine eigenen Pläne zur Kriegsvorbereitungen und Aufrüstung zu verharmlosen. Der richtige Kampf gegen den unzweifelhaft aggressivsten Imperialisten, die USA, und seinen Einfluss auf die Politik in Deutschland darf nicht davon ablenken, dass es auch der deutsche Imperialismus selbst ist, der Krieg führen will und dies derzeit vor allem in der Ukraine auch ganz real tut.

Aktionen der KO-Ortsgruppen

Am Freitag, dem Jahrestag des Beginns der Militärintervention, führten wir in Berlin, Chemnitz, Dresden, Essen, Frankfurt am Main, Jena, Leipzig und Mannheim lokale Kundgebungen durch und organisierten abends Filmvorführungen und Diskussionen zum Widerstand der Menschen im Donbass gegen das Kiewer Regime. Bei den Kundgebungen wurden Reden gehalten, die sich gegen den Wirtschaftskrieg, gegen die Waffenlieferungen und gegen die Medienzensur richteten. Eine weitere Rede thematisierte die Rolle der AfD, die sich trotz ihres militaristischen und pro-imperialistischen Charakters derzeit als Friedenspartei geriert. Alle Genossen berichteten, dass sie für unsere Haltung gegen den NATO-Krieg viel Zustimmung ernteten und Vorverurteilungen in Gesprächen diskutieren konnten. Solche Rückmeldungen zeigen: Die moralisierende Propaganda wirkt, steht aber auf dünnen Beinen. Sie ist täglich bemüht, den Argumenten von Kriegsgegnern das Wasser abzugraben, indem diese einfach als Perspektive des „Feindes“ abgestempelt werden. Eine wirkliche Befassung mit diesen Argumenten und damit eine sachliche Diskussion soll so verhindert werden. In Gesprächen können diese Moralisierungen häufig ausgeräumt und inhaltliche Standpunkte gegen den Krieg erläutert werden.

In Köln beteiligten wir uns zunächst an einer Kundgebung in Solidarität mit dem Widerstand in Palästina, die aus der lokalen palästinensischen Community heraus organisiert wurde. Ein Genosse hielt dabei spontan einen Redebeitrag, in dem er sich mit der derzeitigen Intifada solidarisierte, wofür er viel Applaus erhielt.

Anschließend nahmen wir an der Friedensdemonstration mit einem Banner mit der Aufschrift „Stoppt den Krieg gegen Russland“ teil. Das Banner erregte Aufmerksamkeit, ebenso wie unsere Parolen „NATO raus aus der Ukraine!“ und unsere Fyler unter der Überschrift „Für die Niederlage der NATO!“, und nicht wenige Demonstranten stimmten uns zu. Bei der Abschlusskundgebung forderten uns allerdings einige Ordner und Teile der Demo-Leitung auf, das Banner zu entfernen: Es solle in den Medien nicht mit der Demonstration in Verbindung gebracht werden und es stelle Russland als Angegriffenen dar, was nicht den Tatsachen entsprechen würde. Wir hielten dagegen, dass es Konsens in der Friedensbewegung sei, dass es sich um einen Krieg zwischen NATO und Russland handle, die NATO also ganz logischerweise einen Krieg gegen Russland führe; dass es diesen Krieg nur wegen der Aggression der NATO gebe, die deutschen Panzer gegen Russland eingesetzt werden und sogar die Außenministerin öffentlich erklärt hat, dass Deutschland Krieg gegen Russland führt. Dabei erhielten wir Unterstützung von einigen Demonstranten und auch Teilen der Ordner. So konnten wir schließlich durchsetzen, dass unser Transparent bis zum Ende der Demonstration gezeigt werden durfte. Trotzdem zeigt diese Auseinandersetzung, wie gespalten und verunsichert die Antikriegsbewegung ist. Es hilft jedoch nichts, seine Haltung gegen den Krieg bedeckt zu halten, in der Hoffnung, den Diffamierungen der Herrschenden zu entgehen. Ganz im Gegenteil ist es wichtig, trotz Ängsten und Sorgen, seine Haltung offen und klar auszusprechen und diese auch bei starkem Widerspruch in Gesprächen zu erklären!

Angriffe und Hetze gegen unsere Kundgebungen

Unsere Aktionen wurden von staatlicher Seite sowie von antideutschen und proukrainischen Gefolgsleuten und Apologeten des NATO-Imperialismus angegriffen. Im Rahmen des im Oktober letzten Jahres erweiterten Paragraphen 130 des Strafgesetzbuches wurden den Kundgebungsteilnehmern in Berlin Strafmaßnahmen bei Verstoß gegen die Kundgebungsauflagen angedroht. Zu diesen Auflagen gehört unter anderem das skandalöse Verbot des Tragens des Georgsbands, einem der wichtigsten Symbole des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland. In Chemnitz wurde direkt am Ort der Filmvorführung ein Banner mit einem Slogan gegen die KO aufgehängt – an einer direkten inhaltlichen Auseinandersetzung mit unserer Haltung waren diese „Aktivisten“ allerdings nicht interessiert.[9] In Dresden wurde die Filmvorführung zwischenzeitlich durch einen Störer unterbrochen, der seiner Abneigung gegen uns mit einem angedeuteten Hitlergruß und dem faschistischen Ruf „Slava Ukraini“ Ausdruck verlieht. Nachdem der Störer aus dem Raum geführt wurde, konnte die Veranstaltung fortgesetzt werden. In Essen fand eine medial hochgezogene und von der Stadtpolitik tatkräftig unterstützte proukrainische Demonstration parallel und in unmittelbarer Nähe zu unserer Kundgebung statt. Als der Demozug mit zahlreichen blau-gelben Ukraine- und einzelnen schwarz-roten Faschisten-Fahnen an uns vorbeizog, protestierten wir mit einem Transparent gegen antirussischen Rassismus und Waffenlieferungen an die Ukraine. Nach Beendigung dieser Demonstration zogen einige Teilnehmer zu unserer Kundgebung, belagerten sie und versuchten, uns niederzuschreien. Dies gelang ihnen aber nicht: Vielmehr erregten sie nur mehr Aufmerksamkeit für unsere Aktion und einzelne Passanten solidarisierten sich sogar mit uns. Dass es dabei nicht zu Übergriffen kam, mag am verhältnismäßig massiven Polizeiaufgebot gelegen haben. In Frankfurt trat ebenfalls eine Störerin auf.In Mannheim und Leipzig gab es ähnliche Auflagen, allerdings keine Störungen oder Angriffe.

Fazit

Es ist gut, dass viele zehntausende Menschen gegen den Kriegskurs der Bundesregierung protestiert haben. Gegen die Propaganda, die Verrohung und die Drohungen, die von den Herrschenden in diesem Land ausgehen, hilft keine Zurückhaltung der eigenen Position. Trotz der massiv aufgebauten Drohkulisse gegen alles, was sich in diesem Land gegen den Krieg positioniert, stehen viele Menschen dem Kurs der Bundesregierung, Krieg gegen Russland zu führen, kritisch gegenüber.

Der Friedensbewegung und dem Kampf gegen die deutsche Kriegspolitik helfen keine Verdrehungen, Relativierungen und falschen Gleichsetzungen der NATO-Aggression, so wie sie am Samstag von den Rednern der Kundgebungen in Berlin und auch in Köln[10] geäußert wurden. Diese Relativierungen fielen unserem Eindruck nach hinter die Haltungen zurück, die es in der Bevölkerung gibt. Diese haben der Friedensbewegung keinen Gefallen getan und haben auch nicht dazu geführt, die mediale Hetze abzuschwächen.

Alte Militärberater der Merkel-Regierung haben auf einer Friedenskundgebung nichts zu suchen. Sie wollen das ehrliche Friedensbedürfnis der Bevölkerung dafür instrumentalisieren, für einen anderen, eigenständigeren imperialistischen Kurs Deutschlands einzutreten.

Die Losung der Friedensbewegung darf also nicht sein „Gegen Russland, aber anders!“. Sondern: „Wir sind nicht gegen Russland, wir wollen keinen Krieg gegen Russland, Schluss mit diesem Krieg!“


[1] https://www.n-tv.de/politik/Russland-muss-verlieren-lernen-wie-Deutschland-1945-article23741918.html

[2] https://www.zeit.de/2023/08/ukraine-krieg-ende-russland-niederlage?utm_referrer=https://www.google.com/

[3] https://www.rnd.de/politik/warum-sahra-wagenknecht-eine-gefahr-fuer-die-demokratie-in-deutschland-ist-X6HYR7QBSNBEXOUXFOLYDU63TI.html

[4] https://www.youtube.com/watch?v=_OG0s3KANCY

[5] https://www.facebook.com/Antischwurb/?locale=de_DE

[6] https://www.rnd.de/politik/alice-schwarzer-und-sahra-wagenknecht-wie-viele-menschen-waren-wirklich-auf-der-kundgebung-PCEOPUOFSVCQTGKYI3OODRYDQ4.html

[7] https://www.youtube.com/watch?v=XGOscIX3aFA

[8] So gab Merkel vor kurzem zu, dass das Minsk II-Abkommen von 2015 allein das Ziel hatte, der Ukraine mehr Zeit für die Aufrüstung und damit der Fähigkeit, einen Krieg gegen Russland führen zu können, hatte: https://www.zeit.de/2022/51/angela-merkel-russland-fluechtlingskrise-bundeskanzler/komplettansicht?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F.

