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Halle mahnt uns! 

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Heute vor fünf Jahren griff ein rechtsradikaler Attentäter eine Synagoge und einen türkischen Imbiss in Halle an und ermordete dabei zwei Menschen. Was ein offensichtliches Beispiel für den in Deutschland nach wie vor lebendigen Rassismus und Faschismus ist, wird von Seiten der Herrschenden zunehmend verfremdet, damit es in ihre imperialistische antipalästinensische Propaganda passt.

Halle war ein rechter Anschlag

Am 9. Oktober 2019, gegen 12 Uhr versuchte Stephan B., in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort möglichst viele Menschen zu töten. Es war Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, weshalb er damit rechnen konnte, dass das Gebäude voller Menschen war. Glücklicherweise hielt die Tür den Schüssen aus seiner selbstgebauten Waffe jedoch stand. Dafür erschoss er noch an Ort und Stelle eine Passantin. Danach marschierte er zu einem nahegelegenen Döner-Imbiss, wo er eine weitere Person ermordete und zwei weitere verletzte.

In seinem „Manifest“, das der Halle-Attentäter nach dem Beispiel der rechten Massenmörder von Utøya (2011) und von Christchurch (2019) veröffentlichte, bekannte er sich zu einem faschistischen und verschwörungsmythologischen Weltbild: Als Feinde benannte er „Anti-Weiße“, Juden, Muslime, Schwarze und Kommunisten.

Ursprünglich hatte der Mörder geplant, eine Moschee anzugreifen. Als Vorbild diente das Massaker im neuseeländischen Christchurch, wo ein Faschist sieben Monate zuvor 51 Muslime massakriert und das ganze per Livestream ins Internet gestellt hatte. Die Wahl eines Döner-Imbisses als „Ersatzziel“ für die nicht zu stürmende Synagoge zeigt ebenfalls, dass für B. seine Opfer letztlich austauschbar waren, solange sie zu seinen Feindbildern passten.

Mit Halle gegen Palästina

Der rechtsradikale Hintergrund des Halle-Anschlags ist nicht zu leugnen. Doch das Gedenken ist, wie immer bei rassistischen und faschistischen Verbrechen, umkämpft: Während die Herrschenden seit 1945 nichts als leere Worte und Krokodilstränen über die zig Millionen Opfer des faschistischen Terrors vergießen und zugleich die gesellschaftlichen Ursachen desselben verschleiern, machen Antifaschisten auf die Zusammenhänge von kapitalistischer Herrschaft und Ausbeutung sowie Rassismus und Faschismus aufmerksam.

Doch konkret bei Halle geht es derzeit noch um etwas anderes: Der Anschlag wird auch genutzt, um gegen die Palästinasolidaritätsbewegung vorzugehen. In der Verbotsverfügung gegen Palästina Solidarität Duisburg (PSDU) etwa wird behauptet, die Meinungen, die PSDU verbreitete – die Ablehnung von Kolonialismus, Apartheid und Genozid und die Kritik an Zionismus, Rassismus und Faschismus – schüre Hass gegen Juden in Deutschland und gefährde „Leib und Leben der in Deutschland lebenden israelischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie von Jüdinnen und Juden.“ Dabei bezieht sich das NRW-Innenministerium explizit auch auf den Halle-Anschlag, weil „aus Worten binnen kurzer Zeit Taten werden“.1

Auch in zahlreichen Medienbeiträgen zu Halle ist die Rede vom Antisemitismus, der angeblich seit dem 7. Oktober 2023 in der BRD zunehmend um sich greife. Damit werden wieder einmal in einem Handstreich Palästinasolidarität und Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt und zugleich der wahre Antisemitismus, der fast ausschließlich von rechter Seite kommt und der immer wieder in Gewalt umschlägt und Menschenleben fordert, kleingeredet.

Zwar wird das rassistische und „rechtsextreme“ Weltbild von Stephan B. schlagwortartig angeführt. Allerdings ohne es mit Inhalt zu füllen: Die Tatsache, dass er sich am antimuslimischen Christchurch-Massaker orientierte und die Einwanderung von Muslimen als Gefahr für die „weiße Rasse“ sah, kommt bei den Medien überhaupt nicht mehr vor. Auch diejenigen Berichte, die den Döner-Imbiss erwähnen, weisen nicht darauf hin, dass es kein Zufall war, dass sich der Attentäter ein türkisches Geschäft als zweiten Tatort aussuchte. Dasselbe gilt für die offizielle Erklärung des Landtags von Sachsen-Anhalt.2 Der Deutschlandfunk ist da konsequenter, wenn er einfach nur von einem „Imbiss in der Nähe“ spricht, ohne überhaupt zu erwähnen, dass es sich um ein von Migranten geführtes Geschäft handelte.3

Halle gedenken, heißt: Kampf dem Rassismus!

Wir dürfen den Herrschenden die Deutungshoheit über faschistische und rassistische Verbrechen nicht überlassen:

Wir wissen, dass der Rassismus ein elementarer Teil kapitalistischer Ausbeutungslogik und Ideologie ist, dass Faschismus eine Form bürgerlicher Herrschaft ist, dass die Rechten immer auf der Seite der herrschenden Klasse stehen und dafür von ihr hofiert und gefördert werden.

Wir wissen, dass Antisemitismus eine Form von Rassismus ist und dass der Kampf gegen Antisemitismus nur wirksam sein kann, wenn auch alle anderen Formen von Rassismus bekämpft werden.

Und wir wissen, dass der Kampf gegen Rassismus nur konsequent geführt werden kann, wenn er sich auch gegen Imperialismus und Kolonialismus und damit auch gegen den Zionismus richtet.

Ob Halle, Hanau oder Rostock – ob Auschwitz, Leningrad oder Gaza – nie wieder!

  1. https://static1.squarespace.com/static/6666a7a4f7f14d12804609d1/t/6671d2473117cf236dcbb474/1718735447349/Verbotsverf%C3%BCgung-PSDU-geschw%C3%A4rzt.pdf ↩︎
  2. https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/alle-dossiers/standard-titel/terror-anschlag-in-halle-war-nicht-vorhersehbar ↩︎
  3. https://www.deutschlandfunk.de/haseloff-antisemitismus-darf-keinen-raum-finden-100.html ↩︎

Fifteen common Myths about Hamas – and why we must fight against its Ban!

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Editorial Note by Kommunistische Organisation (Communist Organisation)

This Article was originally published in German in February 2024. We sincerely thank the comrades of Magazin der Masse (Magazine of the Masses, MagMa) for translating the text into English and sharing it on their website.

Editorial Note by MagMa

This text was written chiefly for a German audience, but addresses this important theme with a combination of rigor and conciseness perhaps unmatched in any comparable texts available as of yet in English. Wherever specific German organizations or dynamics are mentioned, no reader for whom this text is intended will struggle to find significant parallels in their own local context, whatever that may be. While half a year has elapsed since its first publication in German, the information here remains as urgently relevant and as in desperate need of further propagation as in February—a sorry reflection on our current political moment. It remains clear that fully overcoming the lies propagated about the Palestinian resistance is a sine qua non for the development of any Palestine solidarity movement worthy of the name, and cannot be avoided, deferred, or minimized any longer. This text will no doubt serve as an indispensable aid to this essential task.

About this text

This text aims to achieve the following above all else: to clarify and refute those myths that are most frequently propagated about (and against) Hamas — and, as such, to serve as an aid in arguing against them. It should be made clear at the outset that not all of the myths discussed here are lies or false claims. On the contrary, they often have at least some kernel of truth. Demythologizing these myths here specifically means objectifying, substantiating, rebutting and, in certain cases, refuting them. This is primarily done in Chapter 4.

The text has been written in such a way that each myth can be read on its own. This allows the reader to »look up« specific issues without having to read the text (again) in full. Minor repetitions were as a consequence unavoidable.

At the same time, if the text is read as a whole (especially chapters 3 and 4), it will hopefully also provide a good introduction to, and overview of, the topic of »Hamas«.

The references thus serve two purposes: firstly, to enable verification and criticism; but also, secondly, to stimulate further discussion on the part of the reader, along with the literature and source recommendations (Chapter 2). 

The introduction and the conclusion in particular refer to the political struggle in Germany, and are written as a contribution to the debate, as criticism, and as self‐​criticism, aimed at the communist, left‐​wing, Palestine solidarity and peace movements in Germany.

1. Introduction

On November 2, 2023, the German Federal Ministry of the Interior announced a ban on the activities of both Samidoun and Hamas. This was followed three weeks later by raids against alleged Hamas »sympathizers«. The armed wing of Hamas has already been on the EU terror list since 2001, and the organization itself since 2003. While various left‐​wing organizations across Germany condemned the ban on Samidoun and expressed solidarity with them, virtually no one publicly condemned the ban on Hamas.1The only exception I am aware of is Palästina Solidarität Duisburg (2023).

On the contrary, large sections of the German Palestine‐​solidarity movement clearly distance themselves from Hamas. By this is not meant those who merely defended themselves against the accusations of being »Hamas supporters« or »sympathizers,« but organizations and individuals who publicly attacked Hamas, denied that it is part of the legitimate resistance of the Palestinians, or accused it of being a »terrorist organization« or similar.

The MLPD (Marxist‐​Leninist Party of Germany) even officially called for the »fascist Hamas« to be banned, shortly after the German government had announced just such a ban.2MLPD (2023 a). It is hard to imagine how an organization that claims to be »unconditionally in solidarity with the Palestinian liberation struggle«3Rote Fahne (2022). could be more supportive of the government, more destructive of the Palestinian liberation movement, and more blatantly in line with the racist and imperialist repression carried out by the German government. Strangely enough though, the MLPD did not celebrate the actual ban on Hamas’ activities: from their point of view, shouldn’t this step have represented an »anti‐​fascist victory«?

But even we as the Communist Organization (KO) have not yet taken an open stand against this ban, unlike with Samidoun4Kommunistische Organisation (2023)., or with Hezbollah three and a half years ago.5Kommunistische Organisation (2020). In my view, however, such a condemnation of the ban is the correct position to take. 

There are many leftists and communists who put forth various arguments against those who defend Hamas against unjustified criticism and even open propaganda and repression. In my view, most of these are bogus arguments or are based on false theoretical and factual assumptions. These misconceptions concern both the reality in and around Palestine in general and Hamas in particular. Of course, they are also often an expression of what I see as a false understanding of national liberation and its relationship to the class struggle. However, I cannot go into this point here; I have already done so elsewhere.6Bamen (2023 a). Bamen (2023 b). Instead, here I intend firstly to dispel myths about Hamas, and, secondly, to argue why we must fight against their banning.

2. A brief overview of the history of Hamas

Hamas was founded in 1987 by the leading figures of the Muslim Brotherhood in Palestine.

a) The Muslim Brotherhood

The Brotherhood itself was founded in Egypt in 1928 and later established branches in various countries in the Arab world. Probably due to its status as the first such organization with mass roots, along with its reach and networking, it is considered as the »classic« political‐​Islamic or »Islamist« organization. Marxist assessments and evaluations of the Muslim Brotherhood have varied considerably: In GDR publications, for example, it was generally labeled as »right‐​wing extremist« (which seems questionable and problematic, not least for the adoption of the term »extremism« alone); more differentiated assessments can be found among some Trotskyist and »neo‐​Marxist« authors.7The booklets on the topic by both Johansen (1982) and Harman (1994) are worth reading, even if Hamas is not mentioned in either of them. An analysis of the Muslim Brotherhood cannot be undertaken here, as the Brotherhood is more than the sum of its parts, and one would really have to first deal with at least its most important national subdivisions (Egypt, Tunisia, Palestine, Jordan and Syria) and their relationships to one another. (See also Myth 2)

In very general terms, however, we can roughly outline its basic character as follows: Its ideology is a religious‐​nationalist one, which means that — unlike ISIS, for example — it recognizes the existing nation states and also the concept of the nation, and does not want to abolish it in favor of a (worldwide) caliphate; according to Helga Baumgarten, for Hamas the national framework even takes precedence over the pan‐​Arabic framework or that of the ummah (i.e. the worldwide Islamic community).8Baumgarten (2006), p. 10.

The Muslim Brotherhood is culturally conservative, economically liberal, and — according to its own self‐​image — anti‐​colonialist; it emerged as a response to the imperialist domination of the West over the Arab world and, in this struggle, stood up for its own »Islamic modernity«, thus combining the national liberation struggle not centrally with social revolutionary ideas (like the communists and, to some extent, the »Arab socialists«), but with a kind of »cultural struggle«. All of this corresponds to the (petty) bourgeois class character of the Muslim Brotherhood and its base (which, of course, also includes broader strata than the petty bourgeoisie).9Johansen (1982), p. 27. Seidensticker (2015), p. 72.

b) The Muslim Brotherhood in Palestine (1935 – 1987)

The issue of Palestine played an important role for the Muslim Brotherhood from its foundation, and the first official delegation was sent in 1935.10Baumgarten (2006), p. 11 f. However, it was not until the general strike of 1936, which led to a three‐​year uprising, that the issue attracted greater interest and, for the first time, broader sympathy in Egypt.11Gershoni / Nordbruch (2011), p. 219 f.

The Brotherhood there collected money to support the strikers and organized a media and protest campaign. Fighters are also reported to have been sent from Egypt at the time. Immediately after the end of the Second World War, in the fall of 1945, the official branch of the Muslim Brotherhood was founded in Palestine: first in Jerusalem, then in Haifa, Jaffa, Gaza and other cities. Its membership rose to 20,000 by 1947. Nevertheless, it initially remained comparatively insignificant. Its policy focused on the political future of Palestine. To this end, it also cooperated with Christians and communists. After losing its trust in the UN, the Muslim Brotherhood prepared itself for an armed liberation struggle against the British and Zionists. Meanwhile, the parent organization provided military training in Egypt for Arab volunteers who wanted to fight for Palestine, organized weapons, and sent fighters into the Mandate territory. Muslim Brotherhood fighters played an important role in the defense of Jerusalem, Bethlehem, and Faluja near Gaza against the Zionist troops in the first months of the war.12Baumgarten (2006), pp. 12-14, 18-20.

»The Muslim Brotherhood was held in high esteem by Palestinians of all political persuasions because of its commitment to Palestine. Unlike the Arab governments, they did not stop at words, but translated their support into action, first from 1936 to 1937, but above all during the war in 1948.«13Ibid. p. 17.

After the Nakba, the Brotherhood developed differently in the West Bank annexed by Jordan on the one hand, and in the Egyptian‐​administered Gaza Strip on the other. In Jordan, the Muslim Brotherhood pandered to the local monarchy and thus ultimately to Western imperialism; it gave up armed resistance against Zionism, was kept on a short leash by the king, served as competition against Arab nationalism and the socialist labor movement, and limited itself to the role of a sham opposition when it occasionally called for criticism of Amman’s pro‐​Zionist foreign policy or demanded a stricter religious‐​normative domestic policy. In this role, the Muslim Brotherhood became increasingly unpopular, especially among Palestinians in the West Bank and Jordan. Its base consisted of »merchants and landlords«. »In contrast to Egypt, employees and freelancers were hardly represented […] Pupils, students and teachers were also underrepresented.«14Ibid. pp. 21-28, quote from p. 27.

In Gaza, on the other hand, the Muslim Brotherhood consisted mainly of pupils, students and employees, which, together with the connection to Egypt (from 1953) under Abdel Nasser, may have had an influence on the more radical character of the Muslim Brotherhood in the Gaza Strip. Among the Muslim Brothers who studied in Egypt were Khalil al‐​Wazir (Abu Jihad), Salah Khalaf (Abu Iyad), Assad Saftawi, Yussef al‐​Najjar, Kamal Adwan and — depending on the interpretation — Yasser Arafat15Arafat himself was probably never a member of the MB, but maintained close contacts with it, fought in its ranks in Palestine in 1948 and was a member or even chairman of organizations close to it., who later went on to become a founder and one of the most important leaders of Fatah.16Baumgarten (2006), p. 29 f.

While Fatah (not as the only, but as the most important organization) won over to the armed struggle those — mostly young — Palestinians who demanded radical solutions, the Muslim Brotherhood in Gaza, as in the West Bank, distanced itself from the liberation struggle and thus also increasingly lost its appeal. This policy was continued by the Muslim Brotherhood in the West Bank as well as in the Gaza Strip, which reunited organizationally from 1967. In the 20 years leading up to the founding of Hamas, the Muslim Brotherhood initially concentrated on building mosques and then social institutions in order to expand its influence among the population. Due to this non‐​confrontational policy towards the occupation, the Muslim Brotherhood was viewed very favorably by the Zionist regime as a competitor to the PLO, and was treated accordingly.17Ibid. pp. 31-34. (See Myth 1)

c) Hamas (1987 until today)

This changed at the very latest with the rise of the »Islamic Resistance Movement« (acronym: HAMAS) from the end of the 1980s and the rapprochement between the Fatah and PLO leadership on the one hand and Israel on the other: Hamas was founded immediately after the outbreak of the First Intifada in December 1987. It took an active part in this popular uprising and was one of the fiercest critics of the so‐​called Oslo peace negotiations in the 1990s. From 198918Mustafa (2013), p. 122. onwards, it waged an armed struggle against the Zionist regime, and in the Second Intifada between 2000 and 2005, it was the leading military force behind the uprising, together with the Al‐​Aqsa Martyrs Brigades, which are close to Fatah.

In 2006, Hamas won the parliamentary elections in the territories occupied in 1967 by a landslide, but was unable to form a stable government due to Israel and the West’s isolationist policies along with Fatah’s blockade. In June 2007, Hamas staged a putsch in the Gaza Strip, whilst Fatah took control of the West Bank. (See Myth 10) Since then, Gaza has been the most important bastion of Palestinian resistance, while the West Bank has remained dominated by the Israeli military and their puppet regime under Mahmoud Abbas.

Israel has waged five wars to date (2008/​09, 2012, 2014, 2021 and 2023) to weaken or completely destroy Hamas. In the decade and a half or so that the organization has been in power in the Gaza Strip, it has lost its impeccable reputation for avoiding corruption and power politics but has nonetheless established itself as a leading force in the Palestinian resistance. It has both tried to make peace with Abbas and abandoned its staunch refusal to recognize Israel. (Myths 9 and 11) It has also made several U‑turns on foreign policy, particularly in relation to Syria. (Myth 13) Hamas is currently the undisputed leader of the Palestinian liberation movement: it governs Gaza, leads the resistance there, is by far the strongest resistance force militarily and, in its role as such, enjoys great support not only in Gaza, but also in the West Bank and amongst the diaspora, which is reflected not least in the election victories at universities in the West Bank.

3. Myths about Hamas

Some of the myths surrounding Hamas have already been touched on in the previous chapter. In the following, however, they will be explicitly adumbrated and refuted. These are the claims that one encounters most frequently, especially among people who are generally pro‐​Palestinian. The full list of all myths about Hamas would, of course, be much longer.

Myth 1: »Hamas was created by Israel.«

In the past, some Israeli army circles and the US media have claimed that the Muslim Brotherhood (MB) in Gaza was »financed by Israel as a counterweight against the PLO and the communists« in the years 1967 – 75, i.e. when it was mainly focused on building mosques.19Baumgarten (2013), p. 64. Helga Baumgarten writes: »Palestinian Muslim Brothers categorically deny that they ever received financial aid from Israel. What […] cannot be denied, however, is the occupying power’s very lenient and open approach to all Muslim Brotherhood activities« at the time.20Ibid. p. 65.

In her estimation: »Israeli policy towards the Muslim Brotherhood can therefore probably best be characterized as a policy of friendly tolerance, although it cannot be ruled out that there were also cases of direct support.«21Ibid. p. 66. Similarly, Jean‐​Pierre Filiu writes about this period: »The occupying power did not go so far as to give official sanction to the [Muslim Brotherhood], but instead opted for a benevolent — but by definition reversible — tolerance.«22Filiu (2012), p. 64. Alexander Flores further contends that 

»Hamas is not a creature of Israel, as is sometimes claimed. However, the Israeli occupation policy has created the conditions that have helped Hamas to achieve its current stature in two respects. It has allowed the organization, or rather its predecessor, to flourish when its competitors were severely oppressed; and it nurtured such hatred of the occupation through the continued constraint and oppression of Palestinian society and the violent and contemptuous treatment of the population«.23Flores (2009), p. 95 f.

A break with the old line

As early as the 1950s, young ex‐​Muslim Brothers who were dissatisfied with the passive attitude of the MB had contributed to the founding of Fatah as a Palestinian liberation and guerrilla organization. (See Chapter 3.b.) In the early 1980s, the phenomenon repeated itself to some extent with the founding of Islamic Jihad, which was inspired by the Iranian revolution. Although Islamic Jihad was considerably smaller and less influential than Fatah, unlike Fatah it also adhered to an Islamic ideology and thus became a competitor to the Muslim Brotherhood in this field. Hamas therefore found itself in a situation where, on the one hand, it had a solid base, particularly in the Gaza Strip, but on the other its legitimacy as a Palestinian political force was called into question. The outbreak of the First Intifada was the straw that broke the camel’s back, and served as the midwife of Hamas, which emerged from the political center and the already existing armed and secret service structures of the Muslim Brotherhood around a week after the start of the popular uprising.24Baumgarten (2006), pp. 34 – 36, 45, 49 f. Hroub (2011), p. 41 f. [English edition: (2010), p. 11]. Filiu (2012), p. 66.

Glenn Robinson and Diaa Rashwan speak of an internal »coup«25Robinson (2004), p. 123. or a kind of revolt with regard to the change of course and the founding of Hamas.26Rashwan (2007), p. 107. Raif Hussein, on the other hand, considers these interpretations to be »exaggerated«, as the MB leadership supported the decision.27Hussein (2019), p. 76 f. quote p. 76. Nevertheless, there can be no doubt that the founding of Hamas marked a clear turnaround in the Muslim Brotherhood ’s previous policy in Palestine. However, this should not be seen as an overnight event. Rather, parts of the Muslim Brotherhood around Shaykh Yassin had been preparing for this step since the mid‐​1980s, for example by stockpiling weapons and building up underground structures.28Baumgarten (2006), p. 45 f., 48-50.

»Honeymoon«?

Baumgarten writes about the Zionist occupying power’s restraint towards Hamas in the first months of its existence: 

»In the entire period from the beginning of the [First] Intifada until the early summer of 1988, the Israeli army allowed Hamas, in contrast to the PLO organizations, to operate more or less freely. As all the analyses presented confirm, Hamas strike appeals were not violently suppressed, Hamas leaflets could be distributed largely unhindered, and there were apparently relatively few arrests. At the beginning of the Intifada, only Dr. Abd el‐​Aziz Rantisi and Sheikh Khalil al‐​Quqa were arrested in Gaza. Only al‐​Quqa was ultimately deported on April 11. A total of 32 Palestinians were deported in the first year of the Intifada, the majority of them members of the nationalist PLO organizations. The first major wave of arrests against Hamas began in the late summer of 1988, after […] the Israeli army discovered the existence of armed Hamas cells. With the exception of Sheikh Ahmad Yasin, all Hamas leaders in Gaza were arrested. […] As a result of the arrests, the Hamas leadership headquarters moved to Israeli prisons. Ibrahim Yazuri […] was arrested on October 12, 1988, followed in May 1989 by Sheikh Ahmad Yasin, together with Ismail Abu Shanab, also from the Islamist leadership, and another 250 Hamas activists. By this time at the very latest, it had become clear that the honeymoon between Israel and the Palestinian Islamists was over.«29Ibid. p. 57 f.

The attentive reader will have noticed that the term »honeymoon« is actually a very inappropriate metaphor because a honeymoon follows a wedding. However, Baumgarten is actually describing the opposite, namely a kind of divorce: after Hamas was founded, there was a brief period in which the Zionist regime had not yet understood that the MB in Palestine had transformed itself from a quietist into a resistance organization. From 1989, however, Hamas has been officially considered a »terrorist organization« in Israel, and membership alone has since become enough to be imprisoned for many years.30Ibid. p. 78. As a result of this repression, Hamas fell into an existential crisis shortly after its founding, i.e. in 1989, and by 1992 at the latest.31Ibid. p. 91.

Conclusion

To begin with the Muslim Brotherhood: as far as I know, there are certain indications, but no evidence, that it has received direct support from Israel; in my view, however, this point is of secondary importance. The toleration or even direct or indirect support of the Muslim Brotherhood by Israel was based on two grounds32Baumgarten mentions another reason, namely that Israel had no interest in charging the colonial conflict with too much of a religious dimension, which is why there had long been a »hands‐​off tactic« towards mosques (ibid. p. 73), although this is no longer the case today.: 1. divide and rule — and this can hardly be blamed on the Muslim Brotherhood, as Baumgarten also emphasizes.33Ibid. p. 49. 2. This support was essentially based on the fact that the Muslim Brotherhood did not resist the colonial regime — this in turn can and must be held against it. But the founding of Hamas was precisely a radical break with this earlier policy, which had served the Zionists.34The fact that Hamas itself denies any rupture in its history and instead presents it as a stringent and harmonious development from Izz ad‐​Din al‐​Qassam through the MB to the present day does not change this. (Filiu (2012), p. 54.)

This was also evident within a very short time, when Israel initiated a policy of massive repression against the Hamas leadership. In light of this, as well as the fact that torture during interrogations of (suspected) Hamas members quickly became part of the standard repertoire of the IOF and Shin Bet, Baumgarten concludes: »All of this undoubtedly reduces to absurdity attacks by the Palestinian left against the Muslim Brotherhood or Hamas that they are collaborators with the occupation.«35Baumgarten (2006), p. 76. Filiu also describes the portrayal of the Muslim Brotherhood or even Hamas as »tools of Israel« as a »caricature«.36Filiu (2012), p. 66.

One must simply step back and survey the past decade and a half blockade, punctuated by five wars of aggression which the Zionists have waged on the Gaza strip, all of which have served and continue to serve the goal of destroying Hamas. When one does so, the re‐​laundering of these frivolous allegations of cooperation between Hamas or the Muslim Brotherhood and Israel 40, 50, or 60 years ago reveal themselves as simply and patently absurd. But then again, there are those who claim that the Taliban are still the same US puppets in 2021 that they were in the 1990s. In the end, it has become a sort of article of faith, and at issue is whether one is willing to question it: Do I believe that relationships can change or not? Do I believe that there is some kind of »original sin« that cannot be washed away? Do I believe that Western imperialism or Zionism are all‐​powerful and control everything and everyone, regardless of the facts on the table?

For the present author the matter is really quite clear: the Muslim Brotherhood in Palestine had become a tame movement from the 1950s at the latest, which therefore enjoyed a certain benevolence from the Zionists and was even pragmatically supported in the spirit of a divide‐​and‐​rule policy. Hamas marked the end of this relationship and became the bitter, mortal enemy of Zionism as a result of Oslo and the Second Intifada.

Myth 2: Hamas is a »radical Islamist« or »fundamentalist« organization.

Let’s start with the terms at issue here themselves:

a) Fundamentalism

The term »fundamentalism« comes from a Christian context and refers to Protestant movements that wanted to return to the idealistic or literary foundations of Christianity, i.e. to the Bible, which they seek to interpret literally. The most prominent Christian fundamentalists are the so‐​called Evangelicals. Since Catholics have an intermediate authority in the interpretation of the Bible in the form of the Church, fundamentalist currents have had a much harder time taking root there.37Kienzler (1996), pp. 17 f., 28 ff., 56. The same applies to Shiite Islam, which despite lacking a church in the catholic sense has an established clergy.38Halm (1988), pp. 89, 130 f. [English Edition: (2004).]

Sunni Islam, on the other hand, knows neither one nor the other and is therefore closer to Protestantism. It is similar to Protestantism in that it has a more open flank towards fundamentalism, which in its case primarily tends to mean the literal interpretation of the Koran. There have always been fundamentalist renewal movements in Islam that have questioned orthodoxy in the form of the so‐​called schools of law (madhahib), the traditional religious scholars (ulama’) and even the traditions handed down (sunnah) and the traditions of the Prophet and his companions (ahadith).39For a comparison between the Protestant and Salafi Reformation, see Murtaza (2016), p. 106 ff.

b) Salafiyya

Similar to Protestant fundamentalism, these movements have not had an invariably reactionary character: in the USA, for example, many Evangelicals early condemned slavery as a »diabolical sin.«40Hochgeschwender (2018), p. 84. Likewise, progressive reformers such as Jamal ad‐​Din al‐​Afghani (1838 – 97) or Muhammad Abdu (1849 – 1905) advocated against conservative orthodoxy and colonialism, and in favor of bourgeois democracy, scientific progress, and rationalism — referring to early Islam as the time of the »righteous ancestors«, or in Arabic: as‐​Salaf as‐​Salih.41Seidensticker (2015), pp. 39-42.

c) »Salafism,« »Jihadism« and Wahhabism

Derived from the above, the term »Salafis« in use today usually refers to much more conservative currents in Sunnism, which can also be described as fundamentalist. In their case, this fundamentalism has little that is progressive about it: the anti‐​colonialism and anti‐​imperialism is primarily cultural, often explicitly apolitical (not praying and fighting, but praying instead of fighting), and thus does not outweigh the conservatism in other issues. In general, these »Salafis« hardly differ from the Saudi Wahhabis. Admittedly, the former often reject the latter for their pact with the Saud monarchy. At the same time, however, they themselves are frequently financed by Saudi Arabia.42Lohlker (2017), pp. 52-54, 106-112. Seidensticker (2015) pp. 24-27.

Where »Salafism« does make a political appearance, it usually only attempts to impose its conservatism on society as a whole via the state. So‐​called »jihadism« à la Al‐​Qaeda or ISIS is initially the continuation of this policy by other means. However, the rise of IS in Syria and Iraq, and even more so since its downfall, has shown that this »jihadism« is particularly attractive for militias to legitimize themselves and recruit fighters (also internationally) in the context of territorial and mostly ethnically and/​or religiously charged sovereignty conflicts or civil wars. In addition to Iraq and Syria, this is also the case in Afghanistan, Yemen, North Africa and the Sahel region.

d) Hamas: An Islamic‐​conservative national liberation movement

Hamas is neither »Salafi«, nor Wahhabi, nor »jihadist«, nor apolitical. And it is not fundamentalist either. There are »Salafis« in its ranks, but they are comparatively insignificant.43Nassar (2022). It would also be strange if they did not exist within Hamas, as it is both a popular movement and an Islamic party, bringing together various Islamic currents. As explained above, it descended from the Muslim Brotherhood. The Muslim Brotherhood is not fundamentalist either; on the contrary, it is relatively pluralistic: its offshoots or subsidiary parties in the various countries are — as mentioned above in section 3 — relatively diverse. In Tunisia they are considered comparatively »liberal«44Seidensticker (2015), p. 82. in Jordan they are still a lapdog of the royal family45Baumgarten (2006), pp. 20-28. Metzger (2005), pp. 58-63. in Yemen they are atypically quite strongly »Salafi« and are even supported by the Saudis (despite the Saudis and the Muslim Brotherhood being arch‐​enemies almost everywhere else),46AlDailami (2019), p. 67 f. Partrick (2016). in Syria they have been strongly influenced by their experiences of repression since the 1970s47Metzger (2005), pp. 70-73. Seidensticker (2015), p. 75 f. and in Egypt, their country of origin, their behavior has ranged from militantly oppositional, to collaborative, to peacefully oppositional,48Ibid. pp. 72-74. depending on the policies of the current regime. They were largely shattered after General al-Sisi’s coup and have disintegrated into either »pacified« and apathetic factions on the one hand, or radicalized factions on the other.

As outlined above, they all have a religious‐​conservative political program, which generally provides for a form of bourgeois democracy and relatively liberal capitalism. Their respective nation comes first, followed by the (pan-)Arab nation, and finally the Muslim Ummah. How »conservative« or »liberal«, how »democratic« or »theocratic« the respective Muslim Brotherhood may be positioned depends on the national circumstances, the repression affecting it, and the class interests of its base.

Hamas is no exception in this sense: its ideological program is adapted to the conditions in Palestine, i.e. specifically to the national liberation struggle, which is in the interests of all Palestinian classes. Because Hamas, as a petty‐​bourgeois party and movement, relies on precisely these masses — small business owners, teachers, doctors, scientists, lawyers, engineers, workers, farmers and the national bourgeoisie — it also tries to represent their interests as best it can –within its ideological framework, of course. But this framework is much broader than one might expect from buzzwords such as »Islamism« and »fundamentalism«, which are imbued with Eurocentric schematism, idealism and prejudice: Hamas has long since ceased to conceive of its struggle as a religious one; it derives its (fighting) morality from religion, but it knows that the war in Palestine is not a war between religions. (See Myth 3) Even its language had already become »secularized« by the mid‐​2000s49Mustafa (2013), p. 70. and anyone reading today’s publications by Hamas or the Qassam Brigades will find that they argue less theologically and much more morally and in terms of international law. Insofar, then, as Hamas’s rule in Gaza might be described as authoritarian, it is not so out of any sort of conviction that it must enforce particularly strict religiously based moral rules (though there have certainly been such attempts, they have all been modified or abandoned altogether, not least due to the resistant or disobedience of the population)50Ziolkowski (2020), pp. 171-74.; Hamas itself rejects the charge that it is imposing a moral policy on the population.51Hroub (2011), p. 109 f. [English edition: (2010), p. 75]. Rather, Hamas’s supposed authoritarianism can only be understood as the inevitable conditions of rule for a government of a besieged area threatened by an overwhelming enemy. 

e) »Khamas‐​IS«?

Unlike IS and its various offshoots, Hamas is not a civil war militia that lives from hand to mouth or from conquest and acquisition rather than advocating a genuine political program. Hamas is a sustainable political party and movement with strong roots in the popular masses, which, due to the specific situation in Palestine, maintains a military arm that is part of the guerrillas of the Palestinian independence movement and at the same time, to a certain extent, constitutes Gaza’s army. Unlike IS, Hamas does not seek the violent destruction of the existing nation states and the establishment of a worldwide caliphate, nor does it pursue a sectarian or eliminationist course against any ethnic group in the region because it belongs to the wrong religion (Jews, Christians, Druze or, in relation to Iraq, Yezidis or similar) or denomination (Shiites or Alawites, which do not exist in Palestine anyway). (See also Myth 3.) Hamas has also never distinguished itself with particularly brutal murders or even celebrated them on camera. On the contrary: martyrs are honored, the killing of enemies in battle is celebrated and the enemy is of course also mocked– but they do not make, let alone circulate, footage of mass executions of Israelis.

The Zionist propaganda apparatus and the Western imperialist lying press have widely reported that Hamas itself documented and disseminated its »massacres« and »acts of terror« on October 7. But I myself only know of great footages showing freedom fighters flattening military targets, taking prisoners etc., and a people blowing up their prison walls and cheering their guerrillas. A fact check article by Occupied News does say: »Some video footage shows Hamas fighters shooting and/​or executing adult non‐​combatants — usually while trying to escape capture. It is worth noting that in at least one such video, the clear voices of other fighters can be heard shouting »NO!« and »Why?«. In another video, a Hamas fighter can be seen stopping a Palestinian in civilian clothes from humiliating a killed Israeli.«52Occupied News (2024). Unfortunately, the relevant sources are not linked. (More on the »Al‐​Aqsa flood« under Myth 15)

Finally, it should be mentioned that Hamas has repeatedly taken action against »jihadist« cells in the Gaza Strip in the past: in 2009, a group close to Al‐​Qaeda was smashed.53Beaumont (2009). In 2011, the security forces in Gaza killed more »jihadists«54Issacharoff (2011). In the following years, IS and Al‐​Qaeda supporters were repeatedly arrested in the Gaza Strip55Reed (2015). Staff (2017). and in some cases also killed by the authorities.56Ynet (2015). Conversely, Daesh officially declared war on Hamas57Abuheweila / Kershner (2018). Israel on the other hand treated more than 1,000 Syrian insurgent fighters in 2014, presumably including quite a few fighters from the Al‐​Nusra Front, the Syrian Al‐​Qaeda offshoot, in hospitals in the Golan, which has been occupied since 1967.58Leukefeld (2017), p. 183 f.

f) Wing battles within Hamas

Hamas is no more monolithic than it is »fundamentalist« or »radical Islamic«. There are various currents that vie for influence within it, which is particularly noticeable in its foreign policy orientation. In this regard, Abdelrahman Nassar speaks of three relevant poles that are currently vying for hegemony within Hamas: One around the former Hamas leader Khaled Mash’al, which could perhaps be described as the »Muslim Brother pole«; a Salafi confessionalist or sectarian pole, which is, however, comparatively without influence; and a »military wing« made up of Qassam Brigades and other leadership figures who advocate a rapprochement with the »Axis of Resistance.«59Nassar (2022). (On all this, see Myth 13) These currents or wings can be identified on the basis of the aforementioned positions on this specific issue and do not necessarily say anything about the political positions of the actors on other issues.

Leila Seurat also comments on this fact: These divergences cannot be understood by merely looking at normative categories opposing a ’radical’ outside leadership to a ’moderate’ one within,« as is often done in the literature. Before 2011, it was the exiled leadership that rejected any compromise with the Palestinian Authority; after 2011, it was willing to do so, but the leadership in Gaza resisted; the former has since pursued a »Sunni internationalist« course, the latter a nationalist and anti‐​sectarian one. Seurat therefore states: »there is no strict overlap between geographical and ideological divide.«60Seurat (2019), p. 31. Phrases such as »hardliners«, as we all too often hear in the Western press with regard to this or that Hamas politician, are even less helpful.

In general, let’s always try to be as specific as possible and use as few labels as possible!

Myth 3: »Hamas is anti‐Semitic.«

a) Definition of anti‐Semitism

Here we must first define what antisemitism actually means. If one follows the IHRA’s definition, as the authorities in Germany do, or even the so‐​called 3‑D test, then ultimately any criticism of Israel is anti‐​Semitic. That is precisely the point of these baseless definitions, which have nothing to do with science and everything to do with propaganda in the sense of Zionism and Western imperialism. It is similar to the idea that anti‐​Semitism is an isolated ideology and has nothing to do with racism; this idea originates from Moshe Postone, was adopted by the so‐​called »anti‐​Germans« (Zionist, generally white ethnically German pseudo‐​leftists) and can be found today in mainstream German media discourse, at universities, etc.61A further text on these and other aspects of the accusation of anti‐​Semitism will soon follow as an aid to argumentation.

Anti‐​Semitism can only be meaningfully defined as racism against Jews as Jews or because they are labeled as Jews. Like every form of racism, anti‐​Semitism has various specific characteristics, has its own history — which in its case is closely linked to Christian anti‐​Judaism — and is adaptable to the current interests of the racists, etc. And like all racism, it is not just about ideology, about prejudice and hatred or about direct, individual violence, but in particular about a power relationship, about structural and systematic violence, etc.62Kilani (2021). This means that racism in its fullest sense is not reciprocal, but one‐​sided. In a nutshell, this means that in the world as we know it, with its history, its reality, etc., there is no racism of blacks against whites, but only vice versa; there is no racism of Jews against Germans, but only vice versa, etc. And when a black person says: »Fucking white people« it is something completely different from when a white person says: « Fucking black people« et cetera.

b) Hostility towards Jews in the context of Palestine

For Palestine, this means that when a Palestinian says: »Fucking Jews«, this is firstly something completely different from when an Israeli says: »Fucking Palestinians« or »Fucking Arabs«. And secondly, it is also completely different from a German saying: »Fucking Jews«. Because in Palestine, the real history and present are completely different from that in Germany, especially from the years 1933 – 45: while in Europe and especially in Nazi Germany Jews were an oppressed and persecuted minority, in Palestine it is the Zionist settlers who oppressed, expelled and murdered the Palestinians. In addition, these settlers were not only Jews according to their self‐​image, but as Zionists they also claim to act in the interests and on behalf of all Jews worldwide.

This means 1. that the Palestinians are actually fighting against people who confront them as Jews; when Palestinians therefore speak of »the Jews«, this corresponds to a certain extent to reality. In the ears of many Germans, the phrase »the Jews« arouses unease because of our own history. However, we must distance ourselves from this German perspective when it comes to Palestine or the Middle East, because ultimately this phrase is just as generalizing, but also just as understandable and ultimately just as little the true core of real problems as when people talk about »the Germans«, »the Americans«, »the Chinese«, »the Palestinians« etc. in everyday life. Everyday language and consciousness do not usually constitute precise political analyses. 

2. Some German discourse goes so far as to suggest that any action against a Jewish person is anti‐​Semitic, especially if it is violent. The Palestinians, however, are actually fighting against people who are generally Jewish, but only »coincidentally« insofar as it is not the Palestinians who declare them enemies because they are Jewish. On the contrary, it is the Zionists who feel empowered to attack, oppress and expel the Palestinians on the basis of their Jewishness. It is not the Palestinians’ fault that their oppressors are Jews and of course they have the right to defend themselves against them. Moreover, as I said, an act can only be understood as anti‐​Semitic if it is directed against a Jewish person solely because he is Jewish, and not because he happens to be Jewish.

3. If the Zionists and the settlers in Palestine are equated with Judaism as a whole, this is of course incorrect and quite dangerous. However, the blame for this does not lie with any specific anti‐​Semitism among Palestinians, Arabs or Muslims, but is conversely the result of Zionist propaganda: for it is the Zionists who have equated Judaism with Zionism, Zionists and settlers with Jews per se. Western propaganda follows them in this — and gets entangled in open contradictions: for example, the ruling elite in Germany likes to declare that it is anti‐​Semitic to equate Israel and Judaism (which is correct), only to defame any criticism of Israel as anti‐​Semitic in the next breath. In short: Zionists and anti‐​Semites agree in equating Israel and Judaism (and not only in this, by the way).

It is absolutely cynical when the victims of Zionism, i.e. the Palestinians and ultimately the Arabs as a whole, are accused of anti‐​Semitism for parroting this lie of the Zionists and Western imperialism! In reality, at different times, different parts of the population in the Arab world equated Judaism and Zionism to a greater or lesser extent. According to Gudrun Krämer, until 1948 »only a few Arab journalists, writers and political activists distinguished between Jews and Zionists; the left was the most likely to do so, and even they were not consistent. The majority spoke of Jews, even if they only meant the Zionists.« She also refers to the fact that the Zionists themselves blurred this distinction in terms of language and content.63Krämer (2011), p. 165. Moreover, this lack of differentiation was always due to the position of weakness and oppression in which the Palestinians and the Arab world have permanently found themselves vis‐​à‐​vis Israel since 1947 at the latest.

This situation also explains why conspiracy myths are so virulent, especially in relation to Zionism. Zionists and pseudo‐​anti‐​Semite hunters — unsurpassably Eurocentric and ignorant as ever — simply see this as a typical characteristic of European anti‐​Semitism. It is true that elements of European anti‐​Judaism and anti‐​Semitism can also be found in the Arab and Muslim world. But on the one hand, one has to prove very concretely to what extent these are actually anti‐​Semitic exports and not superficial (supposed) similarities that are then reinterpreted (for example, when the slogan »child murderer Israel« is presented as a new edition of the ritual murder legend from the Christian‐​European Middle Ages). And secondly, these elements also take on a different character in the context of Zionist colonialism and the real balance of power.

Alexander Flores writes: »It is no coincidence that from Europe it is not so much the racial idea of anti‐​Semitism as its conspiracy theory elements […] that have been accepted in the Arab context. Many Palestinians and other Arabs were only able to explain the fact that the […] Jews were now strengthened by massive immigration and were able to establish themselves as a dominant group, even founding their own state and gaining the support of the leading powers — first Great Britain, then the USA — with the help of conspiracy theories.«64As quoted in Baumgarten (2006), p. 62. Of course, this does not change the fact that such conspiracy‐​mystical thinking must be combated. However, this is mainly because, as Helga Baumgarten writes, it is an »oversized […] magnification of the enemy«,65Ibid. which ultimately encourages passivity, since — we all know this argument — »nothing can be changed anyway«. However, this fight against false consciousness, against defeatist argumentation supports, against reductions and prejudices is completely different from the fight against a racist relationship of domination.

It is also clear that anti‐​Jewish and anti‐​Semitic elements in legitimate anti‐​Zionism must also be combated in the interests of protecting Jews and on the basis of an anti‐​racist and »enlightenment« principles. However, it must be emphasized: Hostility towards Jews among Palestinians and Arabs and ultimately also among Muslims worldwide is first and foremost the result of Zionist crimes and propaganda. Only when Zionism is defeated will the real breeding ground for this hostility disappear. This is not the only reason why overcoming Zionism is in the interests of Jews worldwide.

c) Jews and hostility towards Jews in the Arab world

From the emergence of Islam until the 20th century, there was no hostility towards Jews in the Muslim‐​majority countries that even came close to what we know from Europe: no ghettos, no pogroms, no racism. Jews, like all religious minorities, were sometimes more and sometimes less disadvantaged.66Krämer (2011), pp. 150-157. But as Kai Hafez rightly notes: »There can hardly be any dispute that Jews have been able to live far more safely in the Muslim world than in Europe for the last two thousand years. While the motif of the »Christ‐​killers« had a long‐​lasting effect in the Christian world, Judaism is explicitly recognized as a religion of the book (ahl al‐​kitab) in the Koran.«67Hafez (2009), p. 175 [English edition: (2010) p. 154] Under Muslim rule, Judaism experienced several phases of prosperity, such as in Spanish Andalusia. Even a staunch Zionist and neo‐​conservative like the historian Bernhard Lewis speaks of a »Jewish‐​Islamic tradition« that only broke down in the 20th century.68Lewis (1987) [English Version: (1984)]

Anti‐​Semitic ideology came from Europe to the Arab world at the end of the 19th century, i.e. as a colonial export. The first translations of European anti‐​Semitic pamphlets usually came from Arab Christians.69Ibid. p. 165 [in German edition]. In view of Zionist colonization and Britain’s open support for this project, European anti‐​Semitic motifs fell on fertile ground in Palestine at the beginning of the Mandate period. Therefore, as Flores writes, »anti‐​Jewish statements were alreadymade by Palestinians in the early Mandate period; over the course of the Mandate they became more frequent. But they only came from some Palestinians; even less so from the other Arabs — with a few exceptions, their coexistence with the Jews there remained undisturbed during the Mandate period. It was only in the wake of the founding of the state of Israel, the first Arab‐​Israeli war and the resulting catastrophe for the Palestinians that a sharply anti‐​Israeli and often anti‐​Semitic attitude spread in the Arab world.«70Flores (2008), p. 153.

The reasons for the lack of differentiation between Jews and Zionists by the victims of Zionism have already been discussed above. Here again in the words of Flores: 

»1. the intensity of the damage caused by Zionism and the founding of the state of Israel, which drives its victims to use a shrill tone, exaggerations and generalizations; 2. the persistence of thinking in communitarian categories (»the Jews«) when describing political developments and the resulting neglect of differentiation within the communities; 3. The vehement claim of the Zionists or the Israeli leadership to speak and act for all Jews worldwide and their far‐​reaching success in marginalizing all non‐ or anti‐​Zionist Jewish voices. This has blurred the distinction between Zionism and Judaism in much of the public perception; 4. the way in which the Zionist project, or Israel, was and is embedded in world politics. The Zionist movement has always understood how to present itself as an outpost of the leading world powers in the confrontation with its opponents and has thus won their support. The success of Zionism […] would have been unthinkable without them. And this support appears to be very stable: Israel can afford even the most outrageous war crimes and human rights violations without anyone falling into its arms. Many Palestinians and Arabs can only imagine this enormous success story as the result of a great conspiracy in which, moreover (see the third reason just mentioned!), Jews all over the world play a major role. All these factors lead to a blurring of the distinction between Zionism and Judaism in the eyes of many Arabs, and their fierce hostility towards Israel turns into anti‐​Semitism. In this process, all possible sources are used to illustrate the hostility towards Jews that has arisen in this way, above all a whole series of set pieces from anti‐​Semitism of European provenance, whereby it is noticeable that it is less the racist aspects of this that are reproduced than the fantasies of a Jewish world conspiracy.«71Ibid. p. 153 f.

d) Hamas and hostility towards Jews

Having said all this, we now come to Hamas.

Anti‐​Jewish statements can be found in the early publications of Hamas and above all in the notorious charter of 1988, the significance of which has been greatly exaggerated in the West (Myth 12). In line with Flores’ analysis, these are based on conspiracy theory and by no means on racism.72Mustafa (2013), p. 72. Moreover, as Hafez emphasizes73Hafez (2009), p. 180 [English edition: (2010) p. 159]., there is no eliminationist element towards Jews in it; not even the »annihilation« or »destruction« of Israel has ever been mentioned in any Hamas publication, but always only the »liberation of (all of) Palestine«74Hroub (2011), pp. 60, 74 [English edition: (2010) pp. 31, 40 – 41].. In addition to the conspiracy myths, from which Hamas has long distanced itself75Ibid. pp. 55, 69 [English edition: (2010) pp. 27, 35]. and of which nothing can be found in its publications today, what remains above all is the religious interpretation of the Palestinian conflict and the lack of distinction between Zionists and Jews.

As explained in Myth 2, Hamas’ political discourse had already become strongly »secularized« by the time of its election victory in 2006. The same applies to its differentiation between Judaism and Zionism, although the first efforts in this direction can be seen as early as 1990.76Ibid. pp. 60, 69 [English edition: (2010) pp. 29, 37].

The new policy paper from 2017 (Myth 12) makes a correspondingly consistent distinction. Point 16 states: »Hamas affirms that its conflict is with the Zionist project and not with the Jews because of their religion. Hamas is not fighting against the Jews because they are Jews, but against the Zionists who occupy Palestine. However, it is the Zionists who constantly identify Judaism and the Jews with their own colonial project and their illegal entity.« In point 17, it declares: »Hamas rejects the persecution of any human being or the undermining of their rights for nationalist, religious or sectarian reasons.« It goes on to criticize the European anti‐​Semitic tradition, which it also distances itself from by stating that it is »not connected to the history of Arabs and Muslims or their heritage.« Finally, it defines Zionism as a form of settler colonialism that has already existed in other parts of the world.77Hamas (2017).

Anyone who regularly reads publications by Hamas and the Qassam Brigades will find it confirmed that they consistently refer to »Zionists« and »settlers«, but not to Jews or a religious conflict. This settler colonialism discourse is now largely a consensus among the resistance groups: all organizations from Hamas and Jihad to the Lion’s Den (Areen al‐​Usud) to the PFLP and DFLP use these terms and this analysis.

It can of course be assumed that these organizations are more reflective as political actors than the masses: Khaled Hroub points out that Hamas and its leadership differentiate much more consciously between Jews and Zionists than is the case among its supporters or the ordinary Palestinian population. As discussed above under section b), he also argues that while the interchangeable use of such terms in »common parlance« might be »regrettably imprecise,« »in the face of the ongoing presence of an aggressive, illegal and non‐​Palestinian occupier, which whatever distinctions are made is identifiable Jewish (Zionist/​Israeli)« it is absolutely secondary — which is not to say, as he does, »irrelevant.«78Hroub (2011), p. 70 [English edition: (2010) p. 37]. Hroub summarizes:

»Although in the early years of its inception Hamas made little effort to differentiate between Judaism as a religion and Zionism as a political movement, in later and recent years Hamas has completely clarified its thinking on this issue. It is anti‐​Zionist, not anti‐​Jew.«79Ibid. p. 68 [English edition: (2010) p. 36].

e) Historical comparisons

Finally, it should be pointed out that the practice of Hamas (and all other resistance groups) of placing the Zionists in the tradition of the Nazis should not be seen as anti‐​Semitic or as relativizing the Holocaust, as Israel lobbyists and German Zionists actually like to do. On the contrary, a completely different interpretation is much closer — because in such comparisons the persecution of the European Jews is precisely not denied, but taken seriously as a crime against humanity. In the second step, the Palestinians identify with these persecuted Jews — even though some of them have become their own oppressors in the real present. There is nothing presumptuous about this, it is rather an anti‐​sectarian, internationalist act that simultaneously liberates Jewish history from the real Zionist presumption. This can also be seen in the following example: In April 2008, two years after the start of the blockade on Gaza, the high‐​ranking Hamas spokesman Mahmud al‐​Zahar declared in an interview: »Sixty‐​five years ago, the courageous Jews of the Warsaw ghetto rose in defense of their people. We Gazans, living in the World’s largest open‐​air prison, can do no less.«80As quoted in ibid. p. 21 [English edition: (2010) p. xxiii]. A leader of a Palestinian resistance organization here elevates the anti‐​fascist resistance of European Jews to a role model for his own people. A magnificent, honorable gesture!

Myth 4: »Hamas is fascist.«

This accusation is made by a whole range of »critics«: from openly right‐​wing radical Islam‐​haters to pseudo‐​left »Islam critics« all the way to the Maoist MLPD (Marxist‐​Leninist Party of Germany). Since the bourgeoisie have no meaningful concept of fascism, the accusation from this side will not be addressed here; it is purely a fighting term and is only used to supplement the accusation of »fundamentalism« and »Islamism« (Myth 2) with another bad word.

Marxists, on the other hand, should meet the requirement of not using the term fascism in an inflationary or moralistic way, but in a scientific and well‐​founded way. Whether this is the case in relation to Hamas will be examined below. As examples, two actors from the German radical left who have a Marxist self‐​image are examined here: the MLPD and Kommunistische Aufbau KA (Communist Construction).

MLPD

The MLPD is the left‐​wing force that most vehemently raises the accusation of fascism against Hamas. It even publicly demanded a ban on the organization, in a situation in which the Ministry of the Interior had already announced exactly that. The MLPD did not even hesitate to accuse the German state of not having taken tougher action against Hamas earlier: »It is scandalous that the government has tolerated their activities for years.«81MLPD (2023 a). At the same time, in this pathetic declaration, it presents itself in its typical manner as a victim of »anti‐​communist« agitation, while in the same breath, insignificant as it is, it snipes at the strongest force in the Palestinian freedom movement.

Since October 7, the MLPD has published countless statements and articles on its website and in its organ, the Rote Fahne, in which Hamas (just like Islamic Jihad and Hezbollah) is always described as »fascist«, sometimes also as »Islamic‐​fascist«. (By the way: in contrast, Netanyahu only earns the attribute »fascistoid« from the MLPD.82MLPD (2023 b).) Let us now look at how the MLPD »proves« the »fascist character« of Hamas.

In fact, the MLPD has only published a single text in which it justifies why Hamas is fascist in its view.83MLPD (2023 c). This was published on October 26, 2023, i.e. at a time when the party had not only long been trumpeting its assessment of the Islamic Resistance Movement as »fascist« to the world, but had also backed the German government’s announced ban on Hamas. It is of course possible that the members have already been given an internal argument; however, the MLPD has not previously justified its defamation of Hamas to the outside world. I do not want to mince my words here: This pamphlet from October 26 is so absurdly bad and stupid that I have seriously considered deleting the entire myth. The MLPD bases its »argumentation« solely on the Hamas Charter of 1988, doing the same thing that only Zionists, Islam‐​haters, neoconservatives and other right‐​wingers do in their anti‐​Hamas propaganda. This document never had the significance ascribed to it in the West and is long outdated. (Myth 12) This has already disqualified the whole paper and we could end the criticism here.

Nevertheless, one or two passages should be quoted here so that readers can convince themselves of the inadequacy of the MLPD’s argumentation without having to read the whole document themselves. I will follow the assertions in the text in order:

»Hamas is deeply racist«, we learn there. Why? Because they supposedly claim that »Palestine in its entirety is ›bequeathed‹ to ›all generations of Muslims‹.« Note that the phrase »in its entirety« is not actually a quote from the charter, but comes from the MLPD itself. Presumably they are trying to summarize the Islamic concept of Waqf (endowment), which Palestine is described as in the Hamas Charter. Whatever this has to do with racism, however, we are not told.

Furthermore, the MLPD claims that Hamas »essentially reject[s] the political struggle for national and social liberation«. Let’s leave aside the struggle for social liberation for a moment (see myths 7, 8 and 14): The MLPD »substantiates« the claim that Hamas would not fight for national liberation with the following sentence from the Charter: »It is imperative to anchor in the minds of the coming Muslim generations the idea that the Palestinian question is a religious question.« (Article 15) Again, the question arises as to why this should be evidence of a »fascist character,« but oh well. Nevertheless, the MLPD’s assertion is countered by the fact that patriotism and the struggle for national liberation can have different ideological foundations, as well as religious and moral ones. In Article 12, the Hamas Charter itself states precisely this fact: »While other nationalisms consist of material, human, and territorial considerations, the nationality of Hamas also carries, in addition to all those, the all important divine factors which lend to it its spirit and life.«84Hamas (1988).

Further on in the text, the pronounce Hamas »fascist‐​misogynistic.« Finally here they at least provide a solid quotation, taking the following from the charter: »the Muslim women have a no lesser role than that of men in the war of liberation; they manufacture men and play a great role in guiding and educating the [new] generation.« From this, they conclude that »according to Hamas’ ideology, however, the role of women relates purely to the family sphere. Here she is supposed to bear children and indoctrinate them according to the fascist ideology — and be subservient to the Islamic [sic!] man.« Okay, Hamas’ view of the family is obviously patriarchal‐​conservative, but is that synonymous with fascist? The only »fascist« thing cited here is the ideology of Hamas, with which the children are to be »indoctrinated«. However, up to this point in the text, the MLPD has not yet provided any proof that this ideology is fascist. In addition, another passage from the Charter should be mentioned here, which calls on women to fight for national liberation. For in the event that an enemy occupies the homeland, it states: »a woman must go out and fight the enemy even without her husband’s authorization.«85Ibid. This sentence should not be overrated and of course it does not negate Hamas’ patriarchal family image, but it clearly contradicts the claim that they advocate for the total subservience of women to men.

The MLPD further bemoans that »Social aid programs, which Hamas uses to gain influence, are racist and geared towards the »national community«: »Muslim society is one of solidarity with one another.« How terrible that Muslims are in solidarity with each other… But seriously: I’ve only ever heard the Muslim community equated with a fascist ethnic community from »anti‐​German« Zionists. As far as Hamas’ relationship with non‐​Muslim Palestinians is concerned, Khaled Hroub emphasizes: »In its conduct towards the Palestinian Christians Hamas has shown extraordinary sensitivity« and »has succeeded in establishing cordial relationships with« them.86Hroub (2011), p. 130 [English edition: (2010) p. 91].

As far as I know, Hamas makes no distinction between Muslims and Christians in its charitable work. Incidentally, non‐​Muslims can also become members of Hamas87Baumgarten (2006), p. 59. Hroub (2011), p. 132. [English edition: (2010) p. 92]. and in the 2006 elections Hamas supported two independent Christian candidates.88Ibid. »In practice, however, the supposedly cross‐​class solidarity Muslim society is reduced to social charity«, concludes the MLPD. This is not entirely correct, but it is not entirely wrong either — and above all it has nothing to do with fascism or racism. Alms are the answer of all bourgeois actors (with the exception of the most blatant social Darwinists and ultra‐​liberals) to the impoverishment resulting from capitalism.

And finally: »Hamas promotes fascist conspiracy myths and is extremely anti‐​revolutionary and anti‐​communist«. On the issue of conspiracy myths, see Myth 3 above, as well as Myth 4 on Hamas’ real relationship to the political left. Otherwise, it should be emphasized once again that Hamas has long since distanced itself from the Charter and its problematic passages. (Myth 12) Finally, the MLPD also makes the accusation of anti‐​Semitism. (Myth 3 again) That’s it. That’s all there is to it.

Kommunistischer Aufbau (Communist Construction)

The Kommunistischer Aufbau (KA) has raised the accusation of fascism against Hamas far less hysterically than the MLPD. In fact, it can only be found in its publications upon second glance. In a text from 2018, it describes »Islamic fundamentalism« as a whole as fascist. Hamas is only mentioned in passing as one of several groups of »exiled fundamentalists.«89Kommunistischer Aufbau (2018 b). The text cited here is the second part of a two‐​part series of articles by KA on »Islamic fundamentalism«. The first part presents the »core thesis« of the texts, according to which »Islamic fundamentalism« is »a fascist ideology.«90Kommunistischer Aufbau (2018 a). All Islamic actors are subsumed under this term, from the Muslim Brotherhood and Hamas to the Lebanese Hezbollah and the Taliban to Al‐​Qaeda and Daesh.91Kommunistischer Aufbau (2018 b). The second article in particular reads in large parts like a (red‐​painted) report from the BfV (German domestic intelligence agency). The first part, on the one hand, is primarily a series of very different examples in which various actors from different countries, who are somehow lumped together as »Islamic fundamentalists«, have done things that we as communists find politically bad (capitalist policies, pacts with imperialists, persecution of communists, etc.). These include the classics: the Iranian revolution of 1979 (see also Myths 13 and 14); the West’s support for the Afghan mujahedeen; the Arab oil monarchies: the collaboration of Amin al‐​Hussayni — the so‐​called Grand Mufti of Jerusalem — with the Nazis; and the Muslim Brotherhood’s alleged closeness to European fascism.92Kommunistischer Aufbau (2018 a). (For the latter, see Myth 5)

There is just as little real argumentation as there is an in‐​depth analysis of even a single one of the events mentioned. Against the background of this very questionable historical overview, the thesis is ultimately justified by the fact that »Islamic fundamentalism« is primarily a »fascist ideology«. In contrast to the MLPD, the KA does not even attempt to prove this assertion with concrete arguments such as alleged racism or the like. Instead, it presents a mosaic of incoherent theoretical set pieces, ideological highlights and historical snippets, which results in a very blurred overall picture of reactionary moments, which issomehow sold as an alleged analysis under the label »Islamic fundamentalism«.

However, the KA may have changed its position on this issue in recent years. As recently as 2021, it accused Hamas and Islamic Jihad of »Islamic fundamentalist, anti‐​Semitic and fascist positions,« »such as calling for the annihilation of the Israeli people or the expulsion of Jews from West Asia.«93Kommunistischer Aufbau (2021).

Both are absolute nonsense and correspond to the wildest (pro-)Zionist propaganda lies.94Hroub (2011), p. 71 f. [English edition: (2010) p. 38 f.]. Wild (2015), p. 154. On 9 October, however, they described Hamas and the Qassam Brigades as one of several »Palestinian resistance organizations«. Even though it talks about »reactionary characteristics of bourgeois Palestinian nationalism and Islamic fundamentalism«, the KA expresses itself completely differently from the MLPD about October 7: »Both in terms of the means the resistance fighters used and in terms of the tactical military successes achieved, this operation is unparalleled in recent decades.«95Kommunistischer Aufbau (2023).

This is a small sign of hope that they are backing away from their nonsensical position and thus leaving the MLPD completely alone within the political left in Germany (and presumably worldwide) when it comes to defaming Hamas as »fascist«.

Myth 5: »The Muslim Brotherhood had contacts with Nazi Germany.«

If Hamas cannot be described as fascist today, the Muslim Brotherhood (MB) has at least been guilty of collaborating with European fascists, right? (See also Myth 4)

The Muslim Brotherhood and fascism

This is not correct either. In the 1930s—i.e. before the Second World War — the MB received funds from German agencies on several occasions, but this was not unusual. During the war, »some members of the Brotherhood« also distributed pro‐​German leaflets. Hassan al‐​Banna, the founder of the Muslim Brotherhood, came under pressure as a result and publicly declared his loyalty to the Egyptian and pro‐​British government.96Motadel (2017), p. 139 f. [English edition: (2014) p. 112].

As there is no evidence of any significant cooperation, a »congeniality« between the MB and the fascist movements in Europe is often constructed. The argument is usually based on superficialities such as the organizational structure and appearance or the »radicalism« or »totalitarianism«. In reality, however, al‐​Banna was already trying to differentiate himself from fascism in 1934. He regarded these movements as thoroughly »alien phenomena that were incompatible with the religious and cultural foundations of Islam«, as Israel Gershoni and Götz Nordbruch write. »The denunciation of these models of rule as pagan and satanic provided the propagated Islamic alternative with additional legitimacy. Added to this was the characterization of social forms in Europe and the USA as the basis of the imperialist threat to the Islamic community. In the view of the Muslim Brotherhood, the urge for territorial, economic and cultural expansion was part of the essence of Western societies […] Italian fascism and National Socialism were no exception to this view.«97Gershoni /​Nordbruch (2011), p. 137 f. Italian colonialism in Africa and the fascists’ racial ideologies in particular were met with complete rejection;98Ibid. p. 288. Gudrun Krämer lists numerous statements by al‐​Banna from 1934 – 48 in which he opposes racism.99Krämer (2022), p. 198 f.

In fact, there were many more nationalist members of the military who later maintained contact with German agents during the German‐​Italian North African campaign, including in or around the so‐​called Free Officers around Gamal Abdel Nasser, who were classified as left‐​wing nationalist to Arab‐​socialist. The key figure here was Anwar al‐​Sadat, Abdel Nasser’s successor, who led the country away from »Arab socialism«, brought it closer to the West and made peace with Israel at Camp David in 1978, making Egypt the first Arab country to recognize the Zionist entity as a state. However, even he cannot be shown to have any sympathy for Nazi ideology and, like most other nationalist and patriotic Egyptians, did not rely on a German victory to drive out the British colonial rulers, but rather hoped to keep his country out of the world war.100Achcar (2012), pp. 84-86. [English edition: (2010) pp. 83‐85].

