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Ohne Sozialismus keinen Frieden auf der Welt

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Stellungnahme zum Antikriegs- und Weltfriedenstag

Die Bundestagswahlen zeigen deutlich: Die Einigkeit der Parteien zur Erhöhung von Rüstungsausgaben und zur Steigerung militärischer Aktivität ist groß und wird im Rahmen des Wahlkampfs zu allgemeinen Interessen der Gesamtbevölkerung umgedeutet. Auch die Partei die Linke (PdL) hat kein solides Fundament gegen die Kriegspolitik und weicht immer weiter auf. Tatsächlich sind es die Interessen der deutschen Monopole die die Regierung, unabhängig von der konkreten Parteienkonstellation, immer wieder zu politischen Konflikten und Kriegen drängen. Von Konkurrenz und dem Zwang nach immer höheren Profiten getrieben wird ihnen der deutsche Arbeits- und Absatzmarkt immer wieder zu eng werden. Um diese menschenfeindlichen kapitalistischen Kreisläufe von Krisen, Überproduktionen und ökonomischer oder militärischer Zerstörung anderer Länder zu beenden, müssen wir deren Ursachen bekämpfen. 

Dies ist kein aussichtsloser Kampf: Dass die Interessen der Kapitalisten über denen der Völker stehen, dass Profite militärisch gesichert werden – das wird nicht für alle Zeiten so bleiben: Die Sowjetunion, die DDR und die anderen sozialistischen Länder haben gezeigt, dass sich moderne Staaten entwickeln können, ohne die Welt mit Kriegen zu überziehen. Das bedeutet letzten Endes, dass der Kampf für den Frieden ein Kampf für den Sozialismus sein muss. Denn im Sozialismus ist alle gesellschaftliche Arbeit darauf ausgerichtet, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, und niemand verdient mehr am Krieg.

Für den Aufbau einer kommunistischen Partei und einer klassenkämpferischen Arbeiterbewegung!

Um diesen Kampf schlagkräftig führen zu können, ist die deutsche Antikriegsbewegung aktuell zu schwach aufgestellt. Unklarheiten und Unsicherheiten in der Analyse globaler Konflikte beherrschen das Bild und zeigten sich zuletzt in den Einschätzungen der imperialistischen Interventionen in Syrien, Libyen oder Afghanistan. Klare, antiimperialistische und pro-sozialistische Standpunkte bleiben die Ausnahme. Das Ergebnis: Die Antikriegsbewegung ist gelähmt und kraftlos, ein Großteil der gewerkschaftlichen und linken Kräfte orientierungslos – bis hin zu Appellen an die Bundeswehr für gezieltere militärische Einsätze. So wurde auch von Teilen der Partei die Linke die sogenannte rote Haltelinie zu Kriegseinsätzen in den letzten Wochen und Monaten vor der Bundestagswahl immer mehr infrage gestellt: Die Positionen zur NATO werden von führenden Kräften aufgeweicht. Teile der Bundestagsfraktion der PdL stimmten zuletzt für den Bundeswehreinsatz zur Evakuierung der Kollaborateure der Besatzung in Afghanistan, die Mehrheit enthielt sich einer klaren Ablehnung.  Diese Diskussion macht deutlich, wie nah die PdL längst an die anderen Parteien im Bundestag gerückt ist – natürlich immer aus vorgeblich humanistischen Motiven. Über diese Rechtfertigung haben sich die Grünen bereits mit dem ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg in Jugoslawien voll auf den Standpunkt des deutschen Imperialismus gestellt.

Dabei hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt, dass Appelle und Forderungen an die, die Profitinteressen mit allen Mitteln durchsetzen, zu keinen Ergebnissen führen werden. 

Stattdessen braucht es eine breit verankerte, wirkmächtige Massenbewegung, die erst aufgebaut werden muss. Nur so können Kriegsabsichten und -vorbereitungen lahmgelegt werden, vor allem mit dem für das Kapital schmerzhaften Mittel des Streiks. Für diese Aufgabe ist es allerdings notwendig, klare Standpunkte zu entwickeln und diese offensiv und breit in Massenorganisationen gemeinsam mit Kollegen, Kommilitonen, Mitschülern oder Nachbarn zu verankern. Die Unfähigkeit klare Klassenstandpunkte zur imperialistischen Kriegspolitik zu entwickeln, ist ein Ergebnis der Unklarheit und schwachen Organisation der Kommunisten. Die Kommunistische Organisation hat sich das Ziel eines Klärungs- und Aufbauprozesses gesetzt, um diesen Mangel offensiv zu bekämpfen.

Das bedeutet noch nicht, dass wir jeden Krieg werden verhindern können. Auf dem Weg zu einer dauerhaft friedlichen Gesellschaft gibt es trotzdem keine Abkürzung – die deutsche kommunistische Bewegung muss sich die eigenen Schwächen bewusst vor Augen führen und die daraus folgenden notwendigen und möglichen Schritte für dieses Ziel tun. Auch für alle Szenarien während und nach einem Krieg müssen Kommunisten gerüstet sein. Die Erfahrungen der Geschichte haben gezeigt, dass gerade in der Situation eines geschwächten bürgerlichen Herrschaftsapparates der Kampf um die politische Macht mit aller Zielklarheit geführt werden kann und muss.

Der Deutsche Imperialismus will seinen Einfluss ausbauen, aber wie?

Die politische Entwicklung des deutschen Imperialismus seit der Konterrevolution 1990 zurück zu Kriegen und Expansion wurzelt in ökonomischen Notwendigkeiten. Denn die deutschen Monopole brauchen riesige Absatzmärkte und setzen dafür alle möglichen politischen, ökonomischen und militärischen Mittel ein. Exportweltmeister wird man schließlich nicht, ohne sich in besonderem Maße gegen die Interessen der Kapitalisten anderer Länder durchzusetzen. Dazu werden häufig Länder in Osteuropa, Afrika oder Lateinamerika durch Assoziationsabkommen gezwungen, deutsche und EU-Produkte ohne Schutz der eigenen Wirtschaft zu importieren und Infrastruktur zu privatisieren. Auch militärisch breitet sich der deutsche Imperialismus im Zuge der Neuaufteilung der Welt immer weiter aus und versucht seine Fühler aktuell bis zum Südchinesischen Meer auszustrecken.

Dabei stößt die Bundesrepublik immer wieder an Grenzen, da ihre militärische Kapazität und ihr politischer Einfluss im Verhältnis zu den politischen Ansprüchen und Anforderungen, die sich aus der eigenen Wirtschaftskraft ergeben, unterentwickelt sind. Dies zeigten nicht zuletzt die wirkungslosen Libyen-Konferenzen, die in Berlin ausgerichtet wurden. Infolgedessen ist die Marschrichtung für den weiteren Aufstieg im imperialistischen Weltsystem nicht klar, die Handlungsoptionen widersprüchlich.

Widersprüchliche Interessen und fragile Bündnisse

Die Ambivalenz des deutschen Imperialismus zeigt sich weiterhin besonders im Umgang mit China und Russland. Die Drohgebärden werden auch militärisch deutlicher, wie das riesige Kriegsmanöver Defender 2020/21 an der russischen Grenze und auch die symbolische Fregattenverschiebung in das Südchinesische Meer zeigen. Dennoch bekräftigen deutsche Unternehmensverbände und auch die Bundesregierung gleichzeitig die wichtige Rolle Chinas als Handelspartner und Absatzmarkt. China ist zugleich Partner und strategischer Konkurrent auf dem Weltmarkt. Ein ähnlich widersprüchliches Verhältnis besteht zu Russland, dessen Rolle als Erdgaslieferant und Partner des Pipelineprojektes Nord Stream 2 in diesem Jahr immer mehr unter Beschuss geraten ist.

So befindet sich der deutsche Imperialismus inmitten fragiler Bündnisse und gegensätzlicher Interessen. Sicher ist für die nächste absehbare Zeit, dass der deutsche Imperialismus mindestens auf die EU als Sprungbrett zur Weltmacht und als Absatzmarkt angewiesen ist. Deutschland konnte sich in den letzten Jahrzehnten im Ringen mit Frankreich die herausragende Führungsrolle in der EU sichern. Gemeinsames Projekt beider Mächte ist es momentan, im EU-Militärbündnis PESCO die Aufrüstung und Ausweitung der militärischen Zusammenarbeit durchzusetzen: Eine gemeinsame „europäische Armee“ mit vereinheitlichten Waffensystemen ist das Ziel. 

Gleichzeitig finden die Mitgliedstaaten der EU in vielen Fragen nur äußerst schwerlich zu einer gemeinsamen Linie und Strategien, sei es zur Asylpolitik, der Haltung zur Türkei, den Konfliktparteien in Libyen oder gemeinsamen Interventionen in Syrien und Irak. Die territorialen Konflikte zwischen Griechenland, Zypern und der Türkei eskalierten weiter, sichtbar an der Blockade Zyperns zu Entscheidungen der EU wegen ausbleibenden Sanktionen gegen die Türkei. So kann die EU nur ein unsicheres Standbein bleiben. Deshalb wird sich Deutschland weiterhin auch am Bündnis mit der NATO und den USA orientieren. Zwar macht sich der Abstieg der USA als führende Weltmacht schon bemerkbar, eine Alternative zu diesem Bündnis besteht für den deutschen Imperialismus jedoch mittelfristig nicht. Das durch die NATO vorgegebene Ziel der massiven Erhöhung des Militärbudgets wird Deutschland außerdem dazu nutzen, seine militärische Rolle innerhalb der EU zu stärken.

• Raus aus der NATO!

Kampf dem deutschen Imperialismus!

• Für den Sozialismus, denn nur dieser sichert den Frieden!

Internationale Grußworte an das Sommercamp 2021 der Kommunistischen Organisation

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Wir freuen uns darüber die Grußworte der Revolutionären Kommunistischen Partei Frankreichs (Parti Communiste Révolutionnaire de France – PCRF), der Kommunistischen Jugend Lyon (Jeunes Communiste Lyon), der Kommunistischen Partei Schwedens (SKP) und der Kollektive kommunistischer Jugendlicher Spaniens (Colectivos de Jóvenes Comunistas aus Spanien – CJC) zu dokumentieren, die sie an das Sommercamp 2021 der Kommunistischen Organisation gerichtet haben. Die Parteifrage, die wir auf unserem Camp schwerpunktmäßig diskutiert haben, findet sich auch in den Grußworten wieder. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich für die Teilnahme und Unterstützung durch unsere internationalen Genossen bedanken!

Hoch die Internationale Solidarität!


Grußwort der Jeunes Communistes Lyon
Grußwort der Parti communiste Révolutionnaire de France
Grußwort der Colectivos de Jóvenes Comunistas (CJC) aus Spanien
Grußwort der Kommunistischen Partei Schwedens (SKP)

Ein Schritt in Richtung Befreiung Afghanistans!

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Es sollte die symbolische Umwandlung der Niederlage in einen Sieg sein: Für den 11. September 2021, genau 20 Jahre nach den Anschlägen in New York, hatte US-Präsident Biden geplant, den vollständigen Abzug der Truppen aus Afghanistan zu verkünden. Mit dieser Geste und einem geordneten Rückzug wollte die US-Führung kaschieren, dass sie in Afghanistan vollständig versagt hat. Daraus wurde nichts: Der mit den Taliban ausgehandelte Abzug geriet zu einer regelrechten Flucht. Kriegsgerät musste im großen Stil zurückgelassen werden, weil die afghanischen Hilfstruppen zu Zehntausenden desertierten oder überliefen. Wenige Tage nachdem die USA ihre Einschätzung, dass sich ihr Marionettenregime noch ein Jahr werde halten können, auf einige Wochen herunter korrigiert hatte, standen die Taliban vor Kabul. Jetzt wurden Akten geschreddert, Botschafter und Agenten evakuiert und die letzten Soldaten zusammengezogen, um die Flucht abzusichern. Aktuell befinden sich zwar noch NATO-Truppen in Afghanistan, dies aber nur mit Duldung der Taliban, die den Abzug gewähren lassen. Es gibt jedoch kein Halten mehr für das ausländische Militär. Die Taliban haben die Besatzungstruppen weitgehend aus dem Land gefegt – und das ist objektiv ein Sieg für das gesamte afghanische Volk! 

Ein imperialistischer Krieg durch und durch

Die Invasion in Afghanistan 2001 war der Eröffnungszug für das Greater Middle East Project der USA: Zehn Jahre zuvor, unmittelbar nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers, hatten sie mit der Bombardierung des Irak und der anschließenden Hungerblockade gegen das Land ihre Saat gelegt. Nun sollte die Ernte eingefahren werden: 9/11 gab den Anlass, die Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens endlich anzugehen. Der Reihe nach sollten Afghanistan, Irak, Syrien und schließlich Iran überfallen und dort US-freundliche Regime installiert werden. Außerdem winkten in Afghanistan wertvolle Bodenschätze und ein Pipeline-Projekt.

Auch die BRD mischte von Anfang an mit. Für sie war es nach Jugoslawien der zweite Krieg seit 1945. Den deutschen Imperialisten ging es vor allem darum, Kriegserfahrung zu sammeln und auf der Weltbühne wieder mitzuspielen. Zugleich erhoffte man sich, einen Teil der afghanischen Beute abzubekommen. Offiziell waren es vor allem die Frauenrechte, für die man vorgeblich in den Krieg zog. In gleicher Weise versucht man sich auch aktuell ein humanitäres Image zu geben, indem man sich öffentlichkeitswirksam um die Rettung der sog. »Ortskräfte« kümmert. Der eigentliche Grund liegt darin, dass die deutsche Führung zurecht befürchtet, dass sie bei künftigen Kriegen Probleme haben wird, Kollaborateure für sich zu gewinnen, wenn sich herumspricht, dass man sie im Zweifel einfach im Stich lässt. Ignoriert man die Krokodilstränen, erblickt man hier die hässliche Fratze des deutschen Imperialismus besonders deutlich: Noch unmittelbar bevor Kabul an die Taliban fiel, schob die BRD Menschen nach Afghanistan ab. Im ganzen Medienspektakel um die »Rettung der Ortskräfte« geht zudem völlig unter, dass Deutschland 20 Jahre lang an der Unterdrückung eines Volkes beteiligt war und dafür jetzt mit Gewalt aus dem Land vertrieben wurde.

Eine Niederlage für die westlichen Imperialisten

Der Krieg in Afghanistan lief fast von Beginn an anders, als von den westlichen Imperialisten erhofft: Den Besatzern gelang es zwar schnell, die Taliban zu stürzen. Umso schwerer fiel es ihnen aber, ihr Besatzungsregime zu festigen und eine stabile Regierung einzusetzen. Faktisch kontrollierten sie nie viel mehr als ihre Militärstützpunkte und ein paar Großstädte – und das, obwohl zwischenzeitlich mehr als 100.000 US-Soldaten im Land waren. Der Hass der Bevölkerung auf die Invasoren und ihre Helfershelfer, und mit ihm auch der Widerstand, nahmen mit der Zahl getöteter Afghanen und den Jahren des Elends unter der Besatzung zu. Die Taliban gewannen immer mehr Zulauf, vor allem weil sie den Widerstand am effektivsten organisierten und zugleich politisch und ideologisch pragmatischer wurden. 

Das Versagen in Afghanistan reiht sich ein in eine Reihe von Niederlagen des westlichen Imperialismus in der Region: Auch im Irak scheiterte die US-Strategie am vehementen Widerstand der Bevölkerung; im Libanon bescherte die Hisbollah der israelischen Armee 2006 die erste verheerende Niederlage ihrer Geschichte. Danach war an einen offenen Krieg gegen Syrien und Iran nicht mehr zu denken. Dadurch verlor die Besatzung Afghanistans noch einmal massiv an strategischem Sinn. Das lange Festhalten an dem Militäreinsatz zeigt, dass die USA weder vor noch zurück wussten und dass selbst ein geordneter Abzug bereits als zu schmachvoll angesehen wurde. Daher ist es umso beschämender für die US-Imperialisten, dass sie jetzt wie Hunde aus dem Land getrieben werden. Diese Niederlage wird nicht zu Unrecht mit dem Fall Saigons verglichen. Für die USA markierte die Befreiung Vietnams das vorläufige Ende ihrer offenen Kriege bis 1991. Und auch jetzt könnte die Vertreibung aus Afghanistan als Höhepunkt des Scheiterns der amerikanischen Nahost-Pläne ein Wendepunkt für ihre weltweite Vormachtstellung sein. Diese Möglichkeit bleibt vorerst Spekulation – außerdem birgt sie weiteres Konfliktpotenzial zwischen den imperialistischen Großmächten. Für uns gilt jedoch: Auch wenn Afghanistan heute weit vom Sozialismus entfernt sein mag, so ist ein zweites Vietnam für die USA doch ein Grund zur Freude. Für sie sind Saigon und Kabul gefallen, für uns und die Völker Vietnams und Afghanistans wurden sie von Krieg und Besatzung befreit!

Eine Hoffnung für das afghanische Volk

Wenn jetzt darüber diskutiert wird, ob die Taliban fortschrittlich sind oder nicht, wird vor allem über ihre Ideologie gesprochen. Diese ist aber nicht ausschlaggebend, sondern die Rolle, die die Taliban objektiv einnehmen. Afghanistan war die letzten 20 Jahre nicht einfach ein Land am unteren Ende des imperialistischen Weltsystems. Es war ein besetztes, ein unterdrücktes Land, ein Land ohne jegliche Souveränität. Es herrschte Krieg, das heißt völlige Zerstörung der Wirtschaft, der Infrastruktur und der Produktionsmittel. Die inoffiziellen Arbeitslosenquoten liegen bei bis zu 40 Prozent. Opiumanbau, Schmuggel und die Besatzungsmacht gehören zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren. Die Armut ist extrem hoch, genau wie die Gefahr, getötet zu werden. In einer solchen Situation sind die Bürgerrechte, die von den Besatzern zur Verschleierung ihrer Verbrechen und zur Legitimierung ihrer Herrschaft hochgehalten werden, das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Das gilt auch für die Frauen, deren Rechte angeblich erst jetzt wieder bedroht sein sollen. Für die absolute Mehrheit der afghanischen Frauen galt schon vorher, dass sie keine Rechte hatten – genau wie für die Mehrheit der afghanischen Männer. Sie waren wegen des Krieges und der Besatzung permanenter Todesgefahr ausgesetzt. Deshalb ist nicht die Frage, ob die Taliban nun eine »Schreckensherrschaft« errichten oder nicht. Die Schreckensherrschaft besteht seit 20 Jahren, seit die NATO-Truppen ins Land eingefallen sind. 

Daher steht die Vertreibung der Besatzungsmächte und die Herstellung der nationalen Souveränität im Vordergrund, ob als säkularer Staat, als »Islamische Republik« oder als Emirat ist dabei zweitrangig. Denn die nationale Befreiung ist der erste, notwendige Schritt in Richtung einer möglichen Zukunft, in der das Volk seinen eigenen Weg geht und in der sich die werktätigen Massen wieder als Klassen formieren können, statt tagtäglich nur ums nackte Überleben zu kämpfen. Die Taliban wurden lange von den USA und anderen Imperialisten unterstützt und bewaffnet, vor allem im Kampf gegen das sozialistische Lager. Welche Rolle sie in der nächsten Zeit spielen werden – ob sie erneut zum Handlanger der Imperialisten werden oder tatsächlich Schritte zur Unabhängigkeit Afghanistans gehen, bleibt vorerst offen. 

Solidarität mit dem afghanischen Volk und seinem Widerstand!

Nieder mit dem Imperialismus!

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die kurdische Frage

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Ein Diskussionsbeitrag von Tom Hensgen

Die Kurden leben vor allem in der Türkei, im Irak, im Iran und in Syrien. Der vorliegende Diskussionsbeitrag behandelt in erster Linie die politische Orientierung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihrer Schwesterorganisationen (PJAK im Iran, PYD in Syrien und PCDK im Irak). Zwischendurch werden kurz die Patriotische Union Kurdistans (PUK) und die Kurdisch-Demokratische Partei (KDP) thematisiert, die führenden Parteien der ,,autonomen“ Region Kurdistan im Irak. Die unterschiedlichen kurdischen Organisationen haben teilweise ein feindliches Verhältnis zueinander.

Weite Teile der kommunistischen Bewegung in Deutschland sind solidarisch mit der PKK, der ,,Selbstverwaltung” in Rojava/Westkurdistan/Nordostsyrien unter Führung der PYD und zum Teil legen sie sogar ihren Schwerpunkt auf diese Thematik. Genau das lehne ich ab. Meine Kritik richtet sich unter anderem an die sich als marxistisch-leninistisch (ML) begreifenden Strukturen wie Young Struggle (YS), die MLPD, die Perspektive Kommunismus (PK) und den Kommunistischen Aufbau (KA).

Nur weil es scheinbar so viele Kommunisten sind, die mit der PKK solidarisch sind, bedeutet das nicht, dass sie richtig liegen. Im Gegenteil kann dies als eines von vielen Symptomen der Krise innerhalb der kommunistischen Bewegung betrachtet werden und muss daher kritisch reflektiert werden. Wichtig dabei ist, dass politische Debatten sachlich und mit Argumenten, statt emotionalisiert, polemisch und mit unbelegten Thesen geführt werden, diesen Hinweis finde ich insbesondere bei diesem Thema relevant.

  1. Der ML und das Selbstbestimmungsrecht der Völker
  2. Kurzer Abriss zum Charakter der PKK: Ist die PKK revolutionär?
  3. Die USA und Westasien
  4. Wie die USA das Selbstbestimmungsrecht der Völker missbrauchen
  5. PKK und USA: Ist die PKK proimperialistisch?
    1. ideologisch
    2. militärisch
    3. ökonomisch
  6. Alternativer Bündnispartner für die PKK
  7. Die TKP zum Imperialismus und Westasien
  8. Palästina-Kurdistan-Vergleich
  9. Fazit

1. Der ML und das Selbstbestimmungsrecht der Völker

Es ist umstritten, ob es ein kurdisches Volk und eine kurdische Sprache gibt oder ob mehrere kurdische Völker und mehrere kurdische Sprachen existieren. Gleichzeitig ist es ungeklärt, ob die Kurden eine eigenständige Nation sind. Es gibt die These, dass die Kurden (sowie andere Völker auch) in der Türkei seit der Gründung der Republik und der Entstehung der türkischen Nation ein Teil der türkischen Nation sind. Verteidiger dieser These gehen teilweise davon aus, dass es im Laufe der Zeit nie zu einer Herausbildung einer eigenständigen kurdischen Nation kam. İbrahim Kaypakkaya, Gründer der TKP/ML, gehört zu den ersten, die davon sprechen, dass es eine eigenständige kurdische Nation innerhalb der Türkei gebe [1]. Die verschiedenen Definitionen dazu und die Debatte darum möchte ich jedoch ausklammern und die Annahme treffen, dass es eine/mehrere kurdische Nationen gebe. Das anzunehmen ist überhaupt erst die Grundlage, um die Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht behandeln zu können.

Innerhalb der kommunistischen Bewegung ist es eigentlich klar, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht bedingungslos und jederzeit für alle Nationen gilt, sondern von den konkreten, objektiven Gegebenheiten abhängig ist. Jedoch gibt es einzelne Akteure, die von diesem Standpunkt abweichen. Um in das Thema einzuleiten beziehe ich mich auf die Haltung von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Dies halte ich für sinnvoll, da ihre Analysen weiterhin aktuell sind und daher eine gute Orientierung darstellen, um heutige Fragen rund um das Selbstbestimmungsrecht behandeln zu können.

Marx und Engels hatten kein eindeutiges Verhältnis zu nationalen Befreiungsbewegungen. Sie sprachen sich bspw. für die Lostrennung Irlands [2] aus, aber gegen die Unabhängigkeit der Slawen [3]. Hier muss bedacht werden, dass zwischen den beiden Texten knapp 20 Jahre vergangen sind und sich ihre Position im Laufe der Zeit entwickelt hat. Entscheidend ist, dass sie sich nicht bedingungslos für die staatliche Lostrennung aller unterdrückten Nationen ausgesprochen haben.

Ende des 19. Jahrhunderts sowie Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in der kommunistischen Bewegung breite Diskussionen zur nationalen Frage, beteiligt waren u.a. deutsche, holländische, polnische und russische Kommunisten. Im Laufe dieser Diskussionen revidierte Lenin Teile seiner Standpunkte, was daran deutlich wird, dass seine neueren Texte den älteren teilweise widersprechen. Im Folgenden zitiere ich Lenin zum Selbstbestimmungsrecht aus dem Werk ,,Die Ergebnisse der Diskussion über die Selbstbestimmung“, da dies seine finalen Standpunkte zusammenfasst:

,,“Aber wir können doch nicht für einen Krieg zwischen den großen Völkern sein, für das Hinschlachten von 20 Millionen Menschen um der problematischen Befreiung einer kleinen Nation willen, deren Bevölkerung vielleicht 10-20 Millionen zählt!“ Natürlich können wir das nicht! Aber nicht deshalb nicht, weil wir die vollständige nationale Gleichberechtigung aus unserem Programm hinauswerfen, sondern weil die Interessen der Demokratie eines Landes den Interessen der Demokratie mehrerer und aller Länder untergeordnet werden müssen. Nehmen wir an, daß sich zwischen zwei großen Monarchien eine kleine befindet, deren Landesfürst durch verwandtschaftliche und andere Bande mit den Monarchen beider Nachbarländer „versippt“ ist. Nehmen wir weiter an, daß die Ausrufung der Republik in dem kleinen Lande, die Vertreibung seines Monarchen, in der Praxis einen Krieg zwischen den zwei großen Nachbarländern um die Wiedereinsetzung dieses oder jenes Monarchen in dem kleinen Lande bedeuten würde. Kein Zweifel, daß die gesamte internationale Sozialdemokratie [gemeint sind Kommunisten, Anmerkung des Autors] wie auch der wahrhaft internationalistische Teil der Sozialdemokratie des kleinen Landes in diesem Falle gegen die Ersetzung, der Monarchie durch die Republik wäre. Die Ersetzung der Monarchie durch die Republik ist nichts Absolutes, sondern nur eine der demokratischen Forderungen, die den Interessen der Demokratie (und natürlich in noch höherem Maße des sozialistischen Proletariats) als Ganzes untergeordnet ist. Sicherlich würde ein solcher Fall nicht die geringste Meinungsverschiedenheit unter den Sozialdemokraten beliebiger Länder hervorrufen. Aber würde auf Grund dessen irgendein Sozialdemokrat den Vorschlag machen, die Losung der Republik überhaupt aus dem Programm der internationalen Sozialdemokratie zu streichen, so würde man ihn gewiß für verrückt halten. Man würde ihm sagen: Es geht nicht an, die elementare logische Unterscheidung zwischen dem Besonderen und dem Allgemeinen zu vergessen. […] Um ein internationalistischer Sozialdemokrat zu sein, darf man nicht nur an seine eigene Nation denken, sondern muß höher als sie die Interessen aller Nationen, ihre allgemeine Freiheit und Gleichberechtigung stellen. […] Umgekehrt muß der Sozialdemokrat einer kleinen Nation den Schwerpunkt seiner Agitation auf das zweite Wort unserer allgemeinen Formel legen: „freiwillige Vereinigung“ der Nationen. Er kann, ohne seine Pflichten als Internationalist zu verletzen, sowohl für die politische Unabhängigkeit seiner Nation als auch für ihren Anschluß an den Nachbarstaat X, Y, Z usw. sein. In allen Fällen aber muß er gegen die kleinnationale Beschränktheit, Abgeschlossenheit und Isolation kämpfen, für die Berücksichtigung des Ganzen und Allgemeinen, für die Unterordnung der Interessen des Teils unter die Interessen der Gesamtheit. […] Erstens gibt es keine einzige demokratische Teilforderung und kann es keine geben, die nicht zu Mißbräuchen führen könnte, wenn man den Teil nicht dem Ganzen unterordnet; wir sind nicht verpflichtet, „jeden“ Unabhängigkeitskampf oder „jede“ republikanische oder antiklerikale Bewegung zu unterstützen. […] In den polnischen Thesen (III, Ende von Punkt 2) wird gegen die Idee eines unabhängigen polnischen Pufferstaates der Einwand erhoben, daß dies „eine hohle Utopie kleiner, ohnmächtiger Gruppen ist. Verwirklicht, würde diese Idee die Schaffung eines kleinen polnischen Rumpfstaates bedeuten, der die Militärkolonie einer oder einer anderen Großmächtegruppe, ein Spielball ihrer militärischen und wirtschaftlichen Interessen, ein Ausbeutungsgebiet des fremden Kapitals, ein Schlachtfeld der zukünftigen Kriege wäre.“ All das ist sehr richtig gegen die Losung der Unabhängigkeit Polens für heute, denn selbst eine Revolution in Polen allein würde hier nichts ändern, die Aufmerksamkeit der polnischen Massen würde aber abgelenkt werden von der Hauptsache: vom Zusammenhang ihres Kampfes mit dem Kampf des russischen und des deutschen Proletariats. Es ist kein Paradox, sondern eine Tatsache, daß das polnische Proletariat als solches heute der Sache des Sozialismus und der Freiheit, auch der polnischen, nur dienen kann, wenn es gemeinsam mit dem Proletariat der Nachbarländer gegen die engstirnigen polnischen Nationalisten kämpft. Es ist unmöglich, das große historische Verdienst der polnischen Sozialdemokraten im Kampf gegen diese letzteren zu leugnen. […] Die polnischen Sozialdemokraten können jetzt nicht die Losung der Unabhängigkeit Polens aufstellen, denn als proletarische Internationalisten können die Polen nichts dafür tun, ohne sich wie die „Fracy“ zu Lakaien einer der imperialistischen Monarchien zu erniedrigen.“ [4]

Auch Stalin behandelte nationale Befreiungsbewegungen, er knüpfte an die Inhalte Lenins an und wendete diese auf die damaligen Kämpfe an. An folgendem Zitat wird deutlich, dass auch er das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht allgemein bejaht, sondern immer in Abhängigkeit von den konkreten Bedingungen untersucht:

,,,Die einzelnen Forderungen der Demokratie‘, sagt Lenin, ,darunter das Selbstbestimmungsrecht, sind nichts Absolutes, sondern ein kleiner Teil der allgemein-demokratischen (jetzt: allgemein-sozialistischen) Weltbewegung. Es ist möglich, dass in einzelnen konkreten Fällen der Teil dem Ganzen widerspricht, dann muss man den Teil verwerfen.'[ … ] So verhält es sich mit der Frage der einzelnen nationalen Bewegungen, des möglichen reaktionären Charakters dieser Bewegungen, natürlich nur, wenn man sie nicht vom formalen Standpunkt, nicht vom Standpunkt abstrakter Rechte, sondern konkret, vom Standpunkt der Interessen der revolutionären Bewegung betrachtet. Das gleiche gilt auch für den revolutionären Charakter der nationalen Bewegungen überhaupt. Die zweifellos revolutionäre Natur der gewaltigen Mehrzahl der nationalen Bewegungen ist ebenso relativ und eigenartig, wie die mögliche reaktionäre Natur mancher einzelner nationaler Bewegungen relativ und eigenartig ist. Der revolutionäre Charakter einer nationalen Bewegung unter den Verhältnissen der imperialistischen Unterdrückung setzt keinesfalls voraus, dass an der Bewegung unbedingt proletarische Elemente teilnehmen müssen, dass die Bewegung ein revolutionäres beziehungsweise republikanisches Programm, eine demokratische Grundlage haben muss. Der Kampf des Emirs von Afghanistan für die Unabhängigkeit Afghanistans ist objektiv ein revolutionärer Kampf, trotz der monarchistischen Anschauungen des Emirs und seiner Kampfgefährten, denn dieser Kampf schwächt, zersetzt, unterhöhlt den Imperialismus, während der Kampf solcher ,verbissenen‘ Demokraten und ,Sozialisten‘, ,Revolutionäre‘ und Republikaner wie, sagen wir, Kerenski und Zereteli, Renaudel und Scheidemann. Tschernow und Dan, Henderson und Clynes während des imperialistischen Krieges ein reaktionärer Kampf war, denn er hatte die Beschönigung, die Festigung und den Sieg des Imperialismus zur Folge. Der Kampf der ägyptischen Kaufleute und bürgerlichen Intellektuellen für die Unabhängigkeit Ägyptens ist aus denselben Gründen objektiv ein revolutionärer Kampf, obgleich die Führer der ägyptischen nationalen Bewegung bürgerlicher Herkunft und bürgerlichen Standes sind, obgleich sie gegen den Sozialismus sind, wohingegen der Kampf der englischen ,Arbeiterregierung für die Aufrechterhaltung der abhängigen Stellung Ägyptens aus denselben Gründen ein reaktionärer Kampf ist, obgleich die Mitglieder dieser Regierung proletarischer Herkunft und proletarischen Standes sind, obgleich sie ,für‘ den Sozialismus sind. Schon gar nicht zu reden von der nationalen Bewegung anderer, größerer kolonialer und abhängiger Länder, wie Indien und China, bei denen jeder Schritt auf dem Wege zur Befreiung, auch wenn er gegen die Forderungen der formalen Demokratie verstößt, ein wuchtiger Hammerschlag gegen den Imperialismus, das heißt zweifellos ein revolutionärer Schritt ist.“ [5] 

Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte beider Zitate:

– Die Interessen der Demokratie eines Landes sind den Interessen der Demokratie mehrerer und aller Länder untergeordnet.

– Einzelne demokratische Forderungen (wie das Selbstbestimmungsrecht der Völker) sind den Interessen der Demokratie als Ganzes untergeordnet.

– Die elementare logische Unterscheidung zwischen dem Besonderen und dem Allgemeinen ist wichtig. (Im Allgemeinen sind Kommunisten für das Selbstbestimmungsrecht, jedoch müssen Kommunisten die konkreten Bedingungen betrachten, daher können sie in besonderen Fällen auch dagegen sein müssen.)

– Um ein internationalistischer Kommunist zu sein, darf man nicht nur an seine eigene Nation denken, sondern muss höher als sie die Interessen aller Nationen, ihre allgemeine Freiheit und Gleichberechtigung stellen.

– Die Berücksichtigung des Ganzen und Allgemeinen beinhaltet die Unterordnung der Interessen des Teils unter die Interessen der Gesamtheit.

– Es gibt keine einzige demokratische Teilforderung und kann es keine geben, die nicht zu Missbräuchen führen könnte, wenn man den Teil nicht dem Ganzen unterordnet.

– Es kann nützlich sein, gemeinsam mit dem Proletariat der Nachbarländer zu kämpfen, statt für eine staatliche Lostrennung einzutreten, die ggf. zur Folge hätte, eine Militärkolonie einer Großmächtegruppe, einen Spielball von militärischen und wirtschaftlichen Interessen, ein Ausbeutungsgebiet fremden Kapitals oder ein Schlachtfeld zukünftiger Kriege zu kreieren.

– Objektiv revolutionär ist ein Kampf, wenn er den Imperialismus schwächt, zersetzt und unterhöhlt. Wenn ein nationaler Kampf den Imperialismus schwächt, müssen Kommunisten für das Selbstbestimmungsrecht eintreten.

– Reaktionär ist ein Kampf, wenn er die Beschönigung, die Festigung und den Sieg des Imperialismus zur Folge hat. Wenn ein nationaler Kampf den Imperialismus stärkt, müssen Kommunisten gegen das Selbstbestimmungsrecht eintreten.

Ich erwähne die Klassiker des ML aber nicht, weil sie automatisch alles richtig machen würden. Auch sie haben in verschiedenen Bereichen Fehler gemacht, die wir kritisch aufarbeiten müssen. Ich denke jedoch, dass die beiden Zitate und die Stichpunkte zentrale und richtige Aspekte aufzeigen, an denen wir uns orientieren müssen.

2019 veröffentlichte YS eine Polemik gegen die DKP, die TKP und die Kommunistische Organisation (KO). Darin widersprechen sie entschieden der Haltung der Klassiker zum Selbstbestimmungsrecht der Völker: ,,Jede Nation – auch die Kurd*innen – haben ein Recht auf Selbstbestimmung, ohne wenn und aber.” [6] Also meinen sie, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker, d.h. das Recht auf staatliche Lostrennung, komplett unabhängig von den konkreten Bedingungen jeder Nation ,,ohne wenn und aber” gelten würde. Entweder haben sie die Haltung von Marx, Engels, Lenin und Stalin nicht verstanden oder sie lehnen diese bewusst ab, ohne dabei offene Kritik an den Klassikern auszuüben. 

