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Das war der Kommunismus-Kongress 2023

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Auf dem diesjährigen Kommunismus Kongress wurde drei Tage intensiv über die aktuellen Aufgaben und Probleme von Kommunisten im internationalen Maßstab diskutiert. Fluchtpunkt der Diskussionen waren dabei der Antiimperialismus, die Klassenkämpfe sowie die nationale Befreiung, um letztlich zu der Frage der politischen Orientierungen in den Kämpfen zu gelangen. 

Mit knapp 300 Gästen aus der deutschen Kommunistischen Bewegung und 22 Referenten, unter anderem aus Russland, Palästina, Griechenland, China, Südkorea und Großbritannien, haben wir diese Fragen der internationalen Arbeiterbewegung offensiv angepackt. Der Kommunismus Kongress konnte ein starkes Signal für den Kampf gegen die NATO und die notwendige Einheit mit antiimperialistischen Bewegungen weltweit senden und zeigen, wie viele Potenziale es in der Kommunistischen Bewegung in Deutschland sowie international gibt. Für uns zeigte sich an dem Kongress deutlich, wie bereichernd es ist, gemeinsame Diskussionen zu ermöglichen und wie wichtig sie für die Zusammenarbeit der Bewegung und den internationalen Austausch sind.

Allerdings wurde an den Podien des Kongresses auch deutlich, dass es keine fest etablierte Streitkultur unter Kommunisten gibt, die sich darauf konzentriert, Standpunkte intensiv zu diskutieren. In der Moderation ist es uns bisher nicht ausreichend gelungen, dieses Muster zu durchbrechen und Diskussionen zielgerichtet und zugespitzt zu führen.

Es wurde klar, dass die kommunistische Bewegung in Deutschland vor drängenden Aufgaben steht. Die Uneinigkeit in der Frage „Was tun?“, also wie dieser Kampf konkret zu führen ist, mit wem, mit welchen Losungen, wie scharf und offensiv, zeigt eine gewisse Schwäche des Kongresses und auch, welche Aufgaben sich aus ihm ergeben. In der internationalen Kommunistischen Bewegung muss eine konsequente antiimperialistische und klassenkämpferische Position herausgearbeitet werden. Wenn die Kommunisten eingreifen, die historische Entwicklung beeinflussen und die Kämpfe organisieren wollen, müssen sie in ihren eigenen Reihen Klarheit herstellen. Sie müssen die Dynamik des internationalen Klassenkampfes verstehen, müssen die Kräfteverhältnisse umfassend und genau studieren, nicht zuletzt in Deutschland. 

Eine Vielzahl der Vorträge kann hier Online nachgehört werden

Die meisten Vorträge gibt’s auch auf unserem Spotify-Kanal nachzuholen.

Politische Relevanz des Kongresses

Der Krieg in der Ukraine, die Kämpfe in Westafrika und die parallel zum Kongress beginnende al aqsa flood drücken größer werdenden Widerstand gegen die imperialistische Expansion und Unterdrückung aus. Die anwachsenden internationalen Konflikte in Europa, Afrika und Westasien stellen die imperialistische Vorherrschaft zunehmend in Frage. Das Fortsetzen des bisherigen Vorgehens scheint für die Imperialisten zunehmend Schwierigkeiten zu bereiten, deren Kontrolle und Lösung immer komplexer werden.

Spätestens mit dem Beginn der Militäroperation Russlands in der Ukraine und der praktischen Frage, wie sich Kommunisten zu diesen Entwicklungen zu stellen haben, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Internationalen Kommunistischen Bewegung. Die politischen Entwicklungen haben der Kommunistischen Bewegung mit Nachdruck eine Reihe an Fragen aufgedrückt, die sich im Zusammenhang mit der Beurteilung des russischen Vorgehens als eine gerechtfertigte Verteidigungsmaßnahme oder aber als imperialistischen Angriffskrieg stellen. Diese Fragen umfassen das Verständnis des Imperialismus im Allgemeinen sowie die Frage nach dem Charakter der Ausplünderung von unterdrückten Ländern durch die Imperialisten. Auch Fragen zur internationalen Wirkung Chinas sowie zum Verhältnis der USA zu ihren europäischen Verbündeten wie der BRD, Großbritannien und Frankreich können exemplarisch als Gegenstand dieser Auseinandersetzungen genannt werden.

Die Streitfragen innerhalb der Internationalen Kommunistischen Bewegung führten zu einer zunehmenden Polarisierung und auch Spaltung. Die zwei Resolutionen des 22. Treffen der Kommunistischen und Arbeiterparteien im Oktober 2022 zeigen die weitauseinanderliegenden Positionen und verdeutlichen das Fehlen einer gemeinsamen internationalen Kraft. Spaltungen von Organisationen wie dem RKSM(b) oder die vor kurzem stattgefundene einseitige Auflösung der Europäischen Initiative durch die KKE veranschaulichen die zugespitzte Lage. Auch wir als KO sind von dieser Dynamik nicht unberührt geblieben. Die internen Debatten sowie der erhöhte gesellschaftliche Druck durch Politik und Medien führten letztlich zu einer Zersetzung der Organisation entlang der Imperialismus- und Kriegsfrage.

Als KO haben wir entschieden, uns eindeutig gegen den NATO-Kriegskurs zu positionieren, die Debatten in der Kommunistischen Bewegung ernst zu nehmen und unsere Arbeit so auszurichten, dass eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Diskussionen möglich bleibt. Auf diese Weise möchten wir einen Beitrag zur Stärkung der Bewegung leisten. Dies schließt auch eine verstärkte Zuwendung zu internationalen Kämpfen ein, die überhaupt erst eine politische Auseinandersetzung mit den strittigen Fragen ermöglicht. Neben den Fragen rund um die Einschätzung des Kriegs in der Ukraine kamen neue Themen hinzu, wie etwa die Bedeutung und Geschichte des Antiimperialismus. Der Kommunismus-Kongress stellte eine wichtige Etappe für unsere Entwicklung dar, um die aufgekommenen Fragen öffentlich zu diskutieren.

Phase der Umbrüche?

Auf dem Kongress zeigte sich zwischen den Teilnehmern und Referenten eine große Einigkeit in der Einschätzung der internationalen politischen Lage. Gleich zu Beginn des Kongresses, auf einem spontanen Podium am Freitagabend, betonte Stephan Cho von der People’s Democracy Party aus Südkorea die akut drohende Kriegsgefahr, die vom US-Imperialismus gegenüber China ausgeht. Seiner Einschätzung nach könnten Südkorea oder Taiwan den Ausgangspunkt für militärische Aggressionen darstellen. Joti Brar von der Kommunistischen Partei Großbritannien (Marxistisch-Leninistisch) fasste die Entwicklungen folgendermaßen zusammen: „Es ist jetzt völlig klar, dass dieser Weltkrieg, der begonnen hat und sich noch vertiefen und ausweiten wird, im Grunde ein Aufeinandertreffen zwischen den Kräften des Imperialismus auf der einen Seite und den Kräften des Antiimperialismus und der nationalen Befreiung auf der anderen Seite ist. Und wir sind darauf angewiesen, dass die letztgenannte Seite gewinnt.“ Dimitrios Patelis (World Antiimperialist Platform) setzte in seinem Samstagnachmittagsvortrag den Diskurs fort, und es folgte eine Diskussion über die Aufgaben und Schwierigkeiten in der Internationalen Kommunistischen Bewegung. Diese Debatte wurde auch von Joti Brar in ihrem Vortrag am Sonntag wieder aufgegriffen.

Das Podium am Samstagmittag mit Arnold Schölzel (DKP), Dimitrios Patelis und Jörg Kronauer (Journalist) stellte heraus, dass die internationalen Entwicklungen seit der Finanzkrise von 2008 die globale Dominanz der imperialistischen Länder infrage gestellt haben. Weltweit zeichnen sich klare Konfliktlinien durch zunehmenden Widerstand gegen das bestehende imperialistische System ab. Der Krieg in der Ukraine spielte eine entscheidende Rolle als Katalysator für diese Entwicklung und beschleunigt die Dynamik. Arnold Schölzel betonte die Notwendigkeit für Kommunisten, ihren Fokus wieder stärker auf den Charakter der gegenwärtigen Epoche zu lenken. BRICS, G77 oder CELCA signalisieren: Die allgemeine Krise des Imperialismus hat einen Punkt erreicht, an dem die reale Möglichkeit besteht, das ‚kolumbianische Zeitalter‘ zu beenden. Die Entwicklungen in den unterdrückten Ländern sind dabei nicht in Stein gemeißelt, und die Gefahr von Rückschlägen bleibt bestehen. An der Grundtendenz der Entwicklung, dem Abstieg des Imperialismus, ändere dies aber nichts, so Schölzel. 

Jörg Kronauer machte auf dem Podium deutlich, dass die USA den Krieg in der Ukraine nutzen, um eine Spaltung zwischen Deutschland und Russland voranzutreiben. Dabei zielten sie darauf ab, Deutschland in den Bereichen Energie und Rüstung verstärkt unter die Abhängigkeit des US-Imperialismus zu bringen. Trotz der klar erkennbaren wirtschaftlichen Kollateralschäden habe der deutsche Imperialismus ein starkes eigenständiges Interesse an der Unterwerfung Russlands. Es wurde im weiteren Verlauf des Kongresses deutlich, dass unter den Teilnehmern Uneinigkeiten und Fragen hinsichtlich des Verhältnisses zwischen dem US- und dem deutschen Imperialismus bestehen. Dass diese Uneinigkeit große Auswirkungen auf die politischen Kampforientierungen hat, verdeutlichten spätere Diskussionen über Bündnisorientierung, der Charakterisierung und der Rolle der deutschen Bourgeoisie sowie Kampflosungen, die als Bündnisgrundlagen dienen sollten. 

Die Einschätzung des deutschen Imperialismus zog sich durch einige Programmpunkte des Kongresses. Im Kolloquium über Deutschlands Rolle im Ukraine Krieg von der KO wurde die Diskussion vertieft und über die deutschen Interessen im Krieg gegen Russland sowie das Verhältnis zu den USA debattiert. Dabei wurde hervorgehoben, dass weder von einer einseitigen Vasallenrolle noch von einem vollständigen Konkurrenzkampf mit den USA in der Ukraine gesprochen werden kann. Andreas Wehr (Marx-Engels-Zentrum Berlin) ging in seinem Vortrag ausführlicher auf den deutschen Imperialismus und die Rolle der EU für seinen Expansionismus ein. In diesem Zusammenhang wurden sowohl Potenziale als auch Hindernisse durch die EU beleuchtet. Die zunehmende Faschisierung der deutschen Politik sowie der größer werdende Bellizismus war Gegenstand von Bahmans Shafigh’s (Tadarok) Vortrag

Kämpfe verstehen und orientieren. Aber wie?

Die Podien am Samstagabend sowie am Sonntagmittag sendeten ein starkes politisches Signal. Die grundlegende Einigkeit bestand darin, entschlossen und unnachgiebig für die Niederlage der NATO zu kämpfen. Äquidistante Positionen, die weltweit in verschiedenen Ausprägungen von einigen Vertretern in der kommunistischen Bewegung vertreten werden, positionieren sich, ob gewollt oder nicht, zwangsläufig im Lager des Imperialismus und verkennen die Hauptausrichtung, die der Kampf der unterdrückten Völker und der weltweiten Arbeiterbewegung einnehmen muss.

Während das neu aufflammende Selbstbewusstsein der antiimperialistischen Bewegung, zu dem auch der Durchbruch des palästinensischen Widerstands gehört, die Potenziale für den Kampf gegen den Imperialismus und den weltweiten Klassenkampf kraftvoll verdeutlicht, sind die reaktionären und faschistischen Tendenzen, die die blutige Geschichte der NATO-Imperialisten prägen, ebenso klar vor unseren Augen erkennbar, sei es in der Ukraine oder in Palästina.

In den Vorträgen am Samstagvormittag und -nachmittag sowie am Sonntag wurde umfassender auf den Antiimperialismus und die nationale Befreiung eingegangen. Dabei wurden verschiedene Länder und Weltregionen betrachtet. Alexej Albu (Borotba, Ukraine) bot einen Einblick in die Frage nach der Rolle der Eingliederung der Volksrepubliken durch Russland und ihre Bedeutung für die Kämpfe und Entwicklungen in der Ostukraine. Im Kolloquium der KO über die Charakterisierung des russischen Kapitalismus wurden die Arbeitsergebnisse einer Gruppe von Genossen diskutiert, die sich mit der historischen Entwicklung des russischen Kapitalismus nach der Konterrevolution beschäftigten. Der Krieg in der Ukraine war aus kriegstheoretischer und militärpraktischer Perspektive Gegenstand in Pit Simons (Partei die Linke) und Ingo Höhmanns (Oberstleutnant der NVA a.D.) Vortrag. Sabine Kebir (Autorin) gab mit einem umfassenden Überblick eine Einschätzung über die Lage im Nahen Osten und Afrika. Tinks Chak (Dongsheng News, China) referierte über die chinesische Armutsbekämpfung, die Rolle der Kommunistischen Partei sowie die Massenmobilisierung. 

In den Podien am Samstag und Sonntag wurden eine Reihe von Fragen und Probleme deutlich, die aufzeigen, welche Arbeit wir noch zu tun haben, um uns als Kommunisten orientierend an die Spitze von Klassenkämpfen stellen zu können. Dies betrifft zum einen die Frage der Einschätzung des deutschen Imperialismus und sein Verhältnis zu den USA. Einigkeit besteht in den Gefahren, die von den westlichen Imperialisten ausgeht, wie die drohende Faschisierung in Deutschland. Allerdings zeigten sich deutliche Unterschiede in den Versuchen der strategischen Übersetzung dieser Situation: wie kämpfen wir gegen die NATO-Aggression und wer sind unsere Bündnispartner in diesem Kampf? Es geht also um die Bestimmung unseres Kampffeldes. Willi Langenthaler sowie Klaus Hartmann vertraten eine Position der extremen Abhängigkeit des deutschen Imperialismus und der Notwendigkeit einer möglichst breiten gesellschaftlichen Front gegen die NATO, über politische Grenzen hinweg. Es wurde darüber diskutiert, ob unter den Begriffen ‚Nieder mit der NATO‘ oder ‚Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus‘ eine solche Front entstehen könnte. Diese könnte es Kommunisten ermöglichen, Rechte vor sich herzutreiben und zu entlarven. Dem stand jedoch die Annahme entgegen, dass Rechte durch ihre gefährliche integrative Funktion in den Kriegskurs der bestehenden Parteien die kommunistische Bewegung leicht instrumentalisieren und weiter schwächen könnten.

Diese unterschiedlichen Einschätzungen zeigten sich auch während des Abschlusspodiums des Kongresses. Klaus Hartman sprach beispielsweise davon, dass es objektiv etwas Positives wäre, wenn die AfD sich gegen den Krieg, Sanktionen und den antirussischen Rassismus aussprechen würde. Dies könnte in der Öffentlichkeit signalisieren, dass auch die Möglichkeit besteht, sich anders zu artikulieren als die etablierten Parteien. Auf der Straße müsste es unsere Aufgabe sein, diese Kräfte zu entlarven, dafür müssten wir sie aber vor uns hertreiben und Berührungsängste verlieren. Harri Grünberg stellte eine breite Massenpartei als wichtigste Aufgabe in Deutschland ins Zentrum. Auf einer antimonopolistischen Grundlage müssten sich weite Teile sammeln und die Aufgabe der Kommunisten müsse darin bestehen, die sozialdemokratischen Tendenzen in diesem Zusammenhang zu bekämpfen. Nur so könne es gelingen, einen Masseneinfluss in Deutschland zu gewinnen. Susann Witt-Stahl wies auf die Gefahr hin, dass durch das Fehlen einer klaren Definition von Faschismus die Kräfteverhältnisse nicht richtig eingeschätzt werden könnten. Dadurch könnten Parolen wie ‚Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus‘ als Bündnisgrundlage in den praktischen Kämpfen ins Gegenteil umschlagen.

Antiimperialistischer Kampf ganz praktisch

Die Rolle und der Charakter von nationalen Befreiungsbewegungen waren Gegenstand des Grundlagenworkshops zur Nationalen Frage und zum Neokolonialismus. Dabei wurde gemeinsam über Texte von Stalin, Mao sowie Nkrumah diskutiert. Thematisiert wurde die Frage der Nation, die Unterstützung von Unabhängigkeitsbewegungen durch Kommunisten und der Zusammenhang zwischen nationaler Befreiung und dem Kampf für den Sozialismus. Hans Bauer (DKP und grh) gab einen genaueren Einblick über die Diskussionen in der DDR über den Kampf um nationale Unabhängigkeit und der Rolle der sozialistischen Staaten für die Befreiungsbewegungen. 

Zaid Abdulnasser ehemaliges Mitglied von Samidoun veranschaulichte in seinem Vortrag die Gewalt, die dem palästinensischen Widerstand entgegengebracht wird: Wer den Kampf gegen diese gut organisierten Verbrecher aufnimmt, wer sich den Kriegstreibern der NATO entgegenstellt, muss mit Isolation und Repression rechnen. Der wird lächerlich oder verächtlich gemacht. Wer für die Freiheit der Unterdrückten kämpft, wird mit ihrem Gesetzesapparat verfolgt. 

Der enorme politische Druck der pro-zionistischen deutschen Politik versucht, jede Form der Solidarität mit dem gerechten Kampf des palästinensischen Volkes im Keim zu ersticken. Nicht ohne Grund hob Susann Witt-Stahl auf dem Abschlusspodium des Kongresses die Verantwortung der sogenannten Antideutschen für die tiefe Verankerung pro-imperialistischer Positionen im Lager linker Organisationen und der Gewerkschaften nach der Konterrevolution hervor. Die Reaktion linker Kreise auf den Angriffskrieg Jugoslawiens und auch des Krieges gegen Russland haben diese Tendenz weiter verschärft.

Der Kommunismus Kongress 2023 hat deutlich und scharf dagegen gehalten, ein unmissverständliches Signal der Solidarität mit dem kämpfenden palästinensischen Volk und den den unterdrückten Völkern weltweit gesendet. Nicht zuletzt haben wir das in unserer Kongress-Resolution verdeutlicht:

Der Kampf gegen die imperialistischen Unterdrücker ist ein internationaler Kampf, es muss ein gemeinsamer Kampf der unterdrückten Völker und der Arbeiterklasse in den imperialistischen Zentren sein.

Wir wissen, dass die Herrschenden in den Zentren alle Mittel des Terrors und der Vernichtung gegen unsere Genossen in den unterdrückten Ländern anwenden. Viele Freiheitskämpfer fielen ihren Meucheltaten zum Opfer. Und auch heute werden viele verfolgt und mit dem Tode bedroht.

Der Kommunismus-Kongress sendet internationalistische Grüße an alle Kämpfer gegen Kolonialismus, Unterdrückung und Imperialismus.

Es lebe die internationale Solidarität — die Zärtlichkeit der Völker! 

Impressions of the Communism Congress 2023

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At this year’s Communism Congress, the current tasks and problems of communists on an international scale were discussed intensively for three days. The focal points of the discussions were anti-imperialism, class struggle, national liberation, and ultimately the question of political orientation in these struggles. 

With almost 300 guests from the German Communist movement, 22 speakers from Russia, Palestine, Greece, China, South Korea and Great Britain, among others, we tackled these questions of the international workers‘ movement head-on. The Communism Congress was able to send a strong signal for the fight against NATO, for the necessary unity with anti-imperialist movements worldwide, and show how much potential there is in the Communist movement in Germany and internationally. The congress made it clear to us how worthwhile it is to facilitate collective discussions. It became evident that more time for such exchange and discussion would be important in the future and that an intensification of international exchange and cooperation would develop the movement. The panels at the congress showed that there is no established culture of debate among communists, through which concentrated efforts are made to wrestle with different positions. In the moderation, we were not yet successful enough in breaking this up and bringing discussions to a head.

It became clear that the communist movement in Germany is facing some urgent tasks. The disagreement on the question „What to do?“, i.e. how this struggle is to be waged concretely, with whom, with which slogans, how sharply and offensively, shows a certain weakness of the congress and which tasks result from it. In the international communist movement, a consistent anti-imperialist and class-struggle position must be worked out. If the communists want to intervene, influence historical development, and orient the struggles, they must generate clarity in their ranks. They must understand the dynamics of the international class struggle and study the balance of forces comprehensively and precisely, not least of all in Germany.

Many of the presentations can be listened to online here (several in English):

Also on our Spotify-channel:

Political relevance of the congress

The war in Ukraine, the fighting in West Africa, and the al aqsa flood, which began parallel to the congress, are expressions of growing resistance to imperialist expansion and oppression. The growing international conflicts in Europe, Africa and West Asia are increasingly calling imperialist domination into question. Continuing with business as usual seems to be creating more and more complex and difficult problems for the imperialists to control and solve.

At the latest with the start of Russia’s military operation in Ukraine and the practical question of how communists should position themselves in relation to these developments, there have been fierce disputes within the International Communist Movement. Political developments have forcefully imposed a series of questions on the Communist movement that arise in conjunction with the assessment of the Russian action as a justified defensive measure or as an imperialist war of aggression. These include the understanding of imperialism in general and the question of the character of the plundering of oppressed countries by the imperialists. Questions about the international impact of China, as well as the relationship between the USA and its European allies such as Germany, Great Britain and France, are also examples of these debates.

The disputes within the International Communist Movement led to increasing polarization and division. The two resolutions of the 22nd meeting of the Communist and Workers‘ Parties in October 2022 show the widely divergent positions and illustrate the lack of a collective international force. Splits in organizations such as the RKSM(b) or the recent unilateral dissolution of the European Initiative by the KKE illustrate the aggravated situation. We as KO have not remained unaffected by this dynamic and the debates and the increased social pressure from policymakers and the media have ultimately led to a disintegration of the organization along the lines of the imperialist and war question.

As KO, we have taken the path of clearly opposing the NATO war course, taking the debates of the communist movement seriously, and orienting our work in such a way that intensive engagement with the debates remains possible with a view to making a small contribution to the movement. This also includes a stronger orientation towards international struggles, which is what made political work on contentious issues possible in the first place. In addition to the questions surrounding the assessment of the war in Ukraine, new questions arose, such as the significance and history of anti-imperialism. The Communism Congress represented an important stage in our development at which we were able to publicly discuss the questions that had arisen.

A phase of upheaval?

At the congress, the participants and speakers showed considerable unity in defining the international political situation. Right at the beginning of the congress, on a spontaneous podium on Friday evening, Stephan Cho from the People’s Democracy Party from South Korea emphasized the acute threat of war emanating from US imperialism against China. In his opinion, South Korea or Taiwan would be the starting point for military aggression.  Joti Brar of the Communist Party of Great Britain (Marxist-Leninist) summarised the developments as follows: „It is now absolutely clear that this world war, which has begun and will deepen and widen, is basically a clash between the forces of imperialism on the one side and the forces of anti-imperialism and national liberation on the other. And we are dependent on the latter side winning.“ Dimitrios Patelis (World Antiimperialist Platform) picked up on this in his lecture on Saturday afternoon in which the tasks and problems of the international communist movement were discussed. Joti Brar also resumed the debate in her lecture on Sunday.

The panel on Saturday afternoon with Arnold Schölzel (DKP), Dimitrios Patelis and Jörg Kronauer (journalist) emphasized that international developments since the 2008 financial crisis have called into question the global dominance of the imperialist countries. Internationally, lines of conflict are becoming clearer due to growing resistance to the existing imperialist system The war in Ukraine was an important catalyst, and accelerator of this dynamic. Arnold Schölzel emphasized that we as communists must focus more strongly on the character of the epoch. BRICS, G77 or CELCA signal: the general crisis of imperialism has reached a point where there is a real possibility of ending the „Columbian age“. The developments in the oppressed countries are not fixed and the danger of setbacks remains. However, this does not mean that this changes the basic trend of development: the decline of imperialism.

Jörg Kronauer argued on the podium that the USA had used the war in Ukraine to drive a wedge between Germany and Russia and to force Germany into greater dependence on US imperialism in the areas of energy and armaments. Despite the clearly recognizable economic collateral damage, German imperialism has a strong independent interest in the subjugation of Russia. As the congress progressed, it became clear that disagreements and questions remained between the participants regarding the relationship between US and German imperialism. Later discussions on alliance orientation, the characterization and role of the German bourgeoisie as well as slogans to serve as a basis for alliances made it clear that these disagreements had a major impact on the political orientation of the struggle. 

The assessment of German imperialism ran through several items on the congress program. In the colloquium on Germany’s role in the Ukraine war organized by the KO, the discussion was taken up in depth and German interests in the war against Russia and its relationship with the USA were debated. It was made clear that neither a one-sided vassal role nor a fully-fledged competition with the USA can be spoken of in Ukraine. In his presentation, Andreas Wehr (Marx-Engels-Zentrum Berlin) went into more detail on German imperialism and the role of the EU in its expansionism. The potential but also the obstacles of the EU were highlighted. Bahmans Shafigh’s (Tadarok) lecture focused on the increasing fascization and growing bellicism of German politics.

Understanding and orienting struggles. But how?

The podiums on Saturday evening and Sunday afternoon sent a strong political signal. The basic consensus was to fight resolutely and relentlessly for the defeat of NATO. Positions that express equidistance in various forms, such as those held by some representatives of the worldwide communist movement, necessarily place themselves, whether they like it or not, in the camp of imperialism and fail to recognize the main direction that the struggle of the oppressed peoples and the worldwide workers‘ movement must take. While the newly inflamed self-confidence of the anti-imperialist movement, within which the breakthrough of the Palestinian resistance can also be understood, is a powerful illustration of the opportunities for the struggle against imperialism and the global class struggle, the reactionary and fascist tendencies that characterize the bloody history of the NATO imperialists are just as evident now in the Ukraine as they are in Palestine.

Lectures on Saturday morning and afternoon, as well as on Sunday, dealt more comprehensively with anti-imperialism and national liberation, looking at different countries and regions of the world. Alexei Albu (Borotba, Ukraine) offered an insight into the role of the incorporation of the People’s Republics by Russia and their significance for the struggles and developments in eastern Ukraine. In the KO colloquium on the characterization of Russian capitalism, the results of the work of a group of comrades dealing with the historical development of Russian capitalism after the counter-revolution were discussed. The war in Ukraine was the subject of Pit Simon’s (Party of the Left) and Ingo Höhmann’s (retired NVA lieutenant colonel) presentation from the perspective of war theory and military practice. Sabine Kebir (author) gave a comprehensive overview of the situation in the Middle East and Africa. Tinks Chak (Dongsheng News, China) spoke about the Chinese fight against poverty, and the role of the Communist Party and mass mobilization.

In the podiums on Saturday and Sunday, a number of questions and problems became apparent that show what work we still have to do in order to be able to place ourselves as communists at the forefront of class struggles. On the one hand, this concerns the question of the assessment of German imperialism and its relationship to the USA. There was agreement on the dangers posed by the Western imperialists and also on the threat of fascization in Germany. However, there were clear differences in the attempts to strategically translate this situation: how do we fight against NATO aggression and who are our allies in this struggle? It is therefore a question of defining our field of struggle. Willi Langenthaler and Klaus Hartmann advocated a position that assumes the extreme dependence of German imperialism and the need for the broadest possible social front against NATO, across political boundaries, and discussed whether such a front could emerge under the labels „down with NATO“ or „never again war and never again fascism“, on the basis of which communists could push and expose right-wingers? Or is it rather the case that they play a dangerous integrative function for a similar course of war to that of established parties and that our weak roots make us more likely to become a pawn of the right through such broad alliances?

These different assessments were also evident during the closing panel of the congress. Klaus Hartman, for example, said that it was objectively a good thing if the AfD spoke out against the war, sanctions and anti-Russian racism. This would signal to the public that there is also the possibility of articulating oneself differently from the established parties. It should be our task on the streets to expose these forces, but to do so we would have to herd them forwards and lose our fear of contact. Harri Grünberg focused on a broad mass party as the most important task in Germany. Broad sections would have to rally on an anti-monopolistic basis and the task of the communists would have to be to combat social democratic tendencies in this context. This alone would make it possible to gain mass influence in Germany. Susann Witt-Stahl pointed out the dangers of not being able to correctly assess the balance of power due to the lack of a concept of fascism. As a result, slogans such as „never again war and never again fascism“ as a basis for alliances would turn into their opposite in practical struggles.

Anti-imperialist struggle in practice

The role and character of national liberation movements was the subject of the foundation workshop on the national question and neo-colonialism. The participants discussed texts by Stalin, Mao and Nkrumah, the question of the nation, the support of independence movements by communists and the connection between national liberation and the struggle for socialism. Hans Bauer (DKP and grh) gave a more detailed insight into the discussions in the GDR about the struggle for national independence and the role of the socialist states for the liberation movements.

Anyone who takes up the fight against these well-organized criminals, who opposes the warmongers of NATO, must expect isolation and repression. They will be mocked or vilified. Anyone who fights for the freedom of the oppressed will be persecuted by their legal apparatus. In his presentation at the congress, Zaid Abdulnasser from Samidoun described starkly the violence that is being used against the Palestinian resistance. 

The massive political pressure of pro-Zionist German politics is trying to nip any movement of solidarity with the just struggle of the Palestinian people in the bud. It was not without reason that Susann Witt-Stahl emphasized on the closing podium of the congress the responsibility of the so-called anti-Germans for the deep anchoring of pro-imperialist positions in the camp of left-wing organizations and the trade unions after the counter-revolution. The reaction of left-wing circles to the war of aggression in Yugoslavia and the war against Russia have further exacerbated this tendency.

The Communism Congress 2023 has clearly and sharply opposed this, sending an uncompromising signal of solidarity with the struggling Palestinian people and oppressed peoples worldwide. Last but not least, we made this clear in our congress resolution:

The fight against the imperialist oppressors is an international struggle, it must be a common struggle of the oppressed peoples and the working class in the imperialist centers. We know that those in power in the centers use all means of terror and destruction against our comrades in the oppressed countries. Many freedom fighters fell victim to their assassinations. And even today many are persecuted and threatened with death.