Amin al‐​Hussayni as a key witness

The figure most consistently cited inorder to collectively accuse the Palestinians or even all Arabs or Muslims of being close to fascism is Hajj Amin al‐​Hussayni, one of the leaders of the Palestinian independence movement during British colonial rule. In fact, he was probably the only Palestinian who can be proven to have cooperated with Nazi Germany at all.101Flores (2009), p. 48 He was guilty of this collaboration between 1941 and 1945 and presumably also knew about the Holocaust. However, the resulting accusation by Netanyahu and others that it was he who gave Hitler the idea of genocide in the first place is ridiculous.102Scher (2015). Rather, al‐​Hussayni allowed himself to be exploited by the fascist military for propaganda and recruitment, especially in the Balkans and the Soviet Union, while the Nazis did not even promise him official support for his actual goal, the liberation of the Arab countries from colonialism.103Motadel (2017), pp. 56 – 58. As Ilan Pappe emphasizes, al-Hussayni’s work must be seen and judged in the context of the Palestinians’ anti‐​colonial struggle:

In the circumstances he was forced into the arms of his enemy’s enemy, in this case Italy and Germany. While in political asylum in Germany for two years, he came under the influence of Nazi doctrine and confused the distinction between Judaism and Zionism. His willingness to serve as a radio commentator for the Nazis and to help recruit Muslims in the Balkans to the German war effort no doubt stains his career. But he did not act any differently from the Zionist leaders in the 1930s, who themselves sought an alliance with the Nazis against the British Empire, or from all the other anti‐​colonialist movements who wanted to get rid of the Empire by way of alliances with its principal enemies.104Pappe (2017), p. 66 [English edition: (2017) pp. 83‐85].

Pappe’s latter remark alludes to the fact that the Zionists cooperated with the Nazis by, among other things: concluding the infamous Ha’avara agreement with the German fascists in 1933, which was intended to persuade German Jews to flee to Palestine (and did so); blocking the fight against Nazi Germany internationally; and collaborating with German secret services against the British.105See: Brenner (2007) [English edition: 1983]. Brentjes (2001). Krammer (2010). Nicosia (2012) [English edition: 2008]. At the same time, it should also be emphasized here that al‐​Hussayni, before he fell out of favor in London and turned to the Axis powers, collaborated with the British colonial power, was appointed Mufti of Jerusalem by it in the first place (although his religious training was not sufficient for this) and served it insofar as he helped to divide the Palestinian national movement and turn it exclusively against the Jewish population, but not against the British.106Achcar (2012), pp. 129-131. [English edition: (2010) pp. 131-133]. A wide‐​ranging discussion of al‐​Hussayni can be found in Rainer Zimmer‐​Winkel107Zimmer‐​Winkel (1999). With contributions by Gerhard Höpp (former GDR Middle East scholar), Danny Rubinstein (Haaretz), Suleiman Abu Dayyeh (Friedrich Naumann Foundation in Jerusalem) and Wolf Ahmet Aries (Islamic scholar in Kassel)., while the Lebanese Trotskyist Gilbert Achcar wrote a factual but sharp reckoning with him.108Achcar (2012), pp. 123-166 [English edition: (2010) pp. 131 f.].

Al‐​Hussayni had probably been in close contact with the Muslim Brotherhood in Egypt and Palestine since the 1920s, but never belonged to them.109Ibid. p. 157 f., Baumgarten (2006), p. 18. Rather, he was a central figure in the Palestinian national movement, came from an influential family and held a formal religious leadership role, which made him a positive reference person. The work of Zionist historian Joseph Croitoru illustrates how attempts are made to construct a connection between Nazi Germany and the Muslim Brotherhood and even Hamas by including al‐​Hussayni: He writes of »indications« that the Nazis »had a hand in the establishment of paramilitary branches of the MB«; he reports — but without naming the exact time — of German funds going to the Brotherhood, and claims that al‐​Hussayni, who allegedly »was already working closely with the Nazis at the time«, was »obviously« acting as a middleman. Because the whole thing is all too tenuous, Croitoru goes on to write: »Whatever this collaboration may have been« — in other words, it doesn’t really matter what it really was — »the Muslim Brotherhood and the Nazis had […] a common goal«, namely the »liberation of Palestine from British rule.«110Croitoru (2007), p. 32. The fact that the Nazis wanted to replace the British as the colonial power, while the Palestinians fought for their national independence, is not a difference worth mentioning for the Zionist Croitoru. Croitoru leaves no doubt that Hamas’ fight for the liberation of Palestine from Zionist rule is, of course, the continuation of this joint »holy war« (the imaginative title of the sub‐​chapter in his book) fought together by the Nazis and the Muslim Brotherhood. The fact that leftists in solidarity with Palestine, such as Kommunistische Aufbau, argue similarly (see Myth 4) is alarming.

In reality, al‐​Hussayni plays no important role today for either the MB or Hamas; the latter makes much more positive reference to guerrilla leaders and popular heroes from the 1930s, such as Izz ad‐​Din al‐​Qassam, after whom the military arm of Hamas is named, or Abdul Qader al‐​Hussayni.111Achcar (2012), p. 158 [English edition: (2010) p. 163]. Achcar112Ibid. pp. 158-166 [English edition: (2010) pp. 163-170]., Flores113Flores (2009), pp. 48-50., Krämer114Krämer (2011), p. 165., Motadel115Motadel (2017), p. 57 f., Pappe116Pappe (2017), p. 48 [English edition: (2017) p. 66]., Wildangel117Wildangel (2005), p. 115 f. and many others agree that the role and influence of the Mufti is widely overestimated in Western discourse; René Wildangel even speaks of a »veritable »muftization« of Arab‐​Palestinian history of the Mandate period in historiography.«118Ibid. p. 119. This politically motivated overemphasis of his role by Western, pro‐​Zionist actors is something the Mufti has in common with the infamous Hamas Charter (Myth 12).

Myth 6: »Hamas is a terrorist organization.«

a) »Terror organization«?

First and foremost, one must question the use of the very term here– because while »terror« can be defined to some extent, it is much more difficult to define what exactly a »terrorist organization« is. Terror can be defined very generally as the »[systematic] spreading of fear and horror through violent actions (especially to achieve political goals).«119Duden (trans. note: dictionary of standard High German).

It is immediately apparent that in reality this type of political violence is not only used by non‐​state actors — i.e., the first thing we think of when we think of »terrorist organizations« — but also by state actors, and indeed on a much larger scale. Just think of the colonial wars of conquest and oppression, of fascism, of the Second World War, of the anti‐​colonial wars of liberation, of Vietnam, Afghanistan, Iraq, etc. and, not least, of the actions of the Zionists in Palestine, Lebanon and Syria. That is to say that there is extensive state terror. Despite this, the term »terrorist state« is rather rare and obviously has a moral, propagandistic or polemical usage.

On the other hand, most of the really relevant armed fighting organizations in history had a political program, and the violence was merely the continuation of this policy by other means. Incidentally, »terrorist« was a positive self‐​designation of political groups in the 19th century and even into the 20th century, especially in contrast to the violence of criminal organizations.120Reinisch (2023 b), p. 11 f.

Today, however, the term has clearly negative connotations. To reduce these groups to their use of violence, i.e. to describe them as »terrorist organizations«, is not only pejorative, but also superficial and would ultimately say little about their political character. One can criticize or reject (disproportionate) violence as a political instrument, but a political goal or ideology itself remains good or bad, regardless of the means used to achieve it: A pacifist racist may be less dangerous, but his ideology is still wrong and must be opposed; and a movement that fights against national or social oppression does not automatically lose its legitimacy just because it uses violence to do so.

However, we repeatedly encounter the term »terrorist organization« in political and media discourse and therefore also in everyday speech. This is clearly a matter of political power: politicians and the media dictate who is to be considered a »terrorist« and who is not. One of the most famous examples is Nelson Mandela, who was on the US terror list until 2008, around a decade and a half after the end of apartheid, his election as President of South Africa and his appointment as Nobel Peace Prize winner. Discursively, it is also fascinating to trace the West’s media support for the »Mujahedeen« in Afghanistan: at one time, the killing of »infidels« was celebrated in Der Spiegel and the jihad fighters were honored as »freedom fighters«.121Hack (1983). The magazine was in tune with the prevailing discourse and politics in the FRG and the West.

This state power, which is already evident in sovereignty over discourse, fully unfolds when the classification as a »terrorist organization« also reaches the legal sphere, for example in the form of the EU terror lists and paragraphs 129 (a) and (b) of the German Criminal Code. Then political opponents can be repressed at will. The arbitrariness at work here is best illustrated by the PKK ban in Germany: PKK flags are banned in Germany due to the PKK’s classification as a »foreign terrorist organization,« and the 1993 ban on their activities. To display, on the the other hand, the flag of the YPG — i.e., the PKK’s sister organization just over the border in Syria — is very logically not prohibited, as the YPG collaborates with NATO—unless it is carried as a »substitute« for the PKK flag, and then of course it is banned. How one determines whether this is the case or not is a matter of »discretion,« the legalese term for simple arbitrariness. Just like the term »terrorism,« these elastic legal categories can be easily bent to suit one’s needs.

Personally, I am therefore fundamentally skeptical about the use of the term »terrorist organization« in an analytical sense. Of course, one can describe the National Socialist Underground (German: Nationalsozialistischer Untergrund) or the SS and SA as fascist terrorist organizations — and one would certainly not be wrong in doing so, since their primary task as the armed wing of the fascists was to spread terror. Describing the IOF as a terror militia in order to agitate and to take up and deliberately subvert existing narratives can also make propaganda sense. In both instances, however, the political content analysis is the starting point. In any case, one should be aware that the term »terrorist« is always politically determined and that it is usually those in power who determine who is a »terrorist« and who is not.

b) Violence against civilians

Even if we agreed to reject the term »terrorist organization«, however, it could still be possible that Hamas commits terroristic violence. A distinction must be made between two things: First of all, attacks that are to be classified as terrorist (at least legally speaking) are generally equivalent to war crimes under international law. Concrete war crimes belong before the International Court of Justice, the International Criminal Court (if one recognizes it) or, according to the International Criminal Code, also before German courts. But charges against any persons classified as »terror supporters« or even »sympathizers« before German courts are absurd. Either you commit a war crime yourself, or act as an accessory to one — or you don’t.

In the case of Palestine, the most common accusation against Hamas is that it carries out attacks on civilians. However, this is a complicated question in the settler‐​colonial context, because settlers are objectively part of the occupation, quite apart from the fact that an extremely large number of them are armed and almost all Israelis do military service. Settling people in occupied territory is a war crime.122Rome Statute (1998).

This crime poses a dilemma for a national liberation movement, because if one uses force against such an illegally settled population, one is also committing a crime from a purely formal legal point of view, and one crime does not justify another crime; on the other hand, if one permits it, liberation becomes virtually impossible. This is where the law reaches its limits. Morally and politically, of course, it becomes particularly perfidious when this settler population also hides behind their »civilian‐​ness«, while at the same time they very consciously and for ideological reasons stand behind the (illegal) seizure of land.

In view of this, it is widespread in the current discourse of the Palestinian resistance that all (adult) settlers are basically considered legitimate targets. Until 1994, Hamas itself made a strict distinction between Zionist soldiers on the one hand and »civilian« settlers on the other. The massacre in Hebron in 1994, in which the mass murderer Baruch Goldstein shot 29 Palestinians while they were praying in a mosque, changed this. From this period onwards, Hamas also targeted non‐​combatants for the first time. At that point, it was mainly so‐​called suicide attacks that had a major psychological impact and were carried out in exceptional situations, for example in response to the assassination of Hamas leaders or during the Second Intifada.123Hroub (2011), pp. 87-90 [English edition: (2010) pp. 53-56]. Baumgarten (2013), pp. 115, 133 f.

Later, it was mainly knife attacks, and today it is mostly attacks with cars or firearms on settlers, which may be considered »attacks on civilians« under international law, but which enjoy great support among the Palestinian population and also among all resistance organizations. As a solidarity movement, we must come to terms with this fact. The fact that the new legal situation and the current repression in the Federal Republic of Germany severely restrict a debate about this, because one is quickly accused of »condoning criminal acts« according to Paragraph 140 of the German Criminal Code, presents us with even greater hurdles in this debate than the public pressure of the current morally inflated and completely hysterical discourse about October 7 and Hamas. It should be noted here that Hamas itself distinguishes between combatants (armed Israelis) and civilians (unarmed Israelis) in its account of the »Al‐​Aqsa flood.«124Hamas (2024).

Mahmood Mamdani, however, points out that the »civilian dilemma« applies to both sides in the context of settler colonialism and the national liberation movement: Like the left‐​wing guerrilla, the right‐​wing settler, too, blurs the boundary between the civil and the military.«125Mamdani (2006), p. 239 [English edition: (2004), Ch. 4]. Recently, in the context of Palestine solidarity, one has repeatedly heard the admonition that talking about »women and children« »normalizes« the killing of Palestinian men. Part of this problem is also that we have to bear in mind that the Palestinian guerrillas are generally not classic soldiers who are in the pay of a standing army and have more or less voluntarily decided to go to war. They are (often enough very young) men who feel compelled to defend their homeland and risk their lives to do so. We should therefore consider carefully whether we make a distinction between Palestinian resistance fighters and civilians. One might object that this would be playing into the hands of the Zionists, who declare the entire population of Gaza »guilty« and equate them with Hamas. However, our response must be a fundamentally oppositional one: Neither the Palestinians as a whole, nor Hamas or the rest of the resistance are »guilty«, only the Zionists are! One should even say that resistance fighters are not killed, but murdered, because the Zionist regime and its violence have no legitimacy whatsoever!

c) »Suicide bombings«

Countless texts have been written and films made about this phenomenon in the West. Not because it is particularly politically or legally relevant, but above all because it obviously fascinates and horrifies many people: a person kills others and accepts his own death in the process. But ultimately this happens in every second war movie: a »hero« throws himself against a superior enemy force and to his certain death. It only becomes scary and strange or »fascinating« when the person making the sacrifice is a Muslim and uses explosives instead of a firearm or a sword.

Mamdani writes:

»I have often wondered whether the label »suicide bombing« accurately captures either the practice or the motivation behind it. Clearly, the prime objective of the suicide bomber is not to terminate his or her own life but that of others defined as enemies. We need to recognize the suicide bomber, first and foremost, as a category of soldier. Suicide bombing needs to be understood as a feature of modern political violence rather than stigmatized as a mark of barbarism.«126Ibid. p. 137 [English edition: (2004), Ch.4]

And indeed, he also points out that martyrdom is celebrated in the West: 

»As a secondary‐​school student in colonial Uganda, I remember having to memorize Tennyson’s poem ›The Charge of the Light Brigade‹. This is what I remember of Tennyson’s tribute to the heroism of British soldiers who knowingly went ›into the jaws of death‹: ›Cannon to right of them, /​Cannon to left of them, /​Cannon behind them /​Volley’d and thunder’d; … Into the jaws of Death, /​Into the mouth of Hell /​Rode the six hundred‹.«127Ibid. p. 305 footnote 294 [English edition: (2004), Ch. 4, footnote 222].

Leaving aside the exoticizing psychobabble, the matter is quickly clarified: martyrdom operations are not war crimes per se. Neither taking one’s own life nor using explosives are crimes in themselves. The only thing that matters (in terms of international law) is the aim of the operation: is it military and therefore legitimate or civilian and therefore illegitimate? Of course, these operations are also a social and psychological expression of something. In terms of society as a whole, however, if they occur more frequently, they are probably less a sign of »religious fanaticism« than of military inferiority and a desperate social situation.

Finally, a few facts about Hamas and the so‐​called suicide attacks: as mentioned under b), they began after the Goldstein massacre and then took place in exceptional situations. In addition to Hamas, the Islamic Jihad and the Al‐​Aqsa Martyrs Brigades also carried out martyrdom operations with explosives. In April 2008, Hamas claimed responsibility for a martyrdom operation for the last time, in which the fighters blew themselves up. They only injured Israeli soldiers,128Ministry of Foreign Affairs (2008). which is why this operation was undoubtedly legitimate under international law.

d) »Hostage‐​taking«

While Hamas fighters had generally killed captured soldiers in previous years, they have been used since 1992 at the latest by Hamas to free their own prisoners instead.129Baumgarten (2006), p. 85. Experience shows that those detained by the Qassam Brigades are treated well — quite unlike the Palestinian hostages in the Zionist prisons — even if they are held for years, such as Gilad Shalit, or under the most adverse circumstances, such as those taken on October 7th.

The arbitrary detention of non‐​combatants in particular may be legally and morally problematic. However, four points should be considered here: 

  1. The dilemma described under point b) above.
  2. The fact that the taking of hostages is a relatively common practice, especially in wars between unequal opponents or in guerrilla warfare. 
  3. The fact that in these hostage‐​takings the »higher value« of the settlers over the indigenous people can be turned against the colonial rulers: A single captured settler can be exchanged for many times more Palestinian hostages. Incidentally, this practice is not only pursued by Hamas, but has also been practiced in the past —particularly by the PFLP, but also by Fatah, the DFLP, Palestinian Islamic Jihad, the PFLP‐​GC, etc. And 
  4. It must be emphasized that the Zionist policy of arrests is nothing other than state hostage‐​taking, carried out on a far greater scale than Hamas ever could. Tens of thousands of Palestinian children and young people have been and continue to be affected by this practice to this day.

e) Classification of Hamas as a »terrorist organization«

Finally, a few facts about the classification of Hamas as a »terrorist organization«: Hamas is only listed as a »terrorist organization« by the Western states, i.e. Israel, the EU states, the USA, Great Britain, Canada, Australia, and Japan, as well as Paraguay.130Singh (2023). We are therefore talking about a vanishing minority of 33 compared to the other 160 UN member states. And even some European countries, such as Norway and Switzerland, as well as the NATO member Turkey, do not criminalize Hamas. Incidentally, the inclusion of Hamas in the EU terror list in 2003 was initially only the result of massive Israeli lobbying.131Baumgarten (2006), p. 159 f.

The fact that several Hamas leaders have also been placed on the list as individuals since October 7th underlines the fact that it is primarily a tool of political arbitrariness and symbolism.

f) Conclusion

Hamas is not a »terrorist organization«, but, firstly, an elementary component of the Palestinian liberation movement (Myths 8 and 9) and, secondly, the only government of the Palestinians in the territories occupied in 1967 that has so far been legitimized by elections. (Myth 10) That it is branded as such as »terrorist« by the imperialist Western powers and the Zionist colonial regime is both logical and completely unacceptable. We must expose this defamation for what it is: an expression of colonial arrogance and, above all, a delegitimization and dehumanization of Palestinian resistance aimed at elimination. For we must realize that it is not just a matter of a word: »terrorists«, according to the prevailing discourse and common practice, may be killed without ifs and buts. The designation as a »terrorist« therefore directly legitimizes the murder of Palestinian freedom fighters and (government) politicians. Thus, the inclusion of Hamas on the EU terror list gave the green light for the assassination of Shaykh Yassin and Abdel Aziz Rantisi (as well as numerous relatives and people who happened to be present) by Israel soon afterwards.132Ibid. p. 160. We are currently experiencing how the Zionists are even legitimizing genocide by equating the people of Gaza with their government. The answer, however, cannot be an artificial separation between the Palestinians and their most popular liberation organization and elected government, but the consistent rejection of the denigration of Hamas as a »terrorist organization«.

Myth 7: »Hamas is reactionary.«

So if Hamas is neither fundamentalist (Myth 2) nor fascist (Myth 4) nor anti‐​Semitic (Myth 3) nor terrorist (Myth 6), it is at least reactionary, isn’t it? After all, as described in Myth 2, it is religiously conservative. The answer is: yes and no, but mainly no. Yes, insofar as conservatism is fundamentally »reactionary«. A »potential« yes, insofar as Hamas, as a bourgeois, conservative force, can of course always fall into a reactionary role in the future — for example as a traitor to the Palestinian national cause — or if it actively opposes a socialist revolution. The latter could happen even before the national liberation of Palestine, namely if forces such as the PFLP or the Palestinian Communist Party were to take over the leadership of the Palestinian liberation movement — but this scenario is currently very unlikely. Or — and this is much more likely — after national liberation, when the struggle for socialism must be placed more clearly on the agenda. Yet the answer is a resounding no with regards to the national question, which is obviously the main contradiction in Palestine today: here Hamas clearly presents itself as a relatively reliable and consistent force in comparison to other bourgeois forces in this struggle. (See Myths 8, 9, 10, 11 and 14)

Ultimately, this myth can be refuted less with facts than with arguments. The facts can be found above in Myths 1 to 6 and in Myths 9, 10, 11 and 14. In the end, the main question is this: What does the category »reactionary« refer to? Does it refer exclusively to ideology or to the entire, above all social nature of an actor? Is it understood in relation to social conditions, i.e. dialectically and materialistically? Or is it essentialist, i.e. does it assume immutability and is therefore idealistic and dogmatic? In my opinion, Hamas can only be evaluated in relation to the real historical social situation in Palestine. With regard to social and cultural issues, it used to hold strong, and nowadays holds rather moderate, conservative positions, and is exposed to social moods to which it is very susceptible.133Asseburg (2008), p. 87.

Moreover, it is certainly not a revolutionary socialist organization, but rather advocates a bourgeois‐​capitalist society, even if the fight against poverty in the sense of charitable measures and a strong social policy play a central role for it, as do economic independence from the Zionist regime and a better trade position vis‐​à‐​vis the imperialist and neighboring states.134Mustafa (2013), pp. 170 – 177. With regard to the central struggle in Palestine, the national revolution, on the other hand, it is largely consistent, very self‐​sacrificing, relatively intelligent, and strongly anchored in the masses — in other words: it is revolutionary. So it is both bourgeois‐​conservative and revolutionary. In the end, analysis always goes further than labels. What is clear, nonetheless, is that the label »reactionary« in relation to Hamas is a misnomer in any case.

Finally, a comment on the elephant in the room when it comes to this topic: in this debate, the suspicion always arises that in the end it is less about the bourgeois character of Hamas and much more about its religious coloration. This is because the movement also shares its bourgeois character with other liberation organizations, such as Fatah in the 1960s to 1980s, the ANC before the end of apartheid, etc. Since latent hostility towards religion and especially Islam is unfortunately a major problem among leftists, it should be pointed out here that a Marxist critique of religion is something completely different from chauvinism towards religious people. My impression is that the latter is unfortunately much more widespread among leftists than the former. (See also Myth 14)

Myth 8: »Hamas is not a liberation movement.«

Following on from Myth 7, one can argue further here. Hamas is fighting for the national liberation of Palestine; it is fighting against settler colonialism and the Western imperialism behind it. Its goal is a country liberated from foreign occupation, apartheid, racism and national oppression, where the population is equal regardless of religious affiliation and where displaced indigenous people enjoy the right of return. Why should an organization, party and movement that pursues such a goal, that is anchored in the masses and enjoys support far beyond its direct base (including among the Christian, secular, and leftist segments of the population) not be a liberation movement?

If one has seen through Myths 1 to 7, does not subscribe to romanticized notions of guerrillas and partisans, and does not confuse national liberation with socialist revolution, there is no argument left as to why Hamas should not be categorized as a liberation movement.

Myth 9: »Hamas divides the resistance.«

Myths 1 and 14 explain the actual ways in which the Zionists have used the Muslim Brotherhood (MB) to weaken the Palestinian liberation movement. The latter also mentions that Fatah sometimes supported the MB against left‐​wing forces. And Myth 1 also deals with the competitive relationship between the MB and Hamas on the one hand and Islamic Jihad on the other. Both sections also describe how Hamas also made a break with its past with regard to this sectarianism towards the national resistance forces, albeit not immediately.

Hamas and the PLO

During the First Intifada, Hamas initially acted in competition with the Unified National Leadership of the Uprising (UNLU) consisting of Fatah, the PFLP, the DFLP, the Communist Party and Islamic Jihad.135Baumgarten (2006), p. 55. Flores (1988), pp. 86-88. It was not until the end of 1992 that a joint declaration with the UNLU and the PLO was issued for the first time, in response to the deportation of 415 (alleged) Hamas members by Israel.136Baumgarten (2006), p. 86.

Nevertheless, Hamas’ relationship with the PLO remained ambivalent: in its charter, it referred to the Palestine Liberation Organization as »a father, a brother, a relative, a friend« and as »closest to the heart.«137Hamas (1988). However, the purpose of the PLO as a popular front was precisely not to be »close« to other Palestinian liberation forces, but to unite them all under its umbrella. In 1990, Hamas »asked« for admission to the PLO or the Palestinian National Council for the first time, modestly demanding 40 to 50 percent of the seats in the PNC, which the PLO naturally rejected.138Baumgarten (2006), p. 83. In the following years, there were repeated talks about admission, but ultimately it never transpired. In 2005, it looked as if it might finally succeed as part of a restructuring of the PLO. However, Hamas’ election victory in 2006 marked the beginning of the end of these efforts: its landslide victory »dealt the greatest blow to Fatah and the PLO, this time challenging the status of ‘the sole and legitimate representative of the Palestinian people’ as it had never been challenged before. In its cabinet platform, Hamas refused, once again, to recognize the sole legitimacy and representation of the PLO, infuriating Fatah and many other Palestinians who have argued that the PLO is above factional rivalry,« as Khaled Hroub puts it.139Hroub (2011), p. 123. [English edition: (2010), p. 83]. The Fatah leadership’s policy of sabotage, subversion and treason in the following months, which resulted in an open power struggle between Hamas and Fatah, and the split between Gaza and Ramallah (Myth 10), finally buried a possible PLO accession by Hamas for the time being.

Hamas and the resistance

Beyond the PLO, however, Hamas certainly proved that it was prepared to cooperate with other resistance forces: in the 1990s, it organized itself together with the PFLP, DFLP, PFLP‐​GC, Palestinian Islamic Jihad, and others to form a rejectionist front against the Oslo betrayal.140Hussein (2019), p. 139-149. After its election victory in 2006, Hamas endeavored to form a government of national unity, despite the fact that it alone had an absolute majority in parliament.141Baumgarten (2013), p. 156. Although Hamas has ruled alone in the Gaza Strip since 2007, it does cooperate with the other resistance forces: In recent years up to 7 October, for example, it performed a tightrope act in an attempt to keep Gaza out of further fighting with Israel while at the same time giving organizations such as Palestinian Islamic Jihad in particular as free a hand as possible; in addition, it is highly likely that funds flowed from Gaza to the resistance in the West Bank.142Hajjaj (2023). Similarly, it has been channeling funds from abroad to other liberation organizations in Gaza for some time.143Khalil (2010), p. 102. Finally, together with the other organizations, it established the Joint Operations Room of the Palestinian resistance groups in 2018, which has expanded its cooperation in recent years, and it has been fighting side by side with Islamic Jihad, PFLP, DFLP and other armed groups in the »Al‐​Aqsa flood« operation since the 7th of October 2023.

Hamas and Fatah

At the same time, Hamas has repeatedly declared its willingness to sit down at the table with Fatah again: It deliberately declared the power struggle in the Gaza Strip in 2007 (Myth 10) not as a fight against Fatah, but against the militia of local Fatah leader Muhammad Dahlan.144Baumgarten (2013), p. 164. In 2013, Hamas took a symbolic step towards Fatah by allowing it to publicly celebrate its founding day in Gaza again for the first time.145Ibid. p. 193. The following year, there was even a unity government negotiated between Hamas and Fatah. In the associated agreement, Hamas declared its willingness to hand over political power in the Gaza Strip to Fatah on the condition that it would not be disarmed and thus not be crushed as a resistance organization. This was intended to reunite Gaza and the West Bank politically. The agreement ultimately failed due to the reluctance of Fatah’s leadership around Mahmoud Abbas to accept Hamas as a legitimate resistance force in return for a handover of power in Gaza.146Baconi (2018), p. 223 f. In 2017, a reconciliation agreement was reached between Fatah and Hamas alongside Hamas’ new policy paper (Myth 12), which Hamas claimed it would abide by until the elections scheduled for 2021.147Asseburg (2021), p. 198 f. However, these elections were then again canceled by Abbas, who (rightly) expected to be voted out of office.148Poppe (2021). He was elected president in 2003 and his mandate expired in 2009; since then, he has led the PA without legitimacy and in an extremely authoritarian manner.

Tel Aviv and Washington have always been involved in all of this by putting pressure on Hamas and Fatah every time there has been a rapprochement between the two. Helga Baumgarten summarizes this strategy as follows: »Israel and the USA systematically prevent any rapprochement between Ramallah and Gaza in order to maintain the Palestinian division and the conflict between Fatah and Hamas. This policy of »divide and rule« promises control over the Palestinians with the more or less complete subjugation of Ramallah […] Gaza, on the other hand, is regularly bombed to the ground every few years.«149Baumgarten (2021), p. 158.

Myth 10: »Hamas seized power by coup d’état.«

In 2006, Hamas won the elections to the Palestinian Legislative Council, the parliament in the territories occupied in 1967: 74 out of 132 seats, i.e. an absolute majority, went to Hamas; Fatah only managed 45 seats.150Baumgarten (2013), p. 152. Neither Hamas, nor the previously ruling Fatah, nor Israel, nor the West had expected this victory. Hamas leader Ismail Haniya »immediately declared his intention to form a government of national unity.« However, mainly due to pressure from the USA and Mahmoud Abbas, not even a coalition government was formed in the end. »Against its declared intentions, Hamas had to form a pure Hamas government, along with a few independent technocrats.«151Ibid. p. 156 In Muriel Asseburg’s assessment:

»overall, Hamas did not succeed in establishing an effective government in its first year in office, nor in gaining control over the security situation, let alone implementing its ambitious reform program. This may have been partly due to the fact that the movement was not sufficiently prepared to govern. First and foremost, however, it had to contend with a number of obstacles […] One of these was Fatah’s obstructive stance, which was in no way willing to accept its election defeat and relinquish power or cooperate with the government. This meant that the government formed in March 2006 had no access to the institutions of the executive, which it would have needed to actually govern — the office of president, the entire PA security apparatus, and the ministries were and still are predominantly occupied by Fatah members, most of whom refused to cooperate with Hamas on the instructions of President Abbas. Furthermore, the Hamas‐​led government failed due to the isolation (or increasingly embargo) policy of Israel and the West, which deprived the government of its financial basis […]. In the internal Palestinian power struggle, the West sided entirely with President and Fatah leader Abbas, whom it not only supported diplomatically, but also […] provided with funding. At the same time, the West also tolerated President Abbas rolling back earlier reform measures after Hamas’s election victory in order to consolidate his power.«152Asseburg (2008), p. 89.

In response, Hamas attempted to build up its own loyal security forces, but as Asseburg further notes:

»With the support of neighboring states and American financial aid, Fatah also increased its arsenal of weapons and began to strengthen its security forces through additional training measures. Increasingly violent clashes between the armed groups, security forces and militias on both sides were the result. Around 200 Palestinians died in the year following Hamas’ takeover of government.«153Ibid. p. 90.

Abbas once again proved to be a man of the West. As Helga Baumgarten observed: 

»For the uninvolved observer, a power struggle played out, as it had between President Arafat and his Prime Minister Mahmoud Abbas in 2003, only with the colors reversed. While Abbas, with massive support from the West, had tried to take as much control as possible over the PA’s security organs away from the then President Arafat, Abbas was now attempting once again, with full support from the West, to take as much influence as possible from the Haniyeh government and especially the Minister of the Interior over the security organs.«154Baumgarten (2013), p. 159.

In March 2007, a government of national unity was formed through the mediation of Saudi Arabia, comprising Hamas, Fatah, the DFLP, the Palestinian People’s Party (formerly the Communist Party) and other smaller parties. However, this government soon collapsed due to the continued obstructionism of Fatah, which wanted to retain power over the security forces, as well as the policy of the West, which continued to focus on isolating Hamas.155Asseburg (2008), p. 90. Baumgarten (2013), p. 162 f.

As Asseburg details,»In spring 2007, the USA began to supply Fatah directly with money, training and military equipment.« Support also came from Europe:

»Hamas found itself under increasing pressure due to the establishment of additional Fatah militias. When Israel gave the green light for the delivery of heavy weapons to Fatah units in the Gaza Strip and at the same time the Fatah leadership and other representatives of the unity government were out of the country, it took the opportunity to rid itself of the danger.«156Asseburg (2008), p. 91.

Tareq Baconi speaks of a »blank cheque« that the USA gave Fatah militia leader Dahlan in 2007 for his actions against Hamas.157Baconi (2018), p. 124. Baumgarten appears to assume that Hamas reacted almost at the last possible second: »This coup [i.e. of Fatah taking over Gaza] did not happen because Hamas obviously beat the Fatah security forces under Mohammad Dahlan to it.«158Baumgarten (2013), p. 163.

On June 10, 2007, the Qassam Brigades attacked Dahlan’s troops. The fighting lasted until June 14. In the end, the Fatah militias in the Gaza Strip were crushed and 161 people were dead. Crimes were apparently committed on both sides, such as extrajudicial executions. The pre‐​emptive strike damaged Hamas’ reputation among many Palestinians. It also lost power in the West Bank for good. Since then, it has ruled Gaza alone, while Abbas has established an authoritarian regime in Ramallah.159Ibid. pp. 163-166.

Let us summarize: What is known as the Hamas coup was an attempt by a party elected by an absolute majority, which had done everything possible to create a government in the interests of the people and together with all other political actors, to maintain its position in the face of a real coup instigated by Western imperialism and the Zionist occupation regime. In view of the fact that the Gaza Strip is still the capital of the Palestinian liberation movement today, while Abbas’ puppet regime is doing everything it can to choke off the resistance in the West Bank, the assessment can only be positive in retrospect: It is only because Hamas struck in time back then that the resistance in Palestine today has the strength it demonstrated so impressively on October 7!

Myth 11: »You can’t negotiate with Hamas.«

This accusation is mainly made by opponents of the Palestinian cause. Nevertheless, it should be addressed here, as it is unfortunately also a widespread myth among Palestinian solidarity activists. The accusation is also often combined with Hamas’ alleged lack of willingness to compromise. This is also a myth.

First of all, it should be pointed out that uncompromisingness is not a bad thing in itself. It always depends on what the specific issue is; it depends on the topic and the counterpart. The fact that Hamas is quite willing to compromise, pragmatic and adaptable in its policy towards the Palestinians, and has also developed significantly on these and many other issues, can be read in various parts of this text. (Myths 1, 2, 9, 10, 12 and 14)

De facto two‐​state solution

In addition, it has not only changed in terms of its fundamental attitude towards Zionism and Judaism (Myths 3 and 12), but has also repeatedly shown itself willing to compromise and negotiate with the Israeli state — for while it advocates the liberation of the whole of Palestine, it has repeatedly announced that it is prepared to lay down its arms in return for a Palestinian state within the 1967 borders (at least in the medium to long term). The first such proposal dates back to 1988 and was made by two Hamas leaders, Mahmoud al‐​Zahhar and Shaykh Ahmad Yassin, both in direct talks with high‐​ranking Zionist politicians and to the Israeli press. The second offer was made in 1991, but both attempts failed because the Zionist regime refused to respond to Hamas’ demand that the IOF should first withdraw from the West Bank, Gaza Strip and East Jerusalem and that the territory should be transferred to UN control.160Baumgarten (2006), p. 92. At the beginning of 1993, on the very eve of the so‐​called »Oslo peace process«, the organization declared that it was prepared to support a peaceful path on condition that, firstly, the IOF withdrew from the territories occupied in 1967 and, secondly, that Hamas would not be compelled to recognize Israel.161Ibid. p. 93. Helga Baumgarten sees the latter step in particular as an opportunity for the peaceful inclusion of Hamas in a possible solution process, but this was destroyed by the classification of the organization as »terrorist« (Myth 6) by the USA in the same period.162Ibid. p. 94.

Hamas rejected the betrayal of Oslo, as did the overwhelming majority of Palestinian parties — with the exception of the Palestinian People’s Party (the former CP of Palestine), FIDA (a split‐​off from the DFLP) and, of course, the Fatah leadership — on the same grounds as everyone else: the Palestinians recognized Israel and got nothing in return except more and more Zionist settlements on their alleged future state territory.163Ibid. pp. 97-101.

Therefore, the rejection of Oslo is by no means to be equated with a rejection of the so‐​called two‐​state solution, as it is so often portrayed in the West. On the contrary, the Oslo system has finally made such a solution impossible due to the increasing settlement of the West Bank.164Wild (2015), pp. 17-19. In the ensuing years, Hamas also repeatedly declared its willingness to recognize a Palestinian state within the 1967 borders, for example in its government program of 2006165Mustafa (2013), p. 130 f. and in its basic program of 2017.166Hamas (2017). Imad Mustafa even writes: »All statements by the leadership and documents of Hamas since 2006 refer to the two‐​state solution within the 1967 borders with regard to a Palestinian state.«167Mustafa (2013), p. 132.

In this context, it should first be noted that such a solution is not only an incredibly generous offer by the indigenous Palestinians to the colonial settlers in their country,168Bamen (2023 b). Wild (2015), p. 139. but also that such a Palestinian state would be significantly smaller than the one envisaged by the UN in 1947: in the wake of the Nakba, the Zionists in fact expanded the territory awarded to them by the United Nations from 56 percent to around 80 percent of all of Palestine through conquest and annexation.169Pappe (2007), pp. 58, 61. [English edition (2011), pp. 57 – 61].

It should also be emphasized here that the fact that Hamas is prepared to accept a two‐​state solution is not viewed positively by me. I have already stated elsewhere that I consider the so‐​called two‐​state solution to be politically wrong for various reasons and also completely unrealistic.170Bamen (2023 b). However, Hamas’s position corresponds more to the phased program advocated by the DFLP between 1973 and 1994 and the PLO between 1974 and 1993,171Ibid. and less to the final two‐​state solution as officially advocated today by Fatah, the DFLP and some smaller groups.

Ceasefires

In addition, Hamas has repeatedly offered or unilaterally declared ceasefires and has also adhered to them. As a rule, they were broken by direct Israeli attacks on Hamas or other massive provocations from the Zionist side. Alexander Flores writes both with regard to these real ceasefires and Hamas’ promises to agree to a long‐​lasting ceasefire with Israel — seen by many observers as de facto recognition of Israel172Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten (2006), p. 189. Flores (2009), p. 96. Künzl (2008), p. 120 f. — in return for the evacuation of the territories occupied in 1967 by Zionist troops and settlers: »Experience teaches us that Hamas promises can be relied upon.«173Flores (2009), p. 96.

Prisoner exchanges

Incidentally, the hostage‐​takings are also an expression of Hamas’ willingness to negotiate: while initially Hamas tended to kill captured soldiers, soon they began to use them to enforce political demands — usually the release of prisoners. Notably, in contrast to the hostages in the Zionist torture prisons, the Israeli prisoners were usually treated completely correctly. (See Myth 6).

Myth 12: »The Hamas Charter says …«

The Charter is the most popular »key witness« used against Hamas, as was also discussed in Myth 4. However, this is less about the content of the Charter, as it is usually brought into play in connection with the accusation of anti‐​Semitism against Hamas. (Myth 3) This is more about the importance of the Charter itself.

Completely overrated

In the West, it is often wrongly assumed that the Hamas Charter is the key to understanding the organization. Yet Asseburg,174Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten,175Baumgarten (2006), p. 58. Felsch,176Felsch (2011), p. 106. Hroub,177Hroub (2011), pp. 55, 68. [English edition: (2010), pp. 24, 36 ]. Meyer,178Meyer (2009), p. 95 f. Mustafa179Mustafa (2013), p. 67. and Ziolkowski,180Ziolkowski (2020), p. 131. all emphasize that the Charter has long played little or no role in Hamas practice, or indeed had never done so in the first place. Khaled Hroub, for example, writes: 

»Ironically, the Charter failed to maintain a central position in Hamas’s political thinking; a few years after its publication it was shunted onto the margins with little reference to its content. It was deemed by many Hamas leaders both inside and outside Palestine to be simplistic and overloaded with claims and arguments that would reflect a naïve, rather than a sophisticated, image of Hamas. In several interviews over the years I have been told by a number of Hamas leaders that the Charter was written by one leading personality in the Gaza Strip, and distributed hastily without enough prior consultation.«181Hroub (2011), p. 55. [English edition: (2010), p. 24].

Helga Baumgarten describes it similarly in a recently published interview.182Baumgarten (2024). According to her, Hamas members were never obliged to know the charter and it was not disseminated in Palestine after 1988, while it became notorious in the West.183Baumgarten (2006), pp. 58, 198 footnote 47. Maximilian Felsch confirms: »In interviews with the author, Hamas supporters as well as Hamas members not infrequently confessed to not knowing about the existence of a founding charter.«184Felsch (2011), p. 106.

There are numerous official positions of the movement that contradict the charter,185Asseburg (2008), p. 87. Hroub (2011), S. 60, 69, 185 – 90. [English edition: (2010), pp. 29, 35 – 40, 152 – 157]. Hussein (2019), p. 98 f. as well as statements by leading figures that relativize its significance.186Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten (2006), p. 65 f. Hroub (2011), p. 68. Hussein (2019), p. 98 f. Mustafa (2013), p. 67. Azzam Tamimi, who is close to Hamas, described the anti‐​Jewish and conspiracy‐​theory statements in the charter as »ridiculous.«187Tamimi (2007 b), p. 155. According to him, a debate arose in the leadership in the first half of the 2000s about the problems of the document, at the end of which »the task of drafting a new charter« emerged.188Ibid. p. 150.

However, this initiative was eventually abandoned.189Achcar (2012), p. 238. [English edition: (2010), p. 252 ]. Why? There are various answers to this question. Hroub writes:

To change or replace the Charter, however, would be a very difficult and delicate step, and it is one that Hamas has lacked the courage to take. Hamas leaders fear that such a step would be construed by many as giving up on the basic principles of the movement. What Hamas has resigned itself to do, thus far, is to let the Charter die on its own, moving on and leaving it behind; hoping it will just go away. Yet the cost of simply downplaying its existence remains high.190Hroub (2011), p. 60. [English edition: (2010), p. 29 ].

Gilbert Achcar191Achcar (2012), p. 238. [English edition: (2010), p. 252 ]. and Tilman Seidensticker192Seidensticker (2015), p. 90. formulate it similarly. Raif Hussein also mentions this aspect, but adds another: the Muslim Brotherhood as the »mother organization« of Hamas »is not yet ready at this point to support such a course correction by one of its sections […].«193Hussein (2019), pp. 98 f. 277 f., and as cited on p. 277.

A new charter(?)

However, Hamas already distanced itself from the Muslim Brotherhood in its 2017 declaration of principles. This document also differs fundamentally from the founding charter in key points. For example, it states unequivocally: 

»Hamas affirms that its conflict is with the Zionist project not with the Jews because of their religion. Hamas does not wage a struggle against the Jews because they are Jewish but wages a struggle against the Zionists who occupy Palestine. Yet, it is the Zionists who constantly identify Judaism and the Jews with their own colonial project and illegal entity.«194Hamas (2017).

Moreover, Hamas no longer addresses Muslims exclusively, but also Christian Palestinians.

However, it is disputed whether the Charter has been replaced by this new document or not. Asseburg,195Asseburg (2021), p. 198. Baconi196Baconi (2018), p. 245. and Hussein197Hussein (2019), p. 105 think no and speak of it as a »supplement;« Azzam Tamimi, on the other hand, who has long worked as a consultant for Hamas, declared that the document »practically« replaces the Charter;198AlJazeera (2017) Hroub also believes that the document is »de facto Hamas’s new charter«199Hroub (2017), p. 102. and Ali Abunimah200Abunimah (2017). and Helga Baumgarten201Baumgarten (2019), p. 85. even refer to it simply as a »new Charter«.

High‐​ranking Hamas representative Khaled Mash’al, on the other hand, refused to say that the new document invalidates the old charter: »Hamas refuses to submit to the wishes of other states. Its political thought is never the result of pressure from the outside. Our principle is the following: no change of document. Hamas does not forget its past. The Charter illustrates the perod of the 1980s and the Document of General Principles presents our policy in 2017. Each document belongs to a specefic period.«202As cited in Seurat (2019), p. 18. The last two sentences, in their contradiction to the above, provide a clue to the intellectual key to this dilemma: in its self‐​portrayal (but probably less in its self‐​perception), Hamas has not made any historical mistakes, just like the Muslim Brotherhood — real breaks in its history are negated and presented as a harmonious change. This idealization of its own history and the accompanying demonstrative inability to self‐​criticism is neither atypical nor inexplicable for political actors, especially in a position such as Hamas, but it is nevertheless problematic and regrettable.

Be that as it may, the basic document from 2017 was also widely received, discussed and interpreted. Both documents are definitely interesting to read, if only to form one’s own opinion. Baumgarten,203Baumgarten (2006), pp. 58 - 66. Hroub,204Hroub (2011), pp. 54 - 60 [English edition: (2010), pp. 23 - 29 ]. Meyer205Meyer (2009), pp. 94 -125. and Mustafa206Mustafa (2013), pp. 67 - 74, 119 - 122. also provide good discussions of the content and classification of the Charter. Interesting discussions of the basic document can be found online by Abunimah207Abunimah (2017). and Langthaler,208Langthaler (2017). among others.

Myth 13: »Hamas is a puppet of Iran.«

This accusation is not only made against Hamas, but also against Hezbollah in Lebanon, Ansarallah in Yemen (referred to as »Houthis« in the West) and various actors in Iraq and Syria. Interestingly, it is raised much less frequently (in the West) against Islamic Jihad, although, unlike Hamas, it is much more closely linked to Iran. This can of course be explained, among other things, by the fact that Hamas is significantly larger, stronger and more relevant. But it also simply shows the ignorance in the West towards the Palestinians and their organizations.

In fact, the relationship between Hamas and Iran is quite complex and contradictory and they are anything but »natural« allies. As Leila Seurat writes: »Hamas has looked far and wide to find material backers other than Iran. Support from elsewhere could remove all the inconveniences included in an alliance with the Islamic Republic, an alliances that remains quite unpopular in Palestine.«Salfistists in particular accuse Hamas (as well as Islamic Jihad) of making themselves dependent on »Shiite Persians«. Shaykh Yassin himself had declared as recently as 1989 that Shiites were not (real) Muslims.209Seurat (2019), p. 177 f.

Rapprochement (1990 – 2011)

In the early 1990s, Hamas and Iran came closer together due to various favorable circumstances. Since then, there have been no more confessionalist outbursts of this kind from Hamas representatives. There have also been occasional positive statements about Ayatollah Khomeini’s concept of the »Islamic revolution« but, unlike Hezbollah in its early days, Hamas has never adopted it as its own.210Seurat (2019), p. 22, 178 f. Hamas has remained a movement with Islamic‐​reformist, not revolutionary, aspirations.

The rapprochement between Iran and Hamas came at a time when the latter was replacing Fatah as the largest recipient of funds, including from the Arab Gulf monarchies. The background to this was that Hamas, unlike Arafat, did not side with Baghdad in the First Iraq War.211Baumgarten (2006), p. 83. This stance was also well received in Iran, as the country had just emerged from an eight‐​year, bloody war (Iran‐​Iraq War) with its neighbor. Shortly after the Iraqi invasion of Kuwait in August 1990, a delegation from the Jordanian Muslim Brotherhood traveled to Tehran and asked for weapons (apparently for their brothers and sisters in Palestine) — albeit unsuccessfully. But as early as October 1991, Hamas was officially invited to open an office in Tehran. This step was a first for Hamas; representations in other Muslim countries did not follow until 1993 – 97. According to a secret report for the US Congress from 1993, there were already close military, intelligence and financial ties between Hamas and Tehran at that time. Accordingly, Daud Abdullah counts Iran as one of Hamas’ »closest allies« for this period.212Abdullah (2020), pp. 34 f., 63, 83 f., 91 f., and as quoted on p. 84.

At the same time, from the end of 1992, hundreds of Hamas members were also staying in Lebanon because the Zionist regime had deported them there. Close contacts with Hezbollah were established then.213Baumgarten (2006), p. 85. Abdullah (2020), p. 22 Footnote 106.

Relations between the Islamic Republic and the Islamic Resistance Movement further picked up speed again in the mid‐​2000s.214Ibid. p. 107. Seurat (2019), p. 95. There were various reasons for this rapprochement: Hamas initially won the elections in the 1967 occupied territories in 2006 and took long‐​term power in the Gaza Strip in 2007 (Myth 10), which gave it greater political clout. During the power struggle with Fatah in the course of 2007, Iran helped Hamas to set up and arm combat units.215Asseburg (2008), p. 90.

At the same time, the »axis of resistance« came into increasing confrontation with Western imperialism: Israel and the USA pursued an increasingly aggressive war course against Iran under President Ahmadinejad; the Zionist regime invaded Lebanon in 2006 and had to admit defeat to Hezbollah; in December 2008, the Zionists attacked Gaza and bombed the area for almost a month with the declared aim of destroying Hamas.

According to Seurat, Tehran’s financial support for Hamas after 2006 amounted to an average of 120 million US dollars per year, an »absolutely vital« sum. Beyond such financial support, she also notes the significance of Iran’s transfer of scientific and technological knowledge: » Hamas’ military industry is apparently in full progress courtesy of its close cooperation with Tehran, which also supplies weapons and trains fighters. At organizational level, the movement increasingly resembles Hezbollah.«216Seurat (2019), p. 130.

Ruptures and rapprochement (2011 to today)

These close relations were severely affected by the war in Syria: The Muslim Brotherhood as a whole was committed to establishing a (non‐​Wahhabi) Sunni axis from Tunisia and Libya via Egypt to Gaza, Syria and Turkey, as well as to Qatar. Hamas accordingly sided with the Syrian insurgents, who consisted mainly of Sunnis and included not least the Syrian Muslim Brotherhood. According to a background article in The Cradle, Qatar, Turkey and Syrian opposition members put targeted pressure on Hamas head of government Ismail Haniya and politburo member Mousa Abu Marzouk, who were both reluctant to break with the »axis of resistance«, while a circle around the politburo chairman, Khaled Mash’al, had already swung to the »Brotherhood line«.217The Cradle (2022). The »axis of resistance« between Gaza, Beirut, Damascus, Baghdad and Tehran finally broke down along sectarian lines; Mash’al moved the foreign headquarters from Damascus to Doha in 2012. Contrary to previous threats, Tehran did not initially cease all financial and military support for Hamas, but the Iranian leadership cut its funding from 150 million to 75 million US dollars in 2012 and cut it in half again in the summer of 2013, when Hamas fighters took part in a battle against Syrian troops and Hezbollah fighters in Syria. Finally, in 2016, the Hamas leadership claimed that Iran had stopped payments altogether.218Seurat (2019), pp. 96, 99.

Abdullah, on the other hand, writes that Iran never completely ended its support.219Abdullah (2020), p. 195. In any case, Tehran’s restrictions did not have the effect of bringing Hamas to simply change its political course regarding Syria.

However, with the fall of Muhammad Morsi in Egypt in the summer of 2013 and the strict anti‐​Muslim Brotherhood policy of the new military regime and General al‐​Sisi, Hamas ran into problems that favored its rapprochement with Iran.220Seurat (2019), p. 34. This was compounded in 2014 by the electoral losses of the Muslim Brotherhood in Tunisia, the complete break‐​up of Libya as a result of the NATO war, the failure of regime change in Syria, and the isolation of Qatar within the Gulf Cooperation Council, which began in 2014 and culminated in the severing of relations between Doha on the one hand and Abu Dhabi, Cairo, Manama and Riyadh on the other in 2017.221The Cradle (2022). The Hamas leadership now tried to limit the damage, but Khaled Mash’al in particular, who had been responsible for the course since 2011, was no longer welcome in Tehran. It was not until 2015 that there was a gradual and anything but straightforward rapprochement between Hamas on the one side and Iran and Hezbollah on the other.222Seurat (2019), pp. 96 - 100.

The Qassam Brigades played a special role in all of this: due to the financial and military support they received from Iran, they were strictly against any course that led to a break with the »axis of resistance« from the outset. And indeed, the political line in the years after 2011 brought setbacks for the people and the resistance in Gaza, as much less money flowed from Doha — which despite everything maintains good relations with Washington — and Ankara — a NATO member — as had previously been coming from Tehran.223The Cradle (2022).

However, Iran’s continued support for the armed wing of Hamas has not only strengthened it militarily, but also politically, thus expanding its power and that of the leadership in Gaza as a whole. Traditionally, the »external leadership«, i.e. the part of the leadership that lived outside Palestine, held political hegemony in the organization owing to the Zionist occupation and later reinforced by the enforced isolation of Gaza. The chairman of the politburo had come from their ranks for decades.224Seurat (2019), p. 29. This changed in 2017, when Yahya al‐​Sinwar, one of the co‐​founders of the Brigades, replaced Haniya as Prime Minister of Gaza, and Haniya in turn was elected to succeed Mash’al as head of the politburo. This was the first time that the center of power of Hamas was moved back to Gaza since 2004, when the assassination of the two Hamas leaders Shaykh Yassin and Abdel Aziz Rantisi by Tel Aviv shifted power in favor of the foreign leadership. In this regard, Abdelrahman Nassar speaks of a »military wing« consisting of the Qassam Brigades and other leaders who are currently asserting themselves against a second pole around Mash’al, a kind of »Muslim Brother pole«, as well as a third, Salafi confessionalist pole, and are pushing for a rapprochement with the »Axis of the Resistance«.225Nassar (2022). This »military wing« could also be referred to as the »national pole« or the »Axis of Resistance pole«, depending on its content, due to the fact that it focuses on the national liberation of Palestine and pursues a multi‐​confessional, anti‐​sectarian alliance policy in the region.

A proxy war by Tehran?

If we look at the events since October 7, we see on the one hand that such an »axis of resistance« has indeed (re)taken shape in a certain way, and that, as before 2011, it is once again on the one hand majority Shiite (Iran, Iraq, Syria, Ansarallah and Hezbollah) and on the other hand interdenominational (Twelver Shia in Iran, Iraq and Lebanon, Zaidites in Yemen, Alavites in Syria, Sunnis in Palestine). The wounds and scars inflicted in Syria are currently being covered up by the »Al‐​Aqsa flood« and the blood pouring out of Gaza.

On the other hand, it does not appear that the uprising of October 7 was closely coordinated between Gaza and the »axis«. There are not only indications that the decision to launch the operation was »one hundred percent Palestinian«, as Hezbollah Secretary General Shaykh Hassan Nasrallah put it,226Memri TV (2023). but also that Tehran was not at all enthusiastic about the offensive: Reuters reported on 15 November: » Iran’s supreme leader delivered a clear message to the head of Hamas when they met in Tehran in early November, according to three senior officials: You gave us no warning of your Oct. 7 attack on Israel and we will not enter the war on your behalf.«227Reuters (2023).

Even though Hamas and a high‐​ranking spokesman for the Iranian Revolutionary Guards immediately denied the report,228PressTV (2023). this report could be an indication of tactical or even strategic disagreements between Gaza and Tehran.

Hamas: a relatively independent actor

In any case, it seems obvious that the relationship between Hamas and Iran is complex and by no means free of contradictions. To describe Hamas as a »puppet« of Iran is therefore completely absurd. In a sharp polemic, Seurat rejects such insinuations as based, not on facts, but on unscientific and downright colonialist suspicions and prejudices that only serve the goal of discrediting Hamas.229Seurat (2019), p. 4 f.

Hamas must obviously be understood first and foremost in terms of the history and society of Palestine from which it originates. (See Chapter 3 and Myth 1) Its policies are primarily determined by the dynamics of the Palestinian liberation struggle and the interests of the sections of the population it represents. Ideology (myth 2) and foreign policy influences are secondary to this, although of course not unimportant.

Hamas is definitely dependent on foreign actors. However, this statement is relative. Ultimately, this applies to every relevant political actor and especially to every state that operates on the international political and economic stage. Non‐​state actors, especially national liberation movements, are fundamentally more dependent, because as long as they are not victorious, they generally do not have their own state and their resources are therefore limited. The relative independence of these actors lies above all in their self‐​confidence, not allowing themselves to be harnessed to another actor’s cart, and pursuing their own interests through diplomacy instead of selling them out in favor of the interests of others. Without wanting to endorse it, Hamas has at least shown with its Syria policy since 2011 that it puts its (supposed) interests above relations with Tehran or Damascus when it deems it necessary, just as it has qualified its relationship with the Muslim Brotherhood in its new basic document from 2017. (Myth 12)

For more weapons and more money from Tehran!

So much for the facts. Finally, I would like to break a lance in favor of Iran’s support for Hamas: In its function as a supplier of money and weapons, and as a political and military protecting power for the Islamic resistance — and, thus for the leading force in the Palestinian liberation movement — Iran has in a way inherited the role of the Soviet Union. The latter had primarily supported Fatah, but also the PFLP and the DFLP.230Hoekmann (1999), S. 106.

This was despite the fact that none of these forces were sister parties of the CPSU and although there were certainly critiques from Moscow of the respective policies of these organizations. Iran takes a similar approach: not only Islamic Jihad, which is ideologically close to Iran, but also Hamas and, incidentally, the DFLP231The money is apparently given to Hamas, which then passes it on to the front. (Khalil (2010), p. 102.) and the PFLP232Al‐​Monitor (2013). receive financial and military aid from Tehran. So, it is not simply a question of ideological similarities, but of strategic and tactical cooperation.

Left‐​wingers usually argue that Iran is not a socialist country but a bourgeois regime, that it is not acting out of »kindness« but out of power‐​political calculation, etc. Yes — and in fact also no. The Islamic Republic is a capitalist country under the rule of a bourgeois regime that blatantly suppresses social revolutionary forces. But it also emerged from an anti‐​imperialist popular revolution against the Pahlavi regime, which was dependent on the West; Khomeini’s seizure of power was not the (complete) counter‐​revolution that many on the left portray it to be. Although many achievements of this revolution have been lost and continue to be lost, one that has survived so far is the pronounced anti‐​imperialism in the form of, above all, »anti‐​Americanism« and anti‐​Zionism. For Western liberals and unfortunately also many Western leftists, this »political culture« is nothing but folklore and above all »reactionary« through and through. In reality, however, it is an expression of a political consciousness that dates back to the time of the revolution and is still alive in parts of the Iranian masses. Moreover, this anti‐​imperialism is not narrowly nationalistic, but tends to be internationalist. So it is actually more than just »niceness;« it is the »tenderness of the peoples«, as Che Guevara so beautifully put it. And this tenderness is a promise that was made to the masses during the revolution. Not everyone is still demanding this promise today; and many other promises have already been broken. But it is indeed this political consciousness in still significant parts of the people that is forcing the Iranian regime to stand with the Palestinians against the US and Israel and beyond.

In addition, there are of course Iran’s own regional and geopolitical interests, which it pursues through its alliance policy in Palestine, Lebanon, Syria, Iraq and Yemen. But this policy is also anti‐​Western and therefore always anti‐​imperialist, at least to some extent, because the Iranian people’s revolution was anti‐​Western and anti‐​imperialist. In any case, the Iranian bourgeoisie as such would make life much easier for itself if it dropped anti‐​imperialism and the Palestinians and sought a handshake with the West. And there are certainly enough circles within Iran’s ruling class that are more than willing to do so. There are also quite a few Iranians who completely reject support for the Palestinians, often making chauvinistic and anti‐​Arab arguments and pointing to the high financial and political costs.

What does all this tell us? Iranian aid cannot be taken for granted. And at the same time, the Palestinian liberation movement is very much dependent on it. The solution cannot be to »demand« that the Palestinians stop relying on forces like Iran. That is not a demand, but a wish. And how could it come true without their own state with heavy industry? All that remains is the »criticism« that it is somehow problematic that the Palestinian resistance is so dependent. This in turn is not constructive criticism, but a statement that is as correct as it is empty. So, what is the »solution«? »The« short‐​term solution does not exist. We have to accept the world as it is. And the world currently looks as if Iran is not only the Palestinians’ most reliable partner, but rather the only one that is able and willing to support them in such a comprehensive way. Its help is generous, not least because the Iranian people demand this act of international solidarity and are prepared to make sacrifices for it. The long‐​term solution, of course, lies in the national liberation of Palestine. And at the moment, every rial, every cartridge, and every rocket that goes from Tehran to Palestine is a practical contribution to this.

From our limited options for action in Germany, we can only hope for the time being: Namely, that no pro‐​imperialist counter‐​revolution takes place in Iran, that the people do not lose their tenderness for the Palestinians, and that Tehran is able and willing to send more and more weapons and more money to the resistance, to support it politically, and to educate it militarily. The task facing us in Germany is clear: we must support the struggle of those sections of the Iranian people who have not given up their anti‐​imperialist course, just as we must support the Palestinians’ struggle for liberation. Because both struggles are connected. And this also includes defending Iranian support for the Palestinians politically against attacks.

Myth 14: »Hamas is fighting the Palestinian left.«

The time of the Muslim Brotherhood

In fact, the Muslim Brotherhood (MB) in Gaza, as in other Arab countries, was not only in competition with the political left, but also openly opposed it in certain phases and sometimes even militantly fought against it. However, there were also repeated examples of the opposite, for example when the MB in Palestine cooperated with the communists, among others, after the Second World War.233Baumgarten (2006), p. 20.

Although the Gaza Strip was a traditional stronghold of the MB, the PFLP and the Communist Party were also relatively strong there in the 1970s and 1980s, which brought them into competition with the MB. In the meantime, the Brotherhood used violence against both: In December 1979, for example, a Muslim Brotherhood candidate — incidentally with the support of Fatah, which also saw the leftists as competition that needed to be weakened — ran against the chairman of the Red Crescent, who was close to the Communists. When the MB candidate was defeated, his supporters rioted in Crescent offices, stores and cafés selling alcohol, movie theaters, etc. The IOF intervened very late. Similar incidents occurred in the following years, not only in the Gaza Strip but also in the West Bank, with nationalist forces increasingly becoming targets or opponents alongside decidedly left‐​wing forces.234Ibid. p. 74. Filiu (2012), p. 64 f.

Notably, this sectarian violence against Palestinians coincided with the MB’s abstention from any resistance to the Zionists. It is thus quite clear that it was objectively acting in Israel’s interests. The fact that the colonial power at least passively supported this behavior has already been described in Myth 1; just like the fact that Hamas represented a break with this anti‐​ppopular, not to say unpatriotic, policy.

Hamas and the left

A rapprochement with the PFLP came even faster than with Fatah due to their common »uncompromising« stance: as early as the beginning of 1990, PFLP Secretary General George Habash declared that anyone comparing the positions of the old Muslim Brotherhood and the early Hamas »with its position today, after the intifada, cannot but notice a huge difference and has to welcome warmly its joining the nationalist movement.« There is »no doubt that the participation of Hamas. There can be no doubt but that the participation of Hamas and Islamic Jihad in the battle is a victory for the nationalist struggle and a boost to the popular uprising.«235Hroub, Khaled: Hamas. Political Thought and Practice, Institute for Palestine Studies (2. Auflage 2002).

In 1991/​92, Hamas, Islamic Jihad, PFLP, DFLP, the Revolutionary Communist Party and six other organizations formed an alliance of rejection against the looming Oslo betrayal.236Hussein (2019), p. 138 f. During the 2005 municipal elections, Hamas also supported a Christian mayoral candidate close to the PFLP.237Baumgarten (2006), p. 166. And after the 2006 election victory, Hamas asked all parties, including the PFLP, the DFLP and the Palestinian People’s Party (PPP) — the former Communist Party — to work with it in a government of national unity.238Baumgarten (2013), p. 156. All three initially refused, however, until the DFLP and PPP finally joined such a government brokered by Saudi Arabia in spring 2007.239Baumgarten (2013), p. 156. The PFLP, on the other hand, continued to boycott it: it »supported« the first Hamas government, but did not join it due to differences regarding Hamas’ stance on the PLO and the refugee issue. Although it welcomed the Mecca Agreement between Fatah and Hamas due to the temporary settlement of the power struggle, it also saw this as Hamas giving in to the Oslo course.240Leopardi (2020), pp. 215 - 217.

Tensions between the organizations of the Palestinian left and Hamas arose above all around the issue of Hamas’ attitude towards the PLO. (See Myth 9) However, due to the fact that the PLO was and still is dominated by the Fatah leadership, and that this in turn has mutated into a treacherous puppet regime since Oslo and even more so since 2007, the question of who is in the right here cannot be answered unequivocally: Hamas disregarded the PLO from the outset, and indeed for the wrong reasons. The fact that the PLO has actually lost much of its legitimacy over time only reinforced this attitude. »The left‐​wing factions«, on the other hand, ‘never questioned their membership of the PLO’, as Raif Hussein notes. »They had to be careful not to become accomplices in the abolition of the Palestinian people’s greatest achievement.«241Hussein (2019), p. 149.

»For its part, Hamas despaired of the left because whenever and wherever Hamas clashed on the ground with Fatah, the left would either stay neutral or implicitly support Fatah,« as Khaled Hroub describes the counter‐​perspective. He notes further that242Hroub (2011), p. 130. [English edition: (2010), p. 85 ]. »after the elections of January 2006, Hamas’s relationship with the Palestinian left have further deteriorated. None of the three small leftist groups which won seven seats in total in the PLC agreed to join Hamas’s government. Hamas blamed them for foiling its efforts to form a national coalition government.«243Ibid. and thus ultimately also for the power struggle with Fatah, which led to the split between Gaza and Ramallah. (Myth 10) The left must indeed wear this shoe. And even during the power struggle between Hamas and Fatah, the PFLP clearly positioned itself against Hamas and condemned the »coup d’état.«244Leopardi (2020), p. 218.

Since then, however, the relationship has improved significantly. As early as 2011, Hroub speaks of »closer relationships« with the PFLP and DFLP.245Hroub (2011), p. 132, [English edition: (2010), p. 92 ]. In recent years in particular, the Islamic and left‐​wing liberation organizations have grown ever closer on the basis of their joint resistance to the Zionist and Oslo regimes: Leftist and Islamic students carry out joint actions at universities in the West Bank,246Resistance News Network (2022). communists and Islamists fight side by side in cross‐​organizational and cross‐​current brigades in the West Bank247Wystrychowski (2023), S. 25. and the same is true in Gaza within the framework of the Joint Operations Room of the resistance factions as well as the »Al‐​Aqsa Flood.« Organizations such as the prisoner solidarity network Samidoun or information projects such as Resistance News Networks are also an expression of these cross‐​current unity efforts.

The relationship between the left‐​wing forces and Hamas is characterized by the all‐​dominant strategic question of the national liberation of Palestine. Neither Hamas nor the left have answered this question flawlessly in the past. It would therefore be absurd to accuse Hamas of having acted differently from the PFLP or DFLP on this or that issue, or even of having fought them on it. Hamas’ criticism of the non‐​participation of the two parties in the formation of the government in 2006, for example, was justified and their behavior in the power struggle between Hamas and Fatah must also be criticized in retrospect.