In einem Interview von Juni 2021 erklärt die MLKP: ,,Unter der Herrschaft der Imperialisten wurde Kurdistan in vier Kolonien aufgeteilt. Aus diesen Gründen hat der kurdische nationale Befreiungskampf einen objektiven antiimperialistischen Charakter.” [7] Es wirkt daher so, als wolle die MLKP ihre aktuelle Einschätzung der Situation ausschließlich auf Grundlage der Ereignisse unmittelbar im Anschluss an den 1. Weltkrieg begründen: Weil das kurdische Siedlungsgebiet vor hundert Jahren viergeteilt wurde, sei die Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht unabhängig von den aktuellen Bedingungen zwangsläufig zu bejahen? Nein, die Herangehensweise der MLKP ist ebenfalls eine Abkehr vom ML. Auch ihre These, dass die kurdischen Gebiete vier Kolonien seien und die kurdischen Kämpfe daher antikoloniale Kämpfe seien, lehne ich ab. Die MLKP müsste erklären, wie sie Kolonialismus definiert und weshalb dieser Begriff zutreffen sollte. Es gibt auch einige andere Ethnien, die im osmanischen Reich lebten und heute als nationale Minderheiten in den bestehenden Staaten leben – sind diese ebenfalls kolonisierte Völker? Sind alle Staaten, in denen Nationen unterdrückt werden, automatisch Kolonialmächte?

Zusammenfassend sollte festgehalten werden, dass MLer das Selbstbestimmungsrecht von den konkreten Bedingungen abhängig machen (müssten), wobei YS und die MLKP davon abweichen und es für universell gültig halten. Im Folgenden gehe ich auf die konkreten Bedingungen ein, um zu untersuchen, wie die PKK einzuschätzen ist und ob das Selbstbestimmungsrecht unter den aktuellen Bedingungen für die kurdische Frage zu bejahen ist.

2. Kurzer Abriss zum Charakter der PKK: Ist die PKK revolutionär?

Um die PKK beurteilen zu können, ist es relevant, ihre Haltung zum Klassenkampf und zum Imperialismus zu analysieren. Aufgrund ihrer Standpunkte dazu schätze ich die PKK nicht als revolutionär oder fortschrittlich ein.

1978 hat sich die PKK in der Türkei gegründet und verstand sich als ML Partei. 1984 riefen sie den bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat aus, ihr Ziel war es, einen sozialistischen kurdischen Staat zu gründen. Nachdem die Sowjetunion 1989/1990 zerschlagen wurde, begann sich die PKK zu wandeln. Der Niedergang des Sozialismus war möglicherweise (die inneren Triebkräfte in der PKK müssten genauer untersucht werden, um das sicher beantworten zu können) die Hauptursache für den Paradigmenwechsel der PKK, weitere Aspekte in den Folgejahren verstärkten die Tendenz: Die militärische Unterlegenheit der PKK gegenüber der Türkei führte zu mehreren einseitigen Waffenstillständen in den 90ern und 1999 wurde der PKK-Vorsitzende Öcalan von mehreren Geheimdiensten international gesucht und dann festgenommen.

Bestandteile des Wandels der PKK waren u.a. die Aufgabe des ML als Weltanschauung, die Aufgabe des Ziels, einen kurdischen Staates mit einem Guerillakrieg zu erkämpfen, und der Entwurf des demokratischen Konförderalismus (DK). Der DK wird sowohl von der PKK als auch von ihren Schwesterparteien (PJAK im Iran, PYD in Syrien und PCDK im Irak) vertreten und versucht umzusetzen. Die PKK ist mit ihren Schwesterparteien in der Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK) als Dachorganisation zusammengeschlossen. Gemäß dieser Ideologie will die KCK lokale Selbstverwaltungsstrukturen aufbauen und sich so von den bestehenden Staaten unabhängig machen, ihre Lösung wird daher auch staatenlos und anarchistisch genannt. So schrieb Öcalan 2011 in seiner Broschüre ,,demokratische Nation“: ,,Die vollständige Demokratie ist ein Zustand ohne Staat“ [8], wobei seine staatenlose Utopie keine klassenlose Gesellschaft ist, sondern eine Gesellschaft, die auf Klassenversöhnung beruht. Die Vorstellung der Klassenversöhnung hat fatale Auswirkungen auf die konkrete Praxis und die Strategie. Der DK sieht es nicht vor, dass kapitalistische Staaten zerschlagen oder Kapitalisten enteignet werden. In Nordostsyrien/Rojava versucht die PYD, dieses Konzept umzusetzen: In Artikel 41 des dortigen Gesellschaftsvertrages werden Privateigentum explizit geschützt und Enteignungen abgelehnt [9]. Vor Ort wurden Organisationen aufgebaut, wie die Saziyen Cîvaka Sîvîl, in denen sich Arbeiter und ihre Chefs gemeinsam organisieren [10], die Klassenzusammenarbeit ist scheinbar ein fester Bestandteil der PKK-Ideologie. In einem Artikel auf der Website von ,,Make Rojava Green Again” von 2018 steht: ,,Dörfer, die bevorzugen bei der kapitalistischen Ökonomie zu bleiben, sind frei das selbst zu entscheiden, werden jedoch vom kommunalen Wirtschaftsnetzwerk ausgeschlossen.” [11]. Die kommunale Wirtschaftsform, die ebenfalls eine Form des Kapitalismus ist, ist bloß ein freiwilliges Angebot. Es soll ein Konsens zwischen den Besitzenden und Besitzlosen gefunden werden, gleichzeitig lehnt die PKK Hegemonie ab: „Der Demokratische Konföderalismus bietet keinen Platz für jegliches Streben nach Hegemonie. Dies gilt besonders für den Bereich der Ideologie.” [12]. Sascha Stanicic schrieb dazu 2015 in der ,,Freiheitsliebe”: ,,Plastischen Ausdruck findet dieser Versuch die Interessen der Reichen, Unternehmer und Grundbesitzer mit denen der armen Massen zu versöhnen in der Tatsache, dass Akram Kamal Hasu zum Premierminister des Kantons Cizîre wurde. Er gehört zu den reichsten Unternehmern Syriens.” [13]. Im theoretischen Hauptwerk der PKK ,,Jenseits von Staat, Macht und Gewalt” (im folgenden als ,,Hauptwerk” bezeichnet), welches 2004 erschien, steht dazu: „Der grundlegende Fehler ist die antagonistische Gegenüberstellung von Kapitalisten und Arbeitern.“.

Da es die YPG/YPJ (militärischer Arm der PYD) durch das Machtvakuum seit 2011 geschafft hat, für die Kurden in Syrien kulturelle und bürgerliche Rechte zu erkämpfen, könnte man von einer bürgerlichen Revolution sprechen. Dies lehne ich jedoch ab. Es ist nämlich notwendig, das Geschehen in Relation zur Gesamtheit der gesellschaftlichen Verhältnisse zu setzen. Ich bin davon überzeugt, dass der Kampf der YPG/YPJ die Kurden und auch die anderen Völker vor Ort nicht einen Schritt weiter zum Sozialismus gebracht hat, sondern im Gegenteil durch das Verhältnis zu den USA sie in eine noch schlechtere Lage als zuvor gebracht hat. Daher lehne ich es ab, den Kampf revolutionär oder fortschrittlich zu nennen. Auf den folgenden Seiten dieses Textes wird meine Haltung dazu genauer erklärt. YS spricht von einer Revolution in Rojava/Nordostsyrien: ,,Die Revolution in Rojava ist eine national-demokratische Revolution, die die kolonialistische Herrschaft des syrischen Kolonialismus aufgebrochen und somit die nationale Befreiung gewonnen hat.“ [14]. YS bezeichnet Syrien genau wie die MLKP als kolonialistisch und geht daher von einem antikolonialen Kampf aus. Wenn die kurdischen Gebiete unter Assad eine Kolonie gewesen wären, müssen die MLKP und YS unbedingt eine Erklärung abliefern, weshalb sie heute keine Kolonie der USA sind. Die Kurden wurden nämlich nicht befreit, sondern sind jetzt von einer anderen Macht abhängig und zwar von einer Großmacht, die viel stärker als Syrien ist. Daher ist der Kampf keine national-demokratische Revolution. Kann man von einer anderen Art von Revolution sprechen? Einige der eingangs erwähnten Organisationen bezeichnen die Erkämpfung des DK als ,,Frauenrevolution“. Sowohl aus den obigen Gründen als auch weil die Eigentumsverhältnisse nicht angetastet werden, lehne ich den Begriff in diesem Kontext ab. Die Anwendung dessen führt m.E. zu einer ideologischen Verwirrung des Revolutionsbegriffes und einer Verbürgerlichung in Bezug auf die Haltung zur Befreiung der Frauen. In ihrem Hauptwerk schreibt die PKK selbst, dass sie eine reformistische Organisation ist: „Hauptpunkt der politischen Programmatik sollte also eine Reform sein, die eine Bereitschaft des Staates zur Demokratie jenseits leerer Versprechungen garantiert.” Aus den hier aufgezählten Gründen ergibt sich mein Standpunkt, dass die PKK und die ihr nahestehenden Organisationen nicht revolutionär sind.

Abgesehen davon, dass die PYD nicht revolutionär ist, muss auch betrachtet werden, dass sie eben nicht für ein friedliches Zusammenleben aller Völker steht, wie es in der deutschen Linken oft dargestellt wird: ,,Eines Tages müssen die Araber, die in kurdische Gebiete gebracht wurden, vertrieben werden.” sagte der ehemalige Ko-Vorsitzende der PYD, Salih Muslim, 2013 in einem Interview gegenüber Rudaw [15]. Die PYD spricht sich nicht nur gegen Araber in Nordostsyrien/Rojava aus, es kommt hinzu, dass sich Öcalan gegen Auswanderungen von Kurden ausspricht. Sie betrachten Rojava/Nordostsyrien anscheinend als ein Gebiet, welches nur oder zumindest vor allem von Kurden bewohnt sein sollte. Öcalan geht sogar so weit, dass er eingewanderten Kurden die Schuld für Rassismus in Deutschland gibt: ,,Leider wird das entwickelte Deutschland aufgrund der Rückständigkeit unseres Volkes etwas verschmutzt. Das macht mich traurig. Deutschland hätte diese Schlechtigkeit nicht zugefügt werden dürfen. Es gibt so viele kurdische Menschen ohne Arbeit. Sie kamen aus zerstörten Dörfern und sind auf illegalen Wegen nach Deutschland geschickt worden. Das hätte nicht passieren dürfen. Auch das war ein Verbrechen. Sie wurden in die Elendsviertel der Vorstädte gepfercht. Deswegen macht sich erneut Rassismus breit. Berechtigterweise übrigens! Ich finde, auch die Rechten sind im Recht. Ich sage offen, ich denke in diesem Punkt nicht wie ein Sozialdemokrat. Die Rechten haben recht.“ [16]. Gesagt hat er das bereits 1997, also vor seiner Inhaftierung. In diesem Kontext muss noch betont werden, dass es in den 90ern eine faschistische Progromwelle gegen Flüchtlinge und Migranten in Deutschland gab!

Um die Fragen des Selbstbestimmungsrechtes und auch des nicht-revolutionären Charakters genauer behandeln zu können, müssen wir uns die Strategie der USA anschauen und die Haltung der PKK demgegenüber, sowohl in deren Theorie als auch in deren Praxis.

3. Die USA und Westasien

Nach dem Fall der Sowjetunion entwickelten die USA den Greater Middle East Plan (GMEP). Mit dieser strategischen Neuorientierung zielen sie darauf ab, in Westasien Zugang zu Rohstoffen, Handelsrouten und Absatzmärkten zu erlangen. Steven A. Cook, Autor vom Council on Foreign Relations, einem einflussreichen US-Think-Tank, schrieb 2018, dass der Kampf gegen Terrorismus, die Eindämmung des Irans und die Unterstützung für Israel die drei zentralen Elemente der US-Strategie in Westasien sind. Weiterhin schreibt er: ,,Die YPG war ein effektiver Partner im Kampf gegen den IS – auch wenn sie Verbindungen zur PKK hat, die über Jahrzehnte einen Aufstand gegen die Türkei angeführt hat – und wird ein Teil langfristiger amerikanischer Präsenz in Syrien, um den Iran einzudämmen und abzuschrecken.” [17].

Die MLKP schreibt: ,,Die USA wollen nicht nur den IS besiegen, sondern auch den Iran einkreisen, den Einfluss Russlands begrenzen und Israel schützen, daher wollen sie ihre Existenz in Syrien aufrechterhalten und die einzige Kraft, auf die sie sich stützen können, sind die SDF [syrisch-demokratische Kräfte, Militärbündnis unter der Führung der YPG, Anmerkung des Autors].“ [7]. Wenn Ihr versteht, was die USA wollen, wieso sollte man ihnen dann dabei helfen? Und wieso behauptet Ihr im gleichen Interview, dass es aus Sicht der USA taktisch und rein militärisch wäre? 

Jürgen Wagner, Vorstandsmitglied der ,,Informationsstelle Militarisierung”, erklärt weshalb diese Region eine große Bedeutung für die USA hat: ,,Die Kombination seiner ökonomischen und militärischen Relevanz macht Öl zu einem Rohstoff von strategischer Relevanz, weil die Kontrolle über das meiste Öl der Weltölreserven dem Kontrollierenden eine unglaubliche Hebelkraft und überzeugende Kraft gegenüber potenziellen Gegnern erteilt.” [18]. Während sich die Ölvorkommen erschöpfen, steigt der Bedarf nach Öl – und damit auch der Kampf darum. Als beispielsweise die OPEC-Staaten die Förderquoten senken wollten, war die Reaktion darauf eine Erhöhung der Ölförderung außerhalb der OPEC-Staaten, um diese so unter Druck zu setzen. Die OPEC-Staaten waren lange gezwungen Öl sehr billig zu verkaufen. Als die Ölquellen außerhalb der OPEC-Staaten erschöpft waren, nutzten die OPEC-Staaten ihre Chance und erhöhten die Öl-Preise. Das führte dazu, dass die USA es sich zum strategischen Ziel setzte, die Kontrolle über die Regionen zu erlangen, in denen es viel Öl gibt. Wagner erklärt, dass die USA schon seit langem die Entstehung eines kurdischen Staates als Option zur Neuaufteilung Westasiens anstreben und eine entsprechende Karte entworfen haben, wie diese Region dann aussehen könnte. Diese Tatsache muss bei der Beurteilung der kurdischen Kämpfe unbedingt berücksichtigt werden. 

Es geht den USA aber nicht ,,nur” darum, selbst möglichst viel Öl zu haben, sondern auch darum, abzusichern, dass jeder Öl-Handel weiterhin mit US-Dollar bezahlt wird. Saddam Hussein kündigte im Jahr 2000 an, zum Euro überzugehen, danach kündigten Saudi Arabien und Iran dasselbe an. Dadurch würden ölimportierende Nationen keine Dollarreserven mehr brauchen, um Öl zu kaufen. Ihre Nachfrage nach Dollars würde sinken und somit auch der Wert des Dollars. Selbst die Spekulation über so einen Schritt gilt als Kriegserklärung an die USA [18]. An dieser Stelle könnten auch weitere öl-reiche Staaten und das Verhältnis der USA zu ihnen angeführt werden, um deutlicher zu machen, dass den USA dieser Rohstoff extrem wichtig ist.

Aus diesen Gründen ist es für die USA also zentral, Regionen, die über Öl verfügen, zu kontrollieren. Die führenden kurdischen Gruppen im Nordirak betrachten die USA bereits seit 1991 als Bündnispartner. Neben den USA unterstützt auch der israelische Staat die kurdische ,,Autonomie“ im Nordirak: ,,Wenn man zum Iran in den Osten schaut, wenn man die Instabilität der Region betrachtet, ist ein stabiler und einheitlicher kurdischer Staat in der Mitte des Sumpfes [gemeint sind die arabischen Staaten, der Iran und die Türkei, Anmerkung des Autors] keine schlechte Idee.“ [19], sagte Golan, der stellvertretende Chef des israelischen Militärs. ,,Eine Reihe von hohen israelischen Beamten einschließlich des verstorbenen Präsidenten Shimon Peres und Verteidigungsminister Avigdor Lieberman haben in den vergangenen Jahren ihre Unterstützung für eine kurdische Unabhängigkeit ausgedrückt.”[19]. 

Teile der PKK streben ein ähnlich positives Verhältnis zu Israel an: Murat Karayilan ist der Befehlshaber der HPG, der militärischen Kräfte der PKK, und Mitglied des Exekutivkomitees der PKK. 2020 wurde er von der Jerusalem Post interviewt, im Interview heißt es u.a. ,,Als Kommandeur eines anhaltenden Aufstands spricht er selten mit Journalisten. Doch im Gespräch mit dem Magazin erklärt dieser erfahrene Kämpfer seine Präferenz für friedliche Aktivitäten, um kurdische Rechte zu erlangen[:] Beziehungen zwischen den USA und der PKK” [20]. Das gesamte Interview ist voll von proimperialistischen Aussagen und falschen Hoffnungen in die USA und in Israel. Bereits Jahre zuvor äußerte er sich in einem Interview mit der Haaretz positiv gegenüber dem israelischen Staat: ,,Sie [gemeint ist der Journalist, Anmerkung des Autors] wissen, dass es wirklich ein großes Geheimnis für mich ist. Weil ich mehr als jeder andere auf der Welt erwarten würde, dass Israel uns versteht und sich mit uns identifiziert. […] In den 1960ern und 1970ern hat Israel aufgehört den Kurden zu helfen. Wir bewundern euch. Aber seit den 1980ern von dem Moment an als ihr eure Beziehungen und militärische Zusammenarbeit zur Türkei verstärkt habt, habt ihr in Erwägung gezogen, zu denen zu gehören, die systematisch die Unterdrückung gegen uns und unsere Ausrottung unterstützen.“ [21]. Er bittet also den israelischen Staat darum, die PKK zu unterstützen. Trotz der Rolle des israelischen Staates hofft er, genau wie im Fall der USA, auf eine ertragreiche Zusammenarbeit. Das macht die PKK umso interessanter für Israel und die USA.

Viele Anhänger der zionistischen Besatzungsmacht unterstützen die PKK bereits seit 2014: Große Teile der sogenannten ,,Antideutschen”. Problematisch dabei ist es, dass in Deutschland teilweise Kommunisten bewusst in eine Querfront mit diesen eingehen, statt sich gründlicher mit der kurdischen Frage zu befassen und sich von ,,Antideutschen” abzugrenzen.

4. Wie die USA das Selbstbestimmungsrecht der Völker missbrauchen

Die USA sind der militärisch stärkste Staat und sie versuchen u.a. mittels Einmischung in verschiedenen Regionen ansässige Organisationen und Parteien für sich und ihre Politik zu gewinnen. Das tun sie angeblich auch im Sinne des Selbstbestimmungsrechts der Völker und missbrauchen dieses damit. Daher wäre es fatal, dieses Recht für universell gültig zu erklären, wie YS und die MLKP es tun.

Wenn ein Staat den USA oder der EU im Weg steht, versuchen sie, innerhalb dieses Staates Spaltungslinien zu finden, die es möglich machen, ihn von innen zu sprengen. Jugoslawien ist mit dem Kosovo ein junges Beispiel; weitere sind die baltischen, ukrainischen und kaukasischen Nationalisten in der Sowjetunion und teilweise im heutigen Russland, die Separatisten in Tibet und Xinjiang, KDP und PUK im Nordirak, die weiße Minderheit in Bolivien usw. usf. Das ist eine erklärte Strategie der US-Außenpolitik, so wie auch die alten Kolonialmächte innere Konflikte zur Spaltung der Bevölkerung bewusst genutzt haben. Dafür bieten sich religiöse oder ethnische Konflikte ganz besonders an. Neben der sunnitisch-schiitischen Spaltungslinie im Irak spielen eben vor allem die Kurdenfrage in Syrien und dem Irak eine Rolle, die von den USA dafür genutzt wurde und wird, diese Länder zu spalten. Das Ergebnis des Handelns der USA in Westasien sind jahrzehntelange Bürgerkriege, Millionen Tote und Vertriebene und auf Dauer vergiftete Beziehungen zwischen den Bevölkerungsgruppen vor Ort – selbst dann, wenn die USA mit ihren eigentlichen Zielen scheitern. Sich in so einer Situation dafür zu entscheiden, diese Strategie des US-Imperialismus ,,auszunutzen“, um sich selbst einen Spielraum zu verschaffen, wie es die PYD/YPG/SDF getan haben, ist fatal. Es ist nicht im Interesse des kurdischen Volkes und es ist ein Verrat am nationalen Befreiungskampf, den andere Völker, mit denen man eigentlich zusammenleben und zusammen kämpfen sollte, leisten. Auch die Araber kämpfen in der Region um eine Befreiung, einmal vom Zionismus, aber auch von den Besatzungen und Interventionskriegen der USA und ihrer Verbündeten. Eine Befreiung davon kann es nur gemeinsam geben.


5. PKK und USA: Ist die PKK proimperialistisch?

  1. Ideologisch

Im Zuge des Paradigmenwechsel der PKK wechselte sie nicht nur ihre Ideologie vom ML zum DK, viel wichtiger ist ihre veränderte Haltung zum US-Imperialismus, aber auch gegenüber der EU. Im Folgenden soll gezeigt werden, wieso sie nun als proimperialistisch eingestuft werden muss. 

Bereits Mitte der 90er behauptete der PKK-Vorsitzende Öcalan auf Parteitagen der PKK, dass der Sozialismus nicht funktionieren würde bzw. gegen die Interessen der Bevölkerung wäre und die USA Fortschritt repräsentieren würde: ,,Für uns ist es nicht möglich, Kommunisten zu sein. Warum ist die Sowjetunion zusammengebrochen und die USA nicht? Weil die Regierung im Kommunismus alles war und der Mensch nichts. Die USA repräsentieren Entwicklung.”[22]. 2011 schrieb er dann in seiner Broschüre ,,demokratische Nation”, dass er auch die EU als ein Vorbild sieht: ,,Nach mehr als dreihundert Jahren Erfahrung mit Nationalstaaten akzeptieren die EU-Länder mittlerweile, dass demokratische Autonomie das beste Lösungsmodell für die regionalen, nationalen und Minderheiten betreffenden Probleme der Nationalstaaten ist.” [8].

Die Genossin Klara Bina ist in ihrem Diskussionsbeitrag [23] bereits auf die Haltung zu den USA eingegangen und hat aus dem (bereits o.g.) Hauptwerk der PKK zitiert. Die PKK spricht sich darin explizit für den (ebenfalls bereits o.g.) Greater Middle East Plan (GMEP) aus. Da das ein sehr zentraler Punkt ist, um die proimperialistischen und antikommunistischen Standpunkte aufzuzeigen, gehe ich auf ein paar Stellen des Buches ein:

,,Mit diesem Modell [GMEP, Anmerkung des Autors] will man die chronisch gewordenen Probleme und Konflikte (Israel-Palästina, Kurden-Araber, Türkei, Iran) lösen, gleichzeitig das gesellschaftliche Gefüge aus dem Klammergriff des Despotismus befreien und so neue Explosionen verhindern. Es handelt sich um eine Art an die Region angepassten neuen Marshallplan, wie er seinerzeit für Europa umgesetzt wurde. Wenn die Region für das System sehr wichtig ist – und das ist der Fall – und gleichzeitig so etwas wie eine Phase des Chaos durchmacht, dann ist ein Projekt mit diesen Zielen notwendig und realistisch. Es kommt sogar reichlich spät. […] Die wichtigsten mittelfristigen Probleme sind die arabisch-israelischen und die kurdisch-arabischen, kurdisch-iranischen und kurdisch-türkischen Beziehungen, die alle eine lange Vorgeschichte haben. Die Bemühungen der UNO, der NATO, der Koalition und der EU werden dazu beitragen, dass sie früher gelöst werden können. […] Israel besitzt eine ziemlich stabile Demokratie. […] Der frühere faschistische Totalitarismus oder seine real-sozialistische Version können vielleicht bereits als überwunden gelten. […] Europa leistet gewissermaßen im Namen der ganzen Menschheit beim Thema Staat und Demokratie Selbstkritik. […] Eine Türkei, die sich an das europäische Recht hält, wird ein Garant für Frieden sein. All dies würde beweisen, dass die EU, die als eine Selbstkritik für die an Kriegen reiche Vergangenheit Europas entstand und die Frieden und Menschenrechte hochhält, eine unerschütterliche Burg des Rechts und der Demokratie ist.”

Im ganzen Buch bezieht sich die PKK positiv auf die USA, die EU und Israel. Gleichzeitig bezeichnen sie den Realsozialismus als eine Form des Faschismus, diese Aussage muss als offen antikommunistisch gewertet werden. Statt eine Alternative zum Imperialismus erkämpfen zu wollen, stellen sie klar, dass sie sich an den führenden westlichen Staaten orientieren. Daher ist die PKK auf ideologischer Ebene als proimperialistisch zu kategorisieren.

  1. Militärisch

Dass es beim Kampf gegen den IS zu einer militärischen Zusammenarbeit mit den USA kam und die USA im von der PKK/PYD kontrollierten Gebiet zahlreiche Militärbasen hat, ist kein Zufall, keine spontane Entscheidung und keine militärische Notwendigkeit. Dabei muss unbedingt der Wandel der PKK berücksichtigt werden, der zwangsläufig zu einer Zusammenarbeit mit den USA führen musste, nachdem sich die PKK 20 Jahre (von den Äußerungen auf PKK-Parteitagen bis zur militärischen Kooperation sind ca. 20 Jahre vergangen) lang positiv auf die USA bezog. Kommunisten in Deutschland reduzieren die Zusammenarbeit zwischen PKK und USA meist auf eine militärische Ebene und relativieren diese als ,,militärische Notwendigkeit”. Diesem Standpunkt soll mein Diskussionsbeitrag widersprechen und im folgenden sind Zitate von SDF-Sprechern, die selbst der These deutscher Kommunisten widersprechen, aufgeführt.

SDF-Sprecher Talal Silo sagte in einem Interview mit Reuters 2017 über die USA: ,,Sie haben eine Strategiepolitik für die kommenden Jahrzehnte. Es wird langfristig militärische, wirtschaftliche und politische Vereinbarungen zwischen der Führung der nördlichen Gebiete (Syriens) … und der US-Regierung geben“. Laut Reuters schlug er vor, dass Nordostsyrien eine neue Basis für die US-Streitkräfte in der Region werden könnte [24]. Die Website South Front, welche Silo bereits 2016 interviewte, schreibt: ,,In einem exklusiven Interview mit Lifenews sagte Silo, dass die Allianz mit den USA eine strategische Relevanz für die SDF hat und betont, dass die USA und die US-geführte internationale Koalition Entscheidungen auf strategischer und taktischer Ebene treffen, welchen die SDF zu folgen hat. Zum Beispiel: Eine Kooperation mit der SAA [Syrisch-Arabische Armee, Anmerkung des Autors] oder mit den Russen soll vermieden werden und auch, dass der IS nicht angegriffen wird, wenn es kein ,,Signal” von den USA gibt. ,,Wir werden uns nicht mit der syrischen Armee gegen den IS vereinigen, weil unsere Kräfte nur mit den Kräften der US-geführten internationalen Koalition operieren. Wir sind Partner der USA und der Koalition. Sie treffen die Entscheidungen. Es kann keine Koordination zwischen den Russen und uns geben. Weil wir primär eine strategische Beziehung mit der US-geführten internationalen Koalition haben.”” [25].

Und der SDF-Sprecher ist da kein Einzelfall: Es ist für die PKK bzw. für die ihr nahestehenden Organisationen keine Frage der militärischen Notwendigkeit, sondern eine politisch-ideologische Frage, wenn es darum geht mit den USA zusammenzuarbeiten. Dazu kann man sich beispielsweise Aussagen von Sipan Hemo, dem Oberbefehlshaber der YPG, gegenüber Rudaw anschauen: ,,Wenn Amerika und der Westen wirklich Demokratie wollen, sollten sie eine nahe und feste Beziehung mit den Kurden aufbauen. Die kurdische Frage zu lösen bringt die globalen Mächte in eine bessere und stärkere Position, sowohl in Rojava als auch im gesamten Mittleren Osten.” [26]. Aldar Khalil, Mitglied des Exekutivkomitees der Koordination der Bewegung für eine demokratische Gesellschaft (TEV-DEM), spricht ganz offen mit einem reaktionären Organ des außenpolitischen Establishments der USA und macht ebenfalls deutlich, dass auch er proimperialistisch ausgerichtet ist. Er spricht für alle Kurden aus Syrien und bittet die USA quasi darum, mit ihm zusammenzuarbeiten: ,,Die Kurden in Syrien sind pro-demokratisch und pro-amerikanisch. Sie suchen eine dynamische und langfristige Beziehung zu den USA – und im Besonderen die neue Verwaltung [gemeint ist der bevorstehende Amtsantritt von Trump, Anmerkung des Autors] – welche ein unverzichtbarer Verbündeter im Kampf gegen den IS ist. Die Kurden in Syrien sind der beste Freund und Partner für politische und ökonomische Stabilität in der Region. […] Der radikale Islam ist eine Bedrohung für die ganze Welt. Unsere Männer und Frauen, die an der Front kämpfen sind bereit und gewillt sich mit Amerika gegen den gemeinsamen Feind zu vereinen. Und wir freuen uns auf die Stärke und Tiefe unserer Beziehungen zu den USA – die beste Hoffnung für eine blühende Demokratie in Rojava. Wir freuen uns darauf unsere Freundschaft mit der kommenden Verwaltung aufzubauen und zu festigen – für das Wohl von Amerika sowie die liberalen und demokratischen Werte wofür es steht.” [27].

An dieser Stelle nochmals ein Zitat aus dem MLKP-Interview: ,,Für beide Seiten war dies ein militärisch-taktisches Bündnis. Zu keinem Zeitpunkt nahm diese Allianz einen politischen Charakter an. So wurde die Autonome Administration, die ein Drittel von Syrien kontrolliert, nicht einmal zum Genfer Gipfel eingeladen.“ [7]. Der vermeintliche Beleg für die These, dass es rein taktisch und nicht politisch sei ist, dass die PYD kein Mitspracherecht hat. Das belegt aber nicht ihre These, sondern zeigt, dass ihre These genauso schwach ist, wie die Verhandlungsmacht, die die PYD hat.

  1. Ökonomisch

2020 ging das Verhältnis dann konsequenterweise so weit, dass ein Ölvertrag mit einer 25 jährigen Laufzeit abgeschlossen wurde [28]. Nun wird haufenweise Öl aus Rojava/Nordostsyrien in die USA exportiert. Allerspätestens seit diesem Vertrag kann nicht mehr von einer kurzfristigen oder rein militärischen Zusammenarbeit die Rede sein. Die USA wollten Öl und bekommen es, das haben wir dem Paradigmenwechsel der PKK und dem Handeln der PYD zu verdanken. Das ist nicht revolutionär, sondern eine Anbiederung an den Imperialismus.

Als ich 2017 in der Jungen Welt ein Interview [29] gelesen habe, habe ich dem Inhalt erstmal geglaubt: Talal Cudi, der Wirtschaftskoordinator in Nordostsyrien/Rojava, sagte darin, dass das dortige Öl nicht exportiert, sondern solange wie möglich noch vollständig in der Erde bleibt. Das hat sich als unwahr erwiesen. Daher ist zumindest für mich fraglich, inwiefern man überhaupt von einer ,,Selbstverwaltung“ sprechen kann. Wer hat die Entscheidung getroffen, diesen Ölvertrag abzuschließen und in wessen Interesse? Ist das eine Basisdemokratie im Sinne aller dort lebenden Völker, Religionen, Geschlechter usw. usf. – wie es in der deutschen Linken meist dargestellt wird – oder hat die PYD-Führung gemäß ihrem proimperialistischen Charakter entschieden, diesen Ölvertrag abzuschließen? Bereits 2014 sagte Cemil Bayik, KCK-Ko-Vorsitzender, gegenüber der ANF, dass die Ressourcen der gesamten Gesellschaft gehören und daher die gesamte Gesellschaft darüber entscheiden müsse [10]. Das klingt zwar sehr basisdemokratisch, aber nicht ehrlich.

Zusammenfassend bedeutet das, dass die PKK/PYD auf mehreren Ebenen ein enges und langjähriges Verhältnis zu den USA pflegt und pflegen will. Das Öl, welches den USA so wichtig ist, erhalten sie von der PYD. Diese Tatsache bildet die Spitze der Zusammenarbeit und des Beleges für den proimperialistischen Charakter der PKK/PYD. Dieses Verhältnis ist nachteilig für das kurdische Volk, da sie sich so den USA unterordnen und es nutzt den strategischen Interessen der USA. Damit entfernen sie sich vom Sozialismus, statt diesem näher zu kommen. 

6. Alternativer Bündnispartner für die PKK

Es wird oft in Diskussionen behauptet, dass als die PKK/PYD/YPG 2014 bei der Schlacht um Kobane in einer Notsituation war, daher schnell einen militärischen Bündnispartner brauchte und nur die USA zur Wahl gestanden hätten.

Um dieser Argumentation folgen zu können, muss erstmal angenommen werden, es hätte in den 90ern den Wandel der PKK nicht gegeben, keine Annäherung an die USA und dieses theoretische Hauptwerk der PKK würde es nicht geben. Denn all dies ging der militärischen Kooperation voraus.

Was wäre nun also die alternative Bündniskonstellation? Vorab einige Anmerkungen zum Verhältnis der syrischen Regierung zu den Kurden und der PKK: Die Kurden in Syrien werden seit Jahrzehnten unterdrückt, ihnen werden kulturelle und bürgerliche Rechte vorenthalten. Das Verwenden der Sprache, Feiern von nationalen Feiertagen usw. war ihnen unter Hafiz Al-Assad und Bashar Al-Assad untersagt, gleichzeitig wurden Kurden die Staatsangehörigkeit sowie die dazugehörigen Rechte vorenthalten oder entzogen. Dennoch hat die PKK mit Hafiz Al-Assad zusammengearbeitet. Assad beabsichtigte die Türkei dadurch zu schwächen und die PKK erhielt so einen Rückzugsort und einen Weg in den Libanon. 1979 begab sich Öcalan nämlich in den Libanon und PKKler wurden dort jahrelang von Palästinensern militärisch ausgebildet, ihr Weg führte von der Türkei durch Syrien in den Libanon. Sowohl Assad als auch die PKK hatten ihre Vorteile von diesem Verhältnis, doch die Lage der Kurden in Syrien hat sich dadurch nicht wesentlich verbessert. 1999 setzte die Türkei Syrien unter Druck, weil sie Öcalan festnehmen wollten und dann hat Öcalan auf Befehl Assads Syrien verlassen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es einen Pakt zwischen der PKK und Assad gab.

Nachdem die PKK also 20 Jahre lang ein relativ gutes Verhältnis zu Hafiz Al-Assad hatte, hätte sie (bzw. die PYD) 2014 mit Bashar Al-Assad verhandeln können, um mit ihm den Kampf gegen den IS zu koordinieren. Die beschriebene Vorgeschichte führt nicht zwangsläufig dazu, dass es 2014 zu einer produktiven Zusammenarbeit gekommen wäre. Doch es soll verdeutlichen, dass eine Kooperation mit dem syrischen Präsidenten kein absolutes No-Go aus Sicht der PKK darstellen müsste. Die hypothetischen Verhandlungen zwischen PKK/PYD und Assad 2014 hätten die Verbesserung der Lage der Kurden und die Aufhebung von Diskriminierungen zum Ziel haben müssen, auf der Grundlage, dass man sich zur territorialen Einheit Syriens bekennt. Ein temporärer Kampf mit der syrischen Regierung gegen den IS bei der Forderung, dass die syrische Regierung den Kurden in Syrien ihre Rechte zugesteht, wäre viel eher im Interesse der Kurden als eine Unterordnung unter die USA. Dann würden sie den USA nicht in so einem Machtgefälle gegenüberstehen und man würde damit nicht den USA bei ihren strategischen Plänen in der Region weiterhelfen, sondern diese durchkreuzen. Aber die PKK/PYD hatte sich schon lange vor 2014 zu einer Organisation entwickelt, die sich positiv auf den westlichen Imperialismus bezieht. Daraus ergaben sich dann zwangsläufig Spannungen zwischen ihr und der syrischen Regierung und vor allem die Absicht der PKK/PYD kein Bündnis mit Assad, sondern mit den USA eingehen zu wollen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es einen anderen Bündnispartner für die PYD/PKK gegeben hätte, den sie auf jeden Fall hätten wählen müssen, wenn sie nicht proimperialistisch wären. Daher kann man bei der Zusammenarbeit der PYD mit den USA nicht von einer militärischen Alternativlosigkeit sprechen. 