The Communism Congress sends internationalist greetings to all fighters against colonialism, oppression and imperialism.
Long live international solidarity – the tenderness of peoples!

Together against the rehabilitation of fascism!

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Statement on 9 November 2023

100 years after the failed Hitler putsch and 85 years after the Reichspogromnacht, Germany has supposedly democratically overcome its fascist past and can therefore once again „show responsibility in the world“ by supporting a genocide.

Genocide in the name of the Holocaust

From the first day of the Bonn Republic, the successor state to Hitler’s Germany, the ruling class worked to turn the lesson of 12 years of the blackest reaction „Never again war and fascism“ into its opposite. With the „turn of an era“ („Zeitenwende“) propagated today, German imperialism has launched a major ideological attack that goes beyond the dismantling of anti-fascism and has gone over to openly rehabilitating fascism. 100 years after the Hitler putsch and 85 years after the Reichspogromnacht, the key word givers of German great power ambitions have succeeded in developing a justification ideology for the next attempt at militarism and reaction from so-called German remembrance culture.

The systematic mass murder of millions of Jews has been part of the standard repertoire of German war propaganda since the invasion of Serbia in 1999 at the latest. It is used to beat the war drum for new campaigns and genocides – in the name of „democracy and freedom“. In this way, the Holocaust is relativised and instrumentalised for the implementation of German war policy.

While German and Israeli fighter jets thunder over Dachau to commemorate the Holocaust, the next genocide in Gaza is being supported in the name of this genocide. Disinhibited from any restraint, the annihilation of Palestinian resistance is invoked. Jews around the world who oppose the instrumentalisation of the Holocaust as a justification for ongoing crimes against the Palestinian population are being attacked and defamed. When it comes to the latest large-scale colonial crime in the 21st century, Germany knows no parties[1]. In the name of the Holocaust, genocide is once again German raison d’état.

Jews were declared non-Germans and destroyed or instrumentalised

Zionism, which originated as a European colonial project, went hand in hand with the expulsion of the Jews from Europe. Today, it is celebrated as the appropriate response to the crimes of Hitler’s Germany. Yet this is where the true ugly face of anti-Semitism is revealed. The terrible fate of the Jews was exploited for imperialist superpower interests in the Middle East after the failure to destroy the Soviet Union. The lack of prospects for thousands of Jews was exploited to lock them up in internment camps and deport them to Palestine, where the Zionist movement was already preparing the next ethnic cleansing and carrying it out with the help of the imperialist centres. Anti-Semitism thus found a new practical opportunity in Zionism: in the name of a Jewish state as a safe haven against anti-Semitism, the denaturalisation of Germans of Jewish faith was put into practice – and this directly after the defeat of German fascism.

It is this colonial movement that Germany unconditionally supports in the genocide of the Palestinians committed by this colonial movement in the name of democratically overcoming its genocide against the Jews.  

Export hit fascism

It is not only the redemption of German imperialism from its criminal history that is part of the turning point. Support for fascist regimes is also becoming indispensable for maintaining the hegemony of Germany and its Western allies in the face of growing anti-imperialist movements in the world. Ukraine and Israel, as battering rams of imperialism in Eastern Europe and the Arab world, rule through the support of Western finance capital with openly fascist methods.

In countries where there is a struggle for national liberation or where further economic and military expansion is not possible, resorting to fascist forms of rule is a tried and tested means of imperialism.

The historical support for Stepan Bandera in Ukraine and Meir Kahane’s pro-Zionist racial ideology is still paying off today. The fascist movements built up at that time were deliberately developed into state-supporting elements in order to break the anti-imperialist resistance in Palestine and the Donbass. To this end, they are also financed and armed from Berlin, their inhuman attitudes are whitewashed and presented to the public as saviours of democracy.

Western arrogance of values – the womb is still fertile

The Western community of values is moving closer together to form a liberal national community, using blunt fascist rhetoric in the process. The response to the struggles of the oppressed peoples is an arrogant and racist ideology of the master race, which paints a picture of uncivilised barbarians with a penchant for violence. At the same time, the goal of military dominance and the firm stranglehold of German imperialism in the regions is disguised as a progressive commitment to minorities and women’s rights. Propagandistically, left-liberal individualism and fascist chauvinism go hand in hand. A culture war sparked by those in power serves xenophobic agitation and war propaganda.

Then as now: Fight imperialist German-Europe!

On its way back to its former strength, Germany is rehabilitating fascism and supporting it unconditionally on the front lines of German Europe’s imperialist policy. This goes hand in hand with the complete distortion and defamation of the historical crimes of German fascism in favour of intensified ideological preparations for war.

Fight the decomposition and softening of anti-fascism! Never again fascism and war! Together against the rehabilitation of fascism!


[1] Wilhelm II, German Emperor said in the Reichstag when he started World War I that he only knows Germans and no more different parties – happy to see the consent of the Social Democrats to war credits.

Gemeinsam gegen die Rehabilitierung des Faschismus!

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Stellungnahme zum 9. November 2023

Hier als PDF

100 Jahre nach dem Hitlerputsch und 85 Jahre nach der Reichspogromnacht hat Deutschland seine faschistische Vergangenheit angeblich demokratisch bewältigt und kann deshalb durch Unterstützung eines Völkermords erneut  „Verantwortung in der Welt zeigen“.

Völkermord im Namen des Holocausts

Ab dem ersten Tag der Bonner Republik, dem Nachfolgestaat Hitlerdeutschlands, arbeitete die herrschende Klasse daran, die Lehre aus 12 Jahren schwärzester Reaktion „Nie wieder Krieg und Faschismus“ in ihr Gegenteil zu verkehren. Mit der heute propagierten „Zeitenwende“ hat der deutsche Imperialismus einen ideologischen Großangriff eröffnet, der über die Demontage des Antifaschismus hinaus geht und dazu übergegangen ist, offen den Faschismus zu rehabilitieren. 100 Jahre nach dem Hitlerputsch und 85 Jahre nach der Reichspogromnacht ist es den Stichwortgebern deutscher Großmachtambitionen gelungen, aus so genannter deutscher Erinnerungskultur eine Rechtfertigungsideologie für den nächsten Anlauf zu Militarismus und Reaktion zu entwickeln.

Der systematische Massenmord an Millionen Juden gehört spätestens seit dem Überfall auf Serbien 1999 zum Standardrepertoire der bundesdeutschen Kriegspropaganda. Er wird genutzt, um die Kriegstrommel für neue Feldzüge und Völkermorde- im Namen von „Demokratie und Freiheit“- zu rühren. Damit wird der Holocaust relativiert und für die Durchsetzung deutscher Kriegspolitik instrumentalisiert.

Während anlässlich eines Holocaustgedenkens deutsche und israelische Kampfjets über Dachau hinwegdonnern, wird im Namen dieses Völkermordes der nächste Völkermord in Gaza unterstützt. Von jeder Zurückhaltung enthemmt, wird die Vernichtung des palästinensischen Widerstands beschworen. Juden auf der ganzen Welt, die sich gegen die Instrumentalisierung des Holocausts als Rechtfertigung für andauernde Verbrechen gegen die palästinensische Bevölkerung stellen, werden angefeindet und diffamiert. Was das neueste großangelegte Kolonialverbrechen im 21. Jahrhundert angeht, kennt Deutschland keine Parteien. Im Namen des Holocaust ist Völkermord aufs Neue deutsche Staatsräson.

Juden wurden zu Nicht-Deutschen erklärt und vernichtet oder instrumentalisiert

Der Zionismus, entstanden als europäisches Kolonialprojekt, ging einher mit der Vertreibung der Juden aus Europa. Er wird heute als die angemessene Antwort auf die Verbrechen Hitlerdeutschlands gefeiert. Dabei offenbart sich hier die wahre hässliche Fratze des Antisemitismus. Das furchtbare Schicksal der Juden wurde ausgenutzt für imperialistische Großmachtinteressen im Nahen Osten, nachdem die Vernichtung der Sowjetunion fehlschlug. Die Perspektivlosigkeit tausender Juden wurde ausgenutzt, um sie in Internierungslager zu sperren und nach Palästina zu deportieren, wo die zionistische Bewegung bereits eine nächste ethnische Säuberung vorbereitete und mithilfe der imperialistischen Zentren vollzog. Der Antisemitismus fand im Zionismus damit eine neue praktische Gelegenheit: im Namen eines Judenstaates als Schutzstätte gegen Antisemitismus wurde die Denaturalisierung von Deutschen mit jüdischem Glauben in die Tat umgesetzt- und das direkt nach der Niederlage des deutschen Faschismus.

Diese Kolonialbewegegung ist es, die Deutschland im Namen der demokratischen Bewältigung seines Genozids an den Juden bedingungslos in dem Völkermord an den Palästinensern unterstützt, der von dieser Kolonialbewegung begangen wird.  

Exportschlager Faschismus

Nicht nur die Erlösung des deutschen Imperialismus von seiner verbrecherischen Geschichte ist Bestandteil der Zeitenwende. Auch die Unterstützung faschistischer Regime wird angesichts erstarkender antiimperialistischer Bewegungen in der Welt unverzichtbar für die Aufrechterhaltung der Hegemonie Deutschlands und seiner westlichen Verbündeten. Die Ukraine und Israel als Rammböcke des Imperialismus in Osteuropa und im arabischen Raum herrschen durch die Unterstützung westlichen Finanzkapitals mit offen faschistischen Methoden.

In Ländern, in denen für die nationale Befreiung gekämpft wird oder in denen eine weitere wirtschaftliche und militärische Expansion nicht möglich ist, ist das Zurückgreifen auf faschistische Herrschaftsformen ein probates Mittel des Imperialismus.

Die historische Unterstützung für Stepan Bandera in der Ukraine und Meir Kahanes prozionistischer Rassenideologie zahlen sich bis heute aus. Die damals aufgebauten faschistischen Bewegungen wurden gezielt zu staatstragenden Elementen entwickelt, um den antiimperialistischen Widerstand in Palästina und dem Donbass zu brechen. Zu diesem Zweck werden sie auch aus Berlin finanziert und bewaffnet, ihre menschenverachtende Gesinnung wird reingewaschen und der Öffentlichkeit als Retter der Demokratie vorgestellt.

Wertewestliche Herrenmenschenarroganz – der Schoß ist fruchtbar noch

Die westliche Wertegemeinschaft rückt zur liberalen Volksgemeinschaft zusammen und bedient sich dabei unverblümter faschistischer Rhetorik. Auf die Kämpfe der unterdrückten Völker wird  mit überheblicher und rassistischer Herrenmenschenideologie reagiert, die ein Bild unzivilisierter und gewaltfröhnender Barbaren zeichnet. Gleichzeitig wird das Ziel der militärischen Dominanz und des festen Würgegriffes des deutschen Imperialismus in den Regionen als progressiver Einsatz für Minderheiten und Frauenrechte verschleiert. Propagandistisch gehen linksliberaler Individualismus und faschistischer Chauvinismus Hand in Hand. Ein von den Herrschenden entfachter Kulturkampf dient ausländerfeindlicher Hetze und Kriegspropaganda.

Damals wie heute: Kampf dem imperialistischen Deutsch-Europa!

Auf seinem Weg zurück zu alter Stärke rehabilitiert Deutschland den Faschismus  und unterstützt ihn bedingungslos an den Frontlinien der imperialistischen Politik Deutscheuropas. Damit einher geht die völlige Verdrehung und Verleumdung der historischen Verbrechen des deutschen Faschismus zugunsten verstärkter ideologischer Kriegsvorbereitung. 

Kampf der Zersetzung und Aufweichung des Antifaschismus! Nie wieder Faschismus und Krieg! Gemeinsam gegen die Rehabilitierung des Faschismus!

Freiheit für Palästina!

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Der Völkermord in Gaza schreitet voran. Schulen, Krankenhäuser, Flüchtlingslager – vor nichts machen die israelischen Bomben halt. Unterstützung kommt dabei von Deutschland, den USA und anderen westlichen Staaten. Der Widerstand des palästinensischen Volkes ist notwendig und gerecht – und er braucht die internationale Solidarität! 

Israel ist eine siedlerkoloniale Besatzungsmacht. Apartheid ist nur ein Teil davon. Die Staatsgründung Israels begann mit der Nakba – der brutalen Vertreibung von 750.000 Palästinensern ab 1947. Die Mehrheit der Palästinenser lebt bis heute in Flüchtlingslagern in den umliegenden arabischen Ländern, im Westjordanland oder in Gaza sowie im nichtarabischen Exil. Die von Israel als „humanitärer Akt“ verkaufte „Evakuierung“ der Palästinenser aus Gaza nach Ägypten wäre nichts als eine Fortführung der Nakba! Die Geflüchteten dürften nie wieder zurückkehren – wie schon 1948. Auch im Westjordanland wurden Flugblätter verteilt, die die Einheimischen dazu aufriefen, nach Jordanien zu fliehen.  

Eine „Zwei-Staaten-Lösung“ ist eine Illusion und verkennt den siedlerkolonialen Charakter Israels! Die offiziell geäußerten und derzeit in die Tat umgesetzten Pläne Israels, Gaza ethnisch zu säubern, bestätigen den siedlerkolonialen Charakter Israels und seiner Ideologie, dem Zionismus. Dessen Ziel ist die vollständige Kontrolle „Großisraels“. Damit ist nicht nur das Gebiet ganz Palästinas gemeint: Israels Minister Bezalel Smotrich proklamiert ein „Großisrael“, das Teile Jordaniens, Ägyptens, Syriens und des Libanon beinhaltet. Die Oslo-Abkommen der 90er Jahre haben an diesem expansionistischen Charakter nichts verändert. Die darin den Palästinensern zugesprochenen Gebiete werden de facto von Israel kontrolliert und immer weiter annektiert. 750.000 Siedler leben mittlerweile in der Westbank und Ostjerusalem. Deshalb: das Festhalten an der sog. Zwei-Staaten-Lösung ist illusorisch, lähmt den Widerstand des palästinensischen Volks und akzeptiert de facto den Kolonialismus Israels, mit dem kein Frieden möglich ist!  

Es geht nicht um einen Kampf der Religionen oder Kulturen, sondern um einen Kampf zwischen Kolonisierten und Kolonisatoren. Antizionismus ist kein Antisemitismus! Israel spricht keinesfalls für alle Juden. Weltweit sprechen sich zahlreiche Juden gegen den Zionismus aus. Eine Gleichsetzung aller Juden mit den Verbrechen des israelischen Regimes wäre antisemitisch! Die Verbrechen des deutschen Imperialismus an den europäischen Juden werden instrumentalisiert, um den Siedlerkolonialismus moralisch zu rechtfertigen. Der deutsche Imperialismus nutzt seine „bedingungslose Solidarität mit Israel“ als Trugbild für historische Aufarbeitung. Stattdessen hat die BRD viele Täter der Nazi-Zeit, die den systematischen Massenmord an Juden mit ermöglichten, nie ihrer Posten enthoben, geschweige denn bestraft, sondern sie direkt rehabilitiert und versucht, weiterhin ihre Rolle im Aufbau faschistischer Terrornetzwerke zu vertuschen. In der Ukraine unterstützt die BRD Faschisten, die sich auf den Antisemiten Stepan Bandera berufen, sogar ganz offen. Kampf gegen Antisemitismus heißt, genau das anzugreifen! Kritik und Widerstand gegen den Zionismus hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Die Gleichsetzung dient der Repression gegen Solidarität mit dem gerechten Kampf Palästinas um seine Befreiung.   

Meinungsfreiheit gibt es nur für die Vertreter der „deutschen Staatsräson“. Während Nazimärsche stattfinden dürfen, wird der Antisemitismus-Vorwurf genutzt, um palästinasolidarische Demonstrationen zu kriminalisieren und zu verbieten. Journalistisch ernstzunehmende Berichterstattung ist in Deutschland kaum noch zu finden. Stattdessen tragen die großen Medienhäuser den Krieg gegen Palästina mit ihrer hetzerischen, einseitigen Berichterstattung aktiv mit. Dass Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland nur hohle Phrasen sind, zeigt auch die Diffamierung des Widerstandes als „Terror“: 2006 wurde die Hamas in demokratischen Wahlen als Vertretung des palästinensischen Volkes in Gaza gewählt. Rassistische und islamfeindliche Vorurteile, die im sog. „Krieg gegen den Terror“ aufgebaut wurden, werden genutzt, um alle Teile des Widerstandes, ob islamisch oder säkular, zu dämonisieren und zu kriminalisieren. Die Lügen und Verleumdungen der Regierung wurden in Erlasse gegossen und neben der Hamas das Gefangenennetzwerk Samidoun verboten und aufgelöst. Dies soll Repressionen ermöglichen und ist ein willkürliches Polizei-Instrument zum Verbot von Demonstrationen und der Palästina-Solidarität. Es ist ein tiefer Eingriff in die demokratischen Rechte und Ausdruck der Politik der Unterstützung des israelischen Völkermords. 

Der Kampf um nationale Befreiung des palästinensischen Volks richtet sich gegen den Imperialismus!Israel als Siedlerkolonie ist ein wesentliches Instrument des US-Imperialismus und seiner Verbündeten. Damit sollen die geopolitische Kontrolle und die ökonomische Ausbeutung der gesamten Region sichergestellt werden. Der Widerstand gegen die zionistische Besatzung steht in der Tradition antiimperialistischer Kämpfe gegen die Kolonialherren und ihre Erben – die Kämpfe, die gegenwärtig auch in anderen Teilen der Welt (etwa Westafrika) an Dynamik gewinnen! 

Gespalten wird die nationale Befreiung nicht möglich sein! Seit Jahrzehnten wehrt sich das palästinensische Volk gegen illegale Besiedlung, Besatzung und Apartheid: Die notwendigen Mittel des Widerstands bestimmen die Unterdrücker: Massendemonstrationen, Streiks, Öffentlichkeitsarbeit und viele andere friedliche Wege des Widerstands wurden bereits ausgiebig erprobt. Doch das palästinensische Volk musste bitter lernen, dass es keinen Frieden mit der Besatzungsmacht geben kann. Das palästinensische Volk hat das Recht auf bewaffneten Widerstand gegen den Siedlerkolonialismus, es ist wichtiger Teil seines Rechts auf Selbstbestimmung. Im Ziel der Befreiung ist der Widerstand vereint: Alle nationalen Kräfte des palästinensischen Widerstands haben gemeinsam die Operationen seit dem siebten Oktober geplant und durchgeführt. Islamische, nationalistische und kommunistische Kräfte kämpfen Seite an Seite. Das ist genau richtig: Gespalten wird die nationale Befreiung nicht möglich sein! Sie muss im Vordergrund stehen, und andere Differenzen müssen dahinter zurückstehen. 

Nieder mit dem Imperialismus!

Kampf der Besatzung, dem Siedlerkolonialismus und der Apartheid! 

Solidarität mit dem Widerstand! Es leben Palästina und sein Befreiungskampf! 

Antideutsche sind keine Linken! Wir verurteilen den rassistischen Angriff auf die „Bäckerei“ in Leipzig!

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In Leipzig erreicht die rassistische Hetze von selbsternannten „Linken“ einen neuen Höhepunkt. In der Nacht zum Dienstag, 24.10.2023 gab es einen Angriff auf die Bäckerei (Casa), ein von migrantischen Menschen organisiertes Hausprojekt und linker Veranstaltungsraum im Leipziger Westen.[i]Mehrere Scheiben wurden eingeschlagen und ein Behälter mit Schweinefett in die Räume geworfen. Die Nutzung von Schweinefett belegt eindeutig ein rassistisches Motiv des Angriffs. Was sich anhört wie ein Angriff von Faschisten, wird im Bekennerschreiben auf indymedia von selbsternannten „Antifaschisten“ für sich beansprucht.[ii] Der Angriff kam mit Ansage[iii] und wurde von „Antideutschen“ in sozialen Netzwerken verteidigt.

Die Angreifer stimmen ein in die gesellschaftliche Stimmung, in der Palästina-Solidarität als Antisemitismus verunglimpft wird und anti-muslimischer Rassismus auf dem Vormarsch ist. Um Faschismus wieder salonfähig zu machen, lenkt der deutsche Imperialismus von seiner eigenen Vergangenheit ab und projiziert sie stattdessen auf die Palästinenser. So werden deutsche Faschisten weiterhin als Einzeltäter abgetan und es wird stattdessen von „importiertem Antisemitismus“ gesprochen. Während der zweite „War on Terror“ anrollt, sollten wir nicht vergessen, dass es der deutsche Faschismus ist, der den Völkermord an den Juden in Europa zu verantworten hat, nicht etwa die Palästinenser.

Während Israel mit der Unterstützung der deutschen Regierung in Gaza einen Genozid vor den Augen der ganzen Welt verübt, während hierzulande fast jeglicher Protest gegen den Genozid kriminalisiert wird und deutsche Polizisten Kerzen auf Mahnwachen austreten, während Abschiebungsregelungen verschärft werden, haben diese selbsternannten „Antifas“ nichts Besseres zu tun, als propalästinensische Kräfte einzuschüchtern, um so die deutsche Staatsräson aggressiv zu unterstützen. Dass sie dabei zu rassistischen Mitteln wie Schweinefett greifen, entblößt einmal mehr ihr wahres Gesicht. Während sie sich selbst als „Antifaschisten“ und „Kämpfer gegen Antisemitismus“ stilisieren, ignorieren sie, dass sich in den Räumen der Bäckerei und des Zweiecks, die sie zum Angriffsziel erklären, auch jüdische Personen treffen. Ihr Angriff hat nichts mit dem Schutz von Juden zu tun. Indem sie Verbrechen in ihrem Namen verüben und dabei Methoden anwenden, die sich nicht von denen der Faschisten unterscheiden, tun sie genau das Gegenteil. Indem sie sich so klar für Kolonialismus, Unterdrückung und Rassismus positionieren, schwimmen sie nicht nur mit dem Strom der reaktionären Politik der Herrschenden, sondern setzen diese auch noch aggressiv durch. Sie sind die Fußtruppen des Imperialismus, keine Linken.

Leipzig hat eine traurige antideutsche Tradition. Sei es das Hofieren des islamophoben AfD-Fans Thomas Maul im Conne Island[iv], das unwidersprochene Beheimaten einer Ausstellung in Connewitz, die u.a. das faschistische Asow-Bataillon verherrlicht oder der Übergriff einer „linken“ Demo auf eine Moschee auf der Eisenbahnstraße. Die Liste könnte lang weitergehen. Es ist eine Schande, dass sich diese Täter immer noch als Linke bezeichnen und in Teilen der Szene Anerkennung finden.

Doch in den letzten Jahren verloren Antideutsche in Leipzig zunehmend an Einfluss. So scheiterte zuletzt der Versuch einiger antideutscher Mitglieder des Studierendenrates der Uni Leipzig alle Palästina-solidarischen Gruppen von der Uni zu verbannen. Das ist ein klarer Sieg gegen diese Kräfte.

Wir solidarisieren uns mit den Angegriffenen und stellen uns klar gegen den rassistischen Angriff. Antideutsche sind keine Linken! Sie müssen als das benannt werden, was sie sind: rechte, pro-imperialistische Kräfte. Sie werden uns mit ihren Angriffen weder einschüchtern noch zum Schweigen bringen.

Antizionismus ist kein Antisemitismus! Gegen die deutsche Staatsräson! Für ein freies Palästina!


[i] https://www.jungewelt.de/artikel/461816.angriff-auf-linkes-zentrum-hetze-tr%C3%A4gt-fr%C3%BCchte.html

[ii] Das Schreiben ist mittlerweile gelöscht. Screenshots finden sich in dem Statement der Bäckerei: https://www.instagram.com/p/CyyjtdGs_gF/?igshid=MzRlODBiNWFlZA==

[iii] https://knack.news/6996

[iv] https://www.facebook.com/photo/?fbid=167008700659929&set=pb.100064333976322.-2207520000

Stoppt den Völkermord in Gaza!

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Israel begeht Massaker in Krankenhaus – Deutsche Politiker und Medien verbreiten Hass und Angst

Die Welt wurde gestern Zeuge eines barbarischen Kriegsverbrechens. Die zionistische Besatzungsmacht hat ein Krankenhaus in Gaza bombardiert und das Leben Hunderter Menschen, darunter unzählige Kinder ausgelöscht. Sie hat wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sie keinen Respekt vor Recht und Gesetz kennt, dass sie auf die verrohteste Art bereit ist, Menschen abzuschlachten, ganz egal ob Schutzsuchende, Kinder, Ärzte, Zivilisten.

Vor unseren Augen wird gerade ein systematischer Völkermord in Gaza begangen. Über zwei Millionen Menschen sollen vernichtet werden. Der offene Rassismus, mit der dieser Genozid seitens der zionistischen Entität Israel gerechtfertigt wird, zeigt uns dass der Zionismus am Ende ist. Sie können das Wesen der rassistischen Kolonisierung und Besatzung Palästinas nicht mehr verstecken.

Und in Deutschland? Hier rufen Politiker und Medien einhellig zur Solidarität mit den Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Besatzungsmacht Israel auf. Was wir hier in Deutschland erleben, ist eine völlig aus der Kontrolle geratene Enthemmung: Volksverhetzung, Rassismus, Willkür, Verbote, Drohungen und Übergriffe reihen sich in einem schwindelerregenden Tempo aneinander.

Seit Beginn des Aufstandes vom 7. Oktober überziehen uns Israel und die pro-israelischen Medien und Politiker mit Lügen: Der Widerstand soll Massaker und Massenvergewaltigungen haben, er soll 40 Kinder geköpft haben und nun soll er selbst das Krankenhaus in die Luft gejagt haben. Diese Lügen haben eine lange Tradition, was Palästina angeht, denn das zionistische Kolonialregime kann sich nur mit Lügen legitimieren und an der Macht halten. Diese Lügen fangen bei der Behauptung an, Palästina sei ein „Land ohne Volk“ gewesen, das nur auf ein „Volk ohne Land“ gewartet habe. Sie erstrecken sich über eine lange Geschichte, in der Israel sich in die Opfer- und Verteidigungsrolle begeben hat, obwohl es immer Täter und Aggressor war. Und sie reichen bis zu dieser Stunde, wenn Tel Aviv den Völkermord in Gaza und jede Verantwortung für das Massaker der letzten Nacht leugnet.

Alle Zeichen stehen auf Rot, wenn die ach so starken Mächte ins Wanken geraten. Jetzt heißt es: wachsam sein, standhaft bleiben und die Reihen schließen. Gestern Abend waren viele Menschen überall auf der Welt auf den Straßen, so auch in Deutschland. Auch heute werden es viele sein. Das sind die ersten Regungen für eine Zukunft ohne Krieg, ohne Besatzung, ohne Gewalt.

Es lebe die Solidarität der Völker!

Es lebe der Befreiungskampf Palästinas!

Nieder mit dem Zionismus!

Schluss mit der rassistischen Polizeigewalt in Deutschland!

Resolution des Kommunismus Kongresses 2023/Communism Congress 2023

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Alle Informationen zum Kommunimus Kongress 2023 finden sich hier.

The English version of the resolution can be found below.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Teilnehmer des Kommunismus-Kongresses,
wir haben diesen Kongress organisiert, um einen Beitrag zum Kampf gegen den Imperialismus, gegen die NATO, gegen diese Räuberbande und Schlächter der Menschheit zu leisten.

Wir wollen eine gemeinsame Resolution dieses Kongresses vorschlagen und würden uns freuen, wenn Ihr sie mit Applaus annehmt und unterstützt.

Palästina hat sich erhoben! Palästina schlägt zurück! Der Befreiungskampf des palästinensischen Volks bricht durch! Buchstäblich: Gaza hat seine Gefängnismauern gesprengt! Eine lang ersehnte und notwendige Antwort auf über 100 Jahre Kolonialismus und 75 Jahre Besatzung, Vertreibung und Auslöschung der palästinensischen Nation!

Alle Unterdrückten der Welt und alle Befreiungsbewegungen stehen an der Seite des Widerstands gegen das zionistische Besatzungsregime.

Der Kommunismus-Kongress spricht seine volle Solidarität und Verbundenheit mit dem mutigen und entschlossenen Kampf Palästinas aus! Er ist ein leuchtendes Signal für den weltweiten Kampf gegen die Barbarei und für die Befreiung der Menschheit! Es ist eine historische Notwendigkeit, der aktiv zum Durchbruch verholfen wird: Ganz Palästina wird frei sein! Der zionistische Siedlerkolonialismus wird besiegt werden!

Der Kommunismus-Kongress spricht seine Solidarität mit unserem Referenten und Genossen Zaid Abdulnasser aus, dessen Aufenthalt entzogen werden soll. Unsere Botschaft ist unmissverständlich:  Zaid wird bleiben! Bis Palästina frei ist! Es lebe die palästinensische Befreiungsbewegung — in Palästina und in Deutschland!

Wer den Kampf gegen diese gut organisierten Verbrecher aufnimmt, wer sich den Kriegstreibern der NATO entgegenstellt, muss mit Isolation und Repression rechnen. Der wird lächerlich oder verächtlich gemacht. Wer für die Freiheit der Unterdrückten kämpft, wird von ihren Schergen verfolgt.

Der Kommunismus-Kongress spricht seine Solidarität mit den Kononovich-Brüdern aus, die vom Kiewer Regime als Geiseln genommen wurden und öffentlich mit dem Tode bedroht werden. Wir solidarisieren uns auch mit unserem Genossen und Referenten Alexej Albu, der von den ukrainischen Faschisten aus seiner Heimat vertrieben wurde und dem die europäischen Behörden die Einreise in die EU verweigern. Sie wollen ihn damit zum Schweigen bringen.

Der antifaschistische Kampf gegen die Bandera-Bande, die von den NATO-Staaten finanziert und bewaffnet wird, wird weiter gehen!

In Deutschland sitzen die Gesinnungsrichter preußischer Tradition in den Startlöchern, um alle zu drangsalieren, die nicht in den Kriegschor gegen Russland einstimmen. Die Bundesrepublik zeigt offen, was sie immer war: Das anti-kommunistische Bollwerk in Europa, dem Faschismus entwachsen.