Conclusion

Therefore, the accusation that Hamas is »fighting« the political left can be reduced either a) to the time of the Muslim Brotherhood or b) to a possible future, always according to the motto: »You can’t trust the Islamists!«

(An insertion here: the dictum that »the Islamists« will betray the communists as soon as they can is cited by many on the left as a »lesson« from the Iranian revolution. All I can say to that is: that’s not how historical lessons work. The lesson of the November Revolution was not to cooperate with social democracy; the lesson of fascism was to do so. So which is right? Both to a certain extent. These lessons must not be unduly generalized. First of all, there is historical experience and I doubt that all those who speak of the »historical lesson of the Iranian revolution« are so well versed in this subject that they can actually draw lessons from it. Whether comrades who are actually well versed in the subject in turn draw the right lessons depends in the second step on whether they approach the world dogmatically and schematically or scientifically and dialectically.)

Or c) to the banal observation that Hamas is a bourgeois force with which left‐​wing or communist actors must fundamentally adopt a relationship of class opposition and with which they must struggle for social hegemony. However, this does not distinguish Hamas from other bourgeois liberation organizations, such as Fatah in the 1960s to 1980s, the ANC before the end of apartheid, etc. The suspicion therefore inevitably arises that it is once again a matter of latent Islamophobia when this »argument« is used. For in the case of secular bourgeois organizations in the context of national liberation, this objection is heard much less frequently. (See also Myth 7) The PFLP and DFLP, or so it seems, have fortunately shed this leftist disease of Islamophobia and anti‐​Islamic chauvinism. Otherwise, it would be almost impossible for them to gain mass influence in a society like the Palestinian one, let alone achieve political hegemony.

Myth 15: »October 7 was a terrorist attack by Hamas.«

This accusation is also made in other variations: October 7 was a »massacre«, a »pogrom« and so on. These formulations are aimed at implicitly or explicitly accusing the Palestinian resistance of terror or war crimes (Myth 6) and anti‐​Semitism (Myth 3).

General Assessment

1) The »Al‐​Aqsa Flood« was or is first and foremost a military operation led by Hamas: it began as an offensive that broke out of the open‐​air prison of Gaza and brought sections of Palestine which had been occupied since 1948 under the control of the Palestinian resistance for a number of hours. In the process, military targets were attacked, destroyed or captured and hundreds of Israeli combatants were killed or arrested. All of this is undoubtedly justified by international law, morally legitimate and politically sound.

2) At the same time, it was an armed popular uprising that was joined by other resistance groups in the Gaza Strip and the West Bank. Additionally, Palestinian non‐​combatants also participated in it, both in the form of attacks on soldiers and settlers and in the form of demonstrations.

3) Moreover, the »flood« has had an impact far beyond the borders of Palestine. As a result, it has the potential to become a conflagration that threatens both the US presence in the region and the Zionist colonial regime as such.

4) At present, however, the »Al‐​Aqsa flood« is, above all, a defensive battle for Gaza and against the genocide that the Zionist regime has been carrying out there since October.

War crimes

On the general question of civilians, see Myth 6.

Otherwise, it should only be emphasized here that the reports of atrocities such as (mass) rape, beheaded or oven‐​burned infants, etc., some of which are still being spread by the German lying press today, have long been relegated to the realm of myths, not least by the Israeli media.248Channel 13 (2024). It has long been known that many of the non‐​combatants killed on the Israeli side can be attributed to the Zionist army itself and its infamous »Hannibal Doctrine«, according to which a dead Israeli is better than one in Palestinian captivity. Some articles also point out that in addition to the fighters of the Qassam and other Palestinian brigades, numerous »normal« Palestinians also broke out of the Gaza Strip, and that it is quite possible that among these people were some whose hatred of the settlers, which had built up over the years, turned into unbridled violence.

Among others, the articles by The Electronic Intifada,249Winstanley (2024). Mondoweiss,250Mondoweiss (2023). Occupied News,251Occupied News (2024). and The Cradle,252Narwani /​Inlakesh (2023). Van Wagenen (2023 a). Van Wagenen (2023 b). Van Wagenen (2024). which dispel numerous myths surrounding October 7, are recommended. Hamas itself has also taken a stand on the accusations of war crimes: it has repeatedly rejected them, though in its statement of January 21, 2024, it also admitted that improper actions may have occurred in connection with the uprising and the ensuing chaos: »Maybe some faults happened during Operation Al‐​Aqsa Flood’s implementation due to the rapid collapse of the Israeli security and military system, and the chaos caused along the border areas with Gaza.«253Hamas (2024).

Wars of liberation are also wars. They are also ugly and violent. The liberation from fascism was accompanied by, among other things, the carpet bombing of major German cities and the rape of thousands of German women and girls. Nevertheless, no one except out‐​and‐​out fascists and historical revisionists would deny that the Allies first and foremost liberated Germany, Europe and the world from German fascism.

Other Actors

The widespread narrative in the West that the »Al‐​Aqsa flood« was »Hamas assault« is evidence of the narrow‐​mindedness of the local discourse and is ultimately an anti‐​Palestinian propaganda phrase.

The truth is that, in addition to Hamas, all other resistance organizations in the Gaza Strip are or have been involved to this day. A spokesman for the left‐​wing Democratic Front for the Liberation of Palestine (DFLP) explained, for example, with regard to the National Resistance Brigades, the armed arm of the DFLP: »The Brigades took part in Operation ‘Al‐​Aqsa Flood’ one hour after Hamas began and fired several rocket salvos. On the first day, seven comrades were martyred.«254Baker (2024). According to Dieter Reinisch, by early November the DFLP and PFLP had already »lost around two dozen members each.«255Reinisch (2023 a).

The start of the operation was apparently not coordinated with the other resistance groups in the Gaza Strip, nor with those in the West Bank, nor with the allies in Lebanon and Iran (see Myth 13). Nevertheless, it resonated everywhere: since then, there have been countless other battles in the West Bank, although these are clearly dwarfed by the scale of what is happening in Gaza.

From abroad, the »Al‐​Aqsa flood« is flanked by operations by the Lebanese Hezbollah, the Yemeni Ansarallah and other armed groups in Iraq and Syria. Armed solidarity actions also took place in Egypt.256Resistance News Network (2024). And in October, hundreds of volunteers from Iraq traveled to the Jordanian‐​Palestinian border, demanding to be allowed to cross over to help their brothers and sisters in the fight. Solidarity demonstrations also took place in numerous Arab and Muslim countries, the largest of which were in Yemen and Indonesia. But there were also demonstrations in Egypt, Morocco and Jordan, where extremely repressive and openly pro‐​Zionist regimes are in power — in some cases, participants had to pay with imprisonment in the torture prisons of these dictatorships.

4 Conclusion: Why we must fight against the Hamas ban!

Anyone who has read through the above text should be aware by the time they reach this point that a ban on Hamas is not an »anti‐​fascist victory«, as the MLPD presumably see it, and that this ban cannot simply be a matter of indifference to communist, left‐​wing and democratic organizations just because it has not affected any »progressive« organization. On the contrary, this ban is a blatant attack on the Palestinian liberation movement as a whole, because it completely criminalizes the most important and politically and militarily strongest resistance force in the country.

We know how far these bans can be interpreted, especially from the repression against the Kurdish movement. It is not just a question of (alleged) members of Hamas — which is not even active in this country — being restricted or prosecuted. Rather, it can affect anyone who speaks out in favor of the Palestinians’ legitimate right to resist. Even a lack of distancing, or public questioning of the propaganda, or so‐​called »sympathy promotion,« or criticism of the bans, or solidarity with those affected by repression, etc. — all of this can and will be used by the authorities against us as a Palestine solidarity movement. The fact that Samidoun was also banned in the same breath as Hamas is living proof. For although the comrades were ultimately officially treated as an appendage of the PFLP, in the propaganda show surrounding this ban — and this is what counts above all, because it was never about truth or arguments, but just a lot of noise and a lot of lies — they were constantly moved into the vicinity of Hamas, i.e., the only Palestinian organization that the German mainstream still knows today in its complete narrow‐mindedness.

Incidentally, this must also be recognized by those parts of the communist, left‐​wing, Palestine solidarity, and peace movements that do not share all or perhaps any of the arguments put forward in this text regarding the 15 myths discussed here. Even someone who rejects Hamas outright, does not support Palestinian armed resistance, and does not support a one‐​state solution must recognize two things: 1. the outright criminalization of Palestinian resistance can only serve to undermine any just solution in Palestine, regardless of what that solution may ultimately look like. 2. this criminalization will not only affect Hamas itself — ultimately perhaps even least of all Hamas, because — thank God, one might say — it is not dependent on Germany and, as I said, is not active here at all. Rather, it will affect the Palestine solidarity movement and is an attack on the basic democratic rights of us all. Because with the current bans, restrictions, mass denunciations etc., all of which cannot be separated from the criminalization of Hamas, facts and precedents are being created. We ourselves are now in a defensive battle for our basic rights; an offense is the best defense! Let us resolutely move forward and fight for the decriminalization of the entire Palestinian resistance and thus for the decriminalization of international solidarity and anti‐​imperialist positions!

On that note:

Defend and fight for fundamental democratic rights!
Down with the bans on Hamas and Samidoun!
Down with paragraphs 129 a and b of the German Penal Law Book! Down with the EU terror list!

Long live the Palestinian resistance!
Long live the tenderness of peoples!
Long live international solidarity!

5 Appendix: Recommended Reading

There are handful of decent texts and books on Hamas, even in German. I rely not insignificantly on these works, recommend them to all those who want to deal with the subject objectively, and will therefore not pretend that this text is the first and only useful one on the subject. What I present here is not a comprehensive analysis of Hamas, but rather a targeted refutation of the most common myths about it. 

Books

All the titles listed below can be found in the attached bibliography and list of sources.

The two standard German works on this topic — i.e. Helga Baumgarten (2006 and 2013) and Khaled Hroub (2010)—are recommended. They provide comprehensive insights into Hamas’ prehistory; its organizational, political and ideological development; its internal debates; and its character. Furthermore, both authors do not hold back their respective opinions. Baumgarten proceeds chronologically, whereas Hroub’s book deals with a series of questions, similar to the present text.

The English‐​language books by Hroub (2002) and Tareq Baconi (2018) are also suitable as an introduction. While the latter relies on extensive programmatic text sources from Hamas, Hroub repeatedly draws on insider information from the organization. The same applies to Azzam Tamimi (2007 a), who is considered an unofficial advisor to Hamas abroad.257Baumgarten (2006), p. 65.

The books by Imad Mustafa (2013) and Henrik Meyer (2010) are considerably less comprehensive, but certainly suitable as an introduction — although they only devote individual chapters to Hamas, and also deal with other political‐​Islamic organizations.

Relatively new are the two basic works on Hamas’ foreign policy by Daud Abdullah (2020) and Leila Seurat (2019).

Britt Ziolkowski’s (2020) study on the role of women in Hamas takes a look at an interesting and largely neglected aspect of the organization. The book stands out for its objectivity and surprisingly critical sympathy — not in the least because the author now works for the Office for the Protection of the Constitution (Trans. note: German domestic intelligence agency).

I would decidedly not recommend the book by Joseph Croitoru (2007). It is no coincidence that the book by the German‐​Israeli author has not only been printed by the Federal Agency for Civic Education (bpb), but is also being republished by C.H. Beck‐​Verlag for the spring of 2024. This makes this book, which not only follows a clear anti‐​Hamas stance but also contains factual errors,258Felsch (2011), p. 102. the official »standard work« on the Islamic resistance movement in German‐​speaking countries. This state of affairs testifies not only to our intellectual and political poverty on this subject, but also to the extent to which the German ruling class has fully committed to an anti‐​Palestinian course.

Online articles

If you want to acquire a sound basic knowledge, there is no getting around books. However, the following texts can be recommended to serve as a good first introduction, realistic assessments, and factual analyses (especially for people who want to be encouraged to think more critically and who don’t want to buy a book but would click on a link): The article by Karin Leukefeld published in the Unsere Zeit in November 2023,259Leukefeld (2023). the article by the Marx21 editorial team from October 2023.260Marx21 (2023). and the interview with Tareq Baconi, which also appeared in Jacobin in November 2023.261Baconi (2023).

Media

In addition, analyses, reports and research on the ongoing development of Hamas are of course extremely important. Arab media such as Al‐​Jazeera, Al‐​Mayadeen, Middle East Eye, Middle East Monitor, Palestinian Information Center, Quds News Network or The Palestine Chronicle, Iranian media such as Press TV as well as The Cradle, Mondoweiss, The Electronic Intifada, Red or Russia Today repeatedly provide interesting material in English.

There is much less on offer in German. Pars Today, the Yemeni news agency Saba, and the Qatar News Agency have German‐​language sites. There is also the well‐​known RT Deutsch and less well‐​known TRT Deutsch. Die Linke Zeitung and Magazin der Masse (MagMa) also translate interesting articles from time to time, for example from The Cradle, Al‐​Mayadeen or The Electronic Intifada. Last but not least, Occupied News is recommended here, which, contrary to what the name suggests, is a German medium and does very good work.

Sources

As Hamas has recently been subjected to increased repression and, as a result, stricter censorship in Germany, sources are not so easily accessible: their website is only accessible via VPN and the Telegram channels of Hamas and the Qassam Brigades are blocked for German phone numbers. Moreover, Hamas statements are repeatedly mirrored or at least quoted by media and Telegram channels such as Quds News Network, The Cradle, the Resistance News Network, as well as international press agencies such as AFP, AP, IRNA, Qatar News Agency, Reuters, Saba or Tass.

It is probably no coincidence that only the infamous Hamas Charter of 1988, which is discussed in Myth 12, can be found in German on Zionist sites; I have not checked these translations and therefore cannot judge them. A commendable and complete translation in German can be found in the appendix of Baumgarten’s work.262Baumgarten (2006), p. 207 - 226. Hamas’ 2017 policy paper, which some interpret as the new Hamas Charter (also Myth 12), can now also be found online in German as an unauthorized translation.263Hamas (2017). Likewise for the statement published on 21 January 2024: »Our view of Operation Al‐​Aqsa Flood.«264Hamas (2024). The credit for the translation and publication of these two important sources goes to the MagMa. In addition, Baumgarten has also printed Hamas’s 2006 election program, with which it won the parliamentary elections at the time.265Baumgarten (2006), p. 227 – 241. Mustafa has published a position statement by Hamas’ politburo chief Khaled Mash’al on the so‐​called Arab Spring of 2011 and a Hamas press release on the Syrian war from 2013 translated into German.266Mustafa(2013), p. 221 – 224, 229 f.

This more or less covers all of the sources on Hamas translated into German, which says a lot about the limited discourse in this country. In English, on the other hand, you can of course find countless interviews, press releases and other Hamas sources, if not via Google, then specifically via Arabic, Iranian and Turkish media, especially those listed above.

List of Literature

Abuheweila, Iyad/​Kershner, Isabel: ISIS Declares War on Hamas, and Gaza Families Disown Sons in Sinai (2018), https://​www​.nytimes​.com/​2​0​1​8​/​0​1​/​1​0​/​w​o​r​l​d​/​m​i​d​d​l​e​e​a​s​t​/​i​s​i​s​-​h​a​m​a​s​-​s​i​n​a​i​.​h​tml.

Abunimah, Ali: What’s behind Hamas’ new charter? (2017), https://​electronicintifada​.net/​b​l​o​g​s​/​a​l​i​-​a​b​u​n​i​m​a​h​/​w​h​a​t​s​-​b​e​h​i​n​d​-​h​a​m​a​s​-​n​e​w​-​c​h​a​r​ter.

Achcar, Gilbert: Die Araber und der Holocaust. Der arabisch‐​israelische Krieg der Geschichtsschreibungen, Nautilus Verlag (2012). English Version: The Arabs and the Holocaust. The Arab‐​Israeli War of Narratives, New York: Metropolitan Books (2010)

AlDailami, Said: Jemen. Der vergessene Krieg, C.H. Beck (2019).

AlJazeera: Hamas accepts Palestinian state with 1967 borders, https://​www​.aljazeera​.com/​n​e​w​s​/​2​0​1​7​/​5​/​2​/​h​a​m​a​s​-​a​c​c​e​p​t​s​-​p​a​l​e​s​t​i​n​i​a​n​-​s​t​a​t​e​-​w​i​t​h​-​1​9​6​7​-​b​o​r​d​ers.

Al‐​Monitor: Iran Increases Aid to PFLP Thanks to Syria Stance (2013), https://​www​.al​-monitor​.com/​o​r​i​g​i​n​a​l​s​/​2​0​1​3​/​0​9​/​i​r​a​n​-​p​f​l​p​-​g​a​z​a​-​p​a​l​e​s​t​i​n​e​-​s​y​r​i​a​.​h​tml.

Asseburg, Muriel: Die palästinensische Hamas zwischen Widerstandsbewegung, Partei und Regierung, in: Muriel Asseburg (Hrsg.): Moderate Islamisten als Reformakteure?, Bundeszentrale für politische Bildung (2008), S. 81 – 98.

Asseburg, Muriel: Palästina und die Palästinenser. Eine Geschichte von der Nakba bis zur Gegenwart, C.H. Beck (2021).

Baconi, Tareq: Hamas Contained. The Rise and Pacification of Palestinian Resistance, Stanford University Press (2018).

Baconi, Tareq: How Hamas Became the Violent Face of Palestinian Resistance (2023), https://​jacobin​.com/​2​0​2​3​/​1​1​/​h​a​m​a​s​-​i​s​r​a​e​l​-​p​a​l​e​s​t​i​n​e​-​g​a​z​a​-​h​i​s​t​o​r​y​-​d​e​c​o​l​o​n​i​z​a​t​i​o​n​-​v​i​o​l​e​nce.

Baker, Fouad: »Im Zentrum steht die Beendigung der Besatzung» (2024), https://www.jungewelt.de/artikel/466488.palästinensischer-widerstand-im-zentrum-steht-die-beendigung-der-besatzung.html.

Bamen, Noel: Mit palästina‐​solidarischen Vorsätzen in die zionistische Hölle: Eine Kritik an den „Grundlinien» der MLPD zum palästinensischen Befreiungskampf (2023), https://​kommunistische​-organisation​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​m​i​t​-​p​a​l​a​e​s​t​i​n​a​-​s​o​l​i​d​a​r​i​s​c​h​e​n​-​v​o​r​s​a​e​t​z​e​n​-​i​n​-​d​i​e​-​z​i​o​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​h​o​e​l​l​e​-​e​i​n​e​-​k​r​i​t​i​k​-​a​n​-​d​e​n​-​g​r​u​n​d​l​i​n​i​e​n​-​d​e​r​-​m​l​p​d​-​z​u​m​-​p​a​l​a​e​s​t​i​n​e​n​s​i​s​c​h​e​n​-​b​e​f​r​e​i​u​n​g​s​k​a​m​pf/.

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Baumgarten, Helga: Kampf um Palästina. Was wollen Hamas und Fatah?, Herder (2013).

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Hoekmann, Gerrit: Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken, Unrast (1999).

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Hroub, Khaled: Hamas. Die islamische Bewegung in Palästina, Palmyra Verlag (2011). English Edition: Hamas. A Beginner’s Guide (Pluto Press 2010)

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Kilani, Ramsis: Antisemitismus ist eine Form von Rassismus (2021), https://​diefreiheitsliebe​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​a​n​t​i​s​e​m​i​t​i​s​m​u​s​-​i​s​t​-​e​i​n​e​-​f​o​r​m​-​v​o​n​-​r​a​s​s​i​s​m​us/.

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Kommunistischer Aufbau: Islamischer Fundamentalismus und Imperialismus — Teil 2 (2018), https://komaufbau.org/islamischer-fundamentalismus-und-imperialismus-teil‑2/.

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Kommunistischer Aufbau: Der Kampf gegen die israelische Besatzung ist legitim! Friede zwischen den Völkern, Krieg den Imperialisten! Freiheit für Palästina! (2023), https://komaufbau​.org/​d​e​r​-​k​a​m​p​f​-​g​e​g​e​n​-​d​i​e​-​i​s​r​a​e​l​i​s​c​h​e​-​b​e​s​a​t​z​u​n​g​-​i​s​t​-​l​e​g​i​t​i​m​-​f​r​i​e​d​e​-​z​w​i​s​c​h​e​n​-​d​e​n​-​v​o​e​l​k​e​r​n​-​k​r​i​e​g​-​d​e​n​-​i​m​p​e​r​i​a​l​i​s​t​e​n​-​f​r​e​i​h​e​i​t​-​f​u​e​r​-​p​a​l​a​e​s​t​i​na/.

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List of References

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  • 5
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  • 6
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  • 7
    The booklets on the topic by both Johansen (1982) and Harman (1994) are worth reading, even if Hamas is not mentioned in either of them.
  • 8
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  • 9
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  • 10
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  • 11
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  • 12
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  • 13
    Ibid. p. 17.
  • 14
    Ibid. pp. 21-28, quote from p. 27.
  • 15
    Arafat himself was probably never a member of the MB, but maintained close contacts with it, fought in its ranks in Palestine in 1948 and was a member or even chairman of organizations close to it.
  • 16
    Baumgarten (2006), p. 29 f.
  • 17
    Ibid. pp. 31-34.
  • 18
    Mustafa (2013), p. 122.
  • 19
    Baumgarten (2013), p. 64.
  • 20
    Ibid. p. 65.
  • 21
    Ibid. p. 66.
  • 22
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  • 23
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  • 24
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  • 27
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  • 28
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  • 29
    Ibid. p. 57 f.
  • 30
    Ibid. p. 78.
  • 31
    Ibid. p. 91.
  • 32
    Baumgarten mentions another reason, namely that Israel had no interest in charging the colonial conflict with too much of a religious dimension, which is why there had long been a »hands‐​off tactic« towards mosques (ibid. p. 73), although this is no longer the case today.
  • 33
    Ibid. p. 49.
  • 34
    The fact that Hamas itself denies any rupture in its history and instead presents it as a stringent and harmonious development from Izz ad‐​Din al‐​Qassam through the MB to the present day does not change this. (Filiu (2012), p. 54.)
  • 35
    Baumgarten (2006), p. 76.
  • 36
    Filiu (2012), p. 66.
  • 37
    Kienzler (1996), pp. 17 f., 28 ff., 56.
  • 38
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  • 39
    For a comparison between the Protestant and Salafi Reformation, see Murtaza (2016), p. 106 ff.
  • 40
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  • 48
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    A further text on these and other aspects of the accusation of anti‐​Semitism will soon follow as an aid to argumentation.
  • 62
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  • 63
    Krämer (2011), p. 165.
  • 64
    As quoted in Baumgarten (2006), p. 62.
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  • 69
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  • 70
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  • 71
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  • 72
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  • 75
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    As quoted in ibid. p. 21 [English edition: (2010) p. xxiii].
  • 81
    MLPD (2023 a). At the same time, in this pathetic declaration, it presents itself in its typical manner as a victim of »anti‐​communist« agitation, while in the same breath, insignificant as it is, it snipes at the strongest force in the Palestinian freedom movement.
  • 82
    MLPD (2023 b).
  • 83
    MLPD (2023 c).
  • 84
    Hamas (1988).
  • 85
    Ibid.
  • 86
    Hroub (2011), p. 130 [English edition: (2010) p. 91].
  • 87
    Baumgarten (2006), p. 59. Hroub (2011), p. 132. [English edition: (2010) p. 92].
  • 88
    Ibid.
  • 89
    Kommunistischer Aufbau (2018 b).
  • 90
    Kommunistischer Aufbau (2018 a).
  • 91
    Kommunistischer Aufbau (2018 b).
  • 92
    Kommunistischer Aufbau (2018 a).
  • 93
    Kommunistischer Aufbau (2021).
  • 94
    Hroub (2011), p. 71 f. [English edition: (2010) p. 38 f.]. Wild (2015), p. 154.
  • 95
    Kommunistischer Aufbau (2023).
  • 96
    Motadel (2017), p. 139 f. [English edition: (2014) p. 112].
  • 97
    Gershoni /​Nordbruch (2011), p. 137 f.
  • 98
    Ibid. p. 288.
  • 99
    Krämer (2022), p. 198 f.
  • 100
    Achcar (2012), pp. 84-86. [English edition: (2010) pp. 83‐85].
  • 101
    Flores (2009), p. 48
  • 102
    Scher (2015).
  • 103
    Motadel (2017), pp. 56 – 58.
  • 104
    Pappe (2017), p. 66 [English edition: (2017) pp. 83‐85].
  • 105
    See: Brenner (2007) [English edition: 1983]. Brentjes (2001). Krammer (2010). Nicosia (2012) [English edition: 2008].
  • 106
    Achcar (2012), pp. 129-131. [English edition: (2010) pp. 131-133].
  • 107
    Zimmer‐​Winkel (1999). With contributions by Gerhard Höpp (former GDR Middle East scholar), Danny Rubinstein (Haaretz), Suleiman Abu Dayyeh (Friedrich Naumann Foundation in Jerusalem) and Wolf Ahmet Aries (Islamic scholar in Kassel).
  • 108
    Achcar (2012), pp. 123-166 [English edition: (2010) pp. 131 f.].
  • 109
    Ibid. p. 157 f., Baumgarten (2006), p. 18.
  • 110
    Croitoru (2007), p. 32.
  • 111
    Achcar (2012), p. 158 [English edition: (2010) p. 163].
  • 112
    Ibid. pp. 158-166 [English edition: (2010) pp. 163-170].
  • 113
    Flores (2009), pp. 48-50.
  • 114
    Krämer (2011), p. 165.
  • 115
    Motadel (2017), p. 57 f.
  • 116
    Pappe (2017), p. 48 [English edition: (2017) p. 66].
  • 117
    Wildangel (2005), p. 115 f.
  • 118
    Ibid. p. 119.
  • 119
    Duden (trans. note: dictionary of standard High German).
  • 120
    Reinisch (2023 b), p. 11 f.
  • 121
    Hack (1983).
  • 122
    Rome Statute (1998).
  • 123
    Hroub (2011), pp. 87-90 [English edition: (2010) pp. 53-56]. Baumgarten (2013), pp. 115, 133 f.
  • 124
    Hamas (2024).
  • 125
    Mamdani (2006), p. 239 [English edition: (2004), Ch. 4].
  • 126
    Ibid. p. 137 [English edition: (2004), Ch.4]
  • 127
    Ibid. p. 305 footnote 294 [English edition: (2004), Ch. 4, footnote 222].
  • 128
    Ministry of Foreign Affairs (2008).
  • 129
    Baumgarten (2006), p. 85.
  • 130
    Singh (2023).
  • 131
    Baumgarten (2006), p. 159 f.
  • 132
    Ibid. p. 160.
  • 133
    Asseburg (2008), p. 87.
  • 134
    Mustafa (2013), pp. 170 – 177.
  • 135
    Baumgarten (2006), p. 55. Flores (1988), pp. 86-88.
  • 136
    Baumgarten (2006), p. 86.
  • 137
    Hamas (1988).
  • 138
    Baumgarten (2006), p. 83.
  • 139
    Hroub (2011), p. 123. [English edition: (2010), p. 83].
  • 140
    Hussein (2019), p. 139-149.
  • 141
    Baumgarten (2013), p. 156.
  • 142
    Hajjaj (2023).
  • 143
    Khalil (2010), p. 102.
  • 144
    Baumgarten (2013), p. 164.
  • 145
    Ibid. p. 193.
  • 146
    Baconi (2018), p. 223 f.
  • 147
    Asseburg (2021), p. 198 f.
  • 148
    Poppe (2021).
  • 149
    Baumgarten (2021), p. 158.
  • 150
    Baumgarten (2013), p. 152.
  • 151
    Ibid. p. 156
  • 152
    Asseburg (2008), p. 89.
  • 153
    Ibid. p. 90.
  • 154
    Baumgarten (2013), p. 159.
  • 155
    Asseburg (2008), p. 90. Baumgarten (2013), p. 162 f.
  • 156
    Asseburg (2008), p. 91.
  • 157
    Baconi (2018), p. 124.
  • 158
    Baumgarten (2013), p. 163.
  • 159
    Ibid. pp. 163-166.
  • 160
    Baumgarten (2006), p. 92.
  • 161
    Ibid. p. 93.
  • 162
    Ibid. p. 94.
  • 163
    Ibid. pp. 97-101.
  • 164
    Wild (2015), pp. 17-19.
  • 165
    Mustafa (2013), p. 130 f.
  • 166
    Hamas (2017).
  • 167
    Mustafa (2013), p. 132.
  • 168
    Bamen (2023 b). Wild (2015), p. 139.
  • 169
    Pappe (2007), pp. 58, 61. [English edition (2011), pp. 57 – 61].
  • 170
    Bamen (2023 b).
  • 171
    Ibid.
  • 172
    Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten (2006), p. 189. Flores (2009), p. 96. Künzl (2008), p. 120 f.
  • 173
    Flores (2009), p. 96.
  • 174
    Asseburg (2008), p. 86 f.
  • 175
    Baumgarten (2006), p. 58.
  • 176
    Felsch (2011), p. 106.
  • 177
    Hroub (2011), pp. 55, 68. [English edition: (2010), pp. 24, 36 ].
  • 178
    Meyer (2009), p. 95 f.
  • 179
    Mustafa (2013), p. 67.
  • 180
    Ziolkowski (2020), p. 131.
  • 181
    Hroub (2011), p. 55. [English edition: (2010), p. 24].
  • 182
    Baumgarten (2024).
  • 183
    Baumgarten (2006), pp. 58, 198 footnote 47.
  • 184
    Felsch (2011), p. 106.
  • 185
    Asseburg (2008), p. 87. Hroub (2011), S. 60, 69, 185 – 90. [English edition: (2010), pp. 29, 35 – 40, 152 – 157]. Hussein (2019), p. 98 f.
  • 186
    Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten (2006), p. 65 f. Hroub (2011), p. 68. Hussein (2019), p. 98 f. Mustafa (2013), p. 67.
  • 187
    Tamimi (2007 b), p. 155.
  • 188
    Ibid. p. 150.
  • 189
    Achcar (2012), p. 238. [English edition: (2010), p. 252 ].
  • 190
    Hroub (2011), p. 60. [English edition: (2010), p. 29 ].
  • 191
    Achcar (2012), p. 238. [English edition: (2010), p. 252 ].
  • 192
    Seidensticker (2015), p. 90.
  • 193
    Hussein (2019), pp. 98 f. 277 f., and as cited on p. 277.
  • 194
    Hamas (2017).
  • 195
    Asseburg (2021), p. 198.
  • 196
    Baconi (2018), p. 245.
  • 197
    Hussein (2019), p. 105
  • 198
    AlJazeera (2017)
  • 199
    Hroub (2017), p. 102.
  • 200
    Abunimah (2017).
  • 201
    Baumgarten (2019), p. 85.
  • 202
    As cited in Seurat (2019), p. 18.
  • 203
    Baumgarten (2006), pp. 58 - 66.
  • 204
    Hroub (2011), pp. 54 - 60 [English edition: (2010), pp. 23 - 29 ].
  • 205
    Meyer (2009), pp. 94 -125.
  • 206
    Mustafa (2013), pp. 67 - 74, 119 - 122.
  • 207
    Abunimah (2017).
  • 208
    Langthaler (2017).
  • 209
    Seurat (2019), p. 177 f.
  • 210
    Seurat (2019), p. 22, 178 f.
  • 211
    Baumgarten (2006), p. 83.
  • 212
    Abdullah (2020), pp. 34 f., 63, 83 f., 91 f., and as quoted on p. 84.
  • 213
    Baumgarten (2006), p. 85. Abdullah (2020), p. 22 Footnote 106.
  • 214
    Ibid. p. 107. Seurat (2019), p. 95.
  • 215
    Asseburg (2008), p. 90.
  • 216
    Seurat (2019), p. 130.
  • 217
    The Cradle (2022).
  • 218
    Seurat (2019), pp. 96, 99.
  • 219
    Abdullah (2020), p. 195.
  • 220
    Seurat (2019), p. 34.
  • 221
    The Cradle (2022).
  • 222
    Seurat (2019), pp. 96 - 100.
  • 223
    The Cradle (2022).
  • 224
    Seurat (2019), p. 29.
  • 225
    Nassar (2022).
  • 226
    Memri TV (2023).
  • 227
    Reuters (2023).
  • 228
    PressTV (2023).
  • 229
    Seurat (2019), p. 4 f.
  • 230
    Hoekmann (1999), S. 106.
  • 231
    The money is apparently given to Hamas, which then passes it on to the front. (Khalil (2010), p. 102.)
  • 232
    Al‐​Monitor (2013).
  • 233
    Baumgarten (2006), p. 20.
  • 234
    Ibid. p. 74. Filiu (2012), p. 64 f.
  • 235
    Hroub, Khaled: Hamas. Political Thought and Practice, Institute for Palestine Studies (2. Auflage 2002).
  • 236
    Hussein (2019), p. 138 f.
  • 237
    Baumgarten (2006), p. 166.
  • 238
    Baumgarten (2013), p. 156.
  • 239
    Baumgarten (2013), p. 156.
  • 240
    Leopardi (2020), pp. 215 - 217.
  • 241
    Hussein (2019), p. 149.
  • 242
    Hroub (2011), p. 130. [English edition: (2010), p. 85 ].
  • 243
    Ibid.
  • 244
    Leopardi (2020), p. 218.
  • 245
    Hroub (2011), p. 132, [English edition: (2010), p. 92 ].
  • 246
    Resistance News Network (2022).
  • 247
    Wystrychowski (2023), S. 25.
  • 248
    Channel 13 (2024).
  • 249
    Winstanley (2024).
  • 250
    Mondoweiss (2023).
  • 251
    Occupied News (2024).
  • 252
    Narwani /​Inlakesh (2023). Van Wagenen (2023 a). Van Wagenen (2023 b). Van Wagenen (2024).
  • 253
    Hamas (2024).
  • 254
    Baker (2024).
  • 255
    Reinisch (2023 a).
  • 256
    Resistance News Network (2024).
  • 257
    Baumgarten (2006), p. 65.
  • 258
    Felsch (2011), p. 102.
  • 259
    Leukefeld (2023).
  • 260
    Marx21 (2023).
  • 261
    Baconi (2023).
  • 262
    Baumgarten (2006), p. 207 - 226.
  • 263
    Hamas (2017).
  • 264
    Hamas (2024).
  • 265
    Baumgarten (2006), p. 227 – 241.
  • 266
    Mustafa(2013), p. 221 – 224, 229 f.

  • 1
    The only exception I am aware of is Palästina Solidarität Duisburg (2023).
  • 2
    MLPD (2023 a).
  • 3
    Rote Fahne (2022).
  • 4
    Kommunistische Organisation (2023).
  • 5
    Kommunistische Organisation (2020).
  • 6
    Bamen (2023 a). Bamen (2023 b).
  • 7
    The booklets on the topic by both Johansen (1982) and Harman (1994) are worth reading, even if Hamas is not mentioned in either of them.
  • 8
    Baumgarten (2006), p. 10.
  • 9
    Johansen (1982), p. 27. Seidensticker (2015), p. 72.
  • 10
    Baumgarten (2006), p. 11 f.
  • 11
    Gershoni / Nordbruch (2011), p. 219 f.
  • 12
    Baumgarten (2006), pp. 12-14, 18-20.
  • 13
    Ibid. p. 17.
  • 14
    Ibid. pp. 21-28, quote from p. 27.
  • 15
    Arafat himself was probably never a member of the MB, but maintained close contacts with it, fought in its ranks in Palestine in 1948 and was a member or even chairman of organizations close to it.
  • 16
    Baumgarten (2006), p. 29 f.
  • 17
    Ibid. pp. 31-34.
  • 18
    Mustafa (2013), p. 122.
  • 19
    Baumgarten (2013), p. 64.
  • 20
    Ibid. p. 65.
  • 21
    Ibid. p. 66.
  • 22
    Filiu (2012), p. 64.
  • 23
    Flores (2009), p. 95 f.
  • 24
    Baumgarten (2006), pp. 34 – 36, 45, 49 f. Hroub (2011), p. 41 f. [English edition: (2010), p. 11]. Filiu (2012), p. 66.
  • 25
    Robinson (2004), p. 123.
  • 26
    Rashwan (2007), p. 107.
  • 27
    Hussein (2019), p. 76 f. quote p. 76.
  • 28
    Baumgarten (2006), p. 45 f., 48-50.
  • 29
    Ibid. p. 57 f.
  • 30
    Ibid. p. 78.
  • 31
    Ibid. p. 91.
  • 32
    Baumgarten mentions another reason, namely that Israel had no interest in charging the colonial conflict with too much of a religious dimension, which is why there had long been a »hands‐​off tactic« towards mosques (ibid. p. 73), although this is no longer the case today.
  • 33
    Ibid. p. 49.
  • 34
    The fact that Hamas itself denies any rupture in its history and instead presents it as a stringent and harmonious development from Izz ad‐​Din al‐​Qassam through the MB to the present day does not change this. (Filiu (2012), p. 54.)
  • 35
    Baumgarten (2006), p. 76.
  • 36
    Filiu (2012), p. 66.
  • 37
    Kienzler (1996), pp. 17 f., 28 ff., 56.
  • 38
    Halm (1988), pp. 89, 130 f. [English Edition: (2004).]
  • 39
    For a comparison between the Protestant and Salafi Reformation, see Murtaza (2016), p. 106 ff.
  • 40
    Hochgeschwender (2018), p. 84.
  • 41
    Seidensticker (2015), pp. 39-42.
  • 42
    Lohlker (2017), pp. 52-54, 106-112. Seidensticker (2015) pp. 24-27.
  • 43
    Nassar (2022).
  • 44
    Seidensticker (2015), p. 82.
  • 45
    Baumgarten (2006), pp. 20-28. Metzger (2005), pp. 58-63.
  • 46
    AlDailami (2019), p. 67 f. Partrick (2016).
  • 47
    Metzger (2005), pp. 70-73. Seidensticker (2015), p. 75 f.
  • 48
    Ibid. pp. 72-74.
  • 49
    Mustafa (2013), p. 70.
  • 50
    Ziolkowski (2020), pp. 171-74.
  • 51
    Hroub (2011), p. 109 f. [English edition: (2010), p. 75].
  • 52
    Occupied News (2024).
  • 53
    Beaumont (2009).
  • 54
    Issacharoff (2011).
  • 55
    Reed (2015). Staff (2017).
  • 56
    Ynet (2015).
  • 57
    Abuheweila / Kershner (2018).
  • 58
    Leukefeld (2017), p. 183 f.
  • 59
    Nassar (2022).
  • 60
    Seurat (2019), p. 31.
  • 61
    A further text on these and other aspects of the accusation of anti‐​Semitism will soon follow as an aid to argumentation.
  • 62
    Kilani (2021).
  • 63
    Krämer (2011), p. 165.
  • 64
    As quoted in Baumgarten (2006), p. 62.
  • 65
    Ibid.
  • 66
    Krämer (2011), pp. 150-157.
  • 67
    Hafez (2009), p. 175 [English edition: (2010) p. 154]
  • 68
    Lewis (1987) [English Version: (1984)]
  • 69
    Ibid. p. 165 [in German edition].
  • 70
    Flores (2008), p. 153.
  • 71
    Ibid. p. 153 f.
  • 72
    Mustafa (2013), p. 72.
  • 73
    Hafez (2009), p. 180 [English edition: (2010) p. 159].
  • 74
    Hroub (2011), pp. 60, 74 [English edition: (2010) pp. 31, 40 – 41].
  • 75
    Ibid. pp. 55, 69 [English edition: (2010) pp. 27, 35].
  • 76
    Ibid. pp. 60, 69 [English edition: (2010) pp. 29, 37].
  • 77
    Hamas (2017).
  • 78
    Hroub (2011), p. 70 [English edition: (2010) p. 37].
  • 79
    Ibid. p. 68 [English edition: (2010) p. 36].
  • 80
    As quoted in ibid. p. 21 [English edition: (2010) p. xxiii].
  • 81
    MLPD (2023 a). At the same time, in this pathetic declaration, it presents itself in its typical manner as a victim of »anti‐​communist« agitation, while in the same breath, insignificant as it is, it snipes at the strongest force in the Palestinian freedom movement.
  • 82
    MLPD (2023 b).
  • 83
    MLPD (2023 c).
  • 84
    Hamas (1988).
  • 85
    Ibid.
  • 86
    Hroub (2011), p. 130 [English edition: (2010) p. 91].
  • 87
    Baumgarten (2006), p. 59. Hroub (2011), p. 132. [English edition: (2010) p. 92].
  • 88
    Ibid.
  • 89
    Kommunistischer Aufbau (2018 b).
  • 90
    Kommunistischer Aufbau (2018 a).
  • 91
    Kommunistischer Aufbau (2018 b).
  • 92
    Kommunistischer Aufbau (2018 a).
  • 93
    Kommunistischer Aufbau (2021).
  • 94
    Hroub (2011), p. 71 f. [English edition: (2010) p. 38 f.]. Wild (2015), p. 154.
  • 95
    Kommunistischer Aufbau (2023).
  • 96
    Motadel (2017), p. 139 f. [English edition: (2014) p. 112].
  • 97
    Gershoni /​Nordbruch (2011), p. 137 f.
  • 98
    Ibid. p. 288.
  • 99
    Krämer (2022), p. 198 f.
  • 100
    Achcar (2012), pp. 84-86. [English edition: (2010) pp. 83‐85].
  • 101
    Flores (2009), p. 48
  • 102
    Scher (2015).
  • 103
    Motadel (2017), pp. 56 – 58.
  • 104
    Pappe (2017), p. 66 [English edition: (2017) pp. 83‐85].
  • 105
    See: Brenner (2007) [English edition: 1983]. Brentjes (2001). Krammer (2010). Nicosia (2012) [English edition: 2008].
  • 106
    Achcar (2012), pp. 129-131. [English edition: (2010) pp. 131-133].
  • 107
    Zimmer‐​Winkel (1999). With contributions by Gerhard Höpp (former GDR Middle East scholar), Danny Rubinstein (Haaretz), Suleiman Abu Dayyeh (Friedrich Naumann Foundation in Jerusalem) and Wolf Ahmet Aries (Islamic scholar in Kassel).
  • 108
    Achcar (2012), pp. 123-166 [English edition: (2010) pp. 131 f.].
  • 109
    Ibid. p. 157 f., Baumgarten (2006), p. 18.
  • 110
    Croitoru (2007), p. 32.
  • 111
    Achcar (2012), p. 158 [English edition: (2010) p. 163].
  • 112
    Ibid. pp. 158-166 [English edition: (2010) pp. 163-170].
  • 113
    Flores (2009), pp. 48-50.
  • 114
    Krämer (2011), p. 165.
  • 115
    Motadel (2017), p. 57 f.
  • 116
    Pappe (2017), p. 48 [English edition: (2017) p. 66].
  • 117
    Wildangel (2005), p. 115 f.
  • 118
    Ibid. p. 119.
  • 119
    Duden (trans. note: dictionary of standard High German).
  • 120
    Reinisch (2023 b), p. 11 f.
  • 121
    Hack (1983).
  • 122
    Rome Statute (1998).
  • 123
    Hroub (2011), pp. 87-90 [English edition: (2010) pp. 53-56]. Baumgarten (2013), pp. 115, 133 f.
  • 124
    Hamas (2024).
  • 125
    Mamdani (2006), p. 239 [English edition: (2004), Ch. 4].
  • 126
    Ibid. p. 137 [English edition: (2004), Ch.4]
  • 127
    Ibid. p. 305 footnote 294 [English edition: (2004), Ch. 4, footnote 222].
  • 128
    Ministry of Foreign Affairs (2008).
  • 129
    Baumgarten (2006), p. 85.
  • 130
    Singh (2023).
  • 131
    Baumgarten (2006), p. 159 f.
  • 132
    Ibid. p. 160.
  • 133
    Asseburg (2008), p. 87.
  • 134
    Mustafa (2013), pp. 170 – 177.
  • 135
    Baumgarten (2006), p. 55. Flores (1988), pp. 86-88.
  • 136
    Baumgarten (2006), p. 86.
  • 137
    Hamas (1988).
  • 138
    Baumgarten (2006), p. 83.
  • 139
    Hroub (2011), p. 123. [English edition: (2010), p. 83].
  • 140
    Hussein (2019), p. 139-149.
  • 141
    Baumgarten (2013), p. 156.
  • 142
    Hajjaj (2023).
  • 143
    Khalil (2010), p. 102.
  • 144
    Baumgarten (2013), p. 164.
  • 145
    Ibid. p. 193.
  • 146
    Baconi (2018), p. 223 f.
  • 147
    Asseburg (2021), p. 198 f.
  • 148
    Poppe (2021).
  • 149
    Baumgarten (2021), p. 158.
  • 150
    Baumgarten (2013), p. 152.
  • 151
    Ibid. p. 156
  • 152
    Asseburg (2008), p. 89.
  • 153
    Ibid. p. 90.
  • 154
    Baumgarten (2013), p. 159.
  • 155
    Asseburg (2008), p. 90. Baumgarten (2013), p. 162 f.
  • 156
    Asseburg (2008), p. 91.
  • 157
    Baconi (2018), p. 124.
  • 158
    Baumgarten (2013), p. 163.
  • 159
    Ibid. pp. 163-166.
  • 160
    Baumgarten (2006), p. 92.
  • 161
    Ibid. p. 93.
  • 162
    Ibid. p. 94.
  • 163
    Ibid. pp. 97-101.
  • 164
    Wild (2015), pp. 17-19.
  • 165
    Mustafa (2013), p. 130 f.
  • 166
    Hamas (2017).
  • 167
    Mustafa (2013), p. 132.
  • 168
    Bamen (2023 b). Wild (2015), p. 139.
  • 169
    Pappe (2007), pp. 58, 61. [English edition (2011), pp. 57 – 61].
  • 170
    Bamen (2023 b).
  • 171
    Ibid.
  • 172
    Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten (2006), p. 189. Flores (2009), p. 96. Künzl (2008), p. 120 f.
  • 173
    Flores (2009), p. 96.
  • 174
    Asseburg (2008), p. 86 f.
  • 175
    Baumgarten (2006), p. 58.
  • 176
    Felsch (2011), p. 106.
  • 177
    Hroub (2011), pp. 55, 68. [English edition: (2010), pp. 24, 36 ].
  • 178
    Meyer (2009), p. 95 f.
  • 179
    Mustafa (2013), p. 67.
  • 180
    Ziolkowski (2020), p. 131.
  • 181
    Hroub (2011), p. 55. [English edition: (2010), p. 24].
  • 182
    Baumgarten (2024).
  • 183
    Baumgarten (2006), pp. 58, 198 footnote 47.
  • 184
    Felsch (2011), p. 106.
  • 185
    Asseburg (2008), p. 87. Hroub (2011), S. 60, 69, 185 – 90. [English edition: (2010), pp. 29, 35 – 40, 152 – 157]. Hussein (2019), p. 98 f.
  • 186
    Asseburg (2008), p. 86 f. Baumgarten (2006), p. 65 f. Hroub (2011), p. 68. Hussein (2019), p. 98 f. Mustafa (2013), p. 67.
  • 187
    Tamimi (2007 b), p. 155.
  • 188
    Ibid. p. 150.
  • 189
    Achcar (2012), p. 238. [English edition: (2010), p. 252 ].
  • 190
    Hroub (2011), p. 60. [English edition: (2010), p. 29 ].
  • 191
    Achcar (2012), p. 238. [English edition: (2010), p. 252 ].
  • 192
    Seidensticker (2015), p. 90.
  • 193
    Hussein (2019), pp. 98 f. 277 f., and as cited on p. 277.
  • 194
    Hamas (2017).
  • 195
    Asseburg (2021), p. 198.
  • 196
    Baconi (2018), p. 245.
  • 197
    Hussein (2019), p. 105
  • 198
    AlJazeera (2017)
  • 199
    Hroub (2017), p. 102.
  • 200
    Abunimah (2017).
  • 201
    Baumgarten (2019), p. 85.
  • 202
    As cited in Seurat (2019), p. 18.
  • 203
    Baumgarten (2006), pp. 58 - 66.
  • 204
    Hroub (2011), pp. 54 - 60 [English edition: (2010), pp. 23 - 29 ].
  • 205
    Meyer (2009), pp. 94 -125.
  • 206
    Mustafa (2013), pp. 67 - 74, 119 - 122.
  • 207
    Abunimah (2017).
  • 208
    Langthaler (2017).
  • 209
    Seurat (2019), p. 177 f.
  • 210
    Seurat (2019), p. 22, 178 f.
  • 211
    Baumgarten (2006), p. 83.
  • 212
    Abdullah (2020), pp. 34 f., 63, 83 f., 91 f., and as quoted on p. 84.
  • 213
    Baumgarten (2006), p. 85. Abdullah (2020), p. 22 Footnote 106.
  • 214
    Ibid. p. 107. Seurat (2019), p. 95.
  • 215
    Asseburg (2008), p. 90.
  • 216
    Seurat (2019), p. 130.
  • 217
    The Cradle (2022).
  • 218
    Seurat (2019), pp. 96, 99.
  • 219
    Abdullah (2020), p. 195.
  • 220
    Seurat (2019), p. 34.
  • 221
    The Cradle (2022).
  • 222
    Seurat (2019), pp. 96 - 100.
  • 223
    The Cradle (2022).
  • 224
    Seurat (2019), p. 29.
  • 225
    Nassar (2022).
  • 226
    Memri TV (2023).
  • 227
    Reuters (2023).
  • 228
    PressTV (2023).
  • 229
    Seurat (2019), p. 4 f.
  • 230
    Hoekmann (1999), S. 106.
  • 231
    The money is apparently given to Hamas, which then passes it on to the front. (Khalil (2010), p. 102.)
  • 232
    Al‐​Monitor (2013).
  • 233
    Baumgarten (2006), p. 20.
  • 234
    Ibid. p. 74. Filiu (2012), p. 64 f.
  • 235
    Hroub, Khaled: Hamas. Political Thought and Practice, Institute for Palestine Studies (2. Auflage 2002).
  • 236
    Hussein (2019), p. 138 f.
  • 237
    Baumgarten (2006), p. 166.
  • 238
    Baumgarten (2013), p. 156.
  • 239
    Baumgarten (2013), p. 156.
  • 240
    Leopardi (2020), pp. 215 - 217.
  • 241
    Hussein (2019), p. 149.
  • 242
    Hroub (2011), p. 130. [English edition: (2010), p. 85 ].
  • 243
    Ibid.
  • 244
    Leopardi (2020), p. 218.
  • 245
    Hroub (2011), p. 132, [English edition: (2010), p. 92 ].
  • 246
    Resistance News Network (2022).
  • 247
    Wystrychowski (2023), S. 25.
  • 248
    Channel 13 (2024).
  • 249
    Winstanley (2024).
  • 250
    Mondoweiss (2023).
  • 251
    Occupied News (2024).
  • 252
    Narwani /​Inlakesh (2023). Van Wagenen (2023 a). Van Wagenen (2023 b). Van Wagenen (2024).
  • 253
    Hamas (2024).
  • 254
    Baker (2024).
  • 255
    Reinisch (2023 a).
  • 256
    Resistance News Network (2024).
  • 257
    Baumgarten (2006), p. 65.
  • 258
    Felsch (2011), p. 102.
  • 259
    Leukefeld (2023).
  • 260
    Marx21 (2023).
  • 261
    Baconi (2023).
  • 262
    Baumgarten (2006), p. 207 - 226.
  • 263
    Hamas (2017).
  • 264
    Hamas (2024).
  • 265
    Baumgarten (2006), p. 227 – 241.
  • 266
    Mustafa(2013), p. 221 – 224, 229 f.

Palästina sagt: „Ich war, ich bin, ich werde sein!“ Ein Jahr Al-Aqsa-Flut 

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Heute vor einem Jahr erhob sich der Widerstand im Gazastreifen, um aus dem Freiluftgefängnis auszubrechen. Um den Mythos der Unbesiegbarkeit Israels zu widerlegen. Um die Welt daran zu erinnern, dass es die Palästinenser noch gibt. Um den einhundertjährigen Krieg in Palästina in seine hoffentlich letzte Phase zu führen. 

Die „Ordnung“ vor der Flut

Die Geschichte Palästinas begann nicht am 7. Oktober 2023. Das erklären wir seit nunmehr einem Jahr. Aber es ist wichtig, dass wir es uns auch immer wieder selbst klar machen. Denn zum einen gilt es, aus der Geschichte zu lernen: Aus der Geschichte des mehr als hundert Jahre andauernden Befreiungskampfs der Palästinenser, wie auch aus der der zahllosen anderen Befreiungskämpfe in der Welt. Zum anderen müssen wir uns aber auch in Erinnerung rufen, wie es vor dem 7. Oktober war. 

Denn angesichts der aktuellen Lage – des schier unbegreiflichen Leids der Menschen in Gaza, der Massaker, die nun auch das libanesische Volk treffen, der Ermordung verschiedener palästinensischer und libanesischer Führer, der immer neuen Eskalationen Israels gegenüber seinen Nachbarn, des Ausbleibens eines Aufstands in der Westbank – scheint es genug Gründe zu geben, den Mut sinken zu lassen.  

Doch was war vor dem 7. Oktober? In Palästina herrschte „Ordnung“. Die „Ordnung“ der Zionisten, die „Ordnung“ der schleichenden ethnischen Säuberung, die „Ordnung“ des langsamen Genozids, eine „Ordnung“, in der im Schnitt jeden Tag ein Palästinenser von der Besatzungsarmee ermordet wurde. Und es gelang den Zionisten und ihren imperialistischen Verbündeten sogar, diese „Ordnung“ auf die gesamte Region zu übertragen: Immer mehr arabische Länder „normalisierten“ ihre Beziehungen mit dem Siedlerregime.

Der Widerstand in der Westbank, der zunehmend wieder bewaffnet agierte, war zwar in der Lage, die „Ordnung“ im Westjordanland zu stören, aber nicht, diese regionale „Ordnung“ in ihren Grundfesten zu erschüttern. Dieser Widerstand war zwar mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber um das Fundament dieser „Ordnung“ wegzuspülen, brauchte es eine Flut. 

Palästina nach der Flut

Diese Flut kam am 7. Oktober. Und sie stürzte das zionistische Regime in eine noch nie dagewesene Krise, die alle Ebenen umfasst: innenpolitisch, außenpolitisch, ökonomisch, militärisch und moralisch. Israels Siege in der Vergangenheit waren „Blitzkriegsiege“. Einen Abnutzungskrieg, wie er seit nun einem Jahr herrscht, kann sich die zionistische Entität dagegen nicht leisten. Das sehen wir aktuell: Das Siedlerregime bröckelt an allen Ecken und Enden. 

Mehr als 46.000 Unternehmen sind seit Oktober bankrott gegangen, genau wie der einzige israelische Hafen am Roten Meer; der Tourismus ist komplett zusammengebrochen, israelische Anleihen sind nichts mehr wert und im Juni hat der Intel-Konzern eine 25-Milliarden-Dollar-Investition zurückgezogen.1 Zuletzt wurde Israels Kreditwürdigkeit erneut herabgestuft;2 die Ratingagentur Moody’s warnt nun vor „erhöhtem Ausfallrisiko“.3 Außerdem ist die Stromversorgung nicht mehr gesichert, seit Kolumbien als größter Kohlelieferant Israels angekündigt hat, seinen Export zu stoppen, bis der Genozid in Gaza endet.4 Die Landwirtschaft und der Bausektor leiden extrem unter dem Mangel billiger Arbeitskräfte aus der Westbank und dem asiatischen Ausland.5 Derweil kostete der Krieg laut israelischen Ökonomen bereits im August mehr als 67 Milliarden US-Dollar.6

Laut Umfragen denkt ein Viertel der Siedlerbevölkerung ernsthaft über eine Auswanderung nach. Jüngste Berichte sprechen von bis zu 1 Million Siedlern, die das Land seit Oktober verlassen haben,7 was 15 Prozent der jüdisch-israelischen Bevölkerung entspräche. Anderen Umfragen zufolge wollen 80 Prozent der im Ausland lebenden Israelis nicht nach Palästina zurückkehren.8 Hinzu kommen etwa 200.000 Binnenflüchtlinge aus dem Norden und der Umgebung des Gazastreifens.9 Die aus all den Widersprüchen und Problemen des Kolonialsystems entstehenden gesellschaftliche Spaltungen finden ihren Ausdruck in regelmäßigen Protesten und Straßenschlachten der Siedlerbevölkerung und Anfang September in einem Generalstreik der zionistischen „Gewerkschaft“ Histadrut. Diese Polarisierung wurde dadurch weiter verschärft, dass mittlerweile auch ultraorthodoxe Juden zum Militär eingezogen werden sollen. Allerdings verweigern bisher mehr als 93 Prozent der einberufenen Haredim den Wehrdienst.10

Offiziell wurden seit dem 7. Oktober 700 sich im Dienst befindliche IOF-Soldaten getötet, wobei diese Zahl vielen als deutlich zu niedrig gilt.11 15.000 wurden offiziell in Gaza verletzt12 und 5.000 an der libanesischen Grenze.13 Allerdings herrschen seit nun über einem Monat, seit die Hisbollah Ende August eine Vergeltungsoperation durchgeführt hat, verschärfte Zensur in Israel, vor allem an der Nordfront. Demgegenüber berichtete CNN, dass Israel bisher lediglich drei von 24 Kampfbataillonen der Hamas nachhaltig zerschlagen habe.14 Auch die Hisbollah musste zwar extrem empfindliche Schläge einstecken, stellt aber nach wie vor ihre hohe Kampfmoral und -fähigkeit unter Beweis – und hält gleichzeitig noch immer ihre höher entwickelten Waffen taktisch zurück.15 Die Ansarullah im Jemen und die Widerstandsmilizen im Irak trotzen derweil den bislang eher sporadischen Angriffen Israels, der USA und ihrer Alliierten und setzen ihre teils spektakulären Operationen gegen Israel mittels Raketen und Drohnen fort.

Die Welt nach der Flut

Der Befreiungskampf der Palästinenser hatte schon immer auch eine regionale und globale Bedeutung: Ähnlich wie im Fall des Apartheidregimes in Südafrika oder des US-Völkermords in Vietnam hält Palästina der ganzen Welt den rassistischen, kolonialistischen und imperialistischen Charakter des Westens vor Augen. Bis an die Zähne bewaffnete weiße „Herrenmenschen“ massakrieren und vertreiben ein militärisch, technisch und ökonomisch unterlegenes Volk und erhalten dafür volle Unterstützung aus Europa und Nordamerika. Das ist der Grund, weshalb den Palästinensern, die häufig nichts hatten, außer ihrer überlegen Moral und ihrem Kampfgeist, die Solidarität aller unterdrückten und fortschrittlichen Menschen der Welt gilt.

Die sog. Palästinafrage war zudem der Kern des sog. Nahostkonflikts, der ursprünglich den Jahrzehnte andauernden Kampf der arabischen Länder gegen den zionistischen Kolonialismus und Expansionismus bezeichnete – bis immer mehr arabische Regime ihre Beziehungen zu Israel „normalisierten“. Doch mit dieser „Normalisierung“ ist es jetzt vorbei! Selbst die reaktionärsten Despoten in der Region müssen vor dem Zorn ihrer Völker, die geschlossen hinter den Palästinensern stehen, zittern und entsprechende Zugeständnisse machen. Zudem hat sich seit dem 7. Oktober gezeigt, dass sich in der Region tatsächlich eine Achse des Widerstands formiert hat, die von Gaza und den Widerstandsnestern in der Westbank in den Libanon, nach Syrien, in den Irak und bis nach Jemen und Iran reicht.

Gleichzeitig fiel der Aufstand vom 7. Oktober in eine Zeit, da die Macht des westlichen Imperialismus bröckelt und er bemüht ist, sein Weltreich zusammenzuhalten. Für die Imperialisten kam die Al-Aqsa-Flut zu einer Unzeit: Während die USA damit haderten, ob sie gleichzeitig Krieg gegen Russland und China führen könnten oder ob sie lieber die Ukraine zugunsten Taiwans fallen lassen sollten, brach ihre jahrelang durch „Normalisierung“ und Dollar-Diplomatie auf dem Rücken der Palästinenser errichtete „Ordnung“ im Nahen Osten von einem Tag auf den anderen in sich zusammen.

Palästina und die gesamte Region sind damit objektiv zu einer heißen Front im aktuellen großen Krieg zur Niederringung der 500 Jahre alten westlichen Weltherrschaft geworden, neben der Ukraine, dem Pazifik und Westafrika. Das heißt nicht, dass die Akteure – der palästinensische Widerstand, die Achse des Widerstands, Russland, China und die Allianz der Sahelstaaten – sich bisher auch subjektiv als eine solche anti-westliche und antiimperialistische Front verstehen. Auch wenn es eine zunehmende Zahl bilateraler Ansätze in Form von gegenseitigem militärischem, wirtschaftlichem und politischem Beistand zwischen verschiedenen Akteuren gibt und mit BRICS auch einen multilateralen Ansatz, der zuletzt immer attraktiver für viele wird, gibt es nach wie vor auch große Unterschiede, zahlreiche Interessengegensätze oder schlicht kaum konkrete Berührungspunkte. 

Deutschland nach der Flut

Und doch: Die Al-Aqsa-Flut hat Palästina weltweit wieder auf die Tagesordnung gesetzt, auch hierzulande. Schon vor dem 7. Oktober war die Repression gegen die Aktiven der Palästinasolidarität in der BRD vollkommen unverhältnismäßig. Doch der Gaza-Aufstand hat eine Welle der rassistischen Hysterie und der Repressionswut ausgelöst, die dieses Land seit Jahrzehnten nicht mehr erleben musste und die die meisten in ihrem Ausmaß überrascht haben dürfte. 

Wieso? Weil die deutsche Staatsräson in Form der bedingungslosen Solidarität mit dem Kolonialprojekt in Palästina einen elementaren Bestandteil der gegenwärtigen staatsoffiziellen Legitimierungsideologie des deutschen Imperialismus darstellt: „Nie wieder Auschwitz“ aus dem Mund der herrschende Klasse in Deutschland bedeutet: „Nie wieder Krieg ohne uns!“ Bedeutet: „Am neuen deutschen Wesen soll die Welt genesen!“ Bedeutet: „Unser Platz an der Sonne heißt Israel“. 

Wie schon die russische Militärintervention in der Ukraine so ist auch der Gaza-Aufstand gleichzeitig ein Ausdruck und ein weiterer Impuls der akuten Krise des Imperialismus, die die alte Welt„ordnung“ hoffentlich endlich beenden und zugleich den nationalen Befreiungsbewegungen und den revolutionären Kräften in der ganzen Welt neue Freiräume verschaffen wird und jetzt schon verschafft. Und wie schon der Ukraine-Krieg so zwingt auch der Gaza-Genozid die fortschrittlichen und Friedenskräfte sowie die breite Bevölkerung in Deutschland, sich zu dieser Entwicklung zu verhalten. 

Das Ergebnis ist so durchwachsen, wie man es angesichts der Zustände in diesem Land erwarten konnte: Eine breite, alle Bevölkerungsteile ergreifende Solidaritätsbewegung mit den Palästinensern blieb bislang aus. Auch gibt es derzeit offensichtlich nur eine geringe Schnittmenge zwischen jenen, die gegen den Ukraine-Krieg auf die Straße gehen, und denjenigen, die gegen den Gaza-Genozid protestieren. Trotzdem wurden und werden noch immer ganze Massen an Menschen durch die Bilder und Berichte aus Palästina und nun auch aus dem Libanon aufgerüttelt, auf die Straße getrieben und viele haben auch die Notwendigkeit der Organisierung erkannt, wodurch zahlreiche neue Palästinagruppen entstanden sind. Auch hier wanken die Ruhe und „Ordnung“ der Herrschenden. 

Die politische Linke positioniert sich zudem insgesamt besser und klarer als im Ukraine-Krieg. Einerseits ist es leichter, die Palästinenser als Opfer des zionistischen Kolonialismus zu erkennen denn Russland als Opfer des westlichen Imperialismus. Andererseits darf man die anhaltende Solidarität angesichts der massiven Hetze und Repression auch nicht geringschätzen: Trotz der weitverbreiteten problematischen Positionen, etwa in Bezug auf die islamischen Akteure, widersteht die linke Palästinabewegung insgesamt dem Distanzierungs- und Spaltungsdruck der Herrschenden in Deutschland. Das gilt allerdings nicht für die Palästinabewegung insgesamt. Und auch ihre Zersplitterung ist noch immer gravierend.

Fassen wir zusammen: Die Al-Aqsa-Flut hat uns als Solidaritätsbewegung herausgefordert und sie fordert uns noch immer. Wir haben insofern „bestanden“, als wir nach wie vor ungebrochen in unserer Solidarität sind, seit einem Jahr auf die Straße gehen, den Herrschenden und ihren Schlägern die Stirn bieten, dem Schweigen und den Lügen lauthals widersprechen. Viele Akteure haben zudem ihre politischen Positionen zu Palästina angesichts der ihnen aufgezwungenen Auseinandersetzung revidiert, geschärft und verbessert. 

Darüber hinaus wurden wir auch dazu gezwungen, den Kampf zur Verteidigung unserer eigenen Grundrechte verstärkt auf die Tagesordnung zu setzen. Uns muss klar werden: Die positive Entwicklung auf der internationalen Bühne, nämlich die globale Schwächung der imperialistischen Welt„ordnung“, wird für uns, die wir hier in den imperialistischen Zentren leben und kämpfen, zunehmend verschärftere Bedingungen bedeuten. Was wir seit Oktober 2023 erleben, dürfte nur ein Vorgeschmack sein. 