Bei der hier vorgeschlagenen Bündnismöglichkeit muss betont werden, dass die syrische Regierung nicht ,,objektiv antiimperialistisch“ ist. Wenn die PKK eine revolutionäre Organisation wäre, müsste das Bündnis im Kampf gegen den IS einen taktischen Charakter haben. Es müsste darum gehen, die territoriale Einheit und Souveränität Syriens zu wahren, die Diskriminierung der Kurden zu bekämpfen und imperialistische Interessen zurückzudrängen. Taktisch bedeutet u.a., dass sie damit nicht von ihren strategischen Zielen Abstand nimmt, sondern diesen nutzt. Eine Verdrängung der USA aus Westasien und Bekämpfung des IS durch einen gemeinsamen Kampf der Kurden und Araber würde eher die Voraussetzungen für eine sozialistische Revolution schaffen als das, was die PKK aktuell macht. Leider ist eine sozialistische Revolution gar nicht das strategische Ziel der PKK.

7. Die TKP zum Imperialismus und Westasien

Bei der Beurteilung Syriens muss auch berücksichtigt werden, dass sie mit der russischen Regierung zusammenarbeiten und diese keine Friedensmacht ist. Auch der chinesische Staat, der mit der russischen Regierung kooperiert, spielt eine zunehmend wichtige Rolle in Westasien. Da ich die syrische Regierung als einen taktischen (!) Bündnispartner für die PKK in Erwägung ziehen würde (im beschriebenen hypothetischen Fall, dass die PKK nicht proimperialistisch wäre), könnten Vorwürfe kommen, dass ich mich damit positiv auf Assad oder Putin beziehen würde. Solche Vorwürfe wären aber zu kurz gedacht und vermutlich von einem Unverständnis einer taktischen Zusammenarbeit und des Imperialismus geprägt. Kommunisten dürfen nicht den Fehler machen, sich für einen der imperialistischen Blöcke zu entscheiden.

Im Folgenden beziehe ich mich auf die TKP, da sie sowohl für den Klassenkampf in der Türkei relevanter sind als die MLKP, als auch inhaltlich besser. Auf ihrer Website schreibt die TKP bzgl. der Haltung zum Imperialismus sehr eindeutig: ,,Weder Russland, noch China können im Vergleich zu den Vereinigten Staaten die bessere Alternative sein. Die Alternative zu Kapitalismus kann nicht Kapitalismus sein. Die Alternative zu einem imperialistischen Machtzentrum kann kein anderes, neues Machtzentrum sein. Die Lösung dieser Situation liegt in der Diktatur des Proletariats.“ [30].

Denn nicht nur die USA kämpfen in Westasien um ökonomische Interessen. Auch China und Russland tun das, wie es die TKP 2017 in ihren 61 Thesen zum Imperialismus beschrieb: ,,Bei seiner Intervention im Syrien-Krieg bediente sich Russland der Legitimation, auf eine imperialistische Intervention und die Massaker konterrevolutionärer und islamistischer Banden „zu antworten“. Diese Motive Russlands haben jedoch keine andere Bedeutung als die Wahrung der wirtschaftlichen und politischen Vorteile Moskaus bei seiner Intervention in Syrien. Die ideologischen und klassenbedingten Merkmale von Putins Herrschaft sind in keiner Weise mit dem Schutz des Wohlergehens der Völker Syriens oder einem ethischen Verhalten in der internationalen Politik kompatibel. Daher kann man sagen, dass Russland eine rationale Entscheidung getroffen hat, um seine eigenen Interessen zu schützen und eine neue Position in dem sich verschärfenden Konflikt mit dem von den USA angeführten imperialistischen Block zu erlangen. […]

Russland zeigt bei seiner Intervention in Syrien eindeutig imperialistische Motive. Putins Herrschaft folgt einer fein abgestimmten Politik, um Syrien sowohl auf militärischem als auch auf diplomatischem Gebiet an Russland zu binden, und setzt Assad in einigen Fragen unter Druck. Besonders auffällig ist, dass einige Verfassungsänderungen bezüglich der Liberalisierung der Wirtschaft des Landes zu diesen Zumutungen gehören. Schließlich nutzt Russland Syrien als Mittel, um eine gewisse Übereinkunft mit den USA zu erzielen. In dieser Hinsicht sollte die Syrien-Politik Russlands nicht nur als Hegemoniekampf zwischen Russland und den USA betrachtet werden, sondern auch als Zeichen dafür, dass Russland sich keiner wirtschaftlichen und politischen Belagerung durch die USA und andere imperialistische Länder, die sich gegen Russland richten, unterwerfen wird. […] 

Mit einer hohen Wachstumsrate seit 30 Jahren hat die Volksrepublik China im Jahr 2015 die USA beim Bruttosozialprodukt und dem Anteil an der Weltproduktion überholt. Die chinesische Wirtschaft verbraucht 20 Prozent des gesamten Erdöls und 40 Prozent der Minen der Welt. Unter diesen Umständen ist China gefordert, seinen Anteil am Weltmarkt zu sichern und den Rohstofffluss zu kontrollieren und damit seine Position in der imperialistischen Konkurrenz zu stärken.“ [31].

Das, was die TKP bereits vor Jahren beschrieb, sehen wir heute ganz deutlich: Am 22.7.2021 berichtete Rudaw, dass China fast die Hälfte des irakischen Öls importiert [32]. Aus diesem Grunde sind sie in Westasien aktiv.

Da sich die PKK in den 1990ern für eine pro USA Ausrichtung entschieden hat und sie dies immer mehr verfestigt, muss bei der Analyse der PKK der Fokus auf die USA gelegt werden. Wir müssen uns fragen, was es bedeuten würde, wenn es einen kurdischen NATO-Staat bzw. Partner der NATO geben würde. Was heißt das für diesen Staat, was heißt es für die Region und für die NATO? Schauen wir uns dafür an, was die TKP über die Türkei sagt:

,,Die Türkei, welche sich den Plänen des imperialistischen Westens unterworfen hat und Teil dieser wurde, ist mit allen Völkern und Nationen ihrer Umgebung zerstritten, gar verfeindet. Der Imperialismus hat die türkische Industrie und das Agrarwesen lahmgelegt. Die Waffen- und Verteidigungsindustrie unterliegt ausländischen Machtmonopolen. […] 

Die Vereinigten Staaten, welche sich als Höhepunkt der Demokratie empfinden, sind die Hauptverantwortlichen für das meiste Unheil und die Kriege auf dieser Welt. Die Türkei wird Demokratie und Freiheit niemals durch die Vereinigten Staaten erlangen. Unsere von Militär-Putschen geprägte nahe Vergangenheit, ist der Beweis dafür. Die erste Voraussetzung für Freiheit und Unabhängigkeit, ist das Beziehen einer Position gegen die USA und den Westen. […] 

Als NATO-Mitglied hat die Türkei ihr Militär dem Befehl der NATO unterstellt. Hohe türkische Offiziere wurden damit dem Befehl niedrigerer amerikanischer Offiziere unterstellt. Das türkische Militär wurde damit beinahe gänzlich an die Vereinigten Staaten und die NATO gebunden und von diesen abhängig gemacht.

Im Vorfeld des NATO-Beitritts wurden mit den Vereinigten Staaten viele Verträge auf militärischer, wirtschaftlicher und politischer Basis unterzeichnet. Im Ergebnis entstanden in der Türkei militärische Stützpunkte, die direkt an die NATO, bzw. an das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon gebunden sind.

Die Türkei ist heute in der Position eines Söldners. Die militärischen Stützpunkte und Lager bestehen in der Türkei fort. In ihnen befinden sich auch nukleare Waffen, unter der Kontrolle von amerikanischen Offizieren und Soldaten. Diese Stützpunkte nutzten die Vereinigten Staaten für Operationen gegen die Nachbarländer der Türkei. Die Sicherheit unseres Landes wird somit bedroht, die Souveränität der Türkei maßgeblich beeinträchtigt.“ [30].

Am Beispiel des US-Einfluss auf den türkischen Staat müsste deutlich werden: Es kann nicht im Interesse des kurdischen Volkes sein, einen kurdischen NATO-nahen Staat zu erkämpfen. Es ist zwar unrealistisch, einen kurdischen Staat in der NATO zu haben, während die Türkei Teil der NATO ist. Dennoch ist es realistisch ein autonomes kurdisches Gebiet oder einen kurdischen Staat zu haben, der der NATO nahesteht, was man am Beispiel des Nordiraks schon lange und seit einigen Jahren in Nordostsyrien beobachten kann. Doch statt eine Annäherung an die NATO zu bewürworten bzw. zu tolerieren, müssen Kommunisten den Einfluss der NATO unbedingt bekämpfen!

Die MLKP erkennt im bereits erwähnten Interview selber die Gefahr: ,,In Bezug auf die Beziehung zur Autonomen Administration von Rojava kann man sagen, dass die USA die Revolution inhaltlich entleeren und Rojava weiterhin in ein Başûr verwandeln wollen.“ [7]. Mit Bashur/Südkurdistan ist die US-hörige autonome kurdische Region im Nordirak gemeint. Bei Rojava/Westkurdistan/Nordostsyrien besteht aber nicht nur die Gefahr, dass es sich in ein Bashur verwandelt, es ist bereits soweit. Ursächlich dafür ist wie beschrieben der ideologische Wandel innerhalb der PKK hin zu einer proimperialistischen Bewegung. 

8. Palästina-Kurdistan-Vergleich

Da viele Kommunisten in Deutschland die Bewegung um die PKK mit dem palästinensischen Befreiungskampf vergleichen oder sogar gleichsetzen, befasse ich mich nun konkret damit. Oben habe ich bereits auf die Klassiker zum Selbstbestimmungsrecht verwiesen. Das Selbstbestimmungsrecht gilt nicht absolut, sondern ist von den konkreten Bedingungen abhängig.

Palästina: Es gibt eine palästinensische ,,Autonomie“behörde, an deren Spitze die von der Fatah dominierte PLO steht. Diese nimmt eine kollaborierende Rolle im Sinne des Aufrechterhaltens und Verwaltens der Besatzung ein. Zugleich gibt es palästinensische Kräfte, die den nationalen Befreiungskampf trotz der Existenz der ,,Autonomie”behörde fortsetzen und damit im direkten Widerspruch zu Israel und den USA stehen.

Kurdistan: Die USA wollen einen/mehrere US-hörige kurdische Staaten/,,Autonomie“regionen und die kurdischen Organisationen gehen seit Jahrzehnten darauf ein.

Also gibt es mehrere Gründe, wieso man für einen palästinensischen Staat, aber nicht für einen kurdischen Staat sein sollte bzw. wieso man die beiden nationalen Kämpfe nicht gleichsetzen sollte: Die Haltung der führenden Kräfte der beiden Völker zum Imperialismus ist komplett unterschiedlich. Während PKK, PUK, KDP mit einer US-hörigen ,,Autonomie“ zufrieden sind, US-Militärbasen willkommen heißen, den USA Öl verkaufen usw., kämpfen palästinensische Organisationen gegen den israelischen Staat, geben sich nicht mit der ,,Autonomie” zufrieden und haben grundlegende Widersprüche mit den USA.

Es ist nicht im Sinne der Völker Westasiens, dass jedes Volk unbedingt einen eigenen Staat hat. Die Falschauslegung bzw. Falschanwendung des Selbstbestimmungsrecht der Völker führt zum beliebten Palästina-Kurdistan-Vergleich in der linken Szene. Ursächlich hierfür sind sowohl verkürzte Analysen als auch ein bequemes Zustimmen der Mehrheitsmeinung der linken Szene.

An dieser Stelle möchte ich noch einen weiteren Punkt deutlich machen. Bevor einige Leser meinen, ich würde mich positiv auf eine vermeintlich antisemitische, reaktionäre und islamistische oder sogar faschistische palästinensische Führung beziehen: Das könnte man meinen, wenn man die bürgerliche Hetze gegen die Palästinenser verfolgt und ihr vertraut. Da es einige Kommunisten in Deutschland gibt, die den Eindruck erwecken, als würden sie das tun, gehe ich kurz darauf ein. Das ist nämlich ebenfalls relevant für den Palästina-Kurdistan-Vergleich.

Der Rote Aufbau (RA) schreibt: ,,Islamisten werden niemals zuverlässige Bündnispartner seien können, weil ihr Weltbild reaktionär ist und wenn sie die Möglichkeit bekommen, werden sie uns abschlachten. Deshalb können wir uns als Kommunist:innen auch nicht positiv auf sie beziehen. Vor allem haben sie ein Interesse daran den Konflikt auf eine religiöse Ebene zu hieven, begründet auch durch ihren religiösen Antisemitismus. Sie können sich dann als größte Verteidiger ihres Glaubens vermarkten. Aus dieser Perspektive greift die Hamas auch wahllos die gesamte israelische Bevölkerung mit ihren Raketen an.” [33].

Der KA: ,,Den Zionismus abzulehnen, darf uns nicht dazu führen, anderen imperialistischen Fraktionen und den von ihnen geführten reaktionären Kräften wie der Hamas oder der Fatah auf den Leim zu gehen. Deshalb müssen wir auf das Schärfste auch gegen islamisch-fundamentalistische, antisemitische und faschistische Positionen kämpfen, die gegenüber der nationalen Frage in Palästina und Israel auch in Deutschland kursieren, wie z.B. die Forderung nach einer Vernichtung des israelischen Volkes oder der Vertreibung der Jüd:innen aus Westasien.“ [34]. ,,Bei Anhängern des islamischen Fundamentalismus handelt es sich nicht um antiimperialistische Widerstandskämpfer, sondern um Befürworter einer faschistischen Ideologie, welche den reaktionären lokalen Herrscherklassen in Westasien dient, die Klasse spaltet und die RevolutionärInnen offensiv bekämpft. Sie können für Revolutionäre – außer in taktischen Ausnahmesituationen – keine BündnispartnerInnen sein.“ [35].

Die MLPD: ,,Die MLPD lehnt zugleich islamisch verbrämte faschistische Organisationen wie den „Islamischen Dschihad“ oder reaktionär-fundamentalistische Kräfte wie die Hamas grundsätzlich ab, die Raketen auf israelische Zivilisten abschießt.“ [36]. 

Die Zitate vom RA, dem KA und der MLPD stehen m.E. beispielhaft dafür, dass sich undifferenziert und verkürzt mit der Situation in Palästina auseinandergesetzt wird. Der Islamische Jihad und die Hamas sind im Rahmen des legitimen Volkswiderstands langjährige Bündnispartner der Kommunisten: Im Mai schossen sie mit der DFLP und PFLP gemeinsam die Raketen auf Israel [37] / [38]. Die PFLP wertet diese Aktionseinheit als eine konkrete Errungenschaft aus [39]. Ich empfehle den Podcast der KO zu Palästina [40].

Wer die islamischen Kräfte als antisemitisch, islamistisch, reaktionär und faschistisch kategorisiert, müsste die Begriffe definieren und erklären, wieso dies zutreffen sollte. Auch der sogenannte ,,religiöse Antisemitismus“ bedarf einer Erklärung, ansonsten steht im Raum, dass der Islam von Grund auf antisemitisch sei. Die Gründungscharta der Hamas hat seit Jahrzehnten keine Bedeutung und der Antisemitismus darin hat nichts mit dem Islam zu tun [41]. Die Hamas hat ein neues Grundlagendokument, indem sie dem alten widerspricht sowie sich von Antisemitismus abgrenzt. 

Ich appelliere daran, Inhalte zu hinterfragen, zu lesen, was die verschiedenen Kräfte vor Ort schreiben und machen. Wer das nicht tut und sich ausschließlich mittels bürgerlicher Medien informiert, der riskiert, bürgerliche Propaganda zu reproduzieren: Den palästinensischen Widerstand auf die Hamas zu reduzieren und sie islamistisch, reaktionär, faschistisch und antisemitisch zu nennen. Das bedeutet die Situation vor Ort falsch darzustellen sowie den Kampf zu delegitimieren. Die bürgerliche Hetze von Politikern und Medien im Mai gegen die Palästinasolidarität führte zu rassistischer Stimmungsmache gegen Muslime und Araber, zu einer Diskursverschiebung (Diskurs primär über Antisemitismus, Abschiebungen usw. statt über ethnische Säuberungen und Apartheid) und ideologischer Legitimierung von Repression (Androhung des PFLP-Verbots und des Verbots der Hamasfahne). Kommunisten müssen dies erkennen und abwenden, statt es zu verstärken!

Wer die Einheit des palästinensischen Volkswiderstandes (die Fatah zähle ich aufgrund von ihrer Kollaboration mit dem Besatzungsregime nicht mit) ablehnt und dem Vorgehen der Kommunisten vor Ort widerspricht, muss dies auch begründen können. Die PFLP ist antiimperialistisch, will den Sozialismus erkämpfen und hat m.E. eine deutlich bessere Bündnispolitik als die PKK. Daher würde ich die PFLP im Gegensatz zur PKK als revolutionär bezeichnen. Um den Unterschied der beiden nationalen Kämpfe zu verdeutlichen, verweise ich gerne erneut auf die obigen allgemeinen Ausführungen zum Selbstbestimmungsrecht der Völker.

9. Fazit

Die eingangs erwähnten YS, KA, PK und MLPD beziehen sich stark auf die MLKP. Mir sind von dieser Seite keine weiteren relevanten Argumente bekannt als die, die Klara Bina [23] oder ich thematisiert haben. Mein Text richtet sich an alle Pro-PKK-Strukturen, auch an solche, die ich jetzt nicht benannt habe.

Im Rahmen nationaler Befreiungsbewegungen gebührt auch nicht-kommunistischen Kräften die Solidarität, sofern sie sich gegen den Imperialismus positionieren. Da die PKK und ihr nahestehende Strukturen wie die PYD jedoch als proimperialistisch kategorisiert werden müssen, kann ihnen nicht unsere Solidarität gelten. Wir müssen ihren Charakter offen kritisieren und die Organisationen an sich ablehnen. Der Kampf der kurdischen Bevölkerung gegen Diskriminierung und Unterdrückung muss überall dort unterstützt werden, wo es der proletarische Internationalismus erfordert. Dafür braucht es sehr genaue Kenntnisse der Lage der kurdischen Bevölkerung in den unterschiedlichen Teilen Westasiens. 

Falls es für einige Leser widersprüchlich klingen sollte, dass KDP und PUK in Südkurdistan/Nordirak und PYD in Westkurdistan/Nordostsyrien mit der USA zusammenarbeiten, obwohl beide Regionen immer wieder vom NATO-Mitglied Türkei angegriffen werden, so ist das kein Beweis dafür, dass KDP, PUK oder PYD antiimperialistisch wären, sondern bloß dafür, dass der Imperialismus voller Widersprüche ist. Auch wenn die Türkei und die USA in der NATO gemeinsam organisiert sind, haben beide Staaten auch nationale Interessen, die sich widersprechen. Die NATO ist nämlich kein einheitlicher Block. Gerade in Bezug auf Nordostsyrien/Rojava und Nordirak/Bashur ist es offensichtlich, dass sowohl die Türkei als auch die USA gerne Zugang zu den Rohstoffen hätten, aber die kurdischen Organisationen unterschiedlich bewerten.

Weitergehende Infos z.B. zu weiteren PKK-Parteitagen oder zum Greater Middle East Plan kann jeder Leser selbst recherchieren. Das ist wie erwähnt der seit langem öffentliche US-Plan, welcher von der PKK in ihrem Hauptwerk unterstützt wird. Die PKK-Solidarität scheint in der deutschen Linken seit 2014 ein breiter, unhinterfragter Konsens zu sein, was daran liegt, dass es wenig kritische Texte zum Thema gibt und viele Leute denken, dass das ja schon gut sein müsse. Hinzu kommen Aussagen wie bspw. die obige vom Wirtschaftskoordinator sowie ein breites Verschweigen oder Relativieren des Verhältnisses zu den USA. Dieses Verhältnis zu den USA wird nicht nur von Kommunisten in Deutschland, sondern auch von Funktionären der PKK heruntergespielt, ein Beispiel hierfür ist Riza Altun. Er schreibt, dass die PYD/PKK die USA ,,ausnutzen“ würden und behauptet sogar, dass dies mit dem Nichtangriffspakt zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion vergleichbar sei [42]. 

Wer jetzt meint, dass wir hier in Mitteleuropa in einer guten Lage sind und nicht über die Situation dort urteilen, sondern den Kommunisten vor Ort glauben sollten: Klar sollten wir deren Standpunkte berücksichtigen, das stimmt. Dennoch müssen wir als Kommunisten alles kritisch hinterfragen. Und dass die MLKP falsch liegt, z.B. bei ihrer Auslegung des Selbstbestimmungsrecht der Völker, habe ich zu beweisen versucht. Und wenn man den Kommunisten vor Ort glauben will, wieso dann gerade der MLKP? Man sollte schon berücksichtigen, dass es da mehr, vor allem auch wesentlich relevantere und deutlich größere kommunistische Parteien (KPen) gibt.

YS wirft in ihrer Polemik [6] der DKP, KO und TKP Sozialchauvinismus vor. Der TKP werfen sie zusätzlich noch vor, dass sie nicht kommunistisch sei. Das einzige Argument von YS ist dann vermutlich ihre eigene Falschauslegung des Selbstbestimmungsrecht der Völker. Argumente, die darüber hinaus gehen und mit Quellen belegt sind, würden mich sehr interessieren. Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand hat die TKP ein besseres Imperialismusverständnis und ein besseres Herangehen an den Klassenkampf als die MLKP. Während sich die MLKP einer bürgerlichen, proimperialistischen Bewegung unterordnet, visiert die TKP die Organisierung der türkischen und kurdischen Arbeiter an. Statt ,,ohne wenn und aber” einen kurdischen Staat erkämpfen zu wollen, der höchstwahrscheinlich NATO Mitglied/Partner wird, strebt die TKP an, in der Türkei eine sozialistische Revolution durchzuführen [43]. Ein gemeinsamer Kampf der türkischen und kurdischen Arbeiter für den Sozialismus ist sicherlich nicht leicht, u. a. auch, weil es im türkischen Volk viel antikurdischen Rassismus gibt. Der Kampf für den Sozialismus ist aber nie leicht und die Einheit der Ausgebeuteten muss angestrebt werden, statt sich dem US-Imperialismus unterzuordnen.

Wer jetzt noch meinen sollte, dass es bei der Kritik an der PKK nur um ein paar irrelevante Öcalan-Zitate gehen würde, die er im Gefängnis sagte, sollte folgendes bedenken: Was ist mit dem, was er vor dem Gefängnis sagte? Wieso ist sein Werk das theoretische Hauptwerk der PKK? Wieso wird genau das in die Praxis umgesetzt, siehe Militärbasen, Ölvertrag usw. usf.? 

Die deutsche Linke muss hinterfragen statt analysefaul zu sein. Nicht jeder Linke muss einen 20 Seiten Text mit 40 Fußnoten zu allen Themen verfassen. Jedoch müssen bundesweit organisierte Gruppen mit ML-Anspruch an einer revolutionären Theorie arbeiten und auf Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus analysieren, da sie sonst ihrem Anspruch nicht nachkommen würden. Ich selbst war jahrelang bei Demos für die Solidarität mit der ,,Selbstverwaltung” in Rojava/Nordostsyrien. Jedoch hatte ich mir die Haltung dessen zur USA nicht genau genug angeschaut bzw. auf Aussagen wie von Talal Cudi vertraut. Mittlerweile habe ich ein besseres Bild der Lage und kann eine bessere Einschätzung treffen. Der Mehrheitsmeinung der linken Szene zu glauben und dabei selbst analysefaul zu sein, verschärft die Krise in der sich die Kommunisten befinden und betrifft viele weitere Themenfelder. Anhand der Haltung deutscher Kommunisten zur Palästinafrage hab ich oben bereits die konkreten Konsequenzen der Analysefaulheit deutlich gemacht.

Meine Absicht mit diesem Text ist es, andere Orgas scharf, aber solidarisch zu kritisieren, um eine kritische Reflektion und Diskussion anzuregen. Falls Ihr eure Standpunkte weiterhin für richtig haltet, begründet sie mir bitte besser, sowohl allgemein zum Selbstbestimmungsrecht, zum Kolonialismus, zum Revolutionsbegriff, zum Imperialismus, zur kurdischen Frage als auch zur palästinensischen Frage. Die von mir benannte Analysefaulheit ist der Versuch einer Einordnung, wie es zu den aus meiner Sicht falschen Standpunkten kommt. Damit meine ich, dass ich vermute, dass Ihr diese Standpunkte nur vertretet, weil eine ausgiebige ML-Analyse dazu fehlt. Denn entweder unterstützt Ihr bewusst eine proimperialistische Bewegung oder Ihr macht es unbewusst (analysefaul) oder die Bewegung ist nicht proimperialistisch. Weitere Punkte, die m.E. ebenfalls zur PKK-Solidarität führen bzw. diese verstärken sind: 1. Die Vielzahl türkischer KPen und die damit verbundene Schwierigkeit einen Überblick über diese und ihre Positionen zu gewinnen. 2. Die Tatsache, dass die PKK/PYD einen bewaffneten Kampf führt und es hier in Deutschland nichts vergleichbares gibt. 3. Die Nicht-Existenz einer KP in Deutschland und die Krise der Kommunistischen Bewegung. 4. Mangelnde Reflektion der eigenen Standpunkte.

Auch die KO hat nicht zu allen Themen fertige Analysen. Aber wir streben an, planmäßige Analysen zu den zentralen Fragen durchzuführen. Dies sollten alle Kommunisten tun, da es eine Voraussetzung zur Überwindung der Krise der Kommunisten und zum Aufbau einer Partei ist. Die Haltung zur kurdischen Frage beinhaltet u.a. auch eine Positionierung zum Imperialismus, was zu den zentralen Fragen der kommunistischen Bewegung gehört.

Egal, ob man selber Kurde ist oder nicht, als MLer sollte man zu der Schlussfolgerung kommen, dass die PKK und die ,,Selbstverwaltung“ in Rojava/Nordostsyrien nicht unterstützenswert, sondern im Interesse der USA handeln und auch, dass es sich dabei nicht um eine kurzfristige, nicht um eine taktische und nicht um eine rein militärische Frage handelt. Gerade als Kurde finde ich, dass man da genauer hinschauen muss, was die verschiedenen Akteure vor Ort so machen.

[1] Kaypakkaya-DieKurdenfrageInDerTuerkei.pdf (bannedthought.net)

[2] Karl Marx – Entwurf eines Vortrages zur irischen Frage, gehalten im Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London am 16. Dezember 1867 (mlwerke.de)

[3] „Neue Rheinische Zeitung“ – Der demokratische Panslawismus (mlwerke.de)

[4] Lenin – Die Ergebnisse der Diskussion über die Selbstbestimmung (mlwerke.de)

[5] J.W. Stalin: Grundlagen des Leninismus (Kap.6) (marxists.org)

[6] YS zitiert in ihrer Polemik die Teile von Lenins Standpunkten, die er im Laufe der Diskussion revidierte. Um das zu überprüfen, können seine älteren und neueren Texte zum Thema verglichen werden. Hier die Polemik vn YS: Solidarität mit Rojava (I) – Abschließende Polemiken zum Anfang des Krieges (young-struggle.blogspot.com)

[7]  Exklusives Interview: Die MLKP Antwortet auf Fragen – Young Struggle (young-struggle.org) 

[8] DE-Broschüre_4_Demokratische-Nation_2018.pdf (civaka-azad.org)

[9] http://tatortkurdistan.blogsport.de/2014/03/01/gesellschaftsvertrag-fuer-rojava/ 

[10] https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/VSA_Flach_ua_Revolution_in_Rojava_akt_Auflage.pdf

[11] Rojava’s economics and the future of the revolution – Make Rojava Green Again

[12] konfed_DE.indd (freeocalan.org)

[13] Rojava – Demokratische Autonomie oder sozialistische Demokratie? (diefreiheitsliebe.de)

[14] broschc3bcre-selbstverwaltung.pdf (wordpress.com)

[15] PYD Leader Warns of War with Arab Settlers in… | Rudaw.net

[16] https://www.zeit.de/1997/10/wallraff.txt.19970228.xml 

[17] Trumps Nahost-Strategie ist total langweilig – Außenpolitik (foreignpolicy.com)

[18] IMI-Analyse2007-06.pdf (imi-online.de)

[19] Netanjahu: Israel unterstützt die Errichtung eines unabhängigen Kurdistans – Israel News – Haaretz.com 

[20] https://www.google.de/amp/s/m.jpost.com/middle-east/kurdish-pkk-leader-tells-post-of-peaceful-struggle-against-turkey-650318/amp

[21] PKK leader: Israel is helping Turkey to destroy us – Haaretz Com – Haaretz.com

[22] Abdullah Öcalan: „We Are Fighting Turks Everywhere“ :: Middle East Quarterly (meforum.org)

[23] https://kommunistische-organisation.de/diskussion/die-pkk-und-der-proletarische-intern

[24] https://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-usa-exclusive-idUSKCN1AX1RI 

[25] SDF Spokesman Confirms the Group Does Nothing without ‚Signals‘ from the United States (Vdieo) (southfront.org)

[26] YPG-Kommandeur: Kurden in Syrien „verdienen“ US-Unterstützung | Rudaw.net

[27] What the Syrian Kurds Want | The National Interest

[28] https://zeitungderarbeit.at/international/syrien-kurdische-autonomieverwaltung-geht-deal-mit-us-olkonzern-ein/

[29] https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/312087.rojava-aufbau-im-krieg.html 

[30] Die TKP in 16 Fragen – TKP – Kommunistische Partei der Türkei (tkp-deutschland.com)

[31] http://www.tkp-deutschland.com/tkp_thesen_zum_imperialismus_entlang_der_achse_von_russland_und_china/

[32] https://www.rudaw.net/english/business/22072021

[33] Zionismus und Antisemitismus spaltet, Klassenkampf vereint! – Roter Aufbau (roter-aufbau.de)

[34] Die Nationale Frage in Palästina und Israel – Kommunistischer Aufbau (komaufbau.org)

[35] Islamischer Fundamentalismus und Imperialismus – Kommunistischer Aufbau (komaufbau.org)

[36] Vor einer dritten Intifada? — Website (rf-news.de)

[37] Freiheit – Nationale Widerstandsbrigaden verkünden militärische Ernte am siebten Tag der Schlacht am Schwert von Jerusalem (alhourriah.org)

[38] Abu Ali Mustafa Brigaden kündigen Kampf um „Call of Jerusalem“ | Märtyrer Abu Ali Mustafa Brigaden

[39] Abu Ahmed Fouad: Die Errungenschaft der konkreten Schlacht ist die Einheit des palästinensischen Volkes um den Widerstand | Märtyrer Abu Ali Mustafa Brigaden

[40] #17 – Palästina | Kommunistische Organisation

[41] Was ist die Ursache für die Gewalt in Gaza? | marx21

[42] https://civaka-azad.org/mit-dem-paradigma-der-pkk-den-sozialismus-neu-schaffen

[43] TKP – Das Sozialismus-Programm – TKP – Kommunistische Partei der Türkei (tkp-deutschland.com)

Sommercamp der Kommunistischen Organisation 2021

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Vom 30. Juli bis 8. August führten wir als Kommunistische Organisation unser zentrales Sommercamp durch. Nachdem das für 2020 angesetzte Camp pandemiebedingt – wie viele weitere geplante Zusammenkünfte im zurückliegenden Jahr – nicht stattfinden konnte, war dieses Event von besonderer Bedeutung für die Organisation.

Der Gesundheitsschutz aller Beteiligten hatte für uns während der gesamten Woche oberste Priorität. Alle gemeinsamen Aktivitäten, Diskussionsrunden und Mahlzeiten fanden draußen statt. Mit Abstandsregeln und FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen sowie täglichen Schnelltests für alle beugten wir Ansteckungen mit Covid-19 vor, sodass es zu keinem positiven Fall während oder infolge des Camps kam. Der Gesundheitsschutz unter Anleitung von Hygienebeauftragten und Sanitätsschichten war also Pflicht aller Teilnehmenden. Der inhaltliche Schwerpunkt des Camps lag auf der Diskussion, was die konkrete Aufgabe der KO  – ihr nächster Schritt für den Aufbau der Kommunistischen Partei – sein muss und wie sie anzugehen ist.  Die Frage nach unseren aktuellen Aufgaben und den notwendigen nächsten Schritten zog sich als roter Faden durch das gesamte Programm aus Workshops, Vorträgen und Abendveranstaltungen. In den Diskussionen wurde deutlich, dass wir uns noch einiges erarbeiten müssen, wenn wir klare Antworten haben wollen.

Parteifrage und Imperialismus

Über ein Jahr lang war der persönliche Austausch in der Gesamtorganisation pandemiebedingt stark eingeschränkt. Mit dem Sommercamp ergriffen wir die Möglichkeit zur intensiveren Diskussion um den Parteiaufbau und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für die KO. Deshalb standen die Parteifrage und die gegenwärtige Krise der kommunistischen Bewegung im Mittelpunkt unseres inhaltlichen Programms. 

Die Basis hierfür bildeten sieben Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten. In den Runden zur Partei Neuen Typs sowie zur Entwicklung des Parteikonzepts nach 1945 stand die Frage im Mittelpunkt, wie wir allgemeine Prinzipien der Partei und besondere historische Bedingungen in ein richtiges Verhältnis bringen können und inwiefern Angriffe auf die organisierte Arbeiterbewegung (etwa das KPD-Verbot 1956) bis heute die kommunistische Organisierung prägen. Zur Bolschewisierung der kommunistischen Parteien diskutierten wir, wie eine konkrete Anwendung der historischen Erfahrungen beim zukünftigen Aufbau einer kommunistischen Kampfpartei aussehen sollte – etwa die Organisierung in Betriebszellen. Im Workshop zur Kaderfrage ging es darum, wie wir uns selbst zu Kadern entwickeln können, welche Ansprüche wir damit an uns stellen und wie diese Entwicklung planmäßig durch die gesamte Organisation anzugehen ist. Wir diskutierten auch die Themen Einfallstore des Revisionismus sowie Charakter und Ursprünge der Krise der kommunistischen Bewegung. Wir stellten fest, dass die Verbreitung revisionistischer Auffassungen und die fehlende Verankerung in der Arbeiterklasse miteinander zusammenhängen. Die derzeitige Krise der Bewegung ist damit keine rein ideologische, sondern eine ideologisch-praktische. Unsere Organisation hat sich  ein grundlegendes Verständnis vom Revisionismus und seinen Folgen erarbeitet. Wir brauchen jedoch einen umfassenderen Überblick über die verschiedenen vom Marxismus-Leninismus abweichenden Strömungen. Wir müssen erst lernen, wie wir den Revisionismus in all seinen Formen erkennen und schließlich auch erfolgreich bekämpfen können. Im Workshop zur internationalen kommunistischen Bewegung konnten wir festhalten, dass der von uns angestrebte Klärungsprozess nicht von den Debatten zu trennen ist, die auf internationaler Ebene – zum Imperialismus, zur sozialistischen Gesellschaft, zur Partei usw. – geführt werden. Wir müssen dabei weiterhin versuchen, die Verbindung unserer Entwicklung in ein konkretes Verhältnis zur internationalen kommunistischen Bewegung und den Debatten darin zu setzen, auch um von den Erfahrungen aus anderen Ländern zu lernen.

In allen Workshops kam zum Ausdruck, dass viele Fragen zur Partei und zur tiefen Krise der Bewegung nicht beantwortet werden können, ohne sich ernsthaft mit der historischen Entwicklung der revolutionären Arbeiterbewegung auseinanderzusetzen. Deren Erfolge – die Aufbauprozesse und Siege – ebenso wie ihre Niederlagen – revisionistische Abwege, Zersplitterung, Konterrevolution – müssen von uns noch tiefer durchdrungen werden. Das erachten wir als dringende Aufgabe, um die historischen Erfahrungen für heute nutzbar zu machen. Es ist ein großes Problem, dass derzeit in Deutschland keine kommunistische Partei existiert, die im Stande wäre, solch eine Auswertung vorzunehmen. Dabei wird deutlich, welche Aufgaben noch vor uns liegen und dass wir uns erst ganz am Anfang der Auseinandersetzung befinden.