[9] Ein Bekennerschreiben zu dieser Aktion auf Indymedia war bereits kurze Zeit später nicht mehr abrufbar: https://de.indymedia.org/node/262805.

[10] Zwei der Kölner Reden sind hier nachzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=7hvM8ZAV3W0 und https://www.youtube.com/watch?v=M8f4rIzCSEE.


Redebeitrag zum Wirtschaftskrieg (24.02.2023)

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Annalena Baerbock sagte: „Wir werden Russland ruinieren“. Ursula von der Leyen sagte: „Wir werden Stück für Stück die industrielle Basis Russlands abtragen.“ Und der Präsident der USA sagte: „Wir werden Russland Schäden zufügen, die der Anwendung militärischer Macht gleichkommen.“
Der Westen führt einen Wirtschaftskrieg gegen Russland.

Die Devisenreserven Russlands, Hunderte Milliarden von Dollar, wurden enteignet – der Westen nennt das „eingefroren“. Das ist ein äußerst aggressiver Akt, der einer Kriegshandlung gleich kommt und historisch einmalig ist. Das Ziel des Westens ist, Russland in die Knie zu zwingen. Die Sanktionen betreffen alle Bereiche und sollen die Industrie des Landes zerstören. Dieser Wirtschaftskrieg ist ein wichtiger Teil der Kriegsführung und er wurde schon vor dem 22. Februar 2022 betrieben. Auch andere Länder, insbesondere Iran, aber auch China sind von den wirtschaftsterroristischen Maßnahmen des Westens betroffen.

Deutschland hat ein Gas- und Ölboykott gegen Russland verhängt und damit den Gashahn zugedreht. Die Behauptung, Putin hätte Deutschland boykottiert ist Unsinn. Russland hat mehrmals angeboten, die Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen. Im September 2022 wurden dann die Pipelines von den USA gesprengt und damit eine wichtige wirtschaftliche Verbindung zwischen Deutschland und Russland zerstört.

Jetzt wird Gas aus den USA, Norwegen und anderen Ländern zu einem viel höheren Preis gekauft. Das ist der entscheidende Faktor für die Inflation. Die Energiekosten sind dadurch enorm gestiegen.

Die Gaspreisbremse begrenzt den Preis für Unternehmen auf 7 ct. pro Kilowattstunde, für die Bevölkerung aber nur auf 12 ct. und das nur für 70% des Verbrauchs. Das heißt, dass die Konzerne unterstützt werden und die Bevölkerung dafür zahlt. Damit sollen wir den Wirtschaftskrieg gegen Russland finanzieren. Wir sollen helfen, Russland zu ruinieren. Aber das ist nicht im Interesse der Arbeiterklasse hierzulande und in Russland: Wir wollen nicht, dass Russland ruiniert wird.

Warum will die Regierung Russland ruinieren? Ziel ist, Russland zu einem willfährigen Land zu machen und die Kontrolle über die Rohstoffe zu gewinnen. Dafür nehmen die Konzerne auch zwischenzeitliche Verluste hin, denn das größere Ziel – die Herrschaft über Russland – ist wichtiger und lohnender.

Wir müssen uns gegen diesen Wirtschaftskrieg stellen und überall aufzeigen, dass die Inflation und die Verschlechterung unserer Lebenslage mit diesem von den Mächtigen in unserem Land ausgelösten Krieg zusammen hängt. Dafür müssen wir in den Gewerkschaften eintreten und uns gegen den Kurs der Gewerkschaftsführung, die den Wirtschaftskrieg und den militärischen Krieg gegen Russland weitgehend mitträgt, wenden.


Alle Sanktionen gegen Russland müssen aufgehoben werden!

Die USA müssen für die Sprengung der Pipelines bestraft werden!

Weg mit der Kriegsregierung!

Redebeitrag zur AfD (24.02.2023)

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Die AfD stellt sich als Partei des Friedens dar und fordert Verhandlungen und eine Öffnung von Nordstream 2. Sie wird dafür massiv angegriffen von den anderen bürgerlichen Parteien auf Regierungskurs, die jede Position, die der 100%-NATO-Propaganda widerspricht, verfolgen und diffamieren. Dadurch erscheint es so, als sei die AfD eine fundamentale Opposition und eine Stimme für den Frieden.

Doch die AfD ist keine Friedenspartei, sondern steht wie die anderen bürgerlichen Parteien für Aufrüstung und Kriegstreiberei.

Auch heißt es, die AfD seien Russlandfreunde und die Agenten Moskaus in Deutschland. Doch wenn man genau hinschaut, sollen all ihre Vorschläge nur dem deutschen Kapital dienen.

Friedensengel oder Kriegsbringer? Russlandfreunde oder deutsche Nationalisten?

Wie passt das alles zusammen?

In der AfD gibt es mehrere Flügel, die in Bezug auf die Haltung zur NATO sich durchaus nicht ganz einig sind. Es ist vor Allem der Parteiteil um Alexander Gauland und Tino Chrupalla, die momentan verbal sehr stark gegen die NATO schießen. Laut Beobachtern werden sie dabei insbesondere aus den völkischen Teilen der Partei unterstützt.

Worin sich aber beide Flügel sehr einig sind, ist dass die Interessen des deutschen Kapitals und Staats international auch mit brachialer Gewalt durchgesetzt werden sollen können. Und das am liebsten, ohne auf die Interessen anderer imperialistischer Länder Rücksicht nehmen zu müssen und im Ernstfall auch in direkter Konfrontation zu diesen.

Doch Deutschland ist momentan weit von dieser militärischen Stärke entfernt – und so ist man sich in der AfD uneinig über den Weg zur Großmacht.

Während ein Teil der AfD die NATO zunehmend als Instrument sieht, um Deutschland den USInteressen unterzuordnen, denkt der große Teil der AfD nach wie vor, dass in dem jetzigen Moment die Interessen des deutschen Kapitals am besten mit der NATO verwirklicht werden, z.B. durch die nukleare Teilhabe. So formuliert die AfD auch 2017 in ihrem Parteiprogramm: „Die AfD sieht im Bestreben, Verpflichtungen gegenüber den Nato-Bündnispartnern berechenbar zu erfüllen, eine wichtige Aufgabe deutscher Außen- und Sicherheitspolitik, um auf diesem Weg mehr Gestaltungsmacht und Einfluss zu entfalten.“ Es geht der AfD also um mehr „Gestaltungsmacht“ und „Einfluss“ weltweit. Sie will jedoch, dass die Beteiligung in der NATO stärker an deutschen Interessen ausgerichtet wird. Eine konsequente Anti-NATO-Position ist das nicht! 

Selbst wenn es sehr kritische Töne aus der AfD gegenüber der NATO und ihren Kriegseinsätzen zu hören gibt, dürfen wir nicht reinfallen und diese mit einer wirklichen Friedensposition verwechseln. Die AfD will ein eigenständiges „wehrfähiges“ Deutschland. Das bedeutet im Klartext, auch unabhängig von den anderen westlichen imperialistischen Ländern Krieg zu führen.

Die AfD ist eine Aufrüstungspartei

Für diesen Zweck fordert die AfD eine umfassende Aufrüstung, die Erweiterung der Befugnisse der Bundeswehr, den ausgeweiteten Einsatz der Bundeswehr im Inneren, die Wiedereinführung der Wehrpflicht, die Aushebelung der parlamentarischen Kontrolle über Fragen der Finanzierung von Armee und die Stärkung der nationalen Rüstungsindustrie. So stimmte die AfD in den letzten Jahren auch in den allermeisten Fällen für Rüstungsexporte im Bundestag.

Antikriegspositionen sind der AfD seit ihrer Gründung ein Dorn im Auge, sie treibt die ideologische Militarisierung der Gesellschaft voran und hat in der Vergangenheit u.A. für die Kriegseinsätze der Bundeswehr in Somalia, Südsudan und Darfur gestimmt. Es ist also eine Lüge, wenn die AfD nun behauptet, sie habe seit Jahren Auslandseinsätze der Bundeswehr abgelehnt.

Was die AfD zynisch unter einer „Verteidigungsarmee“ versteht, ist zum Beispiel an der 2016 von Alice Weidel und Beatrix von Storch lancierten Debatte um einen „Schießbefehl“ zum „Schutz“ deutscher Außengrenzen. Wenn es nach der AfD geht, sollen für solche Aufgaben im Rahmen zivilmilitärischer Konzepte wie dem „Heimatschutz“ auch Reservistenverbände eingesetzt werden. Aber, könnte man nun fragen, hat die AfD nicht gegen das Sondervermögen gestimmt?

Ja, aber aus einem anderen Grund als man meinen könnte: Die AfD-Bundestagsfraktion hat zur Hälfte gegen das Sondervermögen von 100 Milliarden für die Bundeswehr gestimmt, allerdings nur weil sie nicht wollte, dass dafür die Schuldenbremse umgangen wird. Sie wollte stattdessen, dass andere Etats gekürzt werden, damit die Aufrüstung aus dem normalen Haushalt finanziert wird. Sie will eher mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben. Die AfD ist außerdem auch dafür, das NATO-Ziel, 2% des BIP für Rüstung auszugehen, zu erfüllen.

