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Interview CPGB-ML

Im Anschluss an unseren Podcast mit Harpal Brar sprachen wir noch einmal mit der CPGB-ML über ihre Einschätzung des Krieges, der Entwicklung Großbritanniens und der laufenden Debatte in der Kommunistischen Bewegung zur Einschätzung des Kriegs und der Imperialismusfrage sowie den Zweck der World Anti-imperialist Platform.

Following our podcast with Harpal Brar, we spoke again to the CPGB-ML about their assessment of the war, the development of Britain and the ongoing debate in the Communist Movement on the assessment of the war and the imperialism issue, and the purpose of the World Anti-imperialist Platform.

You can find the English version of the interview down below!

Wie schätzt ihr den Krieg in der Ukraine ein?

Es handelt sich nicht um einen Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Es ist ein Krieg, der von der NATO gegen Russland geführt wird. Die Ukraine dient dabei nur als Stellvertreter.

Dieser Krieg hat einen doppelten Zweck: Erstens soll Russland geschwächt, zersetzt und in leichter verdauliche Teile zerlegt werden, damit es vom Imperialismus – insbesondere dem US-Imperialismus – geplündert werden kann. Zweitens soll jede mögliche wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland verhindert werden, um Deutschland zu schwächen und es als Konkurrenten des US-Imperialismus auszuschalten. Nichts macht dem US-Imperialismus mehr Angst als die Möglichkeit einer Annäherung, geschweige denn eines Bündnisses, zwischen Russland und Deutschland.

Wie ist die Lage der Arbeiterbewegung in Großbritannien? Was sind die Reaktionen auf den Krieg?

Die Arbeiterbewegung befindet sich derzeit in einem bedauernswerten Zustand, dank der nahezu vollständigen Kontrolle der Arbeiterorganisationen durch die Sozialdemokratie, d.h. durch die pro-imperialistische Labour Party, in Verbindung mit der ununterbrochenen antikommunistischen Propaganda der bürgerlichen Medien, sowohl in gedruckter als auch elektronischer Form.

Die Bourgeoisie hat es der Sozialdemokratie leicht gemacht, ihren Einfluss auf die Arbeiterbewegung zu festigen. Dies schafft sie, indem sie über sozialdemokratische Organisationen einen winzigen Teil ihrer imperialistischen Extraprofite zur Verfügung stellt. Sie erkauft mit der Verlockung auf einen bequemen Lebensstil die Loyalität der Arbeiterführer gegenüber dem Imperialismus und schafft es, gerade ausreichende Zugeständnisse an die Forderungen der Arbeiterklasse zu machen, um jeden drohenden Kampf zu beschwichtigen. Aufgrund der sich verschärfenden Krise der Überproduktion ist die Bourgeoisie heute weniger in der Lage dazu, die Arbeiterklasse zu manipulieren, als dies in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Die sozialdemokratische Denkweise, die sich als Opportunismus manifestiert, wird jedoch nur allmählich verschwinden und muss daher mit aller Kraft bekämpft werden, um sie schneller aus der Arbeiterbewegung zu beseitigen.

Was die Reaktion der Arbeiterbewegung auf den Krieg in Europa betrifft, so hat die antirussische Hysterie, die täglich von den Propagandaabteilungen des britischen Imperialismus verbreitet wird, große Teile der Arbeiterklasse dazu gebracht, die Ukraine als Opfer der russischen Aggression zu betrachten.

Doch es liegt ein Wandel in der Luft: Die vom US- und EU-Imperialismus verhängten Wirtschaftssanktionen schaden zwar Russland, den imperialistischen Ländern schaden sie jedoch noch mehr. Infolgedessen befinden sich die Massen in einer sehr ernsten Krise der Lebenshaltungskosten, während die Bourgeoisie mit dem Krieg fabelhafte Gewinne erzielt. All dies trägt dazu bei, den Unmut gegen die Sparmaßnahmen, denen die Arbeiterklasse unterworfen ist, zu vergrößern und den Widerstand dagegen zu verstärken. Die derzeitige Streikwelle, die unter anderem die Eisenbahner und Postangestellten, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Lehrer und Beamten betrifft, ist ein ausdrucksvoller Beweis für diese Entwicklung.