Ein weiterer Bestandteil des Camps waren die Abendrunden zum Imperialismus, die, neben einer Einführung in die Imperialismus-Theorie Lenins, spezifische Veranstaltungen zur Entwicklung in unterschiedlichen Teilen der Erde umfassten: Vorträge und Diskussionen zu Russland und Osteuropa, zu Lateinamerika, zu Afrika, zu West- und Ostasien. Konkret beschäftigten wir uns hier mit politischen, ökonomischen, geostrategischen und militärischen Aspekten, mit imperialistischen Konfrontationen, der historischen Entwicklung, der Lage der Arbeiterklasse und schließlich auch mit den kommunistischen Kräften in den verschiedenen Weltregionen. Da eine vertiefte Auseinandersetzung auch hier bei uns noch aussteht, konnten wir viele der Aspekte nur anreißen. Dabei können wir jedoch nicht stehenbleiben. Wir brauchen ein genaueres Verständnis des Imperialismus, der verschiedenen Strategien imperialistischer Staaten und der Entwicklungsdynamiken innerhalb des imperialistischen Weltsystems. Voreilige oder nur oberflächliche Bewertungen der internationalen Lage verhindern eine klare Kampforientierung hierzulande und können keine Perspektive für die internationale Organisierung geben. Somit waren die Abendrunden ein wichtiger Teil unserer Diskussion auf dem Camp, bei denen wir auch von den anwesenden ausländischen Genossen lernen konnten. Wir wollen davon ausgehend die notwendige Auseinandersetzung fortführen.

Kommunistische Bewegung und internationale Gäste

Unser Programm auf dem Camp umfasste auch eine von Genossen der KPD organisierte Runde, in der sie die Geschichte und Entwicklung ihrer Partei seit 1990 vorstellten und Raum zur gemeinsamen Diskussion darum gaben.

Neben den Vertretern der KPD konnten wir mehrere internationale Gäste auf unserem Camp begrüßen: Genossen der Jeunes Communistes Lyon aus Frankreich, der Colectivos de Jóvenes Comunistas aus Spanien (CJC) sowie Genossen von Organisationen aus weiteren Ländern waren vor Ort. Ihre Grußbotschaften wie auch ihre aktive Teilnahme an den Diskussionen waren eine Bereicherung für unser Camp. Weitere Grußworte sendeten uns die Kommunistische Partei Schwedens (SKP) und die Revolutionäre Kommunistische Partei Frankreichs (PCRF). Unsere internationalen Gäste thematisierten die tiefe Krise der kommunistischen Bewegung – den Opportunismus und insbesondere Revisionismus, der in Teilen der Bewegung noch immer tief verankert ist. Auch sie stellten die Frage der Kommunistischen Partei in den Mittelpunkt und unterstrichen die Notwendigkeit einer demokratisch-zentralistisch organisierten, wissenschaftlich arbeitenden und mit der Arbeiterklasse verbundenen Partei. Die internationalen Beiträge waren ein guter Aufhänger zum gemeinsamen Austausch über diese Fragen.

Abgerundet wurde das inhaltliche Programm durch Diskussionsrunden zur Massen- und zur kommunistischen Gewerkschaftsarbeit, zur marxistischen Staatstheorie, zur kommunistischen Moral, zum Sozialismus, zu neofaschistischen Entwicklungen sowie zu Palästina, dem dortigen Befreiungskampf und der Frage, wie gerade hier in der BRD der Klassenfeind dieses Thema für sich instrumentalisiert. Außerdem gab es mehrere offene Frage-Antwort-Runden zur KO, die sich vor allem an neuere Genossen und Interessierte richteten. 

Kultur und Kollektivität

Neben den Diskussionen der zentralen Fragen gab es einige kulturelle und sportliche Aktivitäten auf dem Sommercamp: Eine Wanderung mit Inputs zur Geschichte der proletarischen Wanderbewegung und zu Zwangsarbeit in der Region, Fitness-Angebote, eine Theateraufführung von Bertolt Brechts „Die Maßnahme“ und das gemeinsame Singen traditioneller Arbeiterlieder. Die tägliche Umsetzung des Camps – die Versorgung, die Küche, die Ordnung und Hygiene – konnte nur auf viele Schultern solidarisch verteilt funktionieren. So gab uns das Sommercamp nicht nur die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch, sondern forderte auch ganz praktisch unser kollektives organisiertes Handeln. 

Danksagungen und Ausblick

Insgesamt betrachten wir das zurückliegende Sommercamp als Erfolg. Wir haben es geschafft, nach über einem Jahr eingeschränkten Austauschs ein neuntägiges Camp – bei korrekter Umsetzung des Gesundheitsschutzes – zu organisieren, auf dem wir unser kollektives Verständnis der vor uns liegenden Aufgaben schärfen konnten. Wir danken allen Teilnehmern des Sommercamps für ihre umfangreiche Unterstützung, die solch eine disziplinierte und offene Zusammenkunft erst ermöglicht hat. Besonders danken möchten wir all unseren internationalen Gästen für ihre Teilnahme und inhaltlichen Beiträge. Dies gilt auch für die Organisationen, die uns Grußworte zukommen ließen. Der internationale Austausch über Erfahrungen im Aufbau hat für uns große Bedeutung und wir wollen ihn zukünftig vertiefen. Ein Dank geht auch an die Genossen der KPD für ihre Teilnahme am Sommercamp und ihre Unterstützung beim inhaltlichen Programm. Auch hier streben wir eine Intensivierung des gemeinsamen Austauschs an: Wir wollen die drängenden Fragen offen diskutieren und auch von den Erfahrungen der KPD lernen.

In der Summe haben uns sowohl die Auseinandersetzungen zur Parteifrage, zur Krise der kommunistischen Bewegung und auch zur Frage nach der Analyse des imperialistischen Weltsystems vergegenwärtigt, wie groß die Aufgaben sind, die vor uns liegen. Vereinfachungen oder Illusionen können hier als vermeintliche Abkürzungen auf dem Weg zu einer revolutionären Strategie und einer Kampfpartei erscheinen – tatsächlich sind sie aber Verirrungen, die uns gerade von diesem Weg abbringen. Wir sind uns unserer momentanen Schwäche bewusst, die eine intensive Klärung in vielen der aufgeworfenen Fragen und den Parteiaufbau erschwert. Dennoch können wir angesichts der Kollektivität, der Ernsthaftigkeit und der Solidarität, die wir auf dem Sommercamp erlebt haben, selbstsicher sagen, dass wir uns dieser Aufgabe bewusst annehmen. Packen wir’s an!

Auch wenn alle Dämme brechen – dieser Staat schützt uns nicht!

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In mehreren Bundesländern, vor allem in NRW und Rheinland-Pfalz, ereigneten sich massive Hochwasser. Ihr Höhepunkt war am 14. Juli. Nach aktuellem Stand (27. Juli) gibt es mindestens 170 Tote und alleine im Kreis Ahrweiler weiterhin 73 vermisste Personen. In Rheinland-Pfalz mussten 766 Betroffene in Krankenhäusern behandelt werden. 

Auch die Infrastruktur ist zerstört: Teile der A1 und A61 werden monatelang gesperrt, im Ahrtal sind mehr als zehn Brücken nicht mehr befahrbar. Die Erholung des Bahnverkehrs wird Jahre dauern. Gasleitungen sind kaputt, ganze Dörfer werden im Herbst und Winter möglicherweise keine funktionierende Heizung haben. Es sind unzählige Häuser nicht mehr bewohnbar, viele Menschen benötigen neue Unterkünfte. Der Verlust ihres Hab und Guts könnte sie lebenslang in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Katastrophenschutz steht im Widerspruch zu Kapitalinteressen

Der Bundesverband der Deutschen Industrie und die Wirtschaftsvereinigung Stahl kämpften in den letzten Monaten erfolgreich für die Abmilderung des bundesweiten Raumordnungsplanes für den Hochwasserschutz: Betriebe, die unter die Industrieemissions- und die Seveso-III-Richtlinie (Richtlinien zum Emmissionsschutz und zur Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen) fallen, werden nicht mehr genannt. Das bedeutet, dass die im Raumordnungsplan festgelegten Schutzmaßnahmen für solche Betriebe nicht gelten. Sie gehören zwar zur kritischen Infrastruktur, aber die Profite der jeweiligen Konzerne werden für wichtiger betrachtet als ein effektiver Hochwasserschutz.

Erst im September 2020 hatte das Bundesinnenministerium einen Probealarm im Rahmen eines bundesweiten Warntags als ,,fehlgeschlagen” bezeichnet. Die Warnmeldungen wurden mit einer halben Stunde Verspätung abgeschickt. Dass Warnsysteme abgebaut wurden und Schutzübungen immer wieder schlecht verliefen, ist bereits lange bekannt. Mehrere Experten, darunter Thomas Clemen, langjähriges Mitglied der Schutzkommission der Bundesregierung, und der ehemalige Präsident des deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs, warnten in den letzten Jahren die Bundesregierung. 

Dass die Bevölkerung zu spät, schlecht oder gar nicht gewarnt wird, ist aber nur die Spitze des Eisberges. Denn was würden Warnungen bringen, wenn es keine Pläne für Evakuierungen gibt? Gerade das Ahrtal, wo das Hochwasser besonders schwere Schäden hinterließ, war bereits Dutzende Male von Überschwemmungen betroffen. Der Staat hätte längst effektive Schutzpläne erstellen und präventiv Vorkehrungen treffen müssen. Dies würde Investitionen beanspruchen und steht daher im Widerspruch zu den Kapitalinteressen.

Der Chefreporter Wissenschaft des Springer-Blatts ,,Welt” gibt zu, dass der Katastrophenschutz in Deutschland auf dem Stand eines Entwicklungslandes ist. Der Umgang mit den aktuellen Überschwemmungen gibt ihm Recht: Bereits vier Tage vor dem massiven Unwetter gab es Warnungen vom Europäischen Hochwasser-Warnsystem (EFAS) an die deutschen Behörden, die die Betroffenen allerdings erst spät und ungenau erreichten. Die konkrete Gefahr wurde nicht klar kommuniziert. 

Hannah Cloke, Mitentwicklerin von EFAS, berichtet von „monumentalem Systemversagen“. Sie kritisiert, dass keine entsprechenden Schutzvorkehrungen getroffen wurden und es nicht mal eine bundesweit einheitliche Herangehensweise an Flutrisiken gibt. Es müsse unterschiedliche Flutpläne für verschiedene Szenarien geben.

Der Staat rettet uns nicht

Die erste Hilfe und Unterstützung für die Aufräumarbeiten erhielten die Betroffenen von Privatpersonen. Die spontane Hilfe, die teilweise über soziale Medien koordiniert wird, ist riesig. 

Die Herrschenden aus der Politik loben zum Teil diese Eigeninitiative, jedoch ist es ihre Aufgabe, ordentliche Gerätschaften zur Verfügung zu stellen, die Betroffen zu versorgen, unterzubringen, die Wasser- und Hygieneversorgung wiederherzustellen usw. Das gleichzeitige Loben der Solidarität und ihre Untätigkeit offenbaren ihre Heuchelei. Die durch die staatliche Zurückhaltung entstandene Leerstelle wird in Teilen auch von sogenannten ,,Querdenkern“ genutzt, die versuchen, die Situation für sich auszunutzen.

Wer im Kapitalismus nicht versichert ist, hat meist schon verloren, weil der bürgerliche Staat Hilfsgelder nur für Großkonzerne gerne locker macht. Versichert sind aber nur die Betroffenen, die eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Nach Informationen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft gilt das aber für lediglich 46 Prozent der Haushalte in Deutschland. Nun wird debattiert, ob man allen Menschen helfen sollte oder nur den Versicherten. Es sei unfair gegenüber den Versicherten, wenn den Nicht-Versicherten geholfen würde, heißt es. Diese Diskussionen in den Medien und der Politik zeigen, dass es den Propagandisten des Kapitalismus nur um Geld statt um die Menschen geht. 

Mittlerweile wurden staatliche Hilfen in Millionenhöhe bewilligt. Die Rheinische Post berichtet, dass Haushalte maximal 3.500 Euro erhalten. Dieser symbolische Betrag reicht nicht aus, um all das, was die Opfer des Hochwassers verloren haben zu ersetzen!

Der Staat ist nicht nur verantwortlich für die Katastrophe, er inszeniert sich jetzt als Retter. Für das Militär bietet die Beteiligung an den Aufräumarbeiten die Gelegenheit, sich als menschenfreundliche Helfer zu inszenieren und den Bundeswehreinsatz im Innern zu normalisieren. Doch uns muss klar sein, dass diese Katastrophe, genau wie die Corona-Pandemie, zeigt, dass dem bürgerlichen Staat Menschenleben egal sind. Während der Pandemie orientierte die Regierung auf eine schleichende Durchseuchung anstelle von strikten Betriebsschließungen. Im Kontext von Unwettern setzt der Staat auf den Abbau von Schutzmaßnahmen, um Unternehmensprofite nicht zu gefährden. Und auch die Explosion am 27. Juli beim Chemiewerk Bayer in Leverkusen, die bislang mindestens 7 Menschenleben kostete, zeugt von dieser Logik. Erneut werden Tote bewusst in Kauf genommen.

Solange wir in einem kapitalistischen Staat leben wird es nicht primär um Menschenleben, sondern um Profite gehen. Im Sozialismus hingegen stehen der Schutz und die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt. Investitionen in den Katastrophenschutz, in Warnsysteme, in die Feuerwehr und in das Gesundheitssystem sind in sozialistischen Staaten selbstverständlich. Im sozialistischen Kuba etwa werden bei Hurrikans alle Ressourcen der Gesellschaft mobilisiert, um Gebiete zu evakuieren. Das gleiche gilt aktuell für die Corona-Pandemie, bei der Kuba vorbildlich reagiert, den Gesundheitsschutz großgeschrieben und obendrein gleich mehrere Impfstoffe entwickelt hat. Zudem gehören im Sozialismus Grundlagenvermittlung in Medizin, Hygiene und Katastrophenschutz zur schulischen Grundbildung. Im kapitalistischen Deutschland dagegen, wo im Schulsystem gespart wird wo es nur geht, ist außer für Feueralarmübungen alle paar Jahre kein Geld übrig.

Solidarität mit Kuba! Solidarity with Cuba! ¡Solidaridad con Cuba!

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Der US-Imperialismus versucht Unzufriedenheiten über Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten, der durch die illegale US-Blockade verursacht wird, auszunutzen und zu eskalieren. US-Politiker und Medien stacheln die Proteste an, schleusen Agenten ins Land, bezahlen Provokateure und drohen der kubanischen Regierung unverblümt mit Invasion.

Miguel Díaz-Canel, Präsident des sozialistischen Kuba, rief sein Volk und alle Kommunisten zu Demonstrationen zur Verteidigung der Revolution auf. Zehntausende folgten seinem Aufruf. Auch die Streitkräfte des Volkes sind mittlerweile mobilisiert, um die Grenzen vor einströmenden Contras und ausländischem Militär zu schützen.

Das revolutionäre Volk Kubas steht vor der Herausforderung, sich zugleich gegen die Pandemie, gegen die imperialistischen Angriffe, die Blockade und die Unruheversuche einiger Konterrevolutionäre im Land zu wehren.

Kuba – Vorkämpfer für Freiheit, Frieden und Fortschritt

Kuba und sein jahrzehntelanger Widerstand gegen den US-Imperialismus, sein sozialistischer Aufbau und seine Selbstbestimmung und Unabhängigkeit sind ein Dorn im Auge Washingtons und der anderen westlichen imperialistischen Staaten. Kuba ist Ausdruck der Hoffnung vieler Milliarden Menschen auf Freiheit von Unterdrückung und Ausbeutung, auf Bildung und Gesundheit für alle, auf Fortschritt und Frieden. Es ist Ausdruck der Verwirklichung des angeblich Unmöglichen.

Das hat das Land in letzter Zeit wieder einmal bewiesen, indem es eigene und erschwingliche Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelte, um nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern auch andere Völker des globalen Süden impfen zu können, ohne dies an Profite zu koppeln.

Das sozialistische Kuba verwirklicht wahrhaftig die Menschenrechte, die von den imperialistischen Heuchlern und ihren Unterstützern nur als Floskeln benutzt werden, um Einmischungen, Kriege und Unterdrückung zu rechtfertigen.

Praktische Solidarität jetzt!

Wir stehen an der Seite des revolutionären Kuba und seiner sozialistischen Regierung und der Kommunistischen Partei Kubas. Und rufen zur aktiven Solidarität auf.
Die Blockade Kubas muss endlich beendet werden!
Der verlogenen Propaganda gegen Kuba müssen wir entgegen treten!

Spendet an die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba, damit Spritzen für die Impfkampagne finanziert werden können (fgbrdkuba.de)!

Unterstützt die Kampagne Unblock Cuba (unblock-cuba.org)!

Solidarität bedeutet, die Revolution organisieren

Die Kubaner haben die Konterrevolution in den europäischen sozialistischen Ländern überstanden und bewiesen, dass sich der Sozialismus auch in einem kleinen, widerständigen Land direkt vor der Nase des US-Imperialismus eine Zeit lang allein halten kann. Und sie werden auch diesen erneuten Angriff abschütteln. Doch wir wissen schon, dass der nächste Vorstoß der Imperialisten bereits in Planung ist.

Die kubanischen Genossen sagen es selbst: Die beste Form der Solidarität ist es, die Revolution in unseren eigenen Ländern zu organisieren. Das gilt umso mehr für so starke imperialistische Mächte wie Deutschland. Hier, im Herzen der Bestie, können wir dem Imperialismus die Schläge versetzen, die es ihm unmöglich machen, seine Hände weiter nach Kuba auszustrecken. Nur die Errichtung des Sozialismus in weiteren Ländern und die Zurückdrängung des imperialistischen Weltsystems können das Überleben der kubanischen Revolution auf die Dauer sichern.

Sozialdemokratische Projekte können den Sturz der Kapitalisten und die Errichtung der Diktatur des Proletariats auch in der Frage echter internationaler Solidarität nicht ersetzen. Das zeigen die linken Regierungen in Lateinamerika, deren partielle Errungenschaften vor dem Druck des Kapitals, spätestens aber durch die Wahl von pro-us-amerikanischen Kräften schnell wieder zurück genommen werden können. Hier zeigt sich auch das zunehmend pro-imperialistische Auftreten der Linkspartei, deren Vorstand sich im Januar mit kubanischen Konterrevolutionären solidarisierte.

Die Revolution ist also eine Pflicht, nicht nur gegenüber der Arbeiterklasse im eigenen Land, sondern auch vor dem sozialistischen Kuba und seinem Volk, das 62 Jahre lang durchgehalten hat.

Solidarity with Cuba – Defend Socialism and Self-Determination!

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U.S. imperialism is trying to exploit and encourage discontent over shortages of food and medicine caused by the illegal U.S. blockade. U.S. politicians and media are inciting the protests, smuggling agents into the country, paying provocateurs, and bluntly threatening the Cuban government with invasion.

Miguel Díaz-Canel, president of socialist Cuba, called on his people and all communists to demonstrate in defense of the revolution. Tens of thousands responded to his call. Meanwhile, the people’s armed forces have also been mobilized to protect the borders from incoming Contras and foreign military.

The revolutionary people of Cuba face the challenge of simultaneously resisting the pandemic, imperialist attacks, the blockade and the attempts to cause unrest perpetrated by counterrevolutionaries in the country.

Cuba – pioneer of freedom, peace and progress

Cuba, with its decades-long resistance to U.S. imperialism, its socialist construction and its self-determination and independence are a thorn in the side of Washington and the other Western imperialist states. Cuba is a beacon of the hopes of many billions of people for an existence free from oppression and exploitation, with guaranteed education and good health for everybody, for progress and peace. It is living proof for the realization of the supposedly impossible.

The country has recently demonstrated this once again by developing its own affordable vaccines against Covid-19, in order to be able to vaccinate not only its own population, but also other peoples of the Global South, without the involvement of profit incentives.

Socialist Cuba truly upholds and realizes the very human rights that the imperialist hypocrites and their supporters use only as platitudes to justify interference, wars and oppression.

Practical solidarity now!

We stand with revolutionary Cuba and its socialist government and the Communist Party of Cuba. And we call for active solidarity.

The blockade of Cuba must finally be ended!

We must oppose the deceitful propaganda against Cuba!

Donate to the Friendship Society FRG-Cuba, so that syringes for the vaccination campaign can be financed (fgbrdkuba.de)!

Support the campaign Unblock Cuba (unblock-cuba.org)!

Solidarity means organizing revolution

Cubans survived the counterrevolution in European socialist countries and proved that socialism can stand on its own for a while, even in a small, resilient country right under the nose of U.S. imperialism. And they will withstand this renewed attack as well. But we already know that the imperialists‘ next move is already in the works.

The Cuban comrades say it themselves: The best form of solidarity is to organize the revolution in our own countries. This is even more true for such strong imperialist powers as Germany. Here, in the belly of the beast, we can deal the decisive blows to imperialism that will make it impossible for it to stretch its reach further into Cuba. Only the establishment of socialism in more countries and the pushing back of the imperialist world system can ensure the survival of the Cuban Revolution in the long run.

Social-democratic projects cannot replace the overthrow of the capitalists and the establishment of the dictatorship of the proletariat, even in the question of genuine international solidarity. This is shown by the left-wing governments in Latin America, whose partial achievements can be quickly taken back in the face of the pressure of capital, or at the latest by the election of pro-U.S. forces. But this is also examplified by the increasingly pro-imperialist appearance of the German Party “Die Linke”, whose executive committee in January showed solidarity with Cuban counterrevolutionaries.

The revolution is therefore a duty, not only toward the working class in our own country, but also toward socialist Cuba and its people, who have endured for 62 years.

Solidaridad con Cuba – ¡A defender el socialismo y la autodeterminación!

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El imperialismo estadounidense pretende explotar y aumentar el descontento de la población por la escasez de alimentos y medicinas causada por el bloqueo ilegal de Estados Unidos. Los políticos y los medios de comunicación estadounidenses están incitando a las protestas, infiltrar el país con agentes, pagando a provocadores y abiertamente amenazando al gobierno cubano con una invasión.

Miguel Díaz-Canel, presidente de la Cuba socialista, llamó a su pueblo y a todos los comunistas a manifestaciones en defensa de la revolución. Decenas de miles de personas respondieron a su llamada. Mientras tanto, las fuerzas armadas del pueblo también se han movilizado para proteger las fronteras de la llegada de los Contras y de militares extranjeros.

El pueblo revolucionario de Cuba se enfrenta al reto de resistir simultáneamente a la pandemia, a los ataques imperialistas, al bloqueo y a los intentos de disturbios de algunos contrarrevolucionarios en el país.

Cuba, pionera de la libertad, la paz y el progreso

Cuba y sus décadas de resistencia al imperialismo estadounidense, su construcción del socialismo y su autodeterminación e independencia son una espina clavada en el costado de Washington y los otros estados imperialistas occidentales. Cuba es la expresión de la esperanza de miles de millones de personas de liberarse de la opresión y explotación, de consequir educación y salud para todos, de lograr progreso y paz. Es una expresión de la realización de lo supuestamente imposible.

El país ha vuelto a demostrarlo recientemente con el propio desarrollo de vacunas asequibles contra el covid-19 para vacunar no solo a su propio pueblo, sino también a otros pueblos del sur global, sin vincular esto al lucro financiero.

La Cuba socialista hace realidad a los derechos humanos, que los hipócritas imperialistas y sus partidarios utilizan solo como pretextos para justificar intromisiones, guerras y opresión.

¡Solidaridad práctica ya!

Estamos al lado de la Cuba revolucionaria, su gobierno socialista y el Partido Comunista de Cuba. Estamos llamando a la solidaridad activa.

¡Hay que acabar de una vez con el bloqueo a Cuba!

¡Tenemos que contrarrestar la propaganda mendaz contra Cuba!

¡Donen a la Sociedad de Amistad RFA-Cuba, para que se puedan financiar las jeringas para la campaña de vacunación (fgbrdkuba.de)!

¡Apoyen la campaña Unblock Cuba! (unblock-cuba.org)

La solidaridad significa organizar la revolución

Los cubanos sobrevivieron a la contrarrevolución en los países socialistas europeos y demostraron que el socialismo se puede mantener por sí mismo durante un tiempo, incluso en un país pequeño e inquieto directamente al lado del imperialismo estadounidense. Y también se defenderán contra este nuevo ataque. Pero sabemos que el próximo ataque de los imperialistas ya se está planificando.

Los propios compañeros cubanos lo dicen: La mejor forma de la solidaridad es organizar la revolución en nuestros propios países. Esto se aplica más a potencias imperialistas tan fuertes como Alemania. Aquí, en el corazón de la bestia, podemos darle al imperialismo los golpes que le impiden extender más sus manos por Cuba. Solo la implantación del socialismo en más países y el retroceso al sistema imperialista mundial pueden garantizar la supervivencia de la revolución cubana a largo plazo.

Los proyectos socialdemócratas no pueden sustituir el derrocamiento de los capitalistas y el establecimiento de la dictadura del proletariado, ni siquiera en la cuestión de la verdadera solidaridad internacional. Así lo demuestran los gobiernos de izquierda en América Latina, cuyos logros parciales pueden ser rápidamente retirados ante la presión del capital, o a más tardar por la elección de fuerzas pro-estadounidenses. Aquí se muestra también la apariencia cada vez más proimperialista del Partido alemán Die Linke, cuyo comité ejecutivo se solidarizó en enero con los contrarrevolucionarios cubanos.

Entonces, la revolución es un deber, no solo con respeto la clase obrera de nuestro país, sino también con respeto a la Cuba socialista y su pueblo, que ha resistido durante 62 años.

Solidarität mit der DKP!

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Am 8. Juli 2021 wurde im Bundeswahlausschuss in öffentlicher Sitzung entschieden, dass die DKP nicht als Partei anerkannt wird. Als Konsequenz könnte sie nicht zur Bundestagswahl im September 2021 antreten, der Verlust der Rechtsstellung als Partei würde der DKP nach eigener Darstellung auch erhebliche finanzielle Probleme verursachen. Als formale Begründung hielt die verspätete Einreichung von Rechenschaftsberichten her, ein Ergebnis der Änderungen des Parteigesetzes von 2016.

Der bürgerliche Klassenstaat zeigt in letzter Zeit verstärkt, dass er Kommunisten, Marxisten und Antifaschisten angreift und schaden will, wie zuletzt die „junge Welt“ und die VVN/BdA. Im Gegensatz dazu werden Faschisten aufgebaut, geschützt, finanziert und bewaffnet. Auch darin zeigt sich der Klassencharakter des BRD-Staates.

Der Antikommunismus ist Staatsräson der Bundesrepublik, das war schon immer so, und das äußert sich in vielfältiger Art und Weise. Wir wenden uns dagegen und solidarisieren uns mit der DKP, die es an dieser Stelle trifft. 

Wir verurteilen die Zustimmung der wahlberechtigten Mitglieder zur Aufhebung des Parteistatus, insbesondere auch durch die Vertreterin der Linkspartei. Die Aberkennung des Parteienstatus der DKP ist ein Schlag gegen alle Kommunisten und Antifaschisten.

Wir wünschen dem Parteivorstand viel Erfolg bei der Klage gegen die Entscheidung des Bundeswahlausschusses.

Grußwort der Kommunistischen Partei Schwedens (SKP)

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Wir freuen uns darüber hier das Grußwort der Kommunistischen Partei Schwedens (SKP) zu veröffentlichen, das sie uns anlässlich unseres Sommercamps 2021 zugesandt hat. Eine Version auf Englisch findet sich unten.


Liebe Genossinnen und Genossen,

Die Kommunistische Partei Schwedens sendet brüderliche Grüße an die Teilnehmer des Sommercamps der Kommunistischen Organisation und alle Mitglieder der Organisation.

Darüber hinaus möchten wir unsere Solidarität mit den arbeitenden Menschen in Deutschland zum Ausdruck bringen, von denen viele in dieser Zeit der Pandemie- und Wirtschaftskrise zusätzlich unter den tödlichen und verheerenden Überschwemmungen leiden, die Teile Deutschlands in diesem Sommer heimgesucht haben.

Für viele ist klar, dass die katastrophalen Überschwemmungen durch den sich beschleunigenden Klimawandel verursacht werden. Weniger klar ist den meisten Menschen, dass die kapitalistische Produktionsweise sowohl ein großes Hindernis auf dem Weg zur Neutralisierung des Klimawandels ist, als auch selbst eine Ursache des Klimawandels. Der Kampf gegen den Klimawandel ist zum Scheitern verurteilt, solange der Kapitalismus das vorherrschende Wirtschaftssystem ist.

Während die Menschen immer mehr unter dem Kapitalismus leiden, erweist sich das System, das dieses Leid verursacht, als unfähig und uninteressiert, das von ihm verursachte Leid zu lindern. Dies führt zu Unzufriedenheit unter den werktätigen, eine Unzufriedenheit, die sich zu einer systemkritischen Haltung entwickeln kann.

Ohne die Führung einer marxistisch-leninistischen Avantgardepartei wird diese kritische Haltung wahrscheinlich vom Reformismus oder, noch schlimmer, von den reaktionärsten Tendenzen abgelenkt. Die Aufgabe der Avantgardepartei ist in diesem Zusammenhang klar: dieses kapitalistische System, das das Leiden der Völker und damit ihre Unzufriedenheit verursacht, aufzudecken und zu erklären. Zu zeigen, dass die Lösung nicht im Rahmen dieses Systems zu finden ist, sondern in der revolutionären Abschaffung dieses Systems und dem Aufbau eines neuen Systems: dem Sozialismus.

In einer Gesellschaft, die von der bürgerlichen Ideologie durchdrungen ist, ist diese Aufgabe ebenso schwierig wie dringend. Um das Bewusstsein der Arbeiterklasse zu schärfen und in ihre Führungsrolle hineinzuwachsen, benötigt die Avantgardepartei die fortschrittlichste Analyse und Anwendung der revolutionären Theorie. Vor allem aber muss sie sich kritisch mit den historischen Entwicklungen und Entscheidungen auseinandersetzen, die die kommunistische Bewegung in den geschwächten Zustand gebracht haben, in dem sie sich heute befindet. Diese Aufgabe zu vernachlässigen oder zu versäumen, wird mit Sicherheit zu einem unkritischen Festhalten an erfolglosen Taktiken führen, was die Avantgardepartei in ihrer Aufgabe und auch die Arbeiterklasse in der Erfüllung ihrer historischen Mission behindern wird.

Die Fragen, die während des Sommercamps der Kommunistischen Organisation im Dialog mit den Genossinnen und Genossen der Schwesterparteien untersucht werden sollen, zeigen das Engagement der Organisation für die kritische Auseinandersetzung mit der Praxis und der Geschichte der kommunistischen Bewegung mit dem Ziel, eine revolutionäre kommunistische Partei aufzubauen, die unter den arbeitenden Völkern Relevanz erlangen kann.

Wir wünschen euch ein produktives und erfolgreiches Sommercamp und freuen uns darauf, die Beziehungen zwischen unseren Parteien in Zukunft zu stärken.

Es lebe die Kommunistische Organisation!

Es lebe der Marxismus-Leninismus!

Es lebe der proletarische Internationalismus!

Mit genossenschaftlichen Grüßen,

Karl Gunnarsson

Internationaler Sekretär

Im Namen der Kommunistischen Partei Schwedens


Dear Comrades,

The Communist Party of Sweden sends fraternal greetings to the participants of the Kommunistische Organisation summer camp and all members of the organization.

Furthermore we wish to express our solidarity with the working people of Germany, many of whom, in this era of pandemic and economic crisis, also suffer on account of the deadly and devastating floods that have hit parts of Germany this summer.

To many it is clear that the catastrophic flooding is caused by the accelerating climate change. What is less clear to the majority of people is that the capitalist mode of production is both a major obstacle on the way to neutralize climate change, and itself also a cause of climate change. The fight against climate change is doomed as long as capitalism is the dominant economic system.

As people increasingly suffer under capitalism, the system at the root of the suffering reveals itself to be both unable and uninterested in mitigating the suffering it causes. This leads to discontent amongst the working peoples, a discontent that can germinate into a mindset critical of the system they live under.

Without the guidance of a Marxist-Leninist vanguard party, this critical mindset is likely to be waylaid by reformism or, even worse, the most reactionary tendencies. The task of the vanguard party, in this context, is clear: to expose and explain this capitalistic system that causes the peoples‘ suffering, and from it their discontent. To show that the solution is not to be found within the framework of that system, but in the revolutionary abolishing of that system and the building of a new system: socialism.

In a society impregnated with bourgeois ideology, this task is as difficult as it is urgent. As it works to raise the consciousness of the working class and to grow into itsleadership role, the vanguard party requires the most advanced analysis and application of revolutionary theory. Vitally, it must also critically study the historical developments and decisions that have brought the communist movement to the weakened state that it finds itself in today. To skip this task, or to fail at it, will certainly lead to the uncritical adherence to unsuccessful tactics, which is sure to hold back the vanguard party in its task and also the working class in fulfilling its historic mission.

The questions to be examined during Kommunistische Organisation’s summer camp, in dialogue with comrades from fraternal parties, show the organization’s commitment to the critical examination of the practices and history of the communist movement, for the purpose of building a revolutionary communist party that can achieve relevance among the working peoples.

We wish you a productive and successful summer camp, and we look forward to strengthening the relations between our parties in the future.

Long live the Kommunistische Organisation!

Long live Marxism-Leninism!

Long live proletarian internationalism!

With comradely regards,

Karl Gunnarsson

International Secretary

On behalf of the Communist Party of Sweden

Grußwort der Colectivos de Jóvenes Comunistas (CJC)

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Wir freuen uns darüber hier das Grußwort der Colectivos de Jóvenes Comunistas (CJC) aus Spanien zu veröffentlichen, das sie auf unserem Sommercamps 2021 gehalten haben. Übersetzung ins Deutsche durch die CJC, das Original auf Spanisch findet sich hier.


Die Frage der Partei ist sehr wichtig und untrennbar mit den anderen Themen verbunden, die heutzutage auf der Tagesordnung der Marxisten-Leninisten stehen müssen. Die leninistische Konzeption der Partei ergibt sich aus einer sehr konkreten Frage: Welche Art von Organisation notwendig ist, um die proletarische Revolution zum Sieg zu führen und den Aufbau des Sozialismus-Kommunismus nach dem Sturz der bürgerlichen Macht zu beginnen.

In der internationalen kommunistischen Bewegung finden wir heute diejenigen, die sich kommunistische Parteien nennen, aber nicht nur unfähig sind, diese Frage zu beantworten, sondern auch die Frage selbst zu formulieren. Wenn sich die politische Strategie der Parteien von der revolutionären Machtergreifung zur Verwaltung des kapitalistischen Staates ändert, ändert sich auch die Vorstellung von dem organisatorischen Instrument, das zur Erreichung des strategischen Ziels erforderlich ist.  

Wenn das Ziel weder darin besteht, die Revolution zu organisieren, noch den Kapitalismus zu stürzen, wird die Partei neuen Typs unnötig und zu einem Hindernis, das sogar beseitigt werden muss. Das kann geschaft werden, indem man sie in etwas anderes verwandelt: so einfach – man muss sie mutieren lassen und sie in eine sozialdemokratische Organisation umwandeln, die sich auf die Wahlkonfrontation konzentriert und die ihren Klassencharakter verliert, wenn ihre organisierte Präsenz an den Arbeitsplätzen verschwindet. 

Unsere Erfahrung im Kampf gegen den Eurokommunismus hat uns in dieser Hinsicht sehr klare Lehren gezogen. Wie ihr sicher schon wißt, spielte die Kommunistische Partei Spaniens eine sehr wichtige Rolle im Nationalen Revolutionskrieg zwischen 1936 und 1939. Es handelte sich um eine nach leninistischem Konzept organisierte Partei, die die damals von der Komintern aufgestellten 21 Bedingungen erfüllte und die ihre politische Arbeit im Laufe ihrer Geschichte unter sehr schwierigen Bedingungen entwickelte, bis sie nach dem Sieg des Faschismus in den Untergrund gehen musste und deren Führer während des Franco-Regimes ins Exil gegangen sind oder sehr harte Repressionen erlitten haben. 

Unter diesen Bedingungen fanden die Debatten, die in der internationalen kommunistischen Bewegung nach der Niederlage des Nazifaschismus begonnen haben, in Spanien nicht unter den gleichen Bedingungen statt wie in anderen europäischen Ländern, aber sie haben sich in der Sitzung des Zentralkomitees der PCE herauskristallisiert, die im April 1976 in Rom stattgefunden hat und in der beschlossen wurde, die Struktur der Partei zu ändern, die Zellen in den Betrieben abzuschaffen und der Schaffung von Gruppierungen in den Wohnorten Vorrang zu geben.