Wie friedlich ist denn nun der „Friedensplan“ der AfD?

Ihre sogenannte „Friedensinitiative“ brachte die AfD am 07.Februar im Bundestag ein.

Sie fordert, dass Hilfen an Kiew an Verhandlungsbereitschaft gekoppelt sein sollen, eine Waffenruhe unter Vermittlung der OSZE und die Errichtung von UN-Mandatsgebieten in Lugansk, Donezk, Saporoschje und Cherson mit anschließender Durchführung erneuter Referenden; „privilegierte EU-Partnerschaft“ für die Ukraine bei Neutralität, und eine Verhandlungsperspektive von 15 Jahren bezüglich der Krim. Die russischen Truppen sollten auf den Stand vor dem 24.02.2022 zurückgezogen werden.

Dieser Vorschlag klingt besser als er ist. Er kommt dem Westen bzw. der Ukraine sehr weit entgegen.

Eine Übernahme der Kontrolle von Gebieten durch die UN oder OSZE bedeutet keine wirkliche Neutralität. Eine Neutralität der Ukraine muss den tatsächlichen Abzug der NATO-Militärstrukturen bedeuten, nicht nur einen formalen Rücktritt von den Beitrittsverhandlungen der Ukraine.

Die AfD ist eine Partei für das deutsche Kapital

Die Sprengung von Nordstream 2, vermutlich mithilfe der NATO-Mitgliedsstaaten USA und Norwegen, der Abbruch wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland, insbesondere aber das Abkoppeln Deutschlands von der günstigen Energie Russlands im schlechten Tausch mit dem überteuerten Fracking Gas aus den USA – ist das wirklich im Interesse Deutschlands? Zumindest scheinen auch nicht alle Vertreter der deutschen Wirtschaft davon überzeugt zu sein, dass dieser Krieg in ihrem Interesse ist, oder ausreichend nach deutschen Spielregeln erfolgt. 

Auch liefert kein anderes Land so viele Waffen wie Deutschland und involviert sich damit als Kriegspartei auch in einer so exponierten Stellung. Spätestens mit der Lieferung der Leopard 2 – Panzer ist Deutschland direkte Kriegspartei geworden und trägt so das Risiko, diesen Krieg trotz tausender verheizter Ukrainer zu verlieren. Sicher, die deutsche Rüstungsindustrie macht Rekordgewinne – doch es gibt auch Teile der deutschen Bourgeoisie, die fürchten im Krieg eher Minusgeschäfte zu machen.

 Der transatlantische Kurs ist momentan hegemonial und die Mehrheit der Parteien im Bundestag stimmt einhellig in den NATO-Chor ein. Dennoch ist der Kurs des Alleingangs für den deutschen Imperialismus historisch eine favorisierte und bekanntlich verheerende Option gewesen. Auch heute wäre dieser Kurs keineswegs friedlicher, sondern nur eine andere Ausprägung der deutschen Außenpolitik. Die Alternative zur Aggression gegen Russland ist nicht ein anderer Kurs des deutschen Imperialismus, sondern die Bekämpfung seiner Kriegspolitik und der konsequenten Bekämpfung der EU und der NATO.

Die Antikriegsbewegung muss sich vor falschen Freunden hüten

Doch warum kann die AfD sich überhaupt als Friedenspartei stilisieren? Die linke Friedensbewegung ist sich uneinig wie nie, ein Teil ist schon offen auf den NATO-Kurs eingeschwenkt. Die PdL ist tief über den Krieg gespalten und in Teilen der Parteiführung gehören nicht einmal mehr Waffenlieferungen zu den roten Linien. Die Parteispitze distanzierte sich auch indirekt von dem „Manifest für den Frieden“ und überlässt so rechten Kräften das Feld. 

Genau das ist es, was die Herrschenden bezwecken: indem sie mit ihren Verleumdungskampagnen Antikriegs- und Friedenspositionen mit Rechten und Faschisten in Verbindung bringen, werden diese Positionen delegitimiert, die Reste der Friedensbewegung gelähmt und gespalten.

Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist gegen die Waffenlieferung, für Verhandlungen und wollen nicht in einen Krieg mit Russland hineingezogen werden. Dieses Protestpotential wird nun durch rechte Parteien wie der AfD in den für den deutschen Imperialismus ungefährliche Bahnen gelenkt, und die Menschen landen vom Schoß des einen Kriegstreibers in dem nächsten.

Die Antikriegsbewegung muss sich vor falschen Freunden hüten, denn diejenigen, die jetzt die Stimme des Friedens und der Vernunft mimen, haben unter ihrem Taubengefieder eine Flecktarnjacke an.

Redebeitrag zur Propaganda in deutschen Medien (24.02.2023)

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Vor einem Jahr begann Russlands Militärintervention in der Ukraine. Der Krieg begann jedoch schon im Jahr 2014, als das durch den Maidan-Putsch an die Macht gebrachte Regime, mit Unterstützung der NATO, einen Krieg gegen den Donbass entfachte. Vor dem 24.02.22 wurde so gut wie nichts über diesen Krieg und die vielen toten Zivilisten in den Volksrepubliken Donezk und Lugansk berichtet. Das wird im Kontrast mit der Berichterstattung nach dem Februar 2022 besonders deutlich.

Als die russische Militärintervention in der Ukraine begann, überboten sich die großen Medienhäuser in Deutschland mit emotionalisierender Berichterstattung, die keinen Raum zum Zweifeln ließ, dass Russland der Aggressor sei und einen anlasslosen Krieg gestartet habe.

Wer diese Darstellung des Krieges öffentlich hinterfragt, darf sich darauf einstellen, zur medialen Zielscheibe zu werden. Selbst den vorsichtigsten und harmlosesten Kritikern, wie der ehemaligen ARD Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz, die die russische Seite zwar verurteilt, aber gleichzeitig auf die Vorgeschichte und die Rolle der NATO hinweist, wird Putin-Nähe unterstellt und Gefährlichkeit attestiert.

Das zeigt eindrücklich, dass die Medien im Kriegsmodus sind. Das heißt, dass kritische oder abweichende Meinungen schlicht nicht mehr geduldet werden.

Die Berichterstattung zum Krieg der Ukraine gegen die Donezker und Lugansker Volksrepubliken war zwar auch schon vor der Militäroperation Russlands einseitig und verfälschend, jedoch sickerte zumindest hin und wieder mal ein kritischer Beitrag durch. Während 2014 in den öffentlich-rechtlichen Sendungen, wie “Die Anstalt” oder dem “Monitor” kritische Stimmen gegenüber der Rolle von Faschisten bei den Maidanprotesten vernommen werden konnten, war all das seit dem 24.02. des letzten Jahres wie vergessen. Heute relativieren die deutschen Medien den ukrainischen Faschismus auf schamlose weise, indem sie ihn als russische Erfindung abtun. Das tun sie, während sie gleichzeitig Soldaten der ukrainischen Armee interviewen, die ohne irgend eine Zurückhaltung offen mit faschistischen Symbolen posieren. Sie werden zu Kriegshelden und Vaterlandsverteidiger stilisiert. Die faschistische Gesinnung von Nazibrigaden wie „Asow“ wird schlicht geleugnet.

Und wie sieht nun die Berichterstattung zum Krieg aus?

Bilder aus der Ukraine werden systematisch aus ihrem Kontext gerissen. Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie barbarisch Russland in der Ukraine vorgehe. Nicht umsonst wird die Standard-Floskel des „völkerrechtswidrigen Angriffskrieges“ gerne ergänzt durch Attribute wie „barbarisch“ oder „brutal“. Das Prinzip ist Moralisierung.

Vor allem wird berichtet, dass die russische Armee Schulen und Krankenhäuser angreift. Nicht erwähnt wird, dass die ukrainische Armee gezielt zivile Einrichtungen als Militärstützpunkte nutzt, um sich hinter einem zivilen Schutzschild zu verstecken. Selbst Amnesty International, die nicht dafür bekannt sind, besonders russlandfreundlich zu sein, haben über diese Taktik berichtet.

Gleichzeitig wird völlig ausgeblendet, dass die ukrainischen Streitkräfte gezielt Städte wie Donezk angreifen, wo Lebensmittelmärkte, Einkaufszentren, Hotels, Wohnhäuser, Bushaltestellen, Straßen, Schulen, Administrativgebäude usw. zerstört und Zivilisten getötet werden.

Die deutschen Medien berichten also konsequent nach „Freund-Feind-Schema“, in welchem die Verbrechen der ukrainischen Armee geleugnet oder verharmlost werden, während die russischen Truppen als brandschatzende Vergewaltiger dargestellt werden.

All das hat mit einer objektiven Berichterstattung wenig zu tun. Der sogenannte „Journalismus“ der deutschen Medien besteht aus Bildern und Emotionen.

Es wird ein Bild vom Krieg erzeugt, bei dem Zivilisten den Angriffen der Russen schutzlos ausgeliefert sind. Waffenlieferungen erscheinen vor diesem Hintergrund als einzige Möglichkeit zu einer dringend nötigen Selbstverteidigung. Dass der Krieg inzwischen seit Monaten aber zu einer Materialschlacht geworden ist und wohl eher einem Schützengrabenszenario gleicht, steht nicht so sehr im Vordergrund.