Damit kommen wir auch zu unseren eigenen Grenzen, die uns die Al-Aqsa-Flut aufgezeigt hat: Es fehlt der Palästina-, der Friedens, der linken und kommunistischen Bewegung an Einheit und vor allem an einer einheitlichen Strategie. Das gilt sowohl für die Frage, wie Solidarität überhaupt auszusehen hat, wie wir dahin kommen, eine Solidarität zu entwickeln, deren Effekte bei den Menschen in Palästina ankommen. Als auch für den Kampf gegen den Demokratieabbau, der unsere Solidaritätsarbeit so gravierend einschränkt. Die Aufgabe, diese Fragen zu beantworten, hat der 7. Oktober uns konkret gestellt.  

Die Verdammten dieser Erde rufen zum letzten Gefecht

Wir wissen nicht, ob der 7. Oktober tatsächlich den Anfang vom Ende des Siedlerkolonialismus in Palästina markiert, wie es ein Genosse von der Palästinensischen Kommunistischen Partei vorausgesagt hat. Nach einem Jahr des Bangens, des Leidens und des Kämpfens sollten wir uns allerdings klar machen: Es ist schlimm und es wird vermutlich noch schlimmer werden. Wer am 7. Oktober 2023 dachte, dass Palästina in einem Jahr frei sein würde, wurde eines Schlechteren belehrt. Wer auf das schnelle, direkte großangelegte militärische Eingreifen von Libanon, Iran oder anderen Staaten hoffte, wurde genauso enttäuscht wie all jene, die auf die UNO und die „internationale Gemeinschaft“ gesetzt haben. 

Das vergangene Jahr war ein Auf und Ab der Emotionen: Auf Überwältigung und Freude folgten schnell Schock und Entsetzen, auf kämpferischen Trotz folgten Angst und Enttäuschung. Wir müssen die Lektion lernen: Die Phase, die der 7. Oktober eingeleitet hat, wird eine des langanhaltenden Befreiungskrieges sein, eines langsam eskalierenden Zermürbungs- und Abnutzungskriegs. Dabei werden – aufgrund der Natur dieses kolonialen Krieges – weiterhin in aller erster Linie Palästinenser und andere Araber sterben. Und: Es wird eine harte Zeit voller Erfolge und Rückschläge, voller Hoffnung und Freude und voller Niedergeschlagenheit, Trauer, Angst und Wut, voller Ungewissheit und Unsicherheit, voller Lügen und Gerüchte sein.

Der 7. Oktober war das Ergebnis einer unerträglichen Zuspitzung der Widersprüche in der Region. Er war eine Antwort auf den Verrat der palästinensischen Führung in Ramallah und zahlreicher arabischer und muslimischer Länder. Er war ein Aufschrei angesichts der Ignoranz der Welt. Er war der wütende Versuch eines unterdrückten und militärisch unterlegenen Volkes, aufzuzeigen, dass sein Unterdrücker nicht allmächtig ist. Und in diesem Sinne war er bereits erfolgreich: Der 7. Oktober hat bewiesen, dass die „Ordnung“ der Zionisten auf Sand gebaut ist. Gaza ist losmarschiert und hat die alte Parole des revolutionären Kuba in die Welt hinausgeschrien: „Vaterland oder Tod!“ Palästina hat sich erhoben und vor aller Augen verkündet: „Ich war, ich bin, ich werde sein!“ 

  1. https://mondoweiss.net/2024/07/the-end-of-israels-economy/ ↩︎
  2. https://thecradle.co/articles/sp-joins-moodys-in-downgrading-israel-credit-rating ↩︎
  3. https://www.deltavalue.de/moodys-rating/ ↩︎
  4. https://mondoweiss.net/2024/07/the-end-of-israels-economy/ ↩︎
  5. https://www.jungewelt.de/artikel/480919.versch%C3%A4rfte-ausbeutung-israel-wirbt-indische-arbeiter-an.html ↩︎
  6. https://www.aa.com.tr/en/economy/israeli-war-costs-economy-over-673-billion-economists/3304597 ↩︎
  7. de.irna.ir/news/85571472/ ↩︎
  8. https://thecradle.co/articles-id/23976 ↩︎
  9. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/547184/sechs-monate-nach-dem-angriff-der-hamas-auf-israel-chronologie-des-kriegsgeschehens/ ↩︎
  10. https://thecradle.co/articles/only-70-out-of-1100-ultra-orthodox-jews-complied-with-draft-orders-israeli-army ↩︎
  11. https://t.me/almayadeenenglish/4395 ↩︎
  12. https://thecradle.co/articles/israel-recalls-15000-reservists-as-casualties-in-gaza-mount ↩︎
  13. https://thecradle.co/articles/israeli-hospitals-record-over-5000-wounded-in-fight-against-hezbollah ↩︎
  14. https://edition.cnn.com/interactive/2024/08/middleeast/gaza-israel-hamas-battalions-invs-intl/ ↩︎
  15. https://occupiednews.com/militaerische-analyse-was-macht-hisbollah ↩︎

Teilnehmer und Bühne getrennt – Friedensdemonstration in Berlin

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Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen und Aktiven hatten wir uns für die Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin das Ziel gesetzt, Palästina sichtbar zu machen. Deutschlandweit bleibt es bislang die Ausnahme, dass sich diejenigen, die aktiv sind gegen die deutsche Aufrüstung und den Krieg der NATO gegen Russland und diejenigen, die seit über einem Jahr mit einem hohen Maß an Aktivität gegen den Völkermord in Palästina auf die Straßen gehen, miteinander verbinden. Nicht zuletzt liegt das an den Äußerungen von Vertretern der Linkspartei oder des BSW, die, wenngleich sie Waffenlieferungen an Israel ablehnen, gebetsmühlenartig die Mär vom Terror der Palästinenser wiederholen.

Unser Ziel war es bei der Demo, die von den traditionellen Kräften der Friedensbewegung organisiert wurde, die Solidarität mit Palästina lautstark hineinzuholen. Das ist gelungen! Mit unserem Transparent „NATO treibt Krieg & Völkermord! Solidarität mit Donbass & Gaza!“ schlossen wir uns einem großen und wahrnehmbaren Block der Palästina-Solidaritätsbewegung an. 

Auf der Abschlusskundgebung staunten viele Teilnehmer des Palästina-Blocks allerdings nicht schlecht über die dargebotenen Redebeiträge. Eine kleine Auswahl an Zitaten begründet wohl, warum sich viele Teilnehmer aus dem Palästina-Block das Spektakel nicht bis zuletzt anhören wollten, und wütend den Platz verließen.

Ralf Stegner (Teil der kriegsführenden SPD-Regierung!), der allen Ernstes behauptete, die SPD war und sei auch gegenwärtig Teil der Friedensbewegung: „Wir hatten einen schrecklichen Terroranschlag im letzten Jahr. […] Gerade wir Deutschen wissen, wir müssen Israels Sicherheit schützen und uns gegen Antisemitismus wenden und gegen Terrorismus. Und Antisemitismus ist auch in Deutschland nicht zu ertragen. Und man kann nicht jubeln, wenn Raketen gefeuert werden auf Israel. […] Die europäische Diplomatie hat hier versagt.“

Sahra Wagenknecht (BSW) entschloss sich, den Völkermord mit keiner Silbe zu erwähnen und stattdessen den Widerstand Palästinas zu delegitimieren: „Ja, der islamistische Terrorismus, der ist eine Gefahr. Die Massaker der Hamas, die waren abscheulich. Und wenn Menschen jubeln, wenn der Iran Raketen nach Israel schießt, dann ist das menschenverachtend, das sage ich ganz deutlich an dieser Stelle.“ Und: „Terroristen werden durch Terror nicht gestoppt und durch Krieg, sondern sie werden stärker, wenn das Blut fließt. Weil genau das schürt den Hass, den die Terroristen brauchen.“

Aber auch die Gegner des NATO-Krieges gegen Russland haben ihre Klatsche bekommen.

Wieder zunächst Ralf Stegner: „Wir haben in der Ukraine einen russischen Angriffskrieg, der jeden Tag Tod und Zerstörung bringt. […] Und die Ukraine hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Und die deutsche Unterstützung der Ukraine ist humanitär, sie ist politisch, und sie ist auch militärisch. Dass da Luftabwehr geschickt wird, das rettet jeden Tag Leben.“ 

Wagenknecht richtete an die Adresse Putins: „Es ist für mich jeder Politiker ein Verbrecher, der einen Krieg beginnt.“  

Darüber hinaus nutzte Wagenknecht den Moment, um das Ende des Sozialismus in Europa zu bejubeln: „Wir sind ja heute hier am dritten Oktober. […] An so einem Tag möchte ich auch, dass wir noch einmal mit Dankbarkeit an Michail Gorbatschow denken, der diese Wiedervereinigung immerhin ermöglicht hat. Der damals den Umbruch in ganz Osteuropa ermöglicht hat.“ 

Peter Gauweiler (CSU) und Gesine Lötzsch (Linke) beließen es vornehmlich bei allgemeinen Appellen für Diplomatie und Abrüstung, wobei auch Gauweiler klar machte: „Jeder weiß, dass Russland nicht zu den Waffen hätte greifen dürfen.“ Während Lötzsch betonte, dass das Geld, das die Rüstungsindustrie mit Kriegen verdient, für Bildung und Umwelt besser aufgehoben wären, drängte Gauweiler auf das Einhalten des Gründungsversprechens, die Bundeswehr nur für die Verteidigung einzusetzen, und hatte lobende Worte für Franz Josef Strauß (CDU) und Helmut Kohl (CDU) im Gepäck.

Der politische schärfste Beitrag von Iris Hefets (Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost) und Nadija Samour (palästina-solidarische Anwältin) wurde ganz am Ende platziert, als viele Teilnehmer die Kundgebung bereits verlassen hatten. Wohl auch, um die prominenten Vorredner nicht allzu sehr in Verlegenheit zu bringen. Hefets brachte die instrumentelle und sinnentleerte Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs auf den Punkt: „Die Solidarität mit dem um sich bombenden Israel ermöglicht es Deutschen mit Nazihintergrund, Nachfahren von Holocaust-Überlebenden als Antisemiten zu diffamieren, wenn sie Israels Besatzungsregime als Apartheid und Israels Kriegsverbrechen als Genozid benennen.“ Samour betonte unter anderem, wie Demokratieabbau, rassistische Migrationspolitik und imperiale Interessen Hand in Hand gehen: „Innen- und Außenpolitische Interessen verschmelzen beim Thema Palästina, weil man jede Saite rassistischer und imperialistischer Politik nach Belieben spielen kann.“

Mit der Absicht über die Auswahl prominenter Redner eine breite Beteiligung und viel Öffentlichkeit herzustellen, wurde die Vernebelung der Hintergründe der Kriege in der Ukraine und in Palästina erkauft und die NATO als Aggressor aus der Schusslinie genommen. Stegner und Gauweiler, aber ebenso auch Lötzsch fungieren als Feigenblätter von Parteien, die die Kriegspolitik der NATO und Israels befeuern oder decken. Dass die Palästinenser einen gerechten Kampf um Befreiung führen und dass Russland auf die Aggression der NATO reagiert, wurde von den herrschenden Narrativen des „Terrors“ und des „Angriffskrieges“ verwässert und verdreht. Was bleibt ist die vage Forderung nach mehr Diplomatie in der Ukraine und in Palästina und die Ablehnung der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen. Das ist angesichts des aggressiven Dauerbeschusses der Kriegstreiber natürlich schon etwas. Aber das Kalkül einer politisch möglichst breiten Friedensbewegung ist ein Trugschluss, wenn dabei der Gegner aus der Schusslinie gerät. Tatsächlich wird die Friedensbewegung gespalten, indem solche Positionen und Kräfte integriert werden. Am 3. Oktober zeigte sich das am frustrierten Verlassen einiger Teile des Palästina-Blocks ganz konkret. Eine Stärkung der Antikriegsbewegung ist mit Brücken zu herrschenden Narrativen der NATO-Kriegstreiber nicht zu erreichen. Kein kleiner Teil der rund 40.000 Teilnehmer hat mit Pfiffen und Buhrufen gezeigt, dass sie den Wolf im Schafspelz erkennen.

Ohne SED keine DDR

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Vorwort zur Reihe anlässlich des 75. Jahrestags der Gründung der DDR

Mit der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 begann ein neues Kapitel deutscher Geschichte.
Wir veröffentlichen anlässlich dieses 75. Jahrestages dieses Dossier mit Artikeln zur SED sowie zum Internationalismus und Antifaschismus in der DDR. Wir wollen diese zentralen Aspekte im ersten deutschen Anlauf zum Sozialismus genauer beschreiben und aufzeigen, welche Bedeutung sie bis heute haben. 

Außerdem wollen wir euch dazu anhalten einen (erneuten) Blick in unseren Episodenfilm „Das andere Leben“ zu werfen. In vier Episoden geben verschiedene Zeitzeugen einen Einblick über Funktionsweise und Entwicklung, Errungenschaften und Widersprüche der DDR. In der ersten Episode geht es um Kindheit, Jugend und Schule, in Episode zwei um Arbeit und Wirtschaft, in der dritten Episode um Demokratie und Zusammenleben und zu guter Letzt, in Episode vier um Kalter Krieg und Konterrevolution. Einschalten lohnt!

Ohne Internationalismus keine DDR: Die internationalistische Politik der DDR ist ein Paradebeispiel für ihre Errungenschaften. In weiten Teilen der Welt, insbesondere in Osteuropa und im Globalen Süden, erinnert man sich sehr positiv an die das sozialistische Deutschland und seine Politik der Völkerfreundschaft. Sie beweist angesichts der fortbestehenden imperialistischen Unterdrückung der Völker der Welt, welchen bedeutenden Weg die DDR ging.

Ohne Antifaschismus keine DDR: Die modernen Massenmedien, ihre Denkfabriken und Stichwortgeber sind mittlerweile Meister darin, jeglichen Dreck auf der DDR abzuladen. Alles nur verordneter Antifaschismus von oben? Sicher nicht! Es wird Zeit, mit den Lügen und Mythen über den DDR-Antifaschismus aufzuräumen. 

Ohne SED keine DDR: Wenn auf die Errungenschaften der DDR hingewiesen wird, wird nur selten die politische Kraft erwähnt die die Arbeiterklasse in dieser Zeit anführte: die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Dabei ist es höchste Zeit, sich genauer der SED zu widmen. Welche Rolle spielt sie für uns Kommunisten heute?


Wenn auf die Errungenschaften der DDR hingewiesen wird, wird zu Recht über ihren sozialen Fortschritt, ihren Antifaschismus, ihre Gleichberechtigung oder ihren Internationalismus gesprochen. Für die führende politische Kraft der DDR, die SED, haben selbst Linke meist nur Spott und Abgrenzung übrig. Doch ohne die politische Führung der SED, wären die Errungenschaften, wäre die Entwicklung der DDR und der sozialistische Aufbau nicht möglich gewesen. 

Stellt euch vor, die Macht wird in eure Hände gelegt und ihr müsst die Führung übernehmen. Es dürfte kompliziert werden. Auf welche Bedingungen muss man achten? Wer sind Bündnispartner? Auf welche Hauptkräfte kann man sich stützen? Wie sichert man ab, dass man das Ziel nicht aus den Augen verliert? Wo ist die Grenze vom Kompromiss zum Opportunismus, von der notwendigen pragmatischen Anpassung zur Konterrevolution? Mit militärischer Absicherung gegen den aggressiven Westen, ist die Frage der Macht noch längst nicht entschieden. Es musste darum gehen, die Mobilisierung, die Aktion und das bewusste Handeln der Massen zu schaffen, die wohl wichtigste und schwierigste Aufgabe zur Entwicklung einer tatsächlichen Volksmacht.  Denn ohne die Aktion der Massen keine Macht der Partei – und umgekehrt: ohne Macht der Partei keine bewusste Aktion der Massen. 

Die Massen der Arbeiter und anderen Volksschichten können spontan handeln. Das reicht aber nicht aus, um den Gang der Geschichte in ihrem Sinne zu lenken. Dafür brauchen sie eine Organisation: Die Partei. So weit so klar und in gewisser Hinsicht banal. Und zugleich so umstritten: Die Erkenntnis über die Notwendigkeit der führenden Rolle der Partei, das wussten auch die Gegner der Arbeiterklasse, muss ausgehöhlt und gelöscht werden, wenn man die Macht der Arbeiterklasse brechen will. Daher muss diese grundlegende Einsicht zurecht verteidigt werden. Aber die Inanspruchnahme reicht nicht, denn wenn sie nicht mit konkreter Politik und konkreten, durchdachten und kreativen Aktionen gefüllt wird, gerät sie zur Phrase.

Grau, verknöchert, von den Massen entfernt – so wird die SED in der Geschichtsschreibung des Gegners dargestellt und so beschreiben sie auch viele Linke. Und vielleicht ist das auch für die späte Phase der DDR nicht nur falsch: Wer Berichte von den letzten ZK-Sitzungen liest, kann nur bestürzt sein von der Paralyse, die diese Partei befallen hatte. 

Die SED war aber zweifelsohne die kampfstärkste, größte und politisch erfolgreichste Organisation, die die revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland bisher hervorgebracht hat. Sie hat eine der größten historischen Leistungen vollbracht: Den Aufbau des Sozialismus in Deutschland. Wir dürfen die DDR nicht von ihrem Ende her denken, sondern von ihrem Entstehen und Wachsen. Dass es sie über so lange Zeit und unter solch schwierigen Bedingungen gab, ist eine historische Leistung, die nicht aus der deutschen Geschichte getilgt werden kann.

Die Vereinigung der KPD in der sowjetischen Besatzungszone mit der SPD zur SED war notwendig, um die Arbeiterbewegung zu vereinen – ohne die Vereinigung hätte der Aufbau des sozialistischen Deutschlands niemals gelingen können. Die Vereinigung wäre auch im Westen notwendig gewesen. Viele Mitglieder beider Parteien wollten sie, wurden aber von den westlichen Besatzungsmächten daran gehindert. Die Vereinigung war ein notwendiger und darüber hinaus auch mutiger Schritt, mit dem natürlich viele Unwägbarkeiten gerade auf ideologischem Terrain einhergingen. Die Vereinigung fand nicht zuletzt im Handeln und durch den Aufbau selbst statt. Wie auch sonst hätten die Kommunisten, die nicht in der Mehrheit waren und sich eventuell sogar gegen eine von der BRD feindlich beeinflussten sozialdemokratischen Kraft hätten wehren müssen, den Aufbau leisten können? Die Genossen der SPD wurden gebraucht und die meisten waren bereit und packten mit an.

Damit begannen erst die komplizierten Aufgaben. Wie die Nazi- und Kriegsverbrecher zur Rechenschaft ziehen? Wie die Monopolkapitalisten enteignen und ihre Macht trockenlegen? Wie die Wirtschaft auch mit Hilfe der kleinen und mittleren Kapitalisten aufbauen, ohne zur Restauration des Kapitalismus zu kommen? Wie die Bauern – auch die mit mehr Land – zur Genossenschaft bringen, ohne Zwang und zugleich mit aktiver Führung, ohne also die Entwicklung sich selbst zu überlassen? Wie die kleinbürgerlichen Schichten der Angestellten, Ingenieure, Intellektuellen und Künstler in ein konstruktives Verhältnis zur neuen Gesellschaft bringen, ohne zu viele Zugeständnisse an ihre Vorstellungen von individueller Freiheit zu machen? Wie die Betriebe zu aktiven, effizienten und produktiven Stätten der sozialistischen Produktion machen, ohne sie in einen falschen Gegensatz zum zentralen Plan bringen zu lassen? 

Es gibt unzählige weitere Fragen, die sich gestellt haben und sich immer wieder stellen werden. Daraus ergibt sich unsere Aufgabe: Wir müssen die Fragen der Zeit verstehen, ebenso wie die Bedingungen und Entwicklungen, die zu diesen Fragen geführt haben. Dann können wir auch begreifen, welche Lösungsvorschläge warum gemacht wurden. Nur so können wir uns annähern, welche Fehler dabei begangen wurden und warum. Denn ohne Fehler, Widersprüche oder Rückschläge wird der Aufbau des Sozialismus nicht ablaufen.

Wenn wir die DDR und ihre Errungenschaften feiern, dann nicht ohne SED. Denn ohne diese Partei wäre der Aufbau nicht möglich gewesen. Wenn wir den Aufbau und Verlauf des Sozialismus also verstehen wollen, müssen wir die Geschichte der SED studieren. Dazu sollten wir mit den Dokumenten, Quellen und Darstellungen der Geschichte der SED selbst beginnen. 

Wir werden als Kommunistische Organisation im nächsten Jahr mit unserem Studiengang zur Geschichte des Kommunismus beginnen und legen diesem die acht Bände der „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ zugrunde. Das ist kein Zufall: Denn es ist eines der wichtigsten Werke, das die SED verfasst hat und das uns den Zugang zu unserer eigenen Geschichte ermöglicht. 

Auch wenn die eine oder andere Darstellung darin zu glatt geraten ist und Widersprüche auslässt – was angesichts der Taktik des Klassenfeinds, der alle Widersprüche zu nutzen versucht, verständlich ist – müssen wir hier ansetzen: Wir müssen auch die Widersprüche kennen und verstehen, um sie zu lösen. Anstatt also zu vorschnellen und vereinfachten Schlüssen zu kommen, müssen wir tiefer graben. Es gilt einen Schatz zu bergen, der uns erst ermöglichen wird die Schritte für einen erneuten Anlauf zum Sozialismus in Deutschland zu gehen.

Ohne Antifaschismus keine DDR

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Vorwort zur Reihe anlässlich des 75. Jahrestags der Gründung der DDR

Mit der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 begann ein neues Kapitel deutscher Geschichte.
Wir veröffentlichen anlässlich dieses 75. Jahrestages dieses Dossier mit Artikeln zur SED sowie zum Internationalismus und Antifaschismus in der DDR. Wir wollen diese zentralen Aspekte im ersten deutschen Anlauf zum Sozialismus genauer beschreiben und aufzeigen, welche Bedeutung sie bis heute haben. 

Außerdem wollen wir euch dazu anhalten einen (erneuten) Blick in unseren Episodenfilm „Das andere Leben“ zu werfen. In vier Episoden geben verschiedene Zeitzeugen einen Einblick über Funktionsweise und Entwicklung, Errungenschaften und Widersprüche der DDR. In der ersten Episode geht es um Kindheit, Jugend und Schule, in Episode zwei um Arbeit und Wirtschaft, in der dritten Episode um Demokratie und Zusammenleben und zu guter Letzt, in Episode vier um Kalter Krieg und Konterrevolution. Einschalten lohnt!

Ohne Internationalismus keine DDR: Die internationalistische Politik der DDR ist ein Paradebeispiel für ihre Errungenschaften. In weiten Teilen der Welt, insbesondere in Osteuropa und im Globalen Süden, erinnert man sich sehr positiv an die das sozialistische Deutschland und seine Politik der Völkerfreundschaft. Sie beweist angesichts der fortbestehenden imperialistischen Unterdrückung der Völker der Welt, welchen bedeutenden Weg die DDR ging.

Ohne Antifaschismus keine DDR: Die modernen Massenmedien, ihre Denkfabriken und Stichwortgeber sind mittlerweile Meister darin, jeglichen Dreck auf der DDR abzuladen. Alles nur verordneter Antifaschismus von oben? Sicher nicht! Es wird Zeit, mit den Lügen und Mythen über den DDR-Antifaschismus aufzuräumen. 

Ohne SED keine DDR: Wenn auf die Errungenschaften der DDR hingewiesen wird, wird nur selten die politische Kraft erwähnt die die Arbeiterklasse in dieser Zeit anführte: die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Dabei ist es höchste Zeit, sich genauer der SED zu widmen. Welche Rolle spielt sie für uns Kommunisten heute?


Lügen über den DDR-Antifaschismus

Wer seine jeweilige Internet-Suchmaschine nach Antifaschismus in der DDR befragt, wird schnell feststellen, wie klar hier die Schützengräben reaktionärer Propaganda aufgezogen sind. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Bundestiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sind ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, jeglichen Dreck auf der DDR abzuladen. Die moderne Anti-DDR Kulturindustrie wird maßgeblich und vor allem politisch von ihnen geprägt. Der Antifaschismus in der DDR wäre ein „Gründungsmythos“, die „stalinistische Entnazifizierung“ hätte genau wie jegliche antifaschistische Tradition nur als Legitimationsgrundlage der neuen Diktatur gedient. Der Antifaschismus in der DDR sei die Lebenslüge der deutschen Linken, schreibt die Konrad-Adenauer-Stiftung.[1] Schlussendlich wäre der Antifaschismus von oben verordnet und gar ein „identitätsstiftendes SED-Unterdrückungsinstrument“ gewesen. Die Bundeszentrale für politische Bildung setzt noch einen drauf und fragt: „Ist der Rechtsextremismus im Osten ein Produkt der autoritären DDR?“[2]

Die Entstellung des Antifaschismus der DDR erfüllt dabei einen doppelten Zweck. Zum einen wird das Bild der „SED-Diktatur“ genährt, zum anderen sollen die eigenen Kontinuitäten und Verbindungen zwischen dem deutschen Faschismus und der Bundesrepublik überdeckt werden. Die DDR, als das fortschrittliche und antifaschistische Projekt, was sie 40 Jahre lang war, liegt begraben unter den genannten Vorwürfen und Lügen bundesdeutscher Denkfabriken. Ein positiver Bezug auf die DDR und ihren Antifaschismus ist kein Thema mehr. Dabei ist eine Auseinandersetzung mit der antifaschistischen Politik der DDR nicht nur sehr lehrreich, sondern beweist auch umfangreich, welche Zukunftsperspektive bis heute in diesem Anlauf zum Sozialismus liegt.

Eine Entnazifizierung an der Wurzel der Gesellschaft

Walter Ulbricht stellte am 25. Juni 1945 in seiner Rede auf einer KPD-Funktionärskonferenz fest, dass „sich die große Mehrheit des deutschen Volkes als Werkzeug der Naziführer und Rüstungsindustriellen gebrauchen ließ. Hitler konnte sechs Jahre lang sein Kriegsverbrechen durchführen, weil im deutschen Volke die ideologischen Abwehrkräfte gegen die imperialistische und militaristische Ideologie nur ungenügend vorhanden waren, weil das Gift der Raubideologie und militärische Kadavergehorsam tief im Volke stecken.“[3]

In der Sowjetischen Besatzungszone begann auf Basis der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz eine antifaschistisch-demokratische Umwälzung. Vorrausetzung für ihren Erfolg war die Einheit der Arbeiterklasse und werktätigen Schichten unter der SED. An die Stelle des zerschlagenen faschistischen Staatsapparates rückte eine antifaschistisch-demokratische Staatsmacht aus Parteien und Massenorganisationen, die sich zur antifaschistischen und demokratischen Umwälzung unter der Führung der Arbeiterklasse bekannten. Diese antifaschistische Ordnung stellte sich die Aufgabe die Wurzel des Faschismus beseitigen. Die Deutsche Verwaltung des Innern erklärte 1947: „Wer heute die frühere NSDAP als Urheber aller Machenschaften ansieht, begeht einen entscheidenden Fehler. Die Gegner sind in den geschlagenen Kräften zu suchen, nämlich Junker, Großaktionäre, Bankiers usw. usf.“[4] So wurden Großgrundbesitzer und Kriegsverbrecher auf Basis von Volksabstimmungen enteignet und die kommunalen Verwaltungen unter Mitarbeit des Volkes in die Hände von Antifaschisten, Demokraten und Widerstandskämpfern gelegt.[5] In vielen Städten hatten sich nach Kriegsende spontan antifaschistische Ausschüsse oder Komitees gegründet, einige arbeiteten schon vorher in der Illegalität. Diese stärkten unter Schirmherrschaft der sowjetischen Militärverwaltung entweder die lokalen Strukturen der FDJ und gingen später in sie über oder wurden in die städtischen Verwaltungen eingesetzt.[6]

Den Enteignungen stimmten 1946 77,7 Prozent der Sachsen zu. Entsprechend dieser Entscheidung wurden im Rahmen der Bodenreform 7.200 Großgrundbesitzer und 4.500 andere Kriegsverbrecher entschädigungslos enteignet. Bis 1948 wurden darüber hinaus 9.200 Betriebe von Kriegsgewinnlern und Naziaktivisten in die Hände des Volkes übergeben und enteignet. Dieser Kampf gegen die Einflüsse und Störversuche der alten reaktionären Klasse die sich nicht geschlagen geben wollte, wurde auch in der Kultur und Bildung hart geführt. 72 Prozent der alten Lehrerschaft gehörten der NSDAP an und mussten aus dem Schuldienst entfernt werden. Um die Erziehung und Bildung weiterhin zu gewährleisten, entstand aus der Initiative der Arbeiterklasse und ihrer Massenorganisationen heraus die Neulehrer-Bewegung. Insgesamt wurden 25.000 junge Arbeiter und Arbeiterinnen in mehrmonatigen Lehrgängen zu Pädagogen ausgebildet. Diese Neulehrer wurden darauf geprüft, ob sie willens und in der Lage waren, die deutsche Jugend im Geiste des Antifaschismus, Humanismus, sowie der Demokratie und Völkerfreundschaft zu erziehen.[7] Diese antifaschistische Ordnung wurde 1949 in die Verfassung der DDR übertragen. Der Artikel 6 machte „die Ahndung von Glaubens-, Rassen-, und Völkerhass als Verbrechen“ zur Pflicht des Staates und auch seiner Bürger.[8]

DDR-Historiker Stefan Doernberg bringt die Rolle der Entnazifizierung wie folgt auf den Punkt: „Obwohl die Entnazifizierung nicht die Hauptmethode der demokratischen Erneuerung der Verwaltungsorgane war, weil leitende Funktionen von Anfang an von Antifaschisten übernommen wurden, trug sie dennoch wesentlich zur endgültigen Zerschlagung des imperialistischen Staatsapparats bei. […] Die völlige politische Entmachtung der faschistisch-
militaristischen Kräfte war ein längerer Prozess, dessen Hauptinhalt die Zerschlagung der imperialistisch-kapitalistischen Staatsmaschine und der Aufbau neuer antifaschistisch-
demokratischer Staatsorgane war.“[9]

Allein bis 1946 entlies man 390.478 ehemalige Nazis aus ihren Stellen und Funktionen in Verwaltung, Justiz, Bildung und vielem mehr. Darüber hinaus ermittelte das Ministerium für Staatssicherheit bis 1990 gegen alte Kriegsverbrecher und Nazis.[10] Bis heute scheitern die bundesdeutschen Medienhäuser daran diese Tatsachen zu leugnen, dafür sprechen sie eine zu klare Sprache. Einzig und allein entscheidend in der Entnazifizierung ist dabei aber nicht die Zahl der Entlassungen oder Verhaftungen, sondern dass die ökonomische und politische Macht des deutschen Monopolkapitals gebrochen wurde, die gesellschaftliche Triebkraft des Faschismus. Deshalb, eben weil er an die Wurzel ging, und die Macht der herrschenden Klasse brach, war und bleibt der Antifaschismus der DDR den herrschenden Kreisen der Bundesrepublik unverzeihlich. Nicht wenige müssen diese Errungenschaften zähneknirschend einräumen. Es bleibt der Vorwurf, die Entnazifizierung wäre von der SED lediglich genutzt worden, um ihre Macht zu sichern. Daraus wurde allerdings nie ein Hehl gemacht.Die Entnazifizierung diente neben der Enteignung und Säuberung dazu Platz zu machen für die Parteien des antifaschistischen Blocks, also auch der SED. Auf Basis der antifaschistisch-demokratischen Umwälzungen und der weitreichenden Entnazifizierungen entstand nicht etwa ein Schlussstrichdenken, sondern eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Faschismus und somit auch die Fortsetzung des Kampfes gegen ihn.

Aufarbeitung und Entschädigung 

In der DDR fand neben der Auseinandersetzung mit verschiedenen Opfergruppen, eine breite Beschäftigung mit dem Widerstand gegen den Faschismus statt. Der junge Staat wollte ihr Erbe antreten. Zahlreiche Promotionenaber auch kleinere Publikationen zeugen von einer breiten und umfangreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Auseinandersetzung. Publikationen wie „Der SS-Staat“ aus dem Jahr 1947 sammelten hunderte Erlebnisberichte von KZ-Häftlingen. Walter Ulbrichts Buch „Die Legende vom deutschen Sozialismus“ klärte 1946 breite Schichten in der Sowjetischen Besatzungszone über die Lügen und Verbrechen des Faschismus auf. 1958 ergänzte Bruno Apitz mit „Nackt unter Wölfen“ die breite antifaschistische Kinder- und Jugendliteratur und fand mit seiner Publikation Einzug in sämtliche Klassenzimmern der DDR. Auch das man den Massenmord und die Verfolgung der Juden ignoriert und nie aufgearbeitet hätte stimmt nicht. Im Rahmen des Schulunterrichts oder der Jugendweihe besuchten Jugendliche vielfach Konzentrationslager. Zum Völkermord an den europäischen Juden wurden zwischen 1945 und 1990 insgesamt 238 Publikationen Romane, Novellen, Gedichte, usw. verlegt (wissenschaftliche Literatur ausgenommen).[11] Darüber hinaus setzten sich 1.086 Publikationen von DDR-Verlagen mit jüdischer Geschichte, Religion, Alltagsleben und Philosophie auseinander. Der Vorwurf des Antisemitismus der DDR bezieht sich (wie heute) wesentlich auf die offene und breite Unterstützung des nationalen Befreiungskampfes der Palästinenser durch die DDR.

Denkmäler und Mahnmale für Opfer des Faschismus prägten zunehmend die Stadtbilder der DDR. Diese wurden oftmals auf Initiative antifaschistischer Widerstandskämpfer und mit Unterstützung von Organisationen der Arbeiterklasse wie dem „Buchenwald-Kollektiv“ errichtet. Ein Leseheft zur Kunstbetrachtung stellt dabei fest: „Bald nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik wurde ein Kuratorium, ein gesellschaftlicher Rat also, für den Aufbau Nationaler Gedenkstätten gebildet. Dort, wo von den Faschisten die Menschlichkeit am übelsten geschändet worden war, dort aber auch, wo sich antifaschistisches Kämpfertum unüberwindbar bewährt hatte, dort sollten die Stätten der Mahnung und des Gedenkens errichtet werden: Buchenwald – Ravensbrück – Sachsenhausen. Die besten Bildhauer und ein Kollektiv junger Architekten vollbrachten es, in ständigem Kontakt mit dem gesellschaftlichen Auftraggeber, der Partei der Arbeiterklasse, ehemaligen Häftlingen, Arbeitern und Künstlern, Werke von herausragender Bedeutung zu schaffen.“[12]

Am Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, dem Tag der Opfer des Faschismus, aber auch anlässlich der Befreiung einzelner Konzentrationslager oder an Orten faschistischer Verbrechen füllten sich die Straßen und Gedenkorte jährlich mit breiten Menschenmassen. Durch solche Veranstaltungen in enger Zusammenarbeit mit Schulen, Universitäten, Betriebskollektiven und FDJ-Gliederungen wurde die Gedenkstättenarbeit zu einem zentralen Bestandteil politischer Bildungsarbeit.[13] Zahlreiche Schulen, Straßen und andere Gebäude waren nach Antifaschisten und Opfern des Faschismus benannt. Von einem ritualisierten und sonst bedeutungslosen Gedenken kann dabei nicht die Rede sein. Wie bereits am Beispiel der Literatur dargelegt, beschränkte sich der Antifaschismus nicht auf einzelne Tage, sondern durchzog das politische Leben in der DDR.  Auch Film und Fernsehen waren von einer Aufarbeitung des Faschismus geprägt. Insgesamt thematisierten 47 Spielfilme und Serien die Verbrechen und Massenmorde des deutschen Faschismus. Diese wurden zugunsten von Schichtarbeitern zu verschiedenen Tageszeiten ausgestrahlt. Auch im Kinder- und Jugendprogramm wurden Serien und Filme gezeigt die den Faschismus und seine Verbrechen thematisierten. Bereits 1947 erschien im „Augenzeuge“, der Wochenschau in der SBZ, ein ausführlicher Bericht über das einzige überlebende Kind der Berliner Jüdischen Gemeinde.[14] Fernsehprogramme wie die „aktuelle Kamera“ oder „der schwarze Kanal“ berichteten regelmäßig über alte und neue Gräueltaten von Faschisten. Der Vorwurf eines verordneten, ritualisierten und inhaltsleeren Gedenkens ist genauso falsch wie die Behauptung von vergessenen, verdrängten und nie entschädigten Opfern des Faschismus. Alle ehemaligen KZ-Häftlinge und Opfer des Faschismus erhielten höhere Renten, mehr Urlaub, eigene Urlaubs- und Kurheime und bessere medizinische Betreuung. Ob sie aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt worden waren, machte keinen Unterschied. Sie erhielten Unterstützung bei Wohnungssuche, Bildungs- und Berufswegen mit Stipendien und Zulassungen. Im Nahverkehr konnten Opfer des Faschismus mit einer Begleitperson kostenlos fahren. Diese sozialen Entschädigungen wurden den ostdeutschen Juden sowie allen Opfern des Faschismus mit der Annexion der DDR genommen.[15] Während die BRD ihre Entschädigungszahlen unter anderem mit Waffenlieferungen an Israel im Wert von 240 Millionen Euro „abglich“, zahlte die DDR alleine sämtliche Reparationen an Polen und die Sowjetunion.[16]


[1] Manfred Agethen, Gedenkstätten und antifaschistische Erinnerungskultur in der DDR, in: Manfred Agethen, Eckhard Jesse und Erhart Neubert (Hg.), Der missbrauchte Antifaschismus. DDR-Staatsdoktrin und Lebenslüge der deutschen Linken, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Freiburg i. Breisgau 2002, S. 128 – 144, hier, S.131.

[2] Friedrich, Walther (2002): Ist der Rechtsextremismus im Osten ein Produkt der autoritären DDR?, in: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/25910/ist-der-rechtsextremismus-im-osten-ein-produkt-der-autoritaeren-ddr/

[3] Schulz, Rudi (1986): Walther Ulbricht. Zur Bildungspolitik der Arbeiterbewegung. Volk und Wissen Verlag: Berlin, S.79.

[4] Leide, Henry (2011): NS-Verbrecher und Staatssicherheit. Die geheime Vergangenheitspolitik der DDR, Vandenhoeck und Ruprecht: Göttingen, S. 37.

[5] Autorenkollektiv (1967): Kleines politisches Wörterbuch, Dietz: Berlin.

[6] Michelmann, Jaenette (2015): Die Aktivisten der ersten Stunde. Die Antifa 1945 in der sowjetischen Besatzungszone zwischen Besatzungsmacht und Exil-KPD, Dissertation Zur Erlangung des akademischen Grades.

[7] Autorenkollektiv (1970): DDR. Staat des Antifaschismus, Verlag Zeit im Bild: Dresden, S.11f.

[8] Autorenkollektiv (1970): DDR. Staat des Antifaschismus, Verlag Zeit im Bild: Dresden, S.17.

[9] Leide, Henry (2011): NS-Verbrecher und Staatssicherheit. Die geheime Vergangenheitspolitik der DDR, Vandenhoeck und Ruprecht: Göttingen, S. 33f.

[10] Autorenkollektiv (2019): Ausstellungskatalog Unentdecktes Land, Unentdecktes Land e.V: Berlin, S.37.

[11] Holz, Axel (2020): Wie viel Antifaschismus gab es in der DDR?, in: antifa. Magazin der VVN-BDA: https://antifa.vvn-bda.de/2020/05/15/wie-viel-antifaschismus-gab-es-in-%E2%80%A8der-ddr/

[12] Wegmann, Klaus (1976): Mahn- und Gedenkstätten in der Deutschen Demokratischen Republik. Leseheft für die Kunstbetrachtung, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, S. 6.

[13] Moller, Sabine (2003): Vielfache Vergangenheit. Öffentliche Erinnerungskulturen und Familienerinnerungen an die NS-Zeit in Ostdeutschland (Studien zum Nationalsozialismus Bd. 8), edition diskord: Tübingen, S.50 f.

[14] Holz, Axel (2020): Wie viel Antifaschismus gab es in der DDR?, in: antifa. Magazin der VVN-BDA: https://antifa.vvn-bda.de/2020/05/15/wie-viel-antifaschismus-gab-es-in-%E2%80%A8der-ddr/

[15] Holz, Axel (2020): Wie viel Antifaschismus gab es in der DDR?, in: antifa. Magazin der VVN-BDA: https://antifa.vvn-bda.de/2020/05/15/wie-viel-antifaschismus-gab-es-in-%E2%80%A8der-ddr/

[16] Karlsch, Rainer (1993): Allein bezahlt? Die Reparationsleistungen der SBZ/DDR 1945-53, Ch. Links Verlag: Berlin, S.223-239.

Ohne Internationalismus keine DDR

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Vorwort zur Reihe anlässlich des 75. Jahrestags der Gründung der DDR

Mit der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 begann ein neues Kapitel deutscher Geschichte.
Wir veröffentlichen anlässlich dieses 75. Jahrestages dieses Dossier mit Artikeln zur SED sowie zum Internationalismus und Antifaschismus in der DDR. Wir wollen diese zentralen Aspekte im ersten deutschen Anlauf zum Sozialismus genauer beschreiben und aufzeigen, welche Bedeutung sie bis heute haben. 

Außerdem wollen wir euch dazu anhalten einen (erneuten) Blick in unseren Episodenfilm „Das andere Leben“ zu werfen. In vier Episoden geben verschiedene Zeitzeugen einen Einblick über Funktionsweise und Entwicklung, Errungenschaften und Widersprüche der DDR. In der ersten Episode geht es um Kindheit, Jugend und Schule, in Episode zwei um Arbeit und Wirtschaft, in der dritten Episode um Demokratie und Zusammenleben und zu guter Letzt, in Episode vier um Kalter Krieg und Konterrevolution. Einschalten lohnt!

Ohne Internationalismus keine DDR: Die internationalistische Politik der DDR ist ein Paradebeispiel für ihre Errungenschaften. In weiten Teilen der Welt, insbesondere in Osteuropa und im Globalen Süden, erinnert man sich sehr positiv an die das sozialistische Deutschland und seine Politik der Völkerfreundschaft. Sie beweist angesichts der fortbestehenden imperialistischen Unterdrückung der Völker der Welt, welchen bedeutenden Weg die DDR ging.

Ohne Antifaschismus keine DDR: Die modernen Massenmedien, ihre Denkfabriken und Stichwortgeber sind mittlerweile Meister darin, jeglichen Dreck auf der DDR abzuladen. Alles nur verordneter Antifaschismus von oben? Sicher nicht! Es wird Zeit, mit den Lügen und Mythen über den DDR-Antifaschismus aufzuräumen. 

Ohne SED keine DDR: Wenn auf die Errungenschaften der DDR hingewiesen wird, wird nur selten die politische Kraft erwähnt die die Arbeiterklasse in dieser Zeit anführte: die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Dabei ist es höchste Zeit, sich genauer der SED zu widmen. Welche Rolle spielt sie für uns Kommunisten heute?


Die DDR war anders: 40 Jahre Internationalismus!

Wenn wir den 75. Jahrestag der Gründung der DDR begehen, dann müssen wir auch an ihr internationalistisches Erbe erinnern. Die DDR war der erste und bislang einzige Staat auf deutschem Boden, in dem keine Herrschaftsansprüche über andere Völker erhoben wurden. Der einzige deutsche Staate, der nie nach Expansion strebte, von dem nie Krieg und Eroberung ausgingen.

Freundschaft mit Osteuropa!

Ein Ergebnis und eine Lehre aus zwei Weltkriegen und 12 Jahren faschistischer Herrschaft war, dass nie wieder Krieg von deutschen Boden ausgehen durfte und dass insbesondere die freundschaftliche Beziehung mit den Völkern Osteuropas eine Voraussetzung für den Frieden auf dem Kontinent war. Im Gegensatz zur Bundesrepublik beherzigte die DDR diese Lehren nicht nur, sie machte sie viel mehr zu ihrem Grundsatz.

Der deutsche Imperialismus hatte in seinem „Drang nach Osten“ zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen. Die Nazis hatten die osteuropäischen Völker zu „slawischen Untermenschen“ erklärt, die es zu vernichten und zu versklaven galt. Und Hitler hatte Russland als „unser Indien“ deklariert, das es zu erobern und zu kolonisieren galt. Für die DDR dagegen waren die Staaten Osteuropas Bruderländer und den Hass und die Verachtung, die der Bevölkerung über Jahre und Jahrzehnte eingeimpft worden waren, ersetzte sie durch aufrichtige Freundschaft.

Wie großartig dieses Erbe der DDR war und noch immer ist, können wir besonders gut im Nachgang der Konterrevolution 1989/90 erkennen: Bald nach der Annexion der DDR durch die BRD wurden, wie schon zu Zeiten Hitlers, Jugoslawien und die Tschechoslowakei politisch und schließlich auch militärisch im Interesse des deutschen Imperialismus zerschlagen. Osteuropa wurde mit der EU-Osterweiterung zum Hinterhof der deutschen Wirtschaft. Und Russland wurde, nachdem Putin dem Westen seine roten Linien aufgezeigt hatte, erneut zum Feind erklärt, den es in den Worten von Annalena Baerbock (Grüne) zu „ruinieren“ gilt. Die Errungenschaft der DDR in Form der Völkerfreundschaft mit der Sowjetunion zeigt sich noch heute daran, dass die ostdeutsche Bevölkerung nach wie vor wenig empfänglich für die antirussische Kriegshetze ist. 

Solidarität mit der Dritten Welt!

Die DDR war aber nicht nur ein Friedensstaat, der die Freundschaft mit den Völkern Europas suchte. Sie war auch der erste deutsche Staat seit dem Aufkommen von Kapitalismus und Imperialismus in der Welt, der nicht nur keine Kolonien wollte, sondern im Gegenteil aktiv den Kampf gegen Kolonialismus und nationale Unterdrückung unterstützte.

Während in der BRD der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Kolonialbunds, Konrad Adenauer (CDU), von 1949-63 den ersten Bundeskanzler stellte, entstanden in der DDR allein in den1950er Jahren Solidaritätsgruppen für Korea, Vietnam, Algerien und Ägypten und ab 1960 für ganz Afrika, ganz Asien, für die arabischen Völker, für Kuba und für Chile.1

Während die BRD die Kolonialmächte Portugal und Spanien und die Siedlerregime in Südafrika und Palästina mit Waffen ausrüstete, bildete die DDR Freiheitskämpfer und Armeeangehörige fortschrittlicher Regierungen aus, so etwa aus Chile, dem Kongo, Laos, Libyen, Mosambik, Namibia, Palästina, Sambia, Südjemen, Syrien, Vietnam und Zimbabwe.2 

Während die BRD ein weitgehend sicheres Hinterland für den völkermörderischen Krieg der USA in Vietnam war, unterstützte die DDR-Bevölkerung das vietnamesische Volk mit großangelegten Spendenkampagnen.

Während der Putsch gegen den gewählten Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 von westdeutschen Zeitungen bejubelt wurde und der CSU-Vorsitzende und spätere bayrische Ministerpräsident Franz Joseph Strauß nach Santiago flog, um dem Militärdiktator Pinochet die Hand zu schütteln, schmuggelte das MfS Regimegegner aus dem Land, nahm die DDR hunderte chilenische Flüchtlinge auf und bildete die NVA chilenische Widerstandskämpfer aus.3

Während sich die von alten Nazis mitaufgebaute BRD mit ihrer „Staatsräson“ in Form der bedingungslosen Unterstützung für Israel bis heute eine Art „Ersatzantifaschismus“ geschaffen hat, bestanden zwischen der von antifaschistischen Widerstandskämpfern aufgebauten DDR und dem Staat Israel nie diplomatische Beziehungen. Stattdessen unterstützte das antifaschistische Deutschland den Befreiungskampf der Palästinenser.

Während die BRD billige Arbeitskräfte aus den Ländern Süd- und Osteuropas sowie Asiens abwarb, um sie auszubeuten, wurden in der DDR Vertragsarbeiter aus zahlreichen Ländern zu Fachkräften ausgebildet, damit sie in ihren Heimatländern, die häufig erst kurz zuvor ihre nationale Unabhängigkeit errungen hatten, eine selbstständige Wirtschaft aufbauen konnten.

Während die „Entwicklungshilfe“ der BRD ihrer imperialistischen Natur nach nichts anderes als ein neokolonialistisches Werkzeug zur Schaffung von politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit war, leistete die DDR tatsächliche Entwicklungshilfe im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe und Unabhängigkeit.

Während die imperialistischen Mächte seit dem Untergang der Kolonialreiche bis heute eine Politik der auf Bevormundung und Erpressung basierenden neokolonialen „Partnerschaft“ betreiben, basierte das Verhältnis der DDR zu den postkolonialen Staaten auf einer Genossenschaftlichkeit im Kampf gegen den gemeinsamen Feind: den Imperialismus. Daher hatte die Völkerfreundschaft der DDR eine materielle Basis und sie stand – im Gegensatz zur in der BRD propagierten „Völkerverständigung“ – nicht im Widerspruch zu den eigenen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen. 

Damit bewies die DDR in der Praxis, dass der Sozialismus tatsächlich nicht nur die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen im eigenen Land, sondern zugleich auch die Ausbeutung der schwächeren Nationen durch die stärkeren aufhebt.

Von den Massen getragen

In der allgegenwärtigen Anti-DDR-Hetze ist häufig die geringschätzige Rede vom „verordneten Antifaschismus“ und von „verordneter Solidarität“. Darin drückt sich letztlich nur die Feindschaft der Herrschenden der Bundesrepublik gegenüber einem System aus, in dem Antifaschismus und Internationalismus Staatsräson sind. Denn eine solche Staatspolitik kann letztlich nur durch einen konsequenten Bruch mit Kapitalismus und Imperialismus realisiert werden.

Allerdings entspricht es schlicht nicht der Realität, dass Antifaschismus und Völkerfreundschaft in der DDR nur von oben verordnet und von der Bevölkerung widerwillig ertragen wurden: Noch während des Wideraufbaus stand die DDR-Führung vor der heiklen Aufgabe, der ostdeutschen Bevölkerung zu vermitteln, weshalb es richtig und legitim war, trotz der eigenen prekären Lage Reparationszahlungen an die Sowjetunion zu leisten. Sie löste diese Aufgabe mit Bravour.4 1988 waren 6,4 Millionen DDR-Bürger in der Deutsch-Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft organisiert,5 und das bei einer Bevölkerungszahl von 16,4 Millionen.

Aber nicht nur die deutsch-sowjetische Freundschaft war ein hohes Gut in der ostdeutschen Bevölkerung: Zwischen 1961 und 1989 spendeten die Menschen in der DDR rund 3,5 Milliarden Mark an das Afro-Asiatische Solidaritätskomitee (ab 1973: Solidaritätskomitee der DDR).6 Zahlreiche DDR-Bürger beteiligten sich an Kampagnen, wie den „1 Million Rosen für Angela Davis“. Tausende FDJ-Mitglieder nahmen an den Solidaritätsbrigaden teil, die in Dutzenden Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas praktische Hilfe leisteten.7 Bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1951 und 1973 in Ostberlin zelebrierten insgesamt mehr als 50.000 Menschen aus mindestens 140 Ländern gemeinsam internationale Solidarität und kulturelle Vielfältigkeit.

Ein anderes Deutschland ist möglich!

Angesichts der ungebrochenen Unterstützung der Bundesregierung für den Völkermord in Gaza und die Aggressionen Israels gegen Libanon, Iran, Jemen und Syrien – 

angesichts der Bewaffnung faschistischer Milizen in der Ukraine gegen die ostukrainische Bevölkerung und die Russische Föderation durch die BRD und ihre NATO-Partner –

angesichts der Tatsache, dass mehr als 120 Jahre, nachdem deutsche Truppen den Volksaufstand in China im Bund mit den anderen imperialistischen Mächten niedergeschlagen haben, und 110 Jahre, nachdem Deutschland seine Kolonien im Pazifik verloren hat, die Bundeswehr wieder mit Kriegsschiffen durch chinesische Gewässer fährt –

angesichts all dessen schmerzt das Fehlen eines antifaschistischen, eines antiimperialistischen, eines internationalistischen Deutschland umso mehr.

Die DDR war dieses bessere Deutschland und sie hat uns gezeigt, dass ein solches besseres Deutschland möglich ist! Ein Deutschland, das die Welt nicht in Angst und Schrecken versetzt, das nicht immer auf der falschen Seite der Geschichte steht. Nehmen wir diesen Beweis, um Mut zu schöpfen, ein solches Deutschland erneut zu erkämpfen!

  1. Achim Reichardt: Nie vergessen Solidarität üben. Die Solidaritätsbewegung in der DDR (Kai Homilius Verlag 2006), S. 41. ↩︎
  2. Bernhard Schöne: Die NVA und das subsaharische Afrika. Zu den militärischen Auslandsbeziehungen der DDR, in: Ulrich van der Heyden, Iona Schleicher, Hans-Georg Schleicher (Hrsg.) Die DDR und Afrika. Zwischen Klassenkampf und neuem Denken (LIT Verlag 1993), S. 36. ↩︎
  3. https://ifddr.org/chile-und-deutschland-zwischen-solidaritaet-und-abhaengigkeit/ ↩︎
  4. Kurt Pätzold: Die Mär vom Antisemitismus (Edition Ost 2010), S. 23-25. ↩︎
  5. Statistisches Jahrbuch 1989 der DDR (Staatsverlag der DDR 1989), S. 410. ↩︎
  6. Achim Reichardt: Nie vergessen Solidarität üben. Die Solidaritätsbewegung in der DDR (Kai Homilius Verlag 2006), S. 315. ↩︎
  7. https://zeithistorische-forschungen.de/3-2020/5890 ↩︎

Der Westen will die Eskalation

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Stellungnahme zur Antikriegsdemonstration am 3.10.2024

Die NATO eskaliert den Krieg gegen Russland!

Der ukrainische Präsident reist nach Ramstein und präsentiert seinen sogenannten „Siegesplan“. Dieser beinhaltet, dass die ukrainischen Truppen in der Region Kursk in Russland verbleiben und der Einsatz weitreichender Raketen und Marschflugkörper auf russisches Territorium erlaubt werden. Doch in Wirklichkeit ist es nicht Selenski, der seinen Truppen hier etwas „erlaubt“, sondern es ist der Westen, der es Selenski „erlaubt“: Ein solcher Angriff kann nämlich nicht von der Ukraine allein, sondern nur gemeinsam mit den NATO-Militärstrukturen, insbesondere ihrer Aufklärungskräfte, durchgeführt werden.

In Russland wird ein solcher möglicher Einsatz als das gewertet, was er ist: Ein Angriff der NATO auf russisches Territorium. Bereits im August zeigte der Westen seine Bereitschaft, russische Frühwarnsysteme für Atomwaffenangriffe zu beschießen. Deshalb werden solche Angriffe von der Russischen Föderation zukünftig als NATO-Schläge gewertet, die ihre Nukleardoktrin betreffen.

Die NATO-Strategen wissen das. Ihre Schritte zeigen: Der Westen kann von seinem Ziel eines totalen Sieges über Russland nicht abrücken. Ihr Problem ist, dass sich der Stellungskrieg an den Fronten zuungunsten der Ukraine entwickelt. Die Kursk-Offensive hat nicht das erreicht, was sie sollte. Den logistischen Knotenpunkt Pokrowsk im Donbass haben auch westliche Militärexperten schon aufgegeben. Sie sprechen von einer möglichen vollständigen Kapitulation der Ukraine. Deshalb fordern sie nun die Eskalation des Krieges. Es zeigt sich: Sie sind bereit und willens, für ihren „totalen Sieg“ über Russland den „totalen Krieg“ vom Zaun zu brechen.

Israel kann nur eins: immer mehr Gewalt!

Auch Israel eskaliert ungehemmt und zeigt seine Bereitschaft, bis zum Äußersten zu gehen – den Krieg gegen den Iran und seine Verbündeten. Im verbrecherischen „Pager-Massaker“ und den Massenbombardements auf Wohngebiete wiederholen sich im Libanon die Kriegsverbrechen, die seit einem Jahr die Weltöffentlichkeit in Gaza live mitverfolgt. Netanjahu erneuert dieselben Lügen, mit denen bereits der Völkermord in Gaza für die westliche Öffentlichkeit legitimiert wurde: Die israelischen Angriffe würden sich gegen die Hisbollah, und nicht gegen das libanesische Volk als Ganzes richten. Der israelische Bildungsminister sprach hingegen offen aus, was die Massaker an Zivilisten längst bewiesen haben: Es geht darum, „den Libanon zu vernichten“. 

Israel ist eine rassistische Kolonial- und Besatzungsmacht, vertreibt seit über 76 Jahren die Menschen aus ihrer Heimat, massakriert hunderttausende Familien und hat seine Waffen permanent auf die Völker der Region gerichtet. Die Menschen in Palästina wie im Libanon haben die Besetzung ihrer Heimat nie zugelassen, ihren Widerstand nie aufgegeben. Das israelische Kolonialregime erlebt seine historisch tiefste Krise und kann seine Existenz nur mit immer exzessiveren Gewaltmitteln aufrechterhalten.

Unsere Solidarität: Sand im Getriebe der deutschen Kriegsherren!

Während Volker Beck, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, und mit ihm viele Journalisten, längst nicht nur bei der Springerpresse, Kriegsverbrechen wie das „Pager-Massaker“ öffentlich feiern, verurteilt das Auswärtige Amt den Angriff allen Ernstes deshalb nicht, weil dafür der „Erkenntnisstand über die Ereignisse“ fehle. Wiederholt schieben die USA und teilweise auch die Bundesregierung Selenski und Netanjahu die Eskalation in die Schuhe und fordern bisweilen öffentlichkeitswirksam zur „Mäßigung“ auf. Doch sie können das Offensichtliche nicht verbergen: Es ist die NATO-Kriegsallianz, die den Völkermord in Gaza und die Eskalation im Nahen Osten ermöglicht und die jegliche Friedensverhandlungen mit Russlands abwehrt. Israel und die Ukraine sind militärische Vorposten des Westens zur Durchsetzung und Aufrechterhaltung seiner Vorherrschaft. Die massive Eskalation reflektiert, dass beide Regime längst angezählt sind. Der Feind der Völker hat einen Namen, und er lautet: NATO. Sammeln wir unsere Kräfte gegen ihn!

Unsere Solidarität mit dem gerechten Kampf gegen Besatzung, Vertreibung und Völkermord in Palästina, Libanon und der gesamten Region ist gefordert. Ebenso wie die Solidarität mit dem Widerstand im Donbass, der sich seit 2014 gegen das faschistische Marionettenregime in der Ukraine zur Wehr setzt. Auch die Verteidigung der nationalen Souveränität Russlands gegen die Versuche der NATO, das Land zu zerstückeln, zu „ruinieren“ und unterzuordnen, ist gerecht und verdient unsere Solidarität.

Stoppt den Krieg gegen Russland!

Stoppt den Völkermord in Gaza!

Hände weg von Libanon und Iran!

Keine Waffen für die Ukraine und Israel!

Deutschland raus aus der NATO – NATO raus aus Deutschland!

„Hasan Nasrallah starb auf dem Weg zur Befreiung Palästinas“

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Nach der gestrigen Ermordung des Generalsekretärs der Hisbollah, Sayyed Hasan Nasrallah, die heute von seiner Partei bestätigt wurde, stellen sich allen, die solidarisch mit dem antikolonialen Befreiungskampf der Palästinenser und dem antiimperialistischen Kampf der Völker des Nahen und Mittleren Osten sind, viele Fragen. Einige dieser Fragen drängen sich bereits seit einigen Monaten auf, spätestens seit der Ermordung des damaligen Hamas-Chefs Ismail Haniya in Teheran.

Wir dokumentieren hier einen Artikel von Ali Abunimah, der heute auf The Electronic Intifada erschienen ist. Der Artikel wirft einige der Fragen und Unsicherheiten auf, die viele von uns derzeit umtreiben. Und er versucht sie zu beantworten und Mut zu machen, ohne die Lage schön zu reden, ohne zu spekulieren, ohne Insider-Informationen, indem er auf vergangene Befreiungskämpfe in Algerien, Vietnam, Südafrika, Afghanistan, Irak und im Libanon selbst verweist und Lehren zieht.

Kommunistische Organisation

Die Ermordung von Hasan Nasrallah, dem Generalsekretär der Hisbollah, durch Israel bei einem apokalyptischen Bombenangriff auf den südlichen Vorort von Beirut am Freitag wird wahrscheinlich, zumindest kurzfristig, bei den Unterstützern des Widerstands gegen den Zionismus im Libanon und in der gesamten Region für enormen Schock, Verzweiflung und Demoralisierung sorgen.

Genau das ist auch beabsichtigt.

Nasrallahs Tod, den die Hisbollah am Samstag bestätigte, erfolgte nach einer Reihe taktischer Erfolge in den frühen Phasen des sich entfaltenden Großangriffs Israels auf den Libanon. Ein Angriff mit offenem Ende, der in seiner Barbarei durchaus dem andauernden Völkermord Tel Avivs in Gaza gleichkommen könnte.

Nach fast einem Jahr des Völkermords sind dies schreckliche und schwer zu verdauende Gedanken.

Zuerst gab es die Pager- und Walkie-Talkie-Angriffe, gefolgt von einer Reihe von Attentaten auf hochrangige Hisbollah-Führer und nun auf den Chef der Organisation selbst.

Wie Nasrallah selbst in seiner letzten Rede zugab, erlitt die Organisation durch die Pager-Angriffe einen schweren Schlag. Es sollte noch schlimmer kommen. Offensichtlich gab es schwerwiegende Sicherheitslücken.

Nasrallahs Status als taktischer und strategischer Denker, als prominentester und vertrauenswürdigster Anführer der Achse des Widerstands und als Persönlichkeit, die selbst in den schlimmsten Zeiten in der Lage war, Anhänger zu inspirieren und zu beruhigen, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Die Euphorie in Israel, Washington und einigen arabischen Hauptstädten wird nur von der Trauer der Anhänger Nasrallahs übertroffen, die weitaus zahlreicher sind.

Und es besteht kein Zweifel daran, dass der Verlust aus der Sicht eines Widerstands, der nicht nur Israels gewaltigem Arsenal, sondern auch allen Ressourcen der Vereinigten Staaten und des gesamten Westens gegenübersteht, real und groß ist.

Die Fähigkeit Israels, diese Reihe von Angriffen in schneller Folge durchzuführen, wird das Vertrauen vieler in die legendäre Kampfkraft und operative Sicherheit der Hisbollah erschüttern.

Die Angriffe werden dazu beitragen, das Ansehen wiederherzustellen, das Tel Aviv nach einem Jahr militärischer Misserfolge in Gaza und dem Versagen, die Militäroffensive der Hamas zu verhindern, die am 7. Oktober 2023 die Gaza-Division der israelischen Armee auslöschte, bei seinen westlichen und arabischen Unterstützern verloren hat.

Und obwohl die Hisbollah israelische Militäreinrichtungen und Siedlungen im Norden des historischen Palästinas mit Raketen beschossen hat, fragen sich viele in der Region, warum die Widerstandsgruppe nicht härter und schärfer auf die eskalierende Aggression Israels reagiert hat – selbst als Israel seine Bombardierung von Zivilisten im gesamten Libanon und in seiner Hauptstadt intensiviert hat.

Eine weitere Frage, die viele beschäftigt, ist, warum der Iran, der nach der Ermordung des Hamas-Führers Ismail Haniyeh durch Israel im Juli in Teheran Vergeltung geschworen hat, so zurückhaltend reagiert hat. Es wächst die Auffassung, dass die ausbleibende Reaktion des Iran die immer dreistere Gewalt Israels nur ermutigt hat.

„Schock und Furcht“ ist kein Sieg

Angesichts der sich schnell verändernden Situation und der Flut von Emotionen nach einem Jahr des Live übertragenen Völkermords in Gaza, der nun von Israel auf den Libanon ausgeweitet wird, ist es schwierig, einen langfristige Perspektive zu behalten. Dies ist jedoch für eine fundierte Analyse unerlässlich.

Es lohnt sich, sich Folgendes ins Gedächtnis zu rufen: In fast jedem asymmetrischen Krieg scheint die stärkere Seite – der Angreifer oder Kolonisator – oft schnelle und überwältigende Erfolge zu erzielen, wenn sie in die Offensive geht.

Tatsächlich ist „Schock und Furcht“ der Name einer westlichen, insbesondere amerikanischen Militärdoktrin, die in den 1990er Jahren entwickelt und beim Einmarsch der USA in den Irak im Jahr 2003 ausdrücklich angepriesen wurde.

Auch als „schnelle Dominanz“ bezeichnet, zielt sie darauf ab, den Gegner durch den Einsatz überwältigender und spektakulärer Gewaltakte zu demoralisieren und zu lähmen.

Das Ziel besteht laut den Autoren der Doktrin darin, „die Wahrnehmung und das Verständnis eines Gegners für Ereignisse so zu überladen, dass der Feind auf taktischer und strategischer Ebene nicht in der Lage ist, Widerstand zu leisten“.

Wir haben dies in den letzten Jahrzehnten immer wieder erlebt und erleben es auch jetzt.

Nur wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 griffen die Vereinigten Staaten Afghanistan an und stürzten die Taliban-Regierung unter dem Vorwand, sie habe Osama bin Laden Unterschlupf gewährt.

Das amerikanische Selbstbewusstsein nach diesem schnellen, scheinbaren Erfolg spornte Washington zweifellos dazu an, sein nächstes Projekt in Angriff zu nehmen: die Invasion des Irak im März 2003.

Nachdem die Regierung von Saddam Hussein schnell gestürzt worden war und amerikanische Panzer die Kontrolle über Bagdad übernommen hatten, hielt Präsident George W. Bush am 1. Mai desselben Jahres seine berüchtigte „Mission Accomplished“-Rede – Worte, die ihn verfolgen sollten, als die Vereinigten Staaten in einem Zermürbungskrieg gegen den Widerstand in Afghanistan und im Irak stecken blieben.