Es sind die Ewiggestrigen kleingeistigen Pickelhaubenträger. Geben wir sie der Lächerlichkeit preis, denn sie sind nichts anderes als lächerliche Gestalten. Sie wollen mit Gewalt verhindern, dass die einfachsten Wahrheiten über die Kriegspläne und Kriegstreiberei der NATO ausgesprochen werden.

Setzen wir ihnen Mut und Entschlossenheit entgegen, das zu sagen, was ist! Es ist die NATO, die Faschismus und Krieg in die Ukraine und viele andere Länder der Welt gebracht hat. Sie ist der Aggressor!

Der Kommunismus-Kongress spricht seine Solidarität mit allen aus, die von der bundesdeutschen Gesinnungsjustiz verfolgt werden, weil sie gegen ihre Kriegstreiberei aufstehen. Stärken wir alle, die der NATO-Propaganda entgegen treten.

Wir rufen dazu auf, die Kampagne der Deutschen Kommunistischen Partei, DKP, gegen den Maulkorb für Kriegsgegner zu unterstützen und gegen den Paragraphen 130 anzukämpfen, der uns den Mund verbieten und einschüchtern soll.

Gestern war der 7. Oktober: Der Gründungstag der Deutschen Demokratischen Republik! Der Staat der deutschen Arbeiterklasse, der gegen den Imperialismus gekämpft hat, der brüderlich mit den Befreiungsbewegungen verbunden war, der den Internationalismus gelebt hat!

Lernen wir von der DDR, nehmen wir diesen Schatz unserer Geschichte für unsere heutigen Kämpfe!

Der Kampf gegen die imperialistischen Unterdrücker ist ein internationaler Kampf, es muss ein gemeinsamer Kampf der unterdrückten Völker und der Arbeiterklasse in den imperialistischen Zentren sein.

Wir wissen, dass die Herrschenden in den Zentren alle Mittel des Terrors und der Vernichtung gegen unsere Genossen in den unterdrückten Ländern anwenden. Viele Freiheitskämpfer fielen ihren Meucheltaten zum Opfer. Und auch heute werden viele verfolgt und mit dem Tode bedroht.

Der Kommunismus-Kongress sendet internationalistische Grüße an alle Kämpfer gegen Kolonialismus, Unterdrückung und Imperialismus.

Es lebe die internationale Solidarität — die Zärtlichkeit der Völker! 

Communism Congress Resolution 2023

Dear comrades, dear participants of the Communism Congress,

we have organized this congress to contribute to the fight against imperialism, against NATO, against this gang of robbers and butchers of humanity. We would like to propose a joint resolution for this congress and would be pleased if you approved and supported it with applause.

Palestine has risen! Palestine strikes back! The liberation struggle of the Palestinian people is breaking through! Literally: Gaza has blown up its prison walls! A long-awaited and necessary response to over 100 years of colonialism and 75 years of occupation, expulsion and extinction of the Palestinian nation! All the oppressed in the world and all liberation movements stand on the side of the resistance against the Zionist occupation regime.

The Communism Congress expresses its full solidarity and attachment to the courageous and determined struggle of Palestine! It is a shining signal for the global fight against barbarism and for the liberation of humanity! It is a historical necessity that is being actively helped to achieve a breakthrough: All of Palestine will be free! Zionist settler colonialism will be defeated!

The Communism Congress expresses its solidarity with our speaker and comrade Zaid Abdulnasser , whose stay is to be revoked. Our message is unmistakable: Zaid will stay! Until Palestine is free! Long live the Palestinian liberation movement – in Palestine and in Germany!

Anyone who takes up the fight against these well-organized criminals and opposes NATO’s warmongers must expect isolation and repression. He is ridiculed or despised. Anyone who fights for the freedom of the oppressed will be persecuted by their minions.

The Communism Congress expresses its solidarity with the Kononovich brothers, who were taken hostage by the Kiev regime and are publicly threatened with death. We also express our solidarity with our comrade and speaker Alexei Albu , who was expelled from his homeland by the Ukrainian fascists and to whom the European authorities are refusing entry into the EU. They want to silence him.

The anti-fascist fight against the Bandera gang, which is financed and armed by the NATO states, will continue!

In Germany, the judges of the Prussian tradition are waiting in the starting blocks to harass everyone who does not join in the war chorus against Russia. The Federal Republic is openly showing what it has always been: the anti-communist bulwark in Europe, which has outgrown fascism.

They are the old-fashioned, small-minded, spiked helmet wearers . Let’s expose them to ridicule,
because they are nothing but ridiculous figures. They want to use force to prevent the simplest truths about NATO’s war plans and warmongering from being spoken. Let us show them courage and determination, to say what is! It is NATO that brought fascism and war to Ukraine and many other countries around the world. She is the aggressor!

The Communism Congress expresses its solidarity with all those who are being persecuted by the Federal German justice system because they stand up against their warmongering. Let us strengthen everyone who opposes NATO propaganda. We call on you to support the campaign of the German Communist Party (DKP) against the muzzle of war opponents and to fight against paragraph 130, which is intended to forbid us from speaking up and intimidate us.

Yesterday was October 7th: the founding day of the German Democratic Republic! The state of the German working class, who fought against imperialism, who was fraternally connected to the liberation movements, who lived internationalism!

Let’s learn from the GDR, let’s use this treasure of our history for our struggles today!

The fight against the imperialist oppressors is an international struggle, it must be a common struggle of the oppressed peoples and the working class in the imperialist centers. We know that those in power in the centers use all means of terror and destruction against our comrades in the oppressed countries. Many freedom fighters fell victim to their assassinations. And even today many are persecuted and threatened with death.

The Communism Congress sends internationalist greetings to all fighters against colonialism, oppression and imperialism.
Long live international solidarity – the tenderness of peoples!

Stand up against the ban on Samidoun! Shame on the betrayal of “Red Aid”

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The federal government has announced that it will ban Samidoun!

Stand up and protest against this repression! It is intended to stifle the anti-colonial voice of Samidoun.

We stand firmly with the entire resistance of Palestine and all its parts. Resistance to occupation and colonization is not terrorism!

The agitation and hysteria of those in power in Germany want to prevent masses of people from taking to the streets against the crimes of Zionism. This is the reason why Samidoun should be banned.

“Red aid” withdraws solidarity at the moment of harshest repression!

While Palestine Solidarity is confronted with the harshest repression from the German state in decades, “Red aid” stabs it in the back and withdraws support for the campaign for Samidoun’s Zaid Abdulnasser. Shame on this servile sycophancy! The “Red Aid” participates in the defamation and agitation against Samidoun and Palestine solidarity. We call on “Red Aid” to reverse this decision and make every effort to support Samidoun! All members of the “Red Aid” should protest and exert pressure against this betrayal of the cause of Palestine!

Hamas, PFLP, Islamic Jihad are not terrorist organizations!

We also oppose a ban on Hamas‘ activities and the ban on the PFLP in Germany. Hamas is part of the Palestinian resistance and the only elected force in Palestine to emerge victorious in the 2006 elections. The defamation of Hamas as anti-Semitic or Islamist is not only a lie, it also shows more than clearly how little respect there is for democratic elections in this country. The defamation of Hamas, Islamic Jihad and the PFLP as terrorist organizations is a lie from the imperialists. They are all liberation organizations of the Palestinian people.

The decades-long resistance of the Palestinians is a crucial problem for the imperialists and it must be defamed and combated by all means possible. A very important aspect of the classification as a terrorist organization in Germany is to divide resistance and solidarity with the anti-colonial struggle worldwide into supposedly legitimate and illegitimate support. This means the resistance as a whole is to be broken.

It is the task of the revolutionary, communist and workers‘ movements in the imperialist countries, in the spirit of proletarian internationalism, to understand the struggle of the oppressed nations as part of their own struggle. Anyone who fights for the liberation of Palestine today is fighting for the liberation of their own working class. The working class must understand that the repression against Samidoun and the Palestinian resistance in general, as a repression against their own rights to assembly, freedom of expression, to international unification of struggle.

With their lies, their agitation and repression they want to suppress the fight against settler colonialism and Zionism!

We stand firmly with Samidoun and will fight against a ban!

Nobody can prohibit Palestine’s just struggle!

Steht auf gegen das Verbot von Samidoun! Schande über den Verrat der „Roten Hilfe“

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Die Bundesregierung hat angekündigt, Samidoun zu verbieten!
Steht auf und protestiert gegen diese Repression! Sie soll die antikoloniale Stimme von Samidoun ersticken.
Wir stehen fest an der Seite des gesamten Widerstands Palästinas und aller seiner Teile. Widerstand gegen Besatzung und Kolonisierung ist kein Terrorismus!
Die Hetze und Hysterie der Herrschenden in Deutschland will verhindern, dass massenhaft Menschen gegen die Verbrechen des Zionismus auf die Straße gehen. Das ist der Grund, warum Samidoun verboten werden soll.

Rote Hilfe entzieht Solidarität im Moment der härtesten Repression!
Während die Palästina-Solidarität mit der härtesten Repression des deutschen Staates seit Jahrzehnten konfrontiert ist, fällt ihr die „Rote Hilfe“ in den Rücken und entzieht die Unterstützung für die Kampagne für Zaid Abdulnasser von Samidoun. Schande über diese untertänige Kriecherei! Die „Rote Hilfe“ beteiligt sich an der Diffamierung und Hetze gegen Samidoun und die Palästina-Solidarität. Wir fordern die „Rote Hilfe“ auf, diese Entscheidung zurückzunehmen und alle Anstrengungen zur Unterstützung von Samidoun zu unternehmen! Alle Mitglieder der „Rote Hilfe“ sollten dagegen protestieren und Druck ausüben gegen diesen Verrat an der Sache Palästinas!

Hamas, PFLP, Islamischer Dschihad sind keine Terrororganisationen!
Wir stellen uns auch gegen ein Betätigungsverbot der Hamas sowie gegen das Verbot der PFLP in Deutschland. Die Hamas ist Teil des palästinensischen Widerstands und die einzige gewählte Kraft Palästinas, die aus den Wahlen 2006 als Wahlsieger hervorgegangen ist. Die Diffamierung der Hamas als antisemitisch oder islamistisch ist nicht nur eine Lüge, sie zeigt auch mehr als deutlich wie wenig Respekt vor demokratischen Wahlen hierzulande herrscht. Die Diffamierung der Hamas, des Islamischen Dschihad und der PFLP als Terrororganisationen ist eine Lüge der Imperialisten. Sie sind alle Befreiungsorganisationen des palästinensischen Volkes.

Der Jahrzehnte währende Widerstand der Palästinenser ist für die Imperialisten ein entscheidendes Problem und er muss mit allen Mitteln diffamiert und bekämpft werden. Eine sehr wichtige Seite der Einstufung als Terrororganisation in Deutschland ist, den Widerstand und die Solidarität mit dem antikolonialen Kampf weltweit zu spalten, in vermeintlich legitime und illegitime Unterstützung. Mit diesem Mittel soll der Widerstand als Ganzes gebrochen werden.

Es ist die Aufgabe der revolutionären, kommunistischen und Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern im Sinne des proletarischen Internationalismus den Kampf der unterdrückten Nationen als Teil ihres eigenen Kampfes zu verstehen. Wer heute für die Befreiung Palästinas kämpft, kämpft für Befreiung der eigenen Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse muss verstehen, dass die Repressionen gegen Samidoun und den palästinensischen Widerstand im Allgemeinen, als Repression gegen ihre eigenen Rechte auf Versammlung, Meinungsfreiheit, auf internationale Vereinigung des Kampfes gerichtet ist.

Mit ihren Lügen, ihrer Hetze und Repression wollen sie den Kampf gegen den Siedlerkolonialismus und dem Zionismus unterdrücken!

Wir stehen fest an der Seite von Samidoun und werden gegen ein Verbot kämpfen!
Niemand kann den gerechten Kampf Palästinas verbieten!

Solidarität mit dem kämpfenden Palästina! Kampf der anti-palästinensischen Repression in Deutschland!

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Stellungnahme zum Aufstand des 7. Oktober und zu Repression gegen Demos sowie Diffamierung des Kommunismus Kongresses

Der Aufstand des palästinensischen Widerstands hat aller Welt vor Augen geführt, dass die zionistische Ordnung in Palästina auf Sand gebaut ist. Die Palästinenser leisten dem übermächtigen Feind seit mehr als 100 Jahren Widerstand. Und obwohl jedem klar sein muss, dass kein Unterdrückungsregime auf ewig Bestand haben kann, obwohl bekannt war, dass der Widerstand in Gaza militärisch immer stärker wird, und obwohl die palästinensische Freiheitsbewegung mit der seit 2021 anhaltenden Intifada in der Westbank eine neue Qualität gewonnen hat, kam dieser Schlag nun überraschend. Für die Zionisten und ihre Verbündeten, die westlichen Imperialisten, ist diese Überraschung ein Alptraum. Sie merken, wie fragil ihre Herrschaft ist. Tausende Siedler verlassen derzeit fluchtartig das Land. Das siedlerkoloniale Projekt, das die Zionisten mittels brutalster, genozidaler Gewalt und Landraub wahr werden lassen wollen, wird zutiefst erschüttert.

Für uns und alle Freiheit und Gerechtigkeit liebenden Menschen auf der Welt ist es dagegen eine großartige Überraschung! Wir können diesen Aufstand nur bewundern, ihm Erfolg wünschen und uns mit ihm voll und ganz solidarisieren! Wir distanzieren uns nicht ein Stück vom Widerstand und von keinem seiner Teile! Er ist in Gänze legitim, genau wie all seine Mittel!

Der Aufstand vom 7. Oktober ist ein historisches Ereignis – ein massiver Anschub antiimperialistischer und antikolonialer Kämpfe.

Diese Position wird von den Millionenmassen und von vielen Regierungen weltweit vertreten. Doch im Westen und insbesondere in Deutschland wird sie kriminalisiert und diffamiert: Die Palästinenser und alle, die mit ihnen solidarisch sind, werden als Terroristen und als Antisemiten beschimpft, Räume werden entzogen, Demos verboten und mit Gewalt aufgelöst. All das geschah am vergangenen Wochenende in Berlin.

Repression und Polizeigewalt in Neukölln

Eine spontane Demonstration im Berliner Stadtteil Neukölln, die ihre Solidarität mit den Menschen in Palästina ausdrücken wollte, wurde von der Polizei nicht zugelassen und die Versammelten wurden mit Gewalt auseinander getrieben. Dabei demonstrierten die Berliner Beamten nicht nur ihren offensichtlichen Rassismus gegenüber Palästinensern und ihre Gewaltgeilheit. Sie zeigte auch offen, dass sie demokratische Grundrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit mit Füßen treten. Die Gründe für das Verbot der Demonstration waren politisch motiviert und widersprachen eindeutig dem Recht auf freie Meinungsäußerung: So wurde wieder einmal mit der Parole „From the River to the Sea: Palestine will be free!“, aber auch mit Sprechchören, die „Panzer zerstören!“ skandierten, argumentiert. Die Anmelderin der Demonstration hat mittlerweile Anzeige gegen die Polizei wegen der Einschränkung ihres Grundrechts auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit erstattet.i Weitere Anzeigen wegen Körperverletzung und Nötigung sind ebenfalls gegen die Beamten rausgegangen.

Wieder einmal waren und sind die Genossen von Samidoun besonders von der Repression und der rassistischen Gewalt der Polizei betroffen. Die Berliner Polizei wollte sogar das Zeigen der Fahne Palästinas unterbinden. Aber auch Genossen von uns sowie von anderen kommunistischen Organisationen wurden am Samstagabend eingekesselt, einzeln abgeführt, durchsucht und zum Teil über Stunden festgehalten.

Schon Stunden vor der Demo wurden Palästinenser, die — wie es nach erfolgreichen Widerstandsoperationen üblich ist — in Berlin süße Backwaren verteilten, von der Polizei schikaniert und angezeigt. Am gestrigen Sonntag wurde eine weitere Versammlung unterbunden.

Am Montag wurde ein Aktivist am helllichten Tag mitten auf der Straße in Berlin festgesetzt, weil vermutet wird, dass er bei Samidoun aktiv ist. Gegen ihn wurde auf offener Straße gewaltsam vorgegangen und er wurde für mehrere Stunden in Gewahrsam genommen.

Am Montag Abend fand eine Demonstration in Duisburg statt, die, begleitet von medialer Hetze, vor Ort durch massive Polizeipräsenz eingeschüchtert werden sollte.ii

Medienhetze und Diffamierung des Kommunismus-Kongress

Die deutsche Presse von BILD bis Tagesspiegel stimmte die übliche rassistische und pro-zionistische Hetze gegen angebliche „Terrorunterstützer“ und „Antisemiten“ an. Besonders widerwärtig ist, dass das Neue Deutschland (nd), einst die Parteizeitung der SED, später der Linkspartei, heute „unabhängig“, in die anti-palästinensische Hetze mit einstimmte.iii Gegen die Junge Welt dagegen, die einen soliden Artikel unter dem Titel „Gaza schlägt zurück“ veröffentlichte,iv wurden im Internet bereits Verbotsforderungen erhoben.

Die Verwaltung des nd-Gebäude, in dem wir am vergangenen Wochenende unseren Kommunismus Kongress zum Thema antiimperialistische Kämpfe und nationale Befreiung abhielten, distanzierte sich öffentlich von uns. Vorausgegangen war eine Diffamierungskampagne im Internet gegen unsere Soli-Aktion im Innenhof des nd-Gebäudes für unseren Genossen und Referenten Zaid Abdulnasser. Eine lächerliche Anzeige wegen „Antisemitismus“ wurde gegen uns erstattet. Die Grundstücksgesellschaft Franz-Mehring-Platz 1 mbH erklärte uns, das Gebäude künftig nicht mehr zur Verfügung stellen zu wollen.vi

Wir erklären noch einmal entschieden:

Wir stehen an der Seite der Palästinenser! Ihr Widerstand ist legitim und gerecht!

Unsere volle Solidarität gilt allen Fraktionen des Widerstands und allen Palästinensern innerhalb wie außerhalb Palästinas!

Wir unterstützen ihr Recht auf Freiheit, Rückkehr und Souveränität über ihr gesamtes Land zwischen Jordan und Mittelmeer!

Das zionistische Kolonial- und Apartheid-Regime namens „Israel“ hat kein Existenzrecht! Seine Abschaffung ist die Voraussetzung für die Befreiung Palästinas!

Wir verfolgen begeistert die derzeitige Offensive des Widerstands in Palästina und hoffen, dass sie ihre Ziele erreicht! Unsere Gedanken sind zugleich bei den Menschen in Gaza und der Westbank, die jetzt unter dem verstärkten zionistischen Terror zu leiden haben.

Unsere Solidarität gilt selbstverständlich auch den von Rassismus betroffenen und den politisch kämpfenden Palästinensern in Deutschland, allen voran den Genossen von Samidoun! Sie sind Teil unserer Klasse, Teil unserer Bewegung für die Befreiung der Menschheit, unsere Genossen und Geschwister. Für uns ist jeder Angriff auf sie ein Angriff auf uns!

Wir solidarisieren uns mit der Jungen Welt, die wieder einmal Angriffen ausgesetzt ist, weil sie eine reale Alternative zur bürgerlichen und imperialistischen Propaganda bietet!

Wir verurteilen die rassistische, pro-zionistische und antikommunistische Hetze des Neuen Deutschland aufs Schärfste! Damit verabschiedet es sich endgültig ins Lager der Kriegstreiber, Rassisten und NATO-Imperialisten!

Ungeachtet dieser geballten Reaktion, die wir in Deutschland erleben, wollen wir abschließend betonen: Die „Ordnung“ der Imperialisten und ihrer Handlanger, der Zionisten und Faschisten, ist auf Sand gebaut. Die Palästinenser beweisen gerade jetzt genau das! Fassen wir also Mut für unseren Kampf für ihre Niederlage — in Palästina und weltweit!

i https://twitter.com/aitakbarani/status/1711390874699960584

ii https://www.waz.de/staedte/duisburg/palaestina-aktivisten-wollen-jetzt-in-duisburg-demonstrieren-id239759585.html

iii https://www.nd-aktuell.de/artikel/1176842.israel-berlin-neukoelln-hass-auf-der-strasse-nach-hamas-attacke.html

iv https://www.jungewelt.de/artikel/461022.gaza-schl%C3%A4gt-zur%C3%BCck.html

v https://www.franzmehringplatz.de/zu-einer-veranstaltung-am-07-10-2023/

Zensiert: An dieser Stelle befand sich eine Stellungnahme von Samidoun vom 8. Oktober 2023

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Am 10. Oktober 2023 haben wir eine Stellungnahme des palästinensischen Gefangenensolidaritätsnetzwerks Samidoun vom 8. Oktober gespiegelt. Aufgrund des im November 2023 vom Bundesinnenministeriums erlassenen Betätigungsverbots, ist es in der BRD untersagt, Publikationen von Samidoun zu verbreiten. Obwohl wir das Samidoun-Verbot entschieden ablehnen und uns mit den Betroffenen des Verbots solidarisch erklären, sehen wir uns gezwungen, die Stellungnahme unkenntlich zu machen – in der Hoffnung und dem Vertrauen, dass das Verbot eines Tages fallen wird und Samidoun in Deutschland wieder legal tätig sein kann.

Redaktion der KO

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Rezension: Antiimperialismus konkret: Ami go home!

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Von Noel Bamen

Wilhelm Langthaler / Werner Pirker: Ami go home. Zwölf gute Gründe für einen Antiamerikanismus, Wien: Promedia 2003. 159 Seiten.

Auf dem Zenit der Macht

Vor 20 Jahren erschien im Wiener Promedia-Verlag das Buch „Ami go home“, gemeinsam verfasst von Wilhelm Langthaler und Werner Pirker (1947-2014). Letzterer war zwischen 1975 und 1991 Redakteur der Wiener Volksstimme, anschließend als Korrespondent in Moskau tätig und in den Jahren 1997-2000 stellvertretender Chefredakteur der jungen Welt. Danach arbeitete er als freier Journalist in Wien. Willi Langthaler, aus dem trotzkistischen Spektrum stammend, war um die Jahrtausendwende herum vor allem aktiv gegen die Zerstörung Jugoslawiens durch die NATO, gegen die US-Invasion im Irak und in der Palästina-Solidarität. Später engagierte er sich u. a. für den Euro-Exit und in der Donbas-Solidarität. Als Vertreter der Antiimperialistischen Koordination (AIK) wird er an unserem Kommunismus Kongress auf dem Podium zur antiimperialistischen Strategie und dem Verhältnis zwischen Antiimperialismus und Kampf für den Sozialismus sitzen.

Das Buch erschien im Hochsommer 2003, ein halbes Jahr nachdem die US-Imperialisten und ihre Verbündeten in den Irak einmarschiert waren und knapp zwei Jahre nachdem die NATO in Afghanistan eingefallen war. Vier Jahre zuvor hatte der Westen Jugoslawien endgültig den Rest gegeben und seit drei Jahren wurden die Palästinenser, die sich zur Zweiten Intifada erhoben hatten, von den Zionisten wieder reihenweise abgeschlachtet. Putin, seit vier Jahren an der Macht, versuchte noch, Russland auf Augenhöhe in den Westen zu integrieren, und China galt weithin als verlängerte Werkbank Europas und als Zulieferer von Billigprodukten. Moskau wie Peking nahmen die Kriege des Westens in Südosteuropa und im Nahen und Mittleren Osten hin, arrangierten sich sogar mit ihnen. Mit anderen Worten: Die USA und der Westen waren auf dem Zenit ihrer Macht und konnten tun und lassen, was sie wollten, ohne auf zwischenstaatlicher Ebene auf nennenswerten Widerstand zu stoßen.

Antiamerikanismus gleich Antisemitismus?

Diese mit Gewalt abgesicherte globale Vorherrschaft war im Westen selbst durch ideologische Hegemonie auf dem Gebiet der sog. Zivilgesellschaft gegen ihre zahlenmäßig immer geringeren Kritiker gerüstet: „Antiamerikanismus“ lautete jener Kampfbegriff, den transatlantisch ausgerichtete (Neo-)Konservative, (Links-)Liberale und „Antideutsche“ gegen „Globalisierungskritiker“, Antiimperialisten und Friedensaktivisten in Stellung brachten. Er galt (und gilt vielfach noch bis heute) als „Amoklauf der Irrationalität und des dumpfen Ressentiments“, wie die Autoren einleitend festhalten. Und noch schlimmer: „Damit ist seine Geistesverwandtschaft mit dem Antisemitismus quasi per Definition belegt.“ (S. 7)

So abstrakt und absurd dieser Zusammenhang erscheint: Wer sich je in die Schusslinie der Transatlantiker begeben hat, weiß, dass diese Brücke tatsächlich ganz konkret geschlagen wird. Die ideologischen Wurzeln für diese Behauptung liegen wohl darin, dass Israel (fälschlicherweise) mit dem Judentum gleichgesetzt und die USA und ihre Vorherrschaft in der Welt (korrekterweise) als Garant für die Existenz des zionistischen Regimes angesehen wird. Wenn dann noch mit einer völlig verqueren Brille auf die Tatsache geschaut wird, dass ganz allgemein der Aufstieg des liberalen Bürgertums im Westen die Emanzipation der Juden vorangetrieben hat, dass in den USA der Rassismus gegen Juden angesichts anderer, dominierender Feindbilder (Schwarze, Latinos, Asiaten, Iren, Italiener, Katholiken, …) nie so stark war wie in Europa und daher viele Juden dort Schutz suchten, und dass es in der Folge in der herrschenden Klasse der USA vergleichsweise viele Personen mit jüdischem Background gibt, dann kommt man schnell zu dem im Grunde antisemitischen, allerdings philosemitisch gewendeten Bild, wonach die USA und der Kapitalismus mit dem Judentum gleichzusetzen seien. Dann ist Occupy Wall Street die Wiederholung des Judenboykotts der Nazis, die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon sind „antisemitische Pogrome“ und jeder Protest gegen die Kriege von Washington (und Tel Aviv sowieso) ist die Wiederholung der Appeasement-Politik der Westmächte gegenüber dem faschistischen Deutschland. Von derlei Propaganda konnten die Autoren wohl schon damals ein Liedchen singen: beide wurden selber wiederholt als „Antisemiten“ beschimpft. 

Amerikanismus“ als realexistierender Imperialismus

Mit dem Büchlein stellten sie dem Anti-Antiamerikanismus eine Sammlung von Fakten entgegen. Dabei betonen sie: „Der Antiamerikanismus, den wir meinen, ist nicht gegen das amerikanische Volk gerichtet. (…) Einer der Gründe, die wir für den Antiamerikanismus anführen, ist die innere Repression, die sich gegen Amerikaner richtet.“ (Ebd.) Was der „Amerikanismus“, gegen den sich die Autoren richten, im ideologischen Sinne aus ihrer Sicht ist, versuchen sie im letzten Kapitel zu fassen: eine „direkte Demagogie des Kapitalismus“ (S. 134), zwar durchaus mit allerlei religiösem (konkret protestantischem) und patriotischem Firlefanz geschminkt und mit Rassismus und Chauvinismus abgesichert, aber im Gegensatz etwa zu Faschismus oder Sozialdemokratie ohne soziale oder völkische Demagogie verschleiert und verleugnet. Dafür jedoch mit einem von Grund auf universalistischen Anspruch, der die Rolle der Herrschenden in den USA als Weltpolizei legitimiert. Im Vorwort heißt es mit Blick auf die politische Manifestation dieser Amerikanismus-Ideologie in den letzten Jahrzehnten: „Zwar sind die USA mit dem System des neoliberalen Globalismus nicht identisch, doch sie sind sein Hegemon, gewalttätiger Vollstrecker und Hauptnutznießer.“ (S. 7) An diese Aussage ließe sich indes folgende, erst kürzlich von Willi Langthaler geäußerte Einschätzung bezüglich der Frage, ob China und Russland imperialistische Konkurrenten der USA seien, anschließen: „Der Kapitalismus-Imperialismus ist um die USA organisiert. Keine Macht ist nur annähernd dazu fähig, Washington zu ersetzen.“i

Was der hier noch sehr allgemein bzw. auf ideologischer Ebene gefasste „Amerikanismus“ ganz real für hunderte Millionen weltweit bedeutet, beleuchten die Kapitel 1 bis 11 des Buchs. Dabei wird der Bogen von der durch die siedlerkolonialistische, auf Rassismus, Genozid und Sklaverei beruhende Geschichte der USA bedingte Kultur der Gewalt, die strukturellen Mängel der US-Demokratie und die hemmungslose Ausbeutung von Mensch und Natur über die Dollarhegemonie und die gezielte Zerstörung und Unterwerfung anderer Nationalökonomien mittels IWF und Weltbank bis hin zur zügellosen Kriegspolitik geschlagen. Die Kapitel 7 bis 10 sind gleichsam eine Chronik der Übernahme der Weltherrschaft durch die USA: angefangen bei der Konterrevolution in der Sowjetunion, bei der die USA ihre Finger im Spiel hatten, über die Zerstörung Jugoslawiens, bei der sich die Westeuropäer und vor allem Deutschland laut den Autoren wie „Zauberlehrlinge“ verhielten, die schließlich den „Meister“ (die USA) riefen, (S. 78) um das von ihnen verursachte Chaos wieder zu ordnen (natürlich nicht in Form eines Bundes-, sondern vieler Kleinstaaten), bis hin zu den Invasionen in Afghanistan und Irak.