Es wird nicht gezeigt, wie auf immer aggressivere Weise ukrainische Zivilisten von der Straße wegrekrutiert werden, um sie zu hunderten an die Front zu schmeißen, wo sie mit westlichen Waffen in der Hand verheizt werden.

Führt man sich diese Realität des Krieges vor Augen sollte klar werden, was Waffenlieferungen bedeuten und vor allem wozu sie dienen: Es geht um die Verlängerung der Kampfhandlungen, mit der Absicht Russland auf Kosten der ukrainischen Bevölkerung möglichst stark zu schwächen. Eine wahnsinnige Strategie, die uns durch die Medien als Solidarität mit der Ukraine verkauft wird.

Es ist also nicht nur der Hintergrund des Krieges, über den gelogen wird, auch seine Erscheinung – wie er abläuft – wie er geführt wird – alles das wird durch die Medien nicht etwa im Sinne der Aufklärung vermittelt. Im Gegenteil, die Inszenierung des Krieges dient selbst als Kriegspropaganda. In Zeiten der sozialen Medien dringt sie bis in die privatesten und persönlichsten Ebenen vor – und sie schrecken nicht davor zurück, es etwa zum guten Ton zu erklären, zum Karneval in Leopardenkostüm zu gehen – als Replik auf eines der effizientesten Mordwerkzeuge, das die deutsche Rüstungsindustrie bis zum heutigen Tage hervorgebracht hat. Es ist brutale Verrohung und Lüge, mit der wir es zutun haben.

Und wo gelogen wird, wird auch zensiert!

Erinnern wir uns einmal daran, dass alle relevanten russischsprachigen Medien, oder mit Russland assoziierten Medien in Deutschland blockiert wurden. Sie wurden von allen großen sozialen Medienplattformen verbannt. Diese Regierung hat bewiesen, dass der Wille zur Zensur da ist! Bei den großen Medienhäusern trafen diese direkten Zensurmaßnahmen allerdings in keiner Weise auf Kritik, sondern auf Zustimmung und Unterstützung. Flankiert durch Denunziation kritischer Stimmen wird eine Tabuisierung geschaffen, die nicht zuletzt durch scheinbar linke Kräfte getragen wird, die alles, was nicht staatskonform daher kommt in die rechte Ecke zu stellen versuchen oder mit anderen Totschlagargumenten aus dem Diskurs zu verbannen.

Die Junge Welt ist eine der wenigen Zeitungen, die sich nicht auf die Seite des verbrecherischen Regimes in Kiew und seine NATO-Unterstützer stellt. Dafür wird sie mit staatlichen Repressionen überzogen.

Journalisten, wie Alina Lipp, die sich dazu entschlossen haben für deutsches Publikum aus dem Donbass zu berichten und aufzuzeigen, wie die Leute dort seit neun Jahren leben, werden politisch und juristisch verfolgt und vor allem gesellschaftlich geächtet. Der Fall von Alina Lipp ist bezeichnend. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat im letzten Sommer Ermittlungen gegen sie aufgenommen und ihr Geld wurde beschlagnahmt. Ihr einziges Vergehen ist, dass sie aus dem Donbass berichtet und der NATO kritisch gegenübersteht.

Machen wir uns nichts vor, große Teile der Medien sind Handlanger des Krieges. Sie verklären die Wirklichkeit. Moralisieren mit dem Ziel der Aufstachelung zu immer aggressiverem Handeln. Was nicht als direkte Repression umgesetzt werden kann, wird durch Denunziation besorgt. Ja, so weit ist es gekommen.

Aber wir haben eine Waffe gegen diese Techniken. Es ist die Waffe, die Wahrheit zu sagen. Trotzdem und gerade jetzt. Sie wollen uns einschüchtern und uns über alle möglichen Stöckchen springen lassen. Aber wir werden nicht einknicken und wir werden auch nicht leise sein.

Wir sagen:

Schluss mit der Zensur!

Nein zur Kriegspropaganda in den deutschen Medien!

Redebeitrag zur Rolle ukrainischer Faschisten bei der NATO-Aggression gegen Russland (24.02.2023)

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Einer der offiziellen Gründe, die Russland für seine aktuelle Militärintervention angibt, ist die Entnazifizierung der Ukraine. Über diese Begründung heißt es hierzulande, sie sei an den Haaren herbeigezogen. In der Tagesschau, dem SPIEGEL oder der SZ lässt sich lesen, die Faschisten seien eine Erfindung der russischen Propaganda und irrelevant. Diese unverschämte Verharmlosung der Kräfte, die mit Hakenkreuzen, Hitlergrüßen und Wolfsangeln seit Jahren mordend durch die Ukraine ziehen, ist Teil der NATO-Propaganda, um das Bild der vermeintlich unterstützenswerten Ukraine in der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten. Die Wahrheit ist jedoch, dass ukrainische Faschisten jahrzehntelang gezielt von der NATO unterstützt wurden, um sie gegen Russland in Stellung zu bringen.Die gleichen Ukrainer, die während des 2. Weltkrieges an der Seite der Hitler-Faschisten gegen die Sowjetunion gekämpft haben und sich an der massenhaften Ermordung von Juden, Polen, Russen, Kommunisten etc. beteiligt hatten, gelten heute in der Ukraine als Vorbilder und Nationalhelden: Bandera, Schuchewytsch, Stetzko usw. Diese ukrainischen Faschisten um Stepan Bandera sind nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Westdeutschland, Kanada und den USA unter Schirmherrschaft der NATO finanziert und aufgebaut worden. Nach der Auflösung der Sowjetunion formierten sich Neonazi-Parteien und -Bewegungen in der Ukraine aus genau diesem Umfeld. Wozu haben die westlichen Staaten und ihre Geheimdienste diese Entwicklungen vorangetrieben? Weil es für sie in ihrem Vorhaben, sich Russland zu unterwerfen, wichtig ist, einen Keil zwischen Russland und die Ukraine zu treiben.Weil der aggressive und rassistische ukrainische Nationalismus ein Instrument ist, um einen Keil zwischen Russland und die Ukraine, zwischen die russische und ukrainische Bevölkerung zu treiben.

Schon 2004 wurde unter maßgeblicher Hilfe des Westens ein Staatsstreich, die sogenannte „Orangene Revolution“ durchgeführt, um einen Präsidenten an die Macht zu bringen, der schlechte Beziehungen zu Russland und gute zum Westen forcierte. Dieser Präsident Juschtschenko erklärte u.a. den faschistischen Massenmörder Bandera 2010 zum Helden der Ukraine und spaltete damit das Land. Als sich jedoch in der folgenden Wahl mit Janukowitsch ein Präsident durchsetzte, der auch zu Russland gute Beziehungen suchte und ein geplantes Wirtschaftsabkommen zwischen Ukraine und EU zu platzen drohte, orchestrierte der Westen unter der Führung von USA und Deutschland 2013/14 den zweiten Putsch, den „Euromaidan“, um die Ukraine wieder uneingeschränkt in den westlichen Einflussbereich zu holen. Hierbei spielten organisierte bewaffnete Faschisten eine zentrale Rolle, die zu Tausenden als Schlägerbanden den Weg für die Putschregierung mit Gewahlt bereiteten. Mit der Partei Swoboda saß nun eine offen antisemitische, russenhassende Nazi-Partei in der Regierung, deren Vorsitzender Tjahnybok sich auch mit dem damaligen Außenminister Steinmeier in der deutschen Botschaft traf.

Die Rolle der Faschisten im ukrainischen Staatsapparat hat sich seitdem vergrößert. Gerade in den Sicherheitsorganen, in Geheimdienst, Militär und Polizei besetzen sie zentrale Posten. Paramilitärische Truppen arbeiten offiziell mit den Behörden zusammen, um Opposition gegen die Oligarchen-Herrschaft zu zerschlagen, die die Arbeiterklasse in der Ukraine bis aufs Blut auspresst. Bei den brutalen „Hausbesuchen“ des ukrainischen Geheimdienstes SBU sind formal eigenständige faschistische Gruppen beispielsweise oft anwesend, um die Zielperson zu verprügeln während SBU-Agenten die Wohnung durchsuchen. Auch abseits davon überfallen, schlagen, foltern und ermorden die faschistischen Banden seit Jahren vor allem Kommunisten, Linke, Journalisten, Minderheiten und Gewerkschafter, ohne dafür von Polizei oder Gerichten belangt zu werden, obwohl viele Täter durch Video-Aufnahmen eindeutig identifiziert werden können. Ihr Terror richtete sich seit Beginn des Bürgerkriegs 2014 auch gegen ethnische RussenI, die von ihnen als „minderwertig“ und „Untermenschen“ bezeichnet werden. Die bewaffneten Neonazi-Militäreinheiten begingen unzählige schwere Verbrechen im Südosten der Ukraine, wo sich seit 2014 starker Widerstand gegen die Putsch-Regierung formierte. Die Namen der Nazi-Bataillone Asow, Aidar, Tornado, Dnipro-1 und Rechter Sektor stehen für skrupellose, menschenverachtende Gewalt.