Natürlich sind diese Beschlüsse des Plenums in Rom nicht aus heiterem Himmel gekommen. Sie waren das Ergebnis einer allgemeinen Auffassung von der Rolle und den Aufgaben der kommunistischen Parteien, des Verzichts auf das revolutionäre Ziel und der organisatorischen Anpassung an den Kampf hauptsächlich auf dem Wahlterrain der bürgerlichen Demokratie. Wir empfehlen die Lektüre des Artikels „Vom Eurokommunismus zum Opportunismus unserer Tage“ / “Del eurocomunismo al oportunismo de nuestros días”, der in der Internationalen Kommunistischen Rundschau Nr. 2 veröffentlicht wurde, um mehr über die Analyse der Ursachen für den Aufstieg des Eurokommunismus zu erfahren und darüber, wie eng dieser mit dem Triumph der revisionistischen und opportunistischen Positionen auf dem 20. Kongress der Kommunistische Partei der Sowjetunion.

Seit dem Plenum in Rom 1976 hat die Abkehr vom Leninismus zu großen Debatten und Brüchen innerhalb der PCE in Spanien geführt, die zur Gründung verschiedener Parteien führten, die sich 1984 größtenteils unter dem Namen PCPE zusammenschlossen und das Programm der kommunistischen Bewegung vor dem Triumph des Eurokommunismus wieder genommen haben, ohne jedoch eine wirkliche Reflexion durchzuführen und ohne Schlussfolgerungen über den Sieg des Eurokommunismus innerhalb der PCE zu ziehen.

So wurde die eurokommunistische Krankheit in der PCPE reproduziert. Das hat dazu geführt, dass die Partei zwar formal marxistisch-leninistisch und demokratisch-zentralistisch war, in der Praxis aber eine Partei war, die Fraktionen erlaubt hat, die sich nicht politisch mit internen Problemen auseinandergesetzt hat und in der die ideologische Einheit auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus nicht existiert hat und nicht gefördert wurde. Im Gegenteil wurde sogar versucht, dem wissenschaftlichen Sozialismus fremde Theorien zu importieren. Der Kampf um die Wiederherstellung der leninistischen Merkmale der Partei hat chließlich zur Gründung der PCTE im Zeitraum 2017 bis 2019 geführt.

Die Notwendigkeit einer kommunistischen Partei in Spanien, die den Staffelstab der historischen PCE und der spanischen Sektion der Kommunistischen Internationale übernimmt, war der wesentliche Grund für die Gründung der PCTE und die Aufgabe, in die wir im Moment eingetaucht sind. Eine Partei, die als Partei neuen Typs organisiert ist, die in der Lage ist, den demokratischen Zentralismus, die politisch-ideologische Einheit und die aktive Präsenz dort, wo der Klassenkampf tagtäglich ausgetragen wird, wiederherzustellen und durchzusetzen.

In unserem Fall, gab es keinen Zweifel an der Notwendigkeit, uns als Partei zu organisieren, weil wir im Grunde immer eine Partei waren und weil die politisch-ideologischen Grundlagen nach einem mehrjährigen Prozess klar waren, in dem verschiedene Debatten, die in der spanischen kommunistischen Bewegung angestanden haben, geklärt wurden. Diese sind: 

– der sozialistische Charakter der Revolution in Spanien, 

– die Charakterisierung des Imperialismus als eine Phase des Kapitalismus und nicht als Außenpolitik der kapitalistischen Mächte, 

– der Klassencharakter des Staates und die Grundlagen der Bündnispolitik der Arbeiterklasse zur Machtergreifung. 

Auf unserem Kongress 2017 haben wir die „Arbeiterwende“ als Priorität festgelegt. Wir verstehen diese Priorität als einen Wendepunkt in der bisher von den kommunistischen Parteien verfolgten interklassistischen Politik und als die Notwendigkeit, die Arbeit der Partei an den Arbeitsplätzen neu zu erstellen.

Gerade bereiten wir unseren Kongress vor, der im November stattfinden wird, und legen unser Manifest-Programm fest, das die 2017 angenommenen Thesen weiterentwickelt und unseren sozialistisch-kommunistischen Vorschlag für Spanien vertieft.

Wir hoffen, dass unsere Erfahrung und unsere Arbeit für euch von Nutzen sind. Vielen Dank!!!!

Inés Isasi, CJC

Grußwort der Jeunes Communiste Lyon

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Wir freuen uns darüber hier das Grußwort der JC Lyon (Jeunes Communiste) zu veröffentlichen, das sie auf unserem Sommercamp 2021 gehalten haben. Übersetzung ins Deutsche durch die KO.


Liebe Genossinnen und Genossen,

Im Namen der Kommunistischen Jugend von Lyon möchte ich euch herzlich für die Einladung zur Teilnahme an eurem Sommercamp danken, welches ein großer kämpferischer Moment sein wird, der von Debatten und dem politischen Studium ebenso genährt wird wie von brüderlichen, kulturellen und sportlichen Momenten.

Das Sommercamp ist ein wertvoller Moment für unsere Organisationen, es erlaubt uns, die Entwicklung der Genossen zu stärken, die Orientierungen der Organisation in Erinnerung zu rufen und sie praktisch in den lokalen Strukturen anzuwenden, und die Arbeit zu reflektieren. Natürlich ist es auch ein Moment der Begegnung und der Brüderlichkeit, der Stärkung der Einheit der Organisation, aus dem jeder Genosse voller Enthusiasmus und Zuversicht, mit einem geschärften Verstand und einem warmen Herzen hervorgeht.

Angesichts der Situation der Pandemie, die überall von den Kapitalisten und ihren Staaten genutzt wurde, um die Rechte der Arbeitnehmer weiter zu untergraben, unsere Klasse zu atomisieren und ihre Macht und ihre Profite zu stärken, ist die Durchführung einer solchen Veranstaltung von größter Bedeutung. In den bürgerlichen Medien, einschließlich der progressiven und teils revolutionären Presse, wurde der Begriff „Corona-Krise“ wahllos verwendet. Aber von welcher Krise sprechen wir genau? Die weltweite Pandemie ist nur in ihrer kapitalistischen Bewältigung eine Krise und verweist in Wirklichkeit auf die wirkliche und einzige Krise, die Systemkrise des Kapitals. Von Corona-Krise zu sprechen, ist in Wirklichkeit eine Art, die Krise des Kapitals zu verschleiern, die Widersprüche der imperialistischen Barbarei zu verbergen, indem man versucht, die reaktionäre Politik, die Zerschlagung unserer sozialen Errungenschaften und die Verschärfung der Ausbeutung mit dem Virus zu begründen. Das Virus ist das Kapital. So haben die Bourgeoisie und ihre Staaten überall die Pandemie genutzt, deren schädlicher Charakter ausschließlich auf das kapitalistische Management der Gesellschaft zurückzuführen ist. 

Alles, was wir durchmachen, alles, was wir durchgemacht haben, wäre zu 100 % vermeidbar gewesen, wenn die Bourgeoisie nicht das öffentliche Gesundheitswesen, die Sicherheit und den sozialen Schutz akribisch zerschlagen hätte. Mehr noch, als wir den Lockdown verließen, organisierten die CGT-Gesundheitsgewerkschaften eine große Mobilisierung, die vom französischen Staat unterdrückt wurde, was zeigt, dass die Bourgeoisie kein Interesse an der berühmten „guten Regierungsführung“ hat, die uns die reformistischen Politiker verkaufen wollen, sondern tatsächlich an einem bürokratischen und repressiven Organisationsinstrument der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Diese Situation zeigt uns einmal mehr die Widersprüche des Systems in seiner imperialistischen Phase, die Agonie dieser Gesellschaftsordnung, die nicht in der Lage ist, auf die sozialen Bedürfnisse der arbeitenden Menschen einzugehen, und die einmal mehr die beiden Perspektiven bestätigt, die sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegenüberstehen, der vor einem Jahrhundert von Rosa Luxemburg mit den Worten zusammengefasst wurde: Sozialismus oder Barbarei.

Dieser unerbittliche Kampf, diese klare Position, die vor einem Jahrhundert von unseren Genossen eingeleitet wurde, die im Feuer der bolschewistischen Revolution geschmiedet wurde und die sich in der ganzen Welt durch die Gründung einer Sektion eines neuen Typs von Internationale in jedem Land verbreitet hat, muss das Licht auf dem Weg zum Wiederaufbau unserer Bewegung sein.

Die Wahl zwischen Sozialismus oder Barbarei mag einfach erscheinen. Natürlich hat keine Partei, kein revolutionärer oder gar sozialdemokratischer Kämpfer, jemals behauptet, die Barbarei zu wählen. Aber diese Wahl ist nicht die Wahl eines Wortes oder einer Idee, sondern die Wahl einer Linie, einer Theorie und einer Praxis, einer Strategie und einer Taktik… wirklich revolutionär, d.h. Klasse gegen Klasse. Als Vaillant Couturier, ein Gründer der Kommunistischen Partei Frankreichs das französische Proletariat vor die Wahl zwischen Reformismus oder Sozialismus stellte, als Stalin das Proletariat der Völker der Sowjetunion vor die Wahl zwischen Anarchismus oder Sozialismus stellte, ging es also um die Wahl zwischen Sozialismus und Barbarei, zwischen einer Theorie und einer Praxis, die unsere Klasse zum Sieg führen können, und einer wackeligen und revisionistischen Theorie und Praxis, die unsere Klasse nur von einer Niederlage zur nächsten führen und die kapitalistische Barbarei stärken würde. Wer sich für den Sozialismus entscheidet, entscheidet sich für die kommunistische Organisation, eine Organisation, die hundert Jahre alt und doch immer noch neu ist, die den Bossen kompromisslos gegenübersteht und die ideologisch und organisatorisch völlig unabhängig von der Bourgeoisie und ihren Verbündeten ist.

Es ist heute klar, dass das Kräfteverhältnis nicht zu unseren Gunsten ist und dass die Arbeiterbewegung der Desorganisation und dem Revisionismus zum Opfer fällt, die zum wertvollsten Werkzeug des Kapitals gehören: der Spaltung der Arbeiter.

In unseren Ländern, Frankreich oder Deutschland, historischen und aktuellen Zentren des Imperialismus, wurden unsere Organisationen durch eine äußere und innere Dynamik liquidiert, die zur Machtergreifung von Reformisten und Opportunisten in den Arbeiterorganisationen führte. Wenn sie die Macht übernehmen konnten, dann nur aufgrund unserer taktischen Fehler. Im Gegensatz zu uns entwaffnen sich die Bosse nie und setzen unsere eigenen Waffen gegen uns ein. Sowohl die Kritik an der Arbeiterbewegung als auch die sozialen Errungenschaften können von der Bourgeoisie genutzt, übernommen und absorbiert werden. Wenn die staatliche Repression ein sichtbares Element der bürgerlichen Macht ist, so sind Manipulation und Ideologie andere, viel diskretere Elemente, die dem gewaltsamen Schutz ihrer Macht vorgelagert sind.

Sich für den Weg des Sozialismus zu entscheiden bedeutet also, seine Arbeit und seine Anstrengungen zu verdoppeln, sich den Marxismus-Leninismus als die einzige wissenschaftliche revolutionäre Theorie, die zu einer wirksamen Praxis führen kann, voll zu eigen zu machen, deren einziges Ziel nicht der Wahlerfolg, nicht ein Artikel in der Lokalzeitung oder ein paar Minuten steriles Geschwätz im Fernsehen ist, sondern die Machtergreifung der Arbeiterklasse, die Diktatur des Proletariats.

Natürlich dürfen wir uns nicht einbilden, dass dieser Horizont das Interesse an einer Reform ausschließt. Durch gewerkschaftliche Arbeit, durch die Organisation massiver Streiks können wir mächtige soziale Errungenschaften erzielen, die die materiellen Existenzbedingungen unserer Klasse verbessern. Diese Errungenschaften können jedoch nicht unser einziger Horizont sein, denn Reformen um der Reformen willen sind ein wissenschaftlicher Unsinn, der in Wirklichkeit den wahren Willen derjenigen entlarvt, die sie vorantreiben. Als Verbündete der Bourgeoisie und dieser Gesellschaftsordnung verdammen die Reformisten mit ihren ständigen Reformen das Proletariat zu fortwährender Ausbeutung.

Die Gewerkschaftsbewegung ist also ein mächtiges Instrument für die Eroberung und Organisierung, wenn sie als Transmissionsriemen verstanden und betrieben wird, der das Streben der Arbeitnehmer nach einem würdigeren Leben in die revolutionäre Überzeugung umwandelt, dass dieses würdige Leben nur in einer neuen Gesellschaft möglich sein wird, die von denjenigen gelenkt wird, die den Reichtum produzieren.

In Wirklichkeit geht es darum, ein Klassenbewusstsein zu entwickeln. Das Proletariat kann seine Revolution nicht führen, wenn es sich selbst nicht kennt. Dies ist ein weiterer Punkt, den wir genau betrachten müssen, da sich die Spaltung heute auf die so genannten „gesellschaftlichen“ oder „identitätsbezogenen“ Aspekte der Gesellschaft erstreckt. Mit der Absorption der von den sozialen Bewegungen von 1968 im Westen geäußerten Kritik durch die kapitalistische kulturelle Hegemonie hat das Kleinbürgertum, die ideologische Speerspitze, der Verbündete und nützliche Idiot des Kapitals, an der Entstehung der Philosophie gearbeitet, die den Neoliberalismus unterstützt und das Individuum und die identitätsbasierten Gruppen immer mehr in den Vordergrund stellt. Aber in Wirklichkeit sollten wir uns nichts vormachen. Wenn es diese Bewegungen heute gibt, dann deshalb, weil sie realen Bestrebungen entsprechen, Bestrebungen, die von den Kleinbürgern und ihrer Ideologie gekapert worden sind. In Ermangelung einer Kommunistischen Partei, die diesen Namen verdient, verdrängt das Kleinbürgertum das Proletariat. Besser noch, sie nutzt sie, um ihre eigenen kleinen Interessen der Bequemlichkeit zu bedienen. Wir sollten also keineswegs desinteressiert oder misstrauisch gegenüber den massiven Bewegungen junger Frauen, antirassistischen oder pazifistischen Bewegungen sein, sondern unsere Anstrengungen verdoppeln und daran arbeiten, diejenigen, die sich daran beteiligen, über ihre Klasseninteressen aufzuklären.

In Bezug auf die Frauen, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, ist es wichtig zu betonen, dass die proletarischen Frauen besonders ausgebeutet werden und ihre Rechte ständig bedroht sind. Der Kapitalismus ist eine Gesellschaftsordnung, in der die Arbeitnehmerinnen die prekärsten Positionen einnehmen, in der sie eine formbare Arbeitskraft je nach den Bedürfnissen der Bosse darstellen. In Frankreich sind 80 % der Teilzeitstellen mit Frauen besetzt. In Frankreich hat sich die Mobilisierung der Frauen auf das Problem der häuslichen Gewalt und der Frauenmorde konzentriert, da die Ermordung von Frauen durch ihre Männer in nur drei Jahren um 21 % gestiegen ist! Die Linken, die Revisionisten, wollen diese beiden Elemente trennen und sprechen nur von dem zweiten, leugnen und idealisieren seinen Ursprung. Es liegt an uns, beides miteinander zu verbinden: Es liegt an uns, den ökonomischen und historischen Ursprung zu bekräftigen, zu bekräftigen, dass Unterdrückung die Frucht der Ausbeutung ist und dass von Frauenbefreiung zu sprechen, ohne von Revolution zu sprechen, in Wirklichkeit bedeutet, sich mit dem Kapital zu verbünden und die zig Millionen Frauen des Proletariats mit Füßen zu treten. Die Ausbeutung von Frauen als Mütter, als Arbeiterinnen oder auch als Sexualobjekte ist also eine Folge der Klassengesellschaft und muss mit ihr verschwinden. Um mit diesem Beispiel zu enden, die Verschärfung der Ausbeutung aller, durch die soziale Spaltung, ist immer mehr vor der Verschärfung der Ausbeutung der am meisten ausgebeuteten und prekären Elemente des Proletariats. Alexandra Kollontaï, die erste Frau in der Geschichte, die während des Aufbaus der Sowjetunion staatliche Aufgaben übernommen hat, konnte diesen Punkt mit den Worten abschließen: „Frauen können nur in einer auf anderen sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen organisierten Welt vollständig emanzipiert und gleichberechtigt sein“.

Daher hat sich unsere Organisation entschieden, den Kampf für die Organisation und die Emanzipation der Frauen zu einem ihrer Hauptschwerpunkte zu machen.

Eine weitere wichtige Achse des Kampfes unserer Organisation in einer Zeit, in der die imperialistische Krise in vollem Gange ist und neue imperialistische Pole entstehen, die in starker Konkurrenz zueinander stehen, was zu einer Zunahme der Spannungen, manchmal auch militärischer Art, zwischen diesen Blöcken führt, ist der Kampf für die internationalistische Einheit des Proletariats und gegen den französischen Imperialismus, vor allem in Afrika. 

Während unsere beiden Völker dreimal in endlosen Schlachten zum Nutzen der Kapitalisten gegeneinander getrieben wurden, wissen wir nur zu gut um den Ursprung dieser Kämpfe.

In den Ländern Westafrikas befinden sich die französischen Imperialisten in einer ganz besonderen Lage, in der sie zwischen einer schwindenden Macht aufgrund einer starken Opposition der Bevölkerung in den afrikanischen Ländern sowie einer Konkurrenz mit widersprüchlichen Imperialismen wie dem russischen und dem chinesischen Imperialismus und gleichzeitig einer Verstärkung mit einem immer massiveren Kapitalexport, der mit einer Verstärkung der Aggression, d.h. des militärischen, kriegerischen Charakters dieses Imperialismus verbunden ist, hin- und hergerissen sind. Wir könnten stundenlang über diese Dynamik sprechen, aber stattdessen können wir damit beginnen, unsere häufigen Kommuniqués zu diesem Thema in enger Zusammenarbeit mit unseren Genossen der Jugend der SADI, der Kommunistischen Partei Malis, und den Jugendlichen der ODJ, der Kommunistischen Partei von Obervolta in Burkina, zu übersetzen. 

Auf der Ebene der Massenarbeit rund um die antiimperialistische Frage versuchen wir, den proletarischen Internationalismus zu entwickeln, indem wir auf die Tatsache hinweisen, dass der französische Imperialismus auf zwei Füßen steht, einem im imperialistischen Zentrum, Frankreich, und dem anderen in den Kolonien und Ländern in Übersee, und hauptsächlich in Afrika, die der französischen Herrschaft unterworfen sind. Dies ist kein wohltätigigkeit sondern ein Bestandteil des Klassenkampfes! Jeder Sieg unserer afrikanischen GenossInnen ist somit ein Sieg für die ArbeiterInnen Frankreichs, jeder Sieg in Frankreich ist ein Sieg für die ArbeiterInnen der afrikanischen Länder. Entwickeln wir unser internationalistisches Bewusstsein und bauen wir enge Verbindungen auf, um die ArbeiterInnen in Aktion zu setzen und den antiimperialistischen politischen Streik aufzubauen!

In Lyon beginnt diese Arbeit Früchte zu tragen, durch die Aktion der Genossen der Kommunistischen Jugend in der Gewerkschaft, unser Abteilungsverband der CGT hat seine Unterstützung für die kämpfenden Arbeiter im Tschad zum Ausdruck gebracht und unsere Mobilisierungen gegen den Imperialismus finden immer mehr Sympathisanten.

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich über die Perspektive des nationalen Wiederaufbaus der Kommunistischen Jugend und der Kommunistischen Partei in unserem Land sprechen. Da die Entwicklung der kommunistischen Organisation das Ziel der Revolution hat, ist es unmöglich, unsere Arbeit getrennt fortzusetzen, und wir müssen einen Weg finden, um uns auf nationaler Ebene zu organisieren. Wenn der Sozialismus in einem Land existiert hat und die trotzkistischen Thesen also besiegte, werden wir nicht versuchen, den Sozialismus in einer Stadt zu schaffen…

Aber wie ihr zu Recht betont, indem ihr eines der wesentlichen Prinzipien des Leninismus aufgreift, kann die Einheit nicht ohne Klarheit hergestellt werden. Ohne sie wird die Organisation de facto zum Opfer von Revisionismus und politischem Opportunismus. So ist dieser Prozess der Einheit heute mit einer Vielzahl von Meinungsverschiedenheiten über die Rolle und die Grundsätze der Organisation konfrontiert, sowohl in strategischen als auch in taktischen Fragen wie der Arbeit mit jungen Frauen aus der Arbeiterklasse, der Tätigkeit in der CGT, der Studentengewerkschaft oder der Relevanz von Aktivitäten gegen den Imperialismus in Afrika. Wir sind derzeit voll und ganz in diese Widersprüche verstrickt, sind aber auch zuversichtlich, dass wir sie weder künstlich umgehen noch ignorieren können. Unser nächster Kongress wird darauf abzielen, unsere Richtung in diesen Fragen zu besiegeln.

Abschließend möchte ich sagen, dass Arbeitslosigkeit, Ausbeutung, Unsicherheit und allzu oft Elend heute die Geißeln sind, die unser tägliches Leben, das der Arbeiterjugend und darüber hinaus das aller Frauen und Männer des Proletariats belasten. Von Plänen bis zu Verordnungen, von Gesetzen bis zu Maßnahmen, der Staat hört nicht auf, uns zu belasten, während er vorgibt, auf unsere Erwartungen einzugehen und nach Auswegen für uns zu suchen. Aber die Möglichkeiten, die der bürgerliche Staat bietet, sind nur für diejenigen, deren treuer Diener er ist und immer sein wird: die Kapitalisten! Die Bourgeoisie, die mit der Krise ihres Systems konfrontiert ist, versucht, uns zu gefügigen Sklaven des 21. Jahrhunderts zu machen. Das einzige Ventil für uns ist in uns selbst, es ist unsere Stärke, unsere Zahl! Wir sind die Arbeiter von heute und morgen, wir sind die Arbeiterklasse und die Jugend des Volkes, die fähig sind, eine Gesellschaft nach unserem Bild zu schaffen, zu erfinden und aufzubauen, die von Arbeit, Würde, Freiheit und Frieden geprägt ist. Aber wir sind erstickt, gefesselt vom Kapitalismus, diesem verrottenden System, das nur einer Clique von Ausbeutern nützt. Der einzige Ausweg ist der Sturz dieser Gesellschaftsordnung, unsere Befreiung wird nur von uns selbst kommen, und zwar durch unsere Einheit, unsere Organisation und den Kampf, Klasse gegen Klasse, für den Aufbau einer Gesellschaft, die frei von Ausbeutung ist, in der diejenigen, die produzieren, diejenigen sind, die entscheiden: Sozialismus-Kommunismus. Um die Einheit unserer Jugend, die Einheit unserer Klasse aufzubauen, müssen wir fest und kompromisslos in unserer politischen Linie sein und dürfen nicht in die vom Kapital aufgestellten Fallen tappen. 

Mit einer klaren politischen Linie, unempfindlich gegen Opportunismus, Revisionismus und Reaktion, junge Arbeiter, Schüler und Studenten, Arbeitslose, Prekäre, lasst uns unsere Wut organisieren, lasst uns uns im Kampf für die Befreiung unserer Klasse vereinigen!

Nochmals vielen Dank für dieses wunderbare Sommercamp!

Es lebe die Jeunesse Communiste,

Es lebe die Komunistische Organisation,

Es lebe der proletarische Internationalismus,

Klasse gegen Klasse: Wir werden siegen!

Grußwort der PCRF – Parti Communiste Révolutionnaire de France

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Wir freuen uns darüber hier das Grußwort der PCRF (Parti Communiste Révolutionnaire de France) zu veröffentlichen, das sie uns anlässlich unseres Sommercamps 2021 zugesandt hat. Die deutsche Übersetzung wurde von der KO besorgt, das französische Original findet sich weiter unten.


Revolutionäre Kommunistische Partei Frankreichs an die Kommunistische Organisation

Liebe Genossinnen und Genossen, wie in vielen Ländern ist die kommunistische Partei in Frankreich infolge der Weltkonterrevolution liquidiert worden und es herrschen (vorläufig) in der Arbeiterbewegung Revisionismus und Reformismus. Unser unmittelbares strategisches Ziel ist der Aufbau der Partei, ohne die eine revolutionäre Situation nicht in eine Revolution umgewandelt werden kann. Als wir die PCRF gründeten, wollten wir die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf die Notwendigkeit lenken, dass die Partei den Klassenkampf durch den Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft zu Ende führt. Dies ist eine komplexe Aufgabe und hat nichts mit der Behauptung zu tun, dass die Partei gegründet wäre. Wir haben der Arbeiterklasse das Problem aufgezeigt: es bleibt weiterhin notwendig, die Partei in dem Sinne aufzubauen, dass sie gestärkt und als solche anerkannt werden muss. 

Die letzten vier Jahre zeigen, dass es nötig wäre, die Schwierigkeiten, die tausend und eins Probleme, die wir haben, anzugehen. Zunächst einmal ist der Kontext nicht die unmittelbare revolutionäre Perspektive: Die Konterrevolution prägt weiterhin das Kräfteverhältnis. Sie hat zu einem Rückzug des Klassenbewusstseins auf internationaler Ebene geführt. Auch heute noch gibt es Spaltungen bei kommunistische Parteien, die eine positive Rolle für den Marxismus-Leninismus gespielt haben (PCPE, PC (I), RCWP…). Bei der Aufgabe, eine kommunistische Avantgarde in Frankreich wieder aufzubauen, ist unsere Partei der Meinung, dass wir uns von den reichen Erfahrungen der Kommunistischen Internationale und der Bolschewisierung der kommunistischen Organisationen inspirieren lassen müssen, um einen echten und nicht nur oberflächlichen Bruch mit der Sozialdemokratie zu vollziehen und die materiellen, ideologischen und historischen Quellen zu ermitteln, die den vorläufigen Triumph des Revisionismus ermöglicht haben.

Die materiellen Quellen, aus denen sich der Opportunismus speist, sind im imperialistischen Charakter des Kapitalismus zu finden. Die halbkoloniale Ausplünderung begünstigte die Verteilung von „Brosamen“, die die politische und soziale Korruption der Führer und gewählten Vertreter der Arbeiterklasse sowohl im Allgemeinen Gewerkschaftsbund (CGT) als auch in der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) ermöglichten. Dieser Faktor war vor allem wichtig in einem besonders aggressiven imperialistischen Frankreich. In den 1950er und 60er Jahren ließ die Bourgeoisie unter dem Deckmantel der „Gewerkschaftsrechte“ die Schaffung von Hauptamtlichen-Stellen in den verschiedenen Institutionen zu. Solange die PCF ihren revolutionären Charakter beibehielt, konnten die Hauptamtlichen mit Repression und Gefängnis rechnen. Mit der Verabschiedung des „parlamentarischen und friedlichen Weges zum Sozialismus“, der ausschließlich auf Wahlen ausgerichteten Kampfmethoden und der Weiterentwicklung des opportunistischen und revisionistischen Weltbildes wurden die Arbeitsplätze der Festangestellten und gewählten Funktionäre in gemütliche Pöstchen umgewandelt. Der Horizont der Arbeiterbürokratie (bzw. der ursprünglichen Arbeiterbürokratie) ist die alltägliche Verwaltung des Kapitalismus. Ihre Weltanschauung ist kleinbürgerlich, da der Bürokrat darauf abzielt, sich einen Platz im kapitalistischen System zu verschaffen. Die Identifizierung der ideologischen Wurzeln des Revisionismus erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Gegenwart der Arbeiterbewegung und der Parteien, die ursprünglich zum Sturz des Kapitalismus gegründet wurden. Diese Parteien haben sich in sozialreformerische oder liberale Parteien verwandelt, ihre Führer wurden in den Staatsapparat integriert. Wie konnte das passieren? Lenin und Stalin geben uns wertvolle Einblicke: „Offensichtlich ist es unter der Herrschaft der Bourgeoisie sehr „schwierig“, die bürgerlichen Gewohnheiten in unserer eigenen Partei, d.h. in der Arbeiterpartei, zu überwinden: es ist „schwierig“, die parlamentarischen Führer aller Zeiten, die unheilbar von bürgerlichen Vorurteilen verdorben sind, aus der Partei zu vertreiben (…) In Westeuropa oder Amerika ist die Bourgeoisie viel stärker, desto stärker sind die bürgerlich-demokratischen Traditionen. (Lenin, „Die Kinderkrankheit des Kommunismus“, S. 372, Digital Editions). „Die Oktoberrevolution hatte einen relativ schwachen, schlecht organisierten, politisch unerfahrenen Feind vor sich, die russische Bourgeoisie (…) Sie hatte nicht die Erfahrung mit groß angelegten politischen Kombinationen und Mystifikationen, über die zum Beispiel die französische Bourgeoisie verfügt“ (Stalin. Geschichte der CP(b)US. P.173. ed.1949).

In Frankreich hat die Bourgeoisie immer versucht, einen Teil der Arbeiterklasse über die bürgerliche Demokratie, über die „Republik“, in ihr System zu integrieren. Alle Abweichungen, Fehler und Irrtümer: Legalismus, auf den Wahlkampf reduzierte Politik und Chauvinismus haben ihren Ursprung in der Verwerfung der marxistischen Staatstheorie, in ihrer Ablehnung oder ihrer „Ignoranz“. Die Bolschewisierung der PCRF und der kommunistischen Bewegung stellt die Ausbildung der kommunistischen Kämpfer – ein Kernprinzip des Marxismus-Leninismus – in den Mittelpunkt, aber unsere Erfahrung zeigt, dass dies ein langwieriger Prozess in einem Land ist, in dem die „Theorielosigkeit“ zur Theorie erhoben wurde. Der andere Aspekt der Bolschewisierung besteht darin, in erster Linie in Richtung der Arbeiterklasse zu arbeiten, um Betriebszellen zu bilden und die kommunistische Arbeit getrennt von der Gewerkschaftsarbeit zu organisieren, so dass mit der kommunistischen Organisation eine revolutionäre Strategie des Kampfes entsteht. Wir teilen die Thesen der Parteien der internationalen kommunistischen Bewegung, wonach der Aufbau der kommunistischen Partei durch einen ständigen Kampf gegen den Opportunismus und seinen materiellen Träger, das Kleinbürgertum, erfolgt. In allen Ländern besteht die erste (zeitliche) Aufgabe der Kommunisten darin, eine echte kommunistische Partei zu gründen. In Frankreich ist die Zersplitterung der Gruppen, die sich als kommunistisch bezeichnen, im weltweiten Vergleich mit am meisten fortgeschritten. Die taktischen und sogar strategischen Divergenzen sind das größte Hindernis bei der Vereinigung dieser Gruppen für die Neugründung. Die Vielfalt der kommunistischen Gruppen organisiert die Bildung und Bewusstseinsbildung der Kommunisten heute auf unterschiedliche und nicht vereinbare Weise: Linien, die sich in ihrer Haltung gegenüber dem opportunistischen Erbe, das seit den 1960er Jahren vorherrscht, unterscheiden. Dieser opportunistische Ansatz (den es immer noch gibt), befürwortete die Beteiligung an einer bürgerlichen Regierung, weil er unter dem Deckmantel der „Einheit der Linken“, „für tiefgreifende Strukturreformen“ den Umsturz des Systems nicht vorschlug, weil er den Klassencharakter des kapitalistischen Staates nicht berücksichtigt. Nirgendwo hat dies zu einem Übergang zum Sozialismus geführt. 

Wie kann die strategische Frage des Sozialismus gestellt werden? 

Eine der komplexesten Fragen, die es zu lösen gilt, ist die nach den Wegen des Übergangs zur sozialistischen Revolution, nicht zu verwechseln mit der Vorstellung eines Übergangs in Etappen. Der 20. Parteitag der KPdSU hat eine „allgemeine strategische Linie angenommen, in deren Mittelpunkt das Bündnis der Kräfte der Linken mit der Sozialdemokratie als Verbündetem steht, indem die Lehren der Volksdemokratien entstellt wurden. 

Es hat sich eine Theorie herausgebildet, die von einer Zwischenstufe vor dem Sozialismus und der Diktatur des Proletariats in den imperialistischen Ländern ausgeht, wie die „fortgeschrittene Demokratie“ der PCF oder die „antimonopolistische Demokratie“ anderswo. Eine Zwischenstufe, die keine objektive Realität hat, da es keinen Zwischenzustand zwischen der Diktatur des Kapitals und der der Arbeiterklasse gibt, erst recht nicht um ein „gemeinsames Programm“ mit der Sozialdemokratie, die eine der Säulen der Monopolmacht ist. So haben einige kommunistische Parteien allmählich mit der marxistischen Analyse des Staates gebrochen. In jedem unserer Länder müssen wir die Quellen des Opportunismus untersuchen, wenn wir den Aufbau der Partei nicht in Schwierigkeiten bringen wollen. Wir haben vor kurzem eine neue Broschüre mit dem Titel „Die Wege des Parteiaufbaus“ verfasst, die zum Verständnis der Unzulänglichkeiten der Arbeiterbewegung in Frankreich beiträgt, die insbesondere vom Kleinbürgertum, dem Kleinkapital, dem Proudhonismus und dem Traum der Kleinproduzenten geprägt ist.

Der Sozialismus erschien somit als ein weit entferntes Ziel (umso mehr, als die KP nicht an der Entwicklung des subjektiven Faktors arbeitete), das von den täglichen Aufgaben abgekoppelt war. Der Opportunismus wurde in der Praxis durch folgende Arbeitsteilung verallgemeinert: Die Gewerkschaft kämpfte in den Betrieben für die Forderungen, was den „Trade-Unionismus“ (im leninistischen Sinne), d.h. den Kult der Spontaneität und der Gefolgschaft der Massen, verstärkte; die Partei, die Presse und das Wahlprogramm griffen die Forderungen auf. 

All dies führte zum Sieg des Revisionismus und zur Liquidierung der kommunistischen Parteien in vielen Ländern. In den imperialistischen Staaten ist die strategische Linie die der sozialistischen Revolution. Dazu ist es notwendig, den subjektiven Faktor (das Bewusstsein der Massen) auf der Grundlage des unvermeidlichen leninistischen Prinzips zu entwickeln, dass die Massen ihre eigenen Erfahrungen machen müssen, ausgehend von der Unzufriedenheit mit der Sparpolitik des Kapitals, den Einschränkungen der demokratischen Freiheiten, den grundlegenden Forderungen und Bestrebungen des Volkes, die zeigen, dass die Lösung der Übel durch den vielseitigen Kampf für den Sturz des Kapitalismus und die Errichtung des Sozialismus erfolgt. Die Kommunisten müssen die treibenden Kräfte der Revolution und die Achsen des Kampfes identifizieren und analysieren, die auf der Grundlage einer großen allgemeinen Krise zur sozialistischen Revolution führen. Sie müssen das nationale und internationale Gleichgewicht der Kräfte analysieren und den proletarischen Internationalismus in die Tat umsetzen. Dazu ist es notwendig, die entsprechenden Taktiken zu finden, um dem Proletariat zu helfen, sich vom Reformismus und der Klassenkollaboration zu befreien. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) hat die Aufgaben der kommunistischen Parteien und Gruppen gut zusammengefasst: „Der Kampf gegen den Opportunismus, der Kampf gegen die Verstrickung in Parlamentarismus und Reformismus, der Kampf gegen die Beteiligung kommunistischer Parteien an Regierungen innerhalb des Kapitalismus ist die Voraussetzung für die Emanzipation der Arbeiterklasse“. Kommunisten arbeiten unermüdlich an der Verbreitung eines revolutionären Bewusstseins, d.h. für den Sozialismus und die Arbeiter- und Volksmacht als einzige fortschrittliche Alternative. Diese langwierige Arbeit wird durch die objektiven Bedingungen begünstigt: Der Kapitalismus hat seine Dynamik verloren, seine Fähigkeit zur Selbstkorrektur ist geschwächt, die Krisenschübe folgen aufeinander, ohne dass es eine Phase der Erholung oder eine deutliche Flaute gibt, der Parasitismus und die Fäulnis, die dem imperialistischen Stadium eigen sind, werden für eine wachsende Zahl von Arbeitern sichtbar in seiner Unfähigkeit bei der kollektiven Pandemiebekämpfung. Umso schwerwiegender ist es, für einen „nationalen“ oder „antiliberalen“ Kapitalismus einzutreten, der die Tragweite der radikalen Anprangerung und Kritik des Imperialismus abschwächt, indem er die Möglichkeit eines anderen Kapitalismus in den Raum stellt! 