Im elften Kapitel werfen die Autoren eine in der kommunistischen Bewegung und der antiimperialistischen Linken hoch umstrittenen Frage auf: Sind Deutschland und die EU ein Vasall der USA oder Konkurrenten? Ihr Antwort lautet, dass sich künftige Entwicklungen zwar kaum vorhersagen ließen, die bisherige Geschichte seit 1945 aber klar die Unterordnung Westeuropas unter die USA belege. „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es nur zwei größere Versuche einer von den USA unabhängigen Politik in Europa: de Gaulles Frankreich in den 1960er Jahren und das wiedervereinigte Deutschland Anfang der 1990er Jahre. (…) Beide Versuche scheiterten, beide erwiesen sich als zu schwach.“ (S. 116) Dabei werden diese Versuche von den Autoren durchaus nicht als automatisch positiv dargestellt. So betonen sie etwa, dass Deutschland unter Kohl die Aggressionen gegen Jugoslawien vom Zaun gebrochen hat. Es handelt sich also erst einmal um eine simple Feststellung. Die halbherzige Opposition Deutschlands und Frankreichs gegen den Irak-Krieg 2003 wird ebenfalls in diese Reihe gestellt. Daher schlussfolgern sie: „Der Irakkrieg hat bewiesen: Die Europäische Union ist entweder proamerikanisch oder sie kann nicht als politische Einheit funktionieren.“ (S. 116 f.)

Aktualisierungsbedürftig, aber lesenswert

Das Büchlein ist durchaus noch heute spannend: Gerade für frisch politisierte Menschen oder Personen, die sich noch nicht besonders mit dem US-Imperialismus auseinandergesetzt haben, gibt es viele Impulse und nennt Fakten, die heutzutage noch unbekannter sein dürften als noch vor 20 Jahren. Allerdings wären mehr Belege und Literaturverweise, bevorzugt in Fußnotenform, hilfreicher als die wenigen verstreuten Hinweise, die in Oxford-Manier in Klammern im Fließtext versteckt sind.

In seinen Entstehungskontext eingebettet kann die Schrift zudem als interessante zeitgenössische Quelle gelesen werden, die Einblick in die damaligen Debatten gibt. Den Jugoslawien-Krieg beispielsweise haben die meisten jüngeren Genossen gar nicht mehr miterlebt und es gibt leider wenig aktuelle Literatur, die dieses für die Weltpolitik, aber gerade auch für die deutsche Friedensbewegung wichtige Kapitel aus einer antiimperialistischen Perspektive mit größerem Abstand und für Einsteiger leicht verständlich aufbereitet. Dieser Krieg steckte den Autoren jedoch erkennbar noch tief in den Knochen. Auch der Irak-Krieg scheint nach Syrien und dem Aufstieg und Niedergang des IS ein abgeschlossenes Kapitel, das jedoch ebenfalls den meisten Jüngeren wenig bekannt sein dürfte. Und das, obwohl die Wurzeln des IS doch genau in diesem Krieg liegen. Die Zweite Intifada ist heute ebenfalls halb vergessen, obwohl es gerade angesichts der aktuell laufenden Dritten Intifada so wichtig wäre, sich mit ihr zu beschäftigen. Zu all diesen Themen findet man Informationen und Einschätzungen in diesem Buch, wenn auch nur jeweils wenige Seiten. Sie sollten zum weiteren Lesen anregen.

Dieser zeitgenössische Charakter ist zugleich die offensichtlichste — und natürlich unumgängliche — „Schwäche“, wenn man dieses Buch heute liest. Vieles müsste aktualisiert werden. So beispielsweise die angehängte Liste der Einrichtungen der US-Streitkräfte im Ausland, die damals weit über 700 Standorte umfasste. Erfreulicherweise darf man heute die vier ersten auf der nach Ländern in alphabetischer Reihenfolge gelisteten Aufzählung, nämlich die in Bagram, Kandahar, Khost und Mazar-e-Sharif, wegstreichen. Auch einige der US-Army-Stützpunkte in Deutschland, die damals noch ganze sechs von insgesamt 14 Seiten füllten, mit dem Verweis, dass es 73 weitere gebe, die aber nicht öffentlich benannt würden, wurden mittlerweile dicht gemacht. 2005 beschloss der Oberste Gerichtshof in den USA zudem endlich, dass die Hinrichtung von Minderjährigen, auf die das Buch in Kapitel 4 eingeht, verfassungswidrig sei. Noch immer gültig ist hingegen der 2001 beschlossene American Service-Members’ Protection Act. Dieses Gesetz befähigt die jeweilige US-Regierung, ihre Soldaten, Politiker und sonstigen Handlanger mit militärischer Gewalt aus Den Haag zu befreien, sollten sie jemals dort wegen Kriegsverbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden.

Es wäre zudem spannend, zu erfahren, wie zumindest der noch lebende Autor die auf das Jahr 2003 folgenden Jahre verarbeiten würde. Der Irak-Krieg beispielsweise hatte, wie gesagt, eben erst begonnen, als das Buch erschien. Die irakische Armee hatte bereits kapituliert. Der Widerstand der sunnitischen irakischen Bevölkerung, den vor allem die AIK später politisch und auch finanziell unterstützte, stand dagegen noch an seinem Anfang. Zwar diskutierten die Autoren schon damals, dass es auch im schiitischen Klerus „radikale antiamerikanische Anführer“ gäbe, (S. 96) der Name Muqtada as-Sadr schien damals jedoch noch nicht so geläufig, dass er hier schon genannt würde. Trotzdem wird der irakische Widerstand bereits als eine Intifada charakterisiert, „die dem Amerikanismus als globales Gegenmodell zu erwachsen“ drohe. (S. 98) Vor dem Hintergrund, dass sowohl der Widerstand im Irak als auch die Zweite Intifada letztlich niedergeschlagen bzw. „befriedet“ wurden, dass es 2011 in verschiedenen arabischen Länder zu Aufständen kam, die teilweise Errungenschaften brachten, teilweise die Region in Chaos stürzten (Libyen und Syrien), und dass es in Palästina derzeit zu einer neuen Intifada kommt, die gewisse Parallelen, aber auch große Unterschiede zu 2000-06 aufweist, wäre eine Fortschreibung hier besonders spannend. Aber auch mit Blick auf Russland und den Ukraine-Krieg: Schließlich erhofften sich die Autoren vom Widerstand im Irak und in Palästina damals, dass diese zum Katalysator für den Verfall der US-Welthegemonie würden. Eine Hoffnung, die nun viele mit dem Krieg zwischen Russland und der NATO in der Ukraine verbinden.

i https://kommunistische-organisation.de/kommunismus-kongress/vom-antiimperialismus-zum-sozialismus-internationale-strategien-der-arbeiterklasse/

Letzte Infos zum Kongress: Streams, Programm, Tagestickets

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Diesen Freitag (06.10.) beginnt der Kommunismus Kongress in Berlin.

Die Livestreams zu den drei Podien und der Eröffnungsveranstaltung am Freitagabend findet ihr auf unserem YouTube-Kanal, bzw. am Ende dieser Seite.

Am Freitagabend gibt es eine kleine Änderung des Programms – hier der aktuelle Stand: Wir starten mit dem Vortrag von Vashna Jagarnath um 18:30 Uhr. Der Eröffnungsvortrag der KO folgt direkt im Anschluss um 20:00 Uhr. Das aktuelle Programm findet ihr weiterhin hier.

Wir möchten euch hier außerdem mitteilen, dass ihr das ganze Wochenende über Tagestickets zum Kongress zu untenstehenden Preisen kaufen könnt. Kommt also gerne spontan vorbei, auch wenn ihr euch noch nicht angemeldet habt:

Freitag: 5€
Samstag: 20€
Sonntag: 10€

Wir sehen uns am Wochenende!


Podcast #40 – Tings Chak on the development and contradictions of China

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We talked with Tings Chak, internationalist activist, writer, and artist about the development of China, especially the eleviation of poverty. She is the co-founding editor of ⁠“Dongsheng News“⁠, a collective of international researchers interested in Chinese politics and society. We asked her why China is not just another rising capitalist country and about the role of China in the fight for national liberation and sovereignty in the global South. We also talked about the contradictions linked with the politic of opening and reform.

Deutschland der Zeitenwende

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Wir spiegeln hier die Kurzbeiträge der Teilnehmer des Podiums III des Kommunismus-Kongresses 2023, die in der Zeitung zum Kongress veröffentlicht wurden.


Podium III: Sonntag 08.10.23, 13:00 Uhr

Harri Grünberg, Klaus Hartmann, Susann Witt-Stahl, Rainer Perschewski

Wir haben den Teilnehmern des Podiums III folgende Fragen gestellt. Erstens: Was zeichnet das „Deutschland der Zeitenwende“ eigentlich aus? Wo stehen die Friedensbewegung und die (außer-)parlamentarische Linke? Zweitens: Was sind die wichtigsten Ansatzpunkte vor diesem Hintergrund, um in der aktuellen Situation Schritte vorwärts zu machen?


Deutsche Ambitionen

Harri Grünberg war bis 2021 im Parteivorstand der Partei die LINKE, aus der er 2022 austrat. Heute ist er im Bundesvorstand von „Aufstehen“ und wirbt für eine „Wagenknecht-Partei“.

Über ein Jahr tobt bereits der NATO-Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine. Wenn wir Friedenskräfte dazu beitragen wollen, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, müssen wir auch über die Verantwortung des Westens sprechen, über die Vorgeschichte und die größeren geopolitischen Zusammenhänge. Die Weigerung, die russischen Sicherheitsinteressen anzuerkennen, hat die Lage zugespitzt, die zum Kriegsausbruch führte. Eine Friedensbewegung, die dies nicht mitdenkt, wird niemals ihrer Aufgabe gerecht werden, sondern Sprachrohr der herrschenden Interessen, gefiltert durch die Politik von SPD und Grünen, teils auch der Partei DIE LINKE sein. Die Friedensbewegung wurde von jenen Parteien gespalten, die sich selbstgerecht als Fortschrittsblock verstehen, sich aber im Wesentlichen auf die Seite der NATO gestellt haben.

Die in Russland herrschende Staats-Bürokratie im Bündnis mit dem entstandenen kapitalistischen Sektor vertritt weder die Interessen der russischen Arbeiterklasse noch die des russischen Volkes. Dennoch ist es falsch von einem imperialistischen Russland zu reden und Russland als klassisch kapitalistisch zu bezeichnen ist nur bedingt tauglich. Wir sagen weder Putin noch die NATO. Dennoch müssen wir trotz unserer Kritik an Putin deutlich sagen, dass die NATO diesen Krieg niemals gewinnen darf, denn ein Sieg der NATO heißt finstere Zeiten für den globalen Süden, für Russland und China. Dieser im Wesentlichen antiimperalistische Aspekt ist den meisten sich links nennenden Teilen der Friedensbewegung, vor allem innerhalb der Partei DIE LINKE, verloren gegangen.

Das Deutschland der Zeitenwende und die EU handeln als treue Vasallen der USA. Sie gefährden mit ihrem Kriegskurs die Existenz unserer Länder und Europas insgesamt. Deutschland will an der Seite der USA zur Führungsmacht in Europa aufsteigen und riskiert dabei unter anderem den Konflikt mit Frankreich. Aber vor allem richtet sich Deutschland auf einen langen Konflikt mit Russland ein. Es geht um die geopolitische Herrschaft des deutschen Imperialismus im euroasiatischen Raum als Juniorpartner der USA. Die Ukraine ist der Schlüssel dazu. Folge des Krieges ist auch der wirtschaftliche Abstieg der imperialistischen Mittelmacht Deutschland. Deutschland deindustrialisiert sich zugunsten einer Stärkung des US-Imperialismus. Die sich bereits abzeichnende Krise des Kapitalismus wird durch den Krieg verschärft und damit der Generalangriff auf die über Jahrzehnte erkämpften Errungenschaften der Arbeiterklasse in Europa beschleunigt. Überall in Europa verschlechtert der Krieg die Lebenssituation der Arbeiterklasse und der populären Schichten. Soziales weicht zugunsten der Kriegsausgaben. Das Gesundheitswesen wird demontiert, Rentner werden ärmer, die Bildung für die Volksschichten wird schlechter und die Inflation, auch Folge des entfesselten Krieges, frisst die Löhne auf. Der Reallohn der populären Schichten Europas sinkt. Die Bevölkerung trägt die Kosten für Inflation sowie hohe Lebensmittel- und Energiepreise. Die Gewerkschaften sind kaum in der Lage und willens, den Reallohnverlust zu stoppen. Nicht nur der Krieg, sondern auch der Wirtschaftskrieg müssen beendet werden. Sie schaden der europäischen Industrie und damit auch der Arbeiterklasse in Europa.

Heizung Brot und Frieden sind untrennbar miteinander verknüpft. SPD, Grüne, die Gewerkschaften und auch die sich linksliberal entwickelnde Partei DIE LINKE weigern sich, die soziale Frage mit der Kriegsfrage zu verknüpfen. Wir brauchen aber eine breite Friedensbewegung, die beide Fragen miteinander verknüpft. Die Breite dieser Bewegung muss sich über linke, bürgerlich humanistische Kräfte und alle Menschen, die guten Willens sind und die keinen Krieg und sozialen Krieg wollen, erstrecken. Das schließt organisierte rechte Kräfte aus. Wir brauchen, um einen historischen Vergleich heranzuziehen, eine Volksfront mit antikapitalistischer, antimonopolistischer Ausrichtung. Um den Krieg zu beenden und den Sozialstaat zu verteidigen.

Ein Deutschland der Zeitenwende?

Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des deutschen Freidenker Verbandes und aktiv in der Friedens- und Antikriegsbewegung. Er arbeitet inhaltlich u.A. zur „Zeitenwende“ in der deutschen Außenpolitik.

igentlich kommt die „Wende“ alle paar Jahre wieder. Bundeskanzler Helmut Kohl verhieß in den 1980er Jahren eine „geistig-moralische Wende“, das meinte den Abbau des Sozialen, die Jugend sollte sich nicht mehr „politisieren“, also sich nicht mehr um gesellschaftliche Probleme kümmern, sondern ihr Glück in der Individualisierung finden. Die nächste „Wende“ kam 1989, so wurde die Konterrevolution in der DDR genannt. Mit ihr wurde der erste und einzige deutsche Friedensstaat begraben. Und zuletzt hat Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Regierungserklärung am 27. Februar 2022 „eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents“ ausgerufen. Den alten und neuen Kalten Kriegern wurde warm ums Herz, den Anhängern der Entspannungspolitik eines Willy Brandt fuhr der Schreck in die Glieder, und den meisten verschlug es bis heute die Sprache.

Doch wir sollten uns hüten, die Scholz’sche Zeitenwende nur aus der bundesdeutschen Froschperspektive zu betrachten. Der Freidenker-Vorsitzende Sebastian Bahlo sieht das so: „Als Zeitenwende muß man es in der Tat ansehen, daß die Russische Föderation nach dreißigjähriger fortschreitender geographischer Einkreisung, wirtschaftspolitischer Eindämmung, militärischen Provokationen einschließlich des acht Jahre währenden Abschlachtens der russischstämmigen Bevölkerung im Donezbecken die militärische Beantwortung der NATO-Aggression aufgenommen hat. Wir wissen, daß dieser Zeitenwende eine historische Notwendigkeit innewohnt. Die imperialistischen Räuber, deren Weltbeherrschung auf der jahrhundertelangen Ausplünderung der Menschheit beruht, müssen einer neuen Weltordnung weichen, die auf der souveränen Gleichheit aller Völker beruht.“

Wo steht die Friedensbewegung?

Von solcher Einsicht ist die Mehrheit der Friedensbewegung und auch der tatsächlichen oder vermeintlichen „Linken“ leider weit entfernt. In vielen Texten ist weiterhin vom „völkerrechtswidrigen“ oder „verbrecherischen Angriffskrieg Russlands“ und von einem „unprovozierten Überfall“ die Rede. Wer so redet, hat entweder die NATO-Propaganda total verinnerlicht, oder meint aus Opportunismus an die Kriegstreiber in der SPD und der Grünen Partei „anschlussfähig“ bleiben zu müssen. Oder um das viel ge- und missbrauchte Wort noch einmal ins Spiel zu bringen: Die sind tatsächlich „rechtsoffen“. Denn geht es „noch rechter“, als den NATO-Krieg gegen Russland mit immer neuen Waffen zu befeuern? Wir werden weiterhin mit allen zusammenarbeiten und demonstrieren, die den Standpunkt „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ vertreten.

Selbstverständlich halten wir das Vermächtnis „Die Waffen nieder!“ der Freidenkerin und ersten Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner in Ehren. Doch das ist kein abstraktes moralisches Postulat, das über der konkreten geschichtlichen Realität schwebt. Wir wären niemals auf die Idee gekommen, „Die Waffen nieder!“ den Verteidigern von Leningrad oder den Sowjetsoldaten in der Schlacht um Stalingrad zuzurufen, weil dies nichts weniger als eine Sabotage des antifaschistischen Befreiungskampfes bedeutet hätte. Gleichermaßen waren wir solidarisch mit dem Vietcong im Kampf gegen die US-Invasoren, mit den Kämpfern gegen die NATO-Aggression gegen Jugoslawien, dem palästinensischen und dem irakischen Widerstand und mit den Verteidigern des freien Syriens. Deshalb sind wir auch solidarisch mit Russland in seinem Kampf gegen den Faschismus und die NATO, gegen das Bestreben des Imperialismus, die ganze Welt zu dominieren.

Was zeichnet das Deutschland der Zeitenwende eigentlich aus?

Susann Witt-Stahl arbeitet als freie Journalistin (Junge Welt u.A.), ist Buchautorin und Chefredakteurin des Kulturmagazins „Melodie & Rhythmus“.

Die Zeitenwende markiert einen historischen Zielpunkt der bereits in der Endphase des Zweiten Weltkriegs eingeleiteten deutschen Normalisierung. Seit ihrer Ausrufung am 27. Februar 2022 kann und muss der deutsche Imperialismus, der sich seit der Beteiligung an dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien 1999 wieder bellizistisch entfaltet, als erfolgreich und vollständig restauriert betrachtet werden. Und so kann auch offen der deutsche Führungsmachtanspruch formuliert werden, was der Kanzlerparteichef auch vor mehr als einem Jahr getan hat. Der Weg ist jetzt frei, imperiale Langzeitprojekte, wie sie Zbigniew Brzeziński in seiner Abhandlung Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft skizziert hat, umzusetzen. Das etwa geschieht derzeit in der Ukraine, die Hauptkampffeld der NATO-Ostexpansion gegen Russland ist. Die Propagierung des „Holodomor“-Narrativs (der Versuch, der von Hitlerdeutschland überfallenen Sowjetunion nachträglich ein Genozid anzulasten), die Enttabuisierung von nationalistischem Heldenkult und Nazi-Symbolik (wie sie zum Beispiel in der euphemistischen Medienberichterstattung über das Asow-Regiment zu beobachten ist) und das aggressive Marketing für Militainment zeigen: Auf der ideologischen Ebene gehört zu dem unter Hochdruck vorangetriebenen Prozess der vollständigen „Erlösung“ des Täterlands von der auferlegten Bürde der „deutschen Zurückhaltung“ die Exkulpierung durch Geschichtsrevisionismus und Projektion deutscher Schuld auf den neuen alten Todfeind Russland, ebenso die Rehabilitierung des Faschismus und die mit kulturindustriellen Mitteln realisierte Ästhetisierung von Militarismus und Krieg.

Wo steht die Friedensbewegung und die (außer-)parlamentarische Linke?

Die hegemoniale deutsche Linke hat kapituliert und ist weitgehend im NATO-Korporatismus aufgegangen. Karriereorientierte Akteure – vor allem in der Partei Die Linke, des auf Ampelregierungskurs gebrachten Antifa- und Gewerkschaftsestablishments –, die an die Erfolgsstrategie der neokonservativen Grünen-Partei anknüpfen wollen, liefern sogar bereitwillig die Legitimationsideologie für Waffenlieferungen und die Eskalation des Ukraine-Kriegs. Immer häufiger sorgen sie auch für die Weißwaschung und Verharmlosung von im Dienst der NATO stehenden Faschisten. Nicht wenige arbeiten daran, dass nach der Aufspaltung des welthistorischen Imperativs „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ und Suspendierung seines ersten Teils, wie in den 1990er-Jahren geschehen, nun auch der zweite Teil entsorgt wird. Zum affirmativen Einschwenken dieser mittlerweile zu Funktionslinken verkommenen Kräfte auf die deutsche Normalisierung gehört die Bekämpfung der ohnehin von Medien und Politik mit Trommelfeuer belegte und stark geschwächte Friedensbewegung und der Antifaschisten, die noch an den – heute wie damals unverzichtbaren – Erkenntnissen der marxistischen Faschismustheorien festhalten.

»Unser Hauptkampf gilt den Großgrundbesitzern und dem Monopolkapital in Indien«

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Beitrag aus der Zeitung zum Kommunismus Kongress 2023


Im Juli führten wir ein Interview mit dem Genossen Arun Kumar, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Indiens (Marxistisch) und unter anderem zuständig für internationale Fragen.

Das vollständige Interview kann ab sofort auch hier gelesen werden.

Wie beurteilen Sie die Entscheidung Indiens, die militärische Intervention Russlands in der Ukraine nicht zu verurteilen? Nimmt die indische Politik unter Modi eine anti-amerikanische und somit antiimperialistische Position ein?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir den Charakter des indischen Staates verstehen. Das Verständnis der Kommunistischen Partei Indiens [CPIM] über den indischen Kapitalismus ging von jeher davon aus, dass die Großbourgeoisie und die Landbesitzerklasse gelernt haben, ihre Widersprüche durch Kompromisse zu überbrücken. Zur Durchsetzung ihrer Interessen arbeiten die konkurrierenden Fraktionen der Ausbeuterklasse regelmäßig zusammen. Diese Position haben wir seit Gründung der CPIM vertreten; daran hat sich nichts geändert.

Die indische Politik agiert seit der Unabhängigkeit ambivalent. Indien verblieb im Commonwealth und das britische Kapital wurde nicht enteignet. Zuerst wollte Indien seinen wirtschaftlichen Aufbau über die westlichen, kapitalistischen Staaten finanzieren. Als das vom Westen abgelehnt worden war, bat Indien die sozialistischen Länder um Unterstützung und erhielt von dort bereitwillig die gewünschte Hilfe. Die IITs, die Indian Institutes of Technology, sind ein Beispiel dafür, wie die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und die DDR Indien geholfen haben, eine technologische Souveränität zu erlangen. Für vier von fünf IITs kam die Hilfe von den sozialistischen Ländern. Als die Imperialisten das sahen, kamen sie und haben das fünfte unterstützt. Indiens Blockfreiheit war die perfekte Maske, um von beiden Seiten Hilfe zu erhalten, die eine gegen die andere Seite auszuspielen und die eigenen Interessen durchsetzen zu können.

Indiens Positionierung zum Ukraine-Krieg ist Ergebnis dieser Strategie. Diesen Hintergrund müssen wir berücksichtigen, wenn wir den Charakter der indischen Politik erklären wollen. Nein, Indien ist nicht als antiimperialistisch zu bezeichnen. Indiens Bourgeoisie verfolgt einzig seine eigenen Interessen.

Wenn Indien russisches Öl kauft, verhandelt es anschließend mit dem Westen über bessere Handelskonditionen. Für neue Abkommen erhält der Westen dann die indische Loyalität.

Warum hat der Westen Indien nicht bei seinem ersten Fünfjahresplan unterstützt?

Der Imperialismus verhindert notwendigerweise die Entwicklung der Produktivkräfte in Ländern, deren Märkte er dominieren will. Die Kolonialmächte haben von Anfang an dafür gesorgt, dass die ehemaligen Kolonien weiterhin von ihnen abhängig bleiben. Dazu mussten sie vor allem die Entwicklung der Produktivkräfte verhindern. So produziert Lateinamerika heute immer noch hauptsächlich Rohstoffe für den Konsum in den hochentwickelten Ländern. Genau dasselbe trifft auch auf Afrika und Asien zu. Die wenigen Industrien in diesen Teilen der Welt haben keinerlei Bedeutung für den Westen, für den Weltmarkt sind sie überflüssig.

Wie war die Beziehung zwischen der indischen Bourgeoisie und den westlichen Imperialisten in den vergangenen siebzig Jahren?

Wie bereits erwähnt, die indische Bourgeoisie verfolgte ihre eigenen Interessen und spielte die kapitalistischen Länder gegen die sozialistischen Länder und umgekehrt aus. Z.B. 1961, im Krieg zwischen Indien und China, waren die USA der Helfer. 1971, im Krieg gegen Pakistan, half die Sowjetunion Indien, weil die USA damals Pakistan militärisch unterstützten. Erst in den 1990er Jahren, als dieses Doppelspiel nicht mehr möglich war, konnte sich Indien nur an die USA wenden – und tat dies vollumfänglich. Aus diesem Grund hatte es keine Probleme, die vom IWF und der Weltbank vorangetriebenen neoliberalen Reformen umzusetzen. Im Jahr 2008 schloss Indien dann ein Atomabkommen mit den USA ab, und zum ersten Mal wurde der Dienstleistungssektor, zu dem Bildung, Finanzdienstleistungen, Gesundheit usw. gehören, für die imperialistische Durchdringung geöffnet. Die Finanzkrise von 2008 spielte eine wichtige Rolle, da die Imperialisten gezwungen waren, sich nach neuen Finanzsektoren umzusehen, in die sie investieren konnten.

Was waren die Ursachen für die Gründung der staatlichen Unternehmen in den wirtschaftlichen Kernbereichen Indiens?

Aus Sicht der Bourgeoisie war das eine Notwendigkeit, weil für solche Investitionen einfach nicht genügend Kapital und technisches Know-how vorhanden waren. Also musste der Staat einspringen und den öffentlichen Sektor finanzieren: die Energieversorgung, die Stahlproduktion, den Bergbau, den Verkehr, die Banken usw. Die indischen Kapitalisten nutzten anfänglich die staatlichen Ressourcen für ihre eigene Entwicklung, bis sie selbst diese Bereiche übernehmen konnten.

Auch hinsichtlich Ernährungssicherheit versuchte Indien, sich unabhängig zu machen.

Hungersnöte waren in Indien keine Seltenheit und die Not nahm von Jahr zu Jahr zu. Ein öffentliches Verteilungssystem (Public Distribution System – PDS), bei dem der Staat die Nahrungsmittel direkt von den Landwirten aufkaufte, wurde eingerichtet. Es gab Mindestpreisgarantien für die Ernten. Das PDS verteilte die Nahrungsmittel zu sehr geringen Preisen an die Armen des Landes. Das bedeutete ein gewisses Maß an Ernährungssicherheit für die Mehrheit der Bevölkerung. Und schützte die Landwirte vor den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt. Heute wird dieses System demontiert. Die Bauern und die Verbraucher sind wieder der Willkür des Weltmarktes ausgesetzt.

Trotz des kapitalistischen Charakters des indischen Staates hat er dennoch eine Politik betrieben, die die indischen Massen vor dem Weltmarkt schützte.

Das geschah nicht trotz, sondern wegen der herrschenden Klassen. Zudem: wer hat von der grünen Revolution profitiert? Die reichen Großgrundbesitzer! Eben jene, die über das Kapital und das Land verfügten und nicht die große Mehrheit der landlosen Bauern. Dem revolutionären, antikolonialen Kampf versuchte man mit einer internationalen Wohlfahrtspolitik zu begegnen. Indien war da keine Ausnahme.

Was war die Ursache, dass Indien 1991 die LPG-Reformen (Liberalisierung, Privatisierung und Globalisierung) durchführte?

Neben der Stärkung des Imperialismus im globalen Kräfteverhältnis war eine Zahlungsbilanzkrise entstanden; die Kaufkraft der indischen Bevölkerung hatte sich nahezu aufgelöst. Das imperialistische Finanzkapital nutzte diese Krise und erzwang die Öffnung der indischen Märkte. Die indische Währung wurde abgewertet, Staatsbetriebe wurden verkauft und es wurde dem Privatkapital erlaubt, in den indischen Markt einzudringen. Zudem wurden Einfuhrbeschränkungen aufgehoben. Ausländische Produkte wie Kokosnüsse, Gewürze, Baumwolle usw. wurden in Indien zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen. Dadurch wurden die indischen Landwirte ruiniert, was vermehrt zu Selbstmorden unter den Bauern führte. Die Banken gaben vermehrt Kredite an Großkapitalisten statt an Bauern und Kleinhändler.

Wo steht die indische kommunistische Bewegung heute?

Der Großteil der Mitglieder der CPIM kommt aus der Arbeiterklasse, der armen Bauernschaft und den Landarbeitern. Die Basisklassen sind also heute bei uns. Das ist gut so. Aber die indische kommunistische Bewegung steht auch vor einer Menge Schwierigkeiten. Wir sind nicht in der Lage, mit der Jugend des Landes in Kontakt zu treten, die im Zeitalter des Neoliberalismus geboren wurde. Deshalb müssen wir an unseren Kommunikationsstrategien arbeiten. Außerdem sind die Massen enttäuscht darüber, dass es keine Vorteile bringt zu kämpfen. All dem müssen wir entgegentreten.

Werden die Widersprüche zwischen dem Imperialismus und der indischen Bourgeoisie durch die intensivere Kooperation geringer?

Das ist ein Missverständnis über die Stärke der indischen Bourgeoisie. Sie hat immer versucht, ihre Interessen zu wahren. So wurde beispielsweise der jüngste Bauernkampf in Indien nicht nur von der Opposition, sondern auch von verschiedenen Fraktionen der Regierungspartei unterstützt. Das ist Ausdruck des Bestrebens der gesamten Bourgeoisie, ihre Unabhängigkeit zu bewahren.

Wir können also nicht einfach sagen, dass die Widersprüche zwischen der indischen Bourgeoisie und dem Imperialismus aufgehört haben zu existieren. Diese Widersprüche existieren auch heute noch. Wenn sie zum Ausdruck kommen, dann auf verschiedene Weise – und das müssen wir ausnutzen. Wenn wir es nicht verstehen, diese Widersprüche zu erkennen, werden wir uns im Kampf gegen den Imperialismus isolieren. Aber wir wollen uns nicht isolieren. Wir müssen für unseren Kampf gegen den Imperialismus so viel Unterstützung wie möglich mobilisieren.

Gibt es Fälle der Interessenüberschneidung zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie in Indien?