Die NATO-Staaten machen sich die ukrainischen Faschisten zunutze, weil beide das gleiche Ziel haben: die Ukraine zu einem Anti-Russland zu machen. Die Zuhilfenahme von faschistischem Terror gegen Russland reiht sich ein in die Geschichte der NATO-Aggressionen, die in den letzten Jahrzehnten in Jugoslawien, Irak, Libyen und Syrien über Afghanistan & Co. die nachhaltige Zerstörung ganzer Länder bedeutete. Trotz gegenteiliger Versprechen wurde die NATO nach Osten bis an die Grenzen Russlands ausgedehnt. Sogar eine Aufnahme der Ukraine in die NATO war immer wieder im Gespräch, obwohl Russland mehrfach gewarnt hatte, dass dies die Überschreitung einer roten Linie wäre. Waffenkontroll-Verträge wurden einseitig aufgekündigt, Russland keine Sicherheitsgarantien zugestanden. Mehrere Militär-Manöver der NATO wurden unter Beteiligung der Ukraine durchgeführt und die ukrainische Armee so de facto in NATO-Strukturen integriert. Dies alles geschah mit dem Ziel, Russland zu isolieren, einzukreisen und letztlich zu ruinieren – und genau dazu dienen auch die Faschisten. Die NATO-Staaten wollen Russland ökonomisch ausplündern und als Konkurrenz ausschalten. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht.

Wir sagen:

Gegen Relativierung und Rehabilitierung der Faschisten – in Deutschland, in der Ukraine und international!

Für die Niederlage der NATO und ihrer terroristischen Helfer – auf der ganzen Welt!

Redebeitrag zu den aktuellen Waffenlieferungen (24.02.2023)

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Es ist passiert, die rot-gelb-grüne Bundesregierung hat beschlossen, die neusten Kampfpanzer Leopard in die Ukraine zu liefern. Wozu die Panzer dienen, hat die grüne Außenministerin Annalena Baerbock angekündigt: „Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland“ sagte sie nach der Entscheidung in Straßburg. Was ist das eigentlich für ein Krieg in der Ukraine? Die NATO kümmert sich um die ganze Aufklärung der Ukraine. USA und NATO sitzen im Planungsstab der ukrainischen Armee. Sie sprechen sich jeden Tag ab. Auch Deutschlands Regierung ist aktiv am Krieg gegen Russland beteiligt. Deutschland bildet ukrainische Soldaten aus, schickt Geld an die Ukraine und liefert Waffen.

Deutschland ist dadurch offiziell eine Kriegspartei. In der Ukraine herrscht kein Krieg zwischen Russland und Ukraine, sondern ein Krieg zwischen der gesamten NATO und Russland.

Anfang 2022 gab es zwischen der Ukraine und Russland Verhandlungen in Istanbul, welche fast zu einer Einigung und einem Waffenstillstand führten. Die NATO war jedoch dagegen und hat stattdessen Waffen versprochen. Anstatt Verhandlungen zu fördern, werden Unmengen an Waffen, mit Steuergeldern finanziert, zum Krieg gegen Russland bereitgestellt. Während der Krieg, Waffenlieferungen und Ausbildung durch Deutschland bezahlt werden, steigen die Preise und Energiekosten. Irgendwie muss der Krieg ja finanziert werden. Diejenigen, die nun von Frieden in der Ukraine reden, interessiert der Krieg im Jemen, in Palästina oder auch in Mali überhaupt nicht. Stattdessen sind die aktiv daran beteiligt oder liefern Waffen für die Kriegstreiber. Ganz zu schweigen von der Weltpolizei USA, die mehrfach, wie in Vietnam, Irak, Afghanistan oder Libyen ganze Länder zerbombt hat. Welches Ziel hat also die deutsche Kriegsregierung? Sie sagen offen, was das eigentliche Ziel ist: Unsere Außenministerin Baerbock sagte im Februar stolz, dass es mit den Sanktionen der EU darum gehe „Russland zu ruinieren“ und erklärt, es gehe darum, „dass Russland nicht mehr auf die Beine kommt.“ Sie wollen Russland über das ukrainische Marionettenregime, in einen Jahrzehnte andauernden Krieg treiben, um es kaputtzumachen.

Die Lieferung von den Leopard-Panzern ist eine weitere Eskalation des Krieges der NATO gegen Russland. Es bedeutet einen weiteren Schritt hin zu einem dritten Weltkrieg. Die Regierung weiß selber, dass durch ihre Waffen der Krieg nicht für die Ukraine zu entscheiden ist. Stattdessen nehmen sie ein sinnloses Sterben der ukrainischen Soldaten in Kauf. Der Krieg kann nämlich nicht einfach von der Ukraine entschieden werden. Russland hat das zweitstärkste Militär der Welt. Das weiß die NATO genau. Mit der gleichen Logik werden bald Kampfflugzeuge geliefert und schließlich müssen deutsche Soldaten in die Ukraine. Die wirklich einzige Möglichkeit wäre ein Krieg der ganzen NATO.

Wir sagen:

Keine Panzer an die Ukraine! Kampf für Frieden heißt Kampf der NATO!

In Dresden gegen die herrschende Propaganda – ein Aktionsbericht

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Wir fanden uns als Dresdner Ortsgruppe vor kurzem mittags auf dem Universitätsgelände ein, um die aktuelle Stellungnahme mit dem Titel „Keine deutschen Panzer gegen Russland!“ unter den Studierenden zu verteilen. Wir traten aktiv in die Diskussion und erfuhren viele interessante Reaktionen auf unsere Forderungen.

Besonders auffällig ist, dass diejenigen, die entschieden die Panzerlieferungen ablehnten, in der Regel auch über die Vorgeschichte der NATO-Provokationen und dem Krieg im Donbass Bescheid wussten.

Andere reagierten aber vor allem fragend: Was denn außer Waffenlieferungen überhaupt gegen den Krieg getan werden könne? Sehr eindrücklich erlebten wir so die medial propagierte Alternativlosigkeit von Waffenlieferungen als friedenssichernde Maßnahme. Eine Konsequenz der tagtäglichen Kriegshetze in den deutschen Leitmedien. Das Narrativ eines größenwahnsinnigen und imperialistischen Angriffskrieges Russlands ist in den Köpfen vieler Studierender angekommen.

Aber auch Desinteresse an der politischen Lage wurde uns entgegen gebracht. Häufig weil das Thema „zu komplex“ sei. Auch dieser Mechanismus, Themen als zu komplex und somit als nicht begreifbar darzustellen, ist ein wichtiger Bestandteil der bürgerlichen Propaganda, die alles tut, um eine wirkliche Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Fragen gar nicht erst zu ermöglichen.

Und natürlich erlebten wir auch Angst, sich klar gegen die Panzerlieferungen zu positionieren. Nicht ohne Grund werden Debatten um die NATO-Osterweiterung, den Maidan-Putsch und den Krieg der Ukraine gegen den Donbass systematisch unterdrückt. Dem Interesse vieler Menschen, die wahren Kriegsursachen zu erkennen und zu verstehen, wird von vornherein mit sozialer Ächtung durch den Vorwurf der „Putinversteherei“ und „russischen Propaganda“ ein Riegel vorgeschoben. Den Lügen und Falschwahrheiten wird kaum etwas entgegen gesetzt. Das Ziel ist es, weite Teile der Bevölkerung mundtot zu machen.

Unser Eindruck ist, dass es sich viele Studierende bislang noch leisten können, „unpolitisch“ zu sein. Anders als die Bewohner des Dresdner Arbeiterstadtteils Gorbitz, wo ein Genosse Tage zuvor bereits Stellungnahmen verteilte und sich Diskussionen und Fragen stellte. Dort waren klare Positionen gegen die NATO und ihrer Kriegsführung die Regel.

Große Befürwortung der Panzerlieferungen war dennoch auch auf dem Campus selten. Die Position, dass diese den Krieg eskalieren und die BRD weiter in den Krieg hinziehen werden, waren deutlich häufiger anzutreffen. Dies bot uns die Möglichkeit, aufzuzeigen, dass die BRD schon längst Krieg gegen Russland führt und diesen über Jahre mit vorbereitete. Häufig wurde seitens der Studierenden die Rolle der Diplomatie hervor gehoben. Vor allem bestand ein großes Interesse daran, mit uns zu diskutieren – ohne Rede- und Denkverbote.

Später am Abend fanden wir uns dann mit Teilen unseres Umfeldes am Jorge Gomondai Platz ein. Dort fand eine Mahnwache für den Frieden statt. An die dort versammelten Teilnehmer verteilten wir abermals unsere Stellungnahme und hielten eine Rede. Einleitend schilderten wir unsere Erfahrungen aus den Gesprächen und Reaktionen auf dem Uni-Campus und stellten heraus, wie dringend es dort – wie überall – mehr Diskurs, klaren Protest und eine eindeutige Positionierung gegen die NATO und ihre Kriegspolitik benötigt.

Kurz gesagt – dass es auch eine studentische Friedensbewegung braucht!