Eine wichtige theoretische Aufgabe ist es, bis zum Ende zu kämpfen, um zu zeigen, dass es weder im Rahmen der „angepassten“ kapitalistischen Produktionsweise noch im Rahmen des bestehenden Staates einen Übergang zum Sozialismus geben wird. Die Lehren der Kommune 150 Jahre später sind ein guter Zeitpunkt, um uns daran zu erinnern! Aber selbst in Frankreich hindert dies kommunistische Gruppen nicht daran, eine „soziale und brüderliche Republik“ zu fordern…! Die Achsen des Kampfes, die sofort identifiziert und angegangen werden müssen, beinhalten die dialektische Verbindung zwischen dem Kampf gegen einen Aspekt der kapitalistischen Politik, spezifischen Bündnissen und dem allgemeinen Kampf für den Sozialismus, der die Bildung eines dem Kapitalismus feindlichen Blocks unter Führung der Arbeiterklasse erfordert. Wir werden auch nicht mit einem ideologischen Rückzug auf praxisferne Prinzipien aus dieser Situation herauskommen ohne Einbindung in die täglichen Klassenkämpfe. Die Kommunisten müssen unabhängig und gemeinsam mit den Gewerkschaften in Form von Betriebszellen agieren, das kapitalistische System anprangern und politische Forderungen stellen.

Die Rolle der Kommunisten besteht nicht darin, sich darauf zu beschränken, den Marxismus-Leninismus in begrenzten Kreisen zu verteidigen und zu verbreiten … und auf eine revolutionäre Situation zu warten. Letzteres kann nicht ohne eine lange Vorbereitungsarbeit (das ist die Bedeutung der Achsen des Kampfes), ohne eine Aktion der Arbeiterklasse und der Massen auskommen, um die Quelle des Übels anzugreifen: den Kapitalismus. Wenn die gewerkschaftliche Massenarbeit der Hebel eines elementaren Bewusstseins ist und es ermöglichen kann, das Kapital zurückzudrängen, hat die kommunistische Organisation auch die Aufgabe, in den Betrieben und in den Arbeitervierteln zu arbeiten. Wie lässt sich das bewerkstelligen? Durch die Verbindung des Marxismus-Leninismus und seiner Weltanschauung mit den Bestrebungen und Forderungen der Arbeiterklasse und anderer werktätiger Schichten. 

Um über die Defensive hinauszukommen, müssen wir unseren Kampf für den Sozialismus entwickeln, ohne ihn hinten an zu stellen und auf die Verwirklichung einer Vorstufe zu warten. Die Achsen des Kampfes müssen von der gegenwärtigen defensiven Phase ausgehen, sich aber des Grundgedankens bewusst sein, dass die Wurzel des Übels im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise liegt, die der Freiheit der Völker zuwiderläuft, dass nur der Sozialismus/Kommunismus die Souveränität des Volkes und der Nationen, die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen den Ländern auf der Grundlage des proletarischen Internationalismus, eine nicht abgeschnittene Demokratie, den Schutz der Umwelt, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, der Ausbeutung, der Diskriminierung jeglicher Art und die historische Abschaffung der Lohnarbeit garantieren kann. 

Im internationalen Bereich muss der Kampf gegen die EU bis zum nationalen und internationalen Bruch geführt werden. Das bedeutet, dass der Kampf gegen das imperialistische Europa nicht vom Kampf für den Sturz des Kapitalismus abgekoppelt werden darf, und dass er nicht vorangestellt werden darf. Dieser Kampf hat vor allem einen Klassencharakter. Nur wenn wir zeigen, dass die EU ausschließlich den Interessen der Monopole der einzelnen Länder dient, können wir den Kampf gegen die EU bis zu ihrer Auflösung führen. Ein Austritt aus der EU, aus den verräterischen Verträgen und dem Euro, ohne mit dem Kapital zu brechen, um einen „nationalen“ Kapitalismus zu entwickeln, hätte die gleichen arbeiterfeindlichen und unsozialen Folgen für die Werktätigen. Abgesehen von der EU ist es in der Tat die Politik des Kapitals in Frankreich, die die Quelle des aktuellen Übels für die Arbeiter in unserem Land ist. 

Darüber hinaus muss der Kampf gegen das imperialistische Weltsystem, gegen die imperialistischen Kriege der NATO und des französischen Imperialismus aufzeigen, dass die soziale Basis der Kriege ihren Ursprung im Kapitalismus hat, dass der Imperialismus nicht nur eine aggressive Außenpolitik ist, wie der Opportunismus behauptet, sondern eine Phase permanenter Konkurrenzkämpfe zwischen Monopolen und Staaten um die Neuaufteilung der Welt, um die Verwirklichung des Maximalprofits durch die Unterdrückung der Völker und die Ausplünderung der materiellen Ressourcen. Der leninistische Plan zum Aufbau der Partei basierte – neben dem ideologischen, politischen und organisatorischen Kampf gegen den, Ökonomismus, der ein Hindernis für die Ausbreitung des Selbstbewusstseins darstellt – auf den Achsen für eine zentralisierte und geeinte Partei. Eine Partei, die in der Lage ist, eines Tages die soziale Bewegung anzuführen (und ihr nicht nachzutraben). 

Ein führender Kern von Revolutionären

„Ich behaupte, dass sich keine revolutionäre Bewegung ohne eine stabile Organisation von Führern entwickeln kann, die für Kontinuität sorgen. Je breiter die Massen am Kampf teilnehmen, desto dringender ist das Bedürfnis nach einer solchen Organisation, und je solider diese Organisation sein wird (…), je größer der Teil der Arbeiterklasse und anderer Volksschichten der Gesellschaft ist, der sich im Kampf befindet, desto mehr werden sich der Bewegung anschließen und aktiv in ihr arbeiten können“ (Lenin). Lenin forderte eine Organisation von Berufsrevolutionären, d. h. von Führern, die ihr Leben, ihre Zeit und ihre Energie dem revolutionären Kampf widmen. Der Führer hat Pflichten vor den Mitgliedern der Organisation, seine erste Eigenschaft ist es, sich als Kommunist in den Ereignissen, den ideologischen Kampagnen der Bourgeoisie zurechtzufinden, um eine revolutionäre Position zu bestimmen – um die Losungen, die Kampfachsen, die Ziele der Organisation festzulegen. Um dies zu erreichen, muss der Anführer ständig daran arbeiten, die Klassiker zu studieren, ihre Methodik und Dialektik zu beherrschen. „Jede Reduzierung der revolutionären Theorie ist eine Stärkung der bürgerlichen Ideologie“, wie Lenin gezeigt hat. Selbst in den siegreichen historischen Perioden des Jahres 1947 sagte Stalin zu Schdanow [sowjetischer Parteisekretär], als Kader es ablehnten, zu studieren: „Keine Theorie heißt Fäulnis und Tod der Partei! Die Geschichte hat dies gezeigt. Für einen Marxisten ist die Theorie untrennbar mit praktischer Arbeit verbunden und bildet eine dialektische Einheit: die Praxis. Wir lernen, um zu kämpfen! 

Die Fragen der Organisation sind entscheidend

Eine korrekte Linie kann keinen Einfluss auf die Realität haben, wenn die Organisation, die organisatorische Arbeit, von Sozialdemokratie, Antikollektivismus, handwerklicher Arbeit und ohne Bewertung geprägt bleibt. Lenin besteht auf die Einhaltung der revolutionären Disziplin: „Martov betrachtete die Partei als etwas organisatorisch Gestaltloses, dessen Mitglieder nicht verpflichtet waren, sich der Parteidisziplin zu unterwerfen“. (Geschichte der KPdSU). Es ist also die Vorherrschaft des kleinbürgerlichen Ideals über das proletarische Ideal, der Triumph des Individualismus, die Abkehr von der organisatorischen Effizienz. Ehemalige und jetzige Menschewiki wollen einen Diskussionsclub, keine zentralisierte und aktive Organisation, eine Trennung von Diskussion und Umsetzung. „In seinem Kampf um die Macht hat das Proletariat keine andere Waffe als die Organisation. Geteilt durch das Gesetz der anarchischen Konkurrenz der bürgerlichen Welt, unterworfen der harten, vom Kapital ausgebeuteten Arbeit (…), kann das Proletariat nur dann zu einer unbesiegbaren Kraft werden und wird es unweigerlich werden, wenn ihre ideologische Vereinigung durch die Prinzipien des Marxismus durch die materielle Einheit der Organisation gefestigt wird, die die Millionen Ausgebeuteten in eine Armee der Arbeiterklasse verwandeln wird. (Lenin „ein Schritt vor, zwei Schritte zurück“). Um eine revolutionäre Partei vom Typ der Bolschewiki aufzubauen, zeigte Lenin schließlich die Notwendigkeit eines revolutionären Programms auf, das unser Handeln sowohl in den täglichen Kämpfen als auch im endgültigen revolutionären Kampf leiten muss. In vielen Ländern sind die Kommunisten mit einer Spaltung ihrer Kräfte konfrontiert, das Hindernis der Spaltung zwischen den kommunistischen Organisationen muss zunächst durch eine einheitliche Aktion überwunden werden. Wenn sich die Gruppen (in der Praxis) einander annähern, wird eine Vereinigung unter der Bedingung möglich sein, dass politische und ideologische Konvergenzen zu einer wirklichen Einheit führen, unter der Bedingung, dass wir nicht auf eine offene und öffentliche ideologische Konfrontation (oder Überprüfung) verzichten, dass wir dem Liberalismus nicht nachgeben, indem wir Zugeständnisse bei den Grundsätzen machen, sonst wird die Einheit künstlich sein. 

Aneignung einer revolutionären Strategie für den Sozialismus-Kommunismus

Wir müssen den revolutionären Prozess verstehen. 

Eine Revolution ist ein langer und langwieriger Kampf. Das demonstrierte Lenin in „Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus“. Ein Zeitraum, der im Zickzack verläuft und aus Vorstößen und Rückzügen besteht. Damit die Revolution auf die Tagesordnung kommt, müssen wir die Klasse und die Arbeiter jahrzehntelang in der Überzeugung erzogen haben, dass wir für die Zerstörung des Kapitalismus arbeiten müssen. Es bedarf einer strategischen Leitlinie, die der Tatsache Rechnung trägt, dass der Kapitalismus niemals seine Privilegien und seine Macht aufgibt und die Monopole bereit sind, dank der Diktatur der Bourgeoisie über den Staat und seine Repressionsapparate zu allen Formen des Kampfes zu greifen, um den Umsturz des Ausbeutungssystems zu verhindern. 

Die Geburt der neuen Gesellschaft wird nicht schmerzlos sein, ein einfacher parlamentarischer, schrittweiser Weg durch Anhäufung von Reformen ist unmöglich, wie die historische Erfahrung zeigt. Während des gesamten historischen Prozesses, der zur Revolution führt, schmiedet die Kommunistische Partei die Klassenbündnisse unter der politischen Führung der Avantgarde der Arbeiter. Nicht nur soziale, sondern auch politische und ideologische Führung. 

Die Gewerkschaft ist nicht die Waffe, um die Klassenbündnisse zu schmieden. Nur die Kommunistische Partei, die in scharfer Ablehnung des Korporatismus [der Klassenzusammenarbeit?] wirkt, kann die Arbeiterklasse davon überzeugen, dass sie, wenn sie sich selbst befreit, die werktätige Menschheit befreit, zumal sich die Klassenbündnisse auch auf die Völker der vom französischen Imperialismus neokolonisierten Länder erstrecken müssen, da wir denselben Klassenfeind haben. 

Die KP muss die politische Hegemonie des Proletariats über die demokratische Bewegung aufbauen und die soziale Klasse bilden, die die historische Nachfolge der gescheiterten Bourgeoisie verkörpert. Es ist notwendig, unermüdlich an den subjektiven Bedingungen zu arbeiten, die die Arbeiterbewegung politisch, ideologisch, wirtschaftlich, militärisch auf eine allgemeine Krise vorbereiten, die eine revolutionäre Krise hervorruft, „wenn die Oberen nicht mehr gehört werden können, wenn die Unteren nicht mehr hörig sind“. 

Eine aufstrebende Revolution, die auch vom internationalen Kräfteverhältnis, von der Stoßkraft der revolutionären Bewegung in den Nachbarländern abhängt. Die Revolution ist ihrem Wesen nach ein demokratischer Akt, der Millionen von Arbeitern in Bewegung setzt und vereint, der die faschistische Gefahr abwehren kann, indem er die Kräfte des Monopolkapitals isoliert und den Sieg des Proletariats und seiner Verbündeten ermöglicht, indem er die bewaffnete Gewalt des Kapitals zurückschlägt, um eine Niederlage so weit wie möglich zu vermeiden. […]

Dies bringt uns zurück zu einer Reihe von Abweichungen und falschen Vorstellungen über die sozialistische Revolution. Der Übergang zum Sozialismus durch die Anhäufung von Reformen, oder die anarchistische Strategie des „großen Aufstandes“ oder die anarchosyndikalistische Strategie des alleinigen „Generalstreiks der Produzenten des Reichtums“ – sie ignorieren die Notwendigkeit von revolutionärem Bewusstsein und Volksbündnis und setzen allein auf Spontaneität, ohne ein revolutionäres Programm zur Zerstörung des bürgerlichen Staates. Was den Guesdismus [also die offen reaktionären Teile der französischen Sozialdemokratie] anbelangt, so vertrat er eine abwartende Haltung: „Wenn die Zeit gekommen ist, wird die Revolution hervortreten ….“, eine Position, die in den 1970er und 1980er Jahren im linken Flügel der PCF verbreitet war.

Dies ist nicht die leninistische revolutionäre Strategie, die folgende Schritte beinhaltet: 

! Arbeitet in den Betrieben und Vierteln des Volkes und in den Massen, um die kommunistische Partei durch den Kampf für die Sammlung der Vorhut des Proletariats sowie der revolutionären Intellektuellen und Arbeiter zu gründen! Die gegründete Partei beginnt, die Kräfte der Arbeit zu beeinflussen, auf das politische Leben und die Kräfteverhältnisse einzuwirken. Sie verteidigt ihre Unabhängigkeit „wie ihren Augapfel“, verbreitet ihr Programm, nimmt an Wahlen auf leninistischer Grundlage teil und kann Bündnisse eingehen, während sie sich gleichzeitig abgrenzt. […]

! Die Partei hat nach jahrelanger Bewusstseinsarbeit und Aktion die aktive Mehrheit der Klasse um sich geschart und nimmt Einfluss auf die Gewerkschaften. Der antikapitalistische Flügel dominiert die soziale Front und stellt sich unter die Führung der kommunistischen Vorhut… Wenn dann eine revolutionäre Krise entsteht, ruft die kommunistische Partei zum Sturz der Herrschenden auf, zur Durchführung der sozialistischen Revolution, um die grundlegenden Bestrebungen zu erfüllen. Die Massen werden alle Kampfformen gleichzeitig einsetzen, um das Kapital zu besiegen: Generalstreik, Fabrikbesetzungen, Organe der direkten Demokratie, die die Machtorgane angreifen (Doppelherrschaft), Aufruf zum Volksaufstand und Bildung einer revolutionären Regierung. Demokratisierung der Armee, der Polizei und der Justiz durch deren Überführung in die Organe des Kampfes und der Arbeiter- und Volksmacht. Die Revolution, ein qualitativer Bruch mit der Produktionsweise, gibt der Arbeiterklasse die Macht und übernimmt die Verstaatlichung aller großen Unternehmen. Das Land beginnt mit dem Aufbau des Sozialismus… 

Das ist der revolutionäre Prozess, der in Russland etwa zwanzig Jahre gedauert hat (weil die Arbeiterklasse eine revolutionäre Partei hatte), aber von dem niemand die Dauer in einer imperialistischen Hochburg vorhersagen kann. 

Dies sind die Gesetze der proletarischen, sozialistischen Revolution, die sich unsere bescheidene Partei kollektiv anzueignen versucht, um aktiver Träger des kommunistischen Bewusstseins zu sein, und die wir Ihnen kurz mitteilen wollten. In Frankreich ist der subjektive Faktor besonders schwach (vielleicht einer der schwächsten in der Welt), aber wir vertrauen auf eine kommunistische Zukunft der Menschheit. Für Lenin ist die Internationale, die Weltpartei, der höchste Ausdruck der Einheit der Arbeiterklasse. Heute ist es die Fraktion der Internationalen kommunistischen Bewegung, der die Initiative der Kommunistischen Parteien Europas und Parteien anderer Kontinente angehören, die mit ihren anti-opportunistischen Positionen die Notwendigkeit zum Ausdruck bringt, diesen Grad an Einheit wiederzuerlangen, der für die Wiederaufnahme der Offensive der Arbeiterklasse unerlässlich ist. 

Gutes Gelingen bei eurem Sommercamp. 

Es lebe der Marxismus-Leninismus. 

Es lebe der Kommunismus in Deutschland. 

Der Generalsekretär der PCRF, Pierre Komorov, 29.07.2021.


Parti Communiste Révolutionnaire de France à la Kommunistische Organisation / 

Chers chères camarades, Comme dans beaucoup de pays, à la suite de la contre-révolution mondiale, le parti communiste a été liquidé en France et règne (provisoirement) dans le mouvement ouvrier, le révisionnisme et le réformisme. Notre objectif stratégique immédiat est la construction du Parti sans lequel une situation révolutionnaire ne peut se transformer en Révolution. Lorsque nous avons créé le PCRF, nous avons voulu attirer l’attention des travailleurs sur la nécessité du Parti pour mener la lutte des classes à son terme en édi fiant la société communiste. C’est une tâche complexe et qui n’a rien à voir avec l’auto proclamation que le parti est créé. Nous avons posé face à la classe ouvrière le problème, il reste à construire le parti dans le sens où il doit être renforcé et être reconnu en tant que tel. Les 4 ans passés montrent, s’il en était besoin, les dif ficultés auxquelles nous sommes confrontés, les milles et un problèmes à affronter. Tout d’abord le contexte n’est pas la perspective révolutionnaire immédiate : la contre-révolution continue de marquer le rapport des forces. Elle a provoqué un recul de la conscience de classe à l’échelle internationale. Encore aujourd’hui des partis communistes qui jouaient un rôle positif pour la marxisme-léninisme, scissionnent (PCPE, PCdI, PCOR…). Engagée donc dans la tâche de reconstruction d’une avant-garde communiste en France, notre Parti estime que l’on doit s’inspirer de la riche expérience de l’Internationale Communiste sur la bolchevisation des organisations communistes afin de rompre réellement et pas superficiellement avec le social-démocratisme et de déterminer les sources matérielles, idéologiques, historiques qui ont permis le triomphe provisoire du révisionnisme. Les sources matérielles qui alimentent l’opportunisme se situent dans le caractère impérialiste du capitalisme. Le pillage semi-colonial a favorisé la distribution de « miettes » qui ont permis la corruption politique et sociale des chefs et des élus issus de la classe ouvrière tant à la CGT qu’au PCF. Ce facteur a particulièrement joué dans une France impérialiste particulièrement agressive. Dans les années 50 et 60, sous couvert de « droits syndicaux », la bourgeoise a laissé faire la création de postes de permanents dans les diverses institutions. Tant que le PCF gardait son caractère révolutionnaire, les postes de permanents pouvaient signifier la répression et la prison. Avec l’adoption de la « voie parlementaire et pacifique au socialisme », de méthodes de luttes uniquement électorales et la progression de la conception opportuniste et révisionniste du monde, les emplois de permanents et d’élus se sont transformés en sinécure. L’horizon de la bureaucratie ouvrière (ou à l’origine ouvrière) est l’aménagement quotidien du capitalisme. Sa conception du monde est petite-bourgeoise, en cela, le bureaucrate vise à se faire une place dans le système capitaliste. Cerner les racines idéologiques du révisionnisme exige l’examen critique du passé et du présent du mouvement ouvrier et des partis qui ont été créés, à l’origine, pour renverser le capitalisme. Ces partis se sont transformés en partis sociaux-réformistes ou libéraux, leurs dirigeants se sont intégrés à l’appareil d’Etat. Comment en est-on arrivé là ? Lénine et Staline nous donnent de précieuses indications. « Evidemment, sous la domination de la bourgeoisie, il est très « difficile » de vaincre les habitudes bourgeoises dans notre propre parti, c’est-à-dire dans le parti ouvrier : il est « difficile » de chasser du Parti, les chefs parlementaires de toujours, irrémédiablement corrompus par les préjugés bourgeois (…) En Europe occidentale ou en Amérique, la bourgeoisie est beaucoup plus forte, plus fortes les traditions démocratiques-bourgeoises. » (Lénine. « La maladie infantile du communisme » .P. 372, Editions numériques). « La révolution d’octobre avait en face d’elle cet ennemi relativement faible, mal organisé, peu expérimenté en politique qu’était la bourgeoisie russe (…) Elle n’avait pas l’expérience des combinaisons et mystifications politiques d’envergure que possède, par exemple, la bourgeoisie française. »(Staline. Histoire du PC(b)US. P.173. ed.1949). 

En France, la bourgeoisie a toujours cherché à intégrer une partie de la classe ouvrière à son système via la démocratie bourgeoise, via la « République ». L’ensemble des déviations, erreurs et fautes : légalisme, électoralisme, chauvinism ont leur source dans la non assimilation de la théorie marxiste de l’Etat, dans son rejet ou son « ignorance ». La bolchevisation du PCRF et du movement communiste met au centre, de la formation des militants communistes, cette assimilation d’un principe cardinal du marxisme-léninisme, mais notre expérience est que c’est un processus de longue haleine dans un pays qui a érigé le « manque dethéorie » en théorie précisément. L’autre volet de la bolchevisation, c’est de travailler prioritairement en direction de la classe ouvrière afin de former des cellules d’usine et d’organiser le travail communiste distinct du travail syndical, afin qu’émerge avec l’organisation communiste, une stratégie révolutionnaire de luttes. Nous partageons les thèses des partis du mouvement communiste international, selon laquelle l’édification du parti communiste s’effectue par une lutte permanente contre l’opportunisme et son porteur matériel : la petite-bourgeoisie. Dans tous les pays, la première tâche (dans le temps) des communistes est de fonder un véritable Parti communiste. En France, la multiplicité des groupes qui se réclament du communisme est une des plusavancées du monde. Les divergences tactiques voire stratégiques à l’unification des groupes sont le principal obstacle à cette refondation. La pluralité des groupes communistes structure l’éducation et la conscientisation des communistes sur des lignes différentes et divergentes aujourd’hui. Lignes qui vont différer sur l’attitude à avoir vis-à-vis de l’héritage opportuniste qui a sévi depuis les années 60. Cette démarche opportuniste (toujours d’actualité) car ne tenant pas compte en réalité de la nature de classe de l’État capitaliste prônait la participation à un gouvernement bourgeois (car ne proposant pas le renversement du système) sous couvert « d’union de la gauche », « pour de profondes réformes de structure ». Nulle part cela n’a débouché sur une transition au socialisme. 

Comment poser la question stratégique du socialisme ? Une des questions les plus complexes à résoudre est celle des voies de transition à la Révolution socialiste à ne pas confondre avec les étapes. Le 20ème Congrès du PCUS va adopter une « ligne générale stratégique centrée autour de l’alliance des forces de gauche avec la social-démocratie comme alliée en déformant les enseignements des Démocraties populaires. 

Une théorisation va se faire jour, celle d’une étape préalable intermédiaire au socialisme et à la dictature du prolétariat dans les pays impérialistes comme la été a « démocratie avancée » du PCF ou la « démocratie anti-monopole » ailleurs. Stade intermédiaire qui n’a nulle réalité objective puisqu’il n’y a pas d’état intermédiaire entre la dictature du Capital et celle de la classe ouvrière, a fortiori autour d’un « programme commun » avec la social-démocratie qui est un des piliers du pouvoir des monopoles. Ainsi, certains partis communistes ont rompu progressivement avec l’analyse marxiste de l’État. Dans chacun de nos pays nous devons en étudier les sources d’opportunismes propres à moins de mettre en difficulté la construction du Parti. Nous avons récemment écrit une nouvelle brochure « Les voies de la construction du Parti » qui est une contribution à comprendre les insuffisances du mouvement ouvrier en France particulièrement marqué par la petite bourgeoisie, le petit capital, le proudhonisme, le rêve des petits producteurs. 

Le socialisme est donc apparu comme un but lointain (d’autant plus quand le PC ne travaillait pas à développer le facteur subjectif) déconnecté des tâches quotidiennes. L’opportunisme dans la pratique s’est généralisé avec la division du travail suivante : au syndicat la lute dans l’usine pour les revendications, ce qui renforçait le « trade-unionisme » (au sens léniniste) c’est-à-dire, le culte de la spontanéité et le suivisme vis-à-vis des masses ; au Parti, la presse et le programme electoral reprenant les revendications. 

Tout cela a conduit à la victoire du révisionnisme et à la liquidation des Partis communistes dans beaucoup de pays. Dans les États impérialistes, la ligne stratégique est celle de la Révolution socialiste. Pour cela, il faut développer le facteur subjectif (la conscience des masses) en s’appuyant sur le principe léniniste incontournable que les masses doivent faire leur propre expérience, en partant du mécontentement face aux politiques d’austérité du Capital, des restrictions des libertés démocratiques, des revendications et aspirations populaires fondamentales en montrant que la résolution des maux passe par la bataille multiforme pour le renversement du capitalisme et l’établissement du socialisme. Les communistes doivent dégager et analyser les forces motrices de la Révolution et les axes de luttes conduisant, sur la base d’une crise générale majeure, à la Révolution socialiste. Ils doivent analyser le rapport de forces national et international, déployer en actes l’internationalisme prolétarien. Pour cela, il faut trouver les tactiques afférentes afin d’aider le prolétariat à se dégager du réformisme et de la collaboration de classes. Le KKE a bien synthétisé les tâches des Partis et groupes communistes : « La lutte contre l’opportunisme, la lutte contre l’enfermement dans le parlementarisme et le réformisme, la lutte contre la participation des Partis communistes à des gouvernements au sein du capitalisme est la condition de l’émancipation de la classe ouvrière ». Les communistes travailler inlassablement à diffuser une conscience révolutionnaire c’est-à-dire pour le socialisme et le pouvoir ouvrier et populaire comme seule alternative progressiste. Ce travail depuis plusieurs années est favorisé par les conditions objectives : le capitalisme a perdu son dynamisme, ses capacités d’autocorrection se sont affaiblies, les rebonds de crise s’enchainent sans phase de reprise ou d’accalmie nette, le parasitisme et le pourrissement propres au stade impérialiste apparaissent visibles à un nombre accru de travailleurs, son incapacité à combattre collectivement une pandémie. C’est d’autant plus grave de prôner un capitalisme qu’il soit « national » ou « antilibéral » ce qui atténue la portée de la dénonciation et de la critique radicales de l’impérialisme en faisant miroiter la possibilité d’un autre capitalisme ! 

Un travail théorique important est de combattre jusqu’au bout pour démontrer qu’il n’y aura pas de passage au socialisme dans le cadre du mode de production capitaliste « aménagé » ni dans le cadre de l’État existant. Les leçons de la Commune 150 ans après sont un bon moment pour nous le rappeler ! Mais même en France cela n’empêche pas des groupes communistes d’appeler à une « République sociale et fraternelle » … ! Les axes de luttes à dégager et à mener tout de suite impliquent le lien dialectique entre combat contre un aspect de la politique capitaliste, alliances ponctuelles et lutte générale pour le socialisme qui nécessite la formation d’un bloc antagonique au capitalisme sous la direction de la classe ouvrière. On n’en sortira pas non plus avec le repli idéologique autour des principes détachés de la pratique de masse, sans insertion dans les combats de classe au quotidien. Les communistes doivent au moyen des cellules d’entreprise agir indépendamment et avec les syndicats tout en dénonçant le système capitaliste et avancer des revendications politiques. Le rôle des communistes n’est pas de se cantonner à défendre et diffuser le marxisme-léninisme dans des cercles restreints … en attendant une situation révolutionnaire. Cette dernière ne peut se produire sans un long travail préparatoire (c’est le sens des axes de lutte), sans l’action dans la classe ouvrière et les masses pour s’attaquer à la source des maux : le capitalisme. Si le travail syndical de masse est le levier de la prise de conscience élémentaire et peut permettre de faire reculer le Capital, l’organisation communiste a aussi pour mission de travailler dans les entreprises et les quartiers populaires. Comment ? En liant le marxisme-léninisme et sa conception du monde aux aspirations et revendications de la classe ouvrière et des autres catégories de travailleurs. Pour dépasser la défensive, il faut développer dès maintenant notre combat pour le socialisme sans mise au réfrigérateur en attendant la réalisation d’une étape préalable. Les axes de luttes doivent partir du stade défensif actuel mais conscientisent sur l’idée fondamentale que la racine des maux se situe dans le cadre du mode de production capitaliste contraire à la liberté des peuples, que seul le socialisme/communisme peut garantir la souveraineté populaire et nationale, la coopération entre pays d’égal à égal sur la base de l’internationalisme prolétarien, une démocratie non tronquée, la défense de l’environnement, la liquidation du chômage, de l’exploitation, des discriminations de toute nature, l’abolition historique du salariat. 

Dans le domaine international, la lutte contre l’UE doit être menée jusqu’à la rupture nationale et internationale. Cela implique de ne pas dissocier le combat contre l’Europe impérialiste, du combat pour renverser le capitalisme, de ne pas en faire une étape préalable. Cette lutte revêt avant tout un caractère de classe. C’est à partir de la démonstration que l’UE sert exclusivement les intérêts des monopoles de chaque pays que nous pourrons déployer la lutte contre l’UE jusqu’à la rupture. Quant à sortir de l’UE, des Traités scélérats, de l’Euro sans rupture avec le Capital, pour développer un capitalisme « national » cela aurait les mêmes conséquences anti-ouvrières et anti-sociales pour les travailleurs. Au-delà de l’UE, c’est bien la politique du Capital en France qui est la source des maux actuels pour les travailleurs de notre pays. Par ailleurs, la lutte contre le système mondial impérialiste et les guerres impérialistes de l’OTAN et de l’impérialisme français doit démontrer que la base sociale des guerres a sa source dans le capitalisme, que l’impérialisme n’est pas seulement une politique étrangère agressive comme le prétend l’opportunisme mais une phase de luttes concurrentielle permanente entre monopoles et États pour le repartage du monde, pour la réalisation du profit maximal au moyen de l’oppression des peuples et du pillage des ressources matérielles. Le plan léniniste pour construire le Parti, outre la déroute idéologique, politique, organisationnelle à infliger à l’économisme, obstacle à la diffusion de la conscience pour soi, s’appuyait sur des axes pour un parti centralisé et uni en capacité de diriger un jour le mouvement social (et non de le suivre). Un noyau dirigeant de révolutionnaires. « J’affirme qu’aucun mouvement révolutionnaire ne peut se développer sans une organisation stable de dirigeants qui maintiennent la continuité. Plus largement, les masses entrent en lutte, plus urgente est la nécessité d’une telle organisation et plus solide sera ainsi l’organisation ( … ) plus grand sera le nombre de membres de la classe ouvrière et des autres classes populaires de la société en lutte, plus seront capables de rejoindre le mouvement et d’y travailler activement » (Lénine). Lénine appelait à une organisation de révolutionnaires professionnels, c’est-à-dire, de dirigeants consacrant leur vie, temps, énergie à la lutte révolutionnaire. Le Dirigeant a des devoirs devant les membres de l’organisation, sa qualité première est de savoir s’orienter comme communiste à travers les événements, les campagnes idéologiques de la bourgeoisie afin d’arrêter une position révolutionnaire, afin de déterminer les mots d’ordre, axes de luttes, objectifs de l’organisation. Pour cela, le dirigeant doit oeuvrer en permanence à étudier les classiques, à maîtriser leur méthodologie et dialectique. « Tout amenuisement de la théorie révolutionnaire est un renforcement de l’idéologie bourgeoise » a montré Lénine. Même dans les périodes historiques couronnées de victoire en 1947, Staline disait à Jdanov, confrontés au refus des cadres devant l’étude, « sans théorie, c’est la putréfaction et la mort du Parti !». L’histoire l’a démontré. Pour un marxiste, la théorie est indissociable de la pratique, formant une unité dialectique : la Praxis. Nous étudions pour combattre ! Les questions d’organisation sont décisives. Une ligne juste peut n’avoir aucune prise sur la réalité, si l’organisation, le travail organisationnel restent marqués par le social-démocratisme, l’anti-collectivisme, le travail artisanal et sans évaluation. Lénine insiste le respect de la discipline révolutionnaire « Martov considérait le Parti comme quelque chose d’amorphe organisationnellement, dont les membres n’avaient aucun obligation de se soumettre à la discipline du Parti ». (Histoire du PC (b) US). C’est alors la prédomination de l’idéal petit-bourgeois sur l’idéal prolétarien, le triomphe de l’individualisme, c’est tourner le dos à l’efficacité organisationnelle. Les mencheviques anciens et actuels veulent un club de discussion, pas une organisation centralisée et agissante, séparent les discussions de l’application. « Dans sa lutte pour le pouvoir, le prolétariat n’a pas d’autre arme que l’organisation. Divisé par la loi de la concurrence anarchique du monde bourgeois, soumis au rude travail exploité par le capital(…) le prolétariat 

 peut devenir et deviendra inévitablement une force invincible seulement si son unification idéologique par les principes du marxisme est consolidée par l’unité matérielle de l’organisation qui transformera les millions d’exploités en une armée de la classe ouvrière ». (Lénine « un pas en avant, deux pas en arrière »). D’où l’importance de respecter la discipline communiste qui autorise et recherche le débat le plus large mais l’application d’une discipline de fer dans l’exécution des décisions prises Enfin, pour construire un parti révolutionnaire de type bolchevique, Lénine a montré la nécessité d’un programme révolutionnaire qui doit guider notre action tant dans les luttes quotidiennes que dans la lutte révolutionnaire finale. Dans beaucoup de pays, les communistes sont confrontés à une certaine division de leurs forces, il faut vaincre l’obstacle de la division entre organisations communistes par l’unité d’action d’abord. Si les groupes se rapprochent (dans l’action), l’unification sera possible à condition que les convergences politiques, idéologiques, aboutissent à une véritable unité, à condition de ne pas laisser de côté la confrontation (ou vérification) idéologique franche et publique, de ne pas céder au libéralisme en faisant des concessions sur les principes, sinon, l’unité sera factice. Assimiler une stratégie révolutionnaire pour le socialisme-communisme. Il faut bien appréhender le processus révolutionnaire. La révolution est une bataille longue et multiforme, a démontré Lénine dans « Le gauchisme, Maladie infantile du communisme ». Période qui avance en zig-zags, faite d’avancées et reculs. Pour que la Révolution vienne à l’ordre du jour, il faut avoir éduquer la classe et les travailleurs depuis des décennies, sur la conviction qu’il faut travailler à détruire le capitalisme. Il faut une ligne directrice, stratégique prenant en compte cette vérité, le capitalisme ne renonce jamais à ses privilèges, pouvoir, et monopoles sont prêts à recourir à toutes les formes de luttes pour empêcher le renversement du système d’exploitation, grâce à la dictature de classe bourgeoise sur l’Etat et ses appareils répressifs. L’accouchement de la nouvelle société ne sera pas indolore, une simple marche parlementaire, graduelle par accumulation de réformes est impossible, comme l’atteste l’expérience historique. Durant tout le processus historique qui conduit à la révolution, le Parti communiste forge les alliances de classe sous la direction politique de l’avant-garde ouvrière. Direction pas seulement sociale mais bien politique et idéologique. Le syndicalisme n’est pas l’arme pour forger les alliances de classe, seul le Parti communiste qui éduque dans tout refus du corporatisme, peut convaincre la classe ouvrière qu’en se libérant, elle libérera l’humanité laborieuse, d’autant que les alliances de classe doivent s’étendre également, aux peuples des pays néocolonisés par l’impérialisme français, puisque nous avons le même ennemi de classe . Le PC doit construire l’hégémonie politique du prolétariat sur le mouvement démocratique, devenir la classe sociale qui incarne la relève historique de la bourgeoisie faillie. Il faut inlassablement travailler aux conditions subjectives préparant le mouvement ouvrier en cas de crise générale : politique, idéologique, économique, militaire engendrant une crise révolutionnaire « quand le haut ne peut plus être entendu, quand le bas ne vaut plus entendre». Révolution montante qui dépend aussi des rapports de forces internationaux, de la poussée du mouvement révolutionnaire dans les pays voisins. Pour éviter dans la mesure du possible une défaite, il faut refuser tout schéma blanquiste sur la révolution comme ‘coup de force d’une minorité’, la révolution est un acte démocratique par son essence qui met en mouvement et unit des millions de travailleurs (le bloc historique des forces du travail), ce qui peut conjurer le danger fasciste, en isolant les forces du capital monopoliste et en permettant la victoire du prolétariat et de ses alliés, par la riposte à la violence armée du capital. Telle est la leçon d’octobre 17, de la victoire des révolutions de démocratie populaire Ce qui nous renvoie à nombre de déviations et conceptions erronées concernant la révolution socialiste, ni passage au socialisme par accumulation de réformes, ni stratégie anarchiste du « grand soir » ou anarchosyndicaliste de la seule « grève générale des producteurs de richesses » qui ignorent la nécessité d’une conscience révolutionnaire et les alliances de classe et fait le pari de la seule spontanéité, sans programme révolutionnaire de destruction de l’Etat bourgeois. Le guesdisme quant à lui professait l’attentisme « le moment venu, la révolution surgira …. », position qui avait cours dans l’aile gauche du PCF dans les années 70/80. 