Nein. Die Interessen der Arbeiterklasse stimmen nicht mit den Interessen der indischen Bourgeoisie überein. Wenn die Bourgeoisie den Kampf der Arbeiterklasse gegen das ausländische Kapital unterstützt, begrüßen wir diese Unterstützung. Aber das ist etwas anderes als eine Angleichung. Gleichschaltung bedeutet, dass wir der Bourgeoisie die Führungsrolle überlassen. Nein, das wollen wir nicht. Wir haben während des indischen Freiheitskampfes gesehen, dass die indische Bourgeoisie den Kampf anführte, ohne ihn zu Ende zu führen.

Was meinen Sie damit, dass der Kampf nicht zu seinem logischen Ende geführt wurde?

Im eigentlichen Sinne hat Indien keine nationale Souveränität erlangt. Wenn die herrschende Klasse ihre Interessen formuliert, vertritt sie nicht die Interessen der Massen. Sie hat sich zudem mit dem Imperialismus verbündet. Wir als CPIM haben die indische Nationalbewegung (den Freiheitskampf) als die erste Etappe unserer Revolution bezeichnet, weil wir sagten, dass es ein Kampf gegen den Kolonialismus und die Kolonialherren war. In dieser Phase des Kampfes waren alle Klassen beteiligt, die Bourgeoisie, die Arbeiterklasse und die Bauernschaft. Aber unsere Losung ist, dass wir jetzt, da die Kolonialmächte verschwunden sind, gegen die Großbourgeoisie kämpfen müssen, gegen den Landbesitzerstaat, der mit dem Imperialismus kompromissbereit kollaboriert. Die zweite Phase unserer Strategie bezeichnet den Kampf gegen den Imperialismus, die Großbourgeoisie und die Gutsherrn.

Wer wird die Kämpfe gegen diese Kräfte anführen?

Die Arbeiterklasse zusammen mit den Landarbeitern und den armen Bauern werden die Führer sein. Dies wird der Kern sein und wir erwarten, dass sich die Mittelschichten aufgrund der Stärke der Kämpfe dieser Klassen um diese Sektion scharen werden. Denn die Interessen der Mittelschichten sind meistens mit diesen Sektionen verbündet, denen sie sich anschließen werden. Mit dieser erweiterten Front wollen wir die reiche Bauernschaft neutralisieren. Wir wollen nicht, dass sich die reiche Bauernschaft den Grundbesitzern und der Bourgeoisie anschließt, wir wollen sie neutralisieren. Diese Strategiebezeichnen wir als die volksdemokratische Phase der Revolution.

In dieser Phase ist der Kampf nicht gegen die gesamte Bourgeoisie und die gesamte reiche Bauernschaft gerichtet. Unser Kampf richtet sich auch nicht gegen das gesamte Privateigentum, denn auch die Bauernschaft besitzt Privateigentum. Unser Hauptkampf ist auf verbreiterter Front gegen die Großgrundbesitzer und das Monopolkapital gerichtet. Dabei werden wir keinen Großgrundbesitz zulassen. Eine wichtige Rolle wird der Staat spielen, der das Kapital verstaatlichen wird. Das verstaatlichte Eigentum des Staates wird von den Arbeitern verwaltet. Das ist unsere Vorstellung von der demokratischen Volksrevolution. Davon ausgehend wollen wir zum Sozialismus übergehen, in dem es kein Privateigentum mehr geben wird. Das ist die logische Schlussfolgerung.

Indien nimmt heute geopolitisch eine kritische Position ein. Was bedeutet das für die CPIM in ihrem Kampf gegen den Imperialismus?

Wir sagen ganz bescheiden, dass wir die größte kommunistische Partei in Indien sind. Aber insgesamt sind wir immer noch eine kleine Kraft und wir wollen in diesem Land wachsen. Indien hat heute in der globalen Arena eine strategische Bedeutung. Wir denken, dass, wenn die kommunistische Bewegung in Indien gestärkt wird, als logische Folge davon auch die antiimperialistischen Gefühle im indischen Volk gestärkt werden. Das wird ein wichtiger Beitrag der indischen Kommunisten im weltweiten Kampf gegen den Imperialismus sein.

Die demokratische Revolution des Volkes in Indien – The People’s Democratic Revolution in India

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Vollständiges Gespräch mit Genosse Arun Kumar, Vollzeit-Mitglied der Kommunistischen Partei Indiens – Marxistisch (CPIM) seit 30 Jahren über den Klassenkampf in Indien. Arun Kumar ist Mitglied des Zentralkomitees der CPIM mit Amt in der Außenpolitikabteilung. Das Gespräch wurde im Juli 2023 geführt. Eine gekürzte Version wurde in der Zeitung zum Kommunismus Kongress 2023 veröffentlicht.

Inhalt des Interviews

Teil 1: Der Charakter des indischen Staates, die Imperialisten und die globale Position Indiens

Teil 2: Entwicklungen in Indien nach der Unabhängigkeit

Teil 3: Die indische kommunistische Bewegung und der Kampf für nationale Souveränität


Teil 1: Der Charakter des indischen Staates, die Imperialisten und die globale Position Indiens

Was halten Sie von der Entscheidung Indiens, die militärische Intervention Russlands in der Ukraine nicht zu verurteilen? Hat Indien unter Modi eine anti-amerikanische/ antiimperialistische Haltung eingenommen?

Um diese Frage zu beantworten und Indiens Position in der Welt zu verstehen, ist es sehr wichtig, den Charakter des indischen Staates zu verstehen und seine historische Entwicklung zu betrachten. Die CPIM hat Indien immer als einen Staat charakterisiert, der von der Großbourgeoisie und der Grundbesitzerklasse geführt wird und in dem diese beiden mit den Imperialisten zusammenarbeiten und Kompromisse schließen. Das war immer unser Verständnis und das ist auch heute noch unser Verständnis. 

Wenn wir also in diesem Zusammenhang von Indiens Position zu Russland, seiner blockfreien Politik oder seiner „unabhängigen“ Außenpolitik sprechen, sollten wir dies mit gewissen Vorbehalten tun. Das ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig.

1. Indien entschied sich nach der Unabhängigkeit, im britischen Commonwealth zu bleiben, und war nicht bereit, das britische Kapital im Land zu verstaatlichen. Und in der Tat versuchte es zunächst, die Briten und die Amerikaner um Unterstützung für seinen ersten Fünfjahresplan zur Industrialisierung des Landes zu bitten. Aber nachdem die imperialistischen Länder sich weigerten, die für den Aufbau der Schwerindustrie in unserem Land notwendige Technologie zur Verfügung zu stellen, wandte sich die indische Regierung an die Sowjetunion und die anderen osteuropäischen sozialistischen Länder. Und diese Länder erklärten sich bereit, Indien bei seiner industriellen Entwicklung zu unterstützen.

2. Und obwohl das neu befreite Indien immer seine Gefühle mit anderen kolonisierten Ländern hatte und immer seine Solidarität mit den anderen antikolonialen Kämpfen, einschließlich des Kampfes für die palästinensische Sache, zum Ausdruck gebracht hatte, war seine Entscheidung, sich dem Block der Blockfreien anzuschließen, das Ergebnis der indischen herrschenden Klassen. Diese verfolgten ihre eigenen Interessen, nachdem sie erkannt hatten, dass die imperialistischen Länder nicht bereit waren, eine unabhängige Entwicklung der indischen Bourgeoisie zuzulassen. Daher wandte sie sich an die Sowjetunion und andere sozialistische Staaten, die Indien gerne unterstützen wollten. In der Tat sind die IITs, die Indian Institute of Technology, die dem Land aufgrund des technologischen Fortschritts und der Beiträge, die diese Institute für die indische Gesellschaft geleistet haben, so viel Ansehen eingebracht haben, ein Beispiel dafür, wie die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und die DDR Indien in seinem Streben nach technologischer Souveränität geholfen haben. Ursprünglich gab es fünf IITs, in Delhi, Mumbai, Chennai, Kanpur und Kharagpur. Von diesen fünf IITs wurden vier durch den sozialistischen Block unterstützt. Als die Briten und Amerikaner das sahen, kamen sie und unterstützten das fünfte. Die indische herrschende Klasse verstand, dass es nicht ratsam ist, sich völlig von einer Seite abhängig zu machen. So wurde die Außenpolitik als nicht auf einen der Blöcke ausgerichtet erklärt.

Auf diese Weise schloss sich Indien der Bewegung der Blockfreien an. Und dann gibt es noch die anderen blockfreien Länder wie Ägypten usw., die alle erst kürzlich befreit wurden. Sie alle waren der Meinung, dass es für sie besser ist, sich keinem Block anzuschließen, weil sie ihre eigenen Interessen verfolgen. Heute ist die Entscheidung Indiens, weiterhin russisches Öl zu kaufen und Russland nicht zu verurteilen, die Fortsetzung einer Außenpolitik, die ausschließlich die Interessen der indischen herrschenden Klassen verfolgt. All diese Dinge müssen berücksichtigt werden, bevor wir zu dem Schluss kommen können, dass Indien heute aufgrund seiner Haltung zum Ukraine-Krieg antiimperialistisch geworden ist. Nein, das ist es nicht. Es verfolgt ausschließlich seine eigenen Interessen.

Können Sie einen kurzen Überblick darüber geben, wie sich diese „unabhängige“ Außenpolitik in den letzten sieben Jahrzehnten entwickelt hat?

Die indische herrschende Klasse hat in Verfolgung ihrer eigenen Interessen immer versucht, einen Block gegen den anderen auszuspielen. So hat Indien 1962 im Krieg zwischen Indien und China sofort die USA um Hilfe gebeten und um Lieferungen in Form von Munition, schweren Waffen usw. gebeten. Selbst nachdem es sich für die Blockfreiheit und die Unabhängigkeit der kolonisierten Länder eingesetzt hatte, war es also immer bereit, die imperialistischen Mächte um Hilfe zu bitten. Doch als die USA 1971 im Krieg mit Pakistan zur Befreiung Bangladeschs ihre Flugzeugträger zur Unterstützung Pakistans in den Golf von Bengalen schickten, wandte sich Indien erst an die Sowjetunion, die daraufhin ihre eigene Flotte entsandte, um den US-Streitkräften entgegenzutreten. So hat Indien immer gespielt.

Und dann, zu Beginn der 1990er Jahre, als der gesamte Sowjetblock und die osteuropäischen sozialistischen Staaten einen Rückschlag erlitten und zusammenbrachen, zu diesem Zeitpunkt verschob sich, wie die CPIM es nennt, das Gleichgewicht der Kräfte in Richtung Imperialismus. Daher gab es für die indischen herrschenden Klassen natürlich keine andere Möglichkeit, als sich vollständig von der US-geführten imperialistischen Ordnung abhängig zu machen. Aber auch hier ist es sehr wichtig zu bedenken, dass zu diesem Zeitpunkt bereits ein hohes Maß an Integration zwischen Indien und der Sowjetunion in den Bereichen des Verteidigungssektors und der technologischen Unterstützung für Schwerindustrien wie Stahl, dem Bau von Staudämmen usw. stattgefunden hatte. Aufgrund dieser Abhängigkeiten ist es für die indische herrschende Klasse heute nicht einfach, die Beziehungen zu Russland zu kappen. Diese Beziehungen spielten und spielen immer noch eine Rolle für Indiens Position im Ukraine-Krieg.

Da sich jedoch das Kräfteverhältnis insgesamt zugunsten des Imperialismus verschob, hatten die indischen herrschenden Klassen 1991 keine Probleme, die neoliberalen Reformen, die auf Geheiß der Weltbank und des IWF vorangetrieben wurden, sofort in Angriff zu nehmen. Die natürliche Entwicklung ab 1992 ist also, dass sich die indischen herrschenden Klassen immer mehr den USA und den imperialistischen Mächten annähern. Zum Beispiel hatten wir bis 1992 keine Beziehungen zu Israel, aber nach diesen Reformen nahm Indien Beziehungen zu Israel auf. Jetzt ist die Situation so weit, dass Modi der erste indische Premierminister ist, der nicht einmal nach Ramallah gefahren ist, als er nach Israel reiste. Dies ist ein wichtiger Wandel in der indischen Außenpolitik.

Die andere wichtige Entwicklung fand 2008 statt, als Indien beschloss, das Atomabkommen mit den USA fortzusetzen. Wir als CPIM waren dagegen, nicht nur wegen des Atomabkommens an sich, sondern weil es viele andere Bedingungen enthielt, die Indien mit Sicherheit in die Arme der USA treiben würden.

Wie lauteten diese Bedingungen?

Der Atomdeal zwischen Indien und den USA enthielt Bestimmungen für engere Verteidigungsbeziehungen und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Indien und den USA in der Landwirtschaft und bei der Öffnung des Dienstleistungssektors. Obwohl Indien 1992 mit der Liberalisierung und Öffnung seiner Wirtschaft begonnen, wurde der Dienstleistungssektor, zu dem Bildung, Gesundheit und Finanzdienstleistungen gehören, bis 2008 nicht für das Kapital geöffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der indische Staat zwar verschiedene Verträge mit den Imperialisten geschlossen und verschiedene Sektoren geöffnet, aber wir haben uns immer geweigert, eine Liberalisierung des Dienstleistungssektors zuzulassen. Wir waren auch nicht bereit, dem Druck der Imperialisten zur Änderung des Patentgesetzes nachzugeben und unseren Bankensektor vor allem für das internationale Finanzkapital zu öffnen. Diese Schritte, die gewissermaßen als Puffer für die indische Wirtschaft dienten, halfen Indien, die Finanzkrise von 2008 zu überstehen, die die ganze Welt getroffen hatte.

Es ist wichtig, das Atomabkommen von 2008 im Zusammenhang mit der Finanzkrise von 2008 zu sehen. Im Jahr 2008 war der Kapitalismus in eine tiefe Krise geraten. Anstatt die produzierten Güter herzustellen und zu exportieren, wurden immer mehr wirtschaftliche Aktivitäten in die Finanzspekulation verlagert. Für das internationale Finanzkapital war es von entscheidender Bedeutung, neue Märkte zu erschließen und in Bereiche vorzudringen, die es bisher noch nicht erreicht hatte. Indien war bis dahin ein Markt für Industriegüter, aber die indischen Märkte für Industriegüter reichten nicht aus und der Atomdeal wurde genutzt, um Druck zur Öffnung des Finanzsektors auszuüben.

Das war der Zeitpunkt, als im Versicherungssektor, der bis dahin zu 100 % unter staatlicher Kontrolle stand, langsam die Deregulierung und Privatisierung begann. Bis dahin gab es keine privaten Versicherungsunternehmen, doch dann schloss sich TATA (ein indisches Unternehmen) mit der amerikanischen Versicherungsgesellschaft AIG zusammen, und so kam die Maruti-Suzuki-Versicherung ins Spiel. Suzuki und Maruti schlossen sich nicht nur zusammen, um Autos zu produzieren, sondern auch, um in den Finanzsektor einzusteigen. Die Bajaj-Alliance-Versicherung ist ein weiteres Beispiel für das Vordringen des imperialistischen Finanzkapitals, das mit der indischen Bourgeoisie zusammenarbeitete. All diese Entwicklungen haben sich also nach 2008 verstärkt.

Seit dieser Phase der Öffnung haben wir auch eine wachsende Zahl privater Universitäten erlebt. Obwohl in den späten 1990er Jahren Versuche unternommen wurden, private Universitäten zu gründen, konnte dies nicht vollständig umgesetzt werden. In mehreren indischen Bundesstaaten hat man es versucht, aber die Projekte sind gescheitert. Doch jetzt sieht man entlang der großen Autobahnen, die aus Delhi herausführen, viele verschiedene private Universitäten. Jede neue Universität im privaten Sektor wurde in dieser Zeit gegründet. Bis dahin wurde Bildung immer als etwas angesehen, das in den Zuständigkeitsbereich des Staates fällt, da es sich dabei um regulierende Sektoren handelt. Der Staat entschied und regelte die Lehrpläne und Fächer und bewertete die Bildungspolitik. Außerdem betrug der Wert des indischen Bildungssektors im Jahr 2008 mehr als 1 Milliarde Dollar, und heute dürfte er noch höher sein. Bildung war also ein wichtiger Markt, in den man eindringen konnte, sowohl für die indische Bourgeoisie als auch für die Imperialisten.

Bis zu diesem Zeitpunkt ging nur eine Handvoll indischer Studenten zum Studium an ausländische Universitäten. Dies war nur für den begrenzten Teil der Inder möglich, die finanziell gut gestellt waren. Doch stattdessen wollten die Imperialisten nach Indien kommen und in Indien Universitäten gründen. Sie waren sich sicher, dass sie mit dem Wert ihrer „Marke“ des Westens, den sie allein aufgrund der Tatsache besitzen, dass sie aus einem entwickelten Land kommen, weiterhin viele weitere Studenten aus Indien locken würden. Das Eindringen der Imperialisten in den Bildungssektor erfolgt auf zweierlei Weise. Erstens: Zusammenarbeit zwischen einer indischen und einer ausländischen Universität, was zu Studentenaustauschprogrammen zwischen diesen beiden Universitäten führt. Zweitens: Die Imperialisten kommen direkt hierher und gründen ihre Niederlassung in Indien. Die Öffnung des Bildungssektors ist also dem Atomabkommen zu verdanken, das die indische Regierung unter Druck gesetzt hatte, ihren Dienstleistungssektor zu öffnen.

Auch im Agrarsektor werden die Landverhältnisse zugunsten der indischen Bourgeoisie und der Imperialisten aufgelöst. Dieser Wandel in der Agrarpolitik bedroht Indiens Selbstversorgung im Lebensmittelbereich und macht das Land abhängig von Importen der Imperialisten, um seine Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Dasselbe gilt für den Verteidigungssektor. Obwohl ein Großteil der indischen Rüstungsbeschaffung heute immer noch aus Russland stammt, baut Indien seine Rüstungsbeziehungen zu den Imperialisten aus.

Wenn man sich Indiens Position zum Ukraine-Krieg ansieht, könnte man dann behaupten, dass die indische herrschende Klasse sich gar nicht vollständig von Russland lösen will, weil es im Interesse Indiens ist, immer zwei Blöcke zu haben, die es gegeneinander ausspielen kann?

Ja, aber es ist wichtig zu verstehen, dass Russland über einen gewissen Zeitraum hinweg nicht Teil eines Blocks war. Insbesondere während der Jelzin-Periode und in den ersten Jahren von Putin. Russland wurde sogar eingeladen, der G7 beizutreten und sie zur G8 zu entwickeln. Russland war mit diesem Arrangement zufrieden. Aber erst als Russland begann, sich zu behaupten und wirtschaftlich zu wachsen, wurde es für den Westen zum Problem. Deshalb findet Indien es jetzt problematisch, seine Beziehungen zu Russland fortzusetzen. Solange Russland mit den USA zusammen war, hatten die USA auch keine Probleme damit, dass Indien seine Beziehungen zu Russland aufrechterhielt. Aber jetzt, da sich ihre Beziehungen verschlechtert haben, wollen sie, dass auch die indischen Beziehungen abgebrochen werden. Aber es ist nicht so einfach für Indien, seine Beziehungen abzubrechen, weil sich über all die Jahre Abhängigkeiten entwickelt haben. Deshalb muss Indien jetzt sicherstellen, dass es seine Beziehungen zu Russland aufrechterhält. Aber auch hier gilt, dass Indien einerseits seine Beziehungen zu Russland aufrechterhalten muss, andererseits aber auch den USA beweisen will, dass es sich nicht auf Kosten der USA oder des Westens von Russland abwendet oder mit ihm zusammenarbeitet. Deshalb findet jedes Mal, wenn ein Dialog zwischen Indien und Russland stattfindet, sofort ein QUAD-Treffen statt, ein 2+2-Dialog mit den USA – oder ihr Außenminister kommt hierher, oder unser Verteidigungsminister reist dorthin, oder der Premierminister reist in den Westen, und sie kommen zu einer neuen Vereinbarung, um die USA zu beruhigen, indem sie sagen, wir sind bei euch. Deshalb wurde Indien auch zum G7-Gipfel in Hiroshima eingeladen, als dieser stattfand. Wie ich bereits sagte, ist Indien nicht antiimperialistisch geworden, sondern verfolgt ausschließlich die Interessen der herrschenden Klassen.

Außerdem kauft Indien Öl aus Russland, aber der größte Teil davon wird hier verarbeitet und an die Europäische Union und die USA verkauft. Das ist ein doppelter Vorteil für indische Unternehmen. Und auch die USA und die EU profitieren davon, denn obwohl sie Sanktionen verhängt haben, benötigen sie russische Energie, um sich selbst zu versorgen. Sie finden einen einfachen Weg, die von ihnen selbst verhängten Sanktionen zu umgehen, und Indien hilft ihnen auch dabei. Schauen Sie sich auch die Position Indiens zu China an, es ist Teil von QUAD, es ist Teil von I2U2 (Indien-Israel-USA-UAE), das westliche QUAD, das sie aufbauen wollen. Indien ist in all diese imperialistischen Spielpläne eingebunden. Die großspurigen Erklärungen, die Modi abgibt, zum Beispiel, dass „dies keine Ära des Krieges ist“, und all diese Dinge, in Wirklichkeit tut er nicht viel, er kann nicht viel tun. Jaishankar, der indische Außenminister, geht auch nach Europa und sagt, dass man nicht alles aus europäischer Sicht sehen sollte, wir haben auch unsere eigenen Interessen, all das ist nur Gerede, Lärm, aber es steckt keine Substanz hinter diesem Lärm.

Sie sagen, dass die Herrschaft über Indien in die Hände der Großbourgeoisie und des Großgrundbesitzers gelangte, die gleich darauf ein Bündnis mit dem Imperialismus eingingen. Sie hat zum Beispiel auch das britische Kapital, das in Indien vorhanden war, nicht verstaatlicht, auch für ihren ersten Fünfjahresplan der Industriepolitik hat sie sich zuerst an die Imperialisten gewandt und ihnen wurde die Hilfe verweigert. Das ist eine sehr interessante Sache – wäre es dann richtig zu sagen, dass die Imperialisten die Entwicklung der Produktivkräfte in den Ländern, in denen sie präsent sind, nicht zulassen?

Das ist absolut richtig, aber ich muss eine wichtige Korrektur vornehmen, und diese Korrektur ist Teil einer sehr wichtigen Debatte, die es in der indischen kommunistischen Bewegung gibt. Sie haben gesagt, dass die indische herrschende Klasse im Bündnis mit den Imperialisten steht. Sie ist nicht im Bündnis mit den Imperialisten, sie kollaboriert nur mit den Imperialisten und geht Kompromisse mit ihnen ein. Denn wenn sie ein Verbündeter wäre, dann wäre sie nie in die Sowjetunion gegangen. Sie kollaboriert nur, sie verfolgt vorrangig ihre Eigeninteressen, sie war damals eine aufstrebende Bourgeoisie und wollte sich etablieren, sie wollte den indischen Markt erobern und will das immer noch tun. Sie will Unterstützung für diese Expansionen, die sie allein nicht bewältigen kann. Aber sie will nicht die zweite Geige gegenüber den Imperialisten spielen. Das war der ganze Grund, warum sie sich überhaupt am Freiheitskampf gegen den britischen Kolonialismus beteiligt hat. Und nachdem sie den Kampf gegen die Kolonialisten gewonnen hat, kann sie das Projekt nicht wieder in die Hände der Imperialisten fallen lassen, indem sie ein Verbündeter der Imperialisten ist. Das ist sehr wichtig. Sie ist kein Verbündeter. Die Herrschaft des indischen Staates nach der Unabhängigkeit fiel in die Hände der Großbourgeoisie und der Grundbesitzerklasse, die mit den Imperialisten kollaborieren und Kompromisse eingehen.

Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Sie haben völlig recht. Sehen Sie, wo auch immer die Kolonialmächte herrschten, sei es in Afrika, Lateinamerika oder Asien, sorgten sie dafür, dass sie immer noch von diesen Kolonialmächten abhängig bleiben. Das ist der Grund, warum sie alle immer noch unterentwickelt sind, warum ihre Produktivkräfte immer noch nicht fortgeschritten sind, außer in den Ländern, die diese bürgerlich-kapitalistische Phase durchbrochen haben und sich auf den Weg zum Sozialismus gemacht haben. Die osteuropäischen Länder, das heutige China und Vietnam sind diejenigen, die in der Entwicklung ihrer Produktivkräfte vorangekommen sind. Der Imperialismus hingegen würde ihnen niemals erlauben, sich zu entwickeln. Sehen Sie sich ganz Lateinamerika an, das immer noch Rohstoffe für den Verbrauch der entwickelten Länder produziert. Afrika ist in einer ähnlichen Situation, Asien ist in einer ähnlichen Situation, und was auch immer wir in diesen Teilen der Welt an Industrien haben, ist für die Imperialisten bereits überflüssig. Das ist richtig.

Teil 2: Entwicklungen in Indien nach der Unabhängigkeit

Gehen wir etwas tiefer auf die Entwicklungen in Indien ein. Die indische herrschende Klasse ist Kompromisse eingegangen und hat mit den Imperialisten kollaboriert, aber in den ersten Jahrzehnten hat Indien eine bestimmte Politik verfolgt, indem es zum Beispiel im Kernsektor öffentliche Unternehmen gegründet hat. Können Sie darüber sprechen?

Nach dem Verständnis der CPIM ist der öffentliche Sektor eine Notwendigkeit, die von der Bourgeoisie empfunden wurde, weil es sich um eine aufstrebende Bourgeoisie handelte, die nicht in der Lage war, so viel Kapital zu investieren, und die nicht die Fähigkeit besaß, eine so lange Reifezeit abzuwarten, bevor die Gewinne realisiert werden konnten, sie hatte diese Fähigkeit nicht. Es handelte sich also um eine Eselsarbeit, die nur von der öffentlichen Hand geleistet werden kann. Außerdem fehlte es der indischen Bourgeoisie nicht nur an Kapital, sondern auch an technologischem Know-how. In beiderlei Hinsicht war sie nicht bereit, in diese Sektoren zu investieren. Daher wurde beschlossen, dass der Staat in bestimmte Sektoren investieren sollte. Für den Staat ist es einfacher, als Bürge aufzutreten, der ins Ausland gehen kann, um sich technologisches Know-how zu beschaffen oder sich um Kapitalfragen zu kümmern. So entstanden in dieser Zeit in allen Kernsektoren der Wirtschaft wie Energie, Stahl, Bergbau, Verkehr, Banken usw. staatliche Unternehmen. Das Ziel der indischen Bourgeoisie war es, diese Plattform für ihre eigene Entwicklung zu nutzen, bis sie in diese Sektoren eintreten und sich durchsetzen konnte.

Zur gleichen Zeit leitete Indien die „grüne Revolution“ ein, mit der der indische Staat versuchte, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Was waren die Gründe dafür und welches System wurde eingeführt?

Dafür gab es mehrere Gründe. Als Indien die Unabhängigkeit erlangte, kam es in mehreren Regionen zu großen Hungersnöten. Darüber hinaus wurden während der Teilung viele Gebiete, die die wichtigsten Erzeuger von Nahrungsmittelgetreide waren, an Pakistan abgetreten.

Zur gleichen Zeit nahm der Hunger zu, und die hungernden Menschen konnten nicht darauf warten, dass Indien technologische Autarkie erlangte. Man musste die Menschen jeden Tag ernähren. Tatsächlich wurde der erste indische Premierminister dafür kritisiert, dass er der grünen Revolution vor der industriellen Revolution hätte Vorrang einräumen sollen. Aber erst im zweiten Fünfjahres-Plan wurde der Landwirtschaft Vorrang eingeräumt. Das lag daran, dass der Landwirtschaft vor der industriellen Revolution kein Vorrang eingeräumt werden konnte, ohne dass die Infrastruktur wie Bewässerungsanlagen, Technologie für Dämme, Düngemittel usw. vorhanden war. Ohne dieses technologische Know-how und die vorhandene Infrastruktur hätte der Staat die grüne Revolution nicht ohne weiteres vorantreiben können. Andererseits stieg die Lebenserwartung der Menschen in Indien aufgrund der geringen Entwicklung, die dort stattfand, und damit auch der allgemeine Nahrungsmittelbedarf. 

Außerdem sah sich die indische Regierung unter der Herrschaft des Kongresses mit einer Abelhnung konfrontiert, weil sie es nicht schaffte, die Bedürfnisse des Volkes zu erfüllen. Im Jahr 1967 verlor die Kongresspartei zum ersten Mal Wahlen in sieben bis neun Bundesstaaten. Auch intern hatte der Kongress mit Schwierigkeiten zu kämpfen, da Nehru (der erste Premierminister) gestorben war und sich die Frage stellte, ob sich seine Nachfolgerin Indira Gandhi als starke Führungspersönlichkeit etablieren könnte.

Aufgrund verschiedener Faktoren, darunter die Ablehnung der Regierung und die Tatsache, dass die herrschenden Klassen die Kolonisatoren nicht mehr für die miserablen Bedingungen der Massen verantwortlich machen konnten, musste die indische Regierung bestimmte politische Maßnahmen ergreifen, um bestimmte Grundbedürfnisse der Menschen zu gewährleisten. Dies war der Hintergrund der grünen Revolution. Und als Ergebnis dieser Revolution wurde ein gewisses „Public Distribution System“ (PDS) eingeführt, bei dem der Staat die Nahrungsmittelkörner direkt von den Landwirten aufkaufte, wobei er einen Mindestpreis für die Ernte garantierte, und sie direkt an die große Mehrheit der armen Bevölkerung des Landes zu einem sehr niedrigen Preis verkaufte. Dadurch wurde ein gewisser Grad an Selbstversorgung in Bezug auf die Ernährungssicherheit gewährleistet.

Trotz des bürgerlichen Charakters des Landes hat die herrschende Klasse einige Maßnahmen ergriffen, darunter die Einrichtung von Industrien im öffentlichen Sektor und die grüne Revolution, wodurch der Staat für die Bevölkerung des Landes eine Art Puffer gegenüber dem Weltmarkt darstellte. Würden Sie sagen, dass Indien durch diese Maßnahmen ein gewisses Maß an nationaler Souveränität erlangt hat?