Wir verlasen unsere Stellungnahme am Mikrophon und wurden mehrfach vom Applaus der Zuhörer unterbrochen. Die Reaktionen waren durchweg befürwortend! Im Anschluss berichteten viele Redner und Rednerinnen von den zahlreichen ideologischen Angriffen auf sie als Friedensbewegung. Es wurde mehrfach positiv Bezug auf unsere Rede genommen. Vor allem wurde ihre Klarheit gelobt. Wir denken, dass es damit zusammen hängt, dass die Angriffe oft dazu führen, dass sich viele in vorauseilendem Gehorsam selbst beschränken. Das sollte uns zu denken geben. Es zeigt nicht zuletzt, wieweit wir uns bereits im Krieg befinden.

Am Ende traten viele Teilnehmer interessiert und mit verschiedensten Fragen an uns heran. Wir tauschten Kontakte aus und viele kündigten an, die Inhalte unserer Stellungnahme über ihre Kanäle in der Dresdner Friedensbewegung zu teilen.

Wir denken, dass die Friedensbewegung gestärkt werden muss. Nicht nur personell, sondern durch klare inhaltliche Positionen. Die deutschen Kriegstreiber müssen klar benannt und angegriffen werden. Die Diskussion um das Verständnis des Krieges muss produktiv geführt werden. Es gibt ein großes Bedürfnis nach klaren Aussagen, die nicht als halbe Entschuldigung vorgetragen werden oder vermeiden die Verantwortlichen im Kanzleramt klar zu benennen. Nur so können wir eine klare Orientierung im Kampf gegen die deutschen Kriegsinteressen führen.

Kriegspropaganda stoppen, heißt Äquidistanz bekämpfen!

Nein zum Krieg gegen Russland!

Hoch die internationale Solidarität!

NATO raus aus der Ukraine!

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Neun Jahre Krieg – Ein Jahr Militärintervention

Am Freitag, dem 24.02.2023 jährt sich der Militäreinsatz Russlands in der Ukraine. Der Krieg in der Ukraine begann allerdings nicht, wie die Medien behaupten, vor einem Jahr, sondern bereits 2014 mit dem Angriff ukrainischer Truppen auf die östliche Region, den Donbass. Dem Angriff ging ein vom Westen organisierter und von Faschisten unter Anwendung von Terror durchgesetzter Putsch voraus. In der Ostukraine bildete sich Widerstand gegen diese Putschisten. Die NATO und ihre ukrainische Marionettenregierung versuchten seitdem, den Widerstand in der Ostukraine und anderen Teilen mithilfe der Faschisten zu unterdrücken. Während die Putschisten in Odessa bis zu einhundert Menschen im dortigen Gewerkschaftshaus verbrannten, um so ein Exempel gegen die Gegner des Putsches zu statuieren, gelang ihnen die Zerschlagung der Opposition im Donbass nicht. Der westliche Teil der Ukraine wurde im folgendem von der NATO hochgerüstet, um ihn zum Rammbock gegen Russland aufzubauen. NATO-Einheiten und Ausbilder wurden kurz nach dem Putsch in die Ukraine geschickt, wo sie sich bis heute befinden. In der Ukraine wurde eine massive Stationierung von Waffen begonnen, die in der Ankündigung der Stationierung atomarer Waffen durch den ukrainischen Präsidenten Selensky gipfelte. In der gleichen Zeit unterzeichnete er ein Dekret zur Beauftragung der Truppe, die Krim und die Volksrepubliken Donbass und Lugansk zurückzuerobern. In dieser Situation griff Russland ein.

Was also seit diesem 24. Februar 2022 passiert, ist die Fortsetzung einer immer weiter vorangetriebenen Eskalation durch die NATO und ihrer stärksten Macht USA. Während es vor dem russischen Militäreinsatz noch Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine gab, war es die NATO, die eine immer weiter gehende Eskalation provozierte. Bereits kurz nach dem Militäreinsatz kam es in der Türkei beinahe zu einer Einigung zwischen der Ukraine und Russland. Und es waren wieder die NATO und die großen westlichen Mächte, die jegliche Aussicht auf einen Waffenstillstand verweigerten. Sie wollen keinen Frieden. Sie wollen, dass Russland vollständig „ruiniert“ wird, um es mit den Worten der grünen Außenministerin Baerbock zu sagen. Ihrer Meinung nach darf Russland nicht imstande sein, seine nationalen Interessen, die denen des Westens widerstreben, durchzusetzen. Es soll weiterhin seinen Zweck für die imperialistischen Kernländer, darunter Deutschland, erfüllen: Ein Lieferant billiger Energiegüter für den imperialistischen Aufstieg Deutschlands. Es gehe darum, wie sie kürzlich sagte, „dass Russland nicht mehr auf die Beine kommt.“ Durch eine ökonomische Ruinierung des Landes soll eine politische Krise in Russland erreicht werden, die der Westen nutzen kann, um eine Regierung zu installieren, die sich vollständig seinen politischen Interessen unterwirft. Die Vorbereitungen dafür laufen seit vielen Jahren. Das ist der Hintergrund, warum Baerbock am 24. Januar im Europarat verkündete: „We are fighting a war against Russia“.

Der dafür ausschließlich von der NATO provozierte Krieg dient also dem Zweck der Ruinierung Russlands. Der Krieg wurde vorbereitet und soll verlängert werden bis das gewünschte Ziel, ein Siegfrieden gegen Russland, erreicht ist. Alle Entscheidungen der Bundesregierung in den letzten neun Jahren und insbesondere in den letzten 12 Monaten zeigen trotz aller Beteuerungen: Deutschland ist im Krieg und will den Krieg. Und es ist bereit, diesen Krieg „bis zum letzten Ukrainer“ zu führen.

Die Waffenlieferungen sollen den Krieg eskalieren und in die Länge ziehen

Für diesen Siegfrieden pumpt die Bundesregierung die Ukraine mit Waffen voll. Die vermeintlich zögernde und vernünftige Haltung des Bundeskanzlers ist dabei vorgetäuscht. Sie dient der Vermittlung der eskalativen Schritte in die Bevölkerung. Was mit Helmen begann, ist nunmehr bei Leopard-Panzern angelangt und könnte, wenn es nach dem Willen grüner und anderer Hardliner ginge, damit enden, dass deutsche Flugzeuge und Soldaten wieder einmal gen Osten marschieren. Die Regierung weiß selbst, dass durch ihre Waffenlieferungen der Krieg militärisch nicht zu entscheiden ist. Die ukrainischen Streitkräfte sollen mit den Lieferungen der Kampfpanzer unterstützt werden, um den Krieg zu verlängern und Russland einen möglichst hohen Schaden zuzufügen. Für diesen Zweck wird ein sinn- und endloses Sterben als Mittel zum Zweck ganz bewusst in Kauf genommen.

Der Faschismus dient dem Aufbau eines Anti-Russland

Als besonders geeignete politische Kraft für den Krieg gegen Russland hat die NATO, und Deutschland vorn dabei, den Faschismus in der Ukraine mit aufgebaut. Das Land, dessen Bevölkerung auf eine Jahrzehnte lange enge Verbindung auf Russland zurücksieht, wurde seit 2014 mit aller Gewalt zu einem Anti-Russland transformiert. Dafür eignete sich die Tradition der ukrainischen Faschisten mit ihrem unbändigen Hass auf alles Russische und ihren seit dem zweiten Weltkrieg nie unterbrochenen Beziehungen nach Deutschland. Jegliche prorussische, kommunistische oder gewerkschaftliche Opposition, die für ein mindestens ausgeglichenes Verhältnis zu Russland stand, wurde im Nachgang des Putsches von 2014 brutal zerschlagen. Im ganzen Land wurde eine extrem antirussische Stimmung gefördert. Seit 2015 haben die ukrainischen Streitkräfte bis zu 15.000 Einwohner des Donbass massakriert. Dass sich diese Kräfte auf die Hitlerkollaborateure im zweiten Weltkrieg wie Bandera und andere, die im Auftrag des deutschen Faschismus hunderttausende Polen, Russen und Juden ermordeten berufen und mit dieser Ideologie ihren Kampf gegen Russland begründen, ist ganz im Sinne der Bundesregierung.