Der Krieg hat dazu beigetragen, die imperialistische Krise der Überproduktion mit all ihren Auswirkungen zu verschärfen.

Wie schätzt ihr die Beteiligung Großbritanniens an dem Krieg ein?

Die britische Bourgeoisie ist mit dem US-Imperialismus als dessen Juniorpartner verbunden. Seitdem Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg seine Vormachtstellung verloren hat, hat sich die britische Bourgeoisie damit abgefunden, die Rolle des Juniorpartners zu spielen. Diese ist die einzige Möglichkeit, von den durch die USA angezettelten imperialistischen Raubkriegen – vom Korea- und Vietnamkrieg bis hin zu den Kriegen im Irak, in Afghanistan, Libyen und Syrien – zu profitieren. Die Interessen des britischen Finanzkapitals und seiner Öl- und Rüstungsindustrie sind eindeutig mit denen der Wall Street und der US-amerikanischen Öl- und Rüstungsindustrie verwoben.

Wie schätzt ihr die strategische Position Großbritanniens nach dem Austritt aus der EU ein?

Wie zu erwarten war der Brexit eine Katastrophe für den britischen, den EU- und den US-Imperialismus. Er wirkt sich nachteilig auf sie aus. Das ist genau der Grund, warum unsere Partei, die CPGB-ML, den Brexit unterstützt hat. Dieser hat der britischen herrschenden Klasse einen schweren Schlag versetzt und wird auf lange Sicht für die Arbeiterklasse von Vorteil sein, da er die britische Bourgeoisie schwächt.

Die herrschenden Kreise in Großbritannien verfügen über keine andere Strategie, als sich vor den Kriegskarren des US-Imperialismus spannen zu lassen und sich an die Schürzenbänder des US-Finanzkapitals zu binden.

Die ganze Idee, dass Großbritannien die Rolle einer unabhängigen imperialistischen Macht spielen könnte, hat sich als Illusion erwiesen.

Wie schätzt ihr die Diskussionen zum Krieg in der Ukraine und zum Imperialismus innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung ein?

Die internationale kommunistische Bewegung ist in der Frage des Krieges tief gespalten. Die einen behaupten, Russland führe einen räuberischen imperialistischen Krieg gegen die Ukraine. Andere wiederum behaupten, es handle sich um einen zwischenimperialistischen Krieg zwischen den russischen und den westlichen imperialistischen Mächten unter Führung der USA.

Meine Partei hingegen ist der festen Überzeugung, dass Russland, obwohl es ein kapitalistisches Land ist, keine imperialistische Macht darstellt. Russland verteidigt sich gegen die vereinten Kräfte des imperialistischen NATO-Blocks, der versucht, Russland zu unterwerfen und zu zerstückeln. Obwohl der Krieg der NATO ein imperialistischer ist, handelt es sich bei Russlands Krieg um eine Maßnahme der Selbstverteidigung, der Verteidigung seiner Souveränität. Seit dem Zusammenbruch der einst glorreichen UdSSR – ein Sieg des Chruschtschowschen Revisionismus nach dem Tod Stalins – wurde Russland dieser Krieg aufgezwungen durch den unerbittlichen Vormarsch der NATO bis an Russlands Landesgrenzen.

Wieso ist es aus eurer Sicht notwendig gewesen, die anti-imperialistische Plattform zu gründen? Was ist ihr Ziel?

Die anti-imperialistische Plattform, in der unsere Partei eine wichtige Rolle spielt, wurde gegründet, um die treibenden Kräfte hinter diesem Krieg zu entlarven und die Verlogenheit derjenigen Kommunisten aufzudecken, die Russland anprangern oder es für den Krieg in Europa gleichermaßen verantwortlich machen.