 Ce n’est pas la stratégie révolutionnaire léniniste qui suppose les étapes suivantes : ! Travail dans les entreprises et quartiers populaires et dans les masses pour fonder le parti communiste, à travers le combat pour regrouper l’avant-garde ouvrière et les intellectuels et travailleurs révolutionnaires ! Le parti créé, il commence à influencer les forces du travail, à peser sur la vie politique et les rapports de forces. Défendant son indépendance « comme la prunelle de ses yeux », il diffuse son programme, participe aux élections sur une base léniniste et peut passer des alliances tout en se démarquant (front social des victimes du capitalisme par exemple). ! Le parti, après des années de travail pour conscientiser, regrouper dans l’action a rallié la majorité active de la classe et influence les syndicats, l’aile anticapitaliste domine le front social et se place sous la direction de l’avant-garde communiste. ! ensuite, s’il survient une crise révolutionnaire, le parti communiste appelle à chasser les gouvernants, à entreprendre la révolution socialiste pour satisfaire les aspirations fondamentales. Les masses vont utiliser toutes les formes de luttes simultanément pour vaincre le capital : grève générale, occupation des usines, organes de démocratie directe contestant les organes du pouvoir (double pouvoir), appel au soulèvement national et à la formation d’un gouvernement révolutionnaire. Démocratisation des corps de l’armée, police, justice par leur transfert aux organes de luttes et de pouvoir ouvrier et populaire. La révolution, rupture qualitative avec le mode de production donne le pouvoir à la classe ouvrière et entreprend la nationalisation de toutes les grandes entreprises. Le pays s’engage dans la construction du socialisme… C’est cela le processus révolutionnaire qui a duré une vingtaine d’années en Russie (parce que la classe ouvrière avait un parti révolutionnaire) mais dont nul ne peut prédire la durée dans une citadelle impérialiste. Telles sont les lois de la Révolution prolétarienne, socialiste que notre modeste Parti s’efforce d’assimiler collectivement pour être des porteurs de conscience actifs du communisme et que nous voulions rapidement partager avec vous. En France le facteur subjectif est particulièrement faible (peut-être un des plus faible au monde), mais nous avons confiance en l’avenir de l’humanité pour le communisme. Pour Lénine l’Internationale, parti mondial, est l’expression la plus haute de l’unité de la classe ouvrière. Aujourd’hui c’est la fraction du MCI à laquelle appartient l’Initiative des Partis communistes européens et des partis des autres continents qui fondamentalement par ses positions anti-opportunistes, exprime la nécessité de retrouver ce degré d’unité, indispensable à la reprise de l’offensive par la classe ouvrière.

Bon travail pour votre camp d’été.

Vive le marxisme-lénisme. 

Vive le communisme en Allemagne.

Le secrétaire général du PCRF, Pierre Komorov, 29.07.2021. 

Saludos de los Colectivos de Jóvenes Comunistas (CJC)

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La cuestión del Partido es de suma relevancia y es inseparable del resto de asuntos que hoy deben estar en la agenda de los marxistas-leninistas. La concepción leninista del Partido surge de una pregunta muy concreta: ¿qué tipo de organización es necesaria para hacer triunfar la Revolución proletaria y comenzar la construcción del socialismo-comunismo tras el derrocamiento del poder burgués?

Dentro del movimiento comunista internacional nos encontramos hoy con quienes, denominándose partidos comunistas, son incapaces no ya sólo de contestar a la pregunta, sino de formularse la pregunta misma. Cuando la estrategia política de los partidos pasa de ser la toma revolucionaria del poder a ser la gestión del Estado capitalista, de forma consecuente la concepción de la herramienta organizativa necesaria para alcanzar el objetivo estratégico cambia.  

Cuando no se pretende organizar la Revolución ni derrocar el capitalismo, el partido de nuevo tipo no sólo se convierte en innecesario, sino en un obstáculo que hay que eliminar procediendo a su transformación en otra cosa, haciéndolo mutar y transformándolo en una organización socialdemócrata, centrada en la confrontación electoral y que pierde su naturaleza clasista al desaparecer su presencia organizada de los centros de trabajo. 

Nuestra experiencia en la lucha contra el eurocomunismo arroja enseñanzas muy claras en ese sentido. Como sabéis, el Partido Comunista de España tuvo un papel muy relevante en la Guerra Nacional Revolucionaria desarrollada entre 1936 y 1939. Era un Partido organizado sobre la concepción leninista, que cumplía con las 21 condiciones establecidas en su momento por la Komintern y que desarrolló su trabajo político en condiciones muy difíciles a lo largo de su historia hasta que, tras la victoria fascista, tuvo que pasar a la clandestinidad y cuyos dirigentes sufrieron exilio o una durísima represión durante el régimen de Franco. 

En tales condiciones, los debates que se comienzan a producir en el movimiento comunista internacional a partir de la derrota del nazi-fascismo no se dan en España en las mismas condiciones que en otros países europeos, pero sí cristalizan en la reunión del Comité Central del PCE que, en abril de 1976, se celebra en Roma y que decide modificar la estructura del Partido, eliminando las células de las empresas y priorizando la creación de agrupaciones en los lugares de residencia.

Por supuesto, estas decisiones adoptadas en el Pleno de Roma no surgieron de la nada. Eran fruto de una concepción general sobre el papel y las tareas de los partidos comunistas, de la renuncia al objetivo revolucionario y de adaptación organizativa para la lucha principalmente en el terreno electoral de la democracia burguesa. Recomiendo la lectura del artículo “del eurocomunismo al oportunismo de nuestros días”, publicado en la Revista Comunista Internacional nº 2, para conocer mejor el análisis sobre las causas del surgimiento del eurocomunismo y de cómo se vinculó muy estrechamente con el triunfo de las posiciones revisionistas y oportunistas en el XX Congreso del PCUS.

A partir del pleno de Roma de 1976, el abandono del leninismo supuso en España grandes debates y rupturas en el seno del PCE, que dieron lugar a la creación de distintos partidos que, en su mayoría, se unieron en 1984 bajo la denominación PCPE, recuperando el programa del movimiento comunista anterior al triunfo del eurocomunismo pero sin realizar una reflexión real y sin extraer conclusiones sobre cómo había triunfado el eurocomunismo en el seno del PCE.

Así, el cáncer eurocomunista se reprodujo en el PCPE, llegando a la situación en que el Partido era formalmente marxista-leninista, formalmente centralista democrático, pero en la práctica era un partido que toleraba las fracciones, que no abordaba políticamente los problemas internos y en el que no existía ni se fomentaba la unidad ideológica en torno al marxismo-leninismo, sino que se hacían esfuerzos incluso por importar teorías ajenas al socialismo científico. La lucha por la recuperación de las características leninista del Partido desembocó finalmente en la creación del PCTE en el proceso entre 2017 y 2019.

La necesidad de contar con un Partido Comunista que recogiese en España el testigo del PCE histórico, de la Sección Española de la Internacional Comunista, organizado como partido de nuevo tipo y capaz de recuperar y hacer valer el centralismo democrático, la unidad político-ideológica y la presencia activa en los lugares donde se desarrolla a diario la lucha de clases, fue la motivación esencial de la creación del PCTE y la tarea en la que estamos inmersos en estos momentos. 

En nuestro caso, camaradas, no existió ninguna duda sobre la necesidad de organizarnos como Partido, fundamentalmente porque siempre fuimos Partido y porque las bases político-ideológicas estaban claras después de un proceso de varios años en el que fueron clarificándose diversos debates que estaban pendientes en el movimiento comunista español: el carácter socialista de la revolución en España, la caracterización del imperialismo como fase del capitalismo y no como política exterior de las potencias capitalistas, el carácter de clase del Estado y las bases de la política de alianzas de la clase obrera para la toma del poder. En nuestro Congreso de 2017 establecimos con carácter prioritario el “giro obrero”, entendido como punto de inflexión de una política interclasista llevada a cabo por los partidos comunistas hasta el momento y como el relanzamiento del Partido al trabajo en los centros de trabajo.

Ahora estamos preparando nuestro Congreso, que será en noviembre, definiendo nuestro Manifiesto-Programa, que desarrolla las tesis aprobadas en 2017 y que profundiza en nuestra propuesta socialista-comunista para España.

Esperamos que nuestra experiencia y nuestro trabajo sean útiles para ustedes. Muchas gracias.

Inés Isasi, CJC

Grußwort an den Parteitag der KP Schwedens (SKP)

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Liebe Genossinnen und Genossen der Kommunistischen Partei Schwedens,

Die kommunistische Weltbewegung befindet sich weiterhin in einer Krise. Dies hat auch die Corona-Pandemie ein weiteres Mal offengelegt: Es zeigt sich, dass es in vielen Organisationen, in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, umstritten ist, welche Wege der Klassenkampf gerade nimmt, wo die Fronten verlaufen, wofür die Arbeiterklasse kämpfen muss und wie die Kommunisten im Klassenkampf wirken müssen. Unserer Auffassung nach zeigt die Pandemie vor allem die Unfähigkeit und auch fehlende Bereitschaft der Bourgeoisie, gegen das Virus vorzugehen und effektive Maßnahmen zum Gesundheitsschutz zu ergreifen. Es liegt somit an der Arbeiterklasse selbst, ihren Organisationen und ihrer Partei, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Volksgesundheit zu erkämpfen. Dieser Kampf wird in Deutschland dadurch erschwert, dass sich im letzten Jahr eine Bewegung gebildet hat, die sich selbst ein „rebellisches“ Image gibt und die von der Regierung getroffenen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung als „diktatorische“ Eingriffe in die Bürgerrechte bekämpft. Anstatt eine konsequente Politik zum Gesundheitsschutz zu fordern, wollen sie das Ende jeder effektiven Gesundheitspolitik. Damit erfüllen sie objektiv den Zweck, das Kapital in seinem Widerstand gegen die Lockdown-Maßnahmen zu unterstützen.

Die gravierende Desorientierung der Pandemieleugner und -verharmloser ist in Deutschland ein Produkt der Schwäche der bestehenden Organisationen selbst, deren strategische Überlegungen zu unscharf sind, und die auch nur mangelhafte Mittel und Wege haben zu klären, wie sie den Klassenkampf führen wollen.

Auch in der Pandemie macht sich damit das Fehlen einer starken, inhaltlich klaren und revolutionären kommunistischen Partei schmerzlich bemerkbar. Aus Sicht der KO besteht heute die Notwendigkeit, eine solche KP in Deutschland wiederaufzubauen. Die kommunistische Bewegung in Deutschland kann sich dabei auf eine reiche Tradition stützen: Die Kämpfe der revolutionären Sozialdemokratie im Deutschen Kaiserreich, die Novemberrevolution 1918/19 und die revolutionären Kämpfe bis 1923, der Kampf der KPD unter Ernst Thälmann, der Widerstand gegen den Faschismus, der Kampf gegen die Wiederbewaffnung und Eingliederung der BRD in das imperialistische Lager und natürlich der Aufbau des Sozialismus in der DDR. Mit diesen Erfahrungen müssen wir uns noch tiefer auseinandersetzen, um aus der Geschichte zu lernen und uns für den Klassenkampf zu wappnen.

Heute muss die KP in Deutschland jedoch aus unserer Sicht neu formiert werden. Wir erkennen die Kämpfe an, die in der BRD über Jahrzehnte um den Erhalt und Wiederaufbau der KP geführt wurden: Zuerst in der KPD der Nachkriegszeit, dann in der illegalen KPD nach dem Parteiverbot 1956 und später in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP).

Wir sehen heute aber gravierende Unklarheiten unter vielen Kommunisten in Deutschland: Dazu zählen Unklarheiten darüber, was es bedeutet, eine Partei nach dem Demokratischen Zentralismus zu organisieren, welche Strategie die kommunistische Bewegung im Kampf um die Macht einschlagen sollte, wie der Imperialismus zu analysieren ist, wie Staaten wie Russland und China heute einzuschätzen sind. Es ist unabdingbar und unverzichtbar, dass wir uns mit diesen Fragen intensiv beschäftigen und klare Antworten darauf finden.

Seit der Gründung der KO im Jahre 2018 haben sich uns viele neue und alte Herausforderungen gestellt. Wir haben uns auf unserer Vollversammlung im vergangenen Februar die Aufgabe vorgenommen, uns mit diesen Anforderungen an unsere Organisation intensiv zu beschäftigen: Was bedeutet es konkret, eine kommunistische Partei aufzubauen? Wie muss diese Partei aufgestellt sein? Was bedeutet das für die Mitglieder einer Partei? Was bedeutet es für uns heute? Wir wollen ein Selbstverständnis erarbeiten, das darauf Antworten gibt.

Der Prozess des Aufbaus der kommunistischen Partei ist nicht möglich, ohne den Zusammenhang der internationalen kommunistischen Bewegung zu berücksichtigen. Die internationale Zusammenarbeit der Kommunisten ist aus unserer Sicht zwingende Voraussetzung für ein Erstarken der kommunistischen Bewegung in den einzelnen Ländern. Wir haben sehr davon profitiert, dass wir uns umfassend mit den Entwicklungen kommunistischer Parteien in anderen Ländern beschäftigt haben. Insbesondere die Erfahrungen, die in einigen Ländern mit dem Aufbau neuer marxistisch-leninistischer Parteien gemacht wurden, ihre Erfolge und Probleme, sind für uns von großem Wert. Wir sind immer wieder erfreut über die klaren und konsequenten Standpunkte, die von euch, der SKP, in den großen Streitfragen der kommunistischen Weltbewegung vertreten werden.

Wir hoffen und möchten unseren Beitrag dazu leisten, dass in der internationalen kommunistischen Bewegung die Klärung der zentralen Fragen Fortschritte macht und die Parteien, die für eine konsequente revolutionäre Ausrichtung der Bewegung stehen, an Stärke und Einfluss gewinnen. Die strategische Ausrichtung dieses Teils der kommunistischen Bewegung ist von allgemeiner Bedeutung und beschränkt sich nicht auf besondere Bedingungen einzelner Länder. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass wir unsere revolutionäre Strategie ausgehend von den Bedingungen des Kampfes in unserem Land entwickeln und nicht mechanisch kopieren können.

Wir hoffen, auch in Zukunft weiterhin einen guten, genossenschaftlichen Austausch mit euch, unseren schwedischen Genossinnen und Genossen entwickeln zu können, dass wir gegenseitig voneinander lernen und gemeinsam stärker werden können. Wir wünschen euch deshalb einen erfolgreichen Parteitag und dass er euch hilft, zu einer qualitativ und quantitativ stärkeren Partei für die schwedische Arbeiterklasse zu kommen.

Es lebe der proletarische Internationalismus!

Es lebe die Kommunistische Partei Schwedens!

73 Jahre Vertreibung sind kein Grund zum Feiern – Freiheit für Palästina!

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In wenigen Tagen feiern die Zionisten und ihre westlichen Verbündeten den 73. Geburtstag des Staates Israel, der am 14. Mai 1948 gegründet wurde. Für Millionen Menschen weltweit aber ist es der Tag der Nakba, der palästinensischen Katastrophe. Als Kommunisten stehen wir an der Seite der Unterdrückten, daher steht für uns dieses Datum für die anhaltende Vertreibung der Palästinenser.

Die Nakba ist nicht vorbei

Während der Nakba 1947 bis 1949 wurden mehr als 700.000 Palästinenser durch die zionistischen Kolonialtruppen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben. Tausende wurden ermordet.[1] Diese ethnische Säuberung war der blutige Geburtsakt des israelischen Staates – und er  war nur der Auftakt zu weiteren Aggressionen des Zionismus im Nahen und Mittleren Osten: Die israelischen Invasionen, Anschläge und Massaker gegen die Palästinenser, die arabischen Nachbarländer und den Iran sind längst nicht mehr zählbar. Ein Höhepunkt war 1967 die Eroberung ganz Palästinas und die Annexion Jerusalems. Zwischen 2009 und 2014 bombte das israelische Militär das Ghetto von Gaza gleich drei Mal in Schutt und Asche. Den dort eingesperrten 2 Millionen Menschen fehlt es aufgrund der israelischen Blockade bis heute an Material, um ihre Häuser wieder aufzubauen, von Medizin ganz zu schweigen. Wer am Grenzzaun von Gaza gegen dieses Elend protestiert, wird kurzerhand erschossen. Ähnlich gehen die zionistischen Kolonialisten im besetzten Westjordanland vor: Morde durch die Besatzungstruppen und Anschläge durch radikale Siedler sind dort genauso Alltag wie die Schikanen und Erniedrigungen, die die Palästinenser an den Checkpoints und der Apartheidsmauer ertragen müssen. Und auch der Landraub und die Zerstörung palästinensischer Häuser schreiten mit dem zionistischen Siedlungsbau tagtäglich voran. Daher haben die Palästinenser Recht, wenn sie sagen, dass die Nakba in Wahrheit nie beendet wurde. Was aktuell im Stadtteil Sheikh Jarrah in Jerusalem geschieht, macht das deutlich: Die israelische Regierung, die Gerichte, die Sicherheitsbehörden und die Siedler arbeiten aufs Engste zusammen, um palästinensische Familien aus ihren Häusern zu vertreiben. Protest und Widerstand werden mit Gewalt gebrochen.[2] Sheikh Jarrah ist die Fortsetzung der Nakba!

Internationalismus verteidigen! 

Häufig wird die Frage gestellt, wieso sich immer wieder alles um den sogenannten Nahostkonflikt dreht. Wieso sprechen wir nicht über Kaschmir oder die Westsahara? Nun, auch das tun wir. Aber das ist kein Argument, sich nicht zum Palästinakonflikt zu verhalten. Vor allem aber verkennt eine solche Frage, dass der Palästinakonflikt eine besondere Dimension hat, gerade hier in Deutschland. Damit meinen wir nicht die »besondere Verantwortung« Deutschlands für Israel, von der die bürgerlichen, pro-zionistischen und imperialistischen Politiker und Medien schwadronieren. Sie reduzieren den deutschen Faschismus gezielt auf seinen Antisemitismus, um Israel vor jeglicher Kritik abzuschirmen und zugleich Roma weiterhin zu diskriminieren, gegen Russland aufzurüsten, ehemaligen KZ-Gefangenen die Rente zu verwehren, alte und neue Nazis zu schützen und Kommunismus mit Faschismus gleichzusetzen. 

Nein, es geht um die Tatsache, dass der Palästinakonflikt in der BRD innenpolitisch instrumentalisiert wird, um linke Grundpositionen zu untergraben und zu diskreditieren: Israel ist ein zutiefst rassistischer Kolonialstaat. Israel ist ein extrem aggressiver Staat, eine Atommacht mit einer hochmilitarisierten Gesellschaft und mit einer Armee, in der nahezu die gesamte nicht-arabische Bevölkerung Dienst leisten muss und die ihre Aufstandsbekämpfungstaktiken und neue Waffensysteme regelmäßig an den Palästinensern testet. Und doch trauen sich aufgrund der zunehmend hysterischer werdenden Hetze immer weniger Menschen, den dortigen Rassismus und die israelische Kriegspolitik anzuprangern. Ja nicht einmal dann, wenn Deutschland Waffen an dieses hochgerüstete Land liefert, wird annähernd ähnlicher Protest geäußert, wie wenn dieselben Rüstungsgüter an andere Verbündete wie die Türkei oder Saudi-Arabien gehen. Es geht also darum, dass wir hier im Zentrum des westlichen Imperialismus nicht mehr Stellung beziehen sollen gegen Krieg und Rassismus! Wer dies doch tut, dem werden Räume verweigert, dessen Ruf wird öffentlich ruiniert – seit der Antisemitismus-Resolution des Bundestages sind zumindest theoretisch sogar Abschiebungen wegen als Antisemitismus klassifizierter Kritik an Israel möglich! 

Diese Diffamierungskampagnen reichen weit hinein in die politische Linke und in die Gewerkschaften. Sie dienen der Schwächung internationalistischer und klassenkämpferischer Kräfte in der Arbeiterbewegung. Ausdruck davon sind die Anti-BDS-Resolutionen etwa der DGB- und der Verdi-Jugend. Aber auch auf Demonstrationen kommt es regelmäßig zu Konflikten, Anfeindungen und Ausschlüssen, wenn Palästina-Flaggen gezeigt werden. Der B.Z. reichten solche Fahnen kürzlich, um zu behaupten, auf dem 1. Mai in Berlin seien »Judenhasser« mitgelaufen.[3] Um das Thema zu umgehen, gibt es seit vielen Jahren  »Nationalfahnen-Verbote« auf linken Demos. Diese schlecht versteckte Entsolidarisierung mit einem unterdrückten Volk kann für uns nur Anlass sein, die Fahne Palästinas noch höher zu halten!

Solidarität bedeutet Klarheit und Selbstkritik 

Unsere Solidarität jedoch muss in ihrer Form klar und konkret sein. So eindeutig das Bekenntnis der Kommunisten zur Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf ist, so unkonkret ist diese Solidarität häufig. 

Palästina ist eine unterdrückte Nation, eine der letzten Kolonien des westlichen Imperialismus. Das heißt, es ist die nationale Befreiung, die in Palästina auf der Tagesordnung steht. Diese Tatsache hat sich seit hundert Jahren, als die Kommunistische Internationale auf ihrem Kongress der Völker des Ostens die antikoloniale Revolution ausrief,[4] nicht geändert. Der Volkswiderstand in Palästina hat seit je her verschiedene Formen angenommen – vom friedlichen Protest über den Generalstreik bis hin zum bewaffneten Kampf. All diese Formen des Widerstands sind legitim. Der Widerstand ist breit – er umfasst Bauern und Arbeiter wie auch Kleinbürger, nationalistische wie auch sozialistische Kräfte, Säkulare wie auch Religiöse. Auf der Grundlage des Ziels der nationalen Befreiung gilt unsere Solidarität grundsätzlich all diesen Kräften. Die Gleichsetzung etwa islamischer Widerstandsorganisationen mit den zionistischen Kolonisatoren lehnen wir ab.[5] 

Trotzdem gibt es für uns, wie auch für die kommunistische Bewegung insgesamt, notwendige Fragen, die wir klären müssen, wenn wir unsere Solidarität ernst meinen: Welchen palästinensischen und auch israelischen Kräften gilt unsere Unterstützung, welche Strategie für die Befreiung ist die richtige? Dafür müssen wir uns mit prinzipiellen Fragen, etwa nach dem Charakter des Staates Israel als Siedlerkolonie, auseinandersetzen. Aber auch Dogmen wie die Zweistaatenlösung, an der offiziell fast alle kommunistischen Kräfte festhalten, gilt es zu hinterfragen.[6] Damit einhergehen muss die kritische Auseinandersetzung mit unserer eigenen Geschichte: Wir gedenken heute der Nakba, die ein grausames Unrecht und ein Akt imperialistischer Aggression war. Tatsache ist jedoch, dass die Sowjetunion der Teilung Palästinas 1947 in der UNO zustimmte und dass die Tschechoslowakei, die damals unter sowjetischem Einfluss stand, die zionistischen Milizen aufrüstete und militärisch unterstützte.[7] Dieses Kapitel unserer Geschichte wird zumeist totgeschwiegen oder aber relativiert. Wir werden aber nicht umhin kommen, uns mit ihm auseinanderzusetzen und gegebenenfalls Selbstkritik zu leisten. Dieser kritische Blick zurück ist notwendig, um alte Fehler nicht zu wiederholen und für die Zukunft die richtige Strategie gegen den Imperialismus und im Sinne einer konsequenten Solidarität mit den Palästinensern zu erarbeiten.

Es lebe der Befreiungskampf des palästinensischen Volkes! 

Hoch die internationale Solidarität! 


[1] Siehe hierzu den Klassiker von Ilan Pappé: Die ethnische Säuberung Palästinas, https://docplayer.org/51614249-Die-ethnische-saeuberung-palaestinas.html.

[2] https://occupied-news.medium.com/savesheikhjarrah-eine-ethnische-säuberung-spotlight-zu-den-aktuellen-ereignissen-in-jerusalem-e04ae8839fae.

[3] https://www.bz-berlin.de/berlin/judenhasser-marschierten-bei-den-mai-demos-in-berlin.

[4] 1920 rief die Komintern eine Konferenz in Baku, der heutigen Hauptstadt Azerbaidschans, zusammen, um im Bündnis mit nicht-kommunistischen antikolonialen Kräften eine antiimperialistische Strategie zu erarbeiten. An ihr nahmen 1900 Delegierte aus Asien und Europa teil.

[5] Nicht selten wird insbesondere die Islamische Widerstandsbewegung (Hamas) als angeblich spiegelbildliches Übel auf eine Stufe mit Israel und den zionistischen Kolonialherren gesetzt. Solche Töne schlug etwa der Kommunistische Aufbau in seinem kürzlich veröffentlichten Positionspapier zum Palästinakonflikt an: https://komaufbau.org/die-nationale-frage-in-palaestina-und-israel.

[6] Ausnahmen bilden die palästinensischen Organisation PFLP und seit wenigen Jahren auch die Palästinensische Kommunistische Partei. International stehen jedoch nahezu alle kommunistischen Organisationen offiziell für die Zweistaatenlösung. Selbst wenn sie sich, wie zuletzt vor allem die MLPD, in ihrer praktischen Solidarität mit den Palästinensern im Allgemeinen und der PFLP im Besonderen positiv hervortun.

[7] https://deutsch.radio.cz/mgs-fuer-den-juedischen-staat-8161152.

Aktionen zum Tag der Befreiung

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Die Ortsgruppe Leipzig hat anlässlich des 76. Jahrestags der Befreiung zu einem Rundgang an Orte des antifaschistischen Widerstand in Leipzig geladen. Über 13 Stationen verteilt, errinerten kurze Texte sowie eingesproche Audioaufnahmen an die legale und illegalisierte Arbeit der KPD, an Zwangsarbeiterstätten und verschiedene Orte des aktiven Widerstands. Der Rundgang fand sein Ende auf dem Ostfriedhof wo ein Kranz zu Ehren der dort begrabenen 1758 Sowjetsoldaten abgelegt wurde. Der Rundgang kann in digitaler Form auf einer eigens dafür erstellten Website (08051945leipzig.jimdofree.com) abgerufen werden und steht somit auch nach dem 8. Mai für Interessierte zur Verfügung.

Ausflug zum 8. Mai nach Bad Fallingbostel / Oerbke zum Ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag XI B und dem „Friedhof der Namenlosen“. In beiden Lagern sind mehrere zehntausende sowjetische Soldaten sowie zahlreiche Soldaten anderer Nationen umgekommen. Allein auf dem „Friedhof der Namenlosen“ liegen um die 30.000 Sowjetsoldaten. Wir haben uns für diesen Ausflug entschieden, um uns aktiv mit der Geschichte unserer Region auseinanderzusetzen. Im Juli 1941 trafen die ersten Kriegsgefangenen ein. Von den langen Märschen die bereits hinter ihnen lagen, waren viele bereits völlig erschöpft. Im Lager selbst gab es keine Behausungen für die Gefangenen. Sie lagen in Gruppen von vier oder mehr Gefangenen in selbst ausgehobenen, primitiven Erdhöhlen, um sich vor der Kälte zu schützen. Täglich bekamen sie ein Brot für zehn Gefangene. Fast wahnsinnig vor Hunger und Durst aßen viele Gefangene Baumrinde oder Gras und tranken verseuchtes Wasser. Später besserte sich ihre Lage, um in der faschistischen Kriegsproduktion eingesetzt zu werden. Die Zwangsarbeit bedeutete für viele den Tod.

Mit einer kurzen Veranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal in der Schönholzer Heide gedachte die Berliner Ortsgruppe der KO der Befreiung vom Hitlerfaschismus vor 76 Jahren. Die Bedeutung der Sowjetunion für den antifaschistischen Kampf wurde mit Zitaten von Clara Zetkin und Major Anna Wladimirova Nikulina gewürdigt. Aus der Rede von Clara Zetkin vom Frauenkampftag, am 8. März 1932: „Es gibt nur eine Kraft, die fähig ist, die herannahende Katastrophe abzuwenden: der entschlossene, unerbittliche Kampf der Werktätigen gegen den Krieg. Diese Entschlossenheit müßt ihr mit besonderer Kraft am internationalen kommunistischen Frauenkampftag, am 8. März, zum Ausdruck bringen. Die Losungen dieses Tages müssen unüberhörbar in der ganzen Welt erklingen: Gegen die verbrecherischen Kriegsbrandstifter!“

Wir haben zum 8. Mai eine kleine Kundgebung mit einer Ausstellung in Erinnerung an die faschistischen Verbrechen aber auch dem antifaschistischen Widerstand dagegen in Frankfurt veranstaltet. Auf der Hauptwache haben wir Poster ausgelegt auf denen die Geschichte unterschiedlicher Orte beschrieben wurde. Diese und unsere gekürzte Stellungnahme haben wir verlesen. Viele Menschen haben sich interessiert die Ausstellung angesehen. Wir haben aber nicht nur der Befreiung Deutschlands vom Faschismus gedacht, sondern auch dem Massaker von Sétif in Algerien, was ebenfalls am 8. Mai 1945 stattfand. Hier wurde deutlich, dass die “antifaschistischen” Alliierten eben gleichzeitig auch Besatzer und Kolonialherren waren, die vor keiner Schandtat zurück schreckten.

Auf dem Jenaer Nordfriedhof haben wir am Tag der Befreiung der antifaschistischen Widerstandskämpfer gedacht. 
An dem 1982 eingeweihten Denkmal liegt das Grab von Magnus Poser. Der Kommunist und Widerstandskämpfer aus Jena organisierte zusammen mit Theodor Neubauer den Widerstand gegen Krieg und Faschismus in ganz Thüringen. Beide wurden für ihren Einsatz im Interesse der Arbeiterklasse von den Faschisten kurz vor Kriegsende ermordet. Die DDR setzte ihnen und allen Antifaschisten hier ein Denkmal. Heute geraten sie und ihr Kampf für den Sozialismus zunehmend in Vergessenheit. 
Der ausgedehnte Friedhof zählt viele Denkmäler zum antifaschistischen Kampf und zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Mit einigen wollen wir uns in den nächsten Jahren genauer beschäftigen und ihr Andenken hochhalten.

Antifaschistischer Stadtspaziergang am 8. Mai, am Tag der Befreiung: Als Kommunistische Organisation Gießen haben wir an dem historischen Rundgang der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Gießen, DKP Gießen, SDAJ Gießen und der VVN Gießen teilgenommen und uns mit einem Redebeitrag beteiligt. Insgesamt sind gestern 150 Menschen durch Gießen gezogen und haben an verschiedenen historischen Orten halt gemacht und von den Gräultaten der Faschisten berichtet. Credo aus allen Reden war, dass der Kampf gegen den Faschismus nur erfolgreich sein kann, wenn wir ihm die kapitalistische Basis entziehen und das eine antifaschistische Zukunft nur sozialistisch sein kann.

Gedenken heißt heute: Klärung für den Kampf

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Der 8. Mai gibt Anlass zur Klärung kommunistischer Standpunkte und zur Wiedererlangung kommunistischer Identität

Wenn wir heute der Befreiung von Krieg und Faschismus gedenken, gedenken wir ihr 80 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion und im Angesicht hochbrisanter zugespitzter imperialistischer Rivalitäten. Die Militarisierung in der Schwarzmeerregion, in der Ukraine, in den Baltischen Staaten und die wiederholten Übungen der NATO-Streitkräfte an den Grenzen Russlands und Weißrusslands sowie der endlose Streit um die Nordstream-2-Gaspipeline sind eine gefährliche Anhäufung von Schießpulver, welches droht, irgendwann in die Luft zu fliegen – mit unbekanntem Ausgang.

Der 8. Mai symbolisierte viele Jahre lang für die Völker der Welt das Ende des Zweiten Weltkrieges, die Befreiung vom und den Sieg über den Faschismus, das Ende des Leids, das die deutschen Faschisten und ihre Verbündeten über die Völker Europas und der Welt gebracht haben. Der 8. Mai symbolisierte einen Neuanfang, bei dem menschlichere, gerechtere, ja sozialistische Verhältnisse durchgesetzt wurden.

Heute sieht das Gedenken größtenteils anders aus. Es hat eine bürgerliche Vereinnahmung und Umkehrung der Gedenkpolitik stattgefunden. Im Interesse der Herrschenden findet eine Gleichsetzung des Faschismus mit dem Sozialismus statt. Die Befreiung von diesen sogenannten „großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts“ wird inzwischen auf die Jahre 1989/90 terminiert.

In der kommunistischen Bewegung ist die Erinnerungspolitik ritualisiert und jeweils von unterschiedlichen Zielstellungen geprägt. Die Dissense in der kommunistischen Bewegung (KB) führen zu unterschiedlicher Politik ihrer Parteien und Organisationen und erschweren ein Wiedererstarken einer selbstbewussten und kämpferischen Arbeiterbewegung. Das zeigt sich auch an den Schlussfolgerungen aus dem Sieg über den Faschismus: Für die einen ist die notwendige Lehre, auch ohne den Faschismus an der Macht eine Volksfrontpolitik anzustreben. Andere betonen, dass eben jene Volksfrontstrategie einer kritischen Reflexion bedarf. Genauso wird die aktuelle Bedrohung durch den Faschismus unterschiedlich eingeschätzt und es werden konträre Analysen des Imperialismus entweder als multipolare Weltordnung oder imperialistische Pyramide getroffen.

Nur die Klärung dieser Dissense kann die Wiedererlangung einer kommunistischen Identität und den Aufbau einer kommunistischen Partei ermöglichen, welche die Arbeiterklasse gegen das Kapital eint. Nur sie kann die kapitalistische Offensive gegen die Interessen der Arbeiterklasse und der breitesten Volksschichten, die drohenden Zuspitzungen imperialistischer Rivalität, die immer neue Kriegsgefahren in sich bergen, die rücksichtslose Ausplünderung der Rohstoffe für die kapitalistische Akkumulation, wie den um sich greifenden ideologischen Reaktionismus, Irrationalismus und Nationalismus aufhalten.

Die Geschichtsfälscher der BRD und der EU

Schon immer hat sich der westdeutsche Kapitalismus – die Bundesrepublik Deutschland (BRD), ihre politischen Eliten, Ideologen und Agenten – schwer mit der Einordnung des Kriegsendes als einer Befreiung von Krieg und Faschismus getan. Erst 40 Jahre nach Kriegsende hat ein westdeutscher Apologet des Systems die Vokabel der Befreiung in den Sprachgebrauch der herrschenden Klasse aufgenommen, durchgesetzt hat sie sich aber nie vollständig und schon gar nicht konsequent. Erst heute – nach der Konterrevolution, dem vorläufigen Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus, der Etablierung kapitalistischer Verhältnisse im ehemaligen sozialistischen Lager, sind die Herren und Damen in den Chefetagen bereit, von Befreiung zu reden. Doch schieben sie dieses Ereignis – zumindest für den Osten unserer Republik – auf das Jahr 1990 und bezeichnen es als Befreiung von Diktatur und Gewaltherrschaft. So verlautbart die Bundesregierung, die „Befreiung [der Menschen in Mittel- und Osteuropa] von den Nazis mündete in neuen Diktaturen. Erst 1989/90 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, ist das Zeitalter der Diktaturen in Europa beendet“. Schlussendlich wird der 8. Mai 1945 also konsequent mit dem „Fall der Berliner Mauer“ und der konterrevolutionären Wende in Verbindung gebracht und als ideologische Doktrin über die Köpfe der ausgebeuteten Klassen geschüttet: „Wir haben nichts mit Faschismus und Krieg zu tun gehabt. Hitler und Stalin waren schuld!“ und „Seit 1990 seid ihr endlich frei!“.