Diese schnellen Siege, so schien es zumindest, lösten damals echte Befürchtungen aus, dass die amerikanischen Streitkräfte weiter nach Damaskus und Teheran oder vielleicht zu anderen „Schurkenstaaten“ auf Amerikas Abschussliste vorrücken würden.

Aus den sogenannten Afghanistan-Papers wissen wir heute, dass die Kriegstreiber in Washington die ganze Zeit über wussten, dass sie den Krieg verloren hatten, aber der amerikanischen Öffentlichkeit fast zwei Jahrzehnte lang vorlogen, dass sie gewinnen würden.

Und als der amerikanische Abzug aus Afghanistan im August 2021 erfolgte, wurde der demütigende Abgang vom Flughafen Kabul weithin mit den chaotischen Szenen der besiegten Amerikaner verglichen, die in Hubschraubern vom Dach der US-Botschaft in Saigon, Vietnam, evakuiert wurden.

Auch in Bezug auf Israel ist dieses Muster offensichtlich. Als Israel 1982 in den Libanon einmarschierte – ein Angriff, den es „Operation Frieden für Galiläa“ nannte – drangen seine Streitkräfte schnell nach Norden bis nach Beirut vor und belagerten und besetzten zum ersten Mal in der Geschichte des zionistischen Siedlerstaates eine arabische Hauptstadt.

Israel ermordete zehntausende libanesische und palästinensische Zivilisten und vertrieb die Palästinensische Befreiungsorganisation. Doch der Erfolg, aus der Sicht Tel Avivs, schlug schnell in einen Misserfolg um.

Während einer langen Besatzungszeit wuchs der Widerstand gegen Israel, insbesondere von Seiten der Hisbollah, die zum Zeitpunkt der israelischen Invasion noch nicht einmal existierte.

Die Hisbollah und andere Widerstandsgruppen setzten den israelischen Besatzungstruppen zwei Jahrzehnte lang in einem zermürbenden Abnutzungskrieg zu, bis Israel sich im Mai 2000 geschlagen aus dem besetzten Südlibanon zurückzog.

Selbst im Zusammenhang mit dem von den USA unterstützten israelischen Völkermord in Gaza bröckelt Israels ständiges Beteuern, es habe diesen oder jenen Teil des Gazastreifens vollständig unter seine Kontrolle gebracht, schnell. Tatsache ist, dass der Widerstand in jedem Teil des Gazastreifens weiterkämpft.

Bisher ist jeder israelisch-amerikanische „Day After“-Plan, bei dem eine besiegte Hamas durch eine von den Arabern unterstützte palästinensische Kollaborationsarmee ersetzt werden sollte, gescheitert.

Die Ablenkung von den anhaltenden Misserfolgen eines erschöpften Israels in Gaza ist vielleicht einer der Faktoren, die Israel dazu antreiben, im Libanon nach einem spektakulären „Erfolg“ zu streben.

Wendepunkt

Dieser ernüchternde Moment ist ein Wendepunkt im langen regionalen Befreiungskrieg gegen den rassistischen, vom Westen unterstützten siedlerkolonialistischen Zionismus. Doch nach einem Jahrhundert der Verwüstungen und Schrecken des Zionismus haben weder die Menschen im Libanon noch in Palästina aufgegeben und es gibt keinen Grund zu glauben, dass sie es jetzt tun werden.

Im Gegenteil, nach dem ersten Schock wird die Entschlossenheit des Widerstands nur noch zunehmen und sich ausweiten, wie bisher in jeder Phase des Befreiungskampfes.

Auch die Ermordung von Nasrallah mit amerikanischen Bomben und amerikanischen Kampfflugzeugen und vielleicht auch mit anderer Unterstützung aus Washington ändert nichts am Abwärtstrend der globalen Macht der USA – der Macht, auf die Israel für sein Überleben angewiesen ist.

Wir sollten uns auch daran erinnern, dass die Zionisten schon immer Mordanschläge als eine primäre Taktik eingesetzt haben. Ihr Krieg richtet sich jedoch nicht gegen einzelne Anführer, sondern gegen ganze Völker, deren Entschlossenheit nicht so einfach ausgelöscht werden kann.

Nasrallah selbst übernahm die Führung der Hisbollah, nachdem Israel seinen Vorgänger Abbas al-Musawi 1992 ermordet hatte. Nasrallah baute die Organisation zu einer beispiellosen Stärke aus.

Diese Stärke beruht nicht auf dem Willen eines Einzelnen, sondern auf einer Basis von Unterstützung, die sich der Sache zutiefst verpflichtet fühlt und bereit ist – wie Nasrallah selbst immer wieder betonte – auf dem Weg zur Befreiung enorme Opfer zu bringen.

Wenn die israelische Armee zugegeben hat, dass die Hamas nicht zerstört werden kann – denn: „Die Hamas ist eine Idee, die Hamas ist eine Partei“ – was ist dann mit der Hisbollah?

Am ernüchterndsten ist, dass der Krieg zur Befreiung Palästinas und der Region vom Zionismus für die Menschen in der Region nicht weniger brutal sein wird als die Kriege zur Befreiung Algeriens, Vietnams, Südafrikas und so vieler anderer Orte, die vom euro-amerikanischen Imperium ins Visier genommen wurden.

Schließlich sind die Besatzer und Kolonisatoren dieselben Länder, und der völkermörderische Hass ihrer herrschenden Klassen gegenüber den Menschen, deren Land und Rechte sie an sich reißen wollen, hat nie nachgelassen.

Wie andere vor ihm gab Nasrallah sein Leben auf dem Weg zur Befreiung Palästinas, und dieser Kampf ist heute noch nicht zu Ende.

Solidarität mit den Aktivisten der FKO!

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Stellungnahme

Wir verurteilen die Hausdurchsuchungen bei Palästina-Aktivisten des Solidaritätsnetzwerks Augsburg.

Wegen Infoblättern, die im November 2023 in Augsburg aufgehängt wurden, fanden vier Hausdurchsuchungen statt. Die Aushänge würden angebliche Straftaten billigen. Das ist völlig absurd und dient nur der Einschüchterung. 

Während hochrangige Vertreter der deutschen Medien die Terrorakte Israels gegen Libanon verherrlichen und dabei ihre Menschenverachtung offen zur Schau tragen, werden Menschen, die mit Aushängen für Aufklärung gegen Besatzung und Vertreibung sorgen, eingeschüchtert und verfolgt. Die Aktivisten wollten ihre Position zu Palästina verbreiten und damit ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit ausüben. Dass sie dafür nun Hausdurchsuchungen erfahren, zeigt, wie die Bundesrepublik hierzulande seine Unterstützung für den anhaltenden Völkermord durchsetzt. 

Wir lassen uns nicht einschüchtern! Wir stehen an der Seite Palästinas und Libanons!  

Wir stehen gemeinsam der Komplizenschaft deutscher Politik und der Mainstream-Medien mit dem Völkermord entgegen! 

Solidarische Grüße nach Augsburg! 

Aufruf der KP Libanon zur Unterstützung gegen die zionistischen Angriffe

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Wir teilen hier den Brief des Politbüros der Libanesischen Kommunistischen Partei an die kommunistischen, Arbeiter- und fortschrittlichen Parteien zu den jüngsten zionistischen Angriffen auf den Libanon (LINK)

Während der völkermörderische Krieg der israelischen Besatzungsarmee gegen das palästinensische Volk im Gazastreifen und ihre brutalen Angriffe auf das Westjordanland und mehrere Länder der Region weitergehen, greift die Besatzung den Libanon, insbesondere den Süden, täglich wiederholt an. Diese Angriffe erfolgen unter der umfassenden Deckung imperialistischer Regierungen, angeführt von den Vereinigten Staaten von Amerika, was seit dem 7. Oktober bis heute zum dokumentierten Tod von mehr als 43.000 Märtyrern in Gaza und über 700 Märtyrern aus unserem Land, dem Libanon, geführt hat.

In diesem Zusammenhang ist die jüngste Eskalation im Libanon zu nennen, bei der am 17. September Tausende von Pager-Geräten und am 18. September drahtlose Funkgeräte angegriffen wurden. Dies führte zum Tod von 32 Märtyrern und etwa 3.000 Verletzten, nachdem diese Geräte in den Händen ihrer Träger, in sicheren Häusern und Einrichtungen explodierten. Es handelte sich um einen beschriebenen Terroranschlag, der sich gegen die Benutzer von Kommunikationsgeräten richtete, darunter Zivilisten, Widerstandskämpfer und Mitarbeiter von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, nachdem diese Geräte von Mossad-Agenten mit Sprengstoff versehen worden waren, bevor sie in den Libanon eingeführt wurden.

Diese Terroranschläge zielen darauf ab, das libanesische Volk einzuschüchtern und es zu zwingen, sich den Bedingungen des zionistischen Feindes und seines Unterstützers, der Vereinigten Staaten, zu unterwerfen und die libanesischen nationalen Kräfte daran zu hindern, das palästinensische Volk in Gaza zu unterstützen. Sie versuchen auch, die Sicherheitskontrolle über die gesamte Region zu verstärken, den Einfluss der imperialistischen Mächte auf die Erdölressourcen und die Handelswege zu festigen und die qualitative militärische und sicherheitspolitische Überlegenheit Israels aufrechtzuerhalten, da Israel eine entscheidende Rolle in diesem umfassenderen Projekt spielt.

Die internationale Solidarität mit dem libanesischen Volk und seinem Recht auf Widerstand gegen die Besatzung ist heute notwendiger denn je, ebenso wie die Verurteilung der israelischen Aggression in seinen Gebieten und die Fortsetzung der Solidaritätskampagne mit dem palästinensischen Volk, um den völkermörderischen Krieg gegen es zu beenden.

Das Politische Büro der Libanesischen Kommunistischen Partei zählt auf die Unterstützung der kommunistischen, Arbeiter- und fortschrittlichen Parteien für ihre gerechte Sache und deren Bereitschaft, in Solidarität mit dem Libanon, Palästina und den Völkern der Region zu handeln.

Sie ruft diese Parteien auf, ihre Stimme in ihren Ländern zu erheben, in ihren Erklärungen, Bewegungen und vor allem in politischen und populären Aktionen vor den israelischen und amerikanischen Botschaften sowie in nationalen und regionalen Parlamenten und verschiedenen internationalen Institutionen. Sie sind auch aufgerufen, Gesundheits- und Sozialorganisationen zu unterstützen, um die Widerstandsfähigkeit des libanesischen Volkes zu stärken.

– Für die sofortige Beendigung des völkermörderischen Krieges in Gaza und der Aggression gegen den Libanon und andere Länder in der Region.

– Für die Stärkung der internationalen Solidarität zwischen den Völkern.

– Für die Konfrontation mit imperialistischen und zionistischen Kriegen und Aggressionen.

Das Politische Büro der Libanesischen Kommunistischen Partei

19. September 2024

Ecuador – Eine Hand mit vier Fingern

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Ein Hintergrundartikel zur Rolle des US-Imperialismus in Ecuador

von Yannik Mallmann

Der US-Imperialismus will „seinen Hinterhof“ in Lateinamerika sichern. Dazu benötigt er hörige Länder, die sich seiner Politik und seinem Einfluss bedingungslos unterwerfen und in Krisensituation auf seiner Seite stehen. Insbesondere im Kampf gegen Länder wie Kuba, Nicaragua oder Venezuela sind solche Verbündeten wichtig. Ecuador hat sich inzwischen zu einem dieser Verbündeten entwickelt. Der Hintergrundartikel von Yannik Mallmann stellt die Entwicklungen Ecuadors in Bezug auf den Einfluss des US-Imperialismus in den letzten 25 Jahren überblicksartig dar. Er gibt Einblicke in die Unterdrückungs- und Erpressungsmethoden und wirft einen Blick auf die Herrschaftsstrategie der USA. Er zeigt außerdem, dass es in Lateinamerika sehr wohl einen Unterschied macht, ob eine sozialdemokratische oder rechts-neoliberale Regierung an der Macht ist.

Hinweis: Bei Beiträgen handelt es sich nicht zwangsläufig um Positionen der Kommunistischen Organisation.

Einführung

Ecuador steht seit mehreren Monaten wegen der eskalierenden Gewalt immer mal wieder in den Schlagzeilen. Diese Gewalt wird dabei gerne auf die Drogenkartelle reduziert oder als Problem der Lateinamerikaner allgemein dargestellt. Darüber, dass diese Entwicklungen nicht aus dem Nichts gekommen sind und es bei der Gewalt in Ecuador um politische Interessen, insbesondere die der USA, geht, wird kaum geschrieben. Ecuador besitzt aktuell die höchste Mordrate auf dem süd- und mittelamerikanischen Kontinent und steht damit noch vor Mexiko. Die neoliberale und rechte Regierung des Landes hat einen inländischen Militäreinsatz gegen die Drogenkartelle begonnen und diese zu Kriegsgegnern erklärt. Dass diese Argumentation auch gegen linke und revolutionäre Kräfte eingesetzt werden kann, liegt auf der Hand. Ein Blick zurück zeigt, dass die Situation in Ecuador nicht immer so war: Unter dem Präsidenten Rafael Correa (2007-2017) besaß das Land eine zehnmal niedrigere Mordrate als heute und galt als Vorzeigeland für Sicherheit, Tourismus und „Das Gute Leben“ (Buen Vivir).

Aktuell befindet sich das Land jedoch in einer sehr schwierigen Situation: Die USA üben massiven Einfluss auf das Land aus, nicht nur weil der US-Dollar als ecuadorianische Währung eingesetzt wird, sondern auch weil das SouthCom, das Südkommando der US-Streitkräfte, in Zusammenarbeit mit der DEA (Drug Enforcement Administration) und dem US-Verteidigungsministerium sehr starken Einfluss auf die ecuadorianische Politik nimmt. Dazu kommt eine erneute Offensive des US-Imperialismus in Lateinamerika: Der illegale Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Pedro Castillo in Peru (2023), die US-Marionette Javier Milei in Argentinien, der gescheiterte Putsch in Bolivien (2024) sowie die Destabilisierungsversuche in Venezuela nach den diesjährigen Wahlen sind nur einige Beispiele. Der US-Imperialismus versucht, seine Hegemoniestellung aufrechtzuerhalten und den Einfluss der EU und Chinas zurückzudrängen. Damit verbunden ist ein wachsender Druck auf die Länder, die sich nicht dem Ausbeutungskurs der USA unterwerfen wollen – unter anderem Kuba, Nicaragua und nicht zuletzt auch Venezuela.

Der Artikel stellt anhand des Beispiels Ecuadors dar, wie stark der Einfluss des US-Imperialismus auf die globale Weltordnung weiterhin ist. Er gibt Einblicke in einzelne Wirkmechanismen des US-Imperialismus als Hegemon dieser Weltordnung und arbeitet heraus, dass es im sogenannten „Globalen Süden“ sehr wohl einen Unterschied macht, ob ein Land sozialdemokratisch oder neoliberal regiert wird – entgegen mancher Vorstellung in der kommunistischen Bewegung. Der Artikel gibt zunächst einen kurzen Überblick über Ecuador. Anschließend werden die Entwicklungen und Auseinandersetzungen rund um die Einführung des Dollar als nationale Währung (2000) betrachtet. In einem zeitlichen Sprung wird ein Überblick über die Entwicklungen Ecuadors unter der sogenannte „Bürgerrevolution“ (2007-2017) als sozialdemokratisches Projekt gegeben. Hierbei muss angemerkt werden, dass sich die Sozialdemokratie in Lateinamerika von der in Deutschland oder anderen imperialistischen Zentren unterscheiden. Abschließend werden die Entwicklungen ab 2017 unter dem Einfluss einer zunehmenden Neoliberalisierung betrachtet, wobei der Fokus auf die aktuell eskalierende Gewalt im Land und die Einflüssen der USA gelegt wird.

Ecuador – Ein kurzer Überblick

Ecuador liegt im Nordwesten Südamerikas und grenzt nördlich an Kolumbien sowie südlich an Peru. In dem Land, das ungefähr so groß wie Großbritannien ist, leben circa 16 Millionen Menschen. Die Amtssprache ist Spanisch, wobei sich circa ein Viertel der Bevölkerung der indigenen Bevölkerung zuordnet, die hauptsächlich Quichua (Kichwa) sprechen. Daneben gibt es eine Vielzahl von weiteren indigenen Sprachen, die sich regional unterscheiden. Geographisch kann das Land grob in vier Kategorien eingeteilt werden: die Costa (Pazifikküste und Küstenvorland), die Sierra (das Andenhochland), el Oriente (das Amazonastiefland) und die Galapagosinseln. Die Hauptstadt Quito liegt auf 2800 Meter Höhe und hat knapp zwei Millionen Einwohner. Die wirtschaftlich wichtigste Stadt ist Guayaquil an der Pazifikküste, wo der meiste Import- und Exporthandel des Landes stattfindet.

Die ecuadorianische Wirtschaft ist stark rohstoffabhängig. Die umsatzstärksten Unternehmen Ecuadors sind die Handelskonglomerate Corporación Favorita und Corporación El Rosado.1 Eine entwickelte Industrie fehlt und so müssen viele lebensnotwendige Produkte importiert werden. Die wichtigsten Länder für den Handel Ecuadors sind die USA und China, gefolgt von einigen lateinamerikanischen Staaten wie Panama, Kolumbien und Chile. Besonders wichtig für die Wirtschaft ist der Erdölexport, der circa ein Drittel der Exportleistung ausmacht und vor allem in die USA geht. Gleichzeitig sind raffinierte Erdölprodukte der größte Teil der Importwerte, welche zum Großteil aus den USA stammen. Eine wichtige Rolle für die Wirtschaft spielen auch die mehr als eine Million Ecuadorianer, die im Ausland leben und regelmäßig Geld in ihr Heimatland schicken. Davon leben circa 41 % in den USA und 36 % in Spanien, wodurch vor allem Dollar und Euro zurück nach Ecuador fließen.2 Diese sehr allgemeinen ökonomischen Daten zeigen, dass Ecuador in der imperialistischen Weltordnung eine niedrige Position einnimmt.

US-Imperialismus in Lateinamerika – Ein kurzer Abriss

Seit den Unabhängigkeitskämpfen im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Monroe-Doktrin die zentrale politische und ökonomische Strategie des US-Imperialismus in Lateinamerika. Am 02. Dezember 1823 formulierte der damalige Präsident der USA James Monroe die Leitlinien der US-Politik gegenüber dem amerikanischen Kontinent. Damit wurde den europäischen Mächten angesichts der Unabhängigkeitsprozesse in den Kolonien Lateinamerikas klare Schranken aufgezeigt – ganz nach dem Motto „Amerika gehört den Amerikanern, sprich den US-Amerikanern“. Die Folge waren zahlreiche Militärdiktaturen, zehntausende Tote, verseuchte Böden, verwüstete Landstriche, vermisste und verstümmelte Menschen und eine massive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Kontinents zugunsten vieler US-Monopole.

Ein weiterer „Meilenstein“ in der Geschichte des US-Imperialismus in Lateinamerika war die antikommunistische Truman-Doktrin von 1947. Unter dem Vorwand der Containment-Politik sollte die „Ausbreitung des Kommunismus“ auf dem Kontinent gestoppt und US-amerikanische Interessen gesichert werden. Mit dem Abschluss des Tratado Interamericano de Asistencia Recíproca (Interamerikanischer Vertrag über gegenseitigen Beistand) im Jahr 1947 und der Gründung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) 1948 schafften die USA ein System von politischen und militärischen Allianzen auf dem Kontinent. Im Falle einer „äußeren Bedrohung“ kann durch den Vertrag ein Verteidigungsfall ausgerufen werden, der die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, politisch, diplomatisch und auch militärisch einzugreifen und Unterstützung zu leisten.3 Zuletzt wurde der Vertrag 2019 beim Putschversuch gegen die demokratisch gewählte Regierung Venezuelas eingesetzt.

Ecuador spielt für den US-Imperialismus eine wichtige Rolle, um seine Interessen in Lateinamerika vor allem gegen China durchzusetzen. Ecuador blickt auf eine lange Geschichte der Einmischung durch die USA zurück. So ist die nationale Währung von Ecuador seit dem Jahr 2000 der US-Dollar, wie im folgenden Kapitel näher erläutert wird. Aber auch die vielen Erdöl-Vorkommen und Exporte in die USA sowie die militärisch nicht unwichtigen Galapagos-Inseln sind für die USA von Interesse. Sowohl die geographische als auch die politisch-historische Nähe zu Venezuela (unter Rafael Correa) und zum „Sozialismus des 21. Jahrhundert“ spielen eine Rolle. Aktuell versuchen die USA unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung, ähnlich wie in Mexiko 2006 oder in Kolumbien 1999, eigene Truppen und Polizisten in Ecuador zu stationieren und so den eigenen Einfluss im Land noch stärker auszuweiten.

Die Dollarisierung Ecuadors oder die Hand mit vier Fingern

Ein wichtiger Faktor für den Einfluss des US-Imperialismus in Ecuador war die Einführung des US-Dollars als nationale Währung. Alle währungspolitischen Entscheidungen werden somit von der US-Notenbank getroffen. Das Land hat keine Möglichkeit mehr, mit währungspolitischen Maßnahmen wie beispielsweise der Währungsabwertung auf ökonomische Schwankungen zu reagieren. Außerdem wird die ecuadorianische Wirtschaft auf den Export von Rohstoffen und billige Arbeitskräfte beschränkt. Für US-amerikanische Unternehmen ist es aufgrund des Dollars einfacher, in Ecuador zu investieren.

Der Einführung des Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel in Ecuador geht die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Landes voraus. Für eine umfassende Betrachtung, wäre es notwendig, die damalige globale Wirtschafts- und Finanzsituation (Anfang der 2000er) genauer zu betrachten, was an dieser Stelle nicht geleistet werden kann. Stattdessen soll sich auf die innenpolitischen Entwicklungen konzentriert werden. Die Dollarisierung Ecuadors ist kein Sonderfall, die Übernahme des US-Dollars wurde bereits in verschiedenen Ländern Lateinamerikas diskutiert.4 Panama führte den Dollar bereits 1904 ein. Seit 2001 ist der salvadorianische Colón fest an den US-Dollar gekoppelt und die Zentralbank gibt seitdem keine neuen Colones mehr heraus.5 In Ecuador waren die zentralen Antreiber der Dollarisierung die Industrie- und Handelskammern, die die Dollarisierung als Ausweg aus der Krise beworben und etablierten die Strategie zunehmend in der öffentlichen Meinung sowie in der Politik. Deren Hauptargumente für eine Dollarisierung waren sinkende Zinssätze und Inflationsraten sowie der Wegfall des Wechselkursrisikos. Die Einführung des Dollar wurde als „Rettungsanker“ gegen die Krise im Land dargestellt.6

Diese Entwicklung, die viele als „Aufgeben der nationalen Souveränität des Landes“ bezeichnen, verlief keineswegs friedlich. Nachdem der damalige Präsident Jamil Mahuad Witt am 9. Januar 2000 in einer Fernsehansprache offiziell die Dollarisierung zu einem Wechselkurs von 25.000 Sucre / 1 US-Dollar verkündete, um angeblich die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise zu beenden, bildete sich ein breiter Volksprotest gegen diese Maßnahme. Bereits die neoliberalen Reformen in den Jahren davor sorgten für eine massive Verarmung der Bevölkerung und zu einer Zuspitzung der Klassenkämpfe in Ecuador. Die USA unterstützten die Pläne der Dollarisierung sofort. Teams vom Internationalen Währungsfond (IWF) sowie der damalige Chefökonom der Interamerikanischen Entwicklungsbank (gegründet 1955 mit Sitz in Washington) Ricardo Hausmann wurden nach Ecuador entsandt, um die Ausgestaltung des Dollarisierungsgesetz zu verhandeln.7

Bereits am 11. Januar, nur zwei Tage nach der Ankündigung der geplanten Dollarisierung, gründete sich ein Alternativparlament und ein Volkskongress, der zu einem allgemeinen Volksaufstand gegen die „antipatriotische“ und „verfassungswidrige Entscheidung der Dollarisierung“ aufrief.8 Nachdem sich der Chef der Streitkräfte, General Carlos Mendoza, den Forderungen der Volksbewegungen anschloss, besetzten Demonstranten der CONAIE (Dachorganisation eines Großteils der indigenen Völker Ecuadors) und rebellische Offiziere den Kongress und den Obersten Gerichtshof. Sie riefen eine Regierung der nationalen Rettung aus, die aus dem CONAIE-Präsidenten Antonio Vargas, dem General Mendoza sowie einem ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshof bestand.9

Vor dem Hintergrund des Wahlsieges von Hugo Chavez in Venezuela im Dezember 1998 intervenierten die USA jedoch aggressiv gegen eine mögliche Volksregierung in Ecuador und wirkten massiv auf General Mendoza ein. So wurde mit der Einstellung von Finanzhilfen sowie einer politischen und ökonomischen Isolierung des Landes, ähnlich der gegen Kuba verhängten Blockade, gedroht.10 Mendoza knickte ein und erklärte den Putsch nach wenigen Stunden für beendet Er ernannte den bisherigen Vizepräsidenten Noboa Bejerano zum neuen Staatsoberhaupt, welcher unmittelbar vom Kongress bestätigt wurde und bereits am 22. Januar die Fortsetzung der Dollarisierung ankündigte.11 Am 29. Februar wurde das Ley para la Transformación del Ecuador (Gesetz für die Transformation in Ecuador) im Kongress mit einer sehr knappen Mehrheit von 65 der insgesamt 123 Stimmen angenommen. Ab Mitte Februar wurde dem Kongress ein IWF-Team, eine US-Delegation und eine Unterstützungsmission der OAS zur Seite gestellt, die aktiv in die Reformdiskussion eingriffen. So knüpfte beispielsweise die US-Regierung die ökonomische Hilfe für Ecuador an die Bedingung, dass die Dollarisierung samt komplementärer Reformen umgesetzt wird. Außerdem koppelte der IWF die Freigabe eines ersten Kredits an die Modifikation einzelner Regelungen im Gesetzespaket.12 Diese Eingriffe in die Innenpolitik von Ecuador müssen als finanzpolitische Erpressung bezeichnet werden.

Ab dem 1. April 2000 ist der US-Dollar offizielles Zahlungsmittel in Ecuador. Obwohl die Zentralbank Ecuadors weiter existierte, hat sie keine Möglichkeit der Geldschöpfung. Dadurch wurde ein finanzpolitisches Steuerungsinstrument aus der Hand gegeben, denn die US-Notenbank wird bei ihren Entscheidungen bzgl. des Leitzins keine ecuadorianischen Wirtschaftspolitiker miteinbeziehen. In einem Interview bezeichnet der ecuadorianische Ökonom Alberto Acosta die Dollarisierung als „einen Souveränitätsverlust“ und Ecuador als eine „Hand mit vier Fingern“. Die Einführung des Dollars diente als politisches Werkzeug, um die Umsetzung der neoliberalen Strukturanpassungsprogramme zu beschleunigen. Die Dollarisierung sei eine „Zwangsjacke, um eine Rücknahme der neoliberalen Strukturanpassungsmaßnahmen im Falle eines Regierungswechsels zu verhindern“.13 Für die transnationalen Unternehmen Nordamerikas ist es einfacher, in dollarisierte Wirtschaften zu investieren, als in solche, die ihre eigene Währung behalten und bei denen somit das Risiko der Währungsabwertung besteht. Jeder externe Wirtschaftsschock schlägt sich direkt auf die ecuadorianische Wirtschaft nieder, ohne dass der Staat mit währungspolitischen Maßnahmen diese Schocks abschwächen kann. Acosta beschreibt als ein großes Problem des Landes, dass Ecuador nur die verstärkte Erdölförderung und der Ausverkauf von billigen Arbeitskräften bleibt. Ein Jahr nach der Einführung des Dollars lag die Inflation, welche angeblich mit dem Dollar gestoppt werden sollte, bei 91 % und damit weit höher als im Vorjahr. Mehr als eine Million Ecuadorianer haben ihr Land auf der Flucht vor Armut verlassen. Die Preissteigerungen und die neoliberalen Reformen ließen die Armut im Land auf über 70 % steigen. Die Fahrpreise verteuerten sich um durchschnittlich 75 % und die Preise für Gasflaschen zum Kochen um 50 %. Die Erhöhung der Armenhilfe um einen Dollar erschien der Bevölkerung als Beleidigung, wodurch noch mehr Unmut ausgelöst wurde.14 Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CEDATOS im September 2000 zeigte, dass 76 % der Ecuadorianer gegen den Dollar als Leitwährung waren und nicht wenige sahen darin einen Schritt zur Kolonisierung des Landes durch die USA.15

Die Strategie des US-Imperialismus in Lateinamerika, als Hegemon auf dem Kontinent zu agieren und in allen Ländern einen Markt für Rohstoffexporte und billige Arbeitskräfte für die US-Monopole zu schaffen, ging durch die Dollarisierung Ecuadors zumindest teilweise auf. Mit dem Wahlsieg Rafael Correas im Jahr 2007 änderte sich diese Entwicklung zum Teil, auch wenn der Dollar während seiner Präsidentschaft nicht abgeschafft wurde. Correa beschrieb seine politische Richtung als Revolución Cuidadana (Bürgerrevolution), was den Wahlwillen des Volkes für ein selbstständiges Ecuador ausdrücken sollte. Bürgerrevolution deshalb, weil die Ecuadorianer sowohl Rafael Correa an der Wahlurne zum Präsidenten als auch 2008 eine neue Verfassung wählten.

Die „Bürgerrevolution“ – Ein Stopp der Neoliberalisierung Ecuadors

Das Projekt der Bürgerrevolution begann mit der Präsidentschaft von Rafael Correa im Jahr 2007, der mit dem Parteienzusammenschluss Alianza País (AP) antrat. Dieser wurde auch von den beiden kommunistischen Parteien Ecuadors (Partido Comunista de Ecuador und Partido Comunista Ecuadoriano) in Teilen unterstützt. Die Bewegung verlor allerdings im Laufe der Zeit einige Unterstützer, wie auch den indigenen Dachverband CONAIE, nicht zuletzt deswegen, weil es Konflikte in Bezug auf den Abbau von Erdöl und Rohstoffen in Ländern der indigenen Bevölkerung gab.

Die neue Verfassung, welche mit 63 % Zustimmung verabschiedet wurde, forderte neben einer kostenlosen Bildung und Gesundheitsversorgung auch einen „Rat für Bürgerbeteiligung und soziale Kontrolle“ als vierte Gewalt. Dieser Rat besteht aus Volksvertretern und wird vom Volk direkt gewählt. Eine dauerhafte Präsenz von ausländischen Truppen wurde nach der neuen Verfassung verboten und der Zugang zu Agrarland staatlich reglementiert.16 Die indigene Kultur und die Gesellschaftsprinzipien sollen zudem anerkannt werden. Es wurde sich an Entwicklungen in Venezuela oder Bolivien orientiert und ein Ende des Neoliberalismus vorausgesagt.17 In der Zeit seiner Amtszeit setzte Correa mehrere Reformen um, die die Situation der armen Bevölkerungsteile etwas verbesserte. So konnte auch durch die Verankerung in der Verfassung ein besserer Zugang zu Gesundheit und Bildung ermöglicht werden. Durch eine Steuerreform, die vor allem die Reichsten zur Kasse bat, verdoppelten sich die Staatseinnahmen. In der Folge wurde der Mindestlohn erhöht und Sozialhilfe von 35 bzw. 50 Dollar eingeführt. Eine Neuerung des Mediengesetzes verbot zumindest auf dem Papier, dass die Eigentümer von Medien wirtschaftliche, finanzielle oder produktive Institutionen sein dürften.18 Um eine Alternative zum Erdölexport zu schaffen, wurde ein Minengesetz verabschiedet, das multinationalen Konzernen unter Auflagen eine Erlaubnis zum Bergbau gibt, was von der CONAIE heftig kritisiert wurde, da sie fürchten vertrieben zu werden.

Correa sprach vom Sozialismus des 21. Jahrhundert, in Anlehnung an Venezuela und Bolivien, wandte sich allerdings nie vom Kapitalismus ab und bestätigte auch, dass „das Modell der Kapitalakkumulation nicht ersetzt wurde“. Eine konsequente Abkehr vom Dollar, als Leitwährung suchte er nicht. In einem Interview im August 2016 mit Sputnik äußerte er sich bezüglich des Dollars folgendermaßen: „Sobald die Dollarisierung umgesetzt ist, würde ein Austritt (…) wirtschaftliches, soziales und politisches Chaos verursachen. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als die Dollarisierung aufrechtzuerhalten, uns aber der Einschränkungen sehr bewusst zu sein. […] Aber jetzt bleibt uns nichts mehr, als mit der Dollarisierung fortzufahren, sie zu stärken, ihre ernsten Probleme zu mildern und zu versuchen, ihre wenigen Chancen zu nutzen.“19

Trotz alledem dürfen die positiven Aspekte, insbesondere auch in der Außenpolitik, nicht vergessen werden. Das Abkommen für den Erhalt der US-Militärbasis in der Küstenstadt Manta (2009) wurde beispielsweise nicht erneuert, sodass die US-Truppen das Land verlassen mussten. Ebenso mussten alle Militärs der School of America und des Instituts für Sicherheitskooperation der westlichen Hemisphäre zurückgezogen werden und nach den Enthüllungen von Wikileaks wurden die US-Botschafter des Landes verwiesen. Ecuador gab unter Correa wichtige Impulse für die interamerikanischen Organisationen UNASUR, ALBA und CELAC, die alle eine stärkere Politik zwischen den lateinamerikanischen Ländern ohne die USA anstreben. Außerdem wurde Julian Assange politisches Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London gewährt. Correa verurteile die Bombardements Israels in Gaza und zog den ecuadorianischen Botschafter aus Israel nach dem Angriff der Zionisten auf Mavi Marmara ab.20

Letztendlich muss die Bürgerrevolution als sozialdemokratisches Projekt, das für die armen Teile der Bevölkerung einige Verbesserungen bedeutete, betrachtet werden. In den letzten Jahren der Bürgerrevolution erlebte Ecuador zwar eine wirtschaftliche Rezession, welche vor allem auf den Rückgang des Rohstoffpreises zurückzuführen ist. Dennoch hatte sich der Anteil der armen Bevölkerungsteile auf rund 23 % verringert.21 Auch die nationale Selbstbestimmung wurde in Teilen gestärkt, indem die Präsenz von US-Truppen per Verfassung verboten wurde und diese auch physisch des Landes verwiesen wurden. Der Austausch zwischen den Ländern Lateinamerikas, insbesondere Venezuela, Bolivien und Kuba, wurde verstärkt, was dem US-Imperialismus Einflusssphären versperrte und dem ecuadorianischen Volk Spielräume öffnete. Hier wird deutlich, dass die Rolle der Sozialdemokratie in Lateinamerika nicht mit der Sozialdemokratie in Deutschland oder mit der in anderen imperialistischen Zentren gleichgesetzt werden kann.

Nachdem Correa bei der Präsidentschaftswahl 2017 angekündigt hatte, nicht mehr bei der Wahl anzutreten, erhofften sich viele Ecuadorianer eine Fortführung der Bürgerrevolution unter dem Kandidaten Lenin Moreno, der von 2007 bis 2013 als Vizepräsident fungierte. Diese Hoffnung wurde jedoch schnell ausgeräumt. Das Parteienbündnis AP spaltete sich in der Folge der sich nach rechts verschobenen Politik unter Moreno. Moreno wechselte die Parteiführung aus, woraufhin Correa und seine Anhänger austraten. Über die Frage, warum Moreno sich von der Bürgerrevolution lossagte und einen neoliberalen Kurs anstrebte, kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Es ist allerdings klar, dass die Politik Morenos im Interesse der USA lag. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese im Hintergrund mit Moreno Verabredungen getroffen haben.

Rückkehr des Neoliberalismus und „Plan Ecuador“

Im März 2019 unterschrieb Moreno einen Deal mit dem IWF und der Weltbank für einen Kredit über 4,2 Milliarden Dollar. Die Bedingung war, wie bei IWF-Krediten üblich, die staatlichen Ausgaben, insbesondere im sozialen Bereich, massiv zu kürzen und damit Angriffe auf die Rechte der Arbeiterklasse durchzuführen. So sollten die Treibstoff-Subventionen aufgehoben, die Probezeit für Beschäftigte verlängert, der Kündigungsschutz aufgeweicht und mehr Teilzeit ermöglicht werden.22 Außerdem sollte die Privatisierung öffentlicher Unternehmen wie Fluggesellschaften, Versorgungsunternehmen und anderer Unternehmen in öffentlichem Besitz erfolgen.23 Die neoliberalen Reformen wurden mit massivem Widerstand aus der Bevölkerung beantwortet. Dem begegnete der Staat mit starker Repression. Ende 2019 waren die Treibstoffsubventionen zwar vorübergehend wiederhergestellt, allerdings hatten die Proteste mindestens zehn Tote sowie Hunderte Verletzte und Verhaftete zu beklagen. Die Armut nahm zu, ebenso die Kriminalität.

Aktuell erlebt Ecuador eine Welle der Gewalt. Die Mordrate des Landes stieg von 12,4 Opfern pro 100.000 Einwohner im Jahr 1997 auf 17,1 im Jahr 2007 (erster neoliberaler Zyklus) und sank bis 2017 (Erfolge der Politik der Bürgerrevolution) auf 5,8.24 Bis 2022 stieg sie erneut auf 26,2. Im Jahr 2023 lag sie bei 46, also mehr als fünfmal so hoch wie unter Correa und damit für 2023 die höchste in ganz Lateinamerika.25 Der Höhepunkt der Gewalt gegen Politiker war die Ermordung des Präsidentschaftskandidaten Fernando Villavicencio zwei Wochen vor den Wahlen 2023.

Die Gründe dafür liegen sowohl in der massiven Verarmung der Bevölkerung in Folge der neoliberalen Reformen als auch in der Zunahme von Drogenkartellen. Der Sozialwissenschaftler Fernando Carrión sieht hierfür mehrere Ursachen: die Verlagerung des Kokain-Geschäfts von Kolumbien nach Ecuador, die Lieferung peruanischer Waffen, die Integration lokaler Banden in das „globale Verbrechernetzwerk“ mit Kartellen und Mafias und nicht zuletzt die vereinfachte Geldwäsche im Land aufgrund der Möglichkeit der Dollarisierung.26 Offen bleibt auch die Frage, welche Rolle der Rückzug der FARC-EP in Gebieten im Süden Kolumbiens an der Grenze zu Ecuador hatte, als diese ihre Waffen abgaben. In der Folge sind viele paramilitärische und kriminelle Gruppen in die ehemals FARC-kontrollierten Gebiete einmarschiert, haben die lokale Bevölkerung terrorisiert und zwanghaft in ihre Arbeit eingebunden. Wer sich weigerte, wurde umgebracht. Zwar haben sich Teile der FARC 2019 wieder dem bewaffneten Kampf verschrieben, allerdings konnten bis dahin bereits viele Länder und Regionen von den Kartellen infiltriert werden. Es liegt nahe, dass der Rückzug der FARC es den kriminellen Banden ermöglichte, nach Ecuador zu expandieren und das Land für Geldwäsche zu nutzen. Aufgrund des kaputt gesparten Sicherheitsapparates und dem mangelnden politischen Interesse konnte dies größtenteils ungestört geschehen.

Anfang 2024 sah sich der Präsident und Großunternehmer Noboa dann doch genötigt Schritte gegen die Kartelle zu unternehmen. Per Dekret verhängte er den Ausnahmezustand und rief den „internen bewaffneten Konflikt“ gegen 22 „terroristische“ Organisationen“ aus, die dadurch zu militärischen Zielen geworden sind. Dass dieses Dekret selbstverständlich auch gegen linke Organisationen und Proteste gegen den Neoliberalismus genutzt werden kann, liegt auf der Hand. Vorausgegangen waren Gefängnisaufstände, wo zahlreiche Menschen umgebracht wurden. Bewaffnete Banden haben ein TV-Studio während des laufenden Betriebs gestürmt und die Angestellten bedroht.27 Ebenso wurden Polizisten gezielt getötet und Autobomben gelegt. Diese Gewalt wird von den USA genutzt, um den Einfluss im Land zu erhöhen und unter dem Deckmantel der „Drogenbekämpfung“ zu intervenieren. So wurde die Leiterin des Southern Command Laura Richardson sowie hochrangige Beamte aus dem Bereich der Drogenbekämpfung nach Ecuador geschickt, um gemeinsam mit der Regierung „zu prüfen, wie die Kriminalität bekämpft werden kann“. Ecuador wurde im Zeitraum von 2021 bis 2022 zum wichtigsten Empfänger von US-Militärhilfe in der Region.

Am 15. Dezember 2022 wurde im US-Kongress ein Gesetz verabschiedet, das ausschließlich für Ecuador gilt und den Einfluss der USA langfristig sichern soll. Der sogenannte „United States-Ecuador Partnership Act“ gilt für militärisches und ziviles US-Personal (Angehörige der Streitkräfte sowie Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums) und US-Auftragnehmer. Diesen Personen und Organisationen werden Vorrechte, Befreiungen und Immunitäten gewährt, die denen von diplomatischen Vertretungen entsprechen. Das bedeutet auch, dass die ecuadorianischen Gesetze nicht für diese Personen / Gruppen gelten. Sie sind von Steuern und ähnlichen Abgaben befreit und dürfen eigene Geräte und Eigentum in das Hoheitsgebiet Ecuadors einführen, aus diesem ausführen und dort verwenden. Kontrollen und Zölle gelten dafür nicht. Flugzeuge, Schiffe und Fahrzeuge des Verteidigungsministeriums dürfen sich frei in Ecuador bewegen und unterliegen keiner Maut oder Landestransit.

Die Kommunistische Partei Ecuador beschreibt das Gesetz treffend als offene Einmischung in den ecuadorianischen Staat. Das transnationale Kapital in Ecuador soll so verteidigt und das Land zu einem geopolitischen Kontrollpunkt gemacht werden, der die US-amerikanische Hegemonie in Lateinamerika festigt.28 Somit wäre auch gewährleistet, dass die US-Streitkräfte und Mitarbeiter der DEA und des US-Verteidigungsministeriums Drogen und Waffen in das Land und außerhalb des Landes schaffen, ähnlich wie sie es bei der Finanzierung der Contras in Nicaragua gemacht haben. Was aktuell in Ecuador passiert, gleicht einem „Plan Ecuador“, ähnlich wie dem „Plan Colombia“, eine Strategie der damaligen kolumbianischen Regierung und der US-Regierung zur „Drogen- und Aufstandsbekämpfung“. Dabei ging es vorrangig um die Zurückdrängung der sich auf dem Vormarsch befindenden FARC, die in einer Medienkampagne als böses Drogenkartell dargestellt wurde, um sie zu bekämpfen. Das Resultat waren tausende Todesopfer, Verschwundene, Verfolgte, Verwundete und Millionen Vertriebene.29 Durch den „Plan Colombia“ konnten die USA ihre Interessen im Land nahezu problemlos umsetzen: Förderung von Öl, Kohle und Gold, Erwerb von Rohstoffen zu billigen Preisen sowie der Erhalt von sieben Militärbasen im Land, die gegen die kolumbianische Souveränität verstoßen und zu denen das Volk nie befragt wurde.30

Die Entwicklungen in Ecuador, aber auch in den anderen lateinamerikanischen Ländern wie Peru, Bolivien und Argentinien zeigen, wie stark der US-Imperialismus auf dem Kontinent um seine Vorherrschaft kämpft. Damit einher gehen nicht nur die Stationierung eigener Truppen, sondern auch koordinierte Militärübungen in Zusammenarbeit mit Verbündeten. So fand zwischen dem 28. Mai und dem 14. Juni 2024 die multinationale Militärübung „Resolute Sentinel 2024“ statt, die seit dem Jahr 2021 unter Führung des Southcom geplant und durchgeführt wird. 2023 genehmigte die peruanische De-facto Präsidentin Diana Boluarte, nachdem sie den gewählten Präsidenten Castillo weggeputscht hatte und von den USA direkt als legitime Präsidentin anerkannt worden war, die Einreise von US-Militärs ins Land. Im gleichen Jahr fand die Übung „Resolute Sentinel 2023“ statt, an den Truppen aus Kolumbien, Chile, Brasilien, Ecuador, Uruguay, Panama und Großbritannien teilnahmen.31

Zunehmende Kämpfe in Lateinamerika

Der Kampf um die Aufteilung läuft und Lateinamerika wird zunehmend in diesen Kampf hineingezogen. Ecuador spielt für den US-Imperialismus eine besondere Rolle, sowohl als billiger Rohstofflieferant als auch als Aufmarschgebiet für zukünftige Kriege. Die Herrschaftsstrategie der USA in Ecuador ist es, das Land ausbluten zu lassen und unter dem Vorwand der „Stabilität“ militärisch zu intervenieren. Dafür braucht es eine unterwürfige Kompradoren-Klasse im Land, die US-hörig ist und mit harter Repression gegen das eigene Volk vorgeht. Das Chaos und die Kriminalität in der ecuadorianischen Gesellschaft schaffen zusätzliche Verunsicherung und Angst.

Dass die Ecuadorianer unter Rafael Correa nicht im Sozialismus gelebt haben, aber deutlich bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen hatten, ist klar geworden. Die Bedingungen für die Organisierung und politischen Kämpfe waren unter Correa wesentlich besser als unter Moreno und seinen Nachfolgern. Auch außenpolitisch betrachtet agierte Ecuador unter Correa eigenständiger als heute und positionierte sich international zum Teil klar gegen die USA, beispielsweise in Bezug auf Kuba, Nicaragua, Venezuela oder Palästina. Man darf nicht den Fehler machen, die Entwicklung unter Correa als widerspruchslos zu betrachten, ebenso wie die unter Maduro in Venezuela. Wenn die Alternative allerdings eine ultrarechte und neoliberale Regierung ist, die das Land zum Ausverkauf freigibt und ausländische Truppen in das Land lässt, so muss sich jeder fragen, welche Alternative es realpolitisch gibt und was diese Alternativen konkret bedeuten. Wie an dem Beispiel Ecuador herausgearbeitet wurde, muss die Sozialdemokratie in Lateinamerika anders eingeschätzt werden als die im imperialistischen Zentrum, wo eine sozialdemokratische Regierung wenig Unterschied bedeutet bzw. teilweise aufgrund ihrer integrativen Funktion noch offensiver vorgehen kann.

Diese Frage stellt sich nicht nur in Ecuador, sondern auch in Bolivien, wo nächstes Jahr Präsidentschaftswahlen stattfinden. Der gescheiterte Putschversuch gegen den Präsident Luis Arce 2024 und der erfolgreiche Putsch im Jahr 2019 sollten eine Warnung sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch in Venezuela, Nicaragua und Kuba die Destabilisierungs- und Umsturzversuche zunehmen werden. In Lateinamerika geht es den USA vor allem darum, unliebsame Regierungen zu entfernen und stattdessen Marionettenregierungen einzusetzen. Folglich steht eine Verteidigung der Länder, die sich dem US-Imperialismus nicht unterwerfen wollen, auf der Tagesordnung. Dafür braucht es eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der antiimperialistischen Widerstandsbewegungen in Lateinamerika und ihrer Verfasstheit heute. Unsere Aufgabe sollte es sein, die Kämpfe der Sandinisten in Nicaragua, der Revolutionäre auf Kuba, der FARC in Kolumbien oder Chavez´ in Venezuela zu studieren und von ihnen zu lernen.

1 https://www.bloomberglinea.com/2022/07/08/el-top-10-de-las-empresas-mas-grandes-del-ecuador/ (zuletzt aufgerufen am 28.07.2024)

2 https://www.migrationpolicy.org/article/ecuador-emigracion-migracion-venezolanos (zuletzt aufgerufen am 29.06.2024)

3 Artikel 3 Absatz 1 des Vertrages: „Die Hohen Vertragsparteien sind sich darüber einig, daß ein bewaffneter Angriff eines Staates gegen einen amerikanischen Staat als ein Angriff gegen alle amerikanischen Staaten anzusehen ist, und daß folglich jede der genannten Vertragsparteien sich verpflichtet, in Ausübung des in Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen anerkannten Rechts auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung bei der Abwehr des Angriffs Hilfe zu leisten.“ (Übersetzung aus dem Englischen). http://www.oas.org/juridico/english/treaties/b-29.html (zuletzt aufgerufen am 30.06.2024)

4 Jonas Wolff. Die Dollarisierung Ecuadors. https://www.jstor.org/stable/resrep14588.7

5 Informationsstelle Lateinamerika (ILA). Dollarisierung Lateinamerikas. 2001. S.5-6

6 Jonas Wolff. Die Dollarisierung Ecuadors. https://www.jstor.org/stable/resrep14588.7

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Informationsstelle Lateinamerika (ILA). Dollarisierung Lateinamerikas. 2001. S.7-12

14 Informationsstelle Lateinamerika (ILA). Dollarisierung Lateinamerikas. 2001. S.26-28

15 https://www.jungewelt.de/artikel/18838.ecuador-vom-dollarland-annektiert.html (zuletzt aufgerufen am 03.07.2024)

16 https://www.asambleanacional.gob.ec/sites/default/files/documents/old/constitucion_de_bolsillo.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

17 https://www.jungewelt.de/artikel/113313.ecuador-w%C3%A4hlt-kapital-ab.html (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

18 https://amerika21.de/analyse/76914/ecuador-postneoliberal (zuletzt aufgerufen am 06.07.2024)

19 https://www.telesurtv.net/news/Correa-Dolarizacion-de-la-economia-fue-un-suicidio-monetario–20160809-0007.html (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

20 https://amerika21.de/analyse/76914/ecuador-postneoliberal (zuletzt aufgerufen am 06.07.2024)

21 https://www.jungewelt.de/artikel/337555.ecuador-zur%C3%BCck-zum-neoliberalismus.html (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

22 https://cepr.net/images/stories/reports/ecuador-imf-2019.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

23 Ebd.

24 https://amerika21.de/analyse/268451/ecuador-insel-des-friedens-failed-state (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

25 Ebd.

26 Ebd.

27 https://taz.de/Eskalation-in-Ecuador/!5984869/ (zuletzt aufgerufen am 05.07.2024)

28 https://pcecu.org/una-ley-para-ecuador-made-in/ (zuletzt aufgerufen am 04.07.2024)

29 https://amerika21.de/analyse/145289/bilanz-plan-colombia (zuletzt aufgerufen am 05.07.2024)

30 Ebd.

31 https://amerika21.de/2024/06/269829/us-southern-command-peru (zuletzt aufgerufen am 06.07.2024)

Die BRD in der rassistischen Offensive  

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Stellungnahme

Spätestens seit Solingen haben bürgerliche Politiker aller Parteien sämtliche Hemmungen verloren. Nach Gründen und Ursachen fragt keiner mehr: Abschieben, Abschieben, Abschieben ist das neue Motto. Während Finanzminister Lindner sämtliche „Denkverbote“ in der Migrationspolitik abschaffen will und die Grünen mit Aussagen wie „Gift des Islams“ anti-muslimische Hetze betreiben, fordert Friedrich Merz, Migranten „umfassend an der Grenze aufzuhalten“. Egal ob marode Schulen, Wohnungsmangel, Probleme im Bildungs- oder Gesundheitswesen, das alles ist laut CDU-Chef „Konsequenz eines von Migration überforderten Landes“. Abschiebekanzler Scholz rühmt sich derweil die „größte migrationspolitische Wende der letzten 20 Jahre“ auf die Beine gestellt zu haben und medial wird schon lange nicht mehr vor NPD-Rhetorik zurückgeschreckt.

Ganz im Stil der Zeitenwende kommen Gegenstimmen zu diesen Entwicklungen nicht mehr vor. Dabei ist offensichtlich, dass die Maßnahmen des aktuell diskutierten „Sicherheitspakets“ nicht den Zweck haben, zukünftig Gewalttaten zu verhindern. Es geht um etwas anderes: Die BRD soll für Kriegs- und Krisenzeiten fit gemacht werden.

Alle sind dabei 

Die AfD fungiert dabei seit Jahren als Antreiber dieser Entwicklungen. Sie kann sich heute stolz damit brüsten, dass die CDU ihre Migrationspolitik weitestgehend übernommen hat, während die Ampel von der „Brandmauer“ schwadroniert. Das ganze Propagandaspektakel kann allerdings schon lange nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass die Ampelregierung längst Vollstrecker der rassistischen Offensive ist. Und so rühmt sich die SPD mit gestiegenen Abschiebequoten und kritisiert AfD-Bürgermeister für das späte Einführen der Bezahlkarte. Argumentiert wird das damit, dass man nur so der AfD beikommen und Schlimmeres verhindern könne. Die Logik lautet mit rechter Politik gegen Rechte. Die Folge ist die Einbindung und Integration der liberalen „Refugees Welcome“ – Kräfte in den eigenen rassistischen Kurs. Das BSW übernimmt darin die Einbindung von friedensorientierten und linken Kräften. Während die neu gegründete Partei in der deutschen Ukraine-Politik durchaus immer wieder gegen den herrschenden Kurs schießt, war sie von Beginn an bei der rassistischen Offensive dabei. Die tatsächlichen Ursachen von Armut und Zukunftsangst – Kapitalismus, Monopolprofit und NATO-Kriegskurs – werden nicht benannt. Stattdessen nährt das BSW das Bild  einer völlig von der bisherigen Migrationspolitik überforderten Gesellschaft und verkauft Abschiebung als einzig vernünftige Alternative.

Die Rolle der Scharfmacher im Hintergrund spielen mal wieder Medien und Redakteure. Vorbereitet, gerahmt und begleitet wird die rassistische Offensive unter anderem  von islamfeindlichen und antipalästinensischen Artikeln und Reportagen.

Alles im Namen der „nationalen Sicherheit“

Die rassistische Offensive ist Teil der ideologischen Mobilmachung Deutschlands. Migranten werden stigmatisiert und missbraucht, um ein Bedrohungsszenario aufzubauen: „Importierte Antisemiten“ und „sexistische und demokratieunfähige Ausländer“ würden unsere Demokratie von innen heraus zersetzen. Während die Bedrohungslügen in der Außenpolitik noch nicht ganz ihre gewünschte Wirkung entfalten, tragen sie nach innen zur ideologischen Mobilmachung und Formierung der Volksgemeinschaft bei. Darüber hinaus wird die Grundlage zum weiteren Ausbau von Überwachung und Polizeibefugnissen geschaffen. Die Bedrohungslügen dienen zur Legitimation verschiedenster Maßnahmen, um die „nationale Sicherheit“ wiederherzustellen – die vor einem Jahr verabschiedete Nationale Sicherheitsstrategie lässt grüßen.

Ganz konkret dient die rassistische Hetze in der gegenwärtigen politischen Lage  auch der Legitimierung von Repressionen gegen die Palästina-Solidarität. Die deutsche Komplizenschaft im Völkermord soll mit allen Mitteln abgesichert werden und ganz in diesem Sinne forderte die FDP neuerdings die Einschränkung des Versammlungsrechts für Nicht-EU-Ausländer. Politisch unliebsame Migranten werden schon lange mit Abschiebungsdrohungen repressiert. Sie sollen mundtot gemacht werden, indem man sie dort trifft, wo es am empfindlichsten ist: beim Aufenthaltsrecht.

Darüber hinaus dient das Anti-Migrationsspektakel aber auch als Ventil und Ablenkung für die herrschende Krisenstimmung. Kritik an Aufrüstung, Waffenlieferungen, Sanktionen und sozialem Abstieg soll in den Hintergrund treten und stattdessen in rassistische und chauvinistische Hetze umgelenkt werden. Wie schon zuletzt während der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen soll von Kritik am Kriegskurs und Sozialabbau abgelenkt werden. In die Schusslinie werden „die Migranten“ geworfen: Spaltung als gängige Praxis der herrschenden Klasse.

Aber auch verschärfte Lohndrückerei und Sozialabbau wird mit der rassistischen Offensive durch die Hintertür weiter durchgesetzt. Künftig wird noch stärker selektiert werden: Verwertbare und kompatible Migranten – „Fachkräfte“ – sind erwünscht. Ganz im Sinne der deutschen Wirtschaft, deren Reichtum nicht zu kleinen Teilen auf der Ausbeutung ausländischer, meist osteuropäischer Arbeitskräfte, basiert. Diese sollen mit den aktuellen Verschärfungen dazu gedrängt werden, jede Arbeit anzunehmen, während gleichzeitig die Löhne gedrückt werden. Hinzu kommen Maßnahmen wie Bezahlkarten, Kürzung von Sozialleistungen und Abschiebungen, um Teile der industriellen Reservearmee loszuwerden.

Kampf dem Krieg heißt Kampf dem Rassismus und Chauvinismus

Die aktuelle rassistische Offensive stellt eine enorme Bedrohung dar. Spaltung und Aufhetzung werden immer weiter vorangetrieben, um Deutschland kriegstüchtig zu machen. Dieses gesellschaftliche Klima bietet den Nährboden für Pogrome wie sie jüngst in England stattfanden.

Es ist klar: Diese rassistische Offensive kommt von oben. Sie dient der Mobilmachung in Zeiten von Krise und Kriegsvorbereitung. Während „straffällige Migranten“ die ersten im Visier sind, werden arbeitslose oder „nicht verwertbare“ Migranten direkt nachrücken und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Linie zu politisch unliebsamen deutschen Staatsbürgern gezogen wird.

Das heißt: Kampf gegen Krieg, Aufrüstung und Verarmung heißt Kampf gegen Rassismus und Chauvinismus!

Zum Weiterlesen:

Hintergrundartikel „Migration, die Arbeiterklasse und der Imperialismus“ von Philipp Kissel

Warum die AfD keine Friedens- und Arbeiterpartei und die Ampel keine Alternative gegen Rechts ist

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Anlässlich der Landtagswahlen am 01. September

Hinweis: Anlässlich der Landtagswahlen haben wir als Kommunistische Organisation Infostände auf der Straße in Jena, Leipzig und Dresden durchgeführt. Wir haben mit Leuten darüber gesprochen, wie sie die aktuelle Politik sehen, welche Themen ihnen wichtig sind und wie sie wählen wollen. Inhaltliche Grundlage dafür war das Flugblatt Warum die AfD keine Friedens- und Arbeiterpartei und die Ampel keine Alternative gegen Rechts ist. In unserem Aktionsbericht könnt ihr unsere Eindrücke und Einschätzungen nachlesen.

Die AfD und Wehrpflicht

Die AfD will schon lange die Wiedereinführung der Wehrpflicht und hat bereits 2020 einen Antrag darauf gestellt. Auch gegen die massive Aufrüstung hat die AfD nicht viel einzuwenden. Sie hat zwar das vor zwei Jahren verabschiedete Sondervermögen für die Bundeswehr abgelehnt. Allerdings nur, weil es als Sondervermögen und nicht als dauerhaften Teil des Staatshaushalts veranschlagt war. Die AfD stellt sich zwar immer wieder gegen Waffenlieferungen in die Ukraine, ist aber nicht grundsätzlich gegen Aufrüstung. So sagte der AfD-Politiker Lucassen: „Wir hätten den Krieg nicht gebraucht, das Geld aber schon.“

Die AfD und NATO

Ein Austritt Deutschlands aus der NATO ist für die AfD keine Option. Damit befürwortet die Partei das westliche Kriegsbündnis, das für zahlreiche Kriege verantwortlich ist. Die AfD kritisiert zwar die Waffenlieferungen an die Ukraine – keineswegs aber an Israel, das mit deutschen Waffen seit nun zehn Monaten einen Völkermord in Gaza begeht und dafür vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt ist.

Die AfD und Verarmung

Für die AfD ist das Hauptübel der meisten Probleme die Migration. Die AfD verschweigt, dass die meisten Migranten wegen Krieg oder Verarmung überhaupt erst auswandern müssen. Denn Deutschland fährt Milliardengewinne durch Kriege, Ausbeutung anderer Länder oder billige Arbeitskräften aus dem Ausland ein und daran soll sich auch aus AfD-Sicht nichts ändern. Schuld an Wohnungsknappheit, Mängeln im Bildungswesen oder Gesundheitssystem sind nicht die Migranten, sondern die Privatisierungen und Sparmaßnahmen der letzten Jahre. Und dass die AfD damit kein Problem hat, zeigt ein Blick in ihr Programm. Die AfD will u. a. den Mindestlohn für ausländische Arbeiter abschaffen: Diese Spaltung von Deutschen und Migranten führt nicht zu höheren Löhnen oder mehr sozialer Sicherheit, sondern zu Lohndruck auf alle. Wer sich also der Hetze der AfD anschließt, in der Hoffnung, dass es ihm zukünftig besser geht, irrt gewaltig.

Die Ampel und Rassismus

Olaf Scholz sprach schon im Oktober davon, dass in großen Stil abgeschoben werden müsste. Wenig später verabschiedete die Ampel das `Rückführungsverbesserungsgesetz`. Klingt zwar schöner als `Remigration`, schlägt aber in die gleiche Kerbe. Neben der Asylrechtsverschärfung wird die Kriminalisierung von Migranten vorangetrieben: Ein neues Gesetz, soll bei kriminellen Handlungen eine schnelle Abschiebung möglich machen. Anstatt eines juristischen Prozesses und eine dementsprechend verhängte Strafe, greift die Ampel zum rassistischen Strafmittel der Abschiebung.

Die Ampel und Krieg

Aus den anfänglichen Helmlieferungen an die Ukraine wurden schnell Waffen und Panzer – jetzt ist Deutschland Kriegspartei und Rheinmetall feiert Milliardengewinne. Doch auch die Waffenlieferungen an Israel haben sich durch die Ampel vervielfacht. Israel begeht seit Oktober einen Völkermord in Gaza und sitzt deswegen auf der Anklagebank vor dem Internationalen Gerichtshof, so wie auch Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord angeklagt ist. Doch diese Kriegseinsätze sind nicht die ersten der Ampelparteien: 1999 stimmten SPD und Grüne für den Kriegseinsatz der Bundeswehr im Jugoslawien-Krieg.

Die Ampel und Faschisten

Die Ampel beteiligt sich an Protesten gegen die AfD und gibt sich anti-faschistisch. Gleichzeitig unterstützt sie faschistische Kräfte im Ausland, wie in der Ukraine und Israel. Die Ampel hat kein Problem mit der ukrainischen Regierung, die faschistische Kräfte wie das Asow-Bataillon in die Armee integriert, sich auf ehemalige Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera bezieht oder die meisten Oppositionsparteien verboten hat. Auch mit Israel ist die Ampel uneingeschränkt solidarisch. Unabhängig davon, dass es sich um einen international anerkannten Völkermord handelt und israelische Politiker regelmäßig in faschistischer Manier zur Vernichtung des palästinensischen Volkes aufrufen.

Wer Ampel und AfD wählt, wählt Armut, Krieg und Zukunftsangst!

Es ist Sand im Kriegsgetriebe

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Aktionsbericht zu den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen

Sachsen und Thüringen haben gewählt. In Thüringen siegte die AfD, in Sachsen mit knappem Vorsprung die CDU. Die Wahlen sind schon seit Wochen bestimmendes Thema in Medien und Politik. Als Kommunistische Organisation haben wir im August Aktionen auf der Straße in Dresden, Leipzig und Jena durchgeführt. Wir sind dabei mit vielen Menschen darüber ins Gespräche gekommen, wie sie die aktuelle Politik sehen, welche Themen ihnen wichtig sind und wie sie wählen. Inhaltliche Grundlage war unser Flugblatt Warum die AfD keine Friedens- und Arbeiterpartei und die Ampel keine Alternative gegen Rechts ist, die sich mit den in die AfD und Ampel gesetzten Illusionen beschäftigte.

Unsere Gespräche können nicht repräsentativ verstanden werden. In Kombination mit veröffentlichten Meinungsumfragen und den politischen Begleitereignissen zur Wahl können wir jedoch festhalten: Viele in Ostdeutschland wollen nicht kriegstüchtig werden. Die Zukunftsangst angesichts der Kriege und sozialen Verarmung ist groß. Als Ventil für diese Krisenstimmung fungiert meist rassistische Hetze. Diese ist nicht immer tief verankert, sondern äußert sich bei vielen diffus. Der Rassismus ist auch nicht in der „DNA Ostdeutschlands“ angelegt, wie es von Medien und Politik gerne dargestellt wird, sondern wurde von Staat und Kapital aktiv gefördert und aufgebaut. Die Wahl zeigt außerdem: Der Rechtsruck in der herrschenden Politik hat sich längst vollzogen, Widerstand dagegen fehlt.

Ostdeutschland ist (noch) nicht kriegstüchtig

Schon im Vorfeld der Wahl war klar, dass die Themen Krieg, Waffenlieferungen und Aufrüstung mit zu den zentralen Themen des Wahlkampfes zählten. Laut einer Umfrage der Zeitschrift Emma nannte mehr als die Hälfte der Befragten diese Fragen wahlentscheidend.1 Auch in unseren Gesprächen auf der Straße äußerten gerade Jugendliche und junge Erwachsene, dass sie Angst vor Krieg oder Wehrpflicht hätten. Auch wenn die Hintergründe zum Ukraine-Krieg und v. a. die Rolle der NATO als Kriegsaggressor oft nicht bekannt sind, wollen viele nichts mit einem Krieg gegen Russland zu tun haben. Äußerungen wie „Für dieses Deutschland nehme ich keine Waffe in die Hand, denn davon habe ich nichts.“ waren in unseren Gesprächen keine Seltenheit. Die von Pistorius postulierte Kriegstüchtigkeit hat sich also noch nicht vollkommen durchgesetzt.