In den wenigen Monaten, die seit ihrer Gründung vergangen sind, hat die Plattform beträchtliche Unterstützung erfahren und dazu beigetragen, kommunistische und sozialistische Organisationen in Europa und Lateinamerika zu mobilisieren. Wir appellieren an alle wahren Kommunisten, die Pariser Erklärung [1] dieser Plattform zu unterzeichnen und dem ehrlichen Kampf gegen Imperialismus und Krieg mehr Kraft zu verleihen.

Welche Rolle und welche Schwierigkeiten kommen der Arbeiterbewegung in den imperialistischen Kernländern zu?

Die Hauptschwierigkeit besteht darin, dass es die Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern zugelassen hat, unter die Fittiche der imperialistischen Bourgeoisie zu geraten. Als solche kann sie keine revolutionäre Rolle spielen, sondern lediglich als Anhängsel der herrschenden Klasse fungieren.

Der einzige Ausweg für sie besteht darin, ihre Unabhängigkeit auf der Grundlage der revolutionären Wissenschaft und der Theorie des Marxismus-Leninismus zu behaupten, in jedem Land wirklich revolutionäre kommunistische Parteien aufzubauen, den Opportunismus zu bekämpfen und sich der Aufgabe zu widmen, die Herrschaft des Imperialismus zu stürzen und für die eigene soziale Befreiung zu kämpfen.

Die Arbeiterklasse steht vor der Wahl: Entweder unterwirft sie sich dem Diktat des Kapitals, fristet ein erbärmliches Dasein und sinkt immer tiefer ab oder sie ergreift die Fahne des Marxismus-Leninismus und stürzt den Imperialismus.


What is your position on the war in Ukraine?

It is not a war between Ukraine and Russia.  It is a war waged by Nato against Russia; Ukraine is being used as a proxy.

This war has a two-fold purpose: first, to weaken and disintegrate Russia and divide it into more easily digestible part so that it may be looted by imperialism – especially US imperialism; and second, to prevent all possible economic cooperation between Russia and Germany, thus weakening Germany and eliminating it as a competitor to US imperialism.  Nothing frightens US imperialism more than the possibility of any accommodation, let alone alliance, between Russia and Germany.

What is the state of the workers movement in the UK? What are thier reactions to the war?

The workers’ movement is in a pitiable state at the moment thanks to the near-total control of the workers’ organisation by social democracy, that is, the imperialist Labour Party, combined with the non-stop anti-communist propaganda put out by the bourgeois media, both in print and electronically.

Social democracy has been facilitated in consolidating its grip over the working-class movement by the bourgeoisie channelling through social-democratic outfits sufficient funds – a tiny proportion of its imperialist superprofits – to buy the loyalty to imperialism of working-class leaders with the lure of a comfortable lifestyle and to make just enough concessions to working-class demands to assuage any threatening militancy.  Because of the deepening crisis of overproduction the bourgeoisie today is less able to manipulate the working class than it has been over the last several decades, but the social democratic mindset that manifests itself as opportunism will only fade gradually, and requires to be fought strenuously so as to speed up the process of its elimination from the working-class movement.

As to the labour movement’s reaction to the war in Europe, the anti-Russia hysteria being daily spewed out by the propaganda arms of British imperialism has turned large sections of the working class to think of Ukraine as the victim of Russian aggression.

Nevertheless, there is change in the air.  The economic sanctions imposed by the US and EU imperialism, though hurting Russia, are hurting the imperialist countries even more.  As a result, the masses are engaged in a very serious cost of living crisis, while the bourgeoisie rakes in fabulous profits from the war.  All this is helping to develop resentment against, and resistance to, the austerity to which the working class is being subjected.  The present wave of strikes, including railway and postal workers, nurses and ambulance workers, teachers and civil servants and many others are eloquent testimony to this development.

The war has served to exacerbate the imperialist crisis of overproduction, with all its ramifications.

What do you think about the participation of Great Britain in the war?