Die Wirtschaftssanktionen sollen Russland in eine Staatskrise führen – auf Kosten der russischen Bevölkerung

Weiterhin organisiert die Bundesregierung Wirtschaftssanktionen gegen Russland, um den Siegfrieden zu erreichen. Diese Wirtschaftssanktionen setzt sie teilweise auch gegen die Interessen der deutschen Monopolbourgeoisie durch, deren Einbußen sie durch staatliche Subventionsprogramme auf Kosten der Arbeiterklasse abfedert. Das deutsche Kapital rechnet mit fetten Profiten auf Kosten eines geschwächten Russland. Die Wirtschaftssanktionen selbst zielen auf die Achillesferse der russischen Volkswirtschaft ab. Den Imperialisten ist klar, dass die staatliche Existenz und Stabilität Russlands stark von Devisenbeschaffung durch Rohstoffexporte abhängt. Ohne Dollar- und Euroreserven ist Russland nicht imstande, seine existenziell wichtigen Waren- und Technologieimporte zu realisieren. Die Sanktionen zielen auf diese Schwäche ab: Energieembargos dienen der Verminderung der Deviseneinnahmen, um einerseits den Waren- und Technologieimport zu erschweren und andererseits den Rubel durch schmelzende Devisenreserven der russischen Zentralbank in eine Krise zu stürzen. Die Verhinderung der Einfuhr von besonders hoch entwickelten Technologien, wie etwa Mikrochips, zu denen bislang fast nur die westlichen Industrien fähig sind, sollen die Entwicklung der russischen Industrie verhindern. Schließlich soll der Ausschluss zahlreicher russischer Banken aus dem SWIFT-System den Handel mit Russland generell verunmöglichen. Auch wenn es den Imperialisten nicht sofort gelingen sollte, durch die Ruinierung der russischen Volkswirtschaft bei gleichzeitiger Unterstützung oppositioneller Kräfte eine Staatskrise zu erzeugen, so spekulieren sie doch mindestens auf ein stark geschwächtes Russland, dem sie ihren Willen aufzwingen können. Dafür nehmen sie die Verarmung der russischen Bevölkerung nicht nur bewusst in Kauf, sie machen sie vielmehr zu dem entscheidenden Hebel im Krieg gegen Russland. Es ist die altbekannte Heuchelei des Westens, der unter dem Vorwand von Menschenrechten, Demokratie und Freiheit seine Interessen durchsetzt und dabei über Leichen geht.

Deutschland will den Krieg – auf unsere Kosten

Wer zahlt diesen Krieg gegen Russland? Diesen Krieg zahlt die Arbeiterklasse in Deutschland, der Ukraine, Russland und der Welt. Neben dem staatlich verordneten Armutspaket und Appellen zum Frieren werden die deutschen Monopolunternehmen großzügig unterstützt – mit Subventionspaketen, die die Arbeiterklasse zahlt. Die Sanktionspakete und der Boykott russischer Rohstoffe sind es, die die Preise, neben der üblichen Finanzmarkt-Spekulation und der Preistreiberei der Monopolunternehmen, anziehen lassen. In großen Teilen der Welt sieht es aufgrund dieser Sanktionen noch düsterer aus. So haben diese de facto dazu geführt, dass russische Unternehmen ihren Export von Nahrungs- und Düngemittel stark einschränken mussten, was gerade in den ärmsten Regionen der Welt den Hunger deutlich verschlimmert und noch verschlimmern wird. Die Verarmung ist Teil der Kriegspolitik der Bundesregierung.

Es muss endlich offen und unverblümt ausgesprochen werden: Deutschland ist im Krieg und will den Krieg! Russland soll ruiniert und zerschlagen werden, koste es für die Bevölkerung, was es wolle! Wenn wir ein Ende dieses Kriegskurses wollen, dann werden uns keine Appelle in Richtung Regierung nützen. Es sind wieder mal die deutschen Herren, die sich ihre Pfründe ausrechnen. Es liegt an uns, ob wir dazu in der Lage sein werden, die Regierung zu einem Ende des Kriegskurses zu zwingen. Es ist unsere Pflicht dafür gemeinsam zu kämpfen!

Wir sagen:

Schluss mit dem Krieg gegen Russland!

Nieder mit der Ampel-Kriegsregierung!

Schluss mit der Eskalation des Krieges durch die NATO!

Für die Niederlage der NATO in der Ukraine und weltweit!

Hoch die internationale Solidarität!

Gegen Waffenlieferungen, aber nicht gegen die NATO?

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Stellungnahme zum „Manifest für Frieden“

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Aktionen gegen Waffenlieferungen sind dringend notwendig und überfällig. Das sehen Hunderttausende in diesem Land auch so. Dem gibt das „Manifest für Frieden“ von Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Alice Schwarzer einen Ausdruck. Wir werden uns an den Demonstrationen beteiligen und die Anti-NATO-Position dort sichtbar und klar vertreten.

Die Angriffe von FAZ bis taz und von CDU bis zu den Grünen auf das „Manifest“ zeigen den Militarismus und den Kriegswahn, der vor allem in Politik und Medien vorherrscht. Die öffentliche Diskussion in Deutschland duldet nicht einmal einen Aufruf gegen Waffenlieferungen.

Das „Manifest“ und die Reaktionen darauf verdeutlichen den Bankrott der Linkspartei, die nicht in der Lage ist, Anti-Kriegs-Aktionen zu organisieren, weil sie selbst bereits weitgehend der NATO-Linie folgt.

Auf der Grundlinie westlicher Propaganda 

Das „Manifest“ bleibt politisch auf der Grundlinie der westlichen Propaganda, auch wenn es sich gegen Waffenlieferungen wendet. Es sieht die Schuld für den Krieg bei der Russischen Föderation. Es verurteilt und dämonisiert Russland mit der Aussage: „Die von Russland brutal überfallene ukrainische Bevölkerung braucht unsere Solidarität“.

Russland wird als brutaler Invasor beschrieben: „Über 200.000 Soldaten und 50.000 Zivilisten wurden bisher getötet. Frauen wurden vergewaltigt, Kinder verängstigt, ein ganzes Volk traumatisiert. Wenn die Kämpfe so weitergehen, ist die Ukraine bald ein entvölkertes, zerstörtes Land.“ Damit folgt der Aufruf der NATO-Propaganda und blendet die NATO-Aggression gegen Russland, den faschistischen Putsch in der Ukraine 2014 und den darauffolgenden Krieg gegen den Donbass völlig sowie die Aufrüstung der Ukraine, die Vorbereitung einer militärischen Aktion der ukrainischen Armee und viele weitere Punkte aus. Er übernimmt auch ohne jede Prüfung oder Vorbehalt die Behauptungen der westlichen Propaganda über russische Kriegsverbrechen.

Auch die mögliche weitere Eskalation wird Russland und persönlich dem Präsidenten der Russischen Föderation zugeschoben: „Es ist zu befürchten, dass Putin spätestens bei einem Angriff auf die Krim zu einem maximalen Gegenschlag ausholt. Geraten wir dann unaufhaltsam auf eine Rutschbahn Richtung Weltkrieg und Atomkrieg? Es wäre nicht der erste große Krieg, der so begonnen hat. Aber es wäre vielleicht der letzte.“ Es bleibt bei dem Bild, der Gefährliche sei Putin. Aber es ist seit Beginn die NATO, die zündelt, provoziert und den Krieg bereitet.

Das Bild, „die Ukraine“ verteidige sich zurecht und auch die westliche Unterstützung sei nicht grundsätzlich falsch, wird bestätigt: „Die Ukraine kann zwar – unterstützt durch den Westen – einzelne Schlachten gewinnen.“ Aber der Krieg gegen eine Atommacht könne nicht gewonnen werden, es gäbe ein Patt. Wäre es also gut und richtig, wenn der Krieg zu gewinnen wäre? Ist das Problem also nicht, dass die NATO Krieg führt, sondern nur, dass sie ihn nicht gewinnen kann?

Die Brandstifter zur Feuerwehr machen

Der Unterschied, den das „Manifest“ gegenüber der Regierungspropaganda macht, ist, dass seine Unterzeichner einen militärischen Sieg gegen die Atommacht Russland für unmöglich halten. Deshalb müsse jetzt verhandelt werden. „Auf beiden Seiten“ müssten Kompromisse gemacht werden. Der Aufruf wendet sich an die Bundesregierung, die statt Waffen zu liefern, eine Allianz für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen bilden müsse.

Der Aufruf fordert damit die deutschen Kriegstreiber und diejenigen in diesem Land, die diesen Krieg mit herbeigeführt haben, dazu auf, Verhandlungspartei zu sein. Damit wird suggeriert, die Bundesrepublik und die anderen NATO-Staaten könnten vertrauenswürdige Verhandlungspartner sein. Man macht den Bock zum Gärtner bzw. die Brandstifter zur Feuerwehr.

Diejenigen, die den Putsch von 2014 organisiert haben, die Faschistenfreunde, die Bombardierer des Donbass, diejenigen, die Selensky dazu ermunterten, in München das Budapester Memorandum zu kündigen, diejenigen, die stets alle Vertragsvorschläge Russlands abgelehnt haben, sollen nun eine „Friedensallianz“ sein können? Diejenigen, die den völkerrechtlich verbindlichen Vertrag von Minsk nur dazu genutzt haben, um Zeit für die Aufrüstung der Ukraine gegen Russland zu nutzen, sollen nun vertrauenswürdige Verhandlungspartner sein?

Das Manifest plädiert außerdem dafür, eine von den USA eigenständigere Außenpolitik zu machen, um den Frieden zu erreichen. Richtig ist, dass die USA die größten Kriegstreiber sind und Druck auf Deutschland ausüben – siehe die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines. Aber der deutsche Imperialismus ist keineswegs Opfer. Er kalkuliert damit, die Situation zu nutzen, um selbst an Macht und militärischer Stärke zu gewinnen, dafür die 100 Milliarden-Pakete. Die Illusion, dass man unsere deutschen Kriegstreiber zum Engagement zum Frieden auffordern könne, ist ein Problem, denn sie rüsten zum Krieg gegen Russland.

Indem der Aufruf selbst die Position teilt, dass Russland der Aggressor sei und der Westen jetzt Friedensverhandler sein könne, rechtfertigt er die NATO und ihre „Unterstützung“ für die Ukraine. So bleibt es eine handzahme Opposition, die letztlich in die Irre führt, weil sie den Gegner nicht angreift, sondern ihn lediglich zum „vernünftigeren Handeln“ aufruft. So wird man den Krieg gegen Russland nicht stoppen können.

