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Themen: Deutscher Imperialismus, Faschismus

Zum Geschichtsrevisionismus der BRD und warum wir dagegen kämpfen müssen

In Deutschland wird der Krieg vorbereitet. Bis 2029 soll Deutschland kriegsfähig gegen Russland sein, lautet die Zielmarke. Dafür wird die deutsche Kriegsmaschinerie mit 1,7 Billionen Euro geölt, die Wehrpflicht vorbereitet und der Kriegskurs der NATO gestützt. Die deutsche Vergangenheit stellt dabei kein Hindernis mehr dar: Der Geschichtsrevisionismus hat es durch Verdrehung, Umdeutung und Lügen geschafft, die Verbrechen der Vergangenheit als Legitimation für neue zu nutzen.

Die angebliche Entnazifizierung der BRD

Bis heute wird das Bild bemüht, dass die BRD ein gänzlich anderer Staat sei als ihr faschistischer Vorläufer und dass ein klarer Bruch mit der faschistischen Vergangenheit stattgefunden habe. Für dieses Narrativ mussten ein paar Nazi-Kader ihren Kopf oder ihre Karriere lassen. Die allermeisten jedoch, die den Faschismus getragen und finanziert hatten, konnten ungestört dazu übergehen, den neuen Staat BRD aufzubauen – egal, ob sie Heusinger, Gehlen, Globke oder Krupp hießen. Der Faschismus als politisches System wurde durch die bürgerliche Demokratie ersetzt. Die Grundlage von Krieg und Faschismus, der Kapitalismus, blieb unangetastet. Und so wurde die BRD schnell zum Bollwerk der Aggression – damals gegen die DDR und die Sowjetunion, heute gegen die Russische Föderation. Faschismus und Krieg sind keine Ausrutscher in der deutschen Geschichte; sie sind tief in diesem Staat verankert, der in seiner Geschichte immer wieder die Expansion, insbesondere nach Osten, gesucht hat.

Tipp zum Weiterlesen → Der Faschismus als Rammbock des deutschen Monopolkapitals

Das Märchen von den„zwei deutschen Diktaturen“

Was in dieser Erzählung störte, war die DDR. Denn sie zeigte, wie Entnazifizierung tatsächlich aussieht, und nahm mit dem sozialistischen Aufbau nicht nur dem Faschismus, sondern auch dem Krieg die Grundlage. Während in der DDR ehemalige KZ-Insassen den neuen Staat aufbauten, machten sich in der BRD ihre alten Wächter und Peiniger wieder an die Arbeit. Nach Jahren des Schweigens gingen BRD-Historiker dazu über, den Holocaust als Reaktion auf den Sozialismus einzuordnen, und setzten Faschismus mit Sozialismus gleich. Heute wird der Antifaschismus der DDR damit weggewischt, dass er nur der Legitimation der eigenen „Diktatur“ gedient habe. Dieser Logik folgend wird heute auch der Neofaschismus in Ostdeutschland erklärt: Die Ostdeutschen hätten aufgrund ihrer Geschichte eine „totalitäre Neigung“. Dass es die BRD war, die den Neofaschismus in Ostdeutschland finanziell und personell aufgebaut hat, wird ausgespart.

Tipp zum Weiterlesen → Zur bürgerlichen Faschismustheorie und Neofaschismus in Ostdeutschland

Der 8. Mai – Kriegsende statt Befreiung?!

Während der 8. Mai in den meisten Ländern der Welt als Tag der Befreiung vom Faschismus gefeiert wird, spricht man in Deutschland schlicht vom „Kriegsende“. Die FAZ titelte zum 80. Jahrestag, dass der 8. Mai kein Grund zum Feiern sei, während der Deutschlandfunk von den „dunklen“ Seiten der Befreiung sprach. Wo es keine Befreiung gibt, kann es auch keine Befreier geben: Bei offiziellen Gedenkveranstaltungen wird die Rolle der Sowjetunion kleingeredet, rote und sowjetische Fahnen sowie Symbole oder Musik der roten Armee sind verboten und Vertreter der Russischen Föderation werden konsequent ausgeladen.

Tipp zum Weiterlesen → Zum 80. Jahrestag der Befreiung

Die Relativierung der deutschen Kriegsschuld

Den deutschen Kriegsvorbereitungen stand lange die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg im Weg. Ein Instrument zur Relativierung der Kriegsschuld schuf eine 2019 verabschiedete EU-Resolution, die die bereits geübte Praxis zusammenfasste: Sie erklärte den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag als zentralen Faktor für den Zweiten Weltkrieg und schob der Sowjetunion eine Teilschuld am deutschen Vernichtungskrieg unter. Damit wird nicht nur geleugnet, dass die Sowjetunion den Faschismus von Anfang an aufs Schärfste bekämpfte, sondern ihr wird auch eine Mitverantwortung für die eigene Vernichtung – der deutsche Faschismus hinterließ in der Sowjetunion mehr als 27 Millionen Tote – angedichtet. Zugleich werden die Verantwortung des Faschismus relativiert und die historische Schuld, die die Westmächte durch ihre langjährige Unterstützung des deutschen Faschismus auf sich geladen haben, verschwiegen.

Tipp zum Weiterlesen → Broschüre „Geschichtsfälscher

Zionismus statt Antifaschismus

Durch die Unterstützung Israels hat sich die BRD das Image eines geläuterten Staates verliehen und die deutsche Staatsräson hat Antifaschismus einfach durch Zionismus ersetzt. Die hochmilitarisierte Besatzungsmacht Israel wird als die einzig mögliche Konsequenz von Auschwitz präsentiert. Die BRD gibtsich international als Genozidexpertin, die wegen ihrer „aufgearbeiteten Vergangenheit“ fest an der Seite Israels steht. Die alten Kriegsverbrecherkonzerne erzielenheute wieder Rekordgewinne, wenn im Namen des Holocaust Bomben auf Gaza fallenund erneut ein Völkermord verübt wird. Der Schwur der Befreiten von Buchenwald – „Nie wieder Krieg und Faschismus“ – wird so ins Gegenteil verkehrt. Gleichzeitig werden alle, die sich gegen den Völkermord in Palästina stellen, als Antisemiten diffamiert, um sie zum Schweigen zu bringen.

Tipp zum Weiterlesen → Stellungnahme zum 9. November

Die sogenannte Verantwortung“ der BRD

Von „Lehren aus der Geschichte“ wird heutzutage dann gesprochen, wenn es möglich ist, sie für die Legitimation neuer Verbrechen zu nutzen. Dabei wird unterschieden: In Verbrechen, die in diesem Sinne instrumentalisierbar sind, wie den Holocaust. So wurden in den 90er Jahren mit der Parole“Nie wieder Auschwitz“ deutsche Bomben im Angriffskrieg auf Jugoslawien gerechtfertigt. Und in Verbrechen, die nicht in diesem Sinne instrumentalisiert werden können, wie die völkermörderische Blockade Leningrads. Der deutsche Imperialismus dreht sich die von ihm begangenen Völkermorde so, wie er sie braucht, und deklariert dies als „Verantwortung“: Aufgrund seiner faschistischen Vergangenheit sei die BRD geradewegs prädestiniert dazu, „autoritäre Systeme“ zu bekämpfen, und genau daraus erwachse die historische Verantwortung des „neuen, demokratischen Deutschlands“, das heutige „autoritäre Russland“ in die Schranken zu weisen, besagt das geschichtsrevisionistische Narrativ. Dass dabei mit Faschisten, die bereits für den deutschen Faschismus Bündnispartner waren, zusammengearbeitet wird, belegen die Entwicklungen in der Ukraine und zeigen, wie schnell aus Geschichtsrevisionismus die Rehabilitierung des Faschismus wird.

Tipps zum Weiterlesen → Zum Völkermord in Leningrad und Gaza und Zur Rehabilitierung des Faschismus

Lasst uns unsere Geschichte verteidigen!

Wenn heute von historischer Verantwortung und Lehren gesprochen wird, müssen wir genau hinschauen. Wir müssen erkennen, wann Verbrechen der Vergangenheit benutzt werden, um heutige Verbrechen zu legitimieren. Wann die deutsche Kriegsschuld angeführt wird, um neue Kriege zu führen. Wann das Erbe der Arbeiterbewegung verdreht wird, um Antifaschisten erneut mundtot zu machen. Repression hat in der BRD Tradition: 1956 wurde mit der KPD, die politische Kraft, die dem Faschismus am konsequentesten Widerstand geleistet hatte und deren Mitglieder dafür als erste eingekerkert und ermordet worden waren, verboten. Bis heute erleben wir immer noch Repression und Hetze gegen alle, die sich dem deutschen Kriegskurs entgegenstellen. Gegen alle, die den Geschichtsrevisionismus benennen, den Finger in die Wunde legen und sagen: Nicht mit uns!

In diesem Sinne müssen wir auch Gedenken und Erinnerung prägen: Ein antifaschistisches Gedenken, das kein Wort über den Völkermord in Palästina oder den Krieg gegen Russland enthält, befindet sich auf Abwegen. Um in diesem Kampf zu bestehen, müssen wir nicht nur die Geschichte des Faschismus und der BRD kennen, sondern auch die Erfahrungen und Lehren der antifaschistischen Arbeiterbewegung studieren, um an sie anzuknüpfen. Diese sind unsere Geschichte, und um sie müssen wir kämpfen!

Nie wieder Faschismus, Krieg und Völkermord!

Tipp zum Weiterlesen → Zum 81. Jahrestag der Selbstbefreiung von Buchenwald