The British bourgeoisie is joined to US imperialism as the latter’s junior partner.  Ever since Britain lost its dominant position following the Second World War, the British bourgeoisie has reconciled itself to playing this junior role as the only means of profiting from the imperialist predatory wars – from the Korean and Vietnam wars to the wars in Iraq, Afghanistan, Libya, Syria – launched by the US.  The interests of British finance capital and its oil and armaments industries are clearly intertwined with those of Wall Street and the US oil and armaments industries.

Can you tell us something about the strategic positions of the UK after leaving the EU? How do you evaluate the UKs strategy?

Brexit, as was to be expected, has been a disaster for British, EU and US imperialism. It has the effect of adversely affecting all of them.  That is precisely the reason that our Party – the CPGB-ML – supported Brexit, which delivered a powerful blow to the British ruling class and is bound, in the long run, to be beneficial to the working class, weakening as it does the British bourgeoisie.

The ruling circles in Britain have no strategy other than that of hitching themselves to the war chariot of US imperialism and tying themselves to the apron strings of US finance capital.

The whole idea of Britain playing the role of an independent imperialist power has been shown to be delusional.

How do you assess the discussions within the international communist movement on the war in Ukraine and on imperialism?

The international communist movement is deeply divided on the question of war.  There are those who assert that Russia is waging a predatory imperialist war against Ukraine; still others claim that it is an inter-imperialist war between Russian and Western imperialist powers led by the US.

My party, on the other hand, is firmly of the view that Russia, though a capitalist country, is not an imperialist power; that it is defending itself against the combined forces of the Nato imperialist bloc, which is attempting to subdue and dismember it.  While being imperialist on Nato’s part, Russia’s war is one of self defence, defence of its sovereignty, a war forced on Russia through Nato’s relentless march towards the borders of Russia ever since the collapse of the erstwhile and glorious USSR, thanks to the triumph of Khrushchevite revisionism following the death of Stalin.

Why was it necessary to found the Anti-Imperialist Platform? What are its objectives?

The Anti-Imperialist Platform, in which our party plays an important role, was formed precisely to expose the driving forces behind this war, as well as to lay bare the renegacy of those communists who are either denouncing Russia or holding it equally responsible for the war in Europe.

In the short few months since its launch, the Platform has gathered considerable support and is helping to galvanise communist and socialist organisations in Europe and Latin America. We appeal to all genuine communists to sign the Paris Declaration of this Platform [1] and bring greater strength to the noble cause of fighting against imperialism and war.

What are the difficulties but also the role of the workers’ movement in the imperialist core countries?

The main difficulty is that the workers’ movement in the imperialist countries has allowed itself to come under the wings of the imperialist bourgeoisie and, as such, has failed to play a  revolutionary role, merely acting as an adjunct of the ruling class.

The only way out for it is to assert its independence under the revolutionary science and theory of Marxism-Leninism and to create truly revolutionary communist parties in each country, fight against opportunism and devote itself to the task of overthrowing the rule of imperialism and work for its own social liberation.

The working class is faced with the choice: either submit to the dictates of capital, eke out a miserable existence and sink lower and lower; or pick up the banner of Marxism-Leninism and overthrow imperialism.


[1] https://wap21.org/?p=566

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Veranstaltung in Dresden Gemeinsam mit euch wollen wir verschiedenen Aspekten des Themas “Die Unterwerfung der Ukraine” widmen. Dafür haben wir einen Vortrag zu Phillip Kissels gleichnamigen Text vorbereitet. Im zweiten Teil seid Ihr gefragt! Der Vortrag soll als Aufhänger und Grundlage zum gemeinsamen Austausch in Kleingruppen dienen: Faschismus, Kolonialismus, Krieg und die Arbeiterbewegung - die Entwicklungen in der Ukraine brechen große und wichtige Fragen der Kommunistischen Bewegung auf. Schreibt uns für den genauen Ort!

Bei der EU-Wahl DKP wählen!

Wir rufen Euch dazu auf bei der anstehenden Wahl des EU-Parlaments euer Kreuz bei der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zu machen.