Lähmung der Friedensbewegung

Bei aller Ablehnung der Waffenlieferungen wird die NATO grundsätzlich legitimiert. Damit werden auch alle Kräfte der Friedensbewegung, die eine klare Anti-NATO-Position vertreten, geschwächt und die Spaltung der Friedensbewegung vorangetrieben. Damit wird (erneut) eine Friedensbewegung geschaffen, die auf grundsätzlicher Linie nicht klar gegen die Kriegstreiber aufsteht. Es ist ein Ausdruck der Lähmung der Friedensbewegung, die sich schon bei den letzten Kriegen (Libyen, Syrien) nicht klar gegen den Westen gestellt hat.

Das „Manifest“ drückt auch die Haltung aus, hier, in Europa, keinen Krieg haben zu wollen und deshalb doch nun auch einmal zu verhandeln. Die Kriege, die die NATO-Staaten in vielen Ländern der Welt geführt haben und führen, sind kein Thema, und auch nicht die NATO-Aggression gegen Russland. Es ist eine Absage an internationale Solidarität gegen die NATO-Kriegstreiber. 

Die Wirkung, die der Aufruf entfaltet ist, dass eine diffuse Angst vor einem großen oder Atomkrieg vor allem durch Russland ausgelöst würde. Die NATO-Propaganda behauptet, Russland würde mit der Atomkriegs-Angst spielen, um seine Interessen in der Ukraine zu erpressen. Das ist eine Lüge. Es sind die NATO-Staaten, die die Eskalation vorantreiben und vor nichts, auch der Provokation eines russischen Atomschlags, nicht zurückschrecken. Sie lösen bei vielen Menschen zurecht Angst aus und versuchen es aber auf Putin abzuschieben. So ist auch hier das Problem, dass man nicht benennt, dass es die NATO ist, die einen dritten Weltkrieg anzettelt.

Querfront-Vorwurf

Wagenknecht und Schwarzer wird von Medien und anderen NATO-Propagandisten der Vorwurf gemacht, sie würden eine „Querfront“ mit Rechten bilden. Das ist ein übliches Mittel, um die Friedensbewegung und andere zu diffamieren und gesellschaftlich zu isolieren.

Dass auch konservative Kräfte, wie Gauweiler (CSU) den Aufruf unterstützen, liegt an der eingeschränkten Position des Aufrufs, die den Westen schont. Der Querfront-Vorwurf wird meistens von Kräften erhoben, die selbst ganz offen in einer Front sind: der NATO-Front. Diese gilt mittlerweile als woke und „links“, sie ist aber reaktionär und militaristisch. Sie ist die wirkungsmächtige und mit Repression vorgehende, und daher die im Moment gefährlichste Querfront. Antifaschisten und Antimilitaristen müssen diese Querfront offensiv bekämpfen!

Auch Schwarzer selbst ist kritisch zu sehen: Zwar hat sie sich in der Vergangenheit kritisch gegenüber den westlichen Kriegen gegen Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen geäußert. Als Gallionsfigur des feministisch verbrämten antimuslimischen Rassismus jedoch hat sie mit ihrer islamfeindlichen Hetze nicht zuletzt die imperialistischen Aggressionen im Nahen Osten, in Nordafrika und in Afghanistan ideologisch den Weg mit bereitet.

Dass die AfD sich als Friedenskraft darstellt, ist verlogen. Sie ist eine NATO-Partei und eine Partei der Aufrüstung und Kriegsführung, sie ist für das 100-Milliarden-Aufrüstungs-Paket und will noch mehr Aufrüstung. Sie will mehr deutsche Optionen und die Durchsetzung „deutscher Interessen“, also die der Monopolkonzerne weltweit. Ihre Forderungen nach Verhandlungen mit Russland sind nicht zu trauen. Sie fordert „Friedensverhandlungen“, allerdings auf der Grundlage des Rückzugs der Russischen Föderation und mit Umwandlung der Ostukraine in UN-Mandatsgebiete. De facto sind diese Vorschläge ein Sieg der NATO. Man muss rechte Kräfte als das entlarven, was sie sind – Kriegstreiber mit anderen Optionen und Demagogen, die die Ablehnung des Kriegs auf ihre und damit für die Herrschenden ungefährliche Bahnen lenken sollen.

Verhandlungen – Aber mit welchem Ziel?

Die Forderung nach Verhandlungen wird oft als Alternative zu der Position der Waffenlieferungen betrachtet, und das kann auch der Fall sein. Allerdings kommt es darauf an, welche „Vorbedingungen“ gefordert werden und welches Ziel die Verhandlungen haben sollen. Wenn die „Vorbedingung“ der Abzug der russischen Truppen ist, sind es natürlich keine Verhandlungen, die gefordert werden, sondern der „Siegfrieden“ der NATO. Wem nutzen welche Verhandlungen mit welchem Ziel – diese Frage muss beantwortet werden, bevor Verhandlungen gefordert oder begrüßt werden. Verhandlungen, die zur Folge haben, dass die Ukraine ein Rammbock der NATO bleibt, dass sie ein faschistisches Regime bleibt, das Hort von Krieg und Provokation im Dienste des Westens ist, sind abzulehnen. Ein solcher Sieg oder Zwischensieg der NATO wäre eine Katastrophe für ganz Europa und die ganze Welt.

Kern der Forderung ist, aus „vernünftiger Überlegung“ heraus dem „Aggressor Putin“ nachzugeben, um nicht alles noch schlimmer zu machen. Auf dieser Grundlage haben Hetzer wie Strack-Zimmermann und Co. die völlige Berechtigung, immer weiter zu eskalieren und können sich als authentische, konsequente „Kämpfer gegen Putins Aggression“ inszenieren. Während die Position Wagenknechts sich vorwerfen lassen muss, kompromisslerisch auf Kosten der Ukraine ein Eingeständnis zu machen. Eine Diskussion, die wohl gerade noch erlaubt zu sein scheint im deutschen Meinungskorridor, aber die völlig an der Realität vorbei geht und vor allem die wirklichen Hintergründe des Krieges ignoriert und daher auch keine realistische Lösung darstellt. Deswegen kann der Krieg so nicht gestoppt werden. Uns bleibt nichts übrig, als Wege zu finden, wie wir unsere Regierung und ihren Kriegskurs stoppen können und das in voller Konsequenz, also auch ihre Propaganda zu bekämpfen. Das ist die Aufgabe der Friedensbewegung.

Der einzige Weg zum Frieden

Die NATO ist der Aggressor und der Kriegstreiber. Wenn es sie in der Ukraine nicht geben würde, gäbe es keinen Krieg. Der einzige Weg zum Frieden ist deshalb: NATO raus aus der Ukraine!

Die Forderung nach dem Stopp aller Waffenlieferungen ist richtig und wichtig. Wir werden uns an den Demonstrationen beteiligen und die Anti-NATO-Position dort sichtbar und klar vertreten.

Wir gehen davon aus, dass es nicht nur sehr viele Menschen sind, die gegen Waffenlieferungen sind, sondern dass es auch nicht wenige sind, die erkennen, dass es die NATO ist, die für den Krieg verantwortlich ist. Diese Stimme muss lauter werden!

NATO raus aus der Ukraine!

Stoppt den Krieg gegen Russland!

Deutschland raus aus der NATO!

Kampf dem Faschismus, der durch die NATO aufgebaut wird!

Podcast #33 – Bahman Shafigh von der iranischen kommunistischen Organisation Tadarok über aktuelle Entwicklungen des Imperialismus

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Sind China und Russland die Totengräber des Westens? Und auch des Kapitalismus? Warum ist der Westen und seine Herrschaft historisch erledigt? Und was bedeutet das für die Rolle der Kommunisten? Wir haben mit einem Genossen aus dem Iran u.a. über die weltpolitische Lage des Imperialismus, die besondere Bedeutung des Westens für das kapitalistische System und Schwächen der kommunistischen Bewegung gesprochen.

Texte und Podcasts, auf die verwiesen wird:

Brief von Engels an Kautsky (23. September 1894), in MEW Bd. 39 S. 301.

Brief von Engels an Friedrich Adolph Sorge (10. November 1894), in MEW Bd. 39, S. 310.

Wang Wen (South China Morning Post): Beyond China, as more nations reject the US-led order, 2022 will go down as the year of ‘de-Westernisation’, https://www.scmp.com/comment/opinion/article/3205148/beyond-china-more-nations-reject-us-led-order-2022-will-go-down-year-de-westernisation?module=perpetual_scroll_0&pgtype=article&campaign=3205148

Breakthrough News: Will 2023 Be the Year of Backfiring Sanctions for the Overstretched US Empire?

Julia Horowitz (CNN BUSINESS): George Soros calls out BlackRock’s ‘China blunder’, https://edition.cnn.com/2021/09/07/investing/premarket-stocks-trading/index.html

George Soros (Financial Times): Investors in Xi’s China face a rude awakening, https://www.ft.com/content/ecf7de34-e595-4814-9cbd-4a5119187330