Gerade das machte den Wahlkampf für die Ampelparteien so schwer, denn sie repräsentieren den aktuellen Kriegskurs. So wurde schon im Vorfeld der Wahl aggressiv betont, dass es sich um eine Landtagswahl handle und außenpolitische Fragen darin nichts zu suchen hätten. Ganz nach dem Motto: Je öfter und lauter wir das verkünden, desto eher vergessen die Leute, was ihnen eigentlich wichtig ist. Der SPD-Spitzenkandidat für Thüringen Georg Maier tönte, dass das Thema Krieg nur dafür genutzt werde, um von den wirklich wichtigen Fragen wie Renten und Löhne abzulenken.2 Kevin Kühnert fügte noch hinzu: Die SPD sei die einzige Partei, die wirklich erkannt habe, was die Alltagssorgen der Menschen in Ostdeutschland seien, nämlich die sozialen Fragen. Krieg und Frieden seien reiner Populismus.3 Dass man mit dieser arroganten Haltung keine Mehrheiten gewinnt, zeigen die Wahlergebnisse der SPD. Wenig förderlich für die Selbstinszenierung der SPD als Armutsretterin ist sicherlich auch, dass sie mit den Hartz-Reformen maßgeblich für Verarmung, Arbeitslosigkeit und Niedriglohn verantwortlich ist.

In der Kriegsfrage spielte das neu angetretene BSW eine nicht unwichtige Rolle, indem es u. a. die Haltung zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen im Vorfeld der Wahl als entscheidend für die Koalitionsbildung nannte. Dies traf beim möglichen Koalitionspartner CDU auf harsche Kritik.4 Aktuell ist noch schwer einschätzbar, ob das BSW an seiner Haltung festhalten wird und es künftig mehr Auseinandersetzungen um die stramm vorwärts marschierende Zeitenwende-Politik geben könnte. In unseren Gesprächen war zumindest auffällig, dass es maßgeblich die Kriegsfrage ist, die Personen zur BSW-Wahl motiviert hat. Diesen Eindruck konnten wir in den Gesprächen mit AfD-Wählern hingegen eher nicht gewinnen. Hier war die Frage von Krieg und Frieden zwar nicht unwichtig, aber Migration stand an erster Stelle.

Rassismus als Ventil für die Krisenstimmung

Die Angst vor Krieg und Verarmung war in unseren Gesprächen allgegenwärtig, wird jedoch kaum in Organisierung übersetzt. Stattdessen führt sie zu Rückzug, Passivität und diffuser Angst und wird von der herrschenden Politik erfolgreich in Rassismus überführt. Der Vorfall rund um das Stadtfest in Solingen kurz vor der Wahl zeigte dann wie im Brennglas: Die Migrationsfrage ist zum Ventil der herrschenden Krisenstimmung geworden. Anstatt die Ursachen einer solchen Tat zu analysieren, war allen Beteiligten in Politik und Medien direkt klar: Abschiebung und noch härtere Repression sind die Lösung. Dass die Bundesregierung wenige Tage später das sogenannte Sicherheitspaket auf den Weg brachte, ist kein Zufall: Diese Maßnahmen lagen schon in der Schublade und haben mit Solingen den Anlass zur Vollstreckung gefunden. Ebenso ließ der Abschiebeflug von 28 Afghanen alle jubeln. Einzig der Umstand, dass dies „nicht zu einer Legitimation der Taliban führen“ (Omid Nouripour) dürfe, ließ manche etwas zweifeln.5 Während in den Tagen vor Solingen noch die Frage nach der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen die Debatte bestimmte, war danach die Hauptfrage, wie man effektiver Abschiebungen realisieren könne. Die Ampel hat es geschafft, von dem für sie schwierigsten Thema des Wahlkampfes abzulenken.

Die seit ungefähr einem Jahr laufende „Wir können nicht mehr“-Kampagne in Bezug auf Migration hat sich weitestgehend durchgesetzt. Die Frage danach, wen, wann und warum Migration überfordere, wird dabei gar nicht mehr gestellt, sondern von vornherein als Tatsache gesetzt. Auch in unseren Gesprächen bezogen sich viele Menschen auf sinkende Löhne, steigende Preise, fehlende Wohnungen oder Kriminalität. Dass die Ursache dieser Probleme nicht in der Migration liegt, sondern in der Lohndrückerei, in der Steigerung der Monopolprofite oder im fehlendem sozialen Wohnungsbau, war zum Teil schwer vermittelbar. In manchen Gesprächen war aber auch Offenheit für eine Richtigstellung in diesen Fragen vorhanden. Es wurde deutlich, dass hier ein großes Arbeitsfeld liegt. Denn solange sich die Krisenstimmung in rassistische Hetze entlädt, ist die herrschende Kriegs- und Verarmungspolitik nicht gefährdet.

Die AfD: Ein Projekt von oben

Der angesprochene Rassismus wird von Medien und Politik gerne als historisch in der DDR gewachsenes Phänomen Ostdeutschlands dargestellt. So kann die eigene Verantwortung von sich gewiesen und gleichzeitig noch DDR-Bashing betrieben werden. Dass dazu teilweise die absurdesten Erklärungsmuster angeführt werden, stört wenig.6 Manche, denen das dann doch zu plump ist, erwähnen daher auch den sozialen Niedergang nach der Konterrevolution als Nährboden für rechte Kräfte. Aber auch das ist zu einfach: Armut führt nicht einfach zu Rassismus, wie es teilweise auch von Linken manchmal behauptet wird. Dazu braucht es politische Kräfte, die diesen Zusammenhang konstruieren und propagieren. Ohne hier groß auf die Hintergründe eingehen zu können, muss festgehalten werden: Die AfD ist ein politisches Projekt von oben. Auch wenn sie sich selbst gerne als `Volkspartei` inszeniert, ist sie keine Partei, die aus der Bevölkerung heraus entstanden oder gewachsen ist. Sie wurde von vorrangig von westdeutschen Kadern aufgebaut und dabei von politischen Kräften und Teilen des Kapitals eifrig unterstützt.

Umfragen zeigen, dass die Hauptmotivation für die Wahl der AfD die Frage der Migration war.7 Soziale Themen und Fragen von Krieg und Aufrüstung traten dahinter zurück. Hier stellten viele Menschen, mit denen wir ins Gespräch kamen, (richtigerweise) fest, dass sie in dieser Hinsicht wenig von der AfD erwarten können. Es gab sogar Personen, bei denen eine AfD-Wahl aufgrund ihre Position zur Migration nahegelegen hätte, die das jedoch aufgrund des neoliberalen Profils ablehnten. Auch wenn diese Eindrücke nicht als repräsentativ verstanden werden können, zeigen sie doch interessante Entwicklungen. Viele Personen betonten, dass sie keine übermäßigen Hoffnungen in die AfD setzten. So äußerte ein jüngerer Mann: „Es ist eher so ein Versuch. Denn die Altparteien kann man nicht mehr wählen. Die haben uns schon alle verarscht. Aber wenn die AfD jetzt auch Scheiße baut, wählen wir die halt wieder ab“.

Unabhängig von der Frage, warum Personen die AfD wählen, sind die hohen Wahlergebnisse natürlich negativ. Gerade auf kommunaler Ebene wird sich dadurch die Situation für Migranten verschärfen, das Arbeitsfeld für linke, gewerkschaftliche und kommunistische Kräfte weiter verengen: noch rassistischere Gesetze, noch größere Polizeibefugnisse und noch mehr Kürzung von Fördergeldern. Auch wenn wir die konkreten Veränderungen durch eine starke AfD gerade noch nicht klar bestimmen können, hinterlässt genau dieser Umstand bei vielen Menschen Angst. In unseren Gesprächen äußerten viele Menschen Angst vor einem Wahlsieg der AfD und dass es ihr wichtigste Anliegen sei, das zu verhindern. Daran konnten die Ampelparteien, gerade in den ostdeutschen Großstädten, anknüpfen und so gleichzeitig den eigenen Rechtsruck normalisieren.

Ob `Remigration` oder `Rückführungsverbesserungsgesetz`: Der Rechtsruck hat sich durchgesetzt

Der Wahlkampf hat deutlich gezeigt, dass sich der Rechtsruck in der Politik endgültig durchgesetzt hat. Während des Wahlkampfes konnte man an fast jeder Straßenlaterne abwechselnd lesen: „Wir geben Sicherheit wieder eine Heimat. Unkontrollierte Migration überfordert alle.“ (BSW), „Remigration rettet Menschenleben“ (AfD) oder „Migrationspolitik überdenken“ (CDU). Auch ein Blick in die Wahlprogramme der Parteien zeigt, dass sich diese im Wesentlichen einig sind: Nicht verwertbare Flüchtlinge gehören abgeschoben, sozial auspressbare Fachkräfte sind willkommen. Bei den Grünen heißt das Ganze „Arbeitsmarktsintegration“8, bei BSW „Gewinnung ausländischer Fachkräfte“9 und bei der AfD Auswahl entsprechend von „Qualifikation, Kompatibilität und Leistungsbereitschaft“10. Es wäre falsch, die Migrationspolitik der Parteien komplett gleichzusetzen, doch die Richtung ist dieselbe: Die seit ungefähr einem Jahr verstärkt geführte „Wir können nicht mehr“-Kampagne ist nicht mehr nur Rhetorik, sondern knallharte Realpolitik: Europäische Asylreform, Rückführungsverbesserungsgesetz, Bezahlkarte, Zwangsarbeit à la sozialer Pflichtdienst, Ausweisung von Migranten nach Straftaten, verstärkte Grenzkontrollen oder das neuste „Sicherheitspaket“ der Bundesregierung.

Ironischerweise werden die restriktiven Maßnahmen damit begründet, so gegen die Erfolge der AfD vorzugehen – quasi mit rechter Politik gegen Rechte. Wagenknecht äußerte beispielsweise: „Das, was jetzt geschieht, zum Beispiel wieder in Solingen, das kann so nicht weitergehen, weil wir damit natürlich eine Stimmung im Land bekommen, die sich am Ende auch gegen viele richtet, die rechtschaffen sind, die ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft geworden sind.“11 Sie nutzt dabei den Spaltkeil zwischen den „unkontrollierten“, abzuschiebenden und den brav arbeitenden, geduldeten Migranten. Dass von Migranten begangene Straftaten so wie die von deutschen Staatsbürgern juristisch bearbeitet werden sollten, kommt in der öffentlichen Debatte nicht mehr vor – Gleichberechtigung Fehlanzeige. Aus diesem Grund erlebten wir während unsere Aktionen gerade bei den migrantischen Teilen der Bevölkerung Angst. Jugendliche fragten uns beispielsweise: „Warum wollen die uns alle abschieben?“

Ein organisierter Protest und Widerstand gegen diesen Rechtsruck bleibt aus. Stattdessen inszenierten sich die Ampelparteien im Wahlkampf als Alternative gegen rechts und etablierten so gleichzeitig die eigene rechte Politik. In Leipzig mobilisierte beispielsweise das Bündnis Hand in Hand, zu dessen Hauptakteuren lokale Ampelpolitiker zählen, ca. 10.000 Menschen auf die Straße: #AllezusammengegendenFaschismus. Der Rassismus und Faschismus in den eigenen Reihen störte dabei nicht, im Gegenteil: Es wurde gemeinsam mit dem Freundeskreis der Ukraine in Leipzig mobilisiert, dessen Anhänger noch am Tag zuvor mit der faschistischen OUN-Flagge durch die Innenstadt marschierten.12 Ebenso wenig störte die bedingungslose Unterstützung des Faschismus in Israel der Protagonisten von Hand in Hand.13 Faschismus kommt dann eben doch nur von den Anderen: Russland, Hamas, Iran oder AfD. Und so wird die Instrumentalisierung des Anti-Faschismus zum erfolgreichen Durchsetzungsmittel der eigenen imperialistischen Politik.

Fazit

Die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen haben einerseits gezeigt, dass die Zeitenwende bei vielen auf Ablehnung stößt. Das ist sehr gut. Andererseits besteht wenig Bewusstsein über die Ursachen von Krieg und Armut und somit bleibt viel Platz für Fehlschlüsse. Der von den Parteien gesetzte Rassismus findet dort seine Funktion: Ablenkung, Spaltung und Aufhetzung. Die Aufgaben für uns Kommunisten sind klar: Wir müssen aufzeigen, worin die Ursachen von Krieg und Armut liegen. Wir müssen vermitteln, dass Rassismus und chauvinistische Hetze einerseits zur Aufrüstung nach innen und außen gehören und andererseits davon ablenken sollen. Und wir müssen zeigen, dass Veränderung nur mit Organisierung erfolgt, sei es im Stadtteil, im Betrieb oder in der Friedensinitiative. Hier reicht es nicht, auf allgemeinen Parolen zu verharren, sondern wir müssen konkrete Antworten auf konkrete Probleme finden und erlebbar machen, warum Organisierung notwendig ist.

1https://www.emma.de/artikel/ukraine-krieg-mehrheit-fuer-friedensverhandlungen-341207

2https://www.deutschlandfunk.de/debatte-um-stationierung-von-us-raketen-interview-georg-maier-spd-thueringen-dlf-ca815d4f-100.html

3https://www.deutschlandfunk.de/wahlkampf-im-osten-deutschlands-int-mit-kevin-kuehnert-spd-generalsekretaer-dlf-24512fe9-100.html

4https://www.lvz.de/lokales/mittelsachsen/vor-landtagswahl-in-sachsen-michael-kretschmer-greift-sahra-wagenknecht-an-YOVWSIN3J5G7ZPKMYMEYU775AU.html

5https://www.spiegel.de/politik/deutschland/attentat-in-solingen-ampel-politiker-verteidigen-abschiebung-nach-taliban-afghanistan-a-941d583f-e0ce-4087-876b-d7c50335d8ef

6Ein exemplarisches Beispiel dafür: https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-warum-menschen-im-osten-staerker-zu-radikalen-parteien-neigen/100064245.html

7https://www.jungewelt.de/artikel/483353.wahlen-in-sachsen-und-th%C3%BCringen-linke-im-freien-fall.html

8https://gruene-sachsen.de/wp-content/uploads/2024/07/Sachsen-gemeinsam-bewegen_BUeNDNIS_90_DIE_GRUeNEN_Landtagswahlprogramm-2024.pdf

9https://bsw-vg-sachsen.de/wp-content/uploads/2024/05/landtagswahlprogramm2024.pdf

10https://afdsachsen.de/wp-content/uploads/afd-wahlprogramm-landtagswahl-sachsen-2024.pdf

11https://www.welt.de/politik/deutschland/article253250964/Wagenknecht-zu-Landtagswahl-Sachsen-Sonntag-sollte-Beginn-vom-Ende-dieser-unsaeglichen-Ampel-sein.html

12https://www.lvz.de/lokales/leipzig/demo-leipzig-hunderte-setzen-zeichen-zum-unabhaengigkeitstag-der-ukraine-U4Y3KF7QEJBFPLJOLA6QR4GMFY.html

13https://www.instagram.com/bohmeniaa/p/CyG5WGmM1Lg/

Aufrüstung, Völkermord und Terror sind das Geschäft der Kriegsregierung!

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Stellungnahme zum 01. September 2024

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Vor 85 Jahren überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und eröffnete damit einen faschistischen Raubkrieg gegen die Völker Europas. Rücksichtsloser Terror gegen andere Völker steckt in der Handschrift des deutschen Imperialismus: vom Bombenterror in Guernica und Serbien bis hin zu den Völkermorden in Namibia und Gaza.

Der neue deutsche Imperialismus steht tief in seiner alten und grausamen Tradition. So modern und woke er auch daherkommen mag, kann er seine aktuellen Verbrechen gegen die Völker der Welt nicht länger verstecken. Egal ob beim Säbelrasseln im Pazifik, dem Völkermord in Palästina, der Aggression gegen den Jemen oder im Krieg gegen Russland – der Bundesregierung ist kein Verbrechen zu brutal und kein Terror zu radikal, wenn es darum geht, die eigenen Profite und Weltmachtsansprüche auszudehnen.

Komplizen im Völkermord

Die Bundesregierung gibt beim Völkermord in Palästina nicht einfach nur Rückendeckung, sondern ist selbst aktiv an den Massakern in Gaza beteiligt. Deutsche Waffentechnologie ist im Einsatz, die Waffenexporte nach Israel sind auf einem Rekordhoch und hierzulande wird die Palästina-Solidarität unterdrückt. Die Medien setzen erbittert die deutsche Staatsräson – bedingungslose Solidarität mit Israel – durch. Faschistische Siedler und rechtsterroristische israelische Politiker genießen Deutschlands volle Unterstützung beim Blutbad in Gaza. Die Bundesregierung sitzt für diese Völkermord-Unterstützung auf der Anklagebank des Internationalen Gerichtshofes. Und genau da gehören diese Völkermord-Komplizen auch hin.

Krieg gegen Russland

Die Bundesregierung stand 2014 genauso bedingungslos hinter dem Maidan-Putsch in der Ukraine. Maßgeblich durchgesetzt von ukrainischen Faschisten mit nur einem Ziel: der Aufbau der Ukraine als Aufmarschgebiet und Kriegsstaat gegen Russland. Da durfte die militärische und finanzielle Unterstützung der BRD natürlich nicht fehlen. Der Donbass und die russische Bevölkerung der Ukraine wurde neun Jahre von faschistischen Bataillonen terrorisiert – auch mit deutschen Waffen und deutschen Geldern. Heute müssen tausende Ukrainer ihren Kopf für diesen NATO-Krieg gegen Russland hinhalten, der seit Jahren gezielt vom Westen provoziert wurde. Russland soll ruiniert werden, formulierte Außenministerin Baerbock. Das Jubeln deutscher Medien als Leopard-Panzer, erstmals seit dem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, wieder russischen Boden betraten spricht eine klare Sprache. Die deutschen Kriegstreiber sind wieder zu allem bereit.

Woke und wehrhaft: Der neue deutsche Imperialismus

Dass eine solche Regierung neben der Einführung des Veteranentages und Wehrpflicht-Debatten versucht hat, im Bundeswehr-Traditionserlass alte SS-Mörder und Wehrmachtssoldaten wieder attraktiv zu machen, ist kein Wunder: Der neue deutsche Imperialismus ist tief mit seinen alten Traditionen verbunden.

Mit der Durchsetzung des Kriegskurses geht der Abbau von Grundrechten Hand in Hand. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit müssen dem Kriegsgeheul weichen. Deutschland soll für den großen Krieg gegen Russland fit gemacht werden: militärisch, politisch und juristisch. Weite Teile der Bevölkerung wissen, dass diese Kriegspolitik ihnen nichts außer Verarmung und Leid bringen wird. Und so stoßen die Kriegspolitik gegen Russland und der Völkermord in Gaza weiterhin auf Ablehnung, was Außenministerin Baerbock als „Kriegsmüdigkeit“ kritisierte. Die Aufgabe der deutschen Medien besteht darin, diese Stimmen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten. Wer den Kriegskurs kritisiert, soll von der Gesellschaft ausgestoßen werden.

Aber die Verstrickungen der Bundesregierung in den Völkermord in Gaza und in die Aggression gegen Russland sind Tatsachen. Diese Tatsachen sind wahr und die Bundesregierung kann diese Wahrheit nicht verbieten. Sprechen wir sie gemeinsam aus und werden aktiv gegen die deutsche Kriegspolitik!

Für die Niederlage der NATO! In der Ukraine und weltweit!

Stoppt die Unterstützung des zionistischen Völkermordes!

Kampf der Hetze gegen Kriegsgegner!

Zu den UZ-Friedenstagen

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Die UZ-Friedenstage eröffneten vom 23.-25.08. einen wichtigen Raum des Austauschs unter Kriegsgegnern und Kommunisten. Die vielen Vorträge und Podien beschäftigten sich mit den brennenden Entwicklungen unserer Zeit: dem Krieg gegen Russland, dem Völkermord in Palästina und den Kämpfen der unterdrückten Völker. Zentral war dabei auch die Auseinandersetzung mit der aggressiven Kriegspolitik des deutschen Imperialismus und seiner zunehmend reaktionären Politik nach innen. Dass die DKP den Kampf gegen die geplante Stationierung der US-Mittelstreckenraketen ins Zentrum stellt, ist absolut richtig und muss stärker auf die politische Tagesordnung aller. 

Dass diese Veranstaltung, in Zeiten der immer stärkeren Hetze gegen Oppositionelle und Kriegsgegner so stattfinden konnte, ist nicht selbstverständlich – und sie hat unsere volle Unterstützung. Die Livestreams zu den Podien sind weiterhin auf der YouTube Seite der UZ zu finden und wir möchten Sie euch sehr ans Herz legen.  

Ihr findet sie hier: Unsere Zeit – Zeitung der DKP – YouTube 

Uns war es möglich, auf dem Friedensfest einen Teil unseres DDR-Filmes zu zeigen und mit dem Publikum die herausragende Rolle der DDR in verschiedensten Fragen des Alltagslebens und Klassenkampfes zu diskutieren. Aber auch um der Frage nachzugehen, welche Lücken und Fragen zur DDR weiterhin geschlossen werden müssen, um offensiv nach außen vertreten zu können, dass die DDR das bessere Deutschland war. An unserem Infostand konnten wir währenddessen zahlreiche Gespräche mit Interessierten führen und die Ergebnisse unserer Vertiefungsgruppen zu Imperialismus und Ukraine Krieg nach außen zu tragen.  

Wir danken der DKP und der SDAJ für die Möglichkeit, Infostand und Film zu den Friedenstagen beisteuern zu können.  

Schikane in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald beim Thälmann-Gedenken

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In diesem etwas längeren Bericht wollen wir einen Fall der politischen Schikane in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald dokumentieren, den wir erfolgreich abwehren konnten. Genossen sollten nicht mit Kufiyas oder T-Shirts mit Palästina-Bezug das Gelände betreten dürfen, die Begründungen dafür waren mitunter haarsträubend. Natürlich akzeptierten wir das nicht, sondern ließen uns die vermeintliche „Grundlage“ dafür zeigen und konnten durch kollektives, beharrliches Auftreten dann doch mit etwas Verspätung ein würdiges und konsequentes Gedenken begehen. Wir legen den Fall und unsere Begründung hier ausführlich dar, um allen Lesern ein Beispiel an die Hand geben zu können und Mut zu machen. Lassen wir uns nicht einschüchtern!

Am Sonntag, den 18. August haben wir den 80. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns im KZ Buchenwald zum Anlass genommen, an der gemeinsamen Gedenkveranstaltung mit DKP, SDAJ, KPD, Freidenkern und weiteren Genossen teilzunehmen und dies mit einem anschließenden Rundgang über das gesamte Gelände zu verbinden. Der von einem Genossen geführte Rundgang gab viele Einblicke in den Alltag im Lager, die Zwangsarbeit, die Folter, das Leid, die unmenschlichen Zustände, aber auch den alltäglichen und organisierten Widerstand. Dabei fokussierten wir uns dieses Jahr darauf, in Ansätzen zu erfahren, mit welchen Mitteln die Inhaftierten auch unter den widrigsten Bedingungen kampf- und widerstandsfähig bleiben konnten, auf welchen mitunter sehr überraschenden Wegen den Faschisten immer wieder kleine Siege abgerungen werden konnten. Die Selbstbefreiung, angeleitet durch das Internationale Lagerkomitee unter Führung der Kommunisten, ist Ausdruck dieser beeindruckenden Organisierung im KZ und rettete Tausenden das Leben.

Wir beendeten den Rundgang im in der DDR erbauten Mahnmal-Komplex. Dieser Weg „durch Sterben und Kämpfen zum Sieg“ führte uns zu den sieben Steinstelen, die berührende und erschütternde Szenen des Lagerlebens porträtieren, über die Ringgräber und Straße der Nationen bis zum Glockenturm, wo ein Teil des Schwurs von Buchenwald verlesen wurde. Beendet wurde der Tag durch Kulturbeiträge und eine Rede mit aktuellen Überlegungen zum Thema Faschismus am Ernst-Thälmann-Denkmal in Weimar.

Streit um Kufiyas und T-Shirts mit Palästina-Bezug in der Informationsstelle

So weit, könnte man denken, klingt alles nach einem normalen Ablauf unseres Gedenkens auf dem Gelände des KZ Buchenwald, wie wir sie auch in den letzten Jahren immer wieder anlässlich des Tages der Befreiung in der Gedenkstätte veranstalteten.

Allerdings konnte unsere Gruppe erst verspätet zur gemeinsamen Gedenkveranstaltung am Krematorium dazustoßen. Grund dafür war, dass wir von drei Mitarbeitern der Gedenkstätte abgefangen wurden, weil ein paar Genossen und Freunde Kufiyas und T-Shirts mit Palästina-Bezug trugen. Dies sei vermeintlich gegen die Hausordnung. Selbstverständlich akzeptierten wir das als Begründung nicht, sondern wollten uns schriftlich zeigen lassen, wo das angeblich in der Hausordnung zu finden sei. Dies boten die Mitarbeiter auch an. So folgten wir also den drei Mitarbeitern zur Informationsstelle. Dort wurde uns eine gedruckte Form der Hausordnung vorgelegt, bei der der zweite Teil folgender Passage markiert war: „Nicht gestattet sind: […] das Anbringen und Mitführen von Plakaten, Fahnen und Transparenten“.

Da wir werder Plakate, noch Fahnen oder Transparente bei uns hatten und dies auch kommunizierten, wurde hastig ein neuer Grund gesucht, warum das irgendwie doch gegen die Hausordnung verstoßen sollte. Allein dieser Umstand zeigt, dass es den Mitarbeitern um gezielte Schikane ging und keineswegs darum, einfach nur „die Hausordnung durchzusetzen“. So berief man sich dann auf diesen Passus: „Tragen Sie Kleidung, die in der Gedenkstätte angemessen ist.“ Selbstverständlich hielten wir uns bereits an diese Anordnung.

Dass dieser Satz aber nun so ausgelegt wurde, als wäre das nicht der Fall, hatte eine ideologische Motivation, wie sich spätestens im politischen Streit offenbarte. So provozierte eine vermutlich politisch der antideutschen Strömung zuzuordnende Mitarbeiterin einen palästinensischen Genossen wiederholt mit der auf Gaza bezogenen Frage: „Was für ein Genozid?“

Als es darum ging, zu begründen, warum es in Buchenwald nicht mal einen passiven Bezug auf einen derzeit stattfindenden Genozid geben dürfe, wurde es dann vollends absurd. Uns wurde vorgeworfen, wir würden mit der Benennung des Massenschlachtens in Gaza als Genozid eine Gleichsetzung mit und Relativierung der Shoah vornehmen, was wir im Gespräch mehrfach explizit zurückwiesen – das tun wir nicht und ist selbstverständlich auch nicht unsere Absicht. Es müsste bereits ein durchschnittlich begabter Grundschüler verstehen, dass nur weil zwei Dinge unter einer gleichen Klassifizierung zu fassen sind, sie deshalb nicht automatisch gleichzusetzen sind oder gleichgesetzt werden. Ein Beispiel, um die Absurdität dieser Argumentation zu verdeutlichen: Sowohl der Falklandkrieg als auch der Vietnamkrieg waren Kriege. Nach dieser „Logik“ wäre jedoch die Benennung des Falklandkrieges als Krieg automatisch z.B. eine Verharmlosung des Vietnamkriegs. Die gleiche Klassifizierung weist erstmal nur aus, dass es bestimmte Gemeinsamkeiten gibt; dass trotzdem (auch gewaltige) Unterschiede bestehen können, versteht sich von selbst.

Den Mitarbeitern war das scheinbar auch völlig klar, und das Argument nur vorgeschoben: Auf die Nachfrage, ob es sich bei den Massakern an Herero und Nama durch deutsche Kolonialtruppen in Namibia um einen Genozid handelte, bejahte das der Mitarbeiter, der gerade noch mit der Anschuldigung aufgewartet hatte, eine Benennung des Gaza-Genozids sei Verharmlosung des Holocaust. Hatte er nun also selber den industriellen Massenmord der deutschen Faschisten verharmlost?

Immer wenn sich die Mitarbeiter im übertragenen Sinne in eine Ecke argumentiert hatten, unterbrach man das Gespräch, um zu sagen, man wolle hier keine politische Diskussion und setze nur die Hausordnung um. An dieser Stelle sei nochmal hervorgehoben, dass man uns entgegen der großspurigen Ankündigung, man könne uns unseren vermeintlichen Verstoß auch schriftlich zeigen, eben keine stichhaltige Begründung liefern konnte, sodass man mehrfach Vorgesetzte anzurufen versuchte. Es lohnt sich also, sich genau zeigen zu lassen, was die angebliche Grundlage ist.

Streit am Eingangstor

Da nur drei Genossen mit in die Informationsstelle gekommen waren, wurde der Rest der Gruppe am Eingangstor von einem vierten Mitarbeiter aufgehalten. Hier hieß es, die Kufiya sei ein politisches Statement, das auf dem Gelände nicht geduldet würde.

Nachdem er jedoch mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der Gedenkstätte um eine Stiftung (öffentlichen Rechts) handelt, die mit öffentlichen Geldern finanziert wird und so u.a. dem Neutralitätsgebot verpflichtet ist, begann sich die Situation zu ändern. Auf die Aufforderung, den Verwaltungsakt, die Genossen, die sich weigerten, die Kufiya abzusetzen, nicht auf das Gelände zu lassen, schriftlich auszustellen und angemessen zu begründen, verschwand er vorerst und teilte uns dann mit, man würde das jetzt heute so dulden, dies sei aber keine generelle Entscheidung.

So kamen wir mit etwa einstündiger Verspätung doch noch alle dazu, dem gemeinsamen Gedenken für den Genossen Ernst Thälmann beizuwohnen und unseren Rundgang danach ungestört zu begehen.

Das KZ Buchenwald, ein unpolitischer Ort?

Immer wieder klang in den Einlassungen an, die KZ-Gedenkstätte Buchenwald sei ein politisch neutraler oder sogar unpolitischer Ort. Das können wir nicht unkommentiert lassen. Es gibt kaum einen politischeren Ort auf der Welt als ein KZ. Die dort gefolterten, eingesperrten, ermordeten Menschen waren aufgrund politischer Entscheidungen der deutschen Faschisten und der sie unterstützenden Kapitalistenklasse diesen Zuständen ausgesetzt, sie sind dort nicht einfach verstorben wie Tote auf einem Friedhof. Der Widerstand gegen den deutschen Faschismus sollte hier konzentriert und gebrochen werden, die Kategorie politischer Häftlinge zeigt dies auch unmissverständlich. So wie das System KZ im Allgemeinen und das KZ Buchenwald im Besonderen politisch waren, so war es der Widerstand natürlich ebenso.

Und auch heute zeigt die Gedenkstätte selbst, dass sie politisch keineswegs neutral ist. So war sie anlässlich der anstehenden Landtagswahlen an einem Anti-AfD-Briefversand an alle Thüringer über 65 Jahren beteiligt.[1] Vor zwei Jahren war zudem beispielsweise das offizielle Gedenken an die Befreiung des KZ-Buchenwald mit allerlei äußerst negativen Verweisen auf Russland gespickt, die für unsere Begriffe tatsächlich eine hanebüchene Nähe des faschistischen industriellen deutschen Massenmords mit der russischen Militärintervention konstruieren sollten. Daran nahm die Gedenkstätte aber offensichtlich keinen Anstoß, schließlich ging es gegen Russland. Man könnte noch viel mehr anführen: Etwa die Fahne der weißrussischen, mit Faschisten sympathisierenden Oppositionsbewegung, die bei dieser Gedenkfeier statt der tatsächlichen weißrussischen Fahne aufgehängt wurde. Wenn einerseits eine explizite, in Reden vorgetragene Ablehnung Russlands und Weißrusslands auf der offiziellen Gedenkfeier kundgetan werden darf, aber keine T-Shirts oder Tücher mit Palästina-Bezug getragen werden dürfen, dann handelt es sich offensichtlich um eine politische Entscheidung, die im Sinne des deutschen Imperialismus willkürlich festlegt, was gesagt werden darf und was nicht. Unter dem Vorwand politischer Neutralität wird auf dem Gelände des KZ Buchenwald also eigentlich nur genau das durchgesetzt, was diesem Staat und seinem Herrschaftspersonal politisch in die imperialistische Agenda passt.

Der Vorwurf der „Instrumentalisierung“ und der Provokation

Sowohl in den Kommentarspalten des antideutschen Internet-Mobs – der sich diesbezüglich zu waschechten Straftaten hinreißen lässt (z.B. „[Statt der Kufiya] hätte es auch eine Uniform mit Hakenkreuzbinde sein können“ oder „ihr seid die echten Nachfahren der SS-Wachleuchte“) und sich von prominenter Seite im Doxing unserer Genossen versucht – als auch in der Informationsstelle wurde uns wiederholt vorgeworfen, wir würden die KZ-Gedenkstätte für unsere politischen Ziele instrumentalisieren, also missbrauchen, zweckentfremden. Das Gegenteil ist der Fall. Die Aufgabe einer würdigen Gedenkarbeit ist es, Zusammenhänge herzustellen und vergangenes Unrecht nicht isoliert zu betrachten, es nicht zu entrationalisieren. Dass Faschismus und Genozide in regelmäßigen Abständen immer wieder auftreten, hat System. Sie sind beide Auswüchse der kapitalistisch-imperialistischen Ökonomie, die das erst möglich macht, damals wie heute. Erst wer diese Zusammenhänge aufzeigt und auf vergangene Menschheitsverbrechen die Antwort gibt, sich heutigen konsequent entgegenzustellen, hat eine würdige, angemessene Haltung eingenommen.


Wiederum andere schrieben davon, wir seien „Störer“ und hätten absichtlich einen Eklat provoziert. Das stimmt jedoch auch nicht. Wie oben bereits geschrieben, hielten wir in den vergangenen Jahren mehrfach ein ähnliches Gedenken inklusive Rundgang ab, bei dem verschiedene Aspekte des KZ Buchenwald besprochen wurden, dort kam es nie zu derartigen Zwischenfällen. Auch jetzt war keine Störung oder Provokation geplant. Symbole wie die Kufiya zu tragen, wie es ein paar Genossen und Freunde taten, und damit auf den derzeit laufenden Genozid in Palästina aufmerksam zu machen, der von der BRD materiell ermöglicht wird, ist für uns als politische Menschen ein selbstverständliches Gebot. Es wäre eher die Frage zu stellen, was jemand, der sich daran stört, in einer KZ-Gedenkstätte verloren hat. Nun sagen andere: Das könne man ja überall sonst machen, aber nicht auf dem Gebiet eines ehemaligen KZ. Wir sehen jedoch keinen Grund dafür, warum man sich für eine Gedenkveranstaltung eines ermordeten Kommunisten an einem der politischsten Orte Deutschlands explizit im Erscheinungsbild entpolitisieren sollte – im Gegenteil – und werden dies auch in Zukunft nicht tun.

Die „Vermeidungsstrategie“ und warum sie schädlich ist

Andere Genossen meinten zu uns, es wäre klug gewesen, die Kufiya erst am Krematorium rauszuholen, dem von einem Holzzaun umgebenen Ort von Thälmanns Ermordung. Auch dem wollen wir widersprechen. Wenn wir uns verstecken, akzeptieren wir damit passiv, dass der Staat im Rahmen seiner reaktionären Erinnerungspolitik darüber entscheidet, was er an diesem Ort zulässt und was nicht. Wenn wir der Auseinandersetzung aus dem Weg gehen, zementieren wir den Zustand einer sich zuziehenden Schlinge der Repression in diesem Deutschland der „Zeitenwende“. Dieser arbeitet  gezielt mit Einschüchterungen, Willkür und Unklarheit, damit potentielle Widerständler beginnen, sich weit über den rechtlichen Rahmen hinaus selbst zu zensieren, um ihr vermeintlich sicher entgehen zu können.

In diesem Kontext ist auch das Fahnen- und Transparentverbot zu nennen, das 2023 in die Hausordnung der KZ-Gedenkstätte Buchenwald aufgenommen wurde. Es wurde von manchen Seiten ausdrücklich begrüßt[2] und ist im Wesentlichen auf das Verhalten der MLPD zurückzuführen. Auch wenn wir das Auftreten der MLPD an vielen Stellen als schädlich empfinden, sollten wir keinesfalls diesem Staat und seinen Institutionen und Stiftungen die Hoheit darüber zusprechen, zu entscheiden, was diesbezüglich angemessen ist und was nicht und deshalb verboten sein sollte. Gerade in Zeiten einer immer ausgreifenderen staatlichen Einschränkung jeglichen oppositionellen Handlungsspielraums, sollte man derlei Verschärfungen sehr kritisch betrachten.

Ausblick

Unsere Auseinandersetzung mit der KZ-Gedenkstätte zeigt erneut: Man kann solcher politisch motivierten Schikane, wie wir sie auch oft genug auf der Straße erleben, etwa durch Ordnungsämter und Polizei, die Stirn bieten. Wichtig ist dabei, seine Rechte möglichst gut zu kennen, auf diesen zu beharren, die Argumente der Gegenseite nicht zu glauben, sondern nachzuprüfen und wenn möglich direkt zu widerlegen, schriftliche Begründungen einzufordern und den Vorgang ausgiebig zu dokumentieren. Dann hat man gute Chancen, in so einem Fall auch tatsächlich zu seinem Recht zu kommen.

Dass wir uns durchgesetzt haben und somit ein würdiges, konsequentes Gedenken abhalten konnten, ist ein Sieg und sollte uns Kraft geben, uns auch weiterhin nicht von diesem Staat und seinem Personal einschüchtern zu lassen. Wir tun nichts Illegales und sollten uns deshalb auch nicht kriminalisieren lassen. Wir arbeiten daran, so gut es geht unserem politischen Auftrag gerecht zu werden und das gilt es auch mit breiter Brust in die Öffentlichkeit zu tragen.

Selbstverständlich werden wir uns auch weiterhin von der BRD, die sich selbst laut Bundesverfassungsgericht als Völkerrechtssubjekt als mit dem „Deutschen Reich“ identisch begreift[3], dessen Inlandsgeheimdienst tief in die Machenschaften einer faschistischen Mörderbande verwickelt war und der mittlerweile auch Angehörige der Wehrmacht wieder zu Vorbildern seiner Armee erklärt (um nur eine kleine Auswahl der Dinge zu nennen, die hier zu sagen wäre), nicht vorschreiben lassen, wie wir den im deutschen Faschismus Ermordeten, darunter vielen Kommunisten, also unseren politischen Vorfahren, gedenken.

Wir kennen unsere Aufgaben und bleiben beim Schwur von Buchenwald: Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig“


[1]https://www.buchenwald.de/newsroom/warum-die-stiftung-einen-brief-an-die-waehler-in-thueringen-geschrieben-hat

[2]z.B. https://thueringen.vvn-bda.de/2023/04/27/stellungnahme-zur-geaenderten-hausordnung-der-gedenkstaette-buchenwald/

[3]https://www.bundestag.de/webarchiv/presse/hib/2015_06/380964-380964

Nachlese: Vor 80 Jahren wurde Ernst Thälmann ermordet

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Wir veröffentlichen an dieser Stelle drei Reden, gehalten bei Gedenkveranstaltungen zur Ermordung von Ernst Thälmann vor 80 Jahren. In Berlin haben wir gemeinsam mit dem Freundeskreis Ernst Thälmann e.V. Ziegenhals-Berlin und der Ortsgruppe Pankow der DKP eine Filmvorführung organisiert. Beide Thälmann-Filme von Kurt Maetzig aus den Jahren 1954 und 1955 sind Online verfügbar. Ihre Sichtung lohnt, nicht nur weil sie die verlogene Erzählung blamieren, nach der die Kommunisten Schuld am Aufstieg des Faschismus hätten, sondern auch weil sie vielfältige Anregungen für die Aufgaben und Probleme unserer Zeit geben, in denen Militarisierung, Repression und Chauvinismus große Kriege vorbereiten.

Die Rede vom Freundeskreis gibt einen kurzen, pointierten Einblick in die Biografie Thälmanns, als Sohn und Führer seiner Klasse. Die Rede der KO vom 16.08. baut eine Brücke zwischen den Klassenkämpfen der Zeit Thälmanns und heute. Beide Reden machen stark, dass eine Beschäftigung mit Leben und Wirken Thälmanns und der KPD im Kampf gegen Faschismus und Krieg not tut.

Am Jahrestag der Hinrichtung Thälmanns haben wir uns an einer Gedenkveranstaltung im Konzentrationslager in Buchenwald beteiligt. Nach elf Jahren Einzelhaft wurde Ernst Thälmann auf direkten Befehl Adolf Hitlers ins KZ gebracht und am Krematorium des Lagers hingerichtet. In dem Redebeitrag eines Genossen vom 18.08. wird der Frage des Faschismus damals und heute nachgegangen.


Rede vom Freundeskreis Ernst Thälmann e.V.

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

Ernst Thälmann wurde am 16. April 1886 in Hamburg geboren. Seine Eltern besaßen einen kleinen Gemüse- und Steinkohlenladen. Thälmann war ein überdurchschnittlich guter Schüler. (Dieses Detail erwähnen wir hier, weil ja zahlreiche bürgerliche Historiker versuchen Thälmann als dummen Arbeiter oder Provinzpolitiker zu diskreditieren.) Thälmann wollte gerne die Schule weiter fortsetzen, danach Handwerker oder Lehrer werden. Seine Eltern verweigerten ihm das. Mit 14 Jahren folgt er dem Aufruf der SPD zu einer Feier für Arbeiterkinder. Die Reden und die kämpferische Atmosphäre begeistern ihn. Er kauft sich eine Broschüre „Wie werde ich Mitstreiter am Sozialismus?“. Der Kontakt zur Arbeiterbewegung ist hergestellt.

Doch erst mal geht es um ihn selbst: Er wird von seinen Eltern ausgebeutet, 10 Stunden Arbeit am Tag für wenig Geld. Es reicht ihm: Er verlässt das Elternhaus, landet erst mal buchstäblich auf der Straße, schläft im Nachtasyl, hat Hunger. Er schlägt sich mit Jobs durch, findet dann feste Arbeit: Knochenarbeit für die Herstellung von Fischknochen-Mehl. Aus dem von den Eltern ausgebeuteten Krämersohn ist ein vom Kapital ausgebeuteter Arbeiter geworden.

Thälmann wird mit 17 Jahren Mitglied der SPD, mit 18 Jahren Mitglied in der Transportarbeiter-Gewerkschaft. Und er wird sofort aktiv und organisiert 1905 mit anderen jungen Kollegen zusammen eine Jungarbeiterversammlung – ohne den Segen der Gewerkschaftsführung. Sie legen Geld zusammen, mieten einen Saal. Die Versammlung wird ein Riesenerfolg: 700 junge Arbeiter und Auszubildende kommen, 200 treten noch am gleichen Abend in die Gewerkschaft ein. Und er bleibt weiter aktiver Gewerkschafter, der sich mit seiner Führung anlegt und auch bei seiner neuen Arbeit – Kutscher für einen großen Wäschereibetrieb – ist bald die gesamte Belegschaft gewerkschaftlich organisiert. Sein Chef versucht es mit Bestechung: Er bietet Thälmann einen Job als Filialleiter an – einzige Bedingung: er soll aufhören mit der Gewerkschaftsarbeit. Dieses „Angebot“ ist für Thälmann eine Beleidigung. Er lehnt ab.

Auch in der SPD wird er aktiv und übernimmt auch dort bald erste Funktionen. Noch vor dem I. Weltkrieg wird Thälmann aus seiner gewerkschaftlichen und politischen Arbeit herausgerissen: er muss seinen Wehrdienst ableisten. Hier lernt er das Militär kennen und vor allem hassen. 1915 wird er als Kanonier in den Krieg eingezogen. Er erlebt das ganze Grauen des Völkermordens. Thälmann ist nicht tatenlos, beschafft sich illegale Zeitungen (darunter das Flugblatt des Spartakusbundes: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“) er  nimmt dafür doppelt und dreifach Schikanen in Kauf: Kriegsgericht, Arrest und Strafexerzieren. Thälmann muss an der Front kämpfen, er wird viermal verwundet, erhält die ersten 2 ½ Jahre keinen Heimaturlaub.

1917, endlich sein erster Heimaturlaub. Jedoch: keine Zeit zum Ausruhen. Seine Urlaubstage nutzt er um sich über die wichtigsten politischen Fragen zu informieren und Verbindungen mit Kriegsgegnern aufzubauen. Während dieses Heimaturlaubs wirft Ernst Thälmann sein SPD-Parteibuch weg und wird Mitglied der im April 1917 gegründeten USPD. Eigentlich fühlt er sich politisch mehr mit dem Spartakusbund, mit Liebknecht und Luxemburg verbunden, aber er folgt der Mehrheit der Hamburger Hafenarbeiter, die alle in der USPD organisiert sind. Er nimmt aktiv an der Novemberrevolution in Hamburg teil. 

Nach Krieg, Revolution, Konterrevolution wird Ernst Thälmann 1919 zum Ersten Vorsitzenden der Hamburger USPD gewählt. Hamburg ist mit 44.000 Genossen einer der mitgliedsstärksten Verbände der USPD in ganz Deutschland. Es ist seine Leistung, dass 42.000 von 44.000 Hamburger USPDlern mit der KPD zusammengehen, zur VKPD (Vereinigte KPD, kurze Zeit später KPD). Thälmann wird Vorsitzender der Hamburger VKPD, wird in den Hamburger Senat gewählt, im Sommer 1921 wird er Delegierter der deutschen Kommunisten auf dem III. Weltkongress der Kommunistischen Internationale, KI. Zum ersten Mal im Land der Oktoberrevolution, zum ersten Mal sieht er Lenin, sieht er den sozialistischen Aufbau mit eigenen Augen.

Es reicht die Zeit hier nicht, um die Umstände des Hamburger Aufstands und sein Scheitern darzustellen. Aber zu Thälmanns vielfältigen Fähigkeiten kommt nun auch die des politischen Aufstandsleiters in Hamburg dazu. Die militärische Leitung unterlag dem Gen, Kippenberger. Es folgt dem mutigen, aber gescheiterten Aufstand: Verbot der KPD, knapp 1000 Verhaftungen, die Klassenjustiz verurteilt 876 zu hohen Gefängnisstrafen. Auch gegen Thälmann läuft ein Haftbefehl, aber er verkriecht sich nicht, sondern taucht überall wieder auf: Mal als Seebär, mal als Kutscher, mal als Hamburger Pfeffersack mit steifem Hut. Seit den Tagen des Hamburger Aufstands wird Ernst Thälmann von den Arbeitern und Genossen „Teddy“ genannt. Anfangs mag er es gar nicht hören, aber er kann nichts machen. „Unser Teddy“ heißt es von nun an überall.

Am 20. August 1925 wird Thälmann zum Vorsitzenden der KPD gewählt. Hinein in die Massen, raus aus der sektiererischen Ecke, dafür steht Thälmann von Anfang an. Hinein in die Gewerkschaften, das wird in den kommenden Jahren eine Hauptaufgabe für die KPD. Thälmann erkennt, dass die KPD die Betriebszellen als Grundlage für die Parteiorganisation braucht – nicht mehr die Wohngebiete wie bei der SPD. Thälmann steht auch für die Einheitsfrontpolitik, er steht für die Unterscheidung zwischen SPD-Führung und SPD-Mitgliedern. Er fordert seine Genossen auf den SPDlern an der Basis stets die Hand zu reichen, den Opportunismus der SPD-Führung dagegen aufs schärfste zu bekämpfen. Thälmann steht für eine umfassende Schulungsarbeit im ZK der KPD, aber auch für die Mitglieder: Elementarschulungen (Die erste Elementarschulung im Frühjahr 1926 beschäftigt sich mit Einheitsfront und Bündnispolitik, ein halbes Jahr später im Herbst das Thema „Probleme der proletarischen Diktatur – der Aufbau des Sozialismus in der SU“), die Marxistische Abendschule (MASCH), die Herausgabe der Werke der Klassiker für wenig Geld, dafür steht Thälmann. 

Aber es geht nicht nur um Schulung und Bildung. Vor 100 Jahren gründete sich der Rote Frontkämpferbund. Auch hier erlaubt es die Zeit nicht näher darauf einzugehen. Aber der Schwerpunkt unseres „Ziegenhalser Rundbriefs“ handelt davon. 

Mit dem Blutmai 1929, gefolgt von Verboten und Verhaftungen beginnt die Phase des Aufstiegs des deutschen Faschismus. Immer weitere Teile des deutschen Kapitals setzen auf die Nazis. 30.1.1933: Der von der SPD so genannte „Garant gegen Hitler“, von Hindenburg, beauftragt Hitler mit der Regierungsbildung. Der Aufruf des ZK der KPD zum politischen Generalstreik, wird von der SPD-Führung abgelehnt. Der Aufruf gemeinsam Massendemonstrationen, Massenstreik und Generalstreik zu organisieren, lehnen die SPD-Führer ab: sie wollen weiterhin mit „beiden Füßen auf der Verfassung und der Gesetzlichkeit“ stehen.

Am 7. Februar 1933 hält Thälmann seine letzte Rede auf einer ZK-Sitzung der KPD im Sporthaus Ziegenhals, bei Berlin, die als Ziegenhalser Rede in die Geschichte eingeht. 

Am 3. März 1933 wird er verhaftet. Es beginnen Folter, Verhör, Isolationshaft und eine Odyssee durch die faschistischen Kerker. Das mutige Auftreten des bulgarischen Genossen Georgi Dimitroff, hindert die Nazis daran einen Prozess gegen Thälmann zu eröffnen, um ein zweites Desaster zu vermeiden. Die Flut an Solidarität weltweit für die Freilassung Thälmanns ist riesig. Deutschland wird überschwemmt mit Protest- und Solidaritätsschreiben. Überall in der Welt wird für Thälmanns Freilassung demonstriert. Drei Ausbruchsversuche misslingen nur knapp. Am 18. August 1944 wird Ernst Thälmann nach 11 Jahren Einzelhaft in das Krematorium des KZ Buchenwald geführt und durch drei Schüsse in den Rücken ermordet.

Ernst Thälmann Sohn seiner Klasse, Führer seiner Klasse hat uns auch heute noch viel zu sagen: Einheit der Arbeiterklasse und Massenkampf, Unversöhnlichkeit gegen Kapital, imperialistischen Krieg und Faschismus, Unversöhnlichkeit gegen Opportunismus und Reformismus. 

Und: Siegen wollen! Das ist wohl das größte Vermächtnis unseres Genossen Thälmann.


Rede der Kommunistischen Organisation vom 16. August

Genossinnen und Genossen! 

Danke an die Vorredner. Danke für die interessanten Informationen zum Genossen Ernst Thälmann und zur Geschichte des Gedenkortes hier, seit 35 Jahren auch eine immer wieder nervende Geschichte von Abrissdrohungen und Schändungen –  durch Schmierereien (von Einzeltätern, die hier einen rechtsfreien Raum für Sachbeschädigungen haben) oder durch sogenannte Kontextualisierung, politisch großzügig finanziert, ausgeführt von gehorsamen  Auftragskünstlern, die bewusst oder ahnungslos am Ende nichts anderes tun, als auf städtebaulich/kultureller Ebene die Arbeit der vier SS-Auftrags-Mörder von 1944 im Vorraum des Krematoriums von Buchenwald fortzusetzen. 

Den Gegnern dieses Denkmals geht es darum, mit der Erinnerung an Thälmann auch die Rolle der deutschen Kommunisten zwischen den beiden Weltkriegen in der Erinnerung der Menschen zu bearbeiten, zu verfälschen und in ihrem wesentlichen Kern auszulöschen. Die zentrale Forderung der KPD, ihr zentraler Anspruch an die Partei, Grundlage und Zielpunkt ihrer Politik: Die Arbeiterklasse zum Subjekt der Geschichte zu machen, soll aus dem Gedächtnis der Menschen ausradiert werden und auf keinen Fall jemals wieder, von nichts und niemandem, auf die politische Tagesordnung gesetzt werden. 

Ernst Thälmann steht für eine Generation von revolutionären Arbeitern, die vom ersten Weltkrieg bis zum Aufbau des Sozialismus an der kampfreichsten Phase der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung teilgenommen haben. Und sie haben sich in dieser Phase zu herausragenden politischen Führern entwickelt. Zu ihnen gehören Walter Ulbricht, John Schehr und die etwas Älteren rund um Wilhelm Pieck. Gewerkschaftliche Organisierung, die Novemberrevolution, der Kampf in der Weimarer Republik und der Kampf gegen Faschismus und Krieg und schließlich der Aufbau des Sozialismus in der DDR – in diesen Situationen mussten sie sich politisch bewähren. Der Aufbau der KPD zu einer kampfstarken, in der Arbeiterklasse verankerten Partei, die eine wichtige Rolle in der Kommunistischen Internationale gespielt hat, war dabei zentrale Aufgabe, um die Kämpfe zu bestehen. Und in diesem Rahmen hat Thälmann die wichtigste Rolle gespielt. Das um ihn herum gebildete Zentralkomitee bildete ein starkes Kollektiv, das für Stabilität und Wachstum der Partei sorgte und mit dem die KPD Anfang der 30‘er Jahre zu der großen revolutionären Partei wurde.

Das war genau der Kern der politischen Arbeit Ernst Thälmanns als Vorsitzender der KPD ab 1925 bis zu seiner Verhaftung im März 1933, es ist die Periode des Aufstiegs zur einflussreichen revolutionären Massenpartei, Berlin dabei als roter Vorposten – bei der Reichstagswahl am 06.11.1932 mit einem Stimmanteil von 37,7 % und 450.000 Wählern die KPD mit Abstand stärkste Partei mit einem Vorsprung von 165.000 gegenüber der SPD und, mehr als 180.000 gegenüber den NSDAP-Faschisten.  

Die Reden Thälmanns aus dieser Zeit haben es in sich! Viele von ihnen reflektieren sehr klarsichtig historische Prozesse und die Rolle der Arbeiterklasse in diesen Kämpfen. Die Rede von Ziegenhals, seine letzte vor der Verhaftung, ist ein spannendes Beispiel für die Analyse einer Kampfsituation. Thälmann unterstreicht nur wenige Tage nach Bildung der Regierung von Papen/Hitler den dramatischen Wechsel zum Faschismus und arbeitet heraus, dass der Sturz der Hitler-Diktatur die wichtigste Aufgabe ist, auf die alle Kräfte konzentriert werden müssen. Er führt aus, dass damit nicht unbedingt der revolutionäre Sturz der bürgerlichen Herrschaft verbunden sein muss, sondern Kampfergebnis zunächst auch die Herstellung bürgerlich-demokratischer Verhältnisse sein kann. 

Wie ein roter Faden durchzieht dabei alle Reden Thälmanns auch bei der Beschäftigung mit Details und tagespolitischen Fragen der Blick auf den „klassenmäßigen Hintergrund“, welche Klassen stehen mit welchen materiellen Interessen als wahre Akteure hinter den Parteien auf der politischen Bühne, was steckt wirklich hinter dem Theaterdonner und dem Nebel der Politik, hinter den Phrasen von Vaterland, Nation, Rasse usw. usw. 

Im Aufruf des Politbüros der KPD vom 04. Juni 1930, den „Kampf gegen die faschistische Gefahr auf das Äußerste zu verschärfen“, werden die Hitlerfaschisten als bewußte und skrupellose Agenten des Finanzkapitals attackiert. Auf einer Wahlkundgebung in Hamburg am 8.August 1930 charakterisiert Thälmann die NSDAP als „das gefährlichste und schmutzigste Werkzeug des deutschen Finanzkapitals“. In der Programmerklärung der KPD (mit Unterstützung der Komintern ausgearbeitet) vom 24.08.1930 wird ausgeführt, dass die Nazi-Partei die Politik der extremen, reaktionärsten und aggressivsten Kräfte des deutschen Monopolkapitals ist und dass die faschistische Gefahr ihrem Inhalt nach eine imperialistische Gefahr ist. Das Programm hebt hervor, dass die Kommunisten die einzige Kraft sind, die sich den Sturz des Imperialismus zum Ziel setzt. 

Das Ziel wurde nicht erreicht. Das deutsche Monopolkapital hat genau den barbarischen Raubkrieg vom Zaun gebrochen, vor dem die Kommunisten frühzeitig warnten, u.a. zur Reichspräsidentenwahl 1932 mit den Worten:  Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg. Am Ende eines beispiellosen Blutvergießens haben Abermillionen Menschen dafür sterben müssen. Der deutsche Imperialismus erlitt lediglich eine militärische Niederlage. Mehr nicht. Auch wenn die propagandistische Begleitmusik zeitgemäß aktualisiert wurde, blieb das deutsche Monopolkapital (wenn auch auf reduziertem Territorium) im Sattel und ist längst wieder damit beschäftigt, seinen Interessen weltweit Geltung auch mit militärischen Mitteln und Kriegseinsätzen zu verschaffen. 

Und dabei bleibt es nicht. Die Mobilmachung der Gesellschaft für einen großen Krieg läuft auf Hochtouren. Das erklärte Ziel: in 5 Jahren Krieg gegen Russland führen zu können, ganz offiziell. Dafür wird auf unsere Kosten millionenschwere Infrastruktur ausgebaut, das Gesundheitssystem kriegstüchtig gemacht, die Bundeswehr zu Werbeeinsätzen losgeschickt. Währenddessen rollen bereits unter Beifall der Leitmedien Deutsche Panzer nach Osten, die laut Bundestagsbeschluss Russland auch direkt angreifen dürfen. Auf dem Berliner Kongress für „wehrhafte Demokratie“ betont die Regierungsberaterin Jessica Däbritz, dass Deutschland unverkrampfter über Krieg sprechen muss. Eine Kriegswirtschaft soll laut Verteidigungsminister Pistorius auch aufgebaut werden. Rheinmetall und Co. arbeiten bereits seit Monaten an einer Vergrößerung ihrer Produktionskapazitäten.

Die DGB-Führung freut sich über neu geschaffene Arbeitsplätze und unterstützt solche Vorhaben in Absprache mit dem Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Unter dem Etikett der „wehrhaften Demokratie“ werden Grundrechte abgebaut und die Repressionen gegen den Widerstand täglich ausgeweitet.

Der zionistische Völkermord in Palästina und die offene Kollaboration Deutschlands zeigt die brutale Fratze des Imperialismus, der immer noch den Kolonialismus in sich trägt und mit ihm das Herrenmenschentum. Thälmann und die KPD waren erbitterte Feinde des Kolonialismus. Der Internationalismus und die Solidarität mit den unterdrückten Völkern war Herzstück der Partei. Der ekelhafte Rassismus, der heute den Palästinensern entgegen schlägt, die mutig und standhaft für ihre Freiheit kämpfen, schlug auch den Chinesen, den Südafrikanern, den Ghanaern und allen anderen entgegen. Die Berichte von großen Kundgebungen der KPD gemeinsam mit chinesischen, sowjetischen und anderen internationalen Genossen sind nicht nur spannend – sie zeigen: Die Kommunisten standen und stehen auf der Seite der Zukunft der Menschheit.

Militarismus und Nationalismus sind bei uns heute Staatsdoktrin. Die Zeitenwende ist dabei nicht nur ein militärisches Projekt zur Aufrüstung und ein ökonomisches Projekt hin zur Kriegswirtschaft, um den Feldzug gegen Russland, China und die Achse des Widerstands abzusichern.  Durch Ausweitung der Repressionen und reaktionären Staatsumbau soll die Ruhe an der Heimatfront sichergestellt werden. 

Dass der aggressive Kriegskurs des Imperialismus mit ungeheuren Risiken für die übergroße Bevölkerungsmehrheit verbunden ist und die enormen Kosten des Kriegskurses am Ende aus der Tasche der Arbeiterklasse finanziert werden, liegt auf der Hand. Deshalb stehen wir vor ähnlichen Aufgaben, wie die Kommunisten vor 90 Jahren.

Viele Arbeiter in Deutschland sind gegen den Kriegskurs und Völkermord. Aber die Klasse ist auch gespalten und zum Teil unter dem Einfluss von sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaftsführungen, die Krieg und Aufrüstung unterstützen. Wir haben also noch viele Hindernisse zu überwinden. Die Erfahrungen und Erkenntnisse von Thälmann und seinen Genossen können uns dabei helfen.

Ob in Palästina oder im Donbass – Solidarität mit dem weltweiten antiimperialistischen Widerstand!     

Stoppt den Krieg der NATO ! 

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! 


Rede am KZ Buchenwald (18. August)

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Gäste,

wir sind heute hier, um dem 80. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns im KZ Buchenwald zu gedenken – stellvertretend für alle anderen politischen Gefangenen, Gefolterten und Ermordeten des faschistischen Regimes. In der linken und kommunistischen Bewegung wird zu solchen Anlässen wie heute häufig der Spruch „Erinnern heißt kämpfen“ genannt. Er soll auf Notwendigkeit der Weiterführung politischer Kämpfe hinweisen und die auf dem Weg Gefallenen ehren. Ich glaube, dass dieser Ausspruch aber noch eine tiefere Ebene hat. Zum einen drückt er für mich aus, dass wir auch um die Geschichte kämpfen müssen; dass wir uns mit der Geschichte auseinandersetzen und sie gegen moderne Verfälschungen verteidigen müssen. Zum anderen heißt der Ausspruch für mich, für die Zukunft zu lernen. „Erinnern heißt kämpfen“ bedeutet Gedenken, Ehrung, aber auch Bildung, Aufarbeitung und Reflexion. Mit diesem Blick will ich kurz auf die heutige politische Situation eingehen und einen Zusammenhang mit der Faschismusforschung der Kommunistischen Internationale in den 1930er Jahren eingehen.

Schon vor der Machtübertragung an die Faschisten in Deutschland im Jahr 1933 standen die Zeichen international auf Krieg. Die Weltwirtschaftskrise, die Nachkriegsordnung nach dem Ersten Weltkrieg inklusive der Demütigung Deutschlands durch den Versailler Vertrag, der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion und Unruhen in den Kolonien sorgten für viel Sprengkraft auf dem politischen Parkett Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre. Anders ausgedrückt: Zur Überwindung der kapitalistischen Krise teilten sich die imperialistischen Länder das Interesse an Krieg. Die Kriegsvorbereitungen in Deutschland beinhalteten folgende politische Schritte: Aufrüstung nach Innen und Außen, Sozialabbau und Aufbau der Heimatfront. Der Aufbau der Heimatfront geschah durch die Spaltung der Arbeiterbewegung und ihrer Organisationen, durch Hass und Hetze gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Migranten, Juden – gegen jegliche sogenannten Volksverräter. Darüber hinaus sollte das deutsche Nationalgefühl gestärkt werden, um die widersprüchlichen Interessen zwischen der deutschen Bourgeoisie und der deutschen Arbeiterklasse zu verwischen und durch ein gemeinsames Interesse an Krieg zu ersetzen.

Die Vorbereitung eines nächsten großen Krieges durch Aufrüstung, Sozialabbau und Aufbau einer Heimatfront erleben wir auch heute. Im Deutschland der 30er Jahre war es notwendig, für diese Politik der Kriegsvorbereitung, die faschistische Bewegung aufzubauen und schließlich auch den Faschismus an die Macht zu bringen.

Die Kommunisten heute sind damit konfrontiert, Antworten auf die aktuellen Entwicklungen zu finden. Eine Frage, die sich auf Grund der aufgezeigten Parallelen aufdrängt: Braucht es zur Vorbereitung eines imperialistischen Raubkrieges Deutschlands wieder den Faschismus? Sind wir „auf dem Weg“ in den Faschismus? Findet eine „Faschisierung“ statt? Und was gilt es für Kommunisten deshalb heute zu tun?

In diesem Sinne kommen wir zurück zum Anfang: „Erinnern heißt kämpfen“. Um uns diesen Fragen zu stellen, müssen wir den Aufbau des Faschismus in Europa und speziell in Deutschland erforschen und unsere Analyse schließlich auf die heutige Lage anwenden.

Die Kommunistische Internationale setzte sich seit ihrer Gründung 1919 unter anderem mit der Frage auseinander, wie ein neuer großer Krieg der Imperialisten zu verhindern ist. In diesem Zusammenhang forschte sie zum aufkommenden Faschismus als politische Bewegung und später zum Faschismus an der Macht in Europa. Die Kommunistische Internationale begründete damit die Faschismusforschung und erarbeite bemerkenswerte Erkenntnisse. Das XIII. Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale definiert den Faschismus an der Macht im Dezember 1933 wie folgt: Der Faschismus ist „die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Georgi Dimitroff – einer der bedeutendsten Faschismusforscher dieser Zeit und seit 1935 Generalsekretär der Kommunistischen Internationale – bestätigte diese Definition in seinem Referat auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale im August 1935. Neben dieser Definition nannte er weitere Merkmale des Faschismus an der Macht:

Der Faschismus ist ein Staatsformwechsel und kein bloßer Regierungswechsel. Er ist eine andere Form der bürgerlichen Herrschaft; eine qualitative Änderung und keine rein quantitative. 

Die terroristische Diktatur wird durch die Bourgeoisie auf Grund einer historischen Notwendigkeit angestrebt. Die Entwicklung zum Faschismus ist keine Automatismus.

Der Faschismus wird von der faschistischen Partei und Teilen der herrschenden Klasse systematisch vorbereitet.

Und: Der Faschismus bedeutet Kriegspolitik und ist eng mit der Vorbereitung eines imperialistischen Krieges verbunden.

Als Ursachen für den Faschismus nannte Dimitroff die Schwäche der Bourgeoisie – ihre Angst vor einer sozialistischen Revolution und das Versagen ihrer herkömmlichen Methoden zur Unterdrückung der Arbeiterklasse. Aber auch die Schwäche des Proletariats, welches gespalten und desorganisiert ist – vor allem durch die Politik der Sozialdemokratie.

Zurück zu heute: Die BRD und die westlichen Staaten sind in einer politischen Krise, die aus einer ökonomischen resultiert. Die deutsche Bourgeoisie steht heute allerdings keiner organisierte Arbeiterklasse wie in den 30er Jahren gegenüber – Arbeiterklasse und Kommunisten sind gespalten und schwach. Ich würde daher sagen, dass die herkömmlichen Methoden der Bourgeoisie zur Unterdrückung der Arbeiterklasse aktuell sehr gut funktionieren. Chauvinismus, Rassismus, Identitätspolitik, Illusionen in die bürgerliche Demokratie und vieles weitere lenken die Gesellschaft sehr effektiv von den Ursachen unserer Lage und von unseren Problemen ab. Braucht es deshalb heute überhaupt den Faschismus in Deutschland zur Durchsetzung der imperialistischen Interessen der deutschen Bourgeoisie? Braucht der deutsche Imperialismus den Faschismus zur Vorbereitung des nächsten großen Krieges? Ist die AfD die faschistische Kraft, die mit Teilen der herrschenden Klasse den Faschismus vorbereitet? 