Während der 8. Mai von der sozialistischen und kommunistischen Bewegung stets als Tag der Befreiung und des Sieges der Völker über den Faschismus gefeiert wurde, war er bis zur staatsseitigen Umwidmung in den Augen des westdeutschen Kapitals und seiner politischen Führungsfiguren ein Tag der Niederlage oder einfach des Kriegsendes. Die Umschreibung der Geschichte und Vereinnahmung der Befreiung durch den bürgerlichen Staat basiert auf der Totalitarismus-Theorie und gipfelte im September 2019 in der Entschließung des EU-Parlaments unter dem Titel „Bedeutung der Erinnerung an die europäische Vergangenheit für die Zukunft Europas“. Darin nehmen die Staaten der EU eine gemeinsame und verbindliche Beurteilung im obigen Sinne vor: eine Gleichsetzung der Kommunistischen Bewegung mit dem Faschismus und eine Verurteilung der Sozialistischen Staaten und kommunistischer Ideologie. Der deutsche Faschismus und die Sowjetunion werden gleichermaßen für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht und die Interessen der verantwortlichen Kapitalgruppen am Krieg geleugnet.

Weiter wird beklagt, dass es „in einigen Mitgliedstaaten noch immer Denkmäler und Gedenkstätten gibt, die totalitäre Regime verherrlichen“ und eine Erinnerungskultur gefordert, „die die Verbrechen faschistischer, stalinistischer und anderer totalitärer und autoritärer Regime […] ablehnt“. Alle Mitgliedsstaaten werden dazu aufgefordert, dieses Geschichtsbild „in die Lehrpläne und die Schulbücher aller Schulen“ aufzunehmen. Darüber hinaus sei man besorgt, „dass nach wie vor Symbole totalitärer Regime in der Öffentlichkeit […] verwendet werden“, verweist aber auf die in ihren Augen positive Tendenz, „dass in zahlreichen europäischen Staaten die Verwendung […] kommunistischer Symbole verboten [ist]“. Zu diesen Ländern gehören Polen und die Slowakei, wo dementsprechend Verbotsverfahren gegen die Kommunistischen Parteien laufen. Schon vor Jahren musste die Ungarische Kommunistische Arbeiterpartei ihren Namen ändern, um Repressionen zuvorzukommen und auch kommunistische Symbole wie Hammer und Sichel sind in Ungarn illegalisiert. Die zur EU gewendete Ukraine begann ihren Maidan mit der Schleifung von Denkmälern aus der Sowjetzeit und zwang Kommunisten in den Untergrund. Jüngst kündigte die Stadtverwaltung von Lviv/Lemberg an, das Denkmal für die Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee abzureißen.

Antikommunismus als Staatsdoktrin

„Antikommunismus und Geschichtsfälschung gehören in der Europäischen Union zum guten Ton“ schreibt die Zeitung der österreichischen Partei der Arbeit (PdA). Sie ist Mitglied der Europäischen Kommunistischen Initiative und der International Communist Review – beides Organe, die die Klärung und den Wiederaufbau der internationalen Kommunistischen Bewegung auf marxistisch-leninistischer Grundlage anstreben. Weiter schreibt die PdA über die EU: „Das Bündnis im Dienste des Kapitals beschließt einerseits selbst Resolutionen dieses Charakters und andererseits deckt sie die repressive Gesetzgebung in den Mitgliedsstaaten. Die Verfolgung der kommunistischen Bewegung ist eine notwendige Ergänzung der volksfeindlichen, arbeiterfeindlichen Politik der EU und wird in Zeiten der kapitalistischen Krise noch verschärft.“

Die ideologische Offensive des Klassenfeindes auf das Bewusstsein der Arbeiterklasse geschieht vor dem Hintergrund der ausweglosen Situation der nationalen und internationalen Bourgeoisie und wird begleitet von zunehmenden Angriffen auf die soziale und rechtliche Lage der Lohnabhängigen. Die kapitalistische Welt bewegt sich in einen unlösbaren Widerspruch hinein: Ihre strukturelle Krise, die keinen Ausweg in ein neues Akkumulationsmodell zulässt, zwingt die einzelnen Kapitalfraktionen und kapitalistischen Staaten in zunehmende Konkurrenz. Das ganze Gefüge ihrer internationalen Vereinbarungen und Allianzen wird durcheinandergeworfen, wird brüchig und instabil. Die Corona-Krise wirkt dabei als Brandbeschleuniger und als Ausrede für die kapitalistische Krise. Begleitet wird diese durch einen massiven Anstieg repressiver und reaktionärer Angriffe der Kapitalistenklasse, um ihre strukturelle Schwäche zu kompensieren. Strömungen des Irrationalismus, Nationalismus und Reaktionismus sind unvermeidliche Begleiterscheinungen dieses Angriffes.

In Reaktion auf diese Situation finden wir in der linken und kommunistischen Bewegung einerseits die Position, breiteste Bündnisse bis in das Lager bürgerlicher Klassen zu formieren, um einer faschistischen Gefahr entgegenzuwirken. Andererseits treffen wir auf Kräfte, die gar im diffusen Lager irrationalistischer und reaktionärer Demonstranten Anknüpfungspunkte für antimonopolistischen Protest sehen. Wir halten eine Klärung der Begriffe Faschismus und Faschisierung sowie eine intensivere Verständigung über die Frage des autoritären Staatsumbaus für dringend erforderlich. Darüber hinaus halten wir es für dringend geboten, eine Klärung bezüglich sozialdemokratischer, versöhnlerischer und opportunistischer Tendenzen und Strategien in der KB herbeizuführen, da ohne ihre Überwindung keine Ausrichtung auf eine konsequente Klassen- und Bündnispolitik möglich ist.

Befreiung, BRD und DDR

Heute stellt sich die BRD als geläutert dar: Sie habe die Zeit der Hitlerbarbarei aufgearbeitet, sie vertrete ein modernes demokratisches Gemeinwesen. Dabei war die Gründung der BRD die ideelle und materielle Weiterführung des geschlagenen deutschen Faschismus und seiner Eliten. Das 1965 in der DDR erschienene „Braunbuch“ belegte, dass in Westdeutschland „der Bundespräsident, 20 Angehörige des Bundeskabinetts und Staatssekretäre, 189 Generäle, Admirale und Offiziere in der Bundeswehr oder in den NATO-Führungsstäben sowie Beamte im Kriegsministerium, 1118 hohe Justizbeamte, Staatsanwälte und Richter, 244 leitende Beamte des Auswärtigen Amtes, der Bonner Botschaften und Konsulate, 300 Beamte der Polizei und des Verfassungsschutzes sowie anderer Bundesministerien […] Stützen der Hitlerdiktatur, Wegbereiter und Nutznießer der Judenverfolgung, Organisatoren und Kommandeure der Überfälle auf fast alle Länder Europas“ oder „Mörder von Antifaschisten und Widerstandskämpfern“ waren (siehe Braunbuch – Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik. Berlin 1965). Nach einer kurzen Zeit der Entnazifizierung wurden Hitlers Generäle wieder eingesetzt, um die Bundeswehr aufzubauen. Der Aufbau des Auslandsgeheimdienstes, des späteren BND, wurde dem „Ost-Experten“ Reinhard Gehlen übertragen, vorher Generalmajor der Wehrmacht der Abteilung Fremde Heere Ost. „Spezialisten“ der Gestapo, der SS und des SD schufen den so genannten Verfassungsschutz der BRD. Der CDU-Bundespräsident Heinrich Lübke war KZ-Bauleiter der Nazis, Gestapo-Vertrauensmann und Beauftragter für den Einsatz von KZ-Häftlingen und mitverantwortlich für das verbrecherische System der Vernichtung durch Arbeit. Der CDU-Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger war NSDAP Mitglied seit 1933 und Mitarbeiter im Ribbentrop-Ministerium. Er hatte maßgeblichen Einfluss auf die NSDAP-Propaganda und lenkte nachweislich die Pogromhetze im Ausland. Die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen.

In der DDR wurde der Staatsapparat konsequent von Nazi- und Kriegsverbrechern gesäubert und mit Widerstandskämpfern, Exilanten und unbelasteten Personen besetzt. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und der Zerschlagung der NSDAP-Strukturen wurde eine antifaschistisch-demokratische Umgestaltung eingeleitet und der alte Beamtenapparat zerschlagen. Aufbauend auf den Lehren der Pariser Kommune von 1871, der Oktoberrevolution in Sowjetrussland von 1917 und der gescheiterten deutschen Novemberrevolution von 1918 wurde eine Arbeiter- und Bauernmacht an die Stelle des bürgerlich-kapitalistischen Staates gesetzt. Mit der Umgestaltung der Wirtschaft, der beginnenden Kollektivierung der Landwirtschaft und der Landenteignung der Barone und Junker hatte erstmals in Deutschland das Volk seine Geschicke selbst in die Hand nehmen können. Das Privateigentum an Produktionsmitteln und die damit verbundene Lohnsklaverei wurden beseitigt und mit der Übernahme der Betriebe in die Obhut der Belegschaften begann der Aufbau einer sozialistischen Planwirtschaft. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln und der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit schienen in greifbarer Nähe. Doch wie in den 1930er Jahren der Faschismus aufgepäppelt wurde, um die revolutionäre Arbeiterbewegung zu unterdrücken, begann sofort nach der Spaltung Deutschlands durch die Westalliierten die Restauration der alten Verhältnisse im Bonner Machtbereich. Brauchten und förderten die kapitalistischen Monopolverbände diesseits und jenseits des Rheins und Atlantiks ab 1933 den Hitlerfaschismus, um die Sowjetunion zu vernichten, so brauchten die westlichen Imperialisten mit den USA an ihrer Spitze die BRD als revanchistischen Frontstaat gegen die DDR.

Welche Strategie gegen Krieg und Faschismus brauchen wir?

In der KB gibt es tiefe Dissense darüber, wie ein Krieg heute aufgehalten werden kann. Eine Klärung dieser Dissense und der offenen Fragen in Bezug auf die Analyse des heutigen Imperialismus und die Strategie der KB sind notwendig. Die Zuspitzungen zwischenimperialistischer Widersprüche, wie sie an verschiedenen Schauplätzen der Welt ausgetragen werden, das Erstarken reaktionärer und nationalistischer Ideologien und Bewegungen, werden unserer Auffassung nach in unzulässiger und verkürzter Art mit den Zuspitzungen der kapitalistischen Krise der 1920-30er Jahre verglichen und falsche Orientierungen gegeben. Heute wird vielfach in der linken und kommunistischen Bewegung gewarnt, dass die Geschichte sich wiederholen könnte und eine „möglichst breite antifaschistische Front unabhängig von allen Unterschieden in Ansichten, Religionen und Weltanschauungen“ (Bruno Mahlow, in Rotfuchs – Tribüne für Sozialisten, Kommunisten und andere Linke, März 2021) gefordert. Die bedrohlichen außenpolitischen Zuspitzungen fordern aber Klarheit in der Strategie und eine starke und kämpferische Arbeiterbewegung. Sie fordern vor allem die Schaffung einer Kommunistischen Partei, die in der Lage ist, die Arbeiterbewegung zu führen.

Die kapitalistische Welt ist in imperialistische Einflusssphären aufgeteilt, doch aufgrund der ungleichmäßigen Entwicklung des Imperialismus (Lenin) gerät diese Aufteilung ins Wanken. Die Konkurrenzbedingungen des internationalen Kapitals verschärfen sich und führen dazu, dass die verschiedenen Staatengruppen sich um Bündnisse und Allianzen bemühen, um ihren Einfluss geltend zu machen. Staaten wie Weißrussland, aber auch die Ukraine, der Nahe und Mittlere Osten geraten dabei ins Visier der verschiedenen starken Ökonomien. Die vielfach geforderte multipolare Weltordnung umschreibt, dass aufstrebende kapitalistische Ökonomien wie Russland und China eine Neuaufteilung der Einflusssphären und Absatzmärkte beanspruchen. Das ist für die internationale Arbeiterklasse kein erstrebenswertes Ziel, denn aus dieser Neujustierung der internationalen Verhältnisse und dem sich daraus notwendig ergebenden aggressiven und militaristischen Reagieren der Staaten an der Spitze der imperialistischen Welt erwächst die Kriegsgefahr.

Wir sind der Auffassung, dass es notwendig ist, sich tiefer und eingehender mit der Strategieentwicklung der historischen Kommunistischen Internationale (KI) auseinander zu setzen, um die heutigen Dissense in der KB zu überwinden. Wenig bekannt ist, dass die 1935 von der KI beschlossene Volksfrontstrategie bereits 1939 abgebrochen wurde, als sich der Krieg erst in Richtung Westen entlud und nun kapitalistische Staaten einander bekämpften. Welche Bedeutung hatte die Volksfrontstrategie dennoch für den Sieg über den Faschismus? So falsch es ist, die Volksfrontstrategie gering zu schätzen oder einfach über Bord zu werfen, so wenig ist in der KB reflektiert, wie diese im Laufe der Entwicklung nach 1945 opportunistisch interpretiert wurde. Sie wurde nun als Bündnis mit der Sozialdemokratie und schließlich als Unterordnung unter diese praktiziert. Für gänzlich untauglich halten wir ahistorische Vorstellungen einer Wiederholung der Volksfrontstrategie, z.B. ein Bündnis mit dem kapitalistischen Russland, um einen angeblichen USA-NATO-Faschismus zu verhindern.

Die Klärung der Dissense und Meinungsverschiedenheiten um Fragen des Imperialismus, der Partei und ihrer Strategie und dem Ziel einer sozialistischen Planwirtschaft sind die Voraussetzung dafür, dass in Deutschland wieder eine Kommunistische Partei entstehen kann. In diesem Sinne rufen wir zum 8. Mai dazu auf, sich dem von der KO angestoßenen Klärungsprozess anzuschließen!

Es lebe der 8. Mai, der Tag der Befreiung vom Faschismus!

Ruhm und Ehre der Roten Armee!

Unvergänglich ist das Banner Lenins und der Bolschewistischen Partei!

Zur Wohnungsfrage: Keine Illusion in einfache Lösungen

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Die Wohnungsfrage ist in allen größeren Städten zu einem massenhaften Problem geworden. Die Mietsteigerungen der letzten Jahrzehnte haben bei gleichzeitiger Lohnstagnation und der Ausweitung des Niedriglohnsektors dazu geführt, dass ein großer Teil der Arbeiterklasse inzwischen fast die Hälfte seines Einkommens für die Miete zahlt.

Im Kapitalismus ist alles eine Ware, auch lebensnotwendige Güter wie die Wohnung. Andererseits ist Wohnraum auch aus der Perspektive des Kapitals nötig, damit Arbeitskräfte in einer relativen Nähe zu ihren Betrieben bereitstehen. Um das zu gewährleisten, betrieb der Staat lange einen öffentlichen Wohnungsbau und beeinflusste so die Entwicklung der Mieten. Dennoch arbeitete er nie im Interesse der Mieter, was Mieterhöhungen und Verfall bei öffentlichen Wohnungen zeigen. In den letzten Jahren kam es zu gezielten Privatisierungen staatlicher Wohnungen, die enorme Mietsteigerungen vorantrieben. Unter den Käufern waren Aktiengesellschaften wie Vonovia oder Deutsche Wohnen, denen es nicht um die Bedürfnisse der Mieter, sondern ausschließlich um die Erfüllung der Dividenden geht.

Berlin ist eine beispielhafte Stadt für dramatische Mietsteigerungen. Die massenhaften Privatisierungen öffentlicher Wohnungen fanden unter der Regierung von SPD und Linkspartei in den 2000er Jahren statt. In den letzten Jahren kam es zu größeren Protesten gegen steigende Mieten, bei denen auch scheinbar radikale Forderungen nach Enteignung von Wohnungskonzernen gestellt wurden. Daraufhin beschloss der Berliner Senat den „Mietendeckel“, der die Mieten für fünf Jahre auf dem bereits hohen Niveau von 2019 einfrieren sollte. Diese Deckelung bedeutete eine Verbesserung für etwa 1,5 Millionen Haushalte, wenngleich vornehmlich die Proteste und Forderungen nach Enteignung beruhigt werden sollten. Doch gerade aus diesen Kreisen wurde das Gesetz als „erster Sieg für die Mieter“ bejubelt. Am 15.04.21 wurde der Mietendeckel vom Bundesverfassungsgericht kassiert sowie den Vermietern erlaubt, die ausgebliebenen Beträge zurückzufordern. Laut Umfragen haben 47 % der Betroffenen das „gesparte“ Geld nicht mehr – nicht zuletzt, weil sie es in der Pandemie für ihre Lebenshaltungskosten brauchten. Durch den instabilen Mietendeckel werden sie also ärmer sein als zuvor, sich verschulden und vielleicht ihre Wohnungen verlieren. Die Rücknahme des Mietendeckels war vorhersehbar: Es wurde kein rechtssicheres Gesetz formuliert.

Von der Unzufriedenheit der Berliner Mieter profitiert nun eine Kampagne zur „Enteignung“ großer Immobilienkonzerne. „Deutsche Wohnen & Co enteignen!“ wird inzwischen von den in Berlin mitregierenden Parteien Linkspartei und Grüne, sowie von Teilen der SPD, unterstützt und für den Wahlkampf genutzt. Dabei sind es diese Parteien, die durch die Privatisierung der öffentlichen Wohnungen das Elend auf dem Berliner Wohnungsmarkt hervorgebracht haben. Per Volksentscheid soll nun der Senat aufgefordert werden, zuvor privatisierte Wohnungen zurückzukaufen. Über die Höhe des Rückkaufpreises soll in der Abstimmung allerdings nicht entschieden werden. Stattdessen besteht die Hoffnung, dass SPD, Linkspartei und Grüne im Sinne der Mieter handeln werden – und das obwohl der Berliner Senat in den letzten Jahren bei anderen Rückkäufen bereits etliche Milliarden verloren hat. Darüber hinaus werden die grundsätzliche Legalität des Volksentscheids und die Höhe der Entschädigung vermutlich in jahrelangen Gerichtsstreiten verhandelt werden. Die deutsche Justiz hat jedoch beim Mietendeckel bewiesen, auf wessen Seite sie steht. Falls es tatsächlich zu einer „Enteignung“ kommen sollte, ist also davon auszugehen, dass die privaten Wohnungskonzerne daran reichlich verdienen werden. Zahlen wird die Arbeiterklasse, denn es gibt keine Garantie, dass die Mieten durch den Rückkauf sinken werden. Im Gegenteil liefert die Kampagne selbst das beste Argument gegen Mietsenkungen: Die Entschädigung soll durch die zukünftigen Mieteinnahmen finanziert werden.

Man sieht an dieser Stelle, welche Illusionen die Kampagne in den bürgerlichen Staat und seine Gesetzgebung schürt. Sie unterstellt einen neutralen Charakter von Staat und Gesetzen, die für die Mieter nutzbar seien. Dabei wurde der „Enteignungsparagraph“ – Art. 15 GG – nach dem Zweiten Weltkrieg unter gänzlich anderen gesellschaftlichen Bedingungen eingeführt. Doch obwohl es damals eine viel stärkere Arbeiterbewegung und die Systemkonkurrenz mit dem Sozialismus gab, wurde er bisher nie angewendet. Der Staat macht eben Politik im Interesse des Kapitals und nicht der Arbeiterklasse. Das lässt sich nicht durch eine Unterschrift ändern. 

In der Anfangsphase der Kampagne gab es Versuche der Mieterorganisierung, doch das wesentliche Element des Kampfes ist nun die Unterschriftensammlung. Die regelmäßigen Fristen im komplizierten Prozess des Volksbegehrens binden einen großen Teil der Aktivisten ein und scheinen die Organisierung zu ersetzen. Es wird ein einfacher Weg suggeriert: Eine Unterschrift reiche aus, um zu „enteignen“ und damit schnell die Wohnungsnot zu lösen. Das verklärt die reale politische Situation, denn um tatsächliche Verbesserungen zu erkämpfen, braucht es eine stabile und langfristige Mieterorganisierung. Es ist zu befürchten, dass ein Großteil der Unterstützer unzufrieden sein und sich zurückziehen wird, wenn die Kampagne scheitert.

Mietendeckel und Enteignungen sind prinzipiell richtige Reformforderungen. In der aktuellen Form sind sie aber leicht angreifbar und können reale Verschlechterungen für die Arbeiterklasse bedeuten. Stattdessen brauchen wir entschädigungslose Enteignungen und einen dauerhaften bundesweiten Mietendeckel. Diese Forderungen dürfen nicht von der Illusion begleitet werden, dass der Staat in unserem Interesse agiert und sie daher einfach umsetzen wird. Uns stehen schwierige Kämpfe bevor, die wir mit einer einzelnen Kampagne und einer einfachen Unterschrift nicht gewinnen werden. Dafür brauchen wir massiven Druck auf der Straße und starke Mieterorganisationen, die Verbesserungen erkämpfen und verteidigen können, z.B. durch Mietstreiks. Wir müssen uns unabhängig von den bürgerlichen Parteien – darunter SPD, Linkspartei und Grüne – organisieren, die uns Mieter mehr als einmal verraten haben und es wieder tun werden. Sie sind keine Bündnispartner, sondern klare Gegner in der Wohnungsfrage. Die Mieterorganisationen müssen Verbindungen zu den Gewerkschaften und stattfindenden Klassenkämpfen knüpfen. Die steigenden Mieten können kurzfristig vor allem durch Lohnerhöhungen abgemildert werden, daher brauchen wir bessere Ergebnisse in den Tarifrunden.

Uns muss aber klar sein, dass es im Kapitalismus weder dauerhaft günstige Miete noch massenhafte Enteignungen von privatwirtschaftlichen Konzernen geben kann. Langfristig lässt sich die Wohnungsfrage nur in einem System ohne Marktwirtschaft und Privateigentum lösen. Daher muss der Kampf um bessere Wohnbedingungen schon heute mit dem Kampf um den Sozialismus verbunden sein.

Ohne Kommunistische Partei keine klassenkämpferischen Gewerkschaften

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Stellungnahme zum 1. Mai 2021

Über die Notwendigkeit und den Weg zur Überwindung der Krise der Arbeiterbewegung 

Ohne Kommunistische Partei ist der Kampf der Arbeiterklasse ziellos und wird auch im Kleinen immer wieder verloren gehen. 

Wir brauchen keine Utopien, sondern einen konkreten Weg zur Macht der Arbeiterklasse. Wer keine klare Perspektive auf den Sozialismus hat, muss sich auf Reformforderungen beschränken oder mit radikalen Phrasen in die Irre führen. 

Wer den Kampf in den DGB-Gewerkschaften ablehnt, serviert der Arbeiterklasse Illusionen. Wer sich an den Opportunismus der Gewerkschaftsführung anpasst, kann den Kampf nicht führen. 

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Die Gewerkschaften sind nicht die Kampforganisationen, die die Arbeiterklasse braucht. Die sozialdemokratische Führung hat die Konkurrenzfähigkeit des Kapitals im Blick und setzt die Spaltung der Klasse fort. 

In der Corona-Pandemie, die besonders die Arbeiterklasse trifft, trägt die Gewerkschaftsführung den Kurs der Regierung mit und überlässt es weitgehend den Betriebsräten, für Maßnahmen zu sorgen. Der Schutz vor Infektionen wird dem Ziel untergeordnet, das Geschäft am Laufen zu halten. Die Strategie der „kontrollierten Durchseuchung“ wird akzeptiert. Scheinzugeständnisse wie das „Recht auf Home-Office“ und die Verpflichtung der Unternehmen, den Arbeitern Tests anzubieten, deren Umsetzung nicht kontrolliert wird, sollen beruhigen. 

Durch die Wirtschaftskrise steigt die Arbeitslosigkeit, die Löhne vor allem der einfachen Arbeiter sinken und größere Teile der Arbeiterklasse sind von Armut und Existenzunsicherheit betroffen. Mit der Umstrukturierung zentraler Bereiche der Industrie werden hunderttausende Arbeitsplätze bedroht und das Kapital wird die Ausbeutung der Arbeitskraft durch Rationalisierung verschärfen.  

Wie reagiert die Gewerkschaftsführung darauf? Durch lange Tarifabschlüsse mit sehr niedrigen oder keinen Lohnsteigerungen wird Ruhe an der Front der ökonomischen Auseinandersetzungen geschaffen. Der Tarifabschluss der IG Metall für die wichtigsten Branchen des deutschen Kapitals stellt einen weiteren Vorstoß zur Zerstückelung und Flexibilisierung dar. Damit wird die Kampfkraft der Arbeiterklasse weiter geschwächt und gespalten, sie wird noch direkter den Interessen der einzelnen Betriebe untergeordnet. Die „Transformation“, die zu erheblichen Verwerfungen führen kann, soll durch die von den Arbeitern selbst bezahlte Arbeitszeitverkürzung „gestaltet“ werden. 

Dominanz der Sozialdemokratie 

Die politische Dominanz der Sozialdemokratie in den Gewerkschaften gründet sich darauf, dass Teile der Arbeiterklasse mit relativ besseren Bedingungen rechnen können. Sie sind die objektive Voraussetzung für den Opportunismus in der Arbeiterbewegung. In der Geschichte hat sich gezeigt, dass die Imperialisten aufgrund ihrer ökonomischen Stärke und ihrer Stellung in der innerimperialistischen Konkurrenz einen Teil der Arbeiterklasse mit Geld aus ihren Extraprofiten bestechen können. Dieser Teil der Arbeiterklasse – die Arbeiteraristokratie – wirkt objektiv als Agent der herrschenden Kapitalistenklasse in den Reihen des Proletariats. Ihre politische Organisationsform ist die Sozialdemokratie, und in den Gewerkschaften und den Betriebs- und Personalräten sitzt sie oft an den zentralen Schaltstellen. 

Das Problem besteht nicht nur in den Führungen, die einfach etwas durchsetzen. Das Bewusstsein weiter Teile der Basis ist davon geprägt, dass die eine oder andere Form der Klassenzusammenarbeit richtig sei und die Spaltung der Klasse hingenommen wird. 

Zugleich sind einige Teile der besser gestellten Schicht der Arbeiterklasse selbst unter Druck und durch die Entwertung ihrer Arbeitskraft vom Abstieg gefährdet. Die Versprechen der Sozialdemokratie auf eine Verbesserung der Lage wirken weniger. Die herrschende Klasse versucht, durch Verhetzung und Verbreitung chauvinistischer Ideologie die Arbeiter an sich zu binden.  

Spaltung der Klasse 

Die Gewerkschaftsführungen befördern die Spaltung durch die Isolierung und Neutralisierung der Teile der Klasse, die von stagnierenden Löhnen, Rationalisierung, Verarmung und Niedriglohn betroffen sind. Diese Teile der Klasse sind aber meistens nicht organisiert, vor allem auch nicht politisch. So kann die Arbeiteraristokratie ihren Einfluss ungehindert, ohne Gegenwehr, ausüben. Das heißt nicht, dass es in den DGB-Gewerkschaften keinerlei Organisierung der betroffenen Arbeiter gibt und alle Gliederungen gleichermaßen diesen Kurs tragen. Allerdings wird jede Regung von Arbeitern, die gegen die sozialpartnerschaftliche Politik eine Politik der Konfrontation mit dem Kapital einfordern, im Keim erstickt, desorganisiert oder in ungefährliche Bahnen gelenkt. Diese Regungen zeigen die Bereitschaft zum Kampf, offenbaren aber auch den fast gänzlichen Mangel an strategischen und taktischen Überlegungen im Kampf mit dem Kapital und seinen Agenten in der Arbeiterklasse. 

Wie und wozu organisieren? 

Die Frage, welche Teile der Arbeiterklasse organisiert sind und welche Teile in ihnen das Sagen haben, ist keine beliebige – es ist eine zentrale politische Frage für den Kampf in den Gewerkschaften. In den Gewerkschaften politisch für eine klassenkämpferische Orientierung wirken zu wollen, ohne diese Frage auch nur im mindesten beantworten zu können, mündet entweder im Einrichten im gewerkschaftlichen Apparat in der Rolle des „linken Kritikers“ oder in Aktionismus und Kampagnenpolitik. 

Die DGB-Gewerkschaften 

Eine der zentralen Fragen ist das Verhältnis zu den DGB-Gewerkschaften als aktuell größte Organisationen der Arbeiterklasse. Scheinradikale Parolen gegen die DGB-Gewerkschaften mögen zwar vielleicht dem berechtigten Zorn einiger Arbeiter entsprechen, aber sie lenken ihn ins Nichts. Illusionen in den Aufbau von unabhängigen Arbeiterzirkeln oder „freien Gewerkschaften“ umgehen die politisch gestellte Frage. Sie ignorieren, dass die DGB-Gewerkschaften Organisationen der Arbeiterklasse sind, die sie im harten Kampf aufgebaut hat, und in denen um die politische Orientierung gerungen werden muss.  

Die kämpferischen Teile der Arbeiterklasse in den Gewerkschaften erkennen die politisch verräterische Rolle der Führung und zugleich die Notwendigkeit, sich in möglichst großen und einheitlichen Organisationen zusammenzuschließen. Ihr politisches Problem, wie der Kampf in den Gewerkschaften organisiert werden kann, wird missachtet, wenn man auf den Austritt aus den DGB-Gewerkschaften und den Aufbau kleiner Zirkel setzt. 

Zugleich sind Illusionen in die DGB-Gewerkschaften ein Hindernis für das Führen der Kämpfe. Sie übersehen, dass große Teile der Klasse nicht organisiert sind und dass die DGB-Gewerkschaften keine Einheitsgewerkschaften, sondern de facto sozialdemokratische Richtungsgewerkschaften sind. Es ist richtig und notwendig, eine möglichst einheitliche Organisierung der Arbeiter anzustreben und in diesem Sinne das Prinzip der Einheitsgewerkschaft zu verteidigen. In konkreten Auseinandersetzungen zeigt sich aber, dass eine Antwort auf den Opportunismus gefunden werden muss, um zu verhindern, dass weitere Teile von den Gewerkschaften abgestoßen werden.  

Gewerkschaftlicher Kampf und Sozialismus 

Das Verhältnis zu den DGB-Gewerkschaften und überhaupt zur Organisierung der Massen ist vom politischen Ziel nicht zu trennen. Das Ziel der Sozialdemokratie ist der Klassenkompromiss. Um diesen herzustellen, muss sie den gewerkschaftlichen Kampf auf die Ebene der Tagesforderungen und Reformen beschränken und durch Scheinzugeständnisse am Leben erhalten. Ein direktes oder indirektes Bündnis mit den politischen Kräften der Sozialdemokratie – SPD und Linkspartei – anzustreben, hindert daran, den Kampf gegen sie in den Gewerkschaften führen zu können. Damit wird man die Dominanz bestimmter Teile der Klasse und die eigene Isolation von der Arbeiterklasse nicht überwinden können.   

Die Frage beantworten, wohin der Kampf führen muss 

Wenn der gewerkschaftliche Kampf nicht vom politischen Kampf, also vom Klassenkampf, abgetrennt werden kann, dann kann er auch nicht von der revolutionären Strategie des Kampfes abgetrennt werden. Er kann nicht vom Ziel des Klassenkampfes, dem Sozialismus, abgetrennt werden, ohne dass die Arbeiterklasse gespalten, niedergehalten, irregeführt wird oder im schlimmsten Falle harte Niederlagen erleiden muss. Der Klassenkampf wiederum kann nicht vom Inhalt des Zieles isoliert werden. Für die heutigen Kämpfe ist es zentral zu verstehen, wohin die Kämpfe steuern müssen: Wie soll die Revolution vor sich gehen? Was heißt Sozialismus? Das sind wichtige strategische Fragen für die Führung der Kämpfe hier und heute. Wer sie in die weite Ferne schiebt, wer sie falsch beantwortet oder der Arbeiterklasse vorenthält, wird letztlich die Klasse nicht auf ihre Aufgaben vorbereiten. 

Wenn der Sozialismus in eine utopische Vorstellung verwandelt wird, die erst nach einer Weltrevolution stattfinden kann und in scharfem Kontrast zum real existierenden Sozialismus der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten dargestellt wird, dann wird die Arbeiterklasse zum Verharren im Kapitalismus gezwungen, weil sie ein praktisch unerreichbares Ziel anstrebt. Die Verteufelung und Bekämpfung des real existierenden Sozialismus entweder als „Sozialimperialismus“ oder als „stalinistische Bürokratendiktatur“ ist nicht nur falsch und unwissenschaftlich, sondern sie verwehrt der Arbeiterklasse den Zugang zur Erkenntnis ihrer eigenen Geschichte, sowohl was die Erfolge als auch was die Niederlagen anbetrifft und verhindert damit den Weg zu einer konkreten Strategie zum Sozialismus und fabuliert nur vom „wahren Sozialismus“.  

Eine Verschiebung der Antwort ist es, wenn der Sozialismus erst nach einer undefinierten Übergangsetappe in Form einer „echten Demokratie“ erreicht werden soll und damit die Machtfrage ungenau bleibt. Oder wenn der Sozialismus als eine andere Variante der Marktwirtschaft vermittelt und die zentrale Planwirtschaft als unmöglich erklärt wird. Dann muss die Arbeiterklasse in den grundsätzlichen Widersprüchen des Kapitalismus gefangen bleiben und wird sich nicht von reformistischen Ideen eines „gesteuerten“ oder demokratisierten Kapitalismus befreien können. 

Die Rolle der Kommunistischen Partei 

Der ökonomische Kampf ist nicht vom politischen zu trennen und man kann sie auch nicht „nacheinander“ führen. Wer die Arbeiterklasse auf den ökonomischen Kampf reduzieren will, überlässt sie der politischen Führung durch die bürgerliche Klasse und führt auch die „kleinen Kämpfe“ kurz- oder mittelfristig in die Niederlage. 

Ohne Kommunistische Partei, die den Kampf auf Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus anführt, kann die Arbeiterklasse das Niveau der Einzelkämpfe nicht überwinden und die Gewerkschaften nicht zu Kampforganisationen formen. Diejenigen, die die Gewerkschaften klassenkämpferischer wollen, müssen sich politisch organisieren und den Arbeitern auch sagen können, wie sie sich organisieren sollen. Das Ziel und die Art der Organisation ist dabei nicht beliebig. 

Wenn die Organisierung des bewusstesten Teils des Proletariats in der Kommunistischen Partei und ihre zentrale, führende Rolle abgelehnt werden, dann wird die Arbeiterklasse gezwungen, auf der Ebene der Tageskämpfe zu bleiben und politisch der Bourgeoisie ausgeliefert zu bleiben. Wenn die bewusstesten Arbeiter als „radikaler“ Teil in sozialdemokratischen Parteien agieren sollen, werden sie nur deren Anhängsel bleiben und keine eigenständige politische Kraft werden. Wenn sie sich als lose Gruppen auf spontaner Ebene organisieren sollen, werden sie zersplittert und ohne Kopf der geballten Macht der herrschenden Klasse gegenüberstehen. Wenn die Erkenntnisse der Arbeiterbewegung über ihre notwendige Organisationsform im Imperialismus – die Partei neuen Typs – abgelehnt werden, kann die Organisation, auch wenn sie sich Partei nennt, nicht den Zweck der Kampforganisation erfüllen. 

Die Orientierung auf die „Selbstbewegung“ der Arbeiter als Argument gegen die „Bevormundung“ durch die Partei überlässt die Arbeiter – im Namen der Arbeiter – ohne politische Führung der Herrschaft des Kapitals. Unter Losungen des „Anti-Autoritarismus“ liefert diese Vorstellung die Arbeiterklasse der Autorität der Bourgeoisie aus und entfremdet sie von ihrer politisch notwendigen Organisation. 

Es gibt zahlreiche Kämpfe der Arbeiterklasse in Deutschland, die aufzeigen, dass es Potential für eine klassenkämpferische Ausrichtung der Gewerkschaften gibt. Um dieses Potential auszuschöpfen und zu entfalten, ist die Kommunistische Partei notwendig. Diesen Anspruch erfüllt im Moment keine Organisation. Deshalb ist die Frage der Organisierung der Kommunisten die aktuell wichtigste der Arbeiterbewegung – sie muss praktisch beantwortet werden. 

Wir haben einen Klärungs- und Aufbauprozess eingeleitet, um die Kommunistische Partei in Deutschland zu formieren. Um die nächsten konkreten Schritte auf dem Weg zur Partei zu bestimmen und sie ins Verhältnis sowohl zu uns als auch zur kommunistischen und Arbeiterbewegung zu setzen, werden wir demnächst Thesen zu unserem Selbstverständnis veröffentlichen. Diese wollen wir öffentlich diskutieren und damit die Auseinandersetzung um die Frage der politischen Organisation schärfen.