Wissen Sie, die Frage der Souveränität ist viel größer, aber es ist nicht trotz der herrschenden Klassen, sondern WEIL die herrschenden Klassen Indien auf diesen Weg der Industrialisierung gebracht haben. Und zweitens, wer hat von der grünen Revolution profitiert? Es sind nicht die armen Kleinbauern, die von der Revolution profitiert haben, sondern es sind die reichen Bauern, die von der grünen Revolution profitiert haben. Natürlich gab es einen kleinen Spillover-Effekt für einige wenige Randbauern, die ebenfalls profitierten. Aber es waren immer die reichen Grundbesitzer, die in erster Linie profitierten. Denn obwohl der Staat die Betriebsmittel subventionierte, war es nur diese Klasse von Landwirten, die über das Kapital verfügte, um Düngemittel zu kaufen und die Betriebsmittelkosten zu decken, um in die Landwirtschaft investieren zu können.

Außerdem, wer hatte überhaupt Land für die Landwirtschaft? Indien ist das Land einer großen Mehrheit von Landarbeitern, die kein Land besitzen. Diese „Revolution“ kam wiederum den reicheren Teilen der herrschenden Klasse in der indischen Bauernschaft zugute. Die wirkliche demokratische „grüne“ Revolution wäre die gewesen, bei der das Land unter den Massen verteilt worden wäre, aber die Großgrundbesitzer wollten ihr Land nicht abtreten, sie wollten sich nicht von ihrem Land trennen, sie wollten ihr Land und vor allem wollten sie das Land nutzen, um die landlosen Bauern zu kontrollieren. Landverteilung war nicht ihre Vorstellung von Reformen, und auch die besagte grüne Revolution diente dazu, die reichste Schicht zu begünstigen. Der Staat hat also auch hier nicht trotz, sondern wegen der herrschenden Klassen als Puffer fungiert.

Darüber hinaus war sie gezwungen, als Puffer zu fungieren, da international auch eine Phase der Wohlfahrtspolitik im Gange war. Warum? Zwei Gründe: Erstens erwies sich die frühere Laissez-faire-Politik als nicht ausreichend, um den Fortschritt der Produktivkräfte zu ermöglichen. Zweitens gab es jetzt auch einen sozialistischen Block, der sich als Alternative darstellte. Um das kapitalistische System in anderen Ländern zu schützen und sicherzustellen, dass die Befreiungskämpfe und die Kolonialstaaten, die zu diesem Zeitpunkt ihre Unabhängigkeit erlangt hatten, nicht den Weg der sozialistischen Revolution einschlugen, wurde diese Wohlfahrtspolitik weltweit betrieben. Und der indische Staat bildete bei diesem internationalen Phänomen keine Ausnahme.

All diese Maßnahmen, einschließlich der öffentlichen Unternehmen und der grünen Revolution, wurden im Interesse der herrschenden Klasse ergriffen. Die große Wende in der indischen Politik kam 1991, als weitreichende Privatisierungen und Liberalisierungen durchgeführt wurden. Aber schon vorher hatte die Liberalisierung in bestimmten Wirtschaftssektoren begonnen. Was waren die Gründe dafür?

In den 1980er Jahren erlebte Indien seine erste Wirtschaftskrise. Infolge verschiedener Entwicklungen im internationalen Finanzsektor sah sich Indien in den 1980er Jahren mit einer Zahlungsbilanzkrise konfrontiert, in der die indische Bevölkerung die Kaufkraft verloren hatte, um Waren zur Befriedigung ihrer Mindestbedürfnisse zu kaufen. Daher nahm Indien 1980-82 unter Premierministerin Indira Gandhi zum ersten Mal ein Darlehen des IWF in Anspruch. Dieser Kredit war an bestimmte Bedingungen geknüpft, die akzeptiert werden mussten. Nach dem Tod von Indira Gandhi im Jahr 1984 wollte ihr Nachfolger Rajiv Gandhi Reformen durchführen, insbesondere im Bildungsbereich, um Indien ins 21. Jahrhundert zu bringen. In dieser Zeit begann Indien auch mit der Einfuhr von Computern in das Land. Dies stieß auf den Widerstand der Gewerkschaften, da sie die Computer nicht als etwas ansahen, das den Arbeitnehmern bei ihrer Arbeit helfen würde, sondern als etwas, das ihre Beschäftigungsmöglichkeiten aufzehren würde. So begann also die Öffnung des Landes.

An welche Bedingungen war das IWF-Darlehen von 1982 geknüpft?

Es wurden verschiedene Bedingungen gestellt, z.B. wurde uns gesagt, dass der öffentliche Sektor nicht in allen Bereichen präsent sein kann. Es war auch die Zeit, als Indien 1982 die Asienspiele ausrichtete, für die der indische Staat Hotels in Delhi gebaut hatte. Es war auch die Zeit, in der wir Gastgeber der internationalen Gipfeltreffen waren. Für all diese Veranstaltungen brauchten wir Infrastruktur. Und so tätigte der Staat Ausgaben in diesen Bereichen. Als wir uns an den IWF wandten, sagte der IWF der indischen Regierung, dass der Staat das Geld des IWF nicht für unnötige Ausgaben in diesem Bereich verwenden dürfe, und forderte den indischen Staat auf, dies dem Privatsektor zu überlassen.

Darüber hinaus wurden gemäß den Leitlinien des IWF Änderungen im indischen Gesellschaftsrecht vorgenommen, in deren Rahmen bestimmte Einfuhrbeschränkungen aufgehoben wurden. In diese Zeit fällt auch der Aufstieg des indischen Industriellen Dhirubhai Ambani, dessen erste Investition in die Textilindustrie erfolgte.

1991 ist der Zeitraum, in dem Indien offiziell eine groß angelegte LPG-Politik einleitete – Liberalisierung, Privatisierung und Globalisierung. Können Sie uns etwas über die Krise, die dazu führte, und die ergriffenen Maßnahmen erzählen?

Das war eine Zahlungsbilanzkrise, weil die indische Bevölkerung keine Kaufkraft hatte. Andererseits nahm die Abhängigkeit Indiens von Importen stetig zu, da diese Politik der indischen Bourgeoisie entgegenkam. Der indische Markt und die indische Produktion waren jedoch noch nicht bereit, sich in den internationalen Handel einzugliedern.

Um sicherzustellen, dass Indien Teil des internationalen Marktes wird, wurde diese Zahlungsbilanzkrise von der internationalen Finanzwelt als Gelegenheit genutzt, um Druck auf Indien auszuüben, sich zu öffnen. Das erste, was sie von Indien verlangten, war eine Abwertung der Währung. Sie verlangten sogar ein vollständiges Floaten der Währung auf dem Weltmarkt, dem die Regierung glücklicherweise nicht zustimmte, sondern sie erheblich abwertete. Das Argument war, dass dies die Ausfuhr indischer Waren auf den Weltmarkt erleichtern würde, was Indien Devisen einbringen würde, mit denen wir unsere Schulden bezahlen und unsere Importe bezahlen könnten. Unter diesem Vorwand forderten sie uns auf, bestimmte Bedingungen zu erfüllen. Eine davon war die Abwertung der Rupie. Dann verlangten sie auch die Öffnung bestimmter öffentlicher Sektoren, und so begannen wir mit dem Verkauf einiger öffentlicher Unternehmen. Wir haben auch damit begonnen, privates Kapital in verschiedenen Segmenten zuzulassen, in die der private Sektor nicht vorgedrungen war. Dann gestatteten wir diesen privaten Sektoren auch verschiedene Zugeständnisse bei der Einfuhr von Waren aus anderen Ländern und förderten den Export auf dem internationalen Wettbewerbsmarkt, wozu die indische Bourgeoisie zu diesem Zeitpunkt bereit war.

So sah die Anfangsphase der Privatisierung aus. Wir begannen mit dem GATT-Abkommen und verschiedenen anderen internationalen Abkommen, darunter auch Abkommen über die Landwirtschaft. In dieser Zeit wurden zum Beispiel bestimmte Sektoren der Landwirtschaft geöffnet. Wir begannen zum Beispiel, Kokosnüsse aus Indonesien und Malaysia zu importieren, obwohl wir in Indien Kokosnüsse anbauen. Dies wirkte sich vor allem auf den Süden des Landes aus, da diese Staaten die größten Kokosnussproduzenten waren. Die Kokosnüsse wurden aus Malaysia und Indonesien zu Dumpingpreisen nach Indien eingeführt, sodass die Kokosnussproduzenten in Kerala, Tamil Nadu und Andhra Pradesh Verluste erlitten. Gewürze durften eingeführt werden und die Beschränkungen für Sri Lanka, Malaysia und Indonesien wurden aufgehoben, was wiederum die indischen Gewürzproduzenten ruinierte. Als nächstes war die Baumwolle an der Reihe. Die Kommerzialisierung der indischen Landwirtschaft ruinierte die indischen Landwirte, weshalb es in dieser Zeit zu den ersten Selbstmorden von Landwirten kam.

In der Industrie erlebten die großen Unternehmen wie Ambani, Tatas, Goodridge usw. in dieser Zeit ein starkes Wachstum. Außerdem wurden ihnen Erleichterungen bei der Kreditvergabe gewährt. Bis dahin war es für die Banken vorrangig, einen Kredit an jemanden in dem Gebiet zu vergeben, in dem die Bank tätig war. Die meisten Banken befanden sich in ländlichen Gebieten. Dies wurde als vorrangige Kreditvergabe an die Landwirtschaft bezeichnet, da diese Banken im ländlichen Bereich tätig waren. Die Bedingung der vorrangigen Kreditvergabe der Banken wurde zwar dem Namen nach beibehalten, aber von Amts wegen abgeschafft. So begannen die meisten Banken, statt Kredite an Landwirte, Kleingewerbetreibende und andere zu vergeben, die Bedürfnisse all dieser Industrien und Großkapitalisten zu befriedigen.

Danach wurden, wie bereits erwähnt, ab 2008 auch die Dienstleistungssektoren geöffnet.

Die Reformen von 1991 werden manchmal als „wirtschaftlicher Staatsstreich“ bezeichnet. Würden Sie dem zustimmen?

Die Reformen von 1991 so zu sehen, würde bedeuten, dass wir wieder in das Verständnis verfallen, dass die indische Bourgeoisie kein Rückgrat oder einen eigenen Verstand hat, was wiederum bedeutet, dass sie ein Verbündeter des Imperialismus geworden ist. Das ist die indische Bourgeoisie aber nicht. Die indische Bourgeoisie war ursprünglich eine aufstrebende Bourgeoisie, jetzt ist sie eine wachsende Bourgeoisie. Sie wollte den Markt übernehmen, aber sie hatte noch nicht die Fähigkeit, den Markt selbst zu übernehmen. Warum hat sie die Öffnung zugelassen? Diese Öffnung geschah, weil sie diese Technologie wollte, sie wollte diese Zusammenarbeit zwischen ihr und dem internationalen imperialistischen Kapital. Damals schloss sich Maruti mit Suzuki zusammen, was dazu führte, dass die Autos von Maruti Suzuki die indischen Straßen in großem Stil eroberten. Es war auch die Zeit, als Hero mit Honda fusionierte. Honda durfte seine Fabriken in Indien nicht selbst gründen, sondern war gezwungen, sich mit einem indischen Unternehmen zusammenzuschließen und ein Kooperationsabkommen zu schließen. Wenn es sich um einen wirtschaftlichen Coup gehandelt hätte, dann hätte es vor Honda kapituliert, es hätte vor Suzuki kapituliert, und das war nicht die Absicht des indischen Kapitals. Die indische Bourgeoisie nutzte diese Kooperationen, um zu wachsen. Jetzt sehen wir, dass Hero Honda nur noch Hero ist. Honda stellt seine eigenen Fahrzeuge her. Aber jetzt ist Hero ein großer Akteur auf dem Zweiradmarkt geworden. Aber im Fall von Maruti Suzuki war das indische Unternehmen Maruti nicht in der Lage, seine Dominanz zu etablieren, weshalb jetzt nur noch Suzuki in Indien tätig ist.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den Sie klarstellen, da bestimmte Teile der indischen kommunistischen Bewegung, insbesondere die Naxaliten-Bewegung, die indische Bourgeoisie als Kompradoren-Bourgeoisie bezeichnen. Allerdings wurde diese Politik auch auf Drängen der Imperialisten betrieben.

Ja, es gibt einen weiteren internationalen Kontext, den wir nicht vergessen sollten. 1991 war die Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Die Sowjetunion war nicht mehr da, um uns beim Wachstum zu helfen. Es gibt jetzt nicht mehr zwei Seiten, die man spielen kann, man muss nur eine Seite akzeptieren, wenn man wachsen will. Die indische herrschende Klasse muss sich also auf die Imperialisten verlassen. Infolgedessen wurde es für den Imperialismus einfach, die indische Bourgeoisie zu zwingen, bestimmte Bedingungen zu akzeptieren. Was hätte unsere wachsende Bourgeoisie zum Beispiel getan, wenn es die Sowjetunion noch gegeben hätte, und natürlich gibt es in der Geschichte kein Wenn und Aber. Sie hätte mit beiden Seiten verhandelt; sie hätte nicht allen Bedingungen zugestimmt, die die Imperialisten gestellt haben, und auch nicht den meisten von ihnen auferlegten Bedingungen. Sie hätte sie gegeneinander ausgespielt. Aber da die Sowjetunion nicht mehr existiert, ist sie nun gezwungen, dem imperialistischen Eindringen aus eigener Kraft zu widerstehen. Früher hatten sie die äußere Stärke der Sowjetunion, um dem Imperialismus zu widerstehen. Zumindest um sicherzustellen, dass ihre Interessen gewahrt werden. Aber jetzt leisten sie mit ihrer eigenen Kraft Widerstand. Aber sie sind diesem Druck nicht völlig erlegen, sie haben ihm widerstanden.

Wir werden etwas konkreter über die Liberalisierung sprechen, die derzeit in den Sektoren Landwirtschaft und Eisenbahn stattfindet. Diese beiden Sektoren bilden in verschiedener Hinsicht das Rückgrat der indischen Wirtschaft. Während der erste Sektor die Ernährungssicherheit gewährleistet, sorgt der zweite für die Mobilität der breiten Masse des Landes, was wiederum den Zugang zu grundlegenden Annehmlichkeiten sicherstellt. Darüber hinaus sind beide Sektoren die direkte Lebensgrundlage für eine große Zahl von Arbeitskräften in Indien. 

Im Agrarsektor versucht der indische Staat auf Geheiß der indischen Bourgeoisie und der Imperialisten, das öffentliche Verteilungssystem, von dem Sie vorhin sprachen, abzuschaffen. Er öffnet nun den indischen Agrarsektor für die Profitbedürfnisse der Imperialisten und der indischen Bourgeoisie. Sie versucht, Indien von der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln wegzubringen und will, dass die indischen Bauern kommerzielle Feldfrüchte produzieren, die auf dem Weltmarkt geschätzt werden. So werden die Landverhältnisse umgestaltet, wodurch die Bauern unter die direkte Kontrolle des internationalen Kapitals geraten und ihr Lebensunterhalt von den Schwankungen des Weltmarktes abhängt. Auf der anderen Seite sehen die Imperialisten Indien als Exportziel für die überschüssigen Nahrungsmittelgetreidebestände, die diese imperialistischen Länder produzieren. Sie wollen also, dass die indischen Verbraucher für ihre Konsumbedürfnisse importabhängig werden. Dies wäre wiederum von den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt abhängig.

Ja. Die Food Corporation of India (FCI) verfügt über Lagerhallen, in denen wir stets Pufferbestände an Weizen gelagert haben, um für alle Eventualitäten wie Dürre, Überschwemmungen oder schwere Wirbelstürme gerüstet zu sein. Der Puffervorrat in diesen Lagerhallen wurde immer über das erforderliche Maß hinaus aufrechterhalten. Diese mit Nahrungsmittelkörnern gefüllten Lager sind Ausdruck der Selbstversorgung Indiens. Aber diese FCI-Godowns werden jetzt abgebaut.

Und mit den neuen Handelsabkommen wird das Beschaffungsverhältnis geändert und die Verteilung demontiert, anstatt die Nahrungsmittel direkt bei den Bauern zu beschaffen und sie an die hungernden indischen Massen zu verteilen. Man lässt die Nahrungsmittel einfach verrotten. Wir haben immer gesagt, dass die Menge an Nahrungsmittel, die von Mäusen, Ratten und Nagetieren in den FCI-Godowns gefressen wird, selbst wenn sie gerettet und an die Menschen im Land verteilt wird, den Hunger weitgehend beseitigen kann. Aber die Regierung ist dazu nicht bereit, sie will nur die Verteilung verhindern.

Wie haben sich die Landnutzungsbeziehungen in der Zeit der Neoliberalisierung entwickelt?

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich viele Veränderungen vollzogen. Indien befindet sich in einem raschen Wandel, das globale Finanzkapital hat sich ebenfalls verändert, und auch die indische Führungsschicht hat einen Wandel erlebt. Die grüne Revolution und die neuen Produktionstechnologien, die in der Landwirtschaft Einzug gehalten haben, haben ebenfalls zu Veränderungen geführt und die marktorientierte Landwirtschaftspolitik hat auch Auswirkungen auf die indischen Landwirte.

Früher produzierte ein Großteil der indischen Landwirtschaft zum Beispiel Nahrungsmittelgetreide. Doch das hat sich langsam geändert. Die Anbauflächen für Handelsgewächse wie Baumwolle, Zuckerrohr usw. haben sich zunehmend vergrößert. Auch die Gartenbauproduktion von Früchten wie Äpfeln usw., die auf dem internationalen Markt einen Handelswert haben, nimmt zu. Auch die Blumenzucht nimmt zu, wobei in Orten wie Bangalore riesige Farmen zu finden sind, die verschiedene Rosensorten für den Export in andere Länder produzieren. Insgesamt steigt also die Produktion von Nutzpflanzen in Indien.

Außerdem eignet sich kleiner Landbesitz nicht für den Anbau von Nutzpflanzen. Pepsi zum Beispiel kam in der Anfangsphase der Öffnung nach Indien. Doch Pepsi begann nicht nur mit der Produktion von Cola, sondern auch von Kartoffelchips. Das Unternehmen stellte jedoch fest, dass die indischen Kartoffeln für die Produktion nicht geeignet sind. Deshalb hat Pepsi immer wieder Druck auf die Regierung ausgeübt, damit sie ihm Hunderte von Hektar Land überlässt, auf denen es selbst Kartoffeln anbauen kann. Außerdem wurden private Anreize für den Kartoffelanbau geschaffen, um die indischen Landwirte in bestimmten Gebieten von der Getreideproduktion zum Kartoffelanbau zu bewegen. Auf diese Weise werden die Landverhältnisse in Indien schrittweise umgestaltet.

Im Jahr 2000 sind wir in eine Situation geraten, in der die kapitalistischen Verhältnisse zunehmend in die Landwirtschaft eingedrungen sind. Früher gab es Großgrundbesitzer und diejenigen, die Geld verliehen haben. Mit dem zusätzlichen Kapital, das diese Grundbesitzer durch die Produktion für den Weltmarkt erwirtschaftet haben, haben diese Grundbesitzer nun auch begonnen, Geld als Kredit an Kleinbauern zu vergeben. Früher gab es zwei verschiedene Berufe, jetzt werden sie langsam zu einem einzigen Beruf verschmolzen.

Früher wurde der kleine Kapitalüberschuss, der erwirtschaftet wurde, wieder in die Landwirtschaft investiert. Aber jetzt gibt es neue Investitionsmöglichkeiten für einen Grundbesitzer. Das überschüssige Kapital kann jetzt in eine Zuckerrohrmühle oder eine Reismühle investiert werden oder man kann ein Unterhaltungskino bauen. Sie haben also begonnen, in nicht-landwirtschaftliche Tätigkeiten zu investieren, was wiederum noch mehr Überschüsse generiert. Nicht-landwirtschaftliche Tätigkeiten werden zu einer wesentlichen Aktivität und langsam dringen diese kapitalistischen Beziehungen in die ländlichen Gebiete Indiens ein.

Das ist der eine Aspekt, den wir berücksichtigen müssen, der andere Aspekt ist der internationale. International stellen wir fest, dass die Häufigkeit der Krisen zugenommen hat. Früher waren es alle paar Jahrzehnte, dann alle zehn Jahre, und jetzt sind es nur noch alle zwei bis drei Jahre. Heute gerät man, bevor man aus einer Krise herauskommt, bereits in die nächste Krise. Daher hat das internationale Finanzkapital auch begonnen, sich nach neuen Sektoren umzusehen, in die es investieren kann. Die Industrie ist raus, die traditionellen Finanzsektoren sind auch raus, wie man beim Zusammenbruch von Lehman Brothers usw. gesehen hat. Der indische Immobilienmarkt hingegen ist ein Neuland, das noch nicht erschlossen wurde. Und dann ist da noch die indische Landwirtschaft, die noch nicht vollständig für ausländisches Kapital geöffnet ist.

Gleichzeitig wurden die drei Landwirtschaftsgesetze nicht nur für das imperialistische Kapital, sondern auch für das indische Kapital eingeführt, weil der indische Kapitalismus ebenfalls in einer Krise steckt. Denn das, was der indische Kapitalist produziert, wird von den indischen Massen nicht konsumiert, da sie nicht über die nötige Kaufkraft verfügen. Auf der anderen Seite sind sie nicht in der Lage, es auf dem internationalen Markt zu verkaufen, da der indische Kapitalist nicht in der Lage ist, mit den Produzenten auf anderen Märkten zu konkurrieren. Außerdem ist der Markt in anderen Ländern bereits gesättigt. So wurde es auch für die indischen Kapitalisten notwendig, dass der indische Staat die Landwirtschaft und den Boden für Investitionen öffnet, da die indischen Immobilien und die Landwirtschaft die beiden Bereiche sind, die sich als neu und lukrativ erwiesen haben, die für Investitionen unerschlossen sind und ein großes Expansionspotenzial haben.

Führt diese Expansion nicht zu Widersprüchen zwischen den Kapitalisten und den Grundbesitzern in Indien?

Ja, das ist der Punkt, auf den die Dinge hinauslaufen. Warum haben die reichen Bauern in Punjab und Haryana so massiv protestiert und waren bereit, sich jahrelang zu wehren? Weil es für die Großgrundbesitzer eine Frage des Überlebens ist. Aber warum ist der indische Staat andererseits so unnachgiebig, diese Reformen durchzuführen? Weil es für ihn um das Überleben des Kapitalismus geht. Daher waren die Großgrundbesitzer gezwungen zu protestieren, und aufgrund der Klassenzusammensetzung des indischen Staates war der Staat gezwungen, die Protestierenden nicht anzugreifen. Wann immer die Arbeiterklasse auf die Straße geht, wendet der Staat maximale Gewalt gegen die Arbeiterklasse an. Aber gegen die Bauern war der Staat nicht bereit, diese Art von Gewalt anzuwenden. Er erlaubte ihnen, ein Jahr lang an den Grenzen Delhis zu sitzen, weil sie auch als Freunde der herrschenden Klassen angesehen werden.

Im Streben nach maximalen Gewinnen werden also die gesamten Anbaumuster hier verändert. Das indische Volk wird für seine Ernährung von Getreideimporten aus anderen Ländern abhängig gemacht, in diese Abhängigkeit wollen sie Indien bringen. Die Kapitalisten, die in den indischen Landwirtschaftssektor einsteigen, wollen Nutzpflanzen produzieren, die auf dem internationalen Markt lukrativ sind. Es ist nicht die Notwendigkeit der Gesellschaft, die die Produktion bestimmt. Es ist die Höhe des Profits, den man erwirtschaftet, die bestimmt, welche Art von Produktion stattfindet.

Derzeit findet im Eisenbahnsektor ein massiver Privatisierungsprozess statt. Der Eisenbahnsektor hat bewiesen, dass er in der Lage ist, die gesamte Industrie selbst zu betreiben, sei es bei der Herstellung, Wartung, Reparatur usw. Er hat auch bewiesen, dass er in der Lage ist, neue Technologien zu übernehmen. Aber die Frage ist: Wenn der Staat die Fähigkeit hat, die gesamte Industrie selbst zu betreiben, warum geht dann bei der Privatisierung nicht die gesamte Kontrolle über die Eisenbahn in die Hände der indischen Bourgeoisie über? Warum kollaboriert die indische Bourgeoisie stattdessen mit den Imperialisten, wenn erstere einfach die ganze Sache übernehmen können? So hat sie z.B. General Motors, einem amerikanischen Unternehmen, den Auftrag erteilt, jedes Jahr etwa 100 Lokomotiven zu liefern. Wozu ist diese Zusammenarbeit nötig?

Die indische Eisenbahn ist immer noch ein riesiger öffentlicher Sektor und die Aufrechterhaltung dieses Ungetüms ist für die indische Bourgeoisie allein nicht möglich. Erstens, weil es sich um einen öffentlichen Sektor handelt, der seine Wurzeln in entlegene Teile des Landes ausgedehnt hat und wenn die indische Bourgeoisie ihn in Gänze übernimmt, werden diese Strecken völlig unrentabel und unproduktiv sein. Marx sagt, dass das Kapital, wenn es etwas nicht produktiv findet oder nicht in der Lage ist, die Produktionsverhältnisse zu ändern, bestimmte Produktivkräfte abtötet, um seine Hegemonie zu erhalten. Auf diese Weise wurden die COVID-Sperren in gewisser Weise für die Interessen des Kapitals eingesetzt, insbesondere bei den Eisenbahnen. Wie Sie sehen, wurde im Namen der Abriegelung der gesamte Eisenbahnverkehr für eine gewisse Zeit stillgelegt. Aber bis heute sind bestimmte Züge, die vor COVID verkehrten, noch nicht wieder in Betrieb genommen worden. Viele Züge wurden gestrichen, viele Stillstände wurden beseitigt und viele neue Züge werden eingeführt. Auf diese Weise wurde der Zeitraum des COVID-Notstands von etwa einem Jahr genutzt, um sicherzustellen, dass sich die Menschen langsam an solche Veränderungen gewöhnen. Heute gibt es keine neuen Personenzüge mehr. Was man sieht, ist die Einführung dieser sehr teuren Schnellzüge wie „Vande Bharat“ oder „Gatimaan Express“. Die Einführung dieser teuren Züge wird sich auf die Anbindung der ländlichen Gebiete auswirken.

Die neue Infrastruktur, die gebaut wird, ist auf die Bedürfnisse eines Teils der finanziell gut gestellten indischen Bevölkerung zugeschnitten. Um diesen Teil der Bevölkerung zu überzeugen, muss der Staat „moderne“ Lokomotiven einführen, die derzeit nur ausländische Unternehmen liefern können. Bei der Metro in Delhi beispielsweise stammt die gesamte Technologie aus Deutschland und Japan. Daher geht die indische Bourgeoisie derzeit eine Zusammenarbeit mit den Imperialisten ein.

Können Sie mehr darüber sagen, wie die Privatisierung der Eisenbahnen abläuft und welche Veränderungen sie für die Arbeiterklasse mit sich bringt?

Abgesehen von der Produktion neuer Lokomotiven, die in die Hände des Privatsektors übergehen, werden jetzt auch die Bahnhöfe privatisiert. Ich glaube, einige Bahnhöfe in Delhi sind bereits privatisiert worden. Wenn Sie den Bahnhof betreten wollen, müssen Sie jetzt eine Einfahrtsgebühr für Ihr Fahrzeug bezahlen. Das bedeutet, dass die Leute weit weg halten werden, aber wie sollen die Leute mit dem schweren Gepäck kommen, das sie mit sich führen? Langsam werden die Menschen von diesem Verkehrsmittel verdrängt. Nur bestimmte rentable Bahnhöfe und Segmente werden erhalten bleiben.

Die Privatisierung und die Umstellung auf eine profitorientierte Eisenbahninfrastruktur wirken sich auch auf die Arbeitsbedingungen aus. Wenn man zum Beispiel Züge in Superschnellzüge umwandelt, erhöht man die Geschwindigkeit von, sagen wir, 90 Kilometern pro Stunde auf 130 Kilometer pro Stunde. Daher passierte ein Zug früher in einer Stunde 90 Zugsignale, was bedeutet, dass man jede Minute ein Signal passiert. Mit der Erhöhung der Geschwindigkeit legen Sie nun eine längere Strecke zurück. So passieren Sie pro Stunde 130 Signale, was bedeutet, dass Sie etwa alle 40 Sekunden ein Signal passieren. Dies erfordert eine höhere Konzentration des Fahrers. Der Fahrer muss immer wach sein; er darf weder ein Handy noch eine andere Ablenkung im Fahrzeug haben. Auf der anderen Seite muss der Fahrer 8 Stunden ununterbrochen arbeiten. Früher konnte ein Fahrer in einer 8-Stunden-Schicht 6 Stunden arbeiten und 2 Stunden Pause machen, oder er konnte 4 Stunden arbeiten, eine Pause machen und dann den Rest der Schicht beenden. Die Zeit zum Entspannen fällt weg, was die Wahrscheinlichkeit von Unfällen erhöhen wird.

Um sicherzustellen, dass der Fahrer nicht zu erschöpft ist, gibt es ein Pedal, das in der Nähe des Fußes des Fahrers platziert wird, und der Fahrer muss jede Minute auf dieses Pedal drücken, was an einem zentralen Kontrollpunkt registriert wird, um sicherzustellen, dass er wach und konzentriert ist. Während der gesamten Schicht darf der Fahrer nicht sitzen, sondern muss die ganze Zeit stehen und das Pedal jede Minute betätigen. Wenn der Fahrer versehentlich vergisst, das Pedal zu betätigen, wird er bestraft.

Wenn sich jedoch Unfälle ereignen, was größtenteils auf eine bröckelnde Infrastruktur, fehlende Investitionen in Sicherheitsmechanismen und eine erhöhte Arbeitsbelastung der Fahrer zurückzuführen ist, wird der Fahrer für die Unfälle verantwortlich gemacht. Sie sehen also, dass wir bereits begonnen haben, fahrerlose Lokomotiven in den Metrosystemen einzuführen. Im Namen der Sicherheit werden Arbeitnehmer entlassen.

Heute ist die Eisenbahn in Indien immer noch der größte Arbeitgeber in allen Sektoren. Aber durch den Abbau von Personal wird der Eisenbahnsektor für die Übernahme durch den Kapitalismus lukrativ gemacht. Der Staat hat den privaten Akteuren bereits erlaubt, ihre eigenen Waggons zu betreiben, der Containertransport ist nahezu privatisiert, und die meisten Dienstleistungen in den nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen wie die Reinigung der Waggons und der Bahnsteige, die Versorgung mit Lebensmitteln und dergleichen sind jetzt alle privatisiert, und die meisten von ihnen werden unter Vertrag genommen bzw. Sub-Vertrag.

Diese Untervergabe von Arbeiten führt zu einem Anstieg der Praxis der Schuldknechtschaft. So fallen beispielsweise die Gleisinstandhaltungsarbeiten in den Bereich der Vertragsarbeit. Das spielt sich folgendermaßen ab: Angenommen, ich nehme den Auftrag zur Instandhaltung eines Gleises an. Ich hole mir meine eigenen Arbeiter aus Bihar (einem der rückständigsten Bundesstaaten Indiens) oder von irgendwo anders her. Ich verpflichte mich, dem Arbeiter 12.000 Rupien für zwei oder drei Monate Arbeit zu zahlen. Als Teil der Abmachung bin ich verpflichtet, dem Arbeiter, sagen wir, 133 Rupien pro Tag zu zahlen. Ich würde aber nur 111 Rupien pro Tag für den Zeitraum von drei Monaten zahlen. Anstatt die gesamten 12.000 Rupien zu zahlen, zahle ich dem Arbeiter also am Ende 10.000 Rupien. Nach Ablauf der besagten Arbeitsperiode schicke ich den Arbeiter mit 10.000 Rupien nach Hause und sage ihm, dass er den Rest der 2.000 Rupien erst bei seiner nächsten Rückkehr erhalten wird. Die 2.000 Rupien behalte ich als Kaution, um sicherzustellen, dass der Arbeiter zurückkehrt und nicht zu einem anderen Job flieht. Das sind einige der wenigen Entwicklungen, die durch die zunehmende Privatisierung eingetreten sind.

Können Sie kurz zusammenfassen, worüber wir bisher gesprochen haben?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kapital heute auf der Suche nach neuen Bereichen für seinen Profit ist, weil es sich in einer Krise befindet. Grundstücke, Immobilien, Eisenbahnen oder die Landwirtschaft sind solche Bereiche, die es in Indien als lukrativ für seinen Einstieg empfindet. Der Dienstleistungssektor, und damit meine ich nicht nur Dienstleistungen wie die Lieferung von Lebensmitteln, ich spreche von Wasser, Elektrizität, Abfallentsorgung, Abwasserentsorgung, Bildung, Gesundheit, Versicherungen usw., das sind einige der Dienstleistungen, die jetzt für ihren Einstieg offen sind. Und diese Politik der Privatisierung und Öffnung solch wesentlicher Wirtschaftssektoren erweist sich als sehr nachteilig für die Menschen. Die Gesundheit zum Beispiel ist nach der Ernährung eine der wichtigsten Ausgaben für die Menschen. Wenn es keine öffentlichen Gesundheitseinrichtungen gibt, sind die Menschen gezwungen, in ein privates Krankenhaus zu gehen, auch wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie dort eine gute Behandlung bekommen. Aber zumindest haben die Menschen dort die Gewissheit, dass sie einen Arzt oder eine Person finden, die sich um sie kümmern kann. Doch anstatt den öffentlichen Gesundheitssektor zu stärken, indem sie ihn mit einem ausreichenden Budget ausstattet, fördert die Regierung die Privatversicherung. Sie sagt, dass man sich in jedem privaten Krankenhaus behandeln lassen kann, das normalerweise hohe Gebühren verlangt, und dass die Behandlung von der privaten Versicherung übernommen wird.

Sowohl die privaten Versicherungen als auch die privaten Krankenhäuser profitieren auf Kosten der Bürger. Sie schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Der öffentliche Gesundheitssektor wird vollständig abgebaut, und der öffentliche Versicherungssektor wird zunehmend für alle privaten Akteure, sowohl indische als auch ausländische, geöffnet.

Teil 3: Die indische kommunistische Bewegung und der Kampf für nationale Souveränität.

Wo steht die indische kommunistische Bewegung heute?

Die indische kommunistische Bewegung hat heute leider mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir als Marxistische Kommunistische Partei Indiens haben selbstkritisch geprüft und prüfen weiterhin, welche Mittel und Methoden wir anwenden müssen, um unseren Einfluss zu vergrößern. Denn erstens ist die Zeit reif und die objektiven Bedingungen sind gegeben, weil die Menschen vielen Angriffen auf ihre Lebensgrundlage ausgesetzt sind. Aber die Unzufriedenheit, die dadurch entsteht, wird von den spaltenden Kräften mit allen möglichen sektiererischen Ideologien ausgenutzt. Daher ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Menschen kommen und sich gegen die Angriffe wehren und nach einer echten Alternative suchen, und wir als Kommunisten glauben, dass wir dazu voll und ganz in der Lage sind. In dieser Hinsicht wollen wir zunächst versuchen, unsere Basis unter den jungen Menschen in diesem Land zu vergrößern. Für uns als Partei kommt ein wesentlicher Teil unserer Mitglieder aus der Arbeiterklasse, der armen Landbevölkerung und den Landarbeitern. Von der Klasse her sind wir in einer guten Position, aber vom Alter her wollen wir die Zusammensetzung der Jugend in unserem Land verbessern. Deshalb müssen wir unsere Kommunikationsstrategien ausarbeiten, um die jungen Menschen anzusprechen.

Der zweite wichtige Aspekt, mit dem wir uns heute auseinandersetzen müssen, ist die Enttäuschung, die viele empfinden, nämlich, dass es keinen Sinn hat zu kämpfen, dass es keinen Gewinn in irgendeiner Art von Kampf gibt. Wir müssen uns dieser Enttäuschung stellen. Und die materielle Basis für diese Auseinandersetzung ist bereits vorhanden. Die Kämpfe, die die Bauernschaft vor kurzem geführt hat, haben beispielsweise die Pläne zur Deregulierung des Agrarsektors vereitelt. Auch die Kämpfe in bestimmten Sektoren der Arbeiterklasse wie der Elektrizitätswirtschaft waren erfolgreich, wo sich die Elektrizitätsarbeiter den Bestrebungen der Regierung widersetzt haben, den gesamten Prozess der Produktion und Verteilung von Elektrizität vollständig zu privatisieren. Auf diese Weise gibt es jetzt einige Beispiele, mit denen wir die Menschen inspirieren können. Außerdem stellen wir fest, dass die Menschen auch die Nase voll haben von spaltender Politik. Die Menschen haben sich eine gewisse Zeit lang mitreißen lassen. Aber wir sehen zum Beispiel in mehreren Bundesstaaten, darunter Delhi, Karnataka und einigen anderen Orten, dass die Menschen, wenn es eine echte Alternative gibt, diese auch wählen.

Aber wie gesagt, die Grundkurse sind bei der kommunistischen Bewegung, und das ist eine positive Sache, die wir weiter ausbauen müssen.

Sie haben vorhin erwähnt, dass die Frage der nationalen Souveränität ein großes Thema ist. Können Sie erläutern, was Sie damit meinen? Ist die nationale Souveränität bereits erreicht?  

Nationale Souveränität bedeutet, dass das Volk vollständig in die Entscheidung über sein Heute und Morgen eingebunden ist. Die Souveränität liegt beim Volk, sie ist kein abstraktes Konzept des Staates, sondern sie liegt beim Volk. Das Volk wird nur dann in der Lage sein, seine Souveränität auszuüben, wenn ihm bestimmte Mindestgrundlagen vermittelt werden, z. B. das Wissen, eine Situation mit Verstand zu beurteilen, zu analysieren und zu verstehen. Das wiederum bedeutet, dass Ihr Bildungssystem demokratisiert sein sollte, dass es für jeden zugänglich sein sollte, dass es wissenschaftlich genug ist und dass es eine sichere Zukunft garantiert. Das ist nicht das Bildungssystem, das wir heute haben und das wir nie hatten. Dann bedeutet es auch, dass wir als Volk mit anderen externen Mächten auf Augenhöhe umgehen, das ist nicht der Fall. Darüber hinaus wird das indische Volk nie an den Entscheidungen beteiligt, die die Regierung in seinem Namen trifft, wenn sie über diese Politiken entscheidet. Die indische Bevölkerung wurde von der Regierung nie konsultiert, als sie diese neoliberale Politik verfolgen wollte. Das Volk wurde von Nehru (dem ersten Premierminister) nie konsultiert, als er entscheiden wollte, welchem Fünfjahresplan und welchen Aspekten der Wirtschaft Vorrang eingeräumt werden sollte. All diese Dinge wurden im Namen des Volkes getan, aber das Volk wurde nie wirklich in all diese Entscheidungen einbezogen. In diesem Sinne können wir nicht sagen, dass wir die Souveränität erlangt haben. Wir waren dabei, als Land wirklich souverän zu werden, aber die Erlangung der Souveränität ist immer noch eine Reise, die wir fortsetzen müssen.

Kommen wir nun zu der konkreten Strategie und Taktik der CPIM. Wenn man sieht, wie sehr die Imperialisten und die indische Bourgeoisie bei ihren Versuchen, in jeden Sektor der indischen Wirtschaft vorzudringen, zusammenarbeiten, entsteht in der indischen kommunistischen Bewegung das Argument, dass der Kampf gegen den Imperialismus und der Kampf gegen unsere eigene Bourgeoisie zu ein und derselben Sache werden.

Wieder eine Missachtung der Stärke der indischen Bourgeoisie. Als der US-Botschafter sich zu den aktuellen Unruhen in Manipur äußerte, war es die Kongresspartei, die scharf darauf reagierte. Sie kritisierte, dass er kein Recht habe, sich in die inneren Angelegenheiten Indiens einzumischen. Dies ist nicht nur eine politische Äußerung, sondern auch eine Äußerung der gesamten Bourgeoisie, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Der Kongress hat sich zwar nicht aktiv gegen die Korporatisierung der indischen Landwirtschaft durch die drei von der Modi-Regierung eingebrachten Landwirtschaftsgesetze gewehrt, aber in Wirklichkeit war der Kongress dagegen. Dies ist ein wichtiger Punkt, den wir im Auge behalten müssen: Die Kongresspartei vertritt einen bestimmten Teil der indischen Bourgeoisie und der Grundbesitzerklasse, deren Interessen nicht mit denen der Imperialisten übereinstimmen.

Selbst innerhalb der BJP [Bharatiya Janata Party, dt. „Indische Volkspartei“. Aktuell seit 2014 Regierungspartei unter Premierminister Narendra Modi.] gibt es prominente Mitglieder, die sich gegen diese Landwirtschaftsgesetze ausgesprochen haben, denn die BJP vertritt auch jene Teile der herrschenden Klasse, die gegen die Veränderungen im Agrarsektor waren. Wir können also nicht einfach sagen, dass der Widerspruch zwischen Großgrundbesitzern und Kapitalismus in Indien nicht mehr existiert oder dass der Widerspruch zwischen der indischen Bourgeoisie und den USA/Imperialismus nicht mehr existiert. Diese Widersprüche existieren auch heute noch, sie kommen auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck, und wenn sie zum Ausdruck kommen, müssen wir sie nutzen. Wenn wir uns weigern, diese Widersprüche anzuerkennen, würde das bedeuten, dass wir uns im Kampf gegen den Imperialismus isolieren. Wir wollen uns nicht isolieren; wir wollen so viel Unterstützung wie möglich für unseren Kampf gegen den Imperialismus mobilisieren. Das heißt aber nicht, dass wir die Großbourgeoisie nicht durchschauen. Wir wissen, dass sie in ihrem Kampf nicht ehrlich sind und Kompromisse mit den Imperialisten eingehen werden. Wir müssen auch die Kleinbourgeoisie oder die Bourgeoisie mobilisieren, die aufgrund der imperialistischen Durchdringung in Indien den Kürzeren zieht. 

Seit COVID haben beispielsweise viele KKMU (Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen) aufgrund von Verlusten geschlossen, und die Regierung ist nicht bereit, sie zu unterstützen. Daher kämpfen diese Teile der Bourgeoisie gegen die Regierung und fordern von ihr Zugeständnisse. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die kleinere Bourgeoisie bereit ist, die Monopolbourgeoisie in Frage zu stellen und ihr entgegenzutreten. Es ist also unsere Aufgabe, sie in diesem Kampf zu mobilisieren.

Selbst für die Monopolbourgeoisie gibt es starke Widersprüche. So wird beispielsweise der Eintritt ausländischen Kapitals in den Versicherungssektor und andere Einzelhandelssektoren von der Monopolbourgeoisie nicht ohne weiteres akzeptiert. Warum haben wir hier in Indien keinen Walmart? Weil die Großbourgeoisie Walmart nicht in Indien haben will. Warum hat Amazon so viele Probleme mit dem indischen Staat? Weil Reliance (ein großer Konzern) mit der Existenz von Amazon nicht einverstanden ist. Reliance-Jio will den Online-Einzelhandelsmarkt erobern, in den Amazon einsteigen will. Es gibt also diese Widersprüche, die wir erkennen und akzeptieren müssen.

Würden Sie also sagen, dass es Momente gibt, in denen die Interessen der indischen Arbeiterklasse mit den Interessen der indischen Bourgeoisie übereinstimmen?

Nein, sie stehen nicht im Einklang mit den Interessen der indischen Bourgeoisie. Wenn sie sagen, dass sie den Kampf der Arbeiterklasse gegen den Eintritt des ausländischen Kapitals unterstützen wollen, begrüßen wir ihre Unterstützung. Das ist etwas anderes als eine Angleichung. Bündelung bedeutet, dass wir der Bourgeoisie die Führungsrolle überlassen, und wir beteiligen uns daran. Nein, das wollen wir nicht, denn wir haben während des indischen Freiheitskampfes gesehen, dass die indische Bourgeoisie, die den Kampf anführte, ihn nicht zu Ende geführt hat. Wir wollen heute nicht die Führung im Kampf gegen den Imperialismus abgeben. Der Kampf wird heute unter indischen Bedingungen von der Arbeiterklasse geführt werden, wir würden die Bourgeoisie begrüßen, wenn sie bereit ist, uns zu unterstützen.

Was meinen Sie damit, dass der Kampf nicht zu seinem logischen Ende geführt wird?

Wir als CPIM haben die indische Nationalbewegung (den Freiheitskampf) als die erste Etappe unserer Revolution bezeichnet, weil wir sagten, dass es sich um einen Kampf gegen den Kolonialismus und die Kolonialherren handelte, in dem es einen Widerspruch zwischen den Kolonialmächten und Indien gab. In dieser Phase des Kampfes waren die indische Bourgeoisie und alle anderen Klassen in Indien, einschließlich der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der Landarbeiter, alle beteiligt. Wir konkurrierten im Namen der Arbeiterklasse mit der Bourgeoisie um die Führung dieses Kampfes, aber die Bourgeoisie konnte die Führung übernehmen. Sie war in der Lage, die Partei zu werden, die die Unabhängigkeit errungen hatte. Aber unsere Idee ist, dass wir jetzt, da die Kolonialmächte verschwunden sind, gegen die Großbourgeoisie kämpfen müssen – gegen den Landbesitzerstaat, der mit dem Imperialismus Kompromisse eingeht oder kollaboriert. Dies ist die zweite Phase unserer Strategie, in der wir gegen den Imperialismus, die Großbourgeoisie und den Gutsherren kämpfen müssen.

Wer wird der Anführer im Kampf gegen diese Kräfte sein?

Die Anführer werden die Arbeiterklasse sein, zusammen mit den Landarbeitern und den armen Bauern. Dies wird der Kern sein, und wir erwarten, dass sich die Mittelklasse aufgrund der Stärke der Kämpfe dieser Klassen um diese Sektion scharen wird, da die Interessen der Mittelklasse meistens mit diesen Sektionen verbündet sind und sie sich ihnen anschließen werden. Mit dieser erweiterten Front wollen wir die reiche Bauernschaft neutralisieren, wir wollen nicht, dass sich die reiche Bauernschaft den Grundbesitzern und der Bourgeoisie anschließt, wir wollen sie neutralisieren. Wenn sie bereit sind, sich dem Kampf anzuschließen, sind sie willkommen, aber sie sollten neutral bleiben. Das ist die Strategie, die wir in dieser Phase, die wir die volksdemokratische Phase der Revolution nennen, verfolgen.

In dieser Phase richtet sich der Kampf nicht gegen die gesamte Bourgeoisie und die gesamte Bauernschaft. Unser Kampf richtet sich auch nicht gegen das gesamte Privateigentum, da die Bauernschaft Privateigentum besitzt. Mit der verbreiterten Front richtet sich unser Hauptkampf gegen die Großgrundbesitzer und das Monopolkapital. Dabei werden wir keinen Großgrundbesitz zulassen. Eine wichtige Rolle wird der Staat spielen, der das Kapital verstaatlichen wird, wobei das verstaatlichte Eigentum des Staates von den Arbeitern verwaltet werden wird. Das ist unsere Vorstellung von der demokratischen Volksrevolution. Davon ausgehend wollen wir zum Sozialismus übergehen, in dem es kein Privateigentum mehr geben wird. Das ist die logische Schlussfolgerung. Wir haben die erste Etappe der indischen Revolution abgeschlossen, zwei weitere Etappen liegen noch vor uns.

Indien nimmt heute geopolitisch eine kritische Position ein. Was bedeutet das für die CPIM in ihrem Kampf gegen den Imperialismus?

Für uns als Kommunisten in Indien können wir in aller Bescheidenheit sagen, dass wir die größte kommunistische Partei in Indien sind. Aber die Verantwortung, obwohl wir die größte Partei im Lande sind, ist enorm, denn gemessen an der Bevölkerung unseres Landes sind wir immer noch eine kleine Kraft. Wir wollen in diesem Land wachsen und das ist heute in unserem Land eine Notwendigkeit. Angesichts der strategischen Bedeutung, die Indien heute in der globalen Arena hat, wenn die kommunistische Bewegung in Indien gestärkt wird, denken wir, dass als logische Folge davon auch die antiimperialistischen Gefühle im indischen Volk gestärkt werden, was ein wichtiger Beitrag der indischen Kommunisten im weltweiten Kampf gegen den Imperialismus sein wird. Wir denken, dass dies gegenwärtig eine viel wichtigere Aufgabe für die indischen Kommunisten ist, die sie erfüllen müssen.

Wie ist die Stimmung der indischen Massen in Bezug auf den Kampf für nationale Souveränität oder den Kampf gegen den Imperialismus?

Wir sind der Meinung, dass trotz der Schwächen, in denen sich die Vereinigten Staaten heute befinden, sei es wirtschaftlich oder politisch, das Verhältnis der Klassenkräfte immer noch zugunsten des Imperialismus ist. Die antiimperialistische Stimmung, die das Erbe des Freiheitskampfes war, verblasst langsam, da wir die Generation, die diesen Kampf geführt hat, langsam verlieren. Die Zeitspanne beträgt nun 75 Jahre. Für die neue Generation gibt es keine Verbindung mehr zu der Generation, die gegen den Kolonialismus gekämpft hat und eine antiimperialistische Ideologie hatte. Jetzt ist es eine völlig neue Generation, die in einer neoliberalen Ordnung geboren und aufgewachsen ist. In der Amerika als ein engerer Verbündeter angesehen wird als jeder andere. In einer solchen Situation ist es eine wirklich schwierige Aufgabe für uns. Aber wir haben konkrete Schritte unternommen, um verschiedene Lücken zu schließen. Im Jahr 2015 haben wir drei Studiengruppen gebildet, um verschiedene Aspekte des Neoliberalismus zu untersuchen. Die erste Studiengruppe befasste sich mit den landwirtschaftlichen Verhältnissen auf dem Land, die zweite mit den Veränderungen am Arbeitsplatz. Und die dritte befasste sich mit der Urbanisierung und der städtischen Mittelschicht. So untersuchte die erste Gruppe die Bauernschaft, die zweite die Arbeiterklasse und die dritte die Mittelschicht.

Und als Ergebnis dieser Studien sind wir zu bestimmten Schlussfolgerungen darüber gekommen, welche Veränderungen stattfinden, wie sich die Art der Arbeit verändert und wie sich die Gewerkschaftsbewegung an diese Veränderungen anpassen muss. Aus diesem Grund versuchen wir jetzt, die Gig-Arbeiter zu organisieren, deren Arbeitsplatz nicht die traditionelle Fabrikhalle ist, sondern verstreut liegt. Wir arbeiten also daran, neue Ansätze für die Gewerkschaftsbewegung zu entwickeln, um sich an die neuen Umstände anzupassen.

In ähnlicher Weise, und das ist sehr wichtig, versuchen wir, der Jugend, die in einer völlig fremden Atmosphäre geboren und aufgewachsen ist, in der sie nichts mit dem Freiheitskampf zu tun hat, die Ideen des Freiheitskampfes zu vermitteln. Die Geschichte des indischen Freiheitskampfes ist das gesamte Terrain, auf dem die BJP heute kämpft. Die BJP will diesen Teil unserer Geschichte auslöschen, weil sie im Freiheitskampf keine Rolle gespielt hat. Wir hingegen wollen, dass der Freiheitskampf zu einem wichtigen Studienbereich der indischen Geschichte wird, denn hier können wir den Studenten von heute Antiimperialismus und Antikolonialismus beibringen und ihnen zeigen, wie eine frühere Generation von Menschen für eine bessere Gesellschaft gekämpft hat.

Können Sie von den Erfahrungen der kommunistischen Bewegung in Indien berichten, was ihre Bemühungen angeht, die Praxis der echten Souveränität zu vermitteln?

Zurzeit haben wir unsere Regierung in Kerala. Bevor wir über politische Maßnahmen entscheiden, versuchen wir, die Entscheidungsfindung so weit wie möglich zu dezentralisieren, soweit es die Verfassung zulässt. Wir versuchen, auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen über die Probleme zu sprechen, mit denen sie konfrontiert sind, und darüber, wie die Regierung ihre Politik gestalten soll, um die von ihnen vorgebrachten Anliegen anzugehen. Seit wir in Kerala an der Macht sind, haben wir zum Beispiel mindestens dreimal alle Häuser dort besucht, mit den Menschen gesprochen, sie nach ihren Problemen gefragt und versucht, sie auf diese Weise an der Regierung zu beteiligen. Die kommunistische Bewegung in Indien versucht, sich an solchen Entscheidungsprozessen zu beteiligen, um den indischen Massen die wahre Bedeutung von Souveränität und Demokratie zu vermitteln.

Dann haben wir das Beispiel des Kampfes der Bauern. Wie wurden die Entscheidungen während des Kampfes getroffen? Die Entscheidungen wurden nicht von der Führung getroffen, sondern auf den Versammlungen der Menschen, die an den Grenzen versammelt waren und über die Diskussionen mit der Regierung informiert wurden. Die Meinungen der Menschen wurden aufgenommen und angehört, und dann setzte sich die Führung zusammen und formulierte die Vorschläge, zu denen die Menschen erneut befragt wurden. Erst dann wurde eine bestimmte Entscheidung an die Regierung weitergeleitet. Dies ist wiederum ein Ausdruck der Souveränität der Menschen durch demokratische Beteiligung.

Das ist etwas, das wir in die Art und Weise, wie unsere Organisationen Kämpfe führen, besser einbeziehen wollen. Derzeit führen wir viele Studien durch, wir haben Ausschüsse, die sich treffen und nach Konsultationen Entscheidungen treffen. Aber wir wollen diese Prozesse weiter verbessern, so dass die Arbeiter auch das Gefühl haben, dass sie Teil der Entscheidungsfindung sind. So sind sie nicht nur Ausführende der Entscheidungen, sondern werden auch Teil der Entscheidungen, die von allen umgesetzt werden. Wir glauben, dass diese Ausbildung nützlich sein wird, wenn wir die Regierung mit verschiedenen Themen konfrontieren, damit wir sagen können, dass wir uns auf der Grundlage des demokratischen Prozesses gegen eine bestimmte Politik wenden.

Dann haben wir ein entferntes Beispiel, zum Beispiel in Kuba. Kuba hat vor kurzem ein Familiengesetz verabschiedet, zu dem mehr als eine Million Menschen der Regierung schriftlich ihre Vorschläge unterbreitet haben. Viele weitere Millionen nahmen an den Diskussionen teil, die in den Stadtvierteln und über verschiedene Plattformen geführt wurden. Auf der Grundlage dieser Vorschläge wurde von der Regierung zunächst ein Entwurf ausgearbeitet und erneut an die Bevölkerung gesandt. Auf der Grundlage dieses Entwurfs wurde dann eine weitere Diskussion geführt, und auf der Grundlage dieser Diskussion setzte sich das Parlament erneut zusammen, formulierte ein Gesetz und brachte dieses Gesetz zur Volksabstimmung ein.

Das ist ein Beispiel, das wir hier verwenden, wenn wir über Demokratie und Souveränität sprechen und darüber, wie sie funktionieren sollte. Aber so etwas ist nur in einem sozialistischen System möglich. Deshalb versuchen wir, das Bewusstsein der Menschen in diesen Fragen zu schärfen, eine nach der anderen.

»Die weißen Herrscher wurden gegen schwarze Herrscher getauscht«

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Beitrag aus der Zeitung zum Kommunismus Kongress 2023


Anfang Mai sprachen wir mit Booker Omole, dem Vizepräsidenten der Kommunistischen Partei Kenias über die Geschichte des (Neo-) Kolonialismus in Kenia, die nationale Entwicklung und Machtkämpfe zwischen USA und Großbritannien, sowie die Rolle Chinas im Land. Ein kleiner Ausschnitt des Interviews ist hier übersetzt.

Könntest du uns erklären, wie sich das neokoloniale System bzw. die Unabhängigkeit in Kenia entwickelt hat?

Ich würde sagen, dass der neokoloniale Staat seine Angriffe in den letzten Jahren nur perfektioniert hat, aber seit der Unabhängigkeit 1963 existiert. Die Taktik vieler politischer Kräfte in Afrika hat sich kaum verändert. Aus Perspektive der Kommunistischen Partei Kenias (CPK) ordnen wir unser Land nicht als unabhängig ein. Die CPK hat deshalb drei Säulen ihrer Arbeit: Die erste ist, für eine vollständige Unabhängigkeit und Souveränität zu kämpfen. Zweitens, die Bewahrung des Vermächtnisses von Befreiungshelden wie Dedan Kimathi, der kein Kommunist, sondern ein progressiver Nationalist war. Und schließlich der Kampf für den Sozialismus. Das sind also die drei wesentlichen Elemente unserer Partei.

Die Briten wollten Kenia nicht mit einer Demütigung und Niederlage verlassen. Also wollten sie die Unabhängigkeit aushandeln, um die Interessen der weißen Minderheit, der Großgrundbesitzer, zu wahren. Das war der zentrale Grund, warum sie damals verhandelten. Man muss bedenken, dass der Kampf 1963 bereits bipolar war, es gab Leute, die bereits mit der UdSSR verbündet waren. […]

Die progressiven Nationalisten weigerten sich, sich an die Briten zu verkaufen. Sie sagten, die Briten müssten weg. Das Land muss der Mehrheit des Volkes gehören, denn im Zentrum des Kampfes stand die Frage von Land und Arbeit. Dedan Kimathi weigerte sich, selbst als ihm die Möglichkeit der Führung und eine Amnestie angeboten wurden. Er blieb dabei, dass die Briten das gesamte Land, das sie dem kenianischen Volk geraubt hatten, abtreten müssten. Also töteten sie ihn. […]

Was sind die Taktiken des Neokolonialismus? Die neokoloniale Regierung ist nur eine Fortsetzung der kolonialen Regierung und ihrer Instrumente. Zuerst gab es eine Diskussion, die Taktik zu ändern. Aber dann wurden die weißen Herrscher gegen schwarze Herrscher getauscht und sie anhand von Stammeszugehörigkeiten gespalten. Es gab die Fehlannahme, dass wir den weißen Mann angreifen, weil er weiß ist, aber das war nie das Thema. […]

Aber der neokoloniale Staat als Fortsetzung der politischen Herrschaft hatte auch einen wirtschaftlichen Charakter, denn das Wichtigste war, Reichtum aus Afrika, Reichtum aus Kenia zu gewinnen. Alles andere in diesem Überbau, was die Politik und den Rassismus anbelangt, war also nur etwas, um eine noch gefährlichere wirtschaftliche Unterdrückung zu verbergen, die sich noch verstärken sollte. Traurigerweise gibt es immer noch weiße britische Großgrundbesitzer, die sich seit der Unabhängigkeit verstecken und ihr gestohlenes Land behalten. Und der größte von ihnen tötet weiterhin Arbeiter in unserem Land und heißt Finlay. Er ist der größte Exporteur von Tee, Kaffee und Blumen und betreibt das, was die CPK als moderne Sklaverei bezeichnet. Das ist typisch für ein neokoloniales System: Die Wirtschaft des eigenen Landes wird reduziert und in den Dienst der Länder der Metropole gestellt. Das wurde getan, denn alle unwürdigen Arbeiten werden in Kenia erledigt, und alle würdigen Arbeiten werden im Ausland erledigt. […]

In diesen Plantagenunternehmen gibt es keine lokalen Regelungen, die sicherstellen, dass die Verarbeitung oder Wertschöpfung im eigenen Land erfolgt. Das bedeutet, dass die gesamte kenianische Wirtschaft und das Plantagensegment auf einen Rohstoffexporteur reduziert wurde. Das kann die Industrialisierung nicht aufrechterhalten. Auch wenn Schwarze an der Macht sind, wird sichergestellt, dass alle Industrien, die ihre Materialien verarbeiten im Westen liegen. Hauptsächlich bei den Briten zu dieser Zeit. Sogar im Dienstleistungssektor, wie dem Tourismus, der hauptsächlich für die britische, privilegierte Klasse gemacht wurde, fanden sie einen Weg, sicherzugehen, dass alle Tourunternehmen im Westen operieren und all die Zahlungen der Touristen dort gemacht werden. Die Touristen kamen nur noch mit Trinkgeld für die Fahrer, alles andere wurde im Ausland bezahlt. […]

Vielleicht kann ich kurz den Aspekt des Wettbewerbs zwischen den USA und den Briten hervorheben, denn es gab einen Moment, in dem die britische Vorherrschaft in unserem Land bedroht war. Erinnern Sie sich: Jomo Kenyatta wurde von den Briten von Herzen unterstützt. Das britische Empire hatte sogar das, was wir Batuk nennen, die britische Armee, geschaffen, um sich gegen die Mau Mau oder andere Kommunisten zu schützen, die sie zu jener Zeit stürzen wollten. Damals finanzierten die Vereinigten Staaten bereits eine Offensive, um auch in Kenia den Durchbruch zu schaffen. Und dafür wollten sie den Kenianern Demokratie verkaufen. Sie kamen nach Kenia und sagten, dass die Briten eine Einparteiendiktatur unterstützten. Und jetzt braucht Kenia die Demokratie. Wir wollen Kenia demokratisieren. Das geschah in den frühen achtziger Jahren. Was im Grunde genommen geschah, war der Kampf der Briten für die „Demokratie“ in Kenia. Sie hatten so viele Oppositionsführer, die dies als Gelegenheit sahen, ihre politischen Parteien zu gründen. Aber dieser Kampf für die Demokratie in Kenia war kein Kampf für die Demokratie. Es war ein Kampf für die Demokratie unter den kapitalistischen politischen Parteien, denn sie sorgten dafür, dass Kommunismus weiterhin illegal war. Es war also nur Demokratie, solange keine kommunistische Organisation zugelassen wurde. Auf diese Weise wurde die Einparteiendiktatur besiegt und die Mehrparteiendemokratie wieder eingeführt, für die kapitalistischen politischen Parteien. Die USA gewannen den Krieg um die Vorherrschaft in der kenianischen Politik vor allem 1982 bis 1990. Es gibt eine wirtschaftliche Entsprechung dazu. Das war der Eintritt des IWF und der Weltbank, und das war auch der Höhepunkt dieses Angriffs, der damals das so genannte Experiment der Weltbank war, nämlich die SAPs (social adjustment programmes). Was geschah, war, dass sie uns durch die Politik Washingtons dazu zwangen, alle unsere Industrien zu schließen und sie in den Dienst des Kapitals zu stellen. Und das war die Politik der Privatisierung. So überlebten nur einige britische Unternehmen, aber auch die einheimischen Unternehmen wurden aufgekauft, und die amerikanischen multinationalen Konzerne kamen in unser Land, und die Strukturanpassungspläne sind uns noch gut in Erinnerung. Wenn sich die Vereinigten Staaten fragen, wieso sie in Kenia verhasst sind, das ist der Grund. Vor allem bei Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, die Menschen, die ihre Eltern verloren haben. Unser Gesundheitssystem ist wegen der Privatisierung völlig zusammengebrochen. Auch die illegalen Schulden begannen sich zu dieser Zeit anzuhäufen. Das ging also bis 1990 so weiter. […]

Sie können sehen, wie viele Reisen der Präsident seit seiner Wahl nach Washington unternommen hat. Und jetzt spricht er über das, was er die Wiedereröffnung nennt, Obama hat es auch in unserem Land versucht: Das AGOA-Programm. Dabei werden Sonderwirtschaftszonen geschaffen, in die amerikanische multinationale Unternehmen kommen und Dinge produzieren, und sie verhandeln über subventionierten Strom. Sie bekommen subventioniertes Wasser, sie bekommen Steuererleichterungen für 30 Jahre und mehr. Sie setzen alle Arbeitsrechte aus, im Namen der Schaffung von Arbeitsplätzen für die Menschen. Aber in Wirklichkeit ist es die totale Sklaverei. Jetzt haben wir eine Rückkehr dieser Politik erlebt, weil Präsident Ruto den armen Menschen versprochen hat, dass er Arbeitsplätze schaffen will. Eines der Dinge, die er mit seinen amerikanischen Brüdern plant, ist die Vermehrung dieser Arbeitslager, um die kenianische Wirtschaft weiter auszusaugen. Auf diese Weise beherrscht uns das neokoloniale System auch heute noch. […]

Kannst du etwas darüber sagen, inwiefern sich eine nationale Bourgeoisie in Abgrenzung zur Kompradorenbourgeoisie entwickelt hat, wie die Kräfteverhältnisse und Abhängigkeit zu den alten Kolonialmächten und der USA sind?

Der Widerspruch zwischen der nationalen Bourgeoisie und der internationalen Bourgeoisie ist in der neokolonialen Umgebung noch schärfer. Denn die internationalen Budgets, das sind vor allem die multinationalen Konzerne, die von ihren Regierungen unterstützt werden, wollen nicht, dass überhaupt etwas produziert wird. Für sie muss jede Produktion, jede Herstellung außerhalb des Landes stattfinden, in dem die Rohstoffe gewonnen werden. Das ist ein starker Widerspruch, der zwischen der nationalen Bourgeoisie und der internationalen Bourgeoisie besteht. Die nationale Bourgeoisie hat in Kenia um ihre Entwicklung gekämpft. Die Angriffe auf sie sind sogar noch aggressiver geworden. Manchmal haben wir gemeinsam gekämpft. Vor allem aufgrund unserer Idee, dass wir die Industrie vor Ort entwickeln müssen. Während der Mwai Kibaki Regierung gab es eine große Kampagne unter dem Dach der nationalen Bourgeoisie „Kauf kenianisch, baue kenianisch“. Sie zwangen die damalige Kibaki Regierung, eine Politik zur Sicherung der Produktion in Kenia zu schaffen. Kibaki war Wirtschaftswissenschaftler und die Regierung war eine Zeit lang sehr am Aufbau des Landes interessiert, denn sogar Kibaki selbst war damals Teil der nationalen Bourgeoisie. Sogar die Ölimporteure und die Ölvermarkter waren in Schwierigkeiten, weil sie gezwungen waren, Öl von der nationalen Ölraffinerie zu kaufen. Auch die Leute, die Zucker importieren, bekamen Probleme, weil sie sagten, die Zuckerindustrie sei teuer. Sie wollten importieren aber das war die Kompradorenbourgeoisie mit der internationalen Bourgeoisie, die billigen Zucker einführen wollten, statt ihn zu produzieren. Das hat es also gegeben. Aber für den Moment glaube ich, dass sie den Krieg verloren haben und beschlossen haben, dass sie ihre Unternehmen öffnen werden, um teilweise von der internationalen Bourgeoisie durch ihre Kompradorenklasse in Kenia aufgekauft zu werden. Die größte nationale Bourgeoisie, die wir je in unserem Land hatten, war asiatischen Ursprungs, es war der Managementbereich. Ein Teil dieser Unternehmen wurde an multinationale Konzerne verkauft, und das hauptsächlich, um zu überleben, weil die lokalen Unternehmen durch die Aktien den Charakter der internationalen Unternehmen annahmen. Das war also der Kampf zwischen der nationalen Bourgeoisie und der Kompradorenklasse, die wir haben. Leider ist es der nationalen Bourgeoisie in der Geschichte unseres Kampfes nur ein einziges Mal gelungen, die Macht zu übernehmen, und zwar 2002 unter Mwai Kibaki. Die ganze Zeit über war die Kompradorenklasse diejenige, die die kenianische Wirtschaft verwaltet hat, auch jetzt noch.

Seit Anfang der 2000er wurde China ein wichtigerer Handelspartner für China. Es gibt große Debatten in der kommunistischen und linken Bewegung über Chinas Rolle in der Welt, wie ist die Perspektive der CPK?

Die Ankunft des chinesischen Kapitals in Afrika wurde sowohl von den Progressiven als auch von den Reaktionären begrüßt. Sie verspürten ein Gefühl der Freiheit. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnten sie mit der Weltbank verhandeln und ihr sagen, sie solle zur Hölle fahren. Zum ersten Mal werden sie dem IWF sagen: Wir wollen nicht, dass ihr euch in unsere Innenpolitik einmischt. Und sie werden nach China gehen, und China wird Geld in die Entwicklung der Infrastruktur investieren. In den letzten zehn Jahren, besonders in Nairobi hat sich die Infrastruktur extrem verbessert. Was ist mit den Verträgen, die vor 30, 40 Jahren mit amerikanischen multinationalen Unternehmen unterzeichnet wurden? Die machen immer noch Machbarkeitsstudien. Kein Stein steht nach vierzig Jahren. Und jetzt sehen wir, wie chinesisches Geld in Afrika Menschen aus extremer Armut befreit. Ich erinnere mich, dass 1999, als Kenia sich in einer schwierigen Situation befand, die politischen Führer versuchten, mit der Weltbank über unsere Kreditbedingungen zu verhandeln. Man hat ihnen nicht zugehört. Sie wurden verspottet und man sagte ihnen, ihr könnt eure Wirtschaft nicht führen. Wir haben gesehen, dass die chinesische Regierung gegenüber Afrika eine Politik der Freundschaft verfolgt.

Vom Antiimperialismus zum Sozialismus? Internationale Strategien der Arbeiterklasse

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Wir spiegeln hier die Kurzbeiträge der Teilnehmer des Podiums II des Kommunismus-Kongresses 2023, die in der Zeitung zum Kongress veröffentlicht wurden.


Podium II: Samstag 07.10.23, 18:30 Uhr

Joti Brar, Pawel Wargan, Renate Koppe, Willi Langthaler

Auf dem Podium wollen wir darüber diskutieren, wo in einer Zeit, in der alles auf einen erneuten großen Krieg hindeutet, die Linien unseres Kampfes liegen, d.h. wie wir Gegner und potenzielle Bündniskräfte bestimmen und wie wir unter diesen Bedingungen einen Kampf für den Sozialismus führen können. Wir haben Kurzbeiträge von unseren vier Referenten zu folgenden Fragen erbeten:

Welche Bedeutung hat der aktive Kampf um nationale Souveränität vieler Länder der sogenannten Dritten Welt für den Kampf um den Sozialismus in der gegenwärtigen Kampfetappe der weltweiten Arbeiterklasse? Wie kann der Kampf gegen die imperialistische Ordnung der USA in einen Kampf für den Sozialismus geführt werden und welche Rolle können Russland und China dabei spielen?


»Der Kapitalismus-Imperialismus ist um die USA organisiert«

Willi Langthaler ist Sprecher der Antiimperialistischen Koordination (AIK) in Österreich und Autor: „Ami go home“ (2004), „Befreiung weltweit“ (2010), „Europa zerbricht am Euro“ (2016).

Das siegreiche US-Empire hat die Form der Globalisierung angenommen; teils weil seine Dominanz so überwältigend war, dass sie niemanden zu fürchten hatten; teils zum Zweck der Integration der ehemaligen Gegner, überwiegend auf der Basis des Linksliberalismus.

Der antiimperialistische Widerstand flutete zwar zurück, kam aber nie zum Erliegen.

Es ist kein Zufall, dass die Palästinenser (auch symbolisch) dessen Speerspitze bildeten. Denn der Zionismus setzte den alten Nationalismus ungebrochen fort und zeigte sich auch zu keinerlei integrativer Tarnung bereit (siehe Oslo).

Die Globalisierung versuchte jegliche dem westlichen Kapital gesetzte Schranken niederzureißen, insbesondere jene der gegen den Kolonialismus erkämpften Nationalstaaten, die bei aller Verselbständigung der Eliten dennoch auch die Interessen der Volksmassen reflektieren mussten. Daher bleibt die nationale Souveränität gegen den Imperialismus insbesondere im globalen Süden ein entscheidendes Ziel und Werkzeug des Widerstands und Voraussetzung der Befreiung und Entwicklung.

Doch selbst im Westen erlangt die nationale Souveränität zunehmend an Bedeutung. Hatte der Klassenkompromiss nach dem Zweiten Weltkrieg auch die relative nationale Souveränität zumal kleiner Völker bedeutet, so hat die EU eine supranationale Diktatur des Kapitals mit dem Ziel der Zerstörung der sozialen und politischen Errungenschaften unter Führung der USA (manchmal loser, zuletzt im Krieg gegen Russland ganz eng) etabliert.

Die Befreiung Griechenlands vom Joch des Neoliberalismus wäre nur mit dem Bruch mit Brüssel möglich gewesen. Die Herstellung der nationalen Souveränität hätte unmittelbar darauf protosozialistische Maßnahmen erfordert.

Österreich wiederum ist einer der Kleinstaaten, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch den gewährten Spielraum (vor allem die Neutralität) zur vollen Nation wurden. Mit dem Beitritt zur EU wurde der Neoliberalismus einzementiert und die sozialen Errungenschaften demontiert. Die Eliten, die Teil der globalen Herrschaft sind, versuchen uns möglichst weit an die NATO heranzuführen und in den Krieg gegen Russland hineinzuzwingen. Ein demokratisches, neutrales, selbstbestimmtes Österreich ist das Gebot der Stunde.

Aber selbst für das imperialistische Kernland BRD ist die Forderung nach Austritt aus der NATO/EU, der engen gleichberechtigten Kooperation mit Russland und China und einem neutralen Status, so wie ihn die UdSSR seinerzeit vorgeschlagen hatte, eine progressive Forderung.

Russland und China hatten versucht, sich im Rahmen der kapitalistischen Globalisierung zu entwickeln. Russland ist daran gescheitert, weil Washington dem Kreml nicht traute. China ist in sensationeller Weise gelungen, was das ganze 20. Jahrhundert gescheitert war, nämlich periphere Entwicklung durch Kapitalismus (natürlich nur unter Missachtung der neoliberalen Gebote). Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Das US-Reich verlangt vollständige Unterordnung und wird dafür alle Mittel einsetzen.

Die Rede von den innerimperialistischen Widersprüchen ist irreführend. Der Kapitalismus-Imperialismus ist um die USA organisiert. Keine Macht ist nur annähernd dazu fähig, Washington zu ersetzen. Das ist auch kein gradueller Prozess. Um das Zentrum zu besiegen, wird es die Beteiligung der Volksmassen brauchen – was man ex negativo auch im Krieg um die Ukraine sieht. Die Schwächung der USA, eine multipolare Ordnung, ist keineswegs gleichbedeutend mit Gerechtigkeit oder gar Sozialismus. Sie eröffnet aber qualitativ mehr Spielräume. Nicht nur für den Widerstand, sondern auch für das Projekt der Emanzipation.

Vom Sozialismus sind wir gegenwärtig weit entfernt und noch ist die Niederlage nicht aufgearbeitet, auch nicht intellektuell. Doch die neosozialistische Aufgabenstellung wird schneller kommen als wir denken, denn mit dem Niedergang des US-Empires werden die Kämpfe der unteren Klassen und unterdrückten Nationen einen enormen Aufschwung finden. Dass sie sich nicht gegeneinander richten (siehe zuletzt Irak), ist eine der antiimperialistischen Aufgaben, die auch den Weg zum Sozialismus bereiten.

Befreiung von neokolonialer Abhängigkeit ist Voraussetzung für sozialistische Veränderung

Renate Koppe ist internationale Sekretärin der DKP, nimmt am Internationalen Treffen der Kommunistischen und Arbeiterparteien teil (IMCWP) und war vor kurzem mit einer weltweiten Delegation in China.

Kampf um nationale Souveränität hat für neokolonial (oder auch kolonial) vom Imperialismus abhängige Länder eine große Bedeutung. Der Klassenkampf läuft zu einem entscheidenden Teil im nationalen Rahmen ab. Die Veränderung von Kräfteverhältnissen und die Durchsetzung fortschrittlicher, antikapitalistischer bis hin zu sozialistischen Veränderungen erfordert Möglichkeiten zu deren Umsetzung innerhalb des jeweiligen Landes, d.h. eine Befreiung von neokolonialer Abhängigkeit  – vom Imperialismus. Dies zeigt sich an einem Land wie Kuba, dass schon sozialistische Veränderungen erkämpft hat, zu deren Erhalt es aber auf den Erhalt seiner nationalen Souveränität angewiesen ist (wobei den Kämpfen um sozialistische Veränderungen die um die nationale Souveränität vorausgegangen sind). Es zeigt sich auch im Fall von Ländern wie Nicaragua, wo der weitere Kampf nur dann geführt werden kann, wenn die nationale Souveränität erhalten bleibt. Das zeigt sich auch in vielen Ländern Afrikas, wo erste Schritte zur Befreiung von neokolonialer Abhängigkeit gegangen werden können, auch wenn die weitere Entwicklung noch offen ist. Hinzu kommt, dass der Kampf um nationale Souveränität nur gegen den Imperialismus geführt werden kann, was die Bedingungen für konsequent antiimperialistische – d.h. antikapitalistische – Kräfte verbessert.

Im imperialistischen Stadium gibt es für den Kapitalismus keine Möglichkeiten der Weiterentwicklung mehr, jedenfalls nicht langfristig und perspektivisch. Der Kampf gegen den Imperialismus kann für die Arbeiterklasse und die übrigen Werktätigen nur in Richtung Sozialismus gehen, wenn sie ihre Lebensbedingungen dauerhaft verbessern wollen. Dieser Kampf kann dann am erfolgreichsten geführt werden, wenn die Spielräume für Veränderungen in den einzelnen Ländern größer werden, wenn es leichter für sie wird, ihre nationale Souveränität zu erreichen (oder zu erhalten) und nicht mehr unter dem Diktat des Imperialismus zu stehen. China, das seit 1949 die mit der Revolution erlangte Souveränität verteidigt und einen sozialistischen Entwicklungsweg fortsetzt und seine Produktivkräfte aufbaut, ist durch seine erfolgreiche Entwicklung zu einer Systemalternative zum Imperialismus geworden, die tatsächlich geopolitisch ein Gegengewicht bildet. Seine Außenpolitik ist auf friedliche Koexistenz und eine multipolare Weltordnung gerichtet und es betreibt langfristige Projekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, gerade auch mit neokolonial abhängigen Ländern, die dadurch die Möglichkeit erhalten, einen vom Imperialismus unabhängigen Entwicklungsweg einzuschlagen und ihre Infrastruktur aufzubauen, ohne einem politischen Diktat des Westens zu unterliegen. Ob und wie diese Möglichkeiten genutzt werden, hängt vom Klassenkampf innerhalb dieser Länder ab.

Das kapitalistische Russland kämpft derzeit einen Kampf gegen imperialistische Aggression um seine nationale Souveränität, gegen seine nach der Konterrevolution vorgesehene Aufteilung durch den Imperialismus. Dies verbessert die Möglichkeiten des Klassenkampfes für die Arbeiterklasse in Russland und leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Einschränkung der imperialistischen Hegemonie. Das Bündnis zwischen China und Russland spielt dabei eine wichtige Rolle, genauso wie die zunehmende wirtschaftliche Zusammenarbeit Russlands mit Ländern der sogenannten Dritten Welt.

Für uns, die wir den Kampf in einem imperialistischen Hauptland führen, heißt das vor allem, dass wir unsere Kräfte einsetzen müssen, um den aggressiven Kurs des Imperialismus zu stoppen. Eine wichtige Rolle kann dabei die Zusammenführung von sozialen und Antikriegsforderungen spielen.

Der Hauptwiderspruch in der Welt

Joti Brar ist stellvertretende Vorsitzende der Kommunistischen Partei Großbritanniens Marxistisch-Leninistisch (CPGB-ML) und internationale Sprecherin der „World Antiimperialist Platform“.

Für Sozialisten in imperialistischen Ländern ist es zentral zu verstehen, dass unser Kampf für den Sozialismus niemals erfolgreich sein kann, wenn er nicht mit dem Kampf der unterdrückten Massen für die nationale Befreiung verbunden ist.

Lenin hat schon vor langer Zeit aufgedeckt, wie ein Teil der imperialistischen Superprofite aus den Kolonien (heute sind die meisten Neokolonien, aber sie werden weiterhin finanziell und politisch vom Imperialismus beherrscht) dazu verwendet wird, die Arbeiter im eigenen Land zu bestechen und so den sozialen Frieden zu erkaufen.

Dies hat dazu geführt, dass ein Teil der Arbeiterklasse den Eindruck hat, dass sie am System beteiligt ist und dass eine wirkliche gesellschaftliche Veränderung unmöglich, unnötig und unerwünscht wäre. Der Begriff Sozialismus wird von vielen führenden Vertretern der Arbeiterklasse als „Kapitalismus mit freundlicheren Zügen“ verstanden. Die Revolution ist von ihrer Agenda verschwunden.

Die Unterstützung, die Kommunisten den nationalen Befreiungsbewegungen bieten, geschieht nicht aus Nächstenliebe oder Mitleid. Sie basiert vielmehr auf ihrem tiefen und wissenschaftlichen Verständnis. Sie erkennen, dass, wenn die Fähigkeit der Imperialisten, im Ausland zu plündern, geschwächt wird, dies auch ihre Fähigkeit beeinträchtigt, sozialen Frieden im eigenen Land zu bewahren.

Aus dieser Feststellung folgt, dass es unsere Aufgabe ist, jegliche Bewegung zu unterstützen, die objektiv daran arbeitet, die Position der Imperialisten im Ausland zu schwächen. Dies hängt nicht von den subjektiven Beweggründen der Führungen dieser Bewegungen ab. Die reaktionärsten Führungen können einen objektiven historischen Fortschritt bewirken – wie Stalin 1924 in seinem Werk Grundlagen des Leninismus betonte und wie Marx, Engels und Lenin in ihren Schriften immer wieder betont haben.

Der Widerspruch zwischen den imperialistischen und den nichtimperialistischen Ländern ist der Hauptwiderspruch in der Welt seit dem Entstehen des ersten sozialistischen Staates 1917. Es ist nun klar, dass der Weltkrieg, in den uns ein destabilisiertes und stark geschwächtes imperialistisches System stürzt, zwischen diesen beiden Lagern stattfinden wird. In diesem Fall ist es die Aufgabe der Marxisten, den Charakter des Konflikts deutlich zu machen und den Massen zu erklären, dass wir verpflichtet sind, an der Seite des antiimperialistischen Lagers zu kämpfen.

Wenn die Arbeiterklasse auf dem Weg zum Sozialismus vorankommen will, muss sie darauf hinarbeiten, die Niederlage der Imperialisten zu beschleunigen und zu erzwingen, indem sie sich weigert, mit ihnen zusammenzuarbeiten – ja, indem sie ihre Fähigkeit, aggressive imperialistische Kriege zu führen, aktiv sabotiert.

Die Imperialisten versuchen, uns in dieser wichtigsten Frage unserer Zeit Sand in die Augen zu streuen, indem sie pseudo-marxistische Propaganda über den „russischen Imperialismus“, den „chinesischen Imperialismus“ usw. verbreiten. Einige so genannte Marxisten treiben dies auf absurde Weise auf die Spitze und erklären jedes große Land mit einer wachsenden Wirtschaft in der unterdrückten oder unabhängigen Welt für „imperialistisch“. Solche Lügen lassen sich mit ein wenig ernsthaftem Studium und einer umfassenden Betrachtung der Frage leicht widerlegen.

Es gibt keine Daten, die belegen, dass Russland oder China von den Extraprofiten leben, die durch den Export von Finanzkapital erzielt werden. Diese Länder verfügen nicht über große Kohorten von hoch bestechlichen Funktionären, die ihre Maschinerie des Kapitalexports bedienen, wie wir sie in der Londoner City oder an der Wall Street sehen. Ihre Volkswirtschaften sind nicht auf diese Ausplünderungsmaschinerie zugeschnitten. Sie setzen ihre finanzielle Macht nicht ein, um andere Länder zu erpressen, oder führen Angriffskriege, um den Willen ihrer allmächtigen Monopolisten durchzusetzen und ihre Vorherrschaft zu festigen.

Die starken militärischen, technischen, wissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Grundlagen Russlands und Chinas wurden als Ergebnis der sozialistischen Revolution aufgebaut – im Interesse des Menschen und zur Verteidigung der Revolution. Die Übernahme der Sowjetunion durch die Kapitalisten ändert nichts an der Art und Weise, wie Russlands Stärke zustande gekommen ist, und es gibt keine Beweise für die These, dass sich Russland auf der Weltbühne wie ein Imperialist verhält – selbst wenn es die finanziellen Möglichkeiten dazu hätte, was nicht der Fall ist.

Es ist natürlich, dass die Imperialisten versuchen, die Tatsachen zu verdrehen, aber es ist ein schwerer Verrat, wenn führende Vertreter der kommunistischen Bewegung dies ebenfalls tun.

»Es ist eine Zeit gewaltiger Möglichkeiten«

Pawel Wargan ist Koordinator des Internationalen Sekretariats der „Progressive International“ und hat zuletzt Delegationsreisen in die Westsahara und nach Palästina durchgeführt.

Der so genannte Kalte Krieg hat uns gelehrt, dass es ungeheuer schwierig ist, den Sozialismus angesichts der unerbittlichen Gewalt des Imperialismus aufzubauen. Die imperialistischen Mächte, die versucht haben, das Streben der Menschheit nach einer demokratischen, souveränen und sozialistischen Zukunft zu vernichten, haben im Laufe des 20. Jahrhunderts zig Millionen von Menschen das Leben genommen. Wo sie gegen die Aufbrüche in die Unabhängigkeit intervenierten, machten sie auch die umfassende soziale Neuordnung unmöglich, die für den Aufbau einer würdigen, sozialistischen Gesellschaft erforderlich war. Diese Epoche der Revolution und Konterrevolution hat die fragile Gegenwart geprägt.

Die Lehren aus dieser Zeit sind für uns heute nicht verloren. Die imperialistischen Staaten haben ihre Macht inzwischen weitgehend in dem gebündelt, was Samir Amin die Triade nennt – die von Deutschland geführte Europäische Union (plus ihr früheres Mitglied, das Vereinigte Königreich), Japan und, in der Hauptrolle, die Vereinigten Staaten. Diese Mächte zehren weiterhin von der Ausplünderung und Ausbeutung der großen globalen Mehrheit. Sie verwandeln souveräne Nationen in Exportmärkte, Quellen für billige Ressourcen und Arbeitskräfte sowie in Investitionsstandorte. Auf diese Weise entziehen die imperialistischen Staaten der Menschheit eine Fülle von Reichtümern und zwingen die Völker in einen Zustand permanenter Unterentwicklung.

Dieses neokoloniale System wird durch die einzigartige Fähigkeit des Westens durchgesetzt, denen, die sich seinem Diktat nicht beugen wollen, wirtschaftliche und militärische Gewalt aufzuzwingen. Nahezu ein Drittel der Menschheit erstickt unter dem Druck der US-Sanktionen. Diese sind, wie das US-Außenministerium im Falle der Kuba-Blockade ausdrücklich einräumte, darauf ausgerichtet, „die monetären und realen Löhne zu senken, Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung herbeizuführen“.

Für das Projekt der Hegemonie ist kein menschlicher Preis zu hoch. Weder die 500 000 irakischen Kinder, die unter den US-Sanktionen verhungerten – ein Preis, von dem US-Außenministerin Madeleine Albright sagte, er sei „es wert“ –, noch die Million Iraker, die später im US-Krieg getötet wurden. Ein Holocaust nach dem anderen wurde verübt, um das krebsartige Fortschreiten der imperialistischen Globalisierung zu sichern. Mit der Niederlage der Sowjetunion hat dieses Projekt die totale Herrschaft ins Visier genommen – mit Russland und China als seine letzten Stationen. Die Gefahr, der wir heute ausgesetzt sind, ist größer als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Aber es ist auch eine Zeit gewaltiger Möglichkeiten. Die wachsende Forderung nach nationaler Souveränität durch die Nationen und Völker der Welt stellt eine enorme Bedrohung für die fortgesetzte Hegemonie der imperialistischen Mächte dar. Sie hat das Potenzial, die Arterien der imperialistischen Ausbeutung, die sie stützen und es ihnen ermöglichen, sich die Komplizenschaft ihrer arbeitenden Klassen zu erkaufen, endgültig zu durchtrennen. Der Untergang des Imperialismus wiederum kann Möglichkeiten für grundlegendere soziale, kulturelle und politische Veränderungen in den Nationen eröffnen, die mit den Hinterlassenschaften einer anhaltenden Unterentwicklung zu kämpfen haben.

Diese Hinterlassenschaften mit ihrer Spur der Zerstörung bedeuten, dass wir uns unsere antiimperialistischen Kräfte nicht aussuchen können – oder unsere Solidarität auf der Grundlage von Reinheitskriterien bestimmen können. In Ländern, die sich im Fadenkreuz des Imperialismus befinden, kann politische und sogar wirtschaftliche Souveränität erlangt werden, ohne die Handels- und Finanzinfrastrukturen in Frage zu stellen, die eine einheimische Bourgeoisie stützen. Vielerorts ist diese Bourgeoisie selbst ein Produkt des Imperialismus, der die Entwicklung des Industriekapitalismus zugunsten eines exportorientierten Handelskapitalismus aufgehalten hat. Mit anderen Worten, die Grundlage einer Bewegung für Souveränität kann, zumindest anfangs, durchaus nicht-sozialistisch sein.

Was bedeutet das für Kommunisten und Sozialisten, die sich in den imperialistischen Ländern organisieren? Es bedeutet, dass wir nicht nur die Staaten unterstützen müssen, die gegenwärtig den Sozialismus aufbauen, sondern auch diejenigen, die sich dem Vormarsch des Imperialismus widersetzen. Es könnte nicht mehr auf dem Spiel stehen. Wird sich das Projekt der Souveränität durchsetzen und den jahrhundertealten Würgegriff der imperialistischen Mächte gegenüber der großen Mehrheit der Weltbevölkerung brechen und zumindest die Möglichkeit eines anderen Weges eröffnen? Oder werden die Kräfte des Imperialismus uns weiterhin auf einen Weg des Krieges und der Umweltzerstörung treiben? Die Antwort hängt von unserem festen und entschlossenen Einsatz für den antiimperialistischen Internationalismus ab.