Wir als kommunistische Bewegung und ich hier im Besonderen kann keine vollständige Analyse dessen liefern. Ich will aber betonen, dass es eine Analyse braucht, die an die neuen Umstände angepasst ist und dass deshalb jetzt die Zeit ist, sich mit dem Faschismus, seinen Ursachen und ebenso mit Gegenstrategien zu befassen. 

Dimitroff weist in seinem Referat zum VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale auf verschiedene linke und rechte Abweichungen des Faschismusverständnis hin, die uns auch heute häufig begegnen und die wir unbedingt berücksichtigen sollten. Als linke Abweichung beschreibt er das Verständnis des Wechsels der Herrschaftsform zum Faschismus als einen stufenlosen Übergang, bei dem es lediglich einige quantitative Verschärfungen in der Kriegsvorbereitung, dem Sozialabbau und der Repression gebe. Diese Ansicht führe zur Verharmlosung des Faschismus und zum Sektierertum im antifaschistischen Kampf. Darin ist zum Beispiel enthalten, dass der Antifaschismus nur echt sei, wenn er auch den Sozialismus zum Ziel habe oder auch die Ablehnung des Kampfes um bürgerlich-demokratische Grundrechte. Als rechte Abweichung beschreibt Dimitroff die Überzeichnung des Übergangs der Herrschaftsform von bürgerlicher Demokratie und Faschismus und damit die Darstellung des Faschismus als etwas Gegensätzliches zur bürgerlichen Demokratie. Diese Ansicht führe zur Verharmlosung der Sozialdemokratie und anderer potentieller Bündnispartner und zur Aufgabe des strategischen Ziels der proletarischen Revolution. Beide Formen des Opportunismus resultieren aus einem mangelhaften Verständnis von den Unterschieden zwischen Strategie und Taktik. Für die Bekämpfung des europäischen Faschismus der 30er Jahre bedeutete das für Dimitroff: Schaffung der Einheitsfront – also Überwindung der Spaltung der Arbeiterklasse zwischen kommunistischem und sozialdemokratischem Teil und Zusammenarbeit in der Aktionseinheit gegen die Offensive des Kapitals – gegen Sozialabbau, Repression, Krieg und damit gegen Faschismus; gegen den Klassenfeind. Ein zentraler Punkt ist dabei die Verteidigung demokratischer Grundrechte.

Heute Gedenken wir Ernst Thälmann – stellvertretend für all die heldenhaften Kämpfer gegen den Faschismus in Deutschland. Sie haben es nicht geschafft, den deutschen Faschismus, seinen imperialistischen Raubkrieg und den Völkermord zu verhindern. Lasst uns gemeinsam lernen, forschen und kämpfen. Darauf, dass wir den Kapitalismus in Deutschland abschaffen, bevor die Bourgeoisie erneut zu diesen Mitteln greifen wird.

Entwicklung des Kapitalismus in Russland

1

Von Käthe Knaup, Max Granzow und Alexander Kiknadze

Veröffentlicht: 13.08.2024

Abstract

Der Kapitalismus wurde in Russland durch die Konterrevolution in eine Volkswirtschaft eingeführt, deren Zweck eine planmäßige Erhöhung des Lebensniveaus des sowjetischen Volkes und die Unabhängigkeit vom Kapitalismus war. Dieser Umbau der Ökonomie und seine gesellschaftlichen und politischen Folgen bis heute werden im Folgenden dargestellt. Die erste Periode der Konterrevolution und Perestroika zeigt, inwiefern die Zerschlagung der einstigen Planwirtschaft und die Einführung des Kapitalismus dazu führten, dass Russland schließlich in die Regeln der imperialistischen Weltordnung gezwungen wurde. Diese Integration führte zu einem Niedergang der russischen Volkswirtschaft und ihrer Währung, was Kapitalflucht und den Ausverkauf durch die neue russische Bourgeoisie zur Folge hatte. Der Niedergang gipfelte in der weltweiten Finanzkrise 1998, die in Russland zur Staatspleite führte. Dieser Zustand war auch für große Teile der russischen Bourgeoisie nicht haltbar, sodass der seit 2000 amtierende Präsident Wladimir Putin sein Projekt der strategischen Nationalisierung der Ökonomie umsetzen konnte. Dieses Projekt bezweckte eine kapitalistische Entwicklung der russischen Volkswirtschaft, die auf eine strategische Unabhängigkeit gegenüber dem Westen abzielte. Dafür wurden insbesondere strategisch zentrale Bereiche der Volkswirtschaft verstaatlicht und eine Wirtschafts- und Handelspolitik der Importsubstitution, Schuldenkonsolidierung und Exportdiversifizierung vorangetrieben. Mit einer solchen Neuausrichtung des russischen Kapitalismus sollte die Integration in den kapitalistischen Weltmarkt der nationalen Entwicklung der russischen Volkswirtschaft dienen und nicht zu deren Ausverkauf führen. Ebendiese Integration in den internationalen Kapitalverkehr bei gleichzeitig weiterhin existierender ungleicher Abhängigkeit von Kapital- und Technologieimport, Rohstoffexport und Aufrechterhaltung von Devisenreserven dient dem imperialistischen Westen nun als Waffe gegen Russland: Seine Sanktionen zielen auf genau diese Schwächen ab. Teile der russischen Bourgeoisie erkennen diese Unsicherheit und Gefahr und sind bereit, ihr Kapital abzuziehen. Dieses Verhältnis des russischen Kapitals zum Staat ist eine wichtige Erkenntnis in der Diskussion um Russlands imperialistischen Charakter. Ob Russland sich, bspw. durch weitere Import- und Exportsubstitutionspolitik mit nichtwestlichen Staaten, unter kapitalistischen Bedingungen aus einer solchen Abhängigkeit lösen kann, wird Gegenstand zukünftiger Betrachtungen sein. Die Enteignung der Bourgeoisie und der Wiederaufbau des Sozialismus wird von russischen Kommunisten aus diesen Gründen als Notwendigkeit für die Verteidigung Russlands gegen die imperialistische Aggression gesehen.

Teil I: Konterrevolution und Perestroika

Die Einführung des Kapitalismus in eine sozialistische Produktionsweise hat es historisch noch nie gegeben. Mit den Anfängen dieser Entwicklung in der Sowjetunion (SU), ihrer Zuspitzung bis zur Auflösung der SU und den Entwicklungen, die aus den Widersprüchen dieses historisch einmaligen Übergangs entspringen, befasst sich der folgende Teil I.

Hintergrund: Entwicklungen in der SU

Bereits in den 1970er Jahren traf die sowjetische Staatsführung Entscheidungen, die zu einer zunehmenden Rückständigkeit und Abhängigkeit der Reproduktion und Entwicklung der sowjetischen Volkswirtschaft von den imperialistischen Hauptmächten führten1Im Folgenden kann nicht tiefer auf grundsätzlichere politische Orientierungen, z.B. die Bedeutung der „Friedlichen Koexistenz“, die zu solchen wirtschaftspolitischen Entscheidungen führten, eingegangen werden. Ziel dieses Kapitels ist es ausschließlich, die Abfolge von Entwicklungen logisch darzulegen, die zu einer Zerstörung der sowjetischen Volkswirtschaft und darauf folgenden Integration der neuen russischen Volkswirtschaft in den kapitalistischen Weltmarkt der imperialistischen Weltordnung führte.: Mit den in den 1970er Jahren steigenden Ölpreisen und der Entdeckung riesiger Vorkommen in Sibirien erhöhten sich die Deviseneinnahmen der Sowjetunion. Diese ermöglichten es, Güter, die für die Reproduktion und Erneuerung der sowjetischen Industrieanlagen notwendig waren, schnell und einfach auf dem kapitalistischen Weltmarkt zu erwerben. Das führte zu seinem Investitionsstau in der nationalen Ökonomie, da durch die Möglichkeit des Einkaufs dieser Güter kein Bedarf an einer eigenen Weiterentwicklung gesehen wurde. Diese Stagnation führte aufgrund der Weiterentwicklung der westlichen Volkswirtschaften zu einer technologischen und industriellen Rückständigkeit und damit einer Abhängigkeit der Reproduktion der sowjetischen Volkswirtschaft von den internationalen Rohstoffpreisen. Sinkende Rohstoffpreise führten folglich zu ökonomischen Problemen. Eine derartige Entwicklung fand aufgrund ähnlicher Reformen auch im Landwirtschaftssektor statt. Damit verlor die Sowjetunion zum Teil ihre Nahrungsmittelsouveränität an den kapitalistischen Weltmarkt, da Nahrungsmittelimporte abhängig von Devisenreserven, vor allem in US-Dollar, wurden. Der Zusammenbruch der Ölpreise in 1970er Jahren provozierte in der späten Sowjetunion schließlich sogar in den Großstädten eine ernsthafte Krise der Lebensmittelversorgung.

Diese Umstände wurden in der Debatte über die Ursachen dieser Probleme nicht als Folge der Abkehr vom Prinzip „Sozialismus in einem Land“ und der Hinwendung zum kapitalistischen Weltmarkt erkannt, sondern vielmehr dem Sozialismus als Produktionsweise insgesamt zugeschrieben. Folglich wurden weitere Reformen zur Aufgabe der sozialistischen Produktionsweise durchgeführt, nunmehr bereits unter der politischen Agenda der „friedlichen Koexistenz“ mit dem imperialistischen Westen. Die Reformen führten zu einer langsamen Herausbildung von individuellen ökonomischen Privatinteressen in der Sowjetunion, die im Folgenden kurz angerissen wird:

Eine wichtige Reform war die Aufgabe des sowjetischen Außenhandelsmonopols, also der strategisch unabdingbaren, vollständigen staatlichen Kontrolle des sowjetischen Außenhandels. Nun konnten Produktionsgenossenschaften, spezielle Formen des kollektiven Eigentums in der SU, sowjetische Rohstoffe frei handeln. Sie machten dabei Gewinne aufgrund von Preisunterschieden im inländischen Einkauf auf der einen, und Weltmarktpreisen auf der anderen Seite. Andere Reformen verstärkten die Autonomie der sowjetischen Betriebe, was zu einem Wandel in der Zielstellung der Produktion von volkswirtschaftlicher- hin zu betrieblicher Rentabilität führte.  Die schrittweise Preisfreigabe war eine weitere wichtige Reform, auf die weiter unten eingegangen wird.

Eine weitere Struktur, in der sich die neuen Privateigentümer herausbildeten, waren die sogenannten Zentren der wissenschaftlich-technischen Kreativität der Komsomol- Verbände (Kommunistische Jugend, Anm. d. Verf.). Sie wurden im Laufe dieser Reformen für mehr „Eigenständigkeit“ und der Mobilisierung des „subjektiven Faktors“ (so häufig der Sprachgebrauch von Gorbatschow) beauftragt, mit in die SU importierten Waren selbstständig zu handeln und die innersowjetische Zahlungsabwicklung zwischen den Unternehmen zu organisieren. Durch bewusste Ausnutzung von Preisunterschieden wurden in diesen Strukturen ebenfalls erste Geldgewinne erzielt. Eine letzte wichtige Quelle der privaten Bereicherung waren Fremdwährungsdarlehen des Staates, die auf den nunmehr weit verbreiteten Schwarzmärkten gehandelt wurden. Auch durch die Ausnutzung unterschiedlicher Wechselkurse des US-Dollars, einerseits auf dem Schwarzmarkt und andererseits auf dem inneren sowjetischen Markt, wurden erhebliche Geldgewinne erzielt. Die Zerstückelung und Unterminierung der sowjetischen Planwirtschaft durch die erwähnte Auflösung ihrer Produktionsbeziehungen, insbesondere in der industriellen Produktion, führte bereits viele Jahre vor der Konterrevolution zu einem materiellen, aber auch politischen Rückgang des Industrieproletariats als Stütze der sozialistischen Bewegung, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch im Bewusstsein. Diese Schwächung des Industrieproletariats, zusammen mit den inzwischen materiell etablierten Privatinteressen und den Individualfreiheiten, die diese Privatinteressen rechtlich absicherten, fand mit der Konterrevolution ihren politischen Ausdruck – und zwar innerhalb der KPdSU selbst. Die Abschaffung der sozialistischen Produktionsweise war das Ergebnis eines Beschlusses der regierenden Partei, die sowjetische Nationalökonomie auf eine kapitalistische Grundlage zu stellen. Die zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschrittenen Interessen waren in der Partei vertreten.

Die politische Programmatik der Konterrevolution und Perestroika

Die wirtschaftspolitische Agenda der Perestroika war die Einführung kapitalistischer Prinzipien und Maßstäbe in die übernommene sowjetische Volkswirtschaft

Die SU war den kapitalistischen Geschäftsprinzipien nicht unterworfen, weil sie nicht auswärtigem Geld und Handel ausgesetzt war. Durch die Erträge der sozialistischen Nationalökonomie entwickelte sich die SU zur Weltmacht und zum größten Feind der westlichen Welt: Sie war in der Lage, die Gesellschaft mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen, sodass die Sphäre der gesellschaftlichen Reproduktion nicht vom Ausland erpressbar war. Der Sozialismus brach nicht aufgrund einer eigenen ‚Unfähigkeit‘ zusammen – im Gegensatz zur Ideologie seiner Feinde hat er funktioniert.

Die Behauptung, dass sich die sowjetische Wirtschaft 1985 in völliger Stagnation befunden habe, entspricht nicht den Tatsachen. Dennoch zeichnete sich ein gewisser Krisentrend ab – ein kontinuierlicher Rückgang der Wirtschaftswachstumsraten seit dem Ende des achten Fünfjahresplans 1966-1970 (Lebskij 2016, S. 9). 

Lebskij schreibt, dass es Mitte der 1980er Jahre reale Möglichkeiten gab, die Stagnation und die drohende Wirtschaftskrise zu überwinden. Dazu wäre es jedoch notwendig gewesen, sich auf die Stärken der sowjetischen Wirtschaft zu stützen, eine objektive wirtschaftliche Analyse und Bewertung des Zustands der Gesellschaft durchzuführen und einen durchdachten Plan zur Überwindung der Krise zu entwickeln (Lebskij S.10, aus: G. Khanin). Politisch war dies jedoch nicht gewollt und wurde daher nicht umgesetzt. Das Programm der Reformer war es, die sowjetische Ökonomie auf eine kapitalistische Marktwirtschaft umzustellen. Die Prinzipien kapitalistischen Wirtschaftens (Angebot, Nachfrage, Privateigentum, Geld, Banken, …) sollten durch Regierungsbeschlüsse in diese Ökonomie eingeführt werden. Sie bewerteten die sozialistische Wirtschaft nach den Maßstäben kapitalistischen Wirtschaftens. An die sowjetische Ökonomie wurden damit Maßstäbe angelegt, die ihren bisherigen Grundsätzen und Zielen widersprachen: Die sozialistische Wirtschaft verfolgte ganz andere Zwecke als eine kapitalistische: Der Zweck allen Wirtschaftens in der Sowjetunion war ein Aufbau, der auf eine Selbstversorgungsfähigkeit des Landes und eine Arbeitsorganisation, die nicht im Dienste einer Kosten-Ertrags-Rechnung einzelner Betriebe, sondern der gesamtem Volkswirtschaft gerichtet war. Diesen Grundwiderspruch trug die Einführung kapitalistischer Prinzipien in eine sozialistische Volkswirtschaft in sich. Die Folgen dieses Widerspruchs sollen folgend ausgeführt werden.

Anfang der 90er Jahre gab es drei Fraktionen innerhalb der KPdSU. Die erste Fraktion forderte eine Rückbesinnung auf den Sozialismus und lehnte die Reformen also ab – sie wird in der bürgerlichen Literatur als ‚konservative Fraktion‘ (im Sinne der Erhaltung und Rückbesinnung auf die kommunistische Programmatik) bezeichnet. Die zweite Fraktion bestand aus den Kräften um Boris Jelzin, die häufig als ‚radikale Reformer‘ bezeichnet wurden. Die dritte Fraktion waren die ‚Zentristen‘, die durchaus eine prokapitalistische, aber in Abgrenzung zu den ‚Radikalreformern‘ gemäßigtere Umgestaltung der Sowjetunion anstrebten und sich dadurch von ‚Konservativen‘ und ‚Radikalreformern‘ abgrenzten. In dieser Auseinandersetzung setzten sich die Kräfte um Jelzin durch. Ihre politische Agenda war es, mit einer radikalen und schnellen Einführung kapitalistischer Prinzipien das Wirtschaftsleben Russlands zu einem „Teil der herrschenden Klasse der Welt“, einer „Weltmacht“ zu machen (Lebskij 2016). Die Reformen, ihre Widersprüche und Folgen werden nun im Einzelnen aufgeführt.

Die Preisfreigabe führte zu einem massiven Umverteilungsprozess des gesamtvolkswirtschaftlichen Reichtums

Mit der Preisfreigabe ab 1992 sollte eine kapitalistisch rentable Produktion in den Einzelbetrieben ermöglicht werden. Dies wurde mit der mangelnden Flexibilität des sowjetischen Preissystems begründet, die eine rentable Produktion behindert und zu den bestehenden wirtschaftlichen Problemen beigetragen soll. Die entsprechenden Richtlinien für die Preisfreigabe traten ab 1992 für ganz Russland in Kraft, ab März 1992 wurden im Sinne einer weiteren Dezentralisierung der russischen Volkswirtschaft den Regionen Vollmachten erteilt, eigene Preisregelungen einzuführen (Höhmann 2004).

Die Funktion des Preises im sowjetischen Preissystem, nämlich als gesamtwirtschaftliches und staatliches Steuerungsinstrument für die Zuteilung von Produktions- und Konsumgütern, sollte abgelöst werden. Im Kapitalismus ergeben sich die Preise grundsätzlich aus der Berechnung des einzelnen Betriebs aus Kostpreis (der Preis des Kapitalisten bei der Produktion einer Ware) und Profit, den der Betrieb macht. Sie können entsprechend, um ihren Profit zu erhöhen (bzw. um bei steigendem Kostpreis den Profit zu erhalten), die Preise einfach erhöhen. Die Betriebe ergriffen diese Gelegenheit sofort: Sie erhöhten die Preise, um ihre Gewinne zu steigern, oder konzentrierten sich auf die Produktion höherpreisiger Waren. Dies führte zu einem Mangel an billigen Konsumgütern, deren Produktion folglich unrentabel wurde (Lebskij 2016).

Dies führte in ganz Russland zu einem massiven Umverteilungsprozess des zirkulierenden Geldes von den konsumierenden Massen (Käufern) zu den produzierenden Betrieben (Verkäufern). Die Käufer wurden unfähig, zu konsumieren, was zu Massenarmut führte, während die Betriebe daraufhin Schwierigkeiten hatten, ihre Produkte abzusetzen. Die zuvor im Sozialismus gut abgestimmten Lieferketten wurden unterbrochen, wodurch weiterverarbeitende Betriebe nicht mehr produzieren konnten und Lebensmittel entweder unbezahlbar wurden oder gar nicht mehr produziert wurden. Diese Prozesse führten zu einer weiteren Zerrüttung der Produktionsbeziehungen und einem Rückgang der Produktion auf 10 % pro Monat im Jahr 1992 (GSP 1992).

Fazit: Die wirtschaftlichen Zusammenbrüche Ende der 90er sind die Folge der Perestroika-Reformen

Der Fokus auf die Entwicklung einzelner, autonomer Wirtschaftseinheiten zerstörte letztlich die Einheit des bisherigen sowjetischen Wirtschaftskomplexes, der nur funktionieren konnte, weil alle seine Teile einem großen, einheitlichen landesweiten Plan folgten. Die Festlegung von Gewinn und Rentabilität als Hauptkriterien für die effiziente Führung eines Unternehmens verwandelte sowjetische Fabriken in halbunabhängige Warenproduzenten. Sie waren halbunabhängig, da sie weiterhin von den bestehenden sowjetischen Liefer- und Produktionsbeziehungen abhängig waren, begannen jedoch schließlich, andere Unternehmen als Konkurrenten zu betrachten. Dies zerrüttete die sowjetischen Produktionsbeziehungen und führte zu dem anfänglichen wirtschaftlichen Zusammenbruch und Massenverarmung Anfang der 90er Jahre.

Entzugsmaßnahmen der Betriebe aus der russischen Volkswirtschaft

Der Rubel wird kein kapitalistisches Geld

Die staatlich verordnete Fortsetzung der Produktion, die allerdings aufgrund der o.g. Widersprüche und daraus resultierenden Probleme kaum Überschüsse abwarf, führte zu einem permanenten Geldmangel und damit zu Problemen der Betriebe, ihre Produktion fortzusetzen. Durch die Umverteilung des Geldes, die aus der Preisfreigabe resultierte, verlor der Rubel zunächst seine Funktion als Zahlungsmittel für Konsumgüter – schließlich verfügten die Konsumenten kaum noch über ihn. Die Zirkulation wurde dadurch ständig unterbrochen, was dazu führte, dass in der Folge keine nennenswerte Kapitalakkumulation in der russischen Volkswirtschaft stattfand. Der Rubel wurde somit nicht zu Kapital, das nennenswert akkumuliert werden konnte. In der Folge kam es sogar dazu, dass Betriebe ihre Erzeugnisse direkt untereinander tauschten, ohne den Rubel als Tauschmittel zu verwenden, um ihre Produktion fortzusetzen. Teilweise entlohnten die Betriebe ihre Arbeiter auch direkt mit den Produkten, die sie selbst hergestellt hatten. (GSP 1992).

Die politische Führung, unterstützt von westlichen Beratern, diagnostizierte diese Probleme als eine einer kapitalistischen Wirtschaftskrise analoge „Konjunkturkrise“, der mit höheren Investitionen und Kreditierungen entgegenzukommen sei. Folglich gründeten die Betriebe Gemeinschaftsbanken, um sich selbst zu kreditieren und sich damit formell mit Rubeln zu versorgen. Die russische Zentralbank unterstützte dies mit einer expansiven Geldpolitik, also einer Verbilligung der Kreditnahme. An der schwachen Rentabilität der Betriebe änderte eine solche formelle Kreditierung jedoch nichts. Folglich wurde die Akkumulation materiell unterlaufen: Der Rubel blieb trotz aller Ausgaben durch die Banken weiterhin eine Währung, an deren Vermehrung kein echtes Interesse bestand.

Der Ausverkauf der Produktionsmittel als Mittel zur Umgehung der Betriebe

Die radikalste Entzugsmaßnahme der neuen Privateigentümer aus dieser zum Verdienen von echtem Geld untauglichen russischen Volkswirtschaft, war der Ausverkauf: Die Betriebseigentümer verkauften folgerichtig – aufgrund der nicht lohnenden inländischen Produktion und dem verständlicherweise fehlenden Interesse, nutzlose Rubel zu verdienen – ihre Gebäude, Produktionstechniken, Ingenieure und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt gegen harte Währungen. Das durch einen solchen Ausverkauf erworbene Geld in harter Währung wurde in der Folge in den westlichen Standorten der Kapitalakkumulation investiert und kaum in die russische Produktion. Diese Aneignung von Geld durch Ausverkauf und in der Folge Akkumulation im Ausland (Kapitalflucht) führte zu massiven Produktions- und Versorgungsausfällen in ganz Russland – und damit zu einer weiteren Verschärfung der sozialen Lage in Russland.

Die Zerstörung der Reproduktion der Arbeiterklasse und die Folgen für die russische Volkswirtschaft und ihre Währung

Mit der Preisfreigabe wurde das Grundelement des sozialistischen Staates, die Reproduktion der Volkswirtschaft und ihrer Bevölkerung, aufgegeben. In der Folge fielen alle Bürger, die nicht in Betrieben lohnarbeitend tätig waren, schlagartig unter das staatlich ermittelte Existenzminimum. Logische Folge dieser Entwicklung war die Verlumpung durch Arbeitslosigkeit und Verbäuerlichung der Arbeiterklasse durch Rückkehr in die private Subsistenzwirtschaft, um die eigene Reproduktion privat zu bestreiten.

Selbst bei Arbeitern, die in Lohn und Brot standen, ließ sich die Existenz mit Rubellöhnen aufgrund der oben beschriebenen Prozesse der Umverteilung, Produktionsausfälle und Verlust der Qualität der Währung als Zahlungsmittel kaum noch bestreiten.

Die Reproduktion der Arbeiterklasse war zu dieser Zeit damit weiterhin von staatlichen Alimentierungen abhängig, zumindest was ihre Ausstattung mit Geld betraf. Der Staat reagierte in dieser Phase entsprechend mit Versorgungsmaßnahmen, die aber allenfalls den Charakter von finanziellen Überlebenshilfen in Rubel hatten.

Die Freigabe der Preise bewirkte also mit der Umverteilung von Geld von den Konsumenten zu den Produzenten nur eine Zerstörung der ererbten Versorgungsbeziehungen. Es wurde also nicht der bezweckte Produktionsaufschwung, sondern nur Armut auf der einen und unbrauchbares Geld auf der anderen Seite produziert. Bei der umfassenden Geldrechnung und den erwähnten Ausverkaufsgeschäften der neuen Eigentümer stellte die politische Führung fest, dass brauchbares Geld offenbar nur im Ausland erhältlich war.

Folgemaßnahmen: Aufspaltung der vermeintlich „preismanipulierenden“ (Staats-)Monopole

In der russischen Regierungspolitik wurden die konstant hohen Preise trotz sinkender Nachfrage und die ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolge nicht der Untauglichkeit der sowjetischen Volkswirtschaft für eine kapitalistische Marktwirtschaft und der daraus folgenden Zerrüttung der Produktionsbeziehungen zugeschrieben, sondern ausschließlich der (auch tatsächlich vorkommenden) Preismanipulation durch die Betriebe, insbesondere durch große. Es wurde diagnostiziert, dass diese großen Betriebe ihre Marktmacht nur zum eigenen Vorteil ausnutzten und nicht im Sinne einer funktionierenden nationalen kapitalistischen Entwicklung handelten. Daher wurde beschlossen, ihnen diese Marktmacht zu entziehen, indem die großen Betriebe in kleinere Einheiten aufgespalten wurden, um eine echte marktwirtschaftliche Konkurrenz zu schaffen.

Dies wurde Mitte 1992 staatlich in die Tat umgesetzt und wird heute, in Abgrenzung zu der „kleinen Privatisierung“ der sowjetischen Einzelbetriebe (vgl. oben), „große Privatisierung“ genannt (Höhmann 2004). Die großen und mittleren Staatsbetriebe wurden privatisiert, ihre Produktionsmittel und Arbeiter in die Hände privater Geldbesitzer gelegt – in der Erwartung, dass sich diese die Betriebe nun zu marktwirtschaftlich freien und kapitalistisch rentablen Unternehmen entwickeln würden. Die Geldbesitzer hatten den Auftrag, mit den ihnen übertragenen Betrieben Geld zu verdienen. Sie wurden dabei durch den Erwerb der Betriebe zu extrem niedrigen Symbolpreisen vergütet. (Kagarlitzki, 2012).

Das Ziel, die ehemaligen Staatsbetriebe durch die Privatisierung kapitalistisch rentabel zu machen, wurde allerdings kaum erreicht. Der Großteil der neuen Eigentümer erwarb die Betriebe offenbar in der Kenntnis, dass in dieser Volkswirtschaft kein großes Geld zu verdienen war. Sie betrachteten die Betriebe vor allem als Spekulationsobjekte, mit der Erwartung, dass sie irgendwann, nicht sofort, in der Lage sein würden, Geld zu vermehren. Entsprechend wurden sie nicht mit dem (staatlich beabsichtigten) Ziel erworben, Produktion zu betreiben und als industrielles Kapital zu fungieren. Viele Betriebe standen nach ihrem Erwerb durch die Geldbesitzer zunächst als reine Spekulationsobjekte still oder wurden, wenn sie brauchbar waren, direkt gegen harte Währung auf dem kapitalistischen Weltmarkt verkauft. Dadurch wurde schließlich genau das Gegenteil des beabsichtigten Ziels erreicht (GSP 1992).

Mit der Maßnahme der Privatisierung der Staatsbetriebe wurden damit nur formale Eigentumstitel in die Welt gesetzt, die nicht die bezweckte Geldvermehrung und industrielle Produktion mit sich brachten. Das bezweckte kapitalistische Wachstum stellte sich damit in Russland auch durch die Privatisierungs- und Aufspaltungspolitik der russischen Führung kaum ein.

Die Folge für den Rubel- die sogenannte „Inflation“

Investoren war in den frühen 90er Jahren also klar, dass Investitionen in diese Volkswirtschaft keine großen Gewinne bringen würden. Zu dieser Zeit gab es entsprechend international keine Nachfrage nach dem Rubel – er besaß praktisch keinen Außenwert, da er im internationalen Geschäft gar nicht gehandelt wurde. Sein Wertverlust war zu dieser Zeit also nicht relativ im Vergleich zu anderen auf den Geldmärkten gehandelten Währungen, sondern absolut (GSP 1992). Dieses Phänomen des absoluten Verlusts des Außenwertes des Rubels wurde von der russischen Regierung und ihren finanzpolitischen Beratern zu dieser Zeit als Inflation interpretiert, also als relativer Wertverlust der Währung im Vergleich zu anderen Währungen auf den internationalen Geldmärkten.

Regierung und Berater schlussfolgerten daraus, dass eine „antiinflationäre Geldpolitik“, analog zu der in westlichen Staaten, gegen diesen Wertverlust erforderlich sei. Daher reduzierten sie die „expansive Geldpolitik“ zur bisherigen Kreditierung der Betriebe und leiteten ab dem ersten Quartal 1992 einen Sparhaushalt ein.

Der Sparhaushalt zur Stärkung des Rubels und seine Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit der russischen Betriebe

Der Sparhaushalt, der die zuvor gewährten formellen Kredite zur Fortsetzung der Produktion beendete, hatte weitere äußerst negative Auswirkungen auf die russische Volkswirtschaft. Die wichtigste Folge dieses Sparhaushaltes war, dass den vom Staatshaushalt durch Geldzuweisungen organisierten Bereichen der nationalen Produktion und sozialen Versorgung die staatliche Existenzgrundlage entzogen wurde (vgl. Gaidar: Kürzungen der Unternehmenssubventionen und Rüstungsausgaben).

Die Streichung der staatlichen Kreditierungen bedeutete für die betroffenen Betriebe, dass ihre Produktion nun vollständig von der Zahlungsfähigkeit der Kunden abhängig war. Diese Zahlungsfähigkeit war jedoch aufgrund der oben geschilderten Prozesse der Umverteilung des gesamtvolkswirtschaftlichen Reichtums weg von den Konsumenten stark eingeschränkt. Zahlungsunfähig gemachte Verbraucher zogen damit in der Folge zahlungsunfähige Betriebe nach sich.

Darüber hinaus sollten sich die Betriebe, die durch diese Reformen stark in Geldnot geraten waren, keine Kredite mehr beschaffen können, da sie nach den staatlichen Kriterien als nicht erfolgreich galten. Ihr Geld versickerte lediglich, statt sich zu vermehren. Da sie für die Versorgung ihres Geldbedarfs häufig selbst Banken gegründet hatten und diese Selbstkreditierung in Rubel (s.o.) entsprechend unterbunden werden sollte, wurde nach dem Vorbild kapitalistischer Staaten auch das private Geldverleihwesen eingeschränkt: Der Leitzins wurde von der russischen Zentralbank von 8 auf 20 %, die Pflichteinlagen der Banken von 2 auf 20 % erhöht.  Diese Reformen führten nicht zur beabsichtigten Erhöhung des Werts des weiterhin international nicht gehandelten Rubels, sondern zum Gegenteil: Der Entzug von Geld durch den Sparhaushalt und die Einschränkung der Selbstkreditierung führten bei den Betrieben zu einfacher Zahlungsunfähigkeit.

Bereits 10 Wochen nach Beginn dieses Sparhaushaltes scheiterte das Projekt: Das Steuersystem war zusammengebrochen, die Einnahmen aus der Privatisierung der Staatsbetriebe lagen weit unter den Erwartungen, und Kredite sowie Zinsen in Höhe von 532 Mrd. Rubel waren überfällig (GSP 1992). Daher wurden die Reformen schnell zurückgenommen oder angepasst.

Die Aufteilung der Sowjetunion unter die neuen „unabhängigen Staaten“ führt zum Ausverkauf ihrer Produktion

Mit der Auflösung der Sowjetunion und der der daraus resultierenden Loslösung der ehemaligen Sowjetrepubliken zerbrachen auch die einheitlichen Produktionsbeziehungen zwischen den Republiken. Durch die neuen nationalen Grenzen wurden die Produktionsbeziehungen unterbrochen, und die nun „unabhängigen“ Volkswirtschaften sollten fortan eigenständig agieren, anstatt Teil eines gemeinsamen Systems zu bleiben. Als eigenständige „unabhängige“ Volkswirtschaften hatten sie jedoch nie fungiert, da ihre Betriebe stets als Teile der gesamten sowjetischen Volkswirtschaft agierten und nicht als eigenständige Einheiten. Die neu entstandenen Nationalstaaten entwickelten unterschiedliche und teilweise gegensätzliche politische Interessen, die sie wirtschafts- und außenpolitisch durchsetzten: Zölle, gegenseitige Handelsbeschränkungen oder -förderungen, sowie Streitigkeiten über die nationale Zugehörigkeit grenzüberschreitender Produktionseinheiten, führten in der Folge zu Unterbrechungen bis hin zum Abbruch der bisherigen sowjetischen Produktions-, Handels- und Lieferbeziehungen. Dementsprechend gab es zu dieser Zeit zahlreiche Fälle, in denen Betriebe der weiterverarbeitenden Industrien ihre Produktion einstellen mussten, da notwendige Vorprodukte in einer anderen, nun ‚unabhängigen‘, ehemals sowjetischen Republik hergestellt wurden und deren Importkosten im Verhältnis von Kosten und Marktpreis nicht mehr rentabel waren (GSP 1992).

Daraus folgte in allen neuen unabhängigen Staaten die schnelle Einsicht, dass ihre Produktionsmittel und -einheiten nicht als Produktionsmittel für eine nationale Akkumulation funktionieren konnten.  Sie wurden, analog zu den Ausverkäufen aus der Russischen Föderation (vgl. oben), nun vor allem als Exportmittel ins Ausland gegen harte Devisen betrachtet und verkauft, bzw. auch als Spekulationsobjekte gehandelt (GSP 1992). Die durch diese Verkäufe ersten großen Dollareinnahmen waren auch in diesen Republiken die Eigenkapitalgrundlage für die neue Bourgeoisie.

Diese Ausverkäufe verstärkten die Unterbrechung der Produktionsketten und führten zu einer weiteren Verknappung von Gütern in allen Republiken. Die Untauglichkeit der jeweils nun nationalen Währungen der neuen unabhängigen Staaten als kapitalistisches Geld verstärkte sich. Analog zum Rubel gab es auf den internationalen Geldmärkten keine Nachfrage nach den neuen nationalen Währungen, da Investitionen in diese Volkswirtschaften völlig uninteressant waren und höchstens als Spekulationsobjekte in Betracht kamen.

Die Russische Föderation und die anderen nun unabhängigen Staaten wirtschafteten sich durch den Ausverkauf ihrer nationalen Produktionsmittel gegen Devisen in harte Währungen in eine Abhängigkeit vom Weltmarkt hinein. Das bedeutet, dass sie nun gezwungen waren, die Reproduktion ihrer nationalen Volkswirtschaften durch Handel zu sichern, indem sie Weltmarktgüter importierten (zu dieser Zeit nicht nur Hochtechnologie und Maschinen, sondern auch Nahrungsmittel) und Rohstoffe oder ihre eigenen Produkte auf dem Weltmarkt exportierten. Sie wirtschafteten sich mit ihrer neuen „Freiheit“ somit in einen Zwang hinein, Devisen verdienen zu müssen.

Der Westen unterstützte diesen Prozess in seinem Interesse, genau diese Abhängigkeit aufzubauen, z.B. mit Exportbürgschaften für Devisenbeschaffung.

Die Devisenbeschaffung bedeutete also keinen nationalen Gewinn und keinen materiellen Beitrag zur nationalen Akkumulation durch Erneuerung der Produktionsanlagen, sondern war ein Ausverkauf von Reichtümern und eine Aufzehrung vorhandener Produktionsmittel.

Politisch entwickelten sich die „nationalen Aufbruchprogramme“ und der damit verbundene Devisenbeschaffungszwang der neuen unabhängigen Staaten damit in die permanente Aufgabe, sich nach auswärtige Interessen zu richten.

Entsprechend konkurrierten die unabhängigen Staaten darum, sich den Gläubigern der ehemals sowjetischen Auslandsschuldner als solide verlässliche Schuldner für die Möglichkeit der Aufnahme neuer Schulden anzubieten. Diese Konkurrenz wurde vor allem gegenüber der neuen Russischen Föderation ausgetragen, die sich als rechtmäßiger Nachfolgestaat der SU und damit als der verlässlichste Schuldner anbot. Die neuen unabhängigen Staaten nationalisierten in der Folge ihre jeweils nationale Abteilung der ehemals sowjetischen Vneshekonombank (Außenhandelsbank) und beschlagnahmten die Devisenkonten auf dem eigenen Terrain, um sie der russischen Kontrolle zu entziehen und sie somit unter ihre eigene nationale Kontrolle zu bringen. In der Folge gelangten kaum noch Devisen aus den neuen unabhängigen Republiken in die russische Außenhandelsbank, sodass ihre Devisenreserven entsprechend sanken (GSP 1992).

Das rasche Schrumpfen der russischen Devisenreserven stellte aufgrund der oben beschriebenen Abhängigkeit der Volkswirtschaft von Importen aus den Weltmärkten ein existenzielles Problem dar. Daher entschied die russische Regierung im Februar 1992, 40 % der Gewinne aus Exportgeschäften zur Begleichung eigener Schulden abzuschöpfen, was für die Exporteure eine sehr drastische Maßnahme war. Diese Entscheidungen führt zu einer Verstärkung der Umgehungsmaßnahmen der Kapitalisten: Sie sicherten ihr im Ausland verdientes Geld gegen den russischen Staat ab, indem sie es im Ausland deponieren oder Außenhandel auf eigene Faust betrieben, was nun durch die Aufgabe des Außenhandelsmonopols und breite Gesetzeslücken möglich war (GSP 1992).

Die Notwendigkeit der ständigen Devisenbeschaffung, der Kontrollverlust über ebendiese durch die Abtretung des Außenhandels an das private Kapital und die Konkurrenz um die Schuldenbedienung, also die Etablierung als verlässlicher Schuldner gegenüber den westlichen Gläubigern, führte zu anhalten Konflikten zwischen den Nachfolgestaaten der SU. Dies brachte den Westen in eine Machtposition, er konnte nun als Schuldner die Konditionen setzen und damit auch politischen Einfluss geltend machen. Dieses einseitige Verhältnis wurde schlussendlich mit der Aufnahme der Nachfolgestaaten der SU in den Internationalen Währungsfonds (IWF) folglich politisch und rechtlich institutionalisiert.

Die Überführung der russischen Wirtschaft unter die Aufsicht der imperialistischen Hauptmächte durch den IWF

Mit diesem Schritt gelang dem Westen die politische Aufsicht über die Schuldenbewirtschaftung der Russischen Föderation. Die Aufnahme Russlands in den IWF führt zu einer Steigerung der Abhängigkeit vom Weltmarkt, weil die ihm gewährleisteten Kredite von 24 Mrd. USD in ebendiesen Dollar zurückgezahlt werden mussten.

Die Kreditvergabe erfolgte, wie beim IWF üblich, nur unter der Bedingung der Einhaltung von Reformen, die ein Abtreten der wirtschaftspolitischen und fiskalischen Souveränität an den IWF bedeuteten:

Die durchgesetzten Sparreformen durch Privatisierungen, Kürzungen von „Defiziten“ u.Ä. führten unweigerlich zu Preissteigerungen. Dies war ganz im Sinne der russischen Regierung, da so der Wert des Rubels stieg (vgl. oben): Im Sommer 1992 wurde der Rubel durch einen Präsidentenerlass mit Gesetzeswirkung allen (auch ausländischen) Geschäftssubjekten als verbindliches Zahlungsmittel vorgeschrieben. Dieses Gesetz wäre ohne eine materielle Grundlage, nämlich einen Umtauschkurs von Rubel in Devisen, nicht möglich gewesen. Eine solche Sicherheit konnte Russland zu diesem Zeitpunkt selbst nicht garantieren, erst die Unterstützung des IWF machte diesen Schritt möglich. Die Absicherung des Umtauschkurses der nationalen Währung hatte seine materielle Grundlage nun also in der ausländischen Kreditgarantie und nicht in der Potenz der nationalen Volkswirtschaft. Mit diesem Schritt war die Abhängigkeit der Souveränität des „neuen Russlands“ von den Regeln der imperialistischen Weltordnung institutionalisiert und gesichert.

Das Ergebnis der Perestroika: Die Abhängigkeit Russlands von den Regeln imperialistischer Weltordnung

Die Perestroika-Reformer setzten mit ihrem Programm in den Jahren 1992-1993 einen neuen russischen Kapitalismus in die Welt, in dem die nationale Staatsmacht keine Kontrolle mehr über ihre Ökonomie und folglich ihr Geld innehatte. Sie bewirtschaftete zu dieser Zeit einen nach außen wertlosen Rubel und den permanenten Zwang sich für die Devisenbeschaffung politisch, wirtschaftlich und fiskalisch herzurichten. In dieser Zeit wurde keine nennenswerte Kapitalistenklasse geschaffen, die innerhalb des Landes zu Reichtum gelangte; stattdessen akkumulierte sie ihren Reichtum im Ausland.

Teil II: Der Zusammenbruch 1998

Im Verlauf der 1990er Jahre erlebte die Russische Föderation einen Rückgang der Industrieproduktion um 56 % im Vergleich zu 1988. Bis 1994 erreichte das Produktionsniveau das der ehemaligen Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Gleichzeitig vollzog sich, bedingt durch die weitere Liberalisierungspolitik u.a. im Bankensektor, eine Gründungswelle neuer Bankinstitutionen. Der wirtschaftliche Zusammenbruch führte dazu, dass der Staat nicht mehr genügend Steuern für den Haushalt einnehmen konnte. Dies wurde zusätzlich durch ein dezentrales Steuersystem verschärft, bei dem nicht alle Zahlungen aus den Föderationssubjekten ihren Weg nach Moskau fanden, sowie durch weitverbreitete Steuerhinterziehung, insbesondere in Form von Kapitalflucht ins Ausland. Generell wird in dieser Zeit ein Kapitalabfluss von bis zu 400 Mrd. USD vermutet. Gleichzeitig hatte die Russische Föderation als Rechtsnachfolger der Sowjetunion deren Auslandsschulden übernommen, was die finanzielle Belastung zusätzlich erhöhte.

Diese Ausgangslage, sowie die sich anbahnende Hyperinflation, veranlasste den russischen Staat ab 1995 eine Reihe von Reformen durchzuführen, um die Lücken im Haushalt zu füllen und die Wirtschaft, zumindest zeitweise, zu „stabilisieren“. Kernstück der Reformen war dabei ein sogenannter Wechselkursanker, der den russischen Rubel in einem festen Wechselkurskorridor im Verhältnis zum US-Dollar festsetzte. Dies konnte durch die ausreichend vorhandenen Devisenreserven in der Ankerwährung (hier dem US-Dollar) durchgesetzt werden. Dies führte dazu, dass sich der Rubel bis Mitte des Jahres stabilisierte, was wiederum zur Folge hatte, dass die Kapitalbewegung von einer Kapitalflucht zu einem Anstieg von Kapitalimporten (fast ausschließlich in den Finanzmarkt) umkehrte. Russland wurde in dieser Zeit als „Emerging Market“, also Schwellenmarkt, eingestuft, was ausländischen Investoren suggerierte, dass das Marktrisiko in der Russischen Föderation geringer sei.

Eine weitere wichtige Reform war die Umstellung der Finanzierung der öffentlichen Haushalte auf den privaten Kapitalmarkt. Ehemalige Zentralbankkredite wurden durch Schatzwechsel mit kurzer Laufzeit (rus. GKO, gosudarvstvennyie kratkosrochnyie beskuponnyie obligazii), sowie durch Wertpapiere mit einer Laufzeit zwischen einem und drei Jahren und einem flexiblen Zinssatz (OFZs) verdrängt. Zwischen 1995 und 1997 stieg der Gesamtbetrag dieser Anleihen von 50 Mrd. Rubel auf 350 Mrd. Rubel an. Für Anleger waren besonders die GKOs attraktiv, da sie eine kurze Laufzeit hatten: 70 % liefen weniger als 150 Tage, und 17 % sogar nur 30 Tage. Zugleich garantierten sie hohe Renditen: Bis 1997 lagen diese bei 20 %, stiegen jedoch im folgenden Jahr auf 150 %. Dadurch verschuldete sich der russische Staat erheblich, indem er versprach, das Geld der Gläubiger schnell zu vermehren – sowohl in Rubel als auch in Fremdwährungen, insbesondere dem US-Dollar. Für die ausländischen Anlieger waren die Investitionen in GKOs durch den stabilen, künstlich hochgehaltenen Rubelkurs interessant. Eine Abwertung des Kurses hätte zur Folge gehabt, dass der Kapitalimport sofort zum Erliegen käme und gleichzeitig die Schulden der Russischen Föderation in Fremdwährungen anstiegen. Ende 1997 betrug die Staatsverschuldung 123,5 Mrd. USD, was 27,5 % des BIP entsprach. Auch die Banken hatten sich erheblich in Auslandswährungen verschuldet, unter anderem zur Finanzierung des Kaufs von GKOs und OFZs. Im Jahr 1998 beliefen sich die Verbindlichkeiten der Banken in Auslandswährungen auf etwa 250 % ihres Guthabens in diesen Währungen.

Im Juli 1997 begann in Thailand die „Asienkrise“, ausgelöst durch die Freigabe der Landeswährung Baht. Auch andere Länder wie Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Südkorea waren betroffen. Diese Krise hatte zwei wesentliche negative Auswirkungen auf die Russische Föderation: Erstens kam es zu einer Neubewertung der Schwellenmärkte, was zu einer Flucht der Anleger in westliche Anlagemöglichkeiten führte. Zweitens fiel der Dollarpreis für Öl und Gas um 30 %, was unter anderem durch die verringerte Nachfrage infolge der Asienkrise bedingt war. Daraus folgte, dass der russische Staat am 17. August 1998 zahlungsunfähig wurde und seine Schulden nicht mehr begleichen konnte. Infolgedessen wurde die Rückzahlung der Schulden für drei Monate ausgesetzt, und der zuvor festgelegte Rubelkurs wurde freigegeben. Zuvor hatte man versucht, den Rubel durch Stützungskäufe und den Erwerb von Devisen zu stabilisieren, unter anderem mithilfe eines IWF-Kredits. Die Freigabe des Wechselkurses hatte eine Abwertung um 50 % zur Folge. Gleichzeitig konnten die Banken aufgrund des Zahlungsmoratoriums ihre GKOs und OFZs nicht in liquide Mittel umwandeln, was die Pleitewelle der russischen Banken stark vorantrieb. Innerhalb eines Jahres verringerte sich die Anzahl der Banken in Russland von 1600 auf 1390. Laut einer Weltbankstudie aus dem Jahr 1999 waren von den 18 größten Banken vor der Krise nun 15 zahlungsunfähig, gleichzeitig hatte sich das Eigenkapital des gesamten Bankensystems halbiert.

Was das Finanzsystem schwer traf, führte gleichzeitig zu einem Aufschwung in der Industrie der Russischen Föderation. Diese war, wie bereits erwähnt, im Vergleich zur Wirtschaftskraft der Sowjetunion stark geschwächt und durch den hohen Rubelkurs im Export benachteiligt. Nach der Abwertung des Rubels profitierte die Industrie von den niedrigeren Wechselkursen und dem wachsenden Interesse an russischen Waren im Ausland. Beispielsweise verdoppelte sich der Exportwert zwischen 1998 und 2002.

Das politische Ergebnis der Finanzkrise war, dass Teile der aufstrebenden russischen Bourgeoisie die Notwendigkeit eines stabilen Wirtschaftssystems mit stärkerer staatlicher Kontrolle erkannten. Die Krise traf vor allem den Bankensektor hart, wodurch einflussreiche Kapitalistengruppen wie die Semibankirschina (Sieben-Bankiers-Bande) durch den Bankrott ihrer Banken an wirtschaftlicher Macht und Einfluss verloren oder zu der Erkenntnis kamen, dass der Staat eine stärkere Rolle in der Wirtschaft spielen müsse.

Eine weitere Folge war ein Konzentrationsprozess innerhalb der russischen Wirtschaft, der durch Unternehmensfusionen geprägt war. Zusätzlich erkannte der russische Staat die Wichtigkeit einer teilweisen Kontrolle des Rohstoffexportes und übernahm, beispielsweise mit dem Konzern Gazprom, mehr Kontrolle über die Staatseinnahmen. Dabei wurde die Abhängigkeit von den internationalen Finanzmärkten durch eine Abhängigkeit vom Ressourcenexport ersetzt. Dieser Export führte zwar zu einem schnellen Anstieg des Wachstums, dieser beruhte aber vor allem auf dem hohen Ölpreis, der zwischen 1998 und 2004 von 74 USD auf 232 USD anstieg.

Ein Beispiel für die Forderung nach verstärkter staatlicher Intervention war die Gründung des Russländischen Verbands der Industriellen und Unternehmer (RSPP). Dieser Verband entstand nach einem Treffen der 19 größten Unternehmer mit Putin im Juli 2000. Der RSPP diente als Plattform zur Institutionalisierung des „ideellen Gesamtkapitalisten,“ indem er wirtschaftspolitische Forderungen bündelte und diese geschlossen gegenüber dem Staat vertrat. Putin schieb 1999 über die neue Rolle des Staates: „Unabhängig davon, wem natürliche, insbesondere mineralische Ressourcen gehören, hat der Staat das Recht, den Prozess ihrer Entwicklung und Nutzung zu regulieren und dabei im Interesse der Gesellschaft als Ganzes und der einzelnen Eigentümer zu handeln. Damit deren Interessen ins Spiel kommen, im Widerspruch zueinanderstehen und um einen Kompromiss zu erzielen, ist die Hilfe staatlicher Stellen erforderlich“. Ergänzt wird die Bedeutung der wirtschaftlichen Stabilität durch das Eintreten für die „Integrität“ der Russischen Föderation: Sowohl RSSP als auch der neue Ministerpräsident Putin standen für eine Bekämpfung des Separatismus in Tschetschenien (Kriegsbeginn 1999).

Teil III: Entwicklung des Kapitalismus in Russland 2000-2008

Phase der Stabilisierung in Russland: Agenda einer strategischen Steuerung des russischen Kapitalismus

Die Jahre 2000 bis 2008 gelten als die Phase der Stabilisierung in Russland. Nach der Finanzkrise unter Jelzin wurde unter Wladimir Putin die Staatsmacht im Kreml zentralisiert und der Ausverkauf der russischen Produktion gebremst. Die Entwicklung wurde vom westlichen Imperialismus äußerst kritisch betrachtet, da ihr Einfluss auf die russische Entwicklung dadurch deutlich gehemmt wurde. Gleichzeitig trat die Russische Föderation in dieser Phase außenpolitisch deutlich selbstbewusster auf. Dieser Aspekt soll in diesem Text aber nicht tiefergehend betrachtet werden. Vielmehr sollen die politische und ökonomische Entwicklung betrachtet und auch die Auswirkungen auf die Arbeiterklasse in Russland mit einbezogen werden.

„Staatsmacht wiedererlangen“

Wladimir Putin wurde 1999 von Jelzin zum Ministerpräsidenten ernannt. Es handelte sich also nicht um ein komplett neues Gesicht, sondern um jemanden, der das Ansehen Jelzins genoss. Dafür gewährte Putin Jelzin Immunität, er ließ seine Vergangenheit – inklusive Staatsbankrott – ruhen.

Zu Beginn seiner Amtszeit schätze Putin die Souveränität und Sicherheit der Russischen Föderation als gefährdet ein. Dies machte er an vier Punkten fest:

  • Die Ökonomie war zerfasert. Es gab keinen geregelten Binnenmarkt, die russische Ökonomie war davon geprägt, dass Produktionsmittel ausverkauft wurden.
  • Die zerfaserte Ökonomie war stark abhängig vom ausländischen Finanzkapital
  • Die staatliche Macht konnte sich nur sehr begrenzt durchsetzen. Dies wurde auch an vielen Separationsbewegungen in den einzelnen Regionen der RF deutlich.
  • Die staatliche Macht war außerdem angeschlagen da viele Beamte nicht dem Staat als solches verpflichtet waren, sondern mehr einzelnen Oligarchen.

Putins Programm sah deswegen eine Restaurierung der staatlichen Macht vor. Um die Einmischung verschiedener Oligarchen in die Angelegenheiten des Kremls zu verhindern oder zumindest einzuschränken, fand im Jahr 2000 ein Treffen mit den zehn größten Kapitalisten statt. Bei diesem Treffen wurde vereinbart, dass sie nicht verpflichtet sind, den Ursprung ihres Vermögens offenzulegen, sich jedoch im Gegenzug nicht in die Politik einmischen dürfen.

Der bekanntesten Separationsbewegung, der in Tschetschenien, wurde mit harter Hand begegnet. Die russische Armee griff durch, um ein Zerfallen der Russischen Föderation zu verhindern und ein Exempel gegen alle Kräfte zu statuieren, die ähnliche Absichten hegten. Auch wenn die Macht mehr im Kreml zentralisiert werden sollte, gab es gleichzeitig Bestrebungen, das autonome Handeln der einzelnen Regionen zu fördern. Dies geschah wohlgemerkt in einer Zeit, in der sich einige Regionen als „souveräne Staaten, assoziiert mit der Russischen Föderation“ bezeichneten und folgend mehr Freiheiten in ihrer sozioökonomischen Politik erhielten. Inwiefern dies zu einer Auseinanderentwicklung je nach ökonomischer Stärke führte, lässt sich hier jedoch nicht abschließend beurteilen.

Wie oben schon beschrieben, kann man bei der Übernahme des Präsidentenamtes durch Putin nach Jelzin, nicht von einem kompletten Machtwechsel sprechen. Dies zeigt sich auch daran, dass im Jahr 2003 77 % der staatlichen Führungsschicht aus der ehemaligen Nomenklatura der Gorbatschow- und Jelzin-Zeit stammten. Seit 2000 ist dieser Anteil sogar noch gestiegen, insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Militär. Gleichzeitig kam es jedoch auch zu einer Verjüngung des Personals: 24 % des Führungspersonals wurden seit 2000 ersetzt. Wie oben schon beschrieben, kann man bei der Übernahme des Präsidentenamtes durch Putin nach Jelzin, nicht von einem kompletten Machtwechsel sprechen. Dies zeigt sich auch daran, dass im Jahr 2003 77 % der staatlichen Führungsschicht aus der ehemaligen Nomenklatura der Gorbatschow- und Jelzin-Zeit stammten. Seit 2000 ist dieser Anteil sogar noch gestiegen, insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Militär. Gleichzeitig kam es jedoch auch zu einer Verjüngung des Personals: 24 % des Führungspersonals wurden seit 2000 ersetzt.

 Putin selbst bezeichnete den russischen Staat 2008 als weiterhin korruptes und bürokratisches System und forderte eine weitere Dezentralisierung und größeres Vertrauen in die Ministerien. Zu dieser Zeit arbeiteten 25 Mio. Menschen für den Staat.

Die Armee der RF setzte sich größtenteils aus den Überresten der in der Jelzin-Zeit stark reduzierten Roten Armee zusammen. Das betraf vor allem die Kernwaffen, die weiterhin als Abschreckung dienten. Von 1994 bis 2003 verringerte sich der Verteidigungsetat von 20 % auf 16 % des Staatshaushaltes. Nach Protesten aus dem militärisch-industriellen Komplex wurden das Verteidigungsbudget um 27 % angehoben, von 413 Mrd. Rubel auf 528 Mrd. Rubel. Im Jahr 2008 wurde beschlossen, dass bis 2020 eine neue Strategie für den Aufbau der bewaffneten Kräfte erforderlich ist.

Nach der Konterrevolution und der Einführung des Kapitalismus fehlte bis 2000 eine stringente Steuerpolitik, und es wurden kaum Steuergelder eingezogen. Im Jahr 2001 wurde dann eine Flat-Tax eingeführt, die eine allgemeine Steuer von 13 % für Unternehmen und Arbeiter festlegte. Diese niedrige Steuer sollte die Steuermoral erhöhen, um so überhaupt wieder einen staatlichen Zugriff auf Unternehmen und Löhne zu bekommen. So konnten schon deutlich mehr Steuereinnahmen als unter Jelzin eingenommen werden. Ziel der Steuerreform war es, Finanzreserven in Rubel aufzubauen, die für Krisen und soziale Verpflichtungen verwendet werden könnten, unabhängig von ausländischen Devisenreserven.

Die niedrige Unternehmenssteuer sollte auch die internationale Konkurrenzfähigkeit der russischen Unternehmen erhöhen. Um die Belastungen der Finanzkrise 2008 abzumildern, wurden die sozialen Verpflichtungen der Unternehmen noch weiter verringert. Das wurde damit begründet, dass eine Senkung der Steuerlast für Bürger und Unternehmen erforderlich sei, um Investitionen in die Entwicklung des menschlichen Kapitals zu stimulieren.

Durch die Finanzkrise unter Jelzin hatte sich Russland beim IWF verschuldet. Um sich von dieser Abhängigkeit abzulösen, wurden die Steuereinnahmen, die man durch den Rohstoffhandel einnahm (300 Mrd. allein in 2001) vor allem für den Abbau solcher Auslandsschulden eingesetzt. Allein 2001 wurden 40 % des Haushaltes für die Rückzahlung von Krediten genutzt. So konnte 2003 die IWF-Kredite vollständig zurückgezahlt werden.

Die Bundesrepublik forderte 2002 500 Mio.€ von der RF für Transferrubel aus DDR/SU-Zeiten zurück. Dieser Transferrubel war für wirtschaftliche Beziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion eingeführt worden. Die beanstandeten 500 Mio. € waren wohl relativ niedrig angesetzt, was von deutscher Seite aus damit begründet worden war, dass Russland sehr präzise seine Schulden an den Pariser Club (informelles Gremium für die Vermittlung von Zahlungsabläufen zwischen Staaten) seit 2000 zurückzahlte.  Insgesamt betrugen die Schulden an die BRD aber bis 2004 weiterhin 14 Mrd. Euro. Bis 2008 konnte die RF ihre Auslandsschulden auf auf 3 % des BIP reduzieren.

Russland konnte bis 2004 seine Devisen- und Goldreserven auf 117,4 Mrd. USD erhöhen. Der Rubel erholte sich wieder nach der Finanzkrise. Damit erhöhen sich wieder die Preise russischer Produkte im Ausland, nachdem sie durch den niedrigen Kurs des Rubels sehr billig geworden waren.

Ab 2000 griff der russische Staat stärker als zuvor in die russische Wirtschaft ein. Das war auch nötig, da eine funktionierende Wirtschaft auch notwendig für die Reproduktion der Arbeiterklasse war. Etwas wie ein Sozialstaat musste erst wieder aufgebaut werden, sodass die Arbeiterklasse konsumieren und sich reproduzieren konnte. Denn das größte Entwicklungspotential sah man in der Hebung der Produktivität der Arbeitskräfte. Um eine Ausbeutung durch ausländische Unternehmen zu beschränken, wurden insgesamt 42 Branchen vor ausländischen Investitionen geschützt.

Wie oben schon angedeutet wurde die Politik Putins, aber auch Medwedews, im Westen stark kritisiert. Dies lag besonders am selbstbewussteren Auftreten international. Hier soll nur beispielhaft auf die Rede Putins auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Jahr 2007 eingegangen werden, da sie diesen Wandel verdeutlicht. Putin forderte dort mehr „Multipolarität“ statt „US-Vorherrschaft“, was er mit „Demokratisierung der internationalen Machtverhältnisse in der Weltgemeinschaft“ begründete. Er kritisierte, dass Abrüstungsverträge nur einseitig eingehalten würden und der Westen seinen Verpflichtungen nicht nachkäme. Dieser Wandel auf dem internationalen Parkett war nur durch den eigenen wirtschaftlichen Aufschwung möglich.

Die Erholung der russischen Nationalökonomie

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich die russische Wirtschaft nach der Finanzkrise von 1999 in den frühen 2000er Jahren recht schnell erholte. Das BIP wuchs im Jahr 2000 bereits um 7 %, die Industrieproduktion sogar um 9,8 %. Dieses wirtschaftliche Wachstum hatte verschiedene Ursachen, die nicht allein in der neuen Kontrolle des russischen Staates zu suchen sind. Die Rubelabwertung von 1998 ermöglichte es, russische Produkte sehr günstig auf dem internationalen Markt zu verkaufen. Zudem stieg der weltweite Erdölpreis, was insbesondere dem rohstoffexportlastigen Sektor der russischen Wirtschaft zugutekam. In diesem Zusammenhang beschränkte der russische Staat die Binnenpreise für Energieträger, wodurch die inländische Produktion verbilligt und der Konsum innerhalb der Bevölkerung angekurbelt wurde. Ein weiteres staatliches Mittel zur Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung war die Einführung staatlicher Überwachung der Unternehmen. Dafür wurden auch die Geheimdienste mit einbezogen. Trotz der verstärkten staatlichen Kontrolle wurde bis 2005 weiterhin angenommen, dass etwa 25 % der Wirtschaft nicht vollständig erfasst oder reguliert waren.

Ein Ergebnis des wirtschaftlichen Wachstums waren insbesondere die gesteigerten Exporte. Bis 2003 konnten diese um 29,8 % erhöht werden, während die Exporte in die GUS-Staaten sogar um 33,8 % stiegen. Insgesamt wurde der Warenumschlag mit dem Ausland vergrößert, und zwar um das Fünffache. Dabei spielten Staatsbetriebe eine bedeutende Rolle, da sie sowohl die finanziellen Mittel bündeln als auch die notwendigen organisatorischen Kapazitäten bereitstellen konnten. Trotz der aufsteigenden Tendenzen blieb die Kapitalflucht ein Problem der russischen Ökonomie, die im Jahr 2000 bei immer noch 20 Mrd. USD lag. Gleichzeitig nahmen die Investitionen in die RF zu, von 2000 bis 2008 waren es 82 Mrd. USD.

Russland verfügt über reiche Vorkommen an Rohstoffen, insbesondere an Erdöl und Gas. Durch die Übernahme der beiden großen Unternehmen Jukos und Sibneft durch die Staatskonzerne Rosneft und Gazprom konnte der russische Staat die Kontrolle über die Rohstoffexporte zurückgewinnen. Bis 2007 kontrollierte der Staat somit wieder über 40 % der Förderungen. In den 90er Jahren waren zusätzlich Konzessionen zur Förderung von Öl und Gas an ausländische Konzerne vergeben worden. Für ihre Gewinne aus den Förderungen mussten sie keine Abgaben bezahlen, solange sie ihre Unkosten noch nicht wieder reingeholt hatten, was zu einer ständigen vorgeblichen Unkostenerhöhung seitens der Unternehmen führte. Deshalb wurden u.A. diese Konzessionen auf den Prüfstand gestellt und zum Teil wieder zurückgenommen. Trotzdem kamen 2007 weiterhin 26 % der Ölfördermenge ausländischem Kapital zu.

Trotz großer Gewinne durch Exporte der Rohstoffe kam es 2001 zu einer Energiekrise im Inland. Es zeigte sich, dass ein Spannungsfeld in der russischen Ökonomie zwischen dem Bedarf an Rohstoffen im eigenen Land und der Exportmenge existierte.

2007 war das Jahr des größten Zuwachses des BIP (+8,1 %). Damit lag die RF noch vor Italien und Frankreich. Insgesamt lag das Wirtschaftswachstum von 2000 bis 2007 bei 72 %. Trotzdem lag das Verhältnis von Investitionen aus dem Ausland zu Investitionen russischen Kapitals ins Ausland weiterhin bei 15:1. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Russland zu dieser Zeit keinen nennenswerten Netto-Kapitalexport betrieb.

Das Geschäft mit Europa beschrieb Putin 2008 weiterhin als schwierig:  europäischen Firmen würden sich nicht an Absprachen halten und russische Firmen würden vom europäischen Markt ferngehalten werden, z.B. bei atomaren Brennstoffen. Unter den europäischen Ländern nahm die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Rolle in den wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland ein. Sie begrüßte insbesondere die Marktliberalisierung, da sie ihrem Export hochwertiger Industrieprodukte zugutekam.

Es ist wichtig zu erkennen, dass die russische Wirtschaft nicht so weit diversifiziert werden konnte, wie ursprünglich geplant. Im Jahr 2008 machten Rohstoffe noch 80 % der russischen Exporte aus, während Industrieprodukte lediglich 15 % ausmachten. Besonders die Rüstungsindustrie spielte eine bedeutende Rolle, da sie als einziger wettbewerbsfähiger Sektor gilt, der zudem staatlich dominiert wird. Während der Finanzkrise zeigte sich jedoch, dass selbst die profitablen Rohstoffunternehmen nicht stabil aufgestellt waren und 2008 mit 150 Mrd. Rubel unterstützt werden mussten.

Insgesamt konnte sich die russische Wirtschaft im weltweiten Vergleich von Platz 22 im Jahr 1999 auf Platz 11 im Jahr 2008 verbessern.

Sozio-ökonomische Verbesserungen für die russische Arbeiterklasse im Rahmen der kapitalistischen Möglichkeiten

Nur das wirtschaftliche Wachstum kann eine tatsächliche zuverlässige Grundlage für eine langfristige Lösung der sozialen Probleme, auch für Armutsbekämpfung geben. (Putin 2006)

Für weite Teile der russischen Arbeiterklasse war die Tausch- und Selbstversorgung weiterhin essenziell, um über die Runden zu kommen. Aus diesem Grund spiegeln die Lohnstatistiken in diesem Fall nicht unbedingt das tatsächliche Einkommen der Arbeiterinnen und Arbeiter wider.

Wie bei der Besteuerung wurde auch der Minimallohn niedrig gehalten, um zu verhindern, dass Unternehmen in die Schattenwirtschaft abwandern. Im Jahr 2002 sollte der Minimallohn an das Existenzminimum gebunden werden, was eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen versprochen hätte. Dieses Vorhaben wurde jedoch 2004 zurückgezogen, und zusätzlich wurden die Lohnnebenkosten gesenkt.

Im Jahr 2007 wurde der Minimallohn von 1.100 auf 2.300 Rubel angehoben. Da der Steuerfreibetrag jedoch nicht erhöht wurde, unterlag ein größerer Teil des Einkommens der Besteuerung. Der Minimallohn lag weiterhin unter dem Existenzminimum und stand im starken Kontrast zur boomenden Wirtschaft und den hohen Gewinnen der Unternehmen. Zudem galt der Minimallohn nicht landesweit, sondern konnte von den Regionen angepasst werden. Insgesamt stiegen die Löhne bis 2007 um das 2,5-fache. Der Sozialstaat wurde zwar aufgebaut und sollte gemäß der Agenda größere Teile der Bevölkerung unterstützen, dennoch spiegelte er auch die marktliberale Linie Putins wider: Bürger wurden dazu angeregt, sich selbst um ihre Renten- und Gesundheitsversorgung zu kümmern. Parallel dazu wurden die Sozialabgaben der Arbeitgeber 2004 von 35,6 % auf 26 % gesenkt. Zudem wurde 2005 eine Erhöhung des Rentenalters beschlossen: Für Männer von 60 auf 68 Jahre und für Frauen von 55 auf 63 Jahre. Dies konnte nicht durchgesetzt werden, weil der Widerstand zu groß war und damit auch 2007 noch immer jeder zweite Mann vor dem Eintritt in die Rente verstorben wäre.

Eine weitere einschneidende Maßnahme war die Abschaffung von Vergünstigungen für viele Arbeiter und Veteranen bei Medikamenten und dem öffentlichen Personenverkehr im Jahr 2006. Diese Vergünstigungen stammten noch aus der Sowjetunion und sollten durch Geldleistungen ersetzt werden. Für einige stellte dies einen positiven Schritt dar, da sie ohnehin keinen Zugang zu vergünstigtem ÖPNV hatten. Für andere hingegen bedeutete die Kürzung einen erheblichen Einschnitt, da die angebotenen Geldleistungen nicht ausreichten, um die Kosten für Medikamente zu decken. Neben den Einsparungen für den Staat wurde die Kürzung auch damit begründet, dass man sich von dem sozialistischen Erbe trennen wolle.

Die Armut, die mit der Konterrevolution in die Russische Föderation einzog, blieb auch nach 2000 erheblich. Im Jahr 2007 galten 16,3 % der Bevölkerung als extrem arm. Auch wenn die absolute Armut von 40 % 2000 auf 20 % 2008 der Bevölkerung sank, blieb sie dennoch ein bedeutendes Problem, da nach wie vor die Hälfte der Bevölkerung weniger als 60 % des durchschnittlichen Einkommens verdiente.

Teil IV: Russlands Kapitalismus nach und in den Krisen

Die Weltwirtschaftskrise 2008 und die ab 2015 verhängten Sanktionen haben die materielle Krisenanfälligkeit der politischen Agenda, die in Teil III dargelegt wurde, deutlich gemacht. Sie haben der Regierung aufgezeigt, dass alle Bemühungen, eine unabhängige Entwicklung Russlands zu verfolgen und dabei den Westen einzubeziehen, zum Scheitern verurteilt sind. Im folgenden Teil wird die Politik seit 2008, ihre Widersprüche und Folgen für Russland untersucht.

Die Politik seit 2015 und 2022: Versuche der Trennung vom Westen

Seit 2008, und insbesondere seit der intensiven Sanktionspolitik ab 2015, die durch die Eingliederung der Krim in die RF ausgelöst wurde, bemüht sich Russland verstärkt darum, die strukturellen Probleme zu verringern, die seine Abhängigkeit vom Rohstoffexport und seine Anfälligkeit bedingen.

Ein wichtiges Mittel für den Kampf gegen die oben dargelegte schädliche Abhängigkeit von ausländischem Kapital- und Warenimport ist eine verstärkte Importsubstitutionspolitik. Ziel ist es, ein nationales Produktionssystem zu schaffen, das, geschützt vor überlegenen Importen, neue Strukturen entwickelt und in Bezug auf Preise, Qualität und Diversität ein Niveau erreicht, das mit internationalen Wettbewerbern vergleichbar ist. Dieses nationale Produktionssystem soll den Import von Gütern durch eine eigenständige Produktion ablösen. (vgl. Vercieul, 2023, S.50).

Weiterhin wird, wie schon ähnlich in den frühen 2000er Jahren, die Diversifizierung der Wirtschaft angestrebt, um die Abhängigkeit der Volkswirtschaft aus den Exporterlösen der Rohstoffförderung zu senken. Dies treibt Russland insbesondere seit den extremen Primär- und Sekundärsanktionen gegen seine Exporte voran.

Brangsch (2022) bezeichnet diese Maßnahmen als „neue Lösungen für alte Probleme“; in Anbetracht dessen, dass es diese Bemühungen allerdings schon in den frühen 2000er Jahren gab, ist fraglich, ob es sich wirklich um „neue Lösungen“ handelt. Ein wesentlicher Unterschied ist freilich die verstärkte Abwendung vom Westen auf der einen und Zuwendung in Richtung China, Indien u.A.

Was diese politische Agenda für das Verhältnis zwischen Staat und Kapital innenpolitisch bedeutet, ist derzeit Gegenstand intensiver Debatten und Interessenkonflikte in Russland. Brangsch beschreibt, dass es in den russischen Führungskreisen nach wie vor „wirtschaftsliberale Strömungen“ gibt, die gegen „konservative“ Kräfte kämpfen. Dies deutet darauf hin, dass westlich orientierte Kräfte weiterhin Einfluss in den russischen Eliten haben. Die Militäroperation in der Ukraine sei ganz offensichtlich ohne Zustimmung breiter Teile des russischen Großkapitals entschieden worden. Um solche Unsicherheiten in Zukunft zu vermeiden, sei ein Umbau der Kapitalistenklasse mit dem Ziel einer stärkeren politischen Loyalität das Ziel.

Ob dies angesichts der strukturellen Probleme Russlands in der daraus resultierenden mangelhaften Attraktivität als Akkumulationsstandort – trotz der o.g. Reformen – realistisch ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Teil V: Der Zustand der russischen Volkswirtschaft als langfristiges Ergebnis der (Wirtschafts-) Politik in Russland 

Die russische Volkswirtschaft ist durch die staatliche Übernahme und Interventionen der aus Sicht der Regierung strategisch relevanten Abteilungen (siehe Teil III) auf der einen, und der Widersprüche der Kapitalisierung der sozialistischen Gebrauchswertökonomie auf der anderen (Teil II) weiterhin geschieden in rentable und unrentable Abteilungen.

Die Programmatik der Putin-Regierung war und ist die Herstellung eines nationalen Kapitalismus, der Gewinne für den Erfolg und Selbstbehauptung Russlands in der Staatenwelt abwirft. Ein solcher Kapitalismus wurde aus ihrer Sicht von der Jelzin-Administration zwar bezweckt, aber noch nicht erfolgreich in die Welt gesetzt. Als zentraler politischer Handlungsschwerpunkt folgt daraus bis heute, dass der Staat die Kommandogewalt über seine Wirtschaft und sein Geld zurückerlangt – auch gewaltsam gegen die Interessen einzelner Eigentümer (vgl. Teil III).

Der Staat hat sich durch diese Politik einen maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen der Staatsbetriebe eingekauft. Durch staatliche Investitionen soll die Produktivität dieser Betriebe vorangebracht werden. Durch solche Übernahmen sollen die Exporterlöse für die Entwicklung der russischen Volkswirtschaft abgesichert werden. Aus dieser wirtschaftspolitischen Zielsetzung, gepaart mit den finanziellen Begrenzungen, vor denen der russische Staat steht, folgt jedoch, dass er nur sehr bestimmte Abteilungen der Volkswirtschaft so übernehmen, bezuschussen und kontrollieren kann. Vercieul  bezeichnet dies als „selektiven Staatsmonopolismus“, bei dem die wirtschaftlichen Aktivitäten des Staates zwar zugenommen haben, sich jedoch auf spezifische Branchen konzentrieren (ebd. S.40). Auf die finanzielle Begrenztheit dieser Politik geht Vercieul ein, der unterschiedliche Einschätzungen der russischen Monopolkommission, Fachzeitschriften und des IWF über den staatlichen Anteil an Unternehmensbeteiligungen zitiert (ebd. S.45), die hier jetzt aber nicht vertieft werden.

Das Problem der Scheidung in rentable und unrentable Abteilungen der russischen Volkswirtschaft ist nicht etwa nur ein für Russland zu bedauernder Einschnitt des russischen BIP, sondern ein fundamentales Problem für seine Volkswirtschaft als Ganzes: Alle Abteilungen seiner Volkswirtschaft sind weiterhin, aufgrund der in Teil I und Teil II geschilderten postsowjetischen Produktionsbeziehungen, organisch aufeinander angewiesen (vgl. Teil I und II). Die gesamtnationale Kapitalakkumulation ist daher abhängig von der gegenseitigen Notwendigkeit der Einzelbetriebe, Kapital zu akkumulieren. Die Konsequenz dieses fundamentalen Problems ist ein negativer Zirkel/“Teufelskreis“: Die mangelnde Rentabilität des einen Betriebs wirkt sich notwendig negativ auf die Rentabilität des anderen aus und die wiederum auf den dritten etc. Es stellten sich also weiterhin nur sehr schleppend kapitalistische Produktions- und auch Konkurrenzbeziehungen in der russischen Binnenwirtschaft (und auch im GUS-Wirtschaftsraum) ein.

Auf dieses Problem reagiert der russische Staat mit zwei Maßnahmen. Erstens versucht er, mit Staatsaufträgen, v.a. in der Infrastruktur, die unrentablen Abteilungen zu „unterstützen“ – in dem Sinne, dass er sie durch seine Aufträge produzieren lässt. Zweitens werden die rentablen Betriebe verpflichtet, die unrentablen zu unterstützen – in dem Sinne, dass sie dabei gesetzlich unter Druck gesetzt werden (durch Importsteuern) und finanziell unterstützt werden, ihre Vorprodukte von russischen Produzenten zu beziehen bzw. den Verkauf ihrer Produkte an russische Firmen, z.T. zu günstigeren Konditionen, dem Verkauf an ausländische Kunden vorzuziehen oder direkt mit ihrem Kapital in die unrentablen Betriebe zu investieren.

Eine weitere Verpflichtung, die der Staat den Betrieben auferlegt, besteht darin, einen größeren Anteil an den Reproduktionskosten der Bevölkerung zu tragen. Er ist weiterhin darauf aus, den in Teil I und Teil II geschilderten Niedergang der Ressource der menschlichen Arbeitskraft als Hindernis für einen nationalen kapitalistischen Erfolg Russlands zu verhindern. Die Betriebe werden entsprechend dazu verpflichtet, überhaupt, regelmäßig und ausreichend Löhne zu zahlen. Dies scheiterte bisher und bis jetzt nicht nur an der „Dreistigkeit“ der Betriebe, dies nicht zu tun – ein Resultat der neuen Freiheit, die ihnen das neue kapitalistische Russland gewährte – die Zahlung von Löhnen, die die Reproduktion der Arbeiterklasse halbwegs ermöglichen kann, scheitert auch schlicht daran, dass die Betriebe selbst nicht in der Lage waren, dafür ausreichend Geld zu verdienen und folglich die Lohnkosten zu stemmen.

Die hier dargelegten staatlichen Verpflichtungsmaßnahmen für das Kapital – die Unterstützung der unrentablen Betriebe durch die rentablen und die Zahlung der Reproduktionskosten der Arbeiterklasse – mindert die Rentabilität der Betriebe weiter. Dadurch wird sowohl vom Staat als auch vom Kapital Geld investiert, das sich nicht oder nur schlecht kapitalistisch rentiert, also unproduktiv verausgabt wird. Dies hat Folgen:

Die großen kapitalistisch erfolgreichen Energiekonzerne beklagen Kapitalmangel und stellen fest, dass ihre von staatlichen Krediten ermöglichten Investitionen in russische Förder-, Entwicklungs- und Forschungsmethoden nur mäßig Gewinn abwerfen. In der Folge entscheiden sie sich gegen solche Investitionen und a) sparen das Geld oder b) verkaufen die noch in der Sowjetunion erschlossenen Vorkommen bis zur Neige.

Solche Entscheidungen, die die Unternehmen im Rahmen ihrer Unternehmensfreiheit treffen, stehen gegen das staatliche Interesse, die russische Volkswirtschaft zu einer erfolgreich kapitalistischen zu machen. Sie rufen entsprechend politische Reaktionen hervor – eine maßgebliche ist die, dass der Staat selbst Unternehmen und Banken gründet.

Staatliche Unternehmensgründungen und Kreditierung

Russland gründete sechs staatliche Öl- und Gascluster, um den im vorherigen Kapitel dargelegten privatkapitalistischen Entscheidungen der Betriebe, die in dieser Branche tätig sind und von denen sich ein Beitrag zur nationalen Akkumulation erhofft wird, entgegenzuwirken.

Auch das russische Finanzwesen, das ursprünglich für die Kreditierung der Betriebe geschaffen wurde, hat außerhalb des Rohstoffsektors nur begrenzte Möglichkeiten, erhebliche Gewinne zu erzielen. Infolgedessen gibt es im Finanzsektor keine ausreichenden Kapitalreserven, um große wirtschaftliche Projekte zu finanzieren. Folglich bleibt der Staat (mit seinen Banken Sberbank und VTB) und nicht etwa kleinere russische Privatbanken der Hauptakteur für die Kreditschöpfung und Kreditvergabe für die russischen Unternehmen. Und damit setzt sich auch die Problematik der russischen Staatsverschuldung als wesentliches Element der Initiierung wirtschaftlichen Erfolges fort: Durch kontinuierlich unproduktive Staatsinvestitionen wird das aufgenommene Staatsschuldenkapital nicht in produktives Geldkapital umgewandelt. Diese Investitionen führen zu keiner oder nur unzureichend erfolgreichen Kapitalakkumulation, die sie als gerechtfertigt erscheinen lassen würde. Damit bleiben auch die Kreditvergabe-Bedingungen, v.a. die Kreditkosten durch steigende Zinsen des russischen Staates, erschwert. Die Kreditfähigkeit des russischen Staates hängt weiterhin stark von den Devisenreserven der Zentralbank ab.

Diese Politik hat also nur zum Teil das erreicht, was bezweckt wurde. Die Scheidung der russischen Volkswirtschaft in einen kleinen kapitalistisch rentablen und einen in der Breite kapitalistisch unrentablen Teil bleibt. Diese Zweiteilung wird auch mit der Politik der Putin-Administration fortgesetzt: Weiterhin werden solche erfolgreichen kapitalistischen Inseln hergestellt, erhalten und gefördert und auch weiterhin wird der Erhalt unrentabler Produktionsabteilungen staatlich befohlen – mit ebendem fortschreitenden Ruin dessen Produktionsapparats, da Investitionen in Erneuerung und Instandhaltung dieser Abteilungen vom Kapital als nicht rentabel beurteilt werden.

Russland schafft es also bei aller staatlich subventionierten Produktivität nicht zu einer weitreichenden kapitalistischen Rentabilität. Mit Ausnahme von Waffen sind russische Waren auf dem Weltmarkt nicht weiter nachgefragt. Damit beruht das ganze Projekt der nationalen Stärke Russlands auf kapitalistischer materieller Grundlage weiterhin auf vor allem einer Geldquelle: Die Öl- und Gasvorkommen. Diese Quelle unterliegt Schwankungen und politischen Entscheidungen, die außerhalb Russlands politischer Gewalt liegen. Sie und damit das ganze russische kapitalistische Staatsprojekt ist damit angreifbar. Deshalb entscheidet sich Russland, vor allem nach dem Einbruch der Ölpreise in der Krise 2008 für ein weiteres Instrument, das aus seiner Sicht die Akkumulation im Land voranbringen soll: Kapitalimport aus dem Ausland.

Kapitalimport aus dem Ausland- die Zurichtung Russlands als attraktiver Investitionsstandort

Der Einbruch der Ölpreise infolge der Krise 2008 und die darauf folgende Spekulationen gegen Russlands Staatsschulden haben die Herrschenden zur Erkenntnis gebracht, dass ihr Aufbauprojekt sehr stark von Faktoren, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, abhängt. Dies und die Erkenntnis, dass inländische private und staatliche Investitionen zu keiner Erweiterung der Rentabilität der Volkswirtschaft führen, hat sie in dem Beschluss bestärkt, ihre industrielle Basis durch Kapitalimport aus dem Ausland zu erweitern.

Für diesen Zweck gibt es drei Mittel: Sonderwirtschaftszonen für ausländisches Kapital, die Bereitstellung unrentabler Betriebe für ausländisches Kapital und die Öffnung des russischen Marktes für ausländische Unternehmen (GSP 2013).

Die zweite Maßnahme- die Bereitstellung von Betrieben für ausländisches Kapital- wird durch bestimmte investitionsfreundliche Bedingungen verstärkt. Russland ist insbesondere wegen seiner niedrigen Umweltschutzstandards attraktiv für bestimmte Industrieinvestitionen, da diese Standards für westliche Investoren in ihren Heimatländern zusätzliche Kosten verursachen. Darüber hinaus werden Teile der noch kaum kapitalisierten Landwirtschaft für ausländische Investitionen geöffnet. Zuletzt – und das ist der politisch besonders zentrale Punkt – werden russische Betriebe als „verlängerte Werkbank“ für westliches Kapital angeboten. Attraktiv werden solche Investitionen vor allem aufgrund im Vergleich zu westlichen Staaten geringen Arbeitsschutzstandards und Löhnen.

Politisch brisant, und im Gegensatz zur Zielsetzung stehend, ist dieser Schritt vor allem deshalb aus zwei Gründen: Erstens, weil mit einer solchen Funktionalisierung der russischen Betriebe ein Verlust der nationalen Souveränität über technologische und fertigungstechnische Fähigkeiten einhergeht, ein schmerzhafter Verlust für die internationale Konkurrenzfähigkeit aber auch Souveränität der über die eigenen staatlichen Gewaltmittel (Flugzeugindustrie). Zweitens, weil mit der Öffnung des russischen Marktes, v.a. für weltbeherrschende Autokonzerne, die für Arbeitsplätze und Autos für die russische Bevölkerung sorgen sollten, vor allem zu Profiten ebendieser Konzerne, die mangels rentabler Investitionsmöglichkeiten in Russland ihr dort verdientes Kapital vor allem außerhalb von Russland investieren. Die russische Zahlungsfähigkeit wird hier also aus Russland abgeschöpft und nicht dort reinvestiert, was für eine nationale Kapitalakkumulation notwendig wäre.

Zusammengefasst führt der Import von ausländischem Kapital nach Russland und die dafür staatlich hergestellten Investitionsbedingungen dazu, dass konkurrenzfähigere ausländische Kapitale vor allem russische Betriebe auf dem eigenen Markt verdrängen. Die bezweckte Verringerung der Scheidung des Landes in rentable und unrentable Abteilungen zum Zweck einer erfolgreicheren gesamtnationalen Kapitalakkumulation wird damit nicht, wie beabsichtigt, erreicht, sondern verschärft.

Anwerben von ausländischem Finanzkapital

Die in Kapitel III skizzierte erfolgreiche Schuldenkonsolidierung wird in Russland als gute Bedingung für die Anwerbung von internationalen Finanzkapital gesehen, dass die mangelhafte Investitionsfähigkeit und -tätigkeit des russischen Staates und Kapitals kompensieren soll.

Das Finanzkapital schätzt die Kreditwürdigkeit des Staates und der Betriebe jedoch äußerst kritisch ein. So wird einerseits durchaus in die rentablen Abteilungen der russischen Wirtschaft investiert. In Abteilungen mit zweifelhaften Wachstumsaussichten wird allerdings weniger investiert und wenn, dann wird sich das damit verbundene Risiko mit hohen Zinsraten und Kreditkonditionen in Rechnung gestellt – eine Rechnung, die sich ein russischer Betrieb mit zweifelhaften Erfolgsaussichten dreimal überlegt. Grundlage dieses Zweifels der Investoren ist, dass der kapitalistische Erfolg russischer Betriebe – wenn er denn eintritt – stark abhängt von der auswärtigen Nachfrage der russischen Rohstoffe. Ein weiterer Mangel, den die Investoren benennen, ist der zunehmende unrentable Einsatz der Staatseinnahmen für die Alimentierung für die Fortsetzung der Produktion und Reproduktion der Arbeiterklasse (s.o.). Das Finanzgewerbe urteilt über Russland als Anlagesphäre und seine Währung selbst als schwach, weil es abhängig ist vom Devisenschatz in der Leitwährung, der wiederum abhängig ist vom Rohstoffexport des Staates und der unterliegt einigen Gefahren. Die ins Land geholte Finanzwelt sieht sich deshalb gezwungen, ihr in Rubel verdientes Geld in Devisen zu tauschen und in außerrussischen, also nicht in Rubel lautenden Finanzanlagen zu vermehren. Das gilt auch für russische Geldkapitalisten.

Das westliche Finanzkapital, das nach Russland kommt und dort akkumuliert wird, verlässt also in der Summe das Land. Der ausgehend von ihren Investitionen akkumulierte Reichtum wird dort in der Summe mehr außer Land geschafft, als er für eine nationale Akkumulation reinvestiert wird. Es handelt sich in Summe also um Kapitalabfluss. Dieser Kapitalabfluss ist damit keineswegs Ausdruck einer weltweiten Eroberung russischen Finanzkapitals, sondern ganz im Gegenteil Ausdruck der weiterhin existierenden Schwäche der russischen Volkswirtschaft, des Staates und seiner Währung.

Vercieul schlussfolgert, dass sich an der Art und Weise, wie Russland in die Weltwirtschaft eingebunden ist, seit den 90er Jahren kaum etwas verändert hat. Er führt diese Stagnation auf die hier so ähnlich skizzierten immanenten Probleme des postsowjetischen Kapitalismus zurück, die er als „Russian Disease“ bezeichnet. Die Abhängigkeit der nationalen Akkumulation und damit Reproduktion des russischen Staates von den Rohstoffexporten sei weiterhin gegeben und damit seine hohe Anfälligkeit für äußere Schocks wie Sanktionen und Ölpreisschwankungen (Vercieul 2023, S.43).

Alle Versuche Russlands, dem ernsthaft entgegenzutreten, d.h. seine strategischen Interessen von den ökonomischen Machthebeln des Westens unabhängig zu machen, scheiterten in der Regel am Widerstand der westlichen Regierungen. Das Ziel, sich als Macht aufzubauen, die ihre wirtschaftlichen Beziehungen als politische Hebel nutzen kann, um ihren Interessen Geltung zu verschaffen – diesen strategischen Statusgewinn wollen die westlichen Staaten nicht zulassen. Beispielhaft für den Widerstand seien hier einmal die zahlreichen Versuche der EU genannt, einen Zugewinn an russischer Marktmacht zu verhindern. Darüber hinaus mobilisieren die USA seit jeher Flüssiggas, um die europäischen Staaten von der Abhängigkeit russischen Gases zu „befreien“. Insbesondere diese Politik schadet den russischen Staatsfinanzen erheblich, da teure Pipelines als Investitionsruinen liegen bleiben. Zuletzt gibt es zahlreiche Beispiele für die aktive Verhinderung russischer Investitionen in die EU.

Zusammenfassung: Der russische Kapitalismus heute und seine Einbindung in die imperialistische Weltordnung

Der russische kapitalistische Staat ist bis heute ökonomisch und politisch sehr instabiles. Genau auf diese Instabilität zielen die schon seit Jahren forcierten Sanktionen und ökonomischen Druckmittel gegenüber Russland ab.

Ein wesentlicher Grund für diese ökonomische Instabilität ist die Abhängigkeit der russischen Ökonomie von den Erlösen des Verkaufs fossiler Brennstoffe, Vorprodukten und Mineralstoffen. Denn der Verkauf dieser Rohstoffe bzw. Vorprodukte hat aufgrund der ökonomischen Rückständigkeit Russlands notwendigerweise das Ziel, Devisen in Weltwährung (v.a. USD und EUR) zu beschaffen, um damit den Einkauf von Waren und Technologien zu finanzieren, die für die nationale Entwicklung importiert werden müssen. Russland ist nicht in der Lage, diese Waren und Technologien selbst zu produzieren, sodass dieser Teil der Wertschöpfung nur in einem sehr geringen Maße stattfindet. Die russische Volkswirtschaft ist damit in keiner Weise konkurrenzfähig gegenüber den großen westlichen Industrienationen. Darüber hinaus unterliegen die Währungen, die sich Russland als Devisen beschaffen muss, der politischen Kontrolle der Länder, deren Zentralbanken sie emittieren (d.h. FED in USA und EZB in Europa) und in denen sich die Zentren des internationalen Finanzkapitals befinden.

Die russische Volkswirtschaft muss mit ihren strategischen Exportgütern – sowohl in privaten als auch in staatlichen Betrieben produziert – auf dem Weltmarkt Devisen verdienen. Diese Devisen werden benötigt, um die für die Produktion dieser Güter und die allgemeine Reproduktion des Landes erforderlichen Waren, insbesondere Technologie und Maschinen, zu importieren. Nur aufgrund dieser strategischen Bedeutung ist in den Unternehmen dieser Branchen auch der russische Staat Hauptanteilseigner – das war die wesentliche Änderung der politischen Agenda Russlands mit dem Regierungsantritt Putins. Diese Abhängigkeit der Reproduktion der Volkswirtschaft durch die Devisenbeschaffung durch Rohstoffexport stellt eine weitere extreme strategische Schwäche dar, die die politischen Feinde Russlands durch bspw. Gas- und Ölembargos, so geschehen 2022, ausnutzen können.

Weiterhin muss sich Russland aufgrund seiner Rückständigkeit notwendig ausländischen Unternehmen mit einer überlegeneren Produktivität als Investitionsstandort anbieten – es betreibt also Kapitalimport. Dafür bietet es dem internationalen Kapital billige Arbeit, Energie, Grundstoffe und einen großen Absatzmarkt an. Diese Notwendigkeit bedeutet eine strategische Schwäche, da diese Länder entsprechend ihrer politischen Ziele diese Unternehmen auch wieder abziehen können. Der Abzug von westlichem Kapital war entsprechend 2022 ein wichtiges Sanktionsinstrument gegen Russland.

Zuletzt muss sich Russland für die Refinanzierung seiner Schulden und besagten Importen auf dem Weltmarkt auf den internationalen Finanzmärkten durch Emission von Staatsanleihen Devisen beschaffen. Die Stabilität seiner Währung ist abhängig von den nationalen Devisenreserven in den Weltwährungen. Auch dies stellt eine strategische Schwäche dar, die von seinen politischen Gegnern genutzt wird. Das Einfrieren der russischen Devisenreserven, der Ausschluss Russlands aus SWIFT und das Verbot des Einkaufs russischer Staatsanleihen ist den imperialistischen Hauptmächten möglich, da sich die Institutionen ebendieses internationalen Finanzkapitals auf ihrem Hoheitsgebiet befinden. Sie sind damit in der Lage, Russland komplett vom internationalen Zahlungsverkehr auszuschließen (SWIFT) und außerdem in den Status eines Schuldners ohne Kredit (Verbot des Aufkaufs russischer Staatsanleihen) zu werfen.

Durch die Konterrevolution, den Ausverkauf in den 90er Jahren und die, wenn auch selbstbewusster artikulierte, fortgesetzte Teilnahme an der imperialistischen Weltordnung seit 2000 hat sich Russland in eine starke Abhängigkeit von den imperialistischen Hauptmächten manövriert. Die Reproduktion und Entwicklung des kapitalistischen Russlands ist damit materiell wesentlich von dieser Devisenbeschaffung und damit stark vom politischen Willen der imperialistischen Hauptländer abhängig. Für diese Einbindung in die imperialistische Weltordnung entscheidet sich die bürgerliche russische Regierung. Die Widersprüche und Schwächen, die dies mit sich bringt, wird regelmäßig von den linken Kräften in Russland politisch angegriffen.

So wird Russland in der internationalen und v.a. russischen Politikwissenschaft als „halbperipherer Kapitalismus“ bezeichnet.

Diese Abhängigkeit ist ein Kriegsmittel der politischen Feinde Russlands: Teile der industriellen und kommerziellen Aktivitäten im Land befinden sich in der Hand von ausländischen Kapitalen, die in der Lage sind, diesem ihr Kapital zu entziehen und dass auch tun, wenn es die politische Agenda ihres jeweiligen Staates ist, z.B. 2022 der Rückzug von British Petrol aus Rosneft – Anteil bis dato 20 %.

Die überlegene Produktivität und viel investitionswilliges Kapital des Westens werden so zu strategischen Kampfstoffen gegen ein Russland, das auf solche Produkte und Kapitalimporte weiterhin schlecht oder gar nicht verzichten kann.

In der Konsequenz führen diese Maßnahmen zu weiteren Ausfällen in der wirtschaftlichen Reproduktion des Landes, was wiederum Arbeitslosigkeit und soziale Verwerfungen nach sich zieht. Diese Effekte werden vom Westen bewusst provoziert, um eine Spaltung zwischen dem russischen Volk und seiner Regierung herbeizuführen, die als materielle Grundlage für eine mögliche politische Destabilisierung dienen könnte. Ob und inwiefern sich Russland unter kapitalistischen Bedingungen durch die im letzten Kapitel kurz dargelegten Entkopplungsversuche von einer solchen Abhängigkeit und Unterlegenheit lösen kann – das wäre ein politisch interessante Gegenstand einer weiteren Arbeit.

Quellen

  • 1
    Im Folgenden kann nicht tiefer auf grundsätzlichere politische Orientierungen, z.B. die Bedeutung der „Friedlichen Koexistenz“, die zu solchen wirtschaftspolitischen Entscheidungen führten, eingegangen werden. Ziel dieses Kapitels ist es ausschließlich, die Abfolge von Entwicklungen logisch darzulegen, die zu einer Zerstörung der sowjetischen Volkswirtschaft und darauf folgenden Integration der neuen russischen Volkswirtschaft in den kapitalistischen Weltmarkt der imperialistischen Weltordnung führte.

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Kommentare

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    Im Folgenden kann nicht tiefer auf grundsätzlichere politische Orientierungen, z.B. die Bedeutung der „Friedlichen Koexistenz“, die zu solchen wirtschaftspolitischen Entscheidungen führten, eingegangen werden. Ziel dieses Kapitels ist es ausschließlich, die Abfolge von Entwicklungen logisch darzulegen, die zu einer Zerstörung der sowjetischen Volkswirtschaft und darauf folgenden Integration der neuen russischen Volkswirtschaft in den kapitalistischen Weltmarkt der imperialistischen Weltordnung führte.

Миграция, рабочий класс и империализм 

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Филипп Киссель, Коммунистическая Организация, ФРГ.

  1. ПОЧЕМУ МИГРАЦИЯ?
    Резервная армия промышленности и паразитизм богатых стран
    Иностранные рабочие, подневольные работники, гастарбайтеры
  2. ОГРАНИЧЕНИЕ И ПОДДЕРЖКА ОДНОВРЕМЕННО
    Запрос на ограничение миграции
    На темной стороне
    Произвол по умыслу

    Право на убежище не для жителей колоний
  3. ЧЬИ СОЦИАЛЬНЫЕ СИСТЕМЫ?
    Несправедливость как справедливость
    Бесплатное воспроизводство
  4. ИМПЕРИАЛИЗМ И ПРАВОЗАЩИТНАЯ ДЕЯТЕЛЬНОСТЬ
    Разжигание ненависти и раса господ
    Международный рабочий класс

Миграция – одна из главных тем текущих политических дебатов. Большинство «аргументов» не новы, а скорее являются повторением кампании 1990х годов под названием «Лодка переполнена». В левом движении существует, с одной стороны, либеральное течение, поддерживающее империалистическую стратегию миграции якобы правозащитными аргументами, и, с другой стороны, растущие настроения в пользу ограничения миграции и принятия многочисленных аргументов, которые выдвигает политический мейнстрим.

Здесь будут рассмотрены предпосылки миграции и дискурса об ее ограничении. Во-первых, мы проанализируем функцию миграции при капитализме и особенно при империализме. Во второй и третьей частях на этом фоне мы опишем меры и центральные моменты текущих дебатов. В четвертом разделе будет кратко обсуждаться позиция рабочего класса.

Допуск беженцев, миграции и одновременная травля мигрантов – это не противоречие, а выражение цели капитала: эксплуатация как можно большего числа шантажируемых и незащищенных дешевых рабочих. И притворная гуманность, и целенаправленные расистские кампании являются средствами достижения этих целей в обществе. Реакцией рабочего класса может быть только осознание себя как международного класса, отстаивание подлинной гуманности и классовой солидарности, совместная борьба за права и против империалистической политики войны и эксплуатации.

1 Почему миграция?

Причины бегства и миграции изначально очевидны: разрушение целых стран и экономик, продолжающееся угнетение значительных частей мира, навязанные им голод и отсталость. Однако миграция является не только следствием угнетательской политики империалистических стран, но и выполняет важную функцию для экономики этих стран. Приток дешевой и незащищенной рабочей силы элементарно необходим по разным причинам. Эту сторону миграции можно охарактеризовать как ограбление производственного потенциала слаборазвитых стран.

Резервная армия промышленности и паразитизм богатых стран

Возникновение капитализма связано с отделением труда от феодальных условий, снятием оков феодального правления и появлением множества «свободных» наемных рабочих, т.е. тех, кто был одновременно и свободен, и не владел средствами производства. Огромное количество работников либо насильно перевозили туда, где их должны были угнетать (работорговля), либо вынуждали эмигрировать по необходимости (европейцы в Америку), либо нанимали с помощью регулируемого контрактом принуждения и использовали в качестве крайне низкооплачиваемых наемных рабочих в широких масштабах (китайцы, без которых, например, американская железнодорожная система никогда бы не появилась). Для XIX века были характерны более масштабные волны миграции, чем сегодня.

На империалистической стадии капитализма миграция имеет центральное значение для поддержания империалистической системы эксплуатации. Она является «(…) характерным элементом государственно-монополистического развития. В соответствии со своими эксплуататорскими потребностями капитал разрушает национальные границы; он преодолевает барьеры роста населения в своей стране и создает трудовой потенциал, необходимый для его экономической экспансии, посредством «регулирования свободы передвижения» в рамках капиталистической интеграции и контролируемого государством найма рабочей силы из других стран“[1].

Ленин так сформулировал эпохальный характер этого «переселения народов особого рода»: «Как раз для империализма такая эксплуатация труда хуже оплачиваемых рабочих из отсталых стран особенно характерна. Как раз на ней основан, в известной степени, паразитизм империалистских, богатых стран, подкупающих и часть своих рабочих более высокой платой при безмерной и бесстыдной эксплуатации труда «Дешевых» иностранных рабочих. „(2).

Два фактора, связанные с растущим спросом на рабочую силу, имеют огромное значение для империалистических стран в их постоянном кризисе: стремление к количественному росту доступной массовой рабочей силы любой ценой и в той же степени желание повысить ее шантажируемость и незащищенность. Поэтому капиталу необходимо создать постоянное предложение дешевой рабочей силы, так называемую резервную армию промышленности. Она состоит из доступной рабочей силы, которая может быть как быстро брошена в процесс, так и снова изгнана. Ее функция – поддерживать давление на заработную плату, поддерживая постоянный высокий уровень предложения труда.[3] Эта резервная армия – прямой результат циклического процесса расширения и сжатия капитала. В фазах процветания спрос на труд увеличивается, а вместе с ним растет заработная плата – прибыль падает. В эти фазы актуально добиваться «коррекции» за счет большого количества рабочих вне производственного процесса, которые готовы согласиться на любую работу из-за своего бедственного положения. Во время кризиса резервная армия сильно возрастает.

С точки зрения капитала, резервная армия должна быть как можно более диверсифицированной, т.е. состоять как из более квалифицированных, так и из неквалифицированных работников. К мигрантам, составляющим резервную армию, различные законы и статусы пребывания относятся по-разному. В то время как иммиграция квалифицированной рабочей силы должна быть облегчена, иммиграция неквалифицированной рабочей силы должна быть усложнена. Однако квалифицированные работники не так охотно едут в Германию, поскольку заработная плата сравнительно низка (например, в области ухода за больными). В большинстве случаев именно неквалифицированные работники обречены бежать из своих стран, и на них следует оказывать давление. В резервную армию также входят немцы, которые (временно или надолго) остались без работы. Самые большие части резервной армии должны функционировать как буфер: В пиковые моменты они втягиваются в производственный процесс, а во время кризиса их снова вытесняют. Они должны быть всегда готовы, мобильны и доступны для шантажа. Тот факт, что они не в равной степени подвержены шантажу – немцы в меньшей степени, чем беженцы – с точки зрения капитала раздражает, но в этом есть и свои преимущества, поскольку их можно разыгрывать друг против друга, и немцам всегда можно сказать, что есть ведь те, кому еще хуже. Однако ухудшение условий труда мигрантов всегда направлено и против немецких рабочих, хотя и не всегда сразу и напрямую. Например, введение «общественных работ», мягкой версии принудительных работ, сначала было реализовано для беженцев, а затем распространилось на всех безработных с так называемыми «работами за 1 евро».

В связи с усилением эксплуатации труда следует упомянуть общий фон экономического кризиса. Он состоит не только из циклических кризисов, но и из постоянной тенденции падения нормы прибыли. В этом контексте снижение заработной платы имеет огромное значение, поскольку это один из способов противодействия тенденции к падению нормы прибыли. Снижение заработной платы при одновременном повышении производительности труда – постоянная задача капитала и государства. Поэтому инфляция, увеличение резервной армии и ухудшение существования всего рабочего класса не случайны, даже если их часто представляют как естественные явления.

Положение капитала нестабильно, поскольку проблема нормы прибыли уже приобрела такие масштабы, что становится ясно: правящий класс больше не в состоянии обеспечить существование угнетенного класса. Капитал уже давно не может сделать это «своими силами», а только за счет дополнительных выплат заработной платы со стороны государства (детские пособия, социальные выплаты различных видов) и, таким образом, из фонда воспроизводства самих рабочих. Это означает, что нормы прибыли больше не хватает для покрытия расходов на воспроизводство рабочей силы из-за перепроизводства и перенакопления. Одним из примеров является пособие на ребенка, де-факто дополнение к зарплате, выплачиваемое государством, поскольку затраты на воспроизводство рабочей силы должны включать уход за детьми. Без государственных детских пособий заработная плата должна была бы резко возрасти, что еще больше снизило бы норму прибыли.

Поэтому ухудшение условий труда иностранных работников имеет особое значение, и поэтому существует прямая связь между миграционной политикой и внешней политикой империалистов. С точки зрения империалистов, необходимо не допустить развития производительных сил в угнетенных странах. Ведь такое развитие ведет к увеличению стоимости рабочей силы, а также спроса на саму рабочую силу, которая в результате перестает эмигрировать. Военная политика – это, помимо прочего, политика закупки рабочей силы, и, наоборот, завоз рабочей силы является необходимым условием для активного развития оружейной промышленности.

Обречь многие страны на несчастье и регресс важно с точки зрения империалистических стран для того, чтобы иметь возможность эксплуатировать появившуюся дешевую рабочую силу и таким образом получать сверхприбыли. Это может быть достигнуто за счет эксплуатации в империалистических центрах, но также и в самих угнетенных странах.

Иностранные рабочие, подневольные работники, гастарбайтеры

Приток рабочей силы всегда был важным вопросом для немецкого капитала, чтобы расширять и поддерживать экспортную промышленность. При фашизме миллионы подневольных рабочих были депортированы и подвергались эксплуатации. После 1945 года стали привлекать «гастарбайтеров», а после 1990 года наблюдалось огромное привлечение и эксплуатация рабочей силы. Страны Восточной Европы, которые были деиндустриализованы контрреволюцией и имели хорошо подготовленную рабочую силу, которая теперь была полностью в их власти, стали жертвами немецких компаний, в дополнение к рабочим из аннексированной ГДР.

Ханнес Хофбауэр объясняет в своей в целом информативной, хотя и отчасти спорной книге «Критика миграции»: «Уровень заработной платы играет роль, которая неоднократно преуменьшается в западных СМИ, но на самом деле является решающей. Если в середине 1990-х годов средняя почасовая брутто-зарплата в западных землях Германии составляла 44 DM, а в восточной Германии – 26,50 DM, то в Польше, Венгрии, Словакии и Чехии она составляла от 3 до 4 DM, а в Румынии – 1,40 DM.“[4] В то же время сотни тысяч восточноевропейцев (и восточных немцев), выброшенных из производственного процесса, хлынули на немецкий рынок труда. Многие из них были нелегалами, поскольку страны их происхождения еще не входили в ЕС. Компании были рады смириться с этим, поскольку это позволяло им экономить на социальных расходах и платить чрезвычайно низкую заработную плату. Западногерманская строительная индустрия, бурно развивавшаяся после аннексии ГДР, никогда бы не смогла так сильно расшириться без этих нелегальных восточноевропейских рабочих.

В то время как право на убежище было де-факто отменено в 1993 году, чему предшествовала кампания «Лодка переполнена», корпорации с радостью принимали сотни тысяч нелегалов и других восточноевропейцев с неустойчивым статусом. Позже реформы Харц сыграли центральную роль в значительном ухудшении условий жизни резервной армии и низших слоев рабочего класса. Кроме того, центральную роль сыграло сокращение прав беженцев и одновременно увеличение трудовой мобильности внутри ЕС. Наплыв беженцев в 2015/16 гг. был полезен как для немецких монопольных корпораций в плане приобретения дешевой рабочей силы, так и для оказания дальнейшего давления на внешние государства ЕС с целью заставить их принять беженцев.

Возникает вопрос, следует ли, с точки зрения капитала, сокращать миграционную квоту, т.е. удерживать резервную армию в определенных рамках. Расширение капитала является барьером для размера резервной армии. Если наступит кризис и многие работники в любом случае будут сокращены, а часть резервной армии в обозримом будущем уже не сможет быть включена в производственный процесс, существует риск, что расходы на обеспечение средств к существованию этой части станут слишком высокими, поэтому уровень прожиточного минимума придется снизить и/или сократить количество получателей.

Большинство иностранных работников в Германии – выходцы из стран ЕС (4,9 млн. человек на конец 2019 года). Из них 863 000 приезжают из Польши, 748 000 – из Румынии, 415 000 – из Хорватии, 360 000 – из Болгарии и 212 000 – из Венгрии[5]. Это очень высокие цифры для этих стран, часть из которых невелика. Чистая иммиграция (иммиграция минус эмиграция) составила 662 964 человека в 2023 году. Это меньше, чем в 2022 году, когда было принято более миллиона украинцев. Но даже в 2022 году большинство иммигрантов (после Украины) приехали из Румынии и Польши, за которыми следовали Сирия и Болгария, еще одна страна ЕС. Наибольшая доля мигрантов, проживающих в Германии, имеет семейные связи с Турцией, за которой следуют Польша и Румыния.[6] В 2022 году 92 291 человек иммигрировали из Сирии и чуть более 68 000 – из Афганистана.

Наиболее важным источником рабочей силы для немецкого капитала является Восточная Европа, Юго-Восточная Европа и Турция. Рабочая сила из Африки и других стран, не входящих в ЕС, играет подчиненную, но немаловажную роль, в частности, потому, что они находятся в худшем правовом положении.

В общем и целом, это тот контекст, в который следует поместить текущие дебаты и ужесточение мер против миграции.

2.  Ограничение и поощрение одновременно

Дискуссия, разжигаемая СМИ и правительством, кажется противоречивой: с одной стороны, разворачивается кампания в пользу «ограничения» и вводятся соответствующие меры, а с другой стороны, миграция поощряется и стимулируется. Но здесь нет никакого противоречия, поскольку цель состоит в том, чтобы обеспечить предложение рабочей силы, из которой можно выжимать как можно больше. Необходимо принять меры, которые ухудшат условия жизни иммигрантов, и в то же время донести до других слоев рабочего класса, что это делается в их пользу, хотя и ухудшает их условия жизни. Для этого необходимо разделить, правильно сориентировать и провести пропагандистскую кампанию.

Расизм исходит от верхов общества. Это одна из самых важных, хотя и банальных истин, которую необходимо осознать. Особенно когда расистские взгляды широко распространены и среди рабочего класса, это необходимо подчеркнуть и выделить: расизм подпитывается правящим классом, его правительствами и средствами массовой информации и используется очень целенаправленно.

В то же время часть правящего класса выставляет себя космополитами и антирасистами. Бизнес стремится к «разнообразию», а крупные демонстрации («против расизма») проходят под знаменами партий, которые значительно ухудшили условия жизни мигрантов. Это методическое лицемерие. Потому что с одной стороны, нужно принудительное разделение и ухудшение условий, и в то же время приток дешевой рабочей силы должен сохраняться.

Кампания по легитимизации и требованию ужесточенных мер со стороны СМИ и общественности, особенно осенью прошлого года, была срежиссированной и спланированной – не AдГ (правая партия Альтернатива для Германии – прим. пер.), а правительством и СМИ. В течение нескольких недель только и разговоров было, что о перегруженных расходами муниципалитетах, мэриях, районных советах и неправительственных организациях. Они высказывали свои мнения во всех подробностях. Это напоминало кампанию «Лодка переполнена». Волна «Мы больше не можем» прокатилась по всей стране, и любого, кто ставил это под сомнение, изображали далеким от реальности или просто идиотом. При этом совершенно упускалось из виду, что это ложь: такая богатая страна, как Германия якобы страшно перегружена сравнительно небольшим количеством беженцев.

Жилья не хватает, бассейнов нет, школы старые и обветшалые – но это происходит без всяких беженцев. Однако если правительство заявляет, что эти проблемы не решаются из-за наплыва беженцев, оно может продолжать вливать деньги в военную промышленность и содержание чиновников. Простой Ганс должен верить душераздирающим историям о беженцах, которым якобы дают все – и в то же время этих самых беженцев лишают последней рубашки и ставят в безвыходные ситуации. Любой, кто серьезно изучит цифры нехватки жилья, поймет, что сотен тысяч домов не хватало еще до начала периода большой иммиграции (2015 г.), и что причина этого кроется в простой нерентабельности жилищного строительства.

Кампания была сосредоточена на одной цели – на кажущемся теперь неизбежным ужесточении: проверках документов на границах ЕС, ускорении депортации, усложнении воссоединения семей и использования платежных карт.

Требование ограничения миграции

Все партии призывают ограничить иммиграцию. Это лицемерно в двух отношениях: во-первых, потому что иммиграция уже и так ограничена и невозможна для сотен тысяч людей. Во-вторых, потому что это требование предполагает некое решение проблем.

Многие избиратели находят эту идею привлекательной: границы должны быть закрыты, тогда наша ситуация улучшится. Иллюзия на радость тем, кто ответственен за царящий здесь хаос. За все эти проблемы ответственны не беженцы или неконтролируемая миграция, а правительство, компании и их интересы.

Для капитала важен не только приток большого количества рабочих, но и тот факт, что они оказываются в беспомощности и в нестабильной ситуации. Главная цель мер по «сдерживанию» – создать такую ситуацию. Люди будут продолжать бежать от войны и разрушений или будут вынуждены покинуть свои страны, потому что там у них больше нет перспектив на будущее. Поэтому вряд ли удастся выполнить «обещание» по ограничению. На это можно возразить, что для достижения этой цели необходимо принять правильные меры, т.е. последовательно закрыть границы. В контексте империалистической агрессии, исходящей от Германии (как в политическом, так и в экономическом плане), это требование может означать только сохранение этих условий эксплуатации и, очевидно, является бесчеловечным.

С другой стороны, идеология «открытых границ» также служит интересам капитала. Это касается границ угнетенных стран, которые империалистические страны, естественно, хотят разрушить, чтобы они могли наводнить рынки, определять политику и захватывать землю и сырье. Вся концепция «открытого общества» – это империалистическая идеология. Но правда, то же самое можно сказать и о концепции «ограниченной и регулируемой миграции».

Таким образом, дебаты об ограничениях являются частью ухудшения положения рабочей силы, поскольку каждое препятствие для въезда и проживания увеличивает давление на этих и без того угнетенных людей. Отправившись в путешествие, они знают, что такое тяготы и муки. Они не будут делать ничего, что может поставить под угрозу их пребывание в новой стране, и они уже привыкли к тому, что им приходится терпеть суровые обстоятельства. Те, у кого нестабильное положение, согласятся на любую работу. Тот, кто получил эту работу, не сделает ничего, что могло бы поставить ее под угрозу. Они согласятся на любое ухудшение, потому что в противном случае семья в их родной стране будет страдать, так как сможет получать меньше доходов. Наверное, нет необходимости описывать ситуацию с беженцами дальше, чтобы понять, почему каждое усиление увеличивает давление и как это давление выгодно только капиталистам. Рабочие из Восточной Европы находятся в несколько лучшем положении, но их уязвимость перед шантажом также высока, поскольку в их странах нет никаких перспектив на улучшение ситуации. В рамках ЕС также существует множество возможностей ущемления прав и давления на этих работников. Они часто находятся за пределами правовых норм защиты и профсоюзных организаций. Забастовка восточноевропейских водителей грузовиков в Графенхаузене, Гессен, была впечатляющим примером этого. Хотя большинство из них приехали из стран, не входящих в ЕС, многие польские или румынские рабочие страдают от аналогичных ужасных условий.

На темной стороне

Здесь следует кратко остановиться на аргументации ССВ (Союз Сары Вагенкнехт – прим. пер), поскольку, будучи социал-демократической партией, она имеет отдельную аргументацию по миграции. Ее основная программа гласит: «Однако это (увеличение иммиграции – прим. Ф.К.) справедливо лишь до тех пор, пока приток остается ограниченным до уровня, не перегружающего нашу страну и ее инфраструктуру, и пока интеграция активно поощряется и успешно осуществляется. Мы знаем следующее: за усиление конкуренции за доступное жилье, за рабочие места с низкой зарплатой и за неудачную интеграцию платят, прежде всего, те, кто не находится на солнечной стороне жизни. Каждый, кто подвергается политическим преследованиям в своей стране, имеет право на убежище. Но миграция не является решением проблемы бедности в нашем мире. Вместо этого нам нужны справедливые глобальные экономические отношения и политика, которая стремится создать больше перспектив в родных странах».

Это правда, что цену за усиление конкуренции платят те, кто не находится на «солнечной стороне жизни». Если не задаваться вопросом, почему это не касается беженцев, то в этой логике ответом на усиление конкуренции является депортация и более строгие требования к проживанию. Таким образом, конкуренция должна быть ослаблена не путем общей борьбы за равные права всех тех, кто не находится на «солнечной стороне», а путем давления на некоторых из тех, кто находится на изнанке, на темной стороне жизни. А это, соответственно, усиливает конкуренцию. На самом деле это простой трюк, который можно признать глубоко нелогичным. Упоминание о «справедливых» глобальных экономических отношениях – пустая фраза, которая не имеет шансов воплотиться в жизнь. Напротив, ведь, согласно программе ССВ, Германия должна сохраняться и развиваться как центральный экономический субъект. Ухудшение положения значительной части рабочей силы оправдывается пустыми обещаниями.

Преднамеренный произвол

В дебатах доминирует идея о том, что существует «нелегальная» и «легальная» миграция и что с первой необходимо бороться. Это означает, что политически преследуемым людям предоставляется убежище, в то время как «экономические мигранты» не имеют права оставаться, разве что они остро востребованы на нашем рынке труда –  тогда им разрешается иммигрировать в качестве «квалифицированных работников». Это тот же аргумент, что и в начале 1990-х годов. Лишь очень небольшое число людей может претендовать на политическое убежище. Несколько большее число – это признанные военные беженцы, включая украинцев, до недавнего времени сирийцев и югославов в 1990-х годах. Афганцы, с другой стороны, таковыми не являются. Это произвольное решение Министерства внутренних дел, и оно больше связано с политическими соображениями. Если ФРГ хочет добиться влияния в стране, вынашивает планы по свержению правительства или создает и поддерживает политические силы, то правила въезда значительно смягчаются.

Когда люди бегут в Германию, просят убежища, их прошение отклоняется, и они получают вид на жительство после многих лет изнурительных процедур, это называется «нелегальной» миграцией. Это просто означает, что такие причины бегства, как голод, страдания и отсутствие перспектив, не учитываются. Эта система – часть плохих условий и шантажа.

Право на убежище не для жителей колоний

Включение права на убежище в Основной закон Германии стало результатом урока фашизма и преследования политических оппонентов и евреев. В то время очень немногие страны принимали еврейских беженцев из Германии, фактически обрекая их на попадание в лагеря смерти. Таким образом, европейская система предоставления убежища стала следствием уроков Второй мировой войны и, следовательно, достижением. Но она также была договором между колониальными державами и другими империалистическими государствами Западной Европы и Северной Америки, и поэтому никогда не предназначалась для колонизированных народов Африки, Азии и Латинской Америки. Тем не менее, прежде всего, именно миллионы людей из стран Триконтиненталя, были вынуждены отстаивать право на убежище и право на пребывание за последние 75 лет или около того – и боролись за это право против воли властей. Сотни тысяч людей заплатили за это своими жизнями[7].

Деление на «правильных» и «неправильных» беженцев служит для разжигания ненависти и не имеет ничего общего с «законностью». С точки зрения прав человека и международного рабочего движения, голод, безработица и несчастья – очевидные причины покинуть страну. Столь же очевидно бесчеловечной является политика пограничных заборов, оттеснений и лагерей, которая также является выражением той же власти, которая разрушает и угнетает страны и экономики. С точки зрения власть имущих, такая категоризация вполне целесообразна: «нелегалы» должны приезжать и оставаться «нелегалами», чтобы можно было оказывать еще большее давление на всех.

3.   Чьи социальные системы? 

Сверхэксплуатация рабочей силы угнетенных стран имеет другую сторону медали – подкуп части рабочего класса в империалистических центрах. Это обеспечивает политическое господство капитала и раскалывает рабочий класс в национальном и международном масштабе. Именно в связи с ростом сверхэксплуатации, а также борьбы против нее, подобный подкуп очень важен. И одновременно модель этого подкупа, похоже, оказалась в политическом и экономическом кризисе. Но хотя экономические возможности подкупа постепенно снижаются, он все же еще действует. Расизм, как и либеральные идеологии не только не исключают друг друга, но могут становиться частью социал-демократической интеграции определенных слоев рабочего класса. 

Именно для коммунистов центральным является вопрос, каким должно быть отношение рабочего класса империалистических центров к международному рабочему классу. 

Несправедливость, выданная за справедливость

Рассмотрим отношение более внимательно на примере: как ХСС (Христианско-социальный союз, правоцентристская партия, часть ХДС-ХСС – прим. пер), так и ССВ заявляют о своем стремлении «ограничить въезд мигрантов в наши социальные системы». Но что это, собственно говоря, значит? Значит ли это, что въезжать должны только полностью здоровые и хорошо функционирующие рабоче, которые не могут ни заболеть, ни состариться, ни потерять работу? Или только такие, которые платят больше налогов, чем получают социальных отчислений? Это очевидная чепуха, и ясно, что речь не об этом. Речь идет о том, чтобы сократить социальные выплаты мигрантам, а может быть, и вовсе их отменить. С мигрантами из стран ЕС так дело и обстоит, им довольно сложно получить при необходимости пособие по длительной безработице. Предлагают «ограничения», чтобы набрать очки в предвыборной гонке, эта идея – обычный лозунг, и кажется, что она апеллирует к чувству справедливости. Но если мы посмотрим более внимательно, она как раз чудовищно несправедлива: люди, которые бегут от войны и нищеты, довольно часто не сразу в состоянии бодро трудиться и нуждаются в определенных социальных вложениях. Конечно, с точки зрения капитала это довольно серьезный недостаток: как мы показали выше, количественная доля рабочей силы, необходимой для маневров при колебаниях рынка, не должна быть слишком велика. Поэтому ограничение социальных выплат должно, во-первых, поддерживать прожиточный минимум и, следовательно, нижнюю границу расходов на воспроизводство на низком уровне, а во-вторых, экономить расходы. 

Но есть и еще один аспект: трудящиеся, которые приезжают из угнетенных стран, уже оплатили «наши социальные системы», то есть богатство нашей страны, которая разграбила их собственные государства. Поэтому у них есть полное право на получение части этого богатства. Международный рабочий класс заинтересован в улучшении условий жизни и труда, то есть также увеличении социальных выплат для всех рабочих одинаково, за счет капитала. Наши братья и сестры по классу должны получать те же права, завоеванные здесь, и то же богатство, которое было выкачано из их народов. Ведь речь идет о правах, которые рабочий класс завоевал на международном уровне – вместе, солидарно, при участии рабочего движения империалистических центров, антиколониальных освободительных движений и социалистических стран. Эти виды борьбы тесно связаны друг с другом и вместе способны усилить натиск на империалистов. Взаимодействие и взаимное усиление этих движений в 1970-е годы для многих было очевидным. Но сегодня эта связь разодрана из-за идеологической лжи. 

Бесплатное воспроизводство рабочей силы

Когда мы рассматриваем иностранные части резервной армии труда, нужно упомянуть еще один аспект: обучение и воспитание, то есть воспроизводство рабочей силы при этом происходит, как правило, в другой стране, империалистический центр не несет при этом никаких расходов. Это позволяет еще более снизить зарплаты в империалистических центрах, поскольку оплачивать здесь на месте воспроизводство и обучение рабочей силы обходится дороже. 

Когда одна из депутатов парламента Тюрингии с гордостью заявляет, что «цифровая платежная карточка» должна предотвратить переводы денег беженцев своим родственникам на родину, это простая подлость, ведь легко представить, что это такое, когда семья живет далеко и в тяжелых условиях. Но это также выражает расчет капиталистов, которые не желают платить за воспроизводство этой угнетенной рабочей силы. Они желают, чтобы другие страны и семьи как-нибудь вырастили детей, обучили чему-то, а потом этих детей можно будет эксплуатировать здесь.  

4. Империализм и правозащитная деятельность. 

В этой последней части мы коснемся ситуации в левом движении и сделаем необходимые выводы. В течение многих лет существует активное антирасистское движение, которое боролось против высылки мигрантов из страны, расизма и ухудшения законов об убежище. Это движение обладало определенными достоинствами, но у него было и множество недостатков.  

Караван за права беженцев и мигрантов – организация политических беженцев – подчеркивала роль империализма и  выступала активно с позицией: мы здесь, потому что вы разрушаете наши страны! Караван протестовал против империалистической агрессии и эксплуатации, и это очень не нравилось и вызывало протесты многих либеральных антирасистов. Последние в начале 2000-х объявляли миграцию отчасти позитивным явлением, считали, что ее нужно поддерживать – в то время, как самостоятельно организованные беженцы и мигранты прямо обозначали бесчеловечную систему, стоящую за миграцией (при этом не имеются в виду подпольные «проводники», но правительства и предприятия, которые разрушают страны). Либеральная идеология и НКО во многом разрушили антиимпериалистические позции, хотя в последние годы они снова переживают подъем, пусть и противоречивый. 

Борьба правозащитников была направлена как раз на то, чтобы исключить антиимпериалистический аспект и принимала логику империалистической миграции как должное. Угнетатели, эксплуататоры и система эксплуатации практически не упоминались, оставался лишь эмоциональный лозунг «человеческого достоинства», который власть имущие могли использовать даже для того, чтобы придать своим махинациям более привлекательный вид. Это видно по таким карьерным подъемам, как, например, у Каролы Ракете, которая поддерживала империалистическую военную политику, и при этом бороздила Средиземное море, прославившись как спасительница беженцев. В конце концов, поверхностная правозащитная риторика может оправдать даже создание лагерей беженцев на внешних границах ЕС, ведь это более гуманная мера, чем те, что предлагают правые. Это лживое и авторитаристское движение в итоге дискредитирует саму человечность и гуманизм. 

К либеральной идеологии относится и легенда лживого мультикультурализма. За фасадом мульти-культи скрывается то, что мигранты нанимаются на тяжелые и низкооплачиваемые работы, что в школах их детей сознательно удерживают на низком уровне, чтобы они получили квалификацию, достаточную лишь для таких работ. Точно так же это относится и к немецким ученикам «гауптшуле» (низшей из возможных ступеней школьного образования – прим. пер) – их немецкая школьная система и общество так же «интегрирует», но мигрантов это касается особенно часто. 

Средства массовой информации эксплуатируют человеческие катастрофы в своих политических целях. Кто-то реагирует, полностью отвергая любую человечность и солидарность. Это способствовало развитию определенного экономизма, который рассматривал в первую очередь экономические аспекты миграции и фокусировался на экономических недостатках для угнетенных стран. Некоторые противопоставляли политическому поощрению миграции и «открытых границ» понимание ограничений, утверждая, что это также лучше для людей в их родных странах. Позиция, которая в результате представляет собой элегантный переход к правому дискурсу. Гуманность и отказ от невежества были высмеяны и заклеймены как лицемерная «зеленая» политика. Закрытие границ, капсулирование здешнего уровня благосостояния, и таким образом полное завершение разделения международного рабочего класса теперь пропагандируется как «разумная политика». Но однако мировоззрение и позиция международного рабочего класса, разумеется, включает в себя гуманизм и солидарность, это сущностно важные составные части классовой борьбы. 

Разжигание ненависти и раса господ

Есть и еще один аспект дебатов о миграции, в особенности поддерживаемый АдГ, и классически также ХДС или либеральными партиями, как СвДП, хотя их риторика направлена к различным целевым группам. Для либеральных господ как раз вполне желателен приток закаленной испытаниями рабочей силы беженцев, которые будут трудиться на них, и притом совершенно безропотно. Социал-дарвинизм присущ и типичен для либерализма.

Разжигание ненависти у местных жителей с помощью открытого обесценивания жизни рабочих и оправдания смертей на границах – это просто более открытый вариант той же идеологии расы господ. У населения вырабатываются установки в диапазоне от невежества до ненависти. Банды нацистов, созданные и финансируемые спецслужбами (например, Комитетом Защиты Конституции), создают нужную властям атмосферу страха. В контексте подготовки войны с Россией эту идеологическую накачку нельзя недооценивать. Если мы собираемся снова напасть на чужую страну, необходимо воссоздать самоощущение расы господ, при этом совершенно неважно, носят ли эти господа радужную униформу, зеленую или классически коричневую. 

Международный рабочий класс

Рабочий класс носит международный характер, пусть условия борьбы и определяются национальными особенностями. Это значит, что у рабочего класса есть единый противник – капиталистический класс, в особенности, это класс империалистических центров – и стратегия борьбы рабочего класса должна быть единой. Это также означает, что они находятся в общих отношениях экономической эксплуатации со стороны империалистов. Деградация одной части рабочего класса призвана служить подкупу другой части и в то же время усилению их общей эксплуатации.

Мы вместе боремся против «брейн дрейн» (утечки мозгов), переманиванию или изгнанию рабочей силы из зависимых стран, и жестокой эксплуатации беженцев империалистами. Мы прекрасно понимаем, что эта миграция наносит вред зависимым странам. Но это не означает, что мы хотя бы на йоту верим демагогии «ограничения миграции». Наши братья и сестры по классу из угнетенных стран должны пользоваться упрощенными и хорошими условиями, а не жить в условиях незащищенности и беззастенчивого вымогательства. Вот почему мы выступаем против ужесточения, ограничения и лишения прав мигрантов, которые явно бесчеловечны и жестоки. 

Наша задача – вести совместную борьбу против угнетения и вымогательства и добиться общей организации беженцев, мигрантов и немцев. При этом необходимо преодолеть множество трудностей. Нам нужно политически понять и осознать эту борьбу и соответственно, вести ее против господства и войн империалистических государств – США, ЕС и их союзников. Таким всегда был ответ революционного рабочего движения, которое уже очень давно выработало правильную позицию по вопросу закрытия границ и ограничений миграции. 

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[1] Rüdiger Bech, Renate Faust, Die sogenannten Gastarbeiter, 1981, Verlag Marxistische Blätter, S. 12

[2] В.И. Ленин, .ПСС, т. 34, с. 371

[3]  Появление резервной армии труда в промышленности блестяще описывает Маркс в 23-ей главе первого тома Капитала.  К. Маркс, Ф. Энгельс, ПСС, т. 23, с. 676. 

[4] Hannes Hofbauer: Kritik der Migration, Wien : Promedia Verlag,  2018, 113

[5] https://www.bpb.de/themen/migration-integration/regionalprofile/deutschland/328520/osteuropaeische-arbeitskraefte-in-deutschland-vom-spaeten-19-jahrhundert-bis-in-die-gegenwart/#node-content-title-3

[6] https://mediendienst-integration.de/migration/wer-kommt-wer-geht.html

[7] https://kommunistische-organisation.de/stellungnahme/solidaritaet-mit-zaid-heisst-kampf-dem-imperialismus-und-dem-kolonialen-